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Autor Thema: Der Gwathló  (Gelesen 2399 mal)

Curanthor

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Der Gwathló
« am: 3. Feb 2017, 04:11 »
Mathan, Oronêl, Halarîn, Finelleth, Kerry, Adrienne und Celebithiel an Bord der Avalosse vom Golf von Lindon

Nach einigen Tagen auf dem Meer erreichten sie schließlich die Mündung des Gwathló. Die See war zu ihren Glück ruhig geblieben und der Wind günstig, sodass sie keine gezwungene Rast einlegen mussten. Es war gerade Anfang der Mittagsstunde, als sie langsam in die Mündung einfuhren. Die Galeassen der Vorhut flankierten erneut die Avalosse, doch Mathan dachte sich dabei nichts. Er stand mit Kerry auf dem Deck, das vorn zum Bug sich verjüngte. Das Mädchen schien diesmal bessere Laune zu haben, da ihr die Übung einfach von der Hand ging. Vielleicht aber auch, weil Adrienne mitmachte, die nicht länger untätig bleiben wollte. Die beiden Mädchen schienen sich gegenseitig zu motivieren, wobei Adrienne doch etwas mehr dabei war. Trotzdem beschwerte Kerry sich nicht, zumindest hatte Mathan keine Klagen von ihr gehört. Er machte einen Schritt zur Seite, sie folgten ihm sofort, dann setzt er seinen Fuß versetzt hinter den Anderen und drehte sich dabei. Es war einer der Grundschritte und Kerry beherrschte ihn sogar erstaunlich gut. "Es ist wie tanzen" hatte sie das erste Mal gesagt und Mathan erklärte ihr, dass die Schritttechniken alle irgendwie mit einem Tanz vergleichbar sind. Scheinbar war das ein Punkt, der sich einfacher bei ihr gefestigt hat, denn sie konnte einen guten Teil von den Schritten schon ohne Hilfe ausführen. Mathan achtete nun vermehrt darauf, dass man den Körper eindrehte und die beiden Mädchen ahmten ihn nach einiger Zeit nach. Er lächelte ihnen zu und nickte, woraufhin sie eine kurze Pause einlegten. "Sehr gut, den Grundsatz der Schritte habt ihr verstanden. Nun könntet ihr schweren Hieben ausweichen, aber nur wenn es nicht mehr geht. Jetzt zeige ich euch einen sehr wichtigen Schritt, er ist einfach und kommt für den Gegner oft überraschend.", verkündete er und winkte Halarîn zu sich. Sie stellte sich ihm gegenüber und zog ihr Schwert, blickte zu den beiden Mädchen und wechselte dann doch zu dem hölzernen Stab.
"Also angenommen, die Ausgangsposition ist frontal und ihr habt keine Chance zu entkommen. Der Feind macht dann meist einen Stich nch vorn oder einen Schlag von oben" Er nickte Halarîn zu, die langsam nach vorn stach, "Ihr macht einen seitlichen Schritt auf den Gegner zu und dreht euren Körper sofort weg, greift seine Hand und dürckt sie weg" Mathan stand nun neben Halarîn und drückte ihre Hand mit dem Stab von sich weg, während er sich dabei drehte und einen Fuß hinter sie stellte. "Und landete ihm seinen Rücken. Die meisten werden das nicht erwarten und ihr könnt die Beine in die Hand nehmen und laufen, achtet dabei darauf, dass er euch nicht im Rücken trifft." Mathan entfernte sich rasch, wärend Halarîn den Schwung vom Stich ausgleichen musste und sich dann ebenfalls umdrehte.
Die beiden Elben wiederholten es nochmals, diesmal schneller. Halarîn stach zu und Mathan glitt an dem Stab vorbei, drückte ihre Führungshand zur Seite und machte einen Schritt hinter sie. "Das klappt bei einzelnen Gegnern, aber bei einer Gruppe werden sie nach dem ersten Schritt euch nicht vorbeilassen, versucht es erst gar nicht." Mathan lächelte und strich Halarîn zum Dank durchs Haar, "Lasst uns eine kleine Pause machen, danach könnt ihr es gemeinsam abwechselnd ausprobieren."
Der Elb war schnell auf die Idee gekommen, dass Kerry sich mit Adrienne bei solchen Übungen abwechseln konnte. Zwar war die Gondorerin etwas erfahrener, aber auch sie lernte dabei einige Dinge, die sie vorher nicht kannte. Trotzdem schien Kerry in der Zeit auf dem Schiff etwas merkwürdig zu sein, Mathan konnte es sich noch immer nicht erklären. Es war so, als ob ein Nebelschleier um ihn herumwaberte und seine Intuition trübte. Nachdenklich beobachtete er wie Halarîn und Kerry miteinander redeten, bis Adrienne ihn ansprach: "Schwertmeister, da ist Etwas, dass ich dir sagen muss." Bei der Anrede verzog er kurz das Gesicht, woraufhin ein kurzes Grinsen über ihre ernste Miene huschte, "Und zwar um... Nunja, sie hatte irgendwas in der Hand, als ich am Tag eurer hmm Auseinandersetzung in die Kabine kam. Es ist mir vorher nicht aufgefallen und ich will nicht noch mehr Probleme bereiten, aber mir kam es komisch vor..." Ihre Stimme war gesenkt, sodass Kerry und Halarîn sie nicht hören konnten. Doch bevor Mathan irgendwas antworten konnte, verspürte er eine plötzliche Unruhe. Auf einem der Vorhutschiffe wurde wurden laute Befehle gerufen und die Männer und Frauen auf den Masten begannen die blauen Segel zu entrollen. Das laute Flattern der Segel ließ auf die anderen Gefährten an Bord umblicken. Faelivrin erschien am Vordeck ihres Schiffes und deutete auf die Mündung des Gwathló. Mathan kniff die Augen zusammen. "Was ist dort?", fragte Kerry und versuchte ebenfalls etwas zu erkennen.
"Schwarze Segel... mit einem weißen Fleck in der Mitte", beschrieb er schließlich, was er sah.
Einige atmeten scharf aus, bis die Maicanga ebenfalls aktiv wurde und die Segel gehisst wurden. Mathan fühlte sich auf der Avalosse zwischen den beiden Kriegsschiffen plötzlich ganz klein, kurz überlegte er hinüber zu klettern. Deutlich hörte er nun die Stimme seiner Tochter über das Meer hallen: "Die Feinde der Freien Völker erwarten uns bereits! Zeigt kein Mitleid, zeigt keine Furcht, aber zeigt ihnen, was die Manarîn vollbringen können", rief sie laut, sodass alle sie auf den Schiffen hören konnten. Beide Mannschaften der Schiffe ließen ein kräftiges "Hua" hören und begaben sich an die Arbeit.
"Eine Seeschlacht...", murmelte Oronêl und hielt den Blick auf die klobigen Schiffe Sarumans gerichtet, die scheinbar in einem Halbkreis den Zugang zum Fluss blockierten.
"Vater!" Faelivrin hatte sich halb über die Reling gebeugt und ihre Hände wie einen Trichter geformt, "Wir werden euch einen Durchbruch ermöglichen, haltet euch bereit! Wir werden mit ihnen schon fertig, das hier ist nicht umsonst die Naira"
Dann wandte sie sich ab und von dem anderen Schiff hörten sie Isanasca in auf Avarin eine Ansprache halten, die aber keiner Verstand. Unter Vollzeug fuhren die beiden Galeassen nun etwas schneller als ihr eigenes Schiff und Mathan wünschte seiner Tochter alles Gute.
"Was heißt Naira?", fragte Kerry leise und er antwortete ohne sich umzudrehen: "Die Grausame."
Ein mehrfaches Klackern ertönte und aus den Rümpfen der Schiffe schoben sich wie ein Mann dutzende Ruder. Ein tiefer Trommelschlag ertönte, als die Ruderer ihre ersten Zug machten. Beide Schiffe nahmen nun noch mehr Fahrt auf, wobei die Naira ein Stück schneller war. Mathan konnte sich nicht entscheiden welche der beiden Schiffe er seine Aufmerksamkeit schenkten sollte und blickte abwechselnd zwischen ihnen hin und her. Sanft schob sich eine Hand in die Seine, kurz darauf eine zweite, Kleinere in seine Andere. Kerry und Halarîn standen neben ihm und blickte ebenfalls auf die Schiffe.


