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Autor Thema: Marwans Residenz  (Gelesen 3873 mal)

Offline Eandril

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Re: Marwans Residenz
« Antwort #15 am: 6. Aug 2015, 11:45 »
Elphir, Hilgorn, Qúsay, Thjodbjörg, Dirar und Marwan vom Marktplatz...


Am Morgen nach dem Fest erwachte Hilgorn einigermaßen frisch und ausgeruht - ganz im Gegensatz zu Elphir. Der Prinz hatte am gestrigen Abend aus der Freude über das gelungene Bündnis mit Qúsay und die Rückeroberung Linhirs dem Alkohol, der in rauen Mengen ausgeschenkt worden war, ein wenig zu sehr zugesprochen. Zwar nicht so sehr, dass er sich hoffnungslos betrunken hätte, aber doch genug um nun am nächsten Morgen empfindlich ins Licht zu blinzeln und über Kopfschmerzen zu klagen.
Während Elphir sich langsam aufrichtete und dabei den Kopf hielt, dachte Hilgorn über Qúsay nach. Der selbsternannte Malik von Harad, was eine Art Großkönig zu sein schien, hatte ihn mit seiner Rede überrascht. Er hatte eigentlich erwartet, dass Qúsay seinen Männern Hass gegenüber seinen Feinden einreden würde - so waren Reden solcherart schon immer gehalten worden, und auch Hilgorn selbst hatte schon selbst so gesprochen.
Aber Qúsay hatte etwas anderes getan: Er hatte seinen Männern klar gemacht, dass ihre Feinde keine gefühllosen, bösartigen Wesen waren, sondern Menschen wie sie, die nur auf der falschen Seite des Schlachtfelds standen.
Hilgorn stand auf und blickte aus dem Fenster hinaus auf den Platz vor dem Haus, wo sich bereits erste Vorbereitungen für ihren Ritt nach Dol Amroth getroffen wurde.
Die Gedanken, die Qúsay ausgesprochen hatte, waren neu für Hilgorn. Bislang war es einfach gewesen: Gondor und die freien Völker führten Krieg gegen die Streitkräfte der Finsternis. Gondor wurde angegriffen und musste sich verteidigen. Aber der Krieg der jetzt in Harad heraufzog war von gänzlich anderer Art. Wenn Qúsay Recht hatte, dann standen auf jeder Seite ebenso viele gute Männer wie auf der anderen. Wie sollte man einen solchen Krieg führen?

Als er hinter sich ein spritzendes Geräusch hörte, wandte Hilgorn sich um und sah, wie Elphir sich in einen Eimer übergab, denn offenbar ein Diener in weiser Voraussicht in die Nähe seines Bettes gestellt hatte. Als der Prinz sich wieder aufrichtete war er zwar blass, sah allerdings insgesamt besser aus.
"Nun, mein Prinz?", fragte Hilgorn spöttisch. "Geht es euch wieder besser, jetzt, wo ihr das gesamte köstliche Festmahl vergeudet habt?"
Elphir winkte ab, und erwiderte: "Fahr doch zur Hölle. Oder tu es nicht, aber hör auf jeden Fall auf, von Essen zu reden."
Hilgorn grinste breit und sagte: "Ich fand das Festmahl wirklich köstlich - auch wenn ich bei mindestens der Hälfte der Sachen die ich gegessen habe keine Ahnung habe, was es gewesen sein könnte."
"Hör auf der Stelle auf damit, oder ich schwöre dass ich dir sofort das Kommando entziehen werde.", drohte Elphir der aussah, als sei ihm bereits wieder schlecht.
Hilgorn verneigte sich ironisch und meinte: "Ganz wie mein Prinz befiehlt."
Elphir ging zur Tür und öffnete sie. "Los, komm. Von mir aus könnten wir sofort aufbrechen, ich glaube nicht, dass ich vorher noch etwas zu mir nehmen werde..."
« Letzte Änderung: 14. Sep 2016, 16:26 von Fine »

