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Autor Thema: Ebenen vor Thal  (Gelesen 9638 mal)

Offline Bombadil, Tom

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Re: Schlacht auf den Ebenen vor Thal
« Antwort #15 am: 21. Jun 2009, 17:46 »
Noch während er lief merkte er, das der zurückgebliebene Elb wieder aufholte. Anfangs hatte er ihn nicht beachtet, wie er es gewöhnlich mit Elben zu tun pflegte, doch nun hatte sich das geändert. Er macht sich nicht schlecht, dachte Nársim, vielleicht habe ich die Elben ja falsch eingeschätzt... oder der hier ist ein extremer Ausnahmefall, was ich eher glaube Trotz seiner Vorbehalte, er nahm sich fest vor , später mit ihm zu sprechen - wenn er dazu noch die Möglichkeit bekommen würde. Genau in diesem Moment sirrte ein Pfeil heran, der ihn am Arm traf; es war nicht sein Schwertarm, was ihm kurz darauf das Leben retten sollte. Er verlor das Gleichgewicht und ging zu Boden Einer der Ostling sah nun seine Chance gekommen und stürmte auf Nársim zu, dem sein Schwert aus dem eben getroffenen Arm gefallen war, um ihn mit seinem Schwert zu durchbohren. Er hatte während der Flucht das Schwert in dieser Hand getragen, um seinem anderen Arm eine Pause zu gönnen; nun riss er mit diesem das Schwert unglaublich schnell hoch und schlug dem überraschten Ostling die Waffe aus der Hand. Während dieser noch taumelte, sah er zu, das er schleunigst wieder auf die Beine kam. Lange kann das nicht mehr so weiter gehen, ohne das ich zwangsläufig den Abgang mache... Er stand auf. Zeitgleich hatte sich auch der Ostling wieder gefangen. 
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Offline Farodin

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Re: Schlacht auf den Ebenen vor Thal
« Antwort #16 am: 7. Jul 2009, 13:46 »
Alivas sah, wie jemand stürzte. Er verlangsamte, war erneut einer der letzten. Thondin zog an ihm vorbei und blickte ihn vorwurfsvoll an, erkannte nicht, dass der am Boden liegende noch lebte. Alvias blickte ihn viel sagend an und der andere verstand.
Ein Zwerg war von einem Pfeil getroffen worden und rang verletzt mit einem Ostling um sein Leben.
Jetzt ist es auch egal, wo ich schon einmal stehe. Stirb, Unwürdiger!
Der Ostling, der gerade nach dem leicht benommenen Zwerg schlagen wollte, verlor zuerst erneut seine Waffe, dann schmerzhaft sein Leben.
"Los, wir sind die Letzten. Wenn wir uns nicht beeilen, werden die uns massakrieren."
Alvias packte den Zwerg am Kragen und schob ihn vor sich her, bis er wieder aus eigener Kraft laufen konnte.
"Danke", keuchte der Zwerg ihn an.
"Keine Ursache", erwiderte Alvias  mit dem Anflug eines Grinsens.

"Hat es sich gelohnt?", tönte eine Stimme herüber, als sie sich endlich nahe der Mauer vorübergehend in Sicherheit befanden.
"Ja, das hat es.", antwortete Alivas mit einem Blick auf den verletzten Zwerg, der sich gerade den Pfeil mit verzogenem Gesicht aus dem Arm zog.
"Aber er ist vorerst gerettet, was viel wichtiger ist: Wie soll es nun weiter gehen? Lange ist es nicht sicher hier. Sie werden weiter vorrücken, dann können sie unsere Schützen ausschalten und uns nach ihrem Geschmack vernichten. Ich muss irgendwie auf die Mauer hinauf, dann kann ich zu Dwilmo und mit ihm die Maschinen loslassen. Die werden unangenehm für die Ostlinge. Das verschafft uns noch ein wenig Zeit, die Krieger vor der Mauer alle in Sicherheit zu bringen."

Offline Khamul

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Re: Schlacht auf den Ebenen vor Thal
« Antwort #17 am: 12. Sep 2009, 00:53 »
Der Marschtritt des Heeres verstummte aprupt, als die Soldaten plötzlich stehen blieben. Oran wäre beinahe in seinen Vordermann hineingelaufen, doch er konnte sich noch rechtzeitig abbremsen. Was war hier nur los? Jeder gaffte sinnlos nach Vorne und wusste nicht, was er tun sollte. Das waren ihm Kampfgefährten, die ohne Befehle nichts zu tun wussten, wie Ameisen, deren Straße man mit Duftkräutern verwischt hatte. Ohne genauer darüber nachzudenken schob er sich zwischen den Reihen seiner "Verbündeten" hindurch nach Vorne. Kaum verständlich ertönten von Vorne die Rufe der Feldwebel und Gefreiten. Anscheinend hatten es die Zwerge und die wertlosen Menschen Thals gewagt, sich dem Heer des Ostens in einer Feldschlacht zu stellen. Und wenn die Soldaten in den hinteren Reihen nur gafften und nichts sonst taten, dann würden ihre Gegner es noch schaffen, ernsthaften Schaden anzurichten. Das war es also, was die Heeresordnung des Ostens ausmachte: Jeder Soldat wurde dressiert wie ein Hund, der ohne den Befehl seines Herrn zu keiner eigenständigen Handlung fähig war. Und nun, da kein Befehl von Vorne kam, breitete sich eine beinahe greifbare Konfusion unter den Soldaten aus. Niemand machte eine eigenständige Entscheidung, niemand hielt ihn zurück und sagte ihm, er solle auf seinem Platz bleiben, und niemand folgte ihm. Er wollte zwar nicht für die Sache von Sauron und Khamûl einstehen, musste sich aber selbst eingestehen, dass ihn bereits der Kampfrausch gepackt hatte.
Nach zirka hundert Reihen standen sie Soldaten bereits enger, da die Feldwebel und Gefreiten hier vorne bereits begonnen hatten, Befehle zu brüllen. Nur noch Schritt für Schritt kam er voran, doch plötzlich legte sich einen Hand auf seine Schulter. Oran bereitete sich bereits darauf vor, von einem Gefreiten zurecht gewiesen zu werden, dass er nicht zu dessen Bataillion gehörte, drehte sich jedoch nicht um. Seine Anspannung löste sich augenblicklich, als eine ihm wohlbekannte Stimme in sein Ohr drang: "Ich werde dich wohl zurechtweisen müssen, Soldat. Du hast dich unerlaubt von deinem Bataillion entfernt." Langsam drehte er sein Geschicht in die Richtung der Gefreiten hinter ihm, und er schaute ihr direkt in die Augen. "Es wundert mich, dich hier vorne zu sehen, Merissa. Auch du hast dich unerlaubt von deinem Heer entfernt."
Für kurze Zeit ließ sich ein Lächeln auf ihren Lippen erkennen, doch dann sagte sie zu ihm: "Hier kommen wir wohl nicht mehr weiter."


Aus der Sicht Khamûls

Khamûl scherte sich nicht um die anderen Reiter, er galoppierte einfach direkt auf die Feinde, die Thal verteidigten, zu. Funken stroben von den Hufen seines braunen Hengstes, während dieser mit all seiner Geschwindigkeit die von seinem Herrn gewählte Richtung einschlug. Im Gegensatz zu den restlichen Nazgûl zog er massige Pferde den zierlichen Rennrössern vor. Sein Hengst war zwar nicht der schnellste, doch mächtig genug, um Feinde, die ihm im Weg standen, unter seinen Hufen zu zermalmen. Dies war es jedoch nicht, was er gerade im Sinn hatte, denn er vermutete hinter diesem verzweifelten Angriff der Zwerge und ihrer Verbündeten eine Falle, daher hielt er es für besser, sie einfach zu vertreiben. Hinter ihm hörte er bereits das Hufgetrampel der anderen Reiter, doch sie würden ihn nicht einholen. Er war nämlich schon bei den Feinden angelangt, und die ersten hatten sein Näherkommen bereits bemerkt. Einige wandten sich bereits zu ihm um, doch bevor er sie erreicht hatte, zügelte er seinen Hengst. Dieser bäumte sich auf die Hinterbeine auf, und Khamûl ließ sein Markerschütterndes Kreischen über die Ebene hallen. Sofort flohen die Feinde in Panik und wurden bereits von einigen Reitern verfolgt. Khamûl rief jedoch so laut, dass jeder es hören konnte: „Verfolgt sie nicht! Die Schützen auf den Mauern werden euch erschießen, wenn ihr zu nahe an sie herankommt! Wir werden die Stadt zuerst bombardieren, sie mit Brandgeschossen aus ihren Löchern räuchern und schließlich in die Stadt einziehen! Für den dunklen Gebieter!"
« Letzte Änderung: 17. Feb 2016, 14:51 von Fine »
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Ab heute Nacht ist jede Nacht Walpurgisnacht!

- EAV: Die Hexen kommen

Offline Farodin

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Re: Schlacht auf den Ebenen vor Thal
« Antwort #18 am: 23. Sep 2009, 16:18 »
Sie hatten begonnen, die Kämpfer auf die Mauer zu bringen. An Seilen wurden die Waffen und schweren Rüstungsteile hinauf gezogen, die Soldaten selber kletterten an anderen Tauen selbst hinauf. Alvias und Thondin standen am Fuß der Mauer und warteten darauf, dass alle anderen in ihrem Abschnitt in Sicherheit waren, was jedoch noch etwas dauern würde.
Doch auf einmal wurde es ruhig in den feindlichen Reihen. Zu ruhig. Niemand wusste, warum sie ihren Angriff abbrachen und nicht weiter auf die Verteidiger eindrangen.

