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Autor Thema: Das Heerlager Dol Amroths  (Gelesen 5969 mal)

Eandril

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Das Heerlager Dol Amroths
« am: 25. Mai 2013, 11:02 »
Elphir, Hilgorn und Wogrin mit dem Heer Dol Amroths aus Belfalas...


Endlich hatten sie ihr Ziel erreicht. Das Heer Dol Amroths schlug ein Lager hinter einer Hügelkette auf, die es vor den Blicken der Haradrim in Linhir abschirmte. Hinter den Hügeln fiel das Land für weitere drei Meilen sanft bis zum Gilrain, der südlich von Linhir ins Meer mündete ab.

Hilgorn saß von Nacht ab und sah sich um. Die Stelle, die ihm die Späher empfohlen hatten, war wirklich ideal: Gerade außerhalb der Sichtweite Linhirs, aber nah genug, um schnell zu reagieren, sollte sich plötzlich eine gute Gelegenheit zum Angriff ergeben. Von den Hügeln floß ein kleiner Bach herunter, sodass auch die Wasserversorgung kein Problem war. Gerade spielte er mit dem Gedanken, auf die Hügelkuppe zu gehen, um einen Blick auf Linhir zu werfen und sich so einen Überblick über die Lage zu verschaffen, als ihn einer der Soldaten ansprach: "General Hilgorn? Prinz Elphir hat alle Offiziere gebeten, sich in seinem Zelt zu versammeln."
Hilgorn nickte kurz, zum Zeichen dass er verstanden hatte, und machte sich auf den Weg.
« Letzte Änderung: 20. Feb 2016, 22:20 von Fine »

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Lagebesprechung und ein merkwürdiger Fund
« Antwort #1 am: 15. Jun 2013, 11:17 »
Als Hilgorn Elphirs Zelt betrat, hatten sich bereits alle anderen Offiziere um dort versammelt. In der Mitte des Zeltes stand ein Tisch, auf dem eine Karte von Linhir ausgebreitet war, und am Kopfende, dem Eingang und damit Hilgorn gegenüber stand Elphir, die Karte betrachtend.
Als Hilgorn eintrat, hob er den Kopf und sagte: "Nun, da wir vollständig sind, lasst uns beginnen. Ich habe einige Pläne gemacht, die ich gerne mit euch teilen würde.
Unsere Aufgabe ist es, Linhir zurück zu erobern. Dazu müssten wir wissen, wie viele Haradrim sich in der Stadt und in ihrer Nähe befinden, bevor wir zuschlagen, denn wir können nicht gegen eine vielfache Übermacht antreten. Deshalb werden wir Späher ausschicken, die den Gilrain überqueren, und die Gegend östlich der Stadt auskundschaften, denn ich vermute, dass dort noch weitere Streitkräfte der Haradrim lagern.
Außerdem werden wir Posten auf den Hügeln verstecken, die die Stadt Tag und Nacht beobachten. Wenn sich eine Gelegenheit zum Angriff ergibt, müssen wir es sofort erfahren."
"Wenn ihr es wünscht, werde ich mich sofort darum kümmern, mein Prinz.", meinte einer der Hauptmänner. "Tut es.", erwiderte Elphir. Der Mann salutierte, blickte jedoch noch kurz zu Hilgorn, der knapp nickte. Bevor der Hauptmann das Zelt verlassen konnte, ergriff Hilgorn das Wort: "Hauptmann, weder die Posten auf den Hügeln noch die Späher dürfen auch nur für einen Augenblick vom Feind bemerkt werden. Es ist von größter Bedeutung, dass unsere Feinde nichts von unserer Anwesenheit wissen, bis wir angreifen. Macht euren Männern das klar." Der Hauptmann salutierte erneut und verließ das Zelt.

Elphir ergriff erneut das Wort. "Danke, Hilgorn. Dies bringt mich zu meinem nächsten Punkt: Wie Hilgorn schon anmerkte,  dürfen die Haradrim uns auf keinen Fall bemerken. Deshalb müsst ihr euren Männern klar machen, sich möglichst leise zu verhalten, und sich auf gar keinen Fall auf die Hügel zu bewegen. Sollte jemand außer den eingeteilten Wachposten dort hingehen, wird er hart bestraft werden. Niemand verlässt ohne Befehl das Lager, und das Lager endet vor den Hügeln. Ist das klar?" Alle nickten und murmelten zustimmend. Elphir blickte zu Hilgorn, zum Zeichen, dass er mit seinen Befehlen fertig war.

Hilgorn nickte ihm zu, und sagte dann: "Es gibt noch eine weitere Sache: Wir müssen sicherstellen, dass wir nicht zufällig von Spähern entdeckt werden. Deshalb sollten wir nicht nur auf den Hügeln, sondern rund um das Lager Späher postieren, die verhindern, dass jemand in unsere Nähe kommt. Aber diese Wächter sollen feindliche Späher nur abfangen, wenn sie uns zu nahe kommen. Sind sie weit genug entfernt, oder bewegen sie sich ein eine andere Richtung, werden sie nicht angegriffen. Denn wenn zu viele Späher nicht zurückkehren, werden die Haradrim wiederum wissen, dass ein feindliches Heer in der Nähe ist.
Eine weitere Sache noch: Versammelt alle Männer, die aus Linhir oder der Umgebung stammen. Lasst euch die Gegend und auch Linhirs Verteidigungsanlagen so gut wie möglich beschreiben. Es ist wichtig für unseren Erfolg, dass wir alles über die Gegend wissen... am besten mehr als unsere Feinde. Das wäre alles."
Die Offiziere salutierten, und verließen das Zelt. Hilgorn und Elphir blieben allein zurück.

Gerade als Elphir ansetzte, etwas zu sagen stürmte ein junger Soldat ins Zelt, blieb vor Hilgorn stehen und sagte: "General, ihr müsst mitkommen. Wir haben etwas Merkwürdiges gefunden!" Hilgorn blickte zu Elphir, der nickte und ihm mit einer Geste seiner Hand bedeutete, mitzugehen.
"Führ mich hin.", erwiderte er, und folgte dem Soldaten, der sofort loseilte.

Im Norden des Lagers hatten die Soldaten, die dort ihre Zelte aufschlagen sollten, die Überreste eines anderen, kleinen Lagers gefunden: Ein paar alte Feuerstellen und die Reste einiger Zelte. Als Hilgorn eintraf, untersuchte bereits einer der Späher den Platz.
"Es waren wenigstens zwanzig Leute, eher mehr. Die Spuren sind nicht mehr allzu gut zu erkennen, da es in der Zwischenzeit geregnet hat, aber es sieht so aus, als seien sie nach Osten gegangen... Richtung Linhir."
"Wie alt sind die Spuren?", fragte Hilgorn. "Sie sind auf jeden Fall älter als eine Woche, wahrscheinlich sogar noch viel mehr. Genauer kann ich es leider nicht sagen."

Hilgorn strich sich nachdenklich über das Kinn.
Eine Gruppe von mehr als zwanzig Mann, die nach Linhir gezogen ist... für eine Spähergruppe zu viel, und es können eigentlich auch keine Versprengten von der letzten Schlacht gewesen sein, weil niemand entkommen ist. Also waren es vermutlich keine Haradrim oder Orks, aber wer war es sonst, und was wollten sie in Linhir?
"Durchsucht die Umgebung nach weiteren Spuren.", befahl er den Männern. "Wenn ihr noch mehr findet, gebt mir auf jeden Fall Bescheid. Wir müssen herausfinden wer hier war, und wann. Vielleicht verschafft uns dieses Wissen einen Vorteil."

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Weitere Spuren
« Antwort #2 am: 30. Aug 2013, 09:20 »
Gerade als Hilgorn Elphirs Zelt erreicht hatte, um dem Prinzen von dem merkwürdigen Fund zu berichten, wurde er schon wieder von einem Soldaten angesprochen.
"General Hilgorn? Es wurden noch weitere Spuren gefunden."
"Wo? Und wie habt ihr das so schnell geschafft?", fragte Hilgorn, erstaunt ob der Schnelligkeit mit der sein Auftrag ausgeführt worden war.

