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Autor Thema: Fornost: Das Versteck des Sternenbundes  (Gelesen 5957 mal)

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Nésa Faelivrin
« Antwort #30 am: 9. Dez 2016, 18:34 »
Es dauerte noch eine ganze Weile, bis Irwyne sich und Kerry schließlich eine Pause gönnte.
"Die Arbeit einer Heilerin ist hart, doch ich mache sie gern," erklärte das rohirrische Mädchen während sie Kerry zum Ausgang des Lazaretts begleitete. "So kann ich vielen Leuten helfen und die Auswirkungen dieser schlimmen Schlacht zumindest ein wenig zum Besseren wenden."
Kerry nickte. Sie konnte deutlich sehen, wie Irwyne aufblühte wenn sie Wunden verband und Schmerzen linderte. An der Tür angekommen sagte sie: "Ich werde nach meiner Mutter sehen. Möchtest du mitkommen?"
Doch Irwyne schüttelte den Kopf. "Geh du nur, Déorwyn. Ich mache nur eine kurze Pause, dann geht die Arbeit weiter. Wir sehen uns später, bei der Zeremonie."
"Bei der Zeremonie?" wiederholte Kerry fragend.
"Die Gefallenen der Schlacht werden geehrt und bei einer Art Trauerfeier zur letzten Ruhe gelegt," erklärte Irwyne. "Ich glaube, das ist für heute Mittag geplant."
"Ein merkwürdiger Anlasse zum Feiern... aber wenn es darum geht, die Toten zu ehren, verstehe ich ihn. Also gut. Dann treffen wir uns dort. Bis später, Irwyne!" verabschiedete sich Kerry und machte sich auf die Suche nach Halarîn.

Sie musste nicht lange suchen, denn schon auf halbem Weg zu Adriennes Zimmer traf sie auf ihre Mutter und die verwundete Jugendliche, die sich auf Halarîns Arm abstützte. Bei den beiden standen auch Mathan und eine weitere Elbenfrau, die Kerry noch nicht gesehen hatte. Diese war in edle schwarz schimmernde Rüstung gehüllt und hatte dunkelblonde Haare. Sie sah Halarîn verdächtig ähnlich, obwohl sie etwas größer war.
"Amil!" rief Kerry fröhlich und umarmte Halarîn fest. "Also ist Adri aufgewacht? Geht es dir schon besser?" fragte sie in Richtung Adriennes.
Halarîn erwiderte die stürmische Umarmung mit einem Lächeln, während die anderen beiden Frauen erstaunte Gesichter machten. "Ja, dank ihr", antwortete Adrienne verdutzt. Faelivrin hatte eine Augenbraue gehoben, im ihren Gesicht arbeitete es. "Amil?", fragte sie verwirrt, ihr fiel ihr Blick auf den Nénharma-Ring und sie schmunzelte still in sich hinein.
"Hallo Mathan," begrüßte ihn Kerry mit einem Lächeln. "Wen hast du da mitgebracht?"
Der Elb musterte Kerry, nickte ihr zum Gruß und überließ es Faelivrin sich vorzustellen. "Ni am Faelivrin Nénharma", antwortete sie und legte den Kopf schief, "Und wie heißt du?"
"Oh, hallo," sagte Kerry, eindeutig beeindruckt von der neuen Bekanntschaft. "Ich bin... nein, ich meine natürlich: Ní am Morilië!"
Halarîn wirkte stolz, als Kerry das wenige Quenya beinahe fehlerlos wiedergab. Bei Faelivrin schien dagegen das Interesse geweckt zu sein. "Beeindruckend! Woher du unsere Sprache kennst muss ich ja nicht fragen", sagte sie und trat etwas näher an sie heran. "Der steht dir sehr gut," sie fasste Kerrys Hand mit dem Ring, "Ich glaube wir werden viel Gelegenheit haben uns auszutauschen, nésa."
Zur allgemeinen Überraschung beugte sie sich Faelivrin herab und gab Kerry einen Kuss auf die Stirn. Mathan und Halarîn blickten sich mit einem Lächeln verliebt an, während Adrienne verwirrt daneben stand und offenbar nicht begreifen konnte was gerade passierte. Kerry hingegen ließ die Geste freudestrahlend über sich ergehen und blickte ihre neue Schwester neugierig an.
"Nésa," wiederholte sie leise und beschloss, sich auch dieses Wort gleich zu merken. "Wo kommst du denn auf einmal her? Amil hat gesagt, du wärst an den Anfurten," fragte sie mit Bewunderung in der Stimme.
"Dort war ich auch, aber ich hörte von dem Angriff und wollte helfen, schließlich hätten die Feinde bis zu uns vordringen können.", erklärte Faelivrin und deutete auf ihre Bögen auf dem Rücken, sowie die zwei Köcher. "Ich hätte aber nicht gedacht ein neues Familienmitglied zu treffen, habe ich etwas verpasst?" Sie blickte fragend zu ihren Eltern, die genau zu wissen schienen, was sie meinte.
"Nein, noch nicht.", antwortete Mathan vielsagend und Faelivrin verstand offenbar. Er wandte sich an Kerry: "Morilië, wir bereiten etwas für dich vor. Du wirst es am Abend dieses Tages erfahren, aber bis dahin möchte ich, dass du mit denen sprichst, die dir am Herzen liegen. Zum Beispiel Ardóneth, ich habe auch mit ihm gesprochen, aber er scheint ziemlich durcheinander zu sein.", sagte der Elb und legte ihr eine Hand auf die Schulter.
"Du hast Ardan besucht?" fragte Kerry und als Mathan nickte, sagte sie entschlossen: "Dann werde ich auch nochmal zu ihm gehen, bevor die Zeremonie beginnt. Ich will wissen, was mit ihm los ist."
"Dann tue das, wir werden in der Zeit auf dem Dach sein.", sagte Halarîn und die anderen drei nickten zustimmend.
"Bis später!" rief Kerry und wandte sich zum Gehen. "Wir treffen uns bei der Zeremonie wieder!"

Eilig ging sie die Treppen zum Verlies hinuter um noch einmal nach Ardóneth zu sehen. Als sie ankam, warf ihr Gílbard einen Blick zu und zog eine Augenbraue hoch.
"Du schon wieder, Mädchen?" fragte er misstrauisch. "Du hast doch gestern erst mit dem Gefangenen gesprochen."
"Ich möchte sehen, wie es ihm heute geht, und ihm erzählen, was gestern Abend und heute morgen passiert ist," erklärte sie.
Gílbard beäugte sie einen Moment nachdenklich, dann gab er den Weg frei. "Du hast nicht mehr viel Zeit, bis die Zeremonie zur Ehrung der Gefallenen beginnt. Dort wird auch Ardóneth anwesend sein, und danach wird Belen über sein Schicksal entscheiden."
Kerry nickte. Sie hatte verstanden. Hastig folgte sie dem engen Gang bis zu Ardóneths Zelle.

"Ardan, bist du da?" rief sie leise.
Ardóneth erhob sich aus der sitzenden Position an der hinteren Wand seiner Zelle und kam an das Gitter, das ihn von Kerry trennte. "Oh, du bist es, Kerry."
"Ich muss dir etwas erzählen," sagte Kerry und ein freudiges Lächeln legte sich auf ihr Gesicht. "Ich habe jetzt wieder eine richtige Familie! Oronêl und die Prinzessin haben mir erzählt, dass mein Vater noch lebt und in Rhûn ist, und heute hat Halarîn mich als ihre Tochter angenommen! Kannst du dir das vorstellen? Sie hat mir sogar einen neuen Namen gegeben: Ich heiße jetzt Manien Morilië Nénharma, und ich habe eine Schwester! Das ist... es ist einfach wunderbar! Und... der Dúnadan.. ich meine Rilmir, er ist am Leben! Irwyne hat seine Wunden versorgt. Es ist, als ob wirklich jetzt alles wieder gut wird! Jetzt müssen wir dich nur noch da rausholen..."
"Dein Vater ist am Leben?" fragte Ardóneth zweifelnd. "Du hast doch erzählt, er und sein Bruder wären im Krieg gefallen."
"Das dachte ich," antwortete Kerry. "Beide ritten sie damals mit dem König nach Osten. Und kehrten nicht mehr zurück. Doch Oronêl hat meinen Vater in Aldburg getroffen, und Irwyne sah ihn bei Dol Guldur. Er ist am Leben."
Ardóneth nickte zustimmend und sagte: "Es ist schön zu hören, dass es dir gut geht und du froh gestimmt bist, Kerry.... oder sollte ich jetzt Morilië zu dir sagen?"
"Das ist nicht so wichtig, Ardan. Du darfst mich nennen wie du möchtest. Manchmal habe ich das Gefühl, dass du wie ein großer Bruder für mich bist. Noch mehr Familie," sagte sie und grinste.
"Wie ein... großer Bruder?" wunderte sich Ardóneth. "Wie meinst du das?"
"Ich wollte dir nur beschreiben, wie ich dich gerade sehe," erklärte Kerry. "Und ich sehe, dass du dringend meine Hilfe brauchst, um hier rauszukommen. Der große Kerl der hier ständig Wache steht hat gesagt, dass es bald eine Verhandlung geben wird. Wenn sie mich dort sprechen lassen, werde ich ihnen allen klar machen, dass das, was da passiert ist, nicht deine Schuld war." Sie stockte und dachte einen Moment nach. "Es... war doch nicht deine Schuld, oder?" fragte sie dann.
"Ich hörte... höre von Zeit zu Zeit Stimmen," sagte Ardóneth mit Nachdruck und einem seltsamen Klang in der Stimme, den Kerry noch nie gehört hatte.
"Stimmen?" wiederholte sie verwirrt. "Was für Stimmen?"
"Bekannte Stimmen. Und fremde. Stimmen, die mir Dinge einreden... mich dazu bringen, Dinge zu tun..." wisperte Ardóneth und seine Augen nahmen einen unguten Glanz ein. "Du... du solltest nicht hier sein!" Er packte das Gitter mit beiden Händen und Kerry sprang zutiefst erschrocken zurück. "Ardan, was ist mit dir?" rief sie, doch da stand Gílbard wie aus dem Nichts neben ihr und zerrte sie von der Zelle weg. "Das reicht jetzt," knurrte der Waldläufer. "Geh, bevor er dir noch etwas antut."

Verwirrt und besorgt stolperte sie die Treppe hinauf. Sie blieb am oberen Ende stehen und dachte mehrere Minuten lang nach. Halarîn hatte ihr beigebracht, die Dinge von allen Seiten zu betrachten. Sie entschied, bis zur Verhandlung zu warten und sich dort für Ardóneth einzusetzen. Außerdem würde sie Gandalf davon erzählen, was sie gerade erlebt hatte. Kerry hoffte, dass der Zauberer im Stande sein würde, Ardóneth zu helfen...
« Letzte Änderung: 10. Jan 2017, 13:39 von Fine »

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Die Ehrung der Gefallenen
« Antwort #31 am: 11. Dez 2016, 20:54 »
Als die Sonne ihren höchsten Stand erreichte rief Belen den Sternenbund im großen Innenhof zusammen, der an die Rüsthalle grenzte in der die Dúnedain ihren Sitz genommen hatten. Dort hatte man die meisten der in der Schlacht von Fornost Gefallenen aufgebahrt und einen großen Scheiterhaufen errichtet. Kerry war überrascht, wie viele Tote es gegeben hatte; sie schätze die Zahl auf mindestens fünf Dutzend, wenn nicht sogar ein wenig mehr. Dennoch war der Hof groß genug, dass er allen Dúnedain Platz bot, selbst als sich noch ungefähr die vierfache Zahl an Menschen aus Fornost der Zeremonie anschloss. Mehr und mehr Leute kamen, bis der Platz bis auf den letzten Fleck gefüllt war.

