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Autor Thema: Platz des goldenen Drachen  (Gelesen 4806 mal)

Khamul

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  • Was ich grad so mache? Rumsitzen und aufschlitzen!
Platz des goldenen Drachen
« am: 13. Dez 2008, 12:39 »
Aus der Sicht Khamûls

In Gortharia, der großen Hauptstadt Rhûns, gab es einen großen Platz vor dem Königspalast, wo der König des Öfteren Feste zu Ehren Saurons gegeben hatte. Unter Khamûl war dem ein Ende gesetzt worden, er hatte die Menschenopferungen in den Palast verlegen lassen. Nun wurde der große Platz genutzt, um Krieger aufmarschieren zu lassen oder um Todesurteile zu vollstrecken. Damit wollte Khamûl das Volk einschüchtern, was ihm bereits sehr gut gelungen war. Obwohl in Rhûn Unzufriedenheit herrschte, wagte es niemand, sich offen gegen Sauron zu stellen, und wer es trotzdem tat, wurde auf grausamste Weise hingerichtet.
Nun befand sich Khamûl in seinen königlichen Gemächern und machte sich bereit. Sklaven bürsteten seine Gewänder und polierten seine goldene Rüstung. Er selbst war gerade unbekleidet, nicht sichtbar für normale Augen. Nur die goldene Maske, die er trug, verriet seinen Standort. Er schenkte den Menschen in seiner Kammer nicht die geringste Beachtung, denn er war mitten in seinen eigenen Gedanken. Die Macht der Menschen und Elben war ungebrochen, obwohl sein Gebieter den Ring zurück erhalten hatte. Sie hatten die Armee des Hexenkönigs bei Lothlorien geschlagen und den Fürst der Nazgûl getötet. Dies war ein starker Rückschlag für Sauron, würde aber den Fall der freien Völker Mittelerdes nur verzögern. Denn der dunkle Gebieter hatte immer noch die Streitmacht Rhûns unter seinem Banner, die er noch nicht losgelassen hatte. Unzählige Krieger gab es im Ostreich, und sie alle waren bereit, ihrem Gott Sauron bis in den Tod zu dienen.
Wie viele Jahrtausende hatte Khamûl darauf gewartet, seinen rechtmäßigen Platz wieder einzunehmen, wie lange hatte er sich schon gewünscht, wieder König von Rhûn zu sein. Es gab nur eine Sache, die er jemals mehr begehrt hatte als seine alte Macht: Anstelle des Hexenkönigs der oberste Feldherr des dunklen Gebieters zu werden. Durch dessen Tod war auch dies geschehen. Nun war der bislang zweithöchste der Nazgûl scheinbar am Ziel all seiner Träume, nichts konnte ihn mehr aufhalten. Er würde seinen Gebieter nicht enttäuschen, so wie der Hexenkönig es viele Male getan hatte.
Noch bist du nicht am Ziel, Khamûl, erst musst du deine Bewährung bestehen. Auch du hast dich oft genug als unfähig erwiesen  und musst dich erst wieder beweisen, ertönte die Stimme Saurons in den Gedanken des Nazgûl. Dazu kamen Bilder seines eigenen Versagens bei den Angriffen auf Lothlorien und die Hallen Thranduils. „Nicht einmal der Hexenkönig hat es geschafft, die Stadt unter den Bäumen zu fällen! Ihr könnt mir nicht vorwerfen, dort versagt zu haben, wo auch alle Anderen gescheitert sind, Gebieter!“
Nun hast du die Möglichkeit, dich noch einmal als Feldherr zu beweisen. Vernichte die Zwerge des Erebor, und enttäusche mich nicht!

