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Autor Thema: Ringsherum um Dol Guldur  (Gelesen 3357 mal)

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Ringsherum um Dol Guldur
« am: 18. Jan 2016, 00:06 »
Glorfindel, Thranduil, Erkenbrand, Elfhelm, Antien, Cyneric, Fred, die Elbenkundschafter und Irwyne mit dem großen Heer vom Rand des Düsterwalds


Bald schon konnten sie die Umrisse der Festungsanlagen vor sich durch die Äste der Bäume erkennen, die hier immer weniger Blätter trugen, obwohl es Hochsommer war. Die Festung war vor vier Jahren bereits einmal belagert und von der Herrin Lothlóriens, Galadriel, zerstört worden. Die Spuren von damals konnten sie gut erkennen als die Bäume mit einem Mal aufhörten und sie aus dem Wald heraus kamen. Rings um die Festung herum waren die Bäume während der ersten Belagerung gefällt oder durch die Kämpfe stark beschädigt worden, sodass die Festung nun auf einer großen Lichtung stand. Vor ihnen erhob sie sich auf den Hängen des Amon Lanc und stand als finstere Drohungen gegen ihre hoffnungsvollen Absichten. Doch keine Pfeile schwirtten zu ihnen hinüber und keine Reaktion auf ihre Ankunft kam aus Dol Guldur. Noch waren sie außer Reichweite der feindlichen Bogenschützen und dort blieben sie auch. "Bis Saruman eintrifft werden wir uns hier bereit halten," sagte Glorfindel und befahl die Errichtung eines zum Feind hin befestigten Lagers.

Es dauerte bis spät in die Nacht bis das neue Lager zum größeren Teil fertig war. Durch eine provisorische Palisade in Richtung Dol Guldurs geschützt stand es am westlichen Rand der großen Lichtung auf einer Anhöhe, die als letzter Ausläufer des Berges in den Wald hinein verlief. Die mitgereisten Belagerungsmeister hatten ihre Katapulte und Ballisten ausgerichtet aber noch nicht abgefeuert. Die Belagerung würde an diesem Tag nicht mehr beginnen, denn die Armee des Weißen Zauberers war noch nicht eingetroffen. Die Armee der freien Völker machte sich bereit für die erste Nacht der Belagerung Dol Guldurs.

Cyneric nahm ein knappes Abendmahl zu sich und ging anschließend mit Irwyne zur Palisade am Fuß des Berges. Gemeinsam standen sie dort und starrten zur vom fahlen Mondlicht beschienenen Feindesfestung.
"Ein böser Ort, das kann man gleich sehen," kommentierte das Mädchen.
"Wir werden ihn schon noch in Schutt und Asche legen," versicherte Cyneric ihr, auch wenn er selbst noch nicht ganz daran glauben konnte.
"Das müsst ihr. Wenn es dort noch mehr Gefangene wie die, die wir gestern gerettet haben gibt, müssen wir sie alle befreien! Sie leiden sicherlich schlimme Qualen."
Ihr Mitgefühl bewegte ihn, denn er wusste, dass sie Recht hatte. Er fragte sich, wen oder was sie vorfinden würden, wenn sie erst die tiefen Verliese Dol Guldurs erobert und geöffnet hatten.
« Letzte Änderung: 11. Okt 2016, 14:59 von Fine »

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Die Belagerung beginnt
« Antwort #1 am: 12. Feb 2016, 12:04 »
Saruman, Helluin, Eddy, Aivari und Lucianus mit dem Heer der Weißen Hand vom Lager der Armee Sarumans im Düsterwald


Die Streitmacht des Zauberers war eingetroffen. In den dunkelsten Nachtstunden waren die Orks und Menschen in Sarumans Diensten zur Lichtung am Fuß des Amon Lanc marschiert und hatten ein kleines Stück nördlich von Glorfindels Position ihr eigenes Lager errichtet. Es waren viele - mehr als Cyneric erwartet hatte. Die Nebelberge müssen entleert worden sein, dachte er. Saruman hat wohl nahezu alle Orks dort zu den Waffen gerufen.

Die Sonne ging auf, spendete jedoch aufgrund der dicken Wolkendecke nur wenig Helligkeit. Cyneric blickte staunend nach Norden, wo die Armee Sarumans bereits dabei war, einen dichten Belagerungsring um Dol Guldur zu schließen. Je höher die Sonne stieg, umso weniger Orks sah er. Doch auch an menschlichen Dienern schien es dem Zauberer nicht zu mangeln. Dunländer und Menschen aus den Landen im Westen von Dunland, dachte er. Und viele aus dem Breeland und dem Norden. Wie Eddy. Er fragte sich, wo der Junge wohl stecken mochte.

Gegen Mittag am selben Tag war Dol Guldur bereits vollständig eingeschlossen. Die zahlreichere Streitmacht Sarumans umschloss die Festung im Westen, Nordwesten, Nordosten und im Südosten, während das aus Aldburg angereiste Heer der Elben und Menschen das letzte Drittel abdeckte, im Süden und Südwesten. Und rings um die Heere herum ragten die schattenhaften Bäume des Düsterwalds empor.
Cynerics Anspannung hatte sich mit jeder vergangenen Stunde gesteigert. Er hatte bereits an einer Belagerung teilgenommen, als Faramir im vergangenen Jahr den Angriff auf Isengard angeführt hatte. Doch damals hatten sie vor bereits beschädigten Mauern gestanden und direkt nach ihrer Ankunft den Sturmangriff gewagt.
Dol Guldur war im ersten Jahr des Ringkriegs von den Galadhrim besiegt und teilweise zerstört worden, hatte ihm Calachír erzählt. Doch seitdem hatte der Feind genug Zeit gehabt, die Festung wieder instand zu setzen. Lückenlose, hoch aufragende Mauern umgaben sie, die von stachelförmigen Zinnen gekrönt wurden. Finstere Türme blickten auf die Belagerer herab und der Bergfried stand als stumme Drohung gegen jegliche Angreifer. Ich hoffe, die Maschinen Sarumans können hier etwas ausrichten, dachte Cyneric.

Kriegstrommeln riefen die Orks der Weißen Hand zur Schlacht. Es war Abend geworden und die letzten Sonnenstrahlen vermochten nicht mehr, die oberen Äste der Bäume im Westen zu durchdringen. Auf der freien Fläche zwischen den beiden Kriegslagern wurden nun die Belagerungsmaschinen in Stellung gebracht. Cyneric beobachtete die Vorbereitungen von seinem Posten an der Palisade von Glorfindels Lager. Große Katapulte die von Menschen bedient und von trollartigen Wesen mit schweren Felsbrocken beladen wurden standen in einer Reihe. So beginnt es also. Der Angriff auf Dol Guldur ist nicht mehr aufzuhalten.

Noch immer kam keine Reaktion aus der belagerten Festung. Kein Pfeil flog herab und kein Ausfall wurde geführt. Dennoch hielten sich alle Krieger beider Heere bereit, um auf einen Gegenangriff vorbereitet zu sein. Cynerics Finger schlossen sich fester um den Griff seines Schwertes. Alle Blicke richteten sich auf die Katapulte, die noch immer ausgerichtet wurden. Offenbar waren genaue Berechnungen notwendig, um zielgenau zu schießen. Dann endlich gab der oberste Belagerungsmeister das Zeichen, dass seine Männer bereit waren. Er hob den Arm in die Höhe und ließ ihn in einer ruckartigen Bewegung herunterschnellen. "Felsen los!"

Die Katapulte feuerten, eines nach dem anderen. Die schweren Felsbrocken flogen im hohen Bogen auf die feindliche Festung zu. Jetzt werden wir sehen, wie stabil ihre Mauern und Türme sind, dachte Cyneric.
Ein Raunen ging durch die Reihen der Elben und Menschen als der erste Felsen sein Ziel fand - und nahezu wirkungslos von der Mauer abprallte. Auch die übrigen Geschosse richteten nur geringen Schaden an. Viele erreichten ihr Ziel nicht einmal sondern verloren kurz vor dem Einschlag scheinbar ihren Schwung, um daraufhin auf dem Erdboden vor den Mauern Dol Guldurs zu landen.
Was geht hier vor sich?

Für einen Moment trat eine ratlose Stille ein. Dann begannen alle, durcheinander zu sprechen.
"Die Belagerungsmeister haben ihr Ziel verfehlt!"
"Nicht einmal ein Kratzer in den Mauern!"
"Ich hatte mehr von den Maschinen Sarumans erwartet."
"Wie ist das möglich?"
"Feuert noch eine Salve ab!"
"Hier stimmt etwas nicht," sagte Calachír, der neben Cyneric getreten war. "Dunkle Kräfte sind hier am Werk. Kannst du es nicht spüren?"
Cyneric spürte nichts bis auf ein wachsendes Unbehagen. "Was meint Ihr damit?"
"Dies ist eine Festung der Ringgeister, und durch und durch böse," erklärte Calachír. "Der Dunkle Herrscher selbst hat lange Jahre hier gehaust. Ich bin mir sicher, dass finstere Magie die Geschosse Sarumans wirkungslos gemacht hat."
Was sollen wir dagegen ausrichten? fragte sich Cyneric.

Und nun kam Antwort aus Dol Guldur: Ork-Hörner erklangen und ein Pfeilhagel prasselte von den Mauern auf die Belagerer herab. Die Menschen und Elben gingen hinter ihren Schilden oder Palisaden in Deckung. Da erklang ein furchtbares Kreischen von hoch oben als sich ein geflügelter Schrecken vom höchsten Turm Dol Guldurs in die Lüfte schwang und über ihnen zu kreisen begann.
"Nazgûl! rief man es überall um Cyneric herum.
« Letzte Änderung: 12. Feb 2016, 13:21 von Fine »

Offline kolibri8

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Re: Ringsherum um Dol Guldur
« Antwort #2 am: 22. Feb 2016, 15:08 »
Alfward und das Heer der Fluss- und Waldmenschen aus dem Anduin-Tal.


Der Wald um sie herum wurde dichter. Die Bäume standen schließlich so nah beieinander, dass sie die Formation auflösen mussten und jeder seinen eigenen Weg suchen musste, trotzdem versuchten  sie in Sichtweite zu bleiben.
Nimmt dieser Wald denn nie ein Ende?
Und als ob seine Gedanken erhört worden wären, lichtete sich der Wald vor ihnen und bot den Reisenden den Blick auf die Festung Dol Guldur. Um die Festung war bereits ein Lager errichtet worden, wo Alfward viele Banner sehen konnte. Eines erkannte er als weißes Pferd auf grünem Grund. Das muss Rohan sein, dachte er sich.
„Wir sind da!“ hörte er neben sich Alfrik sagen, „was nun?“
Noch bevor Alfward antworten konnte wurden sie jäh unterbrochen, ein markerschütterndes Kreischen durchdrang jeden einzelnen von ihnen. Im Lager gab es laute Rufe. „Ein Nazgul“, rief Glóin, „sie werden angegriffen.“
„Vorwärts!“ rief schließlich Widurik, „wir sind nicht hergekommen um uns von etwas Gekreische aufhalten zu lassen.“ Mit diesen Worten trieb er sein Pferd vorwärts und die anderen folgten ihm.
« Letzte Änderung: 11. Aug 2016, 11:33 von Fine »
RPG:
1. Char Alfward bei Dol Guldur.
2. Char Qúsay in Aín Sefra.

Das Wiki zum RPG. Schaut mal ruhig vorbei ;).

Neu im RPG und Probleme mit dem Namen? Schickt mir einfach 'ne PM ;).

Geschichtsfragen? Hier gibt's Antworten.

Offline --Cirdan--

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Ringsherum um Dol Guldur
« Antwort #3 am: 24. Feb 2016, 08:00 »
„Nun beginnt es also! Nun beginnt es“, hörte Eddy seine Kameraden tuscheln und auch in einiger Entfernung noch hörte er die Worte: „Jetzt beginnt es.“
Hört auf das andauernd zu sagen, dachte der breeländische Handwerker ärgerlich, natürlich beginnt es jetzt. Wir sind die letzten Stunden in diesem Wald umhergelaufen und jetzt stehen unsere Maschinen und das ganze Heer bereit – natürlich beginnt es jetzt.
Bereit? –Nein, bereit bin ich keineswegs. Wie könnte ich?


Eddy fror und zitterte, trotz des milden Sommerabends. Wie erstarrt schaute sich Eddy um und sah ringsherum die johlenden Orks und anderen Geschöpfe Sarumans. Weiter links im Süden von ihm, beleuchtet durch die untergehende Sonne im Westen, flatterten die Banner der freien Völker über den Köpfen der Elben und Rohirrim. Gerne wäre er jetzt dort drüben und noch viel lieber wäre er an jedem anderen Ort weiter westlich von hier und am liebsten zu Hause in den Armen von Lilly. Eddy ließ sich kurz ablenken durch Erinnerungen an sein früheres Leben, bis ihn die Wirklichkeit zurückholte. „Steine los!“, schrie jemand befehlend.  Ein Kreis aus über zwei duzend großer Uruks in schwerer Rüstung mit breitem Schild umschloss schützend Eddy und seine Stellung der Katapulte. Die Belagerungsmaschinen schleuderten auf Befehl die Steine und kleinen Felsen in Richtung der umstellten und belagerten Festung Dol Guldurs, Saurons Trotzburg im Düsterwald. Eddy folgte den fliegenden Geschossen mit gespannten Blicken und erkannte welch geringen Schaden sie verursachten.
Der Breeländer sprang von seiner Maschine, spannte die Schleuder erneut und half dabei neue Steine in die Halterung zu laden. Daraufhin ließ er erneut die Felsen auf die Festung schleudern. Es schien im fast so, als würden die Geschosse vor dem Aufprall erst verlangsamt und dann von der schwarzen Festung komplett verschluckt ohne auch nur irgendeinen Schaden zu erzielen.

“Hat sich was getroffen?“, quiekte ein befehlshabender Ork. Eddy wollte ihm erklären, was da vor sich ging, aber der Ork schien ihn nicht zu verstehen. „Nehmt Feuer“, ordnete die Kreatur an, „brennt sie nieder und räuchert sie aus!“
Noch bevor die neuen brennenden Geschosse ganz bereit zum Abschuss waren, regte sich die Festung Saurons. Viele kleine bewegende Lichter, Fackeln, gingen auf den Mauern und Türmen der Burg um und über den Dächern erhob sich ein großer, fliegender Schatten. Ein Nazgûl aus Mordor lehrte durch sein ohrenbetäubendes Kreischen den Orks und Uruks und auch Eddy und den anderen Menschen das Fürchten. In einer Schleife gewann der Nazgûl auf seiner Fellbestien an Höhe und verschwand im dunklen Himmel zwischen den tief hängenden Wolken. Über dem Düsterwald drehte der Diener Saurons seine Kreis mit genug Abstand, dass ihn selbst die Langbögen der Elben nicht erreichen konnten, aber noch immer nah genug an seinen Feinden, sodass sie seine Anwesenheit deutlich spürten.

„Was war das denn?“, stieß der Breeländer aus, aber es blieb keine Zeit darüber nachzudenken, denn die Orks in Dol Guldur besetzten ihre Mauern mit Bogenschützen und schickten einen Pfeilhagen auf die Angreifer. Eddy suchte Schutz hinter einer seiner Schleudern und feuerte zugleich einen der brennenden Steine auf Dol Guldur. Mich bekommen sie nicht, dachte Eddy selbstmotivierend, weder die Krieger Sarumans noch die Dol Guldur Orks mit ihren Pfeilen. „Kommt schon! Ladet die Katapulte. Wir werden Sauron zeigen, wer hier die Maschinen bedient!“, rief Eddy in der langsam eintretenden Abenddämmerung im Düsterwald.

