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Autor Thema: Die Braunen Lande  (Gelesen 861 mal)

Offline Fine

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Die Braunen Lande
« am: 2. Jun 2015, 13:58 »
Galanthir, Angvagor und Finelleth vom Amon Hen

Bericht von der Reise von Thranduils Kundschaftern


"Dieses öde Gebiet verdient seinen Namen wirklich," sagte Galanthir. Rings um sie herum breitete sich die große Leere der Braunen Lande auf den Ostufer des Anduins aus. Sie hatten die Umhänge gewendet und trugen nun die Farbe der Innenseite nach außen, die besser zu ihrer momentanen Umgebung passte als das Grün des Waldlandreiches. Seitdem sie die Emyn Muil hinter sich gelassen und den Großen Strom stets zur Linken haltend nordwärts gereist waren hatte sich das Land kaum verändert. Nur wenig wuchs in den Braunen Landen bis auf Sträucher, Büsche und hier und da niedriges Gras, das die Farbe von Staub hatte. Dennoch war es nicht nur die Unbehaglichkeit, die sie hier empfanden, die den Kundschaftern aufs Gemüt schlug.

Es war vor allem das, was sie am Tag zuvor gesehen hatten.

Auf ihrem Weg durch die östlichen Emyn Muil hatten sie nach einem kurzen Stück in Richtung Nordosten einen Bogen zurück zum Fluss geschlagen. Auf den Klippen am Ostufer stehend hatten sie einen Blick zurück nach Süden zum Amon Hen geworfen. Keiner von ihnen hatte die Säulen der Könige zuvor gesehen, und so konnten sie sich nur vorstellen, wie sie einst ausgesehen haben mussten.

Bevor man sie umgestürzt und zerbrochen hatte.

Die Standbilder der Söhne Elendils hatten in Trümmern zu beiden Seiten des Großen Stroms gelegen, der sich nun seinen Weg zwischen großen Felsbrocken und Überresten der gewaltigen Standbilder zum Nen Hithoel bahnte. Die Klippen an beiden Ufern waren ebenfalls teilweise eingestürzt gewesen - ohne Zweifel waren sie beim Fall der Argonath in Mitleidenschaft gezogen worden. Von ihrem Aussichtspunkt oberhalb des Ostufers hatten die Elben erkennen können, dass die Überreste mit orkischen Zeichen und dem Roten Auge beschmiert worden waren. Hier waren die Diener Mordors am Werk gewesen, war ihnen klar geworden. Die Argonath waren nun zu einer deutliche Erinnerung an alle geworden, dass der Osten Mittelerdes unter Saurons Herrschaft stand.

Nach einer kurzen Rast im Schatten eines großen aufrecht stehenden Felsens setzten Galanthir, Angvagor und Finelleth ihre Reise fort. Die elbische Wegzehrung, die sie mit sich führten beschleunigte ihre Schritte, und so zogen die Braunen Lande rasch an ihnen vorbei. Das Ostufer des Anduins wurde flacher, je weiter sie nach Norden kamen. Tiere sahen sie bis auf einige Schwäne keine, das Land kam ihnen leer und düster vor. Ihrer Stimmung war es nicht zuträglich. Sie sprachen wenig, blieben konzentriert und wachsam; drei lange Schatten die im Licht der immer tiefer sinkenden Sonne über die Ebene eilten.

Es war bereits Abend geworden, als Angvagor, der vorausging, unvermittelt die zur Faust geballte Hand erhob und sie zum Anhalten brachte. Einen kurzen Moment verharrten sie und lauschten in die Stille ringsum. Da hörten sie es: Stimmen, die sich leise zu unterhalten schienen, nicht weit entfernt. Angvagor machte ein Zeichen, und setzte sich vorsichtig in Bewegung; seine Begleiter dicht hinter ihm. Beinahe geräuschlos schlichen sie sich auf die Stimmen zu, die aus einer Mulde ganz in der Nähe kamen.