Während seines inneren Zwiegespräches mit seinem Gebieter hatten die Sklaven schon begonnen, Khamûl seine Rüstung anzulegen. Sie war aus vergoldetem Stahl, und die Ledernen Gelenke wurden durch stachelartige Verlängerungen der Platten geschützt. Als seine Rüstung saß, legten sie ihm über diese eine Ostlingsuniform aus roten Stoffen an. Zu guter letzt streifte er sich noch seinen schwarzen Kapuzenmantel über und legte seine Schwertscheide mit der Morgulklinge darin an. Den Mantel trug er offen, sodass seine rote Uniform noch sichtbar war. Nun war er bereit für den Angriff auf die Lande der Zwerge!
Schnellen Schrittes trat Khamûl auf den Balkon seiner Gemächer, von dem aus er direkt auf den großen Platz vor dem Königspalast blicken konnte. Hier hatten sich beinahe zwanzigtausend Ostlinge versammelt, alle uniformiert. Sie waren bei einer Heerschau, die Khamûl über ganz Rhûn einberufen hatte, ausgewählt worden, der Armee anzugehören, die die Zwergenlande für den dunklen Gebieter erobern würden. Es waren hauptsächlich Fußsoldaten, denn den Großteil der Kavallerie machten Wagenfahrer aus Khand, die vor der Stadt auf das Heer warteten, aus.
Khamûl hob sein Schwert, eine Morgulklinge mit schwarzen Schneiden und einem goldenen Griff, in die Höhe und rief: „Ihr Soldaten Rhûns! Ihr wurdet ausgewählt als die besten Krieger des Reiches, würdig, die Lande der Zwerge zu nehmen!“
Unbeschreiblicher Jubel brach auf dem mit Kriegern gerammelt vollen Platz vor dem Palast aus. Khamûl musste jedoch nur einmal seine Hand heben, schon verstummten die disziplinierten Soldaten augenblicklich.
„Heute werden wir aus der Stadt ausziehen gen Erebor, um die Festung im Berg dem Erdboden gleich zu machen! Zu lange haben sich die Zwerge schon dem dunklen Gebieter widersetzt! Ihr werdet sein Werkzeug sein, diesen Wesen ihr Land zu nehmen! Macht euch auf, vernichtet die Feinde unseres Gottes! Vernichtet die Feinde Saurons!“
Erneut jubelten die Krieger ihrem König zu, doch schon begann der Platz, sich zu leeren, da die Offiziere schon den Abmarsch befahlen. Khamûl sah noch einige Momente lang zu, wie sich sein gewaltiges Heer in den Gassen Gortharias zerstreute, um vor den Stadttoren wieder zu einer einzigen riesigen Masse zu werden. In Gedanken sandte er eine Botschaft an Sauron:
„Nein, mein Gebieter. Ich werde Euch nicht enttäuschen!“


Khamûl und das Heer Rhûns zum Stadttor Gortharias
« Letzte Änderung: 26. Aug 2016, 12:32 von Fine »
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Vexor

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Platz des goldenen Drachen
« Antwort #1 am: 6. Okt 2011, 21:06 »
Fioras Start:

Es war eine laue Nacht. Spät hatte sich die Sonne über die westlichen Ziegel der Stadt gelegt und die Obhut der Welt in die Hände des silbernen Halbmondes mit seinen Millionen Gehilfen gelegt. Friedlich schwamm er nun in einem Meer aus ebenholzschwarzer Nacht.
Die schlanke Frau, namens Fiora, ließ sich auf die Bettkante gleiten und betrachtete nun ihren Körper im Spiegel vor sich. Ihr dunkelblondes Haar hatte sie in einen Fischgrätenzopf zusammengeflochten und um ihren langen, zierlichen Hals gelegt. Ansonsten war sie komplett in schwarz gehüllt, sodass sie niemand in der fahlen Dunkelheit dieser Julinacht sehen würde. Es war äußerst wichtig, dass sie niemand sah, denn heute hatte sie eine sehr heikle Mission geplant.
Nachdem sie in ihre Stiefel geschlüpft war und sie fest verschnürt hatte, richtete sie sich auf und ging zu einer Kommode. Fiora öffnete die unterste Schublade und ein verschmitztes Lächeln trat auf ihr Gesicht als sie die Sammlung von Dolchen und Messern vor sich, im Kerzenschein, funkeln sah.
Na meine Freunde. Wir unternehmen einen kleinen Ausflug. Wie gefällt euch das?
Sie befestigte die Halterung für zwanzig Wurfmesser an ihrem rechten Oberschenkel, während sie zwei Dolche an ihrem Gürtel schnallte. Vollkommen automatisiert, als würde Fiora Tag ein Tag aus nichts anderes machen, wanderte sie zu ihrem Schreibtisch befestigte das Bündel mit den Armbrustbolzen ebenfalls an ihrem Gürtel und steckte den Kampffächer an seinen Platz.
Zu guter Letzt legte sie die Armbrust über ihre Schulter und befestigte sie an ihrem Rücken.
Sieht so aus, als wären wir Aufbruch bereit…Wo steckt Càha überhaupt? Nunja sie wird sich schon keine Sorgen machen, wo ich bleibe

