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Autor Thema: Cair Andros  (Gelesen 613 mal)

Eandril

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Cair Andros
« am: 20. Okt 2019, 13:08 »
Narissa, Aerien, Aragorn, Gimli und Aino aus Ithilien

Gemeinsam mit Aino hatten Aragorn und Narissa einen Plan ausgeheckt, der sie sicher und hoffentlich unbemerkt bei Cair Andros über den Anduin nach Anórien bringen sollte. Auf dem nicht besonders langen Fußmarsch durch kahle Wälder nach Südwesten, erinnerte Narissa sich daran, was Aino über Cair Andros zu berichten gehabt hatte.
"Es gibt drei Übergänge bei der Insel - einen im Norden, einen im Süden, und einen in der Mitte, wo die Straße mündet. In der Mitte wurde auf beiden Seiten der Insel eine Brücke errichtet, die beiden anderen Übergänge sind nur Furten. Die Brücke ist allerdings deutlich schwerer bewacht als die beiden Furten. Im Norden der Insel sind ein paar Ruinen zu einer Festung verstärkt worden, und im Süden steht ein alter Wachturm. In der Mitte liegt das Lager für das überzählige Fußvolk."
An dieser Stelle hatte Aragorn nachgefragt: "Was ist mit den Übergängen nach Westen? Sie sind vermutlich stärker bewacht als die im Osten, nicht wahr?"
Aino hatte genickt. "Von Osten können keine Feinde kommen, heißt es, also werden dort meistens weniger Wachen aufgestellt, und diese sind nicht besonders aufmerksam. Nach Westen sind sie deutlich aufmerksamer und misstrauischer."
Also hatten sie schließlich beschlossen, den Anduin über die mittlere Brücke zu überqueren, direkt unter der Nase des Feindes. Die Wachen im Osten würden laut Ainos Worten leicht zu täuschen sein, doch für die Wachen am Westufer würden sie sich Rüstungen nach der Art der Ostlinge stehlen müssen - deshalb hatte Aragorn sich für den mittleren Weg entschieden, denn in einem Feldlager würde diese Aufgabe einfacher sein als in der Festung, die Mordor im Norden der Insel errichtet hatte.

Die Sonne war inzwischen untergegangen, als sich die Gruppe dem Ostufer des Anduins näherte. Auf der langgestreckten Insel Cair Andros leuchteten überall kleine Lichtpunkte - Mordors Wächter schliefen nicht. Auf Aragorns Anweisung hin hatten sie alle ihre Gesichter unter Kapuzen verborgen, und Gimli hatte sich so weit aufgerichtet, wie es ihm überhaupt möglich war. Trotzdem würde seine Größe sicherlich auffallen - Narissa hoffte nur, dass Aino dafür eine gute Ausrede finden würde.
Am östlichen Ende der Brücke erwarteten sie zwei Männer im Licht einer auf einen Pfahl gesteckten Fackel. Einer der Männer stellte Aino in einer Sprache, die Narissa nicht verstand, eine unwirsche Frage. Aino straffte sich sichtlich, und antwortete ebenso barsch. Der Wächter deutete auf Gimli und fragte erneut etwas Unverständliches. Narissa hielt den Atem an, während Aino antwortete. Zu ihrer Erleichterung wurde der Wächter blass vor Zorn, und bedeutete ihnen mit einer unwilligen Geste, weiterzugehen.
Als sie ungefähr auf der Mitte der Brücke waren, fragte Narissa Aino leise: "Was hast du ihm gesagt?"
Selbst im Dunkeln war gut zu erkennen, dass der junge Ostling leicht errötete. "Ich habe ihm gesagt, dass er sich nicht um die Größe meiner Begleiter sorgen sollte, sondern um die Größe eines bestimmte eigenen Körperteils." Er zuckte mit den Schultern, während Narissa sich das Lachen verbeißen musste. "Primitiv, ich weiß, aber es hat ja funktioniert, nicht wahr?"
Im Lager schenkte niemand den Eindringlingen Beachtung, die meisten Soldaten schliefen ohnehin in ihren Zelten und nur wenige waren um diese Zeit noch unterwegs. Aino führte sie zu einem großen Zelt ziemlich genau in der Mitte des Lagers. "Das ist die Rüstkammer", erklärte er im Flüsterton. "Hier solltet ihr Rüstungen für eure Tarnung bekommen können." Narissa nickte knapp, und glitt lautlos durch den Spalt, wo normalerweise die Zeltplane zur Seite gezogen wurde um einen Eingang zu bilden, ins Innere. Innen war es beinahe vollständig finster, nur eine einzige Kerze flackerte auf einem Tisch der, seinem Aussehen zufolge, aus irgendeinem gondorischen Haus entwendet worden war. Neben dem Tisch lag auf einer Strohmatratze ein fetter Mann und schnarchte lautstark. Ohne Zögern zog Narissa einen Dolch, ging neben ihm in die Hocke und stieß ihm die Klinge in die Kehle. Der Mann riss erschrocken die Augen auf, gab einen gurgelnden Laut von sich und fasste sich an den verwundeten Hals, doch es war zu spät. Wenig später war er tot.
Narissa wandte sich zu Aino, der mit den anderen hinter ihr ins Zelt getreten war, um und zischte: "Du hast uns nicht gesagt, dass hier jemand sein würde."
Aino, der beim Anblick der Leiche blass geworden war, erwiderte: "Ich weiß auch nicht alles. Wenn sie ihn finden, bevor ihr den Fluss überquert habt..."
"Dann sollten wir schnell machen", unterbrach Gimli, der bereits die im hinteren Teil des Zeltes aufgestapelten Rüstungen zu durchsuchen begann. "Wollen doch mal sehen, ob sie irgendwas in meiner Größe haben."

