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Autor Thema: Zelte außerhalb der Mauern  (Gelesen 2636 mal)

Thorondor the Eagle

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Zelte außerhalb der Mauern
« am: 17. Dez 2009, 19:23 »
Amrûn, Celebithiel, Gandalf und Éowyn vom Orthanc


Die Schlacht war nun endgültig geschlagen. Das Böse aus Isengart ein weiteres Mal vertrieben doch was zurückblieb war ein Trümmerfeld.  Die Erde war verdorben, tiefe Schluchten taten sich auf und gaben Einblick in die schwarzen Verliese Isengarts. Einige Maschinen aus der Zeit Sarumans waren noch zu erkennen, doch den Verfall sah man ihnen schon an.
Ewig wird diese Zeit, das Tal des Zauberers prägen, selbst in den schönsten Stunden wird sich die grausame Vergangenheit des Orthancs wie ein grauer Nebel über die Menschen legen, welche die Feste bewohnen und die Stimmung trüben.

Die Rohirrim und Amrûn blieben vorerst in dem schützenden Mauerring. Die zahlreichen Orkleichen wurden in den tiefsten Verliesen vergraben und für die gefallenen Verbündeten wurden Gräber südlich des Haupttores angelegt.
Es fiel dem Elben schwer sich in dieser Umgebung wohl zu fühlen, aber trotzdem musste er es aushalten. Tag für Tag errichteten sie die grau-weißen Zelte um den Kämpfern Schutz vor der Witterung zu geben.
In einem davon lag Celebithiel. Ihre Wunden waren bereits gut versorgt und begannen sich langsam zu schließen. Seit dem Kampf im Turm hatte sie kein Wort gesprochen, keine Träne vergossen. Stunde um Stunde lag sie auf dem provisorischen Bett und starrte an die Decke oder schlief. Amrûn setzte sich oft zu ihr und gab ihr liebevoll etwas zu essen und erzählte ihr von den Geschehnissen außerhalb des Zeltes.

Bis jetzt hatte er sich noch nicht getraut den Orthanc wieder zu betreten. In dessen Haupthalle lag der Körper von Mithrandir. Zu tief saß die Trauer in dem Elben und überschattete ihn sobald er die Fassade des Turmes erblickte.
Nachdem eine Woche vergangen war, fühlte er sich bereit. Er schritt die Treppe hinauf zum großen Tor und blickte in die stumme Dunkelheit. In der Mitte des Saales lag er, gebettet auf kalten, schwarzen Stein. Sein weißes Gewand hob sich deutlich von seiner Umgebung ab und an seiner Seite kniete Éowyn. Sorgsam strich sie ihm über das Gesicht und verteilte eine heilende Salbe auf den klaffenden Wunden. Sie blickte zu dem Elben: „Amrûn, kommt herein.“
„Eure liebevolle Pflege… Ihr seid bewundernswert, Éowyn… in dieser Situation“, stotterte der Elb.
„Gandalf ist noch Teil dieser Welt, er ist nicht tot; er ist nur an einem sehr fernen Ort“, sagte die Herrin Rohans.
Amrûns Blick wanderte Gandalfs Körper entlang, über die weißen Schuhe und den Mantel, seine silberne Klemme und sein Gesicht. Die tiefen Falten in seinem Gesicht waren deutlich freundlicher als zuvor, seine Augen entspannt und sein Teint fast so weiß wie sein Gewand.

„Wisst ihr, es ist schon sehr lange her, dass ich Mithrandir kennen gelernt habe. Ich wer einer der ersten der ihn sah…“



Amrûn stand auf den Docks der Grauen Anfurten. Fast jeder Bewohner des blühenden Elbenreichs war von den Hügeln heruntergestiegen, denn Círdan gab ein großes Fest an jenem lauen Sommerabend. Die Sonne hatte bereits mehr als die Hälfte ihres täglichen Weges überschritten und strahlte nun durch die Felsen in die Bucht herein. Sie tauchte die Stadt in ihr allabendliches, warmes Licht.
Der Elb vernahm die sanften Gesänge und aß genüsslich das Mahl. Die Zeit verging in solchen Momenten viel zu schnell, denn schon nach einigen Tänzen bereitete die Sonne den Weg für die Nacht. Amrûn setzte sich auf eine Stufe die zur Wasseroberfläche hinunterführte und starrte in den Westen.
Die Erinnerung an seine Mutter und seinen Vater wurden wieder hell entfacht. Das Verlangen sie wiederzusehen war sehr stark. Auf einmal riss ihn eine Entdeckung aus seinen Gedanken. Aufgeregt lief er zu Círdan, welcher unter einer Laube saß und mit seinen vertrauten Beratern das Fest genoss.
„Círdan, mein Herr. Seht dort am Horizont, ein Schiff“, platzte es aus Amrûn heraus.
Alle an dem Tisch erhoben sich und blickten besorgt auf das Meer hinaus. Sie sahen das große, weiße Schiff.
„Nun, endlich ist er hier!“, sagte Círdan beiläufig und schritt zu den Anlegestellen hinunter. Als das Schiff näher gekommen war, betrachtete Amrûn es näher.
Das Holz war wunderschön verarbeitet, die Segel aus goldenem Stoff und den Bug zierte ein silbernes Schanenhaupt.

Nachdem das Schiff angedockt hatte schritt ein alter Mann von Bord. Sein Bart reichte weit gegen Boden und sein Gewand war so grau wie ein nebliger Herbsttag. Er stützte sich auf seinen Holzstock, obwohl er ihn nicht nötig hatte.

„Willkommen in Mithlond“, begrüßte ihn der Herr der Anfurten.
Der Fremde verneigte sich nur kurz und blickte erstaunt auf die Stadt. Er bewunderte die blühenden Kirschbäume, die grünen Hügelkuppen und unsere Häuser.
An den Docks war es ruhig geworden, nur die Brandung des Meeres und das tosen des Windes erfüllten die Stille dieses Augenblicks. Auf der Wange des alten Mannes glitzerte eine kleine Träne.

„Bote des Westens, dieses Fest wurde euch zu Ehren veranstaltet“, sagte Círdan.
„Ihr wusstet das ich komme?“, fragte der Fremde erstaunt.
„Ja, eine alte Freundin kündigte deine Ankunft an und bat mich dich festlich zu begrüßen. Wie ist euer Name?“
Man konnte in der Miene des Fremden lesen, dass er versuchte sich an diese alte Freundin zu erinnern, welche auch ihn kannte und plötzlich erhellte ein schmales Grinsen sein Gesicht.
„Einen edlen Namen trage ich, Cirdan Herr der Falathrim, doch müsst ihr verstehen, dass es nicht sehr weise wäre in auf diesen Gefilden auszusprechen“, flüsterte er.

Der Herr der Anfurten hielt einen Moment inne, er war überrascht und doch einsichtig über diese Aussage: „Dann werde ich euch Mithrandir nennen, denn ihr seid wahrhaft ein grauer Wanderer.“
„Ein Name der zu mir passt, da habt Ihr recht“, sagte der Fremde lachend.

Círdan erhob seine Stimme und unterbrach somit die Stille: „Heißen wir Mithrandir willkommen, hier in den Grauen Anfurten. Dieser Hafen soll ihm ein zweites Zuhause sein, ein Ort der Geborgenheit und der Freude.“
Die Elben am Ufer begannen laut zu Jubeln und das Fest setzte sich fort. Der Neuankömmling setzte sich zu Círdan an den Tisch. Den restlichen Abend waren sie in ein lange Gespräch vertieft.



Lange erzählte Amrûn diese Geschichte und mit viel Liebe. Oft lief ihm eine Träne über die Wange und manchmal musste er sogar lächeln. Éowyn hörte aufmerksam zu und hielt dabei die kühle Hand des Zauberers.
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Thorondor the Eagle

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Re: Zelte außerhalb der Mauern
« Antwort #1 am: 18. Dez 2009, 21:53 »
Der Heerführer stand nun ebenfalls in der Tür. Er hatte wohl einen Teil der Geschichte Amrûns mitgehört, denn er lehnte schon ruhend an den Angeln des Tores.
Langsam schritt er in den Raum. Er warf der führsorglichen Eowyn tiefgründige, liebevolle Blicke zu und stellte sich neben sie. Er strich über ihr blondes Haar während sie sich mit der Wange an die vertraute Hand schmiegte.

„Tiefe Trauer geht mit dem Sieg in dieser Schlacht einher. Sie hat tiefe Wunden hinterlassen, Verletzungen die man nicht sehen kann, die aber ewig schmerzen, selbst wenn sie schon verheilt sind und Narben gebildet haben. Und trotzdem haben wir Hoffnung, denn Mithrandir ist nicht tot, er weilt noch unter uns.
Wichtig ist nur, dass wir jetzt nicht aufgeben dürfen. Der Weg den wir beschritten haben müssen wir fortsetzten, denn Sauron darf uns unsere Schwäche nicht anmerken. Das der Mund gefallen ist hat ihm bestimmt große Angst bereitet. Sobald alle versorgt sind werden wir nach Aldburg reiten von dort können wir uns auf die Front gegen Mordor formieren.“
Amrûn brach innerlich zusammen, der Gedanke, weiter Kriege zu führen und Kämpfe auszutragen war um ein vielfaches mehr als unerträglich.

Er lies sich auf die Knie fallen und schloss die Augen: „Es tut mir Leid, Faramir, mein Weg führt von hier aus nicht weiter nach Osten. Ich will zurück in meine Heimat, in meinen vertrauten Hafen. Dort werde ich Ruhe finden zumindest für den Moment.“
„Das ihr flüchtet ist aber keine Lösung. Sauron wird kommen und sich holen, wonach ihm ist und wenn wir nicht zusammen stehen…“
„Faramir!“ unterbrach ihn Amrûn „Mein Leben lang kämpfe ich schon gegen die stärker werdende Dunkelheit; gegen Sauron, gegen den Hexenkönig, die Ostlinge und gegen den Mund. Die Geschichtsbücher die ihr studiert habt, habe ich durchlebt: das Ende der Noldor in Mittelerde, der Untergang Numenors, das Schmieden der Ringe und der Fall von Arnor. Die Last der Zeit ist schwerer als alles was ich bisher erlebt habe, dass könnt ihr mir glauben. Auch wenn es euch nicht so erscheint so ist Sterblichkeit viel eher ein Segen als Unsterblichkeit.“

Amrûn verfiel seinen Gedanken. Sein Blick fixierte den Schatten am Boden den der schwarze Bett Gandalfs warf.
Faramir versteht mich nicht. Das kann er auch gar nicht. Ewig zu Leben heißt ewig mit dem Schmerz zu leben den ein Krieg mit sich bringt. Wobei ich dadurch auch für immer mit der Freude leben kann und mit der Liebe. Zahlreiche Schlachten habe ich miterlebt, das ist wahr, doch auch sehr viele Siege brachten sie mit sich.
Wundersamer Weise ermutigte etwas den Elben. Schon lange hatte er nicht mehr so fokussiert an die guten Erlebnisse in seinem Leben gedacht.
Ob dies die Macht des Zauberers war die schützen die Hand über seine Freunde hielt obwohl er im tiefen Schlaf lag? Beflügelte diese auch Faramirs Gefühle?

Der Mensch hatte sich nun auf Eowyn konzentriert. Er flüsterte ihr stille Worte ins Ohr die Amrûn nicht verstehen konnte.
Plötzlich kam jemand in den Raum. Erschrocken sahen alle drei in diese Richtung und vor ihnen stand ein Mensch. Seine Rüstung war anders als die der Rohirrim und an seinem Gürtel hing eine poröse, alte Lederscheide.
„Wer seid ihr?“ fragte Faramir erstaunt.
„Seid ihr die Herren der Rohirrim?“, fragte er laut und bestimmt. In seiner Stimme lag ein fremder Akzent.
„Ich bin Eowyn, Tochter der dritten Königslinie Rohans.“
Faramir stellte sich vor sie. Die rechte Hand lag auf dem Halfter seines Schwertes um im Notfall seine Geliebte zu verteidigen.
„Ich bin Nerblog“, stellte er sich mit einer kaum sichtbaren Verneigung vor.
« Letzte Änderung: 19. Dez 2009, 09:31 von Thorondor the Eagle »
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Tom Bombadil

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Re: Zelte außerhalb der Mauern
« Antwort #2 am: 20. Dez 2009, 23:10 »
Nerblog vom Fuße des Orthancs


Nerblog hattte ganz offensichtlich ein glückliches Händchen, wenn es um die Suche nach Führungspersönlichkeiten ging. Kaum war er mit seiner neuen, herrlichen Waffe aus der Grube getorkelt, hatte er prompt Bekanntschaft mit einer Art Prinzessin, einem Elb mit markanten Gesichtszügen und einem fremdartigen Kerl gemacht, der schulterlange, braune Haare trug und dessen Gestalt und Gesicht sich sehr von denen der Einheimischen unterschieden. Zudem machte Nerblog eine entfernte Ähnlichkeit mit Arafaron aus.
Nach dem er sich eine knappe Verbeugung und Begrüßung geleistet hatte, kam er gleich zur Sache.
"Verzeiht, wenn ich eure Unterredung gestört habe", begann er im schmeichlerischsten Ton, den er nach solch einem schweren Tag aufbringen konnte, "doch ich bin auf der Suche nach einem Lager für die Nacht und einer Mahlzeit. Ich gehörte zu den Gefangenen, die wochenlang in den Minen unter unseren Füßen zur Arbeit gezwungen wurden."
Um seine Bitte zu untermauern senkte er abschließend demütig das Haupt, zunächst in Richtung des Fremden und der blonden Frau, dann in Richtung des Elbs.
« Letzte Änderung: 12. Feb 2016, 11:14 von Fine »
manana

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Re: Zelte außerhalb der Mauern
« Antwort #3 am: 24. Dez 2009, 14:13 »
Celebithiel lag auf dem harten Feldbett, regungslos in stiller Erwartung noch schlimmerer Ereignisse als die der letzten Tage.
Unzählige Stunden hatte sie in dem provisorischen Zelt schon gelegen und ihr Dasein gefristet. Eine Hülle einer Elbe, macht- und gefühllos. Oft hatte sie versucht die Augen zu öffnen oder gar die Stimme zu erheben als Amrûn sie besuchen gekommen war, aber zu groß war die Angst gewesen die Erlebnisse mit dem Mund zu schildern und sich erneut in den dunklem Raum zu begeben. Lieber würde sie ein Lieben in völliger Schweigsamkeit und in dem weißen Zelt, geschützt vor allem Übel verbringen, als sich den Ereignissen jener Nacht zu stellen. Jegliche Sinne hatte er ihr beraubt. Sie scheute sich etwas zu hören, schmecken, riechen oder zu ertasten, denn alles fühlte sich nach ihm an. Das Rauschen des Isen hörte sich an, wie die schwarzen Parolen, der Duft des Sommergrase roch, wie die verpesteten Verließe Isengarts, und alles fasste sich an, wie die raue Haut des Mundes mit der er sie berührt hatte.


