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Autor Thema: Taur-en-Elenath  (Gelesen 156 mal)

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Taur-en-Elenath
« am: 19. Apr 2018, 11:54 »
Córiel, Jarbeorn und Pallando aus Ost-Rhovanion


Trotz Pallandos Aussage, dass es nicht mehr sonderlich weit bis zu ihrem Ziel sei, brauchte die Reisegruppe noch drei Tage, bis sie an den Rand des Waldes kamen, der sich am Ostufer des Carnen erhob. Sie hatten den Celduin, der vom Langen See und Esgaroth quer durch Rhovanions und Rhûn bis zum Binnenmeer floss, am späten Abend des dritten Tages ein kleines Stück unterhalb der Stelle überquert, an der er mit dem Carnen zusammenfloss, der aus den fernen Eisenbergen stammte. Die Furt über das Eilende Wasser war bewacht gewesen und sie hatten einen nicht gerade billigen Wegzoll zahlen müssen, um sie zu passieren. Die Soldaten Rhûns, die dort Wache standen, hatten im Dämmerlicht keinen genaueren Blick auf Córiel oder Jarbeorn geworfen, die beide kein Wort gesagt hatten und Pallando reden gelassen hatten. Der Zauberer kannte die wichtigsten Sprachen Rhûns gut genug, um mühelos als Einheimischer durchzugehen. So verließen sie Rhovanion endgültig und kamen ins Kernland Rhûns.
Die Länder beidseitig des Carnens hatten einst unter der losen Kontrolle des Königreiches von Dorwinion gestanden. Heute gehörten sie zum Reich von Gortharia, dessen Herrscher Dorwinion erobert und seine Bevölkerung eingegliedert hatten. Pallando erzählte ihnen, als sie ihr Nachtlager unweit des Waldrandes aufschlugen, dass diese Gegend von den meisten Menschen gemieden wurde, da der Wald einen üblen Ruf hatte.

Am Tag darauf standen sie bei Sonnenaufgang auf und kamen zum Waldrand. Die Bäume waren weniger dicht als die des Düsterwaldes, doch dafür umso höher und älter. Dennoch wuchs kaum Unterholz und Dickicht zwischen ihnen. Alles machte einen recht ordentlichen Eindruck auf Córiel, als sie zwischen den ersten Stämmen hindurch trat. Und es erinnerte sie an den Wald, in dem Melvendë einst gelebt hatte. Doch der Wald längst vergangener Zeitalter war meist vom Klang lieblicher Elbenstimmen erfüllt gewesen, denn Melvendës Volk war zahlreich und lebensfroh gewesen, ehe die Schatten zum ersten Mal ihr Land bedeckt hatten. Der Wald, zu dem Pallando sie nun geführt hatte, war still und wirkte gepflegt, aber leer.
„Was gibt es hier für uns, Eldsten?“ fragte Jarbeorn. Er hatte seine Axt gezogen und hielt den langen Schaft der Waffe locker in der linken Hand.
„Einen Weg, Vaicenya aufzuhalten... hoffe ich,“ antwortete der Zauberer, der neben Córiel ging und tiefer und tiefer in den Wald vordrang.
„Dieser Ort... er gleicht dem aus meinen Erinnerungen,“ murmelte Córiel, und Pallando nickte.
„Dafür gibt es einen einfachen Grund. Die ersten Elben, die hier her kamen, waren von deinem Volk.“
„Aber es heißt, dass alle Noldor geschlossen nach Valinor gingen,“ erwiderte Córiel. So hatten es ihr zumindest ihre Eltern einst beigebracht, als sie die Geschichte ihres Volkes während ihrer Zeit in Lindon studiert hatte.
„So ist es. Jene, die Finwë folgten, folgten ihm als eine, ungeteilte Menge. Doch ich sprach nicht von den Noldor. Ich sprach von den Tatyar.“
Córiel blieb stehen. „Ich dachte, sie wären im Osten geblieben, als Oromë kam, um die Quendi in Richtung Valinor zu führen.“
Pallando nickte. „Als mein Herr nach Cuivienen kam, spalteten sich die drei Völker der Quendi auf. Von den Tatyar, dem zweiten Volk, ging die Hälfte mit Finwë nach Valinor, und wurde dort als Noldor bekannt. Doch jene, die blieben, verweilten nicht ewiglich an den Wassern des Erwachens. Als das Meer zu schrumpfen begann, zog eine kleine Gruppe an seinem Nordufer westwärts, bis sie an den Carnen kamen - jener Fluss, der unweit von hier in das Eilende Wasser mündet. Dort nun fanden sie den Wald, den wir gerade betreten, und einige von ihnen blieben dort. So hat es mir jene erzählt, die als die Herrin dieser kleinen Zuflucht bekannt wurde.“
Córiel schwieg. Sie war nachdenklich geworden, da sie noch immer nicht recht wusste, weshalb Pallando sie an diesen Ort gebracht hatte, und wie sein Plan bezüglich Vaicenya aussah. Sie blickte sich um, während sie dem Zauberer folgte, tiefer und tiefer in den Wald hinein. Die Bäume standen nun etwas näher beieinander. Eine wachsame Stille hing zwischen den schlanken, hohen Stämmen, die Córiel den Atem anhalten ließ. Ihr Blick huschte hin und her, doch nichts wies auf die Anwesenheit von Elben hin. Sie atmete tief durch und schloss für einen kurzen Moment die Augen. Als sich Jarbeorns Hand sanft auf ihre Schulter legte, öffneten sich Coriels Lider und sie sah, dass die Gegenwart der Reisegruppe bemerkt worden war.
Zwischen den Bäumen zu ihrer Linken waren zwei gerüstete Elben aufgetaucht, die sich rasch näherten. Beide waren sie mit Bögen und Schwertern bewaffnet, doch ihre Waffen waren nicht gezogen worden. Geradewegs auf Pallando kamen sie zu, und der Zauberer schenkte ihnen ein gewinnendes Lächeln.
„Rómestamo,“ grüßten sie ihn. Es waren zwei, ein Mann und eine Frau, die Lederrüstung und Umhänge aus grauem Stoff trugen, die zu der Bekleidung passten, an die Melvendë sich erinnerte. Es war, als wäre sie um viele Jahrtausende in die Vergangenheit gereist und stünde nun erneut unter den jungen Bäumen des wilden Waldes, der die erste Heimat der Tatyar gewesen war.
„Erneut dringt Ihr ungefragt und unerlaubt in unseren Wald ein,“ sagte die Elbenfrau  vorwurfsvoll, doch ihr Lächeln strafte ihre Worte Lügen.
„Und länger als beim letzten Mal habt Ihr Euch der Entdeckung entzogen,“ ergänzte ihr Gefährte, der ebenfalls nicht sonderlich verärgert darüber zu sein schien.
„Ich tue euch damit einen Gefallen, wie ihr beiden nur allzu gut wisst,“ gab Pallando zurück. „Ihr seid jung, nach dem Maßstäben eures Volkes, und könnt noch die eine oder andere Lektion darüber vertragen, verborgene Eindringlinge aufzuspüren. Denn es wird ein Tag kommen, an dem die Könige Rhûns mehr als nur einfache Soldaten hierher entsenden werden. Dank mir werdet ihr bereit sein.“
„Wir wissen die Hilfe zu schätzen, alter Freund,“ sagte der Elbenwächter spöttisch.