In immer wieder kurzen Momenten des Aufblickens und Verfolgens der geschleuderten Steine, bemerkte Eddy auf seiner linken Flanke die Bogenschützen der Elben weiter vorrücken und Saurons Orks auf der Mauer unter Beschuss nehmen. Zu seiner Rechten rückten Sarumans Geschöpfe weiter vor und in der Entfernung konnte er andere Stellungen der Belagerungsmaschinen erkennen, die ebenfalls Dol Guldur unter Beschuss nahmen.

Die Feuergeschosse tauchten die feindliche Festung in einen roten Schein, der noch befeuert durch die rötliche Abendsonne im Westen ein besonderes und noch nie dagewesenes Bild abgab. Eddy kribbelte es am ganzen Körper, als er einen Moment inne hielt und den Anblick auf sich wirken ließ. Blutrot steht der ganze Hügel Dol Guldurs, dachte sich Eddy. 


« Letzte Änderung: 11. Mär 2016, 14:42 von --Cirdan-- »

Offline Eru

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Re: Ringsherum um Dol Guldur
« Antwort #4 am: 28. Feb 2016, 14:00 »
Der Weg in Glorfindels Lager war unaufgeregt und wortlos. Der Dúnadan, der das Pferd führte, war nicht von der gesprächigen Sorte, aber Aivari hatte auch nicht das Bedürfnis mit ihm zu sprechen.
Er war froh das Orklager hinter sich lassen zu können und hatte einen Großteil seines spärlichen Reisegepäcks zurückerhalten. Nur sein Kochtopf und der Proviant war bei dem Überfall auf sein nächtliches Lager verloren gegangen, doch Aivari hing ohnehin nicht an Besitztümern, weshalb es ihn trotz seiner groben Behandlung nicht ärgerte.

Als sie schließlich zu Glorfindels Stützpunkt stießen, der schon von weitem an den unterschiedlichen im Wind wehenden Bannern der beteiligten Völker und den hellen Zelten zu erkennen war, führte der Dúnadan sein Pferd direkt in einen Teil des Heerlagers, in dem viele Zwerge untergebracht waren. Sie bildeten immer noch nur einen kleinen Bruchteil des Heeres, doch ihre Zahl reichte sicherlich an die hundert.
»Nun, gehabt euch wohl, Zwerg. Und vergesst die Worte des Zauberers nicht.«
Die Stimme des Dúnadan konnte einen scharfzüngigen Unterton nicht verbergen. Aivari nahm sein weniges Hab und Gut vom Rücken des Pferdes und würdigte den Menschen keines weiteren Blickes. Er hatte Geschichten von den Dúnedain, den Westmenschen gehört, während des Ringkrieges, doch keine dieser Erzählungen schien der Wahrheit zu entsprechen, denn gegenüber dem Zwerg hatten sie keinen Respekt gezeigt. Doch wer wusste welchen Einfluss der Zauberer auf ihre Handlungen ausübte.
Der Mensch riss die Zügel seines Pferdes herum und galoppierte davon. Aivari blickte sich nun um und erkannte reges Treiben im Zwergenlager. Seit über einem halben Jahr in den Wäldern der Elbenherrin Galadriel hatte er keinen seines eigenen Volkes mehr zu Gesicht bekommen. Doch der Abschied war herzlich gewesen und obwohl sie seine Pläne nicht befürwortet hatten, in die Tiefen Morias hinabzusteigen, hatten sie seinen Entschluss geachtet.

Aivari ging ein paar Schritte ins Lager, hier und da saß ein Grüppchen in kleiner Runde und erfreute sich am Pfeifenkraut, ein paar andere schliefen in der warmen Mittagssonne und wieder andere schliffen ihre Äxte und Schwerter, spitzten die Bögen und beulten ihre Schilde aus.
»Bei Durins Barte!«
Aivari nahm plötzlich eine Stimme wahr, die er seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr vernommen hatte. Er drehte sich herum und erkannte einen grauhaarigen Zwerg, mit rundem, freundlichem Gesicht, einer knolligen Nase und mit Ringen und Runen verziertem Haar am Kopf und am Barte.
Ein Lächeln voller Überraschung und Freude machte sich auf Aivaris Gesicht breit und der andere fiel ihm sogleich um die Arme.

»Aivari Stormborinn! Mein Junge, ich glaubte dich bereits verloren.«
Dann ging der Zwerg wieder einen Schritt zurück, ohne jedoch die Hände von Aivaris Schultern zu lassen, als drohe dieser sofort wieder verloren zu gehen, wenn er ihn loslasse. Sie schauten sich einen Moment schmunzelnd in die Augen.
»Du bist grau geworden, alter Freund«, sagte Aivari und lachte. Bei dem anderen Zwerg handelte es sich um seinen Ziehvater und Lehrmeister aus den Eisenbergen, namens Alvar. Aivari hatte ihm mehr zu verdanken als jedem anderen Zwerg in Mittelerde.
»Und du siehst aus als hättest du seit Wochen Schere und Kamm den Rücken gekehrt. Wo hat es dich hin verschlagen?«, erwiderte Alvar.
Aivari hatte tatsächlich seit dem Überfall der Dúnedain auf sein Lager nicht mehr nach seinem Äußeren sehen können und auch nach seinen Torturen in Moria hatte er keine Zeit finden können, seinen Bart und sein Haar zu stutzen.
»Lasst uns jetzt nicht darüber reden. Ich komme gerade aus dem Lager des Zauberers und bin nicht froh darüber, dass die freien Völker ein Bündnis mit diesem Intriganten eingegangen sind.«
»Ich erkläre dir später alles. Nimm erstmal einen Schluck Wasser und kümmer dich um dein leibliches Wohl, Aivari. Was bin ich froh dich lebend zu sehen!«

Sein Alter Freund führte ihn sogleich zu einer kleinen Wasserstelle. Nachdem Aivari sich erfrischt hatte, in saubere Bekleidung gewandet war, Bart und Haare gestutzt und sein Magen gefüllt waren, führte ihn Alvar durch das Lager. Nur wenige der Zwerge, die hier lagerten, kannte Aivari persönlich. Einige jedoch hatten mit ihm am Erebor gekämpft, die meisten derjenigen waren jedoch von Rohan aus in Richtung Helms Klamm gezogen, wie ihm sein alter Freund mitteilte. Dort, so sagte er, solle es Höhlensysteme geben, die selbst Khazad-Dûm in den Schatten stellten. Aivari, der nie ein Freund von dunklen Hallen gewesen war, gab sich wenig euphorisch, doch er freute sich dennoch für seine vertriebenen Brüder. Viel mehr interessierte es ihn was Alvar zur aktuellen Situation zu berichten hatte. Sein Wissen war etwas umfassender als das des Breeländers, mit dem er im Lager des Zauberers gesprochen hatte.

Es stand offensichtlich wirklich nicht gut um diese Lande. Seit dem Fall des Erebor hatte Sauron sich offenbar mit Hilfe vieler Handlanger im Osten Rhovanions breit gemacht und säte Angst und Schrecken. Das Bündnis mit dem Zauberer war wohl die einzige Möglichkeit gewesen, das Reich der Elben nicht vollends den Schergen Saurons zu überlassen und damit den Osten Mittelerdes aufzugeben.
»Wie steht es um unsere Brüder und Schwestern in den Eisenbergen?«, fragte Aivari, als er hörte wie tief in den Osten sich Saurons Fänge schon gegraben hatten. Alvar war schon einige Jahre vor der letzten Schlacht am Erebor nach Westen in die Ered Luin gezogen, um die Welt und vor allem das Meer zu sehen, wie er sagte. Schließlich war er mit über zweihundert Jahren nicht mehr der Jüngste, selbst für einen Zwerg.
Als er jedoch vom Angriff auf den Erebor hörte zog es ihn als heimatverbundenen Kriegersohn wieder in den Osten. So war er in Glorfindels Heer gelangt.

»Genaues weiß auch ich nicht. Doch das wenige, das wir aus dem Osten gehört haben ist beunruhigend. Unser Volk ist durch Saurons Blockade abgeschnitten vom Rest Mittelerdes, selbst der Handel kam zum Erliegen. Nur wenige Raben schaffen den weiten Weg in den Westen. Man hört sogar Khamûl, der Schrecken des Ostens, der auch den Erebor erstürmte, habe unserem Gráin Feuerfaust ein Bündnis vorgeschlagen.«
Sie beide mussten lachen, obwohl sie auch um ihr Volk fürchteten. Doch es war völlig undenkbar, dass Gráin auf so einen Vorschlag eingehen würde, selbst in seiner misslichen Lage. Die Feuerfaust würde sich eher in Ketten bis nach Mordor schleifen lassen, bevor er sein Volk an das rote Auge verkaufen würde, da waren sie sich sicher. Der Feind musste wohl an ihren Leuten in den Eisenbergen verzweifeln, um so eine Allianz auch nur zu erwähnen.

Als Aivari schließlich von seinem Vorhaben seinen Vater zu finden und seiner Reise nach Khazad-Dûm erzählte, wurde Alvar betrübt und riet ihm von seinen Plänen ab.
»Nur noch mehr Leid wirst du vorfinden, wenn du Narvari überhaupt entdeckst, Junge.«
»Ich hatte gehofft ihn schon hier im Lager vorzufinden, seine Spuren und die seiner Begleiter führten in die Ebene des Celebrant. Ein paar alte Zwergeninsignien waren alles, was ich dort vorfinden konnte. Ich muss ihn finden, Alvar. Ich kann nicht mit dem Wissen leben, dass er seinen Verstand in den Tiefen Morias verloren hat. Schon meiner Mutter zuliebe, die bereits in Aules Hallen auf ihn wartet.«
Alvar verstand schnell, dass er seinen Ziehsohn nicht von seinem Ansinnen abbringen konnte, dafür kannte er ihn schon zu lange.
»Kaia ist aus Mittelerde geschieden? Es tut mir Leid, mein Junge. Aule habe sie selig. Viel musstest du in diesem Frühjahr überstehen und noch mehr wird auf uns alle zukommen, fürchte ich. Auch ich habe viele Verluste erlitten. Unser Volk muss stark sein, wie es immer stark war. Und auch denen helfen unseren Feind zu bezwingen, die ihr Haupt gegen ihn erheben.«
»Schwer liegen die Kämpfe vergangener Tage auf mir, Alvar. Wenn ich nicht in Moria mein Leben hätte verteidigen müssen, ich hätte wohl Schwert und Axt endgültig abgelegt. Doch erst muss ich ihn finden.«
Alvar nickte nur besorgt, war jedoch bestrebt ihm dabei zu helfen.

»Orkpatrouillen haben in den letzten Wochen, bevor das Heer so weit an den Düsterwald vorstoßen konnte, diese Lande durchquert. Dein Vater ist entweder schon ihren Klingen zum Opfer gefallen oder in Ketten nach Dol Guldur gebracht worden. Ich weiß nicht, was das bösere Schicksal wäre, Aivari. Und ich weiß nicht, ob du es wirklich erfahren willst.«
»Dann muss ich nach Dol Guldur.«, sagte Aivari aus Überzeugung und mit fester Stimme.
Bekümmert senkte Alvar den Kopf, denn er wusste das hieraus nichts Gutes erwachsen konnte. Natürlich war die beste Chance dennoch sich ebenfalls Glorfindels Heer anzuschließen und gemeinsam die Mauern der dunklen Feste niederzureißen.

Noch am selben Nachmittag bließ man schließlich zum Aufbruch und marschierte auf Dol Guldur, wo man in sicherer Entfernung ein Lager errichtete und auf die Ankunft des Zauberers wartete, die noch bis in die Nachtstunden auf sich warten ließ. Die vereinten Heere, wenn auch räumlich voneinander getrennt, waren mehr als imposant. Wenn es überhaupt möglich war Saurons Diener einzuschüchtern, dann vielleicht mit diesem Heer.
Bis zum folgenden Abend dauerten die Aufbauarbeiten der Stellungen noch, während der dunkle, kahle Hügel des Amon Lanc über ihnen thronte und sie ob ihrer Bemühungen zu verspotten schien. Dunkle Wolken kreisten über den hohen Türmen und dem Mauerwerk, das selbst Zwergenbaumeister in Staunen und Ehrfurcht versetzt hätte.
Als schließlich im Zwielicht der Abendämmerung die Katapulte ihre zerstörerischen Geschosse auf die dunkle Festung niederregnen ließen, lag eine spürbare Spannung in der Luft... die genauso schnell in Sorge und Verzweiflung umschlug, als die brennenden Steingeschosse an den Außenmauern der Befestigungen des Feindes wie Blätter im Wind abprallten und fast wirkungslos zu Boden gingen.

»Was ist passiert? Was geht hier vor sich?«
Aivari blickte um sich herum in ratlose Gesichter. Die Zwerge hatten sich inzwischen in die Reihen der anderen Völker gemischt und verstärkten mit ihren schweren Rüstungen und Äxten die Reihen, der Elbenkrieger und der Fußsoldaten Rohans.
Aivari hingegen hatte sich wie immer fast ausschließlich in Stoff und Leinen mit Ausnahme seiner Lederschulterplatten und Armschützer gekleidet und befand sich zwischen einigen Soldaten Rohans. Alvar, in klassischer, schwerer Rüstung mit seiner Breitaxt, einem schweren Eisenholzschild und zwergisch verziertem Helm, direkt an seiner Seite.
»Dunkle Magie. Saruman ist machtlos oder hat uns gar hintergangen.«, hörte Aivari von ein paar Menschen hinter sich rufen.
»Ruhe bewahren!«, rief eine andere Stimme, die einen Tonfall wie den eines Befehlshabers in sich trug. »Wartet die nächste Salve ab.«
»Vielleicht haben sie Fehler bei der Bestimmung der Flugbahnen der Geschosse gemacht?«, meinte einer der Rohirrim, direkt neben ihm.
»Das sind keine Anfänger, Edric.«, berichtigte ihn der danebenstehende Mensch.
»Ich hörte Saruman hat die besten Baumeister aus dem Breeland in seinen Reihen.«

Bevor sie weitersprechen konnten, waren das Aufschnellen der Reißleinen und die in die Luft schießenden Wurfarme der Katapulte erneut zu hören und wie brennende Himmelskörper, die über den Sternenhimmel huschten, brandeten die Geschosse wie Wellen im Meer an den Steinmauern der düsteren Festung. Erneut war kaum Schaden angerichtet worden, kaum ein Geschoss drang über die Mauern hinweg.

Mehr und mehr Menschen um Aivari herum wurden unruhig, die festen Aufstellungen wurden löchriger, die Angreifer nervös.
»Stellungen halten!«, war wieder der Ruf eines Befehlshabers zu hören. Aivari konnte nicht alles sehen. Zwar stand er unmittelbar an der Front, doch nach hinten und zu den Seiten verdeckten die größeren Menschen die Sicht.
Er hielt sein Schwert Azanul fest in der Hand, doch auch er war beunruhigt. Bevor er Alvar etwas fragen konnte, ertönten plötzlich ferne Ork-Hörner, deren tiefer Klang über die baumlose Ebene getragen wurde. Viele in der dunklen Ferne erkennbare Fackeln versetzten die Feste und die Mauern in einen rötlichen Schein. Die Abendsonne sendete scheinbar spöttisch ihre letzten blutroten Farben über den Horizont, als die ersten Pfeilhagel über den Angreifern der freien Völker niedergingen.
»Deckung!«, kam ein Befehl von der Seite und wer konnte richtete Schilde gen Himmel oder suchte andere Deckung. Die ersten Schmerzensschreie waren schon nach der ersten Salve von denen zu hören, denen heute das Glück nicht Hold war.
Aivari konnte sich hinter Alvars schwerem Schild schützen, doch einige Pfeilschäfte gingen auch in seiner unmittelbaren Umgebung nieder.