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Re: Marwans Residenz
« Antwort #16 am: 13. Aug 2015, 11:37 »
Unten im Hauptraum des Hauses hatten Marwans Diener ein Frühstück bereitet bei dessen Anblick Elphir beinahe sofort rückwärts aus dem Raum gegangen wäre. Hilgorn schaffte es ihn zu überreden, wenigstens ein wenig trockenes Fladenbrot zu sich zu nehmen um sich für den Ritt nach Dol Amroth zu stärken. Er selbst hatte keine Probleme damit, sich an Joghurt, Buttermilch und Käse zu seinem Fladenbrot gütlich zu tun und stellte nach dem gestrigen Abend zum zweiten Mal fest, dass ihm das haradische Essen entgegen seiner Erwartungen sehr gut schmeckte.
Was wiederum ein Beweis dafür wäre, dass die Haradrim nicht wirklich böse sein können dachte er, und musste innerlich schmunzeln dass er diese Schlussfolgerung daraus zog, dass die Haradrim ihrem Essen ebenso viel Aufmerksamkeit schenkten wie die Menschen Gondors.
Schließlich beendete er sein Frühstück, Elphir war deutlich früher als er fertig gewesen, und sie verließen das Haus. Draußen trafen sie auf Qúsay, der sie mit einem Lächeln begrüßte, Marwan und Túrin. Elphir wandte sich an letztere und bat sie, in der Stadt eine Wahl zu organisieren, bei der ein Statthalter gewählt werden sollte. "Außerdem befördere ich euch zum Kommandanten der Garnison von Linhir.", sagte der Prinz an Túrin gewandt, und Hilgorn war von der plötzlichen Spontanität Elphirs überrascht. Zuvor war der Prinz bedacht und zögerlich gewesen, aber vielleicht hatten die Schlacht und seine Begegnung mit dem Nazgûl ihn entschlussfreudiger gemacht. Túrin wusste offensichtlich nichts zu sagen, und so fuhr Elphir fort, während er bereits sein Pferd bestieg: "Wenn wir beim Heerlager vorbeikommen wird Hilgorn die Befehle ausgeben, die wir gestern besprochen haben."
"Ich denke, ich werde etwa dreihundert Mann als Garnison zu euch entsenden können.", meinte Hilgorn an Túrin gewandt und bestieg dann ebenfalls sein Pferd. Qúsay und Dirar waren ebenfalls bereits aufgestiegen, und so verließen sie Linhir Richtung Westen.

Qùsay, Dirar, Hilgorn, Elune und Elphir nach Dol Amroth...
« Letzte Änderung: 20. Feb 2016, 22:09 von Fine »

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Re: Marwans Residenz
« Antwort #17 am: 26. Jan 2018, 18:29 »
Hilgorn von den Straßen der Stadt

Das alte Herrenhaus, das vor der Befreiung Linhirs Marwan als Sitz gedient hatte, war von Turin und Bürgermeisterin Ioreth zu ihrem Hauptquartier gemacht worden. Der ursprüngliche Besitzer war nicht aufzufinden gewesen, entweder war er längst tot oder nach Westen geflohen, erklärte Turin als er gemeinsam mit Hilgorn die Eingangshalle betrat. Hilgorn sah sich aufmerksam in der Halle um. Sämtliche Zeichen der Haradrim waren daraus verschwunden, und ohne sie wirkte das Haus ein wenig kahl und vernachlässigt.
An das Zimmer, dass Hilgorn zur Verfügung gestellt worden war, erinnerte er sich gut - es handelte sich dabei um den gleichen Raum, in dem er und Elphir nach der Befreiung Linhirs untergebracht worden waren. Er hatte jedoch nur wenig Zeit sich dort aufzuhalten, denn er hatte ein frühes Abendessen mit Turin und Ioreth geplant, vor Einbruch der Dunkelheit. Denn Hilgorn befürchtete einen Angriff Mordors, sobald die Sonne untergegangen war.

