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Autor Thema: Der Hafen von Umbar  (Gelesen 7009 mal)

Eandril

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Der Hafen von Umbar
« am: 13. Jan 2013, 18:16 »
...Edrahil und Chatara aus Dol Amroth

Das schlanke Korsarenschiff lief gegen den Schein der aufgehenden Sonne im Hafen der Stadt Umbar ein. Edrahil stand an der Reling und betrachtete interessiert die Hafenanlagen, die ungleich größer als die von Dol Amroth waren.
Um Mitternacht hatten sie die Meerenge passiert mit dem großen Leuchtturm passiert, durch die man in die Bucht von Umbar gelangte. Nun verengte sich die Bucht immer mehr, und das Ufer ging in gemauerte Kais über. Wohin man auch blickte, überall lagen Schiffe vor Anker, nicht nur die, die man normalerweise in Gondor zu Gesicht bekam, sondern auch große Handelgaleeren. Parallel zum Ufer zog sich auf beiden Seiten des Hafens eine hohe Mauer entlang, die mit Ballisten und Katapulten besetzt war, und an jedem Kai von einem kleinen Tor durchbrochen wurde, um den Hafen betreten zu können. Es war alles noch so wie in der Nacht, als Edrahil das erste Mal hier gewesen war, unter der Führung Thorongils... und als er diese mächtigen Festungsanlagen betrachtete, wurde ihm klar, wieviel Glück sie bei diesem Angriff vor vierzig Jahren gehabt hatten.
Oder waren der Hafen damals noch nicht derart stark befestigt gewesen? Er konnte sich nicht mehr deutlich erinnern, schließlich lag diese Nacht bereits vierzig Jahre zurück, und er hatte sich damals im Getümmel der Schlacht nicht auf solche Dinge konzentrieren können.

"Warum habt ausgerechnet ihr diese Mission auf euch genommen, alter Mann?", hörte er plötzlich Chatara neben sich fragen. Widerwillig wandte er sich ihr zu. Sein Misstrauen ihr gegenüber war nicht geschwunden, doch sie hatte es geschafft, mit ihrem Plan seinen Restpekt zu gewinnen.
Als das ihr Schiff Tolfalas hinter sich gelassen hatte, hatten sie sich in einem Boot aussetzen lassen, mit genügend Wasser und Nahrung, um zur Not die Küste von Harondor oder Tolfalas zu erreichen. Doch wie geplant waren sie zwei Tage später von einem Korsarenschiff an Bord genommen worden, dessen Besatzung Chataras Herrin treu ergeben war, und nun lief eben jenes Schiff im Hafen von Umbar ein.

"Ich bin der Meinung, dass ich diese Aufgabe am besten selbst übernehme, weil ich euch nicht traue. Ich möchte keinen meiner Männer dieser Gefahr aussetzen, aber wie ihr so treffend bemerktet, bin ich nur ein alter Mann und damit kein großer Verlust mehr.", antwortete er ironisch und wandte sich wieder ab.

"Aber da muss es doch noch einen anderen Grund geben, so glaube ich euch noch nicht.", hakte sie nach.

Und damit hatte sie völlig Recht, aber Edrahil würde sich eher bei lebendigem Leid ausweiden lassen, als ihr davon zu erzählen...
« Letzte Änderung: 15. Okt 2013, 10:03 von Eandril »

Oronêl - Edrahil - Hilgorn -Narissa - Milva

Eandril

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Sklavenhandel
« Antwort #1 am: 7. Feb 2013, 11:46 »
Edrahil humpelte durch die Straßen von Umbar. Es war Nacht, und trotzdem - oder vielleicht gerade deswegen - waren die Straßen bevölkert von allem möglichen Gesindel, und das war ein Glück für Edrahil, denn so würde er höchstwahrscheinlich nicht auffallen. Um dies zu erreichen hatte er manche Vorkehrung getroffen: Er hatte sein Gesicht mit irgendeinem Saft eingerieben, den er von Chatara bekommen hatte und der die Haut dunkler färbte, und war nun nicht mehr nach Art Dol Amroths, sondern eher dem hiesigen Stil angepasst gekleidet.
Dabei hielt er sich gebeugt, zeigte aber deutlich das Krummschwert, das er an seiner rechten Seite befestigt hatte, um einerseits noch weniger aufzufallen, andererseits um Beutelschneider abzuschrecken.
Endlich einmal war er Chataras Überwachung entkommen, und hatte sich aus ihrer Unterkunft in einer Taverne nahe des landeinwärts gelegenen Stadttors davongeschlichen, als sie schlief. Drei Tage waren sie schon hier, und sie hatte ihn bislang noch nicht einen Augenblick aus den Augen gelassen, während sie auf eine Nachricht von ihrer Herrin warteten. Und nun konnte er endlich das erledigen, wozu er noch hergekommen war...

Er erreichte sein Zeil ohne Zwischenfälle, und betrat die Halle der Sklavenhändler. Er hatte herausgefunden, dass hier vornehmlich hellhäutige Sklaven, die bei Überfällen auf Gondor gefangen genommen wurden, verkauft wurden.
Zielstrebig schritt er auf einen in prächtige Gewänder gekleideten Mann zu, der hinter einer Theke stand und offensichtlich jeden Sklaven, der verkauft wurde, in eine Liste eintrug. Die ein paar Meter weiter stattfindende Versteigerung von Gefangenen, die vermutlich aus Linhir, Pelargir oder Umgebung stammten, würdigte Edrahil keines Blickes, denn er hatte weder die Pflicht noch die Möglichkeit, diese Menschen vor der Sklaverei zu retten.

"Was kann ich für euch tun", fragte der Mann an der Theke im Dialekt von Umbar, den Edrahil dank seiner Studien Harads bestens verstand und auf spracht, ohne von seiner Arbeit aufzuschauen. "Ich hätte gerne eine Auskunft.", gab Edrahil leise zurück, und legte einen Beutel mit Münzen auf den Tisch. Sein Gegenüber streckte, wiederum ohne den Blick zu heben, die Hand aus, wog den Beutel kurz in der Hand und lies ihn dann in seinem Gewand verschwinden. "Worum handelt es sich?"
"Ich bin auf der Suche nach einigen Sklaven die mir vor Jahren gestohlen wurden, um genau zu sein, vor 42 Jahren."
"Nun, ich weiß nicht ob wir noch Unterlagen aus dieser Zeit besitzen oh Großzügiger... und wenn ja, wird es einige Mühe kosten, diese zu finden..."
Ein weiterer Beutel mit Münzen landete auf dem Tisch.
"Ich werde einmal nachsehen, ehrwürdiger Meister der Großzügigkeit." Der Mann hatte Edrahil immer noch nicht angesehen, und das sollte ihm nur recht sein. Nun verschwand er für kurze Zeit durch die Tür hinter ihm, und kehrte dann mit einigen Bögen Papier zurück. "Das ist alles was ich finden konnte, aber eigentlich dürfte ich euch das gar nicht zeigen..."
Wieder landete ein kleiner, aber schwerer Beutel auf dem Tisch und verschwand sofort wieder. Im Gegenzug erhielt Edrahil das Gewünschte.
"Ich danke euch. Ihr werdet es nicht bereuen, mir geholfen zu haben.", meinte er, verstaute das Papier in seiner Tasche und verließ unbehelligt die Versteigerung.
« Letzte Änderung: 7. Feb 2013, 12:23 von Eandril »

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Eandril

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Hoffnung
« Antwort #2 am: 12. Feb 2013, 11:49 »
Zufrieden verließ Edrahil die Halle der Sklavenhändler. Unter seinem Gewand fühlte er die Papierbögen, die ihn mit ein wenig Glück endlich an sein Ziel führen würden.
Gerade bog er in die Gasse, an deren Ende ihre Unterkunft lag, ab, als sich ihm eine verhüllte Gestalt in den Weg stellte.
"Ihr habt euch Informationen beschafft, die ihr nicht haben dürftet. Kommt mit mir!", sagte Edrahils Gegenüber.
"Ich denke nicht.", antwortete dieser mit aller Überheblichkeit, die er aufbringen konnte, und das war eine ganze Menge, "Und nun lasst mich vorbei, ich habe zu tun."
Der andere nickte nur kurz und trat beseite. Edrahil wollte gerade seinen Weg fortsetzen, als ihn etwas hartes mit Wucht an der Schläfe traf und er bewusstlos zusammensackte.
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Er erwachte in nahezu völliger Dunkelheit, rücklings auf einer Bank liegend, aber merkwürdigerweise nicht gefesselt. In einer Nische zu seiner rechten warf eine kleine Laterne ein flackerndes Licht auf die Person, die ihm gegenüber stand, doch es reichte nicht aus, um sie erkennen zu können. Als er sich langsam aufrichtete, sprach ihn die schattenhafte Gestalt an.
"Willkommen Edrahil von Linhir, Herr der Spione von Dol Amroth. Ich habe euch erwartet." Es war eindeutig eine weibliche Stimme.
"Wer... seid ihr?", fragte er, und trotz seiner Überraschung, ja eher Schocks, dass man ihn erkannt hatte, schienen seine Reflexe noch zu funktionieren: "Und wieso haltet ihr mich für diesen... Edrahil?"
Die Gestalt lachte leise. "Ihr braucht mir nichts vorzuspielen. Ich habe euch einst selbst in Dol Amroth gesehen, und ich wusste auch von eurer Anwesenheit hier in Umbar, schließlich habe ich euch herbringen lassen.
"Dann seid ihr Chataras Herrin? Aber wieso habt ihr mich auf diese Art und Weise herbringen lassen?"
"Eigentlich war es anders geplant, aber nun hat es sich so ergeben. Aber gestattet, dass ich mich vorstelle: Mein Name ist Saleme, Herrin der Spione Suladans, und somit gewissermaßen eure größte Feindin." Damit trat sie in den Lichtkreis und offenbarte... eine Maske, die ihr Gesicht bis auf die Augen verdeckte. "Verzeiht die Maskerade, aber ich kann kein Risiko eingehen."
Edrahil nickte nur, noch völlig perplex von dieser Wendung der Ereignisse.
"Ihr seid so unsanft hierher gelangt, weil ihr einen Fehler gemacht habt. Denkt ihr wirklich, die Unterlagen, in welchen verzeichnet ist, wohin der Sohn Edrahils vor Jahren verkauft worden ist, würde nicht überwacht? Wir haben damit gerechnet, das eines Tages ihr oder einer eurer Männer kommen würde, um nach ihm zu suchen, und so konnnten wir eine Falle stellen. Aber wie sich jetzt herausstellt, war das gar nicht nötig."
Edrahil rieb sich die Stirn. "Dann... ist er noch am Leben? Wo ist er?"
"Es tut mir Leid, aber dass werde ich euch nicht sagen... noch nicht. Nur so viel: Er ist nicht länger ein Sklave, sondern gehört einer Truppe Soldaten unter dem Befehl eines bedeutenden Feldherren aus Umbar, der auch in meinen Plänen eine wichtige Rolle einnimmt, ebenso wie ihr. Wenn ihr die Aufgaben, die ich euch gebe, zu meiner Zufriedenheit ausführt, werdet ihr euren Sohn wiedersehen."
Edrahil räusperte sich kurz, und versuchte seine Gefühle in Ordnung zu bringen. Endlich hatte er die Spur seines Sohnes aufgenommen, doch wie sollte er ihn finden, wenn er nicht dieser Frau half, die seine ärgste Gegenspielerin war?
"Was verlangt ihr von mir?"
Saleme verschwand kurz und plötzlich war der Raum von Sonnenlicht erfüllt und Edrahil schloss kurz geblendet die Augen. Die Herrin der Spione stand am Fenster, dessen Läden nun geöffnet waren.
"Der endlose Krieg mit eurem Volk, in den unser Fürst Suladan uns treibt, lässt das Volk der Haradrim ausbluten. Jahr für Jahr ziehen junge Männer nach Norden und kehren nie zurück. Währenddessen schwelen überall in Harad Aufstände und Konflikte, die schon bald außer Kontrolle geraten werden, und dann können wir dem dunklen Herrscher nicht länger in seine Kriege folgen, was uns wiederum zu seinem nächsten Ziel machen wird. Das darf nicht geschehen.
Es gibt nur zwei Möglichkeiten unser Verhängnis abzuwenden: Wir müssen dafür Sorge tragen, dass Gondor schnell niedergeworfen wird... aber wie wir in den letzten Jahren gesehen haben, ist dies nicht leicht, und wird durch unsere letzten Niederlagen noch schwerer, und ich fürchte, der Bürgerkrieg könnte zu früh ausbrechen.
Doch der andere Weg scheint vielen noch schwerer zu sein: Wir könnten uns an die Seite Gondors stellen. Aber wer würde dies tun? Viele Fürsten der Haradrim verachten Gondor für seine scheinbare Schwäche, doch sage ich, wie lange schon trotzt dieses Volk den vereinten Kräften von Harad und Mordor? Auch wenn ich Gondor nicht freundschaftlich gegenüberstehe, und es auch wahrscheinlich nie tun werde, muss ich es doch respektieren.
Ich biete euch also folgendes an, Edrahil: Helft mir, meine Pläne zu verwirklichen, und Harad wird sich an Gondors Seite gegen Mordor wenden. Denn letztendlich sind auch die Haradrim Menschen, und auch wenn der Herr von Mordor die Dúnedain besonders hasst, so hasst und verachtet er doch alle Menschen, und irgendwann werden auch wir nur noch die Wahl zwischen Sklaverei und Tod haben.
Also was sagt ihr?"

