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Autor Thema: Die Straßen von Linhir  (Gelesen 4103 mal)

kolibri8

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Die Straßen von Linhir
« am: 21. Mai 2013, 10:23 »
Qusay aus dem Feldlager der Haradrim.

Innerhalb der Stadt, waren bereits vorsorglich Laternen angezündet worden, die die Straßen ein oranges Licht tauchten. Qúsay folgte der Hauptstraße, grüßte hier und da einen patrouillierenden Soldaten und stoppte als er vor einem großen, bewachten Haus stand. Die Wachen waren anhand ihrer Kleidung eindeutig als Lahmiden zu erkennen. Mitglieder des Stammes dessen Oberhaupt Marwan war.

"Mein Name is Qúsay bin Nazir" sagte er, "Euer Herr Marwan erwartet mich."

Die Wachen nickten und öffneten ihm die Tür.
"Mein Herr Qúsay tretet doch ein." antwortete einer der Wachen.

Qúsay nickte und betrat das Haus.

Qúsay in Marwans Residenz.


« Letzte Änderung: 30. Mär 2015, 13:45 von kolibri8 »
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Re:Hauptstraße
« Antwort #1 am: 2. Sep 2013, 14:28 »
Qúsay und Merian aus Marwans Residenz.

Der Stallbursche stand mit Qúsays gesatteltem Pferd vor dem Haus und gab Merian die Zügel in die Hand. Qúsay stieg auf Rihs Rücken und nahm den Falken von Merian entgegen. Dann verließen sie die Stadt.

Qúsay und Merian in das Umland Linhirs.
« Letzte Änderung: 2. Sep 2013, 14:59 von kolibri8 »
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Re:Hauptstraße
« Antwort #2 am: 1. Feb 2014, 12:29 »
Qúsay von der Jagd

Qúsay ritt durch das Tor, an dem sich seine beiden „Begleiter“ verabschiedeten. Er ritt geradewegs zu Marwans Haus, vor dem der Hausherr bereits wartete. „Wo ist der Sklave?“, fragte dieser. „Abgehauen. Wahrscheinlich versteckt er sich irgendwo in den Wäldern.“ „Tatsächlich? Ärgerlich. Nun gut komm rein.“ Qúsay stieg vom Pferd, gab die Zügel einem Diener in die Hand und betrat das Haus.

Qúsay in Marwans Residenz
« Letzte Änderung: 1. Feb 2014, 15:39 von kolibri8 »
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Re:Hauptstraße
« Antwort #3 am: 1. Feb 2014, 18:10 »
Qúsay und Dirar aus Marwans Residenz.

Vor der Tür standen zwei Pferde gesattelt bereit. Qúsay und Dirar saßen auf und ritten gemächlich in Richtung Nordosttor.

Sie hatten das Stadttor noch nicht erreicht als Dirar das Wort ergriff: „Qúsay, warum ich?“
 „Warum ich dich als meinen Begleiter in dieser Angelegenheit gewählt habe?“
Dirar nickte. Eine Patrouille passierte sie und Qúsay wechselte ins Sindarin: „Wir beiden sind die einzigen Haradrim in der ganzen Stadt mit gondorischem Blut. Würden wir die Kleidung der Gondorer tragen würden wir uns kaum von denen unterscheiden. Männern wie uns werden sie eher zuhören und auch eher Vertrauen in uns fassen, als fremdländisch aussehenden Haradrim. Außerdem ist Marwan beschäftigt, und es gibt dir die Möglichkeit etwas über deine Familie herauszufinden.“
„Ich verstehe. Meinst du wirklich die wissen etwas, das ist schließlich ein halbes Jahrhundert her.“
„Wenn es jemand weiß, dann der Fürst des Landes aus dem du stammst.“

Sie hatten das Tor erreicht. Die Wachen öffneten es und beide ritten hinaus.

Qúsay und Dirar den Gilraen hinauf nach Norden.
« Letzte Änderung: 22. Mär 2014, 18:50 von kolibri8 »
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Die Straßen von Linhir
« Antwort #4 am: 17. Aug 2014, 20:33 »
Odjanas Einstieg

Tage vergingen, Tage in denen nichts geschah. Die Haradrim gingen ihren üblichen Geschäften in Linhir nach und waren scheinbar ahnungslos. Ahnungslos! Ah, wissen sie wirklich nichts? Sie halten hier die Stellung aufgrund irgendeines Befehles und wissen nicht, was wirklich vor sich geht: Gondor steht bereits vor den Toren dieser Stadt, noch versteckt, aber wie lange noch?
Es zerriss Odjana, diese nagende Ungewissheit. Sie zog durch die Gassen von Linhir und wusste nicht, wohin sie ihre Blicke wenden sollte. Wer waren all diese Leute? Ihr kam ein sehr vermummter Haradrim auf der Hauptstraße entgegen. Wer war er? Für wenn kämpft er? Wenn Eandril recht behielt, dann war dies eine schwere Frage.

„Abdaberie war alt, doch nicht dumm. Er hatte Vermutungen, möglicherweise sogar genauere Informationen, dass in Linhir eine Gruppe von Verrätern ihre Macht zu festigen Versucht und du musst Abdaberie töten! Ich sagte dir, ich brauche ihn noch. Ich weis jetzt nicht, was Abdaberie alles wusste. Ich weis nicht, wer vielleicht sonst noch Bescheid weis!“
Eandril wurde ausfallend, als ihn Odjana das letzte Mal getroffen hatte.
„Was glaubst du eigentlich, was das hier ist? Ein Spiel?  -Nein! Es stehen Menschenleben auf dem Spiel und damit meine ich jetzt nicht das deines Vaters, sondern das Leben der Krieger der Haradrim und der Gondorer. Für dich mag das nicht viel zählen, für andere schon!“
Und mit einer Armbewegung hatte Eandril einen Trinkpokal vom Tisch zwischen Odjana und ihm herunter geschmettert.
„Wer bist du wirklich?“, hatte Odjana daraufhin ruhig gefragt.
„Spielt das eine Rolle? Wichtig ist nur, was hier vor sich geht. Spürst du es nicht, Odjana? Hier passiert etwas. Viele Mächte sind am Werk. Du bist an einen Ort gekommen, denn du nicht verstehst. Du befindest dich auf dem schmalen Grenzstreifen zwischen der Welt von Sauron und dem Landen der freien Völker. Es mag dir nicht so vorkommen, aber schon jetzt herrscht hier ein Krieg. Du willst wissen wer ich wirklich bin, auf welcher Seite, der hier unsichtbaren Mauer, ich stehe, dann sag mir zunächst, was du weißt. Du warst bei Abdaberie als er starb und du hast einen Brief entwendet, jenen Brief, denn ich unbedingt haben muss. Habe ich nicht recht? Du musst etwas wissen, sonst währest du wohl kaum wieder zu mir gekommen?“
Odjana ließ sich die Szene noch einmal ganz langsam durch den Kopf gehen: Sie hatte gezögert, wollte zunächst nicht, andererseits brauchte auch sie Hilfe und Informationen. Langsam hatte Odjana den Brief hervorgezogen, geöffnet und dann Eandril mit starrem Blick übergeben. Begierig hatte er ihn gelesen.
Zitat
An den hochgeehrten König von Harad, Suladan,
mich erreichte eure Nachricht, dass ihr planet eines der Kinder des Imrahil entführen zu lassen um somit Imrahil und damit auch ganz Gondor zur Kapitulation zu zwingen.
Ihr bietet demjenigen, der euch eines der Kinder bringt eine mächtige Belohnung; Ansehen, Reichtum und einen guten Posten in euren Reihen. Ich werde euch nicht enttäuschen und euren Plan persönlich ausführen und diese Ehre für mich gewinnen. Ich bringe euch eines der Kinder.