Doch Alvias wusste es bereits, er brauchte dafür nicht den heranpreschenden Schwarzen Reiter zu sehen, gefolgt von einer größeren Schar Berittener, er musste die Angst erfüllten Rufe nicht hören, er musste nicht in die vor Furcht erblassten Gesichter seiner Verbündeten blicken, um zu wissen, dass der Statthalter des Dunklen Herrschers sich persönlich in die Schlacht einmischte. Allein die langsam stärker werdenden Schmerzen in seiner rechten Gesichtshälfte ließen ihn wissen, dass es immer aussichtloser wurde und keine Zeit mehr war, den tapferen zu spielen und unten zu bleiben und zu warten. Er griff sich das nächste herabhängende Seil und machte sich daran, auf die Mauer zu klettern.
Zuerst war Thondin etwas verwirrt, doch er verstand sofort, was der Elb vorhatte, also erklomm er ebenfalls die Mauer und folgte dem hastenden Alvias, während man vom Schlachtfeld einige Schreie hören konnte, die zweifelsfrei von Kämpfern kamen, denen gerade von einem schweren Pferd der Brustkorb zertrümmert wurde.

„So, wir sind gleich da, dann werden wir den Ostlingen ordentlich einheizen. Die Befehlshaber wissen, was zu tun ist, sobald das Massaker beginnt.“
„Ich kann es mir denken. Aber was machen wir jetzt genau mit diesen Dingern, wenn wir dich beieinander sind, werden wir uns gegenseitig den Arsch auf schneiden; oder was ist geplant?“, fragte der rotbärtige Thondin.
Alvias erklärte ihm alles genau und er verstand, dann waren sie schon bei den drei Maschinen angekommen, die auf einer kleinen Anhöhe hinter einem beschädigten Palisadenabschnitt aufgestellt waren.
„Alvias, na endlich, wir haben nur noch auf dich gewartet. Ihr geht am besten ins Linke, da ist noch Platz. Der Fahrer weiß, was er tun muss.“

Wie ihnen von Dwilmo geheißen stiegen sie in eines der Gefährte ein und verriegelten es, sodass niemand mehr ungewollt hereinkommen konnte. Es gab einen lauten Befehl von Dwilmo und die umgebauten Karren wurden angeschoben und beschleunigten auf der leicht abschüssigen Strecke stetig. Es gab ein lautes Krachen und sie schoben sich durch die Palisade auf die wartenden Ostlinge zu, die zuerst nicht begriffen was passierte.
Einer der Wagen scherte aus und raste in Richtung dreier Katapulte. Mit einem Klacken fuhren die seitlichen Klingen aus und als sie auf die Feinde trafen, wurden diese niedergemäht wie es geplant war. Hinter dem Gefährt zog sich eine rote Schneise. Dann stießen Flammenzungen aus dem Inneren hervor und die zurückweichenden Ostlinge wurden von ihnen erfasst, zum Teil gingen sie in Flammen auf, manche wurden von ihren glühenden Rüstungen verbrannt.
Bei den anderen zweien geschah ähnliches, nur dass die Wagen längs der Heerreihe rasten und weitere Spuren der Verwüstung mit sich zogen.

Die Ostlinge begriffen, dass es den Tod bedeutete, sich in den Weg zu stellen, doch auf Grund ihrer schieren Masse hatten sie kaum Möglichkeiten, zu entkommen. Der Vorteil der Masse war es jedoch, dass die Kriegsmaschinerie schnell gebremst wurde und nicht mehr durch ihre Reihen pflügen konnten. Doch auch in dieser relativ kurzen Zeit hatte es ausgereicht, ihrem Vormarsch einen großen Dämpfer zu verpassen. Zwölf der weiter vorne postierten Katapulte waren entweder verbrannt oder so schwer beschädigt worden, dass sie nicht mehr zu gebrauchen waren. Doch die hinteren Katapulte hatten nun mit dem Beschuss der zum Stehen gekommenen Todbringer begonnen und sie hatten Erfolg:

Sie waren in nicht allzu großer Entfernung der Mauer zum stehen gekommen und steigen nun aus. Drei Zwerge bedienten noch die Feuerkatapulte, um die meisten der Ostlinge abzuwehren, die nun Angriffe auf die schweren Maschinen begannen und wer von ihnen es durch das Inferno aus Flammen schaffte, der wurde von den Zwergen um Thondin und Alvias mindesten einen Kopf kürzer gemacht.
Dann geschah das unvermeidliche: Ein Katapult traf das in der Nähe gestoppte Gefährt von Dwilmo und es gab eine Explosion, als das gesamte noch verbliebene Gemisch sich entzündete.
Seiner Kehle entsprang ein verzweifelter Entsetzensschrei; Alvias konnte nicht glauben, nein, wollte auch nicht glauben, dass sein alter Freund so in den Tod ging. Er rannte Hals über Kopf los, stieß einem Ostling, der im Weg stand, sein Schwert durch den Hals und spurtete weiter in Richtung der nun in großem Umkreis züngelnden Flammen.
„Dwilmo, wo bist du?“, schrie Alvias in die Flammenwand hinein. Etwas bewegte sich am Rande des Feuerherdes und Alvias machte einen Satz und zog eine Gestalt aus dem Feuer.
Es war nicht Dwilmo.

Thondin versuchte noch, seinen neuen Kampfgefährten an der Schulter zu packen, doch seine Hand schloss sich um Luft. Der Elb war einfach in seiner Bestürzung riskanterweise los gerannt, um seinem Freund zu helfen. Thondin respektierte ihn nun noch mehr. Sein Leben für einen wahrscheinlich sowieso toten Zwerg zu riskieren, würde keine Elb je wieder wagen.
Ich werde ihm helfen, so viel Mut ist schon töricht. Alleine schafft er es doch nie, Dwilmo zu finden und sich gegen Ostlinge zu verteidigen. Geborene Spurter wie die Zwerge es nun einmal sind, eilte Thondin an Alvias Seite, der gerade jemanden aus dem wabernden Orange zog.
„Hast du ihn?“, fragte er leise.
„Nein“, kam es trocken vom Elb zurück.
„Was ist mit dem, der gerade unter einem Blechstück hervor kriecht, ist er es?“
Und tatsächlich bemühte sich ein Zwerg, sich aus den brennenden Trümmern zu ziehen.
Als die beiden näher kamen, erkannten sie Dwilmo und Alvias Herz machte einen Hüpfer.
„Dwilmo, du lebst!“ Alvias war froh, seinen Freund gesund zu sehen.
„ Schnell, vielleicht schaffen wir es noch zur Mauer, hier lebt keiner mehr und die da drüben sind die, die alles verloren haben, sie werden kämpfen, bis sie keinen Funken Lebenskraft mehr haben“, warf Thondin ein. „Wir haben keine Zeit mehr, sie kommen wieder.“
Der alte, ergraute Zwerg blickte die beiden aus traurigen Augen an.
„Geht ohne mich. Ich will nicht in irgendeinem Lager langsam ohne Würde da hinscheiden. Wenn ich sterbe, dann mit der Axt in der Hand.“
Die beiden sahen ihn an.
„Meine Zeit ist gekommen.“ Und zu Alvias flüsterte er noch leise „Du weißt es.“
Dieser nickte nur.
„Ich bleibe auch, alleine verreckt hier keiner.“, erhob Thondin seine Stimme. „Doch du, Alvias, geh und verteidige unsere Lande. Sie sind das einzige, was zählt. Trinke auf der Siegesfeier für uns mit. Das ist mein letzter Wunsch.“
Alvias starrte die beiden an. „Nein, ich lasse euch hier nicht allein. Das wäre nicht...“ Seine Stimme erstarb.

„Geh. Erfülle den letzten Willen eines alten Freundes.“ Dwilmos letzte Worte hallten noch in Alvias Ohren, er sah die furchtlosen Augen des alten Zwergs vor sich, als er den Erebor erreichte.
Mögen die Valar eure Seelen beschützen.


Die Ostlinge näherten sich den letzten verbliebenen Zwergen auf dem Schlachtfeld.
Dwilmo schwang seine Axt dicht neben Thondin, der auf seine beiden Einhänder setzte und damit den Ostlingen das Leben aus dem Leib drosch. Feind um Feind wurde von der kleinen Gruppe niedergeschlagen und die leblosen Körper bedeckten den Boden, nur im Inneren des Kreises, der von den Zwergen gebildet wurde, gab es keine einzige Leiche. Sie hielten stand.

Ganz im Gegensatz zu den Mauern Thals. Sie fielen nun schnell unter dem Beschuss der Katapulte, doch das Heer rückte nur langsam vor, was auch den Zwergen zu verdanken war.
Diese hielten sich wacker, bis der erste nach einer gefühlten Ewigkeit in die Knie brach und von einem Speer durchbohrt, sein Leben aushauchte.
Die Lücke wurde geschlossen, der freie Bereich wurde kleiner.
Ein Hieb mit der Linken parierte einen Schwertstreich, während die rechte Axt auf den Kopf des Mannes traf, der Druck auf der zweiten Waffe erstarb. Mit einer halbkreisförmigen Bewegung traf diese auf den Gegner, der mit so einer schnellen Reaktion nicht gerechnet hatte.
Da sank der zweite Zwerg zu Boden. Sie waren nur noch zu dritt.
Zu seiner Rechten hielt Dwilmo sich tapfer, er stieß im richtigen Moment zu, duckte sich unter Stößen hindurch und traf schwer von unten.
Im Licht der Sonne, das durch ein kleines Loch in den Wolken trat, sahen die Zwerge aus wie ein Wirbel aus Metall. Der letzte Zwerg knickte ein, nun waren nur noch Dwilmo und Thondin übrig. Sie kämpften immer noch um ihren kleinen, vom Sonnenlicht begrenzten Kreis, in dem eine einzige Blume langsam ihre Knospe zu einer kleiner weißen Blüte öffnete.
Es war für sie wie ein Zeichen der Götter. Sie schlugen beide ein letztes Mal zu, zu fest, als dass sie ihre Waffen hätte befreien können.
Thondin sah geblendet vom Licht nichts, doch dann blickte er in das Gesicht seines Freundes Gríndis.
Dort lagen sie lagen sie im schwindenden Licht der Sonne, zwischen ihnen eine kleine Blume, die sich nun wieder schloss, nur um im nächsten Augenblick von metallenen Stiefeln zertrampelt zu werden.