Als sie näher heran kamen knieten sie sich hin und bewegten sich kriechend vorwärts, bis sie den Rand der Mulde erreichten. Aus der Deckung eines niedrigen Strauchs heraus spähten sie nach unten. Dort standen sechs Menschen, in golden schimmernde Rüstung und rötlichen Stoff gehüllt. Einer hielt ein Pferd am Zügel, die restlichen schienen ein Nachtlager zu errichten. Sie unterhielten sich in einer fremden Sprache. Aufgrund der ungewöhnlichen Form ihrer Helme vermutete Finelleth, dass es sich um Menschen aus Rhûn handelte. Galanthir stupste sie von der Seite an, das Zeichen zum Rückzug. Sie warf noch einen letzten Blick nach unten - und stellte erschrocken fest, dass sie einer der Männer direkt anblickte.

Er stieß einen warnenden Ruf aus und zeigte nach oben, worauf die Ostlinge die Elben vollständig entdeckten. Angvagor sprang auf und riss sein Langschwert vom Rücken. Für eine Flucht war es zu spät - sie würden kämpfen müssen. Eilig erhoben sich auch die anderen beiden Elben und zogen ihre Waffen. Auch die Ostlinge hatten ihre Schwerter und Schilde ergriffen und kamen nun mit finsteren Blicken heran. Zwei gut gezielte Wurfmesser ließen den vordersten von ihnen zu Boden gehen. Angvagor ließ seine Klinge auf den Schild eines anderen niedergehen, versetzte ihm einen Tritt und schlug dem taumelden Menschen in einer fließenden Bewegung den Kopf ab. Galanthir duckte sich unter einem Hieb weg und fand mit seinem Speer eine ungeschützte Stelle unter der Achsel des Ostlings. Finelleth sah sich zwei wütenden Feinden gegenüber, deren Schwertstiche sie mühsam parieren konnte. Gewandt schlug sie mit ihrer Axt einem der beiden die Schwerthand ab, musste aber einen betäubenden Schlag mit dem schweren Schild ihres zweiten Gegners einstecken, welcher sie zu Boden schickte. Die Elbin rollte sich ab, wich einige Meter zurück und ließ die Axt auf den Menschen zufliegen, die ihn fällte. Angvagors Klinge erschlug den fünften Ostling, während der sechste auf den Rücken des Pferdes geklettert war, und diesem nun die Sporen gab.
Er war gute hundert Meter weit gekommen, als ihn Galanthirs Pfeil in den Rücken traf.

Alle drei hatten sie einige Schnitte und Beulen davongetragen, die sie eilig verbanden. Die Leichen warfen sie in den Großen Strom, der sie bei den Stromschnellen von Sarn Gebir zerschmettern würde, so hofften sie. Sorgsam achteten sie darauf, keine Spuren zu hinterlassen. Dem Pferd des gefallen Ostlingreiters redeten sie gut zu und schickten es anschließend nach Osten, um auf den Ebenen von Rhovanion frei umherzustreifen. Sie entschlossen sich, ab sofort nur noch bei Nacht zu reisen.


Galanthir, Angvagor und Finelleth zum Saum des Düsterwalds
« Letzte Änderung: 26. Aug 2016, 13:58 von Fine »

Offline Eru

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Händler wider Willen
« Antwort #1 am: 25. Sep 2016, 17:44 »
Aivari aus den Gebieten ringsherum um Dol Guldur...

Die Sonne stand bereits hoch am Himmel und schickte ihre wärmenden Strahlen auf das bärtige Gesicht des Zwerges, der sich neben einem der raren Bäume in den Braunen Landen einen kleinen Schlafplatz eingerichtet hatte. Die wohlige Wärme ließ ihn nach einer langen Nacht ungewohnt angenehm erwachen. Eine Woche musste er in etwa schon unterwegs gewesen sein. Zumindest sagten ihm das seine Füße, sein Zeitgefühl hatte er längst verloren. Man konnte ihn ja nicht gerade als gewöhnlichen Zwerg beschreiben, immerhin verabscheute er die Tiefen der Berge und hatte überhaupt kein Händchen für die Schmiedekunst, aber was das Laufen über lange Wegstrecken anging, da kam er leider ganz nach seinem Volk. Die letzten Monate hatte er oft tagelang auf seinen Füßen zubringen müssen, doch angenehmer wurde es dadurch nicht. Nichtsdestotrotz trieb ihn die Suche nach der jungen Frau und die Unausweichlichkeit dieser Strapazen an, denn andernorts gab es für ihn keine Hoffnung mehr. Nur noch düstere Aussichten, die er gerne verschob. Zu diesem Schluss war er inzwischen gekommen, nachdem er noch einige weitere Tage über seine Entscheidung sinniert hatte.