Faelivrin lugte nochmal über die Reling auf das kleiner Schiffe, auf dem ihre restliche Famile stand, zusammen mit Oronêl, Finelleth und die andere Elbe, deren Name sie sich nicht gemerkt hatte. Sie spürte die Unruhe ihrer Mannschaft, einige von ihnen wollten Kämpfen, Andere wiederum nicht. Dabei blickte sie zu Ivyn, die diesen Augenblick gesehen hat... alleine deswegen hat Luscora mit der Entwicklung der Spannkatapulte begonnen. Ihre Urgroßmutter nickte ihr zu und verschwand mit Farelyë unter Deck. Die Königin blickte zu ihren Sohn, der sie erwartungsvoll anblickte. Ein lautes Platschen ertönte und eine Wasserfontäne spritzte vor ihnen auf.
"Ballisten!", brüllte der Ausguck und die Elben reagieren sofort. Sie entfernten sich von der Reling und dem Vordeck, einzig Luscora blieb bei dem Schiffskatapult und bereitete die letzten Handgriffe vor. Ein Schlag erschütterte das Schiff, Holz splitterte.
"Treffer im Rump!", brüllte jemand aus dem Ruderdeck, "Das Eisen hält!" Grinsend wandte sich Faelivrin nach vorn und war froh, dass sie das Metall eingebaut haben um das Eis zu brechen. Nun war es ein wirkungsvoller Schutz, solange sie nicht zu hoch zielten. Aus dem Augenwinkel sah sie, dass die Maicanga ebenfalls unter Beschuss genommen wurde. Das erste Geschoss traf ebenfalls am Rumpf, aber unter der Wasseroberfläche. Das zweite landete auf dem Hauptdeck und sie biss die Zähne zusammen. "Sind wir in Reichweite?", rief sie ungeduldig. Das Schiff war nun in voller Fahrt, die Ruderer legten sich nochmals ins Zeug und das Schiff schoss über das Wasser. Die Segel füllten sich und sie ahnte, dass nicht mehr viel Zeit war.
"Geschützmeister!", brüllte Luscora und lief zu dem Elb, der mit einigen Gehilfen ein langes, geschmiedetes Stück Stahl trug. Es maß über zwei Schritt, die dreikantige Spitze schimmerte im Sonnenlicht, der sich verdickende Rest des Geschoss war mit dutzenden Widerhaken gespickt. Ächzend wuchtete die Elben das schwere Metall zum Spannkatapult und legten es in die Führungsschiene, währen Luscora das Ziel anpeilte. "Welches? Es sind sieben, vier mit Ballisten!", rief er.
"Wir halten auf das in der Mitte zu, visiere das rechts von ihm liegen Schiff an. Du weiß wohin.", antwortete sie rasch und Luscora nickte. Dank Ivyn wussten sie, was sie tun mussten um das Schiff ihrer Eltern sicher zum Gwathló vorstoßen zu lassen.
"Bereit! Warten auf Befehl zum feuern!", rief ihr Sohn, während die Elben eilig das Vordeck verließen.
Die Galeasse war nun auf maximaler Geschwindigkeit und Faelivrin stellte sich kurz den stählernden Rammsporn vor, der sich durch das Wasser grub... und gleich woanders.
"Feuer!", rief sie und hörte das Klacken der Spannarme, als das Metall gebogen wurde. Eine kurze Stille folgte, gebannt blickte die Elben auf das Schiff, das rechts neben dem Mittleren lag. Dann ertönte ein lautes Klacken, Holz knirschte und der Katapult schwankte leicht in der Fassung. Dann ertönte ein Geräusch nach Metall, das durch die Luft schnitt. Sie verfolgten den Flug des Geschosses, das mehr als eine Elle Durchmesser maß. Das Krachen von Holz und Schreie hallte bis zu ihnen, als der Schuss traf. Auf der Anderen Seite der Blockade ertönte das gleiche Geräusch kurz versetzt. Isanasca war wirklich eine gute Anführerin, ging es ihr Stolz durch den Kopf. Mittlerweile waren sie so nah herangekommen, dass sie Einzelheiten der feindlichen Schiffe erkennen konnten.
"Bereit halten zum Aufprall!" brüllte sie und sofort wurden die Ruder eingezogen. Die Elben drehten die Segel aus dem Wind, überall wurden Waffen gezogen. Anastorias trat neben sie und schenkte ihr ein hinreißendes Lächeln. Der junge Elb wollte unter seiner Königin kämpfe und hatte lachend gesagt, dass er sich dann zu seinen Eltern vorkämpfen wurde. Faelivrin war sich nicht sicher, ob er das ernst meinte oder nicht. Sie blickte rasch zur Seite und bemerkte zufrieden, dass das getroffene Schiff bereits Schlagseite hatte. Einige Gestalten schwammen drumherum. Eine Balliste weniger, dachte sie sich. Holz splitterte und Schreie ertönten, als gerade im selben Augenblick der Aufbau auf Achtern getroffen wurde. Sie befanden sich nun um Halbkreis, während die anderen Schiffe das Feindes nun versuchten sie abzufangen. Doch die Galeassen hielten auf das mittlere Schiff zu. Faelivrin nahm das Horn vom Gürtel, bließ hinein und gab damit das verabredete Signal. Das Schwesternschiff glich das Tempo an und lange Holzbalken wurden zwischen die Schiffe gelegt. Ihre Mannschaft tat es ihnen gleich, schließlich schwenkten die Schiff aufeinander zu. Faelivrin biss die Zähne zusammen, als die Maicanga in einem spitzen Winkel auf sie zukam. Das Manöver hatten sie noch nie geübt und konnte sehr böse ausgehen. Die Holzbalken berührten jeweils das andere Schiff. Die Vordersten splitterten und ließen die Elben aufschreien, die sie gehalten hatten. Auf dem anderen Deck erblickte sie Isanasca mit ihren Mann Sanas, dessen schwarzes Haar im Wind wirbelte.
"Korrigiert den Kurs und hisst die Flagge!", rief sie und hörte prompt vom Hauptmast das Flattern von Stoff. Sie wusste, dass nun dort das Banner der Manarîn im Wind wehte.
Das Schiff ihrer Tochter korrigierte ebenfalls den Kurs und fuhr nun dicht neben der Naira. Eigentlich hätte man sogar eine lange Planke legen können und zwischen den Schiffen hin- und herlaufen können. Das Schiff in der Mitte der Blockade versuchte auszuweichen, doch kam nicht schnell genug vom Fleck.
"Steuerbord Schleppanker! Auf Befehl!", brüllte Faelivrin so laut, dass auch Isanasca verstand, die ihren Befehl sofort weitergab. Die Königin hob den Arm und verharrte kurz, blickte zu den grob gezimmerten Schiff, auf dem sich Panik ausgebreitet hatte. Menschen sprangen von Bord, während ihnen einige Pfeile entgegenflogen, die aber weit außer Reichweite landeten.
"Jetzt!", sie ließ den Arm herabfallen und sie hörten das Rasseln der Ketten. Erleichterung durchfuhr sie, als sie verlangsamten, da der Plan bei voller Fahrt tödlich gewesen wäre. Zufrieden bemerkte sie, dass die Vorhutschiffe leicht auseinander drifteten, die Balken fielen ins Wasser.
"Aufschlag!", brüllte sie und ging soforte in die Hocke. Alle Elben auf dem Schiff taten es ihr gleich. Anastorias ließ sich flach auf den Bauch fallen und
Die Schreie der feindlichen Besatzungen wurden für einen kurzen Moment laut, bis es einen Schlag gab, der das Schiff erzittern ließ. Ohrenbetäubendes Krachen ertönte, Holz splitterte und barst, Splitter regneten auf das Deck, bis es einen zweiten, brutaleren Stoß gab, als der spitze Rammsporn die Bordwand des feindlichen Schiffes durchschlug und der breite Rumpf sich durch die Lücke zwängte. Der Schwung der Geschwindigkeit schob die schwere Galeasse weiter durch das Schiff. Faelivrin zog sich an der Reling hoch und erblickte die Maicanga neben sich, ebenfalls im Wrack des feindlichen Schiffes stecken, das langsam sank. Sie lächelte triumphierend, wenn zwei Schiffe den gleich Kahn rammten, war dem nichts entgegen zu setzen. Sie bemerkte ein Loch in der Reling, das wohl eine der Ballisten kurz vor dem Aufschlag verursachten haben musste. Kurz herrschte eine Schockstarre bei den Feinden, bis erste Pfeile sich in das Holz der Elbenschiffe bohrten.
"Wie sind die Schäden?", fragte sie laut, während einige Elben stöhnend am Boden lagen. Der Aufschlag war härter als gedacht gewesen und hatte einige überrascht.
"Einige Planken sind zerborsten, eine der Spanten ist angebrochen, geringer Wassereinbruch am Bug unter dem Vordeck. Wir arbeiten dran, Königin!" Kam die Antwort von unte Deck und Faelivrin entdeckte Luscora an die Reling gelehnt. Ihr Sohn lächelte gequält und hielt sich die Schulter, in der ein großes Holzstück steckte. Sofort war sie auf den Beinen und eilte zu ihm. Ein Pfeil verfehlte sie knapp, irgendwo schrie ein Elb auf, der getroffen wurde.
"Herrin, sie versuchen uns bald zu entern!", rief der Maat und deutete zu den zwei Schiffen, von dem Eines in Reichweite für Pfeile war.
"Macht die Katapulte auf Steuerbord klar", sagte sie und wandte sich zum Schwesternschiff, wo ihre Feinde das Gleiche versuchten. Zu ihren Glück lag das Deck der Galeassen deutlich höher als das der Feinde und konnte so schlechter von Bogenschützen beschossen werden. Luscora wurde von Ivyn behandelt, die ihn ins Innere des Schiffs brachte. Faelivrin beugte sich vorsichtig über die Reling und begutachtete das Wrack von dem Schiff, das sie ihren Rammangriff nicht überstanden hatte. Die Fluten zogen den zersplitterten Rumpf langsam hinab, zusammen mit einigen überlebenden Menschen, die offensichtlich um Hilfe riefen. Doch die Elben waren taub für ihre Rufe. Erleichterte bemerkte Faelivrin, dass der Plan aufgegangen war: Durch die hohe Geschwindigkeit konnten sie die anderen Schiffe hinden sich in doppelte Reihe zu stellen, schnitten den Weg ab und bildeten eine Fahrrinne für die Avalosse . Sie schaute nach hinten und erblickte das Schiff ihrer Eltern, das gut Fahrt machte und den beiden langsamen Schiffen der Weißen Hand rasch entkam. Durch das gemeinsame Rammen und den vorherigen Schleppanker hatten sie den Winkel geändert, damit das feindliche Schiff in der Mitte auseinander gerissen wurde. Durch genau diese Mitte fuhr nun die Avalosse und Faelivrin bedeutete ihren Eltern immer weiter zu segeln. Sie konnte die Sorgen sehen, doch waren sie unbegründet. Die Vorhut bestand aus den besten Kriegern. Die Galeassen drifteten etwas weiter auseinander und Faelivrin blickte jeweils zu den sinkenden Schiffen, die zuvor durch die großen Spannkatapulte beschossen wurden. Sie lagen auf den Seiten und ragte nur noch zur Hälfte aus dem Wasser. Die anderen beiden Schiffen hielten weiter auf sie zu und auch das zweite Schiff kam nun in Reichweite ihrer Bogenschützen, denn vermehrt bohrten sich Pfeile in das Deck und die Aufbauten.
"Steuerbord Katapulte bereit machen! Halbes Zeug setzen!", rief sie über den Lärm der Reperaturen hinweg. An der rechten Seite des Rumpfes hörte man ein Rumoren, als sich der Bauch des Schiffes über einen Teil des Wracks schob. Es knirschte erbärmlich und aus den Rumpf ertönte ein Splittern. "Planke gebrochen!" Kam sogleich die Meldung und Faelivrin blickte zu den Schiffen der Feinde, die nun etwas mehr Fahrt aufgenommen hatten.
"Soldaten an Deck!" Sogleich stürmten einhundert gerüstete Elben auf das Hauptdeck und sie griff selbst zu ihren Bogen. "Lasst niemanden einen Fuß auf dieses Schiff setzen und tötet ihre Anführer." Die Hauptmänner verneigten sich und gaben die Befehle weiter.
Anastorias' Kopf erschien in der Luke zum Geschützdeck. "Geschütze bereit und ausgerichtet. Der Geschützmeister zieht sich gerade einen Pfeil aus dem Hintern"
Er grinste kurz und verschwand lachend wieder unter Deck. Faelivrin schüttelte den Kopf, während ihre drei Leibwachen zu ihr traten. Sie trugen ihre Schilde und Speere, Angatar nickte ihr zu, während Fanael bewundernd das Wrack betrachtete. "Ein riskanter aber cleverer Plan"
"Luscora ist wahrlich ein Meister darin", gestand Faelivrin und fragte sich, ob er nicht zu sehr verletzt ist. Sie schüttelte den Kopf und konzentrierte sich. Auf dem anderen Schiff schien bereits ein Kampf im Gange zu sein, denn sie hörte das Klacken der Katapulte. Sie blickte zu den nahen Schiffen und gab schließlich den Befehl zum feuern.