Mit den besten Grüßen aus eurem Vorposten Linhir
Abdaberie
„Das ist gut. Du wirst es nicht verstehen, aber ich hatte mit einer weitaus schlechteren Nachricht gerechnet.“ Da hatte Eandril gegrinst und dann spöttisch fortgefahren: „Und was planst du jetzt? Du willst dem Fürsten seine Kinder klauen? –Mach dich nicht lächerlich.“ „Zusammen haben wir bestimmt eine Chance.“
„Du verstehst es nicht?! Du hast mir entweder nicht zugehört oder willst es nicht begreifen: Nichts würde mir fernerliegen, als Suladan und Sauron zu unterstützen. Odjana, neue Zeiten rücken heran. Du siehst doch, was dieser Krieg mit den Haradrim macht, das muss ein Ende haben! Wer ich bin, Odjana? -Ein freier Mann. Was habe ich dir eben gesagt? -Ein Wandel in Linhir! Sehe dich um, in den Straßen von Linhir und sag mir, was du siehst. Du siehst Haradrim, weitab von ihrer Heimat, die durch den Krieg alle Opfer gebracht haben und jetzt frage ich dich; wem werden sie folgen, wenn es drauf an kommt? Denk nach!“
Vielleicht zu schnell, hatte Odjana geantwortet: „Du bist ein Hochverräter! Du verrätst dein Land, dein Volk…“
„Ich? Sieh dich um? Ich bin hier nicht der Böse. Die Bösen sind unsere Anführer, die sich Sauron unterworfen haben. Doch damit ist bald Schluss. Was glaubst du, warum stehen Wachen auf der Stadtmauer? –Sie verhindern, dass keine Spione der Saurontreuen aus dem Heerlager die Stadt erreichen. Was glaubst du, warum Merian so einfach nach Linhir hineingekommen ist? –Weil wir ihn durchgelassen haben, in jener Nacht.“
„Das kann doch niemals sein? Soviel Einfluss könnt ihr nicht haben.“
„Und was wenn doch? Wenn wir hier die Kontrolle hätten? Odjana, du musst dich langsam entscheiden; auf welcher willst du stehen? Wo willst du sein, wenn sich die freien Haradrim und die Menschen aus Gondor gegen die noch verbleibenden Saurontreuen wenden?“
„Warum erzählst du mir das alles?“ 
„Ist das nicht offensichtlich? Du bist wunderschön und ich hoffe in der neuen Zeit mit dir zusammen zu leben.“

Seitdem hatte Odjana Eandril nicht wieder gesehen und war alleine mit ihren tiefgründigen Gedanken. Sie wusste nicht, wem sie trauen konnte und den Korsaren wollte sie darüber nichts sagen.
Es machte Sinn, was Eandril erzählte, doch glauben konnte sie es nicht. Sie bereute es inzwischen, ihm überhaupt den Brief gezeigt zu haben, ohne dafür wirklich Antworten erhalten zu haben.
Mit Einem hatte Eandril aber auf jeden Fall recht; sie war an einen gefährlichen Ort gekommen.
Was soll ich tun? Eandril verraten? Doch schien es so, als würde er für Höhere arbeiten und für sie spionieren. Dass es eine Gruppe von Verrätern gab, bezweifelte Odjana nicht, doch hatte sie keine Ahnung von ihrer Größe und ihren Anführern. Nur ein Satz blieb ihr in Erinnerung, den ihr Vater zu Merian gesagt hatte; „Und was ist mit Qúsay und Marwan, planen die etwas?“. Doch wem sollte sie trauen, jedem, dem sie vom Verrat erzählen konnte, könnte auch ein Verräter sein. Sollte sie es jemandem erzählen, oder den Dingen ihren Lauf lassen? Noch immer war sie der Idee der Entführung eines der Kinder Imrahils nicht abgeneigt.

Der vermummte Mann ging an Odjana vorbei und hinterließ nicht mehr, als einen üblen Geruch.
Odjana blieb kurz stehen und sah ihm nach, doch dann forderte ein anderer Haradrim Odjanas Aufmerksamkeit. Er kam durch die Straße gerannt und beorderte die Krieger zum Marktplatz: „Rasch, Männer Harads, eine Einberufung auf dem Marktplatz!“ Die Männer nahmen ihre Waffen und eilten in Richtung Stadtmitte. Odjana folgte ihnen, der üblichen Neugier wegen.

Odjana zum Marktplatz
« Letzte Änderung: 30. Mär 2015, 13:28 von --Cirdan-- »

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Re:Hauptstraße
« Antwort #5 am: 1. Dez 2014, 16:31 »
Qúsay, Dirar und Azerwal aus dem Norden

Qúsay, Dirar und Azerwal ritten so schnell es ihre Pferde erlaubten nach Süden. Als sie aus dem Wald auf die Ebene vor den Toren Linhirs kamen, sah man sie am Nordtor und ließ dieses öffnen.

Kaum war das Tor geschlossen brachten die drei Reiter ihre Pferde zum Stehen. Der Torwächter entpuppte sich als ein Gefolgsmann Marwans und begrüßte Azerwal sehr herzlich, tatsächlich waren sie Brüder, bevor er sich an Qúsay wandte: „Es ist gut euch zu sehen Herr,  das Heer hat sich auf dem Markplatz versammelt, ihr solltet direkt dorthin reiten.“ Qúsay nickte, verabschiedete sich von Azerwal und dem Torwächter und ritt mit Dirar zum Marktplatz.

Auf dem Markplatz war die Versammlung gerade beendet worden und die Haradrim gingen wieder in alle Richtungen auseinander. Marwan stieg gerade vom Podest, als Qúsay am Markplatz eintraf, also brachte Qúsay sein Pferd zum stehen und stieg ab.

„Marwan“, rief Qúsay, „was ist passiert?“ „Ich konnte sie überzeugen den Angriff nach Sonnenuntergang zu starten.“ „Damit haben wir noch Zeit uns vorzubereiten.“

Qúsay, Dirar und Marwan in Marwans Residenz
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Re:Hauptstraße
« Antwort #6 am: 1. Dez 2014, 16:36 »
Qúsay und Marwan aus des letzteren Residenz

Qúsay und Marwan stiegen auf ihre Pferde. Marwans und Qúsays Männer hatten das für die Haradrim übliche Rot abgelegt und waren allesamt in Schwarz gekleidet, bereit für eine Schlacht im Schutz der Dunkelheit. Nach einem Handzeichen von Marwan setzen sich die Krieger in einer Marschkolonne in Bewegung.

Vor den Toren wartete bereits das Hauptheer auf ihre Nachhut. Die Schwarze Schlange auf Rot, Suladans Banner, wehte deutlich sichtbar unter einer Vielzahl von Bannern der Vorhut und dem Kern des Heeres voraus, während Marwans Banner, drei goldene Mondsicheln auf schwarzem Grund, neben Qúsays Banner, ein einfaches grünes Tuch, der Nachhut voraus getragen wurden. Die Sonne ließ ihre letzen Strahlen auf das Heer des Südens fallen, dann verschwand sie hinter den Bergen im Westen. In der Vorhut wurde zum Marsch geblasen und das Heer, sechstausend Mann an der Zahl, setzte sich in Bewegung.

Das Heer der Haradrim zur Schlucht und Schlacht bei Linhir
« Letzte Änderung: 9. Feb 2015, 16:06 von kolibri8 »
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Odjana vom Hafen

Kämpfen und brechen, befreien und laufen für die Freiheit der Gefangenen!
Nachdem nächtlichen Wecken durch das Kreischen des Nazgûl, schien ganz Linhir auf den Beinen. Nicht zuletzt Odjana und die freien Haradrim aus Qúsays und Marwans Reihen, die sich um die Kerker zusammenzogen und die gefangenen Gondorer befreiten.
Unter Angbor, dem Fürsten von Lamedon, vereinten sich immer mehr der befreiten Männer, Frauen und Kinder aus Gondor und zogen durch die Straßen von Linhir, brachen in Häuser ein und befreiten Weitere ihres Volkes. Saurontreue Haradrim wurden angegriffen und bezwungen, die freien Haradrim zwar mit Argwohn betrachtet, aber auch als Befreier gesehen. 

Vom nördlichen Teil der Stadt, in dem die Kerker lagen und viele Gefangene gehalten wurden, breiten sich die Befreiten aus. Viele von ihnen hatten keine Waffe und nahmen, was sie in Werkstellen ober bei Toten finden könnten. Ihre zahlenmäßige Überlegenheit und der Überraschungsmoment waren die Vorteile der Gondorer.   

