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Autor Thema: Ebene von Celebrant  (Gelesen 2748 mal)

Offline Thorondor the Eagle

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Ebene von Celebrant
« am: 15. Sep 2009, 21:34 »
Faendir vom Lager Faramirs und Éowyns und dem großen Heer in der Wold


Seit Faendir den Auftrag von Gandalf erhalten hatte, war ein halber Tag vergangen. Hinter dem Elben begann es bereits stark zu Dämmern. Die Landschaft vor ihm, kurz zuvor noch in strahlend hellen Pastellfarben, verschmolz bereits zu einem tristen Bild aus Grautönen. Faendir konnte nicht mehr erkennen, wie weit die Grenzen des goldenen Waldes entfernt waren. Selbst sein scharfes Elbenauge kann der kommenden Dunkelheit nicht trotzen.

Es fiel ihm immer schwieriger die kleine Nachtigall in der Ferne zu erkennen und so beschloss er halt zu machen. Er spielte ein paar kurze Töne auf seiner Flöte, damit die kleine Botschafterin bescheid wusste, dass sie halt machten. Hier auf dem Feld des Celebrant gab es kaum Bäume. Die weite, frischgrüne Hügellandschaft verlor sich an den Grenzen Lothloriens und am Nebelgebirge. Faendir und die kleine Nachtigall zogen sich unter ein paar kleinen, hüfthohen Sträuchern zurück.

Aus einem kleinen Beutel nahm er etwas Wegbrot, welches er von den Männern Rohans bekommen hatte. Er biss davon ab und kaute es eine Zeit lang. Es schmeckte grauenhaft im Vergleich zum köstlichen Lembas Brot der Galadhrim.

Das Vögelchen saß auf einem feinen Ast und sah Faendir zu. Sie zwitscherte laut los, um auf sich aufmerksam zu machen.

"Oh", schrak der Elb auf "Tut mir leid meine kleine Sängerin, du hast mir heute den Weg gezeigt, das Futter hast du dir verdient."
Er nahm aus einem kleinen weißen Seidenbeutel seines Gürtels, der ganz und gar nicht zu seiner übrigen Kleidung passte, einige Körner heraus und hielt sie dem Vogel hin. Die Nachtigall setzte sich auf Faendirs Handgelenk und pickte sie rasch aber genüsslich auf.

Ob ich es wagen kann hier einige Lieder zu spielen? Ich mag es mit der Nachtigall zu spielen. Sie macht all die Töne aus der Flöte noch fröhlicher und stimmungsvoller.

Noch ehe er zu seiner Flöte greifen konnte, begann der kleine Vogel zu singen. Faendir spielte leise seine mythischen Lieder der altvorderen Zeit und merkwürdigerweise kannte sie sie alle. In dieser stillen, dunklen Nacht war es sehr ruhig, so als gäbe es keinen Krieg und kein Übel auf diesen Gefilden. Das  Zirpen der Grillen um sie herum bildete einen beruhigenden Gesang. Faendir schlief friedlich ein und die Nachtigall hielt die nächtliche Wache.

Als er wieder erwachte saß die Nachtigall auf einem hohen Baum neben ihm. Er nahm wieder seine Flöte zur Hand und spielte darauf. Der Klang war noch schöner als sonst. Faendir war es nicht aufgefallen, doch er befand sich bereits mitten in einem grünen, wunderschön-blühenden Wald. Zwischen den Stämmen erkannte er eine spärlich bewachsene Felswand.
Die Nachtigall stimmte in seine Melodie ein. Ihre Stimme war lauter und klangvoller als am Abend davor. Faendir stockte der Atem, diese Stimme umschmeichelte ihm gerade zu seine Ohren. Er konnte nicht weiterspielen, denn der normalerweise harmonische Klang der Flöte, störte nun das einzigartige Lied des Vogels. Die Stimme, die sich nun ganz und gar nicht mehr wie Gezwitscher anhörte, wehte mit dem Wind. Die Töne glitten zwischen den Bäumen hindurch und die Blätter erfüllten die Pausen des Liedes mit klingendem Rauschen. Die Musik prallte an der Felswand ab und durch die davorliegende Schlucht in der die Töne tausendmal widerhallten erreichte das Lied seinen klangvollen Höhepunkt.
Faendir schloss seine Augen. In diesem Moment fühlte er sich im Einklang mit allem Guten dieser Welt. Sein Leben schien eine unerreichbare Harmonie zu sein.

Plötzlich war die Musik weg. Er öffnete seine Augen und ihm gewährte sich ein vertrauter Anblick; die Nachtigall auf dem kleinen Busch. Es war nur ein Traum gewesen. Der Horizont erstrahlte in einem silberweiß mit goldenen Sonnenstrahlen durchdrängt.
...so bitter kalt diese Nacht auch war, dieses Lied in meinen Träumen hat mein Herz erwärmt. Und dieser wunderschöne Sonnenaufgang... heute war wohl eine der wenigen Nächte in der kein Blut geflossen ist. Diese Tage sind sehr selten geworden...

Er erhob sich langsam und schaute über die Wiesen. Kein Feind war in Sichtweite seines Elbenauges und kein Schatten lag über ihnen oder dem goldenen Wald. Er erkannte, dass der Weg nicht mehr weit war.
Mit frischen Kräften gingen sie los. Er marschierte in flottem Laufschritt und die kleine Nachtigall flog voraus. Es waren kaum zwei Stunden vergangen, als sie die ersten Bäume Lothloriens erreichten. Die Nachtigall setzte sich auf einen Ast und blickte zurück. Der Wald war von frühlingshaften Grün überwuchert und durchdrängt von hunderten Stimmen verschiedener Vögel. Es war wieder Frieden in Lorien eingekehrt und wie einst schien es so als ob die Zeit still stand.

Der Elb hatte das Vögelchen schon fast erreicht, als es laut kreischend aus der Krone fiel. Faendir schrak auf und lief schneller als er jemals gelaufen war. Er fand die kleine Nachtigall am Boden liegend. Ihr Flügel war durchbohrt von einem wohlgeformten Pfeil; einem Silberdornpfeil.

"Was hab ihr getan...", brüllte Faendir.
Und noch ehe er begriff was los war, umschlossen ihn einige Grenzwächter Lothloriens und bedrohten ihn mit Pfeil und Bogen.
"Wer bist du?" fragte einer forsch und unfreundlich.

"Ich bin Faendir, Kundschafter des Düsterwalds und ich bringe eine Botschaft von Gandalf dem Weißen für die Herren des Waldes und an Thranduil meinen König."

"Wie lautet diese Botschaft?"

"Nur die kleine Nachtigall der Tochter des Mondes kennt die Antwort auf eure Frage!", sagte Faendir mit weinerlicher Stimme. Ihm kullerten Tränen über die Wangen als er fordernd auf die Soldaten blickte.
 
Der Wächter sah Faendir entsetzt an: "Schnell, bringt die beiden nach Caras Galadhon. Ehe die Nachricht in der Düsternis des Todes verloren geht!"


Faendir in die Wälder Lothlóriens
« Letzte Änderung: 25. Aug 2016, 08:57 von Fine »
2. Char Elea ist bei der Ratsversammlung von Aldburg


    ~~RPG-Leiter~~

Offline Curanthor

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Ebene des Celebrant
« Antwort #1 am: 4. Jan 2014, 17:52 »
Mathan, Halarîn, Balendin, Antien und Oronêl von der Südgrenze Lothlóriens
Celebithiel, Galadriel, Irwyne und Mithrellas mit den Flüchtlingen aus Caras Galadhon


Halarîn spürte ihre Füße mehr als deutlich, die Nacht war so anstrengend wie keine ihrer Reisen zuvor. Fast im Laufschritt waren so gen Süden gezogen und standen nun, kurz bevor die Sonne aufging, vor der Ebene von Celebrant. Der Flüchtlingszug hatte sich zu einer Igelförmigen Formation formiert und wartete auf die Rückkehr ihrer Späher. Die Elbe rieb sich die Augen und seufzte ergeben bei dem Gedanken, dass sie den restlichen Tag ebenfalls sehr schnell weiterziehen mussten. Sie strich sich die langen Haare aus dem Gesicht und schlenderte an den Rand des Lagers. Vor einem flachen Felsbrocken stand die Heilerin, die sie versorgt hatte, die hellbraunen Haare hatte sie zu einem langen Zopf gebunden, der ihr bis zur Hüfte reichte. Die braunen Augen der Elbe richteten sich auf Halarîn, als sie sich ihr näherte, diese erwiderte den Blick mit einem Lächeln.
„ Nicht mehr lange und wir sind in Sicherheit.“, begann die Heilerin das Gespräch und blickte nach Süden, dort wo Aldburg liegen musste. Halarîn wollte ihr nicht die Stimmung verderben und hielt lieber den Mund, schweigend standen sie da und beobachteten das Lager der Elben. Die Heilerin drehte ihr den Kopf zu und sah ihr ernst in die Augen:
„ Und euer Kind wird dort in Sicherheit sein.“, setzte sie nach und wich nicht ihren ungläubigen Blick aus.
Die Nachricht schlug wie ein Hammer auf Glas in ihrem Kopf ein, jeglicher Gedanke zersprang und die Sorge um Mathan wuchs bis ins unermessliche.
„ Wie…?“, sie brach ab und schüttelte den Kopf: „ Das ist absurd. Es ist schon zu lange her, als wir das letzte Mal-“, die Heilerin  hob eine Augenbraue: „ Seid ihr euch da auch sicher?“, unterbrach sie sie unhöflicherweise. Halarîn drehte sich etwas ungehalten um und die Heilerin erwiderte ihren erzürnten Blick mit Mühe:“ Wieso sollte es nicht so sein? Ich weiß es wohl besser als ihr.“
„ Ich glaube nicht. Wie es das Schicksal so wollte, ging ich am selben Tag zu euren Haus um meine Nichte zu besuchen. Da aber keiner öffnete und mir ein Zwerg erzählte was er gehört hatte, bin ich wieder gegangen, da ihr wohl länger nicht zu sprechen gewesen währet.“, erklärte die Elbe ohne mit einer Wimper zu zucken und reichte ihr die Hand: „Ich bin Sûnarîa und wünsche eurem Kind alles Gute und den Segen der Sterne.“, Halarîn sah musterte die Elbe von Kopf bis Fuß, ergriff ihre Hand und drückte sie kurz. Sie hatte kaum Ähnlichkeit mit ihrer Mutter und doch war sie sich sicher, dass die Heilerin nicht log.
Halarîn räusperte sich, als Sûnarîa ihre Hand nicht losließ, sondern ihr tief in die Augen starrte und nachdenklich sprach: „ Es tut mir Leid, dass ich bei eurer Hochzeit nicht anwesend sein konnte. Ich hatte schon öfters versucht mit euch zu sprechen, leider wart ihr nicht daheim oder ich war auf Reisen. Den Grund werde ich euch dann in Aldburg sagen, wenn dein Mann ebenfalls da ist.“, als sie endete, umarmte sie ihre Tante und fragte verwundert, warum sie denn nicht mit Scalyna übers Meer gefahren sei. Die Antwort überraschte sie umso mehr: „ Nun, es gibt weit mehr Avari als man denken mag und nicht alle sind mit deiner Tochter gezogen.“, plötzlich blickte Sûnarîa erschrocken auf und begann in ihren Beutel zu suchen, schließlich zog mit sichtlicher Erleichterung ein versiegeltes Kästchen aus. Halarîn kannte das Siegel nicht und nahm es langsam entgegen, während sich auf das Gesicht ihrer Tante ein Lächeln geschlichen hat. 
Sie brach das Siegel,  klappte den Deckel auf und mehrere kleine Rollen Pergament fielen fast heraus. Mit Mühe konnte sie das verhindert und schließlich erkannte sie die Schrift, es war von Scalyna.  Ohne Worte umarmte sie ihre Tante, die überrascht die Gefühlsregung erwiderte. Im selben Augenblick ertönte dumpfes Hufgetrappel und Halarîn erblickte, über die Schulter ihre Tante hinweg, einen größeren Trupp Reiter, der auf sie zu hielt. Ihr Herz machte einen freudigen Satz.

