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Geschichtsthread
(Palland)Raschi:
Ich denke ab dann hatte man wohl "Blut geleckt", und es dürstete die europäischen Seemächte nach mehr. Insofern haben diese sich wohl tatsächlich gegenseitig angestachelt in ihrem Bestreben ihren Einfluss außerhalb Europas zu erweitern.
Allerdings eben nicht alle europäischen Staaten, daher hatte ich dich anfangs auch unter anderem getadelt. Das heilige römische Reich war zu der Zeit gar nicht zu solchen Unterfangen in der Lage, es konnte aufgrund struktureller Andersartigkeit auch praktische keine Eroberungskriege führen. Genausowenig wie übrigens die Italiener.
Saruman der Bunte:
Was Handel angeht haben diese Staaten in gewisser Weise aber dennoch profitiert, da sie Luxusgüter nun wenigstens aus zweiter Hand erhielten, nicht mehr als letztes Glied in der Kette.
Obwohl sich die Venezianer bestimmt nicht gefreut haben, als ihr Gewürzmonopol in Europa aufgebrochen wurde. :D
Was mir gerade auch aufgefallen ist;
Die Briten, die ja später das Kolonialreich schlechthin besaßen, waren am Anfang tatsächlich etwas desinteressiert an Kolonien, tatsächlich war für die Briten die zeitweilige Besetzung Antwerpens im Achtzigjährigen Krieg in gewisser Weise ausschlaggebend, da dieser das Hauptziel der Tuchexporte war - ein weiterer Zufall, der die Geschichte veränderte.
Obwohl bei den Briten speziell ja interessant ist, dass sie den Spaniern und Portugiesen ursprünglich nachhingen und später auch noch große Teile Nordamerikas verloren - Und trotzdem hatten sie im 19. und frühen 20.Jahrhunderts eine Hegemonialstellung inne.
Gruß, Saruman.
Whale Sharku:
--- Zitat ---Warum hätten die Chinesen (bzw. Inder) versuchen sollen Europa über den Pazifik zu entdecken?
--- Ende Zitat ---
Das ist einfach keine sinnvolle Frage.
Für das klassische China konnte kein Europa existieren, geschweige denn sowas wie der Pazifik.
Sie waren die Mitte der Welt. Es gab genau zwei geografische Kategorien in dieser Welt: China und so'n paar armselige Barbaren drum herum die aber grundsätzlich keinen interessieren, nichts besitzen und völlig egal im Weltgeschehen sind.
Mit dieser Geisteshaltung konnte kein Kolumbus aus China hervorgehen. Es gibt da nicht den kleinsten Grund, irgendwelche Handelsgeschichten heranzuziehen. Gerade das Beispiel des klassischen China und seines unvorstellbaren Hochmuts serviert euch die Antwort auf dem Silbertablett, warum westliche Kultur in der Moderne dominiert und keine andere.
kolibri8:
Sehr gut Saruman, du hast tatsächlich eine Frage gestellt, die derzeit (bzw. sie ist so aktuell, dass mein Mittelalterprofessor diese Frage in fast jeder seiner Veranstaltungen mindestens einmal aufgreift) in der Geschichtswissenschaft diskutiert wird, sofern ich deine Frage denn richtig verstanden habe.
Whale hatte ich das schonmal per PM erklärt, und da ich zu faul bin alles nochmal neu zu formulieren zitiere ich einfach meine PM:
--- Zitat von: Kolibri8 ---Die Überlegung, basiert auf der Beobachtung, dass um das Jahr 1000 alle höheren Kulturen auf der Erde (in Europa wäre das der arabische Raum, die Byzantiner und das frankische Reich und seine Nachfolger, das ist die Champions League in Europa der Rest ist mehr Kreisklasse) in etwa auf dem selben Niveau sind. Betrachtet man nun den Globus im Jahr 1900 fällt einem auf, dass sich eine Kultur offensichtlich durchgesetzt hat, der alle anderen gewichen sind, sei es durch Eroberung (z.B. in Amerika) oder durch Assimilation (wie z.B. Japan/China).
