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Autor Thema: An der westlichen Außenmauer  (Gelesen 1642 mal)

Offline --Cirdan--

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An der westlichen Außenmauer
« am: 23. Mär 2013, 11:26 »
Merian und Angbor mit ihrer Spähtruppe von einem Hügel vor Linhir

Zwölf dunkle Gestalten schlichen durch die finstere Nacht durch Büsche und Sträucher auf Linhir zu.
Angeführt von Merian und Angbor drangen die Späher immer weiter zur alten Stadtmauer Linhirs vor. Bei nur leichtem Mondschein waren sie in der Dunkelheit vor möglichen Wachposten  einigermaßen gut getarnt. Jedoch hatte das Dunkel der Nacht auch ihre Nachteile.
Einer der Männer Angbors, der mit an der Spitze der Gruppe ging, blieb abrupt stehen. Obwohl er keinen Laut von sich gab, konnte man ihm doch die höllischen Schmerzen ansehen. Er brach zusammen und gab nur noch „Tribulus“ von sich, bevor er vor Schmerzen nicht mehr Sprechen konnte. „Was ist los, was hat er gemeint?“, frage Merian beunruhigt Angbor. „Haltet ein. Keiner bewegt sich!“, flüsterte Angbor mit einem befehlenden und warnenden Unterton, „ das sind Krähenfüße, bereits in meiner letzten Schlacht um Linhir hatte der Feind diese eingesetzt. Daran hätte ich denken müssen.“ Angbor bückte sich und hob eine der Krähenfüße direkt neben seinem Fuß auf, während die anderen Männer bewegungslos da standen und ebenfalls nach diesen heimtückischen Tretfallen Ausschau hielten.  
Nein, nicht!“, flüsterte Merian plötzlich und trat einige Schritte zu dem am Boden Liegenden  heran. Dieser hatte sein Messer gezogen und setzte es sich an die Kehle um den schmerzenden Qualen zu entfliehen. Von hinten sprach Angbor: „Lass ihn Merian, es ist seine Entscheidung.“ „Wir können ihn doch nicht einfach sterben lassen.“ Doch schon hatte die Klinge einen großen Schnitt gemacht und Blut spritzte heraus.

So vorsichtig wie noch nie in ihrem Leben setzten die Späher ihren Weg fort und ließen den Toten zurück. Die Blicke stets auf den Boden gerichtet arbeiteten sie sich weiter zur alten Mauer vor.

Schon wenige Minuten später befahl Angbor einen erneuten Halt: „Runter und leise! Dort sind zwei Wachposten und dort drüben ebenfalls.“
Im Knien, bei leicht schimmerndem Mond, könnten die Männer erste Blicke durch die Mauer in die Stadt erhaschen. Und auch jetzt sah Merian die schwarz gekleideten Männer auf den noch besser erhaltenen Mauerstücken. Vier Krieger von Angbor brachten sich in eine gute Schussposition und spannten ihre mitgeführten Bögen. „Ist das weise?“, äußerte Merian seine bedenken, „können es nicht auch unsere Landleute sein?“ „Nein, siehst du die Banner nicht? Es ist das Zeichen der Haradrim. Sie halten Linhir unter Kontrolle“, flüsterte Angbor.
Bei dem schlechten Licht hatte Merian die Zeichen gar nicht gesehen.
Die Schützen waren bereit und Angbor gab den Befehl. Vier Pfeile flogen durch die Luft und trafen genau ihre vorher abgesprochenen Ziele. Die Wachposten sackten sterbend zusammen.

Obwohl Merian etwas beeindruckt von dieser Leistung war stellte er sich trotzdem die Frage, ob diese Tat nötig gewesen war. Schließlich hatten sie schon herausgefunden wer hier die Obermacht hat. Er hätte sich jetzt zurück zum Lager gezogen, doch Angbor wollte offensichtlich noch mehr herausfinden.

Die Späher rückten bis zwischen die Mauerstücke vor und suchten dort Blickschutz.  
Derzeit waren keine weiteren Verteidiger zu sehen. Sie rechneten anscheinend nicht mit einem Angriff. Geräusche waren nur in weiter ferne zu hören. Die Häuser waren größtenteils unbeleuchtet und die Fenster mit alten Schiffsplanken zugenagelt. Keine Laterne auf den Straßen war entzündet.  
„Keiner zu sehen“, flüsterte Angbor, „lasst uns weiter vorrücken und erkunden, was hier noch geschieht.“ „Lass uns noch ein wenig warten“, bat Merian, „Ich habe ein ungutes Gefühl. Es wird etwas geschehen.“ Angbor lachte auf: „Ein ungutes Gefühl? Davon habe ich noch nie gehört!“ „Still“, kam es von Merian keine Sekunde zu spät zurück. Von Links marschierte auf der zur Mauer parallel laufenden Straße eine Wachpatrouille von nicht geringer Zahl heran.
Es waren große, in schwarz gekleidete Krieger. Sie trugen Bögen und Köcher auf den Rücken und hatten Fackeln oder Lanzen in den Händen. Es waren Krieger des Südens, Menschen aus Harad. Die Späher zogen sich weiter in den Schatten der Mauerreste zurück.