Zwischen der ersten und zweiten Salve, wurden die letzten leuchtenden Boten der Abendsonne plötzlich durch einen großen Schatten verdeckt, der von der Feste in die Höhe aufstieg. Kurz danach erreichte sie ein markerschütternder Schrei, der über das Schlachtfeld hallte und Aivari einen Schauer über den Rücken jagte. Das letzte Mal, als er einen solchen Schrei vernommen hatte, stand er hinter dem großen Tor des Erebor, um ihn herum sein sterbendes Volk. Es blieb nicht viel Zeit den Schrecken zu überwinden, denn die wackeren Elben bließen sogleich zum Gegenangriff.

»Tangado a chadad!«, hörte der Zwerg eine elbische Stimme aus etwas größerer Entfernung, doch der Befehl schallte mit solcher Wucht herbei, dass auch die Menschen um ihm herum Mut fassten.

Zu seiner linken Flanke sah er wie hunderte Elbenbogenschützen, zu ihrer Seite jeweils einen Elbenkrieger mit im Fackelschein glitzerndem Schild, in Reih und Glied vorrückten und nach etwa fünfzig Schritt zugleich die Langbögen anlegten.
»Hado i philinn!«, war erneut die heroische Stimme des Elbenbefehlshabers zu hören.
Im selben Moment, schnellten die Sehnen der Elbenbögen zurück und ließen ihre tödlichen Geschosse gleichermaßen auf den Feind niederregnen.
Der Rausch der Schlacht war bereits spürbar und doch musste Aivari diesen zunächst in seinem Inneren verweilen lassen, denn nun brach erst einmal der Moment der Fernkämpfer an. Doch sehnlichst erwartete er den Befehl für einen Sturmangriff.
« Letzte Änderung: 29. Feb 2016, 20:32 von Eru »

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Angriff auf die Festung
« Antwort #5 am: 1. Mär 2016, 11:08 »
Die Elben rechts von Cynerics Position rückten in geordneter Formation vor und auch Calachír schloss sich ihnen an. Cyneric hörte die in der Elbensprache gerufenen Befehle Glorfindels, der im Zentrum der Krieger aus Imladris stand und den Vormarsch begleitete. Die silbernen Rüstungen und Helme der Elben schimmerten ein letztes Mal rot auf als die Abendsonne endgültig hinter den Bäumen des Düsterwalds versank. Bogenschützen feuerten aus der Deckung der großen Schilde der Hochelben und sicherten den Vormarsch, der nun den Aufstieg zum Berg erreicht hatte. Die Katapulte hatten aufgehört zu feuern. Offenbar hatten Sarumans Kommandaten erkannt, dass sie nur ihre Munition verschwendeten. Nun wird wohl eine direkte Herangehensweise erforderlich werden, dachte Cyneric.

Jetzt gab auch Erkenbrand den Befehl zum Vorrücken und ließ den Hornbläser neben ihm das Signal geben. Cynerics Einheit aus schwer gepanzerten Schildträgern bewegte sich vorwärts und wurde von einer gut gezielten Pfeilsalve der Bogenschützen Thranduils gedeckt, die hinter ihnen standen. Cyneric konnte nicht allzu gut sehen, was mit dem Rest des Heeres geschah, doch anhand der Hornsignale schienen sich zumindest die vorderen Reihen nun alle im Vormarsch zu befinden. Sie würden den Weg zu den Mauern hinauf frei machen und sichern, damit die Bogenschützen nahe genug heran kommen und die Verteidiger auf den Mauern ausschalten konnten. Anschließend konnten die Wälle selbst mit den Leitern, die in Sarumans Heer gebaut worden waren erklettert und eingenommen werden.

Sie hatten kaum ein dutzend Meter den steilen Hang hinauf zurückgelegt als erneut Ork-Hörner und Geschrei von oben erklang und das markerschütternde Kreischen des Ringgeists über ihren Köpfen widerhallte. Cyneric blickte angestrengt nach vorne, doch die zunehmende Dunkelheit machte es schwer, genau zu erkennen, was geschah. Die Elben jedoch hatten weniger Probleme damit, im Dunkeln zu sehen und schon klangen die ersten Warnrufe zu den Rohirrim herüber:
"Gegenangriff! Sie machen einen Ausfall!"
"Macht euch bereit!" kam Erkenbrands Befehl, der mitten unter den schwer Gerüsteten stand und seinen roten Schild erhoben hatte.
Cyneric suchte sich eilig einen festen Stand auf dem ansteigenden Boden um nicht umgeworfen zu werden. Der Schildwall der Rohirrim stand, in Erwartung des Ansturms. Sie konnten ihre Feinde jetzt sehen, eine große Zahl von Orks die von einigen Trollen begleitet wurden.
"Achtung! Da kommen sie!"
Eine tödliche Pfeilsalve rauschte knapp über ihre Köpfe hinweg als die Elben des Waldlandreiches erneut ihre Bögen abfeuerten. Durch den Hang hatten sie freies Schussfeld auf ihre Gegner ohne dass Verbündete im Weg waren. Cyneric sah, wie einer der Trolle getroffen zu Boden ging und unkontrolliert den Hang hinab krachte. Und schon waren die Verteidiger Dol Guldurs über ihnen und brandeten gegen den Schildwall der Rohirrim an. Der Lauf den Hang hinab gab ihnen zusätzlichen Schwung und brachte viele Menschen ins Wanken. Die Bogenschützen Thranduils dünnten die Reihen der Orks weiter aus, konnten den Ansturm jedoch nur etwas verlangsamen.

Cynerics Arm wurde schwer als ein Ork gegen seinen Schild anrannte. Der Mann neben ihm stieß dem Ork seinen Speer durch die Kehle und die Kreatur ging zu Boden.
So eine Waffe wäre mir jetzt lieber als mein Schwert, dachte Cyneric, der einen Speer jetzt gut hätte gebrauchen können. Damit ließen sich diese Orks auf Abstand halten.
Er schwang seine Klinge in einem tiefen Bogen und traf einen weiteren Ork am Bein, der sogleich stürzte. Wieder schlugen Pfeile in die Masse der Feinde ein. Cyneric riskierte einen Blick nach rechts und sah, wie die Elbenkrieger einen der Trolle erschlugen, der jedoch bereits einige von ihnen getroffen und ihre Schlachtreihe in Unordnung gebracht hatte. Und noch immer kamen mehr Orks den Berg herab. Er hieb nach rechts, um einen dritten Feind zu fällen, der die Klingen mit einem Gardisten gekreuzt hatte. Bisher war Cyneric unverletzt geblieben, doch erkannte er mit einem kurzen Blick schnell, dass dies nicht für alle seiner Mitstreiter galt. Der Gegenangriff hat uns schwer getroffen, stellte er fest. Wir müssen etwas unternehmen!

Da endlich erklang das Signal zum Rückzug. Der erste Angriff war also gescheitert. Langsam ließen sich die Rohirrim rückwärts gehend zurückfallen und wehrten die Vorstöße ihrer Feinde ab während die elbischen Bogenschützen den Rückzug deckten. Die Verwundeten wurden von ihren Kameraden so gut es ging gestützt und mitgetragen. Auch Glorfindels Formation zog sich nun zurück. Die Orks Dol Guldurs setzten ihnen noch bis zum Fuß des Berges nach, verfolgten sie jedoch nicht weiter als bis dorthin sondern kehrten in die Festung auf dem Berggipfel zurück. Dieses Mal mussten wir uns ihnen geschlagen geben, dachte Cyneric grimmig.

Sie kehrten in die relative Sicherheit des Heerlagers zurück. Die Heiler hatten nun viel zu tun sodass Cyneric keine Gelegenheit bekam, nach Irwyne zu sehen. Er ging mit Erkenbrand, der von Fremden gehört hatte, die offenbar zu Beginn des Angriffs aus westlicher Richtung auf der großen Lichtung eingetroffen waren. Der Herr der Westfold wollte offenbar sehen, um wen es sich dabei handelte, und wollte herausfinden welche Absichten sie hegten. Begleitet von Elfhelm und fünf weiteren Gardisten neben Cyneric ließen sie das Heerlager der Menschen und Elben hinter sich und kamen zum westlichen Waldrand.

Offline kolibri8

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Re: Ringsherum um Dol Guldur
« Antwort #6 am: 2. Mär 2016, 14:13 »
Alfwards Gruppe zog über die Ebene zwischen Wald und Feldlager und es dauerte nicht lang, da sahen sie einige Männer in Kriegsrüstung mit dem weißen Pferd Rohans auf ihren Schilden auf sie zu kommen. Einige von ihnen trugen Fackeln. Widurik ließ die anderen anhalten und stieg ab. Dann befahl er Alfward und Glóin dasselbe zu tun und zu dritt gingen sie den Männern entgegen.

„Wesad gí héle, Friundos!“, rief ihnen Widurik entgegen und hob die Hände zum Gruße.
Die Rohirrim blieben stehen und musterten sie einen Augenblick. Dann trat der Anführer - ein hochgewachsener kräftiger Mann mit einem roten Schild - vor.
"Haele, efenhéafdan," sagte er in einer Sprache, die jener der Menschen des Anduin-Tals ähnelte. Nach einem kurzen Blick auf Glóin wechselte der Mann jedoch in die Gemeinsprache.
"Ich bin Erkenbrand, der Herr der Westfold und Zweiter Marschall der Mark. Wer seid ihr, die ihr uns Freunde nennt und unter Waffen diesen lichtlosen Wald durchquert? Kommt ihr als Beistand im Kampf gegen unsere Feinde?"
"Widurik ist mein Name, Sohn von Widufrith, dem Herrn der Waldmenschen zu Widestún", antwortete Widurik, "dies sind Alfward, Alfriks Sohn, der lange in Thal lebte, und Glóin, Gróins Sohn vom Einsamen Berg. Wir sind als Söhne Cearls gekommen um unseren Verwandten den Eorlingen beizustehen und unseren Teil gegen Sauron zu leisten."
Die Miene Erkenbrands hellte sich auf und auch seine Begleiter schienen erfreut zu sein. "Lange ist es her dass die Eorlingas ihre alte Heimat verließen und in die Riddermark kamen und nur selten haben wir von unseren Vettern die im Norden blieben Nachricht erhalten," sagte der Mann neben Erkenbrand. "Ich bin Elfhelm, Elfgars Sohn und Dritter Marschall der Mark. Die Cearlingas sind uns wahrlich willkommen!"
Erkenbrand nickte zustimmend. "Frohe Kunde ist es, unerwartete Verstärkung zu erhalten. Wieviele Speere bringt ihr, Widurik von Widestún?"
"Achzig Mann mit Speeren und Fünfzig mit Bögen", berichtete Widufrith. "Und zwanzig kampfbereite Zwerge", unterbrach ihn Glóin. Widufrith sah ihn verärgert an und fuhr dann aber fort: "Es ist nicht viel, aber alles was wir aufbieten können ohne unsere Familien zu Hause zu gefährden."
"Gut, sehr gut," antwortete Erkenbrand. "Kommt, bringt Eure Männer ins Feldlager, damit sie sich ausruhen können. Sicherlich habt ihr einen langen, anstrengenden Marsch hinter euch. Zwar ist es bereits spät, aber gewiss wird sich für euch noch eine warme Mahlzeit finden lassen. Anschließend sollten sich eure Anführer mit den Heerführern unserer Streitmacht treffen und austauschen. Ich schlage vor, ihr kommt, nachdem eure Männer versorgt sind, in mein Zelt - es ist das große rote im Zentrum des Feldlagers."
"Dann geht vorran!" antwortete Widurik und signalisierte dem Rest des Heeres mit einem Winken aufzuschließen und stieg als ihre Reittiere bei ihnen waren auf sein Pferd. So folgen sie den Rohirrim zum Feldlager.
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Offline --Cirdan--

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Ringsherum um Dol Guldur
« Antwort #7 am: 13. Mär 2016, 00:57 »
Ein wahrlich dunkler Zauber umgibt diesen Ort. Unsere Katapulte erzielen keinen Schaden und die Orks in Dol Guldur spotten über uns, dachte sich Eddy.
Der Beschuss auf die Festung wurde komplett eingestellt. Der quickende Orkaufseher erklärte, dass sich die Macht des Zauberers Saruman an diesem Ort noch nicht weitestgehend gefestigt hat und somit Saurons Verteidiger weiterhin auf die magische Abwehr der Festung vertrauen können.
Eddy hatte nichts dagegen zu warten. Er setzte sich auf einen Holzbalken und schloss einige Zeit seine Augen. Hören tat er allerdings noch immer alles; das ohrenbetäubende Toben, die Massen trampelnder und keuchender Orks, Rufe und Schmerzensschreie Verwundeter. Durch den Lärm hindurch, vernahm er zudem mehrere dröhnende Hornsignale. Schlagartig öffnete der Breeländer wieder seine Augen und suchte im Südwesten den Ursprung. Es waren die Rohirrim, die das Zeichen zum Vorrücken gaben um die Elben im Kampf zu unterstützen. Voller Schrecken sah Ed Saurons Orks Dol Guldur verlassen. Die Geschöpfe unter denen auch einige große Trolle waren, wie Eddy erkannte, stürmten den Hügel auf dem die Festung stand hinunter. Doch weder wahllos noch ungeordnet rannten die Krieger, die sich zielstrebig auf das Elben- und Menschenheer stürzten. Es war schwer aus der Entfernung und in der zunehmenden Dunkelheit zu erkennen, wie der Kampf verlief, aber immer mehr Orks stürmten auf die freien Völker ein und warfen sie zeitweise zurück.

„Wir müssen ihnen helfen!“, rief Ed dem Orkaufseher zu, der grade mit seinem Hauptmann aus Moria sprach. „Warum helft ihr nicht? Sarumans Armee muss den Menschen helfen!“, forderte der Breeländer und stampfte  schweren Schrittes auf die beiden Orks zu. Seine Ängste völlig vergessend, näherte sich Ed den beiden Geschöpfen immer weiter bis ihn Kra´suk, der große Orkanführer, mit einer Handbewegung zum Stehenbleiben aufforderte. Flüssigkeit und andere lieber nicht zu nennende Dinge, spuckte Kra´suk beim Antworten unbewusst aus seinem Mund: „Lieber die, als wir. Die Guldurer wissen, wer hier die Schwachen sind. Gegen uns haben sie keine Möglichkeit zu gewinnen, weshalb sie lieber die Spitzohren und Pferdenarren angreifen. Was haben wir damit zu tun!“ Kra´suk lachte, erlaubte keine Widerworte und schickte Ed wieder zurück an seine Maschinen.
 
„Helft unseren Verbündeten“, hallte es laut und lange über die Köpfe der Orks und wenn Eddy sich nicht irrte, war es die Stimme Sarumans, die aus dem Nichts zu kommen schien.
Die Armee des undurchsichtigen Zauberers setzte sich in Bewegung und erstürmte den Hügel um Saurons Orks in die Flanken zu fallen. Nicht lange ließ das Signal aus Dol Guldur zum Rückzug auf sich warten und Eddy keuchte erleichtert auf. Warum nicht gleich so, schimpfte er innerlich und erinnerte sich einmal mehr, dass er hier und jetzt grade zwischen einem Heer blutrünstiger Orks stand, die seit jeher Menschen- und anderes Fleisch verspeist haben.