Kerry stand zwischen Irwyne und ihrer elbischen Familie in einer der vorderen Reihen. Neben Irwyne standen Oronêl und Finelleth, und auch die übrigen elbischen Gefährten Oronêls waren gekommen. Kerry sah, wie Gílbard den in Ketten gelegten Ardóneth scharf im Auge behielt. Der Dúnadan saß bei der Gruppe von Waldläufern, die ihn nach Fornost begleitet hatten, denn es war ihm zu diesem Anlass erlaubt worden, seine Zelle unter Bewachung und in Ketten zu verlassen. Ganz in der Nähe stand auch der Zwerg Fís mit seinen beiden Gefährten.
"Es hat den ganzen Vormittag gedauert, das ganze Holz zu schlagen und aufzuschichten," flüsteret Irwyne ihr zu. "Es erstaunt mich, dass sie für alles einen Platz gefunden haben."
Kerry sah sich um und entdeckte Gandalf, der sich nahe einem der Zugangstore zum Innehof stand und ein ernstes Gesicht machte. Auch Aldoc und Girion waren gekommen und unterhielten sich in einer der Ecken des Hofes leise miteinander.

Schließlich trat Belen vor die Menge und ergriff das Wort.
"Bewohner von Fornost, Dúnedain des Sternenbundes und Verbündete aus allen Ländern! Ihr alle habt für die Freiheit dieser Stadt gekämpft und sie mit euren Schwertern und eurem Blut verteidigt. Der Feind wurde geschlagen und wir haben gesiegt!"
Jubel brach aus, doch Belen hob die Hände um die Leute zum Schweigen zu bringen.
"Dieser Sieg wäre nicht möglich gewesen ohne die Opfer von jenen, die hier aufgebahrt sind. Sie alle gaben ihr Leben zur Verteidigung Fornosts! Jeder einzelne von ihnen ist ein Held und hat unsterblichen Ruhm errungen. Sie sind nun im Tode siegreich geblieben. Und wir werden sie nicht vergessen! Keinen einzigen von ihnen werden wir vergessen. Ihre Namen werden untrennbar mit dem Schicksal dieser Stadt verbunden sein. Wenn der Scheiterhaufen niedergebrannt ist werden wir an seiner Stelle einen Stein aufstellen, der die Namen all jener tragen wird, die ihr Leben zur Rettung Fornosts gaben. Lasst uns nun die Namen hören, damit wir sie nicht vergessen, und ihnen die Ehre zuteil werden lassen, die sie sich verdient haben!"

Erneuter Jubel brach aus, und diesmal ließ Belen die Menge von selbst wieder zur Ruhe kommen. Ein Herold trat vor und entrollte eine lange Schriftrolle. Er begann, die Namen der Gefallenen zu verlesen.
"Hört nun die Namen jener, die fochten und fielen bei der Verteidigung Fornosts! Von den Erben Arnors, den Dúnedain des Nordens: Tirithon, Mirlínn, Avel, Gildan, Reniawen und Saellang! Von den Menschen von Gondor, den Schilden des Westens: Borhad, Galendil, Fuirdan, Iorlas, Remrod, Aerdís, Valathon, Goradan, Forlang, Edrazôr, Helegorn, Daerinn, Lenglír, Rillas, Adanhad, Maltur, Aratar, Angril, Ferilwen, Toreth, Baradir, Berilang, Orodreth, Vaethor, Eadír und Hallas. Von den Rohirrim, den Pferdeherren der Mark: Elfgar, Cynefrith, Éodric, Hereward, Gladwine, Osmund, Sigeweard, Wigstan, Ceorlric, Déorwulf, Ethelmer, Frída, Elfwyn, Béogar, Ceadda, Cynebald, Tórferth, Sigeric, Radwine, Elfburg, Éofor, Ferthild, Thrymm, Derebald, Ingmar, Théodmund, Gúdric und Wigmund. Von den Menschen von Thal, den scharfäugigen Bogenschützen: Alfr, Balder, Grid, Idunn, Orvar, Sigurd, Vidar, Rodric, Gunvor, Barland, Rovald, Sindri, Gróa, Eira, Farlan, Arman, Elfa, Finnur, Hâkon, Regin, Sverrir, Vigdís, Ásta, Agnar, Vidhrik, Thjodmer und Wultulf. Von den Waldmenschen, den tapferen Flussbewohnern: Kiolmund und Hêmrik. Von den Dunländern, aus dem Stamm des Reifes: Glynn, Bregan und Echdrud. Von den Menschen von Bree, die den Untergang Arnors überdauerten: Rainer, Erling und Wilmar. Von den Elben, den Erstgeborenen unter den Sternen: Faronwe und Cúruon."

Der Herold endete und es wurde eine Posaune geblasen. Belen zog sein Schwert und reckte es in die Höhe. Die Mittagssonne spiegelte sich in der Klinge als er rief: "Dies sind die Namen, die den höchsten Ruhm errungen haben. Zur Ehre der Gefallen!"
"Zur Ehre der Gefallenen!" wiederholten die Menschen laut, wie aus einem Mund, und zum dritten Mal brandete der Jubel auf. Es trat nun ein gondorischer Barde auf, der ein heldenhaftes Lied über die Schlacht vortrug und ebenfalls großen Applaus erntete. Dann trat eine Pause ein, in der Geschichten über das, was jeder Einzelne während der Schlacht erlebt hatte ausgetauscht und einander von den Toten erzählt wurde, die man gekannt hatte. Die Pause dauerte eine halbe Stunde, in der Kerry hauptsächlich mit Irwyne tuschelte, die ihr eine gute Freundin zu werden schien. Und schließlich war der Moment gekommen, auf den alle gewartet hatten.
Belen trat erneut vor, das Schwert in der Hand. Vier Dúnedain traten nun an den Scheiterhaufen, jeder an einer der vier Ecken, und jeder trug eine große Fackel. Und über ihnen flog in diesem Augenblick der große Adler, der die Dúnedain vor dem Angriff aus Angmar gewarnt hatte. Er stieß einen lauten Schrei aus, schwenkte herum und verschwand in östlicher Richtung am Horzont.

"Entzündet nun das Feuer, das die Körper unserer gefallenen Freunde verzehren und sie eins mit der Luft und der Erde machen wird, aus der sie entstammen," sagte Belen feierlich und senkte das Schwert. Und die Dúnedain entzündeten den Scheiterhaufen, der schon kurz darauf hell in Flammen stand. Kerry vermutete, dass dabei auch Gandalfs Hand im Spiel war. Das Feuer brannte so stark, dass es bald schon sehr heiß im Innenhof wurde, und die Toten rasch nicht mehr zu sehen waren. Nach und nach verließen die Menschen nun den Hof wieder, während das Feuer weiterbrannte. Mathan hatte gesagt, dass es noch bis spät in die Nacht brennen würde, weshalb Kerry beschloss, sich erst einmal um das Mittagessen zu kümmern, denn ihr Hunger sagte ihr, dass es nun Zeit dafür war. Gemeinsam mit Irwyne und Rilmir, der auf dem Weg dorthin zu ihnen stieß, machten sie sich auf den Weg zu den Räumen, wo das Essen zubereitet werden konnte.
« Letzte Änderung: 12. Dez 2016, 18:07 von Fine »

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Re: Fornost: Das Versteck des Sternenbundes
« Antwort #32 am: 12. Dez 2016, 22:36 »
Oronêl blieb noch eine Weile im Hof stehen, und betrachtete aus sicherer Entfernung nachdenklich den hell brennenden Scheiterhaufen. Weder Faronwe noch Cúruon waren darauf verbrannt worden - von Cúruon hatten sie keine Spur gefunden, und Gelmir würde Faronwes Körper nach Lindon bringen und dort zur Ruhe betten - dennoch hatte er das Gefühl gehabt, dass diese Feier auch für sie gewesen war. Er hatte jedes Detail aufmerksam in seine Erinnerung aufgenommen, um Mírwen davon zu erzählen, denn ihre Verletzung war zu schwer gewesen, um teilzunehmen.
Oronêl erinnerte sich an den dunkelhaarigen Mann in Ketten, dessen Augen einen merkwürdigen Ausdruck gehabt hatten - ganz so, als würde er sich persönlich die Schuld an den Gefallenen geben. Oronêl fragte sich, was er wohl verbrochen haben mochte, und warum man ihm trotzdem erlaubt hatte, an der Trauerfeier teilzunehmen.
Er wurde von Orophin aus seinen Gedanken gerissen, als dieser ihn von der Seite ansprach. "Cúruon und Faronwe hätte die Feier bestimmt gefallen. Ich wünschte nur... Rúmil hätte es ebenfalls verdient gehabt, nicht so in... Lórien zurückzubleiben." Den Namen seiner Heimat auszusprechen schien Orophin Schwierigkeiten zu bereiten, und bei der Erwähnung Rúmils stand Oronêl deutlich das Bild vor Augen, als einer der Dúnedain unter Sarumans Befehl seinem Freund das Schwert in die Brust gerammt hatte. Er war sich sicher, dass Orophin während der ganzen Zeit in Fornost daran gedacht hatte.
"Wir haben gestern auch für ihn gekämpft", erwiderte er langsam. "Und Stück für Stück werden wir Saruman alles wieder abnehmen, was er sich gestohlen hat."
Er blickte seinem Freund in die Augen. "Wie fühlst du dich in Fornost?" Orophin schien zu wissen, was er meinte, denn er zögerte kurz. "Es ist... schwierig. Die Dúnedain hier scheinen gute Menschen zu sein, aber ich kann nicht aufhören daran zu denken, dass einer ihrer Freunde oder Verwandten meinen Bruder getötet hat. Und vermutlich andere von ihnen weitere Freunde von mir. Diese hier können nichts dafür, aber trotzdem..." Orophin zuckte ratlos mit den Achseln. "Ich würde es vorziehen, nicht allzu lange hierzubleiben."
Oronêl legte ihm die Hand auf die Schulter. "Ich werde morgen früh mit Mathan über unseren Aufbruch sprechen, denn ich denke ebenfalls dass wir nicht zu lange verweilen würden."

Nur wenig später verließ Oronêl alleine den Innenhof, denn Orophin hatte sich auf die Suche nach Glorwen gemacht, und traf dabei auf Mathan und Halarîn, die gemeinsam in der Nähe standen und sich leise mit einer ihnen sehr ähnlich sehenden Elbin in einer schwarzen Rüstung unterhielten. Als er näher kam, erkannte er ihre Tochter Faelivrin, die er bereits in Aldburg kurz gesehen hatte.

Mathan erblickte Oronêl, der sich wohl nach jemanden umsah. Er erklärte den beiden Elbendamen was er vor hatte und ging zu seinem Gefährten. "Oronêl", er packte ihm zum Kriegergruß am Arm, "Es gut dich zu sehen. Ich würde dich gerne einladen. Halarîn und ich wollen Kerry in unsere Familie aufnehmen. Im Osten feiert man dabei ein großes Fest und wir würden uns freuen, wenn du dabei sein könntest." Er lächelte den Elben an und drückte ihm ein Ästchen mit einem einzelnen Blatt in die Hand. "Mathan, Halarîn, Faelivrin und Morilië, auf Ewig verbunden" wurde dort in feiner Elbenschrift eingebrannt.

Oronêl erwiderte das Lächeln unwillkürlich. "Ich hatte es bereits von Kerry selbst gehört, aber nichtdestotrotz freue ich mich für euch - und über eure Einladung natürlich ebenfalls. Ihr habt eine gute Entscheidung getroffen, sowohl für euch als auch für Kerry. Dieses Mädchen braucht Halt, und ich freue mich wenn ihr ihn ihr geben könnt." Er nahm das Ästchen entgegen, und fügte hinzu: "Ich komme natürlich gern, sobald die Feier beginnt." Er lächelte Halarîn zu, neigte vor Faelivrin kurz den Kopf, und setzte dann seinen Weg in Richtung der Haupthalle fort.