„Die Betonung liegt hierbei eindeutig auf alt,“ fügte seine Begleiterin neckisch hinzu. Dann wandte sie sich Córiel und Jarbeorn zu. „Doch sagt, wen habt Ihr uns da mitgebracht? Sind dies Eurer Schüler?“
Der Beorninger trat vor. „Ich bin Jarbeorn, Grimbeorns Sohn - zu Euren Diensten.“
Alle Augen richteten sich auf Córiel, die für einen Moment zögerte. Wie sollte sie sich vorstellen? Die beiden Elben waren vermutlich zu jung, um sich an Melvendë zu erinnern. Córiel vermutete, dass sie hier geboren waren und die alte Heimat der Tatyar nie selbst gesehen hatten. Sie gab sich einen Ruck und sagte: „Mein Name ist Córiel.“ Dabei beließ sie es.
Die beiden Elben stellten sich als Faryon und Tórdris vor. „Seid Ihr gekommen, um mit der Herrin der Quelle zu sprechen?“ fragte Faryon, an Pallando gewandt.
„Du hast es erfasst, junger Freund,“ antwortete der Zauberer. „Würdet ihr beiden so freundlich sein, uns zu ihr zu geleiten?“
„Sofern Ihr für Eure beiden Gefährten bürgt,“ sagte Tórdris und warf einen prüfenden Blick zu Córiel und Jarbeorn hinüber. Córiel nahm es der Elbin nicht übel. Sie tat nur das, was ihre Herrin ihr aufgetragen hatte: dafür zu sorgen, dass niemand Unbefugtes den Wald betrat. Zumindest erschien es Córiel so.
„Ihr solltet wirklich lernen, mir zu vertrauen, meine lieben Elben,“ meinte Pallando kopfschüttelnd. „Dass Taur-en-Elenath noch immer frei vom Schatten Gortharias ist, habt ihr immerhin mir zu verdanken.“
„Diese alte Leier schon wieder?“ sagte Faryon lachend. „Das ist viele hunderte von Jahren her, und das wisst Ihr ganz genau, Zauberer.“
„Das macht es nicht weniger gewichtig,“ hielt Pallando dagegen, während sich die Gruppe langsam in Bewegung setzte. „Die Menschen von Rhûn hätten diesen Wald ganz gewiss abgeholzt, und wir stünden nun in einer brachen Einöde.“
„Das hätte die Herrin niemals zugelassen,“ mischte Tórdris ein, deren hellbraunes Haar bei jedem Schritt auf- und ab wippte, da sie einen besonders federnden Gang hatte. „Ihr müsst wissen, dass Ihr nicht der einzige Freund des Sternenwaldes seid. Es gibt andere, die unsere Grenzen ebenso schützen wie Ihr und wie wir es tun.“
Pallando nickte zufrieden. „Das macht mir das Herz etwas leichter. Es wäre ein trauriger Tag, an dem dieser Ort von der Landkarte getilgt würde.“

Sie kamen nach einiger Zeit an einen ungefähr vier Meter breiten Fluss, der sich seinen Weg durch den Wald bahnte, und bogen nach Norden ab, am diesseitigen Ufer des Gewässers entlang. Córiel sah nun eindeutige Anzeichen dafür, dass tatsächlich Elben in diesem Wald lebten. Hier und da waren hölzerne Behausungen zwischen den Bäumen zu sehen, und die Gruppe begegnete immer wieder einzelnen Waldbewohnern, von denen die meisten Pallando einen Gruß zuriefen oder ihn anderweitig begrüßten. Aus den Baumwipfeln hingen kunstvolle Ziersterne herab, die aus dünnen, miteinander verflochtenen Zweigen bestanden und die jeweils sieben Zacken besaßen. Und als es zu dämmern begann, erstrahlte vielerorts unter den Baumkronen das bläuliche Licht vieler Elbenlampen, die dafür sorgten, dass sich Córiel mehr und mehr fühlte, als wandelte sie durch eine Erinnerung Melvendës, die durch den Wald ihrer ersten Heimat streifte.
Sie kamen auf eine große Lichtung, an deren Rand mehrere gewaltige Eichen standen. Der Fluss war zu einem kleinen Bach geworden und verschwand auf der anderen Seite der Lichtung zwischen einigen großen Felsen. Elben streiften auf der freien Fläche umher und schienen nicht im Geringsten davon überrascht zu sein, dass Fremde das Herz ihres Waldes betreten hatten. Die Nachricht ihrer Ankunft musste ihnen bereits vorausgeeilt sein.
Pallando, flankiert von Tórdris und Faryon, schritt zügig über die Lichtung, auf die höchsten der Eichen zu. Dort wartete jemand auf ihn. Als Córiel und Jarbeorn nahe genug herangekommen waren, sahen sie, dass es sich dabei eindeutig um die Herrin der Quelle handeln musste. Sie war eine Elbin mit silbrigem, langem Haar, gehüllt in weite, tiefblaue Gewänder. In ihrem Haar lag ein silberner Reif und um ihren Hals eine schmale Zierkette.
Als die Gefährten vor ihr standen, erkannte Córiel sie. Und obwohl die Herrin ihnen keinen Namen nannte, wusste sie - wusste Melvendë, wie er lautete.
„Tarásanë?“
Silbern schimmernde Augen weiteten sich und spiegelten zu gleichen Teilen Schock, Überraschung und Ergriffenheit wider. Die Reaktion der Herrin der Quelle schien vollkommen untypisch für sie zu sein, denn sowohl Faryon als auch Tórdris starrten sie sprachlos an.
„Diesen Name habe ich... seit den Ältesten Tagen nicht mehr gehört,“ sagte die Herrin der Quelle, nach Fassung ringend.
Córiel wusste nicht recht, was sie sagen sollte. Ehe sie weiter reagieren konnte, kam eine Erinnerung ohne Vorwarnung über sie.

Vaicenya saß auf einem flachen Felsen und reinigte ihr Schwert, methodisch und mit grimmigem Gesichtsausdruck. Schwarz tropfte das Blut ihrer Feinde von der Klinge, als sie es mit den weichen Blättern der nahen Bäume abwischte. Rings um sie herum: eine Schneise der Verwüstung, geschlagen von den Schrecken aus dem Norden. Eine schwarze Wunde im Wilden Wald, deren Vertiefung gerade verhindert worden war.
Melvendës Klinge war in diesem Kampf sauber geblieben. Sie hatte sich auf ihren Bogen verlassen. Geschickt sprang sie von der erhöhten Position herab, von der sie Tod und Verderben auf die Eindringlinge hatte herab regnen lassen. Traurig stellte sie fest, dass es sich dabei um die Überreste einer zerstörten Elbenbehausung handelte. Sie standen in den Ruinen einer kleinen Elbensiedlung am Nordrand des Waldes. Nicht mehr als zwanzig Tatyar hatten hier gewohnt, um dem Licht der Sterne näher zu sein, die unter freiem Himmel außerhalb des Waldes besser zu sehen waren. Sie waren noch immer Elben, weshalb sie es vorzogen, unter dem schützenden Dach der Baumkronen zu leben, doch ebenso gerne verließen sie den Wald und richteten den Blick nach oben, auf das Geschenk der Sternenentzünderin, das von dort auf sie herab strahlte. Zumindest war das bis vor Kurzem noch so gewesen.
