Das Schicksal Mittelerdes (RPG) > Eigene Geschichten
Aus den Schatten in den Schatten
Khamul:
Kapitel 26 markiert einen Höhe - und Wendepunkt in der Geschichte:
Das Schicksal Khamûls
„A Elbereth, Glithoniel!“
Der Ruf des Fürsten Hurin zerriss Khamûls Schatten und warf die Furcht, die er verbreitete auf ihn selbst zurück. Nun schien es so, als umgäbe den Fürsten von Dagorland eine Aura des Lichts, durch die seine Schatten ihm nichts anhaben konnten. Vor dem Namen Elbereth hatte er schon immer Angst gehabt, da man nach der Anrufung ihres Namens immer von so einer Aura des Lichts umgeben war. Khamûl hasste Licht, und er würde nie diesen Namen in den Mund nehmen! Die Furcht, die er verbreitete, war jetzt nutzlos, doch er war noch immer ein besserer Fechter als der Fürst von Dagorland! Für diese Worte würde er ihm einen äußerst grausamen Tod schenken – oder noch besser: gar keinen!
Fürst Hurin machte einen Satz nach Vorne, und schon kreuzten sich die Schwerter der Beiden. Hurin hatte beim Kämpfen einen Vorteil: Er hatte ein einhändiges Langschwert und einen Schild, während Khamûl seine Morgulklinge zweihändig führte. Dieser kleine Vorteil würde Hurin trotzdem nichts bringen, denn Khamûl hatte einige tausend Jahre mehr Kampferfahrung als sein Gegner.
Khamûl stieß Hurin von sich weg und setzte ihm sofort mit seiner Klinge nach. Hurin riss seinen Schild hoch, und Khamûls Schwert glitt Wirkungslos am Stahl des Schildes ab. Schon führte der Fürst von Dagorland wieder einen Hieb auf ihn aus. Ehe er den Hieb pariert hatte, fuhr das Schwert seines Gegners erneut auf ihn zu.
Hurin deckte Khamûl mit Hieben ein, sodass dieser in die Defensive gedrängt wurde. Khamûl wagte noch keinen Angriff, zuerst musste er eine Lücke in der Verteidigung seines Gegners finden. Nun wurde er an den Rand des Ringes seiner Verbündeten gedrängt. Jetzt musste er angreifen, ansonsten würde er sein Gesicht verlieren! Mit einem Hieb seiner Morgulklinge wehrte er das Schwert Hurins ab, mit einem weiteren attackierte er die Brust seines Gegenübers. Der Fürst von Dagorland war ein besserer Kämpfer, als Khamûl angenommen hatte. Er schaffte es tatsächlich noch, sich mit seinem Schild zu verteidigen! Und dieses Mal hatte Khamûl sogar noch Pech: Seine Morgulklinge durchstieß den Schild Hurins und blieb darin stecken.
Das war schlecht! Mit aller Kraft versuchte Khamûl, sein Schwert aus dem Schild seines Gegners zu ziehen, doch dieser nutzte die Gelegenheit und ließ sein Schwert hervorschnellen. Khamûl schaffte es gerade noch, sich ein wenig zur Seite zu drehen, um Hurins wütender Klinge zu entgehen. Dann kam ihm eine Finte in den Sinn: Mit seiner Linken packte er Hurins Schwertarm, während er mit seiner Rechten den Griff seiner Morgulklinge umklammerte. Hurin wehrte sich heftigst, aber Khamûl ließ nicht los. Er war stärker als sein Gegner! Mit einem Ruck versuchte er, Hurin aus dem Gleichgewicht zu bringen, doch der Fürst von Dagorland blieb fest auf seinen beiden Beinen stehen. Er musste noch etwas anderes versuchen!
Khamûl drehte Hurin seinen rechten Arm um. Zuerst verzerrte der Fürst von Dagorland nur sein Gesicht vor Schmerz, schließlich verkrampfte sich auch seine Hand und er ließ sein Schwert fallen. Nun setzte Khamûl einen Fuß auf Hurins Brust und stieß ihn mit aller Kraft von sich. Endlich glitt sein Schwert aus dem Schild seines Gegners hinaus!
Nun stand Hurin Khamûl ohne Schwert gegenüber, dieses lag direkt neben Khamûl am Boden. Khamûl lachte. „Nun, Fürst von Dagorland? Du stehst mir ohne Schwert gegenüber! Glaubst du, dass du noch eine Chance gegen mich hast?“ Khamûl hätte am Liebsten all seine Schatten, die er aufbieten könnte, auf Hurin konzentriert, doch die Aura des Lichts umgab ihn noch immer. Daher musste er vorerst noch einmal auf direkten Kampf setzen. Er würde so oder so gewinnen, daran bestand kein Zweifel!