Bei diesem Gedanken lachte sie kaum hörbar auf. Wie immer, wenn es um ihre Freundin Càha ging, wusste Fiora nie genau, was sie denken sollte und konnte.
Ein kurzer Blick aufs Bett versicherte ihr, dass der Kater sich bereits auf einem der Kopfkissen zusammengerollt hatte und zufrieden schnurrte. Lächelnd löschte Fiora die Kerze und noch bevor der Rauch verschwunden war, hüpfte sie bereits vom Fenstersims auf das Dach gegenüber.
Blitzschnell und fast geräuschlos segelte die graziöse Frau über die Dächer der Stadt Gortharia. Nie landete sie unsicher auf den Ziegeln oder Dächern der Hauptstadt Rhûns.
Sie kannte die Stadt bereits wie ihre Westentasche und es gab keinen Winkel, der ihr nicht vertraut vorkam oder wo sie sich nicht auskannte.
Plötzlich verharrte sie und versteckte sich im Schatten eines Schornsteins. Sie war nun in der Nähe des mit goldenen Ziegeln oder seltsamen Ornamenten verzierten Palastes. In vielen Kammern brannte noch Licht und Fioras messerscharfe Augen erblickten Bogenschützen, die auf diversen Balkonen der Stadt patroullierten.

Ist mein guter Stiefvater wohl paranoid. Oder besitzt er einen guten Menschenverstand? Immerhin sollte der Sieg über den Erebor doch Anlass genug sein niemanden mehr zu fürchten…Was solls ich bin mir sicher, dass die Bogenschützen mich nicht sehen.
Dennoch ging sie auf Nummer sicher und hangelte sich auf einen Balkon und hüpfte von Geländer zu Geländer, bis sie aus dem Blickwinkel des Palastes entkommen war. Leise und behände wie eine Katze sprang sie zu Boden, als sie ihr Ziel erreicht hatte.
Leicht keuchend hechtete sie in eine Seitengasse. Da war jemand. Im Schatten presste sie sich gegen eine Wand, die Hand instinktiv an einen ihrer Dolche. Doch es war nur ein ärmlicher, alter Mann, der zeternd an ihr vorbeihuschte, ohne auch nur eine Notiz von ihr zu nehmen. Dennoch atmete sie kurz aus, bevor sie auf der anderen Seite wieder eine Treppe hinauf spurtete und sich in einem Arkadengang versteckte.

Und da lag er vor ihr. Der Platz des goldenen Drachen. Fast an derselben Stelle stand sie, als sie vor nicht allzu langer Zeit mit ansehen musste, wie ihr Stiefvater, der König von Rhûn, ihre Mutter hinrichten ließ. Nur weil sie Fiora zur Flucht verholfen hatte.
Ihr Blick wanderte über den Platz und es bestätigte eine Tatsache über die sie sich absolut sicher war. Der König hatte bei der Bewachung des Platzes Abstriche gemacht. Es waren sogar weniger Waffen als sie erwartet hatte. Vier bewachten die Käfige direkt. Je zwei an einem Käfig. Desweiteren patrouillierten zwei Gruppen, bestehend aus zwei Mann, um den Platz im Uhrzeigersinn herum.
„Wird ja einfacher als ich dachte“, flüsterte eine Stimme neben ihr und Fiora wusste, dass es Càha war, die eine Säule weiter neben ihr stand und ebenfalls auf die Wachen blickte.
„Wie wollen wir es machen?“, fragte sie mit kecken Lächeln auf den Lippen und Fiora musste lächeln.
„Wie schon, wohl?“, erwiderte sie mit sarkastisch freundlichen Ton, „Erst einmal die außen eliminieren und von der Ferne so viele auf den Platz wie möglich ausschalten.“
Ohne ein weiteres Wort löste sich Fiora aus dem Schatten. Sie wusste wie sie vorgehen musste, um unbemerkt im Alleingang die Wachen auszuschalten. Wenn Càha ihr helfen wollte, war es ihr Recht, aber sie würde es auch allein schaffen. Sie spurtete in die Gasse zu ihrer Linken, die sternförmig vom Platz des Goldenen Draches wegführten, und fing an um Hilfe zu rufen. Sie machte es dezent genug, damit keine Zivilisten geweckt wurden und nur die nahepatrouillierenden Wachposten sie hören würden. Immer wieder Spitzte sie die Ohren und plötzlich hörte sie eine heisere Stimme.