"Wenn es das ist, was ihr wollt, dann kann ich euch helfen."
« Letzte Änderung: 13. Feb 2013, 15:29 von Eandril »

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Eandril

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Pläne werden gemacht
« Antwort #3 am: 21. Feb 2013, 12:37 »
Saleme seufzte erleichtert, und setzte sich Edrahil gegenüber in Sessel.
"Ich hatte gehofft, dass ihr zustimmt. Ich fürchte, ich brauche jeden Verbündeten, den ich kriegen kann.", gestand sie freimütig.
"Nun sagt mir, was habt ihr vor, und wie kann ich euch dabei helfen?", fragte Edrahil.

"Die Lage in Harad ist kompliziert. Auf der einen Seite stehen jene, die Sauron bereitwillig folgen, und den Krieg gegen Gondor bis zum Ende ausfechten wollen um ihre Macht zu wahren, auch egal, wie viel es kostet. Ihre Anführer sind Suladan, der mächtigste Sultan und gewissermaßen der oberste Herr von Harad, und Hasael, der Fürst von Umbar.
Auf der anderen Seite steht ein Bündnis von kleineren, aber vielen Fürsten. Ihr Anführer ist der Neffe von Hasael und eigentlich der direkte Erbe den Quahtan-Stammes. Er ist auch der Heerführer in Gondor, unter dessen Befehl euer Sohn steht.
Da Hasael auch die Herrschaft über Umbar nicht rechtmäßig erlangt hat, sondern sie nach dem Tod des vorherigen Fürsten im Ringkrieg an sich gerissen hat, ist er nicht sonderlich beliebt. Er ist der erste, den wir beseitigen müssen, und dann wird sein Neffe die Herrschaft über die Quahtan und auch Umbar übernehmen. Natürlich müssen dazu auch Hasaels Söhne aus dem Weg geräumt werden."
"Ich nehme an, mit 'aus dem Weg räumen' meint ihr nicht, dass sie lediglich aus der Stadt verbannt werden, oder?", warf Edrahil ironisch ein.
Saleme blickte ihn durch die Augenschlitze ihrer Maske missbilligend an, und fuhr fort: "Ich denke, ihr wisst ebenso gut wie ich, was ich meine. Darf ich nun fort fahre?"
"Selbstverständlich. Es käme mir nicht in den Sinn, euch zu verärgern.", erwiderte er mit einem schiefen Grinsen.
Saleme schnaubte verächtlich. "Ihr könnt euch eure Späßchen sparen. Ich bin sicher, ihr seid euch der Tatsache bewusst, dass unsere Zusammenarbeit nur so lange andauert, wie ihr auch bereit seid zu kooperieren."
"Aber natürlich, werte Herrin. Nun bitte, fahrt doch endlich fort."
Saleme warf einen kurzen Blick an die Decke, dann atmete sie tief durch und fuhr fort: "Wenn also Hasael und all seine Söhne tot sind, ist sein Neffe sein nächster Verwandter. Wir dürften also keine Schwierigkeiten damit haben, ihn zum Fürsten zu machen.  
Die Schwierigkeiten fangen dann erst an: Es muss uns gelingen, ihn von zu deutlicher Opposition gegen Suladan abzuhalten, denn auch ohne Umbar und die Quahtan ist er immer noch stark genug, sich in einem Bürgerkrieg einige Zeit zu behaupten, und müssen davon ausgehen, dass Mordor ihn unterstützen würde. Bevor wir Mordor also öffentlich die Gefolgschaft versagen, muss auch Suladan entmachtet werden, sodass unser Bündnis auch seine Stämme kontrolliert.
Doch das liegt alles noch in ferner Zukunft.
Nun, eure Aufgabe dabei wird es sein, Hasaels Ermordung und den Tod all seiner Verwandten zu organisieren, während ich mich bemühe, die Spannungen nicht eskalieren zu lassen.
Wie Hasael zu Tode kommt, ist mir eigentlich gleichgültig, doch lasst es wie einen natürlichen Tod und keineswegs wie Mord aussehen. Seine Söhne würden sich gegenseitig verdächtigen und das würde sie misstrauisch machen, sodass ihre Emordung deutlich schwerer werden wird."
"Sonst noch etwas? Muss ich das ganze alleine erledigen, oder gesteht ihr mir tatsächlich ein wenig Unterstützung zu?", fragte Edrahil, als Saleme geendet hatte.
"Ihr werdet dieses Haus nun verlassen. Folgt der Straße, bis ihr den Hafen erreicht, und wendet euch dort nach rechts. Klopft dort viermal an die zehnte Tür auf der linken Straßeseite und dann einmal gegen die Klappe die in der Mitte der Tür eingelassen ist. Dort  werdet ihr eure Unterstützung bekommen. Eure Habseligkeiten, die ihr mit nach Umbar gebracht habt sind bereits dort. Ich wünsche euch noch einen schönen Tag, Edrahil.", erwiderte sie, und machte damit unmissverständlich deutlich, dass das Gespräch beendet war.
Edrahil erhobt sich und verließ den Raum.

Edrahil ins Hauptquartier der Assassinen...
« Letzte Änderung: 5. Mär 2013, 12:40 von Eandril »

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Eandril

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Flucht aus Umbar
« Antwort #4 am: 21. Jun 2013, 19:25 »
...Edrahil aus den Straßen von Umbar

Als Edrahil den Hafen erreichte, brannte das Haus, in dem Hasaels Söhne waren, bereits lichterloh. Vor einigen Fenstern lagen Leichen, offensichtlich in eben dem Moment getötet, als sie vor dem Feuer aus dem Haus fliehen wollten.
Um das Feuer herum standen drei Gestalten, zwei dem Haus zu gewandt und eine mit Blick auf die Straße.
Als Edrahil sich ihnen näherte, wandten sich auch die beiden anderen ihm zu, und zogen ihre Dolche, doch bevor sie ihn angreifen konnten, hatte er den Lichtschein des Feuers erreicht, und sie erkannten ihn. Azeem trat vor und fragte, ebenso erstaunt wie Chatara vor ihm:
"Edrahil? Was tut ihr hier? Ihr seid voller Blut, was ist geschehen?"

Edrahil sah ihm in die Augen, und log ohne zu zögern: "Wir sind verraten worden. Ich war im Hauptquartier, als plötzlich Soldaten des Fürsten das Haus stürmten. Es gelang mir, einen von ihnen zu überlisten - er hielt mich wohl für harmlos - und ihn zu töten. Dann bin ich durch den geheimen Ausgang geflohen, bevor mich weitere entdecken konnten."

"Und was ist mit Hasil? Was ist mit Chatara, Hamid, Zuben und Erai?", erwiderte Quánda, der der Schock deutlich ins Gesicht geschrieben stand.
"Chatara ist tot, ich habe gesehen, wie sie sie getötet haben. Ich fürchte, dass es Hamid, Zuben und Erai nicht anders ergangen ist. Aber was Hasil angeht... ich glaube, dass er es war der uns verraten hat."
"Wie kommt ihr zu dieser Anschuldigung?", fragte Azeem. "Hasil hat uns nie Grund gegeben, an seiner Loyalität zu zweifeln."
"Er kannte als einziger außer mir den ganzen Plan. Wusstet ihr genau, was Chatara oder Hamid zu tun hatten? Ich habe euch absichtlich jeweils nur das verraten, was ihr zur Durchführung eurer eigenen Aufgabe brauchtet, um die anderen nicht zu gefährden, sollte einer gefangen werden. Hasil sollte mit mir im Hauptquartier zurückbleiben, sollte etwas schief gehen, und deshalb kannte auch er alle Einzelheiten.
Außerdem habe ich keinen Kampf gehört, als ich aus dem Hauptquartier floh, und ich glaube nicht, dass er sich von den Soldaten so hätte überraschen lassen."

"Was ihr sagt, klingt vernünftig. Aber was sollen wir jetzt tun?", fragte Nemsi, der bislang geschwiegen hatte.

"Wir brauchen einen sicheren Ort, wo wir uns sammeln können, am besten außerhalb der Stadt, einen Ort den alle kennen, und wohin jeder, der möglicherweise entkommen konnte, fliehen würde. Gibt es so einen Ort?"
"Es gibt einen Landsitz, der versteckt in den Bergen nördlich der Stadt liegt. Er gehört Saleme, und wird von ihr für eben solche Zwecke genutzt.", erwidertet Azeem.

"Dann sollten wir uns sofort auf den Weg dorthin machen. Versucht, Lebensmittel und vielleicht einige Pferde zu besorgen, dann treffen wir uns in... sagen wir zwei Stunden am Nordtor.", meinte Edrahil.
Die anderen nickten zustimmend. "Sehr gut. Machen wir, dass wir lebendig aus dieser Stadt rauskommen."

...Edrahil zum Versteck in den Bergen
« Letzte Änderung: 27. Jun 2013, 23:46 von Eandril »

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Fine

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Ankunft in Umbar
« Antwort #5 am: 7. Okt 2016, 10:07 »
Valion und Valirë von Tol Thelyn


"Das Schicksal scheint auf unserer Seite zu sein," sagte Valirë lächelnd.
"Schicksal. So ein Unsinn. Wir haben eine Gelegenheit gesehen und sie ergriffen. Mehr war nicht dabei." gab Valion zurück.
Sie standen am Bug des kleinen umbarischen Fischerbootes, den Blick auf die Lichter der gewaltigen Hafenanlagen gerichtet. Es war mehrere Stunden vor Sonnenaufgang, doch sie verspürten keine Müdigkeit. Zumindest noch nicht. Der Hafen der Korsaren erwartete sie.

Kapitän Veantur hatte sie in der Nähe des Leuchtturms an der Meerenge abgesetzt, der den Eingang zur Bucht vom Umbar beleuchtete. Die Súlrohír würde mit äußerster Vorsicht in den Gewässern westlich der Bucht kreuzen und sich bereit halten, nachdem die Mannschaft sich mit zusätzlichen Vorräten versorgt hatte. Der Kapitän hatte von einem Fischerdorf an der Küste nördlich von Umbar gesprochen, wo er einige Bekanntschaften hatte die Gondorern gegenüber freundlich gesinnt waren. Dort würde sich die Besatzung des Schiffes genug Verpflegung besorgen um einige Wochen für Valion und Valirë in Bereitschaft zu bleiben.
Am Fuße des Leuchtturms war es den Zwillingen gelungen, einen umbarischen Fischer zu bestechen, sie mit seinem Boot in den Hafen der Stadt der Korsaren zu bringen. Beim Anblick der Münzen in Valions Hand hatte der Mann ein gieriges Leuchten in den Augen bekommen und war schnell überzeugt gewesen. Doch bereits kurz nachdem das Fischerboot abgelegt hatte und Kurs auf Umbar gesetzt hatte, hatten die Zwillinge dem Mann die Kehle durchgeschnitte und die Leiche über Bord geworfen.
Wir sind im Krieg, dachte Valion. Gewisse Opfer sind notwendig. Er wusste, dass seine Schwester genauso dachte.

