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Autor Thema: Die Straßen von Minas Tirith  (Gelesen 14685 mal)

Thorondor the Eagle

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Re: Re:Die Straßen von Minas Tirith
« Antwort #30 am: 13. Jun 2011, 11:07 »
Das schlechte Gewissen plagte Elea stark. Sie hatte Brianna denselben Schmerz zugefügt wie sie ihn einst selbst erleiden musste. Auch sie hatte Haldar ziehen lassen und nie wieder gesehen. Was wenn ihre Freundin dieselben Höllenqualen durchleben musste und sie ihn heute ein letztes Mal in den Arm nehmen konnte ohne es zu wissen.
Elea erinnerte sich gut an ihren letzten Kuss mit Haldar. Sie spürte die warme Träne noch auf ihrer Wange und die rauen Lippen auf den ihren. Es war ein kühler Herbsttag und die goldenen und braunen Blätter segelten langsam von den Kronen herab.

„Was ist das?“, brüllte plötzlich Ioreth „Los schnell, wir müssen in das Haus!“ Nun hörte auch Elea das nahende Grollen und Brüllen einer Menschenmasse. Elea nahm ruckartig den Arm der Alten von ihren Schultern und probierte eine der Türen zu öffnen, die abwechselnd zu ihrer Rechten und Linken waren. In einem kleinen einstöckigen Haus hatte sie Glück und im Handumdrehen holte sie Ioreth hinter her. In der Herberge war es stockdunkel und nur vorsichtig tappten sie von Möbelstück zu Möbelstück. Elea fühlte eine Türe die in einen kleinen Raum führten, vermutliche eine Vorratskammer. Darin verbargen sie sich in der Hoffnung unentdeckt zu bleiben.

Die Frauen hörte wie jemand unter lautem Krachen die Türe aufschlug. Sie durchstöberten die wenigen Räume des Hauses. Den beiden Frauen blieb das Herz stehen und sie schienen kaum noch zu atmen. Jeder Laut den sie von sich gaben war einer zu viel. Elea verfolgte den umherwandernden Schein der Fackeln der durch den Türspalt fiel und in fließender Bewegung den Raum ausleuchtete. Doch dann blieb der rötlich-orange Streifen plötzlich stehen. Er bewegte sich keinen Millimeter nach links oder rechts.
Pure Angst ließ die beiden zu lebenden Statuen erstarren. Elea glaubt Schritte zu hören, die sich langsam aber konstant auf ihr Versteck zu bewegten. Doch plötzlich war es still und beiden schien ein Stein vom Herzen zu fallen, bis ein Knistern laut wurde. Und erst jetzt wurde den Frauen klar, dass der orange Schein nach wie vor das Haus erhellte.

„Sie haben es angezündet!!“, schrie Elea laut und riss die Türe auf. Auf dem Fußboden neben dem Tisch lag eine zerschlagene Öllampe und rund herum brannte es lichterloh. Auch von der anderen Seite, wo eine Art Bett stand, schlängelten sich die verschlingenden Flammen den Boden entlang. „Los komm! Wir müssen schnell zur Tür hinaus“, befahl Elea und zog an der Hand ihrer Freundin.
Geschickt hüpfte Elea über die sich schließende Feuerwand in Richtung Tür, doch Ioreth konnte nicht. Mit ihren bloßen Füßen stieg sie in das tosende Flammenmeer und versengte sich Kleidung und Haut.
Mit ihrem ganzen Gewicht warf sich Elea gegen das verschlossene Tor und stürzte samt ihm auf die offene Straße. Die Alte folgte ungewollt. Der starke Rauch ließ die beiden laut Husten.

 „Ha Ha Ha! Da sieh einer an, welch Ungeziefer ich ausgeräuchert habe“, hörte Elea einen Mann sagen. Er war hoch gewachsen, hatte schwarzes krauses Haar und eine dunkle Hautfarbe. Er ging auf die beiden zu und erhob seine mit Blut überzogene Klinge. „Nur Ungeziefer!“, betonte er nochmals und Herzlosigkeit lag in seinen beinahe schwarzen Augen. Verzweifelt griff Elea um sich und ertastete einen abgesplitterten Holzpfosten der Türe. Sie winkelte ihren Arm an und rammte ihn mit aller Kraft die sie aus dem Liegen aufbringen konnte in den Oberschenkel des Angreifers. Er durchbohrte sein Fleisch und augenblicklich quoll purpurrotes Blut aus seiner Hohlwehne. Es war der Schmerz, der ihn zu Boden gehen ließ und die Dunedain rettete.

Sie keuchte unaufhörlich und unter Schock stehend richtete sie sich auf. Die Haut des Verletzten nahm einen unnatürlichen Grauton an als er unaufhaltsam verblutete. Elea nutze den Moment und entriss die Klinge seinen Händen.
„Ioreth! Ioreth!“, stieß es ihr herauf „Geht es dir gut? Wir müssen schnell weiter. Zum Schluss kommen seine Freunde wieder zurück.“
Ohne viel Rücksicht zu nehmen zerrte sie die Alte an der Hand, doch diese konnte kaum auf Ihre Fußsohlen steigen. Elea stütze sie so gut sie konnte, deshalb kamen sie nur sehr schleppend voran.
„Wohin sollen wir nun?“, fragte sie verzweifelt, aber Ioreth konzentrierte sich nur noch auf ihren Schmerz, anstatt den Weg zu weisen.
Es dauerte sehr lange, bis sie die nächste Gasse verließen, doch sah Elea von dort aus schon das Tor in den ersten und untersten Ring. Einerseits war sie erleichtert, doch andererseits wurde ihr bewusst, welcher Weg noch vor ihnen lag und vor allem, wie sollte Ioreth jemals mit solch verletzen Füßen bis nach Lossarnach kommen?
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Thorondor the Eagle

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Re: Die Straßen von Minas Tirith
« Antwort #31 am: 17. Jun 2011, 14:52 »
Behutsam lehnte sich Ioreth gegen die Mauer eines bereits verlassenen Hauses. Sie gab Elea die nötige Zeit sich kurz umzusehen, um zu überprüfen, ob die Hauptstraße frei war. Der Schmerz war unerträglich für die Alte. Bei jedem Schritt trieb es ihr den Schmutz der Straßen in die Brandwunden. Es fühlte sich an als würde sie über glühende Nägel laufen. Langsam ließ sie sich zu Boden gleiten.
Elea kam zurück und in jenem Moment dachte sie ein Geist saß vor ihr. Das silberne Haar war zerrüttet und hatte sich durch den Schweiß und Schmutz zu dicken Strähnen verfangen. Ihr bleiches Gesicht war eingefallen und faltig und doch zeichnete sich ein leicht zufriedenes Lächeln auf ihren Lippen ab. Ihre Augen waren geschlossen. Ihre Beine waren nur noch Haut und Knochen und ihre Füße kohlrabenschwarz von rubinroten Blutfurchen durchzogen.
„Ioreth!“, begann sie leise zu flüstern „Glaubst du, du schaffst es noch bis an die Stadtgrenze?“
Sie nickte nur und hielt ihr eine Hand entgegen mit der Bitte ihr aufzuhelfen. Für Elea war es nicht schwer, denn die Alte hatte nur noch wenig Gewicht.
„Los, lass uns gehen wenn die Straße frei ist“, befahl sie leise und seufzte hinterher.
Es waren kaum zwei Schritte die sie zurück gelegt hatten, ehe die Alte wieder zu Boden fiel. Sie lag am Rande der Hauptstraße, gut sichtbar für vorbeilaufende.

Schockiert blickte Elea links und rechts. Gott sei dank war keiner in der Nähe: „Ioreth! IORETH! Steh auf. Wir müssen weiter!“ Hastig zog sie an der Kleidung der Gestürzten, doch diese rührte sich kaum.
„Es tut so höllisch weh“, klagte sie und Schmerzenstränen quollen aus ihren Augen.
„Ich weiß. Bitte, bitte steh auf“,  flehte Elea und sie begann auch zu weinen. Sie stellte sich vor wie Ioreth hier auf der Straße sterben würde, ob durch feindliche Klingen oder ihrem Alter und der Qual erliegend.

Und da, im Schatten des gegenüberliegenden Hauses bewegte sich etwas. Zuerst bemerkte es Elea nicht, doch dann hörte sie das leise aneinander reiben zweier Schwertklingen. Ein merkwürdiges Gurgeln hallte zu ihr und dann ein lautes Kreischen. Die Dunedain blickte in die gelben Augen eines Orks. Er hatte zwei Krummsäbel in den Händen und bewegte sich langsam und gezielt auf die beiden zu.
„Ein Ork!“, sagte Elea leise zu Ioreth und umklammerte dabei fest das Schwert des Toten. Sie erhob sich und hielt es drohend in Richtung ihres Feindes. Die Tränen kullerten nach wie vor aus ihren Augen.
Begierig leckte sich der Ork über die Lippen und nuschelte kaum verständliche Worte in sich hinein. Mit einem Satz sprang er auf sie zu. Mit einer Klinge zielte er auf ihr Schwert und mit der anderen auf Elea’s Kopf. Sie wusste nicht, wie sie ihn am besten abwehrte und blieb starr stehen, nur das Schwert in ihrer Hand zitterte unkontrolliert.
Plötzlich ohne Vorwarnung riss es ihren Feind zur Seite. Er zappelte auf dem Boden und griff sich auf die Brust, aus der das Gefieder eines Pfeiles herausragte. Erschrocken schaute Elea die Straße hinauf und ein Stein fiel ihr vom Herzen, als sie ihrem vertrauten Beregond in die Augen sah.
„Elea!“, brüllte er förmlich und eilte zu ihr. Ein Soldat aus seinem Gefolge durchschnitt die Kehle des Orks und sie durchsuchten die Ansätze der Nebengassen nach weiteren.
„Ich brauche deine Hilfe, Beregond. Besser gesagt wir brauchen sie“, sagte Elea. Erst jetzt erkannte der Soldat die Frau auf dem Boden.
„Was ist mit dir, Ioreth?“, platze es aus ihm heraus und er beugte sich über ihren Kopf.
„Wir müssen sie aus der Stadt bringen, doch sie kann kaum noch gehen“, übernahm wieder die Dunedain.
„Warum aus der Stadt?“, fragte er verwirrt.
„Weil!“, wisperte Ioreth „Weil ich nachhause möchte.“
Die Tränen standen ihr nach wie vor in den Augen. Ohne nach einem weiteren Grund zu fragen, nahm Beregond seine Verbündete auf die Arme und trug sie aus der Stadt hinaus. Der Weg durch den untersten Ring war einfach im Vergleich zum bisherigen. Mit Beregond und seinen Soldaten an der Seite hatte Elea und ihre alte Freundin nichts zu befürchten.

Lange nachdem sie das Tor durchschritten, das ihnen die Weiten des Pelennor eröffnete, hielten sie. Zu ihrer Rechten erhob sich in stolzer Pracht das weiße Gebirge. In ihrem Hintergrund lag Minas Tirith. Die unteren Ringe standen in Flammen und die Mauern waren unbewacht. Das Mondlicht bahnte sich nur schwer einen Weg durch die dunkle Wolkendecke.
„Hier, setz ich dich ab Ioreth. In dem kleinen Bach kannst du deine Füße abkühlen und reinigen“, sagte Beregond und setzte sie in die schwarze Wiese.
„Ahhh“, schnaufte sie erleichtert und nahm einige Hände voll um auch ihren Durst zu stillen „Das wir das noch schaffen hätte ich nicht geglaubt.“
„Mussten wir doch“, antwortete Elea und sie lächelte dabei geplagt.

Plötzlich hörte Elea ein lautes Johlen aus der Stadt und sie drehte sich schleunigst um. Sie ging einige paar Schritte nach vor und beobachtete Minas Tirith. Sie sah, wie sich die Flammen langsam nach oben bewegten. Scheinbar haben die Aufständischen das Tor in den vierten Ring durchbrochen. Entgeistert verharrte ihr Blick als ihr jemand auf die Schulter griff.
„Ioreth möchte mit dir sprechen.“
„Sieh nur, der vierte Ring… er steht in Flammen.“
Beregond nickte: „Tore und Mauern können die Unterdrückten nicht mehr aufhalten. Herumor sollte sich in Acht nehmen.“
Elea sah Beregond’s Profil an. Sein Blick war starr auf die Stadt gerichtet. Groß und edel wirkte er in diesem Moment, doch die Wut stand ihm auch ins Gesicht geschrieben.