Nur wenig später hatten sich alle mehr oder weniger glaubhaft mit Ostlingsrüstungen eingekleidet. Gimli sah, natürlich, am wenigsten überzeugend aus. Obwohl er die kleinste Rüstung gewählt hatte, die er auf die Schnelle hatte finden können, reichte ihm der Brustpanzer bis an die Oberschenkel, und er hatte Schwierigkeiten, zu gehen. Zumindest für das kurze Stück über den Rest der Insel und die Brücke würde es reichen, hoffte Narissa. Aerien, die ihr Leben lang Rüstung getragen hatte, wirkte mit Brustpanzer und Helm der Ostlinge so, als hätte sie nie etwas anderes getragen, und Aragorn ebenso. Narissa fühlte sich in ihrer Rüstung äußerst unwohl. Der Brustpanzer war ihr ein wenig zu groß und rutschte, und außerdem war er schwer und unbeweglich. Sie fragte sich, wie irgendjemand in so etwas kämpfen konnte, und wie Aerien und Aragorn es schafften, sich damit so flüssig zu bewegen. Der Helm drückte und schränkte ihr Gesichtsfeld mehr ein, als ihr lieb war. Doch zum Glück würde sie dieses Zeug ja nicht lange tragen müssen.
Als alle fertig ausgerüstet waren, sagte Aragorn: "Ich fürchte, wir sehen weniger wie Ostlinge aus als wie wir selbst, als Ostlinge verkleidet. Doch in diesem Fall ist die Dunkelheit ausnahmsweise unser Freund. Lasst uns gehen."

Bis zur Brücke ging alles glatt, dann begannen die Schwierigkeiten. Hier standen die Wachen bereits am Insel-Ende der Brücke, und es waren nicht zwei, sondern sechs, mit mehreren Fackeln. Aino ging zielstrebig auf die Brücke zu, als wollte er die Wachen einfach ignorieren, doch einer der Männer vertrat ihm den Weg und sagte lautstark: "Halt! Wo wollt ihr denn hin?" Er gab Aino keine wirkliche Zeit zum Antworten, sondern deutete ein wenig fort von der Brücke am Ufer entlang und fuhr fort: "Ihr kommt mit mir. Ich werde das überprüfen."
Narissa legte die Hand auf den Dolchgriff, doch Aragorn legte ihr eine Hand auf die Schulter, als wollte er ihr bedeuten, zu warten.  Also wartete sie.
Ein Stück von der Brücke entfernt wandte der Wächter sich um, und schüttelte den Kopf. "Was soll das hier werden?" Dieses Mal sprach er deutlich leiser, nicht so übertrieben laut wie an der Brücke. "Ihr mögt euch in unsere Rüstungen gekleidet haben, doch ich komme aus Dorwinion, und ich erkenne einen Zwerg, wenn ich ihn sehe."
Dieses Mal fuhr Narissas Dolch sofort aus der Scheide, doch der Wächter wich einen Schritt zurück und hob seine freie Hand. Die Fackel flackerte im Wind, und drohte zu erlöschen, doch er kümmerte sich nicht darum. "Nur die Ruhe. Mit Gewalt werdet ihr sicher nicht weiterkommen, selbst wenn ihr mich tötet."
Aino trat zwischen Aragorn und Aerien hindurch nach vorne: "Also... also was soll das werden?", fragte er stockend. Der Wächter zog eine Augenbraue in die Höhe. "Nanu, wenn das nicht mein junger Freund, der überaus beliebte Aino, Sohn des Rauno, ist. Hast du etwas genug von der so freundlichen Gesellschaft auf dieser Insel?" Er lächelte, doch seine Stimme troff geradezu vor Sarkasmus. "Mein Name ist Alfvin", stellte er sich vor. "Du kennst mich nicht, Aino, doch ich glaube, es gibt auf der ganzen Insel niemanden, der dich nicht kennt - und deinen Vater." Als die Sprache auf seinen Vater kam, ließ Aino ein wenig den Kopf hängen. "Ich habe mir nicht ausgesucht, sein Sohn zu sein."
"Nun, beliebter macht dich das trotzdem nicht, fürchte ich", erwiderte Alfvin. Er betrachtete die Gruppe einen Augenblick, und wirkte, als hätte er eine Entscheidung getroffen. "Ich werde nicht fragen, wer sich unter diesen Rüstungen versteckt, warum sie sich nach Westen schleichen wollen, und warum ein Zwerg darunter ist. Um genau zu sein, werde ich mich vermutlich in ein paar Augenblicken nicht mehr daran erinnern können, euch überhaupt gesehen zu haben."
"Was ist mit den anderen Wächtern an der Brücke?", ergriff Aragorn das Wort. "Werden sie uns auch vergessen?" Alfvin lächelte ein wenig hinterhältig. "Nun, wenn der Kommandant Bescheid wüsste... würde er sich sicherlich ärgern, ausgerechnet sechs Mann aus Dorwinion an der westlichen Brücke zu Wache eingeteilt zu haben. Aber er weiß ja nicht Bescheid." Er zwinkerte, und bedeutete ihnen dann, ihm zurück zur Brücke zu folgen. Dort sagte er, wieder in übertriebener Lautstärke: "Ich habe sie überprüft, es ist alles in Ordnung. Passieren lassen!"
Narissa hätte sich gerne von Aino verabschiedet und sich bei ihm bedankt, doch dazu war keine Zeit. Stattdessen marschierten sie schnell, aber absichtlich nicht mit auffälliger Hast, über die Brücke nach Westen.