Abdul-Aziz hatte einfach zu viele seiner Krieger in die Schlacht außerhalb von Linhir geführt und die Stadt nahezu ungeschützt gelassen. Aber nicht alle saurontreuen Haradrim waren derzeit in der Schlucht. Einige der freien Haradrim warnten Angbor davor, sich zu weit in Linhir auszubreiten, denn im Lager der Haradrim, auf der anderen Seite des Flusses Gilrain, waren noch viele feindliche Krieger stationiert.
Doch die alarmierten saurontreuen Haradrim im Süden waren nicht das größte Problem, wie Odjana, wie auch alle Anderen, zu spät erkannte. Unerwartet und ohne Vorwarnung brach ein Trupp von einigen Hundert Mann in die Stadt ein. Sie ritten auf Pferden und wurden von ihrem Anführer Abdul-Aziz zu furchtbaren Grausamkeiten angetrieben. Die freien Haradrim und ihre neuen verbündeten Menschen Gondors auf den Straßen hatten kaum eine Chance gegen die Reiter. Odjana flüchtete sich mit vielen ihrer Begleiter in die Häuser, wo die Pferde ihnen nicht folgen konnten. „Zum Hafen“, hörte Odjana die schmetternde Stimme des Abdul-Aziz.
Erst als die Reiter verschwunden waren, kamen die Freiheitswollenden wieder aus den Häusern und fanden auf den Straßen ein Blutbad vor. Wer nicht rechtzeitig Deckung gefunden hatte, war übergeritten oder von einer Waffe der saurontreuen Haradrim getroffen worden. Wie ein unaufhaltsamer Tornado waren die Reiter die Hauptstraße hindurch geprescht.   

Odjana sah sich um und blickte in trauernden Augen von Vätern, Müttern und Kindern, die ihre Liebsten tot in den Armen hielten.
Odjana fühlte nichts. Sie kannte die Leute nicht.


Odjana zum Marktplatz


« Letzte Änderung: 30. Mär 2015, 13:37 von --Cirdan-- »

kolibri8

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Die Straßen von Linhir
« Antwort #8 am: 28. Mär 2015, 12:31 »
Qúsay, Túrin, Merian, Élune und die Reiter aus der Schlucht

Sie waren kaum in Sichtweite der Tore Linhirs, da sahen sie bereits, dass das Tor offen stand. Als sie schließlich durch das Tor ritten, sahen sie auch warum. Die Torwächter lagen erschlagen neben dem Tor. Ein mit Schmerz durchdrungener Schrei kam aus der Mitte der Reiter: Azerwal, der am gestrigen Tag noch Qúsay nach Linhir zurückgeholt hatte, erkannte unter den Gefallenen seinen Bruder. Er stieg vom Pferd, nahm seinen Helm ab und lief zum Körper seines Bruders. Die abgebrochen Spitze einer Lanze steckte ihm noch immer in der Brust, während der Rest der Lanze einige Fuß weiter auf der Straße lag. Als Azerwal den Kopf seines Bruder anhob und leise seinen Namen, Ayrad, sagte, hustete dieser – er war noch am leben. „Hafen“, keuchte er „sie … sie sind zu Hafen geritten“ und hob seinen Arm um ihnen die Richtung anzuzeigen. „Azerwal“ fuhr er an seinen Bruder gewandt fort, „sag unseren Eltern in Tindouf, dass ich…dass ich einen ehrenhaften Tod hatte, und … kümmer’ dich um Dihya, sie…sie wird es … nicht verstehen. Azerwal, Bru…Bruder.“ Damit hauchte Ayrad sein Leben aus und starb; Azerwal brach in ein lautes Schluchzen aus. „Nein, nein“, rief er mehrmals bis seine Stimme vor Trauer erstarb.

Qúsay stieg von seinem Pferd ab und legte seine Hand auf Azerwals Schulter. Der ergriff Qúsays Unterarm und richtete sich auf. In Azerwals Augen konnte Qúsay erkennen wie die Trauer der Wut wich. Bevor Qúsay ihn aufhalten konnte war Azerwal wieder auf sein Pferd gestiegen und gab ihm die Sporen. Qúsay versuchte zwar noch das Pferd an den Zügeln festzuhalten, bekam diese aber nicht richtig zu packen. „Azerwal, nicht!“ rief Qúsay noch hinterher aber dieser hörte nicht und preschte unbeirrt die Straße in Richtung Hafen hinunter.
Qúsay stieg auf sein Pferd und der Reitertrupp ritt weiter zum Hafen.


« Letzte Änderung: 30. Mär 2015, 13:30 von --Cirdan-- »
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Durch die Straßen von Linhir
« Antwort #9 am: 30. Mär 2015, 13:32 »
Durch die Straßen von Linhir

Merian hatte gehofft in Linhir dem Regen entkommen zu können, aber wie sich schnell herausstellte, pfiff der Wind zwischen den Häusern die Gassen entlang und trieb den Regen weiter in Merians Gesicht. Seine Kleidung war durchnässt und er fror. Die wenigen Sonnenstrahlen des Morgen erreichten ihn kaum und brachten keine Wärme mit sich.
Während Merians Begleiter aufrecht auf ihren Pferden saßen und Azerwal und Qúsay die Straße zum Hafen hinunter folgten, klammerte sich Merian krampfhaft an der Mähne seines Reittieres fest. Sein Blick wanderte von rechts nach links und wieder zurück. Merian guckte in jeden noch so kleinen Weg mit der Hoffnung auf ein Zeichen von Angbor oder den Überlebenden seines Dorfes.
Turin lehnte sich leicht von seinem Pferd herüber: „Ich hätte erwartet du würdest dich absetzen und deine Freunde befreien?“ „Ich hoffe, dass sie schon befreit wurden“, antwortete Merian beiläufig, „zu mindestens hat mir Eandril dies versprochen. Ich muss sie nur finden.“

Qúsay hatte Azerwal offenbar zum Anhalten überredet, denn beide warteten vor der letzten Biegung, bevor die Straße auf den Platz des Hafens führte. Kampfgeräusche hörten sie vom Hafen herüber wehen.
„Ist unsere Aufgabe nicht den Weg zur Residenz zu sichern, damit Elphir sicher den Heiler erreicht“, fragte Elune, die vermutlich mehr um Elphir besorgt war, als sie es zeigen wollte.
„Unsere Aufgabe ist es, diesen Krieg zu gewinnen und zu beenden!“, erwiderte Azerwal immer noch wutentbrannt. Daraufhin gab er seinem Pferd die Sporen und ritt entschlossen seinen Bruder zu rächen auf den Kai des Hafens von Linhir.
Qúsay folgte ihm und danach der restliche Reitertrupp, während ihnen einige reiterlose Pferde entgegenkamen.


Qúsay, Merian, Turin, Azerwal und ihre begleitenden Reiter zum Hafen.

« Letzte Änderung: 13. Jun 2015, 10:04 von --Cirdan-- »

Eandril

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Re: Die Straßen von Linhir
« Antwort #10 am: 6. Jun 2015, 10:23 »
Hilgorn, Elphir und Marwan vom Schlachtfeld...

Als die Truppe die Stadtgrenze Linhirs erreichte fanden sie die Stadttore offen und unbewacht vor. "Wie es aussieht hat Abdul-Aziz sich nicht damit aufgehalten, die Stadt zu befestigen, sondern zieht die Flucht vor.", bemerkte Marwan.
"Wenn ihnen die Flucht gelingt...", sagte Hilgorn, und Marwan beendete den Satz: "... wird Hasael sehr bald von der Schlacht erfahren. Zu bald. Ich werde zum Hafen reiten und sehen ob ich helfen kann. Geht ihr weiter zu meinem Haus und bringt den Prinzen in Sicherheit."
Hilgorn nickte und erwiderte: "Ich werde euch zehn meiner Männer mitgeben, die euch unterstützen sollen." Marwan beschrieb ihm den Weg zu seiner Residenz und fügte hinzu:"Das Haus besitzt einen Wehrspeicher, der nur über eine Zugbrücke im ersten Stock zu erreichen ist. Der Heiler befindet sich dort. Um eingelassen zu werden müsst ihr ihnen sagen, wer ihr seid, Dírar weiß Bescheid."
"Also gut, wir werden uns auf den Weg machen." Hilgorn und seine Männer brachen mit Elphir in Richtung von Marwans Haus auf, während Marwan seine Soldaten zum Hafen führte.