Alvias zum Erebor
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Offline Rabi

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Re: Schlacht auf den Ebenen vor Thal
« Antwort #19 am: 27. Sep 2009, 22:52 »
Wogrin war mitten in die Schlacht verwickelt, er hatte in den riesigen Massen von Ostlingen seinen alten Freund Thanderin verloren, er konnte ihn nirgendwo mehr auffinden, obwohl er auch nicht gerade die Zeit dazu hatte herumzublicken. Die Konzentration des alten Zwerges lag voll und ganz in dieser Schlacht, egal von welcher Seite, egal von welcher Richtung, er erkannte jeden Angriff und konnte ihn geschickt blocken und meistens auch kontern. Doch dann kam der Zeitpunkt an dem Wogrin erkennen musste, dass er nachgeben musste und sich weiter nach hinten bewegen zu hatte. Er ging soweit nach hinten, bis hinter die Reihen seiner rassengleichen Freunde, um sich dort für einen kurzen Moment auszuruhen, doch ehe er sich versah pressten sich schon einige Ostlinge zwischen den massiven Zwergen hindurch und waren, ganz unerwartet, sogar noch kampffähig.

„Thanderin! Wo bist du mein Freund!?“, Wogrin wusste zwar dass er wahrscheinlich keine Antwort bekommen würde, doch einen Versuch war es immerhin wert, doch noch bevor er ein zweites Mal tief einatmen konnte um ihn zu rufen sprang ein Ostling aus unglaublicher Höhe mit einer Lanze in beiden Händen auf ihn zu und wollte den weisen Zwerg anscheinend in zwei Stücke teilen. Doch damit hatte jener sich übelst getäuscht, noch bevor die scharfe Klinge Wogrin berührte, war er mit einem geschickten Schritt zur Seite ausgewichen und prügelte den Ostling mit seiner Keule nahezu zu Matsch.

Abermals bemerkte er dass sich die Reihen langsam lichteten und immer mehr Feinde durch die Reihen der Zwerge dringen konnten und somit die Phalanx instabil wurde und bald fallen würde, egal wie mutig und stark sie auch dagegen ankämpften, deshalb rief er den möglichsten Teil der Zwerge zurück, hinter die Mauer. „Thanderin! Rückzug! Es sind zu viele, das ist Selbstmord!“, wieder erwartete er keine Antwort, doch dieses Mal hatte er die Hoffnung dass vielleicht doch jemand zurückschreien würde. Nach einer kurzen Wartezeit hörte er noch immer keine Antwort seines Freundes nur die schmerzerfüllten Schreie der Feinde und auch von guten Freunden Wogrins, es drückte ihm sogar eine Träne heraus, diese langsam über seine Wange hinunter ran, jedoch bevor irgendjemand, auch wenn wahrscheinlich keiner darauf achten würde, sie sehen konnte, wischte Wogrin sie sofort aus seinem Gesicht.

Sowie er auf die Mauer gelangt war mit den letzten, so glaubte er, überlebenden Zwergen und hinunterblickte ob irgendwo Thanderin noch um sein Leben kämpfen würde, erblickte er andere Krieger, die noch immer gegen die Massen anhielten obwohl sie nur noch sehr wenige waren, sie standen genau in einer Lichtung und würden ohne Hilfe wohl nie mehr nach Hause kommen, das einzige was Wogrin tun konnte war sich in diese Massen zu stürzen was jedoch viele als einen Selbstmord bezeichnen würden, jedoch konnte er ihnen nicht einfach zusehen wie sie dort überrannt werden würden.
Es war eine schwere Entscheidung zu treffen...
RPG: Mainchar - Wogrin, Zwerg

Offline Bombadil, Tom

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Re: Schlacht auf den Ebenen vor Thal
« Antwort #20 am: 29. Sep 2009, 20:01 »
Voller Staunen hatte Nársim nach einigem Geplänkel mit eher, wie er sich sagte, unfähigen Ostlingen die Vernichtungsmaschinen betrachtet, die von Thal her durch die Ostlinge gefegt waren; nun waren sie zerstört und die Besatzung war und so gut wie alle, die mit ihrem Erscheinen zu tun gehabt hatten, waren tot, verwundet oder auf der Flucht; so auch der Elb, der wohl mit einem oder mehreren der toten Zwerge befreundet war.
Weiterzukämpfen hatte keinen Sinn mehr, das sah selbst Nársim ein, und so kämpfte er sich geschickt den Weg zur Mauer ( besser gesagt, zu den Resten der Mauer, denn sie hatte bereits schwere Schäden vom Beschuss der Ostlinge erhalten) frei. Mehrere Ostlinge versperrten ihm den weg, doch er war entkräftet, und das schelle Laufen machte ihm wie immer zu schaffen; er duckte sich an ihnen vorbei und stieß sie zur Seite, während sie mit anderen kämpften. Nur einen durchbohrte er mit einem heiseren Schrei; es war für ihn Nummer 30, er war der Erfüllung seines Schwurs schon ein Stück näher gekommen. Nun war er endlich auf der Mauer angelangt und verschnaufte einen Augenblick. Langsam kehrten seine Kräfte zurück, er merkte es; er wollte gerade weiterlaufen, doch nun sah er auf einmal einen Zwerg in seiner Nähe, der nachdenklich in die Masse der Ostlinge schaute, so als würde e von irgendetwas dazu bewegt, sich im nächsten Augenblick wieder in die Masse der Ostlinge zu stürzen. "Heh, du was in aller Welt hast du vor?! Die Mauer steht keine fünf Minuten mehr, also worauf wartest du noch?!
Nársim war fest entschlossen, die Reaktion seines Landsmannes abzuwarten, bevor er weiterrennen würde.
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Offline Rabi

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Re: Schlacht auf den Ebenen vor Thal
« Antwort #21 am: 29. Sep 2009, 23:08 »
Langsam drehte Wogrin seinen Kopf in Richtung desjenigen der anscheinend zu ihm herübergebrüllt hatte, obwohl er noch immer auf die Schlacht unter sich konzentriert war versuchte er seinen Blick endlich von diesem Massaker abzuwenden und sich auf den Zwergen auf der Mauer zu konzentrieren. "Worauf ich warte?", fast unhörbar verließen diese Worte die Lippen des alten Zwerges, doch noch bevor Narsim nachfragen konnte fuhr Wogrin schnell fort: "WORAUF ich hier warte fragst du!", fast vorwurfsvoll brüllte er dem einigermaßen jungen Zwerg entgegen. "Ich warte auf diese dreckigen bösen Menschen, sie stürmen die Mauer, sie erklimmen sie, metzeln meinesgleichen nieder! Worauf werde ich wohl warten, warum werde ich die Mauer nicht verlassen?", er ging langsam auf den Zwerg der nun bereits dicht neben ihm stand zu und packte ihn an seinem Kragen: "Also stellt mir nicht so eine bescheuerte Frage ihr Jungspund! Habt ihr schon Kampferfahrung, ist euch schon einmal ein Freund in den Armen verstorben?!", Wogrin stand kurz davor seine Fassung komplett zu verlieren, doch beinahe zum Glück konnte man sagen dass ein Stachelpfeil direkt zwischen den beiden Gesichtern der Zwerge vorbeizischte und somit Gewalttaten unter den Zwergen selbst verhinderten.

Wogrin löste den Griff vom Kragen des Zwerges und ging wieder ein paar Schritt von ihm weg. Mit dem Rücken noch immer zu Narsim gewandt fing er wieder an zu sprechen, dieses Mal mit ruhiger, aber wie gewohnt, tiefer Stimme: "Passt auf euch auf, ich habe bereits genug Brüder verloren, ich will nicht auch noch euch verlieren.", und dann entfernte sich der weise Zwerg noch etwas weiter von dem gerade erst Kennengelernten.
RPG: Mainchar - Wogrin, Zwerg

Offline Bombadil, Tom

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Re: Schlacht auf den Ebenen vor Thal
« Antwort #22 am: 30. Sep 2009, 18:33 »
"Mir ist nie ein Freund in den Armen gestorben, nein, das nicht!", brüllte Nársim den Zwerg mit Tränen in den Augen an. Der ganze Schmerz der Vergangenheit kam wieder in ihm auf, "Mein einziger richtiger Freund hat mich betrogen, beraubt, niedergeschlagen und mit diesen Bastarden aus dem Osten zusammengearbeitet! Ich WÜNSCHTE, er könnte irgendwann einmal als mein Freund sterben! Ich habe fünfzehn Jahre meines ach so jungen Lebens mit Schwerkampf verbracht, nur um es ihm eines Tages heimzahlen zu können, ihm und seinen neuen Freunden. Dreißig dieser Hundesöhne habe ich in dieser Schlacht getötet, und es wird noch einige hunderte brauchen, bis ich jemanden wieder reinen Herzens als wahren "Freund" bezeichnen kann! Aber stürze ich mich deshalb in den Tod? Macht das irgendetwas ungeschehen?"
Nársim merkte, das er sich langsam wieder beruhigte. Er fühlte, dass seine Erschöpfung mit einem Schlag zurückgekehrt war, langsam drehte auch er sich um. "Denkt über meine Worte nach; vielleicht sind sie nicht so töricht, wie ihr meint.", murmelte er, während auch er sich langsam entfernte. Es war das erste Mal gewesen, das er irgendjemandem seine Geschichte erzählt hatte. Er machte sich Vorwürfe deswegen, aber irgendwie fühlte er sich auch erleichtert.
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Offline Rabi

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Re: Schlacht auf den Ebenen vor Thal
« Antwort #23 am: 30. Sep 2009, 18:45 »
Noch bevor Wogrin aus der Sichtweite des Zwerges verschwand, brüllte er ihm noch etwas hinterher, irgendwie war diese Geschichte die er ihm nachgeschrien hatte traurig. Anscheinend war dieser noch relativ Junge Zwerg doch nicht so unerfahren wie Wogrin zuerst gemeint hatte, allem Anschein nach hatte er auch schon etwas durchgemacht, auch wenn es nicht an die zahlreichen Schlachten und verstorbenen Freunde des alten Zwerges herankommen würde. Doch da musste er zurückdenken in seine Jugend, wie töricht war er damals, wie viele Opfer hatte er bringen müssen um seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen, wie viele waghalsige Aktionen hatte er geliefert...
Irgendwie tat es ihm jetzt Leid was er zu Narsim gesagt hatte, deshalb drehte er noch bevor sie sich zu weit von einander entfernt hatten wieder um und spurtete dem jungen Zwerg über diese kurze Distanz hinterher.
"Warte auf mich! Du hattest recht...", schon war Wogrin wieder bei Narsim angelangt und er klopfte dem Zwerg auf die Schulter. "Es wäre Selbstmord in diese Massen zu springen, wir werden nun die Mauer verlassen und versuchen die Truppen aufzuhalten!"


