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Autor Thema: Die Verteidigungs- und Maueranlagen  (Gelesen 4640 mal)

Offline Vexor

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Die Verteidigungs- und Maueranlagen
« am: 9. Mär 2011, 18:49 »
….Celebithiel aus der Stadt und ihrer Wohnung



Verwegen kitzelten die Sonnenstrahlen, die durch einen winzigen Spalt der Vorhänge in das geräumige Zimmer fielen, die jugendlichen Wangen Celebithiels. Sie blinzelte und ihre ozeanblauen Augen musterten ihre Umgebung argwöhnisch und es dauerte einen Moment bis sich ins Gedächtnis gerufen hatte an welchem Ort sie sich befand.
Ihr Gemach wirkte auf sie viel wärmer als am gestrigen Abend, als sie es bezogen hatte und seufzend setzte sie sich auf die Bettkante. Ihre nackten Füße wanderten sinnlich über den rubinfarbenen Teppich und plötzlich musste sie lächeln.
Der Teppich besitzt eine ähnliche Farbe wie Narya…meine Bürde..meine Vermächtnis.

Die Elbe erhob sich von dem Doppelbett, doch fiel ihr die Bewegung schwer, als wären ihre Knochen müde und ihre Muskeln träge. Ihr fehlte jegliche Spannung und so setzte sie sich, nachdem sie das Bettlaken glatt gestrichen und das Kissen aufgeschüttelt hatte, vor die kleine Kommode mit dem Spiegel.
„ Guten Morgen Fräulein Gwilwileth, darf ich Ihnen etwas bringen? Gebäck, oder Tee?“.
Das Gesicht Limris‘ blickte sie direkt an und es dauerte einen Moment bis sie begriff, dass sie hinter ihr im Türrahmen stand und nur ihr Spiegelbild beobachtet hatte.
„ Nein danke Limirs“, entgegnete Celebithiel und schenkte ihr ein aufrichtiges Lächeln. Als sie hörte, wie die Elbe die Tür geschlossen hatte, nahm sie den Ebenholz-Kamm von der Anrichte und fuhr sich damit durchs Schulterlange Haar. Der rötliche Stich war stark verblasst und Celebithiels Haarfarbe näherte sich nun immer mehr einen hellen Blond, so wie das Haar ihrer Mutter gewesen war. Sie entschied sich ihre Haare offen zu tragen und flocht sich nur ein schwarzes Band durch die Haare. Als sie die schweren Ahorntüren, die man mit weißer Farbe überstrichen hatte, ihres Schrankes öffnete, bemerkte sie, dass neben ihren eigenen Sachen viele fremde Sachen für sie breit lagen. Nach längerem Zögern entschied sich für ein nachtblaues Kleid, welches an Saum und Ärmeln kleine Verzierungen, die mit silbernem Faden gestickt worden waren, aufzeigte. Außerdem band sie sich ein weißes Tuch um die Taille und zog blaue Schuhe mit Absatz an.
Als sie sich fertig angezogen hatte, setzte sie sich auf einen Stuhl und schüttelte fast unmerklich den Kopf.

Was ist denn eigentlich los mit dir? Kleidest dich wie eine Fürstin und zu welchem Grund? Du bist hier um die Bedrohung durch den Schatten aufzuhalten. DU musst die Bedrohung durch den kraftvollen Arm Saurons abwehren, DU musst die Aufgabe zu Ende bringen an der Mithrandir gescheitert ist.
Aber wenn ich nicht will? Kann ich nicht für immer in diesem Zimmer bleiben? Mit den Kleidern einer Fürstin, fern ab von den Sorgen und Nöten der Welt? Kann ich nicht hinunter zum Hafen eilen und auf schneeweißen Wogen zu meinen Geliebten reisen? Wozu der sicheren Aussicht von Tod und Niederlage begegnen, wenn wir im Schutze der Mächtigsten dieser Welt leben? Behütet und frei von Sorgen.


Da fiel Celebithiel etwas in die Augen und es schien als würde der Tisch brennen, doch es war nur Narya, der das hereinfallende Morgenlicht reflektierte und den Tisch in ein blutiges Rot tauchte.

Weil du nicht willst, dass die Boden Mittelerdes diese Farbe annehmen. Weil du nicht willst, dass die blauen Himmel in ewiger Dunkelheit verhüllt werden. Weil du nicht willst, dass die Flüsse und Wälder Mittelerdes vergehen. Weil du nicht willst, dass von deinen Freunden und Geliebten nichts als verglühte Asche übrig bleibt, die der Wind in einer traurigen Ballade über die verdorrten Gefilde weht. Vielleicht ist es unser Untergang und vielleicht werden wir Scheitern, wie es Mithrandir getan hat, aber wenn es soweit sein sollte, können wir mit hocherhobenen Haupt unseren Freunden und Geliebten in Aman gegenübertreten.
Celebithiel nickte nahm Narya und verstaute ihn sicher an ihrem Körper, bevor sie die Wohnungen verließ.

Es war erstaunlich warm und es musste noch sehr früh am Morgen sein, denn Celebithiel bemerkte, dass noch nicht viel Betrieb auf den Straßen und in den Gassen der Schwanenstadt war. Nur vereinzelt traf sie auf Männer und Frauen, die ihrem täglichen Handwerk nachgingen.

Puhh…ich habe ganz vergessen meine Maske aufzuziehen, aber meine Haare verdecken heute meine Ohren sehr gut. Dennoch beobachten mich die Leute hier misstraurisch!
Einen Moment später wurde Celebithiel auch klar, warum man sie beobachtete. Es wurde ihr schlagartig klar, als sie in die ausgemergelten und verzweifelten Gesichter der Kinder blickte. Es wurde ihr klar als sie die verfilzten Haare der Frauen betrachtete, die einen kärglichen Korb Gemüse vor sich stehen hatte, welches sie putzte. Ihr kam wieder ins Gedächtnis, dass Dol Amroth seit Monaten belagert wurde und sie schämte sich, als sie an sich selbst hinunter blickte. Ihr Gesicht wurde puterrot und nahm beinahe die gleiche Farbe an, die ihre Haare früher hatten.
Sie beschleunigte ihren Schritt, um schnell wieder in Viertel zu kommen, in denen weniger Menschen unterwegs waren. Dazu nahm sie Wege durch kleine und dunkle Gassen.
Daraufhin stolperte sie fast auf einen Platz, welcher jedoch menschenleer war. Einen Moment blickte sie sich irritiert um bis es ihr dämmerte. Der weißen Steine, aus denen die Häuser Dol Amroths in der Regel errichtet waren, waren geschwärzt von Ruß und die Dächer zerstört. Durch eine Ruine hindurch erkannte sie auch eine Treppe, die steil zur Mauer hinauf führte.
Hastig stieg Celebithiel die Treppe hinauf und verlor dabei sogar ihre Schuhe und ging barfuß weiter. Sie stand nun auf der gewaltigen Mauer, welche die Halbinsel auf der Dol Amroth erbaut war, von der Außenwelt abschnitt. Viele Gebäude, die in der Nähe der Außenmauer erbaut worden waren, waren zerstört und der monatelangen Belagerung zum Opfer gefallen. Wie eine schwarze Schneise zog sich der Gürtel durch die Stadt.
Als ihr scharfes Elbenauge nach Osten blickte, weiteten sich ihre blauen Augen und der Wind der daraufhin auffrischte und sie fast von der Mauer fegte, unterstrich den dramatischen Anblick.


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Offline Vexor

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Re:Die Verteidigungs- und Maueranlagen
« Antwort #1 am: 12. Mär 2011, 00:44 »
Tausende von Orks ausgebreitet wie ein schwarzer Teppich, der den Tod zu Gast bittet. Gerahmt von blanken Schädeln der Unschuld. Trolle, wie groteske Statuen des Sieges, zieren den breiten Pfad des Todes und voll Spott blicken Ulmos Nymphen aus den Ufern des Meeres. Auch sie werden bald ans Meer gespült werden, sollte der Tod, das perfide Haustier Saurons, nicht aufgehalten werden.

In einer halbmondförmigen Sichel hatte sich das gewaltige Heer des dunklen Herrschers um die Stadt angeordnet. Ein Gürtel aus rasselnden Schwertern und lodernden Geschossen. Die Kehle und einzigen Landzugang Dol Amroths schnürte jener Gürtel ab. Wäre der Wind nicht so stürmisch an diesem Tag über die Stadt an den Ufern des Meeres gefegt so hätte die Elbenmaid die hämischen Gesänge in der schwarzen Sprache gehört. Sie verhehlten alles, was Celebithiel am Herzen lag und als Tugend erachtete. Die Heerscharen Mordors waren sich ihrer Überlegenheit im klaren, besangen die geschwärzten Mauern Dol Amroths, die Wilde Bestie Saurons, die nun ungezügelt auf Mittelerde losgelassen hatte; sie labten sich jetzt schon gierig und ungeduldig am unschuldigen, reinen Blut der Nymphen, die geschändet auf dem von Blut getränkten Strand verendeten.
Celebithiel hätte aufgeschrien, wäre sie nicht so entgeistert über den Anblick der Truppen Mordors gewesen, als etwas an dem schneeweißen Tuch zog, welches sie sich um die Taille gebunden hatte.

„ Du darfst hier oben nicht sein!“, drang die vorwurfsvolle Stimme eines kleinen Jungen an ihr Ohr
„Du darfst hier oben nicht sein!“, widerholte er eindringlich und packte Celebithiel am Stoff ihres nachtblauen Kleides und zerrte sie energisch die Stufen hinunter in den Schutz eines kahlen Baumes.
„ Der Fürst…der Fürst hats verboten“, haspelte er vor sich hin. Er lispelte leicht. „ Du darfst nicht auf die Mauer hat er gesagt…nicht auf die Mauer!“.
Celebithiel die langsam zu sich kam lächelte herzlich und ging in die Hocke um mit den kleinen Jungen in die Augen schaute.
„ Achso das wusste ich nicht…Ich bin nämlich neu in der Stadt, verstehst du?“, sagte sie liebevoll und wuschelte die strohblonden, verschmutzten Haare des Jungen. Umso länger sie ihn musterte, desto stärker wurde der Stich in ihren Herzen. Der Junge war nur noch Haut und Knochen. Es schien fast so als würde nur eine dünne Schicht Haut auf den kindlichen Wangenknochen liegen. Feine Äderchen schimmerten Türkis und geheimnisvoll durch die Haut, die von Schmutz und Dreck befleckt in der Sonne glänzte.
„ Also Dankeschön“, fuhr Celebithiel fort, aber sie wurde von dem stürmischen Jungen unterbrochen.
„ Du bist sehr schön“, entfuhr es im halblaut und mit errötenden Gesicht senkte er verschämt den Kopf.
„ Och das ist aber lieb von dir“, erwiderte die Elbe vollkommen strahlend und streichelte ihm mütterlich die Wange, „ Du bist auch sehr hübsch. Aber warum bist du denn hier ganz allein unterwegs. Ich bin mir sicher, dass der Fürst das auch nicht will, dass Kinder ohne Aufsicht durch die Stadt wuseln“.
Trotzig verschränkte der Kleine die Arme und verzog den Mund, „ Ich bin kein Kind! Ich bin schon sechs.“
Celebithiel lachte laut, aber herzlich, bevor sie sich selbst korrigierte. „ Oh entschuldigen Sie junger Mann.“
Jetzt musste der Junge auch lachen und umso bizarrer war das Bild für Celebithiel. Sie mochte sich nicht ausmalen, was der junge schon alles erleiden musste. Der Vater in jahrelangen Kriegen schlussendlich gefallen, die Mutter am Boden zerstört versucht die Kinder durchzubringen. Ihr fielen wieder die Frauen von vorhin ein, die mit dem kläglichen Vorrat an Gemüsen versuchen eine gestreckte Mahlzeit für ihre Familien zu kochen.
Erneut fegte ein Wind über den gepflasterten Platz, welcher eindeutig frischer war als jener zuvor.