Jetzt war das Dorf ausgelöscht worden; seine Bewohner erschlagen oder verschleppt. Schweren Herzens streifte Melvendë durch die rauchenden Überreste des Dorfes, auf der Suche nach Hinweisen. Diese Tragödie war schon lange kein Einzelfall mehr. Und obwohl die Nordgrenze des Waldes inzwischen scharf bewacht wurde, gab es einfach zu viele Feinde, die aus den eisigen Gebieten jenseits des Waldes drangen.
Schon wurden unter den Tatyar Stimmen laut, die forderten, dieses Übel an der Wurzel zu packen und endgültig auszurotten. Sie wollten jeden verfügbaren Elben bewaffnen, nach Norden ziehen und den Ort zu finden, von dem die Angreifer stammten, und ihn zerstören oder versiegeln. Doch Melvendë wusste, dass die Gefahr zu groß war. Niemand kannte sich in den Landen im Norden aus, und niemand wusste, welche Schrecken dort lauerten. Melvendë war sich sicher, dass jeder, der nach Norden ginge, nicht mehr zurückkehren würde. Doch sie fürchtete, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis auch Vaicenya zu jenen gehören würde, die den Kampf zur Quelle des Bösen tragen wollten.
Ein Geräusch riss sie aus ihren düsteren Gedanken. Sie stand vor den Überresten eines hölzernen Gebäudes, in dem sich die Elben des Dorfes einst versammelt hatten. Nun war es ebenfalls eine rauchende Ruine. Doch einer der beiden Türflügel war beinahe unversehrt erhalten geblieben und lag auf dem verkohlten Waldboden - und bewegte sich. Rasch packte Melvendë das mit Schnitzereien verzierte Holzstück und zog es unter einiger Anstrengung beiseite. Eine schlanke Gestalt kam zum Vorschein. Dort, versteckt oder unfreiwillig begraben unter dem gestürzten Türflügel, hatte eine junge Elbin als einzige Überlebende den Untergang ihres Dorfes überstanden. Vorsichtig ging Melvendë neben ihr in die Knie und half der verschreckten jungen Frau auf. Sie hatte noch nicht vollständig das Alter erreicht, in dem die Tatyar als ausgewachsen galten, doch ihre Haare besaßen einen ungewöhnlichen, silbrigen Schimmer. In ihren weit aufgerissenen Augen stand noch immer der Schock, doch auch eine Spur von Erleichterung glaubte Melvendë zu entdecken.
„Du bist in Sicherheit,“ sagte sie vorsichtig. „Ich bin Melvendë von den Tatyar. Wie lautet dein Name?“
„T-Tarásanë,“ stieß sie kaum hörbar hervor. Und das war alles, was sie für eine lange Zeit sagte.
Vaicenya und Melvendë nahmen die junge Überlebende mit sich und sie lebte einige Jahre in dem Haus, das die beiden Elben sich teilten. Doch als die Tage dunkler wurden und Vaicenya immer verbitterter und kriegerischer wurde, zog sich Tarásanë mehr und mehr zurück. An dem Abend, an dem Melvendë zu dem Feldzug auszog, in dem sie ihr Ende finden würde, hatte Tarásanë ihr im Geheimen anvertraut, dass sie sich vor Vaicenya zu fürchten begonnen hatte. Melvendë hatte ihr versprochen, dass nach ihrer Rückkehr alles anders werden würde. Doch dazu war es nie gekommen... denn Melvendë kehrte niemals nach Cúivienen zurück.


Mehrere Minuten des Schweigens waren vergangen, als Córiels Erinnerung endlich verblasste. Und dennoch war es Pallando, der die Stille beendete.
„Solch ein Anblick bot sich mir bislang nur selten. Meine gute Freundin, dich sprachlos zu sehen ist etwas, das ich wohl nie vergessen werde.“
Die Herrin der Quelle hatte sich inzwischen gefasst, doch ihr Blick war hart geworden. „Was hat das zu bedeuten, Rómestamo? Soll das ein Scherz sein?“
„Mitnichten, meine Liebe,“ beschwichtigte der Zauberer. „Urteile nicht vorschnell! Das ist doch sonst auch nicht deine Art. Du siehst viel, und noch mehr kannst du deuten, dank der Gabe dieses Waldes. Und doch gibt es Dinge in dieser Welt, die dich überraschen können. Daran ist nichts Falsches.“
Tarásanës Miene wurde undeutbar. Sie hatte nichts mit der jungen Elbin gemeinsam, an die Melvendë sich erinnerte. Stattdessen strahlte sie Weisheit aus - und Vorsicht.
„Ich weiß, dass es schwer zu glauben ist,“ begann Córiel. „Aber ich erinnere mich an dich, Tarásanë. Ich...“ Es fiel ihr noch immer schwer, von den Dingen, die Melvendë getan und gesehen hatte, Besitz zu ergreifen, und sie als ihre eigenen Taten anzusehen. Daher stockte sie. Ein langer Moment verging, ehe Córiel weitersprach. „Du scheinst... jetzt einen anderen Namen zu verwenden.“ Das war alles, was ihr im Augenblick einfiel. Betreten schwieg sie.
„Man kennt mich als die Herrin der Quelle. Das hat genügt - für Jahrtausende.“
„Und es ist ein passender Titel,“ mischte sich Pallando wieder ein. „Kommt, es gibt vieles, worüber wir sprechen sollten. Jedoch nicht hier.“
„Nicht, ehe nicht die Sterne über der Quelle stehen,“ sagte Tarásanë fest. „Ja. Wir werden sprechen. Und alle Unstimmigkeiten beseitigen. Ihr werdet mir erklären, weshalb ihr hierher gekommen seid, und weshalb eine von euch Gesicht und Gestalt einer Heldin aus den Ersten Tagen trägt. Und ich werde wissen, welche Wahrheit hinter all dem, und hinter all den Zeichen, die ich in letzter Zeit gesehen habe steckt. So kommt! Es ist nicht weit von hier.“
Sie setzte sich in Bewegung, gefolgt von Faryon und Tórdris. Jarbeorn und Pallando eilten ihr nach, und schließlich lief auch Córiel los. Sie spürte, dass ein wichtiger Augenblick bevorstand und versuchte, mit aller Kraft, sich auf die Gegenwart zu konzentrieren, denn am Rande ihrer Wahrnehmung lauerten Erinnerungen Melvendës, die nur darauf warteten, sich in den Vordergrund zu drängen. Tarásanë wiederzusehen hatte vieles in ihrem Inneren losgetreten, und nur mit Mühe gelang es Córiel, im Hier und Jetzt zu bleiben, während sie am Ende der kleinen Gruppe ans andere Ende der Lichtung inmitten des Sternenwaldes hastete...