Für einen kurzen Augenblick fühlte sie sich sicher genug die Augen zu öffnen und taghelles Licht durchflutete das innere ihrer Seele und vertrieb zumindest für einen Augenblick die Düsterheit ihres Herzens. Celebithiel starrte die blütenweiße Decke an, die über ihren Körper gelegt worden war. Mit zitternden Fingerspitzen fuhr sie über den Stoff und versuchte jede einzelne Faser zu erspüren. Samtweich war die Decke und noch weicher war das Bettlaken auf dem sie gebettet war. Der frische Duft von Lavendel stieg ihr in die Nase und sie plötzlich vernahm sie ein leises Zwitschern. So fremd und gleichzeitig so vertraut. Sie traute sich nicht ihren Kopf zu bewegen in der Angst sie würde die Melodie vertreiben.

Sie hatte Stunden damit verbracht ihrer Nachtigall zuzuhören und erfuhr, dass Faendir nun in Aldburg angekommen war. Ihr wurde wieder bewusst, dass es auch ein Leben gab außerhalb ihres inneren Schmerzes und dass sie es geschafft hatte. Diese Erinnerungen waren ein Teil von ihr und vielleicht würde sie sie nie verwinden, aber schon oft hatte sie solchen Schmerz verspürt und war weiter gekommen.
Mit der Nachtigall auf der Schulter verließ sie das Zelt und sah, wie alles um sie herum in wilder Euphorie ausgebrochen war. Die Rohirrim feierten ihren Sieg über den Mund, denn Tag täglich waren neue Meldungen von Städten eingetrudelt, die wieder in der Hand der Rohirrim waren.
Celebithiel ließ sich von dieser Euphorie jedoch nicht anstecken, sondern ging ihren Weg zum Orthanc, um Gandalf und Amrûn zu suchen.
« Letzte Änderung: 1. Mär 2016, 14:01 von Fine »


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Thorondor the Eagle

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Re: Zelte außerhalb der Mauern
« Antwort #4 am: 25. Dez 2009, 22:38 »
Amrûn empfing den erwartungsvollen Blick des Ostlings, doch noch ehe er etwas sagen konnte, hallte Éowyns helle Stimme durch den Raum: „Amrûn, seid ihr so freundlich und zeigt ihm ein Quartier?“
„Natürlich“, sagte er aufrichtig mit dem Hintergedanken näheres über dies seltsame Auftreten zu erfahren.
Zügig ging der Elb zum Tor und deutete dem Fremden ihm zu folgen.
„Nerblog ist euer Name, sagtet ihr“, stellte der Elb nochmals fest.
„Ja“
„Ein recht seltsamer Name für diese Ländereien?“
„Das ist wahr. Aber in meiner Heimat ist er gar nicht so unüblich.“
„Und wo kommt ihr dann her?“
„Ich komme aus Rhun“, sagte der Fremde kurz und bestimmt.
„So, so. Rhun dort Leben viele Verbündete von Sauron. Wie kommt es, dass sich ein einzelner Mann gegen seine eigene Sippschaft auflehnt“, fragte der Elb provozierend.
„So edel, so hochnäsig seid ihr Elben. Seht über euren Stolz hinweg und werft alles ’Minderwertige’ in einen Sack. Stellt euch vor es gibt auch Menschen im Osten, die sich nicht Sauron angeschlossen haben, die genauso gegen ihn kämpfen wie ihr. Für euch braucht nur wichtig zu sein auf wessen Seite ich stehe. Mein Leben ist meine Sache“, sagte Nerblog leicht erregt.
Der Elb sah in die Augen des Fremden, es war ihm nicht ganz klar welche Absichten er hatte, doch ganz klar erkannte er die Ehrlichkeit in ihm: „Entschuldigung, so habe ich es nicht gemeint. Ich begegne den Menschen schon lange Zeit auf Augenhöhe…“
Stumm gingen die beiden hintereinander zu einem einfachen weißen Zelt.
„Hier ist euer Quartier. Ruht euch aus, in ein paar Tagen werden wir losreiten, wenn ihr euch anschließen wollt.“

Nerblog löste seinen Gürten, an dem sein Schwert befestigt war und sagte: „Ihr werdet jede Hand brauchen die eine Klinge führe…“
Amrûn sah erschrocken auf den Gürtel: „Das Heft deines Schwertes… zeigt mir diese Waffe!“
„Wie bitte? Dies Schwert ist mein, es ist meine Kriegsbeute!“
„Zeigt es mir, bitte, Nerblog.“
Etwas misstrauisch zog er die Klinge aus der alten Scheide und zum Vorschein kamen die elbischen Runen von Amrûns altem Schwert.
Der Elb strich langsam über das Edelstahl und die eingravierten Schriftzeichen: „Diese Zeichen erzählen einen Teil meiner Geschichte, ein kleines Stückchen meines Lebens aus der Zeit in der der letzte Hochkönig noch in Mittelerde weilte. Viele Erinnerungen verbinde ich mit dieser W…;“, er stockte kurz: „Hört er diesen Gesang?“
Überrascht drehte sich Amrûn um und sah über die weißen Zelter hinweg. Celebithiel glitt über dem Vorhang hinweg und ihr Blick war starr auf den Orthanc gerichtet.
„Verzeiht, wir werden dies ein anderes Mal klären“, sagte er nur kurz und bündig und lief zur Elbe.
„Celebithiel, ihr seid wach und ihr geht von selbst!“

Die Elbe sagte kein einziges Wort, doch Amrûn erkannte die sichtliche Erleichterung ein vertrautes Gesicht entdeckt zu haben.
„Ihr seid sicherlich auf der Suche nach eurem Retter. Celebithiel“, sagte er nun ganz ernst „Mithrandir nahm diese große Bürde auf sich um euch zu retten, doch er brach selbst unter dieser Last zusammen. Wenn ihr Gandalf seht, gebt auf keinen Fall euch die Schuld, denn es war seine Entscheidung; seine Absicht. Du und Mithrandir lebt noch und das ist alles was er wollte.“

Amrûn ließ Celebithiel in seine Arme einhängen und geleitete sie langsam zur Treppe zum Orthanc. Jede Stufe die sie erklommen lies Celebithiels Körper mehr erzittern. Sie fürchtete diesen Anblick und diese Qual.
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Tom Bombadil

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Re: Zelte außerhalb der Mauern
« Antwort #5 am: 26. Dez 2009, 00:17 »
Irritiert blickte Nerblog seiner neuen Bekanntschaft hinterher. Wen denn schon so ein bisschen Geang derart aufwühlte, was war dann... Egal. Nerblogs Blick fiel auf das Schwert, das er noch immer nur zur Hälfte aus der abgewetzten Scheide gezogen hatte. Vielleicht sollte er es vor dem Elben verstecken? Nein, diese Wesen waren zu scharfsinnig um sie so simpel zu hintergehen.
Vielleicht sollte er sich einfach ein Pferd schnappen und sich von hier absetzen. Die Klinge war  sicher ein Vermögen wert; genug um sich für einige Zeit zur Ruhe zu setzen, Kräfte zu regenerieren und den nächsten Schlag zu planen.
Doch da besann sich der Ostling zurück auf seine letzten Wort zu diesem Armun oder wie er hieß: "Wir stehen auf einer Seite." Und das stimmte.
Sich ausruhen konnte er auch hier, und gemeinsam waren sie eine größere Bedrohung für Sauron als allein. Er wickelte das Schwert in ein Bündel Leinen und legte es sorgsam neben den Eingang des Zeltes, sodass der Elb es sich jederzeit abholen konnte. Mit dem Gedanken, ob er auch einen Ersatz bekommen würde, legte er sich auf sein Strohbett und fiel beinahe sofort in einen tiefen, traumlosen Schlaf.
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manana

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Re: Zelte außerhalb der Mauern
« Antwort #6 am: 26. Dez 2009, 00:49 »
Sie musterte Amrûn, während sie die schwarzen Stufen heraufstieg. Teilweise um ihre Angst in den Begriff zu bekommen und andererseits in einer plötzlich in ihr aufkeimenden Neugier an dem Elben neben ihr, der sie die letzten Monate begleitet hatte.
Seine elfenbeinartige Haut glänzte im müden Schein der Sonne, die sich langsam abwendete, um hinter den Gipfel des Nebelgebirges zu verschwinden. Stolz und anmutig war sein Äußeres, aber Celebithiel blickte hinter die Fassade und erkannte, dass Amrûn müde war. Müde nicht vom kämpfen, sondern vom Dasein in diesen Gefilden. Müde vom Schatten Saurons, der sich wie giftige Tücher über jede Seele gelegt hatte und nicht weichen mochte.
Er war ihr größter Vertrauter und bester Freund, den Celebithiel je gehabt hatte.
Vergleichsweise warm war dieser letzte Tag im August  und Celebithiel hielt vor der großen Eingangstür des Orthancs inne und wandte sich um. Ihr Blick wanderte über das Schlachtfeld, welches sich vor ihr bot. Tiefe Wunden hatten die Machenschaften Sarumans und des Mundes im Nan Curuní­r hinterlassen.


„ Saruman, Eure Bibliothek ist über und über bestückt mit Büchern; ich kann es kaum glauben“, entfuhr es Celebithiel, als der weise und freundlich blickende Mann sie in die Bibliothek geführt hatte.
„ Ach liebes Kind, nimm dir so viele Bücher, wie du willst. Ich hab sie alle gelesen und studiert und nun verrotten sie in diesen Regalen und Zeit und Staub nagen an ihnen, wie die Ratten an meinem gelagerten Käse und Speck.“
Welches nehme ich mir...Aufzeichnungen über die Grenzverläufe zur Zeiten Arnors oder lieber Gedichte über das segenreiche Doriath oder das Drama über Amroth und Nimrodel?
Meist nahm sie sich gleich drei bis vier Bücher mit und legte sich auf die grünen Wiesen und versank in den verschnörkelten Buchstaben und der Welt hinter der Tinte, die sich ihr offenbarte.
An ebenfalls einen einunddreißigsten des Augustes las sie zum ersten Mal von den drei geschmiedeten Elbenringen. Einer nannte man Vilya den Ring der Luft, welcher im Besitz Herrn Elronds war. Der andere Nenya in Besitz Galadriels, der Herrin Lothloriens und der letzte war Narya der Ring des Feuers, dessen Besitzer geheim war und sich nicht zu offenbaren gab.

„ Schneller, mein edles Ross, wir müssen noch heute Nacht in Bree eintreffen“, flüsterte Celebithiel ihrem schwarzem Ross ins Ohr, während sie sinnlich an seiner Mähne roch. Die Nachtluft war so warm, wie die übrigen Tage des Augusts und so hatte Celebithiel ihren Mantel abgelegt und ritt in ihrem dünnen cremefarbenen Kleid. Der Himmel jedoch war verhüllt und so erleuchteten nur ferne Lichter spärlich die nächtliche Gegend.
Die Schmelzöfen Isengarts geben wohl kaum noch Ruhe. Angefeuert von einem Wahnsinnigen, der einem noch Treuloseren verfallen ist. Wie lange wird Saruman noch wüten, bis ihn jemand Einhalt gebietet? Ich verstehe immer noch nicht warum Elrond mich nicht mit diesem Halbling entsandt hat. Nun ja - andererseits strebe ich auch nicht danach, einem Halbling in das Schwarze Land zu folgen. So kann ich weiter Orks jagen, um Celebrían zu rächen.
Sanft gab sie ihrem Pferd zu verstehen, schneller zu reiten und so ritt Celebithiel im schnellen Zug, geschützt von der Dunkelheit der Nacht, dicht an der Mauer Isengarts vorbei. Einzig zwei müde blaue Augen auf der Spitze des Orthancs blickten ihr hinterher.