Während er auf den Fürsten Hurin zusprang, holte er weit mit seinem Schwert aus und führte einen Hieb von der Seite auf seinen Gegner aus. Wieder schaffte er es, sich mit seinem Schild zu schützen! Khamûl führte noch einen Hieb von der anderen Seite auf Hurin aus, doch dieser duckte sich unter Khamûls Morgulklinge weg und eilte geduckt an ihm vorbei. Damit hatte er nicht gerechnet! Er versuchte, Hurin noch einmal zu erwischen, doch der Fürst von Dagorland war zu schnell für ihn. Schon hatte er wieder sein Schwert vom Boden aufgehoben. „Nun, Schatten des Ostens!“, rief er: „Du hast mich unterschätzt! Wie du sehen kannst, bin ich wieder im Besitz meines Schwertes!“
Khamûl war zornig. Er hatte den Fürsten Hurin wirklich unterschätzt... Aber trotzdem würde sein Gegner nicht gewinnen! Sie sprangen beide gleichzeitig aufeinander zu, ihre Klingen fingen sich gegenseitig ab. Daraufhin waren sie in einen erbarmungslosen Zweikampf verwickelt. Immer wieder schlugen die Klingen der Beiden aufeinander, sodass die Luft erfüllt war vom metallischen Klirren ihrer Schwerter. Khamûl sah es Hurin an, dass ihn seine Kräfte verließen. Nun war seine Stunde gekommen! Während Hurins Bewegungen immer träger wurden, führte Khamûl einen Hieb nach dem anderen auf ihn aus. Noch hielt sich sein Gegner, doch nicht mehr lange, und er würde verlieren!
Khamûl holte weit mit seiner Klinge aus. In den darauf folgenden Hieb legte er all seine Kraft. Fürst Hurin riss seinen Schild hoch, und als Khamûls Morgulklinge auf den beschädigten Schild seines Gegners aufschlug, zerbarst dieser. Khamûl holte noch einmal weit aus, dieses Mal von der anderen Seite. Hurin stellte Khamûls Hieb sein Schwert entgegen, doch seine Hände waren so Kraftlos geworden, dass ihm seine Klinge aus der Hand glitt.
Nun stand der Fürst von Dagorland eindeutig waffenlos da. Khamûl fühlte, wie die Aura des Lichts um Hurin schwächer wurde. Darauf hatte er gewartet! Er ließ alle Schatten, die er aufbieten konnte, ausströmen und bündelte ihre Macht auf Hurin. Sein Gegner stand wie versteinert da, die Augen vor Schreck geweitet, kaum fähig zu Atmen. Nun war es zu Ende mit ihm!
Seine Morgulklinge wie einen Skorpionstachel haltend, zielte er auf Hurins Brust. Nun war der Fürst verloren! Khamûls Morgulklinge stach nach Vorne und durchbohrte die Kettenrüstung seines Gegenübers.
Einen Herzschlag lang blieb Hurin bewegungslos, als sei er versteinert worden, doch dann durchfuhr ein Beben seinen Körper und er hauchte seine Seele hinaus. Natürlich sah es für die Zuseher so aus, als würde der Fürst von Dagorland nur lange ausatmen, doch für Khamûl war die austretende Seele sichtbar. Je weiter die Seele Hurins ihren Körper verließ, umso magerer wurde dieser. Die Haut Hurins wurde dünn und faltig, seine Augen traten tief in ihre Höhlen hinein, und sein Haar wurde grau. Als die Seele Hurins vollständig ihrem Körper entstiegen war, war dieser nur noch Haut und Knochen. Khamûl zog seine Morgulklinge aus dem toten Körper des Fürsten, welcher sofort umkippte, wie eine Marionette, deren Fäden durchtrennt worden waren.
Stille herrschte unter Khamûls Verbündeten, welche den Kampf beobachtet hatten. Er riss sein blutbeflecktes Schwert in die Höhe und verkündete: „Dagorland ist gefallen!“ Sofort brach tosender Jubel unter den Ostlingen und Orks aus. Khamûl flüsterte der Seele Hurins: „Folge mir“, zu und eilte zu seinem Pferd. Es befand sich am selben Ort, an dem er es verlassen hatte, angebunden an einen Holzpflock. Er löste die Zügel vom Holz und schwang sich auf den braunen Hengst. Mit einem tritt in die Seiten gab er ihm den Pefehl, loszulaufen, und kurz darauf jagte er in vollem Galopp auf die Mulde, in der sie gelagert hatten, zu. Bald würde sich sein Schicksal erfüllen!
Während Khamûl über die Ebene von Dagorland ritt, flatterte seine Kutte im Wind. Von weitem sähe er bestimmt so aus, wie ein lebendig gewordenes Stück Nebel. Er blickte sich um und sah den für normale Augen unsichtbaren Geist Hurins, der ihm folgte. Khamûl war von tiefem Glück erfüllt. Alle seine Pläne waren bis jetzt aufgegangen!
Er galoppierte durch den Eingang der Mulde, vorbei am Zelt von Saurons Mund, bis in die hinterste Ecke. Dort, an den Trümmern des Schwarzen Tores war er – Ulfang! Nach seiner Verletzung hatte er verlangt, in sein Zelt gebracht zu werden, dort war er Khamûl hilflos ausgeliefert! Er sah, wie gerade zwei Ostlinge aus der Leibgarde des Königs eiligst dessen Zelt verließen. Schnell schwang er sich von seinem Pferd und tat so, als würde er zum Zelt von Saurons Mund wollen. Als die beiden Krieger dann endlich außer Sichtweite waren, machte sich Khamûl daran, seinen Plan auszuführen. Leichtfüßig durchschritt er den Weg bis zum Zelt des Königs von Rhûn – dem ehemaligen! Bald würde er nur noch ein Sklave Khamûls sein, und Khamûl würde über das Reich, dessen König er einst gewesen war, herrschen!
Er betrat das Zelt von König Ulfang. Es war prunkvoll eingerichtet: Überall war Gold zu sehen, und er hatte auf einem kleinen Tisch in der Mitte sogar die edelsten Früchte. Schon hallte ihm die unhöfliche Stimme des Königs entgegen: „Verschwinde! Ich wünsche, in Ruhe gelassen zu werden!“
Khamûl machte keine Anstalten, das Zelt zu verlassen. Ulfang war auf seiner Schlafstätte und stand gerade auf. „Was willst du von mir, Khamûl?“, sagte er zu ihm in einem bemüht freundlichen Ton.
