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Autor Thema: Von Akâllabêth und dem Krieg des Bundes  (Gelesen 1023 mal)

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  • Beiträge: 1.871
  • Ich hab da ein ganz mieses Gefühl bei der Sache...
Von Akâllabêth und dem Krieg des Bundes
« am: 14. Sep 2015, 15:27 »
(Anmerkung des Archivars Eredhil von Imladris im Jahre 2949, Drittes Zeitalter: )
 
"Die Briefe des Númenórers Hallatan von Eldalondë wurden von seinen Nachkommen als bleibende Erinnerung an den Fall von Westernis und den Krieg gegen Sauron aufbewahrt. Während der Eroberung von Fornost wurden sie mit einigen wenigen übrigen Dokumenten aus den Flammen gerettet und kamen so schließlich in die Bibliothek von Imladris. Hallatans Tochter, Faeriën von Annúminas, die spätere Gemahlin König Valandils, hatte die Briefe zusammengebunden und mit dem Siegel ihres Hauses versehen, einer weißen Blüte auf einen silbernen Segel. Wir nehmen an, dass dies das Siegel von Eldalondë, dem Hafen der Getreuen an der Westküste Númenórs darstellt.
Die Briefe sind abwechselnd an Lindórië von Andústar, die Geliebte Hallatans, und an seinen Waffenbruder Belerion (über den sich ansonsten keine weiteren Aufzeichnungen finden) gerichtet. Vor allem die frühen Briefe an Lindórië sind in geschwungenem Hochadûnâisch gehalten und durchsetzt von Quenya- und Sindarinausdrücken, wie es für die Gelehrtensprache der Getreuen am Ende des Zweiten Zeitalters üblich war. Dies ist insbesondere in der Hinsicht bemerkenswert, da Hallatan zu Beginn noch ein sehr junger Mann war - den ersten Brief schrieb er im Alter von zwanzig Jahren. Selbst für die Dúnedain in den Jahren ihres Niedergangs war dies sehr wenig. Hallatan wurde knapp dreihundert Jahre alt, und hätte sicherlich noch einige Jahre gelebt, wäre er dem Verhängnis auf den Schwertelfeldern entgangen. Durch die Heirat seiner Tochter mit Valandil, dem Erben Isildurs, ist er ein Vorfahr der Könige Arnors und der Stammesführer der Dúnedain des Nordens.
Die Briefe an Belerion sind in der Umgangssprache, dem niederen Adûnâisch verfasst, welches sich in Mittelerde im Laufe des Dritten Zeitalters zum Westron, der Gemeinsamen Sprache entwickelte. Insofern sind sie unter anderem in linguistischer Hinsicht hochinteressant. Außerdem bietet sich uns hier ein unverfälschter Blick auf die letzten Jahre Númenórs und den Krieg des Letzten Bündnisses. Zwar weilen in Imladris noch einige, die in jenen Tagen selbst dabei waren, doch sind zusätzliche Einblicke stets willkommen.

Die Briefe wurden Estel Aragorn, Arathorns Sohn, übergeben, um ihn vieles über die Geschichte seines Volkes zu lehren."


   
3258, Zweites Zeitalter
Eldalondë, Hauptstadt von Nísidalmar, Númenorë

   
Edle Lindórië!
   
Erst wenige Tage ist es nun her, dass ich versprach, Euch zu schreiben, deshalb hoffe ich, dass der berittene Bote meine Nachricht eilenden Fußes zu Euch nach Andúnië bringen wird.
Fürst Amandils Feier war ein höchst erfreulicher Anlass, wie Ihr mir gewiss zustimmend werdet, um nach Andústar zu reisen, und ich bin froh dass mein Hoher Vater mich bat, ihn dorthin zu begleiten. Doch nie hätte ich gedacht, eine solch wunderbare Überraschung vorzufinden. Wie Ihr wisst habe ich vor zwei Wochen meinen zwanzigsten Geburtstag gehabt, und gelte nun in den Augen der Männer des Königs als volljährig, auch wenn die alten Traditionen eher ein Alter von fünfundreißig erwähnen. Wie in so vielem sind die Gebräuche der Dúnedain in den letzten Jahrhunderten einer andauernden Veränderung unterworfen, die ich mit Bedauern beobachte. Mein Großvater, der ehrwürdige Fürst Ciryatan, hat mir oft erzählt, dass in den Tagen seiner Jugend noch hin und wieder die Elben von Westen aus seinen Hafen ansteuerten, auch wenn ihnen unsere Könige bereits damals mit Missgunst begegneten. Wie gerne wäre ich in jenen Zeiten dabei gewesen! Doch dieser Tage wird wohl kein Schiff mehr aus dem Alten Westen nach Eldalondë kommen. Ich glaube nicht, dass ich je einen vom unsterblichen Volk mit eigenen Augen sehen werde.
   
Doch ich schweife ab, edle Dame. All meine Gedanken wurden bei Eurem Eintreten in den großen Ballsaal der Fürsten von Andúnie wie von den Winden des Westens auf denen die Adler gleiten davongeweht. Nie habe ich solche Gefühle verspürt als in Eurer Gegenwart, Lindórie, Blüte von Andústar! Ihr seid wahrlich die schönste und anmutigste Frau, die ich mir vorstellen kann - selbst die Eldar, schätze ich, müssten neben Euch verblassen. Als Ihr mir den Tanz gewährtet, fühlte ich mich von nie gekanntem Glück erfüllt. O wunderschönste Dame, Ihr habt mein Herz im Sturm erobert, und seit meiner viel zu frühen Abreise kann ich nicht aufhören, an Euch zu denken. Am liebsten würde ich sofort mein Ross satteln und auf der Weststraße in Eure Richtung preschen, doch mein Hoher Vater schalt mich und sagte, es schicke sich nicht für einen jungen Knappen, Liebeleien nachzujagen wenn er kurz vor seinem Eintritt in die Armee steht. Denn wie Ihr wisst breche ich in einer Woche in das goldene Armenelos auf, um der Großen Armee von Westernis beizutreten, wie es meine Pflicht ist. Fünf Jahre in Waffen schreibt mir das Gesetz vor, bis ich frei bin, mir einen Beruf zu suchen und eine Familie zu gründen. Ach, wären dies nur friedlichere Zeiten! Aber die Leuten reden davon, dass erneut ein Krieg mit dem Dunklen Herrscher Mittelerdes bevorsteht.
   