Auf einmal hatte der Junge seine Augen weit aufgerissen und von einem Punkt auf Celebithiels Kopf hypnotisiert streckte er die Hand aus und hatte plötzlich Celebithiels Ohren angefasst.
„ Du..Sie…du bist eine Elbe?“, sagte er verblüfft und starrte nun unentwegt auf die spitzen Ohren der Elbenmaid.
Reflexartig bedeckte Celebithiel schockiert ihre Ohren mit ihren Haaren, bevor sie die Finger auf die Lippen legte.
„ Psst…aber das ist unser Geheimnis, ja?“, flüsterte sie und jeglicher Schrecken war aus ihrem Gesicht entwichen, als sie in das verdutzte, kindliche Gesicht blickte und der junge hastig mit seinen Kopf nickte.
„ Weißt du was?“, sagte sie entschlossen und griff in das kleine Bündel, welches sie dabei hatte. „ Das ist für dich!“.
Die Augen des Jungen weiteten sich und Celebithiel müsste lächeln, obwohl sie den Tränen nahe war, als ihr auffiel, dass der Junge vermutlich noch nie so viel Geld besessen hatte.
„ Das ist für deinen Hilfe gerade eben…und für deine Komplimente, kauf dir und deiner Familie etwas zu essen davon, ja?“.
Der Junge strahlte über das ganze Gesicht und die Elbe merkte, dass dem Jungen einige Zähne fehlten bzw. die vorhanden schwarz gefärbt waren.
„ Danke Herrin, aber- “

„ JÉLON!! Jélon wo bist du?“, hallte schwach die Stimme einer Frau durch die Gassen. Wie ein Hund, der von seinem Herrchen gerufen wird, drehte der Junge den Kopf in Richtung Ursprung des Lautes. Einen Augenblick später trat eine hagere Frau aus dem Schatten einer Gasse. Sie trug ein zerrissenes, braunes Kleid und ihre Haut glich ganz der des Jungen. Sie hatte kurze, schwarze Haare.
„Jélon? Was…was machen sie da?“, fragte die Frau und stampfte wutentbrannt auf Celebithiel und den Jungen zu.
„ Wer sind sie und was zur Hölle machen sie mit meinen Jélon?“, fauchte die Frau Celebithiel an, welche vor Schreck aus der Hocke auf dem Boden fiel.
„ Aber Mama..“, versuchte Jélon zu erwidern, aber die Frau packte das Kind an der dürren Hand und warf Celebithiel ein paar hasserfüllte Blicke zu.
„ Sie werden mir meinen Jélon nicht wegnehmen. Wir wissen doch was ihr reichen Frauen mit unseren Kindern macht. Nehmt sie mit, versucht die Leere in euren Herzen zu füllen und die Langeweile auszumerzen“, ihre Stimme überschlug sich nun fast schon voll Ekstase, „ Aber auch WIR haben diese Leere. Wir haben Ehemann und Söhne in diesem Krieg verloren. Nur kämpfen wir um unsere Existenz und müssen in diesem Rattenloch ausharren, bis Sauron persönlich uns die Gnade des Todes gewährt.
Aber IHR…ihr nehmt das nächste Schiff und segelt davon, aber glaubt mir auch da wird es nicht sicher sein!! Und im Tode sind wir alle gleich und seid euch Gewiss, sterben werden wir!!!“.

Die letzten Worte hallten noch in Celebithiels Ohren, die sich mittlerweile aufgerichtet hatte, und sie beobachtete wie die junge Frau mit Jélon davon stapfte und in den dunklen Gassen verschwand. Er drehte sich noch einmal um und es schien fast so, als würden sich seine Augen Celebithiel noch ein paar letzte Worte zuflüstern:
Entschuldige ihr Verhalten, aber seid unser Papa und meine beiden Brüder fort sind, kümmert sie sich ganz allein um mich und meine Schwestern. Ich werde ihr nicht erzählen woher ich das Geld habe, aber uns etwas Leckeres kaufen…vielleicht ein paar Kartoffeln oder einen der armen Kanickel, die unser Nachbar manchmal mitbringt, wenn er wieder von seinen Seefahrten zurückkommt. Für mich bleibst du die schönste Frau, die ich je gesehen habe.

Den Blick würde Celebithiel nie vergessen, denn als sie das nächste Mal Jélon sah, hatte der Tod seine Augen schon fest verschlossen und da wusste Celebithiel sie hatte diesen Jungen zwei Geschenke an diesem Tag gemacht. Er war der schönsten Frau, eine Maid der Erstgeborenen, begegnet, die er je getroffen hatte und er hatte sich wie der reichste Mann der Welt gefühlt.


Die Frau hat recht…
Celebithiel irrte orientierungslos durch die Straßen der Schwanenstadt und die Sonne stand mittlerweile hoch am Himmelszelt und schenkte die Wärme aus, die für den erstarkenden Frühling angemessen war.
Die letzten Monate war ich orientierungslos und habe mir Gedanken gemacht, wie ich mich zu verhalten habe, um dieser Bürde gerecht zu werden. Aber Fakt ist, dass sich nichts verändert hat. Meine Feinde sind die gleichen geblieben, meine Freunde und Verbündeten sind die gleichen, und meine Ziele ebenfalls. Ich möchte verhindern, dass Mittelerde vergeht. Ich möchte verhindern, dass Ulmos Nymphen geschlachtet auf den reinen Stränden dieser Welt verenden. Ich möchte verhindern, dass Jélon das Schicksal seiner Brüder teilt. Ich möchte Sauron aufhalten, der den Blumen dieser Welt schon zu viele Blütenblätter geraubt hat.
Und beginnen wird es hier in Dol Amroth!




...Celebithiel in die Stadt
« Letzte Änderung: 17. Mär 2011, 20:00 von Vexor »


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Re:Die Verteidigungs- und Maueranlagen
« Antwort #2 am: 6. Okt 2011, 15:52 »
.....Celebithiel und Imrahil vom Platz und vom Hafen


Celebithiel saß auf ihrem Bett und atmete tief ein und aus. Noch immer war sie vollkommen überrascht, dass Galadriel ihr über den Schiffsweg ihre silberne Rüstung hatte zukommen lassen. Sie ruhte in einem Bündel auf ihrer Kommode, neben dem Schwert Glorfindels. Der Knauf des kostbaren Schwertes war mit Runen und Saphiren geschmückt, die die Schmiede des Ersten Zeitalters in filigraner Arbeit dort eingefügt hatten.
Celebithiel lächelte und feine Falten legten sich um ihre Mundwinkel. Mit Galadriel und Glorfindel an ihrer Seite konnte sie nicht verlieren.
Es klopfte zweimal an der Tür und die Elbe rief Herein. Es war Limris, die sich tief verbeugte und dann mit ernster, aber zuversichtlicher Stimme sagte: „Meine Herrin, Fürst Imrahil verlangt nach Ihnen. Die Schlacht beginnt. Das dunkle Heer fängt an sich zu formieren.“
Celebithiel nickte stumm, schenkte Limris ein Lächeln und gebot ihr sie noch einen Moment allein zu lassen.

Die rothaarige Elbe stand auf, stellte sich vor die Kommode und öffnete eine winzige Schatulle. Der funkelnde Rubin Naryas funkelte im fahlen Sonnenlicht. Daneben leuchtete wie von selbst das Amulett Telperions, in welchem eine Haarsträhne Galadriels eingeschlossen war.
Liebevoll fuhren ihre Fingerspitzen über die beiden Schmuckstücke, bevor sie eine silberne Kette nahm und beide daran befestigte und sich um den Hals legte.
Sie stellte sich vor den Spiel und es war ihr, als würden Galadriel und Gandalf neben ihr stehen und ihre Hände auf Celebithiels Schultern legen.



Celebithiel schritt neben Imrahil durch die Straßen der Schwanenstadt. Die warme Frühlingssonne, die durch die pechschwarzen Gewitterwolken, brach erleuchtete die weißen Häuser und Gassen der Stadt in einem bizarren Licht.
An den Straßenrändern hatten sich all diejenigen versammelt, die fürs Kämpfen zu alt oder zu jung waren und es erfüllte die Elbe mit Stolz als sie sah, wie wenige es waren.

Gemeinsam erklommen sie die südlichste Mauer und stellten sich über den Torbogen und erblickten nun den schwarzen Teppich den Saurons Herrscharen bildeten. Ein Meer aus schwarzen Geschöpfen und Bestien, dass gierig darauf wartete sie alle zu verschlingen und sich einzuverleiben.
Celebithiels Augen trafen die Imrahils und entschlossen nickte er ihr zu, während er leiste flüsterte:
„ Ich glaube Celebithiel, es ist deine Ehre die Männer und Frauen zu motivieren.“
Es war keine Überraschung oder Arroganz, die in Celebithiels Lächeln lag, sondern die absolute Gewissheit, dass es das einzig Richtige war, wenn Celebithiel zu den Männern und Frauen der Schwanenstadt sprach. Sie dachte an Galadriel und ihre Rede nach der Schlacht um Lothlórien und an Mithrandir, wie er immer und immer wieder die freien Völker Mittelerdes selbst in Stunden schwerster Not motiviert hab.
So stand sie auf ergriff die Fahnenstange, welche die Fahnen der Schwanenstadt, Gondors, sowie Lothlóriens und Imladris trug‘, und zog die Klinge Glorfindels, welche das gleißende Sonnenlicht spiegelte.

„ Ihr mutigen Männer und Frauen, die hier sind um die Schwanenstadt zu verteidigen, zu Verteidigen gegen Feind und das Böse. Schont sie nicht! Nehmt hunderttausend Mann.
 Seid tapfer! Wer sterben soll, den kann keiner schützen; die Erde könnte ihn nicht
mehr tragen. Wenn der Tod ihm bestimmt ist, stürbe er auch in der Heimat.
Wenn einer entkommt, wird er an Leben und Ehre dessen nie mehr froh
werden. Was können sie uns anhaben? Ihre Lanzen sind zersplittert, ihre Schilde
sind zerbrochen, die Eisenrüstungen von ihnen gestochen und ihre Helme gänzlich zerhauen. Erfüllt meine Erwartungen im Kampf. Nehmt Rache für Mann, Frau und Kind, welche euch genommen worden in der Vergangenheit. Übt Rache für die Gräueltaten, die sie an jenen verüben werden, die ihr liebt, sollten sie diese Stadt in ihre verfaulten Klauen bekommen. Ihr verdorrtes Herz wird keine Gnade kennen vor euren Lieben, vor den Heiligtümern dieser Stadt.
Nun kämpfet für euer Vaterland, für die Freiheit und den letzten Widerstand Gondors gegen das Böse. Gegen die Tyrannei Saurons.
Lasst uns kämpfend siegreich sein, oder würdevoll zu Grunde gehen!“

Die letzten Worte schrie Celebithiel und gleichzeitig erfüllte ein ohrenbetäubendes Grollen die Ohren der Elbe. Im ersten Augenblick dachte sie es wäre das Gewitter, welches sich bereits den gesamten Tag angedeutet hatte, aber da täuschte sie sich. Es war die Soldaten der Schwanenstadt, welche nun ebenfalls ihre Schwerter zückten und in die Mittagsstunde hinein grölten.
Fast als Antwort auf ihren Kampfschrei ertönte das Heer Saurons. Nicht minder laut und überzeugt, aber angetrieben von Hass und blinder Zerstörungswut.
Und da war es, ein kaltes hohes Kreischen. Ein Ton, der die Angst in die Gesichter der Soldaten trieb und Celebithiels scharfen, ozeanblauen Elbenaugen erkannten die Quelle des Übels.
An der Spitze des Heeres wandelte eine verhüllte Kapuzengestalt. Unter dem pechschwarzen Stoff erkannte Celebithiel die schwer-gepanzerte Rüstung des Schwarzen Reiters.

„ Am meled-maeth!“, schrie die rotblonde Elbe, ein Blitz zuckte über den pechschwarzen Himmel und die Saphire an ihrem Schwert glitzerten mysteriös.
Celebithiel atmete ein und nahm es fast gar nicht war, wie die kalten Regenmassen auf sie niederprasselten.
« Letzte Änderung: 6. Okt 2011, 23:26 von Vexor »


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Re:Die Verteidigungs- und Maueranlagen
« Antwort #3 am: 15. Okt 2011, 21:07 »
Wäre Celebithiel nicht so vertieft in das Schlachtgewimmel gewesen, so wäre sie beim Anblick des faszinierenden Naturschauspiels, welches über ihr stattfand, vermutlich mit offenem Mund und zum Himmel gerichteten, blauen Augen stehen geblieben.
Gleißend helle Lichtblitze zeichneten sich wie Narben über das finstere Gesicht einer pechschwarzen Wolkendecke, die vor Schmerz literweise eiskalte Träne auf die Erde vergoss.
Doch die Elbe, deren Haar bereits klitschnass an ihren Wangen klebte, war zu sehr darauf erpicht die Schlacht im Überblick zu behalten. Während sie, in zweiter Reihe hinter den Bogenschützen, auf der Mauer auf und ab schritt, die Lage sondierend und den Schützen Befehle zu brüllend.

Das mordorianische Heer hatte sich von der Mauer ein Stück zurückgezogen, nachdem die ersten Pfeilsalven die vorderen Reihen der Armee niedergestreckt hatten.
Nun erfolgte der Gegenschlag. Ein dutzend Katapulte hatten sich wie ein Rudel Raubkatzen um die Mauer auf die Lauer gelegt. Und wie Bestien stoben die ersten Geschosse auf ihr Opfer zu.



Die länglichen Finger des Greisen ertasteten die leichten Adern auf der Rückseite des vertrockneten Blattes, bevor es in seinen Händen in hundert Einzelteile zerbröselte.
„ Mithrandir…“, Antiens Stimme klang brüchig, als würde etwas in ihm sich vor dieser Frage fürchten, „….was glaubst du….was bringt Menschen, Zwerge und all die anderen Schergen Saurons dazu ihm zu folgen? Was glaubst du bringt ihnen Befriedigung? Warum folgte zum Beispiel Saruman ihm?“.