"Die Spuren wurden von einer der Wachen entdeckt, die ihr um das Lager habt aufstellen lassen, und da wir gerade in der Nähe waren, hat er es uns überlassen, sie zu untersuchen und euch Bescheid zu geben.", antwortete der Soldat.
"Sehr gut... aber du hast mir immer noch nicht gesagt, wo genau diese Spuren gefunden wurden."
"Verzeiht, Herr. Die Spuren wurden im Nordwesten unseres Lagers gefunden, und führen in relativ gerader Linie zu dem anderen Platz, wo wir die Lagerspuren gefunden haben."

"Mhm..." Irgendetwas störte Hilgorn noch an dem Bericht des Mannes. "Und wie kommt es dann, dass wir zwischen den beiden Orten keinerlei Spuren gefunden haben? Ist diese mysteriöse Gruppe auf dem Weg dazwischen geflogen?"

"Nein General. Die Spuren dazwischen könnten von unseren Männern zerstört worden sein, als wir das Lager errichteten. Sie wurden vermutlich übersehen, da die Männer auf andere Dinge geachtet haben, und sie auch nicht besonders deutlich sind. Der alte Lagerplatz hingegen war viel auffälliger, und die Spuren am Rand des Lagers waren noch unbeschädigt."

"Gut... ihr habt euch alle eine Belohnung verdient. Geht heute Abend nach Sonnenuntergang zu meinem Adjudanten und lasst euch eure Belohnung auszahlen." Der Soldat bedankte sich strahlend und machte sich davon, um seinen Kameraden von der guten Nachricht zu erzählen.

Hilgorn für seinen Teil betrat nun das Zelt, und wurde von einem neugierig dreinblickenden Elphir empfangen.
"Und? Was habt ihr für merkwürdige Sachen entdeckt?", fragte er lächelnd. Hilgorn berichtete von den beiden Funden, und meinte dann: "Aber ich glaube nicht, dass wir uns von dieser Sache ablenken lassen sollten. Die Leute, die diese Spuren gemacht haben, sind längst fort, und unsere Aufmerksamkeit sollte voll und ganz den Haradrim in Linhir gelten."
Elphir nickte zustimmend. "Da stimme ich zu."
« Letzte Änderung: 22. Sep 2013, 09:59 von Eandril »

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Eine Nachricht
« Antwort #3 am: 22. Sep 2013, 10:55 »
Merian aus der Nähe von Linhir

Hilgorn hatte sich gerade in seinem eigenen Zelt hingesetzt, um sich ein wenig auszuruhen, als die Plane zurückgeschlagen wurde und der Soldat, der ihm bereits die Nachricht von den Spuren überbracht hatte, hineinblickte.

"General? Bitte verzeiht die Störung, aber unsere Späher haben nördlich des Lagers einen Mann gefangen genommen.", sagte er.
Hilgorn erhob sich seufzend, das Ende seiner Pause bedauernd. "Wie kommt es nur, dass immer ihr es seid, der mir Nachrichten überbringt? Wie heißt ihr eigentlich?"
"Turin, Waffenmeister aus Pelargir, General.", kam die Antwort.
"Nun gut, Turin, dann lasst den Gefangenen herbringen. Und dann geht zu Prinz Elphir, und lasst auch ihn herbitten."
Turin salutierte, und ging davon.

Nur wenig später betraten zwei Soldaten mit einem gefesselten Mann, der einen Sack über dem Kopf hatte, zwischen sich das Zelt.
"Wo habt ihr ihn gefunden?", fragte Hilgorn.
"Er schlich nördlich des Lagers herum... wobei man es eigentlich nicht schleichen nennen kann. Er kam aus östlicher Richtung, und bewegte sich geradewegs auf unser Lager zu. Wir wollten das Risiko einer Entdeckung nicht eingehen, also nahmen wir ihn gefangen.", antwortete einer der Männer.
"Sehr gut, Männer. Jetzt nehmt ihm diesen Sack vom Kopf, damit ich ihn mir ansehen kann."

Einer der Soldaten nestelte einen Augenblick hinter dem Rücken des Gefangenen herum, und zog ihm dann den Sack über den Kopf.
Hilgorn stand einem Mann gegenüber, der ebenso groß war wie er, und mit seinen blauen Augen und braunen Haaren zwar nicht aus Dol Amroth, aber eindeutig aus Gondor stammt.
"Wie heißt ihr?", fragte er.
"Merian aus Cirit Dûm.", antwortete der Gefangene. "Ich bin auf dem Weg nach Dol Amroth."

Bevor Hilgorn allerdings eine weitere Frage stellen konnte, betrat Turin wieder das Zelt und Elphir hinter ihm. "General? Prinz Elphir ist hier.", sagte er überflüssiger Weise.
"Danke Turin, ihr könnt gehen.", meinte Hilgorn. Bei der Erwähnung von Turins Namen machte Merian ein überraschtes Gesicht, und wandte sich um. Als Turin sein Gesicht war, zeigte sich auf seinem Gesicht eine ähnliche freudige Überraschung.
"Merian?", fragte er, "was tust du denn hier?" Dann machte er einen Schritt vorwärts, und umarmte den Gefangenen.
Hilgorn und Elphir wechselten einen verwunderten Blick, dann fragte Elphir: "Ihr kennt euch?" Turin stellte sich nun neben Merian, und wandte sich Hilgorn und Elphir zu.

"Ja, mein Prinz. Dies ist Merian aus Lamedon. Er ist ein guter Freund, mit dem gemeinsam ich in Minas Tirith und Dol Amroth gekämpft habe.", antwortete er.
Hilgorn warf Elphir einen fragenden Blick zu, und als dieser unmerklich nickte, sagte er: "Ihr könnt bleiben, Turin. Aber ich wüsste gerne, was ihr, Merian, in dieser Gegend tut, und vor allem, warum ihr so zielstrebig auf unser Lager zu gelaufen seid."
Und Merian erzählte, wie er von dem bevorstehenden Angriff auf Linhir erfahren hatte, ein Punkt, an dem Turin sich unbehaglich wand, von seinem Entschluss, sich mit einigen Leuten seines Dorfes dem Heer anzuschließen, dem Treffen mit Angbor, und dem Lagerplatz vor der Stadt.
An diesem Punkt unterbrach Hilgorn seine Geschichte, und fragte: "Dann wart ihr es, die hier vor einiger Zeit gelagert haben? Wir haben Spuren gefunden, aber konnten uns keinen Reim darauf machen. Aber bitte, erzählt weiter."
Also setzte Merian seinen Bericht fort, erzählte von ihrem Versuch, die gefangenen Frauen aus der Stadt zu befreien, von ihrer eigenen Gefangennahme und wie ein Südländer namens Qúsay ihn zuerst freigekauft und dann hatte laufen lassen, um Imrahil einen Brief zu überbringen.

Als er geendet hatte, meinte Elphir: "Das ist merkwürdig. Warum sollte ein Heerführer der Haradrim einen Sklaven mit einem Brief für den Fürsten von Dol Amroth entkommen lassen? Wo ist dieser Brief? Ich möchte ihn sehen."
Doch Merian schüttelte den Kopf und erwiderte: "Der Brief ist nur für Fürst Imrahils Augen bestimmt, und für niemand anderen. Wenn ihr den Brief haben wollt, dann bringt mich zum Fürsten."
"Das dürfte schwierig werden, denn der Fürst ist nicht hier, sondern in Dol Amroth.", sagte Hilgorn. Das Verhalten Merians verwunderte ihn. Er hätte angenommen, dass der Mann froh wäre, den Brief loszuwerden.