Elea, Beregond und Ioreth zum Weg ins Weiße Gebirge
« Letzte Änderung: 19. Feb 2016, 13:28 von Fine »
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Vexor

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Re: Re:Die Straßen von Minas Tirith
« Antwort #32 am: 17. Jun 2011, 21:07 »
„ Araloth bitte, lass uns eine Pause einlegen, mein Arm tut weh“, beklagte sich Brianna, deren olivfarbenes Hemd an der rechten Seite schon pechschwarz und triefend vor Blut war.
Als Araloth sich umdrehte trafen sie seine harten, unbeugsamen Augen, die sie bisher noch nicht gekannt hatte. Jener Blick verflog dennoch schnell, als er ihr müdes Gesicht erkannte, welches voll Schmutz und Blut war.
„ Aber natürlich Schatz“, wisperte er und gemeinsam verließen sie die Straße und öffneten die Tür zu einem Haus, in dem die Tür schief hing. Offensichtlich hatte man versuch sich gewaltsam Eintritt zu verschaffen.

Briannas Befürchtung bewahrheitete sie sich, als Araloth die Tür gewaltsam auftrat. Tische und Stühle des kleinen Ess- und Wohnzimmers waren umgeworfen worden. Ein hohes Krachen war zu hören, als die beiden in die Wohnung traten. Diffuses Licht fiel durch die Tür herein und was Brianna zunächst für einen glänzenden Fußboden gehalten hatte, entpuppte sich als Glasscherben von zerbrochenen Lampen, Gläsern und Porzellan.
Brianna bückte sich und fuhr nur wenige Millimeter über den Boden mit den Fingerkuppen über das Scherbenmeer. Vorsichtig hob sie eine größere Scherbe auf, die sich als Reste eines Tellers herausstellte. Die Kräuterfrau konnte einen dunklen Fleck ausmachen, da der Teller anscheinend bemalt war, aber das Licht war zu dunkel.
Als hätte Araloth ihre Gedanken vernommen entzündete er eine Kerze, die er auf einer kleinen Anrichte gefunden hatte und erfüllte somit den winzigen Raum im schwachen Kerzenlicht. Dennoch blieben für Brianna die Konturen im schwachen Licht undeutlich. Sie konnte weiße und dunkelblaue oder schwarze Teile wahrnehmen. Plötzlich spürte sie einen Druck an der rechten Schulte und erkannte sofort Araloths kräftige Hand, der sich über sie beugte. Er seufzte laut.

„ Das…stellt das Wappen Dol Amroths dar. Ich erkenne es sogar hier im Halbdunkel. Dort siehst du noch den Bug des weißen Schiffes und des Schwanenkopfes auf dunkelblauen Hintergrund“.
Seine Stimme war voller Melancholie und Brianna drückte es schwer aufs Herz, ihren Geliebten so verletzt zu sehen.
„ Hier müssen wohl Anhänger Dol Amroths, oder Leute aus der Stadt gewohnt haben“, stammelte Brianna, die nicht genau wusste, was sie sagen sollte. Behutsam legte sie den Teller zurück zu den anderen Scherben und richtete sich langsam auf. Im Kerzenschein flackerten die meergrauen Augen Araloths und sie erkannte, dass er den Tränen nahe war.
„ Ach Schatz“, sagte sie und streichelte ihm über die Wange, bevor sie ihn liebevoll küsste.
„ Ist schon okay Liebes“, erwiderte er niedergeschlagen und begutachte die tiefe Wunde an Briannas Oberarm.
„ Hmm das sieht nicht so gut aus“, flüsterte er mehr zu sich selbst als zu Brianna, „ Ich habe leider nichts zum desinfizieren da, aber ich werde dir einen Druckverband anlegen!“
Er stand auf und streifte sich das weiße Hemd ab und riss einen langen Streifen heraus, den er fest um Briannas Arm band.
„ Du musst es aber schnell rei-“, setzte Araloth an, doch Brianna würgte ihn ab, indem sie ihn den Finger auf die Lippen legte.
Mit einem liebevollen Lächeln auf den Lippen sagte sie, „ Wer ist denn hier die Kräuterfrau Schatz?“.

Auf einen tiefen Schluchzer folgte ein lauthalses Lachen Araloths, welches von einem Kuss Briannas erstickt wurde.
Hastig sprang sie auf und packte Araloth an den Händen. „Komm mit…und vergiss die Kerze nicht!“, forderte sie ihn auf, bevor sie mit ihm die Treppe hinaufstieg. Ihren Instinkt folgend fand sie auf Anhieb das Schlafzimmer, welches unversehrt schien.
„ Brianna was machen wir hier?“, fragte der Diplomat aus Dol Amroth vollkommen irritiert.
„ Psst“, zischte Brianna und fing an Araloth innig zu küssen. Sie stieß ihn aufs Bett und legte sich auf ihn. Ihre Hände fuhren über seinen nackten Oberkörper. Die feinen schwarzen Härchen auf seiner Brust, wie am unteren Bauch kitzelten sie leicht. Als sie anfing seine Brustwarzen zu küssen und ihn über die ausgeprägten Bauchmuskeln zu streicheln.
„ Hier…jetzt“, keuchte Araloth, der die Anspannung kaum noch zurückhalten konnte?
Sie hob langsam den Kopf und nickte, während sie sich vorbeugte und ihn ins Ohr flüsterte, „ Ich möchte dir noch einmal ganz nahe sein. Dich noch einmal in die Arme schließen, bevor wir dieses Haus verlassen. Hinaus gehen auf die Straße, wo uns Hass und Tod entgegen treten, die uns entzweien wollen. Ich möchte dich hier und jetzt noch einmal lieben, denn dies könnte die letzte Gelegenheit sein!“.
Araloth nickte, drehte Brianna zur Seite und fuhr ihr durchs schokobraune Haar.
„ Ich liebe dich Brianna. Ich liebte dich seit unserer ersten Begegnung. Nie wieder möchte ich von dir getrennt sein.“
Brianna lächelte mitleidvoll und sie unterdrückte die Tränen, die ihr in die Augen stiegen.
„ Ich weiß mein Schatz, aber wir müssen voneinander getrennt sein, damit wir zusammen sein können“, flüsterte sie, „ aber dieser Moment liegt noch fern, lass uns im Hier und Jetzt verharren!“.
Araloth nickte und lockerte den Verschluss seines Gürtels und zog sich aus.




Brianna hatte sich dicht an Araloth geschmiegt und spielte mit seinen Brusthaaren. Immer wieder zwirbelte sie, bevor sie sie wieder sorgfältig glättete. Sie konnte seinen Herzschlag vernehmen. Sie wirkten wie eine Einheit, wie sie splitterfasernackt auf dem Bett lagen. Dicht ineinander verschlungen, die Zeit überdauernd.
Araloth räusperte sich und Brianna blickte ihn mit freudestrahlenden Augen an.
„ Brianna…“, setzte er an, aber ihn versagte die Stimme.
„ Ja..?“, forderte sie ihn auf, seinen Satz zu beenden.
„ Willst du meine Frau werden?“.
Brianna schluckte, „ Ich bin schwanger…“

Ein lautes Poltern im unteren Geschoss ließ die beiden Hochschrecken und panisch blickten sie sich an.


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Vexor

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Re: Die Straßen von Minas Tirith
« Antwort #33 am: 17. Jun 2011, 23:59 »
Jetzt bin ich schon zwei Wochen unterwegs und ich kann ihren Anblick immer noch nicht vergessen…Ich vermisse sie einfach so wahnsinnig

Um nicht mehr an ihre verstorbene Freundin denken zu müssen, raffte sich Brianna auf und schob die schweren Vorhänge zur Seite. Blutrot schimmerte der Horizont und sie erspähte, wie sich die Sonne schwer hinter dem weißen Gebirge niedersenkte. Sie entzündete ein paar Kerzen und betrachtete sich im Spiegel.
Unter ihren braunen Augen zeichneten sich tiefe, schwarze Furchen ab. Sie hatte in den letzten Wochen kaum geschlafen. Immer wenn sie die Augen schloss hörte sie wieder die Schreie der Ostlinge und sie vernahm den Geruch der verbrannten Haut. Obwohl sie diese Erinnerungen immer noch mehr schätzte, als der Anblick Rhias auf dem Totenbett.
Mit kühlen Wasser, welches ihr die Besitzerin der Herberge aufgefüllt hatte, wusch sie ihr Gesicht und flocht ihre Haare zu einem Pferdeschwanz.
Vielleicht bringt mich ein Spaziergang auf andere Gedanken.

Die Stufen knarrten als sie hinabstieg, um die Herberge zu verlassen. Die Besitzerin, eine alte Frau um die Sechzig, döste in einem kleinen Schaukelstuhl. Neben ihr eine halbleere Flasche Portwein.
Leise öffnete Brianna die Tür, aber auch sie gab ein bitterliches Knarren von sich, welches bewirkte, dass sich die alte Frau verschluckte und erschrocken aus dem Schaukelstuhl auffuhr.
„Kindchen jetzt haben sie mich aber erschreckt“, röchelte die Alte und setzte sich wieder bequem hin. Es dauerte einen Moment bis sie die Lage verstanden hatten.
„ Sie wollen doch jetzt nicht etwa um die Zeit noch nach draußen?“, skeptisch musterte sie Brianna, „ Immerhin gibt es in der Gegend hier Wölfe und in diesen Tagen weiß man sowieso nie, wen oder was man in den Wäldern antrifft. Weiter östlich hier ist das Gut des alten Beorn. Seltsamer Zeitgenosse, wenn Sie mich fragen. Viele hier in der Gegend schätzen ihn, aber ich konnte ihn noch nie wirklich leiden. Wie das Leben so spielt nicht war….“
Brianna hörte geduldig zu, wie sich die Alte über dieses und jenes beschwerte, obwohl sie kein Wort behielt, dass ihr die Frau zutrug. Nach einer Viertelstunde höflichen Nickens und ab und zu eines Aha‘s und Achso‘s, gestattete ihr die Alte unter der Bedingung zu gehen, dass sie in spätestens einer halben Stunde wieder zurück sei, da sie dann die Herberge abschließen wollte.
„ Nicht, dass dieser Beorn kommt und ihnen den Portwein wegtrinkt“, scherzelte Brianna und die Alte lachte lauthals auf und nickte. Brianna musste unweigerlich an eine alte Krähe denken.

Die kühle Nachtluft umspülte sie und drang in jede einzelne ihrer Poren ein. Die Herberge lag auf einen kleinen Hügel und Brianna musste ein paar Minuten gehen, um dem Schein der erleuchteten Fenster zu entgehen.
Nach kurzer Zeit vernahm sie das Plätschern eines kleinen Baches, der an beiden Seiten von Bäumen und Sträuchern gesäumt war.
Sie atmete tief ein und schritt auf den Bach zu. Er war nicht sonderlich breit. Hätte Brianna Anlauf genommen, sie hätte es wohl in einem Sprung auf die andere Seite geschafft. Jedoch war er tief. Brianna nahm einen Stock, der am Ufer lag, und versuchte den Grund des Baches zu ertasten. Erst als sie Handgelenktief ins Wasser gelangt hatte ertastete sie Steine am Grund des Baches. Das Wasser wäre Brianna wohl bis zum Bauchnabel gegangen.
So entschied sie sich lediglich die Füße ins kalte Nass zu tauchen und der Stille der Natur zu lauschen.