Die dichten Wälder Fangorns verschluckten was jegliches Tageslicht und ein schummriges Licht erfüllte den moosbewachsenen Hügel auf dem sie verweilten. Der weiße Zauberer, welcher nur eine Handbreit von Celebithiel entfernt saß, nickte mit gläsernem Blick, zog an seiner Pfeife und pustete den Rauch zwischen seinen Lippen hindurch. Zwei kleine Vögel jagten sich gen Himmel, bevor sie sich in den Ästen der dichten Laub- und Nadelbäume verloren. Fasziniert folgten ihre Augen dem Rauchgestalten, bevor sie sich wieder dem Gespräch zwischen Gandalf und Antien zuwandte.
„ Ah…Antien…du stellst gute Fragen und doch sind sie naiv und unwichtig.“
Die Stille verärgerte die Elbe ein wenig, nicht auf Grund der wo möglichen Beleidigung Antiens, sondern wegen des absolut vagen Charakters, den so viele der Aussagen und Antworten des Istari teilten.
„Um deine Frage zu beantworten, auch wenn ich betonen möchte, dass sie nicht das zentrale Problem darstellen….es ist Furcht!“
„Furcht…aber warum kämpfen sie dann an seiner Seite? Würde nur ein Bruchteil der Verbündeten sich von Sauron abwenden, so könnte man ihn besiegen und niemand müsste sich mehr fürchten.“

Ein leises Lachen war zu vernehmen und Mithrandir, die Pfeife zwischen die Zähne geklemmt, lächelte der Zauberer dem Elb zu.
„ Ach mein lieber Antien…wie sehr würde ich mir wünschen du würdest deine Naivität nie verlieren müssen….es ist erfrischend noch solche Überzeugungen zu vernehmen…sie sind selten geworden in den letzten Jahrhunderten. Aber lass es mich dir deutlich machen. Erneut nahm er einen tiefen Zug seiner Pfeife und erneut formten sich Figuren aus dem Rauch.

Ein katzenartiges Wesen stürzte hinter einer kleinen Feldmaus hinterher. Celebithiel war fast so, als könnte sie das Quieken der Maus vernehmen, bevor auch diese Figur in den Ästen verschwand.
„ Unser Verstand und der eines jeden Lebewesen kann nur begrenzt Mut aufbringen. So wie ein Lebewesen auch nur begrenzt Schmerz oder Trauer empfinden kann. Befinden wir uns in Gefahr bieten sich uns zwei Optionen…Kampf oder Flucht. Wie du an der kleinen Spitzmaus sehen kannst, ist die Flucht oftmals die bequemere Variante. So ist es auch mit Sauron, einer gewaltig großen Katze mit scharfen Klauen, aber mit einem noch schärferen Verstand.“
Wie um seine Worte noch einmal zu unterstreichen tippt sich Gandalf mit dem Zeigefinger gegen die Schläfe.
„ Die Furcht…die er und seine Diener in den Köpfen und Körpern seiner Gegner erzeugen geht weit über das normale Maß, welches ein Mensch oder Elb empfinden kann, hinaus. So wählen die meisten eben die Flucht…und zwar nicht Flucht in ein Versteck, sondern die Flucht auf seine Seite. Nur den Narren bleibt der Kampf….also genauer gesagt bleibt uns der Kampf, weil anscheinend sind wir die Narren in diesen Szenario.“

Seine blauen Augen wanderten von Antien, über Amrûn und zu Celebithiel, die ihn alle mit eher ungläubiger und verdutzter Miene musterten, bis alle in Lauthales Gelächter ausbrachen.


„In Deckung!“, rief Celebithiel, bevor ein brennendes Geschoss in das Mauerstück nur wenige Meter von ihr entfernt donnerte und die Mauer zum erbeben brachte.
Die Elbe keuchte, als sie sah wie drei weitere Geschosse die Mauer zum erzittern brachte.
„Imrahil. IMRAHIL“, brüllte Celebithiel keuchend, während sie auf den Fürsten der Stadt zu rannte.
„Wie lange wird die Mauer diesen Beschuss aushalten? Wenn die Mauer fällt wird die Stadt überrannt werden.“
Celebithiel war froh, dass Imrahil es nicht als Kritik auffasste, sondern Ruhe bewahrte und relativ besonnen antwortete: „ Bei dem Beschuss? Ein paar Stunden, aber eher mache ich mir etwas anderes Sorgen. Sieh nur!“

Ihre ozeanblauen Augen folgten seiner starken Hand und dem Lauf seines breiten Zweihänders. Sie wanderten vorbei an dutzenden dreckigen Orkgesichtern und vorbei an garstig dreinblickenden Haradrim, die an das Heer von Osten her aufgeschlossen hatten. Und plötzlich riss sie ihre Augen weit auf. In Zweierreihen hatten sich um die fünfzig Rammböcke angeordnet, welche sich nun schleppend in Bewegung setzten. Noch bevor Celebithiel sich rühren konnte, hallte Imrahils Stimme über die Verteidigungsanlagen.

„Bogenschützen zum Torbogen. Wir müssen die Rammenträger ausschalten und die anderen davon abhalten sie aufzuheben!“.
Sofort setzten sich die Bogenschützen in Bewegung und rannten auf die beiden zu, um mit den Beschuss zu Beginnen.

Ein erneutes Zittern, gefolgt von einem pochenden Schmerz in Celebithiels Kopf. Für einen Moment dachte sie, dass etwas hartes sie am Kopf erwischt hatte, doch es war nur wieder die kreischende Stimme des Nazgûl, die über das Schlachtfeld wehte.
Pfeile surrten an ihnen vorbei und schnell erkannte die Elbe, dass auch der schwarze Diener Saurons seinen Bogenschützen das Feuer seiner Truppen eröffnen ließ.
Bereits nach einer halben Stunde offenbarte sich, dass die Bemühungen der Verteidiger fruchtlos waren das Fortkommen der Rammen zu verhindern. Hatten sie die sechs Träger der Ramme ausgeschaltet, sprangen wieder neue aus den Reihen der Gegner, um ihren Platz einzunehmen. Gefallene Verbündete wurden dabei achtlos niedergetrampelt, egal ob sie vielleicht noch am Leben waren.
Erschwerend hinzu kam, dass die Mauer fast komplett leer gefegt wurde, weil Imrahil den Bogenschützen, die nicht beim Torbogen postiert waren, befohlen hatte die Mauer zu räumen, damit sie nicht schutzlos den Geschossen der Katapulten ausgeliefert waren.

„Imrahil, wir müssen den Truppen befehlen, dass sie sich vor dem Tor postieren sollen. Es hat keinen Sinn den Fall des Tores noch aufzuschieben. Hier riskieren wir nur getötet zu werden!“
Zögernd nickte Imrahil und gemeinsam postierten sie sich vor dem Tor.



Celebithiel hockte am kleinen Lagerfeuer, welches ihnen Flinkbaum erlaubt hatte zu errichten. Mithrandir hatte es sogar geschafft die Flammen erscheinen zu lassen, ohne dabei Äste verbrennen zu müssen.
Sie hörte das Leise Atmen Amrûns, der nur unweit von ihr entfernt döste, sowie Flinkbaums durchdringendes Dröhnen vom anderen Ende der Lichtung.
„ Was beschäftigt dich meine Liebe?“.
Es war Gandalfs sanfte Stimme, die sie hörte, während er sich neben sie hockte und mit gedankenverlorenem Blick ins Feuer blickte.
Die Elbe antwortete nicht gleich, sondern betrachtete dieses wundersame Feuer, welches sogar noch heller zu scheinen schien, umso länger es vor sich hin brannte.
„ Es geht um das…um was was du heute gesagt hast Mithrandir. Über die Furcht, die Sauron nährt und stärkt.“
Gandalf setzte sie nicht unter Druck, sondern ließ sie die Worte von allein finden. Eine der vielen Eigenschaften, die Celebithiel an ihm hasste und zugleich liebte.
„ Warum…ist Furch nicht stärker als Mut. Warum gerade diese unlogische Schwäche bei uns Lebewesen?“.
Der Zauberer lächelte, wobei er unentwegt ins Feuer starrte.
„ Da haben wir eine der guten Fragen. Sogar eine so gute Frage, dass nichtmal ich sie dir beantworten kann. Vermutlich….vermutlich ist es die Angst davor zu sterben. Zu verschwinden, diese Welt zu verlassen.“
Celebithiel nickte und sie warf ein verdorrtes Blatt in die Flamme, welches sofort verbrannte und sich ins Nichts auflöste.



Ein erneutes dumpfes Pochen.
Die Zeit, um Celebithiel, Imrahil und die übrigen Truppen schien still zu stehen. Sie alle starrten unentwegt auf das Tor vor ihnen, welches von den dumpfen Schlägen des Rammbocks immer wieder erzitterte.
Leichte Risse, wie Adern auf einer Blattunterseite zogen sich über das eiserne Tor, bevor mit einem weiteren dumpfen Schlag bereits ein leichtes Loch den Blick auf die andere Seite der Mauer eröffnete.

Celebithiel schluckte und nach einem weiteren Aufschlag, flüsterte sie kaum vernehmbar:
„Kampf oder Flucht!“.
 




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Offline Eandril

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Mithéldir
« Antwort #4 am: 17. Okt 2011, 17:40 »
Oronêl vom Hafen