"Nicht hier?", fragte Merian verwundert, "Aber Qúsay sagte doch..." Hilgorn und Elphir wechselten einen alarmierten Blick.
"Wollt ihr damit sagen, er weiß von uns? Verdammt, damit habe ich nicht gerechnet.", meinte Hilgorn.
"Wir können es jetzt nicht ändern.", sagte Elphir. "Aber ihr könnt mir den Brief geben, denn ich bin Imrahils ältester Sohn und sein Stellvertreter in diesem Heerlager. Was immer in dem Brief steht, es wird zu wichtig sein, als dass wir uns die Verzögerung, ihn erst nach Dol Amroth bringen zu lassen, leisten könnten."
Merian blickte zweifelnd und sah Turin an, doch dieser nickte ihm zu und sagte: "Er sagt die Wahrheit."

"Dann müsst ihr meine Fesseln lösen, denn so komme ich nicht an den Brief.", verlangte Merian. Elphir sah inzwischen einigermaßen verärgert aus, doch er nickte einem der Wächter zu, der daraufhin Merians Fesseln zerschnitt.
Hilgorn konnte dagegen nicht umhin, Merians Mut zu bewundern.
Als seine Hände frei waren, griff Merian in seine Tasche, holte ein kleines, sorgfältig versiegeltes Stück Papier hinaus und reichte es Elphir.
Dieser brach das Siegel und studierte den Brief aufmerksam. Währenddessen verwandelte sich der Ärger auf seinem Gesicht zu freudiger Verwunderung, aber auch Misstrauen. Als er fertig war, fragte Hilgorn: "Was schreibt er?" Elphir schüttelte nur den Kopf, und reichte ihm den Brief. "Lest selbst."

An seine Durchlaucht Fürst Imrahil von Dol Amroth,
Ich habe erfahren dass ihr im Begriff seit die Stellung der Südmenschen in Linhir anzugreifen. Dies bezüglich habe ich ein Angebot für euch, dass euren Feind schwächen und euch einen Vorteil verschaffen könnte. Ich habe 3500 Krieger unter meinem Kommando die bereit sind gegen Mordor zu ziehen. Ich werde in 5 Tagen mit einem Gefährten von Linhir aus den Gilraen nach Norden entlang zur Beizjagd ausreiten. Ich erwarte sie dort um über die Bedingungen meines Loyalitätswechsels zu verhandeln.

Hochachtungsvoll,
Qúsay bin Nazir bin Qasim al-Quahtan Qasatamid

PS: Dem Sklaven, der die Nachricht überbracht hat, soll zudem die Freiheit geschenkt werden.


Nachdem er fertig gelesen hatte, schüttelte auch Hilgorn ungläubig den Kopf, und sagte: "Das scheint ja zu gut, um wahr zu sein."
"Ja.", sagte Elphir, "Aber habt ihr die Formulierung am Ende bemerkt? 'die Bedingungen meines Loyalitätswechsels'? Das klingt nicht so, als würden wir seine Hilfe umsonst bekommen."
"Nein, so klingt es wirklich nicht, aber wir sollte es dennoch versuchen. Oder denkt ihr, es ist eine Falle?"
"Womöglich... aber auch ich bin der Meinung, dass wir dieses Risiko eingehen sollten."
Hilgorn wandte sich wieder an Merian, der den Austausch gespannt verfolgt hatte. "Wie es scheint habt ihr Glück, Merian. Euch ist so eben die Freiheit geschenkt worden.", sagte er ironisch.
Merian blickte verständnislos, also fuhr Hilgorn fort: "Euer sogenannter 'Herr' Qúsay hat euch mit diesem Brief die Freiheit geschenkt, obwohl es natürlich vollkommen unnötig von ihm war, das extra zu erwähnen. Schließlich werden wir keinen Mann Gondors als Sklaven halten.
Wie dem auch sein, ich danke euch für diese Nachricht. Turin, sorgt dafür, dass er versorgt wird, und einen Platz zum Schlafen bekommt.
Merian, bis diese Angelegenheit vorüber ist, werdet ihr das Lager nicht verlassen."

Gemeinsam verließen Merian und Turin das Zelt.
« Letzte Änderung: 6. Dez 2013, 19:00 von Eandril »

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Bis die Sonne uns am Morgen wieder zurück holt!
« Antwort #4 am: 6. Okt 2013, 00:53 »
Bis die Sonne uns am Morgen wieder zurück holt!

Aus der Sicht von Turin

Turin führte Merian in sein eigenes kleines Zelt, dass er sich mit einigen seiner Kameraden teilte.

Den ganzen Abend saßen sie zusammen, aßen und Merian erzählte. Als er an die Stelle kam, als sie an der alten Mauer gegen die Haradrim kämpften liefen Merian Tränen von der Wange. Er weinte leise. „Sie haben sie getötet. Alle getötet.“
Da stand Turin auf und nahm Merian fest in den Arm; „Du hast überlebt. Dein Leben geht weiter.“
Plötzlich wurde die Plane des Zelteingangs zurück geschlagen und ein junger Soldat in glänzender Rüstung trat hinein. „Was ist denn hier los? Störe ich bei was?“, sprach er gehässig.
„Arandir“, Turin machte erschrocken einen Satz zurück, „das hier ist Merian…Er ist grade aus Linhir entkommen und hat dort viele seiner Kameraden verloren.“
Merian sank auf Turins Bettkante nieder.
„Kein Grund seine Ehre zu vergessen!“, sprach Arandir und warf beim Hereintreten einen verachtenden Blick auf Merian, „Weint! Und das ist ein Soldat Gondors? Er ist wohl nicht der einzige der Freunde verloren hat, seine Familie verloren hat, nicht war Turin?“
„Ich bin dankbar für alles was Boronir, dein Vater, für mich getan hat.“
„Dein Leben hat er gerettet! Er ist für dich gestorben am Schwarzen Tor gestorben!“, sprach Arandir jetzt zornig, drehte sich und verließ das Zelt.

„Vergiss ihn“, sagte Turin jetzt ruhig zu Merian, „doch du hättest dich schon ein bisschen wehren können, meine ich.“
Merian erhob sich, den Blick starr, fast abwesend, nach vorne gerichtet: „Ich werde nach Linhir gehen.“
„Nein! Merian?!“, entgegnete Turin überrumpelt, „was willst du denn dort? Damit kannst du niemanden Retten. Wir werden nach Linhir gehen, allesamt, wenn der Tag gekommen ist. Merian!“
„Nein, ich gehe jetzt“, flüsterte Merian und verließ das Zelt. Er ging die ´Straße` zwischen den anderen Zelten entlang. Turin lief im nach. Es war inzwischen spät am Abend und Dunkel geworden.

Nur einem Schatten folgte Turin, einem Schatten, den er zurück ins Licht zu hohlen hatte, damit er wächst, seinen Ursprung übertrifft und zu ihm selbst zurück finden kann.

Turin packte Merian und zog ihn mit sich zu Boden. Sie wälzten sich. „Hast du Hilgorn nicht gehört? -Du darfst das Lager nicht verlassen. Komm mit mir!“, brachte Turin heraus, suchte Merian Blick, fand ihn und sah ihm tief in die Augen.

Merian riss sich los und lief weiter das Lager verlassen. Turin erwartete jeden Moment Wachen, die Merian ergreifen würden, doch es kamen keine.
Immer weiter lief Merian nun den Hügel hinauf, von dem er mit seinen Männern aus Cirit Dûm Linhir vor vielen Wochen beobachtet hatte. Turin tat sein bestes um ihm zu folgen, doch alt war er inzwischen und seine Beine lahm. „Merian, warte“, rief Turin ein letztes Mal, als er sah das Merian oben auf dem Hügel angekommen war.
Große Angst packte Turin um seinen Freund. Was geht in ihm vor?
Doch dann sah er ihn auf dem Hügel an einen Baum gelehnt, wie er den Blick über Linhir schweifen ließ.
Turin schloss zu Merian auf und stellte sich hinter ihn.
Linhir war beleuchtet von vielen Fackeln, die durch die Straßen zogen und sich zu großen Leuchten sammelten.
„Ein starker Anblick“, sagte Turin leise. „Ja das ist er!“ „Bleibe hier, gehe nicht nach Linhir.“
Merian drehte sich um: „Ich bleibe hier. Lass uns die Nacht hier schlafen und den Sonnenaufgang beschauen.
Turin fühlte sich bei dem Gedanken nicht ganz wohl, willigte aber ein. Sie suchten ein weiches Plätzen und legten sich nieder.