„ Celebithiel, was ist? Graust es dich den Turm zu betreten?“, flüsterte Amrûn Celebithiel ins Ohr und streichelte ihr sanft über die Schultern.
„ Was, wie bitte?“, erwiderte Celebithiel verdutzt, bis sie sich gefangen hatte. „ Achso, nein, ich war gerade in Erinnerungen an diesen Ort. Lass uns hineingehen und Gandalf besuchen!“
Selbstbewusster als sie es erwartet hatte betrat Celebithiel den schwarzen Turm. Sie sah dort zunächst Éowyn und Faramir, Hand in Hand, stehen, die Celebithiel mit einem Blick höchster Ehre betrachteten.
Die Leichname der Kämpfe in den Hallen waren fast alle entfernt worden und die Feinde auf einem Stapel weit außerhalb der Stadtmauern gebracht worden. Während ihres Aufenthalts in den Zelten hatte Celebithiel etappenweise den Gestank der verbrannten Körper vernommen.
Sie näherte sich zunächst zögerlich, daraufhin sicherer. Als sie näher kam, verneigten sich plötzlich alle anwesenden und Faramir verkündete mit fürstlicher Stimme, „ Seht die Tyrannenmörderin! Gepriesen sei sie, die den Untertan des Schatten ein Ende bereitete hat!“.
Zu Faramirs Verwunderung ging Celebithiel überhaupt nicht auf seine Ehrerbietung ein, sondern richtete ihr Augenmerk konsequent auf die Mitte der großen Halle, wo, Mithrandir, gebettet auf einem weißen Kissen, ruhte.
Behutsam ließ sie sich neben ihm niedersinken und betrachtete ihn. Jegliche Erschöpfung und Müdigkeit war aus seinen Gesichtszügen gewichen und eine Last wurde von ihren Schultern genommen; denn Celebithiel hatte solche Angst gehabt ihren alten Freund leidend anzutreffen, dass es ihr das Herz noch weiter zerrissen hätte.
Ihn so friedlich schlafend zu sehen, wie er es die ganze Zeit über nicht gewesen zu sein schien, erleichterte Celebithiel und stimmte sie auf eine seltsame Weise fröhlich und munter.
Sanft fuhr sie mit ihren Händen durch das weiße Haar des Zauberers und streichelte in absoluter Stille die Gesichtszüge ihres Freundes.
Plötzlich fuhr sie zusammen als sie in die ozeanblauen Augen Gandalfs blickte, der sie starr musterte.
„ Seht doch, Gandalf ist aufgewacht“, entfuhr es Éowyn, die sich neben die fassungslose Celebithiel warf.
« Letzte Änderung: 1. Mär 2016, 14:15 von Fine »


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Re: Zelte außerhalb der Mauern
« Antwort #7 am: 26. Dez 2009, 14:44 »
Erschrocken saßen sie alle neben dem wiedererwachten Gandalf. Seine Augen blickten verwirrt in die Gesichter seiner Freunde. Für einen Moment schien er sich nicht auszukennen, doch dann wurde sein Blick glasklar und starr: „Ist es vorbei?“, presste er aus seinem Mund heraus, deutlich geschwächt.
Amrûn nickte zustimmend, er war den Tränen nahe. So schwach lag er vor ihnen, der ebenbürtige Gegner von Sauron, derjenige der allen Hoffnung schenkte, obwohl sie schon lange verloren war. Auch die Augen des Zauberers waren feucht geworden.

„Eowyn, Ihr seid eine solch starke Frau. Nehmt den Platz ein, den euer Onkel für euch vorgesehen hat. Folgt seinem Wunsch, denn die Rohirrim brauchen jetzt eine solch starke Königin und hört auf euren tapferen Gefährten. Faramir hat schon große Schlachten geschlagen, sein Rat ist teuer und wird euer Geschick leiten.“
Er schwieg für einen kurzen Augenblick und versuchte sich mit den Ellenbögen auf dem kalten Stein abzustützen.
Der Elb stützte dabei seinen Rücken um ihm die Schmerzen zu erleichtern.
„Ich möchte hinausgehen. Zulange hat der Orthanc die reinen Sonnenstrahlen nicht aufgenommen, zulange habe ich sie nicht gesehen“, sagte er mit zittriger, oft stockender Stimme.
Der Elb stützte den alten Zauberer unter dem Arm, Celebithiel reichte ihm seinen weißen Stab.
„Ich danke euch“, stotterte Mithrandir.
Langsam humpelte der ältliche Knabe zur offen stehenden Tür des Orthancs, bis ihm das sanfte, goldene Licht der untergehenden Sonne über das Gesicht strich.
„Ah“, glitt ihm ein erleichterndes Seufzen über die Lippen „Der dunkle Schleier der über Rohan lag ist endlich gewichen. Das Licht der Sonne hat ihn vertrieben; nun gibt es wieder Hoffnung für dies schöne Land.“
Stiege für Stiege gingen sie hinab auf das Schlachtfeld, welches schon wieder eine ansehnliche Form angenommen hatte.
„So wunderschön war es hier einst in Isengart, wisst ihr noch Celebithiel?“, fragte er die Elbe.
Sie nickte nur andächtig und lauschte seinen Worten.
„Im Frühling roch es nach hunderten verschiedener Blumen: Narzissen, Flieder, Glockenblumen... Und im Sommer wenn der Wald in voller Pracht stand brachte der Wind den alten, wohltuenden Geruch des Fangorn in das Tal herab; Hier an der Mauer bin ich zum ersten Mal auf Baumbart getroffen, monatelang hatten wir diskutiert über die vergangen Tage, denn wie ihr sicherlich wisst hatte er es niemals sehr eilig.“
Amrûn musste kurz lächeln, sagte dann aber: „Lasst uns dort in dies Zelt gehen. Dort könnt ihr euch etwas ausruhen. Das Gehen fällt euch schwer.“
„Du hast Recht, mein Freund.“
Behutsam gingen die drei auf eines der weißen Zelter zu. Es war so hoch, dass man darin aufrecht stehen konnte und an dessen Rand standen drei Feldbetten. Die Elben führten ihn zur Bettkante und setzten ihn dort ab.
„Amrûn! Ich habe dir etwas zur Verwahrung gegeben...“
Der Elb durchsuchte die Taschen seines Mantels und zog aus einer den weißen Seidenbeutel:
„Ihr habt gesagt ich soll es Celebithiel geben, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist.“
„Ja Amrûn, ich weiß und der richtige Zeitpunkt ist jetzt. Ich danke dir, dass du in diesen Minuten bei mir warst, dass du dich um mich gekümmert hast und dass du auch nicht von ihrer Seite gewichen bist. Du bist ein treuer und ehrlicher Elb, schon seit ich dich kenne hast du großen Mut in dir und du zierst dich auch nicht ihn mit anderen zu teilen, deshalb ist dies Geschenk nicht für dich.“ Amrûns Augen wurden wässrig.
„Du warst mir stets ein guter Freund und ein mehr als willkommener Wegbegleiter.“

Der Elb begann zu weinen und wandte sich beschämt ab. „Verzeiht mir, ich komme später wieder“, sagte Amrûn nur kurz und verlies das Zelt. Viele Gedanken schossen ihm wirr durch den Kopf und er konnte sich kaum sammeln. Die Tränen liefen über seine roten Wangen und eiligen Schrittes lief er ziellos zwischen den Zelten hindurch.


Amrûn in den Orthanc
« Letzte Änderung: 1. Mär 2016, 14:17 von Fine »
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Re: Zelte außerhalb der Mauern
« Antwort #8 am: 27. Dez 2009, 00:12 »
Celebithiel sah Amrûn noch einen Moment nach und zögerte, ob sie ihm nachlaufen sollte. Jedoch entschied sie sich dafür ihn lieber in Frieden zu lassen und sich Gandalf zu widmen.
Ein röchelndes Husten war zu vernahmen und Celebithiel half dem alten Zauberer sich auf das Bett zu setzen. Schlaff hing seine Haut, wie nasse Tücher auf einer Leine, von seinen Wangenknochen und tiefe Ringe malten sich unter seinen Augen haben.
Sie krempelte die Ärmel ihres Kleides hoch und tunkte ein seidenes Tuch in eine Schale Wasser, die auf ihrer Kommode stand. Tupfer für Tupfer wusch sie die müde Haut Gandalfs, der die Augen nun fest geschlossen hatte. Die winzigen Wasserperlen verloren sich in den tiefen Falten seiner Haut.
Auf einmal legte sie beide Hände auf die Wangen Gandalfs, der seine Augen öffnete, und so blickten sich beide einen unendlichen Moment lang in die Augen. Was Mithrandir in ihren zu sehen vermochte konnte sich Celebithiel nicht ausmalen, aber vor ihr eröffnete sich eine Welt, geprägt von Schatten und Licht.

Die Fabelgestalt eines blütenreinen, weißen Einhorns galoppierte über eine Wiese, die über und über mit weißen Lilien versehen war. Um sein Haupt tanzten Schwärme von Schmetterlingen, einen tanz aufführend, der Feen auf Mondwiesen glich. Jedoch war der Himmel von schweren Wolken verhangen und Unwetter gewaltigen Ausmaßes tobten in dem Gewölbe aus schwarzen Tüchern.
Das Einhorn hingegen ließ sich nicht abbringen und vollführte weiterhin seinen Tanz mit den Schmetterlingen immer fort, bis der Regen einsetze und die Schmetterlinge schwanden. Trauernd bettete sich das Fabelwesen auf der Lilienwiese und der Regen prasselte auf es herab, erbarmungslos und donnernd. So plötzlich wie der Regen gekommen war so wich er auch wieder und mit einem durchbohrenden Blick sah das Einhorn Celebithiel an und es waren die himmelblauen Augen Gandalfs und Celebithiel blickte auch nicht mehr in das Gesicht des Einhorns, sondern in das Gesicht ihres alten Freundes.

Gandalf machte Anstalten zu Sprechen, welches sich aber in ein tiefes und schmerzvolles Husten entartete.
Celebithiel legte ihren Zeigefinger auf den Mund, bevor sie die Arme um Mithrandir schlang, ihren Kopf auf seiner Schulter legte und leise, kaum hörbar flüsterte,
“Ruhig mein alter Freund. Lass uns gemeinsam schweigen und nur wir selbst sein in einer Welt der quälenden Schreie. Lass uns gemeinsam in die Lüfte empor steigen in einer Welt, wo giftige Dämpfe den Boden verpesten. Lass uns gemeinsam ruhen in einer Welt die Höllenhunde freigesetzt hat, die die Stille mit ihren reißenden Zähnen zerfleischen. Lass uns den Herzschlag des anderen fühlen und die Gedanken des anderen lesen, damit das Einhorn, trotz des donnernden Regen, weiterhin mit den Schmetterlingen tanzen kann; ungestört vom Rest der Welt!“
In stiller Übereinstimmung schloss er die Augen und küsste Celebithiel behutsam auf die Stirn.
„ Celebithiel?“ entnahm die milde Stimme Gandalfs Celebithiel aus ihren Tagtraum, indem sie auf den schneeweißes Einhorn geritten war. „ Ich danke dir für diesen kostbaren Moment,“ sprach er zu ihr mit zerbrechlicher und rauer Stimme, „ Nun ist es aber auch für mich Zeit mich bei dir für alles zu bedanken, was du geleistet hast.
Seit wir uns im Fangorn begegnet sind, bist du mir zur Seite gestanden. Mit deinen Liedern hast du mein altes Herz erfreut und die Lebensenergie und Güte, die in dir steckt waren mir eine Stütze in diese dunklen Tagen.“
Mit einer flüchtigen Bewegung seiner Hand gebot Gandalf Celebithiel Stille, als diese etwas erwidern wollte. „ Lass mich bitte ausreden! Trotz meiner Anweisung mir nicht zum Mund zu folgen hast du es trotzdem getan. So sehr ich mich über deine prinzipientreue, bezüglich deines Versprechens gegenüber Galadriel freue,  so ist in dir bei jener Aktion etwas zerbrochen. Etwas was nichts auf dieser Welt vermutlich heilen kann .
Dennoch hast du mir das Leben gerettet und dafür gebührt dir mein unendlicher Dank. Jedoch hat der Kampf mit dem Mund mich so sehr geschwächt, dass ich mich nicht mehr in der Lage sehe meine eigene Bürde zufriedenstellend in dieser schweren Zeit zu erfüllen.“
Wortlos überreichte ihr Gandalf das kleine Bündel, welches ihm zuvor Amrûn gegeben hatte. Als sie es öffnete sah sie einen kleinen glitzernden Ring auf dem weißen Tuch liegen.



Die Arme um ihre Knie geschlungen und den Kopf ebenfalls auf jenen ruhend saß Celebithiel im Gras und musterte den kleinen Ring, der mit einem Rubin verziert worden war.
Narya...der Ring des Feuers...ich kann das nicht annehmen. Wie bestürzt Gandalf mich angesehen hat, als ich gesagt habe ich könne diese Bürde nicht tragen!
Der Ring bedeutet für mich, dass ich weiter kämpfen muss. Solange bis Sauron vernichtet worden ist. Aber mein Herz sehnt sich danach wieder in Lorien zu verweilen. In Frieden...ohne eine Bürde.
Vor allem warum hat Gandalf mich auserkoren. Welche Eigenschaft besitze ich, dass ich jene Bürde tragen könnte?


Die Siegesfeier war schon im vollen Gange und die Sonne war nun hinter den Gipfel verschwunden und grelles Fackellicht erleuchtete ganz Isengart. Von überall her strömten Leute, um den Sieg über den Mund und die Freiheit Rohans zu feiern.
Eine Stimme, hell und klar, ertönte plötzlich und so schnell wie sie aufgekommen war, so verstummte auch das Festgelage.
Instinktiv ließ Celebithiel Narya in ein kleines Säckchen gleiten und lauschte der Stimme, deren Ursprung sie nicht lokalisieren konnte.