Oronêl und seine Bewacher eilten durch die Straßen Dol Amroths, während sich aus der pechschwarzen Wolkendecke Regen auf sie ergoss, und ein Blitz nach dem anderen über den Himmel zuckte. Das Prasseln des Regens war so laut, dass es beinahe die Kampfgeräusche von den Mauern übertönte, und vermischte sich mit diesen zu einem fürchterlichen Lärm vermischte.
Dieser Lärm erinnert mich an das letzte Bündnis... ich kann nur hoffen, dass diese Schlacht ähnlich ausgeht.
Schließlich erreichten die drei Männer und der Elb eine Treppe, die auf den Wehrgang der Mauer führte. Diese erbebte immer wieder unter den Einschlägen der von den mordorianischen Katapulten geworfenen Geschosse, und auf ihrer Krone herrschte ein einziges Chaos.
Der Hauptmann drehte sich zu Oronêl um, deutete auf die Mauer und sagte beinahe flehend: "Dort muss der Fürst sein... falls er noch lebt. Wollt ihr nicht bis nach der Schlacht warten?" "Nein, denn ich bin gekommen um den Menschen in dieser Schlacht beizustehen und eine alte Schuld zu begleichen." erwiderte Oronêl entschlossen. "Also begleitet mich, oder gebt mir meine Waffen wieder, damit ich kämpfen kann!"
Der Hauptmann drehte sich wortlos zur Treppe um, doch Oronêl packte ihn an der Schulter, und hielt ihn zurück "Du bist ein mutiger und pflichtbewusster Mann, und solche Eigenschaften schätzen ich, egal ob bei Mensch oder Elb." Er musste diese Worte beinahe schreien, da der Lärm der Schlacht inzwischen noch weiter angeschwollen war. "Also bitte ich dich, mir deinen Namen zu sagen!" Der Hauptmann starrte ihn verwundert an, doch nach einem schier endlosen Moment antwortete er: "Mithéldir.", wandte sich um, und begann, die Mauer hinaufzusteigen. Oronêl folgte ihm wortlos.
Auf der Mauer herrschte heilloses Chaos. Soldaten rannten hin und her, überall schlugen Katapultgeschosse ein, Leitern wurden an die Mauern gelehnt und Orks erklommen den Wehrgang. Überall lagen Erschlagene und Verwundete auf dem Boden, um die sich niemand kümmerte.
Gibt es denn hier niemanden, der das Kommando führt? So werden sie nicht mehr lange aushalten...
Ungeachtet des Chaos lief Mithéldir weiter voran, bis er einen anderen Mann, an seiner Rüstung als Offizier erkennbar, an der Schulter packte und mit ihm sprach, doch aufgrund des prasselnden Regens , des Schlachtenlärms und der immer wieder erklingenden Schreie des Nazgûls, konnte Oronêl sie nicht verstehen.
Mithéldir drehte sich wieder zu ihm um und rief: "Der Fürst ist unten am Tor, da es vermutlich bald fallen wird. Er wird sich also nicht um dich kümmern können. Aber weil wir jeden Mann brauchen, sag mir deinen Namen und dein Anliegen, und ich werde dir deine Waffen zurückgeben!"
Das überrascht mich jetzt doch etwas. Ich habe ihn tatsächlich noch unterschätzt... oder ihre Verzweiflung
"Mein Name ist Oronêl, Sohn der Nellas und des Ardir aus Doriath. Ich bin gekommen, um den Menschen Dol Amroths bei ihrem Kampf gegen die Diener des Dunklen Herrn beizustehen!" erwiderte Oronêl. Mithéldir nickte seinen Begleitern zu, und diese übergaben ihm seine Waffen. "Nun magst du gehen, wohin du willst, solange du die Diener der Finsternis in dieser Schlacht bekämpfst." sagte er. "Das werde ich, und nach dieser Schlacht werde ich mich erneut in deine Hände begeben, damit der Fürst über mich urteile! Nun Leb wohl, und mögest du nicht in dieser Schlacht fallen!" Und mit diesen Worten sprang Oronêl auf die Treppe und eilte in Richtung des Tores.
Es sieht nicht gut aus für die Stadt. Wenn das Tor fällt, sind sie alle verloren, und ich mit ihnen...
Immer noch ergossen sich unendliche, eiskalte Regenmassen aus dem Himmel, und auf den Straßen hatten sich bereits kleine Seen und Pfützen gebildet. Als Oronêl dem Tor näher kam, hörte er ein dumpfes Grollen, dass sich aus Richtung des Tores die Mauer entlang fortpflanzte.
Der Angriff auf das Tor hat also begonnen!
Er verdoppelte seine Anstrengungen, doch auf den nassen Steinen war es schwierig, schnell genug zu laufen und nicht auszugleiten. Schließlich hatte er es aber doch geschafft, und mit einem Blick erschloss sich im die Lage: Links von ihm erhob sich majestätisch das hölzerne Tor, das allerdings schon deutliche Risse zeigte, in einem steinernen Torbogen, um den in einem Halbkreis ein dünner Ring Soldaten und Bogenschützen aufgereiht war.
In der Mitte konnte er den Fürsten in seiner prachtvollen Rüstung  ausmachen, und neben ihm die geheimnisvolle Gestalt, die er schon von vor der Stadt neben ihm hatte stehen sehen. Wer konnte das sein?
Sie sind viel zu wenige, wenn das Tor durchbrochen wird, werden sie niemals aushalten können. Hier werden sie siegen oder sterben, und ich mit ihnen!
Er lief auf den Fürsten zu, doch in ebenjenem Moment ertönte ein fürchterlicher Schlag gegen das Tor, und es zersprang. Oronêl jedoch lief weiter, sein braunes Haar flog hinter ihm her, und er rief: "E'Tûr-Gûr! An Amroth!"
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Der Riss in der Verteidigung
« Antwort #5 am: 23. Okt 2011, 22:02 »
Durch die Öffnung des Tores begannen wie monströse Ameisen in schwarz, grau und braun gekleidete Gestalten zu strömen. Die Masse der Orks prallte auf die schrecklich dünne Linie der Verteidiger, die sich unter dem Druck der Feinde nach hinten zu biegen begann. Lediglich in der Mitte, wo der Fürst stand, wichen die Soldaten keinen Schritt zurück. Oronêl sah, wie der Fürst sein Schwert hob, und einige Bogenschützen, die hinter der Front standen, schossen in die Menge der Orks, doch obwohl jeder Schuss traf, ließ der Strom der Feinde nicht um das geringste nach.
Wie können wir diesem Ansturm nur standhalten?
Während er weiterlief, fiel Oronêl ein in eine prächtige Rüstung gekleideter Mann, sich nur unter großer Mühe gegen die Orks verteidigen konnte. Oronêl stockte, als er bemerkte, dass an eben jener Stelle die Linie der Verteidiger zu brechen drohte.... Was sollte er tun? Sollte er zum Fürsten laufen, wie er es eigentlich vorgehabt hatte, oder den Soldaten hier helfen?
Das würde bedeuten, unter Leuten zu kämpfen, von denen ich nichts weiß... Aber wenn die Linie bricht, sind wir alle verloren!
Gerade als er sich entschieden hatte und nun auf die gefährdete Stell zueilte, merkte er, dass er zu lange gezögert hatte: Der Mann neben dem, der Oronêl zuerst aufgefallen war, fiel, und die Lücke konnte nicht schnell genug geschlossen werden! Schon drängte der erste Ork durch die Lücke und wollte einen Soldaten von hinten anfallen, da traf Oronêl einen schnellen Entschluss, zog seinen Dolch und schleuderte ihn auf den Ork.
Der Dolch beschrieb einen wunderbaren Bogen durch die Luft und hielt genau auf den Ork zu... doch leider drehte er sich einmal um sich selbst und traf den Ork lediglich mit dem Griff am hässlichen Schädel. Dieser schien keinen ernsthaften Schaden genommen zu haben, sondern drehte sich lediglich leicht irritiert in Oronêls Richtung um.
"Verdammt!" knurrte Oronêl im Laufen, und packte seine Axt fester. "Aber wenigstens getroffen!" Dann war er auch schon heran, und Hatholdôr fuhr auf den Kopf des Orks nieder, der doch etwas benommen schien. Der Ork, der glücklicherweise seinen Kameraden den Weg durch die Lücke versperrt hatte, sackte zusammen, und Oronêl sprang in die Lücke, und konnte sie so schließen. Als er seinen Kopf kurz nach links drehte, blickte er in ein in bartloses, von einem Helm eingerahmtes Gesicht mit meergrauen Augen, die ihn erstaunt ansahen.
"Wer bist du?" rief der andere über den Schlachtenlärm hinweg. "Oronêl von Lórinand, und du?" antwortete Oronêl. "Amrothos, Sohn Imrahils von Dol Amroth!" erwiderte der andere, doch da die nächste Feindeswelle heran brandete wandte Oronêl sich wieder ab und ließ seine Axt kreisen.
Das muss der Sohn des Fürsten sein... Wieso kämpft er in vorderster Linie? Ich werde versuchen, ihn zu schützen, und diesmal wird es mir gelingen!
                                                                                                                                                                     
Um ihn herum herrschte ein unbeschreibliches Gemetzel. Einer nach dem anderen fielen seine Soldaten, die den Waffen der Orks ohne Rüstungen nahezu schutzlos ausgeliefert waren, diesen zum Opfer. Sein Herr Amdír war verschwunden, wahrscheinlich auch schon tot. Er war der letzte, der letzte Krieger Lórinands! Die Orks würden bezahlen! Hatholdôr fällte Ork um Ork, und Oronêl schrie vor Zorn und Schmerz.
                                                                                                                                                                     
Nein, er war nicht auf dem Feld vor dem schwarzen Tor, sondern in Dol Amroth, über dreitausend Jahre später, doch die Feinde waren immer noch dieselben! Konnte denn keiner dem Schatten jemals entkommen? Doch diesmal schrie er nicht, sondern tötete lautlos, wie auch der namenlose Soldat auf seiner rechten Seite, der einen getöteten, ebenso namenlosen Menschen ersetzt hatte, und Amrothos, der Fürstensohn, auf seiner linken Seite. Die Menschen stemmten sich mit lautloser Verbissenheit gegen ihren Untergang und Oronêl konnte nicht umhin, sie dafür zu bewundern.
Wie lange kämpfte er hier schon? Seine Arme wurden schwer, und die Orks nahmen kein Ende. Plötzlich stand ein Ork vor ihm, das hässlich gezahnte Schwert zum Schlag erhoben, und er hatte seine Axt sinken lassen!
Das ist also das Ende...
Von links fuhr eine blutbesudelte Klinge durch sein Blickfeld, blockte den Hieb des Orks ab und schickte ihn dann mit einem Stich zu Boden. Oronêl wandte den Kopf, und blickte erneut in das diesmal grimmige Gesicht Amrothos'. Jetzt hatte er sein Leben gerettet, dabei hatte er ihn doch beschützen wollen...
Frische Kraft durchströmte Oronêl. Er hatte eine Schuld zu begleichen, und dafür musste er kämpfen! Doch gerade als er sich wieder aufraffte, durchbohrte ein hoher, kalter Laut seinen Schädel, und im Torbogen erschien eine in schwarze Gewänder gehüllte Gestalt auf einem schwarzen Pferd. Der Nazgûl kam!
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Re:Die Verteidigungs- und Maueranlagen
« Antwort #6 am: 30. Okt 2011, 12:28 »
Kampf oder Flucht?

Celebithiel bewegte sich nicht, sondern schloss ruhig ihre Augen und Dunkelheit umhüllte sie. Dort stand sie in mitten eines schwarzen Raumes. Neblige Schatten zogen ihre monotonen Kreise um sie. In ständiges, leises Geflüster verfallen.
Ihre Hände umklammerten das Schwert Glorfindels so fest, dass ihre Knöchel geisterweiß unter der Haut hervortraten.
Ihr Magen verkrampfte sich bei den Gedanken an die tosende Menge an Orks und Haradrim, die auf sie warteten da draußen; nur einen Atemhauch entfernt.
Wo ist dein Kampfesmut geblieben Celebithiel? Wo ist die Schlächterin aus alten Zeiten, die durch das Nebelgebirge zog auf der Suche nach Rache und Vergeltung? Sag mir wo sie ist!
Eine gute Frage, wo ist sie? Vielleicht ist sie in Orthanc gestorben zusammen mit der Fratze des Mundes. Vielleicht ist sie zusammen mit Gandalf in einen tiefen Schlaf gefallen. Vielleicht ist mit Glorfindel nach Aldburg gezogen. Oder…? Oder…vielleicht ruht sie noch immer in dir. Ist nun beflügelt von Narya und der Liebe zu deinen Liebsten. Entfache deinen Kampfesmut Celebithiel. Kämpfe, denn die Flucht wird dir keine Erlösung bringen!


Im Schatten regte sich etwas. Vorbei an den flüsternden Schatten. Durch die Dunkelheit hindurch regte sich etwas. Ein goldener Schimmer, der in der Elbe ein seltsam warmes Gefühl weckte.
Amrûn…nun gut so kämpfen Telperion und Laurelin Seite an Seite. Mögen die Lichter des ersten Zeitalters die Heerscharen Saurons das Fürchten lehren!
Schlagartig öffnete Celebithiel die Augen und als sie wahrhaftig Amrûn erkannte, wie er als erster auf die Massen des Feindes zustürmte war jeder Zweifel verflogen. Dem einstimmend reckte sie ihr Schwert in die Höhe und rannte dem Elb hinterher. Hinein in die tosende Dunkelheit.

Mit einer agilen Drehung streckte die Elbe gleich drei ihrer Angreifer nieder. Auge um Auge war sie nun mit den Wesen der Dunkelheit. Dennoch schien es als würden die Orks teilweise zurückweichen vor dem Glanz, den die beiden Erstgeborenen ausstrahlten.
Dennoch schien ihr Unterfangen uferlos zu sein. Jeder gefallene Gegner wurde fast wie durch Zauberhand ersetzt, während ihre eigenen Reihen seltsam leer wurden.
Celebithiel hatte gerade in die leeren Augen eines dunkelhäutigen Menschen geblickt, als ein Kälteschauer ihren Körper durchfuhr, der nicht vom eisigen Regen und dem heulen des Windes herrührte.

Etwas bahnte sich seinen Weg durch die feindlichen Heerscharen. Ein Schatten gehüllt in Dunkelheit und Verzweiflung. Der Nazgûl trottete langsam durch die Reihen seiner Untergegebenen. Das pechschwarze Pferd schnaubte bedrohlich und seine Nüstern stießen Luft, giftig wie Galle aus.
Unbeachtet seiner eigenen gefallen trampelte der Schwarze Reiter über die Leichname von Orks und Haradrim. Der Úlairi hatte sich an die Spitze des Heeres direkt unter den hohen Torbogen gestellt.
Die wackeren Verteidiger wichen zurück, aber der Nazgûl bot seinen eigenen Truppen einhalt, sie sollten sich hinter ihn postieren.
Ein Stimme kälter als Eis und schwärzer als die dunkelste Finsternis hallte durch die unteren Bereiche der Stadt.

„ Ihr Narren! Sauron schickt den Verteidigern Dol Amroths seine durchlauchtesten Grüße. Ihr seht hoffentlich jetzt schon eure Niederlage ein! Noch mögt ihr voll naiver Hoffnung und falschen Stolzes sein, die euch eingepflanzt worden sind, wie ein Geschwür. Noch mögt ihr denken ihr könntet dem dunklen Herrscher Widerstand leisten. Doch da irrt ihr euch! Das einzige, was zutrifft ist die Hoffnung, die ich euch geben kann. Gebt euren Widerstand auf und lasst mich und meine Truppen in Dol Amroth einziehen. Schont eure Kinder, Frauen und Männer vor dem qualvollen Schicksal des Todes. Gebt euch freiwillig in die Hände Saurons und er wird auch das Leben schenken.
Anderenfalls werden meine Truppen die Schwanenstadt niederrennen und jeden töten, der sich innerhalb der Stadt befinden. Egal ob Kind, Frau oder Greis!“

Eine unerträgliche Stille breitete sich aus und Celebithiel fixierte die Gesichter der Männer und Frauen, die teilweise verängstigt, teilweise trotzig den Worten des Schwarzen Reiters gehorcht hatten und es erfüllte sie mit unergründliche Stolz, als sie erkannte, dass keiner von ihnen bereit schien den Forderungen des Feindes nachgeben zu wollen. So wagte sie einen Schritt nach vorn. Hinaus aus der grauen Masse, hinaus aus dem Schutz der Gruppe. Sie allein stand nun dem Nazgûl gegenüber und ihre Stimme ertönte nun und sie war erfüllt von Wärme und Zuversicht, bereit die Kälte und Verzweiflung, die der Schwarze Reiter gesät hatte, zu vertreiben.

„ Du nennst uns Narr, du einer der Úlairi?!“, Celebithiel schnaubte verächtlich, während die gesichtslose Kapuzengestalt den Kopf zu ihr wandte.
„ Du, der ein Leben als fleischlose Hülle fristen muss. Der sich in den Dienst, Saurons des Verräters und Verfluchten gestellt hast? Richte deinem Meister aus, dass wir seine Forderung dankend ablehnen. Die Stadt wird verteidigt werden, bis das letzte freie Lebewesen seinen Odem ausgeatmet hat.
Deine verfaulten Klauen werden sich nicht in das letzte freie Herz Mittelerdes krallen und sich in verzweifelter Sehnsucht nach Leben und Liebe daran laben!“
Wieder diese unerträgliche Stille, in der sich der Nazgûl und die Elbe gegenüberstanden. Celebithiel hatte das Gefühl, dass es so leise geworden war, dass jeder in der Stadt ihren Herzschlag hören konnte, der in ihrer Brust raste.
Plötzlich scharrten die blutverschmierten Hufe des Pferdes über den gepflasterten Steinboden und ein höhnisches Flüstern antwortete der Elben und der Stadt.