„Wir haben sie eingeholt.“,  rief Arafin und deutete auf die Hügel, die vor ihnen lagen. Mathan schauderte, dort standen zwei Elben in einer Umarmung, eine von ihnen hatte lange, rote Haare. Er gab seinem Pferd die Sporen und preschte an allen Reitern vorbei, Oronêl warf ihm einen verwunderten Blick zu, als er ihn überholte. Mathan hatte das Gefühl, dass sein Herz flüssiges Feuer in die Adern pumpte und dem Elb traten die Tränen in die Augen. Die beiden Elben drehten sich zu ihnen um.
„Halarîn!“, seine Stimme war so laut wie ein Fanfarenstoß.
„Mathan!“, rief sie und lief ihm entgegen. Er parierte sein Pferd und sprang aus dem Sattel, der trockene Boden schien Rauchwolken zu husten, als er die letzten Schritte zu Fuß lief. Überglücklich schloss er seine Frau in die Arme, in ihren wunderschönen Augen glitzerten  Tränen und ihre Lippen bebten. Sie wollte etwas sagen doch er legte ihr einen Finger auf die Lippen und sprach:
„Schhh, kein Wort.“, dann hob er sie überschwänglich hoch, wirbelte sie herum und gab ihr einen langen Kuss. Als sie sich voneinander lösten kamen auch die anderen Reitern heran, sie blickten das Paar erstaunt an, ritten aber weiter den Hügel hinauf.

Arafin lächelte und bemerkte, dass den meisten Reiter ebenfalls ein Lächeln auf den Lippen geschlichen war.
„Ziemlich große Gesten nicht wahr?“, wandte er sich an Oronêl, dieser blickte ihn ausdruckslos an, in seinen Augen lag Tadel.
„ Verdienen große Gefühle nicht große Gesten?“, erwiderte er schlicht und ließ sein Pferd über den Kamm des Hügels trotten, Arafin folgte ihm und konnte grade noch einen erstaunten Ausruf unterdrücken.
„Das Heer ist angekommen.“, sagte der Elb mit der Narbe, in seiner Stimme schwang Erleichterung. Eine breite Schlachtreihe hatte sich auf den gegenüberliegenden Hügeln formiert, sie marschierten geradewegs auf die Flüchtlinge zu, die ihre Igelformation aufgaben und sich beeilten in die schützenden Reihen der Menschen und Elben zu gelangen.
Oronêl gab den Befehl zum Heer aufzuschließen und die Reiter preschten den sanften Hang hinab. Insgeheim freute er sich für den Hauptmann und gab den Befehl nur, damit sie ihre Ruhe hatten.

Die weite Ebene war bald erfüllte von Rufen, Klirren und vereinzelten Jubel. Mathan ging Hand in Hand mit Halarîn durch das große Knäul von Soldaten. Sûnarîa folgte ihnen wie ein Schatten, sie hatte bis jetzt kein einziges Wort gesprochen und blockte auch jeden Versuch eines Gesprächs ab.
„Später, in Aldburg.“, war immer ihre Antwort und versank dann wieder in Schweigen. Halarîn blickte fast unentwegt in die Augen ihres Mannes, dort fand sie unbändige Freude, unausgesprochene Liebesschwüre und Entschlossenheit.
„Du hast mir gefehlt, so sehr.“, flüsterte er in ihr Ohr und strich ihr sanft über den Kopf, Halarîn erwiderte die Zärtlichkeit mit einem flüchtigen Kuss auf die Wange. Schließlich kamen sie an den Wagen an, auf dem ihre wenigen Habseligkeiten lagen. Mathan runzelte die Stirn und sah sich um.
„Deine Rüstung ist dort.“, sagte Halarîn schmunzelnd, packte ihn sanft bei den Schultern und führte ihn zu den Karren, auf dem sämtliche Waffen und Rüstungen lagen. Zwei gerüstete Elben traten zu ihnen und räusperten sich:
„Halarîn und Mathan Nénharma, würdet ihr uns bitte zu den anderen Anführern folgen?“, die beiden Angesprochenen sahen sich kurz an und nickten, woraufhin die beiden Elben sie durch die Menge führten zu einem freien, kreisrunden Platz an dem mehrere Elben und Menschen standen. Zu ihrer Überraschung waren unteranderem auch Elrond, Glorfindel und Celeborn anwesend, sie standen mit den Rücken zu ihnen und sprachen mit Oronêl. Er berichtete von dem Verlauf der Schlacht und als er sie erblickte, hielt er kurz inne und sprach dann:
„Die beiden hier, können den folgenden Teil genauer erläutern: Hauptmann Mathan Nénharma und seine Frau, Unteroffizier Halarîn Nénharma, sie hielten den südlichen Saum des Goldenen Waldes.“, mit den Worten traten sie an die Seite Oronêls und wollten sich verbeugen, doch Elrond hob eine Hand und sprach freundlich: „Lassen wir die Förmlichkeiten, berichtet wie es euch ergangen ist.“,  Mathan sah kurz zu Halarîn, sie nickte und er begann von den mörderischen Gefechten zu berichten und ließ keine Einzelheiten aus. Die drei Elben hörten ihnen Aufmerksam zu, selten unterbrachen sie sie, meist waren es Celeborn oder Glorfindel, die sich ein genaueres Bild von der Truppenstärke des Feindes machen wollten. Gegen Ende des Berichts wurden die Mienen ernster, Celeborn ballte gar die Fäuste in seinen langen Ärmeln des Gewands, unauffällig. Als Mathan schließlich endete, wandte sich Glorfindel an Halarîn: „Ihr habt euch bis jetzt dazu noch nicht geäußert, darf man Fragen was eure Aufgaben waren?“, es lag kein Vorwurf in der Frage, er war wohl schlicht neugierig. Die Elbe trat verlegen von einen Fuß auf den anderen als sie antwortete: „Ich habe meinen Mann unterstützt und ihnen den Rücken gedeckt, ich war auch die Späherin die die letzten Flüchtlinge aus dem Wald geleitete, Mathan deckte uns dabei. Zum Schluss wurden wir jedoch getrennt und ich musste wegen den Flammen  über die Bäume zurückfinden… Dabei habe ich irgendwie das Bewusstsein verloren und wurde schließlich aus dem Anduin gerettet.“, als sie endete senkte sie scheu den Blick, doch Elrond sagte schließlich: „Ihr habt großen Mut bewiesen und vielen Elben das Leben gerettet, jene die Gefallen sind werden in Aman auf uns warten, bis irgendwann unsere Zeit gekommen ist. Wir danken euch für euren Bericht und auch euch, Oronêl. Nun bereitet euch für den Aufbruch vor, wir wollen so schnell es geht wieder gen Süden ziehen.“, Halarîn fasste Mathans Hand, als sie wieder zurückgingen und er blickte ihr in die Augen: „Ich weiß, dass du mich nicht aufgegeben hattest.“, sagte sie schließlich nach einer langen Pause und ging zu Oronêl, während Mathan sich auf die Suche nach etwas zu essen machte.


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« Letzte Änderung: 22. Jan 2017, 15:41 von Fine »

Offline Eandril

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Ebene des Celebrant
« Antwort #2 am: 5. Jan 2014, 10:35 »
Oronêl stand etwas abseits des Lagers. Es herrschte Aufbruchsstimmung und es war schwer gewesen einige Ponys zu bekommen, die er mit zwei Elben den Zwergen entgegen geschickt hatte.
Er war zutiefst erleichtert, dass sie das schützende Heer erreicht hatten, nun konnte er einen Großteil der Verantwortung abgeben. In dem Gewimmel umhereilender Elben fiel ihm eine zierliche Frau mit roten Haar auf, sie hielt an und rief seinen Namen, er hob die Hand, als Zeichen dafür, dass er sie gehört hatte. Er wusste wer sie war, und jetzt erinnerte er sich auch wieder woher er sie kannte. Vorhin, als sie und Mathan sich wiedergefunden hatten... Oronêl hatte nicht gewusst, was er empfinden sollte. Einerseits freute er sich für die beiden, aber andererseits hatten ihn Neid und Trauer wie ein Stachel getroffen. Nie wieder, bis er nach Westen ging, würde er selbst ein solches Wiedersehen erleben, und auch dann war es nicht sicher. Hatte Calenwen ihm verziehen? Und beinahe ebenso wichtig, konnte er ihr verzeihen, dass sie ihn verlassen hatte?
 
Schließlich stand Halarîn ihm gegenüber und musterte ihn abschätzend, dann strahlten ihre braunen Augen dankbar als sie sprach: "Nur durch eure gute Reaktion stehe ich jetzt hier. Ich weiß nicht wie ich diese Schuld begleichen kann, auch mein Mann ist unendlich dankbar, auch wenn er es nicht so zeigt. Seid versichert, wenn ihr einen Wunsch habt, wir versuchen ihn zu erfüllen.", als sie endete hatte sie seine Hand genommen und drückte sie sanft. Oronêl lächelte und erwiderte freundlich: "Ihr schmeichelt mir, jeder hätte so gehandelt. Doch auf euer Angebot komme ich vielleicht später zurück, aber das hat noch Zeit." Sie nickte nur und ging wieder zurück zu Mathan, der mit einer Hand voll getrockneter Beeren etwas weiter hinten wartete. Der Hauptmann nickte ihn stumm zum Gruß, den der Oronêl erwiderte.
Nachdenklich strich er sich über die Narbe, die ihn für immer an Amdír erinnerte - und an Calenwen. Langsam ging zu seinem Pferd, und dachte über Mathan und Halarîn nach. Er wusste jetzt, woher sie ihm bekannt vorkamen. Er hatte war ihnen schon früher in Lórien begegnet, unter Amdírs Herrschaft. Damals war Mathan ein Schmied gewesen, der jahrelang an einer einzigen Rüstung geschmiedet hatte. Damals hatte Amdír und er sich heimlich über ihn lustig gemacht, weil er ein ganzes Jahrzehnt seines Lebens auf dieses unpraktische Ding verschwendet hatte. Heute war Oronêl sich seiner Sache nicht mehr so sicher. Hätte Amdír auf der Dagorlad eine solche Rüstung getragen, würde er dann noch leben?