Ihre Umhänge flatterten im Fahrtwind, doch die einfache Stoff- und Lederbekleidung die die Zwillinge nun trugen hielt sie warm genug um nicht zu frieren und würde sie nicht allzu auffällig in den Straßen Umbars machen. Die Ufer zu beiden Seiten rückten nun immer näher als sich die Bucht in Richtung der Stadt immer mehr verengte. Beeindruckt betrachtete Valion die Lichter, die von den Befestigungen links und rechts leuchteten und in ihrem flackernden Schein allerlei Verteidigungsanlagen und Belagerungsmaschinen enthüllten. Die Stadt der Korsaren nun mit eigenen Augen zu sehen ließ seinen Respekt vor Thorongil, dem Fluch Umbars, weiter wachsen. All dies musste er nur mit einer so kleinen Flotte überwinden. Doch er hat es dennoch geschafft und einen großen Sieg für Gondor errungen. Ich verstehe nun, dass der Angriff wohl nur mit Hilfe aus dem Inneren möglich war. Die Spione der Turmherren müssen wirklich außergewöhnlich fähig sein.

Das Boot näherte sich den Kais und sie konnten einen Blick auf das werfen, was von der großen Korsarenflotte nach den Schlachten von Dol Amroth, Linhir und Pelargir noch übrig war. Zwar waren die mit schwarzen Segeln versehenen Kriegsschiffe noch immer ein beeindruckender Anblick, doch sie waren nun im Hafen weit in der Unterzahl gegenüber den Handelsgaleeren und Transportschiffen, die jeden Tag Waren nach Umbar und von dort an andere große Häfen des Südens trugen. Valion sah auch neue Korsarenschiffe die sich momentan noch im Bau befanden, doch er schätzte, dass es noch einige Zeit dauern würde bis sich die Schwarze Flotte wieder von ihren schweren Verlusten erholt hatte. Und er dachte darüber nach, einige dieser Schiffe in Brand zu setzen, wie es einst Thorongil getan hatte, um die Korsaren daran zu hindern, den Ethir oder Pelargir jemals wieder zu überfallen.

Sie steuerten das Fischerboot an einen der kleineren Anlegeplätze und machten es mit den Tauen die sie an Bord fanden am Kai fest. Keiner der Seefahrer an Bord der Súlrohír hatte sie begleitet; der Kapitän hatte niemanden entbehren können da das Schiff bereits mit der Minimalbesatzung fuhr. Doch die Zwillinge waren zuversichtlich, auch ohne Veanturs Hilfe gut zurechtzukommen.
Edrahil, der alte Geheimniskrämer, wird sicherlich schon seine Netze in dieser Stadt gesponnen haben, dachte Valion. Wahrscheinlich weiß er bereits, wohin man Lothíriel gebracht hat und ihm fehlt nur noch ein starker Arm und etwas Mut und Entschlossenheit, um die Befreiung durchzuführen. Und da kommen wir ins Spiel. Greifen wir dem Flüsterer von Dol Amroth unter die Arme und ernten den Ruhm.

Eine Hafenwache kam gelangweilt zu ihnen hinübergeschlendert.
"Habt ihr was anzumelden?" fragte der Mann mit starkem Südländerakzent.
"Sieh's dir selbst an, Freund," antwortete Valirë mit einem falschen Lächeln und deutete auf die Tür zum kleinen Lagerraum des Fischerbootes.
Stirnrunzelnd kam der Wächter an Bord und stieg die Stufen zum Lagerraum hinunter. "Wovon sprecht ihr?" fragte er verwirrt als er mit seiner Fackel in Innere leuchtete und nichts als gähnende Leere vorfand.
"Von der Leiche auf dem Boden," gab Valirë zurück - und stieß dem überraschten Mann ihre Klinge von hinten durch die Brust. Röchelnd brach er zusammen und die Fackel fiel zu Boden, das dort verstreute Stroh in Brand setzend. Die Zwillinge wandten sich ab und verließen das Boot. Gelassen marschierten sie den Kai entlang während das Schiff hinter ihnen in Flammen aufging.

Eine Alarmglocke erklang von einem der Türme und der Hafen verwandelte sich ein einziges Chaos. Hafenarbeiter stürzten an ihnen vorbei, jeder darauf bedacht, die Flammen zu löschen oder andere Schiffe vor dem Feuer zu retten, das auf sie überzuspringen drohte. In dem Durcheinander kamen die Zwillinge problemlos an allen anderen Wächtern vorbei und erreichten das Ende des Hafens, das von einem steinernen Torbogen markiert wurde.
"Gehen wir Edrahil suchen," sagte Valion.


Valion und Valirë auf die Straßen Umbars
« Letzte Änderung: 24. Sep 2017, 17:07 von Fine »
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Eandril

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Die Spur der Zwillinge
« Antwort #6 am: 7. Okt 2016, 11:38 »
Edrahil aus seinem Versteck...

Nur wenige Minuten später erreichten Edrahil und seine kleine Führerin das Kai, wo das Fischerboot noch in hellen Flammen stand. Eine kleine Menge hatte sich um den Anlegeplatz versammelt, doch Edrahil konnte nirgends jemanden erkennen der aussah als ob er aus Gondor käme. Er blieb stehen und wandte sich an das Mädchen. "Bist du sicher, dass du sie hier gesehen hast?" Sie nickte eifrig. "Und hast du auch gesehen, wo sie hingegangen sind?" Ein Kopfschütteln. "Nein, ich bin doch gleich zu euch gelaufen, Meister Edrahil."
Edrahil zuckte mit den Schulter und hielt ihr eine Goldmünze hin, die sie sofort schnappte und an sich presste wie einen Schatz. Selbst wenn er die beiden Gondorer nicht sofort fand, alleine die Information dass sie sich in Umbar befanden war nützlich.
Seine Gedanken wurden unterbrochen als ihn die raue Stimme eines Bettlers von der Seite ansprach. "Wenn ihr Edrahil heißt, dann könnte ich die Leute gesehen haben, nach denen ihr sucht." Dem Mann fehlte das linke Bein unterhalb des Knies, und er war auf eine Krücke gestützt heran gehumpelt. "Vielleicht hättet ihr auch so ein bisschen was für mich, wenn ich euch davon erzähle?"

Edrahil blickte den Mann scharf an, doch er roch keinen Alkohol an ihm - auch wenn der Bettler ansonsten nicht gerade einladend duftete. "Also gut." Er reichte dem Krüppel fürs erste eine kleine Kupfermünze. "Als Anreiz, jetzt erzählt mir mehr."
"Nun, ich war gerade dahinten, am Hafentor." Er zeigte auf das Ende des Hafens, auf eines der Tore das in die Stadt hinausführte. "Da kamen zwei Leute vorbei als gerade das Feuer ausgebrochen war, ein Mann und eine Frau, die irgendwie nordländisch aussahen. Und sie haben gesagt, dass sie euch suchen wollten."
Mich suchen! Wenn die Neuankömmlinge von seiner Anwesenheit in Umbar wussten, dann waren es mit größter Wahrscheinlichkeit Boten aus Dol Amroth. Und wenn Fürst Imrahil weitere Leute nach Umbar entsandt hatte, dann musste etwas passiert sein.
Er warf dem Bettler eine Goldmünze zu, die dieser geschickt auffing und dann über das ganze dreckverkrustete Gesicht strahlte. "Habt ihr gesehen, wohin die beiden gegangen sind?"
"Sie sind hinter dem Tor nach Norden abgebogen, aber es sah nicht so aus als hätten sie es eilig." Der Mann kratzte sich gedankenverloren hinter dem rechten Ohr. "Wenn ihr euch ein wenig beeilt und das Seitentor", er deutete auf eine dunklere Stelle in der Hafenmauer ein paar Meter nach Westen, "nehmt, könntet ihr sie erwischen."
"Danke", sagte Edrahil, und reichte dem Mann ein paar weitere Münzen. "Wenn ihr je weitere interessante Informationen für mich haben solltet, sucht euch ein Straßenkind und fragt nach mir."

Er wandte sich um und ging so schnell seine Beine ihn trugen in Richtung des Seitentores und auf die Straßen der Stadt.

Edrahil auf die Straßen von Umbar...
« Letzte Änderung: 22. Jan 2020, 16:06 von Fine »

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Eandril

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Neue Erkenntnisse
« Antwort #7 am: 17. Okt 2016, 11:48 »
Edrahil aus seinem Versteck...

Der Ort, den Edrahil für sein Treffen mit den Verbrechern ausgewählt hatte, war ein heruntergekommenes Lagerhaus am Hafen. Das Haus lag etwas abseits vom Trubel des Hafengeschehens in einer Sackgasse, was es eigentlich ungeeignet für Edrahils Zwecke gemacht hätte, besaß aber einen versteckten Hinterausgang, der hinaus in ein Gewirr von kleinen Gassen führte in denen man eventuelle Verfolger leicht verlieren konnte.
Edrahil öffnete langsam die Tür und trat ins Halbdunkel der Halle, wo eine alte Frau gerade dabei war, Öllampen an die hölzernen Säulen zu hängen. "Wie kommst du voran, Izînel?", fragte Edrahil, und die Frau fuhr erschrocken herum, eine Hand auf die Brust gepresst.
"Oh, Meister Edrahil. Ich habe euch nicht kommen hören." Izînel war er begegnet als er das Lagerhaus zum ersten Mal besucht hatte, da war sie eine Bettlerin gewesen. Sie war als kleines Kind aus Gondor entführt und als Sklavin verkauft worden, und als ihr Herr gestorben war hatte sein Erbe sie freigelassen, weil sie ihm zu alt für eine Dienerin war.  So war sie auf der Straße gelandet, und dort hatte Edrahil sie gefunden und beschlossen sich ihre Fähigkeiten als Dienerin zunutze zu machen.
Beim ersten Mal war das Lagerhaus noch von Spinnweben überwuchert gewesen, und der Staub hatte fingerdick auf dem Boden gelegen, doch inzwischen hatte Izînel ganze Arbeit geleistet. Staub und Spinnweben waren verschwunden, sie hatte mehrere Öllampen aufgehängt, und einen alten Sessel den Edrahil und Bayyin herangeschafft hatten, auf einem kleinen Podest am hinteren Ende des Raumes aufgestellt.
"Ich wollte dich nicht erschrecken", sagte Edrahil entschuldigend. "Das habt ihr aber", erwiderte die Alte, und ließ sich schwer atmend in den Sessel fallen. "Was habt ihr euch nur dabei gedacht?"
Edrahil musste unwillkürlich lächeln, denn es hatte schon lange niemand mehr gewagt so mit ihm zu sprechen. "Du warst so in deine Arbeit vertieft, du hättest vermutlich nicht einmal einen Olifanten zur Tür hereinkommen hören. Aber man sieht, dass du sehr gute Arbeit geleistet hast." Izînel lächelte zufrieden. "Ja, nicht war? Ach, ich bin so froh dass ihr mich wieder meine Arbeit tun lasst."
Offensichtlich hatte sie in den Jahren als Dienerin ihre Arbeit geradezu liebgewonnen. Edrahil beschrieb ihr den Weg zu seinem Versteck, und schloss mit den Worten: "Dort müsste vielleicht auch ein bisschen durchgefegt werden, du solltest dich dort also wohlfühlen. Pass nur auf dass dir niemand folgt!"
Er nahm die Alte nicht aus reiner Mildtätigkeit auf, sondern weil sie in mehreren Adelshäusern Umbars und bei mächtigen Händlern gedient hatte, und Edrahil erhoffte sich auch von ihr die ein oder andere interessante Information.



Nur kurze Zeit später fand Edrahil sich in einer Taverne am Hafen wieder, die ein beliebtes Ziel für arbeitslose Seeleute war, und hier hoffte er die Männer zu finden, die er brauchte.
"Gibt es hier ein paar kräftige Männer, die nach Arbeit suchen?", fragte er den Wirt, der nur wortlos die Hand aufhielt. Nachdem Edrahil mit einem Stoßseufzer einige Münzen hineingelegt hatte, antwortete er: "Da hinten in der Ecke könnten einige für euch sein." Edrahil nickte, und ging zu den drei Männern, auf die der Wirt gezeigt hatte.
"Grüße", sagte er, und die Seeleute unterbrachen ihr Armdrücken und wandten sich ihm zu. "Ich habe gehört, ihr sucht Arbeit?"
"Das tun wir", antwortete einer der Armdrückenden, und ließ die Hand seines Gegners los. Edrahil sah zufrieden, wie die Muskeln des Mannes in seinem nackten Oberarm spielten. Das konnten genau die Leute sein, die er brauchte. "Seit ihr ein Kapitän?", fragte der zweite, der einen dünnen schwarzen Schnauzbart zur Schau trug, und Edrahil schüttelte langsam den Kopf. "Nein, und ich besitze auch kein Schiff. Die Arbeit, an die ich dachte, soll hier in Umbar stattfinden."
"Und was für Arbeit soll das sein?", fragte jetzt wieder der erste der Männer. Seine Stimme klang misstrauisch.
"Ihr sollt ein Lagerhaus bewachen und möglichst einschüchternd aussehen. Keine Kämpfe, kein Risiko, gute Bezahlung", erwiderte Edrahil, und bot ihnen die Hand dar. "Schlagt ihr ein?" Die drei Seemänner wechselten einen Blick, dann ergriff der erste, der ihr Anführer zu sein schien, Edrahils Hand und sagte: "Also gut, wir übernehmen die Arbeit."
"Sehr gut." Edrahil beschrieb ihnen den Weg zum Lagerhaus. "Seid morgen früh nach Sonnenaufgang dort und wartet auf mich oder eine Nachricht von mir."