„ Dann hast du gerade dein Leben und das der Stadtbewohner verwirkt, Elbenweib.“
Den Worten folgte ein markerschütterndes Kreischen und der Schwarze Reiter schwang sich von seinem Ross und es knirschte laut, als die metallene Rüstung auf dem Boden auftraf.
Mit gehobenem Schwert ging er auf Celebithiel zu, die den ersten Schlag des Nazgûl parierte.

Um sie herum brachen die zwei Wellen ebenfalls aufeinander. Die Schergen Saurons waren ihrem Heerführer gefolgt und auf die Verteidiger zugeströmt, die nun um die beiden herum wieder zu kämpfen begannen.


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« Antwort #7 am: 30. Okt 2011, 19:19 »
Als der Nazgûl sich näherte, erstarb das Kampfgetümmel, und selbst der Regen hörte plötzlich auf. Totenstille senkte sich über den Torplatz, und nur das Schnauben des schwarzen Pferdes war zu hören. Plötzlich ertönte eine Stimme, und Oronêl fühlte sich, als triebe jemand tausend messerscharfe Eiszapfen durch seine Stirn. Neben ihm stöhnte Amrothos auf und krümmte sich zusammen.

„ Ihr Narren! Sauron schickt den Verteidigern Dol Amroths seine durchlauchtesten Grüße. Ihr seht hoffentlich jetzt schon eure Niederlage ein! Noch mögt ihr voll naiver Hoffnung und falschen Stolzes sein, die euch eingepflanzt worden sind, wie ein Geschwür. Noch mögt ihr denken ihr könntet dem dunklen Herrscher Widerstand leisten. Doch da irrt ihr euch! Das einzige, was zutrifft ist die Hoffnung, die ich euch geben kann. Gebt euren Widerstand auf und lasst mich und meine Truppen in Dol Amroth einziehen. Schont eure Kinder, Frauen und Männer vor dem qualvollen Schicksal des Todes. Gebt euch freiwillig in die Hände Saurons und er wird auch das Leben schenken. Anderenfalls werden meine Truppen die Schwanenstadt niederrennen und jeden töten, der sich innerhalb der Stadt befinden. Egal ob Kind, Frau oder Greis!“, sagte der Nazgûl, und ließ dabei seinen Blick über die Linie der Verteidiger schweifen. Jedenfalls vermutete Oronêl, dass es so war, denn einen Körper besaßen diese Monster ja nicht, und ob sie überhaupt sehen konnte, wusste er auch nicht.
 
Doch obwohl in diesem Augenblick die Hoffnung für alle Menschen in dieser Stadt verloren schien, schien niemand den Worten des Nazgûl gehorchen zu wollen. Die Menschen waren wirklich erstaunliche Geschöpfe! Er konnte nicht glauben, dass er sie so unterschätzt hatte. Neben ihm richtete sich Amrothos auf und schien sich für den letzten Kampf vorzubereiten.
Er hat ihnen ihre Leben angeboten und will dafür ihre Freiheit. Und sie lehnen ab... ich hätte nicht gedacht, dass die Menschen so standhaft sind, und ihnen ihre Freiheit so viel bedeutet.
So viel Standhaftigkeit hatte er bisher nur selten erlebt...
                                                                                                                                                                     
"Amdír, das ist Wahnsinn!", beschwor Oronêl seinen Freund. "Saurons Orks werden unsere ungerüsteten Krieger in Stücke hacken! Sie werden alle fallen, und wir beide mit ihnen!"
Sie befanden sich in Amdírs Haus in Lórinand. Kurz zuvor hatte Amdír seinen Vertrauten mitgeteilt, dass er sich mit einer Schar Krieger dem Heer des Letzten Bündnisses anschließen würde. Das hatte blankes Entsetzen unter den Elben hervorgerufen, und Oronêl bemühte sich, Amdír umzustimmen.

"Orks hier in den Wälder bekämpfen ist eine Sache. Hier sind wir zuhause, wir können aus dem Hinterhalt angreifen und können uns zurückziehen, wenn es zu gefährlich für uns wird. Im Wald sind wir ihnen überlegen!", fuhr Oronêl verzweifelt fort. "Doch in einer offenen Schlacht... da gibt es keinen Hinterhalt! Keinen Überraschungsangriff aus dem Hinterhalt! Keinen Rückzug! Niemals werden wir dort überleben, das ist nicht nur Wahnsinn, sondern auch verantwortungslos!"

Bei diesen Worten zuckte Amdír zusammen, doch er antwortete ruhig: "Wenn du es so siehst, mein Freund, dann werde ich alleine gehen. Doch ich werde gehen, egal was du sagst! Denn gegen Sauron in die Schlacht zu ziehen, ihn sogar anzugreifen, ist das größte Wagnis dieses Zeitalters, und wenn es scheitert, dann wird es auch für uns keine Rettung mehr geben, nur die Flucht in den Westen, oder die Unterwerfung! Und wir werden uns niemals unterwerfen, denn wir sind die Erstgeborenen! Also bin ich entschlossen, dem Bündnis alle Hilfe zu geben, die ich aufbringen kann, und wenn es nur ein einziger Elb ist!"
                                                                                                                                                                     
Als Oronêl sich mit Gewalt von seinen Erinnerungen losriss, stand die Frau, die er auf der Mauer neben dem Fürsten gesehen hatte, vor dem Nazgûl. Oronêl traute seinen Augen nicht! So viel Mut!
"Richte deinem Meister aus, dass wir seine Forderung dankend ablehnen. Die Stadt wird verteidigt werden, bis das letzte freie Lebewesen seinen Odem ausgeatmet hat.
Deine verfaulten Klauen werden sich nicht in das letzte freie Herz Mittelerdes krallen und sich in verzweifelter Sehnsucht nach Leben und Liebe daran laben!“, rief die Frau, und ihre Stimme verriet sie. Sie war eine Elbe! Oronêl war erleichtert, denn er war nicht mehr allein unter den Menschen, die ihn nur immer wieder überraschten. Nach diesen Worten senkte sich wieder eine unerträgliche Stille über den Platz. Sie durfte nicht sterben! Aber er konnte nicht alle hier auf diesem Platz beschützen... egal, er musste es versuchen!

Nun kann ich beweisen, dass ich eben so viel wert bin wie Amdír, oder diese Elbe, oder all diese Menschen hier auf dem Platz!
Er trat einen Schritt vor, aus der Schlachtreihe heraus, dem Feind entgegen, und hob seine Axt. Der Kopf des Nazgûl fuhr herum, und Oronêl fühlte, wie ein tödlicher, eisiger Blick ihn durchbohrte, doch er blieb stehen. Plötzlich fühlte er, wie links von ihm auch Amrothos einen Schritt vortrat, und sein Schwert hob. Er nickte ihm zu. Nach und nach trat die ganze Schlachtreihe der Menschen einen Schritt auf die Feinde zu und hob die Waffen.

Der Nazgûl ließ erneut seinen Blick über den Platz schweifen, dann sah er wieder die Elbenfrau an. Die Hufe des Pferdes scharrten über das Pflaster, und der Nazgûl sprach mit einem höhnischen Flüstern: "Dann hast du gerade dein Leben und das der Stadtbewohner verwirkt, Elbenweib." Nach diesen Worten schwang der Nazgûl sich mit einem grausamen Schrei vom Pferd, und schlug mit seinem Schwert auf die Elbenfrau ein, die den Hieb parierte.

In diesem Augenblick stürmte auch die Masse der Gegner wieder auf sie zu, doch sie trafen diesmal auf eine Reihe Menschen, die nichts mehr zu verlieren hatten, und denen einen standhafte Elbenfrau gerade neuen Mut geschenkt hatte. Obwohl der Angriff mit großer Wucht geführt wurde, geriet er schon bald ins Stocken.

Oronêl kämpfte wie wild. Kein Ork oder Haradrim, der vor ihm auftauchte, kam mit dem Leben davon. Doch auch er selbst trug allmählich Wunden davon, zwar meist nur Kratzer, aber langsam machten sie sich bemerkbar. Er würde trotzdem bis zum Sieg oder seinem Tod weiterkämpfen, dass war er dem Mut dieser Menschen schuldig... und natürlich seinem Stolz. Plötzlich bemerkte er wie er erneut einen Schritt nach vorne machte, und das konnte nicht der erste gewesen sein! Der Torbogen war ein Stückchen näher gerückt, das bedeutete, die Feinde wichen vor ihm zurück. Und nicht vor ihm allein, denn er spürte immer noch Amrothos auf seiner linken und einen Soldaten auf seiner rechten Seite. Sie drängten den Feind aus der Stadt!

Kann ein Sieg möglich sein?
Wieder einmal spürte er frische Kräfte, diesmal nicht aus Stolz oder Trotz, wie vorher, sondern aus Hoffnung. Und die war ungleich intensiver, als die Gefühle vorher. Überhaupt, so ein intensives positives Gefühl hatte er noch nie, bis auf zweimal, gespürt. "Tol Calad!", rief er, einen Schlachtruf, den er seit der Schlacht auf der Dagorlad nicht mehr in den Mund genommen hatte, und schlug einem Ork mit einem Hieb den Kopf von den Schultern. Amrothos nahm den Ruf auf, machte der Junge ihm eigentlich alles nach, und wie zuvor das Vortreten breitete er sich entlang der Schlachtreihe aus.
« Letzte Änderung: 7. Jan 2012, 21:05 von Eandril »

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Offline Thorondor the Eagle

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Re:Die Verteidigungs- und Maueranlagen
« Antwort #8 am: 30. Okt 2011, 20:14 »
Amrûn kommt vom Hafen...

So alleine stehst du da; Rührst dich nicht und blickst dem Tode ins Gesicht; Nein! Nicht dem Tode, nur dem Feind… Celebithiel, schöne Elbenmaid, Tochter des Mondes und Begleiterin der Sterne… Den Valar sei gedankt, dass sie mir genug Kraft gaben um hier an deiner Seite zu kämpfen. Ein letztes Mal? Nein, nur ein weiters Mal.


Es war nur ein lauer Atemhauch der Elbe der ihn im Genick traf, als er lautlos an ihr vorbei lief. Das Schwert hielt Amrûn mit aller Kraft in die Höhe um sogleich auf den ersten Feind einzuhacken, der durch das Tor trat.
Die Funken sprühten als die Klingen aufeinander prallten. Die Feinde schreckten momentan zurück, doch scheinbar nicht um zu fliehen sondern nur um Anlauf zu nehmen. Im Nu drängte die Masse durch den schmalen Torbogen und trieben den Elben ein Stück zurück.

Gezielt führte er seine Klinge, wirbelte leichtfüßig umher und versuchte so seine Feinde zu töten oder zumindest ihre Angriffe abzuwehren. Jene, die eine Verteidigungslinie um das Torhaus gebildet hatten, taten es ihm gleich, doch dieser Ansturm war kaum aufzuhalten. Immer wieder hob er sein Schwert, schwang es von rechts nach links, von links nach unten und von unten wieder nach oben um einem Ork die Kehle durchzuschneiden. Das schwarze Blut besprühte seinen Körper. Es war dicker als das Wasser das vom Himmel herunter prasselte und so blieb es auf der silbernen Rüstung Dol Amroths hängen und beschmutze den weißen Schwan auf dem Brustpanzer.

Es war wie ein Wunder, dass der Andrang plötzlich ein Ende fand.

War dies schon alles? Zieht sich der Feind schon zurück? Aber wozu hätte er sich die Mühe gemacht das Tor zu brechen?

Plötzlich sah Amrûn den Grund. Der schwarze Reiter schritt hochmütig durch das Tor. Aus Angst diese Stimme zu hören, hielt sich der Elb sofort die Ohren zu. Die verbündeten Soldaten liefen zerstreut vom Torhaus weg und rissen Amrûn dabei um. Mit dem Rücken voraus krachte er auf den matschigen Boden immer noch krampfartig die Hände an die Ohren gepresst. Er konnte kein einziges Wort hören, aber er sah es an den Menschen. Alle standen da wie gelähmt, in ihnen saß eine existenzgefährdende Furcht die man nur aus ihren Augen lesen konnte.

Plötzlich stellte sich dem Reiter jemand entgegen. Amrûn sah die rotblonden Strähnen unter dem Helm heraushängen, doch auch ohne dieses markante Zeichen hätte er seine treue Weggefährtin erkannt.