Rings herum setzten sich die Kolonnen in Bewegung,  Arafin ritt ihm entgegen und führte sein Pferd am Zügel. "Danke", sagte er nur und saß auf.
„Und, hat sie mit euch gesprochen?“, fragte der Späher etwas neugierig. Er nickte nur und ließ sein Pferd antraben.
„Sie hat fast im halben Lager herumgefragt, zuletzt war ich es, der sie zu euch schickte.“, der Elb zwinkerte ihm zu und gab seiner Stute die Sporen. Oronêl hing noch einer ganzen Weile seinen Gedanken nach, während sie nach Aldburg zogen.

Mathan spürte die Unruhe der Flüchtlinge, einige versuchten sie zu überspielen, andere lenkten sich ab und sprachen mit den Soldaten, die sie begleiteten. Er lauschte nur halbherzig den Gesprächen und sah zu Halarîn, die auf einem Wagen lag, sie schlief und umklammerte ein kleines, hölzernes Kästchen. Sûnarîa trat lautlos neben ihm und sprach leise: „Macht euch keine Sorgen, es ist nichts schlimmes. In Aldburg werdet ihr mehr erfahren.“, sie lächelte freundlich. Er erinnerte sich noch an die Schrecksekunde, in der Halarîn plötzlich zu schwanken begann und schließlich der Länge nach hinfiel. Zum Glück war ihre Tante da gewesen, sie war Heilerin und sorgte dafür, dass seine Frau einen der wenigen Plätze auf einem Wagen bekam. Er schreckte aus den Gedanken als rings um ihn herum alle Gespräche verstummten. Er hob den Blick und in der Ferne zeichnete sich die alte Königsstadt Rohans am Horizont ab.

Die Flüchtlinge weiter nach Aldburg.


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« Letzte Änderung: 17. Aug 2015, 17:24 von --Cirdan-- »

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Offline Fine

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An der Nordgrenze Rohans
« Antwort #3 am: 14. Aug 2015, 13:17 »
Glorfindel, Thranduil, Erkenbrand, Elfhelm, Antien, Elea, Cyneric und Irwyne mit dem großen Heer aus Aldburg und dem Elbenlager


Fünf Tage war das große Heer nun mit größter Vorsicht durch die Ost-Emnet gezogen und erreichte am Vormittag den Übergang des Limklar-Flusses und somit die Nordgrenze der Riddermark. An der alten gondorischen Brücke, die in den Tagen als das Land noch Calenardhon geheißen hatte erbaut worden war, staunten die rohirrischen Wachposten nicht schlecht, als die vorausgeeilten Reiter sie über die Ankunft des Heeres informierten. Bald darauf überquerte der lang gezogene Tross die Brücke und betrat die Ebene von Celebrant. Sie zogen nun auf Glorfindels Anweisungen hin noch zwei Stunden weiter in nordwestlicher Richtung, bis dieser gegen Mittag den Befehl zum Halten gab und sie anschließend begannen, ein großes Lager aufzuschlagen.

Cyneric hatte die Reise nach Norden zumeist auf Rynescéads Rücken verbracht. Er war relativ froh darüber gewesen, nicht zu Fuß gehen zu müssen, und darüber dass ihm sein Reittier einen Teil seiner Ausrüstung abnehmen konnte. Dies würde sich nun ändern, da die meisten Rohirrim ihre Pferde nicht mit über den Großen Strom nehmen würden. Der Weg durch die Ost-Emnet war ereignislos verlaufen. Bisher scheint unser Aufbruch unbemerkt geblieben zu sein, dachte Cyneric.

Nachdem er mit seiner Kompanie das gemeinsame Zelt aufgebaut hatte machte er sich auf die Suche nach Irwyne. Ihm blieben noch mehrere Stunden bis zur Dämmerung, zu der er sich am Zelt der rohirrischen Kommandanten einzufinden hatte um den Wachdienst anzutreten. Während er das sich im Aufbau befindende Lager durchquerte fiel ihm auf, dass sich die vor dem Aufbruch aus Aldburg geprobte Aufstellung ziemlich gut bei den Soldaten eingeprägt hatte und diese nun das Lager gemäß der Einteilung durch Glorfindel errichteten. Im Zentrum hatten sich die Schmiede, Heiler und Köche einquartiert, was den Vorteil hatte dass sie für jeden leicht erreichbar waren. Cyneric fand nach kurzer Suche schließlich den Wagen, auf dem Irwyne die meiste Zeit mitgefahren war, und entdeckte das blonde Mädchen ganz in der Nähe. Sie trug wie so oft elbische Tracht und verstaute gerade einige Vorräte der Heiler in einem der Zelte.
"Hallo, Cyneric," begrüßte sie ihn fröhlich. "Hast du die alte Ruine am Nordufer gesehen? Ich würde sie mir gerne mal ansehen, wenn du mitkommen möchtest. Zuerst muss ich aber die Vorräte vom Wagen abladen."
"Ich helfe dir, dann geht es schneller," schlug Cyneric vor.
 
Kurze Zeit später war der Wagen vollständig entladen. Nach einem Abstecher zu den provisorischen Stallungen verließen sie das Heerlager in südlicher Richtung. Rynescéad trug sie beide mühelos über die Ebene, und schon bald tauchte vor ihnen die Ruine auf, von der Irwyne gesprochen hatte. Es handelte sich um eine verlassenes gondorisches Fort, das einst in den Tagen von Gondors Macht den Übergang über den Limklar bewacht hatte. Seit der Schlacht auf der Ebene von Celebrant und der Ankunft der Rohirrim war es verfallen und sich selbst überlassen worden. Mehr wusste Cyneric nicht darüber.

Sie ließen Rynescéad am Tor zurück und betraten die Ruine. Die noch erhaltenen Mauern fassten einen ungefähr zehn Meter breiten Hof ein und wurden von einem einzelnden Turm gekrönt, dessen Eingang Irwyne hinter einem Vorhang aus Efeu entdeckte. Zu Cynerics Überraschung war die Wendeltreppe im Inneren vollständig intakt, sodass sie kurze Zeit später die Platform an der Turmspitze betreten konnten. Dreißig Meter über der Ebene bot sich ihnen ein ansehnlicher Ausblick. Im Süden breiteten sich die Felder und Steppen Rohans aus, während fern im Westen der Saum des Fangorn-Waldes sowie die hohen Gipfel des Nebelgebirges zu erkennen waren. Nach Norden schauend konnten sie nun die ganzen Ausmaße des Heerlagers überblicken, welches inzwischen vollständig errichtet worden war. Im Osten zogen langsam bereits die Schatten der Dämmerung heran, und der Große Strom zog sich wie ein Band durch das dunkler werdenden Land an beiden Ufern.

Irwyne war einige Zeit still geblieben und hatte sich aufmerksam umgesehen. Schließlich kam sie herüber und hielt sich an Cynerics Arm fest.
"Dorthin ziehen wir, oder?" fragte sie leise und lenkte seinen Blick nach Nordosten.
Am Horizont jenseits des Anduin erstreckte sich der Südrand des Düsterwaldes, und über den fernen Baumspitzen ballte sich eine unnatürliche Dunkelheit zusammen.
Dol Guldur. Dort muss sie liegen, die Festung unserer Feinde, dachte Cyneric, und das Herz wurde ihm schwer.
"Ja," antwortete er, "dort liegt unser Ziel." Ich hoffe, dass die Reise dort nicht auch enden wird...

Bald darauf machten sie sich auf den Rückweg. Irwyne ließ den Moment des Schwermuts schnell hinter sich und erzählte fröhlich von den Dingen, die sie auf dem Weg nach Norden erlebt und gesehen hatte, doch Cyneric fiel es schwer, ihr aufmerksam zuzuhören. Zu tief war der Abdruck, den der Anblick Dol Guldurs in der Ferne bei ihm hinterlassen hatte.
Nachdem sie ins Heerlager zurückgekehrt waren verabschiedete er sich von Irwyne und machte sich auf den Weg zum Zelt der Kommandanten, um seinen Wachdienst anzutreten.
« Letzte Änderung: 18. Aug 2015, 08:28 von Fine »

Offline Fine

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Galanthirs Bericht
« Antwort #4 am: 18. Aug 2015, 16:03 »
Galanthir, Angvagor und Finelleth vom Saum des Düsterwalds


Die Sonne war bereits untergegangen, als Cyneric seinen Posten am Eingang von Erkenbrands großem Zelt erreichte. Die Fackel, die er bei sich trug um den Kommandanten Licht zu spenden löschte er rasch als er sah, dass das Innere des Zelts bereits von Elbenlampen erleuchtet wurde. Glorfindel war mit seinen Hauptleuten von Imladris bereits anwesend und Elfhelm war ebenfalls eingetroffen. Ein schneller Blick in die Runde zeigte Cyneric, dass Thranduil noch fehlte. Er postierte sich am Eingang und verfiel in einen Zustand aufmerksamer Wachsamkeit.

Kurze Zeit später traf der Waldelbenkönig schließlich in Begleitung dreier in Grün- und Brauntöne gekleideter Elben ein, die ihre Kapuzen beim Eintreten absetzten. Es schienen die Kundschafter zu sein, bei deren Entsendung aus dem Lager der Elben bei Aldburg Cyneric als Begleiter Faramirs anwesend gewesen war.
"Le abdollen," empfing Glorfindel Thranduil.
"Wichtige Angelegenheiten hielten mich auf," gab dieser entschuldigend zurück. Dann wandte er sich an die übrigen Anwesenden und sagte: "Hier sind Galanthir, Angvagor und Finelleth, die ich von Aldburg aus gen Dol Guldur entsandte. Sie mögen nun von ihrer Reise und ihren Entdeckungen berichten."
Die drei Kundschafter traten vor und verbeugten sich respektvoll vor den Heerführern. Derjeniger, der direkt nach Thranduil das Zelt betreten hatte nahm das Wort.