Ihre Ruhe wurde von herannahendem Hufgetrappel gestört. Erschrocken sprang Brianna auf, nahm ihre dünnen Schuhe und versteckte sich im Schatten des Waldes.
Sie erspähte ein dunkelbraunes Ross, welches ein großer, athletischer Mann an einem Baum festband.
„ Ruhig Laslo“, flüsterte er ihm zu, „ gleich können wir weiter!“.
Brianna stockte der Atem als sie sah, wie sich der Mann seiner Sachen entledigte und sie achtlos ans Ufer warf.
Sie musterte ihn ganz genau und errötete. Ihre Augen ertasteten jedes Detail seines Körpers ganz genau. Von seinen kräftigen Waden, über seine muskulösen Beine, über sein Geschlecht bis hin zu seinem kantigen mit leichtem Bart besetzten Gesicht. Er hatte seine schulterlangen, schwarzen Haare zu einem Zopf gebunden.
Langsam stieg er ins Wasser und wusch sich genüsslich ab. Brianna war außer Stande sich zu bewegen und starrte unerlässlich auf den nackten Fremden. Noch nie zuvor hatte sie einen Mann nackt gesehen.
Schlussendlich fand sie doch den Mut sich zu bewegen und versuchte leise davon zu stapfen. Doch ungeschickt stieg sie auf ein paar trockene Äste und erschrocken drehten sich beide um. Brianna, weil sie sehen wollte, ob der Fremde sie gesehen hatte, Araloth, weil er dachte ein Angreifer wäre in der Nähe.
Als sich ihre Blicke trafen setzte der Fremde ein verschmitztes Lächeln auf.
„  Laslo ich wusste gar nicht, dass wir beobachtet werden“, rief er dem Ross zu, welches schnaubte.
„ Junge Dame ich finde es jetzt aber schon ein wenig traurig. Wenn ich ein Etablissement besuchen würde, um Frauen zu sehen, dann müsste ich Geld bezahlen. Wie sieht das mit jetzt mit Ihnen aus?“, entgegnete er ihr süffisant.
Brianna versagte die Stimme, sie konnte nur ungläubig auf den Mann starren der gerade aus dem Wasser stieg und ihr Blick wanderte unweigerlich nach unten.
Jener folgte ihrem Blick und lächelte ihr verstohlen zu. Sofort fing Brianna an zu stammeln und brachte nur ein „ Entschuldigung“ heraus.
Der Mann lächelte ihr immer noch verstohlen zu und ließ sich sichtlich Zeit sich abzutrocknen und eine Hose überzustreifen. Nachdem er Hose und Stiefel angezogen hatte, das Hemd hatte er absichtlich weggelassen, brachte Brianna immer noch kein Wort heraus.
Der Fremde ergriff erneut die Initiative, „ So wie klären wir das jetzt mit der Bezahlung? Im Übrigen mein Name ist Araloth und ihrer?“.
Brianna nickte höflich und weil ihr nichts anderes einfiel streckte sie ihm die Hand zum Gruße aus und wisperte, „ Brianna aus Thal.“
Im selben Moment hätte sich Brianna für ihre peinliche Darbietung am liebsten ohrfeigen können, doch Araloth nutzte die Chance, ergriff die Hand und zog die Frau aus Thal zu sich.

„ Brianna welch ein schöner Name, aber noch viel schöner sind deine Augen“, flüsterte er ihr verführerisch zu, während er sich fester an sie schmiegte.
Die Frau aus Thal war wie Wachs in seinen Händen. Einfach alles an diesem Mann fand sie anziehend und so gab sie sich ihm hin, als seine Lippen näher kamen und die ihren bedeckten.
Die Zeit schien still zu stehen, als Araloth sie küsste. Nach einiger Zeit fand sie die Beherrschung über ihren Körper zurück und löste sich aus Araloths Armen. Sie fuhr sich noch einmal über die Lippen bevor sie wieder zurück zur Herberge sprintete.




„ Du bleibst hier und rührst dich nicht vom Fleck“, schärfte Araloth ihr ein, zog sich schnell seine Hose über und ergriff ein Schwert. Langsam und Schritt für Schritt stieg er die Treppen hinab und gelangte zurück ins Wohnzimmer. Es dauerte einen Moment bis sich seine Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, doch es dauerte nicht lange bis er den Ursprung des Lärms ausfindig gemacht hatte.

Zwei wimmernde und schluchzende Gestalten kauerten in der Ecke. Araloth rief Brianna herbei, die, bereits angezogen, mit der Kerze in der Hand zu im trat.
Als das Licht den Raum erhellte erkannten die beiden, dass die Gestalten, die den Lärm verursacht hatten, zwei Kinder waren, wohl um die fünf bis sieben Jahre.
Die ältere von beiden hob abwehrend die Hände in die Luft, als Araloth und Brianna auf sie zutraten.
„ Nehmt mich, aber verschont meinen Bruder. Er ist doch erst fünf Jahre alt“, schluchzte sie.
Araloth schüttelte nur irritiert den Kopf und machte noch einen Schritt auf sie zu, da er die beiden trösten wollte, doch das Mädchen schrie nur auf und umklammerte ihren kleinen Bruder.
„ Araloth…das Schwert“, raunte Brianna ihn an und als Araloth ihre Intention verstand war er das Schwert, welches er bis zu diesem Moment hoch erhoben in der Hand gehalten hatte, weg als wäre es etwas Giftiges.
„Ruhig“, flüsterte Brianna und stieg zu den beiden, um ihnen beruhigenden über den Kopf zu tätscheln. „ Ganz ruhig es wird euch sicherlich nichts mehr passieren.

Araloth war inzwischen aus dem Haus gegangen, um die Lage in der Straße zu eruieren. Er kam mit weit aufgerissenen Augen wieder rein.
„ Brianna ich hol noch schnell unsere Sachen von oben, dann müssen wir weiter. Da kommt plündernd und brandschatzend eine Horde Orks. Sie stecken einfach wahllos jedes Haus in Flammen!“
Brianna nickte nur und schaute den beiden Kindern in die Augen. Jene nickten ebenfalls stumm und zu viert verließen sie das Haus.
Die Orks hatten sie nicht bemerkt und so rannten sie die Straße hinab.




Die Alte fummelte gerade am Schloss herum als Brianna außer Atem an der Herberge an kam.
„ Und ich dachte schon ein Wolf hätte Sie hübsches Ding gefressen“, feixte die Frau und bedeutete ihr einzutreten.
Wortlos trat sie ein, rannte die Treppe hinauf und schloss die Tür hinter sich, als sie ihr Zimmer betreten hatte. Sie atmete tief ein und verdaute erst einmal das Geschehene, bevor sie sich aufs Bett legte und einschlief.



Brianna, die beiden Kinder an der Hand, rannte Araloth hinterher, der sich immer zuerst vergewisserte, ob die Straße oder Gasse auch rein war, bevor sie sie wählten.
Sie kamen an einem Haus vorbei, welches erst vor kurzem in Brand gesteckt worden war und entdeckten getötete Orks davor.
Das Mädchen quiekte kurz auf und drückte sich fest an Brianna.
„ Ist das jetzt gut oder schlecht für uns“, fragte die Kräuterfrau Araloth, der sich besorgt umdrehte.
„ Ich weiß es nicht. Momentan gibt es glaube ich nur schlechte Varianten“, erwiderte Araloth und die Ausweglosigkeit ihrer Situation zauberte den beiden ein paradoxes Lächeln auf die Lippen.
„Wenn wir der Straße hier folgen kommen wir zum Haupttor, wodurch wir fliehen können…“, er zögerte kurz, „wodurch ich fliehen kann.“ Und seine Stimme hörte sich traurig an, als er die Worte aussprach.
Brianna blickte nur wortlos auf die zwei Kleinen, die sich an sie schmiegten und Araloth nickte. Sie ging kurz in die Hocke.
„ Na ihr?“, sagte sie mütterlich, „ Wie heißt ihr denn überhaupt? Ich bin Brianna und der Mann da ist Araloth“. Brianna schenkte ihnen das aufrichtigste Lächeln, das ihre Situation hergab. Von überall her, war Schlachtgetümmel zu hören und die Stadt leuchtete hell. Der Himmel war wie ein Grabstein, der über der Stadt und ganz Mittelerde lastete.
Der kleine junge schaute nur zu seiner Schwester, welche Brianna unschuldig musterte und langsam stotterte, „ Ich…ich…bin Talea und das hier ist Cheren!“
„ Das sind aber schöne Namen“, ergänzte Brianna liebevoll und stupste Cherens Nase, der daraufhin lächelte.
„ Was ist denn mit eurem Haus passiert?“, fragte Araloth etwas forsch und verschreck schüttelte Cheren den Kopf. Talea jedoch fuhr in ihrer Erzählung fort.
„ Mami und Papi waren am Vormittag in der Stadt. Sie haben uns allein gelassen, weil wir ja nicht mehr in die Schule dürfen, weil wir aus Dol Amroth sind.“
Araloths Augen glänzten auf einmal, als er den Namen seiner alten Heimatstadt vernahm.
„ Am Nachmittag kam dann unsere Nachbarin und sagte, dass unsere Eltern nicht mehr kommen würden.“ Auf den verwunderten Blick Briannas fuhr Cheren sich mit dem Zeigefinger über die Kehle und die Frau aus Thal schleckte schwer.
„ Seit dem haben wir uns im Haus versteckt“.
„Hinter Mamis alten Mänteln im Schrank“, ergänzte Cheren mit piepsiger Stimme.
„ Zwischenzeitlich kamen Männer und haben alles verwüstet“, fuhr Talea traurig fort und Cheren fing an zu Weinen. Beruhigend wiegte ihn Brianna im Arm.
„ Habt ihr noch Verwandte in Minas Tirith?“, unterbrach Araloth die Stille, dem es sichtlich unwohl war so lange an einem Fleck zu verharren.
Cheren nickte und Talea sprach für ihn, „ Nunja Verwandte sind es nicht wirklich, aber die Freundin unserer Eltern wohnt hier..“
„ Tante Heliá“, warf Cheren ein.
„ Dann bringen wir euch zu ihr“, verkündete Brianna.


Brianna hatte beschlossen am folgenden Morgen abzureisen. Sie hatte gerade ihr Bündel gepackt, als es an der Tür klopfte.
Genervt öffnete Brianna und ihr stockte der Atem.
Araloth stand mit einem Strauß frischer Rosen vor ihr und lächelte charmant. Sie folgte dem ersten Reflex und wollte die Tür wieder zuschmeißen. Araloth jedoch hatte damit gerechnet und stemmte seine Hand dagegen.
Widerwillig ging Brianna einen Schritt von der Tür weg und ließ den Fremden eintreten.
„ Wie…“, setzte Brianna an.
„ Die Alte…nach ein paar Münzen und ich denke auch ein paar Gläsern Portwein sprudelte es gerade so aus hier heraus“, erklärte Araloth und lächelte dabei. Dasselbe Lächeln, welches sie die ganze Nacht bereits um den Verstand gebracht hatte.
„ Und was willst du hier?“
Ohne ein weiteres Wort zu verschwenden, schloss er die Tür hinter sich und küsste Brianna, während er sie liebevoll aufs Bett legte.
Überwältigt von der Überzeugtheit Araloths ließ sie sich von ihm führen. Half ihm dabei sich auszuziehen und entledigte Araloth seiner Kleider.
Sie gab sich dem Fremden vollkommen hin, während er sie so heiß und innig liebte, wie sie es sich nicht hätte vorstellen können.

„ Vielen Dank, dass Sie sie gefunden haben“, sagte Heliá, die Talea und Cheren hoch ins Bett geleitet hatte.
„ Nichts zu danken“, erwiderte Araloth und beide wünschten den Kleinen alles Gute. Sogar Araloth erntete eine Umarmung der beiden Kinder, bevor Heliá hastig die Tür schloss und alle Lichter im Haus löschte.
„ Die Stadt ist voller Angst und Misstrauen…sie hielt uns am Anfang für Mörder Araloth“, sagte Brianna traurig, als sie sich vom Haus im zweiten Ring entfernten. Araloth nickte leise und küsste ihren Kopf.
Der Weg hinunter zum Haupttor erschien Brianna wie ein Katzensprung und ohne weitere Zwischenfälle passierten sie die Straßen.
Das Haupttor war schon in Sichtweite, als Araloth Brianna am Arm packte und in den Schatten eines Eingangs zerrte.
„ Was ist…“, doch ihr empörter Ausruf wurde von einem innigen Zungenkuss erstickt.
Die Wahrheit brach über sie herein, wie ein Sturmgewitter. Dies war der letzte Moment in dem sie Araloth wiedersehen würde, für eine lange Zeit, wenn nicht für immer.
Vor kurzem hatten sie sich erst wieder gefunden und jetzt mussten sie sich schon wieder trennen.
Brianna schüttelte nur den Kopf und schluchzte, die Tränen unterdrückend, die in ihr emporstiegen.
„ Das ist nicht fair…nicht jetzt…nicht so“, wisperte sie.
„ Ich weiß“, seufzte Araloth und legte seine Stirn an ihre, „Ich weiß!“
„ Ich kann dir jetzt nicht lange auf Wiedersehen sagen Schatz, deswegen bekommst du nur eine Antwort: Ja ich will!“, schluchzte Brianna und wischte sich die ersten Tränen aus den Augenwinkeln.
Araloth lachte, bevor ihm auch die Tränen kamen.
„ Pass gut darauf auf“, fügte er schlussendlich hinzu und streichelte Brianna über den Bauch, „ und vergiss nicht die Wunde zu reinigen!“.
Brianna küsste ihren Verlobten und schob ihn von sich auf die Straße, wo er nach kurzem Zögern Richtung Tor lief.
Kurz bevor er Briannas Sichtfeld verließ, drehte er sich um und rief, „ Ich schreibe dir, wenn ich zur Ruhe gekommen bin. Wenn der Wind meinten Namen nicht mehr Flüstern muss und die Schatten sich verzogen haben.“
Brianna lächelte gequält, warf ihn einen Luftkuss zu, bevor sie heulend im Hauseingang zusammenbrach, als sie Araloth durchs Haupttor schreiten sah.