Hilgorn und Elphir in Marwans Residenz...
Marwan zum Hafen...
« Letzte Änderung: 20. Feb 2016, 22:09 von Fine »

Listen to the wind blow, watch the sun rise
Running in the shadows, damn your love, damn your lies

Sturmkronne

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Re: Die Straßen von Linhir
« Antwort #11 am: 8. Jun 2015, 15:28 »
Das Wasser floss an ihren Händen entlang und wusch das Blut von ihnen. Sie hasste diese weiße Rüstung, auf ihr ließ sich kein Blut verbergen. Dieses Gewand war geeignet für eine Feldschlacht, und genau dafür war Elune nicht einmal im Ansatz geeignet. Ihre Ausbildung hatte sie auf geheime Missionen, auf Infiltration und Verhöre vorbereitet, doch auf eine Schlacht? Nein, dass hatte Elune in der Schlucht vor Linhir gemerkt. Sie war nicht geschaffen für einen Kampf in einem solchen Getümmel. Sie schauderte als sie an die drei Haradrim dachte, die sie gleichzeitig attackiert hatten. Nur mit Mühe und Not hatte sie den Angriffen ausweichen können, und mit ihren Dolchen kam sie nicht an diese Männer heran. Nur mit Mühe und Not hatte sie am Ende einen nach seinem Stolpern erschlagen können, und dann waren auch schon andere Männer Gondors da gewesen und hatten die Haradrim erschlagen. Aber dennoch war ihr in dieser Schlucht eines klar geworden. Sie war nicht für derart unübersichtliche Gefechte geeignet.
Also erhob sie sich und drehte sich zu der Leiche um, die an der Wand gefesselt lag. Seine edlen Kleider waren blutdurchtränkt und sein Gesicht war eine blutleere Maske geworden. Die Leiche sah aus als wäre sie schon lange Tod, doch dieser Eindruck täuschte. Die Fesseln aus Hanf hatten sich tief in seine Handgelenke gebohrt, doch sie hatten gehalten. Der vergiftete Pfeil in seinem rechten Bein hatte auf dem gesamten Bein die Adern schwarz werden lassen, und das linke Bein war völlig verunstaltet durch den Sturz.
Elune redete sich ein, dass der Mann eh gestorben wäre, doch sie konnte sich nicht sicher sein. Zumindest jedoch war dies die perfekte Gelegenheit gewesen. Der Mann, hatte öfters bei den Führungsgesprächen der Haradrim vorne gestanden und hatte wohl auch Qusay selbst oft mit seinem Rat unterstützt. Und dann war er einfach beim Ritt in den Hafen hinein von einem Pfeil getroffen worden, hatte sich vor Schmerzen gekrümmt und war vom Pferd gefallen. Im nachhinein hatte sie erhahren, dass der Pfeil auch noch vergiftet gewesen war. Als dann auch noch ein anderer Reiter auf sein anderes Bein trat, war der Mann ohnmächtig geworden. Elune hatte all das beobachtet, woraufhin sie aus der Kolonne ausgebrochen war, die Kämpfe ignoriert hatte und den ohnmächtigen Haradrim auf ihr Pferd gehoben hatte. Dann war sie mit ihm in die Gassen der Stadt verschwunden, und hatte weit entfernt vom eigentlichen Hafen einen sicheren Platz gefunden. Dort hatte sie ihn dann festgebunden und aus seiner Ohnmacht geweckt.
Plötzlich merkte Elune, dass sie immer noch ihre Maske trug, und nahm sie ab. Die Schlacht war vorüber, dass wusste sie durch den fehlenden Kampflärm. Sie sah weit flussabwärts ein einzelnes Schiff davon fahren und hörte den Schrei eines Nazguls, doch sie vertraute darauf, dass die Stadt gehalten werden würde. Sie reinigte und schärfte nun ebenfalls ihre Dolche und dachte weiter über das Verhör nach.
Der Mann hatte Piruz geheißen, und er war tatsächlich ein mächtiger Mann gewesen. Er hatte sich Hoffnungen gemacht, eine sehr hohe Position unter dem neuen König zu haben, und hatte ihm von Anfang an treu gedient. Nun, vielleicht hatte er das auch nur gesagt um zu überleben, doch Elune war von Anfang an klar gewesen, dass dieser Mann das Verhör nicht überleben würde. Er hatte ihr viel über diesen Qusay, der sich König Harads nannte, erzählt, doch Elune war klar, dass auch er nur ein Haradrim war, und auch ihm würde sie niemals weiter trauen als sie spucken konnte. Alleine schon der Preis, den er für das Bündnis verlangte. Lothiriel würde dem niemals zustimmen, und dass Elphir seine eigene Schwester so verschachert hatte würde sie ihm auch nicht so leicht verzeihen. Aber das zeigte eben nur, was für Barbaren Männer sein konnten. Aber wenigstens schien der Mann gerecht zu sein, und zumindest darin hatte Piruz definitiv nicht gelogen. So kurz vor dem Ende logen Männer nicht mehr.
Elune steckte ihre Dolche wieder ein und löste die Hanfseile an Piruz Handgelenken. Es tat ihr zwar leid, diesen tapferen und starken Mann einfach so zu töten, nur hatte sie keinerlei andere Möglichkeiten gehabt. Sie hatte mehr über diesen Mann erfahren müssen, der behauptete Elphir heilen zu können. Sie packte ihre Folterutensilien wieder in die Satteltasche und warf der Leiche einen letzten Blick zu. Dann stieg sie auf ihr Pferd und ritt mit sauberen Händen zu Marwans Residenz, um ihren Lehnsherrn wieder zusehen und diesen merkwürdigen, Augenklappetragenden Mann, den Piruz als weise und gerecht dargestellt hatte, auch mal als Person kennen zulernen. Mit beiden Dolchen, mehr Weisheit und allen weiteren Dingen die sie brauchte, ritt sie nun durch die Straßen Linhirs.


Elune zu Marwans Residenz
« Letzte Änderung: 20. Feb 2016, 22:08 von Fine »
"And who, are you", the proud Lord said?
Borin ist in Aldburg
Elune ist in Linhir

Eandril

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Re: Die Straßen von Linhir
« Antwort #12 am: 9. Jan 2018, 14:36 »
Hilgorn aus Dol Amroth