„Belagerungsmeister!“, rief Kra´suk, bevor er auf seinen Warg stieg, „euch und eure Maschinen brauchen wir in der Nacht nicht. Zieht euch zurück und legt euch schlafen. Am Morgen nehmen wir den Beschuss der Festung wieder auf.“ Nachdem der Orkhauptmann davongeritten war, ordnete der Orkaufseher den geordneten Rückzug an: „Ihr habt gehört was er gesagt hat! Verschwindet von hier.“
Eddy und die anderen menschlichen Belagerer fanden sich zusammen und suchten sich unsicher einen Weg durch die Orkarmee. Weitere Verbände wurden zur Nacht abgezogen und rückten ins Lager, etwas abseits der Front.

Ein Zelt zwischen zwei großen alten Bäumen des Düsterwaldes wurde Ed zugeteilt. Es gab für Jeden noch eine Schüssel Brühe, die die Männer wortlos aßen. Keiner hatte Lust über das erlebte, diesen Albtraum, zu sprechen. Kurz darauf legte sich der Breeländer schlafen, auch wenn er mit den Wurzeln der Bäume im Rücken und den erlebten Bildern der letzten Tage, kaum ein Auge zubekam.

Offline Eru

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Re: Ringsherum um Dol Guldur
« Antwort #8 am: 14. Mär 2016, 14:24 »
Der Befehl des Anführers der Rohirrim ließ nicht lange auf sich warten und von Hornschall getragen, marschierten die vorderen Reihen, dicht gefolgt vom Rest der Truppen, auf die finsteren Mauern Dol Guldurs zu, die am Horizont thronten.
Salve um Salve gingen die tödlichen Boten der Elbenbogenschützen auf den Feind nieder und in gleicher Weise antworteten die Schergen Saurons, bisweilen vom grausamen Kreischen des Nazgul in der Luft unterbrochen.
Der Feind reagierte rasch auf den Vormarsch der freien Völker und gegen die schallenden Hörner der Eorlingas, dröhnten nun die höhnischen Kriegshörner der Orks von Dol Guldur.

Die Elben warnten die vorderen Reihen sogleich vor einem anstehenden Gegenangriff und auch die Rohirrim gingen in defensivere Stellungen über.
Der Sturm der Orks und Trolle den Hügel herunter war gewaltig und an vielen Stellen brach die vorderste Front unter den Massen des Feindes ein. Aivari und Alvar standen dicht beisammen und nur das massive Eisenholzschild seines Freundes bewahrte sie davor von den Orks niedergetrampelt zu werden. Wenige Fuß entfernt schleuderte ein hausgroßer Troll seine Holzkeule mit aller Kraft in die Verteidiger und unter Schreien flogen einige mit gebrochenen Knochen und zersprungenen Helmen durch die Luft.

Einige der anstürmenden Orks brandeten dennoch über die Zwerge und Rohirrim hinweg, überrannten sie und drangen in die hinteren Reihen ein, sodass einige der Elbenbogenschützen zum Schwert greifen mussten.
Azanul, das schwarze Schwert Aivaris, schnitt ununterbrochen durch die Luft und traf mehr als ein Dutzend Mal sein Ziel. Das ebenso schwarze Orkblut war auf der Klinge nur schwach zu erkennen, Aivari selbst war jedoch schon nach kurzer Zeit in Blut, aufgewirbelten Staub und Dreck gehüllt. Es war eng und die Hitze des Gefechts nötigte sie sich ohne Unterlass zu verteidigen.

Aivari fühlte sich einige Monate zurück in den Erebor versetzt, die Gerüche und der Geschmack des Feindblutes erinnerten ihn an die Kämpfe in den Schmieden in den Tiefen des Berges und da tauchte auch der gefallene Körper seines Sohnes wieder im Geiste auf. Das von Blut verschmierte Gesicht zwischen den anstürmenden Feinden liegend – wie die Zeit quälend langsam zu vergehen schien und es keine Möglichkeit mehr gab ihn in die Arme zu nehmen.
Trauer und Wut erfüllten den Zwerg und schreiend löste er mit seiner linken Hand die Schlaufe an seinem Gürtel, die sein Kriegsbeil Shathûr festhielt. Mit aller Wucht hieb er es dem nächsten Ork, der aus dem unendlich scheinenden Strom des Feindes über ihn hereinbrach, in die Kehle, während er mit der rechten Hand sein Schwert Azanul schwang und dem Ork den Schädel abhieb.

»Baruk Khazâd! Khazâd ai-mênu!«, war Alvars Stimme aus der Umgebung zuhören, und obwohl Aivari ihn im Getümmel nicht zu sehen vermochte, beflügelten ihn die Worte des Zwerges und mit neuem Mut warf er sich in den Kampf.
»Spürt das scharfe Eisen aus den Adern des Bundushathûr!«, brüllte er den Feinden mit aller Kraft seiner Stimme entgegen, während er zwei anstürmende Orks köpfte. »Geschmiedet von den begabten Händen Balvaris, Sohn Aivaris! Möge Aule ihn selig haben und sein Zorn euch vernichten!«
Schmerz durchfuhr den Zwerg, als ihn der schwarze Krummsäbel eines Orks am Bein traf.
Er trat dem Angreifer den Säbel aus der Hand und streckte ihn mit einem Stich durch den Hals nieder. Der Stoß eines anderen Säbelknaufes traf ihn plötzlich am Kopf und er musste ein paar Schritte zurückweichen, um wieder ein klares Bild von der Schlacht zu erhalten.

Die Offensive des Feindes war unnachgiebig und von einer dunklen Kraft getragen, mit der die freien Völker nicht gerechnet hatten. Saurons Macht war in den zurückliegenden Monaten seit Aivaris letzter großer Schlacht zweifelsohne gewachsen und auch seine Schergen trugen diese neue Stärke in den Kampf.
Mehr und mehr verstand der Zwerg, dass die freien Völker auf verlorenem Posten gestanden hatten und das Bündnis mit Saruman ein letzter Ausweg gewesen war.

Ohne sein Eingreifen wäre die Belagerung wohl schon zu dieser Stunde als Niederlage der freien Völker geendet. Doch als der Kampf endgültig zugunsten des Feindes zu kippen drohte, das Rückzugssignal aus den Reihen der freien Völker kam und die sterblichen Hüllen vieler Menschen, Zwerge, Elben und Orks bereits höhnisch das blutige Schlachtfeld drapierten, fiel die Armee Sarumans dem Feind in die Flanke und brachte den Sturmangriff so zu einem abrupten Halt.
Der überraschende Angriff kam mit einer solchen Stoßkraft, dass die Reihen des Feindes sogleich auseinanderbrachen und aus Dol Guldur ebenfalls das Signal zum Rückzug gegeben wurde.
Die schwer getroffenen Elben, Menschen und Zwerge nutzten die Gelegenheit und zogen sich in ihr Heerlager zurück, von einigen wenigen Feinden bis an den Fuß des Hügels verfolgt.

Einer der Rohirrim stützte den verwundeten Aivari, als er bemerkte, dass der Zwerg sich nur mühsam fortbewegen konnte. Alvar half hingegen die Verwundeten mit Schild und Axt weiter zu verteidigen, bis der Feind nicht mehr in Angriffsreichweite war.
Rasch zog man sich in das geschützte Heerlager zurück. Aivari wurde sogleich zu einer Elbenheilerin gebracht, die seine kleineren Wunden und den Schnitt am Bein versorgte.
Die Elbenkräuter brannten schmerzlich in der offenen Wunde, doch Aivari war vertraut mit der Kräuterkunde und er schätzte die Heilkünste der Elben sehr.
»Ihr könnt Aule danken, dass der Säbel des Feindes nicht vergiftet war.«, teilte ihm die Heilerin mit einem wonnigen Lächeln mit, das in dem hellen, makellosen Gesicht der Elbin wie gemalt wirkte, als schaue er auf ein Gemälde. Sie verband die Wunde am Bein sorgfältig und schenkte dem Zwerg ein weiteres Lächeln.
»Euch droht keine Gefahr mehr von dieser Wunde. Ruht euch die Nacht über aus und versucht das Bein zu schonen.«
Aivari dankte der Elbenfrau nur noch kurz und begab sich von einer Holzkrücke gestützt in das Lager. Es gab weniger verwundete als er zunächst angenommen hatte, dennoch war die Niederlage kaum zu leugnen.
Nach einem wenig reichhaltigen, kurzen Essen verbrachten Aivari, Alvar und einige andere Zwerge ihre Nacht im Lager der Rohirrim. Wenig wurde an diesem Abend noch gesprochen, denn sie alle waren erschöpft und die Moral war gesunken, nachdem die Belagerung zunächst abgewehrt war.
Doch die Entschlossenheit Glorfindels und Erkenbrands und des gesamten Heeres war noch nicht gebrochen und am nächsten Tage würde ihre vereinte Kraft erneut über Sauron hereinbrechen. Dieses Mal jedoch wussten sie auch um die Stärke des Feindes.

Offline Fine

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Verwandte aus dem Norden
« Antwort #9 am: 15. Mär 2016, 17:34 »
Die Cearlingas und die Zwerge Glóins folgten Erkenbrand und Elfhelm zurück ins Heerlager. Cyneric hielt die Fackel in seiner Hand fest und hoffte, sie würde nicht verlöschen bis sie das Zelt Erkenbrands erreichten. Genau wie der Rest der Rohirrim war er von der Ankunft ihrer Verwandten aus dem Norden sehr überrascht gewesen. Viel zu lange haben wir nichts mehr von jenen gehört, die nicht mit Eorl in die Mark ritten. Diese Unterstützung in unserem Kampf gegen Dol Guldur ist sehr willkommen, dachte er als sie das große Lager erreichten.

Den Männern die mit Widurik gekommen waren teilte man einen großen Bereich am westlichen Rand des Lagers zu, an dem die Palisaden, die es umgaben, noch nicht fertig gestellt worden waren und sich somit genug Platz für die etwas mehr als zehn Dutzend Waldmenschen bot. Erkenbrand ordnete an, den Neuankömmlingen genug von den Vorräten für ein gutes Abendessen zu geben und steuerte dann auf sein Zelt zu, mit Elfhelm und den Gardisten im Schlepptau. Allzu lange mussten sie nicht auf Widurik und Glóin warten, die von dem Mann den Widurik als Alfward vorgestellt hatte sowie einem weiteren Cearling begleitet wurden.

Erkenbrand bot den neuen Verbündeten an, sich zu setzen und ließ den Blick einen Moment lang durch die Runde schweifen. Dann blickte er Widurik an und fragte: "Wie steht es um Euer Volk im Anduin-Tal? Leben die Erben Cearls, dem Bruder unseres Ahnherrn Eorls noch unter euch?"
Dieser antwortete sogleich und sprach: "In der Tat, die meisten unserer Edlen führen sich auf Cearl zurück, mich eingeschlossen. Nun unser Volk ist klein aber kräftig, auch wenn wir wie eh und je unter den Angriffen der Orks des Nebelgebirges leiden. Doch seit dem Verschwinden der Beorninger haben ihre Angriffe zugenommen. Außerdem tragen sie nun Zeichen die wir vorher nicht kannten, eine S-Rune und eine weiße Hand."
"Saruman", mischte sich Glóin ein und erklärte: "Wir fanden tote Orks mit seinem Zeichen, in den verbrannten Überresten von Beorns Hütte."
Erkenbrand blickte zerknirscht drein. "Dass der Zauberer ein doppeltes Spiel spielt ahnten wir bereits. Ich selbst bin nicht zufrieden mit dem Bündnis das mein Herr mit ihm geschlossen hat. Doch wir sind nun hier und bevor die Festung, die wir belagern nicht erstürmt ist müssen wir wohl oder übel mit den Machenschaften Sarumans zurecht kommen. Ich hoffe, die Menschen in Eurer Heimat wissen sich zu verteidigen und sind nicht schutzlos dort geblieben als Ihr hierher aufgebrochen seid."
"Nein, wir haben Festungen im Wald, in denen unser Volk sicher ist", antwortete der dritte Cearling, der sich als Fridurik vorstellte. Dann fuhr er nachdenklich fort, "Zumindest, wenn die Streitmacht des Feindes nicht zu groß ist."
"Das ist gut," stellte Elfhelm fest. "Nun sollten wir uns unserer aktuellen Lage zuwenden. Als ihr eingetroffen seid, habt ihr vielleicht noch die Nachwirkungen des ersten Sturmangriffs auf die feindliche Festung sehen können. Er wurde zurückgeschlagen. Auch Sarumans Kriegsmaschinen haben die Verteidigung Dol Guldurs nicht durchbrechen können."
"Wir haben nicht genug Vorräte um sie auszuhungern," sagte Erkenbrand. "Es muss uns also gelingen, einen Weg über die Mauern zu finden ohne dabei zu große Verluste zu erleiden."
"Vielleicht müssen wir nicht über sie hinüber", warf Glóin ein, "wenn wir die Mauern mit Stollen an den schwächsten Stellen untergraben, müssten sie einstürzen. Dies würde uns den Weg in die Festung ebnen."

"Eine sehr gute Idee, Meister Glóin," sagte Erkenbrand anerkennend. "Ich werde sie dem Herrn Glorfindel vortragen." Er wandte sich an Widurik. "Ich nehme an, Eure Männer haben ihre Quartiere inzwischen bezogen? Mein Vorschlag lautet, dass sich eure Reiter Elfhelm anschließen, der die Berittenen befehligt. Alle übrigen Krieger können eine eigenständige Einheit bilden und Seite an Seite mit den Eorlingas kämpfen, die von mir selbst angeführt werden. Wem Ihr die Führung der beiden Gruppen anvertraut, liegt bei Euch."
"Danke, aber euer Angebot werde ich zum Teil ablehnen müssen", antwortete Widurik, "auch wenn wir zu Pferd reisen, vom Ross aus kämpfen tun wir nur noch selten. Im Schildwall oder Eberkeil, so werden wir kämpfen, an der Seite eurer unberittenen Krieger."
"Ich verstehe," antwortete Erkenbrand. "Nun, allzu viele Reiter können wir in diesem dichten Wald und auch bei der Belagerung an sich wohl sowieso nicht ins Felde führen."
"Lieber wäre es mir, wir führten eine Schlacht auf offener Ebene," sagte Elfhelm. "Doch es ist, wie es ist. Ich stimme zu dem Rat des Zwerges zu vertrauen. Freund Glóin, wärt Ihr bereit, gemeinsam mit jenen aus Eurem Volk einen Plan für einen solchen Stollen zu machen? Zwar zogen die meisten Zwerge nach Helms Klamm, doch ungefähr hundert von ihnen befinden sich hier in unserem Lager."
"Mehr Zwerge, sagt ihr?", erwiderte Glóin erstaunt, "Natürlich, Herr Elfhelm, ich werde mich sogleich aufmachen." Dann zog er seine Kapuze, verbeugte sich und verließ das Zelt.
"Dann ist es entschieden," stellte Erkenbrand fest. "Wir werden auf die Weisheit der Zwerge vertrauen. Doch sagt, gebródhor nordhendeas, wie steht Ihr zu der Lage in der wir uns befinden? Ich werde euch gerne alle Fragen beantworten, die ihr mir stellt."
"Wir sind hier um euch zu helfen", antwortete Widurik, "entsprechend werden wir euch in der Einschätzung der Lage vertrauen, auch wenn es uns missfällt mit Orks gemeinsame Sache zu machen. Was das Sonstige angeht, wäre es interessant zu erfahren, wie es um Eorls Linie steht?"
Erkenbrand senkte seine Stimme etwas. "Nicht so gut wie wir es uns wünschten," sagte er. "Wir haben zwei Könige innerhalb von wenigen Tagen verloren, und keiner hat einen Erben hinterlassen. Jetzt regiert Königin Éowyn Éomundstochter, die Schwester des letzten Königs der Mark. Doch ihr Wille ist stark und ihre Herrschaft gerecht."
"Es tut uns Leid das zu hören" erwiderte Widurik, sichtlich betroffen.
Die Rohirrim nickten leicht und blieben einen Moment still. Dann sagte Erkenbrand: "Nun, ich denke wir brauchen nach dem heutigen Ereignissen wohl alle etwas Schlaf. Ich schlage vor, wir stellen Euch morgen den übrigen Heerführern vor und ziehen uns für die Nacht zurück."

