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Autor Thema: El Kurra  (Gelesen 395 mal)

Melkor.

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El Kurra
« am: 25. Mai 2017, 13:46 »
Aerien, Narissa und Músab mit Gefolge von der Harad-Straße

Die Reisegruppe folgte der Harad-Straße über die Grenze Kerma hinein. Je weiter sie in Músabs Reich hinein kamen, desto bewachsener war die Landschaft und die Straße war breit und gut ausgebaut. Denn der Atbara, ein Nebenfluss des Sobat, hatte hier sein Schwemmland. Immer öfters begegneten ihnen grasende Antilopen- und Gazellenherden,die manchmal sogar die Straße kreuzten. Músabs strenge Miene, die er seit einiger Zeit im Gesicht getragen hatte, verflog nun langsam.
"Bald sind wir wieder daheim, Bruder," Músab legte ein schwaches Lächeln auf, das durch seinen Bart teilweise  verdeckt wurde. Auch Alára schien nun, umso näher sie ihrem Heimatland kamen, entspannter zu sein als zuvor. Seine Blicke gingen nicht mehr forschend in alle Richtungen und  durchsuchten die Umgebung nicht mehr ständig nach möglichen Gefahren.
"El Kurra ist nur noch ungefähr acht Meilen entfernt," sagte Alára. "Ich denke, wir sollten dort eine Rast einlegen. In knapp einer Stunde müssten wir die Festung erreicht haben, wenn wir unser Tempo halten..."  schlug er vor.
Músab nickte zustimmend. "Das ist ein guter Vorschlag, Bruder."
"Und du meinst wirklich, dass wir das Bündnis, welches die beiden jungen Frauen uns vorgeschlagen haben, annehmen sollten?"
Músab überlegte einen Augenblick. Ihm war selbst bewusst, dass ein weiterer militärischer Bündnispartner, wie Wa'aran einer ist, deutlich nützlicher als eine Allianz mit Tol thelyn zu sein schien, dennoch wäre ein Spionagenetzwerk in Harad wahrscheinlich ebenfalls sehr hilfreich. "Nun ja," sagte er daher. "Wenn wir bedenken, dass unser Bruder auf freiem Fuss ist und sein Befreier und Mörder unserer Mutter sich ebenfalls sich in Harad aufhält, dann wären mir zusätzlichen Spione lieber als eine Armee. Und man darf auch dabei nichts vergessen, dass dein Sohn Gatisen nun endlich eine Frau bekommt." Músab konnte deutlich beobachten, wie Alára ebenfalls darüber nachdachte. "Eventuell wirst du ja bald Großvater, alter Mann." sagte er abschließend mit einem gut sichtbaren schelmischen Lächeln.
"Alter Mann nennst du mich? Du bist doch selbst schon Großvater!" gab Alára gespielt beleidigt zurück.

Nachdem beide noch einige politische Angelegenheiten besprochen hatten, schloss sich die Vorhut der Kermer dem Tross wieder an. Músab konnte hören, wie sich eines der beiden  Mädchen von Tol Thelyn mit den Wachen unterhielt. "In Kürze erreichen wir die kleine Festung El Kurra; dort werden wir eine Rast einlegen." sagte der Leibgardist gerade. Und schon kurze Zeit später tauchte die Festung am Horizont vor ihnen auf.

Vor den Toren El Kurras angekommen zügelten sie ihre Pferde und hielten an. "Was ist das für ein Ort?" fragte Aerien.
"Dies ist El Kurra, eine alte Festung Kermas. Mein Großvater hatte sie errichtet um die Harad-Straße besser überwachen zu können," gab Alára zurück.
Nachdem sie einen Augenblick gewartet hatten, öffnete sich das große Tor. Ein junger, braunhaariger Mann schritt mit einer kleinen Gruppe Speerkämpfer dem König entgegen. "Eure Majestät," grüßte er und deutete eine Verbeugung an, während seine Männer auf die Knie fielen. "Es ehrt meinen Bruder und mich, euch hier zu sehen. Vergebt mir, dass ihr warten musstet.." Demütig neigte der junge Mann sein Haupt und seine langen Haare fielen ihm über das Gesicht.
"Es gibt nichts zu vergeben, Talor," gab Músab zurück.
"Wir werden hier eine kurze Rast halten und anschließend weiter nach Kerma reisen., erklärte Alára.
In der Zwischenzeit hatte sich die Gruppe bereits im Burghof eingefunden. "Wir haben euch nicht erwartet, und unsere Tafel ist daher nicht königlich gedeckt," sagte Talor entschuldigend.
Músab nickte. "Wenn es nach mir ginge, bräuchte ich nur ein Bad. "
« Letzte Änderung: 29. Mai 2017, 12:57 von Melkor. »
Er hat noch gezuckt weil ich ihm meine Axt in seine Nervenstränge getrieben habe.