Aber genug der finsteren Worte! Selbst die dunkelsten Wolken müssen weichen, wenn Eure Schönheit ans Licht kommt. Und stets denke ich an die Worte, die Ihr mir an jenem Abend ins Ohr geflüstert habt, und kann sie nicht mehr vergessen. O süße Lindórië, welch Glücksjahr war 3239, als Ihr geboren wurdet! Mein größter Wunsch ist es, Euch noch einmal wiederzusehen, bevor ich gen Armenelos reiten muss. Daher meine mutige Bitte: trefft mich am Orithil, dem Tag des Mondes, hier in Eldalondë! Es ist der Vorabend meiner Abreise. Gewiss wird es Euch Eure Hohe Mutter gewähren, einen Ausflug an die schönen Strände Nísidalmars zu machen?
Schreibt mir, sobald Ihr diesen Brief erhaltet!
   
Demütig erwarte ich Eure Antwort.
Guren 'níniatha n'i lû n'i a-govenitham; bis wir uns wiedersehen, wie die Eldar sagen. Denn noch gibt es einige wie mich, die ihre seit vielen Jahren verbotene Sprachen sprechen, und ich weiß, dass auch Ihr dazu gehört.
   
In tiefster Zuneigung,
Hallatan von Eldalondë, Elatans Sohn.
   

   
3258, Zweites Zeitalter
Eldalondë, Nísidalmar

   
Belerion,
   
Ich habe ein Mädchen kennengelernt! Und was für eines - sie ist die Tochter eines der Edlen an Fürst Amandils Hof in Andúnië - ich glaube, sein Name war Eldamir. Sie ist eine atemberaubende Schönheit mit hellbrauen Haaren und tiefgrünen Augen, und nichts klingt schöner als ihre Stimme in meinen Ohren. Und das Beste ist - sie scheint meine Gefühle für sie zu erwidern! Ihr Name ist Lindórië - sie ist nach einer der Fürstinnen von Andúnië benannt.
   
Ich hoffe, ich kann sie noch einmal treffen, bevor wir nach Armenelos zum Kriegsdienst aufbrechen. Du weißt ja, dass seit vielen Jahren alle tauglichen Männer fünf Jahre Kriegsdienst leisten müssen, bevor sie heiraten und einen Beruf wählen dürfen. Ich wünschte, die Welt wäre friedvoller als sie in diesen Tagen ist. Ich habe gelesen, dass zu Beginn dieses Zeitalters lange Zeit Frieden herrschte, bis sich der Dunkle Herrscher in Ennorë erhob. Wäre es nur nicht dazu gekommen! Dann würden unsere Schiffe an allen Gestaden Freunde erwarten, anstatt wie heutzutage eroberte Städte und bezwungene Völker. Groß ist das Reich der Dúnedain, und alle Küsten der bekannten Welt haben sie befahren. Und dennoch führt das Königreich weitere Eroberungszüge gegen die Menschen Mittelerdes. Ich hoffe, wir erleben keine allzu schlimmen Kämpfe wenn wir die Küsten der Hinnenlande betreten!
   
Wie dem auch sei - mein Treffen mit Lindórië ist jetzt wichtiger.
Wünsch' mir Glück!
   
Hallatan
   

   
3260, Zweites Zeitalter
Rómenna, Hauptstützpunkt der númenorischen Flotte, Númenorë

   
Geliebte Lindórië!
   
Ich hoffe dieser Brief erreicht dich baldmöglichst. Mein Schiff, die Aglarzôr, hat heute den großen Hafen in Rómenna erreicht, und mich endlich nach Anadûne zurückgebracht. Und wie hatte ich mich danach gesehnt! Über ein Jahr ist es nun her, dass die Flammenklingen zu den Hinnenlanden beordert wurden - über ein Jahr, in dem ich jeden Tag an dich gedacht habe. Kein Augenblick verging, an dem ich dich nicht vermisst habe. Trost fand ich darin, dass es dir ebenso ging, und dass mein Dienst mit Schwert, Schild und Stahlbogen zur Verteidigung der Kolonien der Dúnedain ehrenhaft war. Wie du weißt hat sich der Dunkle Herrscher zum König aller Menschen ausgerufen, und immer wieder Angriffe auf unsere Häfen und Festungen an den Küsten Mittelerdes ausgeführt. Aber unser König ist ein tapferer Krieger, und wird nicht umsonst "Der Goldene" genannt. Ich denke manchmal, dass er trotz seiner unrechtmäßigen Besteigung des Throns dennoch ein guter Anführer in diesen kriegerischen Zeiten ist. Wie die meisten der Getreuen halte ich es insgeheim mit Lady Míriel, der wahren Erbin Tar-Palantírs, doch weiß ich nicht, ob sie diesen Krieg besser gemeistert hätte als Calion, den die Männer des Königs Pharazôn nennen.
   
Die Flammenklingen, bei denen ich das Waffenhandwerk erlernt habe, waren lange in der mächtigen Stadt Pelargir stationiert, von wo aus wir auch weite Streifzüge in die schöne Region von Belfalas unternahmen. Hier leben viele der Getreuen, und jedes Jahr kommen neue aus Númenorë an, denen es auf der Insel zu gefahrvoll geworden ist. Mit Sorge habe ich vernommen, dass viele der Einwohner von Andúnie auf Befehl des Königs nach Rómenna umgesiedelt worden sind. Ich befürchte, dieser Konflikt wird erneut schlimmer werden, wenn der Krieg in Mittelerde vorbei ist. Dieser zumindest hat uns bisher wenige Probleme bereitet. Saurons niedere Kreaturen, diese Orks, sind keine Gegner für die tapferen Menschen von Anadúne. Oft schon hat bereits ein verheerender Hagel aus Pfeilen, abgefeuert von den bewährten Stahlbögen ausgereicht, um ihre Kampfeslust zu brechen. Sie meiden die Küsten, wo sie können, denn sie wissen dass unsere Schiffe jederzeit überall Truppen absetzen können. Ihre Angriffe konzentrieren sich auf kleinere, weniger gut befestigte Außenposten, die sie überfallen und sich anschließend schnellstmöglichst ins Landesinnere zurückziehen. Wir folgen ihnen normalerweise nicht, denn es geht dem König um den Schutz unserer Häfen, die sich als zu stark für die Orks erwiesen haben. Wir haben die Lage also gut im Griff, doch denke ich nicht, dass die Angriffe aufhören werden wenn wir nicht offensiver auftreten werden.
   
Ich habe mich in den Augen meiner Kommandanten bewährt, und habe nun die Erlaubnis erhalten, für drei Monate in die Heimat zurückzukehren. Diese Zeit möchte ich mit dir verbringen, meine süße Lindórië, denn jeder Tag mit dir ist besser als hundert anderswo. Während du diese Zeilen liest, bin ich bereits auf dem Weg nach Andúnië.
   