"Wie steht es um die Verteidigungsanlagen der Stadt?" Turin, der Hilgorn und das Heer am Westtor der Stadt in Empfang genommen hatte, schüttelte den Kopf. "Nicht allzu gut, fürchte ich." Sie hatten bereits etwa die Hälfte der Strecke durch die Stadt zurückgelegt, und überquerten gerade die große Brücke über den Gilrain. Das Licht der Sonne glitzerte auf dem Wasser des Flusses und erinnerte Hilgorn daran, dass er die beste Mauer gegen Mordor war, die sie hatten. Nördlich von Linhir gab es keine guten Möglichkeiten mehr für größere Truppen, den rasch vom Weißen Gebirge herabfließenden Strom zu überqueren, nur einige kleinere Brücken und gefährliche Furten.
"Die Mauern im Westen sind in einigermaßen gutem Zustand", fuhr Turin fort, und blieb auf dem Scheitelpunkt der Brücke stehen. "Doch von dort wird der Angriff nicht erfolgen. Die Mauern im Osten jedoch..." Er seufzte. "Wir haben getan was wir konnten, doch ihr habt ihren Zustand selbst gesehen, als ihr zuletzt in Linhir wart." Hilgorn erinnerte sich. Die Ostmauern von Linhir waren damals in einem erbärmlichen Zustand gewesen - beschädigt durch Mordors Angriff, als die Stadt in die Hände des Feindes gefallen war, und dann von den Besatzern als Steinbruch genutzt worden. Trotz allem musste Hilgorn zugeben, dass Abdul-Aziz ein vorausschauender Kommandant gewesen war. Für den Fall, dass Linhir Gondor tatsächlich wieder in die Hände fallen würde, wäre sie weitaus schwieriger in Richtung Osten zu verteidigen als gegen Angriffe aus dem Westen.
"Was habt ihr an den Mauern getan?", fragte er, und Turin antwortete: "Wir hatten keine gute Möglichkeit an Steine zu kommen. Also haben wir die meisten Lücken so gut es eben ging mit Erdwällen verschlossen, und einige nicht bewohnte Häuser abgerissen und ihre Steine verwendet um die Mauer zu stärken. Doch es ist alles nur Stückwerk, denn uns fehlten Zeit und erfahrene Baumeister, also fürchte ich, dass sie einem entschlossenen Angriff nicht lange standhalten wird."
"Zweitausend Schwerter und eine bröcklige Mauer gegen die ganze Macht von Mordor...", meinte Hilgorn leise, sodass ihn niemand außer Turin und Balvorn, der ihnen bislang schweigend gefolgt war, hören konnte. "Wie können wir da hoffen, standzuhalten?"
"Nun, wir haben euch", erwiderte Turin, und Hilgorn schüttelte den Kopf. "An mir ist nichts so besonders, dass ich alleine diese Stadt halten könnte. Wenn Imrahil hier wäre, oder einer seiner Söhne... dann würde ich euch zustimmen." Turin jedoch ließ nicht locker.
"Ihr habt den zweiten Angriff auf Dol Amroth abgewehrt, die Schlacht in Morthond gewonnen und Linhir überhaupt erst zurückerobert. Die Männer vertrauen euch." Hilgorn wandte Turin das Gesicht zu, und erwiderte: "Nichts davon ist allein mein Verdienst gewesen. Dol Amroth war der Verdienst von Edrahil, der den Haradrim eine Falle gestellt hatte. Linhir haben wir nur erobert, weil Qúsay und Marwan die Seiten gewechselt haben - alleine wären wir bei dem Versuch vermutlich untergegangen. Und in Morthond haben Valion vom Ethir und Fürst Duinhir ebenso sehr zum Sieg beigetragen, wie ich." Hilgorn sprach nicht nur als Bescheidenheit. Es ängstigte ihn, dass die Soldaten ihn als denjenigen sehen könnten, der sie trotz widrigster Umstände immer wieder zum Sieg führen würde, denn diese Erwartungen, das wusste er, konnte er auf keinen Fall erfüllen. Eines Tages würde er eine Niederlage erleiden, und das wäre für die Moral derjenigen, die zu viele Hoffnungen in ihn setzten, schlimmer sein als alles andere.
Turin seufzte. "Ich sehe schon, ihr habt kein großes Interesse daran, als Held verehrt zu werden. Trotzdem: Wie lauten eure Befehle?"
Hilgorn straffte sich, und blickte nach Süden auf das Hafenbecken, wo drei große Kriegsschiffe vor Anker lagen. Sein Herz machte einen kleinen Sprung als er die Falthaleth, das Schiff seines Bruders erblickte. Er freute sich darauf, Aldar zu sehen, der es immer schaffte, ihm neue Zuversicht einzuflößen.
"Wir werden versuchen, das Ostufer zu halten", sagte er so entschlossen wie möglich. "Sollte ein Wunder geschehen und wir irgendwann weiter nach Osten vorrücken, werden wir diese Brücke brauchen. Dennoch, wir müssen damit rechnen, dass die Osthälfte der Stadt fällt, und in diesem Fall können wir es uns nicht leisten, unsere Leute für eine verlorene Sache zu opfern." Eine leise Stimme in seinem Hinterkopf flüsterte ihm zu, dass sie genau das doch ohnehin taten, indem sie sich Mordor weiter widersetzten, doch er verscheuchte sie und sprach weiter: "Alle Zivilisten, die sich noch östlich des Flusses aufhalten, sollen sich sofort ans Westufer begeben. Sollten wir uns zurückziehen müssen, muss der Weg für die Soldaten frei sein."
"Ein Rückzug wird uns wenig nützen, wenn die Brücke noch steht", warf Balvorn düster ein. "Einige Zeit könnten wir sie vielleicht halten, doch nicht ewig."
"Dann... muss sie zerstört werden, wenn es zum schlimmsten kommt", sagte Hilgorn fest. "Nur wie?"
"Sie ist stabil gebaut", meinte Turin, und klopfte auf das steinerne Geländer der Brücke. "Immerhin müssen Armeen sie überqueren."
"Also genau das, was wir nicht wollen..." Hilgorn beugte sich über das Geländer, und blickte hinunter, wo das Wasser des Gilrain um den Brückenpfeiler floss. Die Brücke wurde von drei paar Pfeilern getragen - eines am Scheitelpunkt der Brücke, wo sie jetzt standen, und je eines näher an den Ufern. "Es dürfte für den Moment reichen, die mittleren Pfeiler zum Einsturz zu bringen", meinte er. "Nur wie?"
"Man könnte Seile um ihre Mitte bringen, und vom Westufer aus daran ziehen", schlug Balvorn vor. "Das würde natürlich eine Menge Kraft erfordern."
Turin schüttelte den Kopf. "Ich denke nicht, dass das ausreichen würde. Wie gesagt, die Brücke ist gebaut worden, damit Armeen über sie marschieren können."
"Haben wir Katapulte auf der Westseite?", fragte Hilgorn, und Turin nickte langsam. "Bei ihrem Rückzug haben die Haradrim zwei Katapulte zurückgelassen, doch sie haben sämtliche Seile gekappt. Wir haben uns bislang nicht darum gekümmert, denn wir hielten sie nicht für wichtig."
"Ihr konntet auch schlecht ahnen, dass euer General damit die Brücke zum Einsturz bringen will", meinte Hilgorn, und lächelte dabei unwillkürlich. Sein Vorhaben kam ihm selbst verrückt vor, doch er sah keine andere Möglichkeit. "Sucht jeden Soldaten zusammen, der irgendetwas von Katapulten versteht", fuhr er fort. "Diese Geschütze müssen hergerichtet und auf die Brücke ausgerichtet werden - und wenn es zum schlimmsten kommt, werden wir die Brücke damit zerstören."
Balvorn verneigte sich knapp, und eilte in Richtung Westen, wo das Heer sein vorläufiges Lager vor der Stadtmauer aufgeschlagen hatte, davon.
"Ich hoffe, dass es nicht dazu kommt...", sagte Hilgorn langsam, doch sein Gefühl sagte ihm etwas anderes. Er glaubte nicht daran, dass sie das Ostufer würden halten können, und das bereitete ihm Sorgen. Denn ein Kommandant, der nicht an den Erfolg seiner Männer glaubte, würde die falschen Befehle geben, und sich vielleicht zu früh zurückziehen - oder zu spät, um genau das zu vermeiden. Er hoffte sehr, dass er den richtigen Augenblick zum Rückzug nicht verpassen würde.

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Re: Die Straßen von Linhir
« Antwort #13 am: 4. Jul 2018, 13:01 »
Hilgorn von den Verteidigungsanlagen

Die Stille, die sich nach dem Schrei des Nazgûl über Linhir gelegt hatte, wurde jäh von einem von Hilgorns Soldaten durchbrochen, als dieser aufschrie: “Sie werden uns alle töten! Wir müssen fliehen!” Hilgorn fuhr herum, und packte den Mann, der ihn aus weit aufgerissenen Augen anstarrte, an den Schultern. “Wir dürfen nicht fliehen”, sagte er laut genug, dass auch die anderen Männer ihn verstehen konnten, und nahm all seine Willenskraft zusammen um nicht selber in Panik zu geraten, als erneut ein Schatten über sie glitt und ein Schrei ertönte. “Wenn wir fliehen werden sie uns töten, sie werden den Fluss überqueren, und alles wird verloren sein. Geordneter Rückzug habe ich befohlen, und wir werden uns daran halten!”
Noch kurz starrten ihn die Augen seines Gegenüber blicklos, von Panik erfüllt an, dann klärten sie sich und ein winziger Funke der Entschlossenheit kehrte zurück. Hilgorn wandte sich wieder zu den Orks vor ihnen um, und gerade rechtzeitig. Die Ankunft ihrer schrecklichsten Verbündeten schien die Kreaturen mit neuem Mut zu erfüllen, auch wenn die Nazgûl bislang nicht direkt in die Schlacht einzugreifen schienen. Die Orks schwenkten brüllend ihre Waffen über den Köpfen, und stürmten dann los. Der Kampf setzte sich so fort, wie vor der Unterbrechung: Die Orks drangen unablässig auf Hilgorns Schar ein, die sich langsam, quälend langsam, in Richtung Fluss zurück zog. Doch mit jedem Augenblick der verstrich, wurde die Aufgabe schwerer, denn trotz Hilgorns Worten gerieten immer wieder einige seiner Soldaten in Panik, wenn der Schatten eines Ringgeistes über sie strich.
“Wir werden uns nicht mehr lange so halten können”, rief einer der Soldaten - es war jener Mann, dem Hilgorn vor kurzem Mut zugesprochen hatte. Hilgorn erkannte, dass der Soldat recht hatte. Ihre Linien dünnten immer mehr aus, und immer wieder stießen sie auch hinter sich auf Orks, die ihre Formation über Nebenstraßen umgangen hatten. “Auf mein Zeichen fliehen wir”, erwiderte Hilgorn, während er mit dem Schwert den Hieb eines Orks parierte. So hatte es keinen Zweck, den geordneten Rückzug weiterhin aufrecht zu erhalten. Die Ankunft der Nazgûl hatte diesen Teil seines Plans allmählich zunichte gemacht. “Wir formieren uns bei der Brücke neu.”
Sein Befehl wurde entlang der Reihe weitergegeben, und schließlich stieß Hilgorn das Schwert in die Luft. “Jetzt!”, rief er, wandte sich um und begann zu rennen. Für einen Augenblick schienen die Orks zu perplex um ihre plötzlich verschwundenen Gegner zu verfolgen, doch als Hilgorn schließlich im Laufen einen knappen Blick über die Schulter warf, hatten sie die Verfolgung doch aufgenommen.
Allmählich begann er die Strapazen des Tages zu spüren - beinahe die ganze Nacht hindurch hatten sie gekämpft ohne sich auszuruhen, und nun spürte er beim Laufen ein verdächtiges Ziehen in den Beinen. Lange würde er das nicht durchhalten, doch zum Glück erreichte er kurz darauf den freien Platz vor der großen Brücke.