-Gimli Gloinssohn zu Legolas, Schlacht bei Helms Klamm-

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Kani
« Antwort #1 am: 26. Mai 2017, 15:53 »
Aerien hatte darauf bestanden, nicht gemeinsam mit Narissa untergebracht zu werden, was für einige verwunderte Blicke gesorgt hatte. Zwar schienen die meisten Kermer nicht über die genaue Art der Beziehung Bescheid zu wissen, die die Mädchen teilten, dennoch schienen die Meisten davon ausgegangen zu sein, dass beide Gesandten von Tol Thelyn eine gemeinsame Unterkunft vorziehen würden. Und so kam es, dass Aerien für die Nacht, die sie in der kermischen Festung El Kurra verbrachten, im Zimmer der Tochter des Kommandanten der Burg einquartiert wurde. Talors Tochter hieß Kani und war ein Mädchen von ungefähr sechzehn Jahren, mit dem sich Aerien sogleich gut verstand. Während es draußen Nacht wurde, unterhielt sie sich mit Kani, um sich einerseits die Zeit zu vertreiben und sich anderseits nicht mit Narissa auseinander setzen zu müssen - weder gedanklich noch im direkten Kontakt. Aerien wusste, dass sie Zeit brauchen würde, um wirklich zu verstehen, was den Streit ausgelöst hatte. Und sie hoffte, dass Narissa dasselbe tun würde, und vielleicht irgendwann einsehen würde, dass sie einen Fehler gemacht hatte.
Kani erzählte fröhlich davon, dass König Músabs Großvater Nastasen den Bau der Festung El Kurra befolhen hatte, nachdem es auf der Harad-Straße immer wieder zu Überfällen gekommen war. Zu Nastasens Regierungszeit waren hin und wieder nomadische Haradrim-Stämme aus dem Norden und dem Westen Kermas über die Grenze gekommen und hatten geplündert und gebrandschatzt. Dank seiner strategischen Lage setzte der Bau von El Kurra den Überfällen ein rasches Ende.
"Seither bringt der Kommandant von El Kurra der Nordgrenze Kermas Frieden," erklärte Kani stolz. Es war ihr deutlich anzusehen, dass sie die angesehene Stellung ihres Vaters gerne und oft hervorhob. Aerien fühlte sich ein klein wenig an sich selbst erinnert, denn auch sie hatte in Durthang oft den Rang ihres Vaters zu ihren Gunsten ausgenutzt.
"Mein Vater führt ebenfalls den Befehl über eine starke Festung," erzählte sie, ohne auf ihre genaue Herkunft einzugehen. "Sie liegt hoch in den Bergen, in einem verbotenen Tal. Doch genau wie deine Heimat, Kani, bewacht auch die Festung, in der ich geboren wurde, einen wichtigen Punkt an der Grenze meines Heimatlandes, nämlich einen der wenigen Pässe über das Gebirge, das zwischen Mo... zwischen meiner Heimat und den angrenzenden Ländern liegt." Es war ihr gerade noch gelungen, sich daran zu hindern, den Namen Mordor auszusprechen.
Kani schien es nicht aufzufallen. "Dann bist du also auch eine Fürstentochter," stellte sie erfreut fest. Und sofort begann sie, Aerien mit Fragen über die Lebensweise und die Gebräuche am Hofe ihres Vaters auszufragen, und Aerien merkte rasch, dass dies Kanis Lieblingsthema zu sein schien.
"In Gondor gelten etwas andere Tugenden als in Kerma," antwortete Aerien ausweichend. "Die Fürstentümer und Lehen, aus denen das Land besteht, haben großes Selbstbestimmungsrecht. Nur König und Statthalter stehen noch über den Fürsten und Herren Gondors. Doch für gewöhnlich regeln die einzelnen Gebiete ihre Angelegenheiten selbst."
"In Kerma gibt es zwar auch mehrere Regionen, in die unser Land aufgeteilt ist, doch das Wort unseres Königs scheint etwas mehr Gewicht zu haben, wenn ich dich richtig verstehe," meinte Kani. "In Gondor scheinen Titel und Posten sehr oft erblich zu sein. In Kerma ist dies nur in einigen Ausnahmen der Fall - vor allem bei jenen Linien, die ihre Vorfahren bis zu den großen Gefährten Anlamanis zurückverfolgen können."