In Liebe,
Hallatan
   

   
3260, Zweites Zeitalter
Andúnie, Hauptstadt von Andústar, Númenorë

   
Belerion,
   
Ich hoffe, deine Wunde verheilt gut. Du hast Glück gehabt, dass dein Gegner seine Klinge nicht mit Gift überzogen hatte, auch wenn die Dúnedain in solchen Dingen widerstandsfähiger als die geringeren Menschen von Ennor sind. Ich habe schon einige Geschichten über Kriegsverletzungen gehört, die letzten Endes zu einem schmerzhaften Tod geführt haben. Aber es war eine gute Schlacht! Zu schade, dass du unter den wenigen Verletzten auf unserer Seite bist. Du hättest sehen sollen, wie die Orks vor Schrecken aufheulten als ihnen der Fluchtweg über den Fluss von einem unserer mächtigen Schiffe versperrt wurde! Keiner von ihnen hat überlebt. Und genau das haben sie auch verdient.
   
Wie du weißt bin ich gleich nach unserer Ankunft in Rómenna weiter nach Andúnië gereist, noch ehe ich meine Familie in Eldalondë besucht habe. Das dürfte dann wohl der Beweis dafür sein, dass du mir fünfzig castarí schuldest. Ich liebe Lindórië, und daran hat sich auch in meiner einjährigen Abwesenheit nichts geändert. Ich bin nun schon seit drei Tagen in Andúnie und habe mich nie glücklicher gefühlt. Ich denke, ich werde morgen den edlen Eldamir aufsuchen, um um die Hand seiner Tochter anzuhalten. Und weshalb sollte er sie mir auch verweigern? Ich bin der Erbe eines angesehenen Hauses, und teile die Gesinnung der meisten Dúnedain von Andústar - die der Getreuen des Alten Weges. Zwar bin ich ungewöhnlich jung für eine solche Bindung, doch was schadet das schon, wenn ich doch weiß, dass ich die perfekte Frau gefunden habe? Die eigentliche Vermählung mag ja noch warten können, bis ich dreißig, vierzig oder fünfzig bin, doch einer Verlobung sollte nichts im Weg stehen. Das hoffe ich zumindest! Mögen die Valar mir den Mut des Tulkas verleihen, wenn ich ihrem Vater gegenübertrete!
   
Hallatan
   

   
3262, Zweites Zeitalter
Umbar, Haupthafen der ennorischen Flotte Númenors, Mittelerde

   
An meine geliebte Verlobte,
   
Ich kann noch immer nicht ganz glauben, dass es wirklich geschehen wird. Wir werden das Land des Dunklen Herrschers erstürmen!
Kannst du dich noch an den Tag erinnern, als der König den Entschluss fasste, den offenen Krieg gegen Sauron zu beginnen? Es ist jetzt beinahe ein Jahr her, und Tar-Calion ist wahrlich nicht untätig geblieben. Die Vorbereitungen haben angedauert, aber nun ist die gesamte Streitmacht Númenors bereit. Der Hauptangriff wird von Umbar aus erfolgen, dem größten Hafen in naher Reichweite zur Insel von Westernis. Ich habe noch nie so viele Soldaten auf einmal gesehen. Es müssten viele, viele tausend sein, die schon bald den Marsch nach Norden in Richtung Mordor antreten werden. Eine zweite, kleinere Streitmacht ist nach Pelargir gesegelt, da der Hafen von Umbar nicht alle Schiffe der Großen Flotte Tar-Calions aufnehmen konnte. Wir werden uns an den Übergängen des Anduins mit ihnen treffen und dann in voller Stärke gen Mordor marschieren. Ich bin voller Zuversicht, dass uns die Streitkräfte des Dunklen Herrschers nicht widerstehen können. Zu groß ist unsere Zahl und zu tapfer unsere Krieger. Wir, die Dúnedain von Anadûne, werden den Sieg über Mordor davontragen.
   
[...]
   
Lindórië,
offenbar kam seit drei Tagen niemand dazu, diesen Brief abzusenden. Daher füge ich nun hinzu, was sich gestern ereignet hat. Wir brachen auf, das ganze gewaltige Heer, mit Tar-Calion an der Spitze, doch kamen wir nicht weit. Nur wenige Wegstunden von Umbar entfernt kam ER uns entgegen. Allein. In edler Gestalt, auch wenn ich nur einen kurzen Blick auf ihn werfen konnte. Er hat sich dem König ergeben.
Sauron hat sich ergeben!
Die Männer sagen, er habe eingesehen, dass er gegen die Macht von Westernis nichts ausrichten konnte. Nicht mit all seinen Orks, Trollen, verblendeten Menschen des Zwielichts und allen namenlosen Schrecken des Schattenlands habe er gegen die tapferen Söhne Anadúnes standhalten können. Und jetzt ist er der Gefangene des Königs! Er trat in ansehnlicher Gestalt auf, einem der Eldar gleich und in Schwarz gekleidet. Nun möge er im schwarzen Schatten unserer Kerker versinken.
Viele wünschen sich, weiter zu ziehen und das Land des Dunklen Herrschers in Trümmer zu legen, doch Tar-Calion hat den Rückzug angeordnet. Wir kehren nun so viel früher als erwartet zurück, und führen den Gefangenen mit uns. Welch ein gewaltiger Sieg für Westernis! Von welchem Übel wir die Welt befreit haben!
Nun möge der König gerecht über Sauron richten. Möge er seine verdiente Strafe erhalten, der er nach dem Fall von Thangorodrim entgangen ist!
   
Ich erwarte, in drei Tagen wieder in Rómenna zu sein. Triff mich an unserem Anlegeplatz - du weißt ja, wo er sich befindet.
   