In der großen Halle sah er Irwyne, Kerry und einen Dúnadan, der Rilmir sein musste, an einem der Tische sitzen, jeder eine Schüssel mit einem Eintopf vor sich. Oronêl ließ sich neben Irwyne auf die Bank gleiten, als Kerry gerade sagte: "Habt ihr Ardan - Ardóneth - gesehen? Er hat wirklich nicht gut ausgesehen..."
"Wer ist das?", fragte Oronêl. "Der Mann, der in Ketten gelegen hat?"
"Ja", erwiderte Rilmir, und nickte bestätigend. "Was hat er denn verbrochen?", fragte Irwyne, und pustete auf ihren Eintopf um ihn abzukühlen.
"Auf dem Höhepunkt der Schlacht um Fornost hat er Belen, unseren Anführer, angegriffen", erklärte Rilmir. "Niemand weiß, wieso er das getan hat. Zum Glück konnte er rechtzeitig aufgehalten werden."
Oronêl strich sich nachdenklich über das Kinn, während Kerry einwarf: "Er hätte das nie freiwillig getan. Ich glaube, dass da irgendetwas nicht stimmt."
"Aber Kerry, niemand war bei ihm. Er hat es ganz von selbst getan", gab Rilmir zurück, doch Kerry protestierte erneut. "Er hat Stimmen gehört, die es ihm befohlen haben. Das hat er mir zumindest erzählt."
Bei diesen Worten wurde Oronêl noch aufmerksamer als ohnehin schon. Er erinnerte sich an einen Moment an der Furt des Nimrodel... an eine freundliche, sanfte Stimme, die kluge und weise Worte sprach.
"Stimmen, sagst du?", fragte er scharf nach, und kam damit Rilmir, der gerade erneut widersprechen wollte, zuvor.
Kerry nickte, obwohl sich auf ihrem Gesicht Verwunderung zeigte, denn Oronêls Tonfall war keineswegs ungläubig gewesen. "Ja, also... das hat er mir zumindest erzählt."
"Hm...", machte Oronêl nachdenklich. Wenn es stimmte was Kerry erzählte und Ardóneth ihr die Wahrheit gesagt hatte... Konnte es sein, dass Sarumans Arm bis nach Fornost reichte? Es war noch zu früh darüber zu sprechen, aber vielleicht würde sich eine Gelegenheit ergeben. Deshalb fragte er: "Wie wird Ardóneth bestraft werden?"
"Das steht noch nicht fest", antwortete dieses Mal wieder Rilmir. "Es wird eine Verhandlung geben, bei der Belen seine Strafe festlegen wird. Ich denke, in Anbetracht seiner Freundschaft mit Ardóneth wird es kein Todesurteil geben, aber es könnte auf Verbannung hinauslaufen."
"Es sei denn, Ardóneth würde entlastet...", meinte Oronêl langsam, und erntete einen wachsamen Blick von Rilmir, der allerdings darauf verzichtete, weiter nachzufragen.
"Wenn es möglich ist, würde ich gerne der Verhandlung beiwohnen." Oronêl zögerte, und fügte dann hinzu: "Und Valandur ebenfalls. Ich denke, es wäre für uns beide interessant - und vielleicht könnten wir das ein oder andere Interessante beisteuern."
Rilmir betrachte ihn einen Moment, wobei sich auch eine Spur Neugierde in den Blick des Dúnadan mischte. Dann nickte er langsam. "Ich werde Belen danach fragen. Kommt einfach wenn die Glocke schlägt wieder hierher in die Halle, dann werdet ihr sehen ob ihr teilnehmen dürft." Er nahm seine inzwischen leere Schüssel auf, erhob sich und ging dann langsam davon, wobei Oronêl bemerkte, dass dem Dúnadan seine Verletzung zu schaffen machte.

"Wirst du Ardan helfen?", fragte Kerry, nachdem Rilmir außer Hörweite war. "Ich glaube, die meisten vom Sternenbund würden ihn gerne verurteilen, aber ich weiß nicht... was, wenn er tatsächlich nicht er selbst war?"
"Auch dann muss über ihn geurteilt werden", sagte Oronêl ernst, lächelte dann aber. "Vielleicht kann ich aber für ihn sprechen, wir werden sehen."

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Die Verhandlung beginnt
« Antwort #33 am: 13. Dez 2016, 18:17 »
Als die Glocke ertönte sprang Kerry von dem Bett auf, auf dessen Kante sie gesessen und Irwyne zugesehen hatte. "Es geht los!" rief sie aufgeregt und erklärte ihrer Freundin in wenigen Sätzen, dass Belen nun Recht über Ardóneth sprechen würde. Irwyne zeigte jedoch nur wenig Interesse daran. "Ich habe hier noch genug zu tun," sagte sie, weshalb Kerry sich von ihr verabschiedete und auf den Weg zur Halle machte, von der Rilmir gesagt hatte dass die Verhandlung dort stattfinden würde. Auf dem Weg dorthin traf sie auf Gandalf, der eine besorgte Miene im Gesicht trug. "Ich bin mir nicht sicher, womit wir es hierbei zu tun habe, aber ich habe einen Verdacht," sagte er geheimnisvoll als Kerry ihn danach fragte, was mit Ardóneth los sein könnte. "Wir werden die Wahrheit schon ans Licht bringen, mein Mädchen. Mach dir nur keine Sorgen." Er strich Kerry beruhigend durchs Haar und bedeutete ihr, ihm zu folgen.

Am Eingang der Halle standen zwei hochgewachsene Dúnedain in voller Rüstung Wache. Doch als sie Gandalf sahen gaben sie sogleich den Weg frei. "Es ist gut dass Ihr hier seid, Mithrandir," sagte einer der beiden. "Wir können euren Rat gut gebrauchen." Auch Kerry ließ man ein, da sie den Sternenbund seit dem Gefecht im Auenland begleitet hatte. Einige andere wurden jedoch abgewiesen. "Dies ist eine Dúnedain-Angelegenheit," erklärten die Wächter. "Aravorn II. wünscht dabei keine Störungen."
Im Inneren des Saales hatte man genügend Stühle für ungefähr dreißig Personen aufgestellt. Am Ende des Raumes stand Belen unter einem großen Banner mit dem einzelnen Stern des Sternenbundes und bei ihm waren Aravorn und Rilmir. Kerry sah Ardóneth, dem man die Hände gebunden hatte, unter dem wachsamen Auge Gilbárds in der Nähe sitzen, etwas abseits der vordersten Stuhlreihe. Auch Elben waren anwesend: Mathan unterhielt sich leise mit einigen Dúnedain an einem der drei Fenster, die nach Osten gingen, und Oronêl und Finelleth standen ganz in der Nähe. Abgesehen von Kerry war nur ein einziger anderer Mensch anwesend, der kein Dúnadan war - ein Mann namens Mallor, der aus Gondor kam. An der Wand gegenüber der Fenster lehnte Valandur, der einen düsteren Blick im Gesicht trug. In der Nähe des Eingangs stand eine Gruppe Dúnedain, die zu Ardóneths engsten Vertrauten gehörten, darunter Elradan und Argoleth.

Avaron wandte sich den Anwesenden zu und ließ erneut die silberne Glocke erklingen. Die Gespräche erstarben und Belen ergriff das Wort.
"Ihr alle wisst, warum wir hier sind. Ihr habt mit eigenen Augen gesehen, was auf dem Höhepunkt der Schlacht um Fornost geschah, oder es wurde euch davon berichtet. Doch der Vollständigkeit halber wird ein Augenzeuge nun noch einmal die Ereignisse, die uns heute beschäftigen, zusammenfassen. Avaron, bitte."
"Als der Feind gerade das Stadttor bedrohte versuchte Ardóneth, Argoleths Sohn, unseren Anführer Aravorn II., den Erben Isildurs und Stammesführer der Dúnedain, zu erschlagen. Er zog seine Klinge und ließ einige wilde Schläge folgen, die Aravorn glücklicherweise abwehren konnte. Bevor die Tat vollbracht werden konnte wurde Ardóneth aufgehalten. Was ihn dazu trieb, bleibt uns ein Rätsel."
"Dies soll nun ans Licht gebracht werden," sagte Belen. "Zunächst sollte Ardóneth uns sagen, was aus seiner Sicht geschehen ist." Er gab Gilbard einen Wink, und dieser zog Ardóneth auf die Beine.

"Es begann mit einem Traum, den ich in der Nacht vor dem Beginn der Belagerung hatte," begann Ardóneth, zunächst leise, doch dann mit fester werdender Stimme. "Darin hatten die Horden Sarumans die Stadt eingenommen, in Trümmer gelegt und seine Bewohner  abgeschlachtet. Ich sah jeden Einzelnen von euch den Tod erleiden. Ich sah, was geschehen wäre, wenn die Verteidiger Fornosts gescheitert wären." Er machte eine kurze Pause, als müsste er sich erst sammeln bevor er weitersprach. "Nach der zweiten Angriffswelle begann ich, eine Stimme in meinem Kopf zu hören. Sie sagte mir, dass ich es abwenden könnte, dass mein Traum wahr würde. Denn als der südöstliche Turm einstürzte, dachte ich, dass mein Traum nun tatsächlich Wirklichkeit würde... der Turm war in meinem Traum nämlich bereits zerstört worden."
"Was geschah dann?" fragte Avaron nach als Ardóneth erneut eine Pause einlegte.
"Dann sprach die Stimme weiter," fuhr Ardóneth fort. "Sie sagte, dass das Schicksal des Sternenbundes und der Bewohner Fornosts nun in meinen Händen läge. Sie sagte, dass ich... dass ich Belen töten müsste, um die Erfüllung meines Traumes abzuwenden."
"Und das hast du geglaubt?" wiederholte Belen mit einer Mischung aus Ungläubigkeit und Zorn.
"Zuerst nicht, doch die Stimme wurde immer überzeugender..." antwortete Ardóneth. "Schließlich gewann die Überzeugungskraft die Überhand... und ich versuchte, ihren Vorschlag in die Tat umzusetzen."
"Wir können froh sein, dass du keinen Erfolg hattest," befand Avaron.
"Es wird sich zeigen, wieviel Wahrheit in seinen Worten steckt", sagte Belen düster. "Ich muss meinen Leuten vertrauen können wenn der Sternenbund Erfolg haben soll und Sarumans Diener vollständig aus dem Norden vertrieben werden sollen. Du hast mein Vertrauen verloren, Ardóneth."

Belen seufzte leise. Dann nickte er Gandalf zu, der nach vorne kam und das Wort ergriff. "Als ich den Nebel, der Sarumans Armee umhüllte bekämpfte, machte ich mich auch angreifbar für Sarumans Zauberkraft. Seine Aufmerksamkeit wurde auf Fornost gelenkt. Ich vermute, dass die Stimme, die Ardóneth gehört hat, niemand anderem als dem Herrn von Moria und dem Nebelgebirge gehört."
"Sein Arm muss wahrlich sehr weit reichen, um uns hier Schaden zuzufügen," kommentierte Avaron.
"Sein Arm reicht jetzt sehr weit," bestätigte Gandalf besorgt.
"Mit Verlaub, Mithrandir, aber das ist nur eine mögliche Erklärung," wandte Belen ein. "Die andere Möglichkeit ist, dass Ardóneth lügt, und von Anfang an ein Verräter war. Die Entscheidung darüber, was die Wahrheit ist, obliegt nun uns. Doch zuvor würde ich gerne weitere Stimmen und Zeugen zu dieser Angelegenheit hören. Wer von den Anwesenden wird für oder gegen Ardóneth sprechen?"
« Letzte Änderung: 13. Dez 2016, 18:26 von Fine »

Eandril

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Re: Fornost: Das Versteck des Sternenbundes
« Antwort #34 am: 13. Dez 2016, 18:53 »
Oronêl hatte Ardóneths Erzählung aufmerksam gelauscht. Was der Dúnadan aussagte entsprach dem, was Kerry ihm bereits erzählt hatte, und anschließend bestärkte Gandalf seinen Verdacht, dass Saruman zumindest zeitweise die Kontrolle über Ardóneth erlangt haben konnte. Er fragte sich, ob Sarumans Einfluss wohl vollends geschwunden war, ober immer noch irgendwo im Verstand des Dúnadan lauerte.
Nach einem Moment der Stille richtete sich Valandur, der bislang regungslos an der Wand gelehnt hatte, auf, räusperte sich und sagte: "Wenn es mir erlaubt ist, würde ich gerne sprechen."
Belen zog die Augenbrauen zusammen, offenbar wenig begeistert von Valandurs Bitte, nickte dann aber.
"Wie die meisten von euch vermutlich wissen, gehörte ich zu denen die sich unter Helluins Führung Saruman angeschlossen hatten, und ich habe den Zauberer mehr als einmal zu mir sprechen hören." Oronêl fiel auf, dass viele der Dúnedain sich bei der Erwähnung Helluins unbehaglich regten. "Viele von euch kennen mich, also bitte ich euch meine Worte wegen meiner Fehler nicht einfach abzutun. Urteilt nicht zu streng über Ardóneth, denn die Macht, mit der er sich messen musste, ist zu groß für beinahe jeden hier im Raum. Und ich denke nicht, dass er von Anfang an ein Verräter war, nach allem was ich von ihm weiß - und was jeder hier von ihm wissen sollte."
"Es hilft wenig, wenn ein Diener Sarumans einen anderen verteidigt", erwiderte Belen, und Oronêl sah Valandurs Augen zornig aufleuchten.