Damit war die Besprechung beendet, doch Cynerics Wachschicht ging noch einige Stunden weiter. Gegen Mitternacht kam endlich die Ablösung und er machte sich auf den Weg zu seinem Zelt. wo er erschöpft in einen tiefen Schlaf fiel.
« Letzte Änderung: 15. Mär 2016, 17:54 von Fine »

Offline Eru

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Re: Ringsherum um Dol Guldur
« Antwort #10 am: 16. Apr 2016, 22:27 »
Nach einem kurzen, wenig erholsamen Schlaf, wurde Aivari noch zu Beginn der Nacht durch Geräusche aufgeweckt, die ganz aus der Nähe kamen. Stimmengewirr, Aufregung und Spannung lagen in der Luft.
Er hatte sich entschieden nur auf eine weiche Decke gebettet unter freiem Himmelszelt zu schlafen. Noch war er Überdachungen jeder Art gegenüber abgeneigt, zumindest wenn er längere Zeit dort verweilen musste – wenn er die Wahl hatte, dann würde er sich wohl den Rest seines Lebens für den Himmel über seinem Kopf entscheiden. Monate des Umherirrens in den Tiefen Khazad-Dûms hatten ihre Spuren hinterlassen. Und schon in den Zeiten davor war Aivari für einen Zwerg nie der größte Freund der ausgefallenen Bogengänge und kunstvollen Hallen seines Volkes in den Tiefen der Berge gewesen, wenngleich er die Leistungen seines Volkes nicht minder achtete. Bei vielen aus seinem Volk stieß dies jedoch auf völliges Unverständnis, doch das war Aivari seit geraumer Zeit gewohnt.

So brauchte er sich nur einmal herumzudrehen, um dem Ursprung des Durcheinanders auf den Grund zu gehen.
In Sichtweite hatte sich um ein Lagerfeuer eine recht große Ansammlung von Zwergen gebildet, die über irgendetwas so erregt schienen, dass sie sich trotz der Nachtruhe ohne allzu große Vorbehalte teilweise lautstark äußerten.
»Gut euch hier bei uns zu haben!«
»Lang lebe Durins Volk und der Mut, der es stets zusammenhält.«
Und Ähnliches hörte Aivari aus dem Stimmengemurmel heraus. Trotz der eher kurzen Ruhepause konnte er bereits wieder ohne seinen Krückstock aufstehen – das Kräuterbalsam der Elben wirkte entweder wahrlich Wunder oder die Wunde war tatsächlich weniger schlimm gewesen als angenommen. Bevor er sich der nächtlichen Versammlung näherte, schaute er noch kurz in Alvars Zelt hinein, das genau neben seinem Schlafplatz lag, doch Alvar war nicht mehr vorzufinden.

Er war offenbar einer der ersten gewesen, der die unverhofften Neuankömmlinge im Lager der Zwerge willkommen hieß. Aivari musste sich hier und da etwas forscher durch die Zwergenreihen drängen, ehe er am Lagerfeuer stand und im flackernden Feuerschein zuerst das Gesicht Glóins erkannte. In einen Lederwams und Kettenhemd gekleidet schaute er unter seinen buschigen, ergrauten Brauen freudig in die Gesichter der umstehenden Zwerge. Der lange, teils geflochtene Bart fiel ihm bis zum Bauche.
Neben ihm stand Bofur, der Thorin Eichenschild seinerzeit ebenfalls auf dem Weg zum Erebor begleitet hatte, und ebenso wie Aivari ursprünglich ein Zwerg der Blauen Berge war und damit nicht aus Durins Volk stammte. Er trug eine schwere Breithacke über seine Schulter gelehnt und hatte ein verschmitztes Lächeln im Gesicht, das in eine Mütze mit Ohrenklappen gebettet war. Der graue Oberlippenbart war in seiner Form, trotz geringerer Länge als der von Glóin, ebenso imposant. Immer mehr und mehr Zwerge stießen indes zur Versammlung hinzu.

Als sich die ersten Momente der freudigen Zusammenkunft gelegt hatten und die Unruhe erwartungsvoller Stille gewichen war, ergriff zunächst Burin, der Sohn des von allen Zwergen so schmerzlich vermissten Balin, das Wort, der neben einigen weiteren neuen Gesichtern ein Begleiter Glóins und Bofurs gewesen war.

»Ein erfreulicher Anblick so viele von euch trotz der so kürzlich vergangenen Schlacht und der späten Stunde so zahlreich hier versammelt zu sehen. Aus dem Süden kamen wir in einem Herr der Menschen vom Anduin-Tal zur Verstärkung. Wir sind froh, dass noch immer so viele unseres Volkes das Haupt gegen unsere Widersacher erheben.«

Mit Freude empfingen die umstehenden Zwerge die Worte von Balins Sohn. Das Leben und Wirken und der Mut seines Vaters würden in keinem der Zwergenvölker je vergessen werden. Nun ergriff Glóin das Wort.

»Unser Volk musste zuletzt viel erdulden und umso mehr ist euch allen zu danken, dass ihr eure Schwerter, Äxte und Speere weiterhin für die gute Sache der freien Völker einzusetzen wisst!«, Als Glóins tiefe Stimme erklang, ließ sie alle Umstehenden wieder kurz in Jubel und Lobpreisungen ausbrechen. Aivari hielt sich zurück und betrachtete die Situation weniger euphorisch.
Dennoch galt Glóin unter vielen Zwergen – so auch für Aivari - als Legende und das nicht erst seit seit der Eroberung des Erebor. Wie Balin hatte auch er an der Schlacht von Azanulbizar teilgenommen, deren Schlachtfeld nur wenige Zwerge lebend verlassen hatten und diejenigen, die es getan hatten, waren als Helden in die Zwergengeschichte eingegangen. Sein Mut und seine Loyalität zu seinem Volk waren beispiellos.

»Darum lasst uns die Brut Mordors nun endgültig aus diesen Landen verjagen und mit diesem spöttischen Bauwerk auf diesem verfluchten Hügel werden wir anfangen!«
Erneut Jubel, doch Glóin sprach weiter, getragen von der Euphorie der Zuhörer.
»Mit der Gunst Erkenbrands und Glorfindels haben wir beschlossen, die Mauern des Feindes dem Erdboden gleichzumachen. Wir werden sie untergraben und dadurch einreißen und dann jeden Ork, Troll und anderes Getier, das in den dunklen Gassen der Festung kauert, erschlagen. Mögen sie alle vor ihren verfluchten Schöpfer treten.  Wir werden es den Schergen Saurons doppelt und dreifach zurückzahlen.«

Abermals große Begeisterung. Es dauerte einige Augenblicke bis der erste Gefühlsüberschwang sich wieder gelegt hatte und der genaue Plan ausgebreitet werden konnte. Sie befanden sich inmitten des Lagers, weit von den Augen und Ohren des Feindes entfernt und konnten daher frei sprechen.
Nicht alle der etwas mehr als einhundert Zwerge waren für Glóins Vorhaben einsatzbereit. Viele hatten Verletzungen davon getragen und mussten im Lager verbleiben. Einige Elbenspäher waren noch vor Glóins Eintreffen bei den Zwergen ausgesandt worden, um in der Dunkelheit weniger gut bewachte Abschnitte der äußeren Befestigungsanlagen Dol Guldurs ausfindig zu machen und strukturelle Schwachstellen aufzuspüren.
Die Trutzburg war rundherum von einem Streifen baumloser Fläche umgeben, sodass sie nicht direkt an der Mauer anfangen konnten einen Tunnel zu graben. An einigen Stellen reichte der Wald jedoch sehr nah an die Außenmauern heran. Hier bot es sich an, die Grabungen zu beginnen.
Zwei vielversprechende Standorte befanden sich im Süden der Festung, ein anderer im Osten, der sich wohlmöglich für einen rückwärtigen Angriff im Laufe der Belagerung eignete. Aufgrund der geringen Anzahl der Zwerge und einiger Verwundeter konnte man nicht mehr als drei unterschiedliche Gruppierungen bilden, jeweils etwa zwei Dutzend Zwerge, unterstützt von einigen Menschen und Elben. Der Plan war außerdem mit Glorfindels und Erkenbrands Heer durch die Breschen in die Feste einzufallen und für Sarumans Heer von Innen das Haupttor und die Nebentore zu öffnen.

Aivari selbst war nicht der größte Unterstützer des Planes, wenngleich er sich von der Begeisterung und der unvorhergesehenen Unterstützung Glóins und der anderen nun doch hatte überzeugen lassen. Dennoch schätzte er es als sehr waghalsig, wenn nicht gar töricht ein zu glauben, dass dem Feind ein solches Vorhaben verborgen bleiben könne, ganz gleich wie heimlich man auch vorging.

Trotzdem entschied er sich ebenfalls dazu zu Spitzhacke und Schaufel zu greifen, obgleich er sich auch den Elbenspähern hätte anschließen können, die an der Oberfläche verbleiben würden.
Gleichzeitig vermochte Glóins Unterfangen Aivaris eigenem Ansinnen jedoch mehr zu nützen. Glóins Vorhaben würde ihn näher und vor allem schneller an die Kerker des Feindes bringen, als jeder andere Angriff dazu in der Lage gewesen wäre.
Aivari war nach dem kürzlichen Rückschlag missmutig geworden. Er fürchtete jede Sekunde, die sie verstreifen ließen, stieg die Wahrscheinlichkeit, dass der Feind die Gefangenen einfach hinrichtete oder sich ihrer anders entledigte.
Seine Familie hatte bereits Blutzoll gezahlt für die Bestrebungen der freien Völker. Er hatte das Teuerste, das er im Leben hatte, längst schon für die freien Völker hergeben müssen.

So brachen die drei Kolonnen nun zunächst gen Westen in den Wald auf und im Schutze der Bäume und der Dunkelheit pirschten sie nach Süden und dann nach Osten an die Schwachstellen im Mauerwerk der feindlichen Festung heran. Ihr Vorhaben würde mindestens einen vollen Tag in Anspruch nehmen, wenn nicht sogar noch länger. Deshalb mussten sie Eile walten lassen und hoffen, dass die Schergen des dunklen Herrschers von dem befestigten Lager der freien Völker Abstand hielten und abwarteten bis es zu spät war, und der Sturmangriff des Hauptheers über sie hereinbrechen würde.

Außer Hör- und Sichtweite der Mauern des Feindes begann die Schar, in der auch Aivari sich befand, am ersten Standort, südwestlich der Festung, mit den Grabungen. Die anderen beiden Gruppen zogen weiter nach Osten, wo sie sich wenig später noch einmal trennten.
Die Elbenspäher waren in die Bäume geklettert, um nach jeder Bewegung auf den dunkel,  in einiger Entfernung thronenden Wällen Ausschau zu halten und die Zwerge und Menschen, die den Erdboden aushoben, in der Not zu warnen.
In den Waldgebieten direkt um die Festung herum war die Gefahr durch Spinnen und anderes Getier unter Einfluss des dunklen Herrschers am größten, sodass auch einige Grenzposten im Wald den Grabungsort bewachen mussten.
Aivari hob genau wie Alvar und Dutzende weitere Zwerge und Menschen, mit Schaufel und Spitzhacke bewaffnet, erst eine kleine Furche, dann einen Graben und schließlich eine tiefe Grube aus. Bald waren weitere Menschen mit geschlagenem Holz, teils frisch geschlagen aus den Gebieten noch weiter entfernt von der dunklen Festung, teils aus dem Hauptlager der freien Völker, sowie Steinen herbeigeeilt, damit der weitere Ausbau der Grube in Richtung der Feste voranschreiten konnte.

Der sich langsam bildende Tunnel aus dem Wald heraus wurde rasch mit Türstöcken und Grubenmauerung gesichert. Einige Zwerge befestigten dazu mittelgroße Steine und Holzscheite mit Kalk und Mörtel an der Firste, den Stößen und der Stollensohle, um das umgebende Gelände so zu verstärken. Der feuchte Waldboden sorgte zwar dafür, dass der Untergrund nicht auseinanderbröckelte, doch drohte er so auch jederzeit einzubrechen, was die zusätzliche Verstärkung nötig machte. Sobald dem Untergrund wieder ein größeres Stück Boden abgerungen war, konnten Fackeln an die Wände angebracht werden, um für Licht zu sorgen.
»Es ist erstaunlich zu was ihr Herren Zwerge in der Lage seid.«, bemerkte einer der Rohirrim, der sich der Schar angeschlossen hatte, und nun in den engen Stollen nur gebückt und halb so schnell wie die Zwerge schaufeln und hacken konnte. Auch Aivari musste feststellen, dass es etwas ungemein Beruhigendes hatte wenn zwei Dutzend Zwerge mit Schaufel und Spitzhacke fast im Gleichschritt ihrer Arbeit nachgingen. Das rhytmische Hämmern der Spitzhacken, das erdige Schrammen, wenn die Schaufel in den Erdboden drang.
Er selbst war für einen Zwerg wenig talentiert im Grubenbau, jedoch noch immer deutlich schneller und behänder als die Menschen. Dennoch respektierten die Zwerge diejenigen unter den Rohirrim, die mit in den Tunnel kamen, denn kein einziger Elb hatte sich für den Grubenbau bereit erklärt.
»Das Elbenvolk tänzelt lieber an der frischen Luft herum als eine Hacke in den Händen zu halten... und Dreck unter den Fingernägeln anzuhäufen... den Schweiß auf der Stirn zu spüren... und Mutter Erde jeden weiteren fingerbreit abzuringen.«, meinte Alvar noch amüsiert zu den anderen Zwerge, während er nach jedem Satz schnaufend seine Spitzhacke in die Erde hieb und sich den Schweiß mit der schwieligen Hand von der Stirn wischte.

Die meisten der Grabenden hatten seit der Schlacht nur wenige Stunden Ruhe bekommen und doch beklagte sich niemand und stattdessen wurde mit voller Hingabe an den Gräben gearbeitet, die so Stunde für Stunde Form annahmen. Die meisten der aushelfenden Menschen gaben früher oder später jedoch auf und wurden abgelöst, während die Zwerge anhaltend und ungetrübt weitergruben. Aivaris verletzter Fuß ließ ihn von Zeit zu Zeit spüren, dass ihm Bettruhe gerade wohl besser bekäme, doch der Zwerg hatte ein festes Ziel vor Augen und ließ sich nun nicht mehr davon abbringen. Er war jedoch erstaunt wie mühelos ihr Plan vonstatten gegangen war. Der vereinte Wille der Menschen, Elben und Zwerge war schon zu Erstaunlichem in der Lage.