Nun war es an der Zeit, ihn aus dem Weg zu schaffen! Khamûl zog seine Morgulklinge und antwortete Ulfang: „Ich will deinen Thron!“
„NEIN!“ Der König sprang auf Khamûl zu, mit seiner Hand hielt er Khamûls Schwertarm, mit seinem Armstummel wollte er Khamûl ins Gesicht schlagen. Dieser Angriff war etwas zu plötzlich für den Nazgûl gekommen. Der Stummel von König Ulfang schlug Khamûls Maske von seinem Gesicht. Nun blickten sich beide gegenseitig in die Augen. Ulfang stand der Schreck im Gesicht geschrieben. Der König hatte wohl erwartet, dass Khamûl ein Mensch war. Wie naiv! Khamûl befreite seinen Schwertarm aus Ulfangs Griff und stach sofort darauf zu. Es geschah dasselbe wie mit Hurin: Er hauchte seine Seele hinaus, seine Haut zog sich zusammen, und er wurde immer dürrer, bis er nur noch Fleisch und Knochen war. Khamûl zog seine Morgulklinge aus Ulfangs Brust und legte seinen Körper wieder auf seine Schlafstätte zurück. Dann blickte er zu den beiden Seelen, die er versklavt hatte.
Er sprach zu den Beiden Geistern: „Hurin, ab jetzt bist du Hurgûl, der Geist des Hurin! Ulfang, ab jetzt bist du Ulfgûl, der Geist des Ulfang! Ihr beide seid ab Sofort meine Sklaven!“ Hurgûl und Ulfgûl verneigten sich und sagten mit gehauchten Stimmen: „Ja, Meister!“
Alles war perfekt. Khamûl würde der neue Herrscher Rhûns werden, er war schon in Gondor eingedrungen, und Hurin und Ulfang waren seine Sklaven!
Jetzt konnte nichts mehr schief gehen!
Khamul:
Kapitel 27 ist was für Leute, die Esoterik und Nahtoderfahrungen mögen:
Zwischen Leben und Tod
Imrahil wusste nicht, wo er war. Alles um ihn herum war dunkel, aber dennoch konnte er sich selbst klar erkennen. Er blickte an sich hinunter. Die Wunde auf seiner Brust war verschwunden, und er trug auch nicht seine Rüstung. Seine einzige Bekleidung bestand aus einem weißen Hemd. Was geschah hier gerade? Plötzlich sah er ein Licht vor ihm. Er ging auf das Licht zu. Ihm wurde warm. Das Licht streichelte sein Gesicht, so wie... Wie Niniel! Imrahil begann zu rennen. Wo war er?
Er sah einen Tunnel, aus dem das Licht kam. Als er dort angelangt war, kam ihm eine Gestalt aus dem Licht entgegen. Sie hatte lange Haare und trug ebenso wie Imrahil ein weißes Hemd. Ihr Gesicht war jedoch nicht sichtbar für ihn. „Wer bist du?“, fragte er die Gestalt, die offensichtlich eine Frau war. Sie sagte nichts, sondern stellte sich direkt vor ihn hin. Langsam gewöhnten sich Imrahils Augen an das grelle Licht. Er stutzte: „Niniel?“
Seine Frau lächelte. „Ich habe schon auf dich gewartet, Imrahil...“
„Wo sind wir hier?“
„Imrahil, ich bin tot...“
Wieder musste der Fürst von Dol Amroth stutzen: „Aber... dann bin ich doch auch tot?“
Das Lächeln wich von Niniels Gesicht: „Noch nicht. Dir wird eine Entscheidung gewährt: Weiter zu leben oder zu sterben.“
„Aber warum sollte ich denn das Leben wählen, wenn ich hier mit dir leben könnte?“, fragte Imrahil. Dies alles hier irritierte ihn. Träumte er nur oder war dieser Ort Wirklichkeit?
Niniel ging in den Tunnel, blieb jedoch auf halbem Weg noch einmal stehen und sagte: „Imrahil, dein Land braucht dich. Dein König braucht dich!“
„König Elessar ist in Gefahr?“
„Ganz Gondor wird bedroht.“
„Aber von wem?“
Imrahils Frau machte eine kurze Pause, als überlege sie, was sie sagen sollte. Schließlich antwortete sie: „Du hast ihn schon einmal gesehen, in einem Traum. Er hat schon damit begonnen, unsere Heimat zu vernichten. Könnte ich selbst zurückkehren, würde ich noch einmal ins Leben gehen und wenigstens versuchen, ihn aufzuhalten. Doch ich kann es nicht. Darum frage ich dich: Liebst du mich wirklich?“
Mit dieser Frage hatte Imrahil nicht gerechnet. „Ja“, antwortete er verwirrt.
Erneut bildete sich ein Lächeln auf Niniels Gesicht: „Dann beweise mir deine Liebe, indem du für mich in die Welt der Lebenden zurückkehrst und versuchst, unsere Heimat zu retten. Ich werde hier auf dich warten.“
Nun war Imrahil vollkommen verwirrt. „Wie komme ich wieder zurück?“, fragte er: „Woher bin ich gekommen?“
„Berühre Meine Hände, mein Geliebter“, war die Antwort, die er von seiner Frau erhielt. Imrahil tat wie ihm geheißen und berührte die ausgestreckten Hände Ninels. Sie hauchte ihm noch einmal: „Ich liebe dich“, zu, bevor alles um ihn herum verschwamm.