Als er die Taverne mit etwas erleichtertem Geldbeutel verließ, war der Nachmittag bereits weit fortgeschritten, doch er würde gerade noch rechtzeitig wieder ins Versteck kommen, bevor Bayyin einen Boten zu den Zwillingen schicken würde. Edrahil schlängelte sich durch die Menschenmenge in Richtung Hafentor, als er plötzlich von der Seite angesprochen wurde: "Möchtet ihr vielleicht einen Diamanten kaufen? Er kostet auch nur zehn Silber."
Er wandte sich um, und sah sich dem jungen Mann gegenüber dem er am Abend zuvor im Laden des Boten begegnet war. "Zu diesem Preis könnte man darüber reden", gab er vorsichtig zurück. "Nun, dann folgt mir bitte."
Während sie gingen, raunte der Mann Edrahil zu: "Der Bote entbietet seine Grüße, und ist stolz euch mitteilen zu können, dass er euren Auftrag ausgeführt hat." Edrahil musste nicht nachfragen, welchen Auftrag genau er meinte, denn für die erfolgreiche Lieferung der Briefe hätte der Bote sicherlich niemanden geschickt um ihn zu benachrichtigen.
Ihr Weg führte sie in einen Innenhof hinter einem Gasthof, wo Edrahils Führer auf eine Leiter deutete, die zu einem hölzernen Balkon führte. "Dort oben wohnt euer Gesuchter im Augenblick."
Kaum hatte Edrahil einen Fuß auf die Leiter gesetzt, war der Mann verschwunden. Er verharrte für einen Augenblick an Ort und Stelle, denn er befürchtete, in eine Falle geraten zu sein, doch als nichts passierte kletterte Edrahil so gut er mit seinem Bein konnte, die Leiter hinauf. Hinter dem Balkon lag ein kleines Zimmer, das lediglich mit einem Strohlager und einem kleinen runden Tisch, auf dem eine Waschschüssel stand, eingerichtet war. Vorsichtig machte Edrahil einen Schritt in den Raum, und ließ seinen Blick aufmerksam schweifen. Auf den ersten Blick fiel ihm nichts ungewöhnliches auf. Ein Wetzstein auf dem Tisch, einige Kleidungsstücke auf dem Strohlager... Edrahil hob die Ecke eines braunen Mantels an, und wurde fündig: Unter dem Mantel lag ein geöffneter Brief, dessen gebrochenes Siegel zwei gekreuzte Dolche zeigte.
Die Nachricht begann mit den Worten "An unseren getreuen Diener Mustqîm...", die in Sprache und Schrift von Qafsah verfasst waren. Edrahil wollte den Brief gerade aufnehmen, als er Schritte von der Treppe des Gasthauses hörte. Er fuhr herum, zog den Mantel wieder über den Brief und eilte wieder auf den Balkon hinaus, wo er auf den obersten Stufen der Leiter verharrte. Tatsächlich hörte er, wie die Tür zu Mustîms Zimmer geöffnet wurde, und er blieb nicht um herauszufinden ob es tatsächlich der Bandit selbst war. Leise stieg er die Treppe hinunter und verließ den Innenhof um auf der Hafenstraße wieder in die Menge einzutauchen. Auch wenn Bayyin und mit ihm die Zwillinge inzwischen vermutlich in heller Aufregung waren, war dieser Abstecher keine völlige Zeitverschwendung gewesen, denn endlich war Edrahil der Zusammenhang zwischen den Geschichten, die der Bote ihm über Mustqîm erzählt hatte, aufgefallen: In jedem Fall war der Mann noch nicht lange in Umbar, und handelte vermutlich im Auftrag eines anderen - worauf der Brief, den er gesehen hatte, hindeuten konnte.

Edrahil in sein Versteck
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Die Köpfe der Unterwelt
« Antwort #8 am: 23. Okt 2016, 14:34 »
Edrahil, Valion und Valirë von den Straßen der Stadt...

Im Lagerhaus angekommen, beeilte Edrahil sich, alles für die Ankunft seiner zukünftigen Verbündeten herzurichten und seinen Leuten die letzten Anweisungen zu geben. Valion und Valirë namen ihre Plätze rechts und links neben seinem Sitz, der absichtlich halb im Schatten lag, ein, während sich zwei der Seeleute neben der Tür postierten. Der dritte stellte sich hinter Edrahil, und so erwarteten sie ihre Gäste.
"Äußerst dramatisch", meinte Edrahil als er sich setzte, und sah Valirës Mundwinkel zucken. "Aber es geht nichts über eine Prise Einschüchterung beim Umgang mit solchen Leuten." Außerdem half es ihm, sich von dem Gedanken an Minûlîth und ihren Sohn abzulenken, die ansonsten wohl seine ganze Aufmerksamkeit für sich beansprucht hätten. Stille senkte sich über das Lagerhaus, und nur von außen drangen gedämpft die Geräusche des Hafens herein. Dann öffnete sich zögerlich die Vordertür, ein Streifen hellen Sonnenlichts erhellte das dämmrige Innere des Lagerhauses, und ein Mann trat vorsichtig ein, den Edrahil nach Bayyins Beschreibung als den Schmuggler Izem erkannte.
Hinter Izem folgten zwei seiner Männer, und Edrahil sagte: "Bitte. Eure Männer sollten draußen bleiben, wie besprochen." Izem blieb stehen, und betrachtete den Raum eingehend. "Warum sollte ich euch trauen?", fragte er misstrauisch. "Ich weiß ja nicht einmal was ihr wollt, und ihr habt eure eigenen Leute hier."
"Das ist richtig", erwiderte Edrahil. "Und deshalb ist eure Sicherheit ausreichend gewährleistet." "Pah", spuckte der Schmuggler zur Antwort aus. "Und wer beschützt mich vor euch?"
Edrahil seufzte, und lehnte sich ein Stückchen weiter zurück. Er hatte damit gerechnet, dass die Köpfe von Umbars Unterwelt trotz seiner Forderung auf ihrem Begleitschutz bestehen würden, und sagte: "Also gut. Einer darf reinkommen, alle anderen bleiben draußen." Auf diese Weise würde er, wenn er die Kampfkünste der Zwillinge richtig einschätzte, trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit die Kontrolle über den Raum behalten könne.
Izem zuckte mit den Schultern, und sagte etwas in einem Edrahil fremden Dialekt zu seinen Männern, woraufhin einer der beiden sich umwandte und wieder in die Gasse hinaus ging. Edrahil neigte dankbar den Kopf, doch bevor er etwas sagen konnte, öffnete sich die Tür erneut, und ein bulliger Mann mit dunkler Haut trat ein. Bei Izems Anblick blieb er wie angewurzelt stehen, und zischte: "Izem!"
Der Angesprochene fuhr herum, erstarrte ebenfalls und sagte verächtlich: "Was macht der hier?"
"Ich habe Farnaka eingeladen", sagte Edrahil ruhig, obwohl er sich gewünscht hätte dass die beiden Schmuggler in etwas größeren Abstand eingetroffen wären. "Ich weiß, dass ihr Konkurrenten seid..."
"Konkurrenten?", fuhr Izem dazwischen. "Dieser Hund..." Edrahil ließ sich jedoch nicht beirren. "...aber ich brauche euch beide - und ihr braucht mich." Trotzdem legte Izem die Hand an seinen Dolch, und augenblicklich schlossen neben Edrahil auch die Zwillinge die Hände um die Griffe ihrer Waffen.
"Bitte, lasst den Dolch stecken." Edrahils Stimme war eisig, und er ließ keinen Zweifel daran, dass es sich keineswegs um eine Bitte handelte.
Der Blick des Schmugglers flackerte zu ihm hinüber, und er ließ seinen Dolchgriff los. "Auch für euch gilt, dass ihr einen eurer Männer mitbringen dürft - nur einen", sagte Edrahil nun zu Farnaka, als ob nichts passiert wäre. Hinter dem größeren Schmuggler standen mindestens drei seiner Männer, anscheinend war er trotz seiner einschüchternden Statur wesentlich vorsichtiger - oder feiger - als Izem. Farnaka nickte, und stellte sich gefolgt von einem seiner Männer in einigem Abstand zu Izem vor Edrahil auf.
"Also, was soll das ganze Schauspiel?", fragte er, und Edrahil hob abwehrend die Hand. "Ich werde euch alles erklären sobald..." Er unterbrach sich kurz, als die Tür sich erneut öffnete. "Nein, ich werde es euch jetzt erklären."

Das Lagerhaus betraten zwei weitere Männer. Der eine war groß und muskulös, mit heller Haut und braunen Haaren. Bei ihm musste es sich um Teijo handeln, und der andere, ein typischer Bewohner Umbars mit hellbrauner Haut und schwarzen Haaren, war nach Bayyins Beschreibung As'ar, dem die meisten Bordelle der Stadt gehörten. Beide Männer waren - im Gegensatz zu den Schmugglern - offenbar selbstsicher genug, dass sie ihre Leibwächter von selbst draußen gelassen hatten.
Edrahil breitete die Arme aus, wobei er darauf achtete dass sein Gesicht weiterhin im Halbschatten verborgen blieb, und sagte: "Willkommen, As'ar und Teijo. Ich freue mich, dass ihr euch entschieden habt, zu kommen."
Die Neuankömmlinge stellten sich zwischen Izem und Farnaka, und Teijo sagte mit leiser Stimme, die dennoch den ganzen Raum zu erfüllen schien: "Und ich freue mich über eure Einladung." Edrahil wurde sofort klar, dass der Ostling mit Abstand der gefährlichste der vier war.
"Ich komme gleich zum Punkt", sagte Edrahil, und spannte sich innerlich an. Er spielte ein gefährliches Spiel, nicht weniger als während seiner ersten Tagen in Umbar. Und damals war er in doppelter Hinsicht gescheitert. Er beugte sich vor, sodass sein Gesicht nun im Licht der Lampen deutlich zu sehen sein musste.
"Mein Name ist Edrahil, und ich werde euren Fürsten stürzen." Die unterschiedlichen Reaktionen auf den Gesichtern seiner Gegenüber waren interessant zur beobachten. As'ar und Farnaka zeigten ganz unverholen ihre Überraschung, Izem schien ebenso überrascht, konnte es aber besser verbergen, während Teijo nur mäßig interessiert schien und eine Augenbraue in die Höhe zog.
"Und was soll das hier dann werden?" Farnaka schien sich halbwegs gefangen zu haben, wirkte aber nach wie vor aufgeregt. "Von so etwas habe ich keinen Verdienst."
Teijo lachte nur leise, und Edrahil antwortete: "Erzählt mir, welchen Nutzen ihr von Hasael habt."
Farnaka wich seinem Blick aus, und sagte dann trotzig: "Keinen. Aber das ist noch lange kein Grund, warum..."
Edrahil ließ ihn nicht ausreden. "Doch, das ist ein Grund. Ihr schmuggelt Waffen aus der Stadt um sie anderswo in Harad zu verkaufen. Doch Hasael braucht diese Waffen selbst, solange er gegen Gondor Krieg führt, also sorgt er dafür, dass die Waffen in Umbar bleiben. Also geht er gegen euch vor." Der Ausdruck auf Izems und Farnakas Gesichtern verriet ihm, dass er ins Schwarze getroffen hatte.
"Wenn ihr Hasael stürzt, wer wird dann Fürst von Umbar?", fragte Teijo mit seiner leisen Stimme. "Etwa ihr?"
Diese Frage hatte Edrahil erwartet, und er schüttelte den Kopf. "Nein, nicht ich, sondern sein Neffe Qúsay."
"Der Bastard." Teijo strich sich über das Kinn, an dem er einen dünnen Bart trug. "Nun, wenn das so ist..." Für einen Herzschlag sah Edrahil Gier in den Augen des Mannes aufblitzen. "Ich werde euch helfen. Von Hasael habe ich nichts einzukommen, aber ein neuer Fürst, der mir Dank schuldet..."
"Und ihr, As'ar?", fragte Edrahil, und bemühte sich, sich seine Erleichterung nicht anmerken zu lassen. Dass Teijo zugestimmt hatte kam einem Sieg gleich, denn eigentlich hatte er erwartet, dass der Ostling am schwersten zu überzeugen wäre. Gleichzeitig erwachte aber auch sein Misstrauen über die Bereitwilligkeit mit der Teijo sich bereiterklärt hatte, ihm zu helfen. Der Bordellbesitzer breitete die Hände, die in teuren Lederhandschuhen steckten, aus und sagte: "Ich hoffe nicht, dass ihr von mir Hilfe bei einem gewaltsamen Umsturz erwartet, denn das ist nicht mein Fachgebiet."
Edrahil schüttelte den Kopf. "Nein, ich erwarte von euch eher... andere Hilfe."
As'ar lächelte, neigte kurz den Kopf und erwiderte: "In diesem Fall werde ich es mir überlegen." Edrahil wusste, dass der Mann Hasael keineswegs wohlgesonnen war, und die Steuern die der Fürst auf seine Freudenhäuser erhob, mit Freuden loswerden würde.