Araloth lag auf dem Bauch, als die Nachmittagssonne seinen Rücken streichelte. Einen Moment musste er sich orientieren, bevor er wieder wusste, was passiert war.
Ein Blick ins Zimmer genügte, um zu wissen, dass Brianna weg war. Sie hatte sogar ihre Seite des Bettes noch ordentlich zu Recht gemacht. Sonst war es immer Araloth, der noch in der Dämmerung verschwand, um die Frauen allein zu lassen.
„ Sie ist etwas Besonderes“, flüsterte er in die Stille.
Auf ihren Kopfkissen fand er einen Brief, auf dem eine der Rosen lag, die Araloth Brianna mitgebracht hatte.
Mit zittriger Hand öffnete er den Brief, der auf vergilbtes Pergament in feiner Handschrift geschrieben hatte.
Lieber Araloth,
Wir haben uns zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt getroffen. Ich verließ Thal, um einen klaren Kopf zu bekommen, um die Welt zu sehen. Ich reiste quer durch den Düsterwald und sehne mich danach noch mehr zu sehen. Den Goldenen Wald oder Bruchtal. Die Heilkünste der Elben sollen überragend sein. Dennoch bedeutet mir unsere gemeinsame Nacht so viel.
Deswegen schreibe ich dir, wenn ich zur Ruhe gekommen bin. Wenn der Wind meinten Namen nicht mehr Flüstern muss und die Schatten sich verzogen haben.

In Liebe Brianna

P.S: Die Rosen sind wunderschön.


Araloth auf die Pelennor-Felder
« Letzte Änderung: 20. Feb 2016, 10:21 von Fine »


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Re: Re:Die Straßen von Minas Tirith
« Antwort #34 am: 18. Jun 2011, 16:37 »
Vielleicht war es das allgemeine Schlachtgewimmel, das in der Stadt herrschte, oder es war der Traum gewesen, der Brianna aus dem Schlaf riss.
Der Bürgerkriegsähnliche Zustand hatte mittlerweile schon den dritten Ring erreicht. Vereinzelt stiegen Rauch und Flammen aus dem Ring empor, den Brianna ihre Heimat nannte.

Die Kräuterfrau setzte sich auf. Sie war in dem Schatten des Eingangs eingeschlafen, wo sie Stunden zuvor unter Tränen Araloth verabschiedet hatte.
Rasch drehte sie den Kopf beiseite und erhoffte sich noch einmal das Gesicht ihres Verlobten zu sehen. Sich noch einmal in seinen starken Armen vollkommen behütet und geschützt zu fühlen.
Doch da war nichts. Gähnende Leere und Dunkelheit breitete sich um das Tor aus. Die Randalierenden waren anscheinend vollkommen weiter hinauf gezogen, um die Stadt in Schutt und Asche zu legen.
Brianna versuchte aufzustehen, doch ihr Rücken schmerzte so sehr. Sie musste sich wohl auf den kalten Steinboden verlegen hatten. So verharrte sie noch einen weiteren Moment auf den Boden sitzend und schrieb mit ihren  Fingern Brianna und Araloth in den staubigen Untergrund.

Die ersten beiden Ringe waren wie leergefegt und Brianna fürchtete nach jeder weiteren Ecke oder Kurve einem Ork, oder anderen wütenden Menschen in die Arme zu laufen. Sie hielt sich bedeckt und sprang, wie eine Katze von Schatten zu Schatten, um nicht entdeckt zu werden. Die meisten Feuer in den unteren Ringen waren bereits wieder erloschen, oder hatten nichts Neues mehr zum verzehren gefunden, wodurch sie nur noch leise vor sich hin loderten.
Sie wollte gerade die Stufen zum dritten Ring passieren, als sie laute Stimmen vernahm. So machte sie ein paar Schritte rückwärts und verbarg sich hinter einem Stapel Holzscheite.
Am oberen Ende der Treppe konnte sie ein zwei Gestalten ausmachen. Der eine war klein und gedrungen, trug aber ein krummes Schwert bei sich. Es dauerte einen Moment bis sie erkannte, dass es ein Ork war.
Der andere war eindeutig ein Mensch, welcher hochgewachsen und stattlich war. Die aschblonden Haaren ordentlich gekämmt.
Die Entfernung und das Schlachtgeschrei verhinderten, dass Brianna die ganze Unterhaltung hören konnte, doch war sie in der Lage ein paar Fetzen aufzuschnappen.

„  Der Nazgûl und seine Dienerschaft sind geflohen“, krächzte der Ork mit einem furchtbar gebrochenen Westron.
Die lange Pause des Menschen auf diese Wort verriet Brianna, dass ihm diese Wendung nicht zusagte.
„ Haltet auf jeden Fall die letzten Ringe….Herumor darf nichts passieren“, hallte die Stimme des Menschen durch die Gassen.
Ehe Brianna mehr Fetzen der Unterhaltung aufschnappen konnte, waren die beiden schon von der Bildfläche verschwunden und nach einigen Minuten machte sich Brianna auf in den Dritten Ring. Sie wollte in ihrem Laden vorbeischauen, um ein wenig Alkohol zum Desinfizieren zu holen.
Die Hitze im Dritten Ring war unerträglich, irgendwo in der Nähe der Straße musste etwas lichterloh brennen. Ruß und Hitze trieben ihr die Tränen in die Augen und so beschleunigte sie ihren Schritt und erreichte nach ein paar Metern die Gasse, die zu ihrem Laden führte.

Die Hitze nahm immer mehr zu und als sie die Straße betreten hatte, riss sie ihre Augen weit auf.
Die Quelle des Feuers war nichts anderes als ihr eigener Laden gewesen. Vor ihm machte sie eine Handvoll Soldaten Herumors aus und an ihrer Spitze ein dürrer Mann, gekleidet in einen edlen purpurfarbenen Mantel. Den dünnen Schnurrbart, der seine Lippen krönte, hätte Brianna jeden Moment wieder erkannt.
„LUCIUS“, brüllte sie wutentbrannt und mit süffisanten Lächeln drehte sich der Stadtrat um, als hätte er sie bereits erwartet.
Sein Lächeln wuchs an, als er die Kräufterfrau aus Thal erblickte, und wie zum Hohn und Spott seine brennende Fackel den Flammen übergab, die sich aus Briannas Laden züngelten.


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Re: Die Straßen von Minas Tirith
« Antwort #35 am: 30. Jul 2011, 17:16 »
Das Glas ihres Schaufenster quietschte und es schien Brianna so, als würde es vor Schmerzen schreien, bevor es barst und Scherben auf das Straßenpflaster spuckte, wie ein Kranker Blut.
Lucius hatte sich vor die fünf Soldaten gestellt, die ihn begleiteten und kichernd und grunzend hinter ihrem Herren standen. Die Flammen, die wie giftige Schlangen aus dem Laden herausbrachen, , verzerrten die Gestalt des Stadtrates zunehmend.
Seine aschblonden Haare brannten förmlich und sein purpurfarbenes Gewand glühte im rotgoldenen Schein des Feuers.

„ Na da schau an, wer wie die Ratte aus seinem Bau gekommen ist. Ich wusste bei Ungeziefer hilft es immer ein wenig Auszuräuchern“, spottete der Stadtrat und hob belustigend seine Arme, um die Soldaten hinter ihm zum Lachen aufzufordern. Als Brianna schwieg fuhr Lucius gelangweilt fort.

„ Aber du bist ja allein…wo sind denn deine Begleiter? Die Hure Paola?! Der widerwärtige Verräter aus Dol Amroth?! Das Weibsbild Elea?! Wo sind sie denn alle? Habe ich wirklich nur dich hierher gelockt? Versteh das nicht Falsch Püppchen…“, jede einzelne Silbe spuckte ihr Lucius mit solcher Verachtung für die Füße und kam mit jedem Wort einen Schritt auf sie zu, bis er direkt vor ihr Stand. Süffisant lächelte er auf sie herab und zwirbelte sich die Enden seines Schnurrbartes, bevor er fortfuhr, „…ich bin froh, dass du hier bist. Aber du bist nur ein kleiner Fisch und leider nichts wert im Vergleich zu deinen widerlichen Begleiterin!“.

Er griff mit entschlossener Hand ihren Kiefer und zwang sie so ihn anzusehen, bevor er sich langsam noch vorne beugte und seine Visage immer näher kam. Brianna hatte schon befürchtet er würde versuchen seine widerwärtige Zunge in ihren Rachen zu stecken, doch er beugte sich nur neben ihr Ohr flüsterte leise. Der heiße Atem an ihren Hals und der faulige Geruch nach Lavendel, Schweiß und Ruß, die Lucius absonderte forderten Briannas Würgereiz heraus doch hielt sie ihm stand, während der Stadtrat seine giftigen Worte in Briannas Ohr setzte, wie die Brut einer ekelhaften Spinne.

„ Bring mir Araloth zurück und dir und deinen Freunden wird nichts passieren!“.
Für einen Moment verharrten sie so und nichts außer dem Gemurmel der Soldaten und das Knistern des Feuers, dass sich durch Briannas Kräuterladen fraß wie eine Bestie mit unstillbarem Hunger, waren zu vernehmen.

„ Warum sollte ich das tun, Lucius?“, erwiderte Brianna, ebenfalls flüsternd, „ Warum sollte ich dir den Mann ausliefern den ich liebe?“.
Lucius lachte lauthals und Brianna erschrak fast zu Tode, aber dennoch löste er sich nicht von ihr, sondern blickte ihr wieder streng in die Augen.
„ Du LIEBST ihn? Wie lächerlich meine Liebe. Niemand liebt diesen Mann außer mir!“, schrie Lucius und spuckte Brianna ins Gesicht. „ Niemand hat ihn je so geliebt wie ICH!“.
Die Frau aus Thal kochte vor Wut, doch die Angst lähmte sie. Die Angst vor den Männern, die nur fünf Meter hinter Lucius standen. Die Angst vor dem Stadtrat selber, der sie mit fast wahnsinnigen Blick musterte.

„ Wenn du es nicht deinetwegen tust, dann denke doch wenigstens an die Hure Paola, die oben im Palast gefangen gehalten wird!“, fuhr Lucius nun gefasster fort und versuchte wieder zurück zu seinem verachtenden, süffisantem Tonfall zu finden.
Als Brianna den Namen hörte wurde sie kreidebleich und als Lucius das sah, lächelte er höhnisch. Doch die Kräuterfrau gab nicht nach, sondern starrte betreten auf den Boden, was Lucius wieder dazu veranlasste ihren Kiefer schmerzhaft nach oben zu zerren.
„ Wenn du es nicht mal für diese dreckige Hure tun kannst, dann tu es immerhin für dein ungeborenes Kind!!“.

Die knochigen Finger, die Briannas Bauch tätschelten, waren wie kleine Dolche die sich durch ihr Fleisch direkt ins Herz ihres ungeborenen Kindes bohrten.
Auf einmal kam es Brianna so vor als würde sie neben sich stehen. Als beobachte sie die Szenerie zwischen den zwei Personen, die so eng aneinander standen, als wären sie ein Liebespaar.

Brianna holte aus und rammte Lucius die Scherbe ins Auge, die sie aus dem Haus vor ein paar Stunden mitgenommen hatte als Erinnerung an Araloth, und zog sie vom unteren Lidrand über die gesamte Wange bis sie in den Mundwinkeln hängen blieb und abrutschte, sodass sie klirrend zu Boden fiel.
Der Schrei des Stadtrates war so verzerrt und laut, dass Brianna das Mark in den Knochen gefror und gleichzeitig ihre Ohren schmerzten. Er brach wimmernd und sein Gesicht haltend vor ihr zusammen.
Es dauerte einen Augenblick bis seine Leibwachen verstanden hatten und es Brianna erkannte, als wären sie sich nicht sicher, ob sie erst Brianna jagen oder ihrem Herren helfen sollten.

„ In Deckung!“, ertönte es plötzlich hinter ihr und Brianna drückte sich an die Häuserwand. Eine Pfeilsalve segelte an ihr vorbei und brachte zwei der fünf Soldaten zu Fall.
Irritiert erblickte sie mindestens zehn Männer und Frauen, die am Ende der Gasse standen und nun mit gezogenen Waffen auf die Soldaten Herumors losrannten.
Der Überzahl waren die Männer nicht gewachsen und Brianna musste mit ansehen, wie sie erbarmungslos niedergeknüppelt worden.