Als Imrahil wieder aufwachte, lag sein Kopf auf einem toten Pferd. Er trug wieder seine Rüstung und seinen Helm, und auch der Schnitt auf seiner Brust meldete sich mit heftigen Schmerzen zurück. An seinem linken Arm war sein Schild gebunden, in seiner Rechten hatte er sein Schwert. Schnell hatte er die Umgebung vollständig erfasst: Er war in Umbar, und um ihn herum wüteten die Königsskorpione, die Leibgarde von König Suladan von Harad, unter den Reitern des Heeres von König Elessar.
In Imrahils Nähe kämpfte gerade einer der Königsskorpione mit mehreren Rohirrim gleichzeitig. Der Fürst von Dol Amroth nutzte die Gelegenheit, sprang auf und rammte seinem Feind von Hinten sein Schwert in den Rücken. Sofort rührte sich der Kaiserskorpion nicht mehr und fiel zu Boden. Imrahil hörte die Stimme von König Eomer: „Pass auf, Imrahil!“ Er leistete der Aufforderung Folge und duckte sich. Gerade noch rechtzeitig, denn kaum einen Herzschlag später glitt schon ein Schwert knapp über seinem Kopf vorbei. Imrahil stach mit seinem Schwert nach hinten. Er spürte warmes Blut auf seiner Hand, während er sein Schwert wieder zurückzog. Noch ein toter Gegner!
Imrahil stellte sich wieder auf seine Beine und überblickte die enge Straße Umbars: Die Königsskorpione hatten ein Massaker unter den Reitern angerichtet, und es fochten noch immer mindestens zehn von ihnen! Er hechtete auf eine Truppe Rohirrim zu, die wohl in Bedrängnis waren. Was Imrahil sah, schockierte ihn: Drei der Königsskorpione schafften es, fünfzehn Reitern standzuhalten! Mit einem Gebrüll, welches für Zehn gereicht hätte, stürmte er auf die drei verschleierten Feinde ein. Da diese offensichtlich völlig überrascht von seinem Angriff waren, schaffte er es sogar noch, einen von ihnen niederzustrecken. Die anderen zwei Krieger rannten daraufhin schnell wie Schatten an Imrahil vorbei. Er sah ihnen nach. Flohen sie oder bereiteten sie einen weiteren Angriff vor? Plötzlich stand Eomer neben ihm. „Sie fliehen.“, sagte er knapp.
Imrahil wusste nicht, was er denken sollte. „Wir haben etwa zehn Feinde besiegt, und dabei mindestens hundert Männer verloren! Was sagt Ihr dazu, König Eomer von Rohan?“
„Dies hier war ihre Elite. Der Rest ihrer Krieger ist nicht so geschickt mit dem Schwert“, war die Antwort Eomers.
Imrahil hätte dem König von Rohan am Liebsten den Hals umgedreht. Was bildete der sich überhaupt ein? Plötzlich wurde er durch ein Signalhorn aus seinen Gedanken gerissen.
König Elessar kam!
Khamul:
Kapitel 28:
Boltans Irrtum
Boltan beobachtete seinen Warg, während er gierig seine getöteten Gegner bis auf die Knochen abnagte. Er war zufrieden mit sich. Zweiunddreißig Menschen hatte er getötet, und das alleine! Beinahe alles war perfekt, bis auf die Tatsache, dass Unûar noch lebte. Der Halbork prahlte wohl gerade mit der Anzahl seiner erschlagenen Feinde. Wie viele das wohl waren? Zwanzig? Dieser aufgeblasene, überhebliche, hirnlose Muskelprotz hatte nie im leben mehr Menschen als Boltan getötet in dieser Schlacht, dafür würde er seine Axt verwetten!
Sein blick schweifte über den Haufen der toten Feinde. Er gehörte zu den wenigen, die nicht zurück ins Lager gegangen waren. Außer ihm befanden sich noch sein Warg und einige wenige Ostlinge auf der Ebene von Dagorland. Die barbarischen menschlichen Verbündeten von Boltan schlitzten gerade tote Feinde auf, um von deren Blut zu trinken. Für Menschen waren die Ostlinge den Orks ziemlich ähnlich. Nun fehlte nur noch, dass sie ihre besiegten Feinde brieten und daraufhin wie ein Festmahl verspeisten. Er musste unwillkürlich lächeln. Menschen, die wie Orks lebten, das fehlte ihm noch! Wofür wäre er dann noch gut?
Etwas kaltes berührte ihn am Hinterkopf, worauf er unwillkürlich aufschreckte. Sein Warg hatte ihn mit der Nasenspitze angestupst, um ihm zu zeigen, dass er satt war. Boltan raffte sich auf, streckte sich noch einmal und kletterte dann auf den Rücken seines Reittieres. Nach einem Tritt in sie Seiten setzte sich der Reitwolf träge in Bewegung und trottete zur Mulde hin, in der das Heer noch lagerte. Boltan wusste zwar noch nicht, wann sie weiterziehen würden, doch dies musste wohl bald geschehen, denn ansonsten wären die Bewohner Gondors zu gut vorbereitet auf ihr Kommen.
Boltan und sein Warg trotteten durch den Eingang der Mulde. Der Ork wollte noch einmal mit Saurons Mund reden. Am Zelt seines Gebieters angekommen, sprang er von seinem Warg und wollte soeben das Zelt betreten, als er plötzlich Stimmen hörte.