Mathan hatte den Rammangriff überhaupt nicht erwartet, als das Krachen selbst bis zu ihnen hallte und das obwohl sie einen guten Abstand hatten. Für eine Weile kam er nicht aus dem Staunen heraus. "Die sind echt verrückt...", murmelte Finelleth und starrte auf die drei sinkenden Schiffe.
"Diese Spannkatapulte sind eine mächtige Waffe", sagte Adrienne beeindruckt und blickte sich kurz um. Sie fuhren in dem Fahrwasser der beiden Galeassen, rechts und links von ihnen versuchten die Schiffe Sarumans beizusteuern und ihnen den Weg abzuschneiden. Doch das Elbenschiff war zu schnell, rasch holten die den Abstand auf und kurz vor erreichen der Vorhut wurde es noch einmal kritisch. Von beiden Seiten kamen die anderen beiden feindlichen Schiffe nahe heran.
"Kommen wir da vorne durch?", rief Oronêl zweifelnd und deutete auf das sinkende Wrack, wo sich in der Mitte ein breiter Spalt gebildet hatte.
Erst jetzt wurde Mathan klar, dass die Avarischiffe den Bug des Wracks auseinander gerissen haben. Er grinste. "Die sind wirklich verrückt...Ich denke wir müssen es riskieren, sonst geraten wir in das Kreuzfeuer."
Einige schlecht gezielte Pfeile schlugen dumpf in das Holz der Avalosse, woraufhin sie sich in Deckung begaben. Jeder biss die Zähne zusammen, während die grob gezimmerten Schiffe auf sie zuhielten. Dann war es vorbei. Sie glitten zwischen die beiden Schiffe der Avari und erblickten Faelivrin, die ihnen bedeutete weiter zu segeln. Die Gefährten hielten die Luft an, als sie durch das Wrack fuhren. Ein vereinzeltes Pochen und Klopfen ertönte, sowie Rufe von Überlebenden. Dann gab es einen leichten Schlag, es knirschte und das Schiff verlangsamte sich etwas. Die Flut war ihnen jedoch gnädig und schob die Avalosse über den Widerstand hinweg. Als sie durch das Wrack hindurch gefahren waren, blickte sie alle zurück und erblickten die imposante Front der Galeassen. Die leicht verbogenen Rammsporne funkelten im Wasser und erklärten, warum die Schiffe das Rammen so gut überstanden hatten. Dennoch wiesen beide gewisse Beschädigungen auf und je weiter sie sich entfernten, umso sicherer war sich Mathan Schlachtenlärm zu hören. Leider war die Seite wo die Kämpfe stattfanden ihnen jeweils abgewandt. Ihr Schiff schwenkte etwas nach rechts und sie konnten an der Naira vorbeiblicken. Ein Schiff der Weißen Hand ging gerade längsseits und riss sich den Rumpf an den überstehenden Teilen des Wracks auf. Dennoch warfen sie Planken und Fanghaken um das Elbenschiff zu entern. Ein Klacken ertönte, als sich dutzende Klappen oberhalb des Ruderdecks öffneten.
"Sag mir nicht, die haben noch mehr von-" Adriennes Wörter blieben ihr im Hals stecken, als sich lange Führungschienen aus den Öffnungen schoben. Eine gespannte Stille legte sich über das Schlachtfeld. Die Schreie und Kampfgeräusche wurden leiser, nur um in einen ohrenbetäubendes Krachen überzugehen. Geschliffene Steinkugeln zerfetzten die Bordwand des feindliche Schiffes, zerrissen Aufbauten, durchschlugen die Mästen und alles, was sich an Bord bewegte. Dutzenfache Schreie drangen bis zu ihnen herüber, als die Salve der Manarîn traf. Ein Teil der Reling des feindlichen Achterdecks neigte sich sogar, als sich unter ihr kein Halt mehr befand. Vereinzelte Geschosse traten sogar auf der anderen Seite des Schiffes wieder aus und landeten mit einem Platschen im Wasser. Mit einem splitternden Knacken brach der Hauptmast und schlug längst auf das zerschossene Schiff ein. Dann war die Avalosse zu weit weg, als dass sie noch die Kampfgeräusche hören konnten. Dennoch konnte man erkennen, dass die Elben nun das Schiff mit Pfeilen spickten.
"Die möchte ich nicht zum Feind haben", sagte Adrienne und schüttelte sich, um das Staunen loszuwerden.
"Die Schiffe machen ihren Name alle Ehre", stimmte Mathan zu und hoffte, dass er seine Tochter bald wiedersehen würde. Kurz legte sich Trauer auf sein Gemüt, er wollte sich nicht vorstellen, dass gerade einer aus seiner Familie leidet. Halarîn streichelte ihm über die Schulter, "Sie ist eine gute Königin und große Anführerin, ihr Volk wird sie beschützen, da bin ich mir sicher." Ihre Augen blickten lieblich und sie lächelte wissend.
"Du hast mit Ivyn gesprochen... sie wusste etwas, oder?", fragte er mit einem Schmunzeln, woraufhin sie ebenfalls verräterisch die Mundwinkel hob.
Nachdenklich blickte er auf die Schiffe, die sich noch immer bekämpften, konnte aber keine einzelnen Dinge erkennen, da sie sich zu weit entfernt hatten. Er vertraute seiner Familie und war sich sicher, sie würden bald nachkommen. Mathan strich sich nachdenklich über das Kinn und vermutete, dass die Elben zuerst ihre Schiffe reparieren mussten. Außerdem würden sie wohl den Ort aufsuchen, an dem Sarumans Schiffe gebaut wurden um weitere Überraschungen zu vermeiden. Kurz grinste er und schob sein taktisches Gespür beseite, er würde auf seine Tochter vertrauen und in Eregion auf sie warten. Dabei spürte er einen kleinen Stich, gern hätte er auch gekämpft und sie unterstützt, aber er wusste, dass sie nur so in einem Stück dadurch gekommen wären. Mit Respekt dachte er an die Rammattacke, die wirklich jeden überrascht hatte, am meisten aber wohl ihre Feinde, die zu spät reagiert hatten. Sein Blick fiel auf Kerry und etwas in seinen Erinnerungen regte sich. Es war ein dunkler Teil seines Lebens, den er ungern in seinem Gedanken duldete. Dennoch müsste er sich bald darum kümmern, sehr bald. Er rückte seine Schwertgurte zu Recht und seufzte schwer.
« Letzte Änderung: 3. Feb 2017, 15:02 von Fine »

Fine

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  • Ich hab da ein ganz mieses Gefühl bei der Sache...
Die Macht des Ringes
« Antwort #1 am: 3. Feb 2017, 15:12 »
Mit Staunen und Entsetzen hatte Kerry den Verlauf der Seeschlacht beobachtet. Als die Avalosse durch die von Faelivrins Schiffen gerissene Lücke in der Blockade rauschte atmete Kerry hörbar aus und drückte Mathans Hand vor Erleichterung. Noch eine Weile blieb sie dort stehen während ihr Schiff den Fluss hinauf fuhr. Wie gut, dass nésas Schiffe bei uns waren, dachte sie.
"Dass Saruman eine Flotte gebaut hat ist äußerst unerwartet," sagte Oronêl.
"Es waren nur grob zusammengezimmerte Kähne," stellte Mathan fest.
"Aber dennoch eine Bedrohung," ergänzte Halarîn. "Zum Glück hat uns die Vorhut der Manarîn bis hierher eskortiert."
"Ich frage mich, woher die wussten, dass wir kommen," murmelte Mathan düster.
"Círdan hat davon erzählt, dass der Sehende Stein vom Elostiron von Schergen der Weißen Hand gestohlen wurde," sagte Celebithiel, die ihre silberne Rüstung trug und ein Schwert in der Hand hielt. Wie der Großteil der Besatzung der Avalosse war auch sie kampfbereit gewesen, falls der Durchbruch nicht geglückt wäre.
"Ein sehender Stein?" fragte Finelleth verwundert. "Sind das nicht nur Legenden der Dúnedain?"
"Nein, es gibt sie wirklich," sagte Mathan. "Als ich unter den Menschen Arnors weilte verwendeten die Könige des Nordreiches die Steine von Annúminas und Amon Súl. Palantíri wurden sie im Quenya genannt."
"Was bedeutet das?" fragte Kerry neugierig und erntete einen tadelnden Blick von Halarîn weil sie die Erklärungen Mathans unterbrochen hatte.
"Die in die Ferne blicken," übersetzte ihr Vater. "Man sagt, dass die Steine einst von Fëanor im alten Westen geschaffen wurden. Nach Mittelerde kamen sie mit Elendil und seinen Söhnen."
"Ich dachte, der Stein vom Elostiron wäre fest auf Avallóne ausgerichtet," warf Oronêl ein, der sich ebenfalls auszukennen schien. "Wie hätte Saruman ihn für seine Zwecke gebrauchen können?"
"Er ist ein Zauberer," meinte Adrienne düster. "Bestimmt hat er einen Weg gefunden, den Stein zu verderben."
"Auch in Isengard hatte Saruman einen Palantír," sagte Mathan nachdenklich. "Er wüsste sicherlich gut genug, wie er mit dem Stein von Elostiron umzugehen hat..."
"Wenn der Stein fest nach Westen blickt, muss er ihn ja eigentlich nur östlich von seinem Ziel aufstellen, um es zu sehen, oder nicht?" überlegte Finelleth laut.
"Das ist nur eine mögliche Erklärung," sagte Celebithiel.
"Wir können nicht mit Sicherheit sagen, wie Saruman von unserer Fahrt Wind bekommen hat," meinte Mathan. "Aber es gefällt mir nicht, dass unsere Schritte beobachtet werden."
"Mir ebenso wenig," stimmte Oronêl zu und tauschte einen unbehaglichen Blick mit Celebithiel und Mathan aus.

Das schlanke Elbenschiff Círdans machte trotz der Strömung des Gwathlós gute Fahrt und kam rasch voran. Als es Abend geworden war verzog sich Kerry in ihre kleine Kabine und dachte nach. Ich hoffe, meiner nésa geht es gut, dachte sie besorgt und stellte sich vor, wie Faelivrin die Sehne ihres Bogens wieder und wieder spannte und Pfeil um Pfeil auf die Diener der Weißen Hand niedergehen ließ. Es war für alle erschreckend gewesen dass Sarumans Einfluss sich bis in die Küstenregionen Enedwaiths und auf die dort lebenden Menschen ausgeweitet hatte. Kerry hatte sich die Schiffsreise ganz anders vorgestellt. Sie hatte sich darauf gefreut, ruhige Tage in der Sommersonne zu verbringen und bis zur Ankunft in Eregion ihre Ängste und Sorgen in den Hintergrund zu drängen. Sie zog Maethors Kästchen hervor und betrachtete es eine Weile. Dann nahm die den Ring heraus. Sie verstand noch immer nicht, warum der einarmige Elb gewollt hatte, dass sein Werk zerstört wurde. Kerry hielt den Ring zwischen zwei Fingerspitzen und ließ das Licht der Abendsonne, das durch das kleine runde Fenster hineinfiel, darauf scheinen und ihn in ein geheimnisvolles rötliches Licht tauchen. So ein hübsches Ding, dachte sie. Es wäre Verschwendung, ihn einfach zu zerstören. Ihn einfach so wegzuwerfen. Sie dachte daran, wie der Ring der Manarîn, den sie seit Fornost trug, ihr stets ein Gefühl von Sicherheit und Zugehörigkeit gegeben hatte. Was könnte ihr dann wohl Maethors Ring so alles geben? Vielleicht gibt er mir mehr Selbstvertrauen, oder macht mich zuversichtlicher, dachte Kerry und ließ den Ring langsam auf ihren linken Ringfinger gleiten.
Sofort veränderte sich ihre Wahrnehmung. Ihre Sicht trübte sich, doch ihr Gehör wurde deutlich schärfer. Sie vernahm die fernen Stimmen der Elben auf den Decks über sich, doch sie klangen wie als würde Kerry sie durch ein Rohr oder einen langen Tunnel hindurch hören. Und sie spürte einen wachsenden Schrecken, der sich in ihr ausbreitete. Etwas beobachtete sie und nahm wahr, dass sie den Ring aufgesetzt hatte. Da war etwas, das Einfluss auf sie ausübte, genauer gesagt auf den Ring, den sie trug. Etwas, das ebenfalls einen Ring trug... einen Meisterring...
Ein Ring, sie zu knechten...
Sauron!
Entsetzt riss Kerry an dem Ring um ihn abzunehmen, doch er schien wie festgewachsen an ihrem Finger zu sein. Sie verdoppelte ihre Anstrengungen und schließlich gelang es ihr, den Ring mit einem lauten Schrei abzunehmen. Sie warf ihn von sich, als hätte sie sich daran verbrannt.