Er wünschte sich manchmal sich ein Pferd aus dem Lager vor Dol Guldur genommen zu haben, doch Pferdediebstahl war das Letzte mit dem er sich von seinen Verbündeten verbaschieden wollte, zumal er sich für keinen guten Reiter hielt und viel lieber höchstselbst den Boden unter den Füßen spürte.

Zu seiner Linken, im Norden, waren noch letzte Ausläufer des Düsterwaldes zu erkennen. Doch die Richtung, in die er sich bewegte, bot nichts als nahezu baumlose Ödnis, karge Graslandschlaften und ganz selten ein paar Felsen. Dieses Land hatte bereits viele Schlachten gesehen und selten schien hier ein Volk für längere Zeit gesiedelt zu haben. Wenn Aivari die alten Geschichten richtig deutete, dann hatte ein ganzes Stück südlich von hier der Letzte Bund Sauron vor Tausenden von Jahren seine bisher empfindlichste Niederlage beigebracht. Wenn ihr Sieg doch nur von Dauer gewesen wäre...

Beim Aufstehen zog sich der Zwerg die Kleidung wieder zurecht, nahm ein paar Schluck Wasser und wusch sich so gut es ihm in dieser Situation möglich war und ohne zu viel Wasser zu verschwenden. Nach ein paar Bissen vom Cram, das er sich als Ration aus dem Lager der freien Völker vor Dol Guldur mitgenommen hatte – das wenige Lembas, das er hatte, sparte er sich für spätere Tage seiner Reise auf - , führte er seinen Weg fort. Das weiche, wenige Finger hohe Gras unter den Stiefeln und seinen knorrigen Wanderstab in der Hand.
Bis auf vereinzelte Orkverbände, die aus dem Süden kamen und offensichtlich in den Norden in die eroberten Gebiete zogen, sei es als Arbeitssklaven oder Soldaten, hatte Aivari noch keine Begegnungen gehabt, was ihn jedoch in dieser trostlosen Gegend nicht wunderte. Wenn er etwas am Horizont erspähte, und er war äußerst aufmerksam unterwegs, dann warf er sich rasch ins Gras, und legte sein Hab und Gut so flach wie möglich neben sich auf den Boden. Wenn man ihn dann noch erkennen konnte, würde man ihn aus einiger Entfernung höchstens für einen flachen Stein halten. So entging er bislang jeder Entdeckung durch Fremde, deren Wege sie allerdings auch nie besonders nah an ihn heranführten.

Auf den Aufenthaltsort von Inari hatte er noch keinerlei Hinweis ausmachen können, obwohl er oft anhielt und die nahe Umgebung nach Fußspuren, Hufabdrücken oder sonstigem untersuchte. Er wusste weder wie gut sie sich in dieser Gegend auskannte, noch welchen Weg sie eingeschlagen hatte. Die vereinzelten Orkgruppen bereiteten ihm jedoch Sorgen.

Einen Tag später stieß er das erste Mal auf eine Unregelmäßigkeit in der Gleichförmigkeit des zunehmend unfreundlicher, wasserärmer und trockener werdenden Landstriches. Schon eine halbe Stunde zuvor hatte Aivari am Horizont etwas ausgemacht. Die genauere Deutung des Objekts war ihm jedoch nicht möglich bis er näher herangetreten war. Es handelte sich um einen umgestürzten, entzweigebrochenen Holzwagen, eines der beiden Räder steckte schräg im Boden, einige zersplitterte Fässer lagen verteilt auf dem Gras. Sie hatten Mehl, Brotlaibe, Gemüse, Stoffe und viel Wein geladen, die alle ebenso versprengt auf dem Erdreich lagen. Ein Pferd stand beinahe seelenruhig daneben und graste in der Morgensonne. Zwei Orkkadaver waren ebenfalls zu erkennen. Ein kleiner Schwarm Raben machte sich bereits über diese her. Aivari ging langsam und in gebückter Haltung weiter, während er Shâthur, sein kleines Kampfbeil, vom Gürtel löste.