„Wir müssen noch Mirianda, die Tochter Ulfangs aus dem Weg schaffen, damit du endgültig der Herrscher von Rhûn wirst...“ Diese Stimme gehörte zu Saurons Mund! Obwohl es ihm verboten war, zu lauschen, schlich er sich hinter das Zelt. Er wollte hören, mit wem sein Gebieter gerade sprach. Eine helle, boshafte Stimme ertönte, die von Khamûl: „Was ist so schwierig daran? Töten wir sie doch einfach!“ „Nein!“, fuhr Saurons Mund dem Geist entschieden dazwischen: „Wir werden ihr das Gedächtnis rauben und sie aus Rhûn schaffen. Würde sie sterben, kurz nachdem du König geworden bist, würde dies Verdacht erregen. Es war schon sehr schwierig Ulfangs Körper insofern wiederherzustellen, als dass jeder glauben würde, er sei an seiner Wunde verblutet...“
Boltan konnte es einfach nicht glauben! Sein Meister schmiedete gemeinsam mit Khamûl, dem er so lange misstraut hatte, verräterische Pläne! Wieder sprach Khamûl: „Wenn dem so ist, dann lass uns einen Boten nach Rhûn schicken, der Mirianda hierher bringen soll!“ „Nein!“, antwortete Saurons Mund erneut: „Ich werde sie hierher bringen! Um unsere Pläne jedoch zu verwirklichen, brauche ich die Macht einer Seele.“ „Wenn du Hurgûl und Ulfgûl meinst, dann...“ „Was soll ich dann? Khamûl, die Beiden haben keinen nutzen mehr für dich! Sie sind nicht mächtig genug, dass sie irgendwie insofern Gestalt annehmen könnten, sodass sie sich wie du in eine Rüstung kleiden können!“
Verwundert rieb sich Boltan die Stirn. Die Hälfte von dem, was die Beiden besprachen, verstand er nicht. Wer zum Teufel war Hurgûl, und wer Ulfgûl? Warum wollte Khamûl denn die Tochter Ulfangs vertreiben?
„Können wir nicht stattdessen einen Ork nehmen? Wir haben doch tausende von denen!“, wehrte sich Khamûl gegen den Beschluss von Saurons Mund. Boltans Magen verkrampfte sich. Der Geist meinte ihn! Er wollte ihn Opfern! Zu seiner Erleichterung antwortete jedoch sein Meister: „Nein, keinen Ork! Ich weiß genau, dass du nur auch noch Boltan loswerden willst! Die vereinten Kräfte der Seelen von Hurgûl und Ulfgûl werden reichen! Dadurch, dass du sie mit deiner Morgulklinge an die Welt der Lebenden gebunden hast, sind sie viel mächtiger für meine Zauber. Ich kann dir nichts versprechen, aber ich werde versuchen, ihre Seelen nicht vollständig zu verbrauchen. So werden sie sich mit der Zeit wieder regenerieren. Was hältst du von diesem Vorschlag?“
Boltan hörte, wie Khamûl ein furchtbares Geräusch, das wie ein Murren klang, von sich gab und dann schließlich sagte: „Gut, aber streng dich an! Ich brauche die Beiden noch!“ „Gut!“, sagte Saurons Mund: „Dann brauche ich zuerst etwas, das von Prinzessin Mirianda gemacht wurde oder von ihr ist... Ich glaube, wir werden so etwas in Ulfangs Zelt finden. Lass uns dorthin gehen!“
Boltan hörte Khamûl und seinen Meister aus dem Zelt hinausgehen. Schnell schlich er sich wieder zu seinem Warg zurück. Als er, bei diesem angekommen, sich umblickte, sah er noch die goldene Rüstung des Geistes im Sonnenlicht schimmern.
Er hatte schon immer geahnt, dass Khamûl zu einem Verrat fähig wäre, doch er hatte sich das alles ganz anders vorgestellt. Immer hatte er geglaubt, dass der Geist seinen Meister verraten und töten würde, doch stattdessen schmiedeten sie beide gemeinsam ihre Pläne!
Boltan verstand die Welt nicht mehr. Hatte er sich so sehr in den Beiden getäuscht?
Khamul:
Kapitel 29 - Bitte nicht mit der Kritik sparen:
Eine Prinzessin und ihr Wächter
Khamûl hielt sich knapp hinter Saurons Mund, gefolgt von Hurgûl und Ulfgûl. Sie betraten gerade das Zelt Ulfangs, welchen Khamûl erst vor wenigen Stunden versklavt hatte. Der Körper der Königs lag noch auf der Schlafstatt. Saurons Mund hatte dem Körper wieder die Fülle gegeben, die er noch zu Lebzeiten besessen hatte. Khamûl blickte sich um. Ulfgûl zeigte keine Regung, als er das Zelt betrat. Der Nazgûl lächelte. Ulfang war vollends unter seiner Kontrolle, sogar seine Gefühle konnte er beherrschen! Was Khamûl jedoch Sorgen bereitete, war Saurons Mund. Der Mensch verlangte sehr viel von ihm, sogar seine zwei Sklaven wollte er verwenden, und war selbst nicht einmal dazu bereit, einen wertlosen Ork herzugeben. Zugegeben, Saurons Mund hatte ihn durchschaut: Er hatte es eigentlich nur auf den Ork-Anführer Boltan abgesehen. Dennoch spürte der Nazgûl Unbehagen. Am Liebsten würde er Saurons Mund mit seiner Morgulklinge versklaven, aber er brauchte ihn. Noch.