Wogrin und Nársim zu den Kämpfen am Stadttor
« Letzte Änderung: 17. Aug 2016, 08:59 von Fine »
RPG: Mainchar - Wogrin, Zwerg

Offline Eandril

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Re: Ebenen vor Thal
« Antwort #24 am: 12. Okt 2017, 19:01 »
Oronêl, Kerry, Eryniel mit dem Rest des Heeres aus Esgaroth

Die Straße, die von der Seestadt am Ufer des Langen Sees nach Norden führte, war schmal, grasbewachsen und von Karrenspuren zerfurcht. Sie führte etwas erhöht am Hang entlang, oberhalb des von Weiden, Erlen und Birken, deren Blätter im Nachtwind leise wisperten, bestandenen Seeufers. Auch wenn Oronêl es lieber so hatte, er ging lieber auf federndem Gras und Erde als auf hartem Stein, wunderte er sich doch. Nach dem was er gehört hatte, waren vor dem Krieg die Kontakte zwischen Esgaroth, Thal und dem Erebor eng gewesen, und so hätte er eine deutlich mehr ausgebaute Straße nach Art der Menschen und Zwerge erwartet. Als er Finelleth danach fragte, erklärte sie ihm, dass Waren zwischen Thal und Seestadt vom oberen Einfluss des Langen Sees an meistens mit Booten auf dem Wasser den See und später den Celduin hinab transportiert wurden. Nördlich des Sees, wo der Celduin als ein schmaler, rascher Fluss vom Erebor hinab kam, war der Transport mit Booten unmöglich, und dort hatten die Menschen von Thal mit Hilfe der Zwerge vom Erebor eine steinerne Straße angelegt.

Die Nacht war kühl und klar, und der Halbkreis des Mondes versank langsam wieder hinter dem Horizont. Die Elben und Menschen in Sarumans Heer marschierten inzwischen an der Spitze des Zuges - auf Sarumans Anweisung hin, was Oronêl nur wenig behagte. Offensichtlich war es dem Zauberer wichtiger, seine Orks vor einem unvorhergesehenen Zusammenstoß mit dem Feind zu schützen als seine Verbündeten. Dennoch hatte Oronêl nicht protestiert oder versucht, Thranduil dazu zu bewegen, denn er marschierte lieber vorn, wo der Weg noch nicht von den Orks beschmutzt worden war. Außerdem kam der ein leichter Wind von Norden, und wehte Gestank und Geräusche der Orks nach Süden fort.
Als der Mond hinter den Hügeln im Norden, die sich um den Einsamen Berg und das Tal von Thal erstreckten, versunken war und nur noch die Sterne die Nacht erleuchteten, näherte das Heer sich dem nördlichen Ende des Sees. Eigentlich hatten die Hauptleute und Saruman damit gerechnet, dass der kleine Hafen, der an der Einmündung des Celduin lag, von Feinden besetzt sein würde, doch nichts regte sich in der Nacht. Späher in Thranduils Diensten schwärmten aus, um die Gegend nach Feinden abzusuchen, und Oronêl schloss sich ihnen an. Je weniger er in unmittelbarer Nähe von Sarumans Heer sein musste, desto besser.
Die rothaarige Elbe Eryniel war es, die auf der Kuppe eines Hügels westlich der Straße, in einem kleinen Kiefernwäldchen versteckt, einen Wachtposten von Orks aufspürte. Die wenigen Wächter leisteten nur schwachen Widerstand, und nachdem der letzte von Saurons Orks auf der Flucht mit Eryniels Pfeil im Rücken gefallen war, wischte Oronêl mit einer Art grimmiger Genugtuung das schwarze Orkblut von Hatholdôrs Klinge. Das hier war es, was er tun sollte - Orks töten, und zwar nicht an der Seite von anderen Orks, sondern an der Seite von Elben, von Menschen, und wenn es dazu kommen sollte, sogar von Zwergen. Von anderen Hügeln drangen schwach weitere Kampfgeräusche zu ihm hinüber, als weitere Orkposten von den Dúnedain und Elben vernichtet wurden. "Seine Orks sind Saruman wohl zu schade für solche Kämpfe", bemerkte Eryniel ironisch, obwohl ein Hauch Bitterkeit in der Stimme der jungen Elbe mitklang. Oronêl warf ihr einen Seitenblick zu, sagte aber nichts. Noch war die Zeit nicht gekommen, um sich offen gegen Saruman zu stellen.

Nachdem die Wachtposten oberhalb des Sees beseitigt waren, setzte das Heer seinen Weg nach Norden fort, allerdings nur für ein kleines Stück. Sie folgten der nun breiten und mit hellen Steinen gepflasterten Straße nach Norden, die sich westlich des Flusses durch die Hügel zum Erebor wand. Weiter unten im Tal rauschte der rasche Fluss Celduin in seinem Bett dahin, die Ufer wie die des Langen Sees von Birken und Erlen, und einigen kleinen Tannen bestanden. Hier und da rief ein Nachtvogel, doch die meiste Zeit waren die einzigen Geräusche, die Oronêl hören konnte, die Geräusche des marschierenden Heeres. Die Elben waren gar nicht zu hören, und die Schritte der Dúnedain nur gerade so. Lauter waren die Hufe der wenigen Pferde, und noch lauter die stampfenden Schritte der Orks hinter ihnen, und das metallische Klirren ihrer Rüstungen und Waffen. Sie marschierten nur etwa eine Stunde weiter nach Norden, und hielten an, als sich der Himmel im Osten beinahe unmerklich zu röten begann.
Während das Lager aufgeschlagen wurde, betrachtete Oronêl interessiert die Gegend. Er war nie zu vor so weit in den Nordosten Mittelerdes vorgedrungen, erst recht nicht hierher, wo beinahe ausschließlich Menschen und Zwerge gelebt hatten. Die Hügel um sie herum waren seit einiger Zeit nicht länger bewaldet, oder nur noch sehr spärlich. Kiefern wuchsen hier und da an den Hängen und in den kleinen Senken, doch die meiste Fläche wurde von langem Gras oder Heidekraut bedeckt.
"Die Gegend hat sich verändert, seit ich zum letzten Mal hier war", meinte Finelleth, die neben ihm stand. "Es ist viel... grüner geworden."
"Du bist schon einmal hier gewesen?", fragte Oronêl, und wandte sich ihr zu. "Wann?" "Das ist jetzt... etwas über sechzig Jahre her", erzählte Finelleth. "Als wir in die Schlacht der fünf Heere marschiert sind." Oronêl nickte. Er hätte es sich denken können, schließlich hatte Finelleth ihm auf der Reise nach Osten von dieser Schlacht erzählt, und von dem Drachen Smaug. "Damals waren diese Lande noch als Smaugs Einöde bekannt, und machten ihrem Namen alle Ehre", fuhr Finelleth fort. "Die Straße war überwuchert und verfallen und von Bäumen gab es nur verkohlte Stümpfe. Doch seit Bard der Bogenschütze Smaug getötet hat, wachsen hier wieder Dinge."
"Die Asche macht den Boden fruchtbar...", sagte Oronêl leise, und dachte dabei an Lórien. Vielleicht würde eines Tages aus der Asche des Goldenen Waldes auch etwas neues erwachsen... vielleicht. Eines Tages. Finelleth seufzte. "Nun, mein Vater wird mich sehen wollen. So frostig unser Willkommen auch gewesen sein mag, inzwischen scheint er sich in den Kopf gesetzt zu haben, mich erneut zu einer Prinzessin machen zu wollen..." "Oder eher zu einer Königin", murmelte Oronêl, doch auf Finelleths fragenden Blick hin schüttelte er den Kopf. "Nichts. Geh nur, Faerwen."