Am nächsten Morgen betrachten sie einen herrlichen Sonnenaufgang über Linhirs Dächern und in Merian viel neues Licht und neue Wärme.

Heimlich schlichen sie sich zurück ins Heerlager.


Hinweis: In dieser Nacht geschah mehr, als auf den ersten Blick zu erahnen ist. Genauere Informationen gibt es hier.
« Letzte Änderung: 16. Aug 2014, 19:40 von --Cirdan-- »

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Abwägen der Möglichkeiten
« Antwort #5 am: 15. Okt 2013, 17:19 »
Nachdem Turin, Merian und alle anderen das Zelt verlassen hatten, wandte sich Elphir an Hilgorn.
"Und? Was hältst du davon?", fragte er.
"Ich weiß es noch nicht. Wie gesagt, es ist möglich, dass es eine Falle ist. Aber wenn dieser Qúsay weiß, dass wir hier sind, wird er vermutlich auch von der ungefähren Stärke unseres Heeres wissen. Dann gibt es mehrere Möglichkeiten: Entweder sind wir den Haradrim in Linhir so stark überlegen, dass er mit unserem sicheren Sieg sichert, und will sich auf der sicheren Seite wissen, oder aber er will uns, oder eigentlich deinen Vater, in eine Falle locken, und so doch das Blatt noch wenden.
Eine andere Möglichkeit wäre natürlich, dass wir den Haradrim zahlenmäßig unterlegen sind, was ich persönlich für wahrscheinlicher halte. Wenn wir nur wenig unterlegen sind, ist die Wahrscheinlichkeit einer Falle, um seine Verluste möglichst gering zu halten, relativ hoch. Sind wir aber deutlich unterlegen, halte ich es für wahrscheinlicher, dass sein Angebot tatsächlich ernst gemeint ist. Eine solch aufwendig Falle würde sich in diesem Fall kaum lohnen, und er wäre bei Verhandlungen in einer sehr starken Position, denn wir könnten ohne seine Hilfe höchstwahrscheinlich nicht gewinnen.", erwiderte Hilgorn. "Einen sehr klugen Zeitpunkt hat er sich da ausgesucht. Man könnte ihn fast dafür bewundern...", schloss er nachdenklich.

Elphir strich sich über das Kinn, und meinte: "Wie auch immer, es hat unsere Situation nicht gerade verbessert. Am liebsten wäre mir noch die Variante, dass wir den Haradrim zahlenmäßig weit überlegen sind, aber ich stimme zu, dass das sehr unwahrscheinlich ist. Andernfalls haben wir entweder weit weniger Männer als unsere Feinde, und sind von jemandem, der bereitwillig die Loyalität zu seinem Herrn aufgibt, abhängig, oder wir sind nur geringfügig im Nachteil und laufen womöglich in eine Falle. Du hast recht, dieser Qúsay ist wirklich bewundernswert für diesen Zeitpunkt."

"Ich schlage vor, dass wir Merian mitnehmen, wenn wir aufbrechen, und zehn weitere Soldaten. Von denen sollten uns zwei zum Treffen begleiten, und der Rest wird versteckt warten, und im schlimmsten Fall eingreifen.", sagte Hilgorn.
Elphir nickte zustimmend, und schlug außerdem vor: "Wir sollte auch einen Boten zu meinem Vater schicken, um ihm von dieser Entwicklung zu berichten. Aber warum möchtest du Merian unbedingt dabei haben? Wenn es eine Falle ist, könnte er sich auf Qúsays Seite schlagen."

"Du hast Recht, aber ich finde, dieses Risiko sollten wir eingehen. Er kann uns möglicherweise bei den Verhandlungen von Nutzen sein, denn vielleicht weiß er einiges über die Situation in Linhir, und kann uns sagen, wenn Qúsay uns belügt oder etwas verschweigt."
"Das ist klug gedacht.", sagte Elphir anerkennend. "Der Vorschlag hätte beinahe von Edrahil kommen können. Schade, dass er in Umbar ist, hier hätten wir ihn jetzt gut gebrauchen können. Ich fühle mich nicht wohl bei der Sache."
"Ich ebenfalls nicht.", stimmte Hilgorn zu. "Aber wir können es jetzt nicht ändern."

"Leider nicht.", seufzte Elphir, und fragte, während er schon auf den Zeltausgang zu trat: "Wann werden wir aufbrechen?"
"Ich würde sagen, in drei Tagen. Das ist einen Tag früher, als Qúsay, und wir können uns in dem Gebiet am Gilrain auf die Lauer legen, und so rechtzeitig bemerken, ob er mit mehr Begleitern kommt als in seinem Brief erwähnt. Wenn das der Fall ist, sind wir vorbereitet und könnten einer möglichen Falle vielleicht entgehen.", antwortete Hilgorn.
Elphir schüttelte schmunzelnd den Kopf und erwiderte: "Ich stimme zu, aber ich muss sagen, dass du gerade mehr vom alten Edrahil als von einem General hast. Gute Nacht." Damit verließ er das Zelt.

Als Elphir weg war, fuhr Hilgorn die eigene Müdigkeit, die er bislang verdrängt hatte, mit erschreckender Plötzlichkeit in die Glieder.
Er ließ sich auf seinem Lager nieder, und streckte sich gähnend aus. Drei Tage warten. Das war eigentlich nicht viel, doch hier, in dieser Angespanntheit, und immer in Gefahr entdeckt zu werden, schien es ihm doch wie eine halbe Ewigkeit.
Doch bevor er weiter darüber nachdenken konnte, war er schon eingeschlafen.

Seine Träume in dieser Nacht wurden beherrscht von Haradrim mit verhüllten Gesichtern, die ihn vor die Wahl stellten, sich in die vorderste Reihe eines Heeres zu stellen, dass gegen die Orks kämpfen sollte, oder sich von ihnen in eine Falle locken zu lassen, die ihn ebenfalls das Leben kosten sollte. Doch bevor er sich entscheiden konnte, verschwanden die Gestalten, und er war wieder im Lager, doch es war leer, alle Soldaten verschwunden. Er irrte durch die leeren Zelte, und rief nach Elphir, Imrahil, Edrahil, allen die er kannte. Doch niemand antwortete ihm, und schließlich endete der Traum.

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Ein Tag im Heerlager
« Antwort #6 am: 25. Okt 2013, 23:55 »
Ein Tag im Heerlager

Merian schien glücklich am nächsten Tag im Heerlager der Krieger Dol Amroths. Nichts war von dem Schatten des letzten Abends geblieben, doch hätte ein Weiser, ein Istari oder auf diesem Gebiet bewanderter Elbe ihm genau in die Augen geschaut, so sähe dieser eine geheimnisvolle, erschreckende Bürde, die nur Merian alleine zu tragen hatte.
 
„Alles gut bei dir?“, fragte Turin beim Frühstück in einem geräumigen Zelt als Merian grade, etwas in Gedanken,  an Turin vorbei starrte. „Ja, ja mir geht es gut“, antwortete Merian nach einem kurzem aufzucken und lächelte zu Turin herüber, „ich bin nur noch etwas müde.“
Denn restlichen Vormittag verbrachten sie damit durch das Heerlager zu ziehen. Sie halfen die ankommenden Wagen mit Nachschupp an Lebensmitteln abzuladen und fanden für Merian ein neues Schwert und einen Gürtel. Als Turin ihm ein Schild mit dem Wappen Dol Amroth, ein silberweißer Schwan auf blauem Grund, und ein Kettenhemd anbot, lehnte Merian ab. Er behielt seine dunkle Kleidung, die er auch schon in Linhir getragen hat.
Gegen Mittag verabschiedete sich Turin mit der Begründung jetzt Wachdienst zu haben. Merian überlegte kurz ihn zu begleiten, zog dann aber doch noch einige Zeit alleine durch das Lager und betrachtete die Männer, die sich auf den bevorstehenden Kampf um Linhir vorbereiteten.