Khamûl beschloss, vorerst noch geduldig zu sein. Irgendwann würde seine Stunde noch kommen. Er würde Gondor niederwerfen und zum König aller Menschen werden. Zuerst würde er mit seiner Armee Minas Morgul besetzen, und von dort aus dann einen Angriff auf Minas Tirith führen. Er hatte schon so gut wie gewonnen, den König Elessar von Gondor befand sich gerade mit einem Großteil aller wehrfähigen Männer Gondors auf einem Kriegszug in Harad. Die weiße Stadt wäre erobert, noch bevor der König Gondors überhaupt Kunde davon erhalten hätte.
Saurons Mund wühlte gerade in der Truhe von Ulfang herum. Er schien etwas zu suchen. „Sag Ulfgûl, er soll mir etwas, das ihm seine Tochter geschenkt hat, zeigen!“, rief er Khamûl nach einiger Zeit zu. Der Nazgûl wandte sich zu seinem Sklaven. In seinem Kopf erhielt er das Bild eines Windspieles aus Bambus, geschmückt mit roten und weißen Federn. Ein ebensolches, wie dieses, das über der ehemaligen Schlafstätte des Königs hing! Khamûl ging dort hin, nahm sich das Windspiel und zeigte es Saurons Mund. „Ulfgûl sagt, dass seine Tochter ihm dies geschenkt hat.“ Ein Lächeln huschte über das Gesicht des Menschen, während dieser das Geschenk Miriandas, der Tochter Ulfangs, an ihren Vater entgegennahm. Er legte das Windspiel auf den kostbaren roten Teppich, der am Boden ausgebreitet lag, und zog ein Stück Kreide aus seinem Mantel. „Was hast du vor?“, fragte Khamûl ihn, während er einen Kreis um den Federschmuck malte, Saurons Mund antwortete jedoch nicht. Was bildete er sich ein? Warum gab er ihm nicht einfach eine Antwort? Khamûl wollte Saurons Mund gerade zur Rede stellen, als dieser die Hände hochriss und eine Formel in der schwarzen Sprache rief. Khamûl fühlte einen Sog, der Seelen anziehen sollte. Er selbst war stark genug, zu widerstehen, doch Hurgûl und Ulfgûl wurden zu Saurons Mund hingezogen. Der Mensch formte die beiden Seelen in seinen Händen zu einer Kugel und ließ den größten Teil von ihnen in den Kreidekreis fließen. Ein grünes Licht erstrahlte, und im nächsten Moment standen ein Mädchen und ein Krieger im Kreis. Beide schienen erschreckt durch ihr plötzliches Auftauchen hier.
Das Mädchen versteckte sich hinter dem Krieger und flehte ihn an: „Brodda! Was ist hier los? Ich bitte dich, beschütze mich!“
Saurons Mund wich einen Schritt zurück. Er schien nicht erwartet zu haben, dass dieser Krieger, Brodda war wohl sein Name, auch auftauchen würde. „Wir brauchen nur das Mädchen!“, rief er Khamûl zu: „Töte den Überflüssigen!“
Khamûl zog seine Morgulklinge, und auch Brodda ließ seinen Säbel aus der Scheide gleiten. Der Ostling war muskulös und trug keinen Helm, sondern einen Turban. Sein Gesicht war mit Roten Stoffen verschleiert, und in seine Gewänder war mit goldenen Fäden der Halbmond Rhûns eingestickt. Gerüstet war er unter seinen Gewändern mit einem stählernen Kettenhemd. Dieser Krieger schien der Leibwächter von Prinzessin Mirianda zu sein, und er würde sie wohl bis in den Tod beschützen, darin war Khamûl sich sicher. Doch ihm kam eine Idee: Würde er Broddas Seele versklaven und an die Welt der Lebenden binden, so könnte Saurons Mund diese als Fokus für seinen Zauber verwenden!
Khamûl konzentrierte all seine Schatten auf Brodda und griff danach sofort an. Sein Gegner war zwar merklich geschockt, doch er blockte dennoch die Morgulklinge ab. Es war zwar gefährlich, doch Khamûl wollte sich auf ein Spiel mit seinem Gegner einlassen. Er umrundete den Ostling und tat so, als wolle er die Prinzessin angreifen. Wie er es erwartet hatte, sprang Brodda ihm in den Arm, während er seinen Hieb führte. Nun rangen die Beiden miteinander. Brodda war zwar kräftig gebaut, aber Khamûl war dennoch der Stärkere. Er stieß den Ostling von sich weg, und setzte gleich darauf mit seiner Klinge nach. Sie durchstach Broddas Brust, und sein Körper wurde von einem Beben durchzogen. Langsam atmete der Ostling seine Seele aus, und je weiter diese seinen Körper verließ, umso älter und ausgemergelter wurde er. Als die Seele sich dann schließlich von ihrem Körper getrennt hatte, war dieser nur mehr Haut und Knochen. Prinzessin Mirianda rannte zum leblosen Körper ihres Leibwächters hin und weinte: „Nein! Brodda! Geh nicht! Du musst mich doch beschützen!“
Nun war alles so, wie es sein sollte! Khamûl wies die Seele Broddas an, sich zu Saurons Mund zu begeben, und rief dem Menschen zu: „Nimm diese Seele und raube ihr Gedächtnis!“
Saurons Mund reagierte sofort. Er formte die Seele Broddas zu einer rosa Kugel, welche er sofort auf die Prinzessin Rhûns warf. Er rief: „Mirianda, Tochter Ulfangs, Prinzessin von Rhûn! Ab sofort bist du ein unbeschriebenes Blatt Papier! Du wirst dich an nichts mehr erinnern außer an deinen Namen! Deine Herkunft und deine Vergangenheit werden ab sofort in der Dunkelheit versinken!“ Als der Mensch seine Worte vollendet hatte, brach die Prinzessin sofort bewusstlos zusammen. Saurons Mund eilte zu ihr hin und hob sie vom Körper ihres Leibwächters weg. „Ich werde mich nun durch einen Zauber vor den Blicken der anderen Ostlinge schützen und sie zur Feste von Dagorland bringen. Mach hier sauber, sodass niemand Verdacht schöpft, und komm dann nach.“ Im nächsten Moment war der Mensch samt der Prinzessin schon unsichtbar geworden – für normale Augen! Khamûl konnte sie beide immer noch sehen, wie sie das Zelt verließen!