„Lass mich nachsehen, Alir! Ist bestimmt nur wieder eine der Huren aus dem Bordell, die belästigt werden. Da muss ich eh nur pro Forma einschreiten, vielleicht springt dabei ja noch eine nette Abendgesellschaft für uns drei raus“, flötete der mit der heiseren Stimme und seine zwei Gefolgsleute lachten laut.
Fiora lotste den großen schlaksigen Soldaten, der die Standardtracht Rhûns trug. Bordeauxrote Leinengewänder und vergoldete Brustharnische. Dennoch war er an Hals und Beinen nur leicht durch seine Leinengewänder geschützt.
Seine Stimme war beinahe enttäuscht als er Fiora am Boden kauern sah, die ihre Arme um ihre Knie geschlungen hatte, und unverständlich wimmerte.
„ Was machst du für ein Gejammer, Weib?“, forschte er sie an. Er beugte sich halb zu ihr hinunter, um zu sehen, was er ihr fehlte; doch dies war bereits sein Fehler. In dem Moment als er ihr fast bereitwillig seinen Hals hinstreckte und seine Hauptschlagader präsentierte, hatte der Fächer mit den rasiermesserscharfen Klingen seine Ader bereits zerfetzt und der Mann verendete in einer Lache aus blutroten Blut.
Ohne Reue und ohne zu zögern kletterte sie an einem Spalier die Wand hinauf und hockte sich auf das Geländer eines Balkons, welcher genau über den Eingang zur Gasse lag.

Auch hier bewahrheitete sich ihre Vermutung, denn die übrigen Wachen machten sich auf die Suche nach ihrem verschollenen Freund. Als sie in die Gasse eintraten, stürzte sich Fiora vom Geländer und rammte die beiden Dolche die sich in beiden Händen fest umklammert gehalten hatte, direkt in die Nacken ihrer ahnungslosen Opfer.
Fiora verharrte einen Moment wischte sich ein paar Schweißtropfen von der Stirn und als sie sicher war, dass niemand ihnen folgte zerrte sie die drei Körper in eine Ecke, welche vollkommen von der Dunkelheit verschluckt wurde.
Da waren es nur noch sieben, summte eine Stimme in ihren Kopf und sie begab sie sich auf die andere Seite des rechteckigen Platzes, der mit vergoldeten Steinplatten ausgelegt war.

Die weitere Dreiergruppe erledigte sie mit Wurfmesser, die sie aus der Deckung eines Baumes, der den Platz säumte, abfeuerte. Ein pummeliger Soldat, den das Messer wohl nicht sofort den Gar ausmachen konnte, erledigte Fiora indem sie schnell zu ihm spurtete und ihm den Hals umdrehte.
Wieder zog sich zurück und beobachtete von einem, von der Nacht verschluckten, Dachgarten aus die zwei Käfige, die silbrig im fahlen Mondlicht schimmerten.
„ Hast du dir schon überlegt, wie du dir die vier restlichen vornimmst, liebe Fiora?“
„ Càha!“, entfuhr es Fiora, die Càha nicht gesehen hatte wie sie auf einem Stuhl im Halbdunkel lungerte, „ Wo warst du die ganze Zeit?“
„ Ach, ich habe gesehen, dass du meine Hilfe nicht nötig hast und da hab ich mich bedeckt gehalten. Jetzt werde ich dir aber helfen. Ich übernehm den zweiten Käfig und du den vorderen, einverstanden?“
Fiora nickte und sah zu, wie Cáha davon eilte. Sie selbst würde die Armbrust nutzen, denn auch wenn der zweite Soldat mitbekommen würde, wie der andere vom Bolzen durchbohrt fiel. So würde das Überraschungsmoment genügen, um den zweiten auszuschalten.
So begab es sich auch und Fiora sah zu, wie beide zusammen sackten, wie ein Sack Kartoffeln.