Die Tür flog auf und dort stand Mathan mit einem Ausdruck im Gesicht, der auf jeden anderen Menschen bedrohlich und abschreckend gewirkt hätte. Doch als er eilig zu Kerry hinüberkam schlang sie ihre Arme um ihn und vergrub ihr Gesicht an seiner Brust. Sie zitterte am ganzen Körper. Halarîn kam hinzu und strich ihr sanft über den Kopf.
"Schsch," machte sie. "Ist ja gut. Du bist sicher. Wir sind bei dir."
Oronêl und Finelleth kamen herein ohne ein Wort zu sagen, mit alarmierten Blicken im Gesicht.
"Was ist das denn?" sagte Finelleth verwundert und bückte sich nach etwas, das auf dem Boden lag.
Ohne sich umzudrehen sagte Mathan scharf: "Fass dieses Unheilsding nicht an!" während Oronêl gleichzeitig rief: "Finelleth, nicht! Das ist ein..."
"...ein Ring der Macht," ergänzte Celebithiel bedeutungsvoll. Sie stand im Türrahmen und hatte einen kummervollen Ausdruck im Gesicht. "Oronêl und ich kennen diesen Anblick nur zu gut."
"W-was meinst du damit?" stieß Kerry hervor, die nun in Halarîns tröstlicher Umarmung auf ihren Bett saß.
Celebithiel warf einen fragenden Blick zu Oronêl, der schließlich sachte nickte. "Oronêl führt ebenfalls einen solchen Ring mit sich. Es gibt neun von ihnen - den Menschen, ewig dem Tode verfallen, neun - und sie wurden von den Ringgeistern getragen."
Ihr Satz löste erschrecktes Luftholen bei Kerry, Finelleth und Halarîn aus.
"Wie ist dieses Ding nur an meine Tochter geraten?" fragte Mathan voller Zorn.
"Ein Elb namens Maethor gab ihn mir in Mithlond," gab Kerry schuldbewusst zu und reichte ihrem Vater das Pergament, das in Maethors Kästchen gewesen war. Mathan überflog es hastig und gab es dann an Oronêl weiter, der es gemeinsam mit Celebithiel las.
"Oh nein," entfuhr es der rothaarigen Elbin. "Das ist der Ring des Hexenk-"
"Sprich es nicht aus," unterbrach Mathan sie. "Ich lasse es nicht zu. Ich lasse nicht zu, dass diese Dinger meiner Familie erneut schaden."
"Kerry, der Grund, warum Celebithiel und ich nach Eregion gehen, ist die Zerstörung des Ringes, den wir in Dol Amroth einem der... den wir seinem vorherigen Besitzer abgenommen haben," erklärte Oronêl. "Damit können wir seinen Schatten endgültig von Mittelerde vertreiben und dafür sorgen, dass niemals mehr ein Mensch von diesem  Ring verdorben wird."
Kerry hörte mit großen Augen zu und nickte. "Und jetzt scheint es, als ob sich unsere Aufgabe auf zwei Ringe ausgeweitet hat," meinte Celebithiel.
"Dann muss ihn jemand zur Schmiede bringen," schlussfolgerte Finelleth.

Eine Pause trat ein. Nachdenkliches schweigen senkte sich über die Gruppe. Allen war bewusst, wie knapp Kerry einem schlimmen Schicksal entkommen war und Halarîns Blicke sprachen eine nur allzu deutliche Sprache: Warum hast du uns nichts davon erzählt?
Schließlich war es Finelleth, die, ehe sie jemand aufhalten konnte, den Ring des Hexenkönigs aufhob und ihre Faust fest darum schloss.
"Was tust du da?" rief Oronêl entsetzt. "Der Ring wirkt sich mit der Zeit auch auf Elben aus, und ich fürchte, du..."
"Du denkst, ich bin nicht stark genug," stelle Finelleth fest. "Gwador, du täuschst dich in mir wenn du mich für schwach hältst. Du weiß nicht, was Saruman..." sie brach ab und starrte zum Fenster hinaus auf die letzten Strahlen der untergehenden Sonne im Westen.
Oronêl ging zu ihr hinüber und legte ihr sachte die Hände auf beide Schultern. "Nein, ich weiß nicht, was dir zugestoßen ist. Aber ich bin hier, und höre dir zu."
"Mir ist nichts zugestoßen," antwortete Finelleth leise und in ihren Augen glitzerte es verdächtig. Kerry spitzte die Ohren um zu verstehen, was die Elbin sagte und vergaß für einen Moment dem Schrecken des Ringes. "Als Saruman herausfand, wessen Tochter ich bin, begann er... mir Dinge einzuflüstern. Dass ich zu Großem geboren sein. Dass mir mehr zustünde als der Rang einer einfachen Kundschafterin. Dass er mir ein eigenes Reich schenken könnte. Aber ich habe seinen Lügen nie geglaubt. Ich habe gesehen, was sie aus meinem Vater gemacht haben. Und deswegen werde ich diesen Ring nehmen und ihn in den Feuern der Schmiede zerstören, in der er gemacht wurde. Oronêl kann sich nicht mit einer zweiten Bürde belasten, und mit Mathan würde dem Ring zu viel Macht geboten. Ich bin Einflüsterungen gewohnt und habe gelernt, ihnen zu widerstehen. Ich werde nicht versagen." Eine Entschlossenheit spiegelte sich auf dem Gesicht der Waldelbin, wie sie Kerry bei ihr noch nie zuvor gesehen hatte.
"Also gut, deine freie Entscheidung will ich dir nicht absprechen," sagte Oronêl, dem dieser Satz augenscheinlich nicht leicht fiel. "Aber nur schweren Herzens lasse ich dies zu."
"Immerhin ist es nicht mehr weit bis Eregion," warf Halarîn ein und brachte damit ein wenig Positivität in die eher bedrückte Gruppe. "Wir werden diese furchtbaren Dinger also bald los sein. Mathan wird uns den Weg zur Schmiede der Mírdain zeigen, und ihr beiden werdet Mittelerde von zwei großen Übeln befreien."
"Du hast recht, Amil," stimmte Kerry leise zu.
"Oh Morilië," sagte Halarîn. "Versprich mir, dass du nie wieder Geheimnisse vor Mathan und mir haben wirst. Versprich es!"
Kerry warf einen schuldbewussten Blick zu Mathan, der bekräftigend nickte. Sie sah, dass er verletzt war weil sie den Ring nicht zu ihm gebracht hatte nachdem sie das Kästchen geöffnet hatte, doch noch deutlicher konnte sie seine Erleichterung darüber, dass ihr nichts zugestoßen war, erkennen.
"Ich verspreche es," sagte Kerry leise.
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Curanthor

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Ein Abend auf dem Fluss
« Antwort #2 am: 3. Feb 2017, 21:10 »
Grübelnd saß Mathan an Deck an die Reling gelehnt und spielte geistesabwesend mit dem Medallion seiner Mutter. Er war froh, dass Kerry unversehrt war, ärgerte sich jedoch ein wenig über ihre unüberlegte Handlung. Der Ärger hielt aber nicht lange an und was blieb war eine gewisse Sorge. In den Moment, in dem sie den Ring aufgesteckt hatte, war es ihm wie ein Nebel vorgekommen. Ein drückendes Gefühl und die Anwesenheit von purer Bosheit. Da wusste er sofort, was ihn die ganze Zeit über irritierte, seitdem sie abgelegt haben. Zu ihren Glück konnte Kerry sich schnell genug von dem Ding trennen. Mathan schüttelte sich unbewusst und war froh, dass sie die verfluchten Ringe bald los waren. Hoffentlich sehr bald...

Schritte ließen ihn aufblicken und Halarîn kam mit Kerry an der Hand auf das Deck. Seine Frau trug eine Laterne, da es schon dunkel geworden war und seine Tochter einige Kleinigkeiten zum Essen. Sie setzten sich ihm gegenüber, wobei er ihnen Platz machte. "Ist das Bestechung um deinen Fehler wieder gut zu machen?", fragte er und nahm mit einem sanften Lächeln seinen Worten die Schärfe.
Kerry blickte trotzdem kurz zu Boden, schuldbewusst. "So war es nicht gemeint", beeilte Mathan sich zu sagen und streichelte ihr liebevoll über die Wange, "Diese Dinger haben eine sehr große Anziehungskraft und es zeugt von großer Stärke, dass du ihn wieder ablegen konntest. Ich bin froh, dass dir nichts Schlimmeres passiert ist, meine Tochter."
Ihr Gesicht erhellte sich und sie blickte ihm in die Augen. Dort las er Dankbarkeit, aber auch eine Spur Neugierde. Er wusste, dass er bald Fragen beantworten musste und nahm sich einige Beeren, die sie mitgebracht hatten. Die Süße der Früchte vertrieb seinen Widerwillen. Mathan nahm die beiden an jeweils eine Hand. "Ich rede nicht gern darüber, aber ich denke, dass ihr wissen sollt, was ich mit den Dingen zu schaffen habe. Halarîn kennt bereits einen Teil der Geschichte und du als meine Tochter hast auch ein Recht darauf mehr über die Übel der Menschen zu erfahren."
Seine Frau warf ihm einen verständnissvollen Blick zu und formte lautlos einen Liebesbeweis mit ihren Lippen, woraufhin er lächeln musste. Mathan räusperte sich und kämpfte alle negativen Emotionen herunter, ehe er begann: "Im zweiten Zeitalter, in der Blütezeit von Eregion kam ein Fremder in das Land. Er schmeichelte den Elben, für ihre Handwerkskunst und leitete sie an Ringe der Macht zu schmieden. Mein Vater war maßgeblich daran beteiligt, da er Oberste Schmiedemeister unter Celebrimbor war. Durch seine Hände gingen einige der Ringe, bevor der... Verräter den Einen schuf. Die Elben versteckten die Ringe, doch in dem nachfolgenden Krieg in Eregion, der meine Heimat vernichtete, wurden die Ringe der Menschen und Zwerge vom Bösen gefunden. Da mein Vater sie schuf, liegt auch indirekt bei mir die Schuld für deren Erschaffung. Ich weiß, es ist nicht so, aber das Gefühl bleibt. Was mich am meisten daran...", er verstummte und atmete tief durch. Er trank etwas Wasser und nahm sich weitere Beeren, von denen Halarîn und Kerry wärend seiner Erzählung schon genascht hatten. "Diese Dinger haben nur Unheil über meine Familie gebracht. Mein Vater wollte sie nicht verloren gehen lassen und verteidigte als letzter Mann Ost-In-Edhil, die Hauptstadt." Er senkte den Blick und dachte kurz nach, hob ihn aber dann wieder und reckte das Kinn, "Ich war damals zu jung und unerfahren, trotzdem habe ich in dem Krieg um meine Heimat gekämpft, bis alle meine treuen Kameraden gefallen sind. Ich lief vor meinen Aufgaben davon und ließ meinen Vater alleine... als ich zurückkehrte war es zu spät, die Schlacht war verloren und die Stadt brannte schon."
Kerry seufzte bestürzt und Halarîn streichelte ihr über den Rücken. Das Mädchen blickte ihn weiter aufmerksam aber zugleich betroffen an. Trotzdem schien sie neugierig zu sein, was ihn dazu motivierte weiterzuerzählen.
Er atmete erneut tief durch und schüttelte sich. "Aber jetzt werde ich das Opfer meines Vaters ehren und dabei helfen diese Dinger zu vernichten. Ich würde es gerne selbst tun, doch Finelleth hat Recht. Was auch immer...", Er stockte und legte die Hand auf das Medallion, "Was auch immer diese Kälte zu bedeuten hat, durch mich würde der Ring zu viel Macht erhalten."
Halarîn legte ihm eine Hand aufs Bein und streichelte ihn ein wenig. Kerrys Blick fiel auf das Medallion und sie biss sich auf die Lippen. Der Elb ahnte ihre Frage und zog sich langsam die Kette vom Kopf, zuvor nahm er sich ein Tuch und wickelte das goldene Schmuckstück darin ein. Er reichte es ihr mit den Worten:"Sei vorsichtig, es ist-"
"Kalt!", rief Kerry sogleich und Mathan nahm es rasch zurück in seine Hände. Feine Eiskristall hatten sich auf der Handfläche des Mädchens gebildet. Mathan blickte sich um, dass keiner der anderen Gefährten in der Nähe war. "Ein Geheimnis.", sagte er leise und legte das Medallion in seine offene Handfläche. Die Zwei beugten sich etwas nach vorn, als mit einem leisen Klicken der goldene Verschluss aufsprang. Ein sehr schwaches, diffuses Leuchten ging von dem Inhalt aus und Halarîn hob überrascht die Augenbrauen.
"Ist das Eis?", fragte Kerry erstaunt und wollte es berühren, stoppte aber kurz bevor ihre Haut in Kontakt kam. Fröstelnd zog sie ihren Finger zurück und schüttelte rasch den Kopf. "Wie hältst du das aus?"
"Hmm", machte Mathan und schloss die kleine Tür des Medallions wieder, "Seitdem ich in Carn Dûm diese Sprung durch den ganzen Raum gemacht habe, bin ich weniger empfindlich was Kälte angeht.", erklärte er nachdenklich und legte das Schmuckstück wieder an.
"Auf jeden Fall hat es mit deiner Mutter zu tun...", warf Halarîn überraschend ein und sie zuckte mit den Schultern bei ihren Blicken, "Sie hat dir ja das Medallion und die Schwerter hinterlassen, beide sind sehr kalt."
"Trotzdem ergibt es keinen Sinn", wandte er ein und sie nickte, "Círdan konnte mir auch nicht mehr sagen..."
Mathan versank in Schweigen, wärend Halarîn mit Kerry über die Schiffe der Manarîn plauderte und Vermutung anstellte, wann sie ihnen den Fluss hinauf folgen würden. Er hörte mit einem Lächeln zu und blickte zwischen beide hin und her. Er würde dafür sorgen, dass sie sich in Tharbad nicht trennen würden. Nach kurzer Zeit gesellte sich Adrienne dazu, mit noch mehr Essen. Schließlich hielten sie ein spontanes Abendessen ab, an dem sich die übrigen drei Elben auch noch anschlossen. Anfangs war die Stimmung etwas getrübt, besserte sich aber im Laufe des Abends, als Adrienne mehrere witzige Erzählungen aus ihrer Kindheit zum Besten gab. Ihre Bekannschaft mit Kerry scheint sie wieder aufzubauen, bemerkte Mathan mit einem zufriedenen Lächeln. Sein Blick fiel auf Oronêl. Mathan hatte schon öfters, überlegt ihn zu fragen, ob er mit der Bürde zurecht kam. Der Waldelb schien seinen Blick zu bemerken und Mathan nickte seinem Freund zu. Er war froh ihn an seiner Seite zu wissen und fragte sich, wie lange sie wohl noch gemeinsam reisen würden. Das, was nach Eregion geschehen würde, stand noch nicht ganz fest, zumindest für Mathan. Es wird bestimmt nicht einfach in dorthin zurückzukehren, dachte er sich, als er die Bilder seiner Heimat im Kopf hatte, die er durchquerte um nach Spuren zu suchen.