„ Hier möchtest du es tun?“, durchbrach die Stimme der Frau, die Brianna zuvor auch gewarnt hatte, das Schweigen und hielt ihr das Schwert hin.
Sie alle hatten sich um den wimmernden Lucius versammelt, der in seiner eigenen Blutlache zappelte.
„ Ich…weiß…ich kann…“, fing Brianna an zu stottern, die immer noch nicht wirklich begriffen hatte was in den letzten Minuten passiert war.
„ Tu es! Immerhin hast du ihn zu Fall gebracht!“, forderte sie eine Männerstimme auf und die anderen brachen in Jubel auf.
Die Kräuterfrau nickte stumm und distanziert ergriff sie das Schwert und ließ es auf Lucius niederfahren.
Die Personen um sie herum jubelten, ein paar klopften Brianna auf die Schultern und ohne, dass sie es eigentlich wollte, wurde sie mit ihnen mitgerissen. Sie waren auf den Weg zu Herumors Palast.
Erst jetzt betrachtete Brianna ihre Hände und Arme, welche fast bis zu Elle komplett mit dem getrockneten Blut von Lucius bedeckt waren.


Brianna in den obersten Ring zur Zitadelle
« Letzte Änderung: 19. Feb 2016, 15:28 von Fine »


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Re: Die Straßen von Minas Tirith
« Antwort #36 am: 20. Aug 2011, 11:05 »
Elea und Beregond vom Weg ins Weiße Gebirge


Die unteren Ringe der Stadt waren leergefegt und die Soldaten samt Elea kamen schnell voran. Sie liefen über unzählige Leichname hinweg vorbei an gestürzten Steinstatuen und verbrannten Häusern. Hin und wieder sahen sie Bewohner die wirr durch die Straßen liefen und nach Hab und Gut oder vielleicht bekannten Gesichtern unter den Gefallenen suchten. In solch einem Bild hatte Elea die weiße Stadt noch nie gesehen.

So viele Opfer, so viel Leid. Die Stadt des Königs ist schmutzig und mit Blut besudelt. Das Volk hat sich untereinander so bekämpft und sich selbst tiefe Wunden zugezogen. Selbst wenn dieser Krieg vorbei ist, wird eine eiserne Front zwischen dem Volke Gondors stehen. Und an all dem hier ist nur Herumor schuld; und Sauron…

Die Dunedain wurde wütend als sie in ihrem Laufschritt über die Hauptstraße lief. Als die Truppe durch das steinerne Tor im vierten Ring lief und die Treppe hinauf, stießen sie wieder auf die ungebremsten Königsgetreuen. Der sechste Ring war überfüllt mit Menschen. Überall loderten Fackeln und blitzten Schwerter. Die Zitadelle thronte hoch oben, umringt von einem Flammenmeer. Wie ein reißender Gebirgsfluss packte sie der Menschenschwall und drückte sie langsam nach vorne.
„Das Tor! Das Tor… es wird gleich bersten!“, rief eine fremde Stimme und alle begannen laut zu johlen.
„Beregond!“, rief Elea und drehte ihren Kopf nach hinten „Wir müssen schneller nach vorne. Ich muss in die Zitadelle. Ich habe noch eine Rechnung mit Herumor zu begleichen!“

Entschlossen kämpfte sie sich ihren Weg durch die Menschenmassen in Richtung Tor. Immer wieder musste sie andere anrempeln oder sich elegant zwischen starken Männern hindurchschlängeln. Eine Faust traf sie im Gesicht, ein Ellenbogen seitlich bei den Rippen und haarscharf entging sie einem schwingenden Dolch, doch schließlich hatte sie ihr Ziel erreicht und das gerade rechtzeitig, denn plötzlich sprang das Tor auf.

Elea war sich nicht sicher, ob es gefallen war, oder ob es die Soldaten geöffnet hatten, denn wie auf Kommando strömten duzende in silberne Rüstungen gehüllte Wächter aus dem Tor heraus und begannen die Menschenmenge zurück zu drängen. Mit ihren Schwertern hämmerten sie auf die Vandalen ein und brachten so viele zu Fall. Einer kam auf Elea zu und erhob gerade seine Klinge gegen sie, als Beregond ihm gegenüber trat. Er packte die Frau mit festem Griff am Oberarm: „Seht nur wen wir hier gefunden haben! Ich bringe sie Herrn Herumor.“
Der Soldat schaute tief in Eleas Augen, ein fieses Lächeln war hinter dem Metall zu erkennen: „Es wir ihm diesen bitteren Tag versüßen!“
„Da bin ich ganz sicher!“, antwortete Beregond.
„Macht Platz für den Hauptmann!“, brüllte er zu den Soldaten die das offene Tor bewachten.

Ungehindert konnte die Truppe das Tor in die Zitadelle durchschreiten. Es war ein gelungener Schachzug von Beregond gewesen. Im Brunnenhof war geschäftiges Treiben. Die Soldaten und Wächter der Zitadelle brachten Holz herbei um die Tore zu sichern. Einige Bogenschützen hatten sich an der Mauer postiert und feuerten Pfeile nach unten um die Soldaten vor dem Tor zu unterstützten. Die Halle des Königs lag in einem bedrohlich roten Schein der Flammen, dahinter erhob sich die schwarze Silhouette des Mindolluin. Nur schweren Herzens ging Elea nochmals die Treppen hinauf. Vor dem Eingangstor blieb sie nochmals stehen und holte tief Luft. Der Horizont legte sich bereits in ein blasses Blau, der Morgen brach langsam herein.


Elea und Beregond zum Der Brunnenhof und der Zitadelle
« Letzte Änderung: 19. Feb 2016, 13:32 von Fine »
1. Char Elea ist in Bree  -  2. Char Caelîf ist in Palisor

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Re: Die Straßen von Minas Tirith
« Antwort #37 am: 23. Nov 2011, 00:03 »
Brianna und Paola von Briannas Wohnung


Hätte Brianna raten müssen hätte sie niemals getippt, dass diese Stadt – die Stadt in der sie nun seit mehreren Monaten lebte, die sie ihr Zuhause nannte – dass diese Stadt Minas Tirith war; denn die Stadt, die sich vor ihren Augen offenbarte, litt unerträgliche Schmerzen. Sie litt unter dem Verlust von Kind, Gatte und Freund. Sie litt unter dem eisernen Griff Saurons. Sie litt unter der Zwietracht, die ihre eigene Bevölkerung gegen sich selbst aufbrachte und sie schrie. Ja sie schrie so laut, dass Brianna die Ohren schmerzten, als sie mit Paola die altbekannten Straßen hinab schritten.
Das Grauen, dass sich ihr bot, nahm ihr jegliche Worte und so presste sie sich das senfgelbe Tuch noch Fester gegen den Mund, denn die Gerüche schienen sie ebenfalls zu übermannen.
Es stank so fürchterlich. Es stank nach verbranntem Fleisch, da hatte Paola nicht gelogen. Aber es stank nach mehr…nach Verrat. Verrat der Menschen an sich selbst.
Aber es würde nicht mehr lange dauern, da würde Brianna wirklich verstehen was dieser Geruch bedeutete.
Paola und Brianna passierten den Kräuterladen, oder vielmehr was davon übrig geblieben war. Es schien wie ein endloser schwarzer Schlund, der das fahle Sonnenlicht in sich aufsaugen wollen würde.
Die Kurtisane drehte sich mit mitleidvollem Blick um und flüsterte leise. „ Es tut mir so Leid Süße. Ich weiß, was dir der Laden bedeutet hat….verflucht sei der Tod, der nach allem greift, was nicht fliehen kann…und schlussendlich kann niemand mehr fliehen…“.
Die Verbitterung in Paolas Stimme traf Brianna wie ein Stich ins Herz und so umarmte sie ihre Freundin so fest sie konnte und hauchte leise:
„ Du tust dem Tod unrecht Paola. Er ist nicht das Übel, sondern nur der Leidvolle, der diesen Beruf ausführen muss….verurteile ihn nicht, sondern bemitleide ihn lieber!“
Verdutzt blickte Paola die Kräuterfrau aus Thal an und ihre Brauen kräuselten sich.
„ Woher hast du denn das?“
„ Meine Mutter!“, erwiderte Brianna knapp und sie bemerkte, wie sich Paolas Gesichtszüge wieder entspannten.





Wenn Mama und Papa unten in der Küche einen Auftritt vorbereiteten, oder gemeinsam den Tag ausklingen ließen, schlich ich mich immer herunter, denn ich wollte nicht gern allein sein. Ich fürchtete mich vor Monstern und bösen Geistern, die unter mein Bett kriechen konnten. So versteckte ich mich immer hinter dem Tresen und spielte mir ein paar Münzen, die ich in einer Ritze im Dielenboden versteckt hatte.
Ich sammelte Münzen, die ich auf der Straße fand, denn ich wollte mir eines Tages eine Stadt davon kaufen…
An diesen Abend hörte ich, wie Mama und Papa sich in der Küche unterhielten. Normalerweise klangen ihre Stimmen nicht so…so…böse. Vor allem Mama klang verärgert und verängstigt.

„Was meinst du damit du warst bei einer anderen Frau?“
„ Du weißt, dass die Situation anders war…und sein…sein…“
„ Wage es ja nicht ihn als Vorwand zu benutzen…oder glaubst du mir geht es besser seit er tot ist? Aber ich rannte nicht zu einem anderen Mann!!“
Tot ich fand schon immer, dass das ein seltsamer Begriff war. Oft redeten die Menschen auch von dem Tod, aber ich weiß gar nicht, was sie gegen ihn haben.
Ich fand, dass er ein ganz gemütlicher Zeitgenosse ist. Vor allem kann man sich so schön mit ihn unterhalten.

„ Joana du kannst dir nicht vorstellen, wie ich mich dafür schäme…“
Er kam mich oft besuchen in den letzten Wochen. Am Anfang war er noch ganz schüchtern, gehüllt in schwarzen Reisemantel. Als ich ihn das erste Mal sah, da besuchte er gerade den Nachbarsjungen. Der war immer so blass und hatte gelbe Augen, die waren so gelb wie die schönen Butterblumen, die auf dem Feldern vor den Stadtmauern blühten.
Nachdem der Tod den Jungen besucht hat war er nicht mehr da…vielleicht hat der Fremde ihn mit zu den Elben genommen. Seine Eltern waren furchtbar traurig, aber ich glaube es geht ihn besser dort….Reisen möchte ich auch mal gerne, aber ich möchte nicht, dass Mami und Papi auch so traurig sind, wenn ich die Elben oder Zwerge suchen gehe.

„ Lass uns nicht mehr streiten Falost…ich bin müde…und wir müssen stark sein…stark für Brianna…“

Als ich ihn das nächste Mal traf, da kam er zu mir, oder viel mehr zu unseren Hund -  er hieß Schnuffel. Den Namen hab ich ihn gegeben.
Aber in den Tagen bevor der Mann kam, schlief Schnuffel fast noch. Er wollte gar nicht, wie früher mit mir in den Wäldern spazieren gehen oder verstecken spielen.
Ich sah den Mann, wie er in der Nacht zu Schnuffels Bett kam, als ich mir ein Glas Milch holte.
Der Tod bemerkte mich und nickte mir kurz zu. Danach war Schnuffel verschwunden. Meine Mama sagte, dass er an einen besseren Ort war, aber das wusste ich bereits, denn der Tod hatte ihn ja mitgenommen…so wie den Nachbarsjungen.

„ Wunderst du dich nicht auch, dass Brianna nichts sagt…immerhin ist es jetzt bald zwei Jahre her…“
Das dritte Mal war fast genau zwei Jahre bevor meine Eltern sich stritten. Es war hellster Sonnenschein und ich spielt draußen an den kleinen Bächlein. Wir durften nie mit den anderen Stadtkindern spielen, denn wir waren ja Spielmannskinder. Man sagte unsere Eltern würden Kinder essen. Ich fand das schon immer seltsam…immerhin hab ich meine Eltern nie ein Kind zubereiten sehen…wir hätten ja nicht mal einen Kochtopf, wo eines reinpassen würde.
Ich spielte an den Tag am Bächlein, aber ich war nicht allein….

„ Beunruhigend finde ich es schon, aber andererseits scheint es ihr nicht schlecht dadurch zu gehen. Es scheint als hätte sie ihren inneren Frieden, damit geschlossen, dass er tot sei.“
„Ich spring über den Bach und bekomme von dir ein Honigbrot, einverstanden?!“
„ Ach der ist doch gar nicht breit!“
Er war auch nicht sonderlich breit und tief erst recht nicht. Gerade mal Knöcheltief mit vielen runden Kieselsteinen.
Das nächste woran ich mich erinnere ist rotes Wasser. So rot, wie wenn wir den Marktfrauen im Herbst zuschauen, wenn sie Obst zerstampfen, um leckeren Fruchtsaft zu gewinnen. Und kalte Füße. Ich hatte schrecklich kalte Füße vom Bach…aber es war ja auch schon mitten in der Nacht. Immerhin hatte ich Gesellschaft…der Tod.