In Liebe,
Hallatan
   

   
3295, Zweites Zeitalter
Eldalondë, Nísidalmar

   
Belerion,
   
Mit Freude habe ich deine Nachricht empfangen. Lindórië und ich werden selbstverständlich zur Feier kommen. Ich wünsche dir alles Gute und mögen die Valar dein Kind segnen.
Deine Familie wird gewiss bei dir sein, nun, da ihr alle in Rómenna wohnt. Wenn ihr Probleme mit den Adûnâi bekommt, wendet euch an Elendil, Fürst Amandils Sohn. Er hat über seinen Vater noch immer großen Einfluß im Rat des Königs, auch wenn ich gehört habe, dass dieser seit einiger Zeit im Schwinden begriffen ist. Elendil erkennst du an seiner Größe - er misst beinahe zweieinhalb Rangar, und ist auch ansonsten eine ziemlich beeindruckende Persönlichkeit. Und nach allem, was man so hört, führt er sein Schwert Narsil, das Erbstück seines Hauses, mit unvergleichlicher Macht und Geschick.
Ich habe gehört, dass immer mehr der Getreuen nach Ennorë auswandern, und ich kann es ihnen nicht übel nehmen. In den letzten Jahren ist die Lage für uns schlimmer geworden, nun da es immer öfter zu Schikanierungen und Repressalien kommt. Wer die Sprachen der Eldar spricht wird hart bestraft, und wer an den alten Sitten festhält muss ebenfalls um seine Sicherheit Sorge tragen. Ich fürchte, im Rat des Königs haben wir bis auf Fürst Amandil keine Freunde mehr. Es heißt, dass der Rat ein neues Mitglied hat, dessen Herkunft und Vergangenheit allen ein Rätsel ist.
Vielleicht wäre es für dich und 'Rína besser, wenn ihr die Insel ebenfalls verlasst - vielleicht nur für einige Zeit, bis eure Tochter älter ist. Wenn wir Glück haben, wird der nächste König wieder mehr wie Tar-Palantír. Aus unserer Zeit in Pelargir müsstest du doch noch viele der guten Leute dort kennen, oder? In Bêlfalas würde sich gewiss ein Zuhause für dich und deine Familie finden. Frage Elendil um Rat, wie ich bereits schrieb. Er kann dir in allen Angelegenheiten Hilfe leisten, und du kannst ihm vertrauen.
Ich freue mich darauf, dich bald bei der Feier zu sehen.
   
Hallatan
   

   
3310, Zweites Zeitalter
Armenelos, Königsstadt von Númenorë

   
Lindórie, meine Blüte,
   
Ich schreibe dir in Eile, denn die Ereignisse überschlagen sich momentan.
Wir wissen nun, woher der finstere Einfluss kommt, der den König und den Rat beeinflusst. Es ist Sauron selbst! Sauron, den wir für einen in der Verließen verrottenden Gefangenen hielten. Er tritt nun offen als oberster Berater Tar-Calions auf und scheint in allen Angelegenheiten das Ohr des Königs zu haben. Ich hatte ja bereits meine Zweifel, als wir lange Jahre nichts mehr vom Kriegsgefangenen von Umbar gehört hatten - kein Prozess, kein Urteil, keine Vergeltung für seine Taten. Jetzt wissen wir auch, wo der finstere Kult seinen Ursprung hat, der sich in der Hauptstadt verbreitet hat. Sie haben ihrem falschen Gott einen protzigen Tempel erbaut und ihm sogar unschuldige Menschen als Brandopfer gebracht. Jetzt, da ich diese Worte schreibe, erfüllt mich der Gedanke daran erneut mit unbeschreiblichem Entsetzen. Sehen sie denn nicht, was sie da tun? Wem sie wirklich dienen? Und wozu ihre Taten führen werden?
Doch niemand wagt es, sich gegen Sauron oder den König auszusprechen. Zu groß ist die Macht der Königspartei geworden, und sie verfolgen uns nun offen und ohne Hindernis. Die Erben von Andúnie - Fürst Amandil, Elendil und dessen Söhne - sind die einzigen, die uns noch Schutz bieten. Sie sind nun die Anführer der Getreuen in Númenor.
Vor kurzem haben wir erfahren, dass Nimloth, der Weiße Baum, der mit der Linie von Elros Tar-Minyatur verbunden ist, gefällt wurde. Welch abscheuliche Tat!
Als Isildur das hörte, brach er alleine im Schutze der Dunkelheit zum Tempel auf. Er ist noch nicht zurückgekehrt. Ich bete, dass sein Mut ihm nicht zum Verhängnis wird! Er ist Elendils Erbe und überaus tapfer, doch wenig besonnen.
   
[..]
   
Lindórië,
Gestern hat es niemand mehr geschafft, den Brief zu überbringen. Zu sehr haben uns die Taten Isildurs beschäftigt.
Er ist zurück, wenngleich schwer verletzt. Doch welch eine Tat er vollbracht hat! Er sagt, sie haben Nimloth verbrannt, auf dem Altar ihres finsteren Gottes, und dennoch hat er es geschafft, die letzte Frucht des Weißen Baumes zu retten. Seine Verletzungen sehen schlimm aus, doch er ist jung und wird überleben, sagen die Heiler. Ich hoffe, er konnte seinen Verfolgern entkommen ohne dass sie herausfinden, wohin er geflohen ist!
Sauron beherrscht nun offensichtlich vollständig die Gedanken des Königs. Heute haben die Herolde verkündet, dass er Valinorë den Krieg erklärt hat. Die Flotte soll gerüstet und jeder einzelne waffenfähige Mann bereit gemacht werden. Ich bin sprachlos! Er will tatsächlich das Segensreich der Valar angreifen, um die Unsterblichkeit der Eldar zu erlangen. Versteht er denn nicht, dass es nicht der Ort ist, der das Leben verlängert? Es liegt in der Natur der Menschen, aus den Kreisen der Welt zu scheiden - es ist das Geschenk Erus an uns. Er wird nicht finden, was er sucht, sondern Unheil über uns alle bringen!
Lindórie, du musst allen in Andúnie sagen, sie sollen so schnell wie möglich nach Ennorë abreisen! Die Insel fühlt sich unter meinen Füßen nicht mehr sicher an. Ich fürchte das, was der Angriff auf den Alten Westen auslösen wird. Der Krieg des Zorns, so sagen die Alten, zerbrach Beleriand und die Küsten der westlichen Welt. Was mögen die Valar dann erst gegen uns entfesseln?
Bitte komm zu mir, so bald du kannst. Ich bleibe bei Elendil und seinen Söhnen. Wir werden versuchen, so viele wie möglich in Sicherheit zu bringen.
   
In höchster Sorge,
Hallatan
   

   
3315, Zweites Zeitalter
Rómenna, Haupthafen der Großen Rüstung, Númenorë

   
Belerion,
   
Ich hoffe, dir ist es in Bêlfalas in den vergangenen Jahren gut ergangen. Lindórië und ich sind noch immer bei Elendil und den letzten Getreuen in Rómenna und ermöglichen jenen, die den Häschern des Königs entkommen eine Flucht nach Ennorë. Ein finsterer Schatten hat sich über Anadûne gelegt. Die Priester Saurons verbrennen mehr und mehr Menschen, nun nicht mehr nur in Armenelos sondern auf der ganzen Insel. Die Große Rüstung schreitet in hohem Tempo voran, noch nie waren die Schiffbauer, Rüstungsschmiede und Waffenmacher beschäftigter als dieser Tage.  Alle unsere Häfen sind voll besetzt - selbst die ruhigeren Gebiete im Westen verzeichnen eine hohe Geschäftigkeit. In Rómenna haben sie nun sogar auf Tol Uinen Anlegeplätze errichtet. Ist ihnen denn gar nichts mehr heilig?
Ich habe nur wenig Zeit, Belerion. Ich reite mit Anárion gen Süden, nach Hyarrostar, um mehrere Familien von dort auf ein Schiff nach Mithlond zu bringen. Wenn alles gut geht, bin ich in einer Woche wieder in Rómenna.
   