"Ein Diener Sarumans...", sagte er bedächtig, doch der Zorn in seiner Stimme war deutlich zu hören. "Du hast Recht, ich war ein Diener Sarumans. Ich habe meinen Fehler erkannt, ich habe für meinen Fehler gebüßt, und ich habe versucht meinen Fehler wieder gut zu machen. Doch hier geht es nicht um mich, Belen, Berens Sohn, und ich werde mich nicht deinem Urteil stellen, denn du hast kein Recht über mich zu urteilen." Er stockte, als hätte er mehr gesagt als er wollte, und fuhr dann ruhiger fort: "Ich habe gesagt, was ich sagen wollte. Hört auf meine Worte oder lasst es bleiben, aber lasst euch im Bezug auf Ardóneths Schicksal nicht von meiner Vergangenheit blenden." Valandur ließ sich wieder gegen die Wand sinken und verschränkte die Arme vor der Brust. Oronêl wechselte einen besorgten Blick mit Finelleth, denn ihr Gefährte schien noch schlechterer Laune zu sein als zuvor, bevor Belen wieder das Wort ergriff. Der Anführer des Sternenbundes wirkte nach Valandurs Aussage ebenfalls deutlich schlechter gestimmt als zuvor.
"Möchte noch jemand für oder gegen Ardóneth sprechen?"

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Curanthor

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Re: Fornost: Das Versteck des Sternenbundes
« Antwort #35 am: 13. Dez 2016, 20:29 »
Mathan stand ebenfalls mit verschränkten Armen in der Halle und beobachtete aus der Distanz die Verhandlung. Es erstaunte ihn immer wieder, wie schnell Menschen ein Urteil fällen konnten ohne vorher nachzudenken.
Die Dúnedain, mit denen er vor dem Beginn eine Weile gesprochen hatte machten alle verkniffene Gesichter. Er wusste, dass sie unterschiedlicher Meinung waren und das sorgte für erhitzte Gemüter. Der Elb erinnerte sich, als er vor sehr langer Zeit in diesen Hallen umhergelaufen ist. Damals war er Befehlshaber über die Armee von Arnor, einen Posten, den er durch eine List erhalten hatte. Er war dabei als das Nordreich dem Untergang entgegenlief. Sein Blick wurde glasig, als die Bilder in ihm aufstiegen.
"Wer von den Anwesenden wird für oder gegen Ardóneth sprechen?", ertönte die Frage und Mathan schüttelte die Erinnerungen ab. Insgeheim ärgerte er sich, dass er Valandur nicht zugehört hatte. Er ahnte aber, dass es nicht gut gelaufen war anhand der Spannung in der Luft.
"Ich.", sagte er und trat vor, dutzende Augenpaare richteten sich auf ihn.
Belen zögerte einen Moment, nickte aber dann. "Ihr habt das Wort, Hauptmann.", sagte er und seine Stimme verlor etwas an Schärfe.
"Wie ihr alle wisst war ich ebenfalls anwesend, als Ardóneth das tat, wofür nun über ihn gerichtet werden soll," er ging in die Mitte des Raumes, "Ich habe es jedoch nicht gesehen, denn der Feind brandete grade zu seinem schwersten Sturmlauf heran. Ich musste die Verteidiger auf meiner Seite des Tores anführen. Wenn ihr mich fragt ist das ein sehr merkwürdiger Zufall, dass ausgerechnet dann, wenn unser Feind anfängt einen Sturmlauf gegen das Tor anzuführen, jemand aus unseren Reihen den Anführer erschlägt." Seine Worte brachten einige zum Nachdenken, selbst Belen strich sich über das Kinn. "Sprecht weiter.", sagte dieser ernst.
"Würde Ardóneth ein Verräter sein, so hätte er doch schon dutzende Möglichkeiten gehabt Euch zu ermorden. Er hätte die ganzen Vorbereitungen sabotieren können, das Katapult zum Beispiel oder die Balliste, welche die Trolle unschädlich gemacht hat.", er machte eine Pause und deutete scheinbar nach draußen vor die Stadt, "Er hätte Spione zu den Feinden schicken können, doch das hat er nicht getan. Ich war während den Vorbereitungen oft in seiner Nähe und es gibt dutzende Zeugen, die bestätigen können, dass er die Stadt niemals verlassen hat. Er hat mit keinen Fremden gesprochen."
Einige Dúnedain murmelten zustimmend oder bekundeten, dass Ardóneth tatsächlich nie die Stadt verlassen hatte, sodass Belen öfters um Ruhe bitten musste. "Bitte, fahrt fort und erklärt mir, dabei eines: Der Moment war gut gewählt, ja, aber sollte nicht gerade das dem Feind helfen um die Moral zu brechen?"
Mathan nickte und hatte sich schon darauf vorbereitet, dass diese Frage kommen würde. "Es hätte die Moral getroffen, aber ein wichtiger Punkt hat man dabei nicht gedacht. Ich war auch noch da und die Wut über Euren Tod hätte ich genutzt um Rache zu üben. Ich hätte die Verteidiger aufgestachelt jetzt erst recht zu kämpfen. Ihr habt sie selbst gesehen. Diesen Ausfall hätte man erst recht nach Euren Fall angeführt.", zufrieden merkte er, dass die Stimmung langsam umschwang, also entschied er seine letzten Karten auszuspielen.
"Außerdem hätte Ardóneth auch mich niederstrecken müssen um die Schlacht zu gewinnen. Ich möchte nicht arrogant klingen, aber er hätte mich nie erschlagen können. Eurer Tod, Belen, mag vielleicht kritisch für den Sternenbund sein, aber für die Schlacht, so wie sie in diesem Augenblick war, hätte er nicht viel geändert. Wenn Ardóneth also ein Verräter gewesen sein würde, so hätte er früher zugeschlagen, damit die feindliche Armee die Stadt einfacher einnehmen kann und nicht zu hunderten vor unseren Mauern elendig zu verbluten."
Als er endete, sah man, dass es in Belens Gesicht arbeitete und er immer wieder zu Ardóneth blickte. Mathan nickte zu dem Gefangenen. "Ich spreche für ihn, denn ich weiß, dass Sarumans Stimme eine enorm gefährliche Waffe ist. Ich habe mit Ardóneth im Kerker gesprochen und in seinen Augen gesehen, dass etwas nicht mit ihm stimmt. Daraus mag nun jeder seine eigenen Schlüsse ziehen. Ich sage, dass Ardóneth unschuldig ist und der wahre Täter seine Chance genutzt hat als Gandalf geschwächt war.", schloss Mathan seine Ausführung und nickte dem Tribunal zu, ehe er sich wieder in eine ruhige Ecke zurückzog. Sein Blick traf den von Ardóneth und er lächelte dem Gefangenen aufmunternd zu.
« Letzte Änderung: 13. Dez 2016, 20:35 von Curanthor »

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Re: Fornost: Das Versteck des Sternenbundes
« Antwort #36 am: 13. Dez 2016, 22:35 »
Auf dem Weg zu den Mauern unterhielten sich die Zwerge über die Geschehnisse der letzten Tage während die beiden Hobbits lachend durch die Straßen liefen. Unbeschwert spielten sie mit den anderen Kindern Fangen. Sie alle waren guter Laune, dies versprach ein guter Tag zu werden.
"Was haltet ihr von diesem Belen?", fragte Goril neugierig.
"Ich denke er ist ein fähiger Anführer, er war es, der die Menschen zum Sieg geführt hat.", antwortete Baril überzeugt.
"Er wirkte aber nicht erleichtert, eher traurig, als würde ihn etwas bedrücken.", Fis blickte die beiden an, "Wisst ihr etwas darüber?"
Baril blickte sich vorsichtig um, als fühlte er sich beobachtet, "Wir wissen nichts genaues, nur ein paar Gerüchte, angeblich hat einer der Dunedain Belen angegriffen."
"Ihn angegriffen warum?", Fis runzelte die Stirn, "Niemand greift einfach seine Gefährten an."
"Wir haben nur mitbekommen, dass es heute eine Verhandlung geben soll, doch mehr konnten wir nicht erfahren.", sagte Goril, "Es ist auch nicht so wichtig, wir sollten uns lieber um die Reperatur der Mauer bemühen als um die Probleme der Menschen."
Fis nickte zustimmend, doch er wusste nicht was er davon halten sollte.

Schon von weitem sahen sie ein großes Holzgerüst was an der Stelle aufgestellt worden war, wo die Reste des zerstörten Turmes lagen.
Als sie die Mauern erreichten kam ihnen ein groß gewachsener Mann mit dunklen Haaren entgegen, er trug eine braune Robe und hielt eine Rolle mit Plänen in der linken Hand.
"Seid ihr Dearos? Wir wurden hierher geschickt um euch ein wenig zur Hand zu gehen.", sagte Fis und reichte dem Mann die Hand.
Der Mann lächelte: "Ja ich bin Dearos, mir wurde die Aufgabe übertragen die Mauern wieder auf Vordermann zu bringen, ich bin Baumeister aus Pelagir."
"Ihr kommt aus Gondor?", fragte Baril interessiert.
"Das stimmt, vor ein paar Jahren bin ich mit meiner Familie nach Minas Tirith gezogen. Als dort klar wurde, dass die Stadt nicht zu halten ist, floh ich mit meiner Familie und allem was ich hatte nach Westen, hierher."
Plötzlich kam ein kleiner Junge angerannt, er sah Dearos sehr änhnlich, doch im Gegensatz zu seinem Vater hatte er fast schwarze Haare. Vorsichtig beäugte der Kleine die Zwerge einen nach dem anderen, bis sein Blick auf Fis hängen blieb, etwas nervös von dem Anblick trat er einen Schritt hinter seinen Vater. Fis versuchte ihm zuzulächeln, doch das schien den Jungen nur noch mehr zu verunsichern.
"Hey, du brauchst keine Angst haben.", sagte Dearos an den Jungen gewandt, "Dies ist mein Sohn Daroi, er hilft mir bei den Botengängen, ohne ihn würde alles doppelt so lange brauchen.", erklärte Dearos lächelnd und streichelte ihm den Kopf. Stolz reckte der Junge die Brust nach vorne und machte sich groß, doch seine Augen blickten immer noch misstrauisch über die Zwerge.
"Folgt mir zur Mauer, ich zeige euch die Stellen die ausgebessert werden müssen.", Dearos drehte sich um und marschierte in Richtung des Gerüsts, sein Sohn griff nach seiner Hand und die Zwerge folgten den beiden zur Mauer.

Sie verbrachten den halben Morgen an den Mauern und begutachteten die Schäden während die beiden Hobbits mit Daroi spielten. Durch den Austausch mit den Baumeistern und Handwerkern die an den Mauern arbeiteten erfuhren die Zwerge viel über die Bauweise der Festung und schon bald waren sie voll in ihre Aufgabe vertieft.
Einer der Männer machte sie darauf aufmerksam, dass die Trauerfeier bald beginnen würde, also machten sie sich auf den Weg zur Waffenkammer. Fis nahm die Hobbits mit, doch Baril und Goril blieben dort um die Pläne weiter auszuarbeiten.
Als sie den Platz mit den Scheiterhaufen erreichten warteten dort schon viele Menschen und es wurden stetig mehr. Auf der anderen Seite erblickte Fis Kerry, sie wirkte trotz der traurigen und bedrückten Stimmung nicht mehr so ängstlich und verzweifelt wie bei ihrer letzten Begegnung. Irgend etwas schien sie sehr fröhlich zu machen, auch wenn sie versuchte es im Moment nicht offen zu zeigen.
Neben ihr stand ein Elb den er nach der Schlacht vor den Mauern gesehen hatte und auch Oronel und seine Gefährten standen dabei.
Dort wo etwas mehr Platz war sah er Belen und einen Mann in Ketten, dies bestätigte das Gerücht, von dem Goril und Baril gehört hatten. Fis nahm sich vor, der Verhandlung beizuwohnen, er glaubte nicht an so einen Verrat in den eigenen Reihen.