Am frühen Abend trafen sich Merian und Turin wieder. „Hast du den Tag gut verbracht Merian?“, fragte Turin der Höflichkeit wegen, „hast du noch eine Armbrust gefunden? Und da fällt mir grade ein; die Männer sagten, du währest bei Elphir gewesen. Was wollte er?“ „Keine Armbrust. Doch bei Elphir war ich wirklich. Wir haben aber über nichts Wichtiges gesprochen“, versuchte Merian die Sache runter zu spielen. „Nichts Wichtiges?“, wiederholte Turin zweifelnd, „es heißt niemand durfte das Zelt betreten…“ „Was du so alles hörst“, entgegnete Merian und versuchte dabei zu lachen.
„Ach, und dann soll ich dir auch noch sagen, dass Hilgorn dich sehen will“, verkündete Turin jetzt etwas beleidigt, „ich weis nicht worum es gut, aber er hat wohl noch einige Fragen an dich. Ja…“, und Turin lachte kurz auf, „du bist jetzt wohl eine höchst gefragte Person.“

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Ungeduld
« Antwort #7 am: 26. Okt 2013, 13:28 »
Hilgorn saß in seinem Zelt und wartete, ungeduldig. Die Warterei und der Druck, bloß nicht entdeckt zu werden, zerrten an seinen Nerven. Elphir den ganzen Tag sein Zelt nicht verlassen, und so hatte Hilgorn noch weniger zu tun.
Es gab nichts zu organisieren, nichts zu besprechen und keine Berichte entgegen zu nehmen. Nur Untätigkeit. In seiner Langeweile war ihm schließlich der Gedanke gekommen, diesen Boten, Merian, noch weiter zu befragen. Irgendwie hatte er nämlich das Gefühl, dass er bei ihrem vorigen Treffen etwas wichtiges vergessen hatte, auch wenn er noch nicht wusste, was das war.

Also machte er sich auf die Suche nach Merian, aber dieser war nirgendwo zu sehen. Lediglich seinen Freund, den Soldaten Turin, fand er, und so gab er diesem den Auftrag, Merian so bald wie möglich zu ihm zu schicken.
Missmutig ging er wieder in sein Zelt zurück, und dachte nach. Zum ersten Mal seit Langem dachte er wieder an seine Familie. An seine Mutter, die noch immer auf dem Familiensitz in Belfalas lebte, unter der Herrschaft seines tyrannischen Bruders... wie wohl die Diener und Wachen unter Imradons Herrschaft zurechtkamen? Wahrscheinlich wünschten sich die älteren unter ihnen die Zeiten, als noch Hilgorns Vater über die Ländereien der Familie geherrscht hatte, zurück.
Auf ihrem Weg durch Belfalas war das Heer nahe an dem Anwesen vorbeigekommen, nur einen Tagesritt entfernt. Es wäre ein leichtes für Hilgorn gewesen, dorthin zu reiten, und nach dem rechten zu sehen... aber er wollte nicht. Er wollte seinem Bruder nicht über den Weg laufen, und sich von ihm von oben herab behandeln lassen.

Er dachte auch an Aldar, seinen anderen Bruder. Ihn hatte er zuletzt gesehen, als das Schiff mit Edrahil und dieser Südländerin aufgebrochen war, um sie an der Küste Hararondors abzusetzen. Aldar war der Kapitän des Schiffes gewesen, und sie hatten ein paar Worte gewechselt. Doch die Zeit war knapp gewesen, und seitdem hatte er Aldar nicht mehr gesehen, denn er hatte Dol Amroth bereits vor der Rückkehr des Schiffes verlassen. So wusste er nicht ob Aldar überhaupt noch lebte...

Hilgorn wurde abrupt aus seinen Gedanken gerissen, als Turin ins Zelt blickte, und sagte: "General Hilgorn? Merian ist da."
"Schick ihn herein."

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Was der Hauptmann der Stadtwache so alles weis, zu wissen scheint und wissen will

Turin trat wieder aus dem Zelt heraus und winkte Merian hinein.
Gespannt trat Merian neben der von Turin zurückgeschlagenen Plane durch den Eingang des Zeltes. Da er nicht wirklich wusste was er sagen sollte, begrüßte Merian Hilgorn mit einem: „Guten Abend mein Herr.“
„Merian“, Hilgorn sah auf, nachdem er nochmal kurz in die Gedanken an seinen Bruder zurückgefallen war, „bitte, nehmt Platz.“
Merian trat vor, dankte Hilgorn und setzt sich ihm gegenüber.
„Wie geht es euch? Habt ihr gut geschlafen letzte Nacht? Es muss doch eine Wohltat gewesen sein in einem Feldbett geschlafen zu haben. Ihr seht dennoch etwas müde aus, finde ich.“

Weis er Bescheid? Warum fragt er mich ausgerechnet danach, ob ich gut geschlafen habe. Hat er Nachricht von meinem nächtlichen Ausflug mitbekommen? –Turin hat sicher nichts gesagt.
Oder hat er mit Elphir gesprochen? –Nein, nein wir waren uns einig; wir sprechen mit niemanden.
Oder hat Hilgorn womöglich Späher in Linhir – aber wie könnten sie, woher sollten sie…


Nach einem zweifelnden, sich selbst fragendem Gesichtsausdruck antwortete Merian mit einem unsicherem lächeln auf Hilgorns Frage: „Ja, ja mein Herr Hilgorn. Ich habe gut geschlafen, doch ich habe viel Schlaf nachzuholen, bevor ich wieder richtig ausgeschlafen bin.“
„Nun gut. Einige wenige Tage könnt ihr euch jetzt noch kräftig Ausschlafen, bevor wir zum Treffen mit Qúsay aufbrechen. Ich habe mich entschlossen, dass ihr uns als Berater begleitet. Jedoch habe ich vorher noch einige Fragen; Turin sagte mir, ihr währet Steinmets. Unterbrecht mich, wenn ich etwas nicht stimmt.“ Merian nickte nur - so führ Hilgorn gleich fort: „Warum bricht ein Steinmets mit seinen Kumpanen in das besetze Linhir auf? Warum habt ihr euch nicht in Dol Amroth gemeldet und euch dem Heer angeschlossen? Wäre dies nicht viel sinniger gewesen um etwas zu bewirken? –Männer Gondors sind gestorben!“ Bei den letzten Worten erhob sich Hilgorns Stimme immer weiter.
Merian überlegte kurz und antwortete dann: „Das jemand zu Schaden kommt wollte ich nie. Ich war kurze Zeit in Dol Amroth und erfuhr dort, dass ein Heer nach Linhir entsandt wird. Ich kehrte allerdings in mein Dorf zurück, das während meiner Abwesenheit angegriffen wurde. Meine Frau und meine Tochter starben.“, Merian schluckte kurz und erzählte dann weiter; Wie er beschlossen hatte nach Linhir aufzubrechen um sich dort mit dem Heer von Dol Amroth zu vereinen. Wie er Angbor und seine Männer traf und von dem Versuch die Frauen bei ihrer Spähaktion zu befreien. Merian erzählte wie er gefangen genommen wurde und viele seiner Leute starben und letzten Endes; wie ihn Qúsay kaufte und ihn entkommen ließ.
„Das heißt Angbor ist jetzt ein Gefangener der Haradrim“, stellte Hilgorn noch einmal fest, nachdem Merian zu Ende berichtet hatte.
„Ja mein Herr“, bestätigte Merian, „Mein Herr, jetzt wo ich euch alles…“, Merian zuckte ganz kurz, „…berichtet habe was ihr Wissen wolltet, ist mir da auch eine Frage gestattet? –Mich würde es nämlich brennend interessieren, wie ihr über Qúsay denkt. Werden ihr auf sein Angebot eingehen?“

Eandril

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Re:Das Heerlager Dol Amroths
« Antwort #9 am: 30. Okt 2013, 17:04 »
Hilgorn strich sich nachdenklich über das Kinn. Viele andere Offiziere hielten es für falsch, mit einfachen Soldaten oder noch schlimmer, Zivilisten wie Merian eigentlich einer war, über solch wichtige Dinge zu sprechen. Er war allerdings anderer Meinung, denn so lange er keine Geheimnisse preisgab, die dem Feind nützen konnten, was konnte es dann schon schaden?
Außerdem hatte Merian sich eine Antwort verdient, denn er hatte vieles riskiert und aufgegeben, nur um den Soldaten Dol Amroths hier zu helfen - das sein Versuch schief gegangen war, war nicht allein seine Schuld. Außerdem hatte er, in dem er Qúsays Nachricht an Elphir übergeben hatte, einiges wieder gut gemacht.