Die Straßen Minas Tiriths waren völlig verwüstet. Hier und da lagen Leichen, teilweise zerfetzt und entblößt, geplündert von einer grausamen Nacht und den Ungeheuern, die sie still und heimlich, zerfleischend und brandschatzend, hervorgebracht hatte.
Nicht selten kamen weinende Personen den beiden entgegen. Oft trugen sie einen schlaffen und leblosen Kinderkörper. Oft aber auch nur ein Kleidungsstück.
Die Trauer legt sich wie ein Netz über die Stadt…bald wird sie alles und jeden hier ersticken und gefangen nehmen
Die nächste Straße, in die sie bogen war vollkommen verwüstet und in Briannas Gedächtnis flackerten Bruchstücke der gestrigen Flucht und Odyssee durch die Stadt auf. Bilderfetzen von Schlachtgewimmel, Zärtlichkeit und den Kopf einer Statue, die nun zu Brianns Füßen lag.
„ Paola wo wollen wir eigentlich hin? Ich habe in meinen Leben eigentlich schon genug Leid gesehen…ich brauche diesen Anblick nicht wirklich!“, protestierte Brianna zornig als Paola sich weiter machte.
Die Kurtisane drehte sich um und ihre kakaobraunen Augen flackerten böse.
„ Glaubst du ich nicht?! Wenn es nicht wichtig wäre, würden wir nicht gehen!“
So stapften sie weiter vorbei an Schutt, Asche und Tod, einen Ring weiter hinauf.



„ Weißt du der Tod ist nur ein armer Tropf. Er wischt den Menschen hinterher und räumt auf, was sie verwüstet haben….er erfüllt auch nur seine Aufgaben“, flüsterte Briannas Mutter und streichelte über ihren Kopf.
Brianna lag in ihren Bettchen und blickte hinauf zu dem Traumfänger, den ihre Mutter für sie gebastelt hatte.
„Ich weiß“, antworte sie, als wäre es überhaupt nichts Neues. Als würde ihre Mutter ihr erzählen, dass der Himmel blau, Süßigkeiten lecker oder sie ihre Eltern waren.
“Passt du auf ihn auf?“, fragte ich den Tod, der sich neben mich an Rand des Bächleins gesetzt hatte.
Er hatte auch die nackten Zehen  in das kalte Wasser gestreckte und nickte auf Briannas Frage hin. Die warmen Augen musterten mich kurz, bevor ich mit belegter Stimme fragte: „ Du musst gehen oder?“
Wieder ein Nicken.
„Bringst du dahin, wo der Nachbarjunge ist und Schnuffel?“
Wieder ein Nicken.
„Werde ich dich wieder sehen?“
Der Tod zuckte zusammen und ich konnte sehen, wie sich Wasser in seinen Augen sammelte, bevor er zaghaft nickte.
„Bald?“, fragte ich mit freudiger Stimme.
Wieder ein Nicken.
„Machs Gut!“
Und im nächsten Moment saß ich allein an dem Bächlein und der Tod war mit dem Jungen entschwunden. Den Jungen, den ich fünf Jahre lang als Bruder kannte. Der Junge, der starb weil er nicht über einen Bach springen konnte, ausrutschte und sich den Kopf aufschlug.
Der Tod und ich haben eine besondere Beziehung. Immer wenn er mich besuchen kommt – Mama, Papa, Rhia… – begrüße ich ihn freundlich…wie einen alten Bekannten.




„Paola das können wir nicht machen!“
Briannas Stimme hallte durch den Raum, als Paola das Schloss zur Schatzkammer knackte.
„Ich kann und ich werde…und sei ein bisschen toleranter immerhin war es dein Verlobter, der mich darum gebeten hatte.“
Sie befinden sich in einen der Gemächer, die wie Brianna feststellen konnte, das Gemach Herumors war. Es war säuberlich zusammengeräumt und das Bett fast penibel gemacht. Kein Anzeichen von der drohenden Verwüstung, die sich in Minas Tirith durch alle Ringe zog.
„ Da haben wir es schon“, triumphierte Paola und reichte Brianna ein Schwert und einen Siegelring.
„ Das sind die Gegenstände deines Liebsten und er möchte sie zurückhaben“, fuhr sie fort.
Brianna nickte nur und da sie kein Wort fand, dass ihre tiefe Dankbarkeit für diese Tat beschrieb, umarmte sie Paola bloß.
„Schon gut, schon gut. Genug der Gefühle. Wir sind noch nicht fertig. Einen Stopp haben wir noch!“

-----

Sie waren erneut auf den Straßen und Brianna musste blinzeln, als sie die unscheinbare Gestalt mit den wettergegerbten Reisemantel erblickte. Als sich ihre Blicke trafen, nickte jene nur und Brianna nickte zurück.

"Ich schlendre vorbei an der Häuserzeile,
mit der Sonne die Tag ein Tag aus vom Himmel sinkt,
Stunde um Stunde, Tag um Tag diese gewisse Meile,
während mir täglich der Tod zum Gruße winkt.

Er steht da gekleidet in gar unterschiedlicher Rob,
nimmt die Seelen der Toten behutsam an der Hand,
nur selten vernimmt er daraufhin auch nur ein Lob,
bevor das Bild sich auflöst hinter der nächsten Wand.

So schlendre ich Tag ein Tag aus,
vorbei am Tod der zum Abschied seinen Hute zieht,
pfeife ich fröhlich wenn ich komm nach Haus,
in der Gewissheit dass man den Bekannten morgen wieder sieht"


Paola und Brianna in die Taverne zum Schwarzen Bären
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Re: Re:Die Straßen von Minas Tirith
« Antwort #38 am: 17. Feb 2012, 20:13 »
...Elea von den Pelennor-Feldern, vor der Stadt

Schon im ersten Ring verließen Brianna und Paola die Dunedain. Ihr Ziel war klar, sie musste auf schnellstem Wege in die oberen Ringe. Beregond war sicherlich gerade in der Kaserne um mit den letzten der Wächter die Patrouillendienste einzuteilen.

Eilig lief sie die graue, vereinsamte Straße hinauf. Kein Mensch war zu sehen, doch plötzlich hörte sie einen lauten Aufschrei. Sie stoppte abrupt und starrte in eine schattige Gasse zu ihrer linken Seite. Der Klageschrei kam definitiv aus dieser Straße.
Elea hätte abwägen können, ob es wichtiger wäre weiter zu gehen oder dieser unbekannten zu helfen, doch das tat sie nicht. Instinktgesteuert lief sie in die Gasse die nach wenigen Metern eine Beuge nach rechts machte.
Es war düster und die Wände zum größten Teil noch mit Ruß befleckt. Am Ende der Gasse war ein Gebäude abgebrannt und scheinbar eingestürzt. Der Durchgang war versperrt. Vorsichtig tastete sich Elea nach vorne und überprüfte die offenen Fenster und Türen nach der hilfsbedürftigen Frau.

Da sah sie plötzlich eine schwarze Silhouette auf dem Boden eines Hauses liegen. Fahles Licht fiel von den hinteren Fenstern herein und warf einen langen Schatten auf den Boden. Eine Hand zuckte ein wenig.
Behutsam tappte Elea nach vorne. Mit ihrem Blick prüfte sie den Raum ab, doch der schien längst leer zu sein. Der Übeltäter musste scheinbar die Flucht ergriffen haben.
„Was ist passiert?“, flüsterte Elea entsetzt und kniete sich neben den Oberkörper der Frau. Sie bemerkte, dass Blut aus ihrer Nase tropfte und ihr Gesicht zerkratzt war. Sie nahm sie vorsichtig an der Hand, was der Fremden jedoch nur einen schmerzhaften Seufzer entlockte.
„Sag mir was geschehen ist? Wer hat dich so zugerichtet?“, fragte sie nochmals.
„G… g…“, stammelte sie leise. Die Dunedain beugte ihren Kopf knapp über sie. Der Stern an ihrer Halskette berührte dabei den Boden.
„G… g… ge… geh fo“, stotterte sie und keuchte dabei vor Schmerzen.
„Ich komme gleich wieder. Ich hole Hilfe, ich hole Hilfe“, antwortete Elea.
„Ne…ne… Nein“, hechelte sie, plötzlich stockte ihr Atem „Es“. Sie schluckte „E.. es… t… mir Leid.“ Die Fremde kniff ihre Augen zu und hielt die Luft an. Sie begann am ganzen Körper zu zittern.

Plötzlich entdeckte Elea den Schatten auf dem Boden. Erschrocken wich sie zurück und sah zur Eingangstür. Ein Mann, beinahe so groß wie die Tür stand darin.
„Wer seid ihr?“, fragte die Frau ängstlich.
Er antwortete nicht.
Aus Furcht schob sie sich auf den Händen abstützend ein wenig zurück bis sie an die hintere Wand des Raumes stieß. Der Fremde ging ein paar Schritte auf sie zu.
Sie tastete sich der Wand entlang nach oben bis sie völlig aufrecht stand. Mit ihren Händen versuchte sie etwas zu greifen, was sie als Waffe benutzen konnte, doch da war nichts.

Das blasse Licht spiegelte sich in seinen grausamen schwarzen Augen. „Versuchst du dieser Verräterin zu helfen?“, knurrte er.
„Ich… ich habe sie schreien hören“, stotterte Elea.
„Und eben wolltest du Hilfe holen“, stieß es ihm hervor.
„Sie stirbt ansonsten!“
„Ja, so wie es Verräterinnen wie sie verdient haben. Sieh dir ihr Gesicht an!“ befahl er herrisch und drückte mit dem Fuß ihr Gesicht in den Lichtstrahl vom vernagelten Fenster.
Ein leiser Schrei entfuhr ihr und ihre Mine verzerrte sich vor qualvollen Schmerzen. Elea erinnerte sich an das Mädchen. Es war als Helferin in den Heilhäusern beschäftigt.
Aus Verzweiflung lief Elea hin und gab dem Mann einen heftigen Stoß nach hinten. Dieser fing sich jedoch sogleich.

Der Ausdruck in seinen Augen verwandelte sich in Wut und war nun nur auf Elea gerichtet. Er stampfte eilig auf sie zu und stieß sie heftig gegen die Wand.
Beim Aufprall schmerzen ihre Schulterblätter. Seine Hand legte sich fest um ihren Hals und schnitt ihr die Luft ab. Mit ihren Händen wehrte sie sich. Sie zerkratze ihm das Gesicht, schlug ihm gegen den festen Körper, in die Rippen, doch all dies half nichts. Der Griff um ihre Kehle löste sich nicht.

Sie tastete wieder in ihrer Umgebung, um nach Gegenständen zu greifen, doch der Raum schien ziemlich ausgeräumt zu sein. In letzter Verzweiflung umfasste sie die Handgelenke des Angreifers und versuchte sie von sich wegzudrücken. Es gelang ein wenig, doch nicht genug. Sie spürte wie die Adern aus ihrem Hals quollen und die Luft immer knapper wurde. Elea presste die Augen  zusammen um all ihre Kraft aufzubringen. Plötzlich ließ die Spannung nach und der Körper der Frau hing schlaff zu Boden.
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Re:Die Straßen von Minas Tirith
« Antwort #39 am: 19. Feb 2012, 16:53 »
Gil-Annun von den Häusern der Heilung


Am darauffolgenden Tag brach Gil-Annun schnell auf. Die Sonne streckte gerade erst ihre ersten Strahlen über das Gebirge, als er von seinem Bett aufstand, seine Ausrüstung anlegte, den Elbenmantel um seine Schultern legte und sich aufmacht, die Häuser der Heilung zu verlassen. Auf dem Weg hinaus traf er auf Ioreth: „Es freut mich zu sehen, dass es Euch besser geht, Herr. Ihr müsst aber trotzdem Acht geben. Ach, wenn doch nur der Herr Elbenstein hier wäre. Jetzt haben wir nur noch Herr Faramir, auf den wir hoffen können.“ „Es wird hier nicht lange sicher sein“, antwortete Gil-Annun, „Saurons Zorn wird sich zuerst gegen Minas Tirith richten. Ich wünsche Euch Glück, Frau Ioreth, aber ich habe keine Hoffnung, dass wir uns unter dieser Sonne wiedersehen. Lebt wohl!“