„ Meine lieben Rohirrim, ich gratuliere euch vielmals zu dem Sieg über den Tyrannen und die Stimme des dunklen Gebieters. Lang habt ihr unter dem eisernen Joch dieses Barbaren gelebt, der euer Land entweiht, eure Männer getötet, eure Frauen geschändet und eure Kinder versklavt hat.
Im Tal des Zauberers ließ er sich nieder. Nutzte den Orthanc als Trutzburg, um euer Land in die Verzweiflung zu treiben.
Nur zu gern sehe ich, dass ihr es geschafft habt, euch seiner Herrschaft zu entledigen. Natürlich darf hierbei der Dank an den weißen Zauberer nicht fehlen, der sich unter Gefährdung seines eigenen Lebens mit der Hexenmagie des Mundes angelegt hat.
Am Ende fielen sie beide, der eine durch die Hand eines alten Feindes, der andere durch die einer Elbe.
Zum zweiten Male bewies das Volke Rohans, dass es mit Hilfe des weißen Zauberers zu vielen fähig ist.
Doch was ist nun Eowyn, die weiße Frau, besteigt ihr nun den Thron und führst das verkorkste Regiment eures Onkels weiter, nachdem euer Bruder in der Schlacht am schwarzen Tore sein Leben gelassen hat? Doch wer wird euch helfen, sollte erneut der Schatten seine feingliedrigen Finger nach Rohan ausstrecken wollen?
Der weiße Zauberer ist niedergestreckt, der Geist des letzten Baumhirten für immer aus dieser Welt geschwunden und von euren Verwandten im Süden ist kaum zu sprechen.
Euer minderwertiges Geschlecht ist nicht mehr in der Lage ohne die Hilfe anderer ihre Probleme Herr zu werden. Schon zweimal wäre es fast untergegangen und ein drittes Mal werden wir alle hier noch erleben.
Auch die Heirat mit diesem Waldläufer aus den Wäldern Ithilien hebt euch nicht mehr einen Stand hinauf. Wälzt ihr euch auch weiterhin mit den Kötern auf den Boden in euren Hallen mit strohbedeckten Dächern.
Aber dies ist zweifelsfrei eure Abend verehrte Königin Rohans. Ich gehe meiner Wege und freue mich darüber, dass euer Land befreit ist und der Mund aus meiner ehemaligen Residenz vertrieben.
Gehabt euch Wohl, jetzt wo ich meine Rache an dem alten Narren, für seine Schmach, bekommen habe.“


Die Gedanken Celebithiel überschlugen sich und noch während die Stimme ihre giften Worte ausspuckte lief sie zum Zelt Gandalfs. Schon nach den ersten Sätzen hatte sie die Stimme Sarumans identifiziert und als er Gandalf erwähnt hatte, war sie sofort losgesprintet.
Sie riss den Stoff, der den Eingang zu Gandalfs Zelt verhüllte, zur Seite und sah Gandalf auf den Bett liegend.



„ Liebe Galadriel, Lieber Celeborn,
etwas schreckliches ist passiert. Der Istari Saruman ist heute Nacht zurückkehrt. Er hat sich des Stabes Gandalfs bemächtigt und ihn, so denke ich zumindest, mit einem Zauber belegt....“
Dies und mehr flüsterte Celebithiel ihrer Nachtigall ins Ohr, bevor sie sie nach Lorien entsandte.

Erschöpft fuhr sie sich durch die Haare und rieb sich die Augen.
Auf einmal stutzte sie als sie merkte, dass sie Narya bereits am Finger trug.
« Letzte Änderung: 12. Feb 2016, 11:30 von Fine »


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Re: Zelte außerhalb der Mauern
« Antwort #9 am: 27. Dez 2009, 14:18 »
Gemütlich pfeifend schlug Nerblog die Beine aus dem Bett, setzte die beiden nackten Füßte auf das Stroh, das den Boden bedeckte, streckte sich und genoss den Moment. Die Sonne ging gerade unter und ein frischer Hauch, der erste Vorbote der hereinbrechenden Nacht, durchdrang die dünnen Zeltplanen und fuhr über die geschundene Haut des Ostländers. Lächelnd schluss er die Augen und horchte auf seinen Körper: Die Enden der Halme am Boden kitzelten seine Fußsohlen, einige Wunden des vorübergegangenen Kampfes  ließen einen leisen Schmerz verspüren, der auf eine seltsame Weise jedoch schon die beginnende Heilung ankündigte.
Noch immer mit geschlossenen Augen tappte Nerblog in Richtung Ausgang, schlug den weißen Stoff beiseite und trat hinaus ins letzte Licht des Tages. Die Sonnenstrahlen, die gerade über den östlichen Kamm des Nan Curunir  lugten, kitzelten Nebrlog an der Nase und ließen ihn Niesen.
Daraufhin grunzte Nerblog unwillig, als er seinen eigenen Gestank vernahm. Er musste sich dringend waschen. Und danach etwas essen. Und dann musste er hinaus aus diesem Tal, wo die Tage kurz waren und die Sonne schon nach wenigen Stunden nicht mehr zu sehen war und heraus aus diesem elenden Schlamm und Dreck, endlich wieder auf die weiten Ebenen, am besten zu Pferde, mit einigen Gefährten, die sein Vertrauen genossen. Gefährten.
Eine plötzliche, unbändige Sehnsucht überfiel den Ostling , sodass ihm augenblicklich Tränen in die Augen schossen. Seit Jahren nun hatte er keine richtigen Freunde mehr, und die einzige Person, der er vielleicht sein Leben anvertraut hätte, war nun höchstwahrscheinlich tot oder fort.
Mit einem Kopfschütteln verjagte er den Gedanken.
Nerblog ging schnell zurück in sein Zelt, legte sein Wams und seine Leinenhose an und schlenderte gemütlich entlang der schier unendlichen Reihe weißer Zelte. Er brauchte sich schon keine Gedanken zu machen. Von hier aus würde es sicher bald wieder weiter gehen, zurück in Richtung Osten, wo der Feind wartete.
Als der Ostling seinen Blick herumschweifen ließ, entdeckte er eine junge Frau mit seidenen blonden Haaren, die einem kleiner werdenden schwarzen Punkt in Richtung nordost hinterherschaute.
Nach einiger Zeit Veränderte sich die Haltung der Frau und sie starrte auf ihre Hand. Nun erkannte der Ostling auch die feinen, spitz geformten Ohren der Frau, die sie zweifelsohne als Elbin identifizierten. Etwas an ihrer Hand reflektierte das letzte Sonnenlicht, ja es schien fast so als verfeinerte dieses Objekt das Licht und gäbe es in besserem Zustand weiter. Vollkommen fasziniert ging der Ostling hinter einem nahen Zelt in Deckung und betrachtete die Frau und ihr Schmuckstück, vermutlich eine Art Reif oder Ring.   
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Re: Zelte außerhalb der Mauern
« Antwort #10 am: 27. Dez 2009, 19:46 »
Erstaunlich wärmend waren die Sonnenstrahlen an diesen ersten Tag des Septembers. Lange sah Celebithiel noch ihrer Nachtigall nach, wie sie gen Lorien flog, um Galadriel ihre Nachricht zu übermitteln.
Sie ließ sich auf den Rücken sinken und atmete den frischen Wiesenduft ein. Sie nahm den Geruch verschiedener Blüten war, auch wenn kaum ein Bruchteil von jenen auch hier wuchsen. Ihre Erinnerungen wurden lebendig und so umschwirrten ihre Sinne der Duft von Nelken, Tulpen, Mohnblüten und die der Orchidee.
Beflügelt von jenen Düften betrachtete sie die Wolken, bis sie merkte, dass die Sonne sich immer wieder an ihrem Finger brach und in tausendfacher Projektion in verschiedenen Farben wiedergegeben wurde.
" Narya...", flüsterte sie und folgte dem Schauspiel an ihrem Finger.

Den Mann, der sie beobachtete hatte sie schon länger subtil bemerkt, aber der Ring übte so eine Faszination auf sie aus, dass es ihr egal war, wer noch da war.
Als sich jedoch eine Wolke vor die Sonne schob und das Farbenspiel somit beendete, sprach sie, ohne ihn anzuschauen, " Was fasziniert euch, dass ihr mich solange mustert? Sollten wir uns nicht einmal einander vorstellen?".
Unvermittelt drehte sich Celebithiel um und sah Nerblog in die Augen.
« Letzte Änderung: 27. Dez 2009, 19:53 von Festlicher Vexörli »


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Re: Zelte außerhalb der Mauern
« Antwort #11 am: 27. Dez 2009, 19:54 »
Nerblogs Herz machte einen Sprung und der Ostling stolperte erschrocken einige Meter zurück. "Ich... äh...", stotterte er, doch es gelang ihm einfach nicht, sich eine ausreichende Verteidigung auszudenken. Dabei wusste er, weshalb ihn dieser Ring so faszinierte, ja, warum er so eine unbändige Gier in ihm hatte aufsteigen lassen. Er wusste es schon als er noch am Stadtrand von Gortharia aufwuchs.
Die alten Geschichten kamen wieder hoch. Nerblogs Blick verschwamm, dann fuhr er herum und rannte davon. Er sollte nicht weit kommen. Sein linker Fuß machte unangenehme Erfahrung mit einem der kleinen Holzpflöcke, die man zur Befestigung der Zelte in den Boden geschlagen hatte, und landete auf dem niedergetrampelten Gras.
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Re: Zelte außerhalb der Mauern
« Antwort #12 am: 28. Dez 2009, 20:41 »
Lächelnd blickte sie den fremden ihr gegenüber an, wie er seine Suppe gierig verschlang.
" Ihr seid aber hungrig", stelle Celebithiel freundlich fest, " Warum seid ihr vorhin vor mir davon gelaufen? Hab ich auch geschreckt", fragte sie und blickte ihn gütig an.

Sie selbst aß kaum etwas von der Suppe, die ihr eine der Frauen, die die Truppen versorgten hingestellt hatte. Ab und zu fuhr sie mit dem Holzlöffel durch die Suppe, die mit mageren Fleisch und Kräutern angereichert worden war.
Sie wartete bis Nerblog seine Suppe ausgelöffelt hatte und blickte ihn erwartungsvoll an.


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Re: Zelte außerhalb der Mauern
« Antwort #13 am: 28. Dez 2009, 22:50 »
Unsicher rutschte er auf der Holzbank hin- und her, zu der ihn die Frau, die sich als eine gewisse Celebithiel vorgestellt hatte, manövriert hatte, nachdem sie ihm bei seinem Sturz aufgeholfen hatte.
Für einige Zeit starrte Nerblog auf den Baumstumpf, den er für sein karges Mahl als Tisch genutzt hatte, und fuhr mit den Fingern über die kleinen Kerben und Absätze auf dem alten Holz. Sicher hatten die Arbeiter des mundes ihn schon seit langem gefällt. Zuhause in Rhun hatten Bäume, vor allem große Eichen, einen viel höheren Wert als in der westlichen Welt. Jede Familie, die etwas auf sich hielt, besaß eine gute Eiche mit mächtigem Stamm, der am besten direkt vor der eigenen Haustür stand. Diese waren meist schon vor langer Zeit von den Urahnen des Familienoberhaupts gepflanzt worden. Je größer der Baum, desto älter die Familie.
Nerblog spürte, dass das Schweigen allmählich unangenehm wurde und lehnte sich leicht angespannt zurück.
Mit der Zunge befeuchtete er seine trockenen Lippen und begann:
"Kennt Ihr die Geschichte von der Großen Westjagd?"
Als Celebithiel stumm den Kopf schüttelte, fuhr Nerblog mit gemäßigter Stimme fort.

"Nicht viele wissen von dieser Zeit. Vor vielen Jahren, als der Dunkle Herrscher noch als leeres Gespinst in seiner Feste im Dunkelwald, ich weiß nicht wie er in Euren Gefilden genannt wird, herumgeisterte, ritt eine Horde seiner Schergen nach Osten, wo meine Väter lebten. Zunächst brachten sie den damaligen Herrschern des Ostens einige Beispiele ihrer Macht und Skrupellosigkeit, ermordeten wahllos einige Bürger, und dann brachten sie Ulthar, den König Rhuns, dazu, eine Art Expedition nach Westen auszurufen. Sauron gierte es nach den Ringen der Macht und so breiteten sich rasch falsche Geschichten darüber aus, dass der Dunkle Herr die Abenteurer, die einen der Ringe nach Dol Guldur brachte, fürstlich entlohnte und zu seinen Hauptmännern machte. Viele brachen damals weit verstreut nach Westen auf, sodass die Jagd nach den Ringen fast unbemerkt und erfolglos zuende ging. Was heißt zuende- noch heute gibt es Männer, die nach Westen aufbrechen, um Ringe zu jagen. Natürlich ist es töricht, daran zu glauben, man wäre fähig, einen der letzten Ringe zu finden, doch diese Geschichte wird den Kindern schon früh erzählt, sodass einige tatsächlich loszogen.
Aber ich bin kein guter Geschichtenerzähler... Zudem kann es sein, dass sich irgendwelche Daten im Laufe der Generationen verändert haben. Einfluss auf die Geschichte hatte die Westjagd nicht, bis auf die Tatsache, dass nie jemand nach hause zurückkehrte."