Hallatan
   

   
3319, Zweites Zeitalter
Eldalonë, Nísidalmar

   
Geliebte Lindórië,
   
Die Adler Manwes kreisen drohend über dem Meneltarma. Heute ist der Tag des Aufbruchs der Großen Flotte. Der Tag des Angriffs auf den Alten Westen. So erreicht nun der Wahnsinn seinen Höhepunkt.
Die Flammenklingen haben sich in Eldalondë versammelt, um einen der unseren von einem Schiff zu retten, das hier ablegen wird. Er wurde zur Teilnahme am Angriff gezwungen, wie viele andere auch. Aber wir werden ihn hier nicht zurücklassen. Wir werden ihn retten, und gemeinsam nach Rómenna zurückkehren. Elendil und seine Söhne halten ihre Schiffe bereit, wie es Fürst Amandil angeordnet hat. Wir nehmen keinen Anteil an den Verfehlungen des Königs, denn wir alle sehen nun klar, wie tief die Dúnedain von Númenórë gefallen sind. Hochmut und Angst vor dem Tod haben sie verdammt.
Sollte ich es nicht schaffen bitte ich dich, nach Bêlfalas zu gehen. Mein guter Freund Belerion lebt dort mit seiner Familie, er wird für dich sorgen.
Ci velethril e-guil nîn. Annon 'uren angin.
   
in Liebe,
Hallatan
   

   
3319, Zweites Zeitalter
Mithlond, Hauptstadt des Königreichs Gil-galads, Ennorë

   
Belerion,
   
Nun sitze ich bereits eine gute Stunde vor diesem leeren Blatt und versuche die Geschehnisse in Worte zu fassen.
Die Insel ist fort.
Die Wellen haben sie genommen.
Ich dachte, ich wäre vorbereitet auf das, was kommt. Doch das war ich nicht.
Der König brach in seiner Torheit gen Westen auf. Alles wurde still, als ob die gesamte Welt den Atem anhielt.
Dann kam der Untergang.
Auf den Flügeln des Sturms wurden die neun Schiffe der Getreuen nach Osten gezwungen. Wir konnten von Ferne nur zusehen, wie das Unheil Anadûne befiel, bis die Wolken uns die Sicht nahmen. Neun Schiffe waren es, vier für Elendil, drei für Isildur, zwei für Anárion. Das ist alles, was von Westernis blieb.
Durch die Palantíri wissen wir, dass die Schiffe der Söhne Elendils schließlich nach Pelargir kamen. Fürst Elendil selbst - denn sein Vater Amandil fuhr auf eigene Faust gen Westen - landete in Mithlond, bei Gil-galad, dem Noldorkönig. Bei der Landung sprach er schicksalshafte Worte, die ich mir aufgeschrieben habe: "Et Eärello Endorenna utúlien. Sinome maruvan ar Hildinyar tenn' Ambar-metta!"
Sein Vorhaben ist nun klar - die Dúnedain werden in Mittelerde, im Exil, eine neue Heimat finden. Gil-galad hat uns die Gebiete im Zentrum von Eriador, der alten Heimat der Edain bevor sie nach Beleriand kamen, zur Verfügung gestellt. Schon bald werden wir dorthin aufbrechen.
Der Untergang Númenors ist für mich wie für alle hier noch kaum zu begreifen. Ich ahnte ja, dass Sauron und der König Übles über uns bringen würden, doch damit hätte ich nicht gerechnet. Haben die Valar denn vergessen, dass auch viele Unschuldige mit der Insel untergehen würden? Lady Míriel zum Beispiel - sie war auf keinem der Schiffe, die der Flut entkamen.
Wenigstens ist der falsche Berater des Königs, der Dunkle Herrscher Sauron, ebenfalls nicht verschont geblieben. Er war in Armenelos, als der Sturm losbrach. Er kann nicht entkommen sein. Darin finde ich ein klein wenig Trost in diesen dunklen Zeiten. Auch die Zukunft sieht besser aus: Die Macht Gil-galads reicht bis weit in den Osten von hier, und in Mittelerde herrscht Frieden. Elendil wird nun ein großes Reich errichten, das auf den Prinzipien der Getreuen basiert. Mögen die Valar es segnen!
   
Hallatan
   

   
3376, Drittes Zeitalter
Osgiliath, Ondonorë, Mittelerde

   
Lindórië, meine Liebe,
   
Was die Söhne Elendils hier im Süden vollbracht haben ist unglaublich! Allein die weißen Mauern Minas Anors, die im Sonnenaufgang erstrahlen, sind bereits ein wahres Wunder der Baukunst! Auch Minas Ithil, die Stadt Isildurs an den Grenzen des ehemaligen Schattenlandes sind wahrlich beeindruckend. Vor einigen Tagen haben wir einen langen Streifzug durch Ithilien, die Lande östlich von Osgiliath gemacht. Die Schönheit dieses Landes ist atemberaubend. Ich wünschte, du hättest mich bei meiner Reise in den Süden begleitet. Mit dem Schiff war sie wenig beschwerlich und dauerte nicht allzu lange. Und sind wir nicht die Erben der größten Seefahrer aller Zeiten?
In Ondonorë, dem Land des Steins, geht das Gerücht um, dass sich die Menschen im Süden und Osten sammeln. In den dunklen Jahren haben sie Sauron gehuldigt. Daher hat Isildur in seiner Weisheit ein Bündnis mit dem Bergmenschen des weißen Gebirges geschlossen. Am Stein von Erech, einem der Mitbringsel aus Númenor, hat ihr König ihm die Treue geschworen. Sollte es zum Krieg kommen sind wir nicht ohne Verbündete!
Doch genug davon. Ich schreibe dir, um dir mitzuteilen, dass ich mit dem nächsten Schiff wieder zu dir zurückkehren werde. Ich hoffe, die Arbeiten in Annúminas gehen so gut voran wie zuvor. Bald werden wir in ein größeres Haus umziehen können!
   