"Mögen die Sterne Euch leiten, hohe Herren. Aran nín entsandte Angvagor, Finelleth und mich selbst mit dem Ziel, die Bereitschaft unseres Feindes zu prüfen und wenn möglich, seine Absichten herauszufinden. Wir brachen von Aldburg in östlicher Richtung auf und kamen zum Amon Hen, wo wir den Anduin mit einem Boot überquerten. Am Ostufer sahen wir, dass die Säulen der Könige Gondors zerstört worden waren. Wir eilten weiter in nordöstlicher Richtung und erreichten schließlich den Südrand von Taur-nu-Fuin, wo wir schon bald auf Orks stießen, vor deren Augen wir uns verborgen hielten. Sie waren in großer Zahl zum Fluss unterwegs, um diesen gegen Saruman zu befestigen, wie wir aus ihrem Gerede erfuhren. Später konnten wir ihren Kommandanten beobachten: ein Mensch, der sich 'Varakhôr' nannte."
"Der Name hat einen üblen Klang. Das Adûnâisch lässt darauf schließen, dass es sich um einen Mornadan handelt," warf Glorfindel ein.
"Was meint Ihr damit, Herr?" erkundigte sich Erkenbrand.
"Die Mornedain wie wir sie nennen, oder auch Schwarze Númenorer, sind nur wenige, dennoch zählen sie zu den gefährlichsten Dienern des Feindes. Ihren Fürsten, den ihr als 'Saurons Mund' kanntet, hatten Gandalf und Celebithiel in Angrenost erschlagen. Womöglich haben wir es hier mit seinem Nachfolger zu tun."
"Das sind schlimme Neuigkeiten," sagte Elfhelm. "Die Schwarzen Númenorer sind tödlich. So zumindest hörten wir es aus Gondor."

Thranduil winkte ab. "Wie gut kann er schon sein? Meine Kundschafter hat er nicht entdeckt. Gemeinsam mit Saruman wird er uns nicht aufhalten können." Er bedeutete Galanthir, den Bericht der Kundschafter fortzusetzen.
"Wir hielten uns versteckt, konnten aber hören, was der Kommandant des Feindes seinen Dienern befahl: das Ostufer des Großen Stroms sollte befestigt und gegen Angriffe aus dem Westen, insbesondere aus Lothlórien, gesichert werden. Auch die Untiefen hier im Süden plante er zu sperren. Ich fürchte, der Übergang über den Fluss wird sich als schwieriger als erhofft erweisen."
"Das bleibt abzuwarten," warf Thranduil ein.
"Iston, aran nín," erwiderte Galanthir mit einer respektvollen Geste. Dann fuhr er fort: "Wir überquerten den Fluss, bevor die Orks mit der Befestigung begannen, haben jedoch in den folgenden Tagen während wir auf die Ankunft des Heeres warteten weiter beobachtet, wie sie voranschritten. Sie haben Palisaden am Ostufer errichtet und die Furt mit angespitzten, in den Boden gerammten Pfählen versperrt. Reiter werden sie nicht passieren können. In unregelmäßigen Abständen haben sie Wachtürme errichtet, die zwar hastig erbaut und nicht sehr stabil aussehen, ihnen jedoch einen guten Überblick über den Fluss bieten. Ork-Späher streifen am Ufer auf und ab, vor allem nachts sind sie wachsam. Wir sind ihnen mehrfach nur um ein Haar entgangen."

"Unser Feind ist bereit," kommentierte Erkenbrand.
"Danke für deinen Bericht, Galanthir," sagte Glorfindel. Dieser neigte respektvoll das Haupt und trat zurück neben seine beiden Gefährten.
"Wir werden den Flussübergang mit Waffengewalt erzwingen müssen," fuhr der Noldo fort. "So kommt es nun also früher als gedacht zu Kampfhandlungen."
"Wir sind bereit, Herr," sagte Elfhelm. "Lasst uns die Orks in voller Stärke angreifen und durch ihre Reihen brechen, auf dass sie schreiend die Flucht ergreifen."
Glorfindel blickte nachdenklich drein. "Der Feind weiß, dass ein Angriff kommen wird. Ich glaube aber, er erwartet ihn aus Lothlórien und hat nur aus Vorsicht seine Verteidigung bis hierhin in den Süden ausgedehnt. Ich denke nicht, dass sie die Furt gegen uns halten können, aber ich fürchte, das wollen sie auch gar nicht. Sie wollen uns den Übergang so teuer wie möglich machen, um uns für einen möglichen Angriff auf Dol Guldur zu schwächen. Wahrscheinlich werden sie keinen Kampf suchen sondern uns mit Pfeilen beschießen während sie sich hinter ihren Palisaden und Wachtürmen in Deckung bringen."
"Ihr meint also, dass wir nichts überstürzen sollten," folgerte Erkenbrand.
"Korrekt. Wir müssen größte Vorsicht walten lassen um unserem Feind nicht in die Falle zu gehen. Der Übergang über den Fluss darf uns keine hohen Verluste kosten."

"Oh, ich denke, dabei könnte ich euch behilflich sein," erklang eine neue Stimme, und alle Augen wandten sich dem Eingang des Zeltes zu.
Saruman war eingetroffen.
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Sarumans Rat
« Antwort #5 am: 25. Aug 2015, 12:40 »
Der Zauberer betrat das Zelt, gefolgt von einem seiner Dúnedain-Wächter. Zwei weitere postierten sich außerhalb neben dem Eingang. Cyneric sah, wie die rohirrischen Gardisten ihnen Platz machten, sie jedoch mit misstrauischen Blicken bedachten. Ich traue denen ebenfalls nicht. Wer weiß, welche Befehle ihnen Saruman gegeben hat. Außerdem sind sie allesamt Verräter. Wir müssen wachsam bleiben und größtmöglichste Vorsicht walten lassen.
Noch immer war er gespaltener Meinung über das Bündnis der Freien Völker mit Saruman. Einerseits war er froh, dass sich der Zauberer entschlossen hatte, von weiteren Angriffen auf Rohan oder die Elben abzusehen und seine Armeen stattdessen gegen Sauron zu richten. Gemeinsam konnten sie womöglich tatsächlich erreichen, dass dem Feind im Norden ein schwerer Schlag versetzt werden und dessen Stärke in Rhovanion deutlich geschwächt werden würde.
Andererseits war es schwer, Saruman zu vertrauen, der schon so viel Leid, Tod und Zerstörung verursacht hatte. Die Rohirrim und Elben Lóriens hatten beide unter seinen Angriffen auf ihre Heimat zu leiden gehabt, und viele waren gestorben. Außerdem fürchte ich was passiert, wenn Saruman Erfolg hat. Wird er Sauron als Dunkler Herrscher ersetzen? Werden sich seine Orks dann wieder gegen uns wenden? Damit wäre niemandem geholfen. Er seufzte leise. Früher war es einfacher. Man wusste, wer der Feind war, und konnte sich auf ihn vorbereiten.

Saruman war zu den Heerführern getreten und hatte sich über den Bericht von Thranduils Kundschaftern genauestens in Kenntnis setzen lassen. Er schien davon nicht sonderlich beunruhigt zu sein. Auf seinen Stab gestützt blickte er zuversichtlich in die Runde und sagte: "Die Überquerung der Untiefen bereitet euch Sorgen, doch ich denke ich habe eine ideale Lösung für dieses Problem." Er machte eine kurze Pause und schien eine Reaktion abzuwarten.
"Und wie also lautet Euer Rat, Saruman der Weise"? brach schließlich Erkenbrand das Schweigen.
Saruman schien den spöttischen Unterton nicht zu bemerken, oder ließ sich nicht davon stören. "Lange haben meine Diener in meinem Reich Kriegsvorbereitungen getroffen und haben die unterschiedlichsten Belagerungsmaschinen erbaut, die nun bereit zum Einsatz sind. Ich werde euch drei - nein, sagen wir vier der großen Katapulte zur Hilfe aussenden. Sie können die Befestigungen unserer Feinde auf dem Ostufer und an den Untiefen unter Beschuss nehmen und seine Streitmacht zwingen, unter den Bäumen des Düsterwalds Schutz zu suchen."
"Und wir können nahezu ungehindert vorrücken. Ein guter Plan," fügte Thranduil gelassen hinzu.
Glorfindel bedachte den Zauberer mit einem abschätzenden Blick. "Wie stets sind Maschinen deine Antwort auf Probleme," sagte er zu Saruman.
"Maschinen sind zuverlässig. Sie funktionieren. Sie machen keine Fehler." erwiderte der Zauberer. "Ich biete euch meine Hilfe an. Wenn ihr sie nicht wollt, müsst ihr wohl euren eigenen Weg über die Untiefen finden. Ich fürchte, ihr werdet feststellen, dass dies ohne hohe Verluste nicht zu schaffen ist."
"Selbstverständlich nehmen wir die Hilfe an," warf Thranduil ein. "Es wäre Torheit, es nicht zu tun."
"Nun gut. Lasse die Katapulte liefern, Saruman," antwortete Glorfindel, dessen Gesichtsausdruck weiterhin missbilligend blieb. "Ich hoffe, sie werden deinen Versprechungen gerecht."
"Habt ein wenig Vertrauen in meine Baumeister. Ihr werdet sehen, was sie unter meiner Anleitung alles vollbracht haben. Schon bald werden wir den Großen Strom überquert und mit der Belagerung Dol Guldurs begonnen haben. Ich war dabei, als die Festung zum ersten Mal eingenommen und Sauron in den Osten vertrieben wurde. Dieses Mal wird niemand entkommen."

Saruman fuhr nun eine Weile fort, den Heerführern von den unterschiedlichsten Belagerungsmaschinen zu berichten, die seine Diener erbaut hatten, und wie er plante, sie gegen die Festung des Feindes im Düsterwald einzusetzen. Schließlich kamen sie auf den bevorstehenden Angriff auf das Ostufer zu sprechen.
"Der Angriff muss zeitgleich mit der Überquerung des Flusses im Norden geschehen," sagte Saruman. "Meine Streitmacht wird Landungsboote verwenden, die gegen Pfeilbeschuss gesichert sind. Der frühe Abend eignet sich am Besten für den Angriff, da die untergehende Sonne unsere Feinde am Ostufer blenden wird."
"Außer, wenn eine Wolke im Weg ist," warf Elfhelm ein.
"Beschuss durch meine Katapulte wird das Signal zum Vorrücken sein. Einem koordinierten Angriff an zwei Fronten werden die feindlichen Truppen nicht widerstehen können. Ich werde einen geflügelten Boten senden, damit ihr wisst, wann ihr euch zum Angriff bereit halten sollt. Vögel sind in dieser Hinsicht zuvelässige Überbringer von Botschaften. Lasst zunächst die Katapulte, die ich euch senden werde die Befestigungen und Stellungen des Feindes unter Beschuss nehmen, und rückt dann so bald es geht über den Fluss vor."
"Wie weit schlagt Ihr vor, dass wir nach der Überquerung vorrücken sollen?" fragte Erkenbrand.
"Bis zum Waldrand. Dort könnt ihr euch sammeln und auf die Belagerung vorbereiten," antwortete Saruman.
"Dann erwarten wir dich dort zur Beratschlagung für die Erstürmung der Festung des Feindes," sagte Glorfindel, der die Arme verschränkt hatte. "Vorausgesetzt, deine Streitmacht scheitert nicht bei der Überfahrt über den Großen Strom."
"Oh, das wird sie nicht. Sie sind bei Weitem zu zahlreich. Doch lasst uns nun zur Aufstellung der Heere kommen. Zunächst: Wie viele Reiter habt ihr dabei?"