Eandril

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Re: Der Gwathló
« Antwort #3 am: 4. Feb 2017, 16:19 »
Als Kerry zwei Tage zuvor den Ring des Hexenkönigs angesteckt hatte, war Oronêl plötzlich und heftig aus seinen Gedanken geschreckt. Er hatte wieder einmal auf dem oberen Deck gesessen, den Frieden nach der Seeschlacht und die Abendsonne genossen, und seine Gedanken in längst vergangene Zeiten schweifen lassen. Doch plötzlich hatte das Bild eines feurigen Ringes alle anderen Bilder verdrängt, und er hatte begriffen, was vor sich ging. Innerlich verfluchte er den Elben, der Kerry diese Bürde auferlegt hatte, die so viel zu groß für sie war - für jeden Menschen. Er hatte das Mädchen über die Tage hinweg sehr genau beobachtet, doch sie verhielt sich wieder völlig normal und zeigte keine Anzeichen dafür, dass der Ring noch immer Einfluss auf sie ausübte. Vielleicht hatte sie den Ring nicht lange genug besessen und war vorsichtig genug damit umgegangen, dass das vorüber war.
Während er die von niedrigen Büschen und Sträuchern überwucherten Flussufer langsam vorbeiziehen sah, wanderten Oronêls Gedanken stattdessen zu Finelleth. Ihre Entscheidung, den Ring zu nehmen hatte ihn überrascht, und hätte sie ihn zuvor gefragt, hätte er ihr abgeraten. Der größte der Neun musste mächtiger sein als der, den er selbst trug, und wenn die Gerüchte aus Gondor stimmten, existierte sein Träger immer noch.

Sie kamen nur langsam voran, denn der Wind stand ungünstig und sie mussten gegen die Strömung ankämpfen, doch am Mittag des dritten Tages auf dem Fluss tauchte hinter einer Flussbiegung die Stadt Tharbad auf, die sich zu beiden Seiten des Flusses erstreckte. Von vielen der Häuser stiegen dünne Rauchfahnen auf, und im Süden, südlich der Mauer, waren weitere Rauchfahnen zu sehen. Mathan, der neben Oronêl getreten war, sagte: "Ab hier müssen wir zu Fuß weiter, denn die Brücke ist wieder errichtet worden und macht den Fluss unpassierbar."
"Ich fürchte, wir werden sie Stadt sogar umgehen müssen", meinte Oronêl besorgt, und dachte an Sarumans Streitkräfte, die die Mündung des Flusses besetzt gehalten hatten. "Wenn Saruman die Flussmündung beherrscht, dann vermutlich auch die Stadt, und ich würde mich ungern durch eine von ihm beherrschte Stadt schleichen müssen."
Mathan nickte und wollte etwas erwidern, schloss den Mund jedoch sofort wieder und schien stattdessen zu lauschen. Auch Oronêl hörte vom Ufergebüsch her leise Geräusche, Stimmen, Schritte und den Laut von geknickten Ästen. Nacheinander hoben auch die anderen Elben die Köpfe und wandten sich dem Südufer zu.
Hände legten sich auf die Griffe ihrer Waffen, doch bevor jemand handeln konnte, erhob sich eine menschliche Gestalt, die den Kopf eines weißen Wolfes zu haben schien, aus den Büschen.
"Haltet sofort an und legt eure Waffen nieder, er immer ihr seid!" Neben dem ersten Mann erhoben sich nach und nach weitere bewaffnete Gestalten aus den Büschen, von denen einige Bögen trugen. "Wir mögen nicht allzu viele sein, aber Feuer bekommt Schiffen nicht gut", fuhr der Anführer mit lauter Stimme fort, und inzwischen hatte Oronêl erkannt, dass er keinen Wolfskopf hatte, sondern den Kopf eines weißen Wolfes als Helmschmuck trug. "Und sobald wir euer Schiff angezündet haben, müsst ihr über Bord springen und damit haben wir euch."
Celebithiel berührte Oronêl am Arm und deutete auf das Nordufer, wo ebenfalls Krieger erschienen waren - insgesamt mussten es etwa zwanzig auf jedem Ufer sein.
"In wessen Namen sprecht ihr?", rief Oronêl an den Anführer gewandt zurück. "Dient ihr Saruman?" Die Männer sahen nach der Art ihrer Waffen und Rüstungen eindeutig dunländisch aus, und solange Oronêl nicht sicher wusste wie der Krieg, den Forath führte ausgegangen war, würde er vorsichtig sein.
"Wir sprechen für das Volk der Dunländer", gab der Mann mit dem Wolfshelm zurück, klang jedoch etwas überrascht. Inzwischen war die Avalosse beinahe ganz zum Stehen gekommen, denn der Wind drehte immer weiter nach Süden.
"Und ihr seid offensichtlich Elben, und damit nicht in Sarumans Dienst", fuhr der Anführer der Dunländer fort, und setzte seinen Helm ab, während er langsam näherkam.  "Unser Volk hat im Augenblick keinen Anführer, doch wenn ihr einen Namen wollt, so spreche ich im Namen von Forath, dem Häuptling des Stammes des Schildes."
Oronêls Verwunderung über die gewählte Ausdrucksweise des jungen Dunländers wurde sofort von Freude und Erleichterung verdrängt. Jetzt, wo der Dunländer direkt am Ufer stand und keinen Helm mehr trug, glaubte Oronêl auch, sich an das für einen Dunländer merkwürdig fein geschnittene Gesicht mit dem kurzen schwarzen Bart zu erinnern. Der Mann hatte nach seinem Gottesurteil in Dunland an Foraths Seite gekämpft.
"Ich kenne Forath", gab er zurück, und bedeutete seinen Gefährten, die Hände von ihren Waffen zu nehmen. Für den Augenblick drohte keine Gefahr eines Kampfes. Der junge Dunländer am Ufer unter ihm grinste, und ließ dabei weiße Zähne sehen. "Ich weiß, jetzt erkenne ich euch wieder. Ihr seid... Oronêl? Der vor einiger Zeit von Bóran gefangen gehalten wurde, und dafür gesorgt hat, dass wir einen neuen Häuptling haben. Was führt euch in diese Gegend?"

Oronêl wechselte einen Blick mit seinen Gefährten, doch niemand von ihnen sagte etwas. Anscheinend sollte er entscheiden, denn als einziger von ihnen hatte er in der Vergangenheit bereits mit den Dunländern zu tun gehabt. Also sagte er vorsichtig: "Kommt an Bord - ihr alleine - und wir werden darüber sprechen." Forath vertraute er, doch er wusste nicht, ob dieser Mann die Wahrheit sagte, und tatsächlich Forath folgte.
Finelleth hängte eine leichte Strickleiter über die Reling, und der Dunländer legte seine Waffen und Stiefel ab, watete in den in Ufernähe flachen Fluss hinein und erreichte die Schiffswand, als ihm das Wasser bis zur Brust stand. Dann kletterte er gewand die Leiter empor und stand schließlich auf dem Deck der Avalosse, wo die Elben einen Halbkreis um ihn herum bildeten. Um seine Füße herum bildete das Flusswasser eine kleine Pfütze, und mit einer knappen Verbeugung sagte er: "Mein Name ist Aéd Forathsson, oder Aedir wenn euch das lieber ist, und wenn ihr Feinde Sarumans seid, seid ihr willkommen in Dunland."
"Feinde Sarumans sind wir sicherlich", erwiderte Mathan, und Oronêl fügte verwundert hinzu: "Ihr seid Foraths Sohn?"
"Allerdings", bestätigte Aéd, und sein forschender Blick blieb für einen Augenblick an Kerry hängen, die ein Stück entfernt an einem der Masten stand und sie aufmerksam beobachtete. Kurz schien er den Faden verloren zu haben, bevor er weitersprach: "Ich würde euch nicht empfehlen, weiter zu segeln. Sarumans Truppen halten Tharbad, und sie würden euch aufhalten."
Mathans Augenbrauen zogen sich zusammen als er erwiderte: "Wir müssen um jeden Preis weiter, also werden wir die Stadt im Süden umgehen."
"Das wäre ein sicherer Weg", bestätigte Aéd. "Unser Heer lagert südlich der Stadt und..." Er stockte kurz und schien zu überlegen. Oronêl konnte sich bereits denken, auf was der junge Dunländer hinauswollte, und sagte: "Ihr könntet unsere Hilfe gebrauchen, um die Stadt einzunehmen."
"Ich bin nicht derjenige, der mit euch darüber reden sollte, das sollte mein Vater tun", meinte Aéd ein wenig unbehaglich. "Aber ja, die Unterstützung von vier Elbenkriegern könnte uns viele Tote ersparen, wenn wir die Stadt stürmen."
Ohne, dass er es sagen musste war klar, dass er in seiner Rechnung Halarîn, deren Schwangerschaft sich inzwischen deutlich zeigte, ausgelassen hatte.
Ein weiteres Hindernis auf unserem Weg, dachte Oronêl bei sich, und warf Mathan einen fragenden Blick zu. Er konnte Forath seine Hilfe nicht verwehren, denn ohne ihn wäre er den Kerkern von Dunland vermutlich nicht so einfach entkommen, und hätte den Ring nicht zurückerlangt. Er schuldete dem Häuptling seine Hilfe.
Nach einem kurzen Moment des Zögerns nickte Mathan schließlich langsam und ein wenig unwillig. Ihm musste die Verzögerung ebenso wenig gefallen wie Oronêl selbst.
"Ich werde mit in euer Heerlager kommen und die Angelegenheit mit Forath besprechen", sagte Oronêl also. "Sehen, wie wir euch helfen können. Jemand sollte bleiben und das Schiff bewachen", fügte er an seine Gefährten gewandt hinzu. "Aber vielleicht möchte mich auch jemand begleiten?"
Mathan schüttelte langsam den Kopf, und meinte: "Ich bleibe hier und passe auf, dass niemand das Schiff stiehlt - oder meine Frau." Halarîn schenkte ihm ein liebevolles Lächeln, und streckte ihm kurz die Zunge heraus. Auch Finelleth würde an Bord zurückbleiben, doch von weiter hinten sagte Kerry ein wenig zaghaft: "Ich würde gerne mitkommen" Sie warf Mathan und Halarîn einen unsicheren Blick zu. Mathan atmete tief durch und sagte dann: "Wie soll ich dich beschützen, wenn du bei der erstbesten Gelegenheit davon läufst?" Er wandte sich an Oronêl, und fragte: "Ich kann mich darauf verlassen, dass du auf sie Acht gibst?"
Oronêl nickte langsam. "Natürlich." Er sah Celebithiel an, die bislang geschwiegen hatte, und diese meinte mit einem Lächeln: "Ich werde euch begleiten. Ich würde gerne den Mann kennenlernen, der es geschafft hat dich zuerst in einen Kerker zu werfen und dann wieder daraus zu befreien." Oronêl hatte ihr auf dem Weg nach Lindon sein Abenteuer in Dunland in allen Einzelheiten erzählt.
"Wenn Kerry geht, komme ich ich ebenfalls mit!", ertönte von der Tür zu den Kabinen her Adriennes neugierige Stimme. Das Mädchen aus Gondor musste das Deck irgendwann während ihres Gesprächs betreten und bislang schweigend gelauscht haben.
Mathan warf Oronêl erneut einen Blick zu, der ihn eindeutig dazu aufforderte, gut auf die beiden aufzupassen, und Oronêl nickte langsam.
Aéd schien das nicht entgangen zu sein, denn er sagte: "Verlasst euch darauf, dass den beiden edlen Damen nichts zustoßen wird." Bei dieser Bezeichnung stieg Kerry eine leichte Röte in die Wangen. "Dort im Heerlager gibt es nur Freunde, und wir Dunländer sind anderen Menschen gar nicht so unähnlich - einige von ihnen vielleicht etwas unsauberer." Er zwinkerte Kerry und Adrienne zu, und Oronêl musste lächeln. Aéd schien eine gute Portion Witz zu besitzen - dabei allerdings die gleiche Ernsthaftigkeit, die sein Vater an sich hatte. Es war schwer, ihm nicht zu vertrauen.
"Und ich werde persönlich dafür einstehen, dass sie heile zu euch zurückkehren", schloss Aéd direkt an Mathan gewandt, der erneut tief durchatmete. Es fiel ihm trotz allem sichtlich schwer, Kerry gehen zu lassen.
"Also schön", sagte er. "Vielleicht ist es nicht so schlecht, wenn du ein wenig in anderer Gesellschaft umherziehst, Morilië. Solange du hinterher zu uns zurückkommst."