Fiora trat aus dem Schatten eines Baumes und als sie erkannte, dass Càha es geschafft hatte, auch die beiden anderen Wachen zu erledigen, atmete sie erleichtert aus. Emotionslos durchsuchte sie die Wachen und fand zwei Schlüssel. Beide waren nötig, um die Käfige aufzusperren.
Das kühle Mondlicht erleuchtete den Platz und Fiora bemerkte, dass die Gefangenen alle zu schlafen schienen. Niemand hatte anscheinend mitbekommen, was sie getan hatte.
Mehr oder weniger abschätzend musterte sie die Gefangenen. Wie sie es einschätzen konnte waren es fast ausnahmslos Gefangene, die während der Schlacht gemacht worden. Die übrigen Kriegsgefangen waren es wohl nicht wert öffentlich gedemütigt zu werden. Unter ihnen befanden sich viele Menschen, aber auch Zwerge und Elben, sofern das Fiora einschätzen konnte. In ihrem Leben war sie noch nie einem Spitzohr begegnet und es scherte sie auch nicht, wer sich ihr anschließen würde.

Ihre Augen blieben an etwas hängen und vor Schreck hätte sie fast die Schlüssel fallen gelassen. Nein sie musste sich getäuscht haben und das Mondlicht hatte ihren Augen einen Streich gespielt. Doch, als sie erneut die Ecke absuchte, wo sie die blitzenden blauen Augen gesehen hatte, lernten sie die Augen Lügen strafen.
Ein Gestalt, die sich in Ecke des Käfigs gedrängt hatte, funkelte sie mit einer Mischung aus Neugier, Furcht und Arroganz an.
Fiora brauchte einen Moment bis sie die Fassung wiedererlangen konnte, bevor sie die Schlüssel gegen die Käfigstangen scheppern ließ.
Die Gefangen schreckten auf, vermutlich aus Angst von den Wachen gepiesackt zu werden. Alle waren sprachlos, als sie die Frau vor den Käfig stehen sahen, die lässig mit den Schlüsseln wackelte.

„ Macht ihr nur einen Mucks schneide ich euch die Kehle durch, wie denen da!“
Es war überflüssig auf die toten Wachen zu deuten, denn allen war bewusst, dass sie tot sein mussten.
„ Die Soldaten Rhûns überfielen euer Land, schändeten eure Frauen und verschleppten euch hierher“. Ihre Stimme war klar und gefasst und auf eine gewisse gebieterisch, wie sie dort stand, beschienen vom Mondlicht.
„ Sie demütigten euch. Nahmen euch eure Ehre und euren Stolz. Dies alles taten sie auf Geheiß des Königs! Nun frage ich euch, wollt ihr Rache?“
Fiora wartete keine Reaktion ab, sondern fuhr unentwegt fort mit ihrer Rede.
„ Wenn ihr ebenso wie ich Rache wollt dann frage ich euch, wollt ihr mir helfen? Wollt ihr mir helfen diesen Mann büßen zu lassen, der euch alles genommen hat?“Jetzt wartete sie eine Reaktion ab und sah in Manchen Gesichtern Furcht und Verwundern, aber in einigen erkannte sie pure Entschlossenheit.
„ Dann soll hervortreten wer bereit ist meiner Sache zu Dienen und im Name der Schwarzen Rose den König zu vernichten.“

Schnell hatten sich sieben Gefangene gefunden, die ihm helfen wollten. Darunter drei Menschen, zwei Zwerge und zwei Elben. Wie Fiora erkannte war auch der Mann mit den blauen Augen dabei, der sie immer noch mit denselben Gesichtsausdruck, wie vorher begutachtete.
Fiora hatte die Gefangenen freigelassen und diejenigen die fliehen wollten, machten sich auf den Weg, während Fiora mit den sieben willigen de Platz verließ.