Sie fuhren fort, sich über die Zusammensetzung der Streitmächte der Freien Völker sowie derer von Saruman auszutauschen. Der Zauberer betonte, dass Elfhelm so viele Reiter wie nur möglich mitbringen sollte, da sich diese noch als nützlich erweisen könnten, so unwahrscheinlich dies zunächst auch sein möge. "Wir müssen auf alles vorbereitet sein. Der Feind hält möglicherweise eine Überraschung für uns bereit."
Außerdem beschlossen sie, die von Saruman bereitgestellten Katapulte nach der Überquerung des Flusses bei Glorfindels Streitmacht zu belassen. "Meine Belagerungsmeister werden sie rechtzeitig für den Transport vorbereiten und sich um ihre Instandhaltung kümmern."
"Sofern sie keine Orks sind," merkte Glorfindel an.
"Ich befehlige mehr als nur Orks," erklärte Saruman. "Ich werde euch selbstverständlich menschliche Belagerungsmeister senden. Sie sind weitaus zuverlässigere Diener."
Glorfindel nickte zufrieden. "Dann sind wir uns einig. Sobald deine Katapulte hier eintreffen, können wir den Angriff auf das Ostufer beginnen."
Ich hoffe, die Maschinen des Zauberers halten, was er verspricht, dachte Cyneric. Es gefällt mir nach wie vor nicht, dass wir ihn unterstützen müssen. Er warf einen kurzen Blick zu Thranduil hinüber. Würde ich Saruman ebenfalls so bereitwillig unterstützen wenn er mir in Aussicht stellte, meine Heimat zurückzugewinnen? Wenn er mir anböte, alles, was ich verloren habe, wiederzuerlangen? Er wusste es nicht. Und er hoffte, dass sie nicht mehr allzu lange auf die Hilfe des Zauberes angewiesen sein würden.
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Schatten der Vergangenheit
« Antwort #6 am: 11. Sep 2015, 16:03 »
Cyneric blendete die fortdauernden Gespräche der Heerführer aus. Das Wichtigste hatten sie besprochen, nun würde es nur noch um Details gehen. Und schon bald werden wir den Übergang über den Fluss wagen, dachte er. Er hoffte, alles würde reibungslos ablaufen und das Heer würde bald aufbrechen können. Je früher, desto besser.

Draußen vor dem Zelt erregte etwas am Rande seines Sichtfelds seine Aufmerksamkeit. Wachsam trat er nach draußen und sah eine ihm bekannte weibliche Gestalt auf das Zelt zutreten. Er erkannte sie als Elea, die Frau die vor einiger Zeit eine Audienz bei dem Heermeister Faramir gesucht hatte. Er hielt sich bereit, ihr den Zutritt zum Zelt zu verwehren, doch sie wandte sich nach links und kam vorsichtig auf den dort postierten Waldläufer zu. Ihr Gesicht zeigte eine Mischung aus Erleichterug und Sorge, doch vor allem Verständnislosigkeit konnte Cyneric darin entdecken.
"Helluin," sagte sie leise, "du bist hier!"
Der Waldläufer - Helluin - blickte sie mit einem undeutbaren Ausdruck in den tiefblauen Augen an.
"Mutter. Du hättest nicht herkommen sollen," sagte er kühl. "Bitte geh' wieder. Das hier ist kein Ort für dich."
Sie schüttelte den Kopf, offenbar getroffen von dieser Aussage.
"Nein. Ich werde nicht gehen, Helluin. Nicht, bevor du mir nicht erklärt hast, was geschehen ist, und wieso du diesem...Zauberer folgst."
"Du würdest es nicht verstehen," gab Helluin zurück.
"Ich kann es wenigstens versuchen," antwortete Elea fest. "Sag' mir die Wahrheit! Was soll das Ganze? Was ist mit den Dúnedain geschehen? Ich habe Schreckliches über ihre Rolle beim Fall von Lórien gehört!"
"Wir tun nur, was dem Wohle unseres Volkes und dem Ruhm Arnors dient," sagte Helluin, der seine Hand zur Faust geballt hatte. "Saruman wird uns helfen, den Glanz des nördlichen Reiches wieder erstrahlen zu lassen, seine Ruinen wieder zu prächtigen Städten zu machen und sein Volk aus der Armut in der es lebt zu neuem Reichtum zu führen."
"Glaubst du das wirklich?" wollte Elea wissen. "Ich... ich habe gehört, dass Saruman die Familien derer, die sich ihm entgegenstellten als Geiseln genommen hat. Ist es wahr? Folgst du ihm aus Angst davor, was er ihnen antun könnte?"
"Das ist eine Lüge," zischte Helluin. "Saruman hat nichts als unser Wohl im Sinne!"
"Und sein Angriff auf Lórien? Das war eine Tat des puren Bösen!"
"Die Elben mussten lernen, über welche Macht er nun verfügt. Er ist der einzige, der Sauron aufhalten kann. Durch seinen Sieg in Lórien hat er das bewiesen!" erklärte Helluin grimmig.
Schockiert wich Elea einige Schritte zurück. "Das.. kannst du doch nicht wirklich glauben! Bitte, Helluin, komm' mit mir, und wir verlassen diesen Ort. Lass' uns nach Hause zurückkehren, wo wir sicher sein werden!"
"Sicher? Du glaubst, auf dieser Welt gäbe es noch Orte, die wirklich sicher sind?" antwortete Helluin wütend. "Nein - wir müssen uns unsere eigene Sicherheit schaffen, und nur Saruman kann uns dabei helfen!"

Elea ließ die Schultern sinken, und Cyneric konnte sehen, dass ihre Augen voller Tränen waren. Gerade hatte er sich dazu durchgerungen, etwas zu sagen, als Saruman aus dem Zelt hinter ihm trat. Offenbar ist die Besprechung der Heerführer jetzt zuende, dachte Cyneric.
Der Zauberer erfasste die Lage mit einem Blick und trat auf Elea zu, nachdem er Helluin bedeutet hatte, stehen zu bleiben. Cyneric konnte sehen, wie die Dúnadan ihren Blick zornerfüllt auf Saruman richtete. Dann begann er, zu sprechen.
"Erelieva von den Dúnedain. Welch eine Überraschung, Euch hier zu sehen. Wie Ihr sehen könnt, geht es Eurem Sohn gut - er dient mir als Rechte Hand, und hat sich als außerordentlich tapfer erwiesen."
"Lass' ihn in Ruhe!" schrie sie, doch mit weniger Entschlossenheit als zuvor.
"Ich werde nichts tun, was er nicht aus freien Stücken gewählt hat. Er dient mir, weil er erkannt hat, dass es das Richtige ist. Wollt Ihr denn nicht, dass er glücklich ist? Wollt Ihr ihm seine Entscheidungen nehmen?"
"Er weiß nicht, was er da tut," protestiere Elea.
"Oh, Ihr unterschätzt ihn. Jetzt beruhigt Euch, meine Liebe. Ihr seht aus, als könntet Ihr die Erholung des Schlafes gebrauchen."
Mit diesen Worten schritt er an ihr vorbei, und die Waldläufer und Helluin folgten ihm. Elea blieb noch einige Momente unschlüssig stehen, und ging dann ebenfalls ihrer Wege.

Cyneric verbrachte die folgende Stunde auf seinem Posten vor Erkenbrands Zelt, bis seine Schicht schließlich zu Ende ging. Nachdenklich machte er sich auf den Rückweg zur Unterkunft seiner éored. Was würde ich tun, wenn mein Kind auf Abwege geraten würde? Doch als er an seine Tochter dachte, spürte er erneut den stechenden Schmerz des Verlusts seiner Familie und schob die Gedanken mit aller Macht von sich. Um sich abzulenken malte er sich den Angriff auf die Furten aus, der in den kommenden Tagen erfolgen würde. Schon sehr bald wird der Weg nach Dol Guldur frei sein. Und dann versetzen wir Sauron einen schweren Schlag, von dem er sich nicht so schnell erholen wird, sagte er sich, auch wenn er es mehr hoffte als wirklich daran zu glauben.

Er stellte fest, dass ihn seine Füße durch einen Umweg in die Nähe von Irwynes Zelt gebracht hatten. Weshalb - das konnte er nicht sagen. Doch er beschloss, zu überprüfen ob das Mädchen sicher schlief, da er schon einmal in der Nähe war, und ging den von vielen Füßen ausgetretenen Weg im Zentrum des Lagers entlang.
Gerade als er Irwynes kleines Zelt, das sie sich mit einer der Köchinnen teilte, erreicht hatte, ließ ihn ein Schrei erstarren.
Seine Instinkte übernahmen die Kontrolle und er schlug eilig das Tuch am Eingang zur Seite. Die Köchin war nicht da, doch Irwyne lag halb aufrecht mit weit aufgerissenen Augen und heftigem Atem auf ihrer Schlafstätte, die Decke halb über ihren Körper geworfen.
"Amrothos!" stieß sie furchterfüllt hervor. Dann erkannte sie Cyneric, und er sah wie die Anspannung von ihr abzufallen begann. Er setzte sich neben sie und deckte sie sanft zu.
"Hast du schlecht geträumt?" fragte er leise, nachdem sich das Mädchen einigermaßen beruhigt hatte.
"Ja..." antwortete sie schließlich. "Amrothos... er war in Gefahr, doch ich konnte ihn nur kurz sehen. Es war.. er sah schrecklich aus!" schluchzte sie.
Cyneric schloss sanft die Arme um sie und hielt sie, während sie ihr Gesicht an seiner Brust vergrub. Wie oft hatte er Déorwyn so gehalten, wenn sie Alpträume gehabt hatte, und wie bei seiner Tochter schien die Umarmung auch bei Irwyne zu funktionieren.
"Oronêl wird ihn retten," sagte sie schließlich.
"Das wird er ganz sicher," stimmte Cyneric zu, obwohl er nicht ganz verstand, wovon sie sprach. "Das wird er," wiederholte er leise und begann, eine alte rohirrische Melodie zu summen, die er früher oft auf seiner Laute gespielt hatte. Schließlich, ohne dass er es beabsichtigt hatte, kamen ihm die Worte wieder in den Sinn und leise sang er:

"Hwær cwóm helm? Hwær cwóm byrne,
Hwær cwóm feax flówende,
Hwær cwóm hand on hearpestrenge,
Hwær cwóm scir fýr scinende,
Hwær cwóm lencten and hærfest,
Hwær cwóm héah corn weaxende?"

Als Irwyne schließlich eingeschlafen war und regelmäßig atmete legte er sie wieder auf ihr provisorisches Bett und deckte sie zu. Anschließend machte er sich, noch nachdenklicher als zuvor, auf den Weg zu seiner Unterkunft, um ebenfalls die Ruhe des Schlafes zu suchen.
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Der Große Strom
« Antwort #7 am: 30. Sep 2015, 15:59 »
Der Morgen kam, und mit ihm ein kalter Wind aus dem Norden, der rauschend über die Ebene strich. Langsam erwachte das Kriegslager zum Leben. Cyneric stand auf und verließ das Zelt, seinen grünen Umhang hinter sich im Wind flatternd. Eine angenehme Abwechslung zur heißen Sommersonne der letzten Tage, dachte er während der sich auf den Weg zu Irwynes Schlafplatz machte.