"Glaubt ihr, ihr werdet die Stadt halten können?", fragte Ioreth mit bemühter Ruhe, nachdem das Essen einige Zeit lang schweigend vonstatten gegangen war. Niemand zeigte angesichts der bevorstehenden Kämpfe viel Appetit, und so war Hilgorn erleichtert eine Ausrede zu finden, Messer und Gabel zur Seite zu legen, obwohl er sich vor dieser Art Fragen gefürchtet hatte.
"Ich kann nichts versprechen", antwortete er langsam. "Obwohl ich es gerne könnte, aber ich werde euch keine schönen Lügen erzählen und Hoffnungen machen, die dann umso bitterer enttäuscht werden könnten." Auch Ioreth hatte das Besteckt beiseite gelegt und die Stimme der alten Frau klang müde, als sie sagte: "Ich habe zwei Mal meine Heimat verloren, und ich dachte... vielleicht könnten wir uns ein drittes Mal halten."
"Vielleicht können wir das ja auch", erwiderte eine neue Stimme, bei deren Klang Hilgorn unwillkürlich lächelte. Von allen unbemerkt hatte sein Bruder Aldar den Raum betreten, und nickte Turin zu, bevor er eine Verbeugung in Richtung Ioreth andeutete. "Kommandant. Meine Verehrung, Frau Ioreth." Er ließ sich auf einem freien Stuhl nieder, zog ungeniert Hilgorns halb geleerten Teller zu sich heran und begann zu essen. "Wir werden sie spätestens am Hafen aufhalten, falls mein Bruder nicht das Wunder vollbringt, die Ostmauer zu halten."
"Du hast ein Händchen dafür, anderen Mut zu machen", meinte Hilgorn lächelnd. "Wenn es gut läuft, werden wir dich und die anderen Kapitäne gar nicht brauchen."
"Und das wäre eine verfluchte Schande", gab Aldar mit halb vollem Mund zurück. "Ich wäre empört, wenn ihr uns nicht den ein oder anderen Ork überlassen würdet - seit wir die Korsaren bei Dol Amroth geschlagen haben, hatten wir keine anständige Seeschlacht mehr, da wollen wir wenigstens ein paar von den Scheusalen vom Hafen aus abschießen."
"In diesem Fall werden wir uns am besten direkt hinter den Gilrain zurückziehen, damit ihr euren Spaß bekommt", erwiderte Hilgorn ironisch. Ioreth blickte mit unsicherem Lächeln zwischen den Brüdern hin und her, und Hilgorn wandte sich an sie, um sie zu beruhigen: "Es ist lediglich ein Scherz. Wir werden natürlich unser möglichstes geben, das Ostufer zu halten, und sollte uns das nicht möglich sein, werden Aldar und die übrigen Kapitäne sicherlich in der Lage sein, uns dabei zu helfen, sie am Fluss aufzuhalten."
"Wie wäre es, wenn ihr uns etwas über den Sieg in Morthond erzählt?", warf Turin ein, um das Gespräch in weniger bedrückende Gefilde zu lenken. "Wir haben hier nur Gerüchte und Erzählungen aus zweiter Hand gehört."
"Das würde mich auch interessieren", meinte Aldar, dessen Miene ernst geworden war, und warf Hilgorn einen scharfen Blick zu, doch dieser schüttelte den Kopf. "Nicht heute Abend. Bitte, würdet ihr uns einen Augenblick entschuldigen?" Die Frage war an Turin und Ioreth gerichtet, die beide verständnisvoll nickten - natürlich hatten sie davon gehört, dass Hilgorns Bruder in Morthond auf Seiten des Feindes gekämpft hatte und dort gefallen war. Aldar zog eine Augenbraue in die Höhe, erhob sich aber wortlos und folgte Hilgorn hinaus in den verlassenen Innenhof des Anwesens.
"Also", begann er nach einem Augenblick unangenehmer Stille. "Wie genau ist er gestorben? Man hört die wildesten Gerüchte, über einen Bruderkampf inmitten der Schlacht..."
"Unsinn", erwiderte Hilgorn nüchtern. "Es gab keinen Zweikampf oder ähnliches. Er wollte mir den Rest geben, nachdem ich zu Boden gegangen war. Nur ist ihm Valion glücklicherweise zuvor gekommen, ansonsten würden wir dieses Gespräch jetzt nicht führen."
"Valion vom Ethir?", fragte Aldar ungläubig. "Nach allem, was ich über ihn gehört habe, ist er er ein verwöhntes Fürstensöhnchen."