"Ich weiß nichts über Qúsay. Ihr kennt ihn wohl am Besten von allen in diesem Lager, aber ich habe einige Vermutungen angestellt. Erstens: Es scheint ihm, wenn in seinem Brief die Wahrheit schrieb, nicht besonders viel an Sauron und Suladan zu liegen. Was seine Gründe dafür sind, kann ich nicht sagen. Es besteht selbstverständlich die Möglichkeit, dass er uns nur benutzen will,  um sich gegenüber seinen Konkurrenten in Harad einen Vorteil zu verschaffen.
Zweitens:  Er scheint ein gutes Gefühl für den richtigen Zeitpunkt zu haben. Er weiß vermutlich, wie stark unser Heer ungefähr ist, und weiß, dass wir mit seiner Hilfe deutlich leichteres Spiel haben werden. Wir werden bei den Verhandlungen auf der Hut sein müssen, denn wie es aussieht, ist er nicht gerade unerfahren auf diesem Gebiet."

"Das heißt, ihr werdet sein Angebot annehmen?", fragte Merian dazwischen.
"So weit sind wir noch lange nicht. Wir werden zunächst sein Angebot zu Verhandlungen annehmen, ob wir uns schließlich mit ihm einigen können, ist noch unklar. Schließlich wissen wir nicht, was er für Forderungen an uns stellen wird.", antwortete Hilgorn. "Aber ich habe noch ein paar weitere Fragen an euch: Ihr wart mehrere Tage in Linhir, wenn auch die meiste Zeit im Kerker. Ist euch währenddessen irgendetwas aufgefallen, auf das wir beim Angriff achten sollten, wie zusätzliche Verteidigungsanlagen oder ähnliche Dinge? Außerdem, habt ihr eine ungefähre Vorstellung, wie viele Haradrim sich in Linhir aufhalten, und wie viele davon auf Qúsays Seite stehen?"

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Was der Hauptmann der Stadtwache so alles wissen sollte und wissen darf

Merians Gedanken lenkten sich nach Linhir, eine Stadt die er schon lange kannte, die sich aber in den letzten Wochen in einen Ort des Schreckens verwandelte. Doch hatte sich in der letzten Nacht einiges zum Guten gewandt. Merian erinnerte sich an den jungen Diener Eandril, der einen Zorn gegen seinen Herrn Abdaberie entwickelt hatte, und seine eigenen Pläne zu machen schien. „Was auch geschieht, ich sorge für die Sicherheit deiner Männer. Ich will das gleiche Abkommen, das du mit Abdaberie hast.“, hatte er zu Merian gesagt als sie zusammen zur westlichen Außenmauer Linhir gingen und Merian hatte eingewilligt.
Merian dachte an den alten Abdaberie; an die Folter im Kerker und wie er nur Tage später in Marwans Residenz aufgetaucht war und ihn erpresste.

Merian wurde aus seinen Gedanken gerissen. Sein Blick schweifte noch kurz zum Zelteingang – es war schon fast wieder dunkel draußen. Dann antwortete Merian auf Hilgorns Fragen: „Ja, ja es gibt etwas; Krähenfüße, bei Nacht umso gefährlicher. Sie wurden teilweise um Linhirs kaputte Mauer herum gelegt. Zudem gibt es immer wieder wachegehende Gruppen Haradrim. Mit einer kleinen Gruppe kann man ihnen vielleicht aus dem Weg gehen, aber niemals mit einem Heer wie diesem.“ Merian überlegte kurz. „Und über Qúsay weis ich fast genau so wenig wie ihr. Ich habe keinen einzigen Krieger gesehen, der ihm zu Diensten war, aber ich glaube, das heißt nicht viel.“
« Letzte Änderung: 28. Nov 2013, 20:35 von --Cirdan-- »

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Was der Hauptmann der Stadtwache vielleicht doch noch wissen sollte

Merian erhob sich leicht aus seinem Stuhl. Für ihn war das Gespräch zu Ende, denn es wurde alles gesagt.
„Merian“, sah Hilgorn ihn an, „war das alles, oder muss ich noch etwas wissen?“

Musst du noch etwas wissen? Wiederholte Merian die Frage im Kopf und er spürte umso mehr das Gewicht, das die letzten Tage an ihm gezehrt hatte und ihn jetzt zurück auf den Stuhl gegenüber von Hilgorn zog. Merian schloss für einen Moment die Augen. Er unterdrückte die Tränen, die ihm die Wange hinunter laufen wollten.
"Ich muss euch noch etwas sagen. Ich habe versucht es zu unterdrücken, doch es gelingt mir nicht.“
„Bitte“, versuchte Hilgorn ihn zu ermutigen, „ihr könnt mir alles sagen.“
„Nun gut“, und Merian Blick wandte sich nach oben zum Zeltdach, „wo fange ich an? –Ich war es, der die Männer nach Linhir führte, in den Tod oder in die Gefangenschaft. Ihr habt es selbst gesagt. Ich würde alles tun um ungeschehen zu machen was passiert ist. Doch es geht nicht und es ist ein nicht wieder gut zu machendes Übel. Eines allerdings habe ich mir geschworen in den Kerkern von Linhir; das ich alles tun werde um die überlebenden Männer nach Hause zu bringen. Es blieben mir allerdings wenig Möglichkeiten. Wir wurden auf den Marktplatz zur Schau gestellt und sollten in alle Himmelrichtungen als Sklaven verkauft werden. Ich habe euch erzählt, dass mich der geheimnisvolle Haradrim Qúsay gekauft hat und mich mit in Marwans Residenz nahm. Ich erzählte euch allerdings nicht, dass mich dort eines Nachts ein anderer Sklave ansprach und mich durch einen Kellerausgang hinaus in eine Nebenstraße führte. Dort traf ich zu meinem vollen Schrecken den alten Haradrim Abdaberie, den Mann, der mich in den Kerkern folterte und mir mein Bein verletzte.“
Immer noch hörte Hilgorn gespannt zu und fragte sich allmählich worauf das Ganze hinaus laufen würde.
„Abdaberie machte mir ein Angebot, denn er hatte Nachricht davon erhalten, dass ich Qúsays persönlicher Sklave währe und auch nahe an Marwan heran käme. Abdaberie wollte, dass ich für ihn spioniere und ihm alles Ungewöhnliche melde. Er ist ein alter Mann mit wenig Einfluss aber dafür mit absurden Pläne, der Marwan nicht traut und lieber selbst das Heer in Linhir befehlen würde. Er gab mir zu verstehen, dass er alle meine Männer, darunter auch Angbor, denn Herrn von Lamedon und einige bereits von mir Todgeglaubte in seiner Gewalt hat. Was sollte ich also tun? –Ich willigte ein. Ich verhielt mich Qúsay gegenüber ganz unauffällig. Doch dann geschah unerwartetes, bereits berichtetes. –Qúsay ließ mich in den Wäldern entkommen und schickte mich her. Jetzt allerdings hatte ich ein Problem; ich konnte Abdaberie nicht berichten und ich machte mir große Sorgen um meine Männer. Ich, verzeiht mein Herr, ich schlich mich letzte Nacht nach Linhir. Es war nicht einfach, doch ich kannte den Weg. Ich durchquerte das Feld voll Krähenfüße und die alten Mauerstücke, wie auch schon mit dem Spähtrupp vor nicht langer Zeit. In der Stadt hatte ich große Angst entdeckt und wieder eingesperrt zu werden, doch ich ging einfach, schwarz gekleidet wie ich war, durch die Straßen zu jenem Haus, das mir Abdaberie beschrieben hatte, und niemand hielt mich auf. Im Haus wurden mir Angbor und die anderen gezeigt. Ihnen allen geht es gut.“
„Schön“, unterbrach ihn Hilgorn jetzt, „aber was habt ihr zu…wie nanntet ihr ihn: Abdaberie gesagt?“
Merian schwieg kurz, abschätzend, und antwortete dann: „Nichts, nichts. Ich sagte nur, dass ich Qúsay weiter genau im Auge behalten werde, dass mir aber bis jetzt nichts Ungewöhnliches aufgefallen ist.“
„Und das hat er geglaubt?“, fragte Hilgorn nach, selbst noch nicht so genau wissend was er glauben sollte, „ziemlich riskant, wenn er Nachricht von euerm Entkommen erhalten hätte.“
„Ja, ein Wagnis, aber ein kalkuliertes. Er weis nichts von meinem Entkommen und dem Heer aus Dol Amroth.“