Regelmäßig sendeten die drei Scharen Boten durch den versteckten Wald an die Heerführer im Hauptlager aus, um sie über den Fortschritt des Vorhabens zu unterrichten.
Einen vollen Tag mussten sie weiterarbeiten und mehrmals mussten die Grenzposten Spinnen und Warge zur Strecke bringen, doch von Saurons Schergen war lange Zeit nichts zu hören, sodass sie bis fast an die Außenmauern herankamen, bis die erste Orkpatrouille, die sich wohl rückwärtig aus der Festung geschlichen hatte, um mögliche Flankenangriffe des wartenden Heeres zu erspähen, auf Aivaris Gruppe stieß.

Die Elbenspäher in den Bäumen hatten sie frühzeitig erkannt und der Feind war nicht von großer Zahl, sodass die Patrouille in einen Hinterhalt der Grenzposten geriet und rasch aufgerieben wurde. Panik brach da unter den Orks aus und einige rannten blindlings zurück zur Festung oder wollten im Wald verschwinden, doch die Augen der Elben in den Bäumen waren überall und ihre Pfeile waren präzise und tödlich.
So drang kein Wort über den Plan zurück in die Festung und auch die anderen beiden Gruppen konnten ihre Posten erfolgreich verteidigen. Einzig die Schar im Osten, musste ihr Vorhaben nach einem halben Tag aufgeben, da große Steinformationen im Untergrund den direkten Weg blockierten und die Grabungen so lange zu verzögern drohten. Sie gaben ihren Standort auf und verteilten sich auf die beiden südwestlichen Positionen.
Als die nächste Dämmerung einsetzte und die Nacht hereinbrach, waren die verbliebenen Stollen bis unter die Mauern vorgedrungen und der gefährlichste Abschnitt stand bevor. Im letzten Stollenbereich hatte man nur noch mit Türstöcken aus Holz gearbeitet und auf steinerne Grubenmauerung verzichtet, um diese Fläche schnellstmöglich zum Einsturz bringen zu können. Dies wurde in einem breiten Abschnitt getan, um einen möglichst weiten Teil der südwestlichen Außenmauer zum Einsturz zu bringen, sodass das Hauptheer nicht zu sehr südlich Position beziehen musste und genug Zeit hatte, um im Sturm in die Festung einzufallen.
Schon eine halbe Stunde zuvor wurden erneut Boten an Glorfindel und Erkenbrand ausgesandt, um ihnen zu berichten, dass der Plan aufging und das Heer in Stellung gebracht werden musste.

Inzwischen befanden sich nur noch Zwerge im Tunnel, denn um schneller voranzuschreiten, hatte man schließlich nur noch in geringer Höhe gegraben.
Nun wartete man mit den letzten Schritten solange ab bis Nachricht vom Heer kam, dass die Armee angerückt und nach Einsturz der Mauern binnen kurzer Zeit durch die Bresche stoßen konnte.
Auch Aivari befand sich noch an vorderster Front in dem inzwischen etwa eine Meile langen Tunnel und gemeinsam mit den anderen Zwergen versuchten sie nun die Stützbalken und Türstöcke in Brand zu setzen. Durch die feuchte Luft unterhalb des Waldbodens gelang dies jedoch nicht an allen Stellen, sodass sie einige Stützen wieder brechen mussten. Der letzte Teil des Vorhabens war beschwerlich und unablässig rutschten ihnen bereits Erdreich, kleine Steine und Wurzeln entgegen bis sie genügend Stützbalken eingerissen hatten. Einige größere Gesteinsbrocken waren ihnen schon entgegengerutscht, doch erst als man mit Spitzhacken begann einen Teil der Außenmauer selbst in Angriff zu nehmen, wurde eine Kettenreaktion ausgelöst und ein lauter Hornklang drang warnend durch den Stollen als Schutt und Gestein unter tosendem Donner in den Tunnel herabstürzten.
Der Schall des Hornes mahnte die Grabenden sofort zum Rückzug, um nicht selbst verschüttet zu werden, und sogleich wurde das Signal weitergetragen und drang markdurchdringend bis an den Eingang des Stollens, wo es schließlich von weiteren Hornbläsern über das Schlachtfeld zum nahegelegenen Heer getragen wurde. Aivari selbst lief bei dem durch Mark und Bein dringenden Klang ein kurzer Schauer über den Rücken, doch der Gedanke an die vor Furcht kauernden Orks in der Feste und auf den Mauern beflügelte ihn.

Aus den Tiefen konnte er nicht deuten wie erfolgreich die andere Grabung gewesen war, während er am hinteren Ende der Schar lief, die in Richtung Tunneleingang eilte. Ein kleines Stück hinter der Einsturzstelle der Außenmauer riss die Wucht des Zusammensturzes auch ein Loch in die Firste. Aivari erkannte die Gunst der Stunde und nutzte das Chaos, um im aufgewirbelten Staub mehrere Steine hinaufkletternd aus dem Tunnel zu steigen und in der Verwirrung an der Oberfläche durch die Bresche in die Dunkelheit der Festung zu verschwinden...


Aivari in die Kerker von Dol Guldur
« Letzte Änderung: 26. Aug 2016, 14:22 von Fine »

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Stürmt die Festung!
« Antwort #11 am: 10. Mai 2016, 22:04 »
Mit einem klirrenden Geräusch fuhr die blitzende Klinge aus ihrer Hülle. Die Männer rings um Cyneric herum ergriffen ebenfalls ihre Waffen als Erkenbrand beim vereinbarten Hornsignal aufsprang und ihnen bedeutete, ihm zu folgen. Erkenbrands Einheit - zur Hälfte aus Gardisten der Königsgarde bestehend - hatte nur auf diesen Augenblick gewartet. Schneller als der Rest der Männer Rohans formierten sie sich hinter ihrem Marschall, der einen großen Felsen erklommen hatte. In einer Hand hielt er seinen prächtigen roten Schild, mit der anderen reckte er das Banner der Riddermark in den nun von vielen Fackeln erhellten Nachthimmel.

Cynerics Arme schmerzten noch ein wenig vom Schwingen der Spitzhacken und Schaufeln in den Tunneln der Zwerge. Er bewunderte die verbissenen Söhne Durins, die scheinbar unermüdlich selbst dann weitergegraben hatten, als selbst dem stärksten Mensch alle Muskeln taub geworden waren.
Wahrlich zäh sind die Duringéas! dachte er anerkennend. Ihr Geschlecht ist so hart wie der Felsen, den sie so lieben.
Nach dem Ende seiner letzten Schicht im Tunnel - einer, der später aufgegeben wurde - hatte er ein langes Gespräch mit Finelleth, der Elbenspäherin geführt, die unter einem der Bäume in der Nähe Wache gehalten hatte.
"Es tut gut zu sehen, wie Elben, Menschen und Zwerge gegen den gemeinsamen Feind zusammenarbeiten," hatte die Elbin gesagt. "Das war nicht immer so. Vor kurzer Zeit erst - nach meiner Rechnung - hätten wir beinahe einen Krieg gegen die Naugrim des Erebors geführt. Kannst du dir das vorstellen, Cyneric? Sicherlich kennst du die alten Geschichten aus den altvorderen Tagen - vom Raub des Nauglamírs durch die Schmiede von Nogrod und ihrem Krieg gegen die Grün-Elben Ossiriands?"
"Nein," hatte Cyneric wahrheitsgemäß geantwortet.
Um sich die Wartezeit zu vertreiben hatte Finelleth ihm davon erzählt. Ihre Mutter Faerwen - so behauptete sie - war damals dabei gewesen.
"Sie war eine ausgezeichnete Bogenschützin. Sie schoss dem Zwergenkönig von Nogrod direkt durch's Auge, bevor er "Azaghâl" sagen konnte," sagte sie und zwinkerte.
Diese Elben. Nie um einen Witz verlegen. Und diese ganz besonders. Bei ihr weiß man nie, ob sie es ernst meint oder nicht.
"Lass' das nur nicht unsere fleißigen Freunde hören," hatte Cyneric geantwortet, der nicht recht wusste was er von der ganzen Sache halten sollte.
Elben und Zwerge streiten über den Besitz einer kostbaren Halskette während die Menschen von damals vermutlich die echten Kämpfe gegen den Schatten ausgefochten haben, vermutete er.

"Wo hast du Irwyne gelassen, Cyneric?" hatte Finelleth ihn schließlich gefragt. "Ich hoffe doch, sie ist in Sicherheit? Sie hat schon genug Böses gesehen. Komm' bloß nicht auf den Gedanken, sie ins Innere der Festung zu lassen. Mein Volk mag einst dort gelebt haben, doch täusche dich nicht: Dol Guldur ist wahrlich ein finsterer Ort."
Das sieht man deutlich, hatte Cyneric trocken gedacht.
"Der Nekromant hat dort zu lange sein Unwesen getrieben. Er verweilte dort länger, als er bisher im Schattenland wohnt. Du wirst es bald selbst erfahren wenn die Festung gestürmt wird. Seine Präsenz ist noch immer spürbar."
Nun, da der Sturmangriff beginnen sollte erinnerte sich Cyneric an die Worte der Elbin. Jetzt würde sich zeigen, was sich wirklich in Dol Guldur verborgen hielt - und welche Schrecken auf die Belagerer warteten. Der Boden erzitterte, als der untergrabene Teil der Mauer einstürzte und eine tiefe Bresche hinterließ.

"Eorlingas! Die Stunde ist gekommen!" rief Erkenbrand mit mächtiger Stimme. "Jetzt werden wir dem Feind seine Feste entreißen und sie ein für alle Mal dem Erdboden gleichmachen! Der Weg ins Innere ist frei, dank der Anstrengungen der Zwerge Glóins, und diese Gelegenheit werden wir uns nicht nehmen lassen. Kämpft, kämpft für die Freiheit und mit entschlossenem Mut! Das Schicksal ist auf unserer Seite! Für Rohan!"
Er sprang von seinem erhöhten Standpunkt zum Erdboden hinab und fiel in eiligen Laufschritt, gefolgt von seiner éored und den Fußsoldaten Rohans und der Waldmenschen. Hinter ihnen schlossen die Elben auf, während die Zwerge aus dem nun freiliegenden Tunnel strömten. Pfeile flogen in Schwärmen über ihre Köpfe hinweg, und die Belagerungsmaschinen der Weißen Hand begannen, ihr Feuer auf die Türme zu beiden Seiten der Bresche zu konzentrieren. Zwar würden sie wenig oder keinen Schaden an den Mauern selbst verursachen, doch die Verteidiger selbst waren offenbar von keinem Zauberbann geschützt. Cyneric sah, wie ein großer Felsbrocken einem auf der Mauer stehenden Troll den Kopf zerschmetterte und die Bestie rückwärts von der Zinne schleuderte.
Ob Eddy für diesen Treffer verantwortlich war? überlegte er, während er auf die Bresche zurannte. Dort angekommen stellte er fest, dass die Zwerge bereits blutige Ernte unter den Ork-Verteidigern gehalten hatten. Doch der Moment der Überraschung verstrich. Im großen Innenhof auf der anderen Seite sammelten sich die dunklen Horden und drohten bereits, die nur in kleiner Zahl vertreteten Zwerge zu überwältigen. Mit einem lauten Kampfschrei führte Erkenbrand die Rohirrim durch die Bresche und die Schlachtreihen prallten aufeinander. Cyneric rammte seinen Schild frontal gegen den Helm eines Orks, der diesen betäubt zu Boden schickte. Ein schneller Stich mit seinem Schwert erledigte diesen Gegner, doch der nächste wartete bereits. Die Schlacht um Dol Guldur war nun im vollen Gange...


Glorfindel, Erkenbrand, Elfhelm und Cyneric zur Festung von Dol Guldur
« Letzte Änderung: 15. Aug 2016, 14:08 von Fine »

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Ringsherum um Dol Guldur
« Antwort #12 am: 1. Jul 2016, 12:45 »
Eine Belagerung konnte sich hinziehen. Das hatte Eddy inzwischen gelernt. Es gab ganze Tage oder vielleicht sogar Wochen an denen gar nichts passierte. Eddy stand morgens auf, wanderte zu seinen Maschinen und wartete dort ohne einen einzigen Schluss abzugeben. Abends ging er zurück ins Lager und legte sich schlafen.
Es hieß man warte auf eine zwergische Waffe zur Eroberung der Festung Dol Guldur. Und so wartete Eddy. Einen weiteren Fluchtversuch hatte er nicht unternommen. Er wünschte sich jetzt einfach die feindliche Festung zu erobern um danach aus Sarumans Diensten entlassen zu werden. Noch einmal erinnerte sich Eddy an die Worte des kleinen Mannes auf seinem großen Pferd in Archet, der ihn unter völlig falschen Versprechungen in einen Krieg getrieben hatte. Immerhin, so tröstete sich Ed, hatte er hier draußen in der Wildnis die Wahrheit gefunden. Er musste erst hunderte Meilen von zu Hause wegreisen um zu erkennen was in seiner Heimat dem Breeland wirklich vor sich ging. Bald, so hoffte Ed, würde er nach dieser elenden Belagerung nach Archet zurückkehren und allen Bewohnern die Wahrheit erzählen.

Es kam der Tag, nach all den Tagen des Wartens, als Eddy zur besonderen Wachsamkeit gerufen wurde. So stand Eddy wieder einmal bei seinen Belagerungsmaschinen im Kreis der Uruks mit ihren großen Schilden, die die Katapulte schützten. Der hässliche Orkhauptmann zeigte auf eine Stelle der Außenmauer Dol Guldurs, die kurz danach augenscheinlich grundlos einbrach. Die Zwerge hatten die Mauern untergraben, wie der Hauptmann erklärte und kurz danach gab er den Feuerbefehl auf die Festung. Im gleichen Moment sah Ed die Menschen dieses Bündnisses im Süden den Hügel Dol Guldurs erstürmen. Das Banner des weißen Pferdes auf grünem Grund flatterte im Wind. Genauso taten es ihnen die Orks und anderen Kreaturen von den anderen Seiten nach.

Eddys erster abgefeuerter Stein auf die Festung fehlte es an Reichweite. Das Geschoss landete kurz vor der Mauer auf dem Boden und Eddy sah Saurons Orks auf den Mauern spotten und wild mit den Waffen und Fackeln fuchteln.
„Schießt erneut“, hörte der junge Breeländer plötzlich eine durchdringende, befehlende Stimme. Der Zauberer Saruman war hinter ihn getreten und Eddy füllte sich sogleich wieder klein und bedeutungslos gegenüber diesem Mann mit seinem autoritären Auftritt. In aller Eile spannte Ed die Schleuder neu und belud sie mit einem neuen Geschoss. Nach einem fragenden Blick zum Zauberer ließ er den nächsten Stein in Richtung Dol Guldur schießen.
Wieder zu kurz schien das Geschoss im ersten Moment zu fliegen, doch sah Eddy im Augenwinkel Saruman seinen Stab erheben und seinen Blick auf den Stein fokussieren. Ob es nun der Zauber Sarumans war oder doch ein glücklicher Zufallstreffer, das konnte Eddy mit absoluter Sicherheit nicht sagen, aber erfreut war er schon als er sah wie sein abgefeuerter Stein auf der Mauer Dol Guldurs einem großen Troll den Kopf zerschmetterte und das Ungeheuer taumelnd zu Boden ging. Staunend blickte Eddy zu Saruman, der sich jedoch bereits abgewandt hatte und nur zischte: „Weiter machen.“

Eddy spannte und belud die Schleuder wieder, während er sich noch immer Gedanken über diesen Treffer machte. Nichts übrig hatte er für diesen Zauberer, der wahrscheinlich letztendlich für seine ganze Fahrt nach Osten in den Krieg verantwortlich war, aber dennoch konnte er die Macht dieses Mannes nicht leugnen und war lieber auf seiner Seite als sein Gegner.