Damit war alles gesagt, und hinter Aéd kletterten Oronêl, Celebithiel, Kerry und Adrienne die Leiter an der Schiffswand hinunter und ließen sich von ihm in Richtung des Heerlagers seines Vaters führen.

Oronêl, Kerry, Celebithiel und Adrienne mit Aéd nach Tharbad
« Letzte Änderung: 14. Feb 2017, 17:32 von Fine »

Oronêl - Edrahil - Hilgorn -Narissa - Milva

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Eine Atempause
« Antwort #4 am: 4. Feb 2017, 22:44 »
Etwas skeptisch musterte Mathan die Dunländer, die langsam vom Ufer abzogen. Er behielt Kerry so lange es ging im Blick, bis sie hinter einem großen Gebüsch verschwand.
"Er hat mich gar nicht mitgezählt...", beschwerte sich Halarîn und zog beleidigt die Mundwinkel herab. "Ich bin nicht todkrank, sondern nur schwanger."
Er kicherte und strich ihr über den Bauch, der sich in einem sanften Schwung nach vorn wölbte und ihre Kleidung ausbeulte. Sie legte ihre Hand auf seine und lächelte ihn an, schließlich küssten sie sich. Als sie sich voneinander lösten, mussten sie grinsen, denn es erinnerte sie daran, dass sie sich vor Faelivrin immer zurückgehalten haben. Zumindest nachdem sie begriffen hatte, was ihre Eltern da taten. Sie war erstaunlich empfindlich gewesen bei sowas, doch mittlerweile schien sie darüber hinweg zu sein.
"Wann kommt sie nach, was meinst du?", fragte Halarîn nach einem kurzen Moment der Stille.
"Ich schätze, dass Sarumans Schergen in Lond Daer den verlassenen Hafen unter ihre Kontrolle gebracht haben. Dort gab es auch mal eine Werft. Ich schätze, dass die Vorhut die Werft einnehmen oder zerstören wird.", erklärte er nachdenklich und blickte den Fluss hinab, doch Segeln waren keine in Sicht.
"Dort könnten sie ja auch ihre eigenen Schiffe reparieren und einen Brückenkopf errichten, zumindest für die Schiffe, die zu groß für den Gwathló sind", sagte seine Frau mit einem zufriedenen Lächeln und dachte dabei an die großen Galeassen.
Mathan nickte zustimmend und ahnte, dass die Manarîn den Hafen auch nicht wieder verlassen werden, da sie einen Platz brauchten um die Schiffe ihrer Flotte zu warten. Erst jetzt wurde ihm klar, was für eine große Aufgabe es war, die Faelivrin sich vorgenommen hatte. Zum Glück ist ihre Unterstützung riesig, dachte er sich und drehte sich wieder nach vorn. Tharbad wirkte unscheinbar, trotzdem wusste er, was ihn dort erwartete, zumindest ahnte er es. In der Stadt selbst war er nur einmal und danach hat sie sich deutlich verändert. Für ihn war Tharbad unbekannt, obwohl es an der Grenze zu seiner Heimat lag. Dunkel schwamm in seinen Erinnerungen eine grobe Karte vom Grundriss der Stadt umher, doch er konnte sich auf kein klares Bild konzentrieren. Grübelnd nestelte er an seinem Gürtel und zog die Schatulle mit den Karten hervor.
"Was suchst du?" Die Frage Halarîns beantwortete er schlicht, indem er auf die Stadt zeigt. Sie verstand und half ihm suchen, doch in dem ganzen Stapel fand sich keine Karte von Tharbad, nur von der größeren Umgebung. Er fluchte leise und räumte die Karten wieder ein, eine davon zeigte Eregion. Rasch schnappte er sie sich und legte sie ganz oben drauf, eher er die Schatulle schloss und sie verstaute. Seine Frau fragte ihn nicht, warum er die Karte von Eregion wieder rasch verstaut hatte, sie vertraute ihm. Mathan lächelte sie an und blickte kurz darauf wieder den Fluss hinab, in der Hoffnung die Segel der Manarîn zu erblicken. Doch dort tat sich nichts und er begann mit Halarîn ein ausführliches Gespräch, wie sie in Tharbad vorgehen würde, wenn jene Möglichkeiten eintraten. Sie weigerte sich grundsätzlich am Ufer zu warten oder im Lager der Dunländer. Mathan gab es auf, sie überreden zu wollen und strich ihr erneut über den Bauch, woraufhin ihre etwas eingeschnappte Mine sich aufhellte. Sie wechselten das Thema und plauderten über die Familienbande ihrer Tochter, wo es ausreichenden Gesprächsstoff gab. Sie vergaßen etwas die Zeit und nach etwas über einer Stunde kehrte Adrienne zurück auf's Schiff. Das Mädchen warf ihre Stiefel vom Ufer aus auf das Deck und kletterte mit einen grimmigen Gesichtsausdruck an Bord. "Was ist los?", fragte Mathan und blickte hinter sie, "Und wo ist Kerry"
Adrienne nahm dankend das Tuch von Finelleth und trocknete sich damit ab, wobei sie sich etwas beruhigte.
"Diese...Wilden sind.. sehr unhöflich. Als ob sie keine Frau gesehen haben", rief sie empört und schüttelte sich, wobei einige Wassertropfen umherflogen.
"Hm wahrscheinlich haben sie lange keine Frau gesehen...", mutmaßte Finelleth und klopte Adrienne mitfühlend auf die Schulter, "Es ist überstanden, das nächste mal bleibst du bei uns und bist vor Blicken geschützt."
"Das sie selbst Siebzehnjährige angeifern...widerlich!", sagte Adrienne und wollte schon gehen, als Mathan sie zurückhielt.
"Wo ist Kerry?", fragte er streng und zog die Augenbrauen zusammen.
"Nun...sie ist noch immer dort, aber es sah nicht so aus, als ob sie es dort noch länger aushalten kann. Ich bin extra langsam gegangen, als ich alleine war."
Der Elb ließ sie los und überlegte, ob er seine Tochter nicht holen gehen sollte. Ein Blick zu Halarîn verriet ihm, dass ihr ein ähnlicher Gedanke durch den Kopf ging.
"Ich glaube, dass Oronêl schon auf sie aufpassen wird", beruhigte Finelleth und nickte zum Ufer, "Da ist sie auch schon."
Mathan, der gerade den Sitz seiner Schwerter prüfte, blickte auf und sah Kerry mit Aéd. Die Beiden gingen die Böschung zum Fluss hinab, wo der junge Krieger wartete, bis Kerry sicher an Bord der Avalosse angekommen war.
"Ich habe sie wie versprochen sicher wieder hierher gebracht und werde mich nun zurückziehen. Bis später dann", verabschiedete sich Aéd und marschierte davon, während Kerry sich abtrocknete.  Als der Krieger außer Hörweite war, atmete sie erleichtert auf. "Bin ich froh wieder an Bord zu sein", sagte das Mädchen, woraufhin Mathan und Halarîn einen Blick tauschten.
Ihm war gar nicht wohl dabei, wenn seine Tochter von einer Armee von Wilden angestarrt wurde. Von seinen Erfahrungen im alten Arnor wusste er, was Menschen taten, wenn sie lange keine Frau zu Gesicht bekommen hatten. Er brummelte unzufrieden vor sich hin und blickte wieder den Flusslauf hinab, in der Hoffnung Segel zu sehen.