Merian dachte nach. War es wirklich richtig gewesen den Hauptmann anzulügen? Aber was hätte er gemacht, hätte ich ihm erzählt, dass ich von dem Heerlager erzählt habe? Es war richtig und schließlich geht von Abdaberie ja auch keine Gefahr mehr aus. Der junge, aufstrebende Eandril wird die Sache schon richten. Er will Macht und die bekommt er, wenn er Abdaberie beseitigt, wie er es mir auch dem Rückweg aus der Stadt erzählte.

„Und wie wollt ihr Angbor und die Anderen befreien?“, fragte Hilgorn und riss so Merian aus seinen Gedanken. „Nun, während ihr die Stadt angreift, werde ich mich zum Haus von Abdaberie schleichen und Eandril klar machen, dass er sie entweder frei lässt oder vom euerm Heer getötet wird. Glaubt mir, er ist nicht der, der für sein Heimatland sterben will.“

« Letzte Änderung: 28. Nov 2013, 20:36 von --Cirdan-- »

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Re:Das Heerlager Dol Amroths
« Antwort #12 am: 24. Nov 2013, 13:24 »
Für einen Moment dachte Hilgorn über das, was Merian gesagt hatte, nach. Es war ein Risiko, ja. Ein unkalkulierbares Risiko, ein unnötiges Risiko?
Er musste eine Entscheidung fällen, und zwar jetzt, schnell.
"Ich denke, ihr habt Recht.", begann er. "Wir müssen versuchen, Angbor zu befreien, und mit eurem Plan könnte es uns wirklich gelingen."
Merian sah erleichtert aus, und es schien Hilgorn, als wollte er etwas sagen, also sprach er schnell weiter: "Doch ihr habt das Vertrauen, was ich vorher in euch gehabt haben mag, erschüttert, indem ihr ohne Erlaubnis, ja sogar gegen meine und Elphirs ausdrückliche Anweisung, das Lager verlassen habt und nach Linhir gegangen seid. Ihr werdet euren Plan zur Befreiung Angbors also nicht alleine durchführen. Ich selbst wäre gerne dabei, doch das wird leider nicht möglich sein. Deshalb werde ich euch einige vertrauenswürdigere Männer an die Seite stellen, die euch begleiten und beschützen werden."

Was er nicht sagte war, dass diese Begleiter Merian keineswegs nur beschützen, sondern auf bewachen sollte. Allerdings war ihm auch klar, dass Merian auch die unausgesprochenen Dinge verstanden hatte.
Hilgorn atmete tief durch, und fuhr fort: "Außerdem werdet ihr bis zu unserem Aufbruch zu den Verhandlungen mit Qúsay das Lager nicht länger verlassen. Da ich eurem Wort offensichtlich nicht mehr trauen kann, werdet ihr in einem Zelt unter Bewachung gestellt."

Für einen kurzen Moment nur sah es so aus, als wollte Merian aufbegehren, doch dann senkte er denn Kopf und erwiderte: "Jawohl, Hauptmann. Ich werde eurem Befehl Folge leisten."
Hilgorn rückte ein wenig näher zu ihm und sagte leise: "Ich verstehe die Gründe für euer Handeln, und womöglich hätte ich an eurer Stelle dasselbe getan. Doch ich bin nicht an eurer Stelle. Ich bin verantwortlich für jeden einzelnen Mann in diesem Lager, und wenn jemand mit seinem Handeln den Erfolg unserer Pläne bedroht, kann ich es mir nicht leisten das durchgehen zu lassen. Ich denke, ihr könnt das verstehen."
Merian sagte nichts, sondern nickte nur kurz zur Antwort.

Einen Moment lang blieben sie beide stumm sitzen, dann erhob Hilgorn sich, und rief zwei der Soldaten, die draußen saßen, herein. Er trug ihnen auf, Merian zu einem leeren Zelt zu bringen, und dafür zu sorgen, dass er es nicht mehr verließ.
Gemeinsam mit Merian verließen sie sein Zelt, und er war wieder allein bis zum Morgengrauen.

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Wird das die Freundschaft zerreißen?!
« Antwort #13 am: 28. Nov 2013, 20:38 »
Wird das die Freundschaft zerreißen?!
Aus der Sicht von Turin

Nachdem Turin Merian zu Hilgorn gebracht hatte, machte er sich auf den Weg zu seinem Zelt durch das Lager und ging seinen Gedanken nach. Ihm schien es komisch, dass Merian auf einmal so wichtig war. Sodass sowohl Elphir als auch Hilgorn mit ihm sprechen wollten, obwohl dieser noch nicht einmal ein Soldat im Heer von Dol Amroth war. Aber vielleicht war auch grade dies das besondere an Merian.
Turin überlegte was sie wohl wichtiges Besprachen; bestimmt berichtete Merian von seiner Zeit in Linhir und sicher auch von dem geheimnisvollen Qúsay, dem Hauptmann der Haradrim. Vielleicht gab Merian auch Ratschlage für den Angriff auf Linhir oder wies auf Gefahren hin.

Noch in Gedanken betrat Turin sein Zelt. Jedoch fand er keinesfalls, wie er erwartet hatte, seine Kameraden vor, die mit ihm das Zelt teilten.
Elphir stand inmitten der Schlafplätze und schaute sich interessiert um.
„Mein Herr Elphir?!“, sprach Turin leicht irritiert und sogleich wurde ihm bewusst, dass Elphir eine solche Unterbringung gar nicht richtig kennen dürfte, da er stets in seinem persönliches Zelt mit Feldbett schlieft, „verzeiht, hätte ich gewusst, dass ihr mein Zelt inspiziert, hätte ich für mehr Ordnung gesorgt.“

„Keine Sorge Turin. Ich bin nicht hier um die Betten zu kontrollieren“, erwiderte Elphir mit einem leichten Grinsen und fuhr dann ernst fort; „ich wollte mit euch sprechen. Alleine.“
Unheil ahnend schloss Turin die Eingangsplane hinter sich und überlegte kurz, ob er Elphir irgendwo einen Platz zum Sitzen anbieten sollte. Er ließ es dann aber und Elphir begann:
„Es geht um Merian. Du kennst ihn hier im Lager wohl am Besten und grade das macht mir sorgen, denn selbst vor dir hat er Geheimnisse. Er hat dir nichts gesagt, jedoch, zum Glück noch mit mir gesprochen: Nachdem ihr den Hügel vor Linhir letzte Nacht bestiegen habt…“ Bei diesen Worten lief es Turin kalt den Rücken herunter, denn er fürchtete zur Verantwortung gezogen zu werden. Allerdings war auf Elphirs Gesicht kein Ausdruck eines Vorwurfs zu erkennen. „…und ihr eingeschlafen seid, schlich sich Merian nach Linhir. Er handelte eigenmächtig ein riskantes Abkommen aus, damit Angbor und seine anderen Begleiter nicht getötet oder nach Harad verschleppt werden. Einerseits gut, andererseits war dies ein unglaubliches Risiko und wir wissen noch lange nicht welche Folgen das haben wird. Merian sagte, er habe nichts von unseren Plänen und dem Heerlager erzählt, jedoch weis ich jetzt nicht, wie weit ich ihm noch glauben kann. Er hat sein einziges Versprechen mir gegenüber schon gebrochen indem er das Lager verließ.“