Der Elb schloss seine Augen und nahm nur noch die wärmende, rötliche Aura Celebithiels vor sich wahr. Er sah den letzten Sonnenuntergang vor sich, den er in Mithlond mit seiner geliebten Aratinnuíre verbrachte. Er stellte sich ihre zarten, kirschroten Lippen vor, wie sie sanft Worte formten: „Trage Mut in deinem Herzen, er wird überspringen und so werden auch die anderen mutig sein“

Amrûn schaute wieder auf das Schlachtfeld und der geborgene Moment verschwand aus seiner Vorstellung. Mit einem Satz stand er auf und nahm sein Schwert in die linke Hand. „Dann werde auch ich mutig sein!“, sagte er zu sich selbst. Auf einmal ging alles so schnell, der Nazgul kreuzte die Klinge mit Celebithiel. Der Schwall von Orks und Südländern setzte sich fort und drängte den Elben weiter zurück.
« Letzte Änderung: 12. Feb 2013, 13:58 von Eandril »
2. Char Elea ist bei der Ratsversammlung von Aldburg


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Re:Die Verteidigungs- und Maueranlagen
« Antwort #9 am: 6. Nov 2011, 02:06 »
Ein goldenes Feld lag vor Celebithiels ozeanblauen Augen. Millionen von goldgelben Ähren lagen vor ihr wie ein frisch geknüpfter Teppich. Einzig der feuerrote Klatschmohn durchzog die Landschaft wie ein Arsenal von Farbtupfern. Auf gewisse Weise seltsam fremd und dennoch dem Feld eine Ästhetik verleihend, welche die Elbe fast zu Tränen rührte.
Sie selbst wirkte wie eine fleischliche Inkarnation dieses Feldes. Ihr rotblondes Haar legte sich spielerisch um ihren Busen. Das schlichte karmesinrote Kleid reichte ihr bis knapp unterhalb der Waden.
Aus einem unerklärlichen Grund lächelte Celebithiel und ihre nackten Füße streichelten das Gras, bevor sie eintauchte in das Meer aus Gold und Rot, behütet von einem wolkenlosen azurblauen Himmelszelt.
Der Weizen umschlang ihre schlanke, weibliche Taille und ein wohliges Gefühl der Geborgenheit breitete sich in der Elbe aus, während ihre Handflächen und Fingerspitzen spielerisch über den Ährenspitzen schwebten, die von der leichten Brise wellenartig hin und her schaukelten.

So stand sie nun gehüllt in reinstes Gold und Rot, die Augen weit aufgerissen, um nicht eine Sekunde der Schönheit, die sich ihr offenbarte, zu verpassen.
Etwas legte seine starken Arme um ihre Taille und legte seine Hand auf seine Brust. Der Griff war fest, ohne zu schmerzen und eine Wärme und Geborgenheit ging von dem Körper aus, der sich an sie schmiegte. Heißer Atem stieß ihr in den Nacken, der Celebithiel eine leichte Gänsehaut verpasste.

„ Mein Liebste“, flüsterten die Worte und streichelten das Herz der Elbe. Behutsam drehte sie sich um, ständig in Sorge ein unüberlegter Schritt ihrerseits könnte dieses Idyll zerbrechen.
Und wahrlich ihr Herz machte einen Hüpfer, als sie die smaragdgrünen Augen Glorfindels betrachtete, der in ein weißes Gewand aus leichter Seide gehüllt war.
Ihre Augen schlossen sich und sie stellte sich ein wenig auf die Zehenspitzen, um ihren Verlobten zu küssen, doch als sie die Augen öffnete war er verschwunden. Sie war in ihren Vorhaben gescheitert, nie mehr die Augen zu schließen, um die Schönheit dieses Augenblickes zu wahren.
Pechschwarze Wolken zogen nun rasend schnell über den Himmel. Es blitzte und donnerte.
Vor sich erblickte die Elbe das weiße Gewand Glorfindels, das plötzlich vom Wind mitgerissen wurde und nun seltsam schwebend einige Meter von ihr entfernt in der Luft verharrte.
Ein markerschütternder Schrei und das Gewand färbte sich pechschwarz und füllte sich mit etwas, weder lebendig noch tot.
Die goldenen Ähren und der feuerrote Mohn leuchteten nun nicht mehr, sondern waren verblüht und verdorrt. Celebithiel schluckte und der Boden vor ihren Füßen riss auf, als die schwarze Gestalt einen Schritt auf sie zu machte und sie fiel.



Klirr
Wieder hatte die Elbe den Schlag des Nazgûl pariert. Seine gezackte Morgulklinge war auf sie herabgesegelt, aber die Klinge Glorfindels hatte sich fast von selbst bewegt, um dem giftigen Schwert auszuweichen.
Ein Rasseln ging von dem Schwarzen Reiter aus, als er zu sprechen begann.
„ Diese Klinge war nicht immer in euren Besitz Elbenweib!“.
Celebithiel war sich fast sicher, dass sie so etwas wie Panik in der rasselnden Stimme des Nazgûl vernehmen konnte.

Der Regen ließ allmählich nach, aber die beiden Heere trieften vor Nässe und die Kälte bohrte sich gnadenlos durch Rüstung, Stoff und Haut tief hinein in die Knochen. Auch die Kutte des Schwarzen Reiters triefte vor Nässe, aber es schien den Schwarzen Reiter nicht zu kümmern.
„Nein gehörte sie nicht…da habt Ihr recht. Es war die Klinge meines Verlobten!“
Ein behänder Schritt nach vorne und ein Versuch die Deckung des Nazgûl zu durchbrechen scheiterten und so umkreisten sich die beiden Kontrahenten wieder, während um sie herum das Schlachtgetümmel wütete.
„ Liebe sie ist so vergänglich wie das Leben. Kein Wunder, dass ihr Elben, Menschen und Zwerge den großen Meister unterlegen seid und sterben werdet, wenn ihr euch an solch lächerliche Hoffnungen klammert…“
„ Und dennoch war es diese Klinge, die euch an Furten der Lautwasser in die Schranken wies.“

Den Worten der Elbe folgte ein markerschütterndes Fauchen und ein kräftiger Hieb der Morgulklinge, die Celebithiel straucheln ließ.
Der Schwarze Reiter schien wie in Rage und schlug auf Celebithiel ein, der nichts anderes übrig blieb als zu parieren und auf ihre Deckung zu achten.
Er drängte sie immer weiter zurück bis in einen Augenblick der Unachtsamkeit die Morgulklinge Celebithiels linken Unterarm streifte. Das Schwert des Nazgûl durchtrennte den leichten Lederstoff mühelos und ein scharfes Brennen durchzuckte ihren linken Arm. Ihr stockte der Atme, sie strauchelte und fiel.



Sie fiel durch Zeit und Raum. Durch den glühend heißen Mittelpunkt der Erde hindurch, bis sie unsanft auf den Boden aufschlug. Sie verspürte kaum Schmerzen, aber es wurde ihr Klamm ums Herz, als sie ihre Umgebung betrachtete.
Sie befand sich in einem höhlenartigen Komplex. Aschfahlene Wände auf denen getrocknetes Blut klebte. Der Boden war rissig und stieß giftige Schwefeldämpfe aus.
Dennoch triumphierte der Mut in Celebithiels Herzen und so machte sie sich auf einen Weg aus dem Labyrinth aus Gängen zu finden.
Ihre Suche schien von Erfolg gekrönt, als sie am Ende des Höhlenganges eine schlichte Holztür erblickte. Mit pochenden Herzen stieß sie sie auf und betrat einen kreisrunden Saal, der mit anthrazitfarbenem Marmorboden ausgelegt war. Die Decke bildete eine riesige Kuppel, die ein Loch hatte, von dem Celebithiel einen rußverhangenen Himmel erblicken konnte.

Plötzlich flackerten Kerzen in den kreisrunden Säulengängen und ein Anblick des Elends offenbarte sich Celebithiel.
Ein dutzend Leichen baumelten, wie bizarre Marionetten von der Decke hinab. Sie erblickte alle Menschen, die sie liebte und die ihr etwas bedeuteten; Galadriel und Celeborn, Gandalf, Amrûn, Antien, ihre Eltern, Elladan und Elrohir, Glorfindel….ihre Gesicht seltsam entzerrt und leer.
Nur ein höhnisches Lachen durchdrang die Totenstille. Die schiefe Fratze des Mundes blickte auf sie herab, fast auf das Hundertfache vergrößert.
Erschrocken und laut aufstöhnend wich Celebithiel zurück, doch hinter ihr war nun keine schlichte Holztür mehr, die in die Höhle zurückführte und erneut schwebte das pechschwarze Gewand auf sie zu.



Ein Schmerz durchbohrte Celebithiel als sie auf den Kopfsteinpflaster aufschlug. Das Schwert entglitt ihrer Hand und alle Viere von sich gebreitet lag sie auf den Boden und beobachtete wie die schwarze Kuttengestalt das Schwert zum Anschlag erhob und dann auf einmal inne hielt.
Es kam der Elbe so vor als würde die Zeit stehen bleiben, doch das fortfahrende Kampfgetümmel belehrte sie eines besseren, obwohl ihr pochender Herzschlag ihre Ohren betäubte.
Der Schrei des Nazgûl war ohrenbetäubend und klang seltsam gequält, wie er so reglos dastand und nichts unternahm, außer auf die wehrlose Celebithiel hinabzublicken.
„ Was sind das dort für Schmuckstücke, die ihr um euren Hals tragt, Elbenweib?“
Einen Moment verstand Celebithiel kein Sterbenswörtchen, bis ihre ozeanblauen Augen das Medaillon Galadriels und Narya betrachteten, die aus dem Brustharnisch hervorgerutscht waren und im blassen Sonnenlicht, das die Wolkendecke durchbrach, funkelten.
Ein Lächeln huschte über Celebithiels Lippen, als sie leise flüsterte:
„Schmuckstücke deines Untergangs!“.

Sie griff agil nach der Klinge Glorfindels und rammte es dem völlig perplexen Nazgûl in die rechte Brusthälfte. Etwas erglühte heiß, um den Hals der Elbe und sie erkannte, dass es Narya war. Das Glühen schien sich auf die Klinge Celebithiels auszubreiten.
Jene war sich nicht sicher. Es war weniger als Fleisch, aber mehr als reiner Stoff, den die Jahrtausende alte Klinge da durchbohrte. Es war die reine Boshaftigkeit und Finsternis.
Wieder der kreischende Ton und der Schwarze Reiter taumelte zurück, sich die rechte Brust haltend und bevor sich Celebithiel richtig umsehen konnte war er in den Massen seiner eigenen Heerscharen verschwunden.

Sauron weiß es nun. Er weiß, dass der Elbenring des Feuers in Dol Amroth weilt…
Dies waren die letzten Worte bevor sie Dunkelheit umfing.



Reines Gold und feuerroter Klatschmohn umgaben Celebithiel nun, die im weichen Gras lag und in den Himmel starrte.
Neben sich Glorfindel, der ihre Hand fest hielt.
„ Wie lange können wir hier verharren?“, flüsterte die Elbe fast ängstlich, dadurch wieder den vollkommenen Augenblick zu zerstören.
Die smaragdgrünen Augen lächelten zurück und leise flüsterte er, bevor er ihr einen weichen Kuss auf die Lippen gab: „Solange du willst meine Liebste.“



....Celebithiel dank Amrûn ins Lazarett
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Der Kampf mit dem Nazgûl
« Antwort #10 am: 6. Nov 2011, 19:05 »
Obwohl die Verteidiger die Orks Schritt für Schritt zurück drängten, obwohl ein Haradrim nach dem anderen fiel, obwohl kein Soldat Dol Amroths floh, schien ein Sieg immer noch weit entfernt zu sein. Der Strom der Gegner wollte einfach nicht nachlassen, und die meisten der Verteidiger kämpften bereits mit ihren allerletzten Kraftreserven.

Oronêl sah sich ein weiteres Mal einem in Rot und Schwarz gekleidetem Haradrim gegenüber, der seine hässlich gezahnte Klinge schwenkte und versuchte, ihm den Arm abzutrennen. Oronêl führte seine Axt schräg nach oben und fing den Schlag mit dem hölzernen Stiel Hatholdôrs ab. Die Zacken der Klinge verhakten sich im Holz des Stiels, und mit einem plötzlichen Druck konnte er den Haradrim zurückschleudern. Dieser stolperte zurück, kämpfte mit dem Gleichgewicht, und starb mit einem überraschten Ausdruck auf dem Gesicht und Oronêls Klinge in der Brust.
                                                                                                                                                               
Da war Amdír! Er hatte ihn wiedergefunden, inmitten des Schlachtengetümmels. Die meisten seiner Krieger waren bereits den erbarmungslosen Orks zum Opfer gefallen und würden die Wälder Lórinands nie wieder sehen, und wenn er ihm nicht half, würde es Amdír, der mit mehr Zorn und Wut als Geschick kämpfte, ebenso ergehen. Oronêl schlug einen Ork zu Boden und hatte es fast geschafft, seinen Herrn zu erreichen, als ein in Rot, Schwarz und Gold gekleideter Mensch in seinen Weg sprang.
                                                                                                                                                               
Endet diese Flut denn niemals? Und ich Narr dachte, ein Sieg wäre möglich. Aber ich habe mich wohl geirrt, wie immer...
Gerade in diesem Moment ertönte ein grauenvolles, hohes Kreischen: Die Stimme des Nazgûl! Doch sie war nicht mehr wie zuvor kalt und voller Grausamkeit und Wut, sondern von Panik und Erstaunen erfüllt, aller ihrer furchbaren Kraft beraubt. Oronêl fuhr herum, und sah den Nazgûl, mit einem klaffenden Loch in der rechten Brustseite, auf sich zu taumeln, und hinter ihm die Elbe, mit der er gekämpft hatte, regungslos auf dem Pflaster liegen. Der Nazgûl hielt sich die Brust, doch statt einer Wunde befand sich hinter der Rüstung nichts, nur Schwärze.