Merian wollte schon den leisen Rückzug anordnen, nachdem die Haradrim ohne aufmerksam zu werden an ihnen vorbeimarschiert waren und ihnen auch nicht auffiel dass die Wachen auf den Mauern fehlten, als sich eine Holzklappe in der Häuserwand ihnen gegenüber öffnete. Eine Frau in lumpigen Kleidern mit dreckigem Haar und  einigen Schrammen im Gesicht kletterte heraus. Weitere, manche in noch schlimmerer Verfassung, folgten. Eine nach der Anderen zwängte sich durch dieses kleine Loch.

 Dort krabbelt meine Frau aus der Wand. Wie hat sie überlebt? Wie hat sie es angestellt und wie kommt sie an diesen Ort? Haben sie mich alle Belogen? Sie muss entführt wurden sein, verschleppt nach Linhir. Kann es den Wahr sein? Ich werde sie retten und wir werden Glücklich in den Westen gehen und unser Leben leben, wir holen unseren Sohn und dann…und was ist mit meiner Tochter?-
dachte sich Merian, während er aus dem Dunkel auf die nun gut vom Mond beschienene Straße hervor trat. Die Frau kam auf die Knie, erhob sich, sah auf. Die Blicke von Merian und der Frau trafen sich.
Merian wurde enttäuscht, es war nicht seine Frau. Seine Frau war Tod.
Die Frau schrie kurz auf (sie dachte Merian wäre ein Wächter der Haradrim) bis ihre Nachbarin ihr die Hand auf den Mund presste.
„Keine Angst! Wir sind aus Gondor. Wir können euch Helfen“, sprach Merian rasch zu der immer größer werdenden Gruppe Frauen, während Angbor und die anderen sich ebenfalls zeigten. „Ich bin Angbor von Calembel, Führer von Lamedon. Seid ihr auf der Flucht? Wir können euch in Sicherheit geleiten. Kommt mit uns. Alles andere Besprechen wir später.“
Über diese Hilfe waren die Ausbrecherinnen sehr dankbar und beschlossen sofort die Stadt zu verlassen.
Zum großen Erschrecken aller schrie eine der Frauen unerwartet in einer fremden Sprache Worte bis Angbors Schwert ihr den Kopf abschlug.

Erst viel später in einem kleinen, dunklen Raum wurde Merian klar, dass diese Frau im Dienste der Haradrim gestanden haben muss und die gefangenen Frauen Gondors verdeckt bewachen sollte. Bevor alle fliehen konnten, musste sie natürlich Alarm Schlagen und auf diesen Fluchtversuch aufmerksam machen.

Rufe aus dem Stadtinneren waren zu hören. In kürze waren aus fast allen Richtungen heran laufende Männer Harads zu hören und sehen. Die Schreie der Frau hatten ihre Wirkung nicht verfehlt.
„Folgt mir!“, rief  Merian, während er bereits eine große Öffnung in der Mauer ansteuerte. Alle erkannten sofort die große Gefahr durch die in der Dunkelheit anlaufenden Haradrim und folgten Merian.
Über sich, als sie zwischen den Mauerstücken den Weg in Sicherheit suchten, hörten sie einen mächtigen Hornstoß. Weit hallte der Schall über die Stadt und auch hinauf auf den Hügel zu den dort wartenden Männern. Angbor hatte die Lage, von einem in kurze erklommenen halb zerstörten Mauerteil, besser überblickt als die alle Anderen. „Von Norden kommt ein Trupp Reiter, in der offenen Ebene hinauf zum Hügel wird eine Flucht mit dieser geringen Zahl an Kriegern nicht gelingen. Wir werden nieder geritten werden, sollten wir es versuchen. Lasst uns diese Position halten bis die Verstärkung eintrifft!“, rief Angbor von der Mauer herunter bevor er ein weiters Mal in sein Horn bläst um die Hilfe herbei zu rufen.
Teils auf Mauerstücken, teils unten nahmen die Männer und Frauen gleichermaßen gute Kampf- und Verteidigungsstellungen ein. Nicht benötigte Waffen gaben die Männer weiter. Die restlichen Frauen bewaffneten sich mit von der Mauer umher liegenden Steinen. Sie würden kämpfen bis zum Tod, den sie wussten, dass ihr Fluchtversuch eh mit dem Tode bestraft wird.
Ein weites Mal gab Angbor Signal mit seinem Horn, denn er wusste nicht, dass die Krieger auf dem Hügel vor Linhir schon bei seinem ersten Hornstoß zur Hilfe loseilten.
« Letzte Änderung: 20. Aug 2013, 08:11 von --Cirdan-- »

