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Geschichtsthread
CynasFan:
"Beliebtheit" würde ich hier nicht mit "Erfolg" sondern eher mit "Zustimmung" charakterisieren und warum ihm so viele gefolgt sind.
Gruß, CynasFan
(Palland)Raschi:
Also bei der "Zustimmung" muss man unterscheiden. Denn meist gab man nicht der Person die Zustimmung, sondern dem, was er fordert. Viele Forderungen waren parteiübergreifend und gesellschaftlich Konsens.
Den Vertrag von Versailles beispielsweise wollte keine Partei. Bereits der SPD Politiker und Reichskanzler trat deshalb mit den Worten" Welche Hand müsse nicht verdorren, die sich und uns diese Fessel legt ?" im Mai 1919 zurück.
Auch ist kein Geheimnis, dass der Aufmarschplan, der 1939 durchgeführt wurde, sowie die Rüstungskonzepte bei Adolfs Amtsantritt 1933 alle schon in den Schubladen der Reichswehr mit Kenntnis der vorherigen Reichsregierungen lagen.
Nur wollte man das nicht an die große Glocke hängen.
Hitler forderte auch viele Sachen, die allgemeinhin gefordert wurden. Allerdings die Mittel, die er einzusetzen gedachte waren andere; und über die ließ er viele im unklaren.
Hier waren seine Vorgänger vielleicht so unklug, dass sie darüber selber nicht viel gesprochen haben, aber ihre Erfolge sind unbestreitbar und diplomatisch vielleicht sogar klüger, als Hitlers Vabanquespiele, die natürlich jeder bemerken musste.
CynasFan:
Da hast du natürlich mit Recht, allerdings war meine Frage ja, warum Hitler diesen Rückhalt in der Bevölkerung hatte, welche man in den Wahlen durchaus nachweisen kann und wovon auch einige Historiker ausgehen, selbst als nach 1933 keine Wahlen mehr stattfanden.
Wie kann es eurer Meinung nach sein, dass Hitler derart beliebt/ so viel Zustimmung/ so viel Rückhalt hatte um seine Politik durchzuziehen. Nicht nur gegenüber Juden und anderen unter NS-Herrschaft Verfolgte, sondern auch gegenüber "normalen" Bürgern.
Ich hoffe damit ist es etwas klarer geworden.
Gruß, CynasFan
(Palland)Raschi:
Weil er Positionen einnahm, die bevölkerungsübergreifend und parteiübergreifend akzeptiert waren und vielfach gefordert wurden; habe ich oben auch schon gesagt.
Tatsächlich war seine eigentliche Zielsetzung allgemein nicht besonders populär, und das wusste er auch. Die Pogrome 1938 zeigen dies nochmal in aller Deutlichkeit. Zum einen ließ man sich erst sehr spät, 5 Jahre nach "Machtergreifung" um genau zu sein, zur großflächigen, brutalen und inszenierten Willküraktion hinreißen. Zum anderen blieben die erhofften Reaktion in der Bevölkerung ( sog. "Volkszorn") jedoch aus, im Gegenteil man war in weiten Bevölkerungskreisen teilweise schockiert über die Vorgehensweise. Die Schlägertrupps der NSDAP waren ebenfalls nicht sehr beliebt und offene ungesetzliche und willkürliche Handlungen ungern gesehen. Gefahr drohte auch stets und immernoch von der Reichswehr.
Es bestand jederzeit die Gefahr, dass die Stimmung umschlagen und man die neu erhaltene Macht wieder verlieren könnte, und daher ging man im Folgenden weiterhin wieder unter Geheimhaltung, oder jedenfalls weniger öffentlichkeitswirksam vor.
Die besonders populären Handlungen bezüglich der Wiedereingliederung deutscher Gebiete waren allerdings weitesgehend Konsens, daher war er auch über die tatsächlichen Sympathisanten hinaus beliebt.
Bei der Revision des Versailler Vertrags lief die Sache ähnlich.
CynasFan:
--- Zitat ---Weil er Positionen einnahm, die bevölkerungsübergreifend und parteiübergreifend akzeptiert waren und vielfach gefordert wurden; habe ich oben auch schon gesagt.
--- Ende Zitat ---
Ja, nur wieso konnte Adolf Hitler mit seiner Partei da so viel mehr daraus machen?
Die Konkurrenz war nicht gerade klein, Bestrebungen gegen den Versailler Vertrag gab es auch von den demokratischen Parteien (wenn auch mit demokratischen und nicht rechtsbrechenden Akten) und Annäherungen zu Polen und Österreich auch in gewisser Weise. Außerdem konnte Hitler nichts aufzeigen, womit er sich vor den Wahlen hätte schmücken können.
Man versuchte zwar bereits einen Führerkult zu etablieren (also vor ´33), aber dieser fand außerhalb der NSDAP keinerlei Beachtung und Hitler war noch immer ein ehemaliger Putschist.
Um nochmals versuchen die Frage besser zu erfassen: Wie schaffte es Hitler mit einer kleinen, relativ unbekannten Partei zu einer Machtstellung zu kommen, die ihm ermöglichte ganz Deutschland unter seine Kontrolle zu bringen? Und dann, wie schaffte er es schließlich, dass trotz seiner mal mehr, mal weniger offenen Aktionen gegen das Volk, immer mehr Unterstützer zu bekommen?
Gruß, CynasFan
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