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Tod einer Heldin
« Antwort #1 am: 30. Apr 2018, 15:10 »
Ihr Weg führte sie zurück an die Ufer des kleinen Baches, der am Ende der Lichtung zwischen zwei großen Felsen hindurchfloss. Er war kaum einen Zentimeter tief. Die Herrin der Quelle, die barfuß war, ging anmutig durch das Wasser, und der Rest der Gruppe folgte ihr durch den steinernen Durchgang. Sie kamen in eine Art Halle, die durch dicht beieinander stehende Bäume und deren überlappende Kronen gebildet wurde. Nur in der Mitte war eine beinahe kreisrunde Öffnung zu sehen, durch die noch ganz schwach einige ferne Sonnenstrahlen drangen. Direkt unter der Öffnung endete der Bach, der hier nur noch ein winziges Rinnsal war, in einer ungefähr zwei Meter breiten Quelle. Córiel konnte nicht sagen, woher das Wasser kam, das sich am unteren Ende der Quelle sammelte und in den Bach hinunter tropfte. Die Oberfläche des Quellbeckens, das ein perfektes Oval bildete, war komplett regungslos.
Die Gruppe versammelte sich um das Becken herum. Die Herrin des Waldes - Tarásanë - gebot ihnen mit einem Fingerzeig an ihren Lippen zu schweigen. Die beiden jungen Elben, Faryon und Tórdris, hielten bei dem Felsentor stumm Wache.
Eine Viertelstunde verging, in der das Sonnenlicht schwand und einer nach dem anderen die Sterne über der Quelle erschienen. Schließlich breitete Tarásanë die Hände aus und sagte: „Es ist Zeit.“
Jarbeorn war der Erste, der sein Schweigen brach. „Was ist das für ein Ort, Herrin?“ fragte der Beorninger andächtig.
„Ein Ort der Wahrheit,“ erklärte die Herrin der Quelle. „Er wurde vor Anbeginn von den Dienern der Sternenentzünderin geschaffen.“
„Varda,“ wisperte Córiel.
„So ist es. Es scheint insgesamt sieben solcher Quellen zu geben, verstreut über ganz Mittelerde. Ich selbst habe nur diese eine jemals gesehen, und kenne den ungefähren Ort von vier weiteren. Die Quelle gewährt mir Einblick in Dinge, die in der Ferne liegen.“
„Wie Galadriels Spiegel?“ fragte Córiel interessiert nach.
„Der Spiegel selbst ist nur ein Werkzeug, das die Macht der Quelle, die unter den Wurzeln des Goldenen Waldes schlummert, bündelt und einfacher zu lenken macht“, erklärte Tarásanë. „Ich sehe, dass ihr bereits Erfahrungen mit solcherlei Dingen gemacht habt.“
Córiel und Jarbeorn tauschten einen raschen Blick aus, ohne jedoch eine Antwort auf die Feststellung der Herrin der Quelle zu geben.
Sie fuhr fort, zu sprechen. „Galadriels Spiegel, die Sternenquelle, das Becken der Weitsicht, das Heiligtum der Sieben Schwestern und der Feurige Wasserfall. Sie alle bedienen sich ein und derselben Kraft, die letzten Endes nicht von dem Wasser, sondern von den Sternen stammt. Zwei weitere solcher Orte gibt es, doch ich habe sie in all den Jahrtausenden nicht aufspüren können. Darüber hinaus gibt es eine Abstraktion im Gefüge der Sieben, eine Verderbtheit der ursprünglichen Macht der Quellen, geschaffen von jener, die sich von ihren Schwestern abwandte. Doch dies ist weder der Ort noch die Zeit, um davon zu sprechen. Zu viel Dunkelheit liegt in jener Geschichte. Ich habe euch hierher gebracht, um die Wahrheit in euren Worten zu prüfen, denn ich zweifle an dem, was mir meine Augen sagen. Romestamó, erkläre dich. Weshalb bringst du das Abbild jener in mein Heim, die mir einst unter großen Schmerzen genommen wurde?“
Pallando hatte eine ernste Miene aufgesetzt und stützte sich schwer auf seinen Stab. „Es war nicht meine Absicht, dir Kummer zu bereiten. Und doch nahm ich diese Bürde auf mich, denn ich brauche deine Hilfe, alte Freundin. Dies ist Córiel von den Noldor, wie du gewiß bereits von deinem Volk gehört hast. Doch das ist noch nicht alles.“
„Du nennst einen Namen, der mir unbekannt ist,“ erwiderte Tarásanë und ihre silbrigen Augen fixierten Córiel. „Was also ist die Lösung dieses Rätsels? Ist die Macht deiner Illusionen nun so überzeugend geworden, dass du selbst nicht mehr unterscheiden kannst, was real ist, und was nicht, Zauberer?“
„Mitnichten. Córiel ist real - genau so real, wie die Bedrohung, wegen derer wir hier sind. Das wird dir das Sternenlicht auf der Quelle bestätigen. Du fragst dich, weshalb sie dich an eine Erscheinung aus den Altvorderen Tagen erinnert? Die Antwort darauf ist einfacher, als man annehmen würde. Am besten sagt sie es dir selbst.“
Córiel wählte ihre Worte sorgfältig. Es war mehr als nur eine Erklärung, bestimmt für mehr als nur Tarásanës Ohren. Es war, in jenem Augenblick unter dem wachsamen Auge der Lichter Vardas, eine Annahme ihres Schicksals und eine Akzeptanz dessen, was ihr widerfahren war. Sie sprach einfache Worte mit tiefer, schwerwiegender Bedeutung. Córiel und Melvendë wurden in jener Stunde wieder eins.
„Ich bin Melvendë von den Tatyar, gefallen im Kampf gegen die Kreaturen von Melkor, die ausharrte in den Hallen des Mandos, bis es dem Schicksal gefiel, mich zurück auf diese Mittelerde zu senden, und ich somit als Córiel von den Noldor eine zweite Chance bekam.“
Tarásanës Blicke gingen voller Anspannung zwischen Córiel und der noch immer regungslosen Oberfläche der Quelle hin und her, als würde sie dort nach weiteren Antworten oder Reaktionen suchen. Doch als sich nichts tat, atmete die Herrin der Quelle einmal tief aus, und wieder ein. Dann sagte sie: „Du sprichst die Wahrheit, Melvendë... doch was ist dir in den Schatten widerfahren?“

~~~

Je weiter die Streitmacht der Quendi nach Norden vordrang, desto weniger Bäume sahen sie. Das Land jenseits des Wilden Waldes war karg und felsig. Ein  unangenehmer, kalter Wind brauste über die Einöde und trug unheilvolle Klänge an ihre Ohren. Jeglicher Friede, den sie in ihrer Heimat verspürt hatten, war nun durch eine angespannte Wachsamkeit ersetzt worden.
Melvendë ging dicht hinter Vaicenya an der Spitze des Trupps. Ungefähr fünftausend kampfbereite Eldar von den unterschiedlichsten Stämmen hatten sich dem großen Wagnis angeschlossen, dessen Urheber endlich Gehör bei den Ersten gefunden hatten. Es war an der Zeit, den Ursprung der stetig schlimmer werdenden Angriffe aus dem Norden zu finden, und ihn zu beseitigen. Dieser Meinung war jedenfalls Vaicenya, die in den letzten Jahren immer verbitterter und blutrünstiger geworden war. Es gab Tage, an denen Melvendë ihre langjährige Freundin kaum noch wiedererkannte.