In Liebe,
Hallatan
   

   
3429, Zweites Zeitalter
Annúminas, Festung Elendils im Norden, Tarannorë

   
Belerion,
   
Mit Schrecken haben wir von der Rückkehr Saurons und dem Fall Minas Ithils erfahren. Wie konnte er den Fluten des Zorns des Westens entkommen? Wie hat er überlebt, wenn die guten Menschen Númenors es nicht konnten? Er, der doch erst den Fall von Númenórë verursacht hat, soll nun ungestraft seinem verdienten Schicksal entgangen sein?
Ich hoffe, dir und deiner Familie ist die Flucht gelungen. Isildur hat Mithlond per Schiff erreicht, und sich mit seinem Vater und dem Elbenkönig beraten. Ich glaube nicht, dass sie diesen Angriff tatenlos hinnehmen werden. Sauron muss ein für alle Mal aufgehalten werden. Wir haben erfahren, dass Anárion Minas Anor und Osgiliath gegen den Ansturm Mordors verteidigt - er kann hinter den großen Mauern der Sternenstadt lange aushalten da der Feind die Stadt wegen des Flusses nicht einschließen kann.
Nun müssen wir unsere Verbündeten sammeln und dieser neuen Bedrohung entgegentreten. Wir alle hatten gedacht, dass Sauron mit dem Untergang Númenors sein Ende gefunden habe und es schmerzt mich umso mehr, dass es nicht so war. Es wird vermutet, dass er aus dem Süden und dem Osten Unterstützung von den Menschen dort erhalten wird. Einige der Adûnâi in Umbar und den weiter südlichen Häfen könnten sich ihm ebenfalls anschließen, wenn sie der Fall Tar-Calions nicht aus ihrer Verblendung gerissen hat. Ich frage mich, ob sie nicht erkennen oder einsehen wollen, dass es Sauron war, der das Unheil über die Insel brachte.
Trotz all dieser schlimmen Nachrichten habe ich auch etwas wunderbares zu verkünden: Ich bin vor einer Woche Vater geworden! Lindórië und ich hatten schon fast nicht mehr daran geglaubt, doch nun ist es tatsächlich soweit. Mein Sohn, Ciryatan, ist gesund und kräftig. Ich könnte nicht stolzer sein. Wir sind nun eine richtige Familie! Ich hoffe, du wirst uns bei Gelegenheit besuchen kommen.
   
Hallatan
   

   
3431, Zweites Zeitalter
Imladris, Vorposten der Hochelben, Eriador

   
Geliebte Lindórië,
   
Es ist nun schon über ein halbes Jahr her, dass Elendil seinen Bund mit dem Hochkönig der Elben schloss, und wir mit der gesamten Streitmacht des Nordens am Turm von Amon Súl auf das Eintreffen des elbischen Heeres warteten. Als du mich vor kurzem in Imladris besuchtest war keine Zeit, dir davon zu erzählen, deshalb will ich das nun nachholen.
Das große Heer von Lindon traf bei Sonnenaufgang ein, nachdem wir zwei lange Tage und Nächte gewartet hatten. Die Strahlen der neuen Sonne ließen ihre goldenen Rüstungen in hellem Glanz erstrahlen und wir alle wurden mit neuer Hoffnung erfüllt. Diese Elben haben bereits gegen Sauron gekämpft und ihm standgehalten. Du solltest ihren König sehe - Ereinion, den sie Gil-galad nennen. Seinen Speer, Aeglos, führt er mit solchem Geschick dass ich glaube, dass keine Kreatur des Dunklen Herrschers vor ihm standhalten wird. Er ist wahrlich eine einschüchternde Erscheinung, auch wenn viele sagen, dass Elendil ihn noch übertrifft - und zumindest im Hinblick auf Größe stimmt das auch.
Das Tal von Imladris reicht kaum aus, um die wachsende Armee aufzunehmen. Noch immer treffen Dúnedain und Elben aus den entfernteren Regionen Eriadors hier ein und werden ins große Heer eingegliedert. Elrond, der Herold Gil-galads, hat diesen Ort vor vielen Jahren gegründet. Hier bereiten wir uns auf den Krieg gegen Sauron vor, der längst begonnen hat. Aus Ondonorë hören wir, dass das Westufer des Großen Stroms und die Sternenstadt weiterhin standhalten, obwohl die gesamte Macht Mordors gegen sie entfesselt wurde. Groß ist der Mut der Getreuen!
Ich hoffe, dir und Ciryatan geht es gut. Wenn ich zurückkehre, werde ich ihm viele Geschichten von ruhmreichen Taten erzählen können.
   
Im besten Sinne,
Hallatan
   

   
3433, Zweites Zeitalter
Imladris, Vorposten der Hochelben, Eriador

   
Belerion,
   
Wir haben unsere erste Schlacht geschlagen. Ein Angriff von Orks über Cirith Forn en Andrath, der von elbischen Spähern rechtzeitig bemerkt wurde. Ein Pfeilhagel empfing sie, als sie sich auf den unteren Hängen nahe Imladris zeigten, und an unserem Thangail kamen sie nicht vorbei. Und dann stürzten sich die Eldar auf sie, mit einer Wut und einem Geschick, das uns alle ihn ehrfürchtiges Staunen versetzte, wenn auch nur einen Moment. Denn auch die Dúnedain erschlugen eine große Zahl von Orks. Wenn das alles ist, was der Dunkle Herrscher aufbieten kann, wird der Krieg nicht mehr viel länger dauern. Unsere Vorbereitungen sind nahezu abgeschlossen - bald werden wir das Gebirge überqueren und nach Süden ziehen.
Die Nachrichten aus Osgiliath klingen gut, auch wenn ich befürchte dass Mordor noch weitere Verstärkung erhalten könnte. Anárion und sein Sohn Meneldil scheinen gute Anführer zu sein da sie es geschafft haben, unsere südliche Front in den vergangenen Jahren trotz der andauernden Angriffe stabil zu halten. Ich bin froh, dass ihr auf die Unterstützung der Flotte Pelargirs zählen könnt, die die Feinde am Überqueren des Großen Stroms hindert. Die Mauern der Sternenstadt werden nicht fallen, und schon bald werden wir euch durch unseren Angriff aus dem Norden entlasten. Und dann wird der Angriff auf Mordor beginnen!
Dann werden wir uns hoffentlich wiedersehen!
   