Die Bauart des zerstörten Wagens erinnerte ihn an seine zunehmend gefährlichen Reisen mit Fjola in die Gebiete südlich der Eisenberge – in jenen fernen Tagen. Dort hatten sie, wenn sie sich besonders weit ins Land getraut hatten, das ein oder andere Mal Ostlinge mit diesen Wagen fahren sehen und sich vor ihnen versteckt gehalten.
Umso vorsichtiger näherte er sich und mit jedem Schritt konnte er ein lauter werdendes, wehklagendes Stöhnen wahrnehmen.
Als er vorsichtig um den umgestürzten Wagen herumgegangen war, entdeckte er einen Mann im mittleren Alter mit dunklem, langem Haar und Hautfarbe und Gesichtszügen, wie sie eindeutig den Ostlingen zuzuordnen waren. Er war noch immer von einigen Holzlatten und Teilen des Wagens begraben. Eilig, jedoch nicht ohne Vorsicht, räumte Aivari die Teile beiseite und befreite den Mann, indem er ihn aus seiner misslichen Lage auf die freie Grasfläche zog. Dabei hinterließ er bereits eine kleine, aber deutliche Spur frischen Blutes auf dem Erdboden. Wehren tat sich der Mann nicht besonders, dafür war  seine Besinnung offenbar nicht klar genug.
Aivari entdeckte schnell mehrere kleine, in ihrer Fülle aber sicherlich an den Kräften zehrende Wunden am Oberkörper des Menschen.
Auf dem gesamten Weg hatte er – wie er es schon immer tat - jedes noch so kleine Gestrüpp Königskraut und andere Heilkräuter, die ihm bekannt waren, aufgesammelt und in seiner Kräutertasche verstaut. Zu oft schon hatten ihm diese Wundergewächse auf seinen Reisen das Leben erleichtert, wenn er sich verletzt hatte oder auch einfach nur einen wohltuenden Tee genießen wollte - wenn er denn seinen Kochtopf noch besäße. Außerdem verfügte er von seinen vergangenen Reisen mit Fjola, die stets in den Eisenbergen ihren Ursprung genommen hatten, über ein nicht zu unterschätzendes Wissen über die Naturkräuter Rhovanions.

Aus diesem Grund war es für ihn ein Leichtes die Wunden des Mannes sporadisch zu versorgen. Anschließend nahm er sich ein paar der weniger verschmutzten Stofftücher, die als Teile der Wagenladung noch verstreut in der Gegend lagen, und schnitt diese mit der scharfen Klinge seines Beils auseinander, um die wunden Stellen zu umwickeln.

Dabei wurde der Mann abrupt wieder Herr seiner Sinne, schlug um sich als er den Schatten über sich wahrnahm und kroch ängstlich auf dem Rücken zurück.
»Weg mit euch! Lasst mich in Frieden, Brut des Bös-«
In diesem Moment erkannte er den schlohweißen Bart und den wohlwollenden Blick seines Gegenübers. Der Mensch schaute an sich herunter und erkannte die Kräuter auf seinen offenen Wunden.
»Wer seid ihr? Was tut ihr hier?...«, forderte der Mann mit bezeichnender östlicher Aussprache, ehe er sich besinnte und ein knappes »Habt Dank.« anschloss.
»Das Glück scheint auf eurer Seite zu sein, Mensch, wenn ich mir so ansehe, was mit eurem Wagen geschehen ist.«, erwiderte Aivari ohne dem Mann auf seine Fragen zu antworten.
»Und das Schicksal scheint es auch gut mit mir zu meinen, wenn es euch auf diesen Weg geleitet hat, Zwerg.«
Der Ostmensch stand unter Stöhnen auf und nahm von Aivari die Tücher entgegen, die dieser noch in der Hand hielt, um sich dann selbst weiter zu versorgen.
»Die Aussicht in diesen verfluchten Landen auf ein freundlich gesinntes Gemüt zu stoßen scheinen mir äußerst rar.«
»Was treibt euch dann in diese Gegend?«, fragte Aivari, während er sich die Lage um ihn herum noch einmal genauer ansah.
»Die selbe Frage, könnte ich euch auch stellen.«
Aivari schenkte ihm einen unbeeindruckten Blick und wandte sich von ihm ab, während er auf die Orkkadaver zuging, um diese zu untersuchen. Sie waren durch Schwerthiebe getötet worden.
»Also gut, ich glaube nicht, dass ich vor euch etwas zu befürchten habe.«, fuhr der Mann fort und hastete dem Zwerg leicht humpelnd hinterher, als habe er nun in dieser Notlage das Bedürfnis sich alles von der Seele zu reden. »Ich bin auf der Flucht.«
»Auf der Flucht?«
Aivari hob die Stimme und heuchelte ein wenig Interesse, während er den toten Ork herumdrehte, jedoch nichts von Bedeutung fand. Also erhob er sich, dem Menschen wieder zudrehend.
»Da haben wir fast etwas gemeinsam.« Er schaute den Mann nur kurz beim Vorübergehen an und untersuchte sogleich den zweiten Orkkadaver.
»Meine Heimat im Osten gibt es nicht mehr, meine Familie ist zerrissen, mein Volk entzweit und die Zeichen stehen auf Bürgerkrieg. Ich hoffe meinen Handel im Menschenreich im Westen fortsetzen zu können.«
Sein Blick folgte dem Zwerg, der auch beim zweiten Ork nichts von Bedeutung fand.
»Mein Weg endete jäh, als mich diese Orks in der Nacht überraschten. Ich schaffte es auf meinen Wagen zu entkommen und ein Stück zu fliehen, doch die Orks waren ebenfalls auf den Wagen gelangt Nach einem kurzen Kampf schaffte ich es beide zu erschlagen, doch einer von ihnen stürzte unglücklich vom Wagen auf meine liebe Aila.« Dabei machte er einen Schritt auf das Pferd zu und strich dem Tier sanft über das Gesicht.
»Dabei kam der Wagen zu Fall. Das ist das Letzte an das ich mich erinnere.«