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Nicht alle sind Krieger
« Antwort #1 am: 10. Apr 2013, 23:17 »
Todesangst umfing Merian während er sich ein eine Ecke drückte. Der feste Stein aus alter Zeit bot ihm ein wenig das Gefühl von Schutz und Geborgenheit.
Merian verstand es nicht warum diese Menschen auf Saurons Seite kämpfen. Sie können doch Glücklich in ihrer Heimat mit ihren Familien leben, statt unsere auszulöschen, schoss es ihm immer wieder durch den Kopf.
Er erkannte, dass sie in größter Gefahr schwebten. Die Krieger aus Dol Amroth waren noch nicht eingetroffen und niemand wusste, wann sie ankommen würden.
Er bereute, nicht einfach oben auf dem Hügel gewartet zu haben. Doch jetzt war es für diese Gedanken zu spät.
Ich habe sie in den Tod geführt, dachte sich Merian, während seine Leute, die Krieger Angbors und die Frauen schon im Kampf mit den ersten Haradrim steckten.
Hier kämpfen Menschen gegen Menschen, Sauron ist durchaus gerissen, darin besteht kein Zweifel. Er lässt seine Feinde gegeneinander antreten.
Merian trat aus der Nische heraus, den Haradrim entgegen: „Wem dient ihr? -Sauron, dem Verräter? Er wird euch alle verraten! Er wird keine seiner Versprechen halten. Wir sollten uns lieber verbünden und gemeinsam gegen Sauron vorgehen, solange wir noch können!“
Bist du wahnsinnig Merian?!“, kam es von Angbor herüber, der einem Haradrim grade sein Schwert in Schulter stieß, „mit denen kannst du nicht Reden!“ Und schon kam Merian ein feindlicher Speer gefährlich nahe. Merian taumelte zurück und stolperte dabei über eine der Frauen, die tot und voller Blut am Boden lag.
Merian wollte einfach nur weg. Weg von diesem Ort, weg aus dieser Zeit. Er krabbelte voller Panik über die Frau hinweg wodurch auch seine Kleidung eine blutrote Färbung annahm.
Merian wich soweit zurück wie es ihm möglich war, während er sah, wie seine Landsleute durch die große Übermacht grade zu überrollt wurden.
Ein kurzer Gedanken ließ Merian seinen Blick durch seine, wegen dem Schweiß, nassen, braunen Haare nach Westen schwenken. Er erhob sich leicht, doch als er sah, dass ihre Verstärkung, ihre einzige Hilfe und Hoffnung, grade von den Reitern der Haradrim größtenteils niedergemetzelt wurde, sank er wieder zu Boden.
Merian hörte seine eigenen Worte, die er vor nicht langer Zeit ohne Zweifel in seinem Herzen sprach.

Gegen den Verfall und das Einwirken Saurons bildeten wir stets die vorderste Kampflinie und gekämpft haben wir, lange bewahrten wir Gondors Städte und selbst in der Entscheidungsschlacht, ob wohl vom Kampf befreit, traten wir mit Mut und Glauben an Gerechtigkeit in unseren Herzen den Feinden mit den Schwertern unser Schmieden gegenüber. Selbst wenn die nächste Schlacht verloren ging und wir viele Verluste hatten, sage ich euch, dass die Stärke der Menschen Gondors noch nicht erloschen ist.

Ich bin ein Narr, ich habe mein Volk in den Tod geschickt. Keine Frau, kein Kind in Dol Amroth werden ihre Männer und Väter wieder in die Arme schließen können. Was habe ich getan?
Merian schüttelte das Grauen, während er diese Tatsache erkannte.

Eine laute Stimme zog Merian aus seinen Gedanken.
Es ist genug! Hört auf! Ergebt euch! Genug Blut ist geflossen. Ich biete euch das Leben“, sprach die kräftige Stimme eines Haradrim im perfekten Westron.
Das Leben, na da bin ich ja mal gespannt“, antwortete Angbor spöttisch, der sich bis jetzt auf seiner Position halten konnte und schon einigen Kriegern der Haradrim das Leben genommen hatte. Jetzt zielten nicht wenig der tückischen Pfeile auf ihn und Angbor signalisierte die Kapitulation.
Einige Haradrim traten hervor und entwaffneten und packten Angbor, vier weitere Männer, die mehr oder weniger leicht verletzt überlebt hatten und die fünf Frauen, die sich ebenfalls ergaben. Auch Merian wurde unsanft vom Boden gezerrt, nach Waffen durchsucht und mit den Anderen in eine Reihe aufgestellt.
Ob von den Kriegern auf dem Berghang vor Linhir jemand  überlebt hatte, konnte niemand der nun in Ketten aneinander Gefesselten sehen. Ohne viele Worte wurden sie in Richtung Stadtmitte geführt.

Gerne hätte Merian los geschrien, wäre ausgerastet, aus der Reihe gefallen. Er fühlte die Seelen seiner Männer, die die Grenze der Welt für immer verließen, während er noch immer auf dieser Welt seinen Weg fortsetzte. Wohin? –Das wusste er selber noch nicht. Im Moment war es ihm nicht möglich seinen gewünschten Pfad einzuschlagen. Die Haradrim hatten seinen Körper. Die Entscheidung der Frage, ob sie seinen Willen ebenfalls erobern können, stand noch aus. Doch nicht kampflos würde Merians Geist fallen.

Merian und Angbor zu den Kerkeranlagen im Norden Linhirs
« Letzte Änderung: 23. Apr 2013, 17:57 von --Cirdan-- »