Nerblog hob die Suppenschale an den Mund und trank ihren Inhalt nun vollkommen aus.  Dann knallte er die Schale auf den Baumstumpf, beugte sich weit vor und flüsterte: "Und egal, was ihr mir darüber erzählen mögt... Das", Nerblog deutete auf Celebithiels rechte Hand, die sie auf den "Tisch" gelegt hatte, "ist der Ring des Feuers!"
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Re: Zelte außerhalb der Mauern
« Antwort #14 am: 29. Dez 2009, 18:32 »
Den ersten Augenblick, nachdem Nerblog Narya in den Mund genommen hatte, war Celebithiel fassungslos.
Schnell nahm sie den Ring von ihrem Finger und ließ ihn in ihre Manteltasche gleiten.
" Auf den Kopf seid ihr nicht gefallen und selbst wenn es der Ring des Feuers wäre. Bitte sprecht mit Diskretion darüber. Nichts wäre mir unlieber als dass alle erfahren würde, vor allem der Feind, dass der Ring des Feuers in meinem Besitze ist", sagte Celebithiel schnell und nachdem die Worte über ihre Lippen waren schämte sie sich für ihre eigene Dummheit und ihr unüberlegtes Handeln.
Bist du eigentlich vollkommen dämlich. Plapperst einfach so drauf los und gibst dann auch noch vor einem Ostling zu, dass du Narya besitzt. Vor ein paar Stunden wolltest du ihn nicht einmal und jetzt prahlst du schon offen damit rum.
Ohne Nerblog anzusehen, schloss sie die Augen und massierte ihre Schläfen, um ihre Gedanken zu ordnen und die Antwort abzuwarten.
« Letzte Änderung: 29. Dez 2009, 20:40 von Vexor »


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Re: Zelte außerhalb der Mauern
« Antwort #15 am: 29. Dez 2009, 20:56 »
Während die Elbin geistesabwesend auf einen Punkt weit links von Nerblog starrte, entspannte dieser sich wieder und ließ den Blick über die Rohrrim schweifen, die gerade von irgendeiner Triumphrede aus dem Zentrum Isengarts zurückkehrten. Sie wirkten alle seltsam empört und aufgebracht. Schlechten Rhetorikern war es eben noch nie gut ergangen, schoss es dem Ostling durch den Kopf.
Zufrieden verschränkte er die Arme vor der Brust und sah Celebithiel an, die sich noch immer nicht gefasst hatte. Endlich hatte Nerblog mal die Gelegenheit, sie aus nächster Nähe eingehend zu betrachten, ohne irgendwie in Bedrängnis zu geraten. Sie war zweifelsohne sehr hübsch, doch auf eine seltsame Art und Weise auch außergewöhnlich verletzlich, als ob gerade ihre Schönheit auch das wäre, dass sich in der größten Gefahr befand.
Um zu verhindern, dass ihr Gespräch vollkommen einfror, erhob der Ostling erneut die Stimme. Er spürte, dass er sie mit der Ansprache auf ihren Ring in Verlegenheit gebracht hatte und so sagte er: "Hmm, hattet ihr nicht einen... Begleiter?"   
« Letzte Änderung: 29. Dez 2009, 21:02 von Tom Bombadil »
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Re: Zelte außerhalb der Mauern
« Antwort #16 am: 29. Dez 2009, 21:31 »
Hmm jetzt redet er gar nicht mehr von Narya. Ein seltsamer Mensch
" Ja ich habe einen Begleiter, aber ich weiß selbst nicht, wo sich jener herumtreibt. Er ließ mich mit meinem anderen Freund allein und seitdem ist so viel passiert, dass ich es nicht mehr mit ihm bereden konnte, geschweige denn weiß wo er ist", seufzte Celebithiel und sie dachte an die letzten Tage und all das was passiert war.
Wie Wolkenfetzen, immer mal wieder die Sonne verhüllend, zogen die Erinnerungen an ihr vorbei. Die Fratze des Mundes, Amrûns kieselgrauen Augen, Gandalfs Falten reiches Gesicht, Sarumans Rede, die Nachtigall, wie sie gen Lorien flog, und Narya an ihren Finger.
Die letzten Wochen waren so intensiv gewesen, dass Celebithiel ihr restliches Leben schon fast als Zeitverschwendung betrachtete.
Plötzlich richteten sich ihre ozeanblauen Augen wieder auf ihr gegenüber. Sie musterte ihn neugierig, denn er unterschied sich deutlich von den Menschen, die sie bisher gesehen hatte. Nur wenig Kontakt hatte sie zu den Ostlingen gehabt und seine dunkle Haut und Haare faszinierten Celebithiel.
Lange starrte sie ihn einfach so an, bis es ihr peinlich wurde, deshalb richtete sie wieder ihr Wort an ihn: " Nun wisst ihr meinen Namen, aber wie ist der eure. Und noch mehr interessiert mich, was ihr als Ostling, in dieser verfluchten Stadt und dem vergifteten Tal macht?"



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Re: Zelte außerhalb der Mauern
« Antwort #17 am: 29. Dez 2009, 22:07 »
"Das", erwiderte Nerblog, "ist eine sehr lange Geschichte und ich müsste weit ausholen, um Euch Eure Fragen zu beantworten." Fragend sah der Ostling zu der Elbin hinüber.
"Fahrt fort, im Moment bin ich nicht beschäftigt."
"Nun. Der Name, den mein Vater mir gab, lautet Nerblog, doch dieser Name beschreibt schon seit langer Zeit nicht mehr das, was ich bin. Genauer gesagt seit etwa zehn Jahren. Damals erledigte ich gerade einen Auftrag, den mein Vater mir gegeben hatte, im Aschengebirge, das das Schwarze Land gen Norden abschirmt. Worum genau es dabei ging, will ich jetzt nicht genauer ausführen, doch es steht fest, dass ich auf dem Rückkehr in meine Heimatstadt, das legendäre Gortharia, unangenhmen Kontakt zu einem einfachen Boten aus Mordor hatte. Die Wachen des Südtors bezichtigten mich des Mordes an einem Diener des Dunklen Herrn. Ehe ich wusste, wie mir geschah, waren sie schon dabei, mir Ketten anzulegen."
Nerblog hatte im vergangenen Jahrzehnt so viele Stunden über den Ereignissen am Stadttor gebrütet, dass dieses Geschehnis für ihn jegliche Bedeutung verloren hatte. Das einzige, was aus seiner Kindheit geblieben war, war die Wehmut, fern von den mit goldenem Weizen bepflanzten Hügeln auf den Ländern seines Onkels Galblog, fern vom ausschweifenden Leben in der Hauptstadt des glorreichen Ostreiches, fern von seiner Familie zu sein.
"Also stieß ich die Wachen von mir und rannte davon. Ich war schnell und so gelang es meinen Verfolgern nicht, mich einzuholen. Doch auf meiner überstürzten Flucht hatte ich jegliche Orientierung verloren. Es müssen Jahre gewesen sein, in denen ich in der Ödnis zwischen dem Großen Strom, Rhun und den Braunen Landen herumgestreift bin. Den Fluss selbst hatte ich nie erblickt, bis ich eines Tages im Nebel hineinstolperte.
Ihr müsst wissen, ich hatte bei meinem Onkel öfters Karten des Landes erforscht, und so wusste ich, dass jenseits des Flusses eines der Freien Völker lebte. Und so zog ich los.
Über einige Umwege gelangte ich nach... zum Goldenen Wald, wie er bei den Menschen genannt wird. Irgendein ranghoher Anführer dort trug mir auf, in den Nebelbergen nach Aktivitäten der Orks zu suchen.
In Moria stieß ich auf sie. Tausende Orks, gut organisiert und die Rüstungsbestrebungen unermütlich vorantreibend."
Als die Elbin erschrocken Luft einsog, machte Nerblog eine beschwichtigende Geste.
"Wenn diese Armee bis heute nicht Isengart unterstützt hat, was, wie ich damals in Erfahrung brachte, ihre Absicht war, hat sich ihr Reich längst in Machtstreitereien und Bürgerkrieg aufgelöst. Auf meiner Flucht aus der Mine kam es nämlich zum Duell zwischen ihrem Anführer und mir. Ich konnte ihn nicht besiegen, doch ich glaube, ich schwächte ihn zumindest so stark, dass er sich seiner internen Widersacher nicht länger erwehren konnte. Mehr über diese Sache weiß ich nicht. Verwundet vom Gefecht mit dem Ork trieb ich tagelang besinnungslos einen Schmelzbach aus dem Gebirge hinab... bis mich eine äußerst seltsame Gestalt, wie war nochgleich ihr Name, Nidanadh, aus dem Wasser fischte. Statt mir zu helfen, ließ er mich jedoch im Stich, und so wurde ich von einigen Orks nach Isengard verschleppt, wo ich wochenlang in den Minen schuften musste... bis jetzt."
Nerblog lächelte die Elbin an und erhob sich, um sich einen neuen Suppenteller zu holen. Gerade wollte er fragen, ober ihr ebenfalls etwas mitbringen sollte, als er ihre noch volle Schale sah.
Als er zurückkehrte und sich über die zweite Ladung hermachte, fragte er: "Und... wer genau seid ihr? Und was habt ihr vor, wenn hier alle Dinge erledigt sind?
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Re: Zelte außerhalb der Mauern
« Antwort #18 am: 29. Dez 2009, 23:35 »
Als der Ostling Nîdanadh erwähnte war Celebithiel zum wiederholten Male an diesem Tage sprach - und fassungslos.
Wie klein diese Welt doch ist. Bei allen Männern hier hätte ich ihm am wenigsten eine Bekanntschaft mit dem Waldläufer zugetraut.
Während Nerblog sich eine neue Suppe holen gegangen war, stütze Celebithiel ihr kann auf ihrer Hand ab und versank in Erinnerungen an ihre gemeinsame Zeit mit Nîdanadh.
Wie anders sie damals im Gegensatz zu heute gewesen war. Sie erinnerte sich an die gemeinsame Zeit mit ihm, wie sie ihn das letzte Mal beim Abschied in Lorien an ihren gefrorenen Teich gesehen hatte.
Ich frage mich, wie es ihm wohl geht. Er war damals mit ebenso vielen Fragen beschäftigt, wie ich. Nur habe ich meine Antworten gefunden, auch wenn ich schon wieder so viele neue Fragen habe. Ich hoffe es geht ihn gut und er hat das gefunden, wonach er gesucht hat. Was immer das auch gewesen sein mag...
Sie fuhr behutsam mit ihrem nackten Zehen durch das feuchte Gras und als ein kalter Wind durch die Zelte zog, legte ihr Füße auf die Bank auf der sie saß und hüllte sie mit ihrem Mantel ein.
Schnell hatte die Kälte den warmen Sommer verdrängt und der September war mit einem gravierenden Temperatursturz gekommen. Die obersten Gipfel des Nebelgebirges hatten schon angefangen ihr weißes Winterkleid zu tragen.
Sie sah Nerblog wiederkommen und schon verflogen die Gedanken an Nîdanadh wieder und sie konzentrierte sich auf ihr Gegenüber.
" Nun ja auch meine Geschichte ist nicht so kurz, dass ich sie in kürzester Zeit erzählen könnte", erklärte Celebithiel mit einem Lächeln. Als jedoch Nerblog nicht reagierte und weiter aß, fuhr sie fort. " Wie ich bereits sagte ist mein Name Celebithiel, jedoch hieß nicht immer so.
Ich wurde geboren in Imladris, oder Bruchtal, unter diesen Namen wirst du es eher kennen. Ich hieß damals Gwilwileth. Nunja auf tragische Weise starben meine beiden Eltern und Celebrian, die Frau Herrn Elronds, nahm mich als Ziehtochter auf. Jedoch verließ auch sie diese Gefilde und segelte nach Westen. Allein in dieser Welt reiste ich viel durch Mittelerde, kämpfte hier und dort, und sammelte Wissen jeglicher Art.
Leider verstieß es mich nie in die von euch erwähnte Stadt Gortharia. Euren Erzählungen nach reizt es mich sehr diese Stadt einmal zu sehen und zu erkunden.
Vor bald einem Jahr entsandte mich Elrond nach Lorien, um dort den Angriff des Hexenkönigs abzuwehren. Wie ihr sicherlich wisst war jene erfolgreich und zusammen mit Gandalf und zwei weiteren Gefährten wanderte ich über den Fangorn nach Rohan und half bei der Befreiung dieses unterdrückten Landes.
Und nun, nun bin ich hier, werde als Tyrannenmörderin gefeiert und sehne mich einfach nach Ruhe und Gesellschaft meiner Großeltern in Lorien. Ich sehne mich nach den Wäldern und ein Leben ohne den Krieg und ohne jegliche Bürde", schloss Celebithiel und fing an ihre Suppe aus zu löffeln. Dass sie bereits kalt war störte sie nicht.