Der Historiker Otto-Gerhard Oexle hat sich ausgiebig mit der mittelalterlichen Gesellschaft beschäftigt (die Einteilung derselben in Stände ist im übrigen Schwachsinn, Stände gab es, so wie man sie als Kastenartige Einteilung, aus denen man nicht raus kann, kennt, nicht) und dabei einen Idealtypus einer sozialen Gruppe aufgestellt/gefunden. Diesen Idealtypus findet man dann immer wieder in der mittelalterlichen Gesellschaft. Die sozialen Gruppen, Gesellschaften oder Societas basieren auf einigen grundsätzlichen Prinzipien: Zusammenschluss auf freiwilliger Basis; selbstgegebenes, für alle Mitglieder geltendes Recht; Wahl von Institutionen; prinzipielle Gleichheit der Mitglieder. Das Erinnert schon fast an eine Moderne Demokratie, naja fast. Deshalb proto-demokratisch. Beispiele für solche Gruppen sind z.B. Zünfte, die Städte in Italien und Deutschland, die Hanse, Dörfer, Adelsgemeinschaften, und viele mehr (kann man von gehört haben muss man aber nicht).
Entstanden sind diese soz. Gruppen dadurch, dass eine Gruppe von Leuten quasi genervt war, beispielsweise sind mehrere Bäcker einer Stadt unzufrieden, weil ein anderer Bäcker der Stadt kleinere Brötchen für den selben Preis verkauft. In China oder Byzanz würden sich die wütenden Bäcker an einen Kaiserlichen Beamten wenden, der regelt das. In Europa geht das nicht. Der Ansprechpartner bei Problemen, auch beispielsweise mit dem Stadtherren, ist normalerweise der König, wenn der aber nicht da ist, weil auf Kriegs-, Kreuz- oder Italienzug ist, wer hilft dem wütenden Bürger/Bäcker/Bauer/Händler? Die Antwort ist er selbst und seine Leidensgenossen. Die genervten Leute schließen sich zusammen, verjagen gemeinsam dem unliebsamen Bäcker/Stadtherren usw. Dadurch entstehen die freien Städte in Europa, sowie Universitäten, Dörfer (als politische Einheit, sogenannte Dorfgenossenschaften), Zünfte, Gilden usw. Diese Entwicklung gibt es sonst nirgens auf der Welt. Deshalb begann die Industrialisierung (und technische Innovationen, die hauptsächlich von den Städten und einfachen Bürgern ausging) in Europa. Die Europäer also sind quasi daran gewöhnt die Eigeninitiative zu ergreifen und kommen daher auf neue Ideen. In anderen Gegenden wurde den Menschen quasi alles abgenommen, wodurch diese quasi eingeschlafen sind. Dadurch sind die anderen Länder im Vergleich zu Europa in Rückstand geraten.
--- Ende Zitat ---
--- Zitat von: (Palland)Raschi am 9. Sep 2015, 21:26 ---die Vorgänger der Osmanen die Sassaniden
--- Ende Zitat ---
Also von den zoroastrischen persischen Sassaniden, die im 7. Jahrhundert untergingen auf eine Kontinuität mit den sunnitischen, türkischen Osmanen, die erst 7 Jahrhunderte später entstanden, zu schließen halte ich für sehr gewagt Raschi :P.
Hast du Sassaniden mit Seldschuken verwechselt ;)?
Saruman der Bunte:
--- Zitat von: Whale Sharku am 10. Sep 2015, 10:21 ---
--- Zitat ---Warum hätten die Chinesen (bzw. Inder) versuchen sollen Europa über den Pazifik zu entdecken?
--- Ende Zitat ---
Das ist einfach keine sinnvolle Frage.
Für das klassische China konnte kein Europa existieren, geschweige denn sowas wie der Pazifik.
Sie waren die Mitte der Welt. Es gab genau zwei geografische Kategorien in dieser Welt: China und so'n paar armselige Barbaren drum herum die aber grundsätzlich keinen interessieren, nichts besitzen und völlig egal im Weltgeschehen sind.
Mit dieser Geisteshaltung konnte kein Kolumbus aus China hervorgehen. Es gibt da nicht den kleinsten Grund, irgendwelche Handelsgeschichten heranzuziehen. Gerade das Beispiel des klassischen China und seines unvorstellbaren Hochmuts serviert euch die Antwort auf dem Silbertablett, warum westliche Kultur in der Moderne dominiert und keine andere.
--- Ende Zitat ---
Ähm. Das ist genau das was ich damit sagen wollte; es war eine rethorische Frage. ;)
@kolibri: Ah, das ist sehr interessant! :)
Ist das die momentan gängige Theorie in der Geschichtswissenschaft?
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