Es war ein sonniger Morgen als der König sich aufmachte den Platz des goldenen Drachen zu besuchen, um die Gefangenen noch einmal zu begutachten und zu sehen, wer sich als Sklave in seinem Dienste machen würde, als ein verschreckter Diener hereingestürmt kam.
Der Wutschrei und der Gesichtsausdruck des Königs amüsierte Fiora, die sich hinter einer Säule versteckt hielt. Puterrot rüttelte er an den Käfigstanden, als er zehn seiner eigenen Wachen tot in den Käfigen liegen sah. Eine einzelne Rosenblüte an die Stange geheftet, fast schwarz, da sie Fiora vorher in das Blut ihrer Opfer getränkt hatte.
Zufrieden lächelnd verließ Fiora den Platz, betrat die unterirdische Bibliothek und begutachtete ihre neuen Rekruten, die begierig auf sie warteten.
„ Er hat sich über unser Geschenk gefreut“, antwortete Fiora verschmitzt.


Fiora und die Mitglieder der Schwarzen Rose in das Ordensversteck
« Letzte Änderung: 29. Aug 2016, 14:31 von Fine »


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Eandril

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Re: Platz des goldenen Drachen
« Antwort #2 am: 31. Dez 2017, 14:19 »
Milva und Fiora von den Straßen der Stadt