»Die Orks haben euer Aufeinandertreffen offenbar nicht so unbesschadet überstanden.«, stellte Aivari fest. »Seid ihr auf eurem Weg noch jemandem begegnet?«, schloss er sogleich fast beiläufig an, ohne in der Frage zu viel Dringlichkeit mitschwingen zu lassen.
»Niemandem. Seit ich Rhûn verlassen habe.«
Aivari konnte einen enttäuschten Blick nicht verstecken, obwohl er nicht überrascht war.
»Ich suche einen Menschen, gekleidet wie die Pferdeherren aus Rohan.«
Der Ostling schien einen Moment zu überlegen, als sich sein Gesicht erhellte.
»Jetzt wo ihr es sagt, fällt es mir wieder ein. Am zweiten Tag nach meinem Aufbruch habe ich eine Gruppe Menschen in fremder Kleidung auf Pferden reiten sehen. Ich brachte meinen Wagen sogleich hinter einem Felsvorsprung zum Halt und hielt mich versteckt. Sie ritten hastig und auf schnellen Pfaden und waren schnell wieder aus meinem Blickfeld verschwunden.«
Aivari dachte darüber nach, doch er schloss eigentlich aus, dass sich das Mädchen anderen Menschen angeschlossen hatte. Ob sie ein Pferd gestohlen hatte, konnte er jedoch nicht wissen. Dennoch war dies die einzige und damit beste Fährte, die er über ihren Verbleib hatte.

»Ich schulde euch mein Leben, Zwerg.«, fügte der Ostling an, als er bemerkte, dass seine Worte Aivari nachdenklich machten. »Lasst mich euch bis zum nächsten Morgengrauen auf meinem Pferd mitnehmen. Aila ist ein Tier von sehr nobler Abstammung, eine ahnenreiche Rasse, kräftig und groß gewachsen. Es wird keine Schwierigkeiten machen. Wohin auch immer es euch zieht, ich bringe euch einen Tag lang in diese Richtung, auch wenn ich dafür einen Teil meines Weges zurückreiten muss.«
»Nun, allzu lange sollten wir hier ohnehin nicht mehr verweilen.«, erwiderte Aivari und schaute sich noch einmal um. »Diese Orks waren sicherlich nicht alleine unterwegs. Vermutlich Späher einer größeren Horde. Ich nehme euer Angebot dankend an.«

So half Aivari dem Ostling noch zwei große Satteltaschen mit all der Ware zu befüllen, die durch den Unfall nicht unbrauchbar geworden war, und sie ritten – Aivari hinter dem Menschen sitzend, nach seinem Wunsch weiter gen Osten, einen Tag und eine Nacht...


Weiter im südlichen Rhovanion...
« Letzte Änderung: 1. Okt 2016, 22:48 von Eru »