Kurz vor dem Aufbruch nach Norden hatte Tarásanë ihr anvertraut, dass sie sich vor Vaicenya zu fürchten begonnen hatte. Melvendë hatte der jungen Elbin versprochen, dass nach ihrer Rückkehr alles anders werden würde. Wenn die Quelle des Bösen versiegt wäre, gäbe es keinen Grund mehr für Vaicenyas Zorn und Melvendë hoffte, dass die Kriegerin dann wieder zu der lebensfrohen Tatya werden würde, die sie zu Beginn ihrer Tage gewesen war.
Sie waren bereits viele Meilen nach Norden vorgedrungen, ohne auf die Schatten zu treffen. Eine wachsame Stille schien über der Einöde zu hängen. Melvendë war sich inzwischen sicher, dass ihr Feind den Vorstoß der Elben von Anfang an beobachtet hatte und sie mit voller Absicht so weit hatte kommen lassen. Ihr war bei dem Gedanken mulmig zumute. Rasch prüfte sie ihren Köcher, der voll gefüllt war. An ihrer Seite hing ein langes Schwert und in der linken Hand hielt sie einen hölzernen, mit Stahl beschlagenen Schild. Die Waffen gaben ihr ein gewisses Gefühl der Sicherheit, doch gänzlich beruhigen konnten sie sie nicht.
Zwei Tage später passierten sie die Schneegrenze. Ein breites, langsam aufsteigendes Tal öffnete sich vor ihnen, gekrönt von eisigen, scharfen Berggipfeln, die im Norden über der Einöde thronten. Und hier endlich ließ der Feind die Falle zuschnappen. Ein misstönender Ruf hallte unnatürlich laut durch das Tal, und der Boden unter den Füßen der Elben erzitterte. Sofort zogen die Quendi ihre Waffen, denn sie alle wussten, was das zu bedeuten hatte.
Es war eine der ersten großen Schlachten unter dem Himmel der jungen Welt. Noch brannte das Licht der Sterne hell und kraftvoll in den Augen der Erstgeborenen, und obwohl ihre Feinde von drei Seiten auf sie eindrangen, warfen sie den Angriff zurück. Vaicenya kämpfte wie eine Wahnsinnige, wie ein Wirbelwind aus Klingen, der kleinere Schattenkreaturen einfach zerstückelte und selbst größere Feinde schier mühelos zurückdrängte. Melvendë hielt ihr mit ihren Pfeilen den Rücken frei, bis ihr Köcher leer geschossen war. Dann nahm sie ihren Mut zusammen, und stürzte sich ins Getümmel. Der rechtschaffene Zorn, der alle Elben in diesen Tagen erfüllte, hatte auch Melvendë erfasst, und sie schrie ihren Hass gegen den Schatten heraus, während sie mit blitzender Klinge um sich hieb. Schwarzes Blut spritzte tausendfach in den frischen Schnee. Und Schritt für Schritt drängte die Macht der Elben den Schatten zurück.
Da brach in ihrem Rücken die Erde auf, und zu tausenden sprangen neue Feinde aus verborgenen Tunneln hervor. Die Quendi waren eingeschlossen. Mit neuer Entschlossenheit und mit frischen Kämpfern stürzten sich die Diener des Schattens auf die Elben, die sich in ihrem Hochmut bis an die Türschwelle des Herrn der Finsternis gewagt hatten. Jetzt entfesselte der Schatten seine ganze Schlagkraft. Riesenhafte Kreaturen donnerten das Tal hinab, deren Leiber in Flammen zu stehen schienen. Und von allen Seiten drangen die zahllos wirkenden Feinde auf die Elben ein.
Vaicenya und Melvendë, die an der östlichen Flanke standen, sahen mit Schrecken an, wie mehr und mehr Elben fielen. „Wir müssen durchbrechen!“ rief Vaicenya, die aus einem tiefen Schnitt an der Stirn blutete. Und ehe Melvendë sie aufhalten konnte, sprang Vaicenya vorwärts und begann, eine blutige Schneise nach Südosten hin zu schlagen. Ermutigt von diesem Anblick drängten weitere Elben in die Lücke und verbreiterten sie. Jedem war inzwischen klar, dass ihr Angriff auf den Schatten gescheitert war, und dass ein geordneter Rückzug jetzt ihre beste Gelegenheit darstellte. Schulter an Schulter bildeten sie einen Halbkreis, in dessen Schutz der Großteil des Heeres durch die Schneise entkommen konnte.
Melvendë und Vaicenya kämpften ohne Unterlass am Rand der Lücke, damit diese nicht wieder geschlossen werden konnte. Das von schwarzem Blut verschmierte Schwert schlug einem gedrungenen Feind die Waffe aus der Hand und durchtrennte den Arm der Kreatur, die vor Melvendë zu Boden ging. Ein Schmerzensschrei entfuhr Melvendës Gegner, der sie innehalten ließ, als sie zum tödlichen Schlag ausholte. Der Laut hatte beinahe... elbisch geklungen. Mit weit aufgerissenen Augen nahm sie die Kreatur zu ihren Füßen genauer ins Auge - und stellte entsetzt fest, dass es sich um das groteske Zerrbild eines Elben handelte, mit scharfen Zähnen und verunstaltetem Gesicht, doch die spitzen Ohren waren unverkennbar.
Ist dies... ist dies etwa das Schicksal jener, die von den Schatten verschleppt worden sind? dachte Melvendë fassungslos.
Heißer, glühender Schmerz schoss ihr ohne Vorwarnung durch den Rücken. Die Klinge fiel ihr aus der Hand, als eine blutige Speerspitze aus ihrer Brust hervorbrach. Wie in Trance versuchte Melvendë noch, danach zu greifen, dann ging sie in die Knie.
Vaicenyas verzweifelter Schrei drang wie von Ferne an ihr Ohr. Schwarzes Blut spritzte über ihr Gesicht, als ihre langjährige Gefährtin den Feind in Stücke riss, der Melvendë erwischt hatte. Dann fand sie sich mit dem Kopf auf Vaicenyas Schoß gebettet wieder. Alles kam ihr mehr und mehr wie ein Traum vor.
„Bleib bei mir,“ stieß Vaicenya zwischen den Tränen hervor, die ihr über das von Wut und Verzweiflung gezeichnete Gesicht liefen. „Geh nicht fort! Bleib bei mir, hörst du?“
Melvendë versuchte zu sprechen, doch stattdessen hustete sie. Blut lief aus ihrem Mundwinkel. Über sich sah sie die Sterne, die sich langsam rot verfärbten, während der Wahnsinn der Schlacht ringsumher in den Hintergrund zu treten schien. Es gab nur noch Vaicenya und sie.