Auf dem weitläufigen Platz vor dem Königspalast hatte sich bereits eine große Menschenmenge versammelt, als Fiora mit Milva im Schlepptau dort eintraf. Milva wäre vollständig damit zufrieden gewesen, sich am hinteren Rand der Menge aufzuhalten, mit der Möglichkeit sich im Notfall so schnell wie möglich verdrücken zu können, doch Fiora zog sie unerbittlich an der Hand weiter, mitten in die Menge hinein. Sie zwängten sich zwischen den Schaulustigen, von denen viele aufgeregt miteinander tuschelten hindurch, immer weiter nach vorne, bis sie das große Holzgerüst mit dem Galgen nur wenige Meter vor ihnen aufragen sehen. Milva blieb wie angewurzelt stehen, und ihre Augen fixierten die sanft im Wind hin und her schaukelnde Schlinge - und plötzlich war sie wieder da.
Na los, macht endlich Schluss, hallte die Stimme in ihrem Kopf wieder.
Was denn?, erwiderte eine andere, genervte Stimme. Ich find's lustig, wie sie tanzt.
Sie wird gleich noch viel hübscher tanzen. Jetzt macht schon.
Es tat einen Schlag, der Boden unter Milvas Füßen verschwand, und eine unfassbare Kraft schnürte ihr den Hals zu. Sie schnappte verzweifelt nach Luft, doch nichts drang an ihre Lungen, jemand lachte voller Häme... "Was ist los, verflucht noch mal?"
Milva schlug die Augen auf, und blickte direkt in Fioras hellbraune Augen, die eine Mischung aus Verärgerung und Sorge zeigten. Um sie herum sahen sie einige Leute neugierig an, doch die Aufmerksamkeit der meisten wurde mehr von dem hölzernen Galgen angezogen, als von Milva. "Ich... kann nicht", wisperte sie beinahe unhörbar, und schämte sich für ihre eigene Schwäche. "Ich kann... das nicht sehen."
"Jemand der dir nahe stand, ist gehängt worden?" Es war mehr eine Feststellung als eine Frage, und Fiora schien Milvas Kopfschütteln nicht zu sehen. "Das... tut mir leid." Für einen kurzen Augenblick schöpfte Milva Hoffnung, dass Fiora sie gehen lassen würde, doch Fioras Miene verhärtete sich sofort wieder. "Aber Cáha steht mir nahe...", flüsterte sie, sodass niemand außer Milva es hören konnte. "Und es ist deine Schuld, dass sie sterben muss. Also wirst du es dir ansehen, bis zum letzten."
Ein kaltes Grauen lähmte Milva, und so schaffte sie es nicht, etwas zu erwidern, bevor ein Mann in der goldenen Rüstung der Stadtwache auf das Podest trat. Sofort verstummten die leisen Gespräche der Schaulustigen beinahe vollständig, und eine nervöse, beinahe ängstliche Aufregung legte sich über die Menge.
Fiora folgte Milvas Blick, und ihre Augen verengten sich. "Hauptmann Slavan von der Stadtwache, diese fette Kröte", erklärte sie. "Er führt die Goldröcke seit Ulfangs Sturz an, und ist gerüchteweise Mordor treuer ergeben als Goran."
Auf dem Podest hatte der Hauptmann, dessen feiste Wangen teigig und schlaff herunter hingen und sein Gesicht tatsächlich ein wenig an eine Kröte erinnern ließen, zu sprechen begonnen.
"Bürger von Gortharia! In Gorak ist ein abscheuliches Verbrechen geschehen, dass in unserem Reich seinesgleichen sucht! Fürst Radomir von Gorak, der ein treuer Freund und Vasall unseres Königs, und ein edler Herrscher war, ist von jenen, die den Untergang unseres glorreichen Königreiches herbeisehnen, kaltblütig ermordet worden!"
Schlagartig war die Stille gebrochen, und aufgeregtes Getuschel war überall auf dem Platz zu hören. Für einen kurzen Moment war auch das kalte Grauen, dass Milva seit dem ersten Blick auf den Galgen tief in der Magengrube verspürt hatte, verschwunden, und durch eine zaghafte Freude ersetzt worden.
"Also waren deine Freunde erfolgreich", sagte Fiora leise, ohne die Spur eines Lächelns. "Meinen Glückwunsch." Ihre Stimme war kühl, und sie sah Milva nicht an.
"Doch König Goran wird diese Beleidigung nicht tatenlos hinnehmen, seid versichert!", sprach Hauptmann Slavan weiter, und seine leicht quakende Stimme trug nicht gerade dazu bei, ihn einer großen Kröte unähnlicher zu machen. "Wir werden Männer der Stadtwache nach Gorak entsenden, um den dortigen Wachen dabei zu helfen, die Mörder zu finden und die Ordnung wieder herzustellen! Herrin Rhiannon von Gorak hat sich in die Obhut unseres gnädigen Königs Goran begeben, und hat sich entschlossen, einen Statthalter nach Gorak zu entsenden, der das Fürstentum in ihrem und dem Namen des Königs verwalten wird, bis sie einst zurückkehrt."
Milva kam ein Gedanke. "Warum macht dieser Hauptmann eine solche Ankündigung? Sollte etwas so wichtiges nicht der König selbst tun?"
Fiora schnaubte verächtlich. "Eigentlich ja. Aber Goran ist viel zu feige, um sich auf diese Art in der Öffentlichkeit zu zeigen." Ihre Stimme triefte geradezu vor Verachtung und Hass. "Aber eines Tages wird er es tun müssen... und es wird sein Ende sein."