Hilgorn lächelte ein wenig verkrampft. "Deine Informationen sind ein wenig veraltet, Bruder. Valion mag unüberlegt und uneinsichtig sein, aber verwöhnt würde ich ihn nicht mehr nennen."
"Jedenfalls bin ich froh, dass er Imradon erledigt hat, und du es nicht selbst tun musstest. Ich meine... er war ein Verräter und ist schon immer ein Arschloch gewesen, aber..."
"Ich verstehe, was du meinst. Trotz allem war er noch immer unser Bruder, und ich weiß nicht, ob ich ihn selbst hätte töten können. Nur schade, dass er diese Skrupel nicht ebenfalls hatte", erwiderte Hilgorn, und Aldar lachte. "Ja, wirklich schade." Er legte Hilgorn eine Hand auf die Schulter, und fragte mit einem Augenzwinkern: "Und, wie geht es seiner armen Witwe, meiner schönen Bald-Wieder-Schwägerin? Und meinem Neffen und meiner Nichte?"
Hilgorn beschloss, die Anspielung zu ignorieren, und antwortete stattdessen: "Es geht ihnen allen gut - sie fühlen sich wohl in Dol Amroth, und Tírneth ist eine gute Freundin für Faniel geworden."
"Das freut mich zu hören." Aldars Miene wurde wieder ernst. "Ich hoffe wirklich, dass wir es hoffen, Mordor hier aufzuhalten. Ich weiß nicht, ob Dol Amroth einer weiteren Belagerung standhalten würde." Er wartete keine Reaktion von Hilgorn ab, sondern fuhr fort: "Und ich hoffe, dass es bald gute Neuigkeiten aus dem Süden gibt - es wäre wirklich wünschenswert, wenn dieser Qúsay seinen Krieg für sich entscheiden kann. Falls wir ihm wirklich trauen können, natürlich."
Hilgorn zögerte einen Augenblick, bevor er antwortet: "Ich glaube, das können wir. Immerhin fließt das Blut Númenors auch in seinen Adern."
"Ja, genauso wie in denen vieler von Saurons Kommandanten", entgegnete Aldar zweifelnd, und Hilgorn schüttelte den Kopf. "Das mag sein. Aber es war Qúsay, der Elphir von seiner Verletzung durch den schwarzen Atem geheilt hat - es war hier in diesem Haus, und ich war dabei."
Aldar hob überrascht eine Augenbraue. "Nun, das klingt tatsächlich nicht danach, als wäre er insgeheim ein Verräter. Dann verlasse ich mich auf dein Urteil, und auf das Imrahils natürlich. Er hätte schließlich kaum seine Tochter mit ihm verlobt, wenn er ihm misstrauen würde, oder?"
"Vermutlich nicht", stimmte Hilgorn ihm zu, und fragte dann: "Wo wir beim Thema Verlobung sind - wie kommt es eigentlich, dass du noch keine Frau gefunden hast?" Zu seiner Überraschung, wich Aldar, den man sonst mit nahezu nichts aus der Fassung bringen konnte, seinem Blick aus. "Das, äh... auf See hat man wenig Gelegenheit, Frauen kennen zu lernen. Außerdem besitze ich ohnehin nichts, was ich vererben könnte." Hilgorn hatte das Gefühl, dass sein Bruder einer ehrlichen Antwort ausgewichen war, doch bevor er Zeit hatte, weiter nachzuhaken, ertönte von Osten der helle Klang einer Signaltrompete.
Die Brüder sahen einander an, und Aldar wirkte geradezu erleichtert, als er sagte: "Nun, offenbar sollte ich zu den Schiffen zurück - und du zu den Mauern."
Bevor er sich davonmachen konnte, packte Hilgorn seine Hand. "Pass auf dich auf." Aldar erwiderte den Händedruck. "Und du auf dich, kleiner Bruder. Wir sehen uns wenn die Sonne aufgeht." Hilgorn nickte nur stumm, und sah Aldar hinterher, wie er durch die Tür zurück ins Haus trat, und von dort in Richtung Hafen davoneilte. Er selbst verharrte noch einen Augenblick, und blickte zum Himmel hinauf, an dem sich die ersten Sterne zu zeigen begannen. Ein Wind von Osten trieb Wolken heran, und schon bald würden die Sterne verhüllt sein. Schon bald würden die Heere Mordors gegen die östliche Mauer branden, und in diesem Augenblick fürchtete Hilgorn sich davor.
Dann rief Turin, der in der Tür erschienen war, seinen Namen, und Hilgorn straffte sich innerlich. Die Schlacht stand bevor, und jetzt war keine Zeit, sich von Furcht überwältigen zu lassen.

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