„Geh nicht,“ weinte Vaicenya. „Ich weiß nicht, wie ich ohne dich weitermachen soll...“
Sie nahm alle Kraft zusammen, die noch in ihr war. „Tarásanë...“ wisperte sie. „Kümmere dich... um sie...“
In Vaicenyas Augen las sie weder Verstehen noch Akzeptanz. Dort brannte ein Feuer, das Melvendë Angst eingejagt hätte, wenn sie noch dazu imstande gewesen wäre, klare Gedanken zu fassen. Ihre Finger tasteten schwach nach Vaicenyas Hand und fanden die Handfläche, die sich sofort zu einer Faust ballte und um Melvendës Hand schlossen.
„Dafür werden sie bezahlen,“ presste Vaicenya zwischen den Zähnen hervor. Ihre Tränen versiegten. „Meine Rache wird die Zeitalter überdauern und niemals zur Ruhe kommen, das schwöre ich bei den blutigen Sternen an diesem verfluchten Tag.“
Melvendë wollte Einwände erheben, wollte Vaicenya von diesem unheilvollen Eid abhalten, wollte irgendetwas sagen, doch ihre Zunge rührte sich nicht. Ihre Augen fanden ein letztes Mal Vaicenyas Blick, dann glitten sie daran ab und richteten sich auf die Sterne. Heller und heller erstrahlte deren Licht, bis es Melvendë vollkommen umgab. Und dann war sie fort und erinnerte sich an nichts mehr.


~~~

„Es ist also tatsächlich wahr,“ sagte Tarásanë mit einigermaßen gefasster Stimme, doch Córiel konnte ihr anhören, dass sie die Erzählung erschüttert hatte.
„Ich hatte alle Erinnerungen an die Altvorderen Tage verloren,“ sagte Córiel. „Erst vor Kurzem habe ich mich wieder daran erinnert. Doch was geschah nach meinem.... nach meinem Tod in jener verhängnisvollen Schlacht?“
Tarásanë blickte einen Augenblick zur Quelle hinüber, ehe sie sprach. „Kurz nach dem Aufbruch des Heeres kehrte Romestamós Meister nach Cuívienen zurück und die Drei Völker traten ihre Wanderung nach Westen an. Derweil entfesselten die Herren des Westens ihren Zorn gegen den Schatten, und stürmten seine Machtsitz. Sie taten es um der Elben Willen, doch sie taten es zu spät. So viele von unserem Volk waren bereits dem Schatten anheim gefallen und waren unwiederbringlich verloren. So sah es Vaicenya, die an der Spitze der Überlebenden aus dem Norden zurückkehrte. Sie trug... nun, deinen Leichnam mit sich und bahrte ihn in ihrem Haus auf, um ihn wie einen Schatz zu hüten. Der Hass auf den Schatten brannte noch immer wie ein zerstörerisches Feuer in ihrem Herzen. Und nun, da der Schatten vergangen war, suchte sie sich ein neues Ziel für ihre Wut. Immer neue Schuldige für deinen Tod fand sie, und Streit und Missgunst erwuchsen aus ihren Taten. Ich hielt es nur wenige Monate aus. Schweren Herzens verliess ich meine Heimat, mit einer kleinen Gruppe von Gefährten, und folgte den Spuren der Noldor nach Westen. Und so kam ich schließlich hierher, wo ich eine der Dienerinnen Vardas an den Wassern dieser Quelle traf, an der wir nun stehen. Sie gab mir eine Aufgabe und einen Sinn. So wurde ich zur Herrin der Quelle, die ich all die Zeitalter die seither vergingen, treu gehütet habe.“
„Ich... verstehe,“ sagte Córiel langsam.
„Ein weiteres Rätsel, das sich auflöst,“ sagte Pallando zufrieden. „Nun, da das ja geklärt ist, sollten wir uns dem Grund unseres Kommen widmen.“
„In der Tat,“ stimmte Tarásanë zu. Zweifel und Überraschung fielen von ihr ab, und sie wirkte wieder wie die weise und weitsichtige Elbin, die sie seit Jahrtausenden gewesen war. „Also sagt mir: Weshalb seid ihr hier?“
Córiel sah keinen Sinn darin, lange drum herum zu reden. Sie kam direkt zum Punkt und sagte: „Vaicenya ist zurück. Wir brauchen deine Hilfe, um sie aufzuhalten.“
« Letzte Änderung: 3. Mai 2018, 11:37 von Fine »

Fine

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Die Tage des Wartens
« Antwort #2 am: 17. Mai 2018, 15:39 »
„Komm schon! Ist das alles, was du kannst?“
Córiel knurrte und presste die Lippen aufeinander. Sie umkreiste ihren Gegner langsam und lauernd, einen sorgfältig platzierten Schritt nach dem anderen machend. Ihre Muskeln waren angespannt und bereit für den Angriff. Sie wartete auf die richtige Gelegenheit und hielt ihre eigene Deckung aufrecht, indem sie die Arme leicht angewinkelt erhoben und die Hände zu Fäusten geballt hatte. Jeden Vorstoß gegen Kopf und Oberkörper würde sie so leicht abwehren können, sobald sie ihrem Gegner zugewendet war.
Das trockene Laub unter ihren nackten Füßen knisterte und ein kühler Wind zerzauste die blonden Haare der Hochelbin. Der Spätherbst war bereits im Schwinden begriffen, und der Winter würde nicht mehr viele Wochen auf sich warten lassen. Córiel studierte die Bewegungen ihres Gegners genau. Er war breit gebaut, mit muskulöser Brust und Oberarmen, und beinahe zwei Köpfe größer als sie. Und er blickte sie aus seinen tiefbraunen Augen an, ohne beiseite zu schauen.
Doch dann erregte etwas Anderes für einen Bruchteil einer Sekunde seine Aufmerksamkeit. Ein abgestorbener Ast fiel aus den Baumkronen über ihnen zu Boden und wirbelte das Laub auf, als er landete. Der Blick ihres Gegners huschte zur Quelle der unerwarteten Bewegung hinüber, nur für einen kurzen Augenblick. Das war alles, was Córiel benötigt hatte. Blitzschnell setzte sie sich in Bewegung und ihre Sprunggelenke katapultierten sie vorwärts. Drei schnelle, federnde Schritte brachten sie auf Nahkampfdistanz an ihren Gegner heran und mit einem beherzten Sprung stieg sie vor ihm in die Höhe, mit der rechten Hand zum Schlag ausholend.
Die Faust sauste vorwärts, direkt auf sein Gesicht zu. Als sie es beinahe erreicht hatte, stellte sich ihr allerdings ein Unterarm in den Weg, der hart wie Stahl zu sein schien. Córiels Schlag glitt daran ab und ihr Sprung trug sie an ihrem Gegner vorbei. Mit einer geschickten Rolle landete sie auf dem Waldboden hinter ihm und kam sofort wieder auf die Beine.
„Du bist schnell, aber es fehlt dir an Kraft,“ spottete er. „So wird das nicht funktionieren.“
Das war bereits der dritte Angriff, der fehlgeschlagen war. Córiel unterdrückte ihren Frust und nahm wieder ihre abwartende Haltung ein. Doch sie spürte mehr und mehr, wie sie die Geduld verlor. Sie wollte diesen Kampf jetzt beenden. Also stürmte sie erneut los. Mit einer Körpertäuschung nach links überwand sie die Deckung ihres Gegners und ging von rechts auf ihn los. Wieder schoss ihre Faust auf sein Gesicht zu, und wieder prallte sie an seinem erhobenen Unterarm ab. Diesmal jedoch war Córiels Faust nur zur Ablenkung da gewesen. Sie wirbelte um die eigene Achse und trat ihm mit aller Kraft gegen die Brust. Sie hatte ihre ganze Wut und ihren Frust in den Angriff gelegt und war sich sicher, diesmal endlich erfolgreich gewesen zu sein.