Nach der Zeremonie brachte Fis die Hobbits zu Dearon und machte sich auf zur Verhandlung, vielleicht würde ihm ja Einlass gewährt.
Auf dem Weg machte er sich viele Gedanken darüber, was einen Menschen dazu bewegt einen seiner Gefärten zu verraten, doch er fand einfach keine Antwort, vielleicht würde er nach der Verhandlung die Antwort wissen.

Bei der Waffenkammer angelangt sah er wie Mithrandir und Kerry gerade das Gebäude betraten. Der Wächter am Tor war der Selbe der sie auch am Morgen hineingelassen hatte. Er erkannte Fis und trat zur Seite:
"Ihr dürft der Verhandlung beiwohnen, doch verhaltet euch still, dies ist eine Angelegenheit der Dunedain.", sagte die Wache und öffnete das Tor nachdem Fis ihm versichert hatte nicht zu stören. Die Halle war schon voller Leute, Elben wie Menschen, also suchte er sich einen Platz an der Wand von dem er einigermaßen gut die Geschehnisse verfolgen konnte. Jetzt hieß es nur noch warten...
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« Antwort #37 am: 14. Dez 2016, 11:52 »
Als Mathan geendet hatte trat einen Augenblick Stille ein. Dann hob Belen die Hand und sagte: "Vielen Dank, Mathan. Ihr habt gut gesprochen." Er blickte sich im Raum um und fuhr dann fort: "Gibt es sonst noch jemanden, der etwas zu dieser Angelegenheit sagen will?"
"Ich möchte sprechen," sagte ein Gondorer, der sich von seinem Stuhl erhoben hatte. Als Belen ihm zustimmend zunickte wandte sich der Mann an die Anwesenden: "Mein Name ist Mallor, Galadorns Sohn, aus Gondor. Ich habe Ardóneth als einen Mann mit gutem Herzen kennengelernt, der mir Hilfe leistete, als Sarumans Diener diese Stadt noch unterdrückten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er für die Taten verantwortlich ist, die Ihr ihm anlastet. Der Hauptmann Elb hat recht: Dahinter steckt Sarumans üble Zauberei!"

Belen nahm Mallors Worte zur Kenntnis und stellte dann erneut die Frage, ob weitere Argumente für oder gegen Ardóneth vorgelegt würden. Und da erhob sich der Dúnadan mit dem dunkelgrünen Umhang, den Kerry auf der Straße von Bree nach Fornost getroffen hatte.
"Ich bin Argoleth von Annúminas. Ardóneth ist mein Sohn. Ich habe ihn viele Jahre nicht gesehen, doch ich weiß, dass eine solche Tat nicht zu ihm passt. Mein Sohn ist ein loyaler Dúnadan des Nordens. Ich beuge mich dem Urteil, das über ihn gefällt wird, aber ich bitte Euch, gut darüber nachzudenken, welche Entscheidung zu treffen ist. Das ist alles, was ich zu sagen habe."
"Auch Euch vielen Dank," antwortete Belen.

Eine Pause trat ein, in der sich die Anwesenden leise tuschelnd unterhielten. "Meinst du, sie werden erkennen, dass Ardan unschuldig ist?" flüsterte Kerry Haleth zu, die sich neben sie gesetzt hatte.
"Nun, bislang hat niemand offen gegen ihn gesprochen," überlegte Haleth. "Wir werden sehen, ob das, was vorgetragen wurde ausreicht, um den Anführer des Sternenbundes zu überzeugen."
"Ich hoffe es," sagte Kerry. "Es schmerzt mich, Ardan so zu sehen."

Avaron ließ erneut seine silberne Glocke ertönen und Stille kehrte ein. Belen sagte: "Da niemand mehr etwas zu dieser Angelegenheit zu sagen hat, werden wir uns nun beraten, welches Urteil über Ardóneth gefällt werden soll. Ich bitte Mathan, Mithrandir, Avaron, Elradan und Rilmir zu mir. Gemeinsam werden wir..."
Eine Stimme unterbrach ihn. "Ich habe etwas zu sagen." Ardóneth hatte sich erhoben, die Hände weiterhin gebunden, doch Kerry erkannte seine Stimme nicht wieder. Sie war verändert: kälter, schärfer, tückischer. Ein überraschtes und schockiertes Raunen ging durch den Raum. Gandalf schien besonders getroffen zu sein und stützte sich schwer auf seinen Stab. Der Zauberer war sehr blass geworden.
"Ihr seid Narren wenn ihr glaubt, hier einen Sieg errungen zu haben. Die Schlacht war nichts als ein Vorgeschmack auf das, was den ganzen Norden erwartet. Der nächste Angriff wird kommen, und er wird größer sein. Ihr habt einen Schlag mit Mühe und Not abwehren können, doch der nächste wird umso stärker ausfallen."
"Saruman..." murmelte Oronêl verbissen, und Kerry riss entsetzt die Augen auf als sie verstand.
"Lass ihn frei, Saruman," forderte Gandalf, der die Zähne zusammenbiss.
"Frei? Keiner von euch ist frei," zischte Ardóneth und warf finstere Blicke in den Raum. "Fornost und der Norden sind mein! Und schon bald werdet ihr das auch erkennen. Ihr denkt, ihr hättet meine Diener vertrieben? Gerade jetzt sammeln sie sich in Tharbad und in den südlichen Landen, um mit unbarmherziger Härte über die Lande herzufallen, die ihr "befreit" habt. Ihr Dúnedain seid verblendet. Ich bot euch den Glanz des nördlichen Königreiches an, und diejenigen unter euch, denen es nicht an Verstand mangelte, schlossen sich mir an. Ihr jedoch seid nur der starrsinnige Überrest."
Mathan und Oronêl tauschten besorgte Blicke aus. Sarumans Stimme erfüllte den Raum und sorgte für schockierte und entsetzte Blicke bei allen Anwesenden.
"Gandalf! Unternimm etwas!" rief Kerry dem Zauberer zu. Doch dieser zögerte.
"Er besitzt nicht die Macht, mir offen entgegenzutreten," lachte Saruman und Ardóneths Gesicht verzerrte sich zu einer hämischen Fratze. "Gandalf der Weiße! Von ihm ist nichts als ein Schatten seiner selbst übrig."
"Es wird genügen," knurrte Gandalf unter großen Anstrengungen. "Es muss." Er richtete sich zu seiner vollen Größe auf und warf den grauen Umhang ab, der sein weißes Gewand verdeckte. Strahlend helles Licht ging davon aus, und Kerry musste die Augen bedecken um nicht davon geblendet zu werden. Durch ihre Finger hindurch sah sie, wie Gandalf seinen Stab auf Ardóneth gerichtet hatte und Schritt für Schritt näher an den Dúnadan heran trat, offenbar gegen großen Widerstand ankämpfend.
"Wenn du das tust, wird sein Geist zerbrechen," drohte Saruman. Doch anstatt einer Antwort riss Gandalf seinen Stab nach oben und ließ ihn mit einem Blitz zu Boden fahren. Mit einem Schlag wich die drohende Präsenz, die sich über den Raum gelegt hatte, und Ardóneth brach bewusstlos zusammen.
Gandalf stand, schwer atmend und auf seinen Stab gestützt, neben dem gefallenen Dúnadan. "Kümmert euch um ihn. Saruman... er ist fort."

Es war Elrádan, der als Erster nach Ardóneth sah. Sachte hob er den Kopf seines Freundes an, und da schlug dieser die Augen auf. Kerry war von ihrem Stuhl aufgesprungen und nach vorne geeilt. Als sie bei Ardóneth ankam, stieß er hervor: "Was... was ist geschehen? Ich... fühle mich, als wäre ich aus einem finsteren Traum erwacht."
"Saruman hatte Kontrolle auf dich ausgeübt," erkläre Elrádan. "Erinnerst du dich an irgendetwas?"
"Ich erinnere mich an einen Traum, in dem ihr alle gefallen seid... und an eine große Schlacht... und dann..."
"Seine Erinnerung wird nach und nach zurückkehren," sagte Gandalf. Der Zauberer ließ sich auf einen der steinernen Stühle fallen und wirkte äußerst erschöpft.
"Ich schätze, das war der eindeutigste Beweis, den man mir liefern konnte," meinte Belen. "All dies ist Sarumans Werk gewesen. Das ist mir nun klar."
"Es geht ihm also wieder gut?" fragte Kerry.
"Das wird es," sagte Gandalf mit einem schwachen Lächeln.
« Letzte Änderung: 9. Jan 2017, 15:15 von Fine »

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Re: Fornost: Das Versteck des Sternenbundes
« Antwort #38 am: 14. Dez 2016, 12:46 »
Als Saruman durch Ardóneth gesprochen hatte, hatte sich ein leiser Zweifel in Oronêls Geist geschlichen, den Gandalf allerdings vertrieben hatte.
Belen blickte der Reihe nach Mathan, Gandalf und die drei Dúnedain, die gemeinsam mit ihm das Urteil fällen sollten an, und alle nickten zustimmend. "Nun denn", begann er schließlich. "Ardóneth, in Anbetracht der Umstände deiner Tat, der Fürsprache die du erhalten hast und der Verwandschaft und Freundschaft die uns verbindet, will ich dich für deine Tat nicht verurteilen." Erleichterung breitete sich auf Ardóneths Gesicht aus, und Oronêl beobachtete, wie sich Kerry sichtlich entspannte. Belen jedoch hob die Hand und sprach weiter. "Dennoch sollst du nicht völlig ungeschoren davonkommen. Deine Aufgabe wird es sein, Sarumans Armee zu folgen und herauszufinden, was der Grund für ihren plötzlichen Abzug war. Außerdem wirst du in Erfahrung bringen, ob uns von Norden immer noch die Gefahr eines weiteren Angriffs droht. Die Erfüllung dieser Aufgabe wird deine Loyalität mir und dem Sternenbund gegenüber endgültig beweisen, und wenn es soweit ist, wirst du deinen Rang an meiner Seite zurückerhalten."