Sie war bereits wach und saß vor ihrem Zelt, die Haare zu einem breiten Zopf geflochten. Ihre Augen waren leicht gerötet, aber ihr Gesicht zeigte keine Regung. Sie ist ein tapferes Mädchen. Trotz allem, was sie durchgemacht hat.
Er setzte sich neben sie. Eine Zeit lang sprach keiner der beiden, bis Irwyne schließlich sagte: "Danke, dass du gestern bei mir warst, Cyneric. Auch wenn es nur ein Traum war kam es mir seltsam echt vor was ich gesehen habe."
"Erzähl mir von Amrothos," sagte er. "Wer ist er?"
"Er kam mit Oronêl und Amrûn nach Dunharg, über die Pfade der Toten, und begleitete uns nach Lothlórien," antwortete sie. "Er hat gesagt, er sei einer der Söhne des Fürsten von Dol Amroth. Amrothos war sehr freundlich zu mir, fast wie ein großer Bruder. Wir hatten viel Spaß zusammen. Aber eines Tages war er einfach verschwunden, und niemand wollte mir erzählen, wohin er gegangen ist. Oronêl ist nach Westen gegangen, um ihn zu finden - mehr weiß ich nicht."
"Was hast du in deinem Traum gesehen?" fragte Cyneric.
"Nicht viel. Es war dunkel. Zuerst hörte ich nur zwei leise Stimmen, die sich unterhielten. Ich konnte nicht verstehen, was sie sagten. Dann wurde es etwas heller, und ich konnte eine Gestalt erkennen, die auf dem Boden kniete. Es war Amrothos - aber er sah furchtbar aus... ich kann es kaum beschreiben. Er war in großer Gefahr, das spürte ich deutlich. Aber fliehen konnte er von dort nicht."
Sie brach ab und schaute in die Ferne, einen wehmütigen Ausdruck in den Augen.
"Wenn Oronêl nach ihm sucht, wird er Amrothos bald gerettet haben," sagte Cyneric schließlich.
Irwyne blickte ihn an und blieb einen Moment still. Dann nickte sie leicht und sagte: "Du hast Recht. Oronêl findet immer eine Lösung."

Am späten Vormittag kamen zwei berittene Kundschafter ins Lager geprescht und brachten die Nachricht, dass von Norden eine große Gruppe Menschen mit schwer beladenen Wägen eingetroffen sei. Es handelte sich um die von Saruman versprochenen Belagerungsmeister. Glorfindel nahm sie in Empfang und gab dann den Befehl zum Aufbruch. Nach einem eilig eingenommenen Mittagessen rückten die meisten elbischen und menschlichen Soldaten in östlicher Richtung aus. Der Rest blieb zur Bewachung des Lagers vor Ort. Cyneric ging mit Erkenbrands Männern, die zu Fuß gingen und schwere Rüstung und Schilde trugen. Sie würden als Erste die Untiefen des Großen Stromes überqueren und den Weg für den Rest des vereinigten Heeres der Menschen und Elben freimachen.

Am Westufer des Anduin angekommen begannen Sarumans Belagerungsmeister sofort, ihre Maschinen zu errichten. Cyneric blickte mit Unbehagen ans Ostufer hinüber, wo die feindlichen Wachen sie längst entdeckt hatten. Er sah die grob errichteten Befestigungen aus Holz, die den Weg durch den Fluss versperrten und die Wachtürme, die das andere Ufer säumten. Am anderen Ufer gab es nur wenige Bewegungen. Cyneric konnte einige Orks sehen, die sich an den Palisaden bewegten, doch die meisten schienen hinter den Holzwällen in Deckung gegangen zu sein. Jetzt werden wir sehen, ob Sarumans Maschinen wirklich so nützlich sind, wie er behauptet.
Er hätte sich keine Sorgen machen müssen. Der oberste Belagerungsmeister gab kurz darauf den Befehl zum Feuern, als die Aufbauten der Maschinen abgeschlossen waren. Zweierlei Belagerungsgeräte hatten die Menschen in Diensten des Zauberers mitgebracht. Eines verschoss große pfeilförmige Bolzen, die über zwei Meter lang waren, während das andere mit mehreren größeren Steinen beladen werden konnte, die gleichzeitig verschossen werden konnten. Die Belagerungsmeister sagten, eigentlich würde die Ladeschale des Katapults mit viel größeren, einzelnen Felsen beladen, diese wären jedoch für sie zu schwer. So füllten sie die Schale mit Steinen, die sie gerade noch anheben konnten. Beim Abfeuern des Katapults ergab sich eine streuende Wirkung, die die hölzernen Bauten der Orks wie Papier zerriss. Auch die Bolzen der Ballisten erwiesen sich als tödlich, denn mit ihnen konnte genauer gezielt werden als mit dem Katapult.

Nach beinahe einer Stunde lagen die Befestigungen in Trümmern. Thranduil hatte seine Bogenschützen auf alles, was sich am Ostufer bewegte feuern lassen und hob nun die Hand, um den vorderen Reihen der Soldaten das Zeichen zum Vorrücken zu geben. Langsam und vorsichtig überqueren die schwer gerüsteten Krieger nun den Fluss. Der Große Strom war an dieser Stelle nur wenige Handbreit tief, wies aber dennoch eine starke Strömung auf. Als sie den Fluss zur Hälfte durchquert hatten, sahen sie die Leiche eines Orks, die von der Strömung aus dem Norden herangetragen wurde. Ein schwarzgefiederter Pfeil ragte dem Gefallenen aus dem Rücken. Anscheinend sind Sarumans Krieger im Norden nicht untätig geblieben.
Cyneric war froh, als sie schließlich das Ostufer erreichten. Er hatte mit einer Schlacht gerechnet und erleichtert darüber, dass sie die Furt nun so einfach einnehmen konnten. In der Mitte der Untiefen begannen die Soldaten nun, die Hindernisse und Barrieren der Orks zu entfernen, damit später die Reiter und Wägen des Versorgungszuges den Fluss problemlos überqueren konnten.

In nordöstlicher Richtung vor ihnen zeichnete sich in einiger Entfernung die dunkle Linie des Waldrands des Düsterwaldes ab. Und weiter dahinter erhob sich die in Schatten gehüllte Festung des Feindes. Mit Unbehagen blickten die Krieger hinüber.
Am Westufer wurden nun eilends Nachrichten an das Lager auf der Ebene von Celebrant gesandt. Das Lager sollte abgebrochen und die Furt von allen überquert werden. Es dauerte bis zum frühen Abend bis alle am Ufer eingetroffen waren, und die Überquerung würde noch länger brauchen. Cyneric stellte sich darauf ein, an diesem Tag nicht mehr viel weiter zu marschieren.

Die Sonne war bereits untergegangen, als der Angriff erfolgte. Eine starke Truppe Orks war von Norden am östlichen Ufer des Flusses entlang geeilt und fiel dem Heer während der Überquerung in die Flanke. Eilig ließ Erkenbrand seine Einheit nach links schwenken, um dem Angriff zu begegnen. Mit erhobenen Schilden stürmten die Rohirrim nach vorne. Cyneric legte seine ganze Stärke in den Stoß und warf seinen Gegner zu Boden. Ein schneller Streich mit dem Schwert ließ den Ork verstummen. Dem nächsten hieb er einen Arm ab, nachdem er dessen Schlag ausgewichen war. Die Hiebe des dritten parierte er, bis der Ork von einem anderen Soldaten von hinten erstochen wurde.
Der erste Ansturm der Feinde hatte das Heer überrascht und in leichte Unordnung gebracht, doch der harte Widerstand ließ die Orks schon bald die Kampfeslust verlieren. Viele von ihnen lagen erschlagen am Boden, und sie wandten sich zur Flucht nach Norden. Weit kamen die meisten nicht, denn die Elben sandten ihnen gut gezielte Pfeile hinterher. Im Heer gab es glücklicherweise nur sehr wenige Gefallene, aber viele waren verwundet worden. Glorfindel führte sie noch eine knappe Stunde weiter vom Fluss weg, bis sie schließlich hielten und sich für die Nacht einrichteten.


Glorfindel, Erkenbrand, Elfhelm, Thranduil, Antien, Cyneric, Irwyne, Elea, die Elbenkundschafter und Fred mit dem großen Heer zum Saum des Düsterwalds
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Offline --Cirdan--

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Ebene des Celebrant
« Antwort #8 am: 9. Jan 2016, 23:24 »
Eddy und Elea aus dem Lage am Rande des Düsterwaldes nahe Dol Guldur

Niemand hatte gesagt, dass eine Flucht einfach sein würde. Panisch hatte sich Eddy regelmäßig im Sattel seines Pferdes umgedreht und nach möglichen Verfolgern Ausschau gehalten. Elea führte sie, denn sie kannte diese Lande. Sie ritten den ganzen Nachmittag, sprachen wenig und rasteten nicht.
Am Abend kamen sie an den Anduin. Beide steigen ab und führten ihr Pferde bei den Untiefen nördlich der Emyn Muil durch das Wasser hinüber auf die Ebene des Celebrant. Grade als Eddy das westliche Ufer betrat und sich ein wenig mehr in Sicherheit fühlte, sah er auf der anderen Flussseite Männer auf Pferden reiten. Erschreckt schaute Eddy zu seiner Begleiterin herüber, die die Verfolger ebenfalls erkannt hatte: „Es sind Sarumans Männer. Beeilt euch!“ Mit diesen Worten packte Elea ihr Pferd fester am Zügel und führte das Tier schnellen Schrittes den Abhang zum Fluss hinauf, dicht gefolgt von Eddy.

Der Breeländer sah es schon kommen, wollte noch warnend rufen, aber es war zu spät. Die Frau rutschte auf dem matschigen Abhang aus und fiel mit dem Knie auf einen Felsstein. Elea schrie kurz auf, unterdrückte dann aber weitere Schmerzensschreie. Ed sah zum Fluss hinunter. Die verfolgenden Dunedain hatten sie längst erblickt und waren bereits dabei den Anduin zu durchqueren. Er packte Elea mit seinen Armen und wollte sie auf ihr Pferd heben, aber die Frau war schwerer als er vermutet hatte und wandte sich vor Schmerzen. „Lasst mich. Ich kann nicht weiter“, keuchte sie. „Natürlich kannst Du“, ermutigte Eddy, „das ist doch nur eine kleine Wunde am Knie. Das wird ganz schnell wieder!“ Elea ließ ein kurzes Lachen von sich und befahl Eddy sie zurück zu lassen: „Geht, ihr habt es verdient zurück nach Hause zu kommen Breeländer. Dies ist keine Gegend für  euch. Reitet nach Rohan. Dort wird man euch helfen und von da aus könnt ihr der Straße nach Bree folgen.“

Mit Blick auf die näherkommenden Dunedain nahm Eddy Abschied, schwang sich auf sein Pferd und ritt davon. Ed durchquerte größere Ebenen und kleinere Wälder. Er wusste nicht wohin er ritt und hatte keine Ahnung in welche Richtung Rohan lag. Durch mehrere Richtungswechsel versuchte Eddy seine Verfolger abzuschütteln. Bald wurde es dunkel und der Breeländer irrte umso verlorener umher.