Schnell wischte er den Kreidekreis vom Boden, hob den Teppich auf und verscharrte die Leiche Broddas in der Erde. Seine dreckigen Handschuhe und das Blut auf seiner Morgulklinge wischte er an der Kleidung, die die Leiche Ulfangs noch trug, ab. Er dachte über den Plan von Saurons Mund nach. Dieses Mädchen wollte er einfach laufen lassen! Doch Khamûl würde nicht so einfach Gnade walten lassen! Er durchwühlte schnell die Truhe Ulfangs, und fand sogleich, wonach er gesucht hatte: Einen Kurzbogen und einen Köcher voller Pfeile. Einen dieser Pfeile nahm er mit und eilte sofort aus dem Zelt, zu seinem Hengst.
Als er am Zelt von Saurons Mund vorbeikam, spürte er, dass er beobachtet wurde. Er blieb stehen und blickte sich um. Boltan, der Hauptmann der Orks, stand gemeinsam mit seinem Warg neben dem Zelt von Saurons Mund. Er betrachtete genauestens jede Bewegung Khamûls. Der Nazgûl bedachte den Ork mit einem tödlichen Blick, worauf dieser sofort sein Gesicht abwandte, und eilte daraufhin zu seinem Hengst.
Es kostete ihn nur wenige Momente, das Tier abzubinden und sich auf seinen Sattel zu schwingen, und schon donnerte er durch den Eingang der Mulde. Mit seiner Rechten führte er die Zügel seines Rosses, in seiner Linken waren der Bogen und der Pfeil. Er würde der Prinzessin zwar die Möglichkeit zum Überleben geben, doch sein Stolz würde es nie zulassen, dass er Gnade walten ließe. Vor der Festung aus grob gehauenen Steinen war schon Saurons Mund. Er saß auf einem schwarzen Pferd, und hielt ein Weißes an den Zügeln. Auf diesem drauf saß Prinzessin Mirianda. Hinter dem Sattel ihres Pferdes hatte der Mensch noch Nahrung und Wasser für drei Tage gespannt. Er wollte doch wirklich, dass diese Prinzessin, die Khamûl einmal den Thron streitig machen könnte, überlebte!
Als Khamûl bei den Beiden angekommen war, legte er sogleich den Pfeil an die Sehne des Bogens. „Was machst du da?“ fragte Saurons Mund ihn. Er gab keine Antwort, sondern riss ihm die Zügel des Pferdes von Mirianda aus der Hand und gab sie dem Mädchen. Wortlos und mit zittrigen Händen nahm sie die Zügel an. Dann gab Khamûl dem Pferd einen Schlag auf den Hintern, sodass es sich in Richtung Rohan bewegte. Nun würde die Entscheidung über Miriandas Schicksal fallen!
Eine erneute Frage von Saurons Mund ignorierend, stieß Khamûl sein Kreischen aus. Das Pferd der Prinzessin ging nun durch und rannte wie von Sinnen. Mirianda hielt sich aber noch im Sattel.
Khamûl spannte den Bogen. Er zielte noch einen Moment lang auf die Prinzessin, und ließ dann den Pfeil von der Sehne schnellen.
Khamul:
Den ersten Teil des Buches, bis jetzt, nenn ich:
Der Schatten des Ostens
Der zweite Teil, also ab jetzt, heißt:
Das Schicksal des Nordens
Ab jetzt zählen auch Elben zu den Hauptfiguren: Elladan und Elohir
Die Wiedergeburt eines Reiches
Schweiß tropfre von seiner Stirn. Es war anstrengend, die Baumstämme aufzustellen und festzubinden. Eigentlich war es ein Makel für einen Elben, wenn er schwitzte, doch er war der einzige Elb unter unzähligen Menschen, die nur so nach Schweiß stanken. Hier war es ihm egal.
Elladan und sein Bruder Elohir waren nach dem Ringkrieg zu den Dunedain – Stämmen gegangen, um ihnen zu berichten, dass Aragorn sein Erbe angetreten hatte und König von Gondor geworden war. Viele von ihnen kamen daraufhin mit den Beiden Elben zu den Ruinen von Fornost, der einstigen Hauptstadt Arthedains, des mächtigsten der drei Reiche Arnors, gekommen, um die Stadt wieder aufzubauen. Die Zitadelle von Fornost war schon wieder einigermaßen bewohnbar, und es waren auch schon viele Häuser im ersten Verteidigungsring der Stadt wieder aufgebaut worden. Es würde zwar noch viele Jahre dauern, doch Fornost würde zu seiner einstigen Größe wiederfinden. Nun herrschte eine Zeit des Friedens, niemand musste sich sorgen, dass nicht irgendwelche Schergen Mordors die Stadt attackieren würden.