Stattdessen fühlte es sich an, als hätte sie gegen eine massive Felswand getreten. Der Rückstoß schleuderte die Hochelbin von ihrem Gegner weg. Benommen landete sie im weichen Laub. Ehe sie sich aufrappeln konnte, ragte er bereits über ihr auf.
Da stolperte er über eine Wurzel und stürzte vorwärts, direkt auf Córiel drauf, und begrub sie mit seinem breiten Körper unter sich.
Erschrocken stützte er sich mit den Armen wieder hoch und blickte verlegen zur Seite. „Tut mir Leid, Stikke,“ stieß er hervor.
„Runter von mir, du riesiges Trampeltier,“ verlangte sie von Jarbeorn, mit dem sie sich einen Übungskampf ohne Waffen geliefert hatte.
„Erst, wenn du deine Niederlage zugibst,“ erwiderte er, nun mit einem breiten Grinsen.
Sie blickte ihn verärgert an, doch dann musste sie ebenfalls lachen - für einen kurzen Augenblick. Seine Augen verweilten auf ihrem Gesicht, und obwohl er sein typisches breites Lächeln zeigte, erschien es ihr, als wäre da noch etwas anderes in seinem Blick aufgetaucht. Etwas, das zuvor nicht da gewesen war.
„Also gut, ich gebe mich geschlagen,“ sagte sie und drückte mit ihren Händen gegen seine Brust. Er war zu schwer, um ihn aus eigener Kraft wegzuschieben, doch der Beorninger nickte zufrieden und stand auf. Er bot der Hochelbin die Hand an und zog sie auf die Beine, als sie danach griff.
„Deine Angriffe waren zwar schnell und präzise, aber es lag kaum Kraft dahinter,“ sagte er, während sie sich auf den Rückweg zum Dorf der Elben des Sternenwaldes machten. „Du bist noch immer nicht wieder in Form, Stikke.“
„Wärst du nicht so ein gewaltiges Schwergewicht, hätte ich deutlich mehr ausrichten können,“ hielt sie dagegen.
Jarbeorn schüttelte den Kopf. „Ich habe ungerüstet gegen dich gekämpft. Ein Feind in voller Rüstung hätte ungefähr dasselbe Gewicht gehabt wie ich.“
„Wenn ich meine Waffen gehabt hätte, dann...“
Der Beorninger ließ sie nicht ausreden. „Darauf wirst du dich nicht verlassen können. Du musst auch ohne Waffen jederzeit in der Lage sein, dich zu verteidigen.“
„Erteile du mir keine Lektion, der du nur einen Bruchteil der Zeit in dieser Welt verbracht hast im Vergleich zu den Jahrtausenden, die ich gesehen habe.“ Córiel hatte die Arme vor der Brust verschränkt und blickte Jarbeorn herausfordernd an.
„Stikke... ich mache mir nun einmal Sorgen um dich. Seit dieser Sache in Lothlórien bist du nicht mehr die Selbe gewesen. Und gerade jetzt, wo wir auf Vaicenya warten, ist es so wichtig, dass du körperlich und geistig in Höchstform bist.“
Sie ließ die Arme sinken. Er hatte recht, doch ein Teil von ihr wollte ihm das nicht eingestehen. Córiel seufzte und beschloss, nichts zu sagen.
„Wir wissen nicht, wann und ob dieses Miststück uns hier aufspüren wird,“ sprach Jarbeorn weiter. „Aber wenn der Augenblick gekommen ist, müssen wir die Falle zuschnappen lassen, damit sie uns nicht wieder entkommt, und wir sie endgültig aufhalten können. Und du bist nun einmal das Herzstück des Plans, den Eldsten und die Herrin der Quelle ausgeheckt haben.“
„Ich bin es leid, wie eine Fliege im Netz darauf zu warten, bis die Spinne kommt, um mich zu fangen,“ redete sich Córiel sich ihren Frust von der Seele. Seit drei Tagen waren sie nun schon im Sternenwald. Drei Tagen des Abwartens und der Übungen mit Jarbeorn, die Córiels Laune nicht sonderlich zuträglich gewesen waren. Nach ihrem klärenden Gespräch mit Tarásanë hatte diese mit Pallando einen Plan geschmiedet, um Vaicenya gefangen zu nehmen. Dieser bestand darin, die Dunkelelbin zum Sternenwald zu locken, indem sie Córiel als Köder verwendeten. Doch bislang hatte es keine Anzeichen dafür gegeben, dass Vaicenya Wind von Córiels Aufenthaltshort bekommen hatte.

Tarásanë und Pallando waren in den Tagen seit ihrer Ankunft im Sternenwald kaum zu sehen gewesen. Sie verbrachten ihre Zeit mit langen Gesprächen und Spaziergängen, zu denen Córiel und Jarbeorn nicht eingeladen worden waren. So blieb ihnen nur wenig übrig, als sich selbst zu beschäftigten. Die Elben von Taur-en-Elenath waren höflich und freundlich ihnen gegenüber, aber gleichzeitig zurückhaltend und reserviert. Meistens sprachen sie nur wenige Sätze mit ihren Besuchern. Untereinander verwendeten die Waldbewohner einen Quenya-Dialekt, den selbst Córiel kaum verstand, auch wenn er der Sprache der Tatyar, die Melvendë einst gesprochen hatte, noch immer so sehr ähnelte, dass eine nahe Verwandtschaft zwischen den beiden Sprachen bestehen musste. Córiel schätze die Anzahl der Elben im Sternenwald auf wenige hunderte, von denen die meisten im Dorf in den Baumkronen nahe der Quelle ihrer Herrin lebten. Ein Teil der Waldbewohner durchkämmte den Wald an seinen Grenzen und hielt ständig ein wachsames Auge nach Eindringlingen offen, während sich der Rest um den Lebensunterhalt kümmerte. Es gab mehrere kleinere Lichtungen im Sternenwald, auf denen Feldfrüchte und Getreide angebaut wurde, und sowohl in dem kleinen Fluss, der den Wald durchströmte, sowie im nahen Carnen gab es reichlich Fisch. Außerdem lebten mehrere Herden von Wildtieren im Wald, die ebenfalls Nahrung lieferten. Dabei verhielten sich die Elben selbst beinahe wie ein Teil des Waldes, der nur so viel nahm, wie er zum Überleben benötigte, und den Wald mit Pflege und Schutz für seine Gaben bezahlte.

Am vierten Tag stieß Córiel in einer der Elbenhütten auf einen Menschen, was ihr sehr ungewöhnlich vorkam. Es war ein junger Mann, dessen Alter sie ungefähr auf Jarbeorns Alter schätzte. Er ging aufrecht, stützte sich dabei jedoch auf einen hölzernen Stab, der im Gegenzug zu Pallandos Gehhilfe kein Instrument der Zauberkunst war. Sie war nicht etwa auf ein weiteres Mitglied des Ordens der Istari gestoßen, sondern auf jemanden, der eine lebensbedrohliche Verletzung erlitten hatte und sich nur langsam davon erholte.