Er ist nicht aus Fleisch und Blut, also ist er schwächer als wir...
Der Nazgûl kam direkt auf ihn zu und Oronêl traf eine Entscheidung. Er verließ die Schlachtreihe und stellte sich dem Nazgûl in den Weg. Der Nazgûl blieb stehen und keuchte mit schmerzverzerrter Stimme: "Du kannst mich nicht aufhalten, Menschlein! Nicht einmal diese Elbenhexe konnte es, und du wirst sterben, wie sie!"

"Und doch hat sie dich so sehr verwundete, das du fliehst und dein Blick getrübt ist! Vor dir steht kein Mensch, sondern Oronêl von Lórinand! Erzähle deinem Meister, dass die Menschen nicht mehr allein stehen, sondern Seite an Seite mit den Elben. Niemals wird Sauron die freien Völker besiegen. Und nun krieche davon, du Nichts von einem Geist!", erwiderte Oronêl, obwohl ihm die Aura der Kälte und des Todes, die der Nazgûl verbreitete, fast den Atem nahm.

"Du nennst mich ein nichts, Elb? Du bist ein Nichts, und für deine Frechheit sollst du sterben!" Mit diesen Worten führte der Nazgûl einen Hieb gegen Oronêls Hals, doch der tauchte unter dem Schwert hindurch und stand nun dicht bei dem Nazgûl. "Stirb, Elbenfluch!", flüsterte er, ließ seine Axt fallen, und packte die Ränder der Wunde, die Klinge der Elbenfrau dem Nazgûl zugefügt hatte. Mit aller Kraft riss er die Gewänder auseinander und vergrößerte die Wunde so noch. Der Nazgûl brach in die Knie und ließ sein Schwert fallen.
 
"Nun, Oronêl von Lórinand, was jetzt?", flüsterte er. "Während du hier den Helden spielst, schwebt dein neuer Freund Amroths in großer Gefahr. Hast du dir nicht geschworen ihn zu beschützen?" Oronêl wich zurück. "Oh ja, großer Held, ich weiß, was du denkst. Willst du schon wieder versagen? Schon wieder einen Schwur brechen? Dreh dich um, lauf, und rette deinen Freund. Noch kannst du es tun, vertraue mir nur Oronêl von Lórinand. Du kannst dein Versagen endlich wieder gut machen, ich biete dir die Gelegenheit dazu, wenn du deine Niederlage gegen mich erkennst!"

Inzwischen hatte Oronêl den Nazgûl losgelassen und seine Axt wieder ergriffen. "Lügner! Du redest um dein Leben, das längst seit vielen tausend Jahren beendet ist! Ich werde nicht auf dich hereinfallen, Bote Saurons, der seine Lügen verbreitet!", rief Oronêl, der kalkweiß im Gesicht war.
Der Nazgûl fauchte, packte sein Schwert, und stieß es in einer blitzschnellen Bewegung nach vorne. Die kalte Stahlklinge bohrte sich in Oronêls Seite und schleuderte ihn herum.

                                                                                                                                                         
Amdír erhob sich vom Körper des schwarzen Númenorers und drehte sich zu ihm um, einen Triumphruf auf den Lippen. Doch plötzlich stach eine Schwertspitze aus seiner Brust hervor, und er brach zusammen. "Amdír!" wollte er rufen, doch er brachte keinen Ton heraus. Eine Keule traf ihn an der Schläfe und Schwärze umfing ihn.
                                                                                                                                                               

Wie durch einen Schleier nahm Oronêl den Nazgûl wahr, der wieder vor ihm stand. Vor seinem inneren Auge tanzten Gesichter: Amdír, Amroth, Mithrellas, Nimrodel, seine Eltern, Mithéldir, Amrothos, die Elbe, die gegen den Nazgûl gekämpft hatte. "Eure Überheblichkeit ist eure Schwäche. Ihr Elben seid doch wirklich erbärmlich, kurz vor dem Ziel scheitert ihr alle!", zischte der Nazgûl, doch obwohl noch immer abgrundtiefe Bosheit in seiner Stimme lag, waren die Kälte und die Kraft aus ihr gewichen. "Stirb, großer Held!"
 
Doch bevor ihn die Klinge des Nazgûl durchbohren konnte warf Oronêl sich zu Boden. Von der Wunde in seiner Seite ging Kälte aus, und die ganze Körperhälfte wurde allmählich taub. Er packte den Fuß den Nazgûl und zog daran, der Nazgûl verlor das Gleichgewicht und ging erneut zu Boden. Oronêl warf sich mit letzter Kraft auf ihn und schlug ihm seine Axt in die klaffende Brustwunde. "Diese Waffe wird kann mich nicht besiegen, Narr!", fauchte der Nazgûl. Er drückte Oronêl die gepanzerte Hand gegen das Gesicht und presste ihn zurück.

Da, an der Hand, sein Ring...
Die Zeit schien sich endlos hinzuziehen. Oronêl packte den Ring des Nazgûl und zog ihn ihm vom Finger. Es ging überraschend einfach.
Nein!, fuhr die Stimme des Nazgûl durch seine Gedanken, dann hatte der Ring die Hand des Nazgûl verlassen, und Oronêl spürte, wie der Wille, der die Rüstung und die Gewänder des Nazgûl zusammengehalten hatte aus ihnen wich und sie zusammensackten wie eine leere Hülle. Der Geist des Nazgûl verschwandt ohne einen Laut. Oronêl spürte, wir jemand ihn vom Nazgûl herunter zerrte und umdrehte, dann verschwand sein Bewusstsein aus der Schlacht.

                                                                                                                                                               
Er rannte mit Amdír durch den Wald aus Mallornbäumen. Es war Winter, und die Blätter hatten sich golden gefärbt. Sie liefen durch eine Halle mit goldenem Dach und silbernen Säulen.

Er saß mit einer Elbenfrau am Ufer des Silberlaufes. Es war Frühling, und die Bäume hatten ihre Blätter verloren. Der Mond tauchte alles in blasses silbernes Licht.

Er stand mit Amdír an der Spitze seiner Krieger. Es war Sommer, und die Sonne brannte heiß vom Himmel. Vor ihnen lag wie eine schwarze Masse das Heer der Feinde.

Er stand allein auf einem Berggipfel im Gebirge. Es war Herbst, und ein Sturm kam aus dem Norden. Er war allein und hatte versagt.
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Morgulklinge
« Antwort #11 am: 7. Nov 2011, 20:32 »
Oronêl hatte das Gefühl, zu schweben. Mühsam öffnete er die Augen und erblickte über sich den noch immer von schwarzen Wolken bedeckten Himmel, und ein Gesicht, das ihm entfernt bekannt vor kam...
"Wer... was?" "Ich bin es, Herr Oronêl, Hauptmann Mithéldir von Dol Amroth.", antwortete das Gesicht. "Mithéldir... ich erinnere mich.", brachte er mit Mühe hervor. "Wohin bringt ihr mich?" "Wir bringen euch fort von der Schlacht. Ihr seid verletzt und könnt nicht mehr weiterkämpfen. Ihr habt einen Nazgûl besiegt!" Jetzt lag so etwas wie Ehrfurcht in Mithéldirs Stimme.
Ja, ich habe gegen ihn gekämpft und gewonnen. Aber er hat mich wohl auch erwischt, mit seiner verfluchten Klinge... Diese Kälte. Amrothos!
"Nur, weil er schon fast besiegt war... Was ist mit Amrothos, dem Prinzen?", krächzte er. "Ich fürchte, ich weiß es nicht. Ich habe ihn noch nicht wieder gesehen.", antwortete Mithéldir. "Woher kennt ihr ihn? Und was meintet ihr damit, der Nazgûl war schon fast besiegt? Wie habt ihr ihn vernichten könne?"
So viele Fragen...
"Ich...", setzte er an, doch die Kälte und Taubheit in seiner Seite breitete sich immer mehr aus und nahm ihm den Atem.
                                                                                                                                                     
Mithéldir blickte besorgt auf den Elben hinunter. Er war grau im Gesicht, und auf seiner Stirn sammelten sich Schweißperlen, obwohl er zu frieren schien. Es stand offensichtlich nicht gut um ihn. Ob das der Preis für einen Sieg über einen Nazgûl war? Sie mussten sich beeilen, um ihn ins Lazarett zu bringen, damit sich ein Heiler seiner annehmen konnte, denn obwohl Mithéldir durchaus mit Wunden umzugehen wusste, war ihm diese Verletzung unheimlich. Die Waffe die diese Wunde geschlagen hatte, war keine normale Klinge gewesen, da war er sich sicher.
                                                                                                                                                     
Oronêl wünschte sich zu fliegen, und seinen müden Körper zurückzulassen. Er schloss seine Augen, und ließ seinen Erinnerungen wieder freien Lauf.
                                                                                                                                                     
"Oronêl!", hörte er ihre warme Stimme hinter sich. Er drehte sich um, und sie stand vor ihm, in lichtes Grün gekleidet, eine schlanke, junge Elbenfrau. "Oronêl", wiederholte sie. "Warum läufst du vor mir davon?" "Weil..." Er räusperte sich. "Ich laufe nicht vor dir davon. Ich muss zu Amdír, wir wollten Jagen gehen." Sie lachte, es war ein wunderbares Geräusch, wie der Gesang eines Vogels und das Murmeln des kleinen Flüsschens an der Nordgrenze. Er spürte, wie er Rot anlief, doch sie ergriff seine Hand, und sagte:"Du brauchst dich vor mir nicht zu schämen, Oronêl. Ich weiß wie du fühlst." Sanft befreite er seine Hand aus ihrem Griff. "Ich muss jetzt wirklich gehen.", sagte er, drehte sich um, und ging so schnell wie möglich davon. Sie folgte ihm nicht.

Oronêl ins Lazarett
« Letzte Änderung: 7. Jan 2012, 21:06 von Eandril »

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Offline Thorondor the Eagle

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Re:Die Verteidigungs- und Maueranlagen
« Antwort #12 am: 13. Nov 2011, 01:17 »
Peitschend hohe Wellen vor sich, zuckende Blizte über sich und die tiefe, grollende Stimme der Dunkelheit; so kam es Amrûn auf dem Schlachtfeld vor. Verzweifelt und erfolglos versuchte er sich durch die hereintreibenden Mengen einen Weg zu bahnen. Es waren zahllose Hiebe, die er den Feinden entgegnete und die sie zu Fall brachten. Doch dieses Mal zeigte er keine Müdigkeit, keine Erschöpfung und ließ keinen Schmerz zu.

„Wir müssen ihr helfen!“, brüllte der Elb wahllos in die Menge und hoffte, dass er gehört wurde. Er sah zwei drei silberne Spitzen von Metallhelmen und focht sich durch das Getümmel.
„Wir müssen nach vorne, den Kreis um das Tor wieder verkleinern“, schrie der Elb überzeugend „Kommt schon!“ Sie stellten sich Rücken an Rücken im Kreis auf. Es war schwieriger geworden, denn nun kamen die Feinde auch von hinten an sie herangekrochen. Ihre Schwerter waren unzähmbar, sodass Amrûn erbarmungslos auf die Köpfe und Körper der Orks und Ostlinge einschlug. Langsam um behände näherten sie sich wieder dem Tor und somit auch Celebithiel.

Plötzlich setzte ein grauenvoller, mit Qual erfüllter Schrei ein. Amrûn und alle anderen auf dem Schlachtfeld hielten sich reflexartig die Ohren zu. Da war sie, die Chance für Amrûn ungebremst die Reihen zu durchbrechen. Er beugte seinen Oberkörper leicht nach hinten um Schwung zu holen und setzte mit dem ersten Schritt an. Mit dem Ellenbogen voran preschte er gegen die Orks, die verängstigt in Richtung Tor starrten.
Er hatte das Gefühl, dass sein Kopf platzte, seine Trommelfelle rissen, seine Adern zersprangen und sein Ellenbogen splitterte, aber er hielt durch und so erreichte er einen freien, nahezu kreisrunden Platz inmitten der Masse. Ihm blieb das Herz stehen, als er Celebithiel auf dem Boden liegen sah und der schwarze Umhang in der Menge verschwand.

Bedenkenlos lief er zu ihr und noch ehe er sie erreichte setzte das Kampfgeschrei wieder ein. Doch nun hatten sich die Soldaten um Celebithiel eingefunden und verteidigten ihren leblos wirkenden Körper wie ein Heiligtum.
Aus purer Wut heraus griff er sich ein herrenloses Schwert vom Boden und rammte es dem nächstkommenden Ostling erbarmungslos in den Bauch. Doch im nächsten Moment schon fiel er auf die Knie und rang sich so bis zu ihr durch.