Hallatan
   

   
3434, Zweites Zeitalter
Lórinand, Königreich Amdírs, Rhovanion

   
Lindórië, mein Schatz,
   
Ich wünschste, du könntest mich gerade sehen. Ich sitze auf einer Anhöhe oberhalb eines der vier großen Heerlager im Goldenen Tal. Wie groß und prachtvoll die Armee Gil-galads und Elendils geworden ist! Nach der Überquerung der Hithaeglir trafen wir nach dem Gefecht im Tal des Anduin auf die Streitkräfte König Orophers, und hier in Lórinand haben sich uns die hier heimischen Krieger König Amdírs angeschlossen. Doch am meisten staune ich über die Naugrim, die ihre wundersame unterirdische Stadt verlassen und sich mit einer schlagkräftigen Zahl unserer Sache verschworen haben. Seit dem Fall Eregions, so sagen die Elben, habe der Dunkle Herrscher einen Groll gegen die Zwerge gehegt, weil sie ihn damals angegriffen haben als er die Überlebenden nach Norden verfolgte. Seither haben sie viele Probleme mit den Orks gehabt, die sie in ihren Hallen angegriffen haben und ihnen das Leben schwer gemacht haben wo sie nur konnten. Deshalb haben die Krieger von Durins Volk (so nennen sie sich) einen guten Grund, gemeinsam mit unserem Heer gegen Sauron zu kämpfen. Und was für Kämpfer das sind. Sie tragen schwere Rüstungen aus Mithril, wenn man den Geschichten glauben darf, und verbergen ihre Gesichter - bis auf die Bärte - hinter furchterregenden Kriegsmasken. Ich bin froh, dass sie auf unserer Seite fechten und nicht gegen uns.
Die Nandor aus Lórinand und Eryn Galen sind zwar zahlreich, aber keineswegs so diszipliniert und gut gerüstet wie die Noldor und Sindar aus Gil-galads Gefolge. Zwar haben ihre Könige sich unserer Sache angeschlossen, doch ich habe gehört, dass sie den Oberbefehl des Hochkönigs nicht akzeptieren wollen. Ich hoffe, dass sie noch zur Einsicht finden werden, denn Gil-galad ist ein besonnener Anführer, der die Leben seiner Soldaten zu schätzen - und zu schützen - weiß, und über viele Jahrtausende an Kriegserfahrung verfügt. Er ist unser Stern der Hoffnung, der uns in die Schatten Mordors führen und sie mit seinem Licht erhellen wird. Und er wird uns den Sieg über Sauron bringen.
Ich weiß, dass es womöglich schwierig werden wird, meine Briefe zu beantworten, da nur wenige Boten unser Lager in Richtung Annúminas verlassen - und noch weniger kehren wieder hierher zurück, da die Lande zwischen den Elbenreichen voller umherziehender Banden von Menschen des Zwielichts sind. Zwar haben sie sich Sauron nicht offen angeschlossen, aber dennoch sind sie uns feindlich gesinnt. Trotzdem bitte ich dich, es zu versuchen, und mir zu erzählen, wie es dir und Ciryatan ergeht. Ich wünschte, ich könnte jetzt bei euch sein.
   
In Liebe,
Hallatan
   

   
3434, Zweites Zeitalter
Gebiete südlich von Eryn Galen, Rhovanion

   
Belerion,
   
Die ersten Kundschafter der südlichen Heere sind eingetroffen. Ich hoffe, du gehörst nicht zu jenen, die Isildur zur Rückeroberung Minas Ithils und zur Blockade am Pass durch das Schattengebirge abkommandiert hat, sondern dass du mit Anárion bald hier eintreffen wirst. Dies ist das letzte große Heerlager, das wir vor dem Angriff auf Mordor errichtet haben. Sauron weiß nun, dass wir kommen. Er hat Verstärkungen aus dem Süden und aus dem Osten erhalten. Die Menschen des Schattens dienen ihm weiterhin, und strömen zur Verteidigung seines Landes herbei.
Isildur ist vor Kurzem ins Lager zurückgekehrt, und er bringt schlechte Neuigkeiten: Die Bergmenschen, die ihm einst die Treue schworen, haben ihren Eid gebrochen und sind in die Berge geflohen. Es heißt, sie haben in den Dunklen Jahren Sauron gehuldigt, und wagen es nun nicht, die Waffen gegen ihn aufzunehmen. Isildur hat sie verflucht, niemals Ruhe zu finden bis ihr Eid erfüllt ist. Ich glaube aber nicht, dass es jemals dazu kommen wird.  In ihrem Herzen sind sie Verräter, und Verräter und Eidbrecher werden sie bleiben.
So kommt es nun also dazu, dass allein die Dúnedain unter den Menschen aufseiten des Lichts gegen die Finsternis antreten werden. Aber wir sind bereit. Wir sind die Erben Númenórs, die Getreuen der Valar, und mit uns gehen die Eldar, die Ersten Kinder Ilúvatars. Wir werden das Ende des Dunklen Herrschers sein.
Ich hoffe, wir sehen uns bald.
   
Hallatan
   

   
3435, Zweites Zeitalter
Ebene von Gorgoroth, Schattenland, Mordor

   
Geliebte Lindórië,
   
Endlich finde ich einen Moment Ruhe, um dir zu schreiben!
Hier im Land der Schatten vergeht kein Augenblick, an dem man nicht den stummen Schrecken spürt, der über der Ebene liegt.
Doch wir werden ihn beenden! Die Schlacht vor dem Tor war gewaltig - nie werde ich die vergangenen Tage und Wochen vergessen! Und zu Beginn sah es gar nicht gut für uns aus. Die Nandor haben einen törichten Angriff auf die Linien Mordors gewagt, noch bevor Gil-galad den Befehl zum Vorrücken gab. Zwar brachten sie das feindliche Heer in Unordnung, doch bezahlten sie ihren Sturmangriff mit hohen Verlusten, denn im Vergleich mit den gepanzerten Noldor aus Lindon sind sie nur leicht gerüstet. Manche sagen, ihre Zahl sei um ein Drittel geschrumpft!
Die folgenden Kampfhandlungen waren zäh, doch schließlich konnten wir die Reihen unserer Feinde durchbrechen, denn niemand hielt stand vor Elendil und Gil-galad. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie Narsil im Licht der roten Sonne erglühte, und die Orks flohen vor seinem Anblick.
Nach unserem großen Sieg vor dem Morannon sind die Truppen Mordors versprengt und ihre Festungen erstürmt.
Bis auf eine.
Der Dunkle Turm ragt vor mir auf, ein Mahnmal gegen das Licht, das wir gebracht haben, das sich nicht so leicht brechen lässt. Unsere Belagerungsmeister haben viele wundersame Maschinen erbaut, doch in den drei Wochen, in denen wir nun hier sind, haben wir damit keinen Erfolg gehabt. Noch immer kennen wir nicht alle Tore und Ausfallpforten der Festung des Dunklen Herrschers, und wieder und wieder fügen seine Krieger uns durch Überraschungsangriffe Verluste zu. Zwar konnten wir sie bisher jedes Mal zurückschlagen, doch scheint die Anzahl der Orks im Inneren kaum abzunehmen. Ich befürchte, dass sich die Belagerung noch einige Zeit hinziehen wird.
Wie gerne würde ich jetzt mit dir an den Ufern des Abendrotsees spazieren und Ciryatan beim Spielen zusehen. Hier, im Land der Schatten, habe ich das Gefühl, langsam den Verstand zu verlieren. Am Rande meines Sichtfelds scheinen sich drohende Schatten zu bewegen - doch wenn ich hinsehe, ist dort nichts. Vielen anderen geht es ebenso. Die Elben sagen, dass die langjährige Gegenwart Saurons und seiner Diener in diesem Land der Grund dafür ist, und dass wir nicht hinsehen sollen. Doch leider ist es nicht so einfach. Denn die Schatten sind immer da. Und in letzter Zeit habe ich das Gefühl, dass sie wachsen.
Wir müssen weitermachen. Unser Sieg vor dem Tor darf nicht umsonst gewesen, die Gefallenen nicht umsonst gestorben sein. Die Herrschaft Saurons muss hier und jetzt beendet werden, wo die Macht des Bundes von Gil-galad und Elendil ihn in die Enge getrieben hat.
Die Hörner rufen mich wieder zum Wachdienst an den Belagerungsmaschinen. Möge mein nächster Brief an dich frohere Kunde bringen!
   