Izem schnaubte. "Ihr lasst euch von dem Alten einwickeln wie Fliegen von einer Spinne. Aber er hat insofern Recht, dass Hasael uns mit seinem Krieg allen schadet. Also werde ich es mir ebenfalls überlegen."
"Mehr verlange ich nicht", meinte Edrahil. "Ihr müsst mir lediglich einen Boten schicken, und ich werde euch in alles einweihen." Er wandte sich Farnaka zu, doch der Schmuggler schüttelte vehement den Kopf. "Nein, euer Vorschlag ist Wahnsinn, und ich werde auf gar keinem Fall mit dem zusammenarbeiten. Gehabt euch wohl." Mit drei Schritten war er an der Tür, riss sie auf und verließ mit seinem Leibwächter die Halle. Für einen Augenblick herrschte Schweigen, dann wandte auch Izem sich ab. "Ihr hört von mir." As'ar verließ das Lagerhaus schweigend, und übrig blieb nur Teijo, den Edrahil die ganze Zeit über nicht aus den Augen gelassen hatte, und der diesen Wink offenbar verstanden hatte. Bevor er den Ostling allerdings ansprach, sagte Edrahil über die Schulter zu Valion: "Folgt Izem und Farnaka. Tötet Farnaka bevor er sein Versteck erreicht, und legt seinen Kopf vor Izems Versteck ab."
Er wartete nicht ab, ob der Junge etwas zu sagen hatte, sondern bedeutete den Zwillingen mit einem Wink, aufzubrechen.

Valion und Valirë zur Verfolung Farnakas auf die Straßen...
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Ein gefährlicher Verbündeter
« Antwort #9 am: 28. Okt 2016, 23:08 »
Sobald Valion und Valirë das Lagerhaus verlassen hatten, sagte Teijo: "Da habt ihr ja zwei interessante Gestalten, Edrahil. Schade, dass sie schon für euch arbeiten..."
Edrahil ging nicht darauf ein, sondern stand auf und warf dem Ostling das Metallplättchen, dass Valirë bei Bayyins Rettung erbeutet hatte, zu. "Kommt euch das bekannt vor?"
Teijo fing das Plättchen geschickt auf und betrachtete es einen Augenblick eindringlich, wobei er mit der linken Hand seinen Bart zwirbelte. "Sicher, aber wie kommt ihr..." Er stockte, hob den Kopf und seine Mundwinkel verzogen sich zu einem Grinsen. "Ah. Dann waren es diese beiden, die vor nicht allzu langer Zeit einen meiner Trupps niedergemacht haben? Mutig von euch, mir das zu verraten."
Edrahil zuckte nur die Schultern, denn er hatte in den Augen seines Gegenübers trotz dessen Worten keine echte Drohung erkennen können. "War nicht persönlich gemeint." Teijo lachte auf, ein kurzes, hartes Lachen. "Ihr habt Humor, Mann. Aber ihr habt Glück, ich bin deswegen nicht wütend auf euch. Schließlich seit ihr ja nicht gezielt gegen mich vorgegangen - oder?" Edrahil schüttelte den Kopf, obwohl die Frage sicherlich nur rhetorisch gemeint gewesen war. Er konnte sich nicht vorstellen, dass Teijo nicht im Detail über den Vorfall Bescheid und den Auftrag seines Schlägertrupps Bescheid wusste.
"Nein, meine Leibwächter haben nur einen weiteren meiner Leute verteidigt. Leider ist uns der Anführer des Trupps entkommen." Er beobachtete Teijo, der interessiert eine dünne Augenbraue hob, aufmerksam. "Nach meinen Informationen haben eure Kampfhunde meine Männer sehr gründlich getötet", widersprach der Ostling, und drehte dabei nachdenklich das Erkennungszeichen zwischen den Fingern. Edrahil beschloss, zumindest einen Teil seiner Karten auf den Tisch zu legen.
"Ein Mann namens Mustqîm ist ihnen entkommen, und später noch einmal über den Weg gelaufen", erklärte er, und ein Schatten der Verärgerung huschte über Teijos Gesicht. Dieses Detail war dem Söldnerführer offenbar bislang entgangen, und Edrahil vermutete, dass dafür schon bald der ein oder andere seiner Untergebenen würde büßen müssen. "Sagt euch dieser Name etwas?"
Teijo hatte sich schnell wieder gefangen, und seufzte theatralisch. "Edrahil, versucht ihr mich auf so plumpe Art und Weise auszuhorchen? Ich pflege nichts über meine Kunden herum zu erzählen."
Edrahil lächelte. "Er ist also keiner eurer Männer, wie ich mir gedacht hatte." "Ihr seid klug, das muss ich euch lassen", erwiderte Teijo, und dieses Mal funkelte in seinen dunklen Augen eine echte Drohung. "Vielleicht klüger als gut für euch ist."
"Ja, das habe ich auch bereits festgestellt", meinte Edrahil, vordergründig unbekümmert, doch er musste an seinen Aufenthalt in Hasaels Kerker denken, und wie er sowohl Hasael als auch Saleme zugleich unterschätzt hatte. Noch einmal würde ihm das nicht passieren, dieses Mal würde er sich besser vorbereiten. Also beschwichtigte er: "Es war auch gar nicht meine Absicht, euch eure Geheimnisse zu entlocken. Aber ihr und ich, wir haben das gleiche Ziel: Den Sturz Hasaels."
Teijo nickte widerwillig. "Je früher wir ihn los sind und dieser Krieg, der mir meine Männer stielt vorbei ist, desto besser." Daher wehte also der Wind, dachte Edrahil sich zufrieden. Teijos Motivation, ihm zu helfen, war ihm im Gegensatz zu Izem und As'ar bis jetzt nicht klar gewesen, doch nun hatte er begriffen. Offenbar gingen dem Ostling durch den immer länger werdenden Krieg langsam aber sicher die Handlanger aus.
"Dieser Mustqîm steht diesem Ziel im Wege, und er benutzt eure Männer dazu." Der erste Teil war selbstverständlich Spekulation bis Lüge - zum einen wusste Edrahil bis auf die Tatsache, dass Mustqîm es anscheinend darauf abgesehen hatte, sie am erreichen von Arandirs Reisebericht zu hindern, nahezu nichts über dessen Ziele, und zum anderen hatte das wenig direkt mit Hasaels Sturz zu tun. Die Wahrheit war aber, dass Mustqîms Einmischung sich auch störend auf den Versuch, den Fürsten zu stürzen, auswirken konnte.
"Ihr habt vermutlich recht", meinte Teijo zögerlich. "Ich kann euch allerdings nicht wirklich weiterhelfen, denn ich weiß nichts über diesen Mustqîm. Ich wusste darüber Bescheid, dass er einen einzelnen Mann überfallen wollte - auch wenn er dazu alleine sehr wohl in der Lage gewesen wäre - aber nicht mehr." Edrahil fragte sich, ob der Mann log um etwas vor ihm zu verbergen, kam jedoch zu dem Schluss, dass Teijos Geschichte glaubhaft war. "Aber wenn ihr wollt, kann ich meine Männer nach dem Kerl suchen lassen", bot der Ostling an, und überraschte Edrahil damit. Anscheinend meinte er es ernst und war gewillt, viel zu tun um Hasaels Sturz in die Wege zu leiten. "Tut das", antwortete Edrahil, und kratzte sich nachdenklich am Kinn. "Aber vorsichtig, er darf nicht merken, dass ihr ihm auf den Fersen seid."
Teijo zog spöttisch beide Augenbrauen in die Höhe, nickte aber und machte einen Schritt zu Tür. "Braucht ihr sonst noch irgendwas von mir?"
Edrahil verneinte. "Ich kontaktiere euch, wenn ich eure Hilfe brauchte."
Bevor Teijo das Lagerhaus verließ, warf er einen Blick auf die beiden muskelbepackte Seeleute, die immer noch regungslos zu beiden Seiten der Tür standen, und fragte mit der Hand auf dem Türgriff und eine spöttischen Lächeln: "Ich hoffe doch, ihr habt mir nicht die gleiche Behandlung zu gedacht wie dem armen Farnaka?" Edrahil schüttelte nur stumm den Kopf, und Teijos Lächeln wurde noch breiter. "Gut. Das könntet ihr euch auch nicht erlauben." Mit diesen Worten verschwand er auf der sonnendurchfluteten Straße, und ließ Edrahil mit dem Gedanken zurück, dass er einen sehr gefährlichen Verbündeten gewonnen hatte - ein zweischneidiges Schwert.

Edrahil in sein Versteck
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Mustqîms Verhör
« Antwort #10 am: 10. Nov 2016, 20:26 »
Edrahil, Valion und Valirë von den Straßen Umbars

"Für wen arbeitest du?" Edrahil versetzte Mustqîm, der gefesselt auf einem Stuhl in der Mitte des Lagerhauses saß, eine kräftige Ohrfeige, und rieb sich dann die schmerzende Hand. Er war noch nie ein Freund körperlicher Folter gewesen, und erst recht nicht, wenn er sich selbst die Hände dabei schmutzig machen musste. Doch in diesem Fall sah er keine andere angemessene Möglichkeit - und außerdem war Mustqîm nur ein Haradrim.
"Das habe ich deinen Kettenhunden schon erzählt, alter Mann", stieß der Gefesselte hervor und bewegte vorsichtig den offensichtlich schmerzenden Kiefer.
"Ihr erlaubt?", fragte Valirë. Edrahil nickte knapp, während er um den Stuhl herumging, und mit der linken Hand seinen Dolch zog. Zugleich rammte Valirë Mustqîm mit ganzer Kraft die Faust in den Magen, und zischte: "Ich sehe nur einen Mann winseln wie einen Hund." Tatsächlich war dem Gefangenen einzelner Schmerzenslaut entschlüpft, und die Fesseln hinderten ihn daran, sich reflexartig zusammen zu krümmen.
"Man ist immer nur so alt, wie man sich fühlt...", sagte Edrahil leichthin, als wäre nichts geschehen, beugte sich vor und zog Mustqîm langsam die Schneide seines Dolches über die Wange. "Ich glaube dir jedenfalls kein Wort von dem, was du ihnen erzählt hast. Du bist kein einfacher Dieb, und es wäre ein merkwürdiger Zufall, dass du nun bereits zum dritten Mal versuchst meine Pläne zu durchkreuzen."
"Von mir erfahrt ihr gar nichts", stieß Mustqîm zwischen zusammengepressten Zähnen hervor, und Edrahil hörte mit Genugtuung, dass seine Stimme ein wenig schwankte.