Der letzte Stamm für das Grundgerüst des Hauses wurde soeben angehoben. Elladan half schnell den Menschen bei ihrer Arbeit. Kaum stand das Holz auf festem Grund, kamen schon Baumeister mit ihren Ziegeln, die auch einige Knaben im Schlepptau hatten. Viele der Jungen trugen Ziegelsteine, doch einige hatten Eimer voller Lehm mit sich.
Elladan wischte sich den Schweiß von der Stirn und entfernte sich ein Stück von der Baustelle. Noch gab es viel zu tun im ersten Verteidigungsring von Fornost. Wo Elohir wohl war? Während Elladan sich dies noch fragte, hörte er schon die Stimme seines Zwillingsbruders. „Elladan! Besuch aus Gondor erwartet uns in der Zitadelle!“
Auch Elohir schwitzte. Sein Schweiß hatte bereits dunkle Flecken auf seinem Seidenhemd hinterlassen. „Wann und wie ist dieser Besucher in die Stadt gekommen?“, fragte Elohir. Die Antwort seines Bruders war: „Es ist eine Frau, die erst vor kurzem, noch während wir mit dem Aufbau der Häuser beschäftigt waren, von den Stadtwachen zur Zitadelle geführt wurde. Sie hat einige Diener mit sich, wahrscheinlich ist sie eine Fürstin.“ „Dann wollen wir sie nicht warten lassen!“
Gemeinsam gingen die zwei Brüder den Weg zur Zitadelle von Fornost. Die Stadt stand an einem kleinen Berg, und die Zitadelle war das höchste Gebäude. Drei Mauerringe umgaben die Zitadelle, der dritte und innerste wurde gerade wieder aufgebaut. Fornost war einst eine blühende Stadt gewesen, bevor sie durch den Hexenkönig von Angmar zerstört worden war. Sie würde auch wieder einmal in der Pracht erstrahlen, die sie einst gehabt, dafür würde Elladan schon sorgen!
Die beiden Brüder durchschritten Seite an Seite die Pforte der Zitadelle von Fornost. Die Innenwände des Gebäudes waren teilweise noch schwarz vom Feuer, welches einst im Inneren der Zitadelle getobt hatte, deshalb hingen viele Wandteppiche an den Wänden. Vor dem noch zertrümmerten Thron stand eine Frau mit braunen Haaren, die ihr bis zur Hüfte reichten. Ihr Gesicht hatte sie den beiden Elben zugewandt, es war ein sehr rundes Gesicht mit roten Backen, und an ihrer Seite stand ein Knabe von etwa acht Sommern.
Elladan richtete sofort das Wort an die Frau: „Seid gegrüßet in Fornost, Botin Gondors! Ich bin Elladan, und dies ist mein Zwillingsbruder Elohir“, er deutete auf seinen Bruder: „Werte Frau, würdet Ihr uns auch Euren Namen nennen?“ Ein wenig Unsicher begann die Frau zu sprechen: „Ich bin keine Botin, sondern Gishilde, die Frau des Fürsten Hurin von Dagorland. Mein Mann hat meinen Sohn und mich hierher geschickt, weil er Angst um uns hatte. Ich weiß nicht, wovor, doch er hat sich mit einem Gedicht von uns verabschiedet, in dem es um den Schatten des Ostens ging.“
Der Schatten des Ostens... Wo hatte Elladan diesen Namen schon einmal gehört? Während des Krieges mit Angmar? Während dem Ringkrieg? Er warf seinem Bruder einen fragenden Blick zu, welcher nur mit den Achseln zuckte. Wieder wandte er sich an Gishilde: „Wisst Ihr, wer dieser Schatten des Ostens ist, Herrin von Dagorland? Ich glaube nämlich, diesen Namen schon einmal gehört zu haben, ich weiß aber nicht genau, in welchem Zusammenhang...“
„Dol Guldur!“, unterbrach Elohir ihn: „Saurons Statthalter in Dol Guldur wurde von den Elben des Düsterwaldes Schatten des Ostens genannt!“
Genau, Dol Guldur! Jetzt erinnerte sich Elladan wieder! Er sagte jedoch zu seinem Bruder: „Der Statthalter von Dol Guldur war angeblich ein Nazgûl. Es wäre doch nicht möglich, dass dieser noch lebt, wenn angeblich durch den Sturz Saurons alle Neun tot sind!“ Elohir gab keine Antwort darauf, doch Gishilde meldete sich wieder zu Wort: „König Elessar ist auf einem Kriegszug nach Harad. Ich glaube, einer von euch Beiden sollte nach Gondor reiten, um Königin Arwen zu unterstützen.“
Elladan und Elohir tauschten flüchtige Blicke aus. Sollten sie dieser Frau glauben? Sie schienen beide dasselbe zu denken. Schließlich ergriff Elohir das Wort: „Herrin von Dagorland, wir werden Euch ein Haus in Fornost zur Verfügung stellen, in dem Ihr leben könnt. Ich werde nach Gondor reiten, um zu sehen, was passiert ist, und um meine Schwester Arwen zu beraten. Ich hoffe, Ihr seid damit zufrieden.“
Elladan war ein wenig betrübt. Wenn die Angst des Fürsten Hurin berechtigt war, dann stand ein erneuter Krieg bevor, so kurz nachdem Sauron entgültig vernichtet worden war. Hoffentlich hatte sich der Fürst von Dagorland geirrt!
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