Amrûn wagte es kaum die porzellanene Haut anzugreifen. Sanft entfernte er den Helm vom Kopf und strich mit dem Finger über ihr Gesicht. Es war kühl wie frischer Tau in den Morgenstunden. Er erinnerte sich, an seine erste Begegnung mit Celebithiel. Er selbst war ein Gefangener der Orks und hatte jede Hoffnung auf Leben aufgegeben. Der Elb sah es noch vor sich, wie sich die Berge, die Wiesen, der Grashalm vor sich in fließendes Gold und Silber verwandelten. Eine Liebe und Wärme umfing ihn, wie er es niemals zuvor fühlen durfte. Er spürte noch die gschmeidige Hand über seine Wange streicheln und den bequemen Schoß der Elbe unter seinem Gesicht.

War es der Weg nach Aman den ich dort sah… War es der Übertritt in Mandos‘ Hallen und der Emfpang meiner Ahnen oder doch der wärmende Schoß, die Geborgenheit und die bedingungslose Liebe Celebithiels die ich damals sehen durfte und deren Einfluss, der mich ins Leben zurückholte… Wenn auch ich diese Macht hätte, könnte ich sie retten?

Behutsam griff er nach ihren Händen und hielt sie locker fest. Er schloß die Augen dabei und murmelte leise einige elbische Worte. Anschließend legte er seine flache Hand über ihre Stirn und ihre Augen. Er sprach sein Gebet zu Ende und blickte nochmal in ihr Gesicht, das paradoxerweise einen gütigen Ausdruck hatte. „Komm zurück und erblicke den silbernen Abkömmling erneut“, sagte er zu ihr und küsste sie dabei auf die Stirn.

Den regungslosen rechten Arm legte er sich um die Schulter und hob Celebithiel hoch. Amrûn musste der ganze Körper schmerzen, aber in diesem Moment spürte er gar nichts. Er sah nur in das zauberhafte Gesicht seiner Retterin.

Amrûn vor die Stadt...
« Letzte Änderung: 12. Feb 2013, 14:00 von Eandril »
2. Char Elea ist bei der Ratsversammlung von Aldburg


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Düstere Gedanken
« Antwort #13 am: 19. Mai 2017, 14:59 »
Valion aus dem Palast des Fürsten


Seit dem Ende der Belagerung von Dol Amroth waren die Verteidiger der Stadt nicht untätig geblieben. Sämtliche Schäden, die die Horden Mordors, das Heer Harads und die Flotte Umbars an Mauern und Verteidigungsanlagen verursacht hatten, waren repariert worden, und überall gab es Zeichen der voranschreitenden Bauarbeiten. Große Teile der hohen, grauen Mauern waren in den Frühjahrs- und Sommermonaten mit starken Wehrgängen versehen worden, und an vielen Abschnitten der Verteidigungsanlagen waren neue Maschinen angebracht worden, die feindliche Belagerungsgeräte zerstören und hohe Verluste unter etwaigen Angreifern verursachen konnten. Und mit jedem Tag schritt die andauernde Befestigung der Schwanenstadt fort; da nun der Konflikt mit Mordor erneut ausgebrochen war.
Valion bemerkte kaum etwas von all dem. Er hatte Imrahils Palast ohne ein echtes Ziel verlassen und war durch die Straßen der Stadt gestreift, bis er vor den südlichen Mauern gestanden hatte, auf denen er einst Seite an Seite mit seiner Schwester gekämpft hatte, als die Orks des Roten Auges Dol Amroth angegriffen hatten. Schweigend stand er auf der Brüstung des Walls und ließ seinen Blick über das Gebiet schweifen, das sich vor ihm ausbreitete. Zu seiner Rechten lag der endlose Ozean Belegaer, und zur Linken die Berge von Dor-en-Ernil. Dazwischen lag der Streifen Land, der Belfalas genannt wurde und sich nach Südwesten bis zur Hafenfestung von Lontirost ausbreitete.
Und hinter Lontirost lag die Bucht von Belfalas, und die Mündung des Großen Stromes... der Ethir.
"Wir hätten Belegarth niemals verlassen sollen," sagte eine leise Stimme neben ihm. Es war Valirë. Valions Zwillingsschwester stützte sich mit beiden Händen an der Spitze einer der Zinnen ab und ihr Blick ging ebenfalls nach Südwesten. "Wären wir dort gewesen, hätten wir vielleicht verhindern können, dass Mordor unsere Heimat in eine rauchende Ruine verwandelt..."
"Vielleicht," entgegnete Valion. "Aber Imrahil rief uns, und wir kamen. Wie zwei verdammte Schoßhündchen."
Valirë machte ein abschätziges Geräusch. Ihre Augen waren gerötet und ihr Haar nach wie vor unordentlich. Valion hatte seine Schwester erst einmal zuvor weinen sehen: Als sie auf dem Schiff Faltharans, des Herrn von Lebennin, aus dem brennenden Pelargir geflohen waren. Dort war der Vater der Zwillinge gefallen, und ihre Flucht hatte die Eroberung des Ethirs bedeutet. Und sie hatten so viel riskiert, um ihre Heimat zu befreien. Sie waren durch Tod und Verderben gegangen... und hatten nun dennoch alles wieder verloren.
"Wir haben unsere Leute im Stich gelassen," fuhr Valion fort. "Doch keiner von ihnen - nicht ein Einziger! - war bereit, den Ethir wieder zu verlassen, nachdem wir Belegarth befreit hatten. Wir hätten längst Verstärkung schicken sollen - noch vor unserer Fahrt nach Umbar. Jetzt sind sie alle tot."
"Ich bin mir sicher, sie haben Mordor teuer dafür bezahlen lassen. Sie waren Ethir-Krieger, jeder Einzelne von ihnen," meinte Valirë grimmig.
Valion antwortete mit einem Nicken. "Das waren sie," stimmte er zu.

Sie blieben eine ganze Weile schweigend so stehen. Zu ihrer Rechten ging langsam die Sonne unter, und tauchte den Ozean in rötliches Licht. Schließlich jedoch kam Valirë auf die Beine und ergriff Valions Hand.
"Wir bringen das wieder in Ordnung," versprach sie entschlossen. "Nicht heute, nicht morgen, aber bald schon. Wir bringen das in Ordnung."
"Ich weiß," sagte er leise. "Wir stehen das durch. Wie wir es immer getan haben."
"Verdammt richtig, kleiner Bruder. Wenn du mich brauchst: Ich werde in der nächsten Schänke sein, und mich bis zur Besinnungslosigkeit betrinken. Mach' derweil keine Dummheiten, hörst du?"
Valion war sich der Ironie ihrer Aussage zwar allzu deutlich bewusst, doch er verspürte keinerlei Bedürfnis, einen Witz darüber zu machen. Also nickte er einfach und sagte: "Wir sehen uns, Flinkklinge."
Valirë wandte sich ab und war kurz darauf verschwunden.
Valion verbrachte die folgenden Minuten damit, unzählige Pläne zu schmieden und wieder zu verwerfen. Er wusste, dass es kaum eine Chance geben würde, den Ethir in nächster Zeit zurückzuerobern, aber als Lehensfürst Gondors fühlte er sich dazu verpflichtet, es zumindest zu versuchen. Er fragte sich, ob abgesehen von dem Boten, der die Nachricht vom Fall Belegarths an Imrahil überbracht hatte, irgendjemand die Belagerung überlebt hatte... und ob er denjenigen jemals wieder in die Augen blicken konnte. Seit der Rückkehr der Zwillinge aus Umbar war mehr als genug Zeit gewesen, den Ethir mit zusätzlichen Soldaten zu bemannen und die beschädigte Burg von Haus Cirgon zu reparieren. Doch Valion war in Dol Amroth geblieben und hatte später in Morthond gekämpft, ohne sich um seine Heimat zu scheren. Dass Mordor nun erneut seine schwarze Klaue nach dem Ethir ausgestreckt hatte, kam ihm mehr und mehr wie eine gerechte Strafe für seine Nachlässigkeit vor.
Sein Zorn auf Imrahil und die übrigen Fürsten Gondors war noch immer stark, doch natürlich wusste Valion auch, dass ein direkter Gegenangriff keinen strategischen Sinn ergeben würde. Sicherlich könnte die Garnison von Dol Amroth den Ethir erneut befreien, doch zu welchem Preis? Um dabei Erfolg zu haben, müssten Verteidiger von der Front abgezogen werden und Mordor würde die perfekte Gelegenheit für einen Angriff ins Herz Gondors erhalten. Mehr und mehr wurde Valion klar, dass ein militärischer Schlag gegen den Ethir genau das sein könnte, worauf die Feinde Dol Amroths jetzt hofften. Und dennoch war genau das sein erster Impuls gewesen, und noch immer drängte ihn sein Herz dazu, alles daran zu setzen, seine Heimat erneut zu befreien...

"Du weißt, dass das eine Falle ist," sagte Lóminîth, und ihre Stimme klang kalt und gefühllos. "Wenn Gondor jetzt zum Gegenschlag ausholt, werden Dol Amroth und Linhir in großer Gefahr sein."
Valion drehte sich langsam zu seiner Verlobten um, die zu ihm auf die Mauer gekommen war und eine kleine Laterne in der Hand hielt, denn es war inzwischen dunkel geworden. Lóminîths Gesicht wurde vom warmen Schein der Laterne beleuchtet, doch in ihrem Blick lag keinerlei Wärme. "Sei kein Narr, Valion. Hör auf Fürst Imrahil, und gedulde dich! Du kannst jetzt nichts daran ändern, dass Belegarth und der Ethir gefallen sind. Eines Tages mag sich daran etwas ändern, aber jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt für tollkühne Taten. Das Wohl der Vielen wiegt mehr als das Wohl der Wenigen; oder des Einzelnen. Der Ethir mag gefallen sein, aber Gondor besteht fort. Verstehst du?"
"Natürlich verstehe ich es," gab Valion etwas heftiger zurück als er es vorgehabt hatte. Doch Lóminîths kühle Logik machte ihn wütend. "Aber ich habe eine Verantwortung meiner Heimat gegenüber. Soll ich einfach hier stehen bleiben, und nichts tun? Soll ich diese... Beleidigung einfach so hinnehmen? Ich muss ein Zeichen setzen und..."
"Nein," unterbrach Lóminîth ihn. "Das würde nur zu deinem Tod führen, und dann wären die Menschen vom Ethir führungslos. Damit wäre niemandem geholfen. Jeder Krieger, den deine Schwester und du damals nach Belegarth gebracht haben, wusste genau, worauf er sich einlässt. Sie waren Soldaten, und im Krieg sterben Soldaten nun einmal. Es wird niemals ohne Verluste gehen. Sei froh, dass jene, zu deren Schutz du verpflichtet bist - das einfache Volk, die Männer und Frauen vom Ethir, alt und jung - diesem Schicksal entronnen sind, indem sie noch nicht in ihre Heimat zurückgekehrt sind. Dir muss doch klar gewesen sein, dass die Garnison von Belegarth auf verlorenem Posten stand, so weit hinter feindlichen Linien und fernab der Front am Gilrain."
"Ich weiß," gab Valion zerknirscht zu. "Aber ich hoffte... dass Mordor sie dort in Ruhe lassen würde."
"Die Hoffnung eines Narren," meinte Lóminîth, doch ihre Stimme hatte nun einen sanfteren Klang angenommen. Sie kam zu Valion herüber und nahm seine Hand. "ich weiß, wie es ist, wenn man seine Heimat verliert," sagte sie leise. "Du warst dabei. Sie haben das Anwesen meiner Schwester niedergebrannt, bis auf die Grundfesten; genau wie sie die Burg deiner Vorfahren niedergebrannt haben."
"Damit kommen sie nicht durch," antwortete Valion mit zusammengebissenen Zähnen. "Ich lasse es nicht zu!"
"Nein, das wirst du nicht. Aber ich bitte dich, Valion: Sei geduldig! Lass uns einen Plan schmieden, und die Sache vorsichtig angehen. Mein Einfluss in Dol Amroth wird wachsen, und wenn wir ihn nutzen, werden wir auf schlagkräftige Hilfe zurückgreifen können. Doch noch nicht jetzt. Jetzt muss Gondor seine Grenzen verteidigen. Ich fürchte, es wird bald einen weiteren Angriff geben."
"Doch wo? Auf Tolfalas? In Linhir? Oder gar ein Angriff auf Dol Amroth selbst?"
"Ich weiß es nicht, Valion. Ich weiß nur, dass dies schwierige Zeiten sind. Aber gemeinsam können wir sie überstehen."
"Gemeinsam..." wiederholte Valion leise. "Und du... hilfst mir dabei? Und nicht nur, damit deine neuen Titel wieder eine echte Bedeutung haben?"
Lóminîth brachte tatsächlich ein kleines, listiges Lächeln zustande. "Nun, es sorgt natürlich für mehr Ansehen, wenn die Herrin des Ethirs tatsächlich über echtes, freies Land herrscht, und nicht nur des Namens nach."
"Du bist unverbesserlich," meinte Valion kopfschüttelnd. Dann küsste er sie lange und innig.

"Ich sollte meine Schwester suchen, ehe sie sich so tief in den Rausch stürzt, dass sie vergisst, wer sie ist," sagte Valion wenige Minuten später.
"Das solltest du," stimmte seine Verlobte zu. "Ich werde in meinen Gemächern auf dich warten... aber komm nicht zu spät!"
"Mach dir darüber mal keine Sorgen," verprach Valion. "Wir sehen uns später."


Valion in die Stadt
« Letzte Änderung: 12. Jun 2017, 15:24 von Fine »