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Re: Zelte außerhalb der Mauern
« Antwort #19 am: 30. Dez 2009, 00:51 »
Die Sonne versank nun vollends hinter der Anhöhe im Osten und nach- und nach entflammten überall Lagerfeuer. Die erschöpften Krieger versammelten sich, lachten, tranken und speisten und trotz der immer kälteren Winde breitete sich eine gemütliche Atmosphäre in der kleinen Zeltstadt aus.
Der appetitliche Duft von am Spieß gegrillten Ferkeln waberte zwischen den Zelten umher und das Flackern der Feuer warf tausende Schatten in die unterschiedlichsten Richtungen. Der Himmel war außergewöhnlich klar, sodass sie einen herrlichen Blick auf die Sterne und die Sichel des Mondes hatten. 
Als Celebithiel ihre Suppe gegessen hatte, starrten sie beide einige Zeit  wortlos nach oben. Als Nerblog auffiel, dass die Elbin barfuß unterwegs war, erhob er sich und nickte zum nächsten Feuer hinüber, an dem noch Platz für zwei, oder drei Personen war.
"Kommt. Wärmen wir uns ein wenig im Schein der Flammen."
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Re: Zelte außerhalb der Mauern
« Antwort #20 am: 30. Dez 2009, 13:55 »
Danken nahm Celebithiel die Einladung an und gemeinsam gingen sie zu einem der Lagerfeuer, die die Rohirrim errichtet hatten.
Sie zog den Mantel fest um sich und streckte ihr Hände in Richtung des Feuers aus und die warmen Flammen des Feuers brachten wieder Leben in ihre eisigen Hände zurück.
Vereinzelt nahm sie Gesprächsfetzen der Rohirrim auf, die alle nur ein Thema beherbergten, nämlich das erneute auftauchen Sarumans. Nur der Tenor unterschied sich bei vielen; die einen empört über ihren alten Feind redend, die anderen mit ängstlicher Stimme, ob eines neuen Kriegs um Isengart und die wenigstens wehklagend über das Schicksal das den weißen Reiter ereilt hatte.
Celebithiel sah kurz zu dem Ostling herüber, der nun auf der Seite lag und in die Flammen starrte. Als sie ihn so daliegen sah, fragte sich Celebithiel, ob Nerblog gerade an seine alte Heimat und die legendäre Stadt Gortharia dachte.
Die Flammen züngelten sich genüsslich an den Ästen entlang und verwandelten sie nach und nach in graue Asche, die sich oftmals als sprühende und glühende Funken in den Nachthimmel geschleudert wurde.
Sie betrachtete lange das Feuer bis ein junges Mädchen sie von der Seite ansprach.
" Entschuldigt Herrin, aber wollt ihr eine Tasse voll heißen Met. Ich habe gesehen ihr seid barfüßig und vielleicht wärmt euch der Met ein wenig."
Überrascht über die Freundlichkeit des Mädchens, deren Haare so braun, wie ein Nest voller Kastanien war, willigte sie ein und bat höflich noch um eine zweite Tasse für Nerblog.
Als das Mädchen wiederkam und ihr den Met überreicht hatte, stellte Celebithiel eine Frage.
" Ich möchte euch an diesem schönen Abend nicht aufhalten, aber ihr seid mir zu jung als ob ihr an der Schlacht teilgenommen habt. Wisst ihr wies dem Elb Antien geht? Er wollte während der Schlacht draußen bei den Krankenzelten bleiben und ich dachte vielleicht habt ihr ihn gesehen?"
Das Mädchen zögerte nicht lange, " Ach ihr meint den Sänger? Ja der war bei uns und hat mich und die anderen mit wunderbaren, fröhlichen Liedern unterhalten. Er verkürzte uns durch seine wunderbaren Töne die Zeit erheblich, als wir Frauen auf die Rückkehr unserer Väter, Brüder und Ehemänner warteten."
Erleichtert atmete Celebithiel aus, " Wisst ihr denn auch, ob er hier auf der Siegesfeier ist oder ob er noch vor hat zu kommen?"
"Entschuldigt Herrin, aber er teilte uns mit er wolle den weißen Reiter besuchen. Ihr müsst ihn heut Morgen wohl verpasst haben!"
Als Celebithiel nicht weiter nachfragte verschwand das Mädchen und Celebithiel nahm einen Schluck ihres Mets und ihr Blick schweifte, nachdem sie Nerblog seine Tasse gereicht hatte, zum Zelt Gandalfs ab.
Na dann lass ich ihm Zeit mit Gandalf allein. Er wird ihm bestimmt ein paar Geschichten vom alten Tom erzählen. Wir haben morgen noch Zeit miteinander zu reden.
Der heiße Met schmeckte köstlich und schnell hatte sie ihre Tasse geleert und blickte durch die Runde, um nach Amrûn zu suchen, aber sie fand ihn nirgends.


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Re: Zelte außerhalb der Mauern
« Antwort #21 am: 30. Dez 2009, 14:14 »
Während Nerblog so  in die Flammen starrte, die rechte Hand unter den Kopf gelegt, und ihnn allmählich der Schlaf überwältigte, schossen ihm dutzende Dinge durch den Kopf. Sollte er sich etwa der Elbin und ihrem Begleiter, diesem Amrun, anschließen und nach Lorien zurückkehren? Vielleicht würde er auch nach so langer Zeit noch eine Belohnung von Celeborn kassieren können. Es sprachen aber auch noch andere Dinge dafür; allen voran, dass er sich seltsam zu Celebithiel hingezogen fühlte.
"Und... wann brecht ihr nun auf, in Richtung des Goldenen Waldes?", fragte er, ohne den Blick vom Lagerfeuer abzuwenden.
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Re: Zelte außerhalb der Mauern
« Antwort #22 am: 30. Dez 2009, 15:51 »
" Hmm eine gute Frage, die ihr mir da stellt. Ich denke, wenn ich eine Antwort auf meine Nachricht an die Herren des goldenen Waldes, bekommen habe. Ich bin müde von all dem Krieg. Warum fragt ihr? Nach was sehnt es euch", fragte ihn Celebithiel, während sie ein kleines Gähnen nicht unterdrücken konnte.


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Re: Zelte außerhalb der Mauern
« Antwort #23 am: 30. Dez 2009, 15:55 »
Nerblog sah einen Augenblick nachdenklich zu Boden. Wonach sehnte es ihn? "Hmm, zunächst einmal nach ein wenig Ruhe, um wieder Kräfte zu sammeln, und danach..." Wie immer, wnen Nerblog von solchen Dingen sprach, stiegen ihm Tränen in die Augen, die er aber sofort wegblinzelte. "Nun... nach einem zuhause."
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Re: Zelte außerhalb der Mauern
« Antwort #24 am: 30. Dez 2009, 16:25 »
"Ja Ruhe die brauchen wir alle", sagte Celebithiel", aber worauf ich hinaus wollte. Wohin wird es euch verschlagen?"


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Re: Zelte außerhalb der Mauern
« Antwort #25 am: 30. Dez 2009, 21:04 »
Nerblog zuckte unwollend die Achseln. " Ich weiß nicht. Ich kenne hier niemanden, habe hier nichts... Im Grunde weiß ich nicht mal, wo ich hin könnte." Er lachte kurz auf, dann wurde er wieder toternst. "Außer natürlich nach Lorien", fügte er bedächtig hinzu und erhob sich. Es wurde Zeit, sich ein wenig die Beine zu vertreten.
"Wollt ihr schon gehen?", fragte Celebithiel schnell.
"Ich werde zunächst einen kleinen Spaziergang im Mondschein unternehmen. Und dann werd ich mich aufs Ohr hauen."
« Letzte Änderung: 1. Okt 2010, 20:51 von Tom Bombadil »
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Re: Zelte außerhalb der Mauern
« Antwort #26 am: 30. Dez 2009, 21:23 »
Amrûn vom Orthanc


Amûn saß neben dem Grab von Arafaron, er sagte kein einziges Wort. Immer wieder schwirrten ihm die Szenen im Kopf umher, jene Momente kurz vor dem Tod des Waldläufers.

Er war ein Verwandter von Aragorn. Nach solanger Zeit in Gefangenschaft hatte er es wohl kaum verdient zu sterben und trotzdem wollte er es so. Vielleicht war er selbst es, der seinen Körper auf den Orthanc laufen lies. Vielleicht wollte er springen, er war sehr abwesend auf der Spitze.
Nichtsdestotrotz ist er jetzt tot und dies alles nur wegen meinem Zorn.


Amrûn legte sich auf den Rücken. Er starrte in den klaren, mit Sternen übersähten Himmel. Für heute Nacht würde er hier bleiben und eine Art Grabwache halten.
Der Elb dachte auch an seine Worte, sie stärkten seine Sehnsucht sich auf die letzte Reise nach Valinor zu begeben. Durch Arafarons Tod erinnerte er sich an den Moment indem er beinahe aus dem Leben geschieden wäre, hätte Celebithiel ihn nicht gerettet:

Sie hat mich so verändert und das alles ohne das ich es wirklich wollte. Ich hatte bereits mit Mittelerde abgeschlossen, mit meinem Leben in Mithlond und meinem Ende in den Händen der Orks, doch ihre Wärme hat mich gerettet. Seit langem habe ich hier in Mittelerde wieder Freunde, richtige Freunde.
Arafaron... er hatte sicherlich auch Freunde in seiner Heimat und hier auch. Er hatte doch von Nerblog erzählt, dem Ostling dem ich das Zelt zuwies. Morgen werde ich ihm über den Tod seines Freundes berichten...


Die ganze Nacht tat Amrûn kein Auge zu, er betrachtete nur die silbernen Sterne am Firmament.
« Letzte Änderung: 15. Feb 2016, 09:57 von Fine »
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Re: Zelte außerhalb der Mauern
« Antwort #27 am: 31. Dez 2009, 12:08 »
Celebithiel saß auf der Mauer Isengarts und ließ ihre nackten Füße gemütlich herunterhängen. Sie hatte kaum Schlaf gefunden, in dem kleinen Zelt neben Gandalf liegend, und so war sie nach draußen gegangen, um die Sterne des Firmaments zu betrachten.
Die Lagerfeuer in Rohan waren fast alle erlöschen und es regte sich nichts mehr und endlich sah Isengart friedlich aus. Es schlief einen ruhigen und erholsamen Schlaf und irgendwann, da war sich Celebithiel sicher, würde sich das Tal erholt haben, nachdem es von zwei bösen Geistern heimgesucht worden war.
Silberne Stickmuster zierten ihr smaragdgrünes Kleid, welches sie übergestreift hatte. Ihr Haar glich im faden Schein des Mondlichts, wie flüssiges Silber, immer in Bewegung und geprägt von einer faszinierenden Eleganz. Der goldene Ring mit dem Rubin, welchen sie am Finger trug, schien das Mondlicht in sich aufzunehmen und jegliches Licht schien geradezu auf Narya zu zulaufen.

Sie hatte Antien im Zelt getroffen und kurz mit ihm geredet, aber auch er war von Müdigkeit geplagt gewesen und auch wenn er es nicht zugegeben hatte, so wusste Celebithiel, dass ihm das Schicksal Gandalfs sehr nahe ging.
„ Ich möchte sobald es geht nach Hause Celebithiel“, hatte Antien ihr gesagt und mit einem freundschaftlichen Kuss auf die Wange hatte Celebithiel eingewilligt.

Mit einem kleinen Sprung landete sie auf dem feuchten Boden und schlenderte den Weg entlang, der Richtung Lorien und Fangorn führte. Ihr scharfer Elbenblick machte viele Geschöpfe aus, die wie nach einem langen und strengen Winter, endlich in ihre Heimatregion zurückkehren konnten. So flog eine Schar von weißen Schneeeulen über die südlichen Baumkronen des Fangorns. Ein Lied anstimmend, welches von den uralten Bäumen des Fangorn freudig weitergesungen wurde. Es erzählte von der Befreiung des Tals des Zauberers und dem endgültigen Sieg über das Böse.
Als Celebithiel so drüber nachdachte wurde ihr klar, dass jener Ort seinen Namen nicht mehr gerecht wurde.
Leise wisperte sie einen Namen in den Wind .und so änderten auch die Bäume und Vögel den Namen dieses Tales und so sangen sie nicht mehr vom Nan Curunír, dem Tal des Zauberers, sondern vom Nan nírnaeth, dem tränenreichen Tal.

Celebithiel hielt die weißen Banner erst für weitere Eulen, doch als sie die Engelsgleichen Chöre hörte, die die Eulen begleiteten wusste sie, wer nahte.
Die weiße Frau und Herrin über den segenreichen goldenen Wald näherte sich dem Nan nírnaeth und ihre Ankunft bedeute die Erlösung für Celebithiel.Sie spurtete los und lief der Gesandtschaft aus Lorien entgegen, die sich ihr näherte und erkannte in der Mitte Galadriel, die von mehreren Galadhrim begleitet wurde. Jedoch neben ihr wanderte nicht Celeborn, ihr Gemahl, sondern ein alter gebrechlich wirkender Mann, den Celebithiel bereits einmal zuvor in Lothlorien gesehen hatte. Er stütze, sich ähnlich wie Gandalf, auf einem Stab, der mehr einen Baumstamm glich, der oben in eine Wurzel endete.
Wortlos, aber überglücklich, fiel sie ihrer Großmutter um den Hals, die ihr Umarmung mit einem herzlichen Lachen erwiderte.
„ Mein Kind, solang waren wir nun getrennt“, sprach Galadriel, „ auch wenn unserer Wiedersehen die Tragödie, um Gandalf überschattet. Ich kam, zusammen mit Radagast, hier her, um mich selbst nach dem Zustand Gandalfs zu vergewissern und den Treiben im Orthanc eine Ende zu bereiten.“ Nachdem sie kurz in Celebithiels Augen geblickt hatte, ergänzte sie schmunzelnd, „ Und natürlich auch, um dich, meine liebe Nichte, endlich wieder zu sehen.“
Celebithiel hatte sich bei Galadriel untergehakt und zusammen schritten sie den Weg entlang. Sie erzählte Galadriel alles was in den letzten Monaten, seit ihrer Abreise aus Lorien, geschehen war und mit sichtlichen Interesse verfolgte Galadriel ihrer Erzählungen.
Narya und die Einzelheiten um den Kampf mit dem Mund sparte sie aus und, zu Celebithiels Wohlgefallen, fragte Galadriel an diesen Stellen auch nicht genauer nach. Jedoch lachte sie bei den Geschichten, um Fangorn und war den Träne nahe, als Celebithiel das brennende Edoras erwähnte.

Mit glorreichem Gesang marschierten sie durch das zerstörte Isengarts, gerade pünktlich zum Sonnenaufgang.
Alle die die weiße Dame des goldenen Waldes erblickten, verneigten sich, wie sie zusammen schritten Galadriel und Celebithiel, die Tyrannenmörderin.