Nachdem Elphir geendet hatte, sah Turin zu Boden und antwortete nicht gleich auf Elphirs versteckte Fragen, da er versuchte gesagtes, unfassbares, in seinem Kopf zu ordnen.
„Das habe ich nicht gewusst.“ Turin sah wieder auf und blicke Elphir direkt an: „Ich halte Merian im Grunde für einen ehrlichen Mann. Er will nichts Böses über uns bringen. Doch hat er sich seitdem er hier ist so komisch verhalten… Jetzt, wo ich diese Geschichte höre, macht es aber wieder mehr Sinn. Ich frage mich nur, warum mir Merian nichts gesagt hat.“
Turin überlegte kurz, dann viel ihm noch eine dringende Frage ein: „Was habt ihr jetzt mit Merian vor?“
„Hilgorn spricht in diesem Moment mit ihm. Zwar hat mich Merian gebeten niemanden von seiner Unternehmung zu erzählen, jedoch, so sagte ich ihm, werde ich es zu Mindestens Hilgorn erzählen, wenn er es nicht selber tut. Und euch musste ich es jetzt einfach sagen, alleine schon, um noch eine Meinung über Merian zu hören. Um eure Frage noch zu beantworten; so werde ich Hilgorn entscheiden lassen, wie wir mit Merian weiter vorgehen. Er hat bei so was ein besseres Händchen. Jedoch werde ich sicherstellen, dass Merian in ständiger Bewachung ist und auf keinen Fall das Lagen verlassen und noch mal nach Linhir gehen darf!“
Nach diesen Worten wandte Elphir sich zum Gehen, drehte sich jedoch vor dem Eingang noch einmal um: „Bitte lasst Merian nicht alleine. Sprecht mit ihm, aber nicht über das, was er getan hat, wenn er es euch nicht selber sagt. Und haltet ihm auf jeden Fall im Auge.“

„Das werde ich tun, mein Herr“, rief Turin Elphir nach, der durch die Plane hinaus tat.

Eine halbe Stunde später war Turin schon früh an diesem Abend eingeschlafen und hörte noch nicht einmal wie seine Kameraden wieder ins Zelt kamen, die Elphir zuvor auf Wachpatrouille geschickt hatte.

 

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Auf in die Wildnis
« Antwort #14 am: 2. Dez 2013, 22:44 »
Auf in die Wildnis
(9.Juni 3022)

Langsam krochen die ersten Sonnenstrahlen über den Hügel zwischen Linhir und dem Heerlager Dol Amroths als Merian unsanft durch Turin geweckt wurde. Schon den Tag zuvor war er immer wieder vorbei gekommen und hatte Merian in seinem Zelt besucht, das er nicht verlassen durfte.
Doch nun hatte Turin ein dringendes Anliegen als nur Merian ein wenig aufzumuntern und vielleicht etwas aus dieser geheimnisvollen Nacht aus ihm hinaus zu bekommen.
„Merian! Steh auf und zieh dich an. Bald geht es los. Wir brechen auf zum Treffen mit deinem Freund.“ „Scherzt du?“, fragte Merian und gähnte, „er ist nicht mein Freund.“
Turin trat einen Schritt näher heran und versuchte die Situation zu überspielen: „Ich habe dir etwas zum Frühtücken mitgebracht. Viel ist es natürlich nicht, aber es wird dich für den Tag stärken. Und etwas warmes Wasser habe ich auch. Ich dachte mir, dass du dich vielleicht waschen willst.“
„Während sich Merian wusch, begann er eine Frage, obwohl er die Antwort schon zu kennen glaubte: „Wirst du auch zum Treffen mitkommen?“ „Ja“, antwortete Turin und trat von einem Fuß auf den Anderen.
„Damit du mich im Auge behältst?!“
„Damit du nicht alleine Gehen musst.“
Daraufhin sagte Merian nichts und aß im Stillen.
Sicherlich ist Turin nur dabei, damit er mich die ganze Zeit unbemerkt beobachten und kontrollieren kann. Soll er nur, ich habe nichts zu verbergen, als das, was er sicherlich eh schon weis.

Als er gegessen hatte, fragte er Turin, ob er das Zelt jetzt verlassen dürfte. Turin bejahrte dies.
Nachdem Merian seine Ausrüstung zusammen hatte und einen Seitenblick auf Turins schön herausgeputzte Rüstung der Dol Amroth Stadtwache geworfen hatte, verließen sie gemeinsam das Zelt. „Weißt du wo mein neues Schwert ist?“, fragte Merian Turin als ihm die Morgensonne das Gesicht wärmte. „Du wirst es nicht mitnehmen dürfen, beführte ich“, antwortete Turin zögerlich, obwohl er selbstverständlich genau wusste, dass Elphir dies verboten hatte.
Merian störte es nicht. Er war sowieso nicht der beste Krieger und wollte es auch gar nicht sein.

Zusammen gingen sie zwischen den Zelten entlang bis sie am Rand des Lagers auf eine größere Gruppe Soldaten stießen. Die Männer standen im Halbkreis um eine gute Hand voll erfahrender Krieger, die grade dabei waren ihre Ausrüstung zu ordnen und auf die Träger zu verteilen. Heerführer Elphir beaufsichtigte dies und gab helfende Ratschläge.
„Wo ist Herr Hilgorn? Er wollte doch auch mitkommen“, hörte Merian lese neben sich Turin und einer der Soldaten antwortete lachend: „Er war schon hier, sagte nur eben ärgerlich: Ich brauche einen Baum. Einen Baum gegen den sich pissen kann.
Nach einem antwortenden Lachen Turins, traten Merian und Turin vor und grüßten Prinz Elphir. Dieser erwiderte den Gruß kurz und wandte sich dann zu einem Mann, dem er in seiner Abwesenheit offenbar das Kommando übertragen wollte. Das kurze nicken Elphir zu Turin entging Merian nicht und er wusste, das es nur eines bedeuten konnte: Behalte ihn bloß im Auge. Währe Hilgorn nicht, säße er jetzt immer noch bewacht in einem Zelt, oder Schlimmeres. Umso mehr ärgerte sich Merian, dass er Elphir überhaupt über seinen Ausflug nach Linhir erzählt hatte. Ich dachte, ich könnte ihm vertrauen.

Nachdem die letzte Ausrüstung verteilt war und auch Merian und Turin unter anderem ein Zelt und einen Rücksack mit Vorräten geschultert hatten, kam Hilgorn mit einem Grinsen aus dem Wald: „Entschuldigt“, sprach er in die gespannte Menge, „ich konnte mich nicht gleich für einen Baum entscheiden.“ Die Männer lachten, nur Elphir regte sich nicht. Diese Späße waren unter seiner Würde und Merian sah ihm an, dass er nicht verstand, wieso Hauptmann Hilgorn diese für angebracht hielt.
„Sind alle bereit?“, fuhr Hilgorn fort. Nach einem klarem „Ja, wohl Herr“ packte er seinen eigenen Rücksack und richtete sich an die umstehenden Männer, die gekommen waren um ihre Hauptleute und ihre Kameraden zu verabschieden: „Euer Auftrag ist klar; hier bleiben und nicht entdeckt werden! Duinhir wird in unser Abwesenheit das Kommando übernehmen.“
Daraufhin übernahm Hilgorn zusammen mit Ephir die Spitze und führte Merian, Turin und weitere neun Ausgewählte nach Norden in die Wildnis um Linhir.


Hilgorn, Merian, Elphir, Turin mit ihrem Trupp nach Norden in die Wildnis um Linhir
« Letzte Änderung: 2. Mär 2014, 09:05 von --Cirdan-- »