"Doch das ist nicht der einzige Grund, aus dem ich hier bin!", fuhr der Hauptmann fort, und Milva hatte das Gefühl, dass sich alle Blicke instinktiv auf den drohend aufragenden Galgen richteten. Einige Soldaten in den Rüstungen der Stadtwache stiegen die Treppe auf der Rückseite des Podestes hinauf, und führten mehrere gefesselte Gestalten mit sich. Fioras Finger krallten sich mit einem Mal schmerzhaft in Milvas Schulter. "Sieh hin!", zischte sie.
"Diese... Verräter hier haben eine Verschwörung geplant, um die Macht in der Händlergilde an sich zu reißen! Sie planten den Mord an mehreren mächtigen Mitgliedern der Gilde, die treue Diener der Krone sind, und wollten Macht und Reichtum der Gilde nutzen, um unseren guten König Goran zu stürzen, und durch einen von ihnen zu ersetzen!" Die Goldröcke stießen ihre Gefangenen an den vorderen Rand des Podests. Ganz links, dem Galgen am nächsten, stand Cáha, die schwarzen Haare mit geronnenem Blut verklebt und teilnahmslos zu Boden schauend, und rechts neben ihr Gudhleif, Rogvolod und ihre Söhne, alle in mehr oder weniger zerschundendem Zustand. "Einer fehlt", stellte Milva fest. Fiora hatte ihr vorhin gesagt, dass Gudhleifs jüngster Sohn verschwunden war, und sie fragte sich, was mit ihm geschehen sein mochte. War er der Verhaftung entgangen, oder war er bereits unter der Folter gestorben?
Fiora zeigte keine Reaktion, sondern blickte starr weiter nach oben auf das Podest, wo Slavan weiter sprach: "Für diese Verbrechen hat König Goran beschlossen, sie alle zum Tode zu verurteilen! Sie werden am Hals aufgehängt werden, bis der Tod eintritt, und sie werden all jenen als Beispiel dienen, die Verrat planen!" Er nickte dem Mann zu, der hinter Cáha stand, und trat einen Schritt zurück. Der Stadtwächter stieß Cáha vorwärts, bis sie direkt unter dem Galgen stand, und legte ihr die Schlinge um den Hals.
Milva wandte den Blick ab, doch Fiora krallte eine Hand in ihre Haare, und zwang ihren Kopf brutal wieder herum. "Sieh. Hin.", zischte sie erneut, doch ihre Stimme bebte ein wenig. Der Stadtwächter trat von Cáha zurück, und legte die Hand auf einen Hebel, der neben dem Galgen angebracht war. Slavan lächelte zufrieden. "Vollstrecken!"
Der Stadtwächter zog an dem Hebel, und mit einem lauten Krachen öffnete sich die Falltür unter Cáhas Füßen. "Nein", flüsterte Milva, und sie spürte Tränen über ihre Wangen laufen. "Nein, ich will nicht. Ich kann nicht... das sehen." Sie konnte Cáhas Füße durch die Menschen vor ihr und das Podest nicht sehen, doch sie wusste genau, wie sie zappelten. "Bitte", stieß sie hervor, und es war ihr egal, dass sie flehte. "Bitte, lass mich gehen."
"Nein", gab Fiora zurück, und auch über ihre Wangen liefen Tränen. "Das ist deine Schuld. DEINE! Und ich will, dass du es dir ansiehst." Milva schüttelte stumm den Kopf, und suchte verzweifelt nach Worten, doch bevor sie welche fand, trat ein Mann vor sie und verdeckte ihr die Sicht auf das Podest. Mit sanfter Gewalt löste er Fioras Hand aus Milvas Haaren, und sagte leise: "Ihr solltet vorsichtiger sein." Als Milva sein Gesicht sah, setzte ihr Herz vor Schreck einen Schlag aus, und sie hatte zum wiederholten Mal das Gefühl, nichts mehr zu begreifen. Jeden hätte sie hier erwartet, aber nicht Silan Bozhidar.
"Ich weiß nicht, wer du bist", sagte Silan leise an Fiora gerichtet. "Doch jeder mit Augen im Kopf kann sehen, dass du irgendetwas mit diesen armen Teufeln dort oben auf dem Podest zu tun hast. Und wenn die Goldröcke das begreifen, dann wirst du sehr schnell ebenfalls dort oben hängen." Milva schüttelte verwirrt den Kopf. Was hatte Silan davon, ihnen zu helfen? Natürlich wusste sie, dass er dem König kritischer gegenüberstand als der Rest seiner Verwandten - das war schließlich der Grund für ihre Mission im Haus Bozhidar - doch er ging ein größeres Risiko ein, als Milva erwartet hätte.
Silan sprach rasch und leise weiter, bevor Fiora etwas entgegnen konnte. "Ihr solltet mit mir kommen - es hat keinen Zweck, sich gegenseitig zu quälen, und helfen tut ihr euren Freunden damit auch nicht mehr." Sein Blick streifte Milva flüchtig, und sie war sich für einen Moment nur allzu bewusst, wie erbärmlich sie im Augenblick aussehen musste. "Es gibt allerdings jemanden, dem ihr helfen könntet. Kommt." Er ergriff Fioras Arm, und zu Milvas Erstaunen ließ sie sich widerstandslos von ihm mitführen - beinahe willenlos, wie eine Puppe. Es war, als wäre sämtliche Entschlossenheit aus ihr gewichen. Silan blickte kurz zu Milva zurück, und bedeutete ihr mit einer Geste, ihm zu folgen. Sie zögerte keinen weiteren Augenblick. Was auch immer er vorhaben könnte, es war besser als hier zu bleiben.
Als sie den hinteren Rand der Menschenmenge am Rand des Platzes erreichten, hallte wieder Slavans Stimme über den Platz: "Vollstrecken!"

Milva, Silan und Fiora in die Straßen Gortharias
« Letzte Änderung: 15. Jan 2018, 11:39 von Eandril »

Listen to the wind blow, watch the sun rise
Running in the shadows, damn your love, damn your lies