Nachdem Finelleth gegangen war, wanderte Oronêl ein wenig ziellos durch das verblühte Heidekraut den niedrigen Hang oberhalb der Straße entlang. Der Himmel im Osten wurde langsam immer heller, und die Sterne verschwanden einer nach dem anderen. Etwas blitze zwischen der Heide vor Oronêls Füßen auf, und erregte seine Aufmerksamkeit. Vor ihm steckte ein hässliches, gezacktes Messer in der Erde. Noch während Oronêl sich bückte um die Waffe aufzuheben, drang ihm der charakteristische Gestank von Orks in die Nase, und er hörte ihren zischenden Atem und schwere, im Heidekraut raschelnde Schritte hinter sich. Das Messer in der Hand richtete er sich wieder auf und wandte sich um, wo er sich vier bewaffneten Orks mit dem Zeichen der Weißen Hand gegenübersah, die ihn aus hasserfüllten Augen anstarrten.
"Elbling hat mein Messer gestohlen", zischte der in der Mitte wütend, und seine schwarzen Augen fixierten die gezackte Klinge habgierig. "Hab es verloren, und gieriger Elbling hat es gestohlen." Oronêl erwiderte nichts. Er beobachtete aufmerksam, wie die Hände der Orks auf den Griffen ihrer Waffen lagen, und wie ihre Blicke zwischen seinem Gesicht und seinen Händen hin und her huschten. Er hatte keinen Zweifel, dass der Anführer das Messer keineswegs "verloren", sondern mit Absicht dort im Heidekraut liegen gelassen hatte. Vorsichtig schob er den rechten Fuß ein wenig zurück, verlagerte das Gewicht, um im Notfall sofort zurückspringen zu können. "Gieriger Elbling", zischte der Ork in der Mitte erneut. "Hat kein eigenes Messer?" Seine Hand, mit schwarzen, gesplitterten und verwachsenen Fingernägeln, tastete nach dem Griff seines Schwertes - einer gebogenen, bösartig aussehenden Waffe. "Gibt es zurück, oder wird sterben." Wäre die Situation nicht so gefährlich - seine Axt hatte Oronêl im Lager der Elben zurückgelassen und trug nur seinen Dolch am Gürtel - hätte Oronêl gelacht. Die Sprechweise dieses Orks ließ eigentlich nicht darauf schließen, dass er besonders viel Verstand besaß, und dennoch spielte er hier ein solches Theater. Ein Schauer lief ihm über den Rücken. Irgendetwas sagte ihm, dass etwas Finsteres in diesem Moment seinen Anfang nahm - etwas, das mit dem Tod enden würde.
"Du kannst dein Messer meinetwegen zurückhaben, Kreatur", erwiderte Oronêl verächtlich, und die Gesichter der Orks verzogen sich hässlich. Vielleicht war es ein Fehler gewesen, seine Verachtung so offen zu zeigen, denn plötzlich zogen die Orks ihre Waffen. "Dieb wird bezahlen!", stieß der Anführer hervor, und einer seiner Gefährten machte einen Satz auf Oronêl zu.
Oronêl trat weich einen Schritt zurück, entging so der zustoßenden Klinge. Während er herumwirbelte, das Orkmesser in der Hand, fühlte er eine Hand nach seiner linken Schulter greifen und schlug zu. Der Ork, der nach ihm gegriffen hatte, heulte auf und taumelte zurück - drei seiner Finger fehlten, und schwarzes Blut quoll im Pulsrhythmus aus den Stümpfen hervor. "Wirst sterben, Elbling!", zischte der Anführer der Orks, und Oronêl fürchtete, dass seine Zuversicht gerechtfertigt sein könnte. Wäre er voll bewaffnet, hätte er es mit den vieren vermutlich aufnehmen können, doch so, nur mit diesem lächerlichen Orkmesser und seinem Dolch, wurden seine Schnelligkeit und Geschick von der vielfach höheren Reichweite der Orks aufgewogen. Er wechselte das Orkmesser in die Linke, und zog mit der rechten Hand seinen eigenen Dolch. Er verzichtete auf eine Erwiderung, und erwartete einfach den Angriff - der nicht kam. "Genug", befahl hinter ihm eine samtweiche Stimme, eine Stimme, der man gehorchen musste - gehorchen wollte. Oronêl hatte diese Stimme bereits gehört, in Lórien und in Aldburg. Er warf den Orks das Messer vor die Füße, und wandte sich zu Saruman um. Das Gewand des Zauberers, dass im Tageslicht in hellem Weiß leuchtete, schimmerte im Dämmerlicht in vielen verschiedenen Farben. In der Hand trug Saruman einen langen, weißen Stab, und er wirkte wie ein gütiger König, der seine irrgeleiteten Untertanen versöhnen würde - oder wie ein Vater, der seine Kinder beim Streiten erwischte.
Oronêl schüttelte die Ehrfurcht und den Wunsch, zu dienen, die ihn überkommen hatten, mit Mühe ab. Dies war Saruman, der für den Untergang Lóriens verantwortlich war, und der über die ganze Welt herrschen wollte. Ein Wesen, das nicht besser war als Sauron selbst - jedenfalls nicht viel. "Was geht hier vor sich, Mogrâsh?", fragte Saruman den Anführer der Orks, der sich vor ihm auf den Boden geworfen hatte. "Elbling hatte Messer gestohlen. Elbling wollte uns töten. Ist seine Schuld!", wimmerte der Mogrâsh, und Saruman zog eine Augenbraue, schwarz mit silbernen Strähnen darin, in die Höhe. "Das glaube ich nicht. Nimm dein Messer, Mogrâsh, und verschwinde."
Nur einen Herzschlag später war Oronêl mit dem Zauberer allein auf der Anhöhe. "Ihr erwartet nicht, dass ich euch danke, oder?", fragte Oronêl kühl, und Saruman lachte - ein überraschend warmes und freundliches Lachen, das Oronêl auf der Stelle misstrauisch stimmte. Er wusste, das nichts von Sarumans Freundlichkeit echt war und nur dazu diente, ihn dazu zu bringen, dem Zauberer zu dienen. "Mein lieber Elbenfreund, ihr du bist sehr nachtragend. Wäre ich eben so nachtragend, hätte ich mit Freude zugeschaut, wie Mogrâsh und seine Jungs dich in Stücke gehackt haben. Immerhin hast du mir westlich des Nebelgebirges einiges an Ungemach bereitet - du hast den Ring vernichtet, den ich in meine Gewalt bringen wollte, ohne dich hätte ich die Lage in Dunland vermutlich noch immer unter Kontrolle, und wer weiß, vielleicht wäre sogar dieser lächerliche Sternenbund in Fornost unterlegen. Und zu guter letzt hast du auch noch den treuen Laedor in Carn Dûm erledigt - wahrlich du hast mir eine Menge Ärger gemacht. Und trotzdem stehe ich hier, und rette dein Leben." Für einen Augenblick fühlte Oronêl sich wie ein kleines Kind, das trotzig dem Vater ein kleines Vergehen nicht verzeihen will, während dieser ihm gütig alles vergibt. Er schüttelte den Kopf und holte tief Luft, und das Gefühl verschwand. Er sah Saruman ins Gesicht, und erkannte den Zorn in den schwarzen Augen des Zauberers. Nein, Saruman hatte ihm keineswegs großmütig verziehen, was er in Eriador getan hatte, im Gegenteil.
"Was willst du, Saruman?", fragte Oronêl, und zwang sich, ruhig zu sprechen. "Wenn du dich für deine Niederlagen in Eriador rächen willst, dann töte mich - ich bin mir sicher, es würde dir keine Schwierigkeiten bereiten. Doch du weißt, wer der wahre Feind ist. Vielleicht ist in dir noch ein bisschen Wissen um den Auftrag, mit dem du nach Mittelerde kamst, geblieben. Ich werde gegen Sauron kämpfen, genau wie du. Vielleicht erkennt ein Teil von dir, wer der wahre Feind ist - es sind nicht die Elben, deren Missachtung für dich du dir lediglich einbildest, genauso wenig wie die Menschen des Westens. Es ist die Macht, die in Mordor lauert."
Oronêl wandte sich ab, Saruman den Rücken zu. Als er sich nach einiger Zeit wieder umwandte, war er allein.
« Letzte Änderung: 12. Okt 2017, 19:09 von Eandril »

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Offline Tauriel?

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Re: Ebenen vor Thal
« Antwort #25 am: 28. Okt 2017, 13:54 »
Die Funken, welche Eryniel entfacht hatte, begannen das trockene Geäst und Stroh zwischen den Holzscheiten zu entflammen. Bald schon knisterte das brechende Holz unter den züngelnden Flammen und Eryniel hing einen Topf mit Wasser über die Feuerstelle. Um das Lagerfeuer hatten sich auch andere Elben des Spähtrupps zusammen gefunden und es sich, auf zurecht gerückten Stämmen, bequem gemacht.
Manche nahmen sich ein Tuch und säuberten ihre Waffen, welche sie vergangene Nacht mit dem Blut der Ork-Patrouillen getränkt hatten. Eryniel kramte in einem Rücksack herum bis sie zwei Beutel und ein gefaltetes Tuch herauszog. Bevor sie aus Esgaroth aufgebrochen waren, hatte sie etwas Proviant besorgt. Sie reichte beide Beutel ihren Kameraden. Diese begannen gleich, dass sich darin befindende Gemüse, zu schneiden und in das kochende Wasser zu geben. Eryniel entfaltete das Tuch, in dem sich einige Kräuter befanden. Prüfend nahm sie eines der Blätter zwischen zwei Fingerspitzen und zerrieb es. Sogleich verbreitete sich ein intensiv süßer Geruch und stieg ihr in die Nase. Sie nahm eine Priese und gab sie in den Kessel. Eine Elbe rührte mit ihrem Kochlöffel um.
Es war irgendwie eigenartig im Kriegslager zu sitzen und zu kochen. Eryniel setzte sich auf den Boden zu den anderen. Es dauerte nicht lange, bis die Suppe fertig war und dampfende Schalen verteilt wurden. Dankend nahm Eryniel zwei entgegen. Wo beleibt er denn? Ihr Blick schweifte suchend umher. Mit erhobener Hand tauchte er in der Gasse zwischen den Zelten hinter ihr auf. Erleichtert ließ er sich neben ihr nieder und sie reichte ihm grinsend eine Suppe.
“Danke, Eryniel. Ich habe versucht mich zu beeilen, aber dieser Dúnadan war eine echt harte Nuss. Wenn es um Rationen geht, kennen die kein Mitleid, sag ich dir.“ Stolz reichte Paladir ihr ein Leib Gebäck. “Aber ich müsste mich schämen, wenn ich mich davon abhalten ließe.“
Eryniel lachte. “Ich hätte auch nichts anderes erwartet, mein Freund. Ich hoffe nur, er war nicht alt zu verärgert.“
“Der kriegt sich schon wieder ein. Außerdem wird der Zauberer es nicht vermissen, soviel wie er auf seinen Karren mitgebracht hat.“
“So werden wir Saruman los; indem wir ihn einfach aushungern lassen. Ausgemergelt und schwach wie er dann sein wird, kann er sich vor lauter Hunger nicht wehren.“
“Ein brillanter Schachzug.“, feigste Paladir. Genüsslich roch er an der Suppe und leerte die Schüssel in einem Zug.
“Du würdest es gewiss allein fertigbringen das Lager des Zauberers zu leeren, wenn man dich nur ließe.“