"Wer war dieser Anlamani?" fragte Aerien, denn sie hatte den Namen auf der Reise nach Süden schon einige Male gehört.
"Er war ein legendärer Krieger, der einst einen großen schwarzen Drachen erschlug, vor vielen, vielen Jahrhunderten. Und nach seinem Sieg begründete er das Reich von Kerma, wie wir es heute kennen. König Músab und seine Brüder stammen von ihm ab. Und noch heute wird Anlamani von vielen Kermern in hohen Ehren gehalten. Jedes Jahr wird zur Erinnerung an Anlamani das Krönungsfest in der Hauptstadt gefeiert - bald ist es wieder soweit. Doch auch sonst wird er überall im Land verehrt. Es gibt sogar einige Menschen, die in ihrer Verehrung so weit gehen, dass sie Anlamani als Halbgott ansehen und sich als "Gesegnete" bezeichnen. Da Anlamani im Kampf gegen den Drachen den Gebrauch seines linken Armes verlor, eifern diese Fanatiker ihm dadurch nach, dass sie sich ihren Arm so sehr abbinden, dass er unbrauchbar wird."
Aerien hatte bereits mit Fanatikern zu tun gehabt, denn in Mordor gab es nicht wenige, die sich auf Gedeih und Verderb dem flammenden Auge verschrieben hatten, und ähnliche Dinge wie die von Kani beschriebenen Gesegneten Anmalanis getan hatten. Daher nickte sie verständnisvoll, während das Mädchen fortfuhr.
"Das Krönungsfest ist jedes Jahr ein wunderbares Spektakel. Ich hoffe, mein Vater wird mir erlauben, daran teilzunehmen. Wirst du Qore Músab in die Hauptstadt begleiten, Aerien von Tol Thelyn?"
"Ja, das werde ich."
Kani ergriff Aeriens Hand. "Dann werde ich meinen Vater bitten, mich für den Weg dorthin an deine Seite zu stellen, wenn du mir diese Ehre gewährst. Ich würde alles dafür geben, um das Krönungsfest mitzuerleben..."
Aerien zögerte. "Ich werde nicht lange in der Hauptstadt bleiben, Kani. Du wirst mich nicht in meine Heimat begleiten können."
"Nach Tol Thelyn? Nein, nein, das habe ich damit auch gar nicht gemeint. Weißt du, Gastfreundschaft hat in Kerma Tradition. Du bist mein Gast, da du in meinem Zimmer übernachtest. Und ich biete dir an, die Gastfreundschaft auszudehnen, indem ich dich bis zur Hauptstadt bringe. Dies ist kein ungewöhnlicher Vorschlag in Kerma, und ich hoffe, dass mein Vater darauf eingehen wird, wenn du zustimmst. Wenn wir in der Hauptstadt angekommen sind, endet mein Dienst für dich, und ich werde dort bleiben, bis das Krönungsfest vorbei ist und ich mit einer Reisegruppe nach El Kurra zurückkehren kann. Bitte, Aerien, erfüllst du mir diesen Wunsch?"
Aerien nickte. Es kann nicht schaden, Kani dabei zu haben, und bis zur Hauptstadt ist es sicherlich nicht mehr allzu weit, dachte sie. Außerdem wird es schön sein, etwas mehr Gesellschaft zu haben, falls es unterwegs langweilig wird.
Kani fiel ihr dankbar um den Hals. "Ich werde deine Großzügigkeit nicht vergessen, und dir und deiner Freundin so gut zu Diensten sein, wie ich kann," versprach sie eifrig.
Aerien verzog das Gesicht, als sie an Narissa erinnert wurde. "Meine... Freundin wird deine Dienste nicht benötigen," stellte sie kühl klar.
Kani blickte sie fragend an, doch die Antwort blieb aus. "Sie hat eine außergewöhnliche Haarfarbe," sagte Kani in die unangenehme Stille hinein, die entstanden war.
"Mag sein. Ich möchte jetzt nicht über Narissa sprechen," wiegelte Aerien ab. Sie hatte mit einem Mal genug von Kani, und wollte allein sein. Also erhob sie sich und verabschiedete sich so höflich es ging von der Tochter des Kommandanten der Festung, ehe sie Kanis Zimmer verließ.