In Eile,
Hallatan
   

   
3438, Zweites Zeitalter
Ebene von Gorgoroth, viertes Jahr der Belagerung von Barad-dûr

   
Belerion,
   
Wenn du von den Häusern der Heilung zurückkehrst werden wir eine kleine Feier veranstalten - sofern hier im Land der Schatten so etwas wie Fröhlichkeit überhaupt möglich ist. In Minas Anor wird wohl gerade der Frühling anbrechen, doch hier wird wohl nie mehr etwas wachsen. Zu lange hat die Gegenwart des Dunklen Herrschers dieses Land gefoltert. Es ist krank und stirbt, wenn es nicht schon lange tot ist. Genieße deinen Aufenhalt, so lange er noch anhält.
Die Flammenklingen und ich haben deine beruhigende Art vermisst und ich hoffe, du wirst mir wieder zur Seite stehen, wenn wir den verdammten Turm Saurons endlich erstürmen. Elendur sagt, sein Vater hat vielleicht eine Möglichkeit dazu entdeckt. Wenn das stimmt, können wir die Belagerung vielleicht endlich beenden und tun, wofür wir uns den Weg nach Mordor freigekämpft haben - die Bedrohung durch den Dunklen Herrscher ein für allemal beenden.
   
Hallatan
   

   
3441, Zweites Zeitalter
Minas Ithil, Stadt Isildurs

   
Geliebte Lindórië!
   
Wahrscheinlich weißt du es bereits, hast es in der Luft gespürt oder von einem der reitenden Boten erfahren - Der Dunkle Herrscher Sauron ist besiegt! Sein Schatten ist für immer von dieser Welt genommen worden, und seine Diener sind tot oder haben sich in Verstecke geflüchtet. Der Bund Elendils und Gil-galads hat gesiegt!
Doch um welchen Preis - wahrlich ein äußerst hoher.
Vor ungefähr einem Monat wurde die Belagerung schließlich so drückend, dass Sauron sich gezwungen sah, selbst einzugreifen. Die geheime Pforte, die Isildur entdeckt hatte, war von unserer Vorhut erstürmt und damit einer der Zugänge zum Dunklen Turm eingenommen worden.
Dann kam ER.
Ich hatte das Glück, bei den Bogenschützen eingeteilt zu sein, als er durch die Reihen der Flammenklingen brach. Wo er hinkam hat niemand überlebt. Ich habe mich wahrlich nicht für feige gehalten, doch an diesem Tag verließ mich mein Mut und ich floh. Und ich bereue diese Tat nicht, denn ich fürchte dass ich dich und Ciryatan in dieser Welt nicht wiedergesehen hätte wenn ich geblieben wäre.
Doch so sah ich das Gefecht an den Hängen des Amon Amarth nicht mit an, in dem Elendil und Gil-galad ihr Leben für den Sturz Saurons gaben und Isildur den Streich führte, der dessen Existenz beendete. Wie heldenhaft müssen sie gekämpft haben, um den Dunklen Herrscher am Ende niederzuwerfen. Niemand ist ruhmreicher in meinen Augen.
Jetzt ist Isildur Hochkönig der Dúnedain, und kehrt nach Osgiliath zurück. Seine Söhne haben Minas Ithil von den Orks befreit und alle Feinde an der Flucht durch den Pass durchs Schattengebirge gehindert. Wir nahmen diesen Weg, als wir das Land der Schatten endlich verließen. Möge Mordor nun mit all seinen Schrecken in Vergessenheit geraten, und nie wieder eine Rolle in der Geschichte unserer Welt spielen!
Das Hauptheer des Nordens, welches ein Drittel seiner Zahl eingebüßt hat, bricht schon bald gen Norden auf. Was von den Flammenklingen noch übrig ist, wird als Isildurs persönliche Garde bei ihm noch einige Zeit im Süden bleiben, doch ich habe die Erlaubnis erhalten, dich in Annúminas zu besuchen wenn das Hauptheer dorthin zurückkehrt. Bald schon werde ich dich in die Arme schließen können.
Mein Waffenbruder Belerion ist im letzten Gefecht an der Pforte des Dunklen Turms gefallen. Er war mutiger als ich es je sein werde. Ich werde ihn seiner Familie in Bêlfalas überbringen, bevor ich nach Hause komme.
   
In Liebe,
Hallatan
   

   
3443, Zweites Zeitalter
2, Drittes Zeitalter
Tal des Anduins, Rhovanion

   
Lindórië,
   
Wie ich dir vor einiger Zeit schrieb kehrt Isildur nun in den Norden und nach Annúminas zurück. Mit seiner Garde reisen wir nordwärts durch das Tal des Anduin, und bis auf den kleinen Valandil sind alle seine Söhne dabei. Der König nimmt einen Umweg, um in Imladris anzuhalten und den Rat Elronds einzuholen. Wir haben denselben Weg genommen, den wir vor Jahren mit dem großen rumhreichen Heer des Bundes nahmen um Mordor anzugreifen. Ich bin froh, endlich nach Hause zurückzukehren - der kurze Urlaub, den man mir vor zwei Jahren gab war viel zu schnell wieder vorbei. Wenn du es einrichten kannst, warte mit Ciryatan und Faeriën in Imladris auf meine Ankunft. Wir werden in ungefähr zwei Wochen dort eintreffen. Ich kann es kaum erwarten, meine kleine Tochter zum ersten Mal zu sehen!
   
In Liebe,
   
Hallatan


   
Hallatan von Eldalondë fiel mit Isildur und seinen Söhnen auf den Schwertelfeldern. Elendurs Knappe, Othar, brachte seinen letzten Brief nach Imladris, von wo er der Witwe des Gefallenen überbracht wurde. (Anmerkung des Schreibers)
« Letzte Änderung: 14. Sep 2015, 17:13 von Fine »