Auf den Straßen von Minas Tirith herrschte trübe Stimmung. Obwohl einige der Häuser erleuchtet waren und auch die Straßen nicht menschenleer waren, kam es Gil-Annun so vor, als ob jeder in der Stadt wusste, dass die weiße Stadt bald fallen würde. „Sie fürchten sich. Anstatt hier auf das Ende zu warten, sollten sie in den Süden nach Dol Amroth oder in den Norden nach Rohan oder zu den Elben gehen. Aber nein, sie warten hier wie ein unschuldiger zum Tode Verurteilter auf seine Hinrichtung und machen keine Anstalten etwas an ihrem Schicksal zu verändern. Keine der Nachfahren Numenors sind sie, nur noch ein Schatten des alten Glanzes von Westnis. Minas Tirith wird fallen.“  
Am Tor sah er einige der Soldaten der Turmwache und wenige der Reiter auf Rohan. „Heil, Soldaten des Westens. Öffnet Ihr mir bitte das Tor, den ich will mich in den Süden aufmachen“, sagte er zu ihnen. „Seid mir gegrüßt. Ihr seid einer der Waldläufer aus dem Norden, die mit Herrn Aragorn von den Schiffen kamen, nicht wahr?“, fragte der größte von ihnen, einer mit langem blondem Haar und einer Rüstung der Rohirrim. „Ja, ich bin Gil-Annun, und ich stamme aus dem Norden.“ „Mein Name ist Elfhelm“, antwortete der Mann. „König Eomer und Herr Aragorn gaben mir den Befehl über die Reiter von Rohan in der Mundburg. Es ist eine lästige Aufgabe, hier auf das Ende und die Vernichtung durch den dunklen Gebieter zu warten. Lieber wäre ich ruhmreich am Tor von Mordor gefallen oder würde in den Norden nach Edoras reiten, aber ich befolge die Befehle der Herren der Menschen. Wo wollt ihr hingehen?“, fragte Elfhelm, der auf Gil-Annun eine freundlichen Eindruck machte. „Ich will nach Dol Amroth, und dann will ich hoffen, dass die Valar mir gnädig sind, wenn ich dort versuche, die Menschen zum Kampf zu bewegen. Dol Amroth könnte einer Belagerung leichter Stand halten als Minas Tirith, nach allem, was ich gehört habe. Ich hoffe nur, dass meine Kraft reicht, denn vor ungefähr zwei Wochen wurde ich in der Schlacht an der Schulter verwundet.“ „Könnt Ihr reiten?“, fragte Elfhelm. „Ich lebte eine Zeitlang in Rohan, und ich kann es nicht so gut wie die Rohirrim, aber es reicht für meine Zwecke“, antwortete Gil-Annun grinsend. „Nun, mein Freund Grimbold ist in der Schlacht gefallen, sein Pferd Goldwine hat jedoch überlebt. Es ist eines der schnellsten Pferde unserer Armee. Hier in Minas Tirith haben wir keine Verwendung dafür, und es wäre eine Verschwendung, wenn es untätig in den Ställen der Mundburg bleiben würde. Nehmt es, denn Ihr seid ein Freund meines Volkes, Gil-Annun von den Dunedain des Nordens. Ich würde es holen lassen, und so lange können wir noch speisen. Was haltet Ihr davon?“, fragte Elfhelm.
Gil-Annun nahm die Einladung dankend an und führte ein langes Gespräch mit Elfhelm, bis Goldwine von einem der Burschen gebracht wurde. „Lebt wohl, Gil-Annun. Ein freundlicher Mensch seid Ihr, und keiner soll je wieder sagen, dass die Menschen des Nordens Diebe und Räuber seien. Ich hoffe dass wir uns wiedersehen. Ich verabschiede mich von Euch in Freundschaft“, sagte Elfhelm und verabschiedete sich nach Art der Rohirrim. „Mein Herz sagte mir, dass wir uns wiedersehen, ehe das Ende kommt und die Welt auseinander bricht, Elfhelm, Marschall der Mark. Lebt wohl“ und so gingen Gil-Annun und Elfhelm für das erste auseinander und der Dúnadan ritt auf dem schnellem Pferd der Mark Richtung Süden.


Gil-Annun nach Lebennin
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Re: Die Straßen von Minas Tirith
« Antwort #40 am: 26. Feb 2012, 22:02 »
Elea streifte alleine durch das grüne Dickicht des Waldes. Es roch nach feuchtem Moos und der strahlende Sonnenschein durchleuchtete das Blätterdach. Der Sommer hatte gerade seinen Zenit erreicht und spendende wohlige Wärme.
Zu ihrer Rechten erhoben sich alte Gemäuer. Eine Ruine eines vormals kleinen Wohnhauses das längst vom Farn, Moos und Flechten überwuchert wurde. In der Ferne hörte sie ein helles, von Herzen kommendes Lachen.

Nach der Ruine ging es noch ein kleines Stück in Richtung Waldrand. Wegen der Vorfreude wurde ihr Schritt etwas rascher, bis sich vor ihr der einsame Abendrotsee offenbarte. Das Wasser funkelte im goldenen Licht der Sonnenscheibe, der Himmel war wolkenlos. Elea suchte mit ihrem Blick das Ufer ab und verharrte auf den Konturen eines kleinen Kindes, das quietsch vergnügt im seichten Gewässer plätscherte. Es warf Steine und erfreute sich am spritzenden Wasser.
Gleich hinter dem Kleinen saß ein Mann und beobachtete ihn.

Am liebsten wäre Elea ewig dort stehen geblieben und hätte diesen glücklichen Moment eingefangen, da winkten ihr das Kind und der Mann kurz zu. Mit schnellem Schritt ging sie zu ihnen. Sie stellte sich hinter den Mann und beobachtete den kleinen Jungen im Wasser. Ihre Hand strich durch das Haar ihres Mannes und liebkoste sein Ohr während er sich sachte an ihren Körper lehnte.
„Unser kleiner Helluin“, sagte sie lächelnd.
„Und wenn er den ganzen Tag Steine in den See werfen würde… er würde es am Abend genauso amüsant finden“, entgegnete er.
Beide lachten.
„Aber für heute müssen wir wohl gehen. Uns steht noch eine Jagd bevor, sonst müssen wir heut Abend fasten.“
„Da würde dir dein Sohn aber einen langen Vortrag halten. Das willst du doch nicht riskieren?“, warnte ihn Elea und musste sich das Lachen verkneifen.
„Helluin, mein kleiner Schatz! Komm, wir müssen nachhause gehen“, schrie die Dunedain ihrem Kind. Sein Blick konzentrierte sich auf sie. Sein Schmollmund war deutlich zu erkennen.
„Na komm schon. Dein Papa muss noch mit den anderen auf die Jagd gehen.“
„Auf die Jagd?“, fragte er nun lautstark „Ich möchte mit!“ Eiligst hüpfte er aus dem Wasser und lief zu seinen Eltern. „Bitte Mama, bitte!“, flehte er sie an.
Sie sah ihn etwas skeptisch an und wollte gerade zum ‚Nein‘ ansetzten, da fiel ihr Haldar ins Wort: „Natürlich kannst du mitkommen. Ich pass schon auf ihn auf.“
Die Dunedain sah ihn vorwurfsvoll an: „Na gut, ausnahmsweise. Geht zurück, dann bleibe ich noch hier und genieße ein wenig die Sonne.“
„Mach das, mein Schatz, du hast es dir verdient“, bestätigte Haldar.
„Ich liebe dich“, verabschiedete Haldar sich. Er streifte mit der Nase die ihre und küsste sie auf ihre roten Lippen.
„Ich liebe dich auch.“
„Und ich?“, fragte der Kleine und sah beleidigt auf seine Eltern.
„Dich lieben wir natürlich auch“, rettete sich sein Vater und packte zu und nahm ihn auf den Arm. Elea küsste ihr Kind auf die Wange: „Passt gut auf euch auf.“

Sie schaute den Beiden hinterher bis sie in den Waldpfad einbogen, von dem Elea gekommen war. Als es still wurde, legte sie sich flach auf die Wiese. Das Gras roch intensiv und die Grillen zirpten im Schatten der Bäume. So lag sie eine gefühlte Ewigkeit, als ihr plötzlich jemand eiskaltes Wasser über das Gesicht leerte. Schockiert öffnete sie die Augen…
« Letzte Änderung: 19. Feb 2016, 13:41 von Fine »
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Re: Re:Die Straßen von Minas Tirith
« Antwort #41 am: 20. Mär 2012, 21:08 »
Aus dem Schrecken heraus verschluckte sich Elea und begann unaufhörlich zu husten. Sie spürte die Fesseln straff um ihre Handgelenke gebunden. Ihr Körper zitterte heftig vor Kälte.
„Na endlich ist sie wach!“, pfauchte eine Stimme „diese Hure!“

Elea öffnete ihre Augen einen Spalt breit. Sie sah wie ihre feuchten Haarsträhnen links und rechts von ihrem Gesicht nach unten hingen. Aus Furcht sah sie nicht in das Gesicht des Mannes sondern nur auf ihre Beine.

„Ohh, was, schämst du dich denn?“, höhnte die Stimme „Ansonsten trägst du deine Nase doch auch immer so hoch!“
Ein fester Griff packte sie am Unterkiefer und drückte fest zusammen. Mit nur geringem Kraftaufwand drückte er ihr Gesicht nach oben und sie sah in die grausamen Augen eines dunkelhaarigen Mannes.
„Dass wir gleich dich erwischen hätte ich nicht gedacht“, sagte er triumphierend.

Er spuckte in Eleas Gesicht: „DAS bist du Wert, du Dirne!“
Die Dunedain verkniff sich qualvoll die Tränen. Ihre Lippen zitterten vor Angst doch mit etwas Gestotter entgegnete sie: „Wa... Wa… Was w“
„Was sagst du, du Hure? Ich kann dich nicht verstehen“, herrschte er sie an.
Elea schwieg.
„Was du gesagt hast, frage ich dich!“, brüllte er sie an und schlug ihr dabei ins Gesicht.
„Was du willst“, presste sie zornig heraus.

„Was ich will? Was ich will?“, fragte er in lächerlichem Tonfall „Was denkst du denn was ich will?“
Die rhetorische Frage hallte durch den Raum und verstummte in der Ecke.
„Das kann ich dir sagen! Vergeltung für deine unzähligen Schandtaten und für die deines Mannes. Herumor und sein dreckiges Gesindel haben die Stadt zu dem gemacht was sie ist, aber nun ist er tot und seine Herrschaft zu Ende.“
„Was willst du dann von mir?“
„HA! Trotz seinem Ende leben die Früchte die er gesät hat noch weiter und sie werden gedeihen, doch nicht wenn wir es verhindern. Wir sind verpflichtet all jene zu beseitigen, die ihm die Treue geschworen haben. IHM und SAURON.“
„Du denkst also ich diene dem dunklen Herrn?“, fragte sie.
„JA! Deine Seele ist so dunkel wie er selbst. Nicht einen einzigen Funken Reue sehe ich in deinen Augen. Aber das kommt schon noch. Wenn du die Schmerzen fühlst, die du den anderen angetan hast. Wenn dein Leben langsam und qualvoll aus deinen dreckigen Augen entweicht, dann wirst du bereuen.“
„Ich, ich… Ich habe nichts getan. Ich habe niemanden gerichtet, niemanden ermordet. Nein, ganz im Gegenteil, ich habe stets alles Versucht um Herumor Einhalt zu gebieten.“
„Nun wagst du es auch noch zu lügen?“, schrie er sie an und schlug ihr erneut auf ihr Gesicht. Sie spürte einen Fluss warmen Blutes aus ihrer Nase strömen.

„Aber wer kann es dir denn verübeln? Welcher Verurteilte würde dem Henker keine Lügen erzählen?“
„Ich lüge ni“
„Du kannst sagen was du willst. Ich habe dich gesehen, habe dich beobachtet und studiert. Keinen Finger hast du gerührt um Herumor aufzuhalten. Du warst nur bedacht auf deinen eigenen Vorteil, wolltest selbst die Krone tragen und von oben herab die Menschen verachten. Deine Strafe wird maßlos sein und du würdest sie wohl nie vergessen, wenn es nicht das letzte in deinem Leben wäre, was du erfährst.“

Er ging einige Schritte weg von ihr, sah sie nochmals mit seinem stechenden Blick an: „Ich bin bald wieder bei dir“, zischte er „Du kannst dich in der Zwischenzeit auf etwas vorbereiten, ich zumindest tue das mit einer gewissen Vorfreude.“

Der Mann verließ den Raum. Panisch vor Angst rüttelte sie an den Fesseln, aber diese lockerten sich nicht. Schweißperlen standen auf ihrer Stirn und ihr ganzer Körper zitterte.
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Re: Re:Die Straßen von Minas Tirith
« Antwort #42 am: 9. Apr 2012, 11:58 »
Es vergingen Stunden ja wenn nicht sogar Tage. In dem fensterlosen Raum konnte es Elea nicht erahnen. Jede Sekunde starrte sie auf den Türriegel und hoffte, dass er sich nicht bewegte. Wo war sie da nur hineingeraten? Was hatten die anderen bloß für ein Bild von ihr?