Der Mond stand als schmale Sichel hoch über den wolkenlosen Nachthimmel, und die Sterne spiegelten sich auf dem Fluss Atbara, der westlich der Festung vorbeiströmte. Aerien stand auf der Brustwehr oberhalb der mächtigen Mauern und ließ den Blick durch die Dunkelheit gleiten.
Die Sterne scheinen heute so schön wie jener Nacht, in der Narissa mich zum ersten Mal ans Meer gebracht hat, dachte sie und spürte, wie sich ihre Kehle verengte.Doch sie schluckte ihre Traurigkeit mit neuem Ärger herunter. Narissa ist selbst schuld, dachte sie zornig. Sie konnte oder wollte nicht sehen, dass mir ihr Interesse an diesem kermischen Schönling weh tut. Und trotz ihrer Dickköpfigkeit wird sie es hoffentlich eines Tages verstehen, und zu mir zurückkommen. Sie soll sich entschuldigen und sich erklären. Dann werde ich wieder mit ihr sprechen.
"Ich glaube nicht, dass die Sterne dir bei deinem Problemchen helfen können, Nichte," sagte eine dunkle Stimme neben ihr. Es war Aglazôr, gehüllt in einen schwarzen Umhang, der ihn vor dem Nachthimmel nahezu unsichtbar machte.
Aerien überwand ihren Schock und sagte: "Wir müssen wirklich aufhören, uns so zu treffen, Onkel."
Aglazôr schmunzelte belustigt. "Wenn ich dich das nächste Mal vertieft in Gedanken vorfinde, werde ich versuchen, meine Gegenwart etwas vorsichtiger anzukündigen," versprach er. "Dennoch frage ich mich, was mit dir los ist, Azruphel. Du warst doch früher nicht so... grüblerisch."
"Ich habe mich verändert," sagte sie leise. "Ich bin nicht mehr das kleine Mädchen, das tut und lässt was Vater und Mutter ihr befehlen. Ich treffe meine eigenen Entscheidungen... und mein Schicksal ist frei von Mordors Willen."
"Das mag so sein, doch nun scheinst du dich mit den Fesseln einer neuen Bindung selbst zu behindern."
"Wie meinst du das?"
"Ich bin nicht blind, Mädchen. Und ich habe mehr Lebenserfahrung als du. Auch ich war einst in einer ähnlichen Situation wie du. Ich öffnete mich und verschenkte mein Herz. Doch es hat nur zu Leid und Schmerz geführt. Seitdem lasse ich niemanden mehr zu nahe an mich heran. Höchstens körperlich, wenn du verstehst was ich meine."
"Deine Eskapaden interessieren mich nicht. Du verstehst nicht, worum es hier geht."
"Oh doch, ich verstehe es nur zu gut. Ich sehe doch das Verlangen in deinen Augen, wenn du Narissa anblickst. Das ist doch ihr Name, oder nicht?"
Aerien gab keine Antwort darauf.
"Es wird nicht aufhören, Azruphel. Du kannst sie nicht verändern. Sie wird immer diejenige sein, die sie ist. Und du kannst dich nicht ewig für sie verbiegen. Eines Tages wirst du zerbrechen."
Mit vor Wut funkelnden Augen starrte Aerien ihren Onkel an, doch dieser blieb unbeeindruckt davon.
"Beende es," sagte er leise. "Beende es jetzt. Vielleicht wird sie dann tatsächlich Prinz Gatisen heiraten, und das Bündnis Kermas mit Tol Thelyn ist endgültig besiegelt."
"Wie kannst du es wagen," knurrte Aerien und stürtzte sich wild vor Zorn auf ihn. Doch Aglazôr machte nur einen raschen Schritt beiseite, der ihren Angriff mühelos ins Leere gehen ließ.
"Denk darüber nach, Mädchen," hörte sie ihn noch sagen, ehe er verschwunden war und sie alleine und durcheinander auf den Mauern El Kurras zurückließ.
« Letzte Änderung: 7. Jun 2017, 14:18 von Fine »