Nach dem Essen erhoben sich beide und wanderten etwas durch das Lager. Es gefiel Eryniel nicht so lange warten zu müssen, doch die Orks des Nebelgebirges in Sarumans Diensten, ließen ein Wandern während die Sonne schien nicht zu und so viel massig Zeit an, in der das Heer ausruhen konnte.
“Wie lang wird es wohl noch dauern, bis wir Thal und den Einsamen Berg erreichen?“, fragte Paladir als er in Richtung der gewaltigen Bergspitze schaute.
“Ich weiß nicht recht. Ich habe gehört es sollen noch etwa zwei Tage Fußmarsch bevorstehen, ehe wir an der Stadt am Fuße des Berges eintreffen. Ich selbst war nie dort.“, sprach sie nachdenklich. “Wir würden schneller vorankommen, wenn diese Ungetüme uns nicht behindern würden.“
“Wie bereits gesagt, könnten wir Saruman immer noch verhungern lassen“ Paladir knuffte sie in die Seite und sogleich entspannte sie sich wieder.
“Nun mehr als ärgern dürften wir ihn nicht. Nur seinetwegen kämpfen die Orks an unserer Seite und ohne ihn würden sie auf uns losgehen. Fürs Erste können wir uns den Luxus eines toten Zauberers nicht leisten.“ ,gab sie mit einem bitteren Lächeln zurück.
“Nun dann sollte uns Ärgern erst einmal reichen.“ Eryniel kannte diesen Ausdruck in seinen Augen.
Später am Nachmittag hörte man von einem Brand in dem privaten Vorratszelt des Zauberers. Die Rede war von einem “unachtsamen Aufstellen einer Fackel“ und man beschuldigte die Orks, in dessen Bereich das Zelt gestanden hatte. Eryniel konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen als die Kreaturen zu ihrem erbosten Gebieter kommandiert wurden. Von Paladir hörte sie an diesem Tag nichts mehr.

Bei Einbruch der Nacht war das gesamte Heer wieder auf den Beinen und bewegte sich entlang der alten Straße in Richtung des Berges. Wieder zog Eryniel mit den Spähern aus, doch diese Nacht verging vollkommen ereignislos. Die Ebene stieg gegen Morgen immer weiter an und auch die letzten jungen Bäume wichen den Moosen und Kräutern des Hochlandes. Der Berg kam immer näher und sein schneebedeckter Gipfel funkelte, als die Sonne im Osten aufging. Sogleich schlug man das Lager auf. Sie rasteten dieses Mal zwischen zwei Felswänden in der Mulde eines kleinen Tales. Hier waren sie geschützt vor dem kalten Wind, der aus dem Norden kam. Die Stimmung im Lager begann nun umzuschlagen, denn man wusste, dass sie bald am Ziel sein würden. Mit einem unguten Gefühl im Bauch ging es am Abend weiter. Immer noch wehte der beißende Wind ihnen entgegen.
“Ihr übernehmt den Westhang.“ schnell verschwand der Dúnadan Richtung Osten.
Heute werden wir besonders aufmerksam sein müssen.
Eryniel machte sich daran den schmalen, steinigen Pfad links der Straße zu folgen. Sie lief weiter vor und ließ die anderen Späher hinter sich zurück bis sie vor einer Felswand halt machen musste. Es sah so aus, als könnte man das brüchige Gebilde erklimmen. Sogleich machte sie sich an den Aufstieg. Der Wind zerrte immer stärker an ihr, je höher sie kam, doch trittsicher setze sie einen Fuß nach dem anderen an Spalte und Vorsprünge der Felswand. Oben angekommen, stemmte sie sich mit den Armen auf den Rand des Abgrunds, welcher sich nun unter ihr auftat. Oben auf dem Plato war nichts zu sehen, als sich im Wind biegende Gräser und vereinzelte Felsformationen. Unter ihr konnte sie den Heerzug beobachten, welcher sich entlang der Straße in Richtung des Berges bewegte. Eryniel beschloss, sich auf dem Plato umzusehen. Nur das Pfeifen des Windes durchschnitt die Nachtluft. Kein Zirpen oder Zwitschern war zu hören, was Eryniel etwas beunruhigte. Erste vereinzelte Schneeböen wehten vom Berg herüber, der nun nicht mehr weit entfernt war und dessen Größe Eryniel Ehrfurcht einflößten.
Als sie durch einen Spalt zwischen zwei Felsen ging bemerkte sie einen eigentümlichen Geruch. Schnell griff sie nach ihrem Schwert. Diesen Geruch hatte sie in letzter Zeit nur alt zu genau kennengelernte. Orks!  Die Diener Sarumans konnten es nicht sein, denn sie hatten man nicht ausgesandt. Fußspuren waren im gefrorenen Boden nicht zu erkennen, doch das zertrampelte Grün deutete auf eine kleine Gruppe von etwa fünf hin. Sie folgte der Spur durch die kahle Hügellandschaft bis sie sich plötzlich Teilte und eine weitere Spur hinzukam. Eryniel kannte die Abdrücke des Tieres nicht von dem sie stammten, doch es musste sich um etwas von der Größe eines Ponys handeln, etwas gedrungener vielleicht. Sie entschloss sich zunächst der Spur zu folgen, welche nach Norden abbog. Schnellen Schrittes ging es nun wieder bergab. Es dauerte nicht lang, bis Eryniel erste schwarze Kleckse entdeckte am Ende der Spur fand sie einen enthaupteten Orkleichnam. Angewidert kniete sie neben dem verstümmelten Körper. Lange klaffende Wunden zogen sich über Hals und Rücken der Kreatur. Was kann das gewesen sein? Eryniel beschloss wieder zurückzugehen und der zweiten Spur zu folgen.
Auch hier fand sie bald, die aufgeschlitzten Körper welche in einigem Abstand voneinander entfernt lagen, verfolgt von den Abdrücken der unbekannten Kreatur. Um die Orks schien man sich keine Sorgen mehr machen zu müssen, doch Eryniel wollte wissen, um was sie nun endlich niedergeschlagen hatte. Es schien nicht um Nahrung gegangen zu sein, denn keiner der Leichen war angefressen und nur der Kopf der einen Leiche schien zu fehlen. Erneut beschloss sie sich die Wunden anzusehen und bemerkte bei genauerem hinsehen das die klaffenden Schnitte Stiche überdeckten. Es konnte sich also nicht um eine wilde Bestie handeln. Blieben nur noch die eigentümlichen Abdrücke, welche immerhin schwer genug waren, um im harten Spuren zu hinterlassen. Sie folgte den Spuren. Irgendwann kam ein weiteres Paar derselben Spuren dazu, welche sich gemeinsam Richtung Berg bewegten. Ein schmetternder Schrei ließen sie anhalten. Wieder ertönte das schrille Röhren. Geduckt und mit ihrem Bogen bewaffnet schlich Eryniel sich näher an das Geräusch. Unter dem Dach zweier schräg liegender Felsplatten flammte ein kleines Licht auf. Vier große Schatten standen nah beisammen. Die haarigen Wesen erinnerten Eryniel an große Ziegen. Sogleich fielen ihr die Reittiere der Zwerge aus den Eisenbergen ein, über die sie einmal etwas gelesen hatte. Wie um sie in ihrer Ahnung zu bestätigen ertönte ein tiefes Schnaufen einer Männerstimme in Nähe des Lagerfeuers. Eryniel erkannte die zusammengekauerte Gestalt des Zwerges, welcher sich mit  einem weiteren in ihrer Sprache unterhielten. Zwei weitere kleine Schatten traten auf das Lagerfeuer zu und wurden schallend begrüßt. Vier Zwerge. Eryniel hatte nicht erwartete  Zwerge vorzufinden. Sie war davon ausgegangen, dass alle Zwerge sich aus dieser Gegend zurückgezogen hatten, doch da saßen vier schwerbewaffnete Zwerge.
Sie hielt den Bogen weiterhin gespannt, doch ging geradewegs auf die Versammlung zu.
Erschrocken standen alle vier auf und griffen zu ihren Waffen, zögerten jedoch, als Eryniel ins Licht trat.
“Elb!“ ,brüllte einer der Zwerge. “Bleibt stehen und sagt, was ihr von uns wollt!“
Des öfteren hatte Eryniel Zwerge gesehen die über den Waldpfad ihre Waren transportierten. Sie hatte sie nicht sonderlich geschätzt und immer für sehr leicht reizbar gehalten, wenn man eine neckische Bemerkung machte. Gekämpft hatte sie gegen Zwerge, jedoch noch nie und hatte es auch nicht vor. “Beruhigt euch, Graubärte. Keine bösen Absichten führen mich zu euch.“
Einer der Zwerge schnaufte inbrünstig. “Viel könnt ihr uns erzählen, Spitzohr.“
Eryniel grinste schelmisch. Sie nahm den Zwerg die abfällige Bemerkung nicht übel. “Ich fand die Spur aus toten Orks, welche ihr hinter euch zurückgelassen habt und musste mich vergewissern, wer sie erlegt hat.“, sprach sie wahrheitsgemäß. “Ich war zunächst davon ausgegangen eine wilde Bestie hätte die Unholde zu Fall gebracht. Wie ich sehe, hatte ich mit meinen Befürchtungen nur zur Hälfte recht.“, fügte sie amüsiert hinzu.
Die Zwerge bestanden darauf zu erfahren, was eine Elbe in der Nähe des einsamen Berges zu suchen habe. Im folgenden Bericht erklärte Eryniel, was sie in diese Gegend führte und von dem Bündnis der Waldelben mit Saruman. Ihrerseits erzählten nun die Zwerge von ihrer Jagd nach dem Orktrupp und ihren Beweggründen sich allein soweit in die Nähe des besetzten Berges zu wagen. Sie seien aus den Eisenbergen und sollten auskundschaften wie es um den Einsamen Berg und Thal stünde.
Als sie fertig waren, begann die Morgendämmerung die vom Frost überzogene Landschaft zu erhellen. Die Armee müsste bald Thal erreichen, überlegte Eryniel. Gemeinsam mit den Zwergen, die ihre Widder an den Zügeln führten, wanderten sie weiter Richtung Nord-Ost, wo sie bald die Straße erreichen müssten. Die Zwerge wollten, bevor sie zurückkehren würden, noch einmal mit Thranduil reden, um einen ausführlichen Bericht der Lage zu erhalten. Als sie einen letzten Hügel erklommen hatten und mit den Abstieg begonnen, erreichten sie die gepflasterte Straße die geradewegs nach Thal führte. Das Heer musste bereits vorbeigekommen sein, also sattelten die Zwerge auf und Eryniel lief neben den Zwergen mit ihren gehörnten Reittieren her.
Menno o nin na hon i eliad annen annin, hon leitho o ngurth.