Bevor Belen die Versammlung auflösen konnte, trat Oronêl kurzentschlossen vor, und sagte mit aller Autorität, die er sich vor Jahrtausenden als Amdírs Stellvertreter und Berater angeeignet hatte: "Auch wenn das Urteil bereits gefällt ist, würde ich gerne noch etwas sagen, denn ich glaube es könnte wichtig für euch sein."
Belen wirkte überrascht, nickte dann aber und bedeutete ihm mit einem Wink, fortzufahren.
"Mein Name ist Oronêl Galion von Lórien, und es war in Lórien als ich zum ersten Mal Sarumans Stimme hörte. Sie befahl mir, aufzugeben und mich auf seine Seite zu stellen, und wie Ardóneth wäre ich dieser Aufforderung nachgekommen, wenn meine Freundin Celebithiel mir nicht mit... Also, auf eine ähnliche Weise wie Mithrandir geholfen hätte. Seitdem erkenne ich Sarumans Falschheit, und seine Stimme hat keine Macht mehr über mich. Und so wird es auch Ardóneth gehen."
"Wir alle hoffen, dass es so sein wird", erwiderte Belen, und Oronêl sprach weiter: "Valandur hat vorhin gesagt, dass es hier nicht um ihn geht. Doch ich denke, er irrt sich. Im Gegenteil, es sollte hier nicht nur um Ardóneth gehen, sondern um alle Dúnedain, die Saruman verfallen sind."
Bei seinen Worten erhob sich ein Raunen in der Halle, als viele der Dúnedain leise miteinander zu sprechen begannen. Belens Augenbrauen zogen sich bedrohlich zusammen, doch er machte keine Anstalten, Oronêl zu unterbrechen. Als er weiterredete spürte Oronêl, wie Gandalf ihn aufmerksam beobachtete.
"Valandur und Ardóneth sind Beispiele für gute Männer, die Sarumans Stimme verfallen waren, und ich denke, dass es auch unter jenen die noch immer Saruman folgen, viele weitere von ihrer Art gibt." Ungefragt tauchte das Bild des Mannes, der Rúmil getötet hatte vor seinen Augen auf, doch er scheuchte es weg.
"Wenn ihr in der Lage seit, Ardóneth zu vergeben und zu begreifen, dass er von einer Macht verführt wurde, die zu groß für ihn war, solltet ihr das gleiche auch mit euren Brüdern und Schwestern tun, die in Sarumans Diensten stehen. Wenn ihr vor ihnen steht, sprecht mit ihnen, überzeugt sie, zeigt ihnen Sarumans Lügen - und nehmt sie in eure Reihen auf. Denn wenn ihr gegen sie kämpft und euch gegenseitig tötet, verliert Saruman vielleicht. Doch ihr verliert ebenfalls, und der einzige der gewinnt, ist der Schatten von Barad-Dûr."
Stille hatte sich über die Halle gesenkt, und nur auf Gandalfs erschöpftem Gesicht zeigte sich ein leichtes Lächeln.
Dann räusperte Belen sich, und sagte: "Ich danke euch für eure Sicht auf die Dinge und euren Rat. Ich werde... über eure Worte nachdenken."
Oronêl neigte den Kopf, sagte aber: "Es gibt noch etwas, über das ich sprechen möchte. Es geht um etwas was Saruman gesagt hat: Gerade jetzt sammeln sich meine Diener in Tharbad und in den südlichen Landen, um mit unbarmherziger Härte über die Lande herzufallen, die ihr "befreit" habt. Ich war vor wenigen Wochen in Dunland, und dort bin ich in Gefangenschaft von Sarumans Dienern geraten. Doch ich bin entkommen, und zwar nicht von selbst, sondern durch die Hilfe eines Dunländers namens Forath. In dieser Nacht gelang es Forath, die Herrschaft über seinen Stamm zu übernehmen, und es ist sein Ziel, Dunland von Sarumans Einfluss zu befreien."
Belens düstere Miene hellte sich auf. "Wollt ihr damit sagen, dass..."
"Ich weiß nicht, was aus Forath geworden ist. Vielleicht haben sich die anderen Stämme ihm gegen Saruman angeschlossen, vielleicht auch nicht. Vielleicht ist er tot und sein Plan gescheitert. Vielleicht sagt Saruman also die Wahrheit. Ich will euch also nicht dazu aufrufen, unvorsichtig zu sein und den Süden zu vernachlässigen. Aber vielleicht lügt Saruman auch, um eure Aufmerksamkeit nach Süden zu lenken sodass ihr den Norden vernachlässigt."
"Dann sollten wir Boten nach Süden entsenden, um herauszufinden was dort geschieht", erwiderte Belen, und wirkte dabei entschlossener als zuvor. Oronêl nickte. "Und euch mit Forath - falls er noch lebt - verbünden. Das wäre eure Gelegenheit, Sarumans Einfluss in ganz Eriador zu brechen."
"Wir werden sehen, was geschieht. Ich danke euch für eure Informationen, und euren Rat, Oronêl", meinte Belen bedächtig. "Falls sonst niemand mehr etwas zu sagen hat, löse ich die Versammlung hiermit auf."

Oronêl, Finelleth und Irwyne in die Alte Palastanlage
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Ardóneth zum Palast
« Letzte Änderung: 18. Jan 2017, 08:28 von Fine »

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Re: Fornost: Das Versteck des Sternenbundes
« Antwort #39 am: 19. Dez 2016, 20:29 »
Die Tatsache, dass Saruman durch Ardóneth gesprochen hatte, war die Bestätigung für Mathans Verdacht gewesen. Kurz darauf hatte Gandalf ihn jedoch vertrieben, was den Elb erleichtert aufatmen ließ. Umso eindeutiger und einfacher war die Entscheidung des Tribunals. Er wartete Belens Urteilspruch ab und lauschte Oronêls Worten, enthielt sich aber einem Kommentar und beschränkte sich darauf, die Leute zu beobachten.

Er hob zweifelnd eine Augenbraue, als Oronêl von den Dunländern erzählte. Er hatte schon öfters von den Wilden gehört, besonders oft in Rohan, da sie Erzfeinde waren. Doch auch hier schwieg Mathan und bewegte sich erst, als Belen die Versammlung auflöste. Er schritt zum Anführer des Sternenbundes, der ihn wachsam aber etwas überrascht anblickte. "Mathan, was kann ich für Euch tun?", fragte er anhand des Gesichtsausdruck des Elben.
"Ich würde Euch bitten,  Ardóneth ein wenig später fortzuschicken", sagte er geradeheraus und bemerkte ein zucken der Mundwinkel Belens, "Wenn ihr kurz nach Sonnenuntergang in den Westflügel der alten Palastanlage kommt, erfahrt ihr auch warum." Während Mathan sprach reichte er dem Mann ein Ästchen mit einem einzelnen Blatt, das mit Elbenschrift versehen war.
Belen verstand sofort und seine harten Züge erweichten einen kurzen Augenblick. "Ah, deswegen. Nun, ich denke es wird wohl möglich sein. Schließlich sollte man nicht zu nah an einer marschierenden Armee herankommen, etwas Abstand erscheint klug," der Anführer des Sternenbundes nickte und steckte das Blatt ein, "Ich werde da sein." Der Elb nickte ebenfalls und ging zufrieden zu Gandalf, der noch immer sich noch immer auf seinem Stab stützte. Er stand etwas am Rand der Menge, die sich nur langsam zerstreute und verscheuchte gerade einen Waldläufer, der ihn helfen wollte.
"Mithrandir.", rief Mathan um ihn auf sich aufmerksam zu machen.
Der Zauberer drehte sich um und brauchte einen Moment um ihn zu erkennen, sein abweisendes Gesicht erhellte sich ein wenig. "Mathan.", sagte er und nickte ihm zu, "Wie ich hörte soll es bald ein schönes Fest geben hm?", er blickte den Elben wissend an und zwinkerte, "Keine Sorge. Mir geht es bald besser, ich brauche nur etwas Ruhe. Ich will doch nichts verpassen.", erklärte er schmunzelnd und setzte sich seufzend auf eine Steinbank an der Wand.
"Das freut mich zu hören, aber es ist auch nicht schlimm wenn ihr nicht erscheint", erklärte Mathan und blickte sich kurz um, "Ich denke jeder würde es verstehen, nach Eurer Glanztat." Doch Gandalf winkte ab und erklärte, er würde das Fest ungerne verpassen, da es doch das einzig wirklich Positive dieses Tages sei. Der Elb verneigte sich leicht und zog sich zurück um den Zauberer seine Ruhe zu gönnen. Er blickte sich suchend um, ehe er gerufen wurde. "Mathan, kommt doch bitte nochmal her."
Sein Blick fiel auf Gandalf, der ihn zu sich winkte. Verwundert kam er der Aufforderung nach und setzte sich neben den Zauberer. Einige Dúnedain blickten zu ihnen rüber und schienen mehr oder weniger auffällig zu lauschen. "Bekomme ich kein Blatt?", fragte Gandalf mit einem beinahe schelmischen Lächeln.
"Ihr kennt also die Bedeutung?" Die Überraschung in Mathans Stimme war kaum zu überhören und Gandalf lachte leise. "Mein lieber Hauptmann Elb, wenn ihr Eines von Gandalf dem Weißen wissen solltet, dann dass er immer genau weiß worum es geht."
"Das klingt aber ein wenig überheblich.", sagte Mathan augenzwinkernd und musste ebenfalls leise Lachen, während er dem Zauberer ein Ästchen mit einem einzelnen Blatt überreichte.
Nach einem kurzen Moment der Stille gestand Gandalf leise: "Ich kenne nur ein paar Bräuche der Elben aus dem Osten, aber dieser hier gefällt mir besonders", er ließ das Blatt in seinem Mantel verschwinden, "Ich werde den anderen Trägern erklären, was diese Blätter für eine Bedeutung haben."
Mathan stand auf, deutete eine Verbeugung an und bedankte sich. Seine Schritte führten ihn zu einem blass aussehenden Waldläufer, der kurz vorher mit Rilmir angesprochen wurde. Neben ihm stand eine Frau, bei der Mathan sofort erkannte, dass sie und Rilmir Etwas teilten. Sie tippte auf dessen Schulter und deutete auf den Elb, der auf sie zukam. "Hauptmann", grüßte er ihn und wollte sich schon verneigen, doch Mathan hielt ihn davon ab. "Bitte, nicht so förmlich. Nennt mich einfach Mathan." Woraufhin Rilmir nickte und einen kurzen Moment überlegte.
"Bist du nicht der Gatte von Halarîn?", frage er und sein Gesicht erhellte sich, "Doch du bist es, ich habe dich und deine Frau auf den Mauern gesehen und am Katapult. Kerry sagte mir, dass sie sie adoptiert hat...", er blickte ihn eine ganze Weile an und Mathan schmunzelte. "Ja, wir möchten sie gerne adoptieren.", bestätigte der Elb und reichte dem verdutzen Rilmir das letzte Ästchen mit einem Blatt. "Kommt mit Euren Freunden und denen, die Euch am Herzen liegen kurz nach Sonnenuntergang in den Westflügel des alten Palastes."
"Eine Feier?", fragte Rilmir erstaunt und erntete ein immer breiter werdendes Lächeln des Elben. "Ausgezeichnet, ich werde da sein aber..." der Waldläufer legte den Kopf schief, "Was genau erwartet uns dort?"
"Sagen wir es so: Eine Gelegenheit die Seele baumeln zu lassen, zu Feiern und Kerry einen unvergesslichen Abend zu schenken", erwiderte Mathan kryptisch, woraufhin Rilmir das Gesicht zu einer etwas albernen Grimasse verzog.
"Sprechen Elben immer in Rätseln?", brummte er und Mathan lachte leise. Die Begleiterin des Waldäufers stupste diesen vorwurfsvoll an, doch Mathan winkte ab.
"Es wird eine Überraschung", erklärte er und nickte den beiden zu, "Es währe schön wenn ihr erscheint. Soweit ich weiß schafft auch jemand Bier heran."
"Ah, das ist ein Wort", lachte Rilmir und wedelte höfisch mit der Hand, "Mein Herr, wir werden Euch mit unserer erlauchten Anwesend beglücken." Das Lachen des Waldläufers ging in einen kleinen Schmerzensschrei über und er hielt sich die Hand auf den Verband.
"Geht es langsam an Rilmir, wir sehen uns beim Fest.", sagte Mathan zum Abschied schmunzelnd und verließ die Halle.

Er blickte kurz zurück und sah Gandalf, der schon die Träger der Blätter nacheinander ansprach. Mathan war dankbar, dass er dies übernahm, so konnte er den Anderen helfen schneller fertig zu werden. Seine Schritte führten ihn rasch zur Eingangshalle, wo er Acharnor begegnete, dieser saß auf einem Karren, der von zwei kräftigen Waldläufern beladen wurde. "Bier zu mir!", lachte der Jugendliche frech und tätschelte die Fässer, die neben ihn auf dem Karren standen. "Vergesst den Wein nicht", erinnerte Mathan ihn im vorbeigehen und verließ die Halle. Er fragte sich, wie weit Halarîn, Faelivrin und Adrienne wohl waren und begab sich nach Norden zum alten Palast.

Mathan zu: Alte Palastanlage von Fornost


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« Letzte Änderung: 12. Jan 2017, 12:20 von Fine »

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Ein klein wenig Panik
« Antwort #40 am: 9. Jan 2017, 00:33 »
Kerry war seit dem Ende von Belens Rechtsprechung über Ardóneth in eine seltene Art von hektischer Hochstimmung verfallen. Ihr fiel zwar durchaus auf, dass im Laufe des frühen Abends mehr und mehr Mitglieder des Sternenbundes aus der Rüsthallle verschwanden und sie auch schon eine lange Zeit nichts mehr von Mathan, Halarîn, Oronêl oder Finelleth gehört oder gesehen hatte, doch wusste sie, dass das irgendetwas mit der Andeutung, die Halarîn am Vormittag gemacht hatte, zu tun haben musste: "Morilië, wir bereiten etwas für dich vor. Du wirst es am Abend dieses Tages erfahren." Bislang hatte ihr niemand gesagt, worum es sich dabei handelte, und sie stellte fest, dass sie nicht die geringste Idee hatte, was an diesem Abend noch geschehen würde. Doch eines wusste sie: Es würde ein besonderer Anlass sein. Und für einen besonderen Anlass musste sie sich natürlich auch besonders präsentierbar machen.