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Re: El Kurra
« Antwort #2 am: 29. Mai 2017, 15:10 »
Nachdem Músab einige Zeit gewartet hatte, wurde er in das Bad der Festung El Kurra geführt. Es handelte sich dabei um einen größeren Raum, der im Untergeschoss lag und aus verschieden rötlichen Sandsteinarten gemauert war. Das eigentliche Bad bestand aus einem quadratischen Becken, in dem mindestens drei Personen Platz fanden. Durch eine natürliche heiße Quelle, die unterhalb der Festung lag, hatte das Wasser eine angenehme Temperatur. Músab stieg langsam in das warme Nass und ließ sich bald darauf vom Wasser treiben. Seit Tagen hatte er kein Bad mehr nehmen können.

Nachdem er sich knapp eine halbe Stunde im Becken entspannt hatte, verließ er das Bad wieder. Auf einer Kommode hatte die Dienerschaft Taloraqens, einige Kleidungsstücke für Músab bereit gelegt. Er entschied sich für ein schlichtes Hemd aus grüner Seide und eine einfachen Hose.
Seine alten Sachen hatte er, bevor er das Bad wieder verlassen hatte, der Dienerschaft zum Waschen gegeben. "Wascht diese Kleider bitte, wenn ihr Zeit dafür habt," hatte er sie gebeten.
Erst jetzt hatte Músab die Chance, sich in der Festung umzusehen, die sein Großvater errichtet hatte. Sie war aus Sandsteinen erbaut worden. Als er sich auf den Mauern umschauen wollte, war es bereits dunkel. Obwohl die Festung noch einige Meilen von der großen Wüste östlich von El Kurra gelegen war, war es hier dennoch kalt.
Einige kleine Ölschalen waren auf der Mauer entzündet worden und erzeugten so ein schwaches, aber ausreichendes Licht. Músab konnte jedoch die vielen Wachen, die auf den Mauern patrouillierten, kaum erkennen. Dennoch war er sich sicher, dass die Festung gut bewacht war.
Nachdem er die Mauern schließlich wieder verlassen hatte, kehrte er zum Burgfried zurück. Dort angekommen stellte er fest, dass sein Bruder Alára, Wa'aran Haywat von Da'amat sowie Burgherr Talor gemeinsam an einem großen Tisch saßen undsich angeregt miteinander unterhielten.
"Músab, setz dich doch zu uns," bot Alára ihm an.
Músab jedoch winkte ab. "Wenn es genehm wäre, würde ich mich doch lieber zurück ziehen." Alára nickte verstehend.
"Ich lasse Euch zu Eurem Zimmer bringen," sagte Talor und gab einem der Wachmänner ein Zeichen.

Als der Diener Músab kurze Zeit später zu seinen Zimmer gebracht hatte, bedankte sich der König Kermas bei dem Wachmann. "Ich werde vor der Türe Wache halten." sagte dieser mit gebührendem Respekt. Mit einem Nicken gab Músab sein Einverständnis und betrat das Zimmer.
Wie der Rest des Burgfriedes war das Zimmer schlicht, dennoch einem König würdig. Ein großes Fenster lag direkt gegenüber der Tür und bot einen herausragenden Ausblick auf das Schwemmland des Atbara. Das Bett stand mittig, flankiert von einigen Kleiderschränken und Bücherregalen. Músab nickte zufrieden und legte sich schlafen.