Auf dem Platz herrschte Chaos. Überall kämpften Grüppchen von Orks gegen die Verteidiger. Nur in der Nähe des Wassers waren keine Feinde zu sehen, denn einige Kapitäne hatten mit ihren Schiffen so nah an der Brücke Anker geworfen, wie sie konnten, und ihre Mannschaften beschossen nun jeden Ork, der sich nah genug heran wagte, mit einem Hagel aus Pfeilen.
Hilgorn bahnte sich einen Weg durch die Kämpfenden bis zum Fuß der Brücke, wo er auf Turin traf. “Die meisten konnten ihren Rückzug nicht aufrecht erhalten, als die Nazgûl kamen”, erklärte er rasch ohne ein unnötiges Wort der Begrüßung. Hilgorn nickte nur zum Zeichen, dass er verstanden hatte, und versuchte, sich einen Überblick über das Schlachtfeld zu verschaffen. Durch alle Straßen, die von den östlichen Mauern zur Brücke führten, strömten Orks auf den Platz. Noch gelang es den Verteidigern, den Ansturm der Feinde zurückzuhalten - zu einem großen Teil dank der Unterstützung der Schiffsbesatzungen - doch immer wieder gelang es den Orks, sie weiter zurückzudrängen. Hilgorn sah sich nach Balvorn um, der in diesem Augenblick neben ihn trat. “Die Katapulte sind bereit und ausgerichtet”, berichtete der Adjutant. Hilgorn atmete tief durch. “Also gut. Rückzug über die Brücke.”
Noch bevor der Befehl weitergegeben werden konnte, fiel ein gewaltiger Schatten aus dem Himmel und landete inmitten der vorderen Reihen der Verteidiger. Einer der Nazgûl war gelandet, Hilgorn konnte eine finstere Gestalt auf dem Rücken der gewaltigen, haarlosen Bestie die sie trug, erkennen, und ihre Ankunft löste Panik in den Reihen der Verteidiger aus. Ohne auf ihre Gefährten zu achten, begannen die ersten Soldaten zu fliehen, und Hilgorn, Balvorn und Turin mussten aus dem Weg treten, um nicht von den Flüchtenden überrannt zu werden. Die Orks, weiter ermutigt durch den Auftritt des Nazgûl und die Flucht einiger ihrer Gegner, stürmten mit neuer Gewalt los, und auch ohne Hilgorn Befehl wichen die Verteidiger immer weiter zurück. Der Nazgûl am Boden verbreitete Tod in ihren Reihen, und sein Gefährte in der Luft kreiste über dem Schlachtfeld und stieß immer wieder Schreie aus, die die Herzen der Menschen geradezu mit Verzweiflung zu durchbohren schienen.
“So stelle ich mir das Ende aller Tage vor”, meinte Turin düster. Im Osten hatte die Sonne langsam begonnen, über den Horizont zu kriechen, doch ihr Anblick machte Hilgorn nun keine Hoffnung mehr. Turins Worte hatten ihn aus einer Starre gelöst, die die Landung des Nazgûl verursacht hatte, und nun befahl er hastig: “Die Katapulte sollen schießen. Wir werden uns keinen Augenblick länger halten können.” Balvorn eilte davon, um den Befehl weiterzugeben, und Hilgorn brüllte mit aller Kraft, die er seiner Stimme noch geben konnte: “RÜCKZUG!”
Der Kreis der Verteidiger war inzwischen so sehr zusammengeschrumpft, dass er mit seinem Ruf jeden einzelnen der noch kämpfenden Soldaten zu erreichen schien, denn sofort begann der Rückzug, der eher einer Flucht ähnelte, über die Brücke. Die Orks hingegen wirkten vollkommen entfesselt, und stürzten den Verteidigern hinterher wie eine Sturmflut aus dem Gebirge. Von weiter hinten wurde wie Brücke mit einem tödlichen Pfeilhagel überschüttet. Vor Hilgorns Augen wurde Turin von einem Pfeil in den Hals getroffen und fiel. Bevor Hilgorn einen einzigen Schritt in seine Richtung machen konnte, war der Kommandant bereits in der Masse der anstürmenden Orks verschwunden.
Hilgorn wehrte zwei gegen ihn gerichtete Hiebe mit dem Schwert ab, duckte sich unter einem Pfeil weg und begann dann, die Brücke hinauf zu eilen. Noch bevor er ihren Scheitelpunkt erreicht hatte, erzitterte die Brücke unter einem gewaltigen Schlag, und dann einem zweiten. Die Katapulte hatten gefeuert, und die Steine waren gut gezielt gewesen. Beide schlugen genau auf dem Scheitelpunkt der Brücke ein und wirbelten Wolken aus Staub und Steinsplittern auf. Das ganze Bauwerk schien unter Hilgorns Füßen zu schwanken, als ihm eines klar wurde - er stand noch auf der falschen Seite der Brücke.
Doch noch hielt die Brücke, und der zweite der Nazgûl hatte die Gefahr erkannt. Er stürzte sich aus der Luft auf die Stellung der Katapulte hinab, und als er wieder aufstieg, hielt sein Reittier den Wurfarm eines der Katapulte in seinen Klauen. Es ließ den Holzbalken achtlos inmitten der Verteidiger, die sich bereits im Westen in Sicherheit gebracht hatten, fallen, und machte sich daran, das zweite Katapult zu zerstören, bevor es erneut schießen konnte. Dieses Mal schienen die Verteidiger jedoch vorbereitet, ein Pfeilhagel stieg auf und trieb den Ringgeist zumindest kurzfristig zurück - lange genug, dass das Katapult ein zweites Mal feuern konnte.
Das Geschoss schlug direkt vor Hilgorn, der in der Zwischenzeit von den Orks verfolgt beinahe den Scheitelpunkt der Brücke erreicht hatte, ein - genau an der Stelle, wo der vorherige Schuss getroffen hatte, ein wahrer Meisterschuss. Diesmal brach die Brücke, und ein gähnendes Loch tat sich vor Hilgorn Füßen auf, unter dem das Wasser des Gilrain dahinströmte. Die Brücke erzitterte erneut, diesmal heftiger. Zwar waren die beiden Hälften noch durch die Geländer an den Seiten verbunden, doch das reichte bei weitem nicht aus, um sie zusammenzuhalten - nicht jetzt, wo hunderte Orks und Menschen über die Brücke stürmten. Die eine Hälfte neigte sich leicht nach links, die andere leicht nach rechts, und bevor sie weiter reißen konnte, sprang Hilgorn kurzentschlossen über das Loch.
Er landete gerade so auf der anderen Seite, doch der Stein unter seinen Füßen war nicht länger fest genug um ihn zu halten. Einen Herzschlag lang hielt er sich schwankend, dann brach der Stein und stürzte zusammen mit Hilgorn in den Fluss darunter.