Offline Fine

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Der Auftrag der Dúnedain
« Antwort #26 am: 2. Nov 2017, 14:55 »
Kerry starrte trübsinnig über die Ebenen hinweg, an deren Nordende der gewaltige Einsame Berg aufragte. Die Spitze des Erebors war mit jedem Schritt weiter in die Höhe gewachsen, seitdem das große Heer den Langen See hinter sich gelassen hatten. Die Zwergenstraße, die entlang des Flusses verlief, war zwar nicht breit genug für die in loser Formation marschierenden Orks, doch sie wies ihnen dennoch die Richtung.
Als ob man sich in dieser Gegend verlaufen könnte, dachte Kerry. Der Einsame Berg war eine so gewaltige Orientierungshilfe, dass sie bezweifelte, dass die Straße als Richtungsweiser wirklich notwendig gewesen wäre. Sie hoffte, dass die Elben bald ins Waldlandreich zurückkehren würden. Dort hatte es ihr deutlich besser gefallen. Zwar war die Landschaft hübsch anzuschauen, doch je weiter sie nach Norden kamen, desto kälter wurde es. Und nicht nur das Wetter schlug Kerry auf die Laune. Auch die heraufziehende Schlacht machte sie nervös. Sie wusste, dass all ihre Freunde es am liebsten sähen, wenn sie sich so weit von den Kämpfen wie möglich entfernt hielt. Sogar Helluin - der nun wirklich nicht ihr Freund war - hatte etwas ganz Ähnliches vorgeschlagen.
Der Berg streckte ihnen zwei breite Ausläufer entgegen - einen nach Südwesten, einen nach Südosten. Dazwischen breitete sich ein weites Tal aus, aus dem der Fluss hervorströmte, dem sie bislang gefolgt waren. Es war nur spärlich bewachsen und bot eigentlich nur einen einzigen interessanten Anblick: Die fernen Mauern einer Stadt am anderen Ende der Ebene.
"Dort liegt Thal," sagte Helluin, als er neben sie trat. "Unser nächstes Ziel."
Kerry gab ihm keine Antwort. Sie fror und hatte sich ihren Umhang eng um die Schultern geworfen, doch es waren vor allem ihre Stiefel, durch die sie die Kälte spürte. Ich sollte mir wirklich so langsam ein neues Paar besorgen, dachte sie.
Helluin schien ihr Schweigen korrekt zu deuten und versuchte nicht, sich weiter mit ihr zu unterhalten. Stattdessen begann er, leise Anweisungen an die umstehenden Dúnedain zu verteilen. Kerry, die die Ohren spitzte, erfuhr daraus, dass die Waldläufer des Nordens auf dem Bergkamm im Südwesten von Thal Stellung beziehen würden, sobald die Schlacht begonnen hatte. Dort gab es offenbar einen alten Wachturm der Zwerge, der für diesen Zweck gut geeignet war. Innerlich atmete Kerry auf, denn wenn die Schlacht auf den Ebenen vor der Stadt stattfinden würde, wäre sie auf dem Beobachtungsposten der Dúnedain sehr weit weg davon.
"Komm mit mir, Kerry," sagte Helluin einige Minuten später. "Ich werde mit den Elben sprechen, denn es gilt nun, Kundschafter auszusenden. Das dürfte dich ebenfalls interessieren."

Während die Orks der Weißen Hand und der Großteil der Elben des Düsterwaldes ihren langsamen Marsch in Richtung Thal weiter fortsetzten, hatten sich einige wenige am Ende des Heereszuges versammelt, wohin Kerry Helluin nun folgte. Im Schatten eines der seltenen Bäume standen Thranduil und seine Tochter, sowie die wichtigsten Kommandanten des Elbenheeres. Kerry entdeckte auch Bard, den König von Thal unter ihnen, als sie näher gekommen waren. Etwas abseits stand Oronêl, die Axt in der Linken haltend und mit schwer zu deutendem Blick im Gesicht.
Der König des Düsterwaldes hielt sich nicht lange mit Begrüßungsformeln auf. Als er Helluin sah, nickte er nur leicht und erklärte rasch: "Die Waldgarde wurde bereits entsandt, um die umliegenden Hügel auszuspähen. Bleibt noch die nahe Umgebung der Stadt."
"Wie unser Meister angeordnet hat, werden die Dúnedain auf dem südöstlichen Bergkamm Stellung beziehen," antwortete Helluin.
"Auf dem Rabenberg?" fragte Finelleth, die die Stelle offenbar kannte. "Wer hält dann die östliche Flanke?"
"Mein Vorfahr, Bard der Bogenschütze, kämpfte dort einst in der Schlacht der Fünf Heere," sagte König Bard. "Ich werde den Osten übernehmen, mit all jenen, die mir folgen wollen. Doch vergesst nicht, dass Thal meine Heimat ist und dass mein Volk dort wohnt. Die meisten von ihnen werden sich uns anschließen, wenn es zur Schlacht kommt. Wenn es mir gelingt, ungesehen die Stadt zu betreten, kann ich womöglich dafür sorgen, dass sie uns ohne Blutvergießen in die Hände fällt."
"Die wahre Gefahr sitzt im Erebor," sagte Thranduil. "Die Anführer der Ostlinge und der Orks von Mordor haben sich dort verkrochen. Sicherlich haben sie das Tor schwer befestigt. Selbst wenn Thal problemlos erobert wird, ist der Sieg noch fern solange der Berg nicht gestürmt ist."
Eine kurze Pause trat ein. Kerry, die gebührenden Abstand hielt und in den hinteren Reihen der Dúnedain stand, strengte sich an, um alles zu verstehen. Die Heerführer schienen sich einig zu sein, dass mit einem Sieg in Thal noch nichts gewonnen war. Thranduil sprach einige Zeit darüber, dass der Mangel an Bäumen den Bau von Belagerungsmaschinen erschweren würde, doch Helluin wendete rasch ein, dass Saruman bereits vorgesorgt hatte.

Die Lagebesprechung wurde durch einen der Elben Thranduils unterbrochen, der leise zu seinem König trat und ihm etwas ins Ohr flüsterte. Thranduil hob daraufhin die Hand und sagte: "Eine meiner Kundschafterinnen ist zurückgekehrt - mit unerwarteten Nachrichten. Lasst sie vortreten."
Zu Kerrys Erstaunen kam nun Eryniel in ihr Sichtfeld - gefolgt von mehreren, schwer gerüsteten Zwergen. Es war lange her, dass Kerry einen echten Zwerg gesehen hatte. Eryniel sagte mehrere Sätze auf Sindarin, die Kerry nicht verstand, und Thranduil nickte, ehe er die Zwerge anblickte. Der Älteste der Langbärte trat vor, ein alter Krieger mit grauem Haar und Bart.
"Euch hier zu sehen ist eine Überraschung, das muss ich zugeben, Gunri," sagte der Elbenkönig.
"Euch ebenfalls, König Thranduil," antwortete Gunri. "Das letzte Mal, als ich Euch sah, trennten uns drei Heere der Ostlinge voneinander. Doch die Zwerge Erebors vergessen es Euch nicht, dass Ihr zumindest versucht habt, die Belagerung durch den Schatten des Ostens zu brechen, obwohl Ihr Euer eigenes Reich zu diesem Zeitpunkt bereits verloren hattet."
"Ich habe es zurückgewonnen," antwortete Thranduil. "Und es wird Zeit, dass den Menschen von Thal dasselbe Glück zuteil wird. Doch wusste ich nicht, dass es noch immer Zwerge am Erebor gibt."
"Mein Herr, Fürst Gráin Feuerfaust, der Herr der Eisenberge, entsandte mich und meine Begleiter, um die Lage am Erebor auszukundschaften. Wir hörten Gerüchte darüber, dass ein großer Sieg über den Dunklen Herrscher im Düsterwald errungen wurde, und dass der Erebor als nächstes auf der Liste stehen könnte."
"Die Zwerge der Eisenberge sind uns willkommen," sagte der Elbenkönig. "Auch wenn ihr nicht gerade eine vielzählige Streitmacht seid."
"Wenn der Erebor von seinen Besatzern befreit wurde, kann das Zwergenvolk zurückkehren," fügte Finelleth hinzu, doch Thranduils Miene besagte, dass er diese Meinung nicht ganz ohne Vorbehalte teilte.
Während Gunri dem König und seinen Kommandanten ausschweifend davon zu erzählen begann, wie es um die Eisenberge stand, dachte Kerry darüber nach, was sie gesehen und gehört hatte. Ich denke ebenfalls nicht, dass Saruman den Zwergen den Erebor einfach so überlassen würde. Eher würde er die Situation zu seinen Gunsten ausnutzen. So wie er es mit den Menschen von Thal vorhat. Er gibt ihnen ihre Heimat zurück und dafür müssen sie ihm dienen. Doch Zwerge können stur sein, wenn es stimmt, was man sich über sie erzählt. Würden sie auf Sarumans Angebot eingehen? Sie fürchtete, dass es über die Zukunft des Einsamen Berges viel Streit und womöglich sogar einen neuen Krieg geben könnte.