Nach dem Kampf in Farnakas Haus hatten sie sich so schnell wie möglich von dort zurückgezogen, bevor weitere Stadtwachen auftauchen konnten. Teijo hatte die Aufgabe übernommen, den Kopf des verstorbenen Schmugglers vor Izems Versteck abzuliefern, während Edrahil und die Zwillinge den gefesselten Mustqîm in das leerstehende Lagerhaus am Hafen gebracht hatten. Den Weg hatte Edrahil damit verbracht, Valion nach der geheimnisvollen Ta-er zu befragen, doch der Junge wusste offenbar ebenfalls nichts über sie. Das trug nicht gerade zu Edrahils guter Laune bei, denn auch wenn die Frau zuletzt scheinbar auf ihrer Seite gestanden hatte, war ihm Unwissenheit zuwider.
Im Lagerhaus angekommen, hatten sie Mustqîm trotz seines Widerstands auf einem Stuhl festgebunden und mit dem Verhör begonnen - das trotz Edrahils Anstrengungen lange erfolglos geblieben war.



"Also gut", sagte Edrahil mit zusammengebissenen Zähnen. "Wenn das alles nichts hilft... Holt mir einen großen Eimer Wasser aus dem Hafenbecken. Mal schauen, wie gerne unser tapferer Bandit ertrinkt."
Als Valion zögerte, machte Edrahil eine auffordernde Bewegung. Auch wenn er das hier nicht sonderlich genoss, hatte er keine Zeit für die Gewissensbisse des Jungen.
"Ihr verschwendet hier nur eure wertvolle Zeit mit mir... Zeit, die Euer Sohn vielleicht nicht mehr hat!"
Edrahil fuhr herum, und plötzlich war sein Dolch, den er eigentlich weggesteckt hatte, wieder in seiner Hand und unter Mustqîms Kinn. "Was hast du gesagt, Abschaum?"
Das überlegene Grinsen war trotz der diversen kleinen Wunden und blauen Flecke auf Mustqîms Gesicht zurückgekehrt, doch Edrahil scherte sich nicht darum.
"Ihr habt mich schon verstanden." Die Spitze des Dolches zitterte und ritzte die Haut unter Mustqîms Kinn ein.
"Woher weißt du davon?"
"Ach, ich glaube das behalte ich für mich... Ich erzähle es euch ein anderes Mal!" Mit einer raschen, fließenden Bewegung zog Mustqîm die Hände aus den Fesseln, wand Edrahil den Dolch aus der Hand und stieß ihn mit ganzer Kraft von sich. Edrahil taumelte rückwärts, und schon hatte Mustqîm auch seine Beinfesseln durchschnitten und sprang auf, den Dolch in der Hand.
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Eine neue Gelegenheit
« Antwort #11 am: 10. Nov 2016, 21:16 »
Schneller als eine Schlange versetzte der Bandit Edrahil einen Hieb gegen sein gutes Bein, und der Herr der Spione taumelte nach hinten. Valion war völlig überrascht worden, und ehe seine Reflexe einsetzen konnten war Mustqîm bereits aufgesprungen und an der Hintertür. Valirë reagierte schneller, doch Mustqîm duckte sich unter ihrem Schlag hinweg, riss die Tür auf und war hindurch. Als Valion wenige Sekunden später versuchte, ihm zu folgen, musste er feststellen, dass der Bandit die Tür von außen verriegelt hatte.
"Verdammt!" fluchte er und eilte mit schnellen Schritten zur Vordertür.
"Mach dir keine Mühe, er ist längst über alle Berge," sagte Edrahil, die Stimme voller Müdigkeit und Enttäuschung. Der Spion sah nicht gut aus. Valion hatte ihn noch nie so erlebt. Irgendwie hatte Mustqîm es geschafft, Edrahil aus der Fassung zu bringen und ihn unaufmerksam werden zu lassen.
"Edrahil?" fragte Valirë mit Verwunderung und Sorge. "Was ist los mit Euch? Geht es Euch gut?" Sie trat heran und nahm Edrahils Arm, doch er riss sich grob los.
"Lass mich," zischte er. "Ich weiß, dass ich einen Fehler gemacht habe. Es wird nicht wieder vorkommen."

"Das hoffe ich sehr," sagte eine neue Stimme. Sie fuhren herum und fanden Minûlîth im Türrahmen der Vordertür stehen. Die Adelige trug ein tiefrotes Kleid und war offenbar allein. "Denn obwohl euer wertvoller Gefangener entkommen ist setze ich nach wie vor große Hoffnungen in euren Erfolg, meine Freunde."
"Was soll das heißen?" fragte Edrahil misstrauisch.
"Es heißt, dass sich eine Gelegenheit ergeben hat," antwortete Minûlîth und durchquerte den Raum. "Eine Gelegenheit, die viel zu gut ist, um sie ungenutzt verstreichen zu lassen."
"Wovon sprecht Ihr?" wollte Valirë wissen.
Minûlîth zog ein aufgerolltes Pergament hervor und ließ es auf den Tisch fallen, auf dem noch immer der Wassereimer stand, den Edrahil vor kurzem verlangt hatte. Valion rollte sie auf und las vor:

An die wohlgeschätzte Herrin Minûlîth von Haus Minluzîr,

Ich, Hasael, der Fürst von Umbar und Scheich der Quahtan, habe die große Ehre, am 12. Tag dieses Monats das Fest der Meereswinde zu feiern. Wie Ihr wisst ist dies seit vielen Jahren Tradition in Umbar und als Fürst dieser großartigen Stadt fällt es mir zu, Traditionen wie diese zu erhalten und zu pflegen. Erwartet ein üppiges Banket, nur die edelsten Gäste, und allerlei Tanz und Unterhaltung für erlesene Geschmäcker. Möge dieses Fest alle bisherigen Feste übertreffen!

gez. Hasaël bin Qasim bin Abdul-Abbas al-Quahtani-Qasatamiyun, Fürst von Umbar, Scheich der Quahtan und Erbe Quasatamirs.

Edrahil schnaubte verächtlich. "Bis auf die Unterschrift hat Hasael das niemals selbst verfasst. Würde er diesen Ton auch nur anzuschlagen zu versuchen würde er wohl daran ersticken."
"Ich sehe, Ihr habt bereits die Bekanntschaft unseres ehrwürdigen Fürsten gemacht," kommentierte Minûlîth amüsiert.
"Dieses Fest," warf Valirë ein, "welche Gelegenheit bietet es uns?"
"Einen einfachen Weg ins Innere des Palastes, die perfekte Ablenkung, und die Möglichkeit, Hasael und seine wichtigsten Verbündeten auf einen Schlag aus dem Weg zu räumen," erklärte Minûlîth triumphierend. "Und das ist noch nicht alles."
"Was noch?" fragte Edrahil kurzangebunden. Seine schlechte Laune schien von Augenblick zu Augenblick zu verfliegen.
"Ich habe erfahren, wo eure verschwundene Prinzessin ist," enthüllte die Adelige und lächelte.
"Lothíriel? Wo ist sie?" fragte Valion, doch er ahnte die Antwort bereits.
"Sie ist in Hasaels Palast," stellte Edrahil fest.
Minûlîth nickte bestätigend. "Gut erkannt, Meister Edrahil. Eine meiner Dienerinnen hat sie gesehen. Es geht ihr gut, keine Sorge. Doch am Tag nach dem Fest soll sie zu Sûladan gebracht werden. Ich fürchte, dort wird es ihr weniger gut ergehen...."
"Das werden wir verhindern," sagte Valion entschlossen. "Aus genau diesem Grund kamen meine Schwester und ich nach Umbar. Wir werden Lothíriel retten."
"Da hast du verdammt Recht, kleiner Bruder," stimmte Valirë zu.
"Sehr gut, sehr gut," lobte Minûlîth. "Eure Entschlossenheit ist anregend, meine Lieben. Doch wir werden einen guten Plan brauchen, um alle unsere Ziele am Tag des Festes zu erreichen."
"'Wir', Herrin Minûlîth?" fragte Edrahil und betonte das Wort sehr deutlich. "Was macht Euch zu unserer Verbündeten?"
"Ich will Hasaels Sturz ebenso sehr wie Ihr," gab die Adelige zurück. "Wenn auch aus anderen Gründen."
"Ehrlich gesagt wundert mich das," fuhr Edrahil fort. Die Müdigkeit und Verwundbarkeit waren von ihm abgefallen und er hatte wieder ganz zu seinem ruhigen und überlegenen Selbst zurückgefunden. "War es nicht Euer eigener Vater, der die Flotte von Umbar in der zweiten Schlacht um Dol Amroth anführte? Entstammt Ihr nicht einer Familie von Schwarzen Númenorern? Wieso solltet ihr uns, euren Feinden aus Gondor, helfen wollen?"

Für einen winzigen Augenblick sah Valion so etwas wie echte Überraschung in Minûlîths Augen aufblitzen. Sie machte einen unmerklichen Schritt rückwärts, doch gleich darauf fing sie sich wieder und schien ihre Zuversicht zurückzugewinnen.
"Ich will ehrlich mit Euch sein, Edrahil," setzte sie an.
"Das würde ich sehr wertschätzen, meine Dame," kommentierte dieser.
Minûlîth seufzte leise. "Ich weiß, dass das wahrscheinlich schwer zu glauben sein wird, doch meine Schwester und ich folgen nicht dem Weg unserer Vorfahren. Mein Vater hingegen tat dies mit Leidenschaft. Wir hatten uns schon seit Langem entfremdet. Er war kaum noch daheim, sondern fast nur noch auf See, und verbrachte die letzten Jahre in Pelargir. Er überließ mir schon vor vielen Jahren das große Erbe unserer Familie und sagte, dass er sich in Gondor das doppelte unseres Vermögens holen würde. Ich bin froh, dass er sein Ende fand, ohne dieses Versprechen wahr gemacht zu haben."
Valirë legte Minûlîth mitfühlend einen Arm um die Schulter, doch die Adelige blickte nur Edrahil an. "Ich weiß, dass Ihr durch Korsaren, wie mein Vater einer war, alles verloren habt. Dennoch müsst Ihr mir glauben. Ich habe gute Absichten. Thorongil hat das erkannt, und er hat mir vertraut. Die Zwillinge vertrauen mir - ich sehe es in ihren Augen. Und wenn Ihr Hasael stürzen, Lothíriel retten und Euren Sohn wiederfinden wollt, bitte ich euch inständig, mir ebenfalls zu vertrauen. Es steht zu viel auf dem Spiel um es nicht zumindest zu versuchen. Ich lege mein Schicksal in Eure Hände, Edrahil. Ich bin alleine hergekommen. Ihr könnt mich gefangen nehmen oder töten, und auf eigene Faust versuchen, das Fest für Eure Zwecke zu nutzen. Doch selbst wenn Ihr mir nicht glaubt, denkt an die Vorteile - ich kann euch ungesehen ins Innere bringen und eure Feinde ablenken. Mit mir habt ihr größere Chancen als ohne mich."
Sie holte tief Luft. "Also frage ich Euch, Edrahil von Belfalas: Werdet Ihr mir vertrauen?"
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Eandril