Hilgorn schlug auf dem Wasser auf, und ging sofort unter. Jetzt, im Herbst, war das Wasser des Flusses noch eingermaßen warm, sodass ihm die Kälte nicht die Sinne raubte. Glücklicherweise hatte er noch im Sturz tief Luft geholt, und jetzt löste er rasch die Schnallen seiner Rüstung, die ihn wie einen Stein in die Tiefe zog. Zunächst die Stiefel, dann den Schwertgurt und zuletzt den Brustpanzer mitsamt Kettenhemd. Um ihn herum stürzten Steine ins Wasser, und er wusste, dass er so viel Abstand wie möglich zwischen sich und die Brücke bringen musste, bevor diese endgültig zusammenbrach.
Die Strömung, die zwar schwach aber doch spürbar war, hatte ihn bereits ein wenig abgetrieben, und in diese Richtung begann er nun mit kräftigen Zügen zu schwimmen - und gleichzeitig nach oben, in Richtung der Wasseroberfläche. Denn auch wenn er in seiner Kindheit und Jugend oft genug geschwommen und getaucht war um einigermaßen lange die Luft anhalten zu können, fühlten sich seine Lungen doch mit jedem Herzschlag mehr an, als wollten sie bersten. Gerade, als er das Gefühl hatte, die Luft keinen Augenblick länger anhalten zu können, durchbrach er die Wasseroberfläche, und rang nach Luft. Für einen Augenblick geriet sein Mund dabei unter Wasser, was dazu führte, dass er sich verschluckte und drohte, in Panik zu geraten. Doch dann tauchte er wieder auf, hustend und spuckend.
Ohne hinter sich zu blicken, schwamm er noch einige Meter auf die Mündung des Flusses in den Hafen zu, und drehte sich erst dann wieder zur Brücke um. Im selben Moment verdrehten sich die Hälften der Brücken gegeneinander, und die letzten Verbindungen rissen. Mit einem gewaltigen Krachen brach er die westliche, und dann die östliche Brückenhälfte endgültig in sich zusammen. Die Orks, die noch auf der Brücke gewesen waren, kreischten und quiekten panisch, bevor sie gemeinsam mit der Brücke vom Gilrain verschlungen wurden. Eine Staubwolke stieg auf, und die ins Wasser stürzenden Steine lösten Wellen in beide Richtungen aus, die Hilgorn beinahe wieder unter Wasser drückten.
Nach dem Einsturz der Brücke legte sich Stille über den Fluss, die von den Schreien der Nazgûl unterbrochen wurde. Doch diese Schreie lösten keine Furcht und Verzweiflung aus, denn es waren Schreie voller Wut und Enttäuschung, dass ihnen der vollständige Triumph doch noch in letzter Sekunde entrissen worden war. Zwar hatten sie die Schlacht gewonnen, doch der Weg weiter nach Westen, ins Herz des verbliebenen Gondor, war Mordors Streitkräften noch immer verwehrt. Hilgorn lächelte grimmig, während er mit den Armen ruderte, um über Wasser zu bleiben. Um ihn herum trieben inzwischen noch einige andere Soldaten Gondors, die beim Einsturz der Brücke in den Fluss gestürzt waren - es waren nur wenige, nur jene, die das Glück gehabt hatten, nicht von Steinen erschlagen zu werden, und die geistesgegenwärtig genug gewesen waren, ihre Rüstung loszuwerden und unter Wasser nicht die Orientierung zu verlieren. Auf ihren Gesichtern erkannte Hilgorn Erschöpfung, aber zu seiner Erleichterung keine Verzweiflung sondern eher die gleiche grimmige Genugtuung die er selbst verspürte, Genugtuung, Mordor den Sieg in letzter Sekunde doch noch ein wenig verdorben zu haben.

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Re: Die Straßen von Linhir
« Antwort #14 am: 14. Jul 2018, 21:16 »
Nicht lange später erreichte Hilgorn schwimmend, von der hier kaum noch spürbaren Strömung des Gilrain angeschoben, eines der Schiffe, die im Hafenbecken trieben. Dieses und ein anderes Schiff hatten sich nach dem Einsturz der Brücke ein wenig vom Ostufer entfernt um überlebende Soldaten aus dem Wasser zu ziehen, während die übrigen die tobende Orkmasse auf dem Ostufer noch immer mit einem Hagel aus Pfeilen und Wurfgeschossen überschütteten.
Die Besatzung des Schiffes, auf das Hilgorn zusteuerte, hatte ihn offenbar bereits erwähnt, denn direkt vor ihm wurde ein Seil ins Wasser heruntergelassen. Hilgorn ergriff das Seil und begann die hölzerne Schiffswand zu ersteigen, während die Besatzung von oben zog. Als er keuchend aufwärts kletterte - es war anstrengender als er erwartet hatte, und die Kämpfe der Nacht forderten ihren Tribut - konnte er den Schiffsnamen lesen, der in silbriger, geschwungener Schrift in das Holz eingelassen worden war: Falthaleth. Hilgorn konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Von allen Schiffen in der Flotte Dol Amroths war er ausgerechnet auf dem seines Bruders gelandet.
Er erreichte die Reling und stieg tropfnass an Deck, wo sich sofort eine Wasserpfütze um seine Füße bildete. "Sind noch viele andere im Wasser?", fragte er, und strich sich das nasse Haar aus den Augen. Einer der Seemänner, die ihn an Bord gezogen hatten, erwiderte: "Ein paar noch. Aber keine Sorgen, wir fischen sie schon auf." Der Mann streckte Hilgorn ein flaches Fläschchen entgegen. "Hier. Das wärmt dich auf." Bei dieser vertraulichen Anrede wurde Hilgorn klar, dass sein Gegenüber keine Ahnung hatte, wer er war - er hielt ihn für einen einfachen Soldaten. Hilgorn war nicht allzu verwundert darüber, denn natürlich waren die Generäle der Armee den meisten Mitgliedern der Marine ebenso wenig bekannt, wie deren Befehlshaber innerhalb der Armee. Außerdem ähnelte Hilgorn, ohne seine Rüstung und nass wie er war, vermutlich nur sehr wenig seinem üblichen, deutlich gepflegteren Selbst. Im Augenblick kümmerte ihn die Aufklärung des Missverständnisses auch wenig, also nahm er wortlos das Fläschchen entgegen, und nahm einen ordentlichen Zug. Die scharfe, rauchige Flüssigkeit rann seine Kehle hinunter, und sofort schien sich Wärme in seinem gesamten Körper auszubreiten. Man musste es seinem Gesicht angesehen haben, denn der Seemann klopfte ihm mit einem breiten Grinsen auf den Rücken und sagte: "Gut, was? Das Wasser des Lebens nennen wir es, sowas wird nur drüben im Westen von Anfalas gebraut, meiner schönen Heimat."
"Genug geredet, zurück an die Arbeit", polterte eine Hilgorn sehr gut bekannte Stimme. Aldar kam mit festen Schritten die Treppe von der Brücke hinunter, und funkelte den Seemann an, der hastig das Fläschchen wieder an sich nahm, verschloss und in seiner Tasche verstaute. "Es gibt noch jede Menge Landratten aus dem Wasser zu fischen. Und wer weiß, vielleicht lässt und der Admiral dann noch ein paar Orks schießen..." Der Matrose salutierte, doch das Grinsen war auf sein Gesicht zurückgekehrt. "Dann will ich mein bestes tun, Käptn."
Als der Mann die Reling entlang verschwunden war, wandte Aldar sich Hilgorn zu, und lachte laut auf. "Sieh an. Mein kleiner Bruder auf meinem Schiff, und das erste was er tut, ist sich mit dem Stoff meiner Leute volllaufen zu lassen..."
"Es wurde mir geradezu aufgezwungen", erwiderte Hilgorn, und konnte nicht anders, als ebenfalls zu lachen. Die ganze Anspannung der Schlacht fiel mit einem Schlag von ihm ab, und für einen Augenblick vergaß er sogar, dass ihr Lage trotz des kleinen Vorteils, den sie mit dem Einsturz der Brücke erreicht hatten, nicht unbedingt rosig aussah.
"Du darfst es meinen Leuten nicht nachsehen, dass sie dich nicht erkannt haben", meinte Aldar schließlich. "Immerhin..."
"Keine Sorge", unterbrach Hilgorn ihn. "Würde ich einen eurer Kapitäne aus dem Wasser ziehen, würde ich ihn vermutlich auch nicht sofort erkennen. Und ich weiß ja ohnehin, dass unter euch Seeleuten ein anderer Umgang herrscht, als zwischen den Soldaten und ihren Offizieren", fügte er hinzu, auf das Gespräch zwischen Aldar und dem Matrosen anspielend.
Sein Bruder zuckte mit den Schultern. "Hm. Wir sind eben nicht so steif wir ihr Landratten. Und wo wir gerade davon sprechen, wir sollten dich vielleicht so bald wie möglich dorthin zurück bringen, nicht wahr?" Hilgorn nickte. "Allerdings. Die Orks mögen für den Augenblick am Ostufer festsitzen, und die Nazgûl scheinen verschwunden zu sein, doch sie werden sich sicher nicht damit zufrieden geben, das Ostufer eingenommen zu haben - sie vernichten, was von Gondor übrig ist."
"In diesem Fall wirst du an Land gebraucht", meinte Aldar, und pfiff ohrenbetäubend auf zwei Fingern. Sofort stürzten zwei Schiffsjungen herbei, die sich in ihrem Eifer, dem Kapitän zu helfen, beinahe gegenseitig über den Haufen rannten. "Das ist General Hilgorn, der die tapferen Männer dort drüben in der Schlacht angeführt hat", stellte Aldar ihn vor, und deutete dabei auf das Westufer, wo sich die Verteidiger sammelten und neu formierten. "Und nebenbei ist er auch noch mein Bruder, also seht zu, dass ihr ihn so schnell und sicher wie möglich mit dem Beiboot ans Ufer bringt. Worauf wartet ihr noch?"