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Re: Zelte außerhalb der Mauern
« Antwort #28 am: 31. Dez 2009, 12:42 »
Schläfrig wanderte Nerblog durch zwischen den langen Zeltreihen hindurch, grob in Richtung seines eigenen Schlafplatzes. Nur noch das blasse Mondlicht beleuchtete die Szenerie und übermittelte dem Ostling ein seltsames Gefühl von zähfließender Zeit und Untätigkeit. Immer mehr drängte es ihn, einfach loszurennen und sich ein wenig zu beschäftigen.
Er war gerade in die Nähe der dunklen Mauer gekommen, da sah hinter einem großen Lazarettzelt er eine Gestalt, die auf aufgewühltem Boden kauerte.
Neugierig kam Nerblog näher. Und identifizierte die Gestalt als Amrûn, den Elben, den er vor einigen Stunden im Orthanc getroffen hatte. Doch was machte er hier? War er verwundet?
Nerblog räusperte sich merklich. "Ist alles in Ordnung?", fragte er laut.
manana

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Re: Zelte außerhalb der Mauern
« Antwort #29 am: 31. Dez 2009, 14:06 »
Die Nacht neigte sich nun langsam dem Ende zu. Im Osten begann es bereits leicht zu dämmern. Amrûn war erleichtert, dass er Nerblog nicht suchen musste. Er wurde wohl von höheren Mächten zu mir geleitet.
"Nerblog!", sagte er erstaunt und hielt kurz inne, sein Blick wanderte auf den frischen Erdhaufen neben sich "Ich weiß nicht wie ich es euch sagen soll, denn ich habe keine Ahnung wie gut ihr euch gekannt habt."
"Wen gekannt" unterbrach der Ostling gleich.
"Aus den wenigen Geschichten die er mir erzählt hat, hörte ich deutlich euren Namen heraus. Es schien mir so, als hättet ihr Arafaron viel bedeutet. In den letzten Stunden seines Lebens hatte er die Geschichte von euch erzählt in den verwinkelten Tunneln des Orthancs. Und mit seiner letzten Tat befreite er einen gefangenen Ork. Ich dachte mir, ihr wollt euch von ihm verabschieden!"
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Re: Zelte außerhalb der Mauern
« Antwort #30 am: 2. Jan 2010, 19:08 »
Diese Botschaft traf Nerblog erstaunlich schwach. Er hatte von Anfang an gewusst, dass es dem Waldläufer nicht möglich sein würde, den schwarzen Kräften des Mundes zu trotzen. Als Arafaron mit ihm darüber gesprochen hatte, hatte der Ostling ihn zunächst davon abbringen wollen, doch als er die unerschütterliche Entschlossenheit seines Kameraden bemerkt hatte, hatte er ihn ziehn lassen.
"Er ist jetzt an einem besseren Ort", murmelte er und trat näher an das schmucklose Grab. Die Wurzeln des plattgetretenen Grases traten nun aus der umgegrabenen Erde hervor und boten ein nicht besonders ansehnliches Bild. Zwischen einigen mattgrauen Grasbüscheln erspähte Nerblog in der Dunkelheit eine kleine Eichel und hob sie auf, um sie sich genauer anzusehen.
Sie musste uralt sein. Bäume hatte es an diesem Ort sicher seit Jahren nicht gegeben, oder besser: seit Saruman seine Armee hatte aufzustellen begonnen.  Und trotz aller Gefahren, die ihm seither gedroht haben mochten, war dieser kleine Samen völlig unversehrt geblieben.
Schweigend grub Nerblog eine kleine Kuhle in die lose Erde über Arafarons Grab, legte die Eichel behutsam hinein und deckte sie wieder zu. Hoffentlich würde sie auch nach so langer Zeit noch keimen.
Der Ostling wandte sich wieder dem Elben zu.
"Wie ist er gestorben?" 
manana

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Re: Zelte außerhalb der Mauern
« Antwort #31 am: 9. Jan 2010, 18:48 »
Amrûn begann die Geschichte von Arafarons Tod zu erzählen. Gefühle durchströmten ihn dabei, die so konträr waren wie Licht und Schatten, doch er zeigte sich stark vor dem Ostling.
Aufmerksam lauschte Nerblog den Worten und aus seinen Augen sprachen das Mitgefühl, die Abscheu gegen den Mund und der Schmerz über den Verlust...

„Der Geist von Arafaron ist nun in höhere Hände. Dort wird er wohl beschützt sein und vor allen Gefahren sicher“, schloss Amrûn ab.
„Sein Ende war sehr ehrenhaft und wahrscheinlich habt Ihr Recht: Ein gespaltenes Leben zu führen, hätte er nicht verdient.“
„Was habt ihr vorhin in der Erde vergraben?“ fragte der Elb.
„Es ist eine Art Abschiedsgruß. Eine Eichel lag hier, vermutlich aus den Zeiten in denen der Fangorn noch bis nach Isengart reichte; wisst ihr, die Eiche ist ein hoch angesehener Baum in meinem Heimatland. Er zeugt von der Geschichte und dem Ruf einer Familie... Hier setzt er ein Zeichen für Arafarons Leben und seinen Tod!“, sagte der Ostling.

Amrûn nickte zuversichtlich und sah wortlos auf den Erdhügel. Einen Moment hielt er noch inne und verabschiedete sich endgültig mit den Worten: „Dieser Same bedeutet für uns Abschied zu nehmen, Abschied von einem Freund und Verbündeten... Aber er bedeutet auch einen Wilkommensgruß für all die Bäume, die einst die Festung Isengart bewohnten. Dieser Baum wird der erste seiner Art sein, der den Orthanc wieder in einen grünen Mantel hüllt. Er soll höher und stärker als all die anderen sein.“

„Ja, lange ist es her, dass Bäume und Vögel hier Einzug hielten...“, erklang plötzlich eine unbekannte Stimme.
Der Elb und der Ostling drehten sich überrascht um und sahen einen alten Mann, gestützt auf einen Stock. Sein Gewand war Braun und sein Bart verklebt von Schmutz. Hinter ihm stand Antien mit einem leicht betrübten Gesicht, was ganz ungewöhnlich für ihn war.
„Radagast? Seid ihr es“ fragte Amrûn, dem das Gesicht bekannt vor kam. Er hatte es bereits einmal in Mithlond gesehen, bei dessen Ankunft.

Der braune Zauberer nickte nur kurz und ging auf die beiden zu: „Ich komme aus Lothlorien mit Galadriel und vielen Elben.“ Er ging zu dem Grab von Arafaron und tröpfelte eine klare Flüssigkeit auf die Stelle wo die Eichel begraben war: „Dieses Wasser wird eure Wünsche erfüllen. Dieser Baum wird alle anderen überragen und schneller wachsen als anderen.“

Er blickte zu dem Elben: „Galadriel hat mir von euch erzählt, ihr seid ein guter Freund von Gandalf nicht wahr?“
„Ja“, sagte Amrûn.
„Wir sind hierher gekommen um Gandalf in den goldenen Wald zu holen. Saruman hat einen mächtigen Zauber auf ihn gelegt. Magie die selbst meine Fähigkeiten in den Schatten stellen...“, antwortete der Radagast.
„Können wir ihm helfen?“
„Wir werden ihn Lorien alles versuchen.“

Mit diesen Worten folgte Amrûn dem Zauberer. Sie gingen in den Mauerring des Orthancs zu Galadriel und Celebithiel. Nerblog folgte ihnen still.


Galadriel, Radagast, Celebithiel, Amrûn, Nerblog und Antien zum Fuß des Orthanc
« Letzte Änderung: 11. Feb 2016, 10:32 von Fine »
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Re: Zelte außerhalb der Mauern
« Antwort #32 am: 11. Jan 2010, 22:03 »
Amrûn, Antien, Celebithiel, Nerblog und Galadriel vom Fuß des Orthancs


Beeindruckt von den Worten Galadriels verlies Amrûn den Mauerring. Es war nun an der Zeit endlich wieder in die Heimat zurück zu kehren. Nach so viel Leid, dass sie erlebt hatten und so viel Kummer freute er sich schon auf eine vertraute Umgebung. Sein Weg würde ihn zwar noch nicht nach Lindon führen, allerdings in den goldenen Wald. Sein Gefühl sagte ihm, dass er es Gandalf schuldig war ihn auf diesem Weg zu begleiten, denn immerhin hatte er ihm das Leben gerettet auf den Ebenen der Westfold.

Der Elb begann seine Sachen zusammen zu packen. Es war nicht viel was er mitgebracht hatte, nur ein Pferd, eine Rüstung und ein fremdes Schwert. Die Sonne war bereits wieder am Untergehen und legte das Tal nun in ein flammiges Rot. Ehe er Isengart verlies ging er ein letztes Mal zum Grab von Arafaron. Er konnte es selbst nicht verstehen, was ihm an diesem Menschen so lag.

Er setzte sich neben den Erdhügel auf dessen Gipfel die Eiche gesetzt wurde.
„Arafaron... Königlicher Jäger. Die Nachricht deines Todes wird Kummer über deine Heimat bringen, aber es ist immer besser Bescheid zu wissen als in Unwissenheit zu verenden. Der Orthanc ist nun endgültig verschlossen und all das Schlechte in deiner Geschichte für immer hinter den unzerstörbaren Fels gesperrt“, Amrûn setzte kurz ab.
Er holte tief Luft und roch den Herbstduft den das Tal endlich wieder durchdrang; das feuchte Laub, der Geruch von grünen Moos und reifen Früchten.
„Ich werde nicht mehr zurückkehren. Lebt wohl Arafaron.“

Er erhob sich von der nassen Erde und sah Galadriel hinter sich: „Du hast also eine Entscheidung getroffen!“
„Ja. Ich kann nicht mehr hier bleiben. Jede Sekunde leide ich mehr, jede Sekunde wird die Last um ein vielfaches schwerer. Ich will nach Valinor gehen, dort kann mich die Vergangenheit nicht in die Knie zwingen“, antwortete Amrûn.
„Von dem Weg den du einschlägst, gibt es keine Umkehr.“
Er musste Schlucken um die Trauer in sich zu unterdrücken: „Das hatte ich niemals vor. Ich liebe diese Gefilde, glaubt mir, mehr als manch anderes auf dieser Welt. Und der Abschied wird mir schwer Fallen... ich werde nicht einmal einen Blick zurück riskieren dürfen.“
„Wenn du so an Mittelerde hängst, warum gehst du dann fort?“
„Weil es nichts mehr gibt, was mich hier hält. Der einzige Grund ist bereit mit mir zu segeln, fernab von Trauer und Krieg will sie ihr Leben an meiner Seite verbringen.“
Galadriel schaut auf den roten Himmel in welchen bereits dunkelblaue Zacken des Nachthimmels reichten.
„Begleitest du Mithrandir nach Lothlorien?“
Amrûn nickte ihr zustimmend zu: „Und dann werde ich nach Mithlond gehen und den Horizont hinter mir lassen.“

Sie strich ihm sanft über die Wange: „Wenn dies dein Weg ist, werde ich dich nicht aufhalten. Nein, ich verabschiede dich mit den besten Grüßen. Ich wünschte so gar ich könnte dir folgen. Doch solange ich diese Bürde trage, werde ich gegen die Dunkelheit ankämpfen“, sagte sie und deutete dabei auf Nenya.
„Dieses Geschenk hilft euch sicherlich die Last der Zeit leichter zu ertragen“, sagte Amrûn.

Galadriel versank in ihren Gedanken. Sie verlor sich im weißen Adamanten des Ringes: „Nein, nicht der Ring hilft mir all das zu bewältigen, sondern meine Freunde, mein Gefährte und mein Volk. Sie machen all die schlechten Jahre erträglich.“
Eine unangenehme Stille stand zwischen den beiden. Der Elb wusste nicht mehr was er darauf antworten sollte.
„Lass uns nun zurückgehen zu Mithrandir, wir müssen aufbrechen“, sagte sie abschließend. Eine einzelne Träne glitt über den seidenen Teint von Galadriel.
« Letzte Änderung: 11. Feb 2016, 10:34 von Fine »
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Re: Zelte außerhalb der Mauern
« Antwort #33 am: 18. Jan 2010, 19:15 »
„Elben, Menschen, Gefährten und Freunde. Die Tage an denen Isengart der Dunkelheit verfallen war, sind vorbei und nun ist es für uns alle an der Zeit unsere Wege weiter zugehen. Jeder der sich uns anschließen will, um den goldenen Wald wieder zu sehen, dem sei es gestattet. Einst war Lothlorien ein verborgener Ort, doch an schwarzen Tagen wie diesen soll es für all jene ein Zuhause sein, die keine Heimat mehr haben“, sagte Galadriel laut und ruhig in die Menge.

Einige der Galadhrim gingen zu der Bahre auf der Gandalf lag, schlafend und mit erleichtertem Gesichtsausdruck. Ein langer Zug aus Elben bildete sich in dessen Mitte sich wieder Galadriel einfand. Ein Stück hinter ihr ging Radagast und neben ihm Antien, die sich unentwegt unterhielten.

Celebithiel und Amrûn standen noch etwas abseits der Mauer. Sie drehten sich um und sahen ein letztes Mal auf den dunklen Orthanc.
„So vieles ist hier geschehen“, sagte Celebithiel.
„Ja, das ist es. So vieles was ich einfach vergessen will“, antwortete der Elb.
Sie nickte und hängte ihren Arm in den seinen: „Ich freue mich schon auf zuhause. Dort haben wir endlich etwas Ruhe.“
Schweigend gingen sie nebeneinander her, bis ihr Blick auf einen bekannten Ostling fiel.
„Nerblog!“, schrie Amrûn in seine Richtung.
Er saß an der Mauer und kauerte vor sich hin. Ab und zu biss er von einem Laib Brot ab und schlang es hinunter. Er schrak auf und stellte sich gerade hin, bis er realisiert von wo die Rufe kamen: „So, ist es nun an der Zeit Abschied zu nehmen?“
„Wenn ihr nicht mit uns kommen wollt.“
„Ich weiß nicht! Ich weiß nicht wo ich hingehen soll, welcher mein Weg ist und wohin er führt.“
„Wenn du es nicht weißt, dann solltest du einen auswählen und sehen wie weit du kommst, nicht wahr?“, sagte der Elb.
„Vermutlich habt ihr Recht, Amrûn“, Nerblog zögerte wieder und man sah ihm an wie schwer ihm diese Entscheidung fiel, da ergriff der Elb nochmals das Wort:
„Ich weiß nicht, wie die anderen Pfade aussehen. Aber wenn du den gleichen Weg wie wir einschlägst, hast du zumindest zahlreiche Verbündete auf deiner Seite und wahrscheinlich ein paar Freunde und das Ziel ist nicht ganz so ungewiss.“
„Meint ihr? Vielleicht brauche ich etwas Zeit um mich zu entscheiden, aber bis dahin schließe ich mich euch an. Ich komme gerne mit.“

Langsam gingen sie den Weg endlang der Grenzen den Fangorns. Die Elben sangen Trauerlieder für Gandalf und über die Schlacht von Isengard. Die Bäume stimmten mit ein und knarrten leise in herbstlichen Wind.