Das Land am Westufer des Anduin war relativ flach, mit von Hecken durchzogenen, brachliegenden Feldern. Am Flussufer entlang verlief von Nord nach Süd eine von Unkraut überwucherte Straße, die Aragorn, der die Führung übernommen hatte, allerdings sofort wieder verließ. Stattdessen führte er sie quer über die Felder durch die Dunkelheit direkt in westlicher Richtung, bis er in der Deckung einer dichten Hecke, die den Blick nach Osten versperrte, anhielt.
"Wir sollten diese Rüstungen loswerden, dann kommen wir schneller voran", stellte er fest, und ließ den Blick über die Gruppe schweifen. "Ah, Aino. Du hast also beschlossen, mit uns zu kommen?" Er klang nicht einmal überrascht - Narissas Überraschung war dafür umso größer als sie feststellte, dass ihre Gruppe tatsächlich auf fünf Mitglieder gewachsen war. Sie gab diesem furchtbar unpraktischen Helm und ihrem eingeschränkten Gesichtsfeld die Schuld, dass ihr Aino nicht früher aufgefallen war. Mit einem Ruck zog sie sich den Helm vom Kopf, schüttelte ihr Haar und ließ den Helm achtlos zu Boden fallen.
"Ich konnte nicht länger dort bleiben", erklärte Aino gerade. "Schon am Erebor habe ich festgestellt, dass ich eigentlich auf der falschen Seite stehe." Er senkte den Kopf, als er weiter erzählte: "In der Schlacht hatte mich ein Mädchen gefangen genommen. Ich... ich hatte sie gebeten, mit mitzunehmen, als ihr Heer sich zurück zog, doch sie meinte, sie würden mich töten. Also bin ich geblieben, und danach... gab es irgendwie keine Gelegenheit mehr. Bis jetzt. Ihr... ihr werdet mich doch nicht töten, oder?", schloss er ein wenig ängstlich.
"Töten?", brummte Gimli empört. "Warum sollten wir dich töten? Du stehst auf unserer Seite und hast uns geholfen, über diesen Fluss zu kommen. Welchen Grund hätten wir also dazu? Außerdem... wüsste ich gerne alles, was du mir über diese Schlacht am Erebor erzählen kannst."
"Mich würde auch einiges interessieren, was der junge Aino zu berichten hat", warf Aragorn ein. "Doch jetzt ist weder Zeit noch Ort dafür. Aino, wir stehen in deiner Schuld für das, was du getan hast, und du bist willkommen, uns zu begleiten bis wir in Sicherheit sind." Er blickte zu Aerien, die grau im Gesicht war und der ihre Wunde sichtlich Schmerzen bereitete. "Wirst du weitergehen können?"
Aerien zwang ein zuversichtliches Lächeln auf ihr Gesicht, und Narissa schob instinktiv ihre Finger durch Aeriens. "Es wird schon gehen", erwiderte Aerien. "Zumindest ein Stück weit."
"Gut", stellte Aragorn fest, und deutete in eine Richtung, die nach Narissas Vermutung ungefähr Südwesten sein musste. "Wir haben noch ein paar Meilen vor uns, bevor wir in dieser Richtung einen Wald erreichen - ich hoffe jedenfalls, dass er noch existiert. Ich würde gerne vor Sonnenaufgang in den Schutz der Bäume gelangen."

Narissa, Aerien, Aragorn, Gimli und Aino in den Drúadan-Wald
« Letzte Änderung: 31. Okt 2019, 10:10 von Fine »

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