Hilgorn hatte kaum Zeit gehabt, sich erneut von Aldar zu verabschieden, so schnell hatten ihn die Schiffsjungen zum Beiboot geführt und durch das Hafenbecken wieder an Land gerudert. Auf dem Platz hinter der zerstörten Brücke angekommen, stellte er erfreut fest, dass die überlebenden Offiziere trotz seines Verschwindens und Turins Tod  die Nerven nicht verloren hatten, sondern den Rückzug weiterhin organisiert und bereits Wachen am Flussufer aufgestellt hatten, die jede Bewegung des Feindes beobachten sollten. Hilgorn befahl außerdem, Boten nach Norden den Gilrain hinauf zu entsenden, und die Nachricht von der Schlacht so rasch wie möglich zu verbreiten - je eher die Wachen jenseits von Linhir gewarnt wurden, desto besser.
"Was ist mit Kommandant Turin?", fragte Balvorn schließlich, und die Gruppe der Offiziere, die sich vor einem Haus am Westende des Platzes versammelt hatte, lauschte gespannt. "Ist er ebenfalls ins Wasser gestürzt?" Hilgorn schüttelte den Kampf. "Er ist auf der Ostseite gefallen - ich habe es gesehen. Er war ein tapferer Soldat und ein guter Anführer, und sein Tod wird nicht vergessen und vergeben werden, ebenso wie der, jedes einzelnen Soldaten, der in dieser Nacht gefallen ist." Er sah sich um, und entdeckte einige hölzerne Kisten, die achtlos aufeinander gestapelt worden waren. Rasch erkletterte er den Stapel, sich seines Erscheinungsbildes nur allzu bewusst, und hob seine Stimme.
"Männer Gondors! Eine ganze Nacht habt ihr gegen die Horden Mordors gekämpft. Wir waren allein, in der Unterzahl, und sogar das Wetter selbst schien gegen uns zu stehen. Und wofür? Für eine zerstörte Brücke, könnte man sagen. Für nichts." Langsam verstummten jegliche Gespräche unter den erschöpften Soldaten, und sie alle lauschten Hilgorns Stimme, die weit über den Platz trug. Er ließ den Blick über die Gesichter seiner Soldaten schweifen, die ihn erschöpft, gespannt, mit grimmiger Entschlossenheit oder leiser Verzweiflung anblicken, und er wusste, dass dieser Moment nach der Schlacht ebenso wichtig war, wie jeder Augenblick des Kampfes - denn wenn sie Verzweiflung die Oberhand gewann, würde es keine weiteren Schlachten mehr geben, nur noch Flucht, Tod und Sklaverei. "Doch nichts von dem, was wir heute getan haben, war am Ende vergeblich", fuhr Hilgorn fort. "Wir werden nicht in der Lage sein, Mordor weiter zurückzudrängen als bis zum Gilrain, doch das wussten wir vorher bereits. Es ist jetzt unsere Aufgabe, die Grenzen unserer Macht zu erkennen - und gleichzeitig zu erkennen, was wir mit der Kraft, die wir haben, tun können. Westlich dieses Flusses leben eure Familien, eure Verwandten und Freunde, das Volk Gondors, in Frieden und Freiheit. Es ist an uns, diese Freiheit zu verteidigen. Mordor mag bis zum Gilrain gekommen sein, doch sie werden keinen Schritt weiter kommen! Unsere Wachsamkeit wird niemals nachlassen, und von diesem Tag an werden wir keinen Feind ungestraft einen Fuß auf das Westufer des Gilrain setzen lassen!" Verhaltener Jubel brach unter den Soldaten aus, doch leider nur vereinzelt.
"Die Horden Mordors sind endlos!", rief eine einzelne Stimme. "Wie können wir hoffen, sie für immer aufzuhalten?" Hilgorn suchte zornig die Menge nach dem Sprecher ab, konnte ihn aber nicht entdecken.
"Das müssen wir nicht", erwiderte er schließlich. Er hätte es gern vermieden, so weit zu gehen, denn er wollte keine Hoffnung in den Männern wecken, die sich am Ende womöglich nicht erfüllen würde - doch nun hatte er keine andere Wahl mehr. "Wir müssen nur eine zeitlang aushalten, ich weiß nicht wie lange. Doch eines Tages werden Verbündete kommen, und gemeinsam mit ihnen werden wir selbst die Dunkelheit von Mordor besiegen können!
Die Welt ist groß, und es leben viele Völker darin, die von Saurons Tyrannei bedroht werden. Es kämpfen bereits Elben des Nordens an unserer Seite, und mehr werden kommen, wenn Herrin Mithrellas aus dem Norden zurückkehrt. Viele von euch waren hier, als wir gemeinsam mit Qúsay und seinen Haradrim diese Stadt eroberten. Nur ihretwegen haben wir heute hier gekämpft, und sie werden zurückkehren, sobald die Gefolgsleute Mordors im Süden besiegt sind.
Und denkt an die zahlreichen Völker des Ostens! Lange hat Gondor gegen sie Kriege geführt, doch auch sie werden eines Tages erkennen, dass der falsche Gott, dem sie folgen, nur Tod und Verderben für die Menschheit bringt - wenn wir ihm lange genug standhalten. Wir mögen nur ein kleiner Teil eines viel größeren Krieges sein, doch wir sind der entscheidende Baustein! Söhne Gondors, die Welt schaut auf uns, das Symbol für den Widerstand gegen Mordor. Und weil ansonsten die Welt unter den Schatten fällt, werden wir standhalten - zur Not bis in die Ewigkeit!" Er wollte das Schwert ziehen und in die Höhe recken, stellte allerdings fest, dass seines gerade auf dem Grund des Gilrain lag. Also stieß er notdürftig die blanke Faust in die Luft, und zu seiner unendlichen Erleichterung war der Jubel, mit dem die Soldaten antworten, viel lauter als vorher.

Hilgorn räusperte sich, während er vom Kistenstapel herunterkletterte. "Ich brauche eine neue Rüstung", stellte er an Balvorn gerichtet fest. "Und ein neues Schwert."
"Ich werde mich darum kümmern", erwiderte der Adjutant. "Allerdings habt ihr so wie ihr ausseht vermutlich mehr Eindruck auf die Männer gemacht als in voller Rüstung - ihr habt eure gesamte Ausrüstung verloren, und seid dennoch bereit, weiterzukämpfen." Von dieser Seite hatte Hilgorn es noch nicht betrachtet, doch was Balvorn sagte, ergab im Nachhinein Sinn. "Wir haben außerdem Nachricht vom Tírn Aear erhalten", fuhr Balvorn fort. "Zwei seiner Patrouillenschiffe haben ein Schiff entdeckt und zum Ufer geleitet, das von Süden kam und offenbar durch den Sturm vom Kurs abgetrieben wurde."
"Also wollte es eigentlich weiter nach Osten... ins von Mordor besetzte Gebiet", schlussfolgerte Hilgorn. "Ich werde es mir ansehen, bevor ich nach Dol Amroth aufbreche."

Hilgorn zu den Gebieten rings um Linhir
« Letzte Änderung: 15. Jul 2018, 22:11 von Fine »

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