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Adriennes Beobachtung
« Antwort #5 am: 5. Feb 2017, 22:07 »
Dana stand in dem kleinen Nebenraum der Küche und war frustriert. Die Teller, die sie abspülte, waren teilweise so verdreckt, dass sie sich daran abmühen konnte, wie sie wollte, aber richtig sauber bekam sie das Geschirr nicht. Verärgert ließ sie den Lappen in die hölzerne Wanne fallen, die vor ihr auf dem Tisch stand. Dabei spritzten einige Tropfen auf das einfache braune Kleid, das sie trug.
"Dana, Mädchen, was stehst du denn so herum," ertönte die ihr inzwischen verhasste Stimme der Gastwirtin, bei der Dana angestellt war. "Kannst du denn gar nichts richtig machen?" beschwerte sich die Frau. "Nichts von diesen Sachen ist richtig sauber. Na mach schon, sie werden sich nicht von selbst spülen!"
Dana seufzte tief und machte sich wieder an die langwierige Aufgabe. "Das hochnäsige Getue kannst du dir sparen," fuhr die Wirtin mit ihrer Tirade fort. "Zeig etwas mehr Anstand, sonst muss ich dir schon wieder den Lohn entziehen."
"Ich gebe mir ja Mühe," erwiderte Dana und es gelang ihr tatsächlich, einen der Teller von allem Schmutz zu befreien.
"Nein, das tust du nicht," entgegnete Barela, wie die Gastwirtin hieß. "Wenn du dich einmal in deinem Leben richtig anstrengen würdest, wärst du schon längst mit dem Abwasch fertig. Das Problem mit dir, Dana, ist aber nun einmal, dass du offenbar überhaupt nichts richtig machen kannst. Du bist das untalentierteste Mädchen das je bei mir gearbeitet hat. Du kannst wirklich sehr froh sein, dass ich dich aufgenommen habe als du ganz ohne Eltern und mit nur deiner Kleidung am Leib nach Bree gekommen bist."
Dana war vor einem Jahr in die Stadt gekommen nachdem der Dúnadan-Waldläufer, den sie an der Grenze Dunlands getroffen hatte, sie bis in Sichtweite des Südtores gebracht hatte. Sein Name war Rilmir gewesen. Und er hatte ihr damals einen letzten Rat gegeben: "Du brauchst einen Namen, der kein Aufsehen erregt - dafür ist "Kerevalline" nicht geeignet. Wenn dich jemand fragt, wie du heißt, und wo du herkommst, dann sag, du bist Dana Weizler, die jüngere Tochter des alten Weizlers vom Scheunenhof hinter Archet." Und so hatte sie es gehalten und war problemlos in die Stadt gelassen worden. Doch schon bald hatten ihre Probleme begonnen.
"Und wenn du damit fertig bist, fegst du noch die Schankstube, und zwar gründlich, hörst du?" rief Barela als sie aus dem Raum ging, in dem sich Dana noch immer mit dem dreckigen Geschirr abmühte.

Es war ein hartes Jahr für Dana gewesen. Zwar hatte sie in dem kleinen Gasthof "Zum Wildfuchs" ganz in der Nähe des Südtores schnell einen Ort gefunden, an dem sie arbeiten, unterkommen und sich ein wenig Geld verdienen konnte. Doch das Geschäft im Wildfuchs lief in letzter Zeit eher schlecht, und die Gastwirtin ließ ihren Ärger darüber immer an Dana aus. Täglich bekam sie zu hören, wie nutzlos und unbegabt sie doch sei, und dass sie niemals einen Mann finden würde. "Du bist viel zu dürr, und wirst mit deinen sechzehn Jahren wohl auch nicht mehr sonderlich wachsen," sagte Barela nur zu oft (sie selbst war eher in die Breite gewachsen). "Denk gar nicht erst dran, dich mit einem Kerl einzulassen, jeder würde schon nach einem Tag genug von dir haben - wenn du ihm nicht vorher schon im Bett zerbrochen bist, mit deinen dünnen Ärmchen und alles." All das führte dazu, dass Dana den Gasthof aufgrund der vielen Aufgaben, die die Wirtin ihr auftrug, so gut wie nie verließ. Einkäufe und Besorgungen erledigten meist andere Angestellte und in der Küche herrschte ein permanent schlecht gelaunter Koch, der es offenbar ebenfalls als seine Lebensaufgabe ansah, Dana jeden einzelnen Tag in Bree zu vermiesen. Oft wünschte sie sich, sie könnte einfach gehen, doch Barela besaß viel Einfluss in Bree und würde verhindern, dass Dana bei jemand anderen in der Stadt Arbeit finden würde (wie sie ihr auch oft androhte). Dana musste also wohl oder übel im Wildfuchs bleiben.

Dana beendete den Abwasch und versteckte die dreckig gebliebenen Teller unter denen, die sie gut sauber bekommen hatte, als sie das Geschirr gestapelt in die Schränke einräumte. Sie wusste, dass sie sich am nächsten Tag deswegen eine erneute Tirade anhören werden musste, doch im Augenblick war ihr das egal - sie wollte einfach nur, dass der Tag vorbei war und sie für einige wenige Stunden schlafen und ungestört sein konnte.
Sie schnappte sich den in der Ecke lehnenden Besen und eilte durch die Tür in den Schankraum. Überrascht stellte sie fest, dass trotz später Stunde noch ein Gast da war. Es handelte sich um einen hochgewachsenen Mann, der lässig an der Bar lehnte. Die Kapuze seines grauen Mantel s bedeckte sein Gesicht, doch sie sah, dass er darunter lächelte.
"Hallo, Kerevalline," sagte er und nahm die Kapuze ab. Es war Rilmir, der Dúnadan.
Dana überwand ihre Überraschung schnell. "Hallo, Dúnadan," gab sie neugierig zurück und fragte: "Was machst du denn hier? Du hast dich ja jetzt seit einem Jahr nicht blicken lassen."
"Und du kannst dir meinen Namen offenbar noch immer nicht merken," stellte Rilmir schmunzelnd fest. "Ich bin hier, um dir ein Angebot zu machen."
"Was für ein Angebot?" fragte Dana und blickte sich um, doch von Barela war keine Spur zu entdecken.
"Ein Angebot auf ein besseres Leben als das hier," erwiderte er und machte eine Handbewegung, die den ganzen Gasthof miteinbezog. "Als ich dich nach Bree brachte, hatte ich einige wichtige Aufgaben zu erledigen, die nicht warten konnten, und es hat nun fast ein Jahr gedauert, bis ich nach dir sehen konnte. Aber jetzt bin ich hier. Komm mit mir, und entfliehe all dem."
"Wie? Ich kann nicht gehen - Barela würde dafür sorgen, dass ich mich in Bree nicht mehr blicken lassen kann. Du bist zu spät." entgegnete Dana traurig.
"Mach dir darüber nur keine Sorgen," sagte Rilmir und zog einen Dolch hervor. Ehe Dana reagieren konnte war er bei ihr und legte die Klinge an ihre Kehle. Sein Arm legte sich um sie und zog sie langsam zum Ausgang hin.
"Was hat das zu bedeuten?" erklang Barelas schrille Stimme, in der nun allerdings Unsicherheit und ein klein wenig Furcht mitschwangen.
"Ich nehme dieses Mädchen mit, ob du willst oder nicht - und wehe, du hältst mich auf, oder folgst mir! Dann ist sie tot!" drohte der Dúnadan.
"Waldläuferpack! Ich wusste schon immer, dass man eurer Sorte nicht trauen kann!" giftete die Gastwirtin. "Nimm dieses nutzlose Ding nur mit! Du wirst schon sehen, was du dir da gegriffen hast. Sie ist zu gar nichts zu gebrauchen!"
"Das werden wir sehen, gute Frau," entgegnete Rilmir und zog Dana durch die Tür auf die vom Mondschein beleuchtete Straße. Und schneller als Dana erwartet hatte verließ sie Bree auf dem Rücken eines ausdauernden Pferdes, mit einem ungewissen Ziel vor Augen...




Kerry lag nachdenklich auf ihrem Bett. Nach so vielen Tagen unter Elben war sie die Anwesenheit einer großen Gruppe Menschen, wie sie es in Foraths Heerlager heute erlebt hatte, kaum noch gewohnt, und es hatte sie an das erste Jahr seit ihrer Flucht aus Rohan erinnert, das sie unter dem Namen Dana Weizler in Bree als Bedienstete im Wildfuchsgasthof verbracht hatte hatte. Weil Rilmir es wie eine Entführung aussehen gelassen hatte, hatte Kerry später problemlos nach Bree zurückkehren können, auch wenn sie dann nicht mehr auf eine Arbeitsstelle angewiesen gewesen war. Sie fragte sich, wie ihr Leben wohl verlaufen wäre, wenn der Dúnadan sie damals nicht aus den Klauen der Gastwirtin befreit hätte...

Adrienne kam herein und unterbrach dadurch Kerrys Gedankengang. Das gondorische Mädchen zog sich zum Schlafen um, doch als sie bemerkte, dass Kerry den Blick abwandte, hielt Adrienne mittendrin inne.
"Sag mal, Kerry, wie alt bist du eigentlich?" fragte sie mit einem Unterton, den Kerry nicht recht zu deuten wusste.
"Ich bin neunzehn," antwortete die Gefragte.
"Neunzehn, wirklich?" sagte Adrienne. "In den letzten Wochen verhältst du dich aber eher wie vierzehn oder fünfzehn, um ehrlich zu sein. So habe ich dich in Fornost aber nicht kennengelernt."
"Was meinst du damit, Adrienne?" fragte Kerry, die sich keinen Reim auf die Aussagen des anderen Mädchens machen konnte. "Was willst du damit denn sagen?"
"Du bist doch schon vor deiner Adoption durch Mathan und Halarîn einige Jahre durch Eriador gereist, und hast dabei sicherlich auch gelernt, auf dich selbst Acht zu geben," fuhr Adrienne fort. "Aber ich habe seit Fornost eher das Gefühl, dass du dich oft wie ein hilfloses kleines Mädchen verhältst. Wieso tust du das?"
Kerry hatte darauf erst einmal keine Antwort. Jetzt, wo Adrienne es ihr so deutlich aufzeigte, fiel Kerry durchaus auf, dass sich ihr Verhalten seit der Schlacht um Fornost geändert hatte. Sie dachte noch ein Weilchen darüber nach, während Adrienne geduldig abwartete und sich fertig umzog, und dann antwortete sie: "Als Amil und Ontáro mich als ihre Tochter Ténawen annahmen hatte ich wieder eine Familie. Das war zuletzt vor vier Jahren so gewesen, ehe der Krieg nach Rohan kam und das Land von Mordors Horden erobert wurde. Als ich aus meiner Heimat floh, war ich fünfzehn... ich schätze, ich bin wieder etwas in ein Verhaltensmuster zurückgefallen, was mehr zu diesem Alter passt..."
"Das würde einiges erklären," sagte Adrienne. "Ich finde, du solltest dein Selbstbewusstsein zurückerlangen und dich nicht ständig darauf zu verlassen, dass dich deine Eltern schon damit versorgen. Das mag jetzt vielleicht etwas hart klingen, aber... werd' erwachsen, Kerry."
Kerry senkte den Kopf. Sie wusste, dass Adrienne auf eine Art recht hatte. Sie würde in einigen Monaten zwanzig werden und war nun wirklich kein Kind mehr. Doch ihr Verhalten hatte etwas anderes gesagt. Sie hatte sich abhängig von ihren Eltern gemacht und war unselbstständig geworden, wie sie es vor ihrer Flucht aus Rohan gewesen war. Vielleicht war es tatsächlich Zeit, dass Kerry ihr Verhalten wieder mehr an ihr Alter anpasste und mehr als junge Frau und weniger als Mädchen auftrat.
"Dieser Aéd geht ganz schön ran, was?" fragte Adrienne und wechselte urplötzlich das Thema. Kerry war froh darüber und ließ sich auf ein wenig Geläster unter Mädchen ein, was eine halbe Stunde lang für allerlei Gekicher sorgte, bis sie schließlich schlafen gingen. Doch ehe sie einschlief nahm Kerry sich vor, gründlich über das, was Adrienne gesagt hatte, nachzudenken, und baldmöglichst mit Halarîn darüber zu sprechen.
« Letzte Änderung: 10. Nov 2017, 07:24 von Fine »
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Curanthor

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Der letzte Abend auf dem Wasser
« Antwort #6 am: 6. Feb 2017, 21:57 »
Oronêl und Celebithiel aus Foraths Heerlager