„Wir fanden ihn dem Tode nahe am gegenüberliegenden Ufer des Carnen,“ erklärte die Elbin Tórdris auf Córiels Nachfrage. „Neben ihm am Wasserrand lagen die Überreste eines kleinen Bootes, mit dem er wohl an jenen Ort gelangt war. Normalerweise hätten wir ihn niemals in unsere Heimat gebracht, doch... nun, jene, die ihn fand, hatte Mitleid mit ihm und trug ihn zu unserer Herrin. Einige sagen, dass sie mit dieser Tat einen Fehler beging, doch dies ist müßiges Reden. Sie weilt nicht mehr hier.“
„Sie ist gestorben?“ fragte Córiel?
„Gestorben? Nein, sie ging im Auftrag der Herrin fort, und ist noch nicht wieder zurückgekehrt.“
„Und er?“ Córiel deutete auf den Mensch, der im Hintergrund über die Lichtung stapfte.
Tórdris schüttelte den Kopf. „Ich weiß nichts über ihn. Er spricht nur sehr wenig.“
Córiel beschloss, der Sache auf den Grund zu gehen. Seit ihrer Ankunft im Sternenwald war nichts Aufregendes mehr geschehen und die Eintönigkeit der täglichen Übungen mit Jarbeorn machten ihr zu schaffen. Also lief sie dem Mann nach, bis sie ihn an den Ufern des Baches eingeholt hatte, der die Lichtung im Zentrum des Waldes durchfloss. An der großen Eiche gab es zwischen den riesigen Wurzeln des Baumes einen Eingang, der in eine Höhle führte. Und dorthin zog sich der Mensch nun zurück, und Córiel folgte ihm.
Es dauerte einen Augenblick, bis er sie bemerkt hatte. Dann richteten sich seine trüben Augen auf die Hochelbin, doch es kam ihr vor, als würden sie direkt durch sie hindurch blicken.
„Was wollt Ihr?“ murmelte er.
„Entschuldigt meine Aufdringlichkeit,“ sagte sie und kam sich in ihrer Neugierde sehr unhöflich vor. „Ich bin keine der Elben des Sternenwaldes, sondern stamme aus dem Westen. Mich bringt die Frage hierher, was einen Menschen an einen Ort wie diesen verschlagen hat.“
„Ich... erinnere mich nicht,“ erwiderte er leise. „Ist sie hier?“
„Wen meint Ihr?“
„Die, die mich aus dem Wasser zog. Daran erinnere ich mich noch gut. Blonde Haare, so wie Eure. Braune Augen, wie die eines jungen Rehs. Meine... meine Retterin.“
Córiel setzte sich vorsichtig neben ihn auf den weichen Erdboden, der überraschend warm war. „Man sagte mir, dass sie fortging, um einen Auftrag der Herrin auszuführen.“
„Die Herrin... Ich glaube, ich bat sie... ich bat sie, sich nach meiner Familie zu erkundigen. Entschuldigt... es ist alles ein wenig verschwommen. Manchmal habe ich alles klar und deutlich im Kopf, und manchmal... nichts.“
„Woran erinnert Ihr Euch?“
„Meine Heimat wurde angegriffen,“ erzählte er leise. „Da war ein... schwarzer Reiter auf schwarzem Ross, der dem Feindesheer voran ritt. Als die Stadt fiel... nein, als ihre Verteidiger einen närrischen Ausfall wagten, da sagte ich zu meinem Bruder... ich sagte zu ihm... er soll sich verstecken, bis ich ihn holen komme. Doch dann trieb uns die Schlacht auseinander und ich fand mich am Hafen wieder, wo... wo ein Boot lag. Und dort fand mich der Schwarze Reiter. Ich erinnere mich, ihm Widerstand geleistet zu haben, doch er überwältigte mich. Die Elben nennen es den Schwarzen Anhauch, wenn sie von meiner Krankheit sprechen. Jemand warf mich in das Boot und schnitt die Taue los, doch ich war schwer verwundet und verlor viel Blut. Der Strom nahm mich mit sich... zu ihr. Maranyá nennt die Herrin sie. Wird sie hierher zurückkehren?“
„Ich weiß es nicht,“ erwiderte Córiel, die der wirren Geschichte des Mannes nur schwer hatte folgen können. Sie fragte sich, ob er ihr nicht gerade einen Fiebertraum erzählt hatte. „Wie ist Euer Name?“ fragte sie.
„Ich bin Baldr,“ sagte er nach einem langen Moment des Schweigens. Und mehr wollte er nicht sagen, egal was sie auch versuchte. Also gab sie es schließlich auf und ließ Baldr in seiner Höhle ruhen.

Am nächsten Morgen erwachte Córiel in dem Baumhaus, das sie sich mit Jarbeorn hätte teilen sollen, doch der Beorninger hatte von Anfang an darauf bestanden, draußen zu schlafen. Córiel hatte nicht verstanden weshalb.
Sie stand auf und fand das Elbendorf in ungewöhnlichem Aufruhr. Mehr Elben als sonst liefen auf der großen Lichtung durcheinander, und schon bald fand Córiel den Grund für die Aufregung heraus. Neben der Sternenquelle war ein mächtiger Adler gelandet. Es handelte sich um einen alten Bekannten.
„Róvallír,“ sagte Córiel grüßend, als sie herangekommen war.
„Ich sehe, du befindest dich wieder in besserer Gesellschaft,“ erwiderte der Adler freundlich. „Ich fürchte jedoch, dass es nicht mehr lange so bleiben wird.“
Vom anderen Ende der Lichtung näherten sich Pallando und Tarásanë, die Herrin der Quelle. Sie wirkten nicht überrascht bei Róvallírs Anblick.
„Sei gegrüßt, gefiederter Gefährte und treuer Vasall des Windfürsten,“ sagte Pallando gut gelaunt. „Bringst du die erwarteten Nachrichten?“
„So ist es,“ antwortete der Adler. „Jene, in deren Schuld ich einst stand, ist auf dem Weg hierher und wird in wenigen Tagen eintreffen.“
„Ist sie alleine?“ fragte Tarásanë.
„Meine Augen haben keine Begleiter erspähen können.“
„Das sind gute Neuigkeiten,“ meinte Pallando. „Kommt, wir müssen alles für den Empfang vorbereiten.“
„Den Empfang?“ wiederholte Córiel verwundert.
„Sie kehrt nach Jahrtausenden endlich nach Hause zurück,“ sagte Tarásanë. „Und wir werden sie gebührend willkommen heißen.“
Córiel hatte das Gefühl, dass sie gar nichts mehr verstand. Sie fragte sich, was für einen seltsamen Plan Pallando mit der Herrin der Quelle da ausgeheckt hatte. Als sich alle Augen auf sie richteten, wurde ihr langsam klar, dass sie mehr als nur den Köder für Vaicenya spielen müssen würde...
« Letzte Änderung: 18. Mai 2018, 14:43 von Fine »