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Neue Gelegenheiten, neue Gefahren
« Antwort #12 am: 11. Nov 2016, 17:47 »
Edrahil zögerte, denn irgendwo im seinem Hinterkopf kreisten seine Gedanken noch immer um das, was Mustîm vor seiner Flucht gesagt hatte und hinderten ihn daran, so schnell zu denken wie sonst. Und außerdem war er sich wirklich nicht sicher, was er auf Minûlîths Frage antworten sollte. Schließlich holte er tief Luft, schüttelte den Kopf und antwortete: "Nein, ich vertraue euch nicht. Aber nehmt euch das nicht zu Herzen, ihr seid damit in guter und zahlreicher Gesellschaft."
Bevor Minûlîth etwas erwidern konnte, hob er die Hand und fuhr fort: "Aber ihr habt insofern recht, dass unsere Chancen, unser Ziel zu erreichen, deutlich besser sind als ohne euch. Und dass ihr uns verraten habt, wo Lothíriel gefangen gehalten wird, spricht immerhin ein wenig für euch."
Er wusste nicht recht, was er von der Adligen halten sollte. Auf der einen Seite störte es ihn, dass sie offensichtlich viel über ihn wusste was eigentlich nur äußerst wenigen bekannt war. Doch auf der anderen Seite hatte sie sich als wertvolle Informationsquelle erwiesen, und den Zwillinge bereits einmal aus einer gefährlichen Situation geholfen - und sich damit selbst in Gefahr gebracht. Auch ihre Anwesenheit hier war für sie selbst nicht ungefährlich - erst recht, seit Mustqîm entkommen war. Beim Gedanken an den Banditen, biss Edrahil zornig die Zähne zusammen. Er schob den Gedanken beiseite und konzentrierte sich auf das, was er am besten konnte.
"Wenn euch das ausreicht um für den Moment mit mir zusammen zu arbeiten, würde ich eure Hilfe gerne annehmen", schloss er, und Minûlîth wechselte einen fragenden Blick mit den Zwillingen. Zu Edrahils Zufriedenheit nickte Valion unmerklich. Obwohl er den Jungen zu Anfang nur für eine Ansammlung von Muskeln und wirren Vorstellungen von Ruhm gehalten hatte, schien dieser Edrahil inzwischen halbwegs einschätzen zu können und begriffen zu haben, dass Minûlîth kein größeres Entgegenkommen erwarten konnte.
"Also... gut", erwiderte die Adlige schließlich langsam. "Ihr seid ein misstrauischer Mann, Edrahil."
Edrahil zog eine Augenbraue in die Höhe. "Es hat seine Gründe, warum ich noch lebe."
Auch wenn sich das heute hätte ändern können...
"Dieses Fest der Meereswinde ist also in vier Tagen... Das ist weniger Zeit zur Planung als mir lieb wäre, aber ich stimme zu, dass es unsere beste Gelegenheit sein könnte, an Hasael heranzukommen."
Er rieb sich das Kinn, während er nachdachte. Vier Tage waren nicht viel, erst recht nicht in einer Stadt in der er sich noch immer nicht genug auskannte, aber es musste ausreichen. Und wenn Lothíriel nach dem Fest zu Suladân gebracht würde, wäre sie endgültig aus seiner Reichweite, also mussten sie handeln.
"Valion, du wirst auf Herrin Minûlîth auf dieses Fest begleiten", sagte er in einem Tonfall, der keinen Zweifel daran lassen sollte, dass es sich um einen festen Beschluss und keinen Vorschlag handelte. "Aber wir brauche eine Tarnung für ihn, eine Identität, die er währenddessen annehmen könnte..."
"Wir könnten ihn als Verlobten meiner Schwester Lóminîth ausgeben", schlug Minûlîth vor, und Edrahil beobachtete leicht amüsiert den Ausdruck der Überraschung auf Valions Gesicht.
"Sehr gut", stimmte er zu. "Ich nehme an, ihr werdet euch um alles diesbezüglich kümmern?"
Minûlîth nickte, doch bevor jemand etwas sagen konnte, wurde die Tür des Lagerhauses aufgestoßen. Alle vier fuhren herum, und die Zwillinge hatten sofort ihre Waffen gezogen, und Minûlîth hatte die Hand an ihre Hüfte gelegt, wo sie anscheinend einen Dolch unter dem Kleid verborgen trug. In der Tür stand eine Edrahil nur allzu bekannte, tief verschleierte Gestalt.
"Sieh an, die ehrwürdige Saleme beehrt uns mit einem Besuch", sagte er in lockerem Tonfall, obwohl Salemes Haltung eindeutig feindselig war.
"Dies ist kein Höflichkeitsbesuch", gab die Assassinin in eisigem Tonfall zurück. "Ihr lebt nur meinetwegen, und jetzt muss ich feststellen, dass ihr mit meinen Feinden zusammenarbeitet."

Edrahil war sich der offensichtlichen Verwirrung auf seinem Gesicht wohl bewusst. Er warf Minûlîth einen Seitenblick zu, doch diese schüttelte nur den Kopf. Anscheinend war sie nicht gemeint - oder wusste es zumindest nicht. Ohne jemandem Zeit zu geben, etwas zu widersprechen, fuhr Saleme fort: "Ich werde euch bis zu Hasaels Sturz gewähren lassen, Edrahil. Doch sobald ihr unser Ziel erreicht habt, werde ich euch als meinen Feind betrachten."
"Wenn ihr euch das leisten könnt...", gab Edrahil in nun ebenso eisigem Tonfall zurück. "Bei all eurer Selbstsicherheit könntet ihr dennoch feststellen, dass es nicht allzu klug ist, mich zum Feind zu haben."
Ohne ein weiteres Wort wandte Saleme sich ab, und ließ die Tür ins Schloss fallen. Edrahil stieß den angehaltenen Atem aus, und meinte: "Nun, ich habe keine Ahnung was sie meinte. Jemand anderes vielleicht?"
Wie es aussah, würden seine Probleme in Harad mit Hasaels Sturz keineswegs weniger werden.
Als niemand auf seine Frage antwortete, seufzte Edrahil und fügte hinzu: "Nun, wir können uns davon jetzt nicht ablenken lassen. Also an die Arbeit!"
« Letzte Änderung: 22. Jan 2020, 16:10 von Fine »

Oronêl - Edrahil - Hilgorn -Narissa - Milva

Fine

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Planungen und Vorbereitungen
« Antwort #13 am: 11. Nov 2016, 21:56 »
Sie verbrachten den Rest des Vormittags damit, ihre Pläne zu besprechen und festzulegen. Edrahil und Minûlîth erwiesen sich als nahezu ebenbürtige Strategen und Pläneschmieder und ergänzten sich mehr, als sie wohl zugeben würden. Valion und Valirë steuerten zwar nur wenig zur Planung bei, doch auch sie waren von der professionellen und produktiven Stimmung erfasst worden, die den kleinen Raum an den Docks erfüllte. Gemeinsam fügten sie Teilstück an Teilstück, bis sich daraus ein lückenloses Bild ergab, wie sie das Fest der Meereswinde am besten zur Erreichung ihrer Ziele nutzen würden. Sie hatten zwei vorrangige Ziele: Lothíriels Befreiung und Hasaëls Sturz. Die Beschaffung von Arandirs Karte wurde als Nebenziel festgelegt, dessen Wichtigkeit zwar hoch, aber nicht ganz so dringlich wie die anderen beiden Ziele eingeschätzt wurde.

Gegen Mittag, als alle Pläne gemacht und alle Aufgaben verteilt waren, zog sich Minûlîth zurück. "Túor wird sich schon fragen, wo ich bleibe. Wir werden uns wiedersehen, wenn die Zeit gekommen ist," sagte sie und ging. Edrahil und die Zwillinge blieben jedoch weiterhin in ihrer neuen Unterkunft am Hafen, und auch Bayyin stieß bald dazu. Sie waren den Rest des Tages damit beschäftigt, Details zu den fertigen Plänen zu besprechen und erste Besorgungen zu machen. Edrahil wirkte auf Valion so, als wäre er vollkommen in seinem Element. Es erinnerte ihn an seine Kindheit, in der Edrahil stets im Hintergrund die Fäden in Dol Amroth gezogen hatte und seiner Schwester und ihm immer wieder das Leben schwer gemacht hatte. Valion war froh, diesmal auf der Seite des Herrn der Spione zu stehen. Doch er machte sich Sorgen um Valirë, die ihr Verhalten gegenüber Edrahil weiter verändert hatte und ihm nun kaum noch von der Seite zu weichen schien. Sie erfüllte ihm jeden noch so kleinen Wunsch, und Valion kam nicht umhin zu bemerken, dass Edrahil dies zwar auffiel, er es jedoch nur zu gerne ausnutzte. Valirë hingegen schien das nicht zu stören - oder sie verstand nicht, was vor sich ging.
Ich bin wirklich froh, dass ich keine Frau bin, dachte Valion und seufzte.

In den nächsten drei Tagen machten sich die Zwillinge auf Edrahils Vorschlag hin mit den Straßen Umbars vertraut. Sie unternahmen weite Streifzüge durch alle Viertel, bis sie sich die Straßenverläufe und Gassen genaustens eingeprägt hatten und nicht mehr auf Edrahils kleine Vögel angewiesen waren, um den Weg zu ihren Zielen zu finden. Jede freie Minute verbrachte Valion dabei, mit seinen Schwertern zu üben. Einfache Übungen wie diese halfen ihm, seine Gedanken zu ordnen. Es gab so vieles, das er noch nicht verstand.
Wer ist diese Saleme, die so plötzlich aufgetaucht und Edrahil zu ihrem Feind erklärt hat? Was hat sie gemeint, als sie sagte, dass wir mit ihren Feinden gemeinsame Sachen machen? Bezüglich dieser Angelegenheit hatte er aus Edrahil nicht ein einziges Wort herausbekommen. Doch auch andere Angelegenheiten beschäftigten ihn. Minûlîth und ihre Familie sind schwer zu durchschauen, auch wenn ich ihnen traue, allein schon um Thorongils Willen. Aber was könnten ihre wahren Ziele sein? Was wollen sie wirklich? Stimmt es wirklich, dass Minûlîths Vater am Agriff auf Dol Amroth beteiligt war? Edrahil hatte dies zwar behauptet, es hatte sich dabei aber durchaus um einen Trick handeln können, um die Adelsdame aus der Fassung zu bringen. Valion hatte, als er in den Schlachten von Dol Amroth gekämpft hatte, zumindest keinen Korsarenkapitän zu Gesicht bekommen, der Minûlîth ähnlich gesehen hatte. Und dann ist da noch diese mysteriöse Kämpferin, die sich Ta-er as-Safar nennt... Edrahil hatte ihm auch zu ihr nichts sagen können, außer dass ihr Name "Gelber Vogel" in der Sprache der Haradrim bedeute, und sie mit dem Akzent der Tamazikhen, einem südlich von Umbar verstreut lebenden Haradrim-Stamm, zu sprechen schien. Es bleibt abzuwarten, ob wir sie überhaupt wiedersehen, dachte er. Und, was ihre wahren Absichten sind...

Am Tag vor Hasaëls Fest besuchten die Zwillinge Minûlîth in ihrem Anwesen, und Valion erhielt ein festliches Gewand und einen prunkvoll verzierten Umhang nach der Art, wie sie die Adeligen Umbars trugen. "Als Verlobter meiner lieben Schwester solltest du auch angemessen aussehen," sagte Minûlîth und lächelte. "Außerdem wirst du einen anderen Namen tragen. Ich schätze... Balkahil würde gut zu dir passen."
"Ist das ein alter númenorischer Name?" fragte er neugierig.
"Ganz recht," antwortete sie.
Auch Lóminîth schien die Sache zu gefallen. Sie verhielt sich anders als bei ihrem ersten Treffen mit Valion; kam ihm jünger und enthusiastischer vor.
"Ich war noch nie verlobt," scherzte sie und ergriff Valions Hand. "Das wird lustig werden! Stell' dich auf einige lange Gesichter ein, wenn sie hören dass ich vergeben bin. Wir werden eine Menge Spaß auf dem Fest haben!"
"Darum geht es nicht, Schwester," ermahnte Minûlîth sie streng. "Es geht darum, unsere Heimat zu retten. Auch das Schicksal von Cousine Arannís steht auf dem Spiel, vergiss das nicht."
"Werde ich nicht," beschwichtigte Lóminîth ihre ältere Schwester. "Du musst dir keine Sorgen um mich machen. Der Plan wird funktionieren. Aber dass heißt nicht, dass er nicht auch Spaß machen kann!" Ein breites Lächeln bedeckte ihr hübsches Gesicht.

Von Mustqîm gab es während ihrer Vorbereitungszeit kein Zeichen. Der Bandit blieb spurlos verschwunden. Nach Farnakas Tod war der Untergrund Umbars in Aufruhr geraten, und Izem und Teijo taten alles, um die Ordnung wieder herzustellen (und die Lücke zu füllen, die Farnaka hinterlassen hatte). Izem, der nun seinen ärgsten Konkurrenten verloren hatte, verschrieb sich jetzt vollständig Edrahils Sache, und auch Teijo sagte seine Unterstützung zu. Die Dinge schienen sich genau nach Edrahils Plan zu entwickeln.
Allerdings hörten sie von den Kindern, die Edrahil Informationen zutrugen, immer wieder das Gerücht, dass in der Nacht Schatten durch die Straßen und über die Dächer schlichen und auf der Suche nach arglosen Opfern waren. Valion tat dies zwar als naives Gerede ab, aber Edrahil schien diese Gerüchte ernst zu nehmen, und murmelte leise "Saleme..." vor sich hin, als er dachte, dass ihn niemand hörte. Valion entschied, noch wachsamer zu sein und ging nun nirgendwo mehr hin, ohne bewaffnet zu sein. Vor allem vor den Stadtwachen nahm er sich in Acht.