Nachdenklich saß Mathan an Bord der Avalosse und hielt wieder das Medallion seiner Mutter in den Händen. Halarîn hatte sich in eine Kabine zurückgezogen, weil ihr nicht wohl war, was bei ihrer Schwangerschaft auch logisch schien. Kerry und Adrienne waren bereits zu Bett gegangen, wärend sich die Sonne schon hinter den Horizont verkrochen hatte. Nur zwei, drei Stahlen erhellten den Himmel, doch das Licht schwand sehr schnell. Der Elb seufzte und zog das beschädigte Schwert. Nachdenklich fuhr er über die gesprungene Klinge, von der sein Vater ihm versprach, dass sie nicht brechen würde. Nun, sie ist beschädigt... und zwar nicht gerade wenig, dachte Mathan etwas säuerlich und spitzte die Ohren. Er hörte leise Schritte vom Ufer des Flusses und erkannte Oronêl Schritt, wärend Celebithiel leise redete. Mathan erhob sich und entzündete eine der Laternen, die auf dem Vordeck herumstanden. Die beiden Elben kletterten rasch an Bord und er reichte ihnen Tücher zum Abtrocknen, wofür sie sich mit einem Nicken bedankten. Interessiert blickte Mathan Oronêl an, der nach einer kurzen Pause, in der er etwas trank, in einigen raschen Worten den Verlauf der Besprechung wiederholte. Celebithiel schwieg dabei und wirkte recht abwesend, was er aber nur beiläufig bemerkte.
"Also die Dunländer greifen die Mauern von Tharbad an, während Oronêl und Celebithiel unterstützt von Aéd heimlich in die Stadt eindringen und sich zum Tor durchschlagen, um es für das Hauptheer zu öffnen. Die Avalosse würde als zusätzliche Ablenkung den Hafen von Tharbad angreifen, wobei Forath so viele seiner Männer wie möglich zur unserer Unterstützung schickt.", wiederholte Mathan die Worte Oronêl nachdenklich und streich sich die Haare aus dem Gesicht. Er überlegte kurz, wobei er an Halarîn dachte, die wohl auf Kerry achtgeben wird.
"In Ordnung", sagte er und nickte, "Der Plan klingt nicht schlecht, ich werde in der Stadt dann etwas aufräumen, wenn die Ablenkung nicht mehr benötigt wird."
"Passt aber auf Eure Familie dabei auf", sagte Celebithiel mit einem Lächeln, das Mathan unwillkührlich erwiderte.
"Keine Sorge, Halarîn kann selbst schwanger noch ihre Tochter beschütze...", er wurde etwas leiser, "Das hat sie damals schon", murmelte Mathan und räusperte sich rasch, "Nun, da das geklärt ist, denke ich, dass wir uns etwas Ruhe gönnen sollten, denn ich schätze, dass wir morgen früh angreifen?", vergewisserte sich.
Oronêl nickte zur Bestätigung, woraufhin sie sich eine gute Nacht wünschten und sich in ihre Kabinen zurückzogen.

Als er die Tür zu dem Zimmer öffnete, das er sich mit seiner Frau teilte musste er schmunzeln. Sie lag unter der Decke auf der Seite und blickte ihn neugierig an.
"Na du Pläneschmieder", begrüßte sie ihn mit einem warmen Lächeln und rutschte etwas zur Seite, als er sich auf die Bettkante setzte, "Wann geht's los?"
Liebevoll strich er ihr durchs Haar und über die roten Lippen. "Morgen früh, aber ich möchte, dass du auf dich Acht gibts." Er strich dabei über ihren gewölbten Bauch, woraufhin sie grinsen musste.
"Die Mutterinstinkte sollte man nicht unterschätzen", antwortete sie mit einem kichern und öffnete die Schnallen seiner Schwertgurte, "Der Instinkt sagt jetzt, dass du mit ins Bett kommen sollst, ausgeruht kämpft es sich besser."
Der Elb gab ihr einen Kuss und legte die Waffen vorsichtig auf den Boden, er zog das Oberteil aus und legte sich neben sie. Halarîn zögerte und blickte auf das Medallion, das er mit einem entschuldigen Grinsen ablegte. Mit einem Schmunzeln legte sie ebenfalls ihr Oberteil ab und kuschelte sich auf seinem Oberkörper, wobei sie ihren Kopf auf seine Schulter legte. Sie wünschte ihm eine gute Nacht, woraufhin er ihr einen Kuss auf die Haare gab und selber wegdöste.

klang, klang, klang, Pause, klang, klang, klang, Pause, klang, klang, klang

Wie einige Nächte zuvor träumte Mathan erneut von einem dunklen Raum, der von dem Feuer einiger Hochöfen erleuchtet wurde.  Der rhytmische Klang von Stahl auf Stahl erklang wieder wie gewohnt, bis er plötzlich verstummte. Wie aus dem Nichts erschien ein paar Augen vor ihm. Mathan zuckte erschrocken zurück und starrte in die Augen, die leblos in die Leere blickte. Milchig-weiß starrten sie hin an und hielten ihn gefangen, doch er wollte fort. Er lief, bis er mit einem Schrei erwachte.

Keuchend schlug Mathan die Augen auf, während Halarîn sich auf ihm regte. Ihre Beine lagen neben seinen und einzig ihr nackter Oberkörper ruhte auf seinem. Sie blinzelte besorgt und hob leicht den Kopf, sagte jedoch nichts. Ihre Haare kitzelten ihn etwas, woraufhin sich die Spannung in ihm löste, die der Traum ausgelöst hatte. Ein paar Mal atmete er tief ein und aus, um auch den letzten Schreck zu vergessen, den der letzte Traum mit sich brachte. Sie küsste ihn dort, wo sein Herz schlug.
"Ich habe seit ein paar Tagen Träume...", begann er und sie kuschelte sich wieder an ihn, "Es ist dunkel und ich höre Metall auf Metall schlagen wie..."
"Wie in einer Schmiede", beendete sie den Satz, als er verstummte.
"Dann sah ich eine Gestalt an drei Ambossen und als sie mich bemerkte, schleuderte sie mir das Werkstück entgegen." Mathan bewegte sich etwas unwohl, worauhin sich Halarîn neben ihn setzte. Er tat es ihr gleich und richtete sich auf.
"Beim zweiten Traum war ich erneut dort, doch da war nicht die Gestalt sondern...", er schüttelte sich, "Ein paar Augen, ohne Leben. Ich weiß nicht was es gewesen sein könnte, "gestand er und rieb sich die Augen, "Aber es war furchteinflößend."
Seine Frau rückte hinter ihm und legte ihm die Hände auf den Schultern, woraufhin er sich nach unten gleiten ließ. Sie folgte seiner Bewegung, sodass er mit dem Rücken halb auf ihr lag. "Das war nur ein schlechter Traum, wir haben noch ein paar Stunden und in denen sollten wir versuchen noch zu ruhen", sagte sich und küsste ihm in den Nacken. Ein Schauer fuhr im den Rücken hinab, wärend Halarîn sich bequem hinlegte und mit einem schelmischen Lächeln seinen Kopf auf ihre Brüste plazierte. "Jetzt wirst du keine bösen Träume haben", kicherte sie und zog die Decke über sie beide.
Mit einem breiten Lächeln schlummerte Mathan ein und fand eine erholsame Ruhepause, bis die ersten Sonnenstrahlen in seinem Gesicht ihn weckten. Kurz lauschte er, doch seine Gefährten waren noch immer ruhig. Scheinbar war es sehr früh am morgen, selbst Halarîn atmete noch regelmäßig. Als er sich jedoch bewegte, wurde sie sofort wach und schlang ihre Arme um ihn.
"Hab ich dich", sagte sie mit kindlichen Eifer und raubte ihm einen Kuss von den Lippen, "Wenn wir erst einmal unser Haus fertig haben, werden wie viele solcher wundervollen Morgen haben." Ihre Stimme klang ganz verzückt und Mathan gab ihr einen langen Kuss, woraufhin sie ihn wieder freiließ.
"Ja, dafür werden wir sorgen. Nun lass uns diese Wilden unterstützen, immerhin werden das ja unsere Nachbarn, wenn alles gut geht.", antwortete er gut gelaunt.
"Es wird gut gehen" Halarîn kleidete sich dabei an und er tat es ihr gleich. Dabei hörte Mathan, dass auch die Anderen wach waren und sich an Deck befanden. Sie trödelten noch etwas, da Halarîn ihre kindliche Ader ausleben musste und Mathan unbedingt kitzeln wollte, was er verzweiftelt abwehrte. Lachend lagen sie am Boden und küssten sich, bis sie schließlich sich dazu aufrafften nach draußen zu gehen.
An Deck starrten die Gefährten sie mit hochgezogenen Augenbrauen an, doch Mathan grüßte sie mit einem Lächeln und legte Kerry seiner Hände auf den Schultern.
"Mein großes Mädchen, du wirst dich bei deiner Mutter halten und ihr niemals von der Seite weichen. Ich weiß, dass du eigentlich schon erwachsen bist, aber ich möchte dich nicht inmitten einer Schlacht verlieren."
Kerry nickte eifrig und tauschte einen Blick mit Adrienne, den er nicht richtig deuten konnte. Seine Schülerin blickte ihn einem fragenden Blick an. "Du wirst beide beschützen, bleibe stets in ihren Rücken und decke sie. Werde aber nicht übermütig.", sagte er an die Gondorerin gewandt.
Oronêl und Celebithiel nickten ihm zu und wüschten ihnen Glück, was sie ebenso taten. Dann waren sie von Bord und machten sich auf den Weg zu den Dunländern. Kurz darauf erschienen einige Männer am Ufer des Flusses, die scheinbar von Forath gesandt wurden. Sie winkte ihnen und verkündeten, ihnen zu helfen. Adrienne zog sofort ihr Schwert und zog sich zurück, woraufhin Mathan eine Augenbraue hob. Finelleth folgte dem Mädchen und begab sich mit ihr zum Heck des Schiffes. Sobald die Dunländer an Bord waren, war das Schiff voller als je zuvor. Mathan wappnete sich, stellte aber bei den ersten Wörtern fest, dass sie auch die gemeinsame Sprache beherrschten. "Gut, wir decken das Schiff mit nassen Lappen und Decken ab, damit Brandpfeile nicht so viel Schaden anrichten. Am Hafen teilen wir uns in kleinere Gruppe auf und machen viel Radau. Lasst es so aussehen, als ob wir viel mehr sind, als in Wirklichkeit." Danach folgten einige Taktiken für den Rückzug, falls es irgendwoe nicht so gut laufen sollte, sowie einige Notfalltreffpunkte außerhalb der Stadt.

Halarîn begab sich mit Kerry unter Deck und bewaffnete sich dort mit ihren drei Bögen. Dabei nahm sie auch den Bogen aus Westerniss mit und band ihn auf den Rücken. Nach kurzen Zögern drückte sie Kerry ihr eigenes Elbenschwert in die Hand. Das Mädchen starrte sie verblüfft und etwas geschockt an, woraufhin die Elbe ihr über das Haar strich. "Mit dem Bauch kann und will ich kein Schwert schwingen, du musst es für mich tragen, bitte.", beruhigte sie ihre Tochter und gab ihr einen Kuss auf die Wange, "Keine Sorge, wir schaffen das alle gemeinsam." Während sie sprachen, spürten sie, wie das Schiff sich langsam in Bewegung setzte.

Mathan gab noch letzte Anweisungen und stellte sich neben Finelleth, die auf die Stadt blickte. "Du weißt, dass das riskant ist oder?", fragte sie beiläufig.
"Ja, aber nicht wenn wir zusammenbleiben", antwortete er mit einem Nicken.
"Ich werde nicht gegen dich verlieren, Schwertmeister", stichelte sie mit einem unerwarteten Grinsen und benutzte dabei die Anrede von Adrienne, die er nicht mochte. Mit einem Schmunzelnd schüttelte er den Kopf, während das Schiff auf Tharbad zuhielt. Ein Wettkampf, wer der bessere Kämpfer ist...na schön, dachte er sich und lockerte seine Waffen in den Scheiden.


Mathan, Halarîn, Kerry, Adrienne und Finelleth mit den Dunländern auf der Avalosse nach Tharbad (Hafen)

Oronêl und Celebithiel zur Südmauer Tharbads
« Letzte Änderung: 14. Feb 2017, 17:37 von Fine »