Sie kniete im leeren Frauengemach auf dem Boden und stand vor einer schweren Entscheidung. Weiß oder Rot? Oder doch das Neue? Vor ihr auf ihrem Bett lagen drei Kleider ausgebreitet. Zwei waren von rohirrischer Art - eines weiß und reich verziert, eines weinrot und schlicht. Das dritte Kleid besaß die Farbe ihrer Augen: Grün mit einem Stich Blau, ins Türkis gleitende. Es war von Elben gefertigt worden. Alle drei Kleider hatten Vor- und Nachteile: Das weiße hatte Kerry während ihrer Gefangenschaft im Auenland von Gríma Schlangenzunge erhalten und sie verband nichts als schlechte Erinnerungen damit. Auf dem Weg nach Norden hatte Gandalf ihr im Vertrauen erklärt, dass Schlangenzunge einst für Éowyn, die Weiße Dame Rohans geschwärmt hatte, die nun Königin in Aldburg war. Kerry erschauerte immer noch wenn sie sich vorstellte, dass sie beinahe Schlangenzunges Ersatz für Éowyn geworden wäre und er ihr deshalb das königliche weiße Kleid gegeben hatte. Sie wollte gar nicht wissen, wo er es her hatte.
Das weinrote schlichte Kleid hatte Kerrys Mutter für sie gemacht und sie hatte es am Tag ihrer Flucht aus Hochborn getragen - und seitdem nur ungern, denn die Erinnerungen an den Schmerz, den Tod und den Verlust klebten daran wie der Blutfleck am linken Arm dieses Kleides, den sie seit Jahren nicht herausbekommen hatte, obwohl sie es mit allen ihr bekannten Mitteln versucht hatte.
Das Elbenkleid gefiel Kerry auf den ersten Blick am besten, doch es gehörte ihr nicht, sondern war ihr von Irwyne zur Verfügung gestellt worden, die es aus Bruchtal oder Lothlórien mitgebracht hatte. Kerry hatte sich seltsam darin gefühlt, als sie es anprobiert hatte, obwohl Irwyne ihr versichert hatte, dass sie dieses Kleid selbst noch nie zuvor getragen hatte sondern es bisher "für den richtigen Anlass" aufgehoben hatte. Kerry vermutete, dass ein zusätzlicher Grund dafür auch der Ausschnitt des Kleids war, der etwas tiefer als bei den beiden rohirrischen Gewändern war. Zwar hatte sie selbst bei einigen Gelegenheiten nicht dafür zurückgeschreckt, ihr Aussehen für ihre Zwecke zu nutzen, doch für die Rolle der frisch adoptierten Tochter von anmutigen und edlen Elben wäre ein solches Betragen ganz und gar unangebracht.
Na wunderbar, dachte sie. Und was mache ich jetzt?

Während sie in den kleinen Spiegel starrte, den sie bei Finnabairs Sachen gefunden hatte, stellte sie entsetzt fest, dass ihre Augenbrauen mit einem Mal sehr unregelmäßig und unförmig aussahen (oder es kam ihr in diesem Augenblick so vor). Warum ist mir das nicht schon früher aufgefallen? fuhr es ihr mit einem Anflug von Panik durch den Kopf. So kann ich doch niemals unter all diese perfekten Elben treten. Ich sehe wie ein zerlumptes Bauernmädchen aus!
Kurzentschlossen unternahm sie mit spitzen Fingern den Versuch, einige Härchen herauszureißen, die ihr fehl am Platz vorkamen. Doch je mehr sie zupfte, desto unzufriedener wurde sie mit ihrem Gesicht. Wäre ich doch nur mehr wie Faelivrin - wäre ich nur eine echte Elbin! Dann wäre mein Äußeres immer perfekt - und keinerlei Alterungsprozess unterworfen! Sie schlug die Hände vor dem Gesicht zusammen und wollte für einen Moment gar nicht mehr aus dem Haus gehen.

Doch dann riss sie sich wieder zusammen. Du hast eine echte Belagerung und eine tödliche Schlacht überlebt, du dummes Mädchen, rief sie sich selbst zur Vernunft. Du wirst auch diesen Abend überleben. Irgendwie.
"Das Türkise würde gut zu den Ohrringen passen, die Ardóneth dir geschenkt hat," sagte Haleths Stimme. Die Dúnadan stand im Türrahmen, und Rilmir blickte ihr über die Schulter. Kerry schrak überrascht aus ihren Gedanken auf und hielt sich eilig die Hand vor den Oberkörper. Sie war sich sicher gewesen, dass sich niemand mehr in der Nähe aufhielt und hatte daher sorglos alle Kleider nacheinander anprobiert und wieder ausgezogen, und stand daher nun in Unterwäsche da. Die beiden Dúnedain schienen ihre peinliche Verlegenheit nicht zu bemerken. Rilmir sagte nur: "Ich warte draußen auf euch," und ging, während Haleth zu Kerry in das Zimmer kam. Mit flinken Fingern nahm sie die Ohrringe, die oben auf dem Stapel von Kerrys Habseligkeiten neben ihrem Bett lagen, und schnappte sich auch die Halskette mit Calenwens Medaillon, die Kerry von Oronêl bekommen hatte. Beides legte Haleth der verdutzten Kerry an und hielt dann das elbische Kleid vor sie. "Du siehst bezaubernd darin aus. Es passt und steht dir und du füllst es gut aus. Du solltest es tragen. Irwyne hat es dir extra dafür geliehen. Den Elben wird es bestimmt gefallen," sagte Haleth ermutigend. "So siehst du wirklich aus wie Morilië Eldaríel."
"Was bedeutet das?" fragte Kerry.
"Tochter der Eldar," übersetzte Haleth und brachte damit ein Lächeln auf Kerrys Gesicht. Sie nickte zustimmend und zog das elbische Kleid an. Zwar fühlte es sich der samtene Stoff noch immer etwas seltsam auf ihrer Haut an, doch sie spürte, wie ihre Zweifel und ihre Anspannungen nachzulassen begannen.

Gemeinsam mit Haleth begab Kerry sich zum Ausgang der Rüsthalle, wo Rilmir bereits wartete. Die warme Abendluft hieß sie in den Straßen Fornosts willkommen, und die Dúnedain schlugen ein entspanntes Schrittempo an. Kerry folgte den beiden und stellte recht schnell fest, dass ihr Weg sie nach Norden zum Palast führte. Auf den breiten Stufen, die zum Haupteingang des Gebäudes hinaufführten trafen sie auf Gandalf, der sich dort auf seinen Stab stützte und offenbar den Aufgang des Mondes beobachtete.
"Willkommen, willkommen," begrüßte der Zauberer sie gut gelaunt. "Ihr trefft genau zur rechten Zeit ein. Wie der gute Mathan es beabsichtigt hat, wenn ich das so sagen darf. Ah, Kerry, mein liebes Mädchen, du darfst dich wirklich glücklich schätzen."
Sie nickte voller Dankbarkeit. "Ich weiß, Gandalf. Komm mit! Wollen wir doch mal sehen, worum es sich bei dieser geheimnisvollen Veranstaltung denn handelt."
Zusammen machte sich die Gruppe auf den Weg zum Palasttor.


Haleth, Rilmir, Gandalf und Kerry zur Palastanlage
« Letzte Änderung: 13. Jan 2017, 08:30 von Fine »

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Re: Fornost: Das Versteck des Sternenbundes
« Antwort #41 am: 17. Jan 2017, 23:18 »
Ardóneth und Elrádan vom Palast


Noch bevor die Sonne richtig aufgegangen war, hatte Ardóneth sein Quartier bereits verlassen. Er hatte seine alten Lederharnisch, die bereits bei seiner Ankunft in Fornost schon getragen hatte, angelegt und mit der Hilfe seines Vaters einen neuen Verband um die Schulter gewickelt. Als der Dúnadan das Quartier mit Argóleth verließ spürte er die kalte Herbstluft auf seinem Gesicht.
"Als hätte selbst die Natur davon erfahren..." sagte er bedrückt zu Argóleth. "Ich sollte mit euch gehen..." 
"Wir werden sie finden, mach dir darum bitte keine Sorgen. Du hast eine Aufgabe zu erfüllen." unterbrach Argóleth seinen Sohn und versuchte ihn zu beruhigen.
Schließlich reichte Ardóneth seinem Vater die Hand. "Mögen die Valar mit euch sein!" sagte dieser darauf, verabschiedete sich und verschwand wieder in der alten Rüstkammer. Im großen Hof angekommen sah Ardóneth, wie seine Gruppenmitglieder bereits die letzten Vorbereitungen für die Reise trafen. Einige Rucksäcke, mit Proviant und Decken gefüllt, waren um einen einzelnen Baum herum aufgestellt worden. Ardóneth trat zu Elrádan der gerade mit Fulthien und Fórtorg sprach. "Seit gestern... Sie verschwand einfach." beantworte Elrádan die Frage von Fulthien die nur kurz nickte und ihre Augen zu Ardóneth schweifen ließ. Scheinbar war Elrádan so in das Gespräch mit den Geschwistern vertieft, dass er Ardóneth gar nicht bemerkte.
"Seid ihr zum Aufbruch bereit?" fragte Ardóneth in die Runde, und die Dúnedain nahmen nun Kenntnis von ihm. Elrádan drehte sich erschrocken um und bejahte seine Frage. "Ich denke schon - wir haben genug Proviant für die Reise eingepackt und warme Decken für die kalten Nordwinde."

Nach einem kurzen Gespräch versammelten traten nun auch die restlichen Gruppenmitglieder dazu. Darunter auch der Zwerg Fis und Mallor von Gondor. Ardóneth stellte nun seine Planung für die Reise vor. "Wir werden den Spuren der feindlichen Armee, die Fornost angegriffen hat, einige Tage Richtung Norden ziehen und herausfinden, wohin sie wollen. Wir nähern uns Sarumans Streitmacht dabei nur soweit, dass wir nicht von ihr entdeckt werden. Die Reise wird sich über mehrere Tage erstrecken und wir werden uns durch feindliches Land bewegen. Noch Fragen?" Durch ein Kopfschütteln symbolisierten ihm seine Gefährten dass damit alles geklärt war. Nachdem die Route geplant worden war nahm jeder sein Gepäck auf.
"Gilbárd wird mit meinem Vater hier bleiben und nach Hinweisen über Kerrys Verbleib suchen," sagte Ardóneth zu Elrádan mit ungewohnter Bedrücktheit während er sein Schwert in das Futter steckte.
"Sie werden sie finden." meinte Elrádan und legte seine Hand vorsichtig auf Ardóneths Schulter. Er selbst bemerkte, dass Ardóneth, seitdem Saruman in seinem Kopf gewesen war, noch einiges an Zeit brauchte um wieder ganz der Alte zu werden. Nachdem jeder bereit war verließen sie die Stadt.


Ardóneth, Elrádan, Fulthien, Fortórg, Kilian, Kiard, Fis und Mallor nach Arthedain
« Letzte Änderung: 16. Feb 2017, 15:54 von Fine »
Er hat noch gezuckt weil ich ihm meine Axt in seine Nervenstränge getrieben habe.