Noch einmal ließ Eddy seinen Blick durch die Reihen der Orks von Saruman schweifen. Eine beachtliche Armee, die zum Teil genau wie die Menschen aus Rohan bereits an vereinzelten Stellen in die Festung eindrang wo die Zwerge die Mauern zum Einsturz gebracht hatten. Am Tor von Dol Guldur erkannte der Breeländer zudem einen der großen, haarigen Trolle Sarumans, der versuchte die Torflügel aus ihrer Verankerung zu reißen. Unterdes nahmen die Bogenschützen der Elben Saurons Orks auf den Mauern stärker unter Beschuss und feuerten Salve um Salve auf die höllischen Kreaturen.

Eddy stellte sich vor jetzt bewaffnet mit einem Schwert und vielleicht einem Schild im Kampfgetümmel um die Mauern der Festung zu sein. Bedroht nicht nur durch die Klingen der feindlichen Orks, sondern auch durch umherfliegende Pfeile und Trümmerstücke sowie die Geschosse aus den Katapulten, wie er sie selber in diesem Moment wieder abschoss. Eine erschreckende Vorstellung, nach der man seine gegenwärtige Position bei den Schleudern umringt der schützenden Uruks fast als friedlichen Ort beschreiben könnte.
Zum Orkhauptmann wandte sich Eddy jetzt voller Besorgnis: „Sollten wir den Beschuss nicht lieber einstellen? Wir könnten auch die eigenen Soldaten treffen. Sie sind bereits in die Festung eingedrungen.“
„Weiterschießen!“, befahl der Ork ohne Erbarmen und ließ keine weitere Diskussion zu.
Ed gehorchte, ließ die Schleudern aber weiter als zuvor schießen, sodass die Steine über den äußersten Mauerring hinweg flogen und erst in den hohen Türmen oder hinteren Gebäuden einschlugen.
 
Mit einmal dachte Eddy an den netten Rohirrim Cyneric, der ihm so viel über das falsche Spiel des Zauberers erzählt hatte. Ob Cyneric wohl dort oben an der Festung kämpfte? Saruman zu mindestens tut es nicht, überlegte Ed. Der Zauberer war sich wohl zu kostbar um gegen die Verteidiger im direkten Gegenüber anzutreten. Aber Cyneric? Immer mehr Menschen aus Rohan drangen in die Festung ein, beobachtete der Breeländer aus der Entfernung. Es würde noch Stunden wenn nicht Tage dauern, überlegte Eddy, aber wir werden siegen. Sarumans Armee hatte die komplette Festung umstellt und an immer mehr Stellen der Mauer brachen seine Krieger nun durch oder erklommen die Mauern mit Leitern.

Wir werden siegen und ich kann wieder nach Hause, dachte sich der Breeländer aus Archet. Seine Freude wendete sich aber just, als nur wenig später der Nazgûl auf seiner Fellbestie wieder am Himmel über Dol Guldur erschien. Der fliegende Feldherr hatte sich die letzten Tage nie gezeigt, erkannte Ed und es wunderte ihn, dass er jetzt aus östlicher Richtung kam und zu seiner Festung zurückkehrte. Kurz darauf hörte Eddy wieder das fürchterliche Kreischen des Nazgûl gefolgt von vielen Hornstoßen, denn der schwarze Reiter war nicht alleine zurückgekehrt wie Ed und das belagernde Heer jetzt bemerkten. Ein berittenes Heer kam aus dem östlichen Wald und über die alte Straße zwischen Dol Guldur und dem Morannon auf die Lichtung Dol Guldurs. Nur unweit nördlich von Eddy sammelten sich die unzähligen fremden Reiter kurz und gingen dann sofort in den Angriff gegen die Orks von Saruman über. Eddy kannte die Reiter nicht, aber schlagartig wurde ihm bewusst, dass es seine Feinde waren und sie auch ihn töten würden, wenn sie die Gelegenheit dazu bekämen. Unter einem orangeroten Banner stieß die Kavallerie durch die überraschten Reihen der Krieger Sarumans. 

„Uruk skûtog- roth! Dulg-  laazg!“, hörte Ed den Orkhauptmann zu seinen großen Uruks rufen, die jede Lücke in ihrem kreisartigen Schildwall um Eddy und den Schleudern schlossen.
Der Breeländer zitterte. Er brauchte gar nicht hoch an die Mauern Dol Guldurs um ins Schlachtgetümmel zu geraten. Die Schlacht kam zu ihm. Es dauerte nicht lange, da näherten sich die Flanken eines Reitertrupps, der durch die ansonsten ungeordneten Reihen der Orks stieß, unmittelbar nah an den Verteidigungskreis. Ein Pferd verendete je in den Speeren und Schilden der Uruks und der Reiter rollte sich über die Köpfe der Uruks ab. Er gelang ins Kreisinnere und blicke halb kampfesmutig, halb ängstlich umher, hatte aber noch immer die Klinge zum Schlag bereit. Eddy sah einen Menschen. Er hatte gelblich, braune Haut und schwarzes Haar. Seine Augen waren komisch verengt.
„Wer bist Du?“, schrie einer der anderen Belagerungsmeister angsterfüllt. Der Fremde hatte keine Zeit zu Antworten, denn der Orkhauptmann sprang vor und beendete das Leben des Mannes mit einem schnellen Schnitt durch die Kehle. Blut spritzte und Eddy sah die erschreckten Gesichter seiner beistehenden menschlichen Belagerer. „Wer war er?“, fragte Eddy zitternd mit Blick auf den Toten. „Ein böser Mensch. Ein Feind. Ein Volk von Todgeweihten“, antwortete der grausame Ork.

Eddy ließ sich auf den Boden fallen, warf den Kopf in den Nacken und blickte in den blauen Himmel hinaus aus einer schrecklichen Welt in die er geboren wurde. Eddy, der Mensch aus Archet, umringt von verbündeten Uruks, umringt von feindlichen Menschen auf Pferden, umringt von Sarumans Orks und noch immer im Schreckensgebiet der Festung Saurons im Düsterwald.
Welch eine verdrehte Welt ist das, dachte Eddy, wo der Ork mich grade schützte vor einem aus meinem Geschlecht? Wo ist die Grenze zwischen gut und böse und warum nur, habe ich je meine Heimat verlassen?


« Letzte Änderung: 24. Aug 2016, 17:46 von --Cirdan-- »

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Ringsherum um Dol Guldur
« Antwort #13 am: 25. Aug 2016, 16:48 »
Langsam verstand Eddy warum so viele der abenteuerlichen Wanderer aus seinem Breeland nie zurückgekehrt waren. Genau wie er mussten sie in Missgeschicke und Schlachten hineingezogen worden sein und sich nie daraus befreit haben können. Eddy aber, da war er sich sicher, würde zurückkehren nach Hause und zu Lily. Er hatte nicht vor hier zu Grunde zu gehen wie so viele.
Eddy rappelte sich wieder vom Boden auf. Er würde kämpfen um nach Hause zu kommen. „Gebt mir ein Schwert, Herr Ork“, rief der Breeländer und stand kurz darauf im Kreis der Uruks zwischen seinen Maschinen mit dem Schwert in der Hand.
Immer weiter und immer wieder schlugen sich die gegnerischen Reiter in Formation durch die Reihen von Sarumans Orks. Die reitenden Menschen hielten jedoch immer ausreichend Abstand von den großen Uruks, die auch Eddy schützten.
Wer waren sie, die Reiter? Menschen aus fernem Lande. Noch wesentlich weiter im Osten. Bewohner aus Rhûn, dessen Königsstadt Gortharia war, wie Eddy erzählt wurde. Jetzt kämpften und starben sie auf Seite Dol Guldurs. Sarumans Krieger waren zäh und hielten standhaft den Angriffen der Pferde und Reiter aus. Allerdings waren die Orks und anderen Kreaturen Sarumans nicht in der Lage den Angriff auf Dol Guldur fortzusetzen. Der Zauberer zog seine Geschöpfe von den Mauern der Festung ab, um sie gegen die Reiter aus Rhûn zu hetzen. In der Ferne erkannte Eddy, wie die Elben und Menschen und vielleicht auch einige bärtige Zwerge dieses gezwungenen Bündnisses ihr Eindringen in die Festung fortsetzten.  Auch der Orkhauptmann bei Eddy musste auf Befehl von Kra'suk die gesicherte Formation um die Belagerungsmaschinen auflösen und die starken Uruks aktiver in den Kampf schicken.
Eddy und die anderen Männer, die die Katapulte bedient hatten, sahen sich verängstigt und fragend an, nachdem die Uruks auf die Reiterei zumarschierten. Einerseits hatten sich alle nie wohl gefühlt von diesen monströsen Ungeheuern umringt, aber andererseits hatten grade diese Kreaturen sie vor Schlimmeren bewahrt.

Ein Manne aus Eddys Reihen flehte die Umstehenden an, ihn zu beschützen. Er habe Familie, eine Frau, zwei Töchter und komme aus Tharbad. Er weinte und warf sich auf den Boden. „Lasst mich nach Hause, lasst mich gehen!“, rief er. Eddy versuchte ihn zu beruhigen und den Familienvater festzuhalten, der inzwischen wie verrückt auf dem dreckigen Boden umherrollte. Eddy musste seinen ganzen Körper einsetzten, um den Mann zu Boden zu drücken und zu stoppen. Ed spürte den schnellen Herzschlag des verzweifelten Belagerungsmeisters, als er nahezu auf ihm drauf lag. Der Mann kratzte Eddy an den Armen, aber Eddy war ihm nicht böse. Er konnte den Mann mehr als gut verstehen. Saruman hatte sie alle betrogen. Als sich der Herr aus Tharbad beruhigte, sahen sie Beide wieder auf. Um sie herum herrschte noch immer das Schlachtfeld. Nur die Katapulte schirmten sie etwas ab.

Eddy sah die Haufen an Leichen in einiger Entfernung um sie herum. Da blickte der Breeländer auf ein totes an der Seite aufgeschlitztes Pferd. Unter diesem eingeklemmt lag ein Mensch aus Rhûn, der nur leicht verletzt schien und sich zu befreien versuchte, sich aber kaum zu bewegen wagte, da er selber auf den scharfen Rüstungen mehrerer Orkleichen lag. Ein am Bein verletzter großer Uruk hatte den Mensch aus Rhûn in seiner misslichen Lage erkannt und humpelte auf ihn zu. Der Uruk musste sein Schwert und seine Lanze verloren haben, hatte allerdings noch immer seinen riesigen Schild. Der Mensch schrie Worte die Eddy nicht verstand. Er gestikulierte und schien sich ergeben zu wollen, was den schwarzen Uruk mit seiner S-Rune auf der Brust nicht davon abhielt mit dem Schild auf den Kopf des Mannes einzuschlagen. Im nächsten Moment wurde der kämpfende Diener Sarumans selber an der Schulter getroffen von einem Pfeil. Wutentbrannt ließ er sein blutbespritztes Schild fallen, zog sich den Pfeil heraus und suchte dessen Ursprung. Ein vorbeifahrender Streitwagen der Menschen aus Rhûn hatte den Pfeil verschossen. Kurz darauf prallte das Gespann in einer scharfen Rechtskurve seitlich gegen eine der großen Schleudern und kam zu stehen. Die Belagerungsmeister und auch Eddy zögerten nicht lange und erstürmten den Streitwagen. Drei Menschen aus Rhûn standen mit einmal knapp zehn zwangsverpflichteten Männern Sarumans gegenüber. Der Belagerungsmeister vor Eddy war beim Anlaufen gegen den stehenden Wagen geschickt, oder hatte einfach nur Glück, denn er fing mit einem gefundenen Urukschild einen Pfeil der Gegner ab. Ein anderer Mann hatte nicht so viel Glück und wurde von einem Pfeil im Bauch getroffen.
Der Mann vor Eddy warf dem Streitwagenfahrer sein Urukschild entgegen. Der verdutzte Mensch aus Rhûn ließ seinen Bogen fallen und fing den Schild auf. Unterstützt durch Eddy ging der Werfer auf den Bogenschützen los, der nur noch versuchte sich mit dem Schild die Angreifer vom Leibe zu halten. Die anderen beiden Menschen Rhûns wollten ihrem Freund zur Hilfe kommen, wurden aber selber von den weiteren Belagerungsmeistern angegriffen.

Im Nachhinein war Eddy Weingarten keinesfalls stolz drauf und es würde ihm viele schlaflose Nächte bescheren: In diesem Moment aber war er froh, dass er endlich mit der Spitze seines Schwertes in den Rücken des Gegners traf und ihn niederstreckte. Keine Schmerzensschreibe, keine Hilferufe, dieser Mann starb schweigend, im Gegenzug so vieler anderer. Die Lichtung um Dol Guldur war erfüllt von Schreien.
Auch die letzten beiden Feinde aus Rhûn wurden schnell besiegt, obwohl einer der Beiden beim Sterben mit seinem Messer noch eine tiefe Schramme in Eddys Begleiter hinterließ.

Keine Pause wurde den Belagerungsmeistern gelassen, denn im nächsten Moment sah Ed den an Bein und Schulter verletzten Uruk sich über den vom Pfeil im Bauch getroffenen, zurückgebliebenen Belagerungsmeister hermachen. „Stopp!“, schrie Ed mit seiner einst so friedlichen Stimme, „er ist kein Feind!“ Als Eddy bei den Beiden angelangt war und die Kreatur noch immer versuchte seine Klauen in den Körper seines schwer verletzten Kameraden zu versenken, stach Eddy erneut mit seinem Schwert in weiche Haut. Dieses Mal floss das Blut schwarz und der Uruk rollte leblos von dem verletzten Mann zu Boden. „Eddy“, keuchte der Mann mit letzter Kraft, „meine Familie lebt in Eregion. Im kleinen Dorfe der vielen Hulstbäume. Grüße sie von mir. Meine Gedanken sind bei ihnen.“ Daraufhin viel der Mund zu und der Mann schwieg auf ewig, denn er starb in Eddys Armen. Mit toten, offenen Augen lag der Mann da. Eddy hatte bislang nur davon gehört, aber jetzt schien es ihm auf jedem Fall das Richtige: Eddy schloss die Augen des Toten mit seiner Hand.
Einen Moment noch blieb Eddy bei dem Manne, dann stand er weinend auf und blickte erneut hoch zur dunklen Festung Dol Guldur. Durch seine vertränten Augen sah Eddy die Bogenschützen der Elben auf der Außenmauer stehen. Sie schlossen ihre Pfeile nun den Hügel hinunter auf die Reiter aus Rhûn. War die Belagerung um Saurons Festung gewonnen, fragte sich Ed und sein Herz machte einen Hüpfer. Kurz darauf vernahm Ed mehrere Hornsignale aus Osten und er wusste, das müsste der Rückzugsbefehl für die Reiter und überlebenden Orks Saurons sein.
Unvorsichtig und aufgewühlt, wie er in diesem Moment war, stolperte er über eine Orkleiche und fiel zu Boden. Seine Kameraden waren aber sofort zur Stelle und halfen ihm wieder auf die Beine. „Sie ziehen sich zurück“, jubelte einer der Männer und zeigte auf die Menschen aus Rhûn, die sich tatsächlich äußerst eilig in den östlichen Wald zurückzogen.
„Haben wir gesiegt?“
„Saruman hat gesiegt.“



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Re: Ringsherum um Dol Guldur
« Antwort #14 am: 2. Sep 2016, 22:26 »
Aivari aus den Kerkern von Dol Guldur.