Der Tag des Fests kam endlich heran, und die Stadt füllte sich mit mehr Menschen als Valion es für möglich gehalten hatte. Bereits am frühen Morgen waren die Straßen so sehr verstopft, dass kaum ein Durchkommen war. Sie trafen sich ein letztes Mal in ihrem neuen Unterschlupf an den Docks und gingen den Plan noch einmal durch. Alles schien bereit und alle Puzzleteile an ihrem Platz zu sein. Valion spürte, wie seine Anspannung wuchs, doch auch seine Zuversicht hatte sich mit jedem Teil der Vorbereitung, den sie erfolgreich abgeschlossen hatte, vergrößert. Heute wird Hasaël stürzen und seine Herrschaft über Umbar beendet werden, dachte er. Heute verändern wir das Schicksal Umbars.


Edrahil und die Zwillinge auf die Straßen Umbars
« Letzte Änderung: 17. Nov 2016, 22:49 von Fine »
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Eandril

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Re: Der Hafen von Umbar
« Antwort #14 am: 13. Jan 2017, 23:33 »
Edrahil, Minûlîth und Thorongil von Minûlîths Anwesen

Während Edrahil noch hinter Minûlîth die Planke an Bord der Aglarbalak hinauf humpelte, rief Thorongil der Besatzung bereits Befehle entgegen. Oben angekommen lehnte Edrahil sich an die Reling des Schiffes, und massierte sein linkes Knie, das nach den heutigen Strapazen wie Feuer brannte. Nur wenige Augenblicke, nachdem er das Deck betreten hatte, wurde die Planke eingezogen, und von einer günstigen Windböe aus dem Osten getrieben, setzte sich das Schiff des Hauses Minluzîr in Bewegung. Während Thorongil sie durch den Hafen steuerte, beobachtete Edrahil von seinem Platz an der Reling aus das Chaos, das vom Rest der Stadt inzwischen auf den Hafen übergriffen zu haben schien. Auf einigen Schiffen wurde gekämpft, und andere strebten ebenso wie die Aglarbalak dem Ausgang des Hafens zu.
"Anscheinend sind wir nicht die einzigen, die die Stadt sehr eilig verlassen", sagte Edrahil zu Minûlîth, die neben ihm an der Reling stand und auf den Hafen blickte. "Ja...", erwiderte sie, und deutete auf die Schiffe mit schwarzen Segeln, die nach und nach ablegten, um die anderen zu verfolgen. "Ich hoffe nur, sie schaffen es."
"Und wir am besten auch", ächzte Edrahil, denn ein scharfer Schmerz schoss durch sein linkes Bein und zwang ihn, sich an einem nahen Tau festzuhalten. "Über uns mache ich mir keine Sorgen. Die Aglarbalak kann es an Geschwindigkeit locker mit den schnellsten Kriegsschiffen der Flotte aufnehmen, und ich vermute, dass sie sich erst auf die langsameren Schiffe konzentrieren werden", meinte Minûlîth. "Schlecht für sie, gut für uns", erwiderte Edrahil langsam, und erntete einen strafenden Blick von Minûlîth. "Wahrscheinlich sind einige dieser Leute meine Freunde und Verbündeten. Nur, weil du sie nicht kennst, heißt das nicht, dass..."
"Darum geht es nicht", unterbrach Edrahil sie ruhig, während sie unbehelligt die äußeren Kaimauern passierten und die Gewässer außerhalb des Hafens erreichten. Nur wenig entfernt wurde ein langsameres Handelsschiff von zwei schlanken Kriegsschiffen aufgebracht und geentert. "Es geht darum, dass wir entkommen können, weil sie zu langsam sind."
"Sie haben sicherlich nicht darum gebeten, für unser Wohl in Hasaels Hände zu geraten", sagte Minûlîth, und ihre Stimme klang bitter. Edrahil zuckte mit den Schultern. "Vermutlich nicht. Aber ich werde deswegen keine schlaflosen Nächte verbringen."
"Wie kannst du nur so... kalt sein?" Minûlîth wandte ihm das Gesicht zu, und zu Edrahils Überraschung erkannte er keine Tränen. "Es ist notwendig", antwortete er. "Auf dem Weg, den wir vor uns haben, müssen Opfer gebracht werden, und es bringt keine Vorteil, sinnlos zu trauern um Tote, auf deren Tod wir keinen Einfluss gehabt haben."
"Hatten wir nicht?", fragte Minûlîth, und in ihrer Stimme lag eine bestimmte Schärfe. "Wir haben Hasael nicht verfolgen lassen, und ihm ermöglicht, Unterstützung zu sammeln. Wäre er nicht entkommen..." Edrahil biss die Zähne zusammen, denn was Minûlîth sagte waren genau die Vorwürfe, die er sich selbst machte seit Valirë die Nachricht von Hasaels Rückkehr gebracht hatte. Doch derartige Vorwürfe würden sie jetzt keinen Schritt weiterbringen - wichtig war nur, dass sie einen solchen Fehler nicht wieder begingen, denn das nächste Mal könnte es tödlich enden.
"Und wir hätten... hätten..." Minûlîth sprach nicht weiter, denn Thorongil hatte seinen Platz am Steuer verlassen und stand nun hinter ihnen. "Gibt es ein Problem?", fragte er ruhig, und Edrahil war sich sicher, dass er ihn sofort über Bord werfen würde, wenn Minûlîth auch nur eine Andeutung in dieser Richtung machte. Minûlîth jedoch schüttelte nur langsam den Kopf.
"Abgesehen, dass Hasael Umbar wieder unter seine Kontrolle bringt und alle unsere Pläne gescheitert sind? Nein."
Wortlos zog Thorongil sie in seine Arme, und Edrahil wandte taktvoll den Blick ab. Im Osten verschwand langsam der Hafen von Umbar, im Norden war undeutlich die Küstenlinie von Kap Umbar zu erkennen, und im Süden und Westen gab es nur Wasser. "Nicht alle Pläne...", sagte er leise vor sich hin, während er nach Norden blickte. "Lóthiriel ist befreit, Bayyin hat gefunden was er gesucht hat, und deine Schwester und... Túor sind in Sicherheit."
"Túor ist aus Umbar entkommen?", fragte Thorongil, und obwohl sein Gesicht keine Regung erkennen ließ, lag Wärme in seiner Stimme. "Das freut mich, ich mag deinen Neffen." Edrahil wechselte einen raschen Blick mit Minûlîth, in deren Augen ein stummes Flehen lag, und fragte sich, wie ein solcher Mann so blind sein konnte.
Thorongil hatte den Blick offenbar bemerkt, denn er fragte: "Etwas, das ich wissen sollte?"
"Der Rest unserer Gruppe sollte ein Schiff nördlich von Umbar aufsuchen", erklärte Edrahil rasch. "Wir fragen uns, ob sie es erreicht haben, und ob sie vielleicht verfolgt werden."
"Wir könnten einen Tag hier kreuzen, bevor wir nach Süden weitersegeln", schlug Thorongil vor. "Beobachten, ob die Flotte nach Norden ausläuft. Allerdings werden wir beim ersten Anzeichen von schwarzen Segeln, die in unsere Richtung kommen, verschwinden." Edrahil neigte dankbar den Kopf. "Das würde mich sehr erleichtern."
Oder auch nicht, wenn wir kein Zeichen von ihnen sehen...

Die Sonne stand allmählich tief im Westen, und das Meer war so ruhig, dass Thorongil drei Stühle an Deck geschafft hatte, auf denen sie sich nun unter dem Hauptmast niedergelassen hatten.
"Wir haben uns einander noch nicht vorgestellt", eröffnete Thorongil das Gespräch. "Man nennt mich Thorongil, aus dem Haus der Turmherren." "Oder Tayyad", ergänzte Edrahil mit einem wissenden Lächeln, und Thorongil warf Minûlîth einen kurzen Blick zu. "Nun, die Herrin Minûlîth hatte einiges über euch zu erzählen - nur Gutes, selbstverständlich", erklärte Edrahil weiter. "Mein Name ist Edrahil, Herr der Spione von Dol Amroth - ich habe euren Onkel einmal gesehen, wenn ich richtig liege. Elendar."
"Ihr wart beim Angriff auf Umbar dabei?", fragte Thorongil verwundert, und Edrahil nickte. "Allerdings."
"Davon hast du nie etwas erwähnt", warf Minûlîth ein. "Ich bin nicht unbedingt stolz auf das, was ich dort getan habe", meinte Edrahil, und verzog das Gesicht. Tatsächlich erinnerte er sich an wenig, nur an Rauch, Feuer und einen Kampfrausch, wie er ihn nie wieder verspürt hatte.
"Lassen wir die Vergangenheit ruhen", sagte Thorongil nach einem Augenblick. "Oder zumindest die ferne Vergangenheit. Ich wüsste nämlich gerne, was bei allen Sternen ein Spion aus Dol Amroth in Umbar zu tun hatte, wie er mit Melíril in Kontakt gekommen ist, und was das alles mit dem Chaos in der Stadt zu tun hat."
"Das ist...", begann Minûlîth, und Edrahil beendete den Satz: "... eine lange und verwickelte Geschichte. Aber ich werde..." Er wurde unterbrochen, als eine Stimme von der Spitze des Mastes rief: "Tayyad!"
"Er kennt mich noch von früher, als ich unter diesem Namen lebte", erklärte Thorongil, bevor er zurückrief: "Was siehst du?"
"Segel im Norden!"
Thorongil, Edrahil und Minûlîth wechselten besorgte Blicke, bevor Thorongil die entscheidende Frage hinaufrief: "Welche Farbe?"
"Blau. Hellblau", kam es von oben zurück. Und dann noch: "Es segelt unter gelber Flagge."
Edrahil lächelte. "Tut mir Leid, Thorongil. Ihr werdet auf eure Geschichte noch ein bisschen länger warten müssen... denn dieses Schiff ist die Súlrohír, und wenn alles gut gelaufen ist, bringt sie unsere Freunde mit."
"Noch mehr Segel, diesmal aus Richtung Umbar. Schwarze Segel!", ertönte erneut die Stimme es Ausgucks, und alle Augen richteten sich nach Osten.
"Das sind... viele Schiffe", sagte Thorongil langsam. "Hasael muss seine gesamte verbliebene Flotte auf uns angesetzt haben", meinte Minûlîth. "Was machen wir jetzt?"
Edrahil stieß einen Fluch aus, und schlug mit der Faust gegen die Reling. Dann sagte er mühsam: "Was Thorongil gesagt hat: Wir verschwinden."
"Was?", stieß Minûlîth hervor, und der Schrecken war ihr deutlich anzuhören. "Aber... wir können sie doch nicht einfach im Stich lassen."
"Wir können ihnen aber auch nicht helfen", erwiderte Edrahil, und jedes einzelne Wort war schmerzhaft. Wie um ihm die Entscheidung zu erleichtern, hatte der Wind inzwischen gedreht und eine frische Brise wehte von Nordosten heran. "Nicht gegen so viele Schiffe."
"Er hat recht, Melíril", sagte Thorongil leise. "Wir können nur hoffen, dass sie ebenfalls im Schutz der Dunkelheit entkommen." Die Sonne war inzwischen beinahe vollständig verschwunden, ein roter Halbkreis, der allmählich im Meer versank.
"Aber auf diesem Schiff sind Valion, Valirë, meine Schwester und mein... Neffe." Minûlîth wirkte verzweifelt, doch der Eindruck schwand, als sie die Hände hob. "Nein, sagt nichts. Ich verstehe. Wir können nichts tun, also können wir uns ebenso gut selbst retten. Ich hoffe nur, wir können mit dieser Entscheidung leben." Mit diesen Worten eilte sie über das Deck davon und schlug die Tür, die zu den Kabinen hinunterführte, hinter sich zu. Edrahil und Thorongil wechselten einen betretenen Blick, bevor Thorongil begann, Befehle zu geben und Edrahil den Blick wieder nach Nordosten wandte, den allmählich mit der Dämmerung verschwimmenden schwarzen Segeln zu. Er hatte die Wahrheit gesagt, das Schicksal der Schiffe im Hafen hatte ihn kein bisschen berührt. Doch dieses hier war etwas anderes.
Ich hoffe nur, wir können mit dieser Entscheidung leben.
"Verdammter Mist."

Die Aglarbalak nach Tol Thelyn
« Letzte Änderung: 14. Jan 2017, 01:41 von Eandril »

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