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Nachrichten aus dem Norden
« Antwort #42 am: 27. Mär 2017, 08:58 »
Ardóneth und Elrádan aus der Stadt

Nachdem Ardóneth und Elrádan die Rüstkammer betreten hatten, gingen sie auf schnellsten Weg zum Beratungsraum, dem Saal in dem sich die Köpfe des Sternenbundes über weitere Vorgehensweise berieten. Sie vermuteten, dass Belen sich dort aufhalten würde. Wenige Meter vor der verschlossenen Tür konnten sie bereits mehrere Stimmen bei einem Gespräch hören. Sie warteten vor der Tür einen kurzen Augenblick und versuchten den Grund des Gespräches herauszuhören. Schließlich jedoch klopfte Elrádan an der Tür, öffnete sie und betrat, gefolgt von Ardóneth, den Raum. Dort standen Rilmir, Aravorn und Belen im Kreis um einen größeren Tisch herum. Fast gleichzeitig schauten die Dunedain Ardóneth und Elrádan mit einer strengen Miene an die jedoch schnell in eine fröhliche änderte. Sie traten an den Tisch und spürten die erwartungsvollen Blicke des Anführererrates auf sich.
Nach wenigen Augenblicken begann Elrádan schließlich: "Die Situation in Angmar ist äußerst interessant. Carn Dum führt Krieg gegen Gundabad, scheinbar ist das Bündnis zwischen Sauron und Saruman tatsächlich gebrochen worden."
"Denoch ist Vorsicht geboten. Carn Dum ist bestens befestigt." schloss Ardóneth an, der ungewöhnlich ruhig war.
"Zumindest war es vor der Belagerung durch Saurons Orks so." warf Elrádan erneut ein.
Belen nickte zufrieden. "Erzählt weiter," forderte er.
"Die Möglichkeit, dass Saruman ein neues Heer aus Carn Dûm entsenden wird, ist meiner Einschätzung nach im Augenblick sehr gering. Die Festung wurde stark beschädigt und ist somit schutzlos. Aus dem Norden haben wir erst einmal keine Gefahren mehr zu befürchten," machte Elrádan weiter.
"Das sind gute Nachrichten" gab Rilmir zurück.
"Ihr seid euch sicher das wir nichts mehr aus den Norden befürchten müssen?" fragte Avaron skeptisch.
"Ja, ein größerer Teil der Burggarnison wurde von Mordor aufgerieben. Nur dank der Unterstützung der Belagerungsstreitmacht konnten sie Carn Dûm halten." beantwortete Elrádan die Frage.
Belen blickte zufrieden zu Ardóneth und sagte, nachdem Elrádan den Bericht vollständig überbracht hatte:  "Nun, Ardóneth ich muss mich für meinen Zweifel an deiner Loyalität entschuldigen. Ich hätte früher erkennen müssen, dass eine größere Macht hinter deinem "Verrat" stecken muss." sagte er mit heiserer Stimme.
Ardóneth wurde aufgrund dieser Worte etwas lockerer. Obwohl er nichts befürchtet hatte, war er trotzdem sehr angespannt gewesen.

Die Dunedain unterhielten sich noch eine kurze Weile und schließlich begann Belen erneut. "Unsere nächste große Aufgabe ist die Verstärkung und Instandsetzung Fornosts. Dennoch müssen wir auch Bree von dem Einfluss Sarumans befreien."
"Wir haben vergebens versucht, detaillierte Informationen aus Lutz Farnrich herauszubekommen; er schweigt bislang wie ein Grab..." warf Avaron ein.
"Er wird reden, dafür sorge ich schon," sagte Ardóneth in einem ernsteren Ton.
"Gut, ich denke du und deine Gruppe haben sich jedoch erst eine längere Pause von der langen Reise verdient." meinte Avaron.
Die beiden Dunedain nickten. "Sieht man uns das etwa an?" gab Ardóneth spaßend zurück.
Nachdem Belen die Besprechung für beendet erklärt hatte, verließen sie gemeinsam den Beratungsraum.
« Letzte Änderung: 27. Mär 2017, 11:13 von Eandril »
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Die Schlüssel von Gilgroth
« Antwort #43 am: 13. Apr 2017, 14:32 »
Nachdem Elrádan und Ardóneth noch ein kurzes Gespräch miteinander geführt hatten, verabschiedete sich Elrádan um seine Rekruten zu mustern.
Ardóneth hingegen suchte das Quartier seines Vaters auf. Dort sollte er seinen Vater und dessen Vetter Gilbárd treffen. Nachdem er das Zimmer, in dem die beiden sich aufhielten, betreten hatte, begutachtete er den Berg an Büchern, Pergamenten und Briefen, der nicht nur den ganzen Schreibtisch in Besitz genommen hatte, sondern auch Teile des Fußbodens bedeckte. Vom Nebenzimmer kommend hörte er mehrere Stimmen die, wie es ihm erschien, ein Gespräch führten. Ardóneth war völlig verwundert dass sein Vater in der kurzen Zeit die er in Fornost war bereits eine kleine Bibliothek angesammelt hatte. Er schaute sich im Zimmer weiter um. Im östlichen Teil des Raumes stand eine Puppe die in einer polierten Rüstung gerüstet war. Darauf war auf der rechten Brustseite das Banner Gondors, der Weiße Baum, abgebildet. Vaters alte Rüstung, dachte sich Ardóneth. Obwohl seine Kindheit schwer gewesen war, hatte er dennoch das Glück gehabt, bestens versorgt zu sein.

Ardóneth wandte sich ab und signalisierte mit einem Klopfen am Türrahmen zum anderen Zimmer seine Anwesendheit. Im Raum saßen Ardóneth, Gilbárd, Archarnor und die Geschwister Kiárd und Kilian. Gilbárd unterbrach das Gespräch: "Gut dass du da bist, wir haben einiges zu besprechen..." sagte er und erhob sich. Gilbárd ging zum Schreibtisch hinüber und kramte eine alte Karte hervor. "Ah hier ist sie!" sprach er und klappte sie auf einen Tisch aus. Ardóneth trat langsam hinzu, gefolgt von seinem Vater. "Wir schätzen das Gilgroth ungefähr hier in diesem Gebiet liegt," meinte Gilbárd erneut und tappte vorsichtig auf auf die Karte, an einer Stelle nordwestlich von Annúminas. "In Gilgroth entspringt ein Fluss und somit wäre dieser Ort hier die einzige Möglichkeit. Dennoch könnte die Quelle seit der Zerstörung versiegt sein und der Fluss heute nicht mehr existieren."
 "Also hätten wir zumindest groben einen Standort, an dem wir suchen könnten?" fragte Ardóneth, der versuchte, die Sachlage zu verstehen.
"Indirekt; wir müssten den Evendim-Fluss absuchen." warf Argóleth ein. "Dies könnte sich ewig hin ziehen." "Das ist jedoch das kleinste Problem. Der Haupteingang wurde bei der Belagerung zerstört; es gibt noch einen geheimen Nebeneingang. der aber verschlossen ist." sagte Gilbárd.
"Also benötigen wir etwas zu öffnen, vielleicht einen Schlüssel" bemerkte Ardóneth und runzelte die Stirn.
"Vier Schlüssel, um genau zu sein," ergänzte sein Vater. "Als Gilgroth erweitert wurde, wurden auch die Schlüssel geschmiedet. Diese mit der alten Schmiedekunst Númenors hergestellt." Argóleth nahm seine Kette vom Hals und legte sie auf die Karte, und seinen Siegelring daneben. "Es existieren vier dieser Halsketten," erklärte er. "Eine war immer im Familienbesitz, ebenso wie der Ring. Die anderen wurden von Finglors Sohn, Pallas III., an die anderen Anführer und Hauptmänner der Dúnedain verteilt," fuhr Argóleth fort. Kiárd, Kilian und Archarnor lauschten dem Gespräch schon eine Weile und traten nun näher zum Tisch heran. "Über mehrere Jahrzenhnte versuchte unsere Familie, alle Schlüssel wieder in ihren Besitz zu bringen. Bregadan, meinem Großvater, gelang es schließlich, die letzte Halskette zurück zu erlangen. Er verteilte sie an seine Söhne und diese wieder an ihre," endete Argóleth.

Ardóneth versuchte, all diese neuen Informationen zu verarbeiten. Er wusste, dass sein Haus eine lange Geschichte hatte; dennoch war er über die Erzählung Gílbards und seines Vaters sehr erstaunt.
"Malbórn hatte seinen Schlüssel bereits Jahre vor seinem Tod an meinen Bruder, Górlad übergeben," sagte Gílbard. "Aber wir haben schon länger keinen Kontakt mehr. Er müsste beide Schlüssel haben..." Gilbárd tauschte einige Blicke mit Argóleth aus und blickte dann zu den Brüdern. "Kiárd, würdest du mir deine Halskette bitte geben?" fragte er in einem bedrückten Ton. Ohne etwas zu sagen legte der Angesprochene die Halskette ab und legte sie langsam auf den Tisch. Gilbárd wirkte inzwischen äußerst angespannt. "Dies habe ich einst eurer Mutter geschenkt, als sie euren Vater heiratete... denn Rían war meine Tochter." erläuterte der ältere Dúnadan. Doch bevor er weitersprechen konnte wurde er durch das durchdringende Läuten einer schweren Glocke unterbrochen.
"Was ist das?" rief Kiárd verwundert.
"Der Alarm! Ich muss zum Übungsplatz," stellte Ardóneth in einem hektischen Ton fest und stürmte aus den Zimmer.

Ardóneth und die Dúnedain hinaus in die Stadt
« Letzte Änderung: 13. Apr 2017, 14:52 von Fine »
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Ein geflohener Feind
« Antwort #44 am: 13. Apr 2017, 14:35 »
Ardóneth und Cairien aus der Stadt

Während sich die Lage in Fornost nach dem überraschenden Angriff der geflügelten Bestie langsam wieder beruhigte, versammelten sich die Dúnedain des Sternenbundes erneut im Innenhof der Rüsthalle. Rilmir und Haleth verließen die Stadt gemeinsam, ohne ihnen jedoch ihr Ziel zu nennen. Ardóneth hingegen zog es aus ihm unbekannten Gründen ins Innere des Hautquartiers. Dort saßen bereits die restlichen Mitglieder seiner Gruppe. die sich mit Hanvar unterhielten, der sich noch immer von seinen Verletzungen die er während der Belagerung von Fornost erlitten hatte erholte. Ardóneth lächelte fröhlich als er seinen Kampfgefährten erblickte und setzte sich zur  Gruppe.
"Freut mich das es dir wieder besser geht..." sagte er während er das Loch in Hanvars Kopf betrachtete, wo sein linkes Auge gewesen war. "Mich freut es auch, dass zumindest ein Teil von mir überlebt hat," gab Hanvar zurück und fing eher beschämt zu grinsen an. Ardóneth erzählte ihm vom Kampf gegen die Bestie und erklärte auch, dass sie sofort aufbrechen mussten, um die Bestie endgültig zu töten. "Fühlst du dich dazu bereit, mit zu gehen?" fragte er an Hanvar gerichtet. Dieser nickte nur und nahm symbolisch sein Schwert in die Hand.
"Begib dich zum Innenhof; ich komme gleich nach. Elrádan versammelt derzeit eine schlagkräftige Gruppe, denn wir haben keine Zeit zu verlieren" sagte Ardóneth und erhob sich wieder. Er ging zu seinen Zimmer und legte die schwere Rüstung, bis auf die Armschützer ab und zog seine bequemere und leichtere Waldläuferrüstung an.
Als er das Zimmer verließ entdeckte er die kleine Mara, die ihm entgegengerannt kam. Vor ihm blieb sie stehen und sämtliche Angst, die sie vorher gehabt hatte, war vollkommen verschwunden und sie wirkte wie ausgelassen. Das Mädchen stellte Ardóneth eine Frage nach der anderen und wollte alles mögliche über ihn herausfinden. Ardóneth versuchte ihre Fragen so gut es ging zu beantworten, als er Cairien entdeckte, die an einer nahen Wand lehnte, die Arme verschränkt und mit einem schelmischen Lächeln auf den Lippen. Ardóneth hatte ein seltsames, aber wohltuendes Gefühl im Magen als er sie erblickte und ging, gefolgt von dem kleinen Mädchen, auf sie zu.
Ohne zu zögern fiel Cairien ihm um die Arme. "Ist die Bestie tot?" fragte sie schließlich. Ardóneth war erneut über ihre Geste überrascht. und war vorerst sprachlos. Cairien ließ ihn los und frage: "Was ist los?"
"Die Bestie ist geflohen... Ich muss dafür sorgen das sie Fornost nie wieder bedrohen kann," erklärte Ardóneth ernst.
"Oh," machte Cairien und nickte. Sie verstand, worum es ging.

Ardóneth verabschiedete sich bei beiden und ging zum Hof. Dort standen inzwischen drei Dutzend Männer und Frauenversammelt. Die meisten stammten aus Gondor und Arnor, aber auch Flüchtlinge aus Rohan und Thal waren dabei, die auf den Befehl warteten. Hanvar hatte sich einen sauberes Stofffetzen um die leere Augenhöhle gebunden und stand bei Fórtorg und Kilian.
"Die Truppe ist bereit. Wir sollten so schnell es geht aufbrechen," sagte Elrádan. Ardóneth nickte und gab mit einem Handzeichen zu erkennen, dass die Truppe sich in Bewegung setzen soltel. Ardóneth, Elrádan, Fulthien und Fortórg bildeten das vorderste Glied. Hanvar, Mallor, Kiard und Kilian reihten sich hinten ein. So verließen sie Fornost im Eilmarsch.

Ardóneths Gruppe nach Annúminas
« Letzte Änderung: 13. Apr 2017, 14:46 von Fine »
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