Als Aivari langsam wieder zu Bewusstsein kam, fühlte er sich als erwache er aus einem fürchterlichen Traum, dem fürcherlichsten den er je hatte durchleben müssen. Viel schlimmer war die Erinnerung an diesen Traum als der stechende Schmerz in seiner Schulter und die schweren Glieder, die wie Steine auf dem weißen Leinentuch lagen, das über seine Liege gespannt war und von trockenem Blut vorheriger Verletzter getränkt war.
Jammern und Klagen war das Erste, das Aivari wieder wahrnehmen konnte und das Licht der Sonne am spärlich bewölkten Himmel. Und die harte Liege unter seinem Rücken. Sein zerzauster Bart war durchzogen von Dreck und Staub, sein Gesicht fühlte sich geschunden an. Er bemerkte wie seine Gedanken zurück wollten, den Ursprung seines Zustandes erörtern, doch Aivari wusste dort erwartete ihn nur unsägliche Trauer und so verbot er es sich selbst daran zu denken.
Stattdessen hob er seinen schweren Kopf und schaute über ein ganzes Lager voller Verletzter und vielleicht sogar Toter. Sie waren außerhalb der Zelte auf Barren und behelfsmäßigen Liegen aufgewartet, von entkräfteten Elben und Menschenheilern – der ein oder andere Zwerg mag auch dabei gewesen sein – umsorgt, die hastig zwischen den Reihen aus Bettstellen umhergingen und versuchten den am schlimmsten Verletzten zuerst zu helfen.

Jetzt bemerkte Aivari, dass seine Schulter bereits verbunden war und der Verband nach Königskraut duftete. Mit schmerzverzerrtem Gesicht wuchtete er sich mit der gesunden rechten Schulter nach oben.
Neben seiner Liege erkannte er Shathûr und Kheled und seinen knorrigen Wanderstab, den er meist nur auf dem Rücken zu tragen pflegte.Von Azanul fehlte, wie zu erwarten war, jede Spur. Doch die finstren Gedanken, die sich auftaten, als er an diese Waffe dachte, ließen ihn diesen Verlust schnell wieder verdrängen. Auch die plötzliche Ablenkung, die ihn ereilte, tat ihr übriges dazu.

»Wie schön zu sehen, dass Ihr langsam wieder zu Kräften kommt. Wir hatten schon Sorge um Euch, doch Euch fehlte nach diesen schweren Stunden sicherlich auch ausreichend Schlaf und Erholung.«
Die Stimme der Elbenfrau, die vor seiner Liege stehen blieb, war das Wohlklingendste, das der Zwerg seit einer gefühlten Ewigkeit vernehmen durfte und ihr edles Antlitz in langem Gewand, jedoch von Lederstücken und Gamaschen verstärkt, ließen ihn schmunzeln, denn es erinnerte ihn an die Schönheit Fjólas, die er seit so unvorstellbar langer Zeit nicht mehr hatte bewundern können.
»Habt Dank.«, brachte er deshalb nur knapp heraus und schloss sofort die eiligste Frage an, die ihn beschäftigte und die er nicht so leicht verdrängen konnte wie manch andren düstren Gedanken. Einen kurzen Moment zögerte er jedoch sichtlich, weil ihn tatsächlich der Gedanke überkam, ob das rätselhafte Mädchen aus den Kerkern nicht vielleicht bloß eine Einbildung gewesen war, geboren aus dem Wahn der vergangenen Stunden. Doch die Frage trieb ihn zu stark an, als dass er sie hätte verschweigen können.
»Sagt, wie geht es dem Menschenmädchen, das mit mir im Innern der Feste aufgelesen wurde?«
Über das Gesicht der Elbenfrau schien für einen Augenblick ein Schatten zu wandern, obwohl ihre Antwort nicht vollends von Kummer war.
»Sie ist wohlbehalten und bei guter Gesundheit. Doch ihre Anwesenheit hat bei einigen Fragen aufgeworfen, die Ihr vielleicht zu klären in der Lage seid.«
Aivari runzelte die Stirn. »Aber bitte erholt Euch vorher vollständig. Ihr solltet euch nicht jetzt schon wieder solcher Aufregung aussetzen.«, schloss die Elbin rasch an, als sie die Besorgnis im Gesicht des Zwerges las.
»Mir geht es wunderbar.«, log Aivari, denn es drängte ihn dieses geheimnisvolle Mädchen in ruhigeren Umständen wiederzusehen.
»Bitte lasst mich sofort zu ihr.«

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Missmutig hatte die Elbenheilerin dem dickköpfigen Zwerg schließlich nachgeben müssen und ihn von einem Menschen aus der Riddermark den Weg in einen anderen Teil des Lagers weisen lassen, denn sie selbst musste sich den vielen anderen Verletzten widmen.
Der Mensch erzählte Aivari auf dem Weg, dass die Schlacht gewonnen schien, jedoch schon erste Gerüchte über arglistige Schachzüge des weißen Zauberers die Runde im Fußvolk machten. Aivari wunderte dies nicht, doch mehr interessierte ihn, was der Mensch zu dem Mädchen zu sagen hatte, das so überraschend in Aivaris Leben aufgetaucht war.
Ihrem Aussehen nach zu urteilen hielt man sie wohl für eine Frau aus dem Ostvolk, der Menschen aus dem fernen Rhûn, deren Wege sich schon das ein oder andere Mal mit denen von Aivari gekreuzt hatten, wenn auch inzwischen vor sehr langer Zeit.
Die Annahme lag deshalb nicht fern, dass sie eine Spionin des Feindes sei, die sich als Gefangene tarnte, um in die Reihen der freien Völker zu gelangen.

Anscheinend war eine zweite feindliche Armee bestehend aus Rhûnmenschen Sarumans Streitmacht in die Flanke gefallen, was Anlass für den Verdacht gewesen war, dass sich auch Spione aus Rhûn in den Reihen der freien Völker befinden könnten.
Da die Anführer der freien Völker noch im Innern der Feste oder auf dem Rückweg waren, wurde das Mädchen vorerst im Lager festgehalten, obwohl man sich natürlich zunächst um ihre Wunden gekümmert hatte. Wahrlich überzeugt schien niemand davon, dass sie wirklich eine Kundschafterin des Feindes sei, doch man ließ trotzdem äußerste Vorsicht walten und hielt sich an die gängigen Befehlsordnungen. Dies hieß jedoch nicht, dass man sie mittelschwer verwundet, wie sie es gewesen war, einer Befragung unterzogen hätte, die sich durch die fremde Sprache der Frau alsunmöglich erwiesen hätte.

Sie befand sich an einem kleinen Tisch in einem von Rohirrim bewachten Zelt. Für leibliche Versorgung und frische Kleidung war jedoch gesorgt worden. Als Aivari mit seinem menschlichen Begleiter an den Wachen vorbeimarschierte und das Zelt betrat, sprang das Mädchen auf und fiel ihm sogleich um die Arme.Sie sprach einige hastige Worte in der fremden Sprache. Ihren Gesten nach zu urteilen, war sie einfach froh ihn wohlauf zu sehen.

»Wenn Ihr für ihre Unschuld eintretet, wird nicht viel dagegen sprechen, sie sogleich wieder in die Freiheit zu entlassen.«, meinte der Rohir überzeugt. »Trefft mich vor dem Zelt, wenn ihr soweit seid.«
Nachdem der Mensch das Zelt verlassen hatte, musterte Aivari das Mädchen zum ersten Mal in aller Ruhe ohne jederzei  wie in den Kerkern die blutdürstende Klinge eines Feindes fürchten zu müssen
Sie war von außerordentlicher, fremdländischer Schönheit und Jugend, etwas mehr als einen halben Fuß größer als er, und damit eine normalgewachsene Menschenfrau. Dennoch zeugte ihr ebenes Gesicht von kleineren Narben und Kratzern, die auf ihrer dunklen Haut jedoch nicht deutlich zu erkennen waren. Sie hatte offensichtlich schon vieles erleiden müssen.
An ihren Handgelenken waren noch die Spuren von Ketten und abgeschürfte Seilabdrücke zu erkennen. Langes, glattes, schwarzes Haar hing ihr bis auf den Rücken, der in ein vermutlich rohirrisches Gewand gehüllt war, das ihr dem Anschein nach keine große Freude bereitete und wegen ihres athletischeren Körpers auch nicht sehr gut saß.
Auch die gekämmten Haare waren ihr wohl ein Graus, da sie bereits begonnen hatte diese wieder zu einem praktischeren Zopf zu flechten, der ihr über die Schulter hing. Die nussbraunen Augen blickten unruhig in die Augen des Zwerges.

Aivari deutete auf die Zeltwand und damit nach draußen. Er nickte ihr versichernd zu.
Das quälende Gefühl der Unfähigkeit sie fragen zu können, warum sie ihn vom Freitod abgehalten hatte, betrübte Aivari jedoch.
Deshalb zeigte er erst einmal mit seiner Hand auf sich selbst und sagte nur »Aivari.«. Dann deutete er auf das Mädchen und setzte einen fragenden Blick auf.
»Inari.«, sagte sie verstehend und beide mussten ob der Ähnlichkeit ihrer Namen kurz auflachen.
»Danke.«, sagte Aivari schließlich und verbeugte sich mit aufeinander gelegten Handflächen.
Sie verstand und legte ihm eine Hand auf die Schulter. Er hatte ihr sein Leben zu verdanken und nun musste er ihr aus dieser Lage heraushelfen.
Sie deutete für einen Moment aus dem Zelt und dann auf ihre Kleidung, machte eine abschätzige Geste, um anschließend noch einmal nach draußen zu deuten.
Aivari nickte, bedeutete ihr jedoch mit der Hand kurz zu warten, als er sich wieder nach draußen begab.

»Lasst das arme Mädchen wieder auf freien Fuß.«, meinte Aivari sogleich zu dem Eorling, der sich bei den Wächtern aufgestellt hatte. »Ich glaube sie hat schwere Zeiten hinter sich und hat es nicht verdient hier festgehalten zu werden. Ich bürge für ihre Unschuld.«
»Dann soll eurer Bitte nachgegeben werden.« Der Mann senkte noch einmal zustimmend den Kopf und wollte das Mädchen sogleich herausbegleiten, doch Aivari hielt ihn noch kurz auf.
»Sagt... die schwarze Klinge, die das Mädchen bei sich führte... wo habt Ihr sie aufbewahrt?»
»Gleich hier in der Nähe, in einer Truhe in meinem Zelt.« Der Mensch zeigte auf ein angrenzendes Zelt. »Ist es Euer Schwert?«
Aivari überlegte ob er dem Menschen die Wahrheit sagen oder sich jetzt und hier für immer von dem Schwert trennen sollte. Diese Klinge hatte furchtbare Dinge bewirkt. Seit sie vor unzähligen Jahren in Aivaris Besitz überging, in den Ered Mithrin auf einem Streifzug mit seinen Kampfgefährten, schien Aivaris Weg von Düsternis geprägt. Ihr Name, der Schatten bedeutete, hatte in des Wortes wahrster Bedeutung auch einen Schatten auf Aivaris Leben geworfen. Doch eigentlich schenkte er solch Ammenmärchen keinerlei Beachtung. Dennoch schien es ihm deshalb nicht das Richtige dem Eorling diese verfluchte Waffe aufzubürden.

»Ja. Es würde mich freuen, wenn Ihr es mir wieder überreichen würdet.«
Er lächelte knapp und fügte noch hinzu:  »Ach, und hättet ihr vielleicht einen Lederwams, ein paar Gamaschen, eine Hose, Stiefel, einen Umhang und einen solchen Helm, wie ihr sie auch tragt?«
Der Mann wirkte etwas verwirrt, erwiderte aber trotzdem in aller Höflichkeit:
»Nicht in eurer Größe, fürchte ich.«
»Das macht mir nichts aus.«
»Dann sollte es kein Problem darstellen.« Der Mensch schien hinreichend überzeugt oder wollte einfach nicht weiter nachfragen, was Aivari nur gutheißen konnte.
»Und noch eine Sache...« Aivari stellte sich einem Gedanken, der ihm gerade in den Sinn gekommen war.
»Wie steht es um die Gefangenen des Feindes? Ist es möglich die Kerker noch einmal zu betreten?«
»Ich fürchte dort werdet Ihr nichts mehr vorfinden. Oder vielleicht auch erfreulicherweise. Wir wissen selbst noch nicht alles, doch von dem was wir gehört haben, sind fast alle Gefangenen in den letzten Zügen der Schlacht vom fliehenden Feind erschlagen worden. Die wenigen die gerettet werden konnten, dürften zu schwach und gebrochen sein, um je wieder ein normales Leben zu führen. Möglicherweise können wir den Leichnamen mit einem großen Feuer die letzte Ehre erweisen. Es wäre das Mindeste, was wir noch tun können.«
Der Mensch bemerkte mit einem Hauch einer kummervollen Mine, dass Aivari sehr bedrückt auf diese Nachricht reagierte.
»Habt Ihr dort jemanden vermutet?«
»Nein... entschuldigt die Nachfrage.«
»Nicht dafür, Herr Zwerg, nicht dafür. Also dann, ich hoffe, dass Ihr schnell wieder zu Kräften kommt!«

Aivari dankte ihm, noch immer etwas abwesend, ehe er sie schließlich beide entließ und Aivari ein Bündel überreichte, in dem sein Schwert und die kennzeichnende Montur der Rohirrim verborgen war, sowie ein golden-grün verzierter rohirrischer Helm darauf gelegt. Auf dem Weg zurück zu Aivaris Lagerplatz schwieg Inari, wirkte zurückhaltend und scheu. Sie fiel trotz ihres dunkleren Hauttons nicht besonders auf. Der Sommer war in diesem Jahr und in dieser Gegend heiß gewesen und viele der anderen Menschen waren ebenfalls gebräunter als es üblich war.

An einem leeren Zelt zwischen dem Lager der Zwerge und Rohirrim machten sie Halt, sodass Inari ihr Gewand gegen die Kleidung tauschen konnte, die sie bevorzugte.
Da es sich bei der Ausrüstung natürlich um Maße für einen Mann handelte, wirkte sie etwas verloren in dem weiten Oberteil und der Stoffhose, doch sie zog die Riemen an Schulterplatten, Stiefeln, Gamaschen und Gürtel etwas enger und band die Haare über den Kopf, sodass der Helm etwas mehr ausgefüllt wurde. In ihrer neuen Kleidung sah sie einem jungen Rohirrim recht ähnlich, Aivari hätte sie jedoch mit seinem Wissen wahrscheinlich aus großer Entfernung erkennen können.
Als sie sich nun wohler in ihrer Haut fühlte, ließ sie sich mit einem Mal auf den Boden Fallen und Tränen liefen ihr über die Wange, sie lachte und schluchzte zugleich. Aivari war einen Moment besorgt, aber stellte rasch fest, dass Erleichterung sie überkommen hatte. Tatsächlich fühlte er sich gerade sehr ähnlich, ließ sich jedoch nichts anmerken.
Inari deutete noch einmal auf die Abdrücke an ihren Händen, die schon älter zu sein schienen, als aus den Kerkern der dunklen Festung. Möglicherweise war sie bereits mit Fesseln in diese Lande gebracht worden? Aivari dachte an die dunklen Geschichten, die sich die Zwerge in den Eisenbergen über das Menschenvolk von Rhûn erzählten. Von Sklaventum und gottgleichen Herrschern, die ihr Volk ausbeuteten. Er mochte sich kaum vorstellen, was dieses junge Mädchen bereits erlebt hatte.
Wie zur Bestätigung deutete sie gen Osten an Dol Guldur vorbei, aus dem noch immer Rauchschwaden aufstiegen.
»Rhûn.«,sagte sie knapp und wusste, dass Aivari verstand.