Plötzlich vernahm sie ein knarrendes Geräusch vor der Türe. Ihr Unterkiefer bebte vor Angst und sie zitterte am ganzen Körper. Der Türriegel schob sich langsam zur Seite.
„N…n…Nein“, wimmerte sie leise zu sich.
Die Tür öffnete sich und ebendieser Mann, gefolgt von zwei anderen kamen herein.
„Hallo meine Schöne“, sagte er höhnisch.
Sie schwieg.
„Nana, plötzlich so schüchtern? Hältst du es für Klug vor deinem letzten Gericht zu schweigen? Vielleicht entspringen deiner Fantasie noch ein paar Lügen die du uns auftischen möchtest.“
Der Kleinere rechts neben ihm kicherte.
„Ich denke nicht, dass du verleugnen kannst, wie du freudestrahlend applaudiert hast als unsere Freunde und unsere Familien gehängt wurden. Du warst dabei, als Herumors Schergen ganze Häuser entzündete und Kinder bei lebendigem Leibe darin verbrannten oder möchtest du abstreiten, dass dein lieber Gatte und du die Königskrone an euch reißen wolltet?“
Elea seufzte. Sie hatte beinahe schon vergessen bzw. verdrängt was alles geschehen war ehe Herumor von den Rebellen der Stadt enthauptet und sein Leib durch die Straßen geschleift wurde. Hätte ihr der Fremde einen Spiegel vor das Gesicht gehalten, hätte sie das grausame Monster darin nicht erkannt. Doch niemand konnte in sie hineinsehen. Keiner hatte verstanden warum sie dies alles gemacht hat.

„Für alle von euch? Für alle von euch bin ich das; so wie du mich beschreibst. Doch möchtest du die Wahrheit wissen?“
„Ja, wir brenne geradzu darauf.“
„Der Spiegel den du mir vorhälst zeigt mir, was für eine Bestie ich bin, was ich nicht alles getan habe um euch zu schaden. Doch glaubt mir, mehr als euch, habe ich mir selbst geschadet. Ich habe Freunde verjagen, Verbündete verraten, Menschen in Gefahr gebracht und eine Freundin die ich längst zu meiner Familie zählte beinahe verloren. Ich war selbst nicht im Stande das Schwert zu führen das meine Feinde tötete, doch hatte ich Getreue die ohne mit der Wimper zu zucken das Taten wozu ich zu feige war.
Aber… aber alles wovon du mir erzählst, habe ich allein für meine Familie gemacht. Ich habe an Traditionen und Geschichten festgehalten die mir vor Jahrzehnten beigebracht wurden. Ich nahm die Bürde auf mich und akzeptierte die Verlobung mit Herumor um so in seine Pläne eingeweiht zu werden. Ich spielte eine Rolle die mir aufgezwungen wurde und dich ich immer ablegte wenn er nicht in der Nähe war. Doch Herumors Ohren waren überall und er erfuhr von meiner Untreue und misstraute mir, doch hatte ich etwas was er benötigte und so entwicklete sich eine Hassliebe in ihm die ich pausenlos zu spüren bekam. Es war eine Genugtuung mich in seiner letzten Nacht mich von ihm loszureißen und seine Träume zu zerschlagen.“
„Was könnte es sein, dass eine dahergelaufene Hure aus dem Norden hat, dass Herumor benötigt?“
„Aragorn, euer König, er ist mein Vetter“, gab Elea preiss.

Erstaunt blickten die drei auf Elea und musterten sie. Sie glaubte ein wenig Ehrfurcht und Reue in ihren Augen glänzen zu sehen.
„Erstaunlich!“, begann nun der Kleinere zu sprechen „Äußerst erstaunlich, wie kreativ Menschen werden, wenn der Tod ihnen Nahe kommt.“
„Ha! Eine wahrlich gute Lüge die euch da eingefallen ist. Und so eiskalt serviert“, stimmte der Fremde wieder ein.

Elea spürte wieder die Angst in sich wachsen. Unerschütterlich war der Irrglauben dieser zwei, doch der Dritte stand schweigend im Hintergrund. Seine wulstigen Augenbrauen waren leicht nach obengezogen, seine Mundwinkel starr.
„Das ist die Wahrheit! So glaubt mir doch…“, flehte Elea sie an und verharrte mit ihrem Blick bei dem Dritten.

„Natürlich eure Hoheit!“ verspottete sie der Fremde in der Mitte. Aus seinem Gürtel löste er einen spitzen Dolch: „Dann wollen wir sehen, was euch noch so einfällt.“
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Thorondor the Eagle

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Re: Re:Die Straßen von Minas Tirith
« Antwort #43 am: 27. Nov 2012, 20:30 »
Einer von den Dreien stellte sich nun Elea und presste seine Hüfte heftig gegen ihre Seite. Mit seinem Arm umschlang er den zarten Hals der Frau und zog ruckartig zusammen. Die Dunedain rang nach Luft, ihr Keuchen war im ganzen Raum zu hören. Sie spürte, wie eine Hand - vor Erregung zitternd - die Fesseln um ihr linkes Handgelenk löste und sogleich vom festen Griff des Peinigers gepackt wurde.

Wider ihrem Willen drückte er ihre flache Hand auf einen Holztisch vor ihr: „Wir müssen klein anfangen“, sagte er und lachte dabei.
Bisher hatte der kleinste von ihnen schweigend zu gesehen, aber nun kam er mit einer leicht heiseren Stimme zu Wort: „Diese Verräterin soll genauso leiden wie wir. Hihihi!“, kicherte er, „Welchen Finger braucht denn unsere dreckige Hure am wenigsten.“ Er fuhr mit der scharfen Spitze des Dolches über ihren Handrücken zum Ringfinger. Aus dem feinen Riss in der Haut drang ein minimaler Schwall an Blut heraus.
„Ah, das Zeichen deiner Treue zu Herumor sollte an diesem Finger nun stecken. Nunja, ich denke du brauchst ihn nun nicht mehr“, lispelte er argwöhnisch und drehte die Spitze ein Stück über dem Knöchel in das Fleisch.
Elea schrie vor Schmerz und Panik los: „Nein, nein bitte, ich sage euch die Wahrheit.“
„Oh, wie oft hab ich das nur schon gehört“, entgegnete er und befahl sogleich den anderen „Beugt die anderen Finger unter die Tischkante.“

Mit Gewalt spreizte der Mann hinter Elea den Ringfinger nach oben und legte ihn auf die Tischkante.
„Es tut auch gar nicht weh“, spürte sie den warmen Hauch an ihrem Ohr. Eleas Unterkiefer vibrierte vor Angst. Gebannt starrte sie auf die Klinge.

„Bitte“, flehte sie ein letztes Mal als er das Schwert nach unten schwang. Die Frau drückte ihre Augenlider zusammen und zuckte als sie den Einschlag der Klinge auf den Tische hörte.

Ich spüre nichts. Da ist kein Schmerz. War er etwa doch gnädig? Da, ich fühle den Finger noch an meiner Hand.

Überzeugt von ihrer Zurede öffnete sie die Augen. Die Kerbe die das Schwert im Holz hinterlassen hatte war deutlich zu sehen und sie füllte sich schnell mit Blut. „Ahhhh“, schrie Elea als Sie ihren Ringfinger abgetrennt von ihrem Körper am Tisch liegen sah. Augenblicklich begann ihr ganzer Arm zu schmerzen.

„Hhh“, stöhnte der Kleine mit dem Schwert in der Hand „Hahaha.“ Mit Gewalt entriss die Frau ihre Hand dem festen Griff des Mannes und presste die Wunde fest an sich. Der Blutfleck auf ihrem Kleid wurde immer größer. Sie lies ihren Kopf nachunten sacken und schloss fest die Augen.
„Nana meine Kleine, du wirst doch jetzt noch nicht schlapp machen oder? Das war doch erst der Anfang vom Ende“
Elea fühlte wie die eiskalte Klinge über ihren Oberarm nach oben zum Hals glitt. Sie entzweite das dünne Gewand der Dunedain und hinterließ eine feine Wunde. An der Kehle brannte es besonders, als sich die Klinge einige Zehntelmilimeter in ihr ihre Haut bohrte. Ein einzelner Tropfen Blut rann über ihr Schlüsselbein und über die Brust nach unten ehe das Gewand ihn aufsaugte.

„Bitte, bitte lasst mich gehen“ flehte sie ein weiteres Mal „ich bin doch nur meinem Mann gefolgt.“
„Du meinst wohl du wirst ihm noch folgen, deinem Herumor“, fauchte einer sie an.
„Nein. Ich würde nur einem in solch eine grausame Stadt folgen.“ Elea dachte an Haldar und ignorierte die Schmerzen und die aussichtslose Situation in der sie steckte. Die Kälte wich einer inneren, wohligen Wärme. „Mein Haldar, mein Schatz“, nuschelte sie in einer Art Trance vor sich hin. „Ich ko…“. Elea wurde aus dem Schock heraus ohnmächtig.
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kolibri8

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Re: Re:Die Straßen von Minas Tirith
« Antwort #44 am: 11. Dez 2012, 12:18 »
Qúsay und seine Männer von den "Pelennor-Feldern, vor der Stadt"

Qúsay sammelte seine Männer im Innenhof. Der Mann der eben noch auf dem Wall gestanden hatte, trat nun an Qúsay heran: "Ihr seid bereits zwei Tage überfällig."
"Das ist mir bewusst."
"Nun gut, euch wurde die Kaserne im dritten Ring zugewiesen."
Qúsay nickte. "Gut, links oder rechts?". Der Torwart sah Qúsay irritert an. "Wie meinen?", brachte er schließlich hervor.
"Ich bin zum ersten Mal hier in Minas Tirith, um in den dritten Ring zu kommen muss ich da rechts oder links gehen?"
"Ach so, natürlich, links ... also für sie rechts. Wenn sie der Hauptstraße folgen kommen sie ganz von selbst im dritten Ring an."
"Na also geht doch."
Qusay wandte sich zu seinen Männern: "Ihr habt den Mann gehört rechts entlang!"
Die Haradrim lenkten ihre Pferde in die genannte Richtung und ritten los.

Die Straße stieg leicht an und bald gelangten sie zu einem Loch im Fels, das den Durchgang in den zweiten Ring darstellte. Wie im ersten Ring waren die Häuser entlang der Straße zum größten Teil verlassen und verfallen. Die paar Menschenseelen die an diesem Morgen auf den Straßen waren, verschwanden schnell sobald sie Qúsay und seine Krieger sahen. In ihren Gesichtern konnte Qúsay die Angst aber auch den Hass gegenüber den Südländern sehen. Sie waren hier wirklich nicht willkommen.

Als die Haradrim schließlich den dritten Ring betraten, kam ihnen eine Patrouille von Herumors Männern entgegen.
"Ah, die Südländer, mit der Pünklichkeit nehmt ihr's aber nicht so genau, heh? Der Herr Herumor erwartet euch schon seit zwei Tagen. Ihr verpasst hier ja noch den ganzen Spaß!" rief ihnen der Anführer entgegen.
"Ja, Schade!" antwortete Qúsay in einem deutlich ironisch-desinterressiertem Tonfall.
"Pah, Haradrim, schrecklich." Der Hauptmann schüttelte den Kopf und wandte sich ab um seine Männer in den zweiten Ring zu führen.

Qúsay sah ihnen nach und wartete bis sie seiner Sicht entschwunden waren. Dann sagte er zu einem seiner Begleiter: "Wir sollten uns beeilen, ich hab keine Lust noch mehr wie denen über den Weg zu laufen. Das waren für heute genug."
Er gab seinem Pferd die Sporen.

Nach einem kurzen Ritt schließlich kam er zu einem bewachten Gebäude, aus dem das geklirre von Waffen an sein Ohr drang. Einer der Wachen trat auf ihn zu.
"Da seid ihr ja endlich, wir erwarten euch schon ..." "...seit zwei Tagen, ich weiß." schnitt Qúsay ihm das Wort ab.
"Öffnet das Tor."
Das Tor wurde geöffnet und Qusay ritt in den Kasernenhof.

Qúsay und seine Reiter zu "Kasernenhof im dritten Ring"
« Letzte Änderung: 12. Jan 2013, 12:31 von kolibri8 »
RPG:
1. Char Alfward bei Dol Guldur.
2. Char Qúsay in Aín Sefra.

Das Wiki zum RPG. Schaut mal ruhig vorbei ;).

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Geschichtsfragen? Hier gibt's Antworten.