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Autor Thema: Festung von Dol Guldur  (Gelesen 831 mal)

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Festung von Dol Guldur
« am: 20. Jul 2016, 11:36 »
Glorfindel, Erkenbrand, Elfhelm und Cyneric von der Belagerung von Dol Guldur


Im großen Innenhof Dol Guldurs tobte die Schlacht um die Festung mit unverminderter Härte. Aus den Tiefen strömten Verstärkungen der Orks hervor als der feindliche Kommandant alle verfügbaren Krieger ins Gefecht warf. Am Himmel warf das Reittier des Ringgeists weiterhin seinen Schatten auf das Schlachtfeld und ließ misstönende Rufe erschallen. Pfeile schwirrten in alle Richtungen, fanden ihr Ziel oder prallten ab, und die Schreie der Verwundeten und Sterbenden waren nun immer häufiger zu hören. Der Ansturm der Rohirrim unter Führung Erkenbrands war zum Stehen gekommen als die Orks innerhalb Dol Guldurs nach der anfänglichen Verwirrung durch den Einsturz der Mauer die Ordnung in ihren Reihen wiederherstellt hatten. Menschen, Elben und Zwerge kämpfen entschlossen weiter, gerieten jedoch mehr und mehr in Unterzahl als die vollte Stärke der Streitmacht Dol Guldurs offenbart wurde.

Wo bleibt die Verstärkung durch Sarumans Armee? schoss es Cyneric durch den Kopf während er dem wild geführten Axthieb eines Orks auswich. Er hob den Arm um mit seinem Schwert zuzuschlagen, doch der Ork war bereits der Klinge eines Zwerges zum Opfer gefallen. Cyneric schenkte dem Barträger ein dankbares Nicken bevor dieser sich dem nächsten Feind zuwandte.
Das Getöse der Schlacht war zu laut und die Mauern blockierten die Sicht nach draußen zu sehr, um herauszufinden, wie die Lage außerhalb der Festung war. Cyneric konnte sich jedoch einen guten Grund vorstellen weshalb die Krieger der Weißen Hand noch zurückgehalten wurden. Saruman erwartete, dass das Heer der Freien Völker die Festung ohne zusätzliche Hilfe erstürmen könnte und wollte seine eigenen Verluste gering halten. Wieder einmal zeigt sich, dass dem Weißen Zauberer nicht zu vertrauen ist.

Er duckte sich unter einem umherschwirrenden Pfeil hinweg, der klackend auf dem Felsboden aufschlug. Gerne hätte er das Geschoss zu den Ork-Bogenschützen, die auf den intakten Mauern südlich, östlich und nördlich des Innehofes standen zurückgeschickt, doch er hatte noch nie ein besonderes Talent zum Bogenschießen besessen. Ein schneller horizontaler Streich enthauptete einen Feind, dessen Klinge bereits blutbeschmiert war. Wen auch immer er verletzt oder getötet hat, jetzt wurde er gerächt, dachte Cyneric. Vor ihm bahnte sich Erkenbrand mithilfe seines auffälligen roten Schilds den Weg durch das Schlachtgetümmel, gefolgt von mehreren Mitgliedern der Königsgarde. Cyneric hieb sich den Weg durch mehrere Orks dorthin frei und folgte seinem Kommandanten, der auf den Eingang des größten Turms Dol Guldurs zustrebte. Von der Spitze dieses Turmes war der Ringgeist in die Lüfte gestartet, und dort wurde der feindliche Kommandant vermutet. Auch Glorfindel und Elfhelm hatten mittlerweile den Innenhof erreicht und schlossen sich mit ihren besten Kriegern Erkenbrand an.

Der Eingang des Turmes wurde von zwei großen gepanzerten Trollen verteidigt. Mühelos fegten die mit großen Hämmern bewaffneten Kreaturen mehrere Rohirrim beiseite, die zum Angriff übergegangen waren. Mit schauerlichem Gebrüll stürmten die Trolle vorwärts, geradewegs auf Cyneric und Erkenbrand zu. Glorfindel trat ihnen entgegen und lenkte die Aufmerksamkeit des rechten Trolls auf sich. Der zweite verlangsamte seinen Sprint kaum als er durch die Reihen der Orks vor Erkenbrand brach, bis er in einen Hagel aus Wurfspeeren geriet. Auf Erkenbrands Zeichen hatten einige der Waldmenschen, die mit Elfhelm in den Innenhof gekommen waren ihre Speere gleichzeitig gegen den Feind geschleudert. Obwohl viele von der dicken Rüstung abprallten fanden dennoch drei Speere ihr Ziel, und der Troll stürzte schwer getroffen zu Boden. Gut gezielte Elbenpfeile durchbohrten seinen Kopf und brachten dem Troll den Tod. Cyneric blickte zu Glorfindel hinüber, der den Hieben des zweiten Trolls ausgewichen war und gerade seine Klinge durch dessen linkes Bein trieb. So in seinen Bewegungen eingeschränkt hatten die elbischen Bogenschützen erneut wenig Probleme, den Troll mit Pfeilen auszuschalten.

Thranduil und der Großteil der Fernkämpfer hatten zwischen den herabgestürzten Felsen und Trümmern der Bresche Position bezogen und begannen nun, die Orks auf der Mauer nach und nach abzuschießen. Durch den Fall der Trolle demoralisiert schwankte nun die Entschlossenheit der Orks im Innehof, und Erkenbrands Krieger konnten die Oberhand gewinnen. Schritt für Schritt wurden die Streiter Dol Guldurs nun zu den Eingängen der Verliese und zum Turm zurückgedrängt. Cyneric sah, wie die Zwerge mit unveränderter Wucht ihre Feinde niedermähten und bewunderte aufs Neue die Ausdauer von Durins Volk. Er selbst spürte, wie seine Arme von den Strapazen der Schlacht zu schmerzen begannen, doch ein Gefühl der Zuversicht ließ ihn weiterkämpfen. Es fühlte sich an, als könnten sie diese Schlacht tatsächlich gewinnen.

Vor dem eisernen Tor, das den Zugang zum Hauptturm Dol Guldurs versperrte trafen die Heerführer wieder zusammen. Der Innenhof war größtenteils in der Hand der Freien Völker und die Orks zogen sich langsam in die Verliese zurück. Erkenbrand jedoch blickte besorgt drein als Thranduil ihm von der Lage außerhalb der Festung berichtete.
"Sarumans Armee ist in eine offene Schlacht mit einem Heer aus dem Osten verstrickt," erklärte der Waldlandkönig. "Sie wurden überraschend im Rücken angegriffen und befinden sich in Unordnung. Deshalb sind sie uns bei der Erstürumung der Festung nicht zur Hilfe geeilt."
Über ihnen senkte sich ein Schatten herab und ein ohrenbetäubender Schrei erklang als der Nazgûl sein Reittier auf der Spitze des Turmes landetete. Glorfindel reckte sein Schwert nach gen Himmel und zeigte zur Turmspitze.
"Das ist die einzige Gelegenheit, die wir bekommen werden. Wir müssen den Turm einnehmen und den Ringgeist erschlagen oder bannen. Erst dann wird die Schlacht um Dol Guldur beendet sein."
"Was ist mit Saruman?" wollte Elfhelm wissen. "Wir haben den Innenhof erobert - sollten wir ihm nicht gegen die Ostlinge beistehen?"
"Der Hof gehört uns, doch wie lange?" konterte Erkenbrand. "Während wir den Turm stürmen muss er gehalten werden, um uns den Rückweg freizuhalten. Die Orks sind noch nicht besiegt und wenn sie merken, dass wir unsere Deckung aufgeben werden sie uns in den Rücken fallen."
"Dann schlage ich vor, dass meine Bogenschützen und der Großteil der Rohirrim hier bleiben und die Stellung halten werden," schlug Thranduil vor. "Wir werden von den Mauern Pfeile auf die Ostlinge niederregnen lassen und somit Saruman zur Hilfe eilen, ohne unsere Position aufgeben zu müssen."
"Und ich werde mit all jenen, die noch genug Kraft haben, der Schlange den Kopf abschlagen," sagte Glorfindel.

Am Ende waren es nicht einmal zehn Dutzend Elben und Menschen und sogar nur fünf Zwerge, die sich Glorfindel, Erkenbrand und Elfhelm beim Angriff auf den Turm anschlossen. Der Widerstand am Tor war hart, doch nur wenige hielten Stand gegen einen Elbenherrn in seiner wahren Gestalt. Mithilfe der Zwerge konnte das Tor aufgestemmt und der Weg zur Spitze frei gemacht werden. Cyneric folgte Erkenbrand ins düstere Innere, wo sie ein langer Aufstieg erwartete...
« Letzte Änderung: 17. Aug 2016, 09:08 von Fine »

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Im Inneren des Bergfrieds
« Antwort #1 am: 15. Aug 2016, 14:07 »
Langsam erklommen sie die breite Treppe, die sich im Inneren des großen Turmes nach oben wand. Glorfindel hatte ihnen geraten, ihre Kräfte zu schonen und sie nicht mit einem hastigen Aufstieg zu vergeuden. Elben, Menschen und Zwerge ließen Stufe um Stufe hinter sich, in eine Aura von unheimlichem Schweigen gehüllt.
Die dicken Mauern verschluckten jegliche Geräusche der großen Schlacht, die um die Festung herum und im Innenhof tobte. Es war, als wären sie durch das Tor des Turms in eine völlig andere Welt getreten. Das große Treppenhaus war sehr dunkel, denn bis auf einige, fahl leuchtende Kerzen brannte kein Licht. Nahezu niemand hatte daran gedacht, Fackeln mitzubringen; nur hier und da erleuchtete Feuerschein die Mauern und Stufen aus hartem, schwarzen Stein.

"Dies war einst der Sitz des Dunklen Herrschers selbst," wisperte Calachír, der neben Cyneric herging. "Hier lebte er, als Geisterbeschwörer getarnt, für tausende von Jahren. Spürt Ihr auch den Widerhall seiner grausamen Gegenwart?"
Cyneric nickte. Worte kamen ihm keine über die Lippen. So wie ihm ging es den meisten Kriegern, die Erkenbrand und Glorfindel in den Turm gefolgt waren. Eine gespenstische Stille hatte sich über sie alle gelegt; die Anspannung konnte man nahezu mit der Hand ergreifen.

Die Treppe wand sich unbarmherzig weiter nach oben, schien kein Ende nehmen zu wollen. Cynercs Beine begannen zu schmerzen und er sah, dass es vielen seiner Kameraden ebenso ging. Dann endlich erreichten sie einen großen Raum, der die ganze Breite des Turms einzunehmen schien. Doch die Turmspitze hatten sie noch nicht erreicht, denn am anderen Ende war ein weiterer Aufgang zu sehen - bewacht von einer großen Gruppe Feinde. In schwarze Rüstungen gehüllte Gestalten hielten den Aufstieg blockiert. Ob es Orks oder Menschen waren war nicht zu erkennen, doch es war klar, dass es sich um exzellente Kämpfer handelte - die Garde des Kommandanten der Festung, des Ringgeists.

Glorfindel marschierte entschlossenen Schrittes durch den Raum, das Schwert fest in der Hand. Die Elben folgte ihm, und auch Rohirrim und Zwerge schlossen sich ihnen an. Ihre Schlachtrufe fanden keine Antwort. Ohne Signal gingen die Wächter Dol Guldurs stumm zum Angriff über und ein heftiges Gefecht entbrannte. Cyneric hielt sich etwas im Hintergrund um nach dem Aufstieg etwas Atem zu schöpfen, doch inspiriert von Glorfindels Mut fand auch er neue Entschlossenheit und nahm am Kampf teil. Die Garde des Ringgeists war ein zäher Gegner. Treffer steckten sie dank ihrer dicken Rüstung mühelos ein, schienen sie oft nicht einmal zu bemerken. Keinen Ton gaben sie von sich, selbst wenn eine Klinge durch ihre Deckung drang. Schrecklick wüteten sie unter den Rohirrim, die sie mit großen zweihändigen Schwertern und Äxten niedermähten. Cyneric entging diesem Schicksal nur, weil er stolperte und fiel als er vor einem Angriff zurückwich; und das breite Blatt der Axt seines Feindes schnitt durch die Luft über seinem Kopf.

Es waren die Elben, die das Blatt wendeten. Calachír nutzte den Schwung des Kriegers, der Cyneric verfehlt hatte und brachte ihn mit einem schnellen Tritt aus dem Gleichgewicht. Die funkelnde Elbenklinge fuhr durch das Visier des Helms des Wächters und er stürzte leblos zu Boden. Cyneric ergriff die Hand des Elben und sprang auf die Beine. Um ihn herum zogen sich die Rohirrim nun vorsichtig zurück, den Anweisungen Erkenbrands folgend, während die Elben dank ihrer Gewandheit und Schnelligkeit immer mehr der Verteidiger des Turms außer Gefecht setzten. Schon bald gerieten ihre Feinde in die Unterzahl. Trotz heftiger Gegenwehr gelang es Glorfindels Truppe schließlich, die letzten Krieger zu besiegen. Doch hoch waren ihre Verluste gewesen; die Zahl der Rohirrim war um die Hälfte reduziert worden und auch Elben und Zwerge hatten Verluste zu beklagen. Nur fünfzig Männer und Frauen konnten den Aufstieg fortsetzen, der Rest war zu schwer verwundet oder war gefallen. Schweren Herzens betraten sie erneut die Treppe zur Turmspitze.

Auf dem Weg nach oben gerieten sie noch zwei weitere Male in kleinere Gefechte, denn nicht alle Verteidiger des Turms hatten sich ihnen zuvor entgegengestellt. Glorfindels ermutigende Gegenwart und seine aufmunternden Worte trieben sie weiter, immer weiter die Treppe hinauf; und Cyneric war sich sicher, ohne einen solchen Anführer längst den Mut und die Kraft verloren zu haben. Wie durch einen Alptraum hindurch ging der Aufstieg weiter bis schließlich ein Ende in Sicht kam. Durch ein letztes Tor kamen sie auf eine Plattform, an deren Ende sich eine Rampe an der Außenseite des Turms zur breiten, flachen Spitze hinauf wand. Nur noch wenige Schritte, und sie würden das Ende des Turms - und seinen Kommandanten - erreichen.

Tief unter ihnen breitete sich ringsumher das Schlachtfeld aus, doch Cyneric konnte nicht sagen, welchen Verlauf die Schlacht nahm. Die Armee Sarumans war in offene Gefechte gegen die Verstärkung aus dem Osten verstrickt und keine der beiden Seiten schien einen Vorteil errungen zu haben. Das Heerlager der Freien Völker war von den Kämpfen noch unberührt.
Mit einer letzten Anstrengung gingen sie die Rampe hinauf und erreichten endlich die Turmspitze.

Die Bestie wartete bereits auf sie.

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Kampf an der Turmspitze
« Antwort #2 am: 17. Aug 2016, 10:10 »
"Willkommen," sagte der Schatten.

Das Erste was Glofindels Krieger sahen als sie die Turmspitze erreichten war das gewaltige Reittier des Nazgûl, das am anderen Ende der ungefähr zwanzig Meter breiten flachen Plateaus kauerte und ein schauerliches Gebrüll von sich gab. Als es verstummte, bemerkten sie den Schatten. Umringt von einem Dutzend der verbliebenen Turmwächter Dol Guldurs stand eine in Finsternis gehüllte Gestalt dort, ein Schwert in den in Panzerhandschuhe gehüllten Händen. Der Ringgeist schien sie bereits erwartet zu haben.

Glorfindel trat vor. "Dein Ende steht bevor," sagte er entschlossen. "Die Festung ist gefallen und deine Diener verjagt."
Der Nazgûl machte einen Schritt auf ihn zu. "Dieser Sieg ist bedeutungslos," antwortete er. Die Stimme war kaum mehr als ein Wispern, doch konnte jeder auf der Turmspitze sie hören. Der Lärm der Schlacht schien in den Hintergrund zu treten; verblasste durch die dunkle Gegenwart des Ringgeists.
"Ihr habt gar nichts erreicht," fuhr der Schatten fort. "Streckt mich nieder und ich kehre nur noch stärker zu meinem Herrn zurück. Zu viele Verluste habt ihr in der Schlacht erlitten um daraus einen Vorteil zu ziehen. Saruman hat euch nur benutzt und wird sich bald wieder gegen euch wenden. Dol Guldur wird ein Ort eurer Feinde bleiben."
Er gab einem seiner Diener ein Zeichen und dieser zerrte einen Gefangenen hervor. Ein Mann, schwer geschunden von langer Folter, die schwarzen Haare mit Blut verschmiert.
"Hier ist Bard, einst König von Thal und Esgaroth," sagte der Nazgûl. "Euer Sieg wird ihn das Leben kosten." Der Krieger, der Bard II. gepackt hatte, hob sein Schwert, holte aus - da traf ihn ein Elbenpfeil am Handgelenk und die Klinge fiel zu Boden.
"Und doch ist dies ein Sieg, wie du selbst zugibst," konterte Elfhelm.
"Varakhôr," wandte sich der Ringgeist an einen seiner übrigen Begleiter. "Zeige ihnen, wie sehr sie sich irren."

Aus dem Dunkel hinter dem Nazgûl schoss ein Bolzen hervor. Am Hals getroffen stürzte Elfhelm zu Boden als der Schütze ins Licht trat: Varakhôr, der schwarze Númenorer, eine Armbrust in den Händen haltend.
Die Rohirrim zogen ihre Schwerter und gingen zum Angriff über, auf Rache für ihren Marschall sinnend. Auch Cyneric nahm seinen Mut zusammen und stürzte sich in den Kampf. Er sah, wie Glorfindel Klingen mit dem Ringgeist kreuzte. Die Bestie des Ringgeists fauchte und schnappte zu, ein Mann verschwand in ihrem Rachen. Ein Wurfspeer traf die Kreatur in die Seite was sie jedoch nur noch wütender zu machen schien. Cyneric sprang rückwärts um dem wild peitschenden Schwanz der Bestie auszuweichen und stolperte über Bard, dessen Bewacher ihn wohl aus den Augen verloren hatte. Er wollte dem Mann aufhelfen als ihn ein schwerer Schlag in den Rücken traf und mehrere Meter weit wegschleuderte. Als er sich aufrappelte und umblickte sah er, wie die Fellbestie mit ihren Klauen nach Bard schlug.

Der Kampf tobte unbarmherzig. Es waren die Elben, die der Bestie schließlich ein Ende bereiteten. Ein gut gezielter Pfeil durchbohrte ihr das rechte Auge. So sah sie den Speer nicht kommen, der ihr durch den Schädel drang. Mit lautem Krachen stürzte die Kreatur zuckend zu Boden. Rohirrim, Elben und Zwerge rückten von ihr ab und schöpften wieder etwas Atem. Cyneric zerrte den regungslosen Bard zur Treppe, in Sicherheit. Er wusste nicht, ob der Mann noch lebte oder bereits tot war. Eine Pause trat ein als der Ringgeist Glorfindel zurückdrängte und die beiden Kämpfer etwas Abstand zwischen sich brachten.

"Niemand widersetzt sich ungestraft der Macht Mordors," zischte der Nazgûl. "Saurons Rache wird furchtbar sein. Ihr mögt heute vielleicht den Sieg erringen, doch gegen die Macht des Herrscherrings werdet ihr nicht bestehen können."
"Wir werden sehen," gab Glorfindel zurück.
"Geh nun," befahl der Ringgeist dem schwarzen Númenorer. "Geh und berichte Khamûl, was hier geschah."
Varakhôr nickte nur. Er trat an den Rand der Turmspitze - und mit einem Schritt darüber hinaus, nach unten stürzend.
"Nun bringen wir es zu Ende," wandte sich der Ringgeist wieder Glorfindel zu. Der Kampf entbrannte aufs Neue.
Cyneric bahnte sich vorsichtig seinen Weg durch den Kampf. Er konnte nicht glauben, dass der feindliche Kommandant einfach so in den Tod gesprungen sei. Am der Zinne angekommen über die der schwarze Númenorer getreten war blickte er nach unten und entdeckte nur drei Meter unterhalb einen kleinen Balkon, dessen Tür nun fest verschlossen war. Dort hindurch ist er also entkommen, stellte Cyneric fest.
Ein schreckliches Kreischen raubte ihm für einen Moment die Sinne und er presste die Hände auf die Ohren. Als er sich wieder unter Kontrolle hatte wandte er den Blick zurück zum Gefecht und sah, dass es beendet war. Keiner der Diener des Ringgeists hatte überlebt, und der Schatten selbst stand regungslos, von Glorfindels Klinge durchbohrt. Einen Moment hielt sich die schwarze Robe in die er gehüllt war noch aufrecht. Dann fiel sie leer und regungslos zu Boden.

"Er ist besiegt," sagte Glorfindel, der schwer atmete und aus vielen Wunden blutete. "Es wird einige Zeit dauern bis er sich weit genug erholt hat, um wieder eine feste Gestalt anzunehmen."
Cyneric warf einen Blick in die Tiefe, auf die Schlacht die noch immer dort unten tobte. Es erschien ihm so als ob das Heer Sarumans nun die Ostlinge zurückdrängte. Doch noch immer wurde in der Nähe der Belagerungsmaschinen erbittert gekämpft.
Nicht einmal zwei Dutzend Krieger hatten das Gefecht an der Turmspitze überlebt. Viele waren der geflügelten Bestie zum Opfer gefallen oder durch die Klingen der Verteidiger des Ringgeists gestorben. Auch Elfhelm hatte nicht überlebt. Bard schien ebenfalls seinen Wunden erlegen zu sein. Mit den Verwundeten und Toten schwer beladen machten sie sich nach einer kurzen Pause auf den beschwerlichen Weg zurück nach unten.
« Letzte Änderung: 17. Aug 2016, 11:48 von Fine »

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Sarumans Zaubermacht
« Antwort #3 am: 29. Aug 2016, 14:04 »
Als sie den Innenhof Dol Guldurs erreichten staunten Glorfindel, Erkenbrand und der Rest der Überlebenden nicht schlecht als sie sich umblickten. Von den Mauern hingen Banner der Weißen Hand, und überall hatten schwer gerüstete Uruks Stellung bezogen. Saruman selbst war in der Mitte des Hofes ins Gespräch mit Thranduil vertieft, dessen Bogenschützen sich bis auf eine kleine Garde für ihren König bereits ins Heerlager zurückgezogen hatten, gemeinsam mit den Rohirrim, Zwergen und Elbenkrieger aus Imladris.
"Ob Thranduil sie wohl auf Sarumans Anordnung hin dazu gedrängt hat, die Festung den Orks der Weißen Hand zu überlassen?" überlegte Erkenbrand. "Sie würden ihre Stellung nicht ohne guten Grund aufgeben."
"Wir werden es herausfinden," erklärte Glorfindel. "Vielleicht war Sarumans Stimme hier am Werk," fügte er hinzu und marschierte auf den Zauberer und den König des Waldlandreiches zu.

Cyneric hatte sich mit einem anderen Gardisten abgewechselt, den reglosen Bard den Turm hinab zu tragen und hatte den See-Mensch für tot gehalten, das Schicksal Elfhelms teilend. Umso mehr überraschte es ihn, als sich dieser plötzlich regte und schwache Laute von sich gab.
"Wir brauchen einen Heiler!" rief Cyneric und blickte sich um. Ob Antien in der Nähe ist? fragte er sich und versuchte, einen der Elben auf sich aufmerksam zu machen. Doch es war Saruman persönlich, der am schnellsten reagierte. Mit ungeahnter Geschwindigkeit eilte der Zauberer herbei, einen besorgten Blick im Gesicht.
"Es ist also wahr was die Gerüchte besagten," kommentierte er als er neben Cyneric trat, seinen Stab in der Hand. "Bard II., der König von Thal, wurde hier in Dol Guldur gefangen gehalten. Noch steckt Leben in ihm! Ich werde versuchen, ihn vor dem Tod zu bewahren."
Glorfindel und Erkenbrand kamen ebenfalls heran, gefolgt von Thranduil. Saruman berührte mit der Spitze seines Stabes die Brust des schwer verwundeten Mannes und sprach leise, aber deutliche Worte in einer Sprache, die Cyneric nicht verstand. Alle ringsum schienen den Atem anzuhalten, gebannt von der Zauberkraft Sarumans. Einen langen Moment verharrte der Zauberer in dieser Position, dann hob er die Hand und legte sie Bard auf die Stirn. Als er sie kurz darauf wieder wegnahm, ging ein Zittern durch Bards Körper, und der Mann schlug die Augen auf.

"Ich bin Saruman," erklärte der Zauberer als Bards Blick ihn fixierte. "Du schuldest mir dein Leben. Aus der Gefangenschaft Mordors bist du befreit und du wirst dich vollständig erholen."
"Danke," war alles was Bard als Antwort hervorbrachte.
"Deinen Dank benötige ich nicht, aber vielleicht werden deine Dienste von Nutzen sein. Wir werden darüber sprechen, wenn es dir besser geht. Schlafe nun," gab Saruman zurück, mit einem Tonfall der Cyneric vorkam, als sorge sich der Zauberer wie ein gütiger Freund um den See-Mensch, und verlange nichts als einen kleinen Gefallen im Gegenzug. Gerecht und sanftmütig erschien Saruman jenen, die im Bann seiner Stimme standen. Einzig die Elben schienen weniger von seinen Worten beeinflusst zu sein.
"Die Schlacht um Dol Guldur ist gewonnen," sagte Glorfindel. "Wie kommt es, dass ich Krieger hier in der Festung zurückließ, um unseren Rückweg freizuhalten als wir den Turm stürmten, doch diese nun alle verschwunden sind?"
"Ihre Dienste wurden hier nicht weiter benötigt," erklärte Saruman. "Sie haben tapfer gekämpft und können sich nun ausruhen. Meine Diener werden diesen Ort des Bösen reinigen und instand setzen."
"So soll also Dol Guldur ein Stützpunkt der Weißen Hand werden, wie es auch der Goldene Wald ist?" wollte Erkenbrand wissen.
"Ich habe die Mittel, um diese Festung zu einem Bollwerk gegen Sauron zu machen," gab Saruman zurück. "Sage mir nicht, dass die Rohirrim und Elben hier länger als nötig verweilen wollten, denn ich weiß, dass dem nicht so ist. Ihr wollt zurückkehren nach Rohan, nun, da wir uns diesen wichtigen Sieg erkämpft haben."
"Unsere Aufmerksamkeit muss sich nun nach Norden wenden," warf Thranduil ein. "Wir werden das Waldlandreich zurückerobern, wie es versprochen wurde."
"Das werden wir," sagte Saruman. "Sobald Dol Guldur gesichert wurde und gegen Angriffe aus Süd und Ost bestehen kann. Ich habe das Versprechen nicht vergessen, Thranduil. Du wirst dein Königreich zurückerhalten. Doch wie ist es euch an der Turmspitze ergangen?" fragte er.
"Elfhelm ist gefallen", sagte Erkenbrand traurig. "Zwar wurde der Ringgeist geschlagen, doch der zweite Kommandant entkam."
"Er wird Khamûl Bericht erstatten," fügte Glorfindel hinzu. "Ich fürchte, unser Krieg ist noch lange nicht vorbei."
"Kriege fordern immer Opfer," antwortete Saruman. "Wichtig sind die Ergebnisse. Wir haben den Sieg errungen und Sauron gezeigt, dass er Grund zur Furcht haben sollte. Möge er in seinem Dunklen Turm erzittern!"
Glorfindel schien nicht zufrieden damit zu sein, dass Saruman sich Dol Guldur zu eigen machte, war jedoch vom Kampf gegen den Ringgeist zu erschöpft um die Diskussion weiterzuführen.
"Wir alle brauchen nun Ruhe", sagte er. "Morgen sollten wir entscheiden, wie wir weiter vorgehen."
"Ich habe Wachen aufgestellt, die aufmerksam nach weiteren Feinden Ausschau halten", sagte Thranduil. "Es wird keine Überraschungsangriffe mehr geben ohne dass wir vorher davon erfahren."

Cyneric folgte den Heerführern durch die Bresche hinaus zurück zum Heerlager der Freien Völker. Er war froh, die Schlacht ohne größere Verletzungen überstanden zu haben und hoffte, dass Irwyne im Heerlager wenig oder nichts von der Schlacht mitbekommen hatte. Er konnte sich vorstellen, dass die Heiler nun viel zu tun haben würden.


Glorfindel, Erkenbrand, Thranduil, Bard und Cyneric mit den Überlebenden zum Heerlager der Freien Völker
« Letzte Änderung: 8. Sep 2016, 08:42 von Fine »