Dann geschah etwas, mit dem selbst Galadriel nicht mehr gerechnet hatte. Aus den Reihen der Bäume trat Flinkbaum heraus, gefolgt von einigen andern Ents: „Haltet ein.“
Der Zug der Elben blieb stehen und alle starrten auf den Baumhirten.
„Der Kampf um den Orthanc ist nun endlich vorbei“, brummte Flinkbaum gemütlich „Ihr habt Frieden in den Fangorn gebracht. Habt dank, Hüterin des Goldenen Waldes.“
„Euer Dank gilt nicht mir, Flinkbaum. Die Rohirrim haben das Tal gereinigt und Mithrandir“ antwortete Galadriel und deutete auf den schlafenden Zauberer vor ihr.

Flinkbaum schien aufgeregt zu sein als er den Zauberer leblos auf der Bahre liegen sah:
„Es betrübt mich zu erfahren, welch großes Opfer der Krieg gefordert hat. Er hat Saruman Einhalt geboten und nun auch dem Mund Saurons. Gandalf ist der Retter des Fangorn, meiner Freunde. Er soll wissen, dass er nicht umsonst gekämpft hat, zumindest nicht für diesen Wald. Wir werden wieder junge Sämlinge pflanzen und das Tal Curunirs wieder in seinen einstigen grünen Mantel kleiden. Dies ist die Aufgabe die wir uns aufbürden um den Sieg zu feiern und Mithrandir zu Ehren.“
Galadriel verbeugte sich vor den uralten Wesen und ihr Volk tat es ihr gleich: „In euch steckt noch mehr Kraft als wir alle vermutet hätten, Wächter des Waldes.“
„Trotz allem ist die Zeit der Kriege für die Ents vorbei. Der letzte Marsch bereits ein Teil der Geschichte. Unser Leben ist die Aufgabe, welche uns zugetragen wurde“, antwortete Flinkbaum.
„Lebt wohl, geliebte Geister des Waldes“, verabschiedete sich Galadriel und der Zug der Elben setzte seinen Weg fort. Sie sahen nur noch wie sich die Ents Richtung Isengart bewegten.



Celebithiel, Amrûn, Nerblog, Antien, Galadriel und Radagast mit Gandalf nach Fangorn
« Letzte Änderung: 11. Aug 2016, 12:15 von Fine »
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Re: Zelte außerhalb der Mauern
« Antwort #34 am: 29. Sep 2010, 21:44 »
Celebithiel von den goldenen Wäldern Loriens


Dicke Regenwolken zogen sich über den Himmel und die Sonne vermochte mit keiner Faser ihres Körpers diese Decke zu durchdringen. Wie ein, aus grauen und schwarzen Stoffen, gewebter Mantel hing er über dem spätnachmittäglichen Horizont.
Sie hatte Caras Galadhon über die Westroute verlassen und hatte bereits nach weniger als einer Stunde den Celebrant überquert. Als sie am frühen Nachmittag die Grenze Fangorns erreicht hatte und in das kristallklare Wasser des Limklar blickte, fielen die kalten Tropfen vom Himmel herab und zerstörten die ruhige Wasseroberfläche. Wie Steine die einen Spiegel zerbrechen, stürzten sie auf das Wasser und hinfort war die Ruhe, die der Limklar ausstrahlte.
Der schwarze Turm, der sie in ihren Träumen so oft heimgesucht hatte, zeichnete sich selbst in der anfänglichen Dämmerung scharf und spitz ab; wie ein Dreizack, der aus der Erde herausbrach und Tod und Elend für diejenigen mitbrachte, die in seinem Umfeld standen.
Sie zog die Kapuze tiefer übers Gesicht, damit sie nicht allzu viel des Regens ins Gesicht bekam.
„ Komm schon Lera, gleich bekommst du deine Pause“, befahl sie der weißen Stute und presste ihre Oberschenkel fester zusammen, woraufhin die Stute noch schneller galoppierte.
Der plötzlich aufkommende Wind riss ihr die Kapuze herunter und der Regen peitschte ihr erbarmungslos ins Gesicht. Ihre Haare flatterten, wie aufgescheuchte Vögel im Wind. Doch Celebithiel kümmerte sich nicht darum, denn sie sah die blassen Lichter, der Lager Isengarts, immer näher auf sich zukommen und freute sich, dass in der zerstörten Festung noch ein paar Menschen lebten, so dass sie die Nacht nicht allein verbringen mussten.

Die Menschen und Soldaten Rohans, die in Isengart verblieben waren, nachdem die Elben nach Lórien und die Menschen nach Aldburg gezogen waren, hatten einen Teil der Verteidigungslagen Isengarts wieder in Betrieb genommen. Und nur noch wenig, abgesehen des eingerissenen Walls, zeugte noch davon, dass hier vor wenigen Monaten noch eine gewaltige Schlacht stattgefunden hatten. Die Frauen hatten die Gruben und Verließe Isengarts wieder zugeschüttet und das Tal des Zauberers war nun, wenn auch kahl und verdorrt, wieder eben und glatt.
Banner Rohans und Gondors flatterten im Wind, wie einsame Geister und die letzten Zeugen der gewaltigen Schlacht, die hier stattgefunden hatte.

Celebithiel band ihr Pferd fest und machte sich auf sich ein Quartier für die Nacht zu suchen.
Doch als sie gerade mit einer rohirrischen Frau vereinbart hatte, dass sie das kleine Zelt ihres Sohnes für diese Nacht benutzen durfte, ertönten Hörner. Die Frau war in Aufruhr, denn sie fürchtete einen nächtlichen Überfall plündernder Orks und Dunländer, doch Celebithiel erstrahlte, denn es war das Kriegshorn ihres Volkers.
Imladris war gekommen…
« Letzte Änderung: 11. Feb 2016, 10:48 von Fine »


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Re: Zelte außerhalb der Mauern
« Antwort #35 am: 1. Okt 2010, 17:52 »
Imladris ist gekommen…
Celebithiel sprintete los. Sie ließ die Frau mit der sie gerade gesprochen hatte einfach stehen und lief dem Heer entgegen, was von Westen das Stadttor passierte. Sie sprang dabei über einen eingestürzten Teil der Mauer und unterschätzte dabei die Höhe jener, als sie heruntersprang. Sie rollte sich kurz über den Boden ab und lief keuchend gen Tor. Erschöpft blieb sie auf den schmalen Pfad, der Richtung Orthanc führte stehen.
„ Begrüßt uns jetzt die neue Herrin Isengarts, oder wie vermag ich das zu verstehen?“, ertönte Elronds weise Stimme, die trotz der Ruhe die ausstrahlte, wie eine Trompete durch das Nan Curunir hallte. Er lächelte und unterdrückte ein Lächeln, bevor Celebithiel auf ihn zu rannte und ihn so fest in die Arme sprang, dass es Elrond beinahe von den Füßen riss.
„ Oh Herr Elrond, ich habe dich so vermisst“, schluchzte sie in seinen Armen. Beruhigend tätschelte er ihren Rücken und fuhr ihr durchs rote Haar.
„ Ich dich auch mein Kind, ich dich auch. Aber erzählt, wie ist es auch ergangen? Ich hörte so einige Geschichten über die beherzte Elbe mit den feuerroten Haaren. Ich hörte fröhliches, nachdenkliches und besorgniserregendes. Komm mit, mein Kind.“ Er legte seinen Arm, um ihre Schulter und gemeinsam gingen sie zu dem Zelt, welches die Menschen Rohans für den hohen König der Elben hatten errichten lassen. Celebithiel blickte noch einmal zurück und sah, wie sich die tausenden Elben und hunderter Menschen des Nordens, wie kleine Ameisen verstreuten und ihre Quartiere bezogen.
Das Zelt in das die beiden geführt wurden, war sehr schlicht, aber man hatte versucht Elrond, dennoch einen fürstlichen Empfang zu bereiten. Die Zeltwände waren mit feinen Bannern versehen. Ein blaues mit dem weißen Baum für Gondor, dann noch das grasgrüne mit dem weißen Pferd darauf, was für Rohan stand und sie konnte auch das Loriens, und Imladris` erkennen.
Auf dem kleinem Tisch standen eine Phiole mit Wasser und weiße Tücher mit denen man sich Waschen konnte.
Elrond schenkte Celebithiel ein Glas Wein ein und als sie sich beide gesetzt hatten, fing Celebithiel zum erzählen an, während draußen der Wind und Regen gegen die Zeltwände peitschte. Im Inneren dennoch, merkte man nichts und eine fast schon familiäre Ruhe breitete sich aus, sodass die beiden über mehrere Stunden hinweg über die Ereignisse der letzten Jahre sprach, bevor Celebithiel erschöpft einschlief.

Celebithiel erwachte früh am nächsten Morgen und als sie aus dem Zelt heraustrat hing der Nebel tief im Tal des Zauberers und sie vermochte nicht einmal mehr die Spitze des schwarzen Magierturms zu erkennen. Langsam schritt sie zu einen der Brunnen, die die Rohirrim hatten anlegen lassen, und fing an sich einen Eimer Wasser heraus zu schöpfen. Doch als sie den hölzernen Eimer nach unten gleiten ließ hörte sie auf einmal ein stumpfes „Blonk. Irritiert blickte sie nach unten und erkannte, dass das Wasser im Inneren gefroren war.
Die Zeit vergeht so schnell. Jetzt gibt es sogar schon den ersten Frost.

Ein wenig irritiert suchte sie ihr Zelt auf und wusch sich mit der dem Wasser, welches ihr bereitgestellt worden war. Sie beträufelte ihren Nacken und ihre Hände ein wenig mit dem Rosenwasser, welches sie von einer der Mägde in Lórien erhalten hatte, und fing an die Sachen zu packen. Das gesamte Lager schlief noch, als sie ihre Stute sattelte. Erste Sonnenstrahlen fielen nun über das Gebirge in das Tal des Zauberers, wie flüssiges Gold ergossen sie sich über Hänge und Täler. Leise und auf Zehenspitzen gehend schlich sie sich zu Elronds Zelt. Sie hatte ihm einen Brief hinterlassen, denn sie konnte einen weiteren Abschied nicht ertragen. Celebithiel hatte den Brief bereits auf seine Kommode gelegt, als Elronds Stimme ihr Mark erzittern ließ und vor Schreck hätte sie fast die Phiole mit Wasser umgestoßen.
„ Willst du dich wirklich ohne ein Wort des Abschieds nach Imladris aufmachen Celebithiel?“.
Sie stotterte einen Moment, bevor sich ihre Gesichtszüge wieder besänftigt hatten und antwortete mit klarer und belegter Stimme.
„ Nein Herr Elrond, aber in letzter  Zeit gab es zu viele Abschiede. Zu viele waren für immer. Amrûn, Gandalf, Galadriel und Celeborn…und…und…“. Ihre Stimme versagte, bevor Elrond den Satz für sie zu Ende führte, „ und meine Söhne?“, Er machte selbst eine kurze Pause, bevor er weiter fuhr.
„ Es sind schwere Zeit meine Liebe. Schwere Zeiten durch die wir gehen müssen. Ein Schatten hat an stärke zugenommen und wir wissen alle nicht, wie diese Schlacht für uns ausgehen wird. Dennoch müssen wir kämpfen. Und die Abschiede im Leben sind bedauerlich, keine Frage, aber möchtest du nicht auch all jenen, denen dieses Leid erspart geblieben ist bis jetzt, eine bessere Zukunft schenken?
Ich möchte all den Kindern und auch den Ungeborenen“, dabei legte er seine Hand auf ihren Bauch, was sie leicht zusammenschrecken ließ, „ eine Zukunft schenken, in denen sie keinen Abschied mehr nehmen müssen. Dafür bin ich aus Imladris mit meinem Heer gezogen. Dafür werde ich weiter nach Aldburg ziehen und dort mit den Menschen und Elben gegen die dunklen Scharen kämpfen, auch wenn die Aussichten düster sind. Sollten wir in unseren uralten Stätten verweilen, werden sie um keinen Schimmer besser sind.
Und genau dies ist der Grund, warum du nach Imladris reisen wirst. Dort wirst du auf deine Freunde treffen und gemeinsam werdet ihr durch Eriador und den Westen Mittelerdes reise. Ihr werdet alle Truppen mobilisieren, die ihr auftreiben könnt, um dann zu den Grauen Anfurten zu segeln. Dort wirst du erneut das Meer erblicken und ihr werdet in kein Schiff steigen, um in den Westen zu segeln, hin zu Celebrian, Elladan und Elrohir, ihr werdet ein Schiff besteigen. Nämlich werdet ihr in den Süden segeln und bei der Verteidigung der letzten freien Stadt Gondors helfen. Ihr werdet Dol Amroth aufsuchen, um zu sorgen, dass die Hoffnung der Menschen nicht vollkommen im Staub Saurons erstickt. All dies wirst du tun, und du wirst noch viele Abschiede erleben, aber wenn Sauron besiegt ist, dann wirst du mit denen, die du liebst vereint leben und die Sonne wird über Mittelerde lachen.“
Seine Hand ruhte immer noch auf ihren Bauch und eine einzelne Träne rollte ihr über die Wange, während sie leise „Danke“ flüsterte.


Celebithiel zu den Straßen von Imladris
« Letzte Änderung: 11. Feb 2016, 10:49 von Fine »


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