Ehe sie weiter darüber nachdenken konnte, tauchte Helluin neben ihr auf und zog sie beiseite. "Die Dúnedain werden schon bald zum Rabenberg aufbrechen, denn die Schlacht um Thal ist nun nicht mehr ferne. Hab' keine Angst - du wirst dort oben sicher sein. Doch wir müssen rasch losziehen, wenn wir die Spitze des Bergkammes vor Einbruch der Dunkelheit erreichen wollen." Er marschierte los, und Kerry blieb nur ein kurzer Augenblick, um sich nach Oronêl, Finelleth oder Eryniel umzusehen. Die Kundschafterin stand neben ihrem König und war offenbar an der weiteren Diskussion beteiligt, die zwischen Elben und Zwergen geführt wurde. Finelleth hingegen schien sich nicht länger daran zu beteiligen, sondern warf besorgte und nachdenkliche Blicke in Richtung Thal. Oronêl schien Kerrys Blick auf sich zu spüren, und wandte ihr den Kopf zu. Sein Gesichtsausdruck war fest, doch sein Blick sagte: Gib auf dich Acht. Du wirst es überstehen.
Kerry atmete tief durch. Dann folgte sie Helluin in nordwestlicher Richtung, einen Bogen um Thal und die Ebenen schlagend auf denen nun das Heer der Weißen Hand Aufstellung bezog.
« Letzte Änderung: 3. Nov 2017, 07:16 von Fine »

Offline Eandril

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Re: Ebenen vor Thal
« Antwort #27 am: 14. Nov 2017, 16:11 »
Der Anführer der Zwerge - Gunri - wandte sich Oronêl zu. "Von euch habe ich noch gar nichts gehört, Herr Elb", begann er unverblümt, wie es für Zwerge üblich war. "Ihr steht nur da und macht ein mürrisches Gesicht. Passt euch unsere Anwesenheit hier nicht?"
Oronêl schüttelte den Kopf. Auch, wenn das Verhältnis zwischen Elben und Zwergen allemal Grund zu dieser Annahme bot, war es nicht das, was Oronêl störte. "Ich will nicht leugnen, dass ich in der Vergangenheit keine gute Meinung von Zwergen hatte - meine Eltern stammten aus Doriath", erklärte er, und Gunris buschige Augenbrauen zogen sich missmutig zusammen. Bevor er etwas sagen konnte, fuhr Oronêl fort: "Aber ich habe in Lórien an der Seite eurer Verwandten gekämpft, gegen Sarumans Horden. Seitdem hege ich keinen Groll gegen euer Volk mehr, denn seit jenen unglückseligen Tagen im ersten Zeitalter haben die Zwerge oft genug an der Seite der Elben gegen das Dunkel gekämpft, um ihre Schuld abzutragen." Bei dem Wort Schuld verdüsterte sich Gunris Miene, die sich zuvor etwas entspannt hatte, wieder, doch er hört Oronêl weiterhin schweigend zu, auf den Griff seiner Axt gestützt. "Ich habe jedoch Saruman in den letzten Monaten gut kennengelernt", sprach Oronêl weiter, und lies den Blick über das kahle Tal und den Erebor, dessen Spitze wolkenverhangen war, schweifen. "Er teilt seine Macht nicht - wenn er jemandem hilft, seine Heimat wieder zu erlangen, dann nicht aus Freundlichkeit, sondern um diejenigen zu benutzen und auf die ein oder andere Art zu beherrschen." Er war sich der Blicke, die Thranduil ihm bei diesen Worten zuwarf nur allzu bewusst, und die Worte waren ebenso sehr an den König des Waldlandreichs wie an Gunri gerichtet. "Ich würde es ungern sehen, wenn die Zwerge der Eisenberge und des Erebor als Diener des Zauberers, der meine Heimat zerstört hat, enden würden", schloss Oronêl. Deutlicher wollte er nicht werden, nicht in Gegenwart Thranduils, doch es war deutlich genug gewesen. Auch Gunri blickte nachdenklich auf das Tal zwischen den beiden südlichen Ausläufern des Erebor, und strich mit dem Daumen über die Spitze seiner Axt. "Der Erebor gehört Durins Volk", sagte er schließlich. "Und wir sind keine Diener von Zauberern... Doch entscheiden kann nur Gráin Feuerfaust, nicht ich." Er neigte leicht den Kopf, zunächst in Oronêls, dann in Thranduils Richtung - eine unerwartete Geste des Respekts. "Ich danke euch für eure Offenheit, und ich werde unserem Fürsten berichten, was ich hier vorgefunden habe. Und auch, dass Thorin Steinhelm sich nicht in Sarumans Heer befindet, wie wir eigentlich erwartet hätten." Die dunklen Augen des Zwerge blitzten unter seinen buschigen Augenbrauen hervor, als er ein weiteres Mal den Kopf neigte, und sich zum Gehen wandte.
Einen Augenblick herrschte Schweigen unter dem Baum, dessen wenige verbleibende Blätter im schwachen Wind raschelten. Ein Blatt riss sich los, und segelte direkt vor Oronêl zu Boden. "Nun, Saruman würde sicherlich nicht begeistert sein, wenn er dies gehört hätte", ergriff schließlich Thranduil das Wort. "Sicher nicht", erwiderte Oronêl, und blickte seinem Vetter fest in die Augen. "Aber es gibt hier sicher niemanden, der ihm davon berichten würde." König Bard hatte sich bereits zur östlichen Flanke des Heeres aufgemacht, und Helluin war mit den Dúnedain zu seiner Stellung am Rabenberg aufgebrochen, sodass die Elben nach dem Abgang der Zwerge unter sich waren. Thranduil hielt Oronêls Blick einige Zeit stand, wandte den Kopf dann jedoch ab. "Nein, es wäre wahrlich unter der Würde eines jeden einzelnen von uns, sich zu Sarumans Zuträger zu machen", sagte er. Betretene Stille folgte, in der nur das leise Geräusch des kalten Nordwindes zu hören war.
Schließlich straffte Finelleth sich sichtlich, und wandte sich an ihren Vater: "Also, was sind deine Befehle?" Thranduil atmete durch. "Den Hauptschlag werden Saruman und seine Orks von Süden gegen Thal führen. Wir werden uns aufteilen, die Dúnedain im Westen und König Bard im Osten unterstützen. Faerwen und Oronêl, ihr werdet die Krieger anführen, die mit König Bard kämpfen - er wird euch den genauen Plan mitteilen. Und ihr... Eryniel, richtig?" Die rothaarige Elbin nickte, und Thranduil sprach weiter: "Ihr werdet die Kundschafter und Bogenschützen sammeln, und euch mir und meiner Garde auf dem Rabenberg anschließen." Eryniel verneigte sich knapp - was Thranduil nicht aufzufallen schien - und eilte davon. Finelleth warf Oronêl ein Lächeln zu, dass eher tapfer als fröhlich war.
"Also schön." Thranduil streckte seiner Tochter die Hände entgegen, und Finelleth ergriff sie zögerlich. "Mögen die Valar dich in der Schlacht geleiten, meine Tochter. Wir werden uns in Thal wiedersehen."
"Und mögen sie auch auf dich achtgeben... Vater", erwiderte Finelleth mit belegter Stimme, als sie Thranduils Hände losließ.

Einige Minuten später trafen Oronêl und Finelleth im Lager der Elben ein, wo bereits hektische Betriebsamkeit herrschte. Dort, wo sie ihre Ausrüstung zurückgelassen hatten, hatten sich Mírwen, Celebithiel und Glorfindel versammelt, die ihre Ankunft bereits erwarteten. "Gwilwileth und ich werden uns Thranduil im Westen anschließen", begann Glorfindel, der bereits seine goldene Rüstung angelegt hatte, und selbst durch die geschlossene graue Wolkendecke das Licht der Sonne zu reflektieren schien. "Wir werden die östliche Flanke anführen", erklärte Finelleth. Mírwen befestigte noch ihr kurzes Schwert am Gürtel, die zwergische Armbrust und den Köcher mit Bolzen trug sie bereits auf dem Rücken, und sagte: "Ich werde mit nach Osten kommen. Werden die Zwerge an unserer Seite kämpfen? Ich habe gehört, dass einige von ihnen aus den Eisenbergen gekommen sind."
"Sie sind lediglich als Kundschafter hier", erwiderte Oronêl. "Und sie werden erst kämpfen, wenn ihr Fürst es ihnen befiehlt." "Was unwahrscheinlich sein dürfte nach dem, was Oronêl ihnen erzählt hat", stichelte Finelleth, und Oronêl verspürte einen Anflug von Schuldbewusstsein. Was, wenn die Zwerge das Zünglein an der Wage sein konnten, und er dafür gesorgt hatte, dass der Feldzug in einer Katastrophe enden würde? Er schob den Gedanken rasch beiseite, während Mírwen meinte: "Nun, ich hätte gerne an der Seite von Zwergen gekämpft - ich hatte bislang nie die Gelegenheit dazu."
"Wer weiß was die Zukunft bringt", erwiderte Oronêl. "Vielleicht schließen sich uns die Zwerge trotz der Wahrheiten die ich ihnen gesagt habe, an." "Dazu müssen wir aber zuerst die Schlacht gewinnen", warf Finelleth ein, rückte ihre Waffen zurecht und fügte mit einem etwas fröhlicheren Grinsen hinzu: "Also sollten wir uns in Stellung bringen, sonst fangen sie noch ohne uns an."
Bevor sie sich trennten, nahm Oronêl Celebithiel zur Seite und sagte: "Hab ein Auge auf Kerry, wenn du kannst. Sie weiß zwar auf sich aufzupassen und wir hoffentlich hinter den Kämpfen zurückbleiben, doch Mathan würde mir nicht verzeihen können, wenn ihr in der Schlacht etwas zustieße - und ich mir auch nicht." "Immer wieder hängen Elben ihr Herz an einen Menschen, und selten geht es gut aus", meinte Celebithiel mit einem traurigen Lächeln, als würde sie sich an etwas schmerzhaftes Erinnern. "Aber ich will versuchen dafür zu sorgen, dass es dieses Mal anders kommt."  Sie schloss Oronêl für einen kurzen Augenblick in die Arme, eigentlich untypisch für Elben, und sagte: "Viel Glück, und achte auf dich, und auf Finelleth und auf Mírwen. Unser Weg soll nicht in einer Schlacht für Saruman zu Ende gehen."

Listen to the wind blow, watch the sun rise
Running in the shadows, damn your love, damn your lies