Am folgenden Tag genoss Músab das Frühstuck, das auf den Tisch gegenüber dem Bett serviert wurde. Frisches Brot,  Marmelade und Sahne standen in verschiedenen Sorten auf den Tisch. Für eine reichhaltige Mahlzeit war gesorgt worden.
Als Músab kurz darauf die Wendeltreppe zum großen Saal hinunterging, konnte er hören, wie sich zwei Personen stritten.
"Du kannst dich nicht einfach mit der Leibgarde des Königs reisen," sagte eine Stimme, die dem König wohl bekannt war.
"Warum denn nicht?" fragte eine Junge Frauenstimme zurück.
"Weil es der König ist, und nicht dein Onkel, oder deine Vetter! Er kann nicht noch auf dich aufpassen."
Músab war über den lautstarken Streit sichtlich verwundert, betrat aber trotzdem den Saal und ließ sich nichts anmerken.
"Und hast du schon darüber nachgedacht, wie du wieder nach Hause kommst? Du kannst nicht einfach alleine von der Hauptstadt zurück nach El Kurra reisen!" sagte Talor gerade. "Ich habe hier Pflicht... " Er stoppte mitten im Satz, als er Músab bemerkte. "Eure Hoheit. Es tut mir leid, dass ihr das mit anhören musstet." 
"Nun, Talor, worum geht es dabei denn?" fragte Músab verständlich. Er fühlte sich dabei an sich selbst erinnert, wie er mit seiner einzigen Tochter Asáta stritt.
"Meine Tochter, Kani, würde gerne dem Krönungfest in Kerma beiwohnen," erklärte Taloraqen.
Der Qore nickte verstehend. "Was hindert dich, sie nach Kerma gehen zu lassen?"  fragte er interessiert.
"Sie ist erst sechzehn Jahre alt und zu jung, um alleine so eine lange Reise hin und zurück zu unternehmen - und selbst wenn, wo soll sie schlafen?" gab Taloraqen zurück. Obwohl man Kani ansah, dass sie sehr erbost über die Worte ihres Vater war, sagte sie kein Wort und blieb still.
Músab zögerte für einen Augenblick, und fuhr sich mehrmals durch seinen Bart. "Wenn du damit kein Problem hast, werde ich sie als Gast in den königlichen Palast einladen.  Nach dem Krönungsfest werde ich sie in Begleitung einiger Männer wieder hierher zurück bringen lassen. Das ist das Mindeste, was ich für deine Gastfreundschaft tun kann," bot Músab an. Er kannte Taloraqen schon seit seiner Jugend und beide waren gute Freunde.
Talor runzelte die Stirn und blickte zu Kani. Obwohl sie nichts sagte, konnte Músab das unausgesprochene "Bitte" ihr deutlich von den Lippen ablesen. "Unter diesen Umständen, hätte ich wohl kein Problem damit," rang sich Talor schließlich ab. Auf Kanis Gesicht erschien ein frohes Lächeln, das die anfangs eher zornige Miene rasch ersetzt hatte; und ehe Talor noch etwas dazu sagen konnte, eilte sie davon - scheinbar in Richtung ihres Zimmers.
"Es tut mir leid, Músab, dass du das mitansehen musstest," meinte Talor. "Seit dem Tod meiner Frau, Kanis Mutter, vor drei Jahren, weiß ich nicht mehr, wie ich mit ihr umgehen soll. Meine ältere Tochter kam damit deutlich besser zurecht als Kani..."  Músab nickte verstehend. "Du brauchst dich nicht zu entschuldigen; wir haben schließlich alle dieselben Probleme," gab er spaßend zurück. "Wenn du Zeit und die Möglichkeit dafür hast, lade ich dich ebenfalls nach Kerma ein," bot er darüber hinaus an.

Nachdem beide sich noch ein Weilchen über ihre Töchter unterhalten hatten, kam eine der Leibwachen des Königs herein und berichtete, dass die Reisegruppe nun für den Aufbruch bereit war. Rasch folgte der König dem Burgherren in den großen Innehof der Festung, wo bereits der Großteil der Gruppe versammelt war. Auch Kani saß abreisefertig auf dem Rücken eines hellbraunen Pferdes, und Talor ging rasch zu ihr hinüber.
"Pass gut auf dich auf, versprichst du mir das?" konnte Músab, Taloraqen zu Kani sagen hören. Músab beobachtete wie sie ihm um den Hals fiel.

Kurz vor der Mittagsstunde verließ der Königliche Trupp die Festung El Kurra. Músab ritt neben der neuen jungen Begleiterin. Jene erwiderte den Gruß ihres Vaters, der ihnen von den Mauern aus zum Abschied winkte, und schloss sich den restlichen Tross an. Sie lenkte ihr Pferd neben Aerien, mit der sie sich schon bald lebhaft zu unterhalten begann.
Músab nickte Talor ein letztes Mal zu und folgte schließlich. In wenigen Tagen, so hoffte er, würden sie pünktlich in Kerma eintreffen. Zur größten Sensation des Jahres, dem Krönungsfest.

Músab, Narissa, Aerien, Kani, Wa'aran Haywat, Alára und Gefolge zur großen Nordstraße
« Letzte Änderung: 31. Mai 2017, 08:11 von Fine »
Er hat noch gezuckt weil ich ihm meine Axt in seine Nervenstränge getrieben habe.

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