Im kam grade der Gedanke, ob es wirklich so gut gewesen war zu fliehen, als er in einiger Entfernung im Wald ein Licht erkannte. Es schien ein Feuer zu sein. Nähere dich niemals in der Wildnis einem Feuer, erinnerte sich Ed, es könnte sich dabei um drei Trolle um ein Lagerfeuer handeln, die nur darauf warten dich zu verspeisen. Aber er hatte wenig Alternativen und möglicherweise waren es Menschen aus Rohan, die ihm helfen konnten. Eddy stieg von seinem Pferd, band es an einen Baum und schlich danach vorsichtig auf das Feuer zu.
Es waren keine Trolle sondern nur ein kleines Kerlchen erkannte Ed. Der Fremde saß am Feuer und fuhr sich mit seiner Hand immer wieder durch den langen zotteligen Bart. Ein Zwerg musste es sein, schloss der Breeländer, der schon einige Zwerge in Archet getroffen hat, die Handel betrieben oder auf der Durchreise waren.
Mit einmal stand der Zwerg auf und hatte sogleich ein Schwert in der Hand. „Wer ist da?!“, rief er und Eddy zögerte nicht lange und trat aus dem Dickicht. „Bitte, ich will euch nichts tun. Ich habe mich verirrt und brauche Hilfe.“



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Eine verhängnisvolle Begegnung
« Antwort #9 am: 10. Jan 2016, 21:39 »
Aivaris Start:

Ein großer Mensch mit dunklem Haar und einem ernsten Gesichtsausdruck trat in den Lichtsaum des Lagerfeuers, das Aivari hier zwischen Bäumen und Sträuchern in einem kleinen Waldstück entzündet hatte.
Ich wusste ich würde es bereuen ein Feuer zu machen..., dachte der Zwerg bei sich, doch die Kälte und der Wunsch nach einer warmen Mahlzeit hatten ihn dazu gezwungen.
Nach Wochen in den Tiefen Khazad-dûms war ihm ein warmes Plätzchen zwischen den Baumwipfeln unter freiem Sternenhimmel wie ein persönliches Geschenk Aules vorgekommen. Warum hätte er es ablehnen sollen?

Der Mann wirkte auf den ersten Blick verzweifelt und war ebenso zerzaust, wie es Aivari nach einer gefühlten Ewigkeit in der Dunkelheit Morias war. Er hatte sich am Spiegelsee immerhin ein wenig waschen und pflegen können, sodass er nun zumindest nicht mit einem haarigen Waldtroll verwechselt werden würde.
Beim Anblick des Mannes, steckte Aivari die mattschwarze Klinge seines Schwertes Azanul wieder in seine Schwertscheide am Gürtel und er setzte sich zurück auf den kleinen Baumstamm, den er an die Lagerstelle an das Feuer gerollt hatte. Seinen Fund von vor ein paar Tagen, eine alte zwergische Insignie, die er gerade begutachtet hatte, bevor er auf das Rascheln im Dickicht aufmerksam geworden war, ließ er schnell in einem seiner Beutel am Gürtel verschwinden.

»Ihr solltet euch bei Nacht nicht so anschleichen, mein Freund. Es streifen auch finsterere Gestalten durch diese Lande, die euch nicht so wohlwollend gesinnt sind wie ein Zwerg auf der Durchreise.«
Unter dem dichten weißen Bart, der bis auf die Brust reichte, formte sich ein sanftes Lächeln, als er den Menschen spaßeshalber ein wenig tadelte. Es war gefühlte Monate her seit der Zwerg das letzte Mal mit einem intelligenten, freundlich gesinnten Wesen gesprochen hatte. Wochenlang waren seine einzigen Begegnungen weglagernde Orks, Ratten und anderes Getier in den Hallen und Schächten Khazad-dûms gewesen. Sein einziger Gesprächspartner waren die eigenen Gedanken, der einzige einigermaßen wohlwollende Anblick sein Spiegelbild in einer Wasserpfütze in den Minen von Zwergenbinge gewesen.
»Verirrt habt ihr euch also. Nun, der Wege sind viele, doch das Ziel ist eins. So sagt man doch, nicht?«

Während er sprach griff der Zwerg in seinen liebsten Beutel am Gürtel, nämlich den, der bis zum Rand mit feinstem Pfeifenkraut gefüllt war. Ein wenig davon rieb er zwischen Zeigefinger und Daumen noch etwas weicher und ließ es danach in die Öffnung seiner Pfeife rieseln. Dann entzündete er sie über dem Feuer und passte dabei auf, dass ihm sein Bart nicht zu nah an die Flammen kam. Diese Vorsicht hatte er vor etlichen Jahren nicht walten lassen und die Erfahrung noch Wochen später den Geruch von verbranntem Haar in der Nase zu haben, wollte er sich dieses Mal ersparen.

»Nun setzt euch endlich und sagt mir euren Namen, Herr Störenfried.«, meinte Aivari schließlich, nachdem der Mensch einige Momente lang, von der unerwarteten Begegnung überrascht, wie angewurzelt fest stand.

»Ehrm... entschuldigt bitte! Ich bin Eddy Weingarten. Ihr dürft mich gerne Ed nennen.«, erwiderte der Mensch schließlich mit einer unvorhergesehenen Höflichkeit und setzte sich schnurstraks gegenüber von Aivari auf einen kleinen Stein am Feuer.

»Eddy Weingarten! Ein vorzüglicher Name. Habt ihr da wo ihr herkommt etwa Wein angebaut?«
Aivari nahm einen kräftigen Zug aus seiner Pfeife und blies ein paar formschöne Ringe in den aufsteigenden Rauch des Feuers, die sich langsam zu einer Einheit zusammenfügten und in den Sternenhimmel zwischen den Baumwipfeln aufstiegen.
»Nein, nein. Die Weingartens haben eine lange Familientradition im Breeland, besonders in Archet, wo ich lebte. Ich selbst... nun... man könnte mich am ehesten als Baumeister bezeichnen. Gebt mir einen Hammer und ein paar Nägel in die Hand, ein paar Bretter und Metalle und ich kann euch fast alles zusammenbauen.«
»Nun einem Zwerg braucht ihr vom Bauen nichts erzählen. Wir hauen unsere Häuser schließlich einfach in die Berge hinein, schmücken sie ein wenig aus und dann leben wir bestenfalls für den Rest unserer Tage im Kerzenschein nach Diamanten schürfend, haha!«
Als der Breeländer – noch etwas verhalten – lachen musste, erfreute das Aivari um so mehr und er kramte erneut in einem seiner Beutel herum.
»Hier, nehmt meine Ersatzpfeife. Die ist zwar schon etwas älter, hat dafür aber  schon das ein oder andere besondere Kraut aus dem fernen Osten zum Glimmen gebracht.«
Er reichte dem Breeländer die Pfeife herüber, nachdem er sie mit dem selben Pfeifenkraut vollgestopft hatte wie zuvor. Er fragte gar nicht erst, ob Eddy überhaupt rauchte. Für den Zwerg war das gemütliche Pfeiferauchen am Lagerfeuer bereits zur Gewohnheit geworden und nachdem er sich innerhalb von Moria nur selten die Zeit genommen hatte ein wenig Kraut zu rauchen, nahm er einfach an, dass Eddy ebenso begierig darauf war.

Ed nahm die Pfeife dankbar entgegen und zündete sie über dem Feuer an. Als er beim ersten, tiefen Zug bereits das halbe Kraut einatmete und wild loshusten musste, konnte sich Aivari vor Lachen kaum mehr auf seinem Baumstamm halten. Dabei erschrak er selbst ein wenig, denn er hatte sein Lachen seit einer halben Ewigkeit nicht mehr gehört. Zu dunkel waren seine Tage in letzter Zeit.
»Ihr seid wohl nicht so der Pfeifenkrautraucher, was?«, meinte er schließlich vergnügt zum Breeländer.
Eddy nickte nur verhalten, schien nun aber mit etwas gemäßigteren Zügen Gefallen am Geschmack zu finden.
»Mein Name ist übrigens Aivari. Aivari Stormborinn um genau zu sein und ich stamme aus den Eisenbergen.«
Er seufzte unhörbar beim Gedanken an sein scheinbar unendlich weit in der Vergangenheit liegendes Leben mit seiner Familie und fuhr sogleich fort, mit etwas ernsterer Stimmlage.
Er war selten so offenherzig Fremden gegenüber wie er es gerade gewesen war, doch die Einsamkeit in Moria hatte auch an seiner zurückgezogenen Art ihre Spuren hinterlassen, sodass er die Begegnung genoss.
»Also, ihr sagtet ihr habt euch verirrt. Wohin sollte euch euer Weg denn führen, Ed, wenn nicht an mein nächtliches Lager?«
»Nach Rohan. Wisst ihr in welcher Richtung es liegt?«
Aivari griff sich mehrmals langsam in den Bart und dachte nach. Er war noch nie in Rohan gewesen, trotzdem wusste er nach so vielen Jahren, die er nun schon in Mittelerde verweilte, ziemlich genau wo Rohan lag. Er fragte sich viel mehr, was einen Breeländer überhaupt so weit in den Osten trieb.
»Südwesten.«, erwiderte Aivari schließlich knapp und deutete in die Richtung.
»Geht bis euch der Limklar den Weg versperrt, überquert ihn an einer seiner Furten und schon befindet ihr euch in Rohan, genauer gesagt in der Wold. Dann immer schön nach Süden und ihr werdet euch in Ost-Emnet wiederfinden. Von dort aus könntet ihr nach Westen nach Edo...«
Plötzlich ertönende fremde Stimmen in einiger Entfernung ließen Aivari abrupt verstummen. Einen Moment sahen sich Eddy und er wortlos an, schließlich nahm der Zwerg eine seiner rundlichen Trinkflaschen und erstickte mit dem Wasser das Lagerfeuer, während er Eddy bedeutete ruhig zu sein.
Sein Leichtsinn bei Nacht ein Feuer zu machen, würde sich vielleicht doch noch rächen, obwohl er jede Vorsichtsmaßnahme getroffen hatte, die ihm möglich war. Schließlich war nicht unbedingt zu erwarten, dass man das Feuer außerhalb des Waldstückes überhaupt sah.

Er schüttelte das feine Pfeifenkraut mit gequältem Gesicht aus der Pfeife und trat ein paar Mal darauf, sodass es den moosigen Waldboden nicht noch entzündete. Eddy tat ihm gleich und beide sahen sich in gebückter Haltung um. Jetzt wo das Licht des Feuers erloschen war und nur noch ein wenig kalte Glut nachglimmte, konnten sie ein paar Lichtquellen zwischen den Bäumen erkennen, die sich bewegten.
Ein halbes Dutzend, vielleicht mehr.

»Ihr hattet nicht zufällig ein paar Verfolger, Herr Weingarten.«, meinte er flüsternd mit vorwurfsvollem Unterton zu dem Breeländer, dessen raues Gesicht im Halbdunkel recht blass geworden war.
»Ich bin ein Deserteur.«, platzte es aus ihm heraus, etwas lauter als Aivari für gut empfand, weshalb er ihm einen hastigen Blick zuwarf und mit seiner Hand bedeutete leiser zu sprechen, bevor er sich auf das Gesagte einlassen konnte.
»Ich wurde als Baumeister in die Reihen von Sarumans Armee rekrutiert, aber er hat uns hintergangen... zumindest glaube ich das. Ich weiß nicht wem ich noch trauen kann, deshalb bin ich auf der Flucht.«
»Saruman?!«, platzte es nun im Gegenzug aus Aivari heraus, sodass nun Eddy einen angespannten Gesichtsausdruck auflegte und ihm mit einer Handbewegung bekundete leiser zu sein.
»Das letzte Mal als ich von Saruman gehört habe, war er mit einer tausende Köpfe starken Armee auf dem Weg nach Lóthlorien, um die freien Völker von dort zu vertreiben.«
»Was? Wo wart ihr denn die letzten Monate, wenn ich fragen darf?«
In Eddys Stimme klang eine ordentliche Portion Überraschung mit. Er drehte sich mit verblüffter Gestik zu dem neben ihm kauernden Zwerg um, während sie weiter geduckt hinter kleinen Steinen und einem größeren Baumstamm die Umgebung im Auge behielten.
»Das ist eine lange Geschichte, die ich mir für eine andere Gelegenheit aufspare. Lasst uns einfach warten und hoffen, dass sie uns nicht entde...«

»Halt!«, ertönte plötzlich eine tiefe Stimme, die so nah war, dass Eddy und Aivari beide aufschreckten.
»Hier brennt Glut! Hierher, hierher!«, ging es weiter und ein in einen grauen Umhang gehüllter Mensch ohne Fackel, jedoch mit einem Langschwert bewaffnet, trat aus dem Dickicht heraus ins Halbdunkel. Dabei erkannte er nun auch den Zwerg und den Breeländer im Schatten lauernd.
»Wer seid ihr?«, wollte der Graue nun wissen und hielt sein Langschwert dabei auf die beiden gerichtet.
Bevor einer von ihnen antworten konnte, rückte bereits Verstärkung an, mindestens ein halbes Dutzend bewaffneter Bogenschützen, die ihre Pfeile auf Aivari und Eddy richteten.
Auch die in der Entfernung erspähten Fackelträger stießen binnen Sekunden zur erloschenen Feuerstelle.
»Das ist er!«, rief ein anderer und deutete im Schein der Fackeln auf den Breeländer.
»Fesselt ihn und werft ihm einen Sack über den Kopf.«, meinte ein Dritter, der wohl ihr Anführer war. »Er wird noch lernen, was es heißt Saruman zu hintergehen.«
»Was ist mit dem Zwerg?«, erwiderte einer der Bogenschützen, der seinen Pfeil auf Aivari gerichtet hatte.
»Habt ihr diesem Verbrecher Unterschlupf gewährt?«, fragte der vermeintliche Anführer wieder.
Aivari schaute einen Augenblick zu Eddy, der ihn durch seine blauen Augen entmutigt ansah. Mehrere Gedanken schossen dem Zwerg durch den Kopf. Sein Ziel war es zwar seinen Vater zu finden und die zwergische Insignie war ein vielversprechendes Teilstück dieser Suche, doch er konnte den Breeländer unmöglich im Stich lassen, auch wenn er ihn noch nicht lange kannte. Eddy war ihm gegenüber ehrlich gewesen und seine Verzweiflung war nicht vorgetäuscht. Nun gebot es allein schon Aivaris Pflicht als Mann von Ehre ihm zu helfen. Wer wusste schon, was diese Menschen mit ihm machen würden? Warum überhaupt waren sie ihm so feindlich gesinnt und hatten ihn offenbar lange verfolgt? Nur weil er, ein einzelner Mann desertiert war? Und was hatte es mit Saruman auf sich, der nun anscheinend Breeländer und Menschen des Nordens unter seinem Banner vereint hatte. Die beste Möglichkeit Eddy zu helfen, die Aivari in der Kürze der Zeit einfiel, war sich zu ergeben und dann gemeinsam einen Plan zu schmieden.

»Ja das habe ich. Und ich würde es wieder tun.«, sprach er schließlich nach einer fast schon zu lange andauernden Stille und legte dabei größtmöglichen Trotz in seine Stimme.

»Schafft ihn ebenfalls weg! Soll Saruman über ihr Schicksal entscheiden.«, befahl der Anführer der Menschen mit angestrengter Stimme und drehte sich dabei schon wieder auf der Stelle um und verschwand im Dickicht. Er schien es eilig zu haben.
Die anderen sammelten die herumliegen Habseligkeiten ein, entwaffneten und fesselten Aivari und Eddy, die sich nur widerwillig unterwarfen, und packten sie getrennt hinter zwei Reiter auf ihre Pferde.
Das Letzte, das Aivari sah, war das dankbare Gesicht von Ed, der eine Mundbewegung machte, die der Zwerg nur als »Es tut mir leid« deuten konnte. Er nickte dem Menschen wissend zu, bevor ihnen Leinensäcke über die Köpfe gezogen wurden...
« Letzte Änderung: 19. Feb 2016, 15:58 von Fine »

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« Antwort #10 am: 14. Jan 2016, 17:07 »
Es war keinesfalls angenehm mit einem Sack über dem Kopf hinten auf einem Pferd zu sitzen, stellte Eddy schnell fest. Der Entführer vor Eddy verbot ihm an sich festzuhalten und der junge Breeländer, blind und orientierungslos, hatte jede Sekunde angst herunterzufallen.
Wenig beruhigte Ed dann, dass die Dunedain auch ohne Säcke über den Köpfen offenbar ebenfalls schlecht sahen, da die Nacht inzwischen vollständig hereingebrochen war. "Es ist nicht mehr weit", sprach einer der Schergen Saruman, um die anderen Männer in der Dunkelheit zu beruhigen. Mit dieser Aussage behielt er recht, denn schon bald hielten sie und Ed wurde von dem Pferd heruntergezogen.

Eddy hatte keine Ahnung, wo er sich befand. Er dachte nur an den freundlichen Zwerg, der nun seinetwegen ebenfalls in dieser misslichen Lage war und er ärgerte sich über sich selbst, wie dumm es gewesen war zu glauben, dass er entkommen könnte. Ed konnte sich nicht vorstellen, was ihm für seine Flucht als Bestrafung drohte und im Moment wollte er es auch gar nicht wissen.
"Schlaft jetzt!", befahl einer der Männer. "Ich habe hunger", rief Ed instinktiv und es stimmte, er hatte seit einer Ewigkeit nichts mehr gegessen, "in meinem Beutel, den ihr mir abgenommen habt sind meine Vorräte." "Der da drüber?", fragte ein anderer Dunadan neben ihm, der wahrscheinlich auf seinen Beutel zeigte. "Woher soll ich das wissen?", wollte Eddy grade antworten, als der Mann über Ed stolperte. "Nehmt mir endlich diesen Sack vom Kopf", keuchte Eddy, der den Fuß des Mannes immer noch im Magen spürte, "bei der Dunkelheit kann ich sowieso nichts sehen."
Niemand half ihm, niemand nahm ihm den Sack vom Kopf, stattdessen durchsuchte der Dunadan offenbar seinen Beutel. "Guten Proviant hast du, aber wem gehört diese rote Schleife hier?" Ed stutzte, da er die Schleife völlig vergessen hatte. Er hatte sie bereits eingepackt, als er damals aus Archet aufgebrochen war. "Die gehört meiner Freundin", erklärte Eddy nachdenklich und erinnerte sich an Lilly, wie sie mit der Schleife im Haar durch die Sonne getanzt war.
Der Dunadan lachte gehässig, während von etwas weiter entfernt die Stimme des Zwerges Aivari erklang: "Warum habt ihr Sie verlassen?"
Eddy überlegte ob er antworten sollte, was ihm grade durch den Kopf ging. Schlimmer kann es eh nicht mehr werden, entschied der Breeländer: "Weil Männer wie diese mir Lügen erzählten und mich unter falschen Versprechen aus meinem Dort in fremde Länder und Kriege lockten."
Kurz darauf befahl der Hauptmann die absolute Nachtruhe, verbot Essen und Trinken für die Gefangenen und ließ die Fesseln und Säcke noch einmal nachziehen.
Auch in dieser äußerst unbequemen Position dauerte es nicht lange, bis Eddy eingeschlafen war.

Am nächsten Morgen wurde Eddy unsanft geweckt. Ihm wurden einige wenige Vorräte aus seinem Beutel gegeben. Zum Essen durfte er den Sack von seinem Kopf endlich abnehmen. Ed fand sich in einem provisorischen Nachtlager der Dunedain wieder. Er nickte Aivari, der an einem Stück Brot knabberte, kurz zu und erkannte dann nicht weiter hinter dem Zwerg die alte Frau mit dem Spitznamen Elea. Ihr Knie war notdürftig abgewunden.
Es dauerte nicht lange, da bemerkte Ed bei den Dunedain eine Aufbruchsstimmung. Das Lager wurde abgebaut und die Pferde gesattelt. Auch Eddy und Aivari wurden wieder hinter zwei Reiter auf die Pferde gesetzt.

„Was ist mit ihr?“, fragte Eddy mit Blick auf Elea und drei Dunedain, die zurückblieben, „kommen sie nicht mit?“ Einer der Männer bejahrte und Ed hakte nach bis er eine genauere Antwort bekam. „Unser Herr befahl die flüchtige Frau nicht wieder mit zurückzubringen“, erklärte der Mann, „sie ist die Mutter unseres Hauptmannes Helluin. Sie verdreht ihm den Kopf und hält ihn von seinen Aufgaben ab. Sie wird nach Moria gebracht, wo sie sich nützlich machen kann.“
Eddy wollte widersprechen, die Männer umstimmen, aber nichts was er sagte, überzeugte die Dunedain. Er selbst war durch Moria gegangen. Eddy wusste wie schrecklich dieser Ort war; dunkel, mit tiefen Abgründen und Scharen von Orks und Schlimmerem.
„Behaltet meinen Sohn im Auge“, rief Elea Eddy nach, als er davon ritt. Das werde ich, dachte Ed, ich werde ihm erzählen was hier geschehen ist. Seine Mutter wird von seinen eigenen Leuten in die Stollen des Nebelgebirges gebracht.
Im gleichen Moment hoffte Ed, dass er überhaupt die Gelegenheit bekommen würde, mit Helluin zu sprechen. Desto näher sie sich dem Lager der Orks vor dem Düsterwald näherten, umso ängstlicher wurde er.

Eddy und Aivari als Gefangene der Dunedain ins Orklager vor dem Düsterwald


« Letzte Änderung: 18. Jan 2016, 17:18 von --Cirdan-- »