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Autor Thema: Gondor  (Gelesen 2454 mal)

>Darkness<

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Umgebung von Cair-Andros
« Antwort #45 am: 28. Apr 2021, 15:00 »
Umgebung von Cair-Andros

Allana-Avalante Elenya in der Umgebung von Cair-Andros…


Allana-Avalante wusste ganz genau, dass ihr Onkel Elrohir sie ganz sicher nicht freiwillig nach Gondor ließ. Er wusste sie lieber in Sicherheit in ihrer Siedlung in den übrigen Wäldern von Lorien. Bei all den anderen Elben. Sie konnte seine Worte -die er von ihrem verstorbenen Großvater übernahm- in ihrem Kopf hören: Es ist viel zu gefährlich für einen Elben in den Reichen der Menschen, machte sie in ihren Gedanken beide Männer nach.
Sie selbst aber hatte die Orks bei einer ihrer heimlichen Expeditionen in das Graue Gebirge gesehen. Sie sah das Lager am Ost-Tor der Minen von Moria aufgeschlagen hatten. Wer sonst war am besten dafür geeignet als sie selbst?
Außerdem war ihr bewusst, dass sie die Halbschwester der Königin war. Thurion der Schreckliche war auch ihr Vater. Die junge Elbin wuchs stets in dem Wissen auf einen dunklen Maiar als Vater zu haben. Dennoch warnten ihr Großvater und die anderen Elben sie immer wieder die damit verbundenen Kräfte einzusetzen. Zwar konnte Allana-Avalante diese inzwischen kontrollieren, aber ihr war bewusst, dass es zu viel Leid führen konnte, wenn man diese Macht falsch einsetzte.
Viele Jahre brannte sie schon darauf endlich ihre Halbschwester Kiana Vaneryen kennenzulernen und war überzeugt davon, dass Kiana dies auch tat wenn sie von Allana-Avalante erfuhr. Ihr Großvater und ihr Onkel Elrohir lehnten das allerdings stets ab und warnten sie zu weit in den Süden oder Westen zu reisen. Die Menschen hatten viele Jahre keine Elben gesehen und somit wuchs der Argwohn. Dennoch war sie schon einmal zusammen mit Elrohir in einer Stadt der Menschen. In gewisser Weise war sie fasziniert von diesen Geschöpfen: Viele wirkten minderwertig, als hätten sie sich ihrem Schicksal ein armseliges Sterbliche Leben zu leben gewöhnt. Andere dagegen benahmen sich fast wie Götter. Egoistisch und stetig auf das eigene Wohl aus. Sicher gab es auch unter den Elben einige, die ein solches Verhalten an den Tag legten.
Allana-Avalante hörte trotzdem auf die Warnungen ihres Großvaters. Wann auch immer sie in die Städte der Menschen kam, oder auch nur auf welche um den Wald von Lorien traf, hielt sie ihre Spitzen Elbenohren bedeckt. Meist trug sie dann die Kapuze des Umgangs oder bedeckte sie mit ihren Haaren.

Gerade ritt sie auf ihrem dunkelbraunen Warmblüter an der kleinen Insel vorbei, die sich mitten auf den Anduin befand. Wenn sie sich recht entsinnte, wurde sie samt der Befestigung Cair-Andros genannt.
Wie gerne wollte sie einfach dorthin reiten und sich dort umsehen. Dafür blieb allerdings keine Zeit und die Gefahr war zu hoch entdeckt zu werden ohne vorher mit Kiana Vaneryen gesprochen zu haben. Sie würde ganz sicher als Königin von Mittelerde und Halbschwester einer Allana-Avalantes den anderen Elben Schutz gewähren. Davon war sie selbst überzeugt.
Die junge Elbin entschied sich ihre Route zu wechseln und anstatt weiter den Anduin entlang zu reiten, der Hauptstraße nach Minas-Tirith zu folgen. Zwar wurde sie davor gewarnt die Straße zu benutzen, da es wahrscheinlicher war auf viele Menscheb zu treffen, aber es war der schnellste Weg in die Hauptstadt von Mittelerde. Ihr kamen so oder so selbst außerhalb der Straßen viele bewaffnete Gruppen entgegen. Sie wusste allerdings nicht warum. Immer versuchte sie einen  Bogen um diese Gruppen zu machen, was ihr auch größtenteils gelang.
Wieder kamen ihr einige Menschen entgegen. Es waren Soldaten. Vielleicht fünfzehn an der Zahl. Allana-Avalante war verwundert, denn sie trugen nicht das Banner der Königin wie sie es schon einmal gesehen hatte, als sie in den Städten der Menschen war: ein erhabener roter Drache auf schwarzem Grund. Diese Soldaten führten aber ein anders Banner. Es war ebenfalls schwarz, auf dem aber ein weißer Baum war. Avalante kannte dieses Wappen. Es war das alte Wappen Gondors, das schon Jahrzehnte nicht mehr im Gebrauch war.
Die Soldaten marschierten ihr entgegen. Vorsichtshalber zog die junge Elbin ihre Kapuze ihres dunklen Mantels über ihren Kop, in der Hoffnung, die Männer liefen einfach an ihr vorbei.

Als die Soldaten an ihr vorbei liefen, ritt sie unauffällig mit gesenktem Kopf an ihnen vorbei. Ihr war ganz mulmig dabei, denn eine gewisse Furcht bereitete sich in ihr aus. Auch wenn sie es niemals zugeben würde.
"Hey!", hörte wie plötzlich eine männliche Stimme rufen. Allana-Avalante versuchte diese Stimme einfach zu ignorieren und ritt vorsichtig weiter.
"Ich spreche mit euch!", rief der Mann wieder. Als die junge Elbin ihren Kopf in die Richrung erhob, bemerkte sie einen Reiter, der nehmen ihr her ritt. Er hatte halblanges zerzaustes Haar, das schwarz gefärbt war. Eine lange Narbe zog sich quer durch sein Gesicht und ein stoppeliger Bart wuchs aus den Poren. Er trug eine silberne Rüstung, die von einen schwarzen Wappenrock bedeckt wurde, die ebenfalls den weißen Baum zeigte.
"Ich habe es eilig, also entschuldigt mich…", versuchte sie ihn nur abzuwimmeln.
"Im Namen des Rates des Königreiches von Gondor befehle ich euch stehen zu bleiben!", sagte er mit einem strengen Ton. "Anderfalls…", dabei zog der Mann sein Schwert.
Im Namen des Königreiches von Gondor? Das gab es doch schon seit langem nicht mehr. Was war nur passiert?
Auch wenn Allana-Avalante wusste, dass sie nicht die beste Kämpferin war, huschte ihre Hand zügig zum Griff ihres Schwertes. Um eine Eskalation zu vermeiden brachte sie ihr Pferd zum stehen.
Erwartungsvoll blickte sie den Mann mit ihren Olivegrünen Augen an. Der Soldat hob sein Schwert und hielt es ihr an das Gesicht. "Abnehmen!", befahl er nur und deutete dabei auf ihre Kapuze. Zögerlich schob sie diese nach hinten und fühlte danach ob die Haare auch anständig die Ohren bedeckten.
"Was macht ein so schönes Mädchen wie ihr denn hier alleine? Die Sonne hat den höchstens stand schon erreicht und der Tag neigt sich allmählich dem Ende… Seid ihr auf der Flucht?", fragte der Mann neugierig. Seine blauen Augen funkelten die Elbin an. Sie war innerlich nur von seiner Art und seinem Aussehen angewidert. Noch nie hatte sie so einen hässlichen Mann gesehen.
"Das dürfte euch nicht interessieren…", antwortete sie nur kurz und starrte in die Richtung, in der die Hauptstadt lag. Die junge Elbin hoffte einfach nur, dass er sie in Ruhe weiterziehen ließ.
"Und ob das mich etwas angeht! Antwortet oder ich muss euch verhaften…", mahnte er sie nur. Allana-Avalante verzog ihr Gesicht denn sie wusste nicht was er von ihr wollte.
Ein typischer Mensch, dachte sie sich,Einfach ein Widerling!
"Ich bin auf der Reise nach Minas-Tirith um… Um meine Schwester zu besuchen!", sagte sie nur.
"Ich verstehe… Wer ist eure Schwester?".
"Hört zu…", fing Allana-Avalante an, "...Ich weiß nicht wer oder was ihr seid, aber ich bin die Tochter von Thurion dem Schrecklichen…".
Ihr war bewusst, dass viele Menschen daran nichts gutes sahen. Ihr Großvater erzählte ihr von den schlimmen Taten des gestürzten Maiars. Dennoch fand sie daran nichts verwerflich. Immerhin war er ihr Vater. Ein Anführer. Ein König!
Der Soldat und seine Kumpanen um ihn herum machten laut auf. "Das ist ein guter Scherz!".
"Ich meine es ernst! Ich bin die Schwester der Königin… von Kiana Vaneryen… Und wenn ihr keinen Ärger wollt, dann lasst ihr mich besser in Ruhe und verschwindet!", platzte es aus ihr heraus.
Die Soldaten hörten nicht auf zu lachen, was Allana-Avalante sehr verärgerte. Euch wird das Lachen noch vergehen, dachte sie dich, während sie schon an die Begegnung mit ihrer Halbschwester Kiana dachte.
"Auch wenn diese amüsante Geschichte wahr wäre, ändert es nichts daran dass die Drachenschlampe tot ist!", sagte er.
"Das kann nicht sein…",sagte die Elbin leise, aber noch hörbar.
"Ihr scheint mir echt verrückt zu sein, obwohl ihr so schön seid… Ich müsste euch verhaften, wenn ihr wirklich eine Anhängerin der Drachenkönigin wärt… Aber sei's drumm… Ihr werdet in Minas-Tirith eure Antworten bekommen!".
Gerade wollte der Mann sich von ihr abwenden, da blies ein Wind an ihnen vorbei und ließ Allana-Avalantes Haar aufwirbeln. Der widerliche Mann starrte sie daraufhin ungläubig an. Die junge Elbin war verwundert und richtete ihr braunes langes Haar. Dabei fiel ihr auf, dass dieses ihre Elbenohren -die zusätzlich noch an den Spitzen von silberne Kappen an denen kleine Kettchen herunter hingen bedeckt waren- nicht mehr verdeckten. Sie hatte ganz vergessen, dass sie ihren Ohrschmuck noch trug.
Verdammter Wind!
"Eine… Eine Elbin!", rief der Mann nur und zeigte auf sie, sodass alle auf sie blickten. Wieder zog er sein Schwert heraus. Allana-Avalante wollte ihr Pferd zum Galopp anspornen, da griff der Mann an die Zügel und hielt das Pferd so auf der Stelle. Die anderen Soldaten kamen dazu und rissen sie vom Rücken des Warmblüters.
Nachdem sie auf den Boden aufschlug, versuchte sie sich zur Seite zu rollen um zu entkommen. Vergebens. Einer der Soldaten setzte sich auf sie, sodass sie sich kaum bewegen konnte.
"Ungeheur wie euch hat man schon lange nicht mehr gesehen!", sagte der Mann der auf ihr saß und versuchte ihre Hände zu fesseln, "Ich hab gehört, wenn man eure Ohren als Schmuck um den Hals trägt, verdoppelt sich das Glück und das könnte ich nach meine Spielschulden gut gebrauchen!".
"Das ist kein gutes Zeichen! Solche Kreaturen bringen Unglück! Wir sollten sie direkt töten!", rief ein weiterer.
"Du kannst die Ohren danach haben… Sie soll noch hübsch aussehen, wenn ich sie…", sagte ein weiterer Soldat, konnte den Satz aber nicht zu Ende sprechen, da er schreiend zu Boden fiel.
Die Männer schienen sich von ihr abzuwenden und auf einen Kampf vorzubereiten. Sie lehnte ihren Oberkörper nach oben und sah, dass einige Male mit Pfeilen auf die Gruppe der Sodaten geschossen worden. Dann tauchten zwei Männer auf, die die übrigen Soldaten bekämpften und schließlich töteten.
Allana-Avalante versuchte währenddessen die Seile um ihre Handgelenke zu lösen und wurde hektischer, als die Unbekannten Männer auf sie zu kamen.
"Nein… Nein… Nein!", winselte sie nur panisch.
Einer von ihnen hielt das Schwert in ihre Richtung. Sie ahnte schon, dass ihr Leben nun vorbei war und schloss ihre Augen, damit sie das nicht sehen musste.

Zu ihrer Verwunderung musste sie feststellen, dass der Mann nur ihre Fesseln durch schnitt und sein Schwert in die Scheide steckte.
"Das sind gefährliche Zeiten… Du solltest deine Ohren lieber nicht offen zeigen...", sagte der Mann mit dem dunkleren etwas welligen Halblangen Haar. Er hatte zwei braune Augen, die fast schon schwarz wirkten. Der Mann musste -in Menschenjahren gesehen- schon etwa in den Dreißigern sein. Sein Begleiter hatte ebenfalls dunkles Haar. Es war aber eher Braun und er besaß ein grünes Augenpaar.
Die junge Elbin antwortete nicht, sondern musterte die Männer mit ihren olvegrünen Augen.
Bist du ein Kluger Mann, darauf wäre ich nie gekommen, dachte sie nur auf seine Aussage.
"Ich bin übrigens Thirak!", sprach er weiter und hielt ihr seine Hand entgegen. Allana-Avalante zögerte einen Moment, ließ sich aber schließlich von ihm aufhelfen.
"Du bist echt eine Elbin!", sagte der Begleiter von diesem Thirak aufgeregt und betrachtete sie genau.
"Ja? Und?", entgegnete sie nur streitlustig.
"Meine Schwester… Octavia… Sie hat die Geschichten über dein Volk geliebt… Ich glaube sie wäre mehr als erstaunt!", sagte er.
"Komm Kael, lass sie doch erst einmal zur Ruhe kommen…", sagte Thirak nur lachend. Allana-Avalante seufzte nur.
"Was machst du denn hier alleine draußen?", wollte Thirak wissen.
"Am Nebelgebirge sind einige Orks unterwegs und ich will die Königin warnen….", fing sie zögernd an.
"Verstehe… Dann sind die Gerüchte hier in Gondor wahr. Du wirst die Königin in Minas-Tirith leider nicht antreffen…".
Die junge Elbin wurde hellhörig und wartete auf sein fortfahren.
"...Sie ist… tot… Kael und ich haben es mit eigenen Augen gesehen, wie sie mit ihrem Drachen abgestürzt ist… Es tut mir leid…".
Der Mann holte etwas hervor, das in Stoff gewickelt war. Als er es befreite, erkannte die Elbin eine Krone. Sie war schwarz und hatte vorne drei Zacken. Sie erkannte die Krone aus all den alten Büchern in der Elbensiedlung in Lorien.
Allana-Avalante  senkte betroffen ihren Kopf, als Thirak die Krone wieder einpackte. So lange hatte sie darauf gewartet ihre Schwester kennen zu lernen. Nun sollte sie einfach tot sein? Sie war doch die Königin. Eine Maiar!
Wieso sollte sie jemand in ihrem eigenen Reich abschießen?
"Gondor ist wohl nun wieder ein unabhängiges Reich… Vielleicht hast du Glück und du kannst dem Rat vorsprechen…", sagte der Mann der wohl Kael hieß.
Vorsichtig nickte sie nur mit ihrem Kopf. Wieder stieß sie einen Seufzer hervor, wenn sie am ihre vermeintlich toten Halbschwester dachte.
Das kann nicht wahr sein!
Aber was blieb ihr übrig? Sie musste ja trotzdem nach Minas-Tirith und vor der drohenden Gefahr warnen. Sie musste Hilfe erbitten.
"Du wirkst mir doch sehr getroffen, dass die Königin tot ist.", stellte dieser Thirak fest. "Dabei sind so viele Menschen froh sie los zus sein… Stimmt das, was du zu den Soldaten gesagt hast?'.
"Ja… Die Menschen schätzen die Besonderheiten in Mittelerde auch nicht… Sie sind nur auf sich selbst bedacht… Sie hassen uns Elben, obwohl wir Edles Blut in uns tragen… Und Kiana… Sie war eine Maiar… Etwas was ein Mensch überhaupt nicht begreifen kann!", beschwerte sie sich.
"Und ob wir das können!", sagte Kael lachend, das aber fast schon verzweifelt klang. Die junge Elbin fühlte sich nur davon angegriffen. Was meinte er damit? Machte er sich über sie lustig?
Sie warf ihm nur einen giftigen Blick zu.
"Was soll das heißen?", hakte sie dann doch nach.
Bevor er antworten konnte, wurde Kael von Thirak gestoppt: "Es tut mir leid aber wir müssen weiter… Pass auf dich auf!".
Unzufrieden blickte sie den beiden Männer nach, die sich von den toten Soldaten zwei Pferde nahmen.
"Hey!", rief sie ihnen noch nach. Doch weder dieser mysteriöse Thