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Autor Thema: Die Harad-Straße  (Gelesen 814 mal)

Melkor.

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Die Harad-Straße
« am: 11. Okt 2016, 00:16 »
Músab, Alára, Wa'aran Haywat und ihr Gefolge von Kerma


Sie nahmen die große Harad-Straße um so schnell wie möglich nach Ain Sefra zu kommen. Nach einem sehr langen Ritt passierten sie die Grenze zum Qafsah, dem Sultanats Suladans. Bei einer Oase konnten sie die Wasservorräte auffüllen und eine kurze Rast einlegen. Nachdem die Männer und ihre Reittiere gestärkt waren gab Músab den Befehl zum erneuten Aufbruch.

Während der Reise gab es für Tamal selten die Gelegenheit mit seinem Vater zu sprechen, so nutzte er eine kurze Möglichkeit zwischendurch.
"Meinst du, Tarek und Amanis sind dieser Aufgabe gewachsen?" fragte er. "Die Grenzen zu bewachen ist eine schwierige Aufgabe. Und die beiden sind mehr Kinder als Mann."
Músab grinste. "Du machst dir zu viel Sorgen um deine Brüder. General Aspelta wird auf die beiden schon Acht geben." Tamal nickte.
Während des Gespräch ritt Alára zu ihnen. "Was passiert wenn wir Ain Sefra erreicht haben? Wirst du dich Qúsay anschließen?" wollte er wissen.
"Ich weiß es nicht. sagte Músab bevor er einen Augenblick zögerte. "Alleine werden wir gegen Mordor keine Chance haben."
Alára wollte noch etwas sagen, doch Músab hatte sein Pferd bereits angespornt. So war er seinem Bruder bereits einige Schritte voraus, als es scheute und plötzlich stehen blieb. Músab, der sich mühevoll im Sattel gehalten hatte, erblickte vor sich auf der Straße eine schwarz gekleidete Gestalt auf einem ebenso schwarzen Pferd, deren Gesicht im Schatten einer Kapue verborgen war. Der Fremde blockierte den Weg.
"Im Namen Mordors!" rief er mit düsterer Stimme. "Kehrt um, oder es wird euer Schaden sein! Dies ist eure einzige Warnung!"
Músab drehte sich zu Alára um, welcher überrascht drein blickte. Als sie sich wieder der dunklen Gestalt zuwenden wollten war diese jedoch spurlos verschwunden.

Músab wartete, bis der Trupp zu ihm aufgeschlossen hatte und beriet sich derweil mit Alára. Beide entschieden, der Drohung zum Trotz weiter zu marschieren.
Dennoch waren die Männer misstrauisch, und so ritt einer von ihnen, ein der Wächter Haywats voraus, um die Lage zu erkunden.
"Ich glaube die Luft ist rein!" sagte Gatisen, der dem Mann aufmerksam hinter her schaute. Doch da hörten sie einen dumpfen Schlag, und der Gardist wurde mit Wucht rückwärts von seinem Pferd gerissen. Als er fiel sah Músab den Wurfspeer, der sich tief in die Brust des Soldaten gebohrt hatte.
Alára zog sein Schwert. "Hinterhalt!" schrie er. "Schützt den König!" Alle seine Männer zogen ihre Waffen und machten sich bereit. Die Gardisten stellten sich schützend um Wa'aran Haywat und Músab. Einen langen Augenblick herrschte absolute Stille, man konnte nur das Atmen der Männer hören die dicht an dicht nebeneinander standen. Einige Wachmänner zogen ihre hölzernen Bögen mit einem aus Elfenbein verzierten Griff und hielten Pfeile bereit. Plötzlich wurde die Stille von einen lauten Schrei durchdrungen. Eine große Gruppe Haradrim stürmte der Truppe entgegen.
"Bringt mir den Kopf dieses Königs!" schrie einer der Haradrim. Er trug einen langen Kettenpanzer, der in mitten der Brust eine große Schlange, für das Sultanat stehend eingraviert hatte. Alára befahl den Angriff, zu Pferd hatten sie im Galopp mehr Chancen als wenn sie ruhig stehen würden. Einige Gardisten stiegen allerdings vom Pferd da ihre Waffe sie beim berittenen Kampf stören würde. Schon bald war ein heftiges Gefecht entbrannt.

In der Verwirrung des Kampfes tauchte die schwarz verhüllte Gestalt wieder auf. Músab und Wa'aran Haywat selbst sattelten nun ab und zogen ihre Waffen. Obwohl sie in der Unterzahl waren konnten die Krieger Kermas von der jahrelangen Erfahrung der Leibgardisten profitieren. Gatisen schwang seine außergewöhnliche Waffe, ein Stab mit jeweils einer breiten Klinge an jedem Ende, mit außerordentlichem Geschick. Tamal verließ sich auf seinen Bogen und Alára führte einen langen Zweihänder.
Belazîl, die Mutter Músabs und seiner Geschwister, blieb beim Gefangenwagen in dem Kashta eingesperrt war, und war mit dem alten Schwert ihres Mannes bewaffnet. Im Getümmel des Kampfes konnte die umhüllte Person sich einen Weg zum Wagen bahnen.
"Tretet beiseite oder sterbt!" rief der Mann. Belazîl ließ sich nicht beirren und ging nicht auf die Drohung ein.  Sie verteidigte sich eine zeitlang mit der Klinge, musste dann jedoch einen tiefen Schnitt am Arm hinnehmen und das Schwert fiel ihr aus der Hand. Einer der Haradrim-Krieger von Qafsah hielt sie fest.
"Dein Auftrag ist zum Scheitern verurteilt!" rief sie.
Músab der gerade einen Widersacher niederstrecken konnte sah seine Mutter in Gefahr. Er hieb sich ein Weg durch das Gefecht frei, doch bevor er seine Mutter erreichen konnte, wurde die Brust von Belazîl von dem Haradrim-Krieger durchbohrt.
"Ich hatte Euch gewarnt...!" rief der Verhüllte. Sie sank auf die Knie und blickte den Mann vor sich an. "Nun zahlt Ihr den Preis für Euren Starrsinn," sagte dieser und legte das Schwert an ihre Kehle. Er dreht seinen Kopf zu Músab  schaute seinem Feind in die Augen und lächelte als er langsam eine blutrote Linie über ihren Hals zog. Ein langes, gequaltes "Nein!" entwich Músab laut, und er warf den Mördern seiner Mutter zwei Dolche entgegen. Der Haradrim-Krieger gab einen kurzen dumpfen Ton von sich, als Músabs Dolch seine Brust durchbohrte. Der andere Dolch streifte die Kapuze der dunklen Gestalt. Der Stoff glitt zu Boden und darunter kam das Gesicht eines schwarzen Númenorers zum Vorschein, der Músab finster lächelnd anblickte. Doch bevor Músab den Númenorer erreichen konnte verschwand dieser im Gewimmel der Schlacht.

Músab sank vor dem Leichnam seiner Mutter zusammen und nahm sie in die Arme. Alára der gerade noch einen der Haradrim erschlug eilte zu ihm. Die Brüder standen voller Trauer nebeneinander während das Gefecht um sie herum zuende ging. Die Angreifer zogen sich zurück; ihr Aufgrag war erfüllt. Erst einige Zeit später stellten sie fest, dass Kashtas Käfig leer war.
In einer kurzen Zeremonie nahmen die Gruppe Abschied von vier Gardisten und der Kandake, der Königsmutter. Sie verbrannten nach alter Tradition die Körper der Gefallenen und ließen ihre Asche vom Wind zerstreuen.
"Es war ein schwarzer Númenorer" sagte Músab zornig zu Alára.
"Ich habe sein Gesicht gesehen. Sein Ziel war die Befreiung Kashtas!" sagte er zum Abschluss. Denn noch war wenig Zeit um zu Trauern, trotz des Erschöpfendem Gefechtes musste die Gruppe das Land Suladans sie schnell wie möglich verlassen.


Mùsab, Alára, Wa'aran Haywat und ihr Gefolge nach Ain Sefra
« Letzte Änderung: 17. Okt 2016, 23:38 von Fine »
Er hat noch gezuckt weil ich ihm meine Axt in seine Nervenstränge getrieben habe.

-Gimli Gloinssohn zu Legolas, Schlacht bei Helms Klamm-

Eandril

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Re: Die Harad-Straße
« Antwort #1 am: 20. Mai 2017, 18:25 »
Narissa, Aerien, Músab und Gefolge aus Tindouf

"Also warum genau willst du mehr über diese Prinzen wissen?", fragte Aerien leise und ungläubig. "Du hast doch nicht vor, einen von ihnen zu heiraten."
Narissa zuckte mit den Schultern. "Habe ich auch nicht. Aber... ich bin trotzdem neugierig." "Das habe ich wohl gemerkt", gab Aerien zurück. "Dann frag König Músab meinetwegen aus. Aber du weiß schon, dass du ihm damit nur falsche Hoffnungen machst, nicht wahr? Wenn selbst Elyana sagt, dass du..."
"Was Elyana sagt oder nicht ist für mich nicht von Belang", fiel Narissa ihr ins Wort. "Nur weil wir in dieser Sache zufällig mit ihr einer Meinung sind, heißt es nicht, dass sie plötzlich auch mit allem anderen Recht hat."
"Das habe ich auch gar nicht...", setzte Aerien an, doch bevor sie zu Ende sprechen konnte, zügelte Narissa Grauwind und ließ sich ein Stück nach hinten fallen, sodass sie nun neben Alára ritt.
Der Bruder des Königs ließ seinen Blick dauerhaft aufmerksam über die nur von hohem, trockenen Gras und wenigen Bäumen bestandenen Ebenen und Hügel zu beiden Seiten der Straße schweifen. "Ihr starrt dieses unendliche Gras an, als würde es euch etwas zuflüstern wollen", sagte Narissa, und Alára wandte ihr den Blick zu. "Das nicht", erwiderte er ernst. "Aber wie ihr wisst sind wir auf dem Hinweg überfallen wurden, wobei meine Mutter getötet und mein Bruder Kashta befreit wurden. Sie haben uns zuerst angehalten und dann von der Seite überfallen, als unsere Aufmerksamkeit nach vorne gerichtet war. Das war zwar deutlich weiter nördlich, in Suladâns Reich, aber wenn man die Lage an unseren Grenzen bedenkt ist es besser, vorsichtig zu sein."
"Da hab ihr sicher recht", meinte Narissa, und machte eine kleine Pause, während der sie ebenfalls einen Blick über die Landschaft schweifen ließ. Im Osten und Westen setzte sich die Savanne schier endlos fort, doch im Süden erhob sich in der Ferne ein braunes Gebirgsmassiv, dass Narissa bereits bei ihrem Aufbruch am frühen Morgen aufgefallen war. Alára schien ihren Blick bemerkt zu haben, und erklärte: "Das ist das Barkal-Gebirge. Wenn wir seinen Nordrand erreicht haben, sind wir bereits in Kerma. Dort liegt die Stadt Para - sie ist nicht besonders groß, aber berühmt für ihre Goldminen. Dort gibt es außerdem..."
Er unterbrach sich, und warf Narissa einen Seitenblick zu. "Deswegen sprecht ihr nicht mit mir. Ihr wollt eigentlich etwas ganz anderes von mir hören." Alára hatte sie schneller durchschaut als erwartet, und Narissa hoffte, dass sie nicht allzu sehr errötete. Dabei hatte sie eine möglichst interessierte Miene aufgesetzt, als er von Kerma zu erzählen begann.
"Nein", gab sie zu. "Eigentlich wollte ich ein bisschen mehr über euren Sohn erfahren."
"Da könntet ihr ihn ebenso gut selbst fragen", erwiderte Alára. "Er reitet immerhin nur bei der Vorhut, ist also nicht weit weg."
"Ich weiß, aber... ich würde ihm womöglich falsche Hoffnungen machen wenn ich zu viel Interesse zeige. Ich hab schließlich nicht vor, ihn zu heiraten. Trotzdem würde ich gerne ein bisschen mehr über den Mann erfahren, mit dem euer Bruder mich gerne verheiraten würde." Diesmal errötete Narissa tatsächlich, und sie fügte hinzu: "Also... ich will euch natürlich nicht beleidigen, wenn ich sage, dass ich euren Sohn nicht heiraten will. Es ist nur..."
"Eure Gründe sind eure Sache", sagte Aláre ruhig, doch seine Stimme klang einen Hauch distanzierter als zuvor. Bei allen Sternen, dachte Narissa sich. Ich sollte wirklich Nachhilfe bei Aerien nehmen, was höfisches Benehmen angeht. Sie selbst hätte vermutlich auch nicht allzu viel getan um ihre wahre Beziehung zu Aerien zu verbergen, doch ihre Freundin hatte sie vom Gegenteil überzeugt. Immerhin hätte Músab dann womöglich keine Chance mehr gesehen, Narissa doch noch von einer Heirat zu überzeugen, und das Bündnis wäre endgültig gescheitert. Dennoch, die erzwungene Distanz begann an Narissas Nerven zu zerren, wie gut die Gründe dafür auch sein mochten. Erschreckt stellte sie fest, dass Alára bereits wieder zu sprechen begonnen hatte, während sie noch von ihren Gedanken abgelenkt gewesen war.
"... und ist inzwischen einer der besten Krieger in ganz Kerma. Als Jugendlicher war er immer bei den Wettkämpfen am Krönungstag dabei, und hat diese mehrfach gewonnen."
"Hat er auch im Krieg gegen Gondor gekämpft? Ich habe gehört, dass Kerma unter eurem Großvater dort in die Schlacht gezogen ist...", fragte Narissa. Es zahlte sich aus, dass sie vor ihrer Abreise von Tol Thelyn ein wenig über die jüngere Geschichte Kermas gelesen hatte.
"Nein, er ist damals in Kerma zurück geblieben", antwortete Alára. "Als wir Kashta gestürzt haben, hat er allerdings viel geleistet. Para wäre ohne ihn und Tamal vermutlich gefallen, und er war dafür verantwortlich, dass wir den Übergang über den Atbara erzwingen konnten."
"Ein Stratege ist er also auch noch", meinte Narissa, doch Alára überging die Ironie der Aussage. "In Kerma ist diese Ausbildung für Prinzen üblich. Gatisen hat nun einmal Talent für beide Seiten gezeigt, und scheint auch ein gutes Gespür für Diplomatie zu haben." Es war unüberhörbar, dass Alára überaus stolz auf seinen Sohn war, und Narissa beschloss, dass sie genug zu dem Thema gehört hatte.
"Ihr seid doch der zweitälteste Sohn von Kernabes", sagte sie, und hoffte, dass sie sich richtig erinnerte. "Wie kommt es dann, dass Músab der König geworden ist, und nicht ihr?" Im selben Augenblick begriff sie, was sie gesagt hatte, und biss sich auf die Lippe. "Ich wollte euch damit nicht beleidigen."
"Ich bin nicht beleidigt", erwiderte Alára, und es klang ehrlich. Vielleicht hörte er diese Frage nicht zum ersten Mal. "Ich habe diese Entscheidung nicht selbst getroffen - ich wollte nicht König werden, und Músab ist für dieses Amt besser geeignet als ich."
"Das ist... ungewöhnlich. Streben nicht sonst alle Männer nach mehr Macht und Einfluss?"
Alára neigte leicht den Kopf, und entgegnete mit leichtem Spott: "Ebenso wie viele Frauen. Ich glaube nicht, dass wir uns in dieser Sache viel nehmen..."

Wenig später, die Sonne hatte ihren Zenit bereits überschritten und das Barkalgebirge war ein Stück näher gerückt, lenkte Narissa ihr Pferd wieder neben Aerien. "Dieser Gatisen scheint ja der perfekte Mann zu sein", sagte sie so leise, dass nur Aerien es hören konnte. "Der beste Kämpfer des Königreichs, erfahren, ein guter Stratege, ein begabter Diplomat... wahrscheinlich kann er auch noch fliegen." Sie grinste, erzielte jedoch nicht die gewünschte Reaktion von Aerien. Anstatt sich mit ihr über ihren möglichen Beinahe-Ehemann lustig zu machen, blickte sie stur weiter geradeaus.
"Ist irgendetwas?", fragte Narissa, und Aerien schüttelte den Kopf. "Nein, gar nichts." Es klang nicht sonderlich überzeugend.
Na schön, dann eben nicht. "Alára hat den Überfall erwähnt, bei dem seine Mutter getötet wurde - sie war deine Tante oder so ähnlich, nicht?", wechselte sie das Thema. "Die Schwester meines Großvaters", korrigierte Aerien knapp, ohne Narissa wieder das Gesicht zuzuwenden. "Dann bist du also mit diesem König verwandt, ohne dass er es weiß... Hast du eine Ahnung, warum er glaubte du könntest etwas mit dem Überfall zu tun haben?", fragte Narissa, und Aerien seufzte. "Vermutlich, weil ein schwarzer Númenorer ihn angeführt hat?"
"Hm", machte Narissa unzufrieden. Aerien hatte eindeutig keine große Lust mit ihr zu sprechen, doch so einfach würde sie nicht locker lassen. "Und hast du einen Verdacht, wer es gewesen sein könnte? Du kennst doch sicherlich die meisten Personen, die in Frage kommen..."
"Nein, ich habe keine Ahnung", gab Aerien zurück. Die Reaktion war zu schnell gekommen und Narissa hörte ihrer Freundin an der Stimme an, dass sie nicht die Wahrheit sagte. Vielleicht wusste Aerien tatsächlich nicht Bescheid - höchstwahrscheinlich sogar, wenn man den Zeitpunkt des Überfalls bedachte, zu dem Aerien schon lange aus Mordor fort gewesen war. Doch sie hatte einen Verdacht, da war Narissa sich sicher.
Trotzdem beschloss sie, nicht weiter nachzufragen. Wenn Aerien nicht mit ihr darüber sprechen wollte, war sie selbst schuld. Narissa schwieg, und beobachtete demonstrativ eine kleine Herde Antilopen, die östlich der Straße graste und die vorbeiziehende Gruppe dabei aufmerksam betrachtete. Am nächsten Tag würden sie die nördliche Grenze Kermas erreichen, hatte Alára geschätzt - und vielleicht würde Aerien sich bis dahin wieder beruhigt haben.

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Fine

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  • Ich hab da ein ganz mieses Gefühl bei der Sache...
Bis zur Grenze Kermas
« Antwort #2 am: 21. Mai 2017, 16:26 »
Eine lange Weile ritten die beiden jungen Frauen schweigend nebeneinander her, während das braune Grasland zu beiden Seiten langsam an ihnen vorbeizog und das Gebirge, das die Nordgrenze des Reiches von Kerma darstellte, weiter und weiter vor ihnen in die Höhe wuchs. Unbehagliches Schweigen stand zwischen ihnen. Und wie zuvor schon, kurz nach ihrer Ankunf in Tindouf, war Aerien von sich selbst überrascht. Sie hatte heftiger auf Narissas Wunsch, die kermischen Prinzen näher kennenzulernen reagiert, als sie erwartet hatte. Allein der Fakt, dass Narissa es überhaupt in Betracht zu ziehen schien, sich mit den von König Músab auserwählten Kandidaten auch nur zu unterhalten, machte Aerien unglaublich wütend. Ihr Kopf sagte ihr, dass sie ruhig bleiben müsse und keine Angst zu haben brauchte: Narissa war offensichtlich einfach nur neugierig, das hatte sie ja selbst gesagt. Sie wollte wissen, wen der König von Kerma für sie ausgesucht hatte. Und nichts weiter. Doch Aeriens Herz war dennoch voller irrationaler Sorge: Was, wenn Narissa die Prinzen traf, und plötzlich feststellte, dass sie ihr wider aller Erwartung gefielen? Was, wenn sie plötzlich einen Sinneswandel hätte, und beschließen würde, ihr Leben als kermische Prinzessin zu verbringen? Und dann war da noch eine andere Angelegenheit... Warum war Narissa überhaupt auf die Idee gekommen, sich mit anderen Teilnehmern der Reisegruppe zu unterhalten? War sie etwa... Aeriens Gesellschaft überdrüssig geworden? Aerien versuchte hastig, ihren Schock zu verbergen, als sie diesen Gedanken gefasst hatte. Doch ihre Augen waren deutlich geweitet - was Narissas geschärftem Blick wohl kaum entgehen konnte.
"Ich frage mich, was in Kerma wohl vor sicht geht, dass der König so eilig in sein Reich zurückkehrt," meinte Narissa gerade und zeigte keinerlei Anzeichen dafür, dass sie etwas bemerkt hatte. "Ist das nicht sonderbar? Da muss etwas ganz Wichtiges dahinterstecken, findest du nicht auch?"
Aerien blickte weiterhin stur geradeaus und reagiert nur mit einem leisen "Mhmmm". Wie konnte Narissa nur gerade an etwas so Belangloses denken?
"Vielleicht gibt es Ärger in der Hauptstadt," überlegte Narissa weiter. "Ob es eine Revolution geben wird? Das wäre schlecht für unser Bündnis mit Kerma."
"Vermutlich," gab Aerien kühl zurück, während sie vorgab, in der Ferne etwas Interessantes zu beobachten.
Und endlich schien Narissa ihr Verhalten aufzufallen. "Was ist denn jetzt wieder los mit dir," ärgerte sie sich. "Ist es denn wirklich so schlimm, dass ich mich vorhin mit dem Bruder des Königs unterhalten habe? Hast du Angst, ich würde in Versuchung geraten, mit ihm durchzubrennen?"
Aerien holte tief Luft. "Wenn ich dir zu langweilig bin, dann sag es einfach!" rief sie und blickte Narissa endlich an.
"Langweilig? Wohl kaum. Anstrengend? Und wie!" antwortete Narissa bissig und ließ ihr Pferd beschleunigen. Sie schloss sich der Vorhut an, ohne auch nur ein einziges Mal zurückzublicken.
Der Vorhut, bei der Gatisen, Prinz von Kerma ritt...

Bei allen verdammten Säulen von Armenelos, dachte Aerien voller Zorn. Wie schafft sie es nur, mich so... wütend zu machen? So kenne ich mich überhaupt nicht, und so sollte ich mich auch nicht verhalten. Das ist einer Dame meines Standes nicht angemessen! Sie kam sich vor als wäre sie wieder ein Kind, das trotzig und selbstsüchtig war. Und dennoch konnte und wollte sie ihren Ärger weder verbergen noch hinunterschlucken. Sie wollte ihr Schwert ziehen und irgendetwas damit zerschlagen. Doch als sie gerade schon die Hand an den Griff gelegt hatte, fiel Aerien ein, was ihr Vater ihr für eine solche Situation beigebracht hatte.
Es mag vorkommen, dass dich Wut und Zorn zu verschlingen drohen, Azruphel, sprach Varakhôrs Erinnerung in ihrem Kopf, und sie hörte die Worte so deutlich, als ginge er neben ihr her. Wenn das geschieht, darfst du deine Gefühle nicht verdrängen oder herunterschlucken, sonst werden sie nur umso stärker aus dir hervorbrechen und dabei tiefe Wunden reißen. Du wirst den Drang spüren, dich zu bewegen und Gewalt anzuwenden. Diese Energie ist wertvoll! Unterschätze niemals die Entschlossenheit und Motivation, die daraus entstehen kann. Nutze deine Wut, und kanalisiere sie - sie kann ein mächtiger Verbündeter sein. Hat dich eine Person erzürnt, dann nutze diesen Zorn, um etwas zu schaffen, das jene, die dich verärgert haben, vor Neid verstummen lassen wird. Und vergiss niemals: Du darfst auf keinen Fall die Kontrolle verlieren, sonst bist du nicht mehr als ein wildes Tier.
Hastig suchte Aerien nach etwas, wofür sie ihre Wut nutzen konnte. Und da fiel ihr ein, wovon Narissa zuvor gesprochen hatte: Der Tod ihrer Großtante Belazîl, die hier auf der Harad-Straße überfallen worden war als König Músab mit seinem Gefolge von Kerma nach Ain Séfra gereist war, um am Majles Malik Qúsays teilzunehmen. Aerien hatte einige der Wächter des Königs davon sprechen hören, dass einer der schwarzen Númenorer den Überfall angeführt hatte. Und Aerien hatte bereits einen Verdacht, um wen es sich dabei handeln könnte. Narissa gegenüber hatte sie jedoch darüber geschwiegen. Geschieht ihr recht, dachte Aerien. Jetzt hatte sie ein Ziel: Sie würde mehr über diesen Überfall herausfinden, und ihren Verdacht entweder bestätigen oder widerlegen. Mit neuem Elan machte sie sich an die Arbeit.

Aerien sprach mit den meisten Gardisten, die König Músab eskortierten und die bei dem Überfall dabei gewesen waren. Sie verspürte keine Lust, mit Músab, seinem Bruder Alára oder einem der Prinzen zu sprechen, da sie ihnen gegenüber einen Grund hätte angeben müssen, weshalb sie sich nach den Ereignissen erkundigte, die zum Tod der Mutter des Königs geführt hatten. Den einfachen Soldaten war sie jedoch keine Begründung schuldig. Und so erfuhr Aerien, dass ein einzelner Bote Mordors der Reisegruppe Músabs den Weg versperrt hatte, als sie auf der Harad-Straße nordwärts durch das von Sûladan kontrollierte Gebiet gereist waren. Als der König von Kerma es abgelehnt hatte, umzukehren (wie der Bote gefordert hatte), waren er und seine Begleiter von beiden Seiten angegriffen worden. Dabei waren Taktiken eingesetzt worden, die die Überfallenen in Furcht und Verwirrung versetzt hatten, und das eigentliche Ziel des Angriffs (nämlich die Befreiung eines Músab feindlich gesinnten kermischen Anführers) war lange im Dunkeln geblieben. Während sich die Gardisten von Kerma darauf konzentriert hatten, ihren König zu schützen, war der Karren, auf dem der Käfig des Gefangenen transportiert worden war, nicht länger bewacht gewesen. Nur Belazîl war in der Nähe gewesen, als der schwarze Númenorer inmitten des Chaos des Gefechts wieder aufgetaucht war und versucht hatte, den Gefangenen zu befreien. Die Königinmutter hatte sich dem Boten Mordors in den Weg gestellt, und dafür mit ihrem Leben bezahlt.
Aerien ritt nachdenklich am Ende der Reisegruppe. Ihr Verdacht hatte sich sehr erhärtet, denn der Überfall war nahezu buchstäblich einem Schema gefolgt, das in Durthang als Biss der Spinne gelehrt wurde. Und Aerien kannte jemanden, der diese Taktik so oft eingesetzt hatte, dass sie zu seinem Markenzeichen geworden war...
Balakân, dachte sie geschockt. Mein großer Bruder hat meine Großtante ermordet. Die Beschreibung des schwarzen Númenorers, die ihr die Gardisten Músabs gegeben hatten, deckte sich mit dem Aussehen ihres Bruders und bestätigte ihren Verdacht. Und sie wusste, dass der König von Kerma von all dem niemals etwas erfahren durfte - denn sonst wäre es endgültig aus mit dem Bündnis, das sich Thorongil und Edrahil von ihm erhofft hatten. Und sie, Aerien, würde vermutlich den Rest ihres Lebens in einem dunklen Verlies in Kerma verbringen.

"Na, hast du das Rätsel um die Identität des Mörders Belazîls auch schon gelöst, Mädchen?" sagte eine raue Stimme neben ihr und ließ Aerien aus ihren Gedanken hochschrecken. Eine vertraute Gestalt ritt neben ihr her, den grauen Mantel im leichten Wind flatternd.
"Onkel Aglazôr," stellte sie fest. "Ich hatte nicht erwartet..."
"...mich so bald schon wiederzusehen? Nun, wie du siehst, stehe ich jetzt im Dienste Kermas," erklärte ihr Onkel gut gelaunt. "Qore Músab hat tiefe Taschen, und du weißt ja, dass ihn das für mich unwiderstehlich macht."
Aerien schnaubte. "Gold war schon immer das Höchste für dich."
Aglazôr zeigte ihr sein schiefes Lächeln. "Ich bleibe mir treu, Schätzchen. Also, beantwortest du mir die Frage? Oder zeigst du mir jetzt auch die kalte Schulter, ebenso wie du es bei deiner kleinen Freundin tust?"
"Ich weiß nicht, wovon du sprichst," erwiderte Aerien und setzte ihre vielgeübte neutrale Miene auf.
"Oh bitte. Die Erbin des Turms und diese Haradrim magst du täuschen können, aber mich legst du nicht rein. Ich kenne deine Mutter länger als du, Azruphel, und ich kenne ihre Methoden. Du hast Talent, das gebe ich zu, aber deine Augen verraten dich. Du denkst auch, dass dein Bruder hinter Belazîls Tod steckt, nicht wahr?"
Aerien atmete tief aus. "Das Ganze trägt seine Handschrift, und die Beschreibung passt. Balakân hat sich wahrscheinlich sogar freiwillig für diese Mission gemeldet."
"Nach allem was ich über ihn gehört habe, schlägt er nicht sonderlich nach seinem Vater," meinte Aglazôr trocken. "Eigentlich schade. Varakhôrs Art und Weise bedeutet eine erfrischende Abwechslung von Gewalt, Folter und Grausamkeit. Seine Effizienz ist unerreicht."
"Du weißt, dass das zwischen uns bleiben muss," schärfte Aerien ihrem Onkel ein. "Wenn der König davon erfährt..."
"Ja, ich verstehe. Auch wenn ich nicht denke, dass er dich wirklich dafür belangen würde. Aber sein Vertrauen wäre selbstverständlich dahin. Und das wollen wir doch nicht, oder, Belkâli?"
Die Art, wie er Aeriens Spitznamen aus ihrer Heimat verwendete, erinnerte sie unangenehm an seinen Sohn. "Du solltest vermutlich wissen, dass... Karnuzîr auf Tol Thelyn gefangen gehalten wird," sagte sie leise. Aglazôr hatte ein Recht darauf, zu erfahren, was seinem Sohn zugestoßen war.
"Ha! Ich wusste, dass der Junge sich nur Ärger einhandeln wird, wenn er sich zu Sûladans Laufburschen machen lässt. Er hat doch nicht etwa Hand an dich gelegt, oder?" Aerien verzog unbehaglich das Gesicht, was ihrem Onkel als Antwort genügte. "Es war ein Fehler, ihn seinen eigenen Weg gehen zu lassen," knurrte der schwarze Númenorer. "Ich hätte ihn damals ein für alle Mal nach Durthang schicken sollen, und seine Abstammung geheim halten sollen - oder ihn von Anfang an von Mordor fernhalten sollen. Durch das ewig Hin und Her wurde ihm sei gemischtes Blut viel zu oft vor die Augen geführt. Nun, immerhin ist er noch am Leben, und kann momentan keine Dummheiten mehr machen."
"Du könntest König Músab bitten, dich als seinen Boten nach Tol Thelyn zu entsenden, wenn das Bündnis zustande gekommen ist," überlegte Aerien. "Wenn du mit Karnuzîr sprechen würdest..."
"Wir werden sehen," gab Aeriens Onkel nachdenklich zurück. Dann blickte er nach vorne und deutete mit dem Arm südwärts. "Da vorne liegt die Grenze Kermas," sagte er. "Wir haben Músabs Reich beinahe erreicht!"


Narissa, Aerien, Músab und Gefolge nach Kerma
« Letzte Änderung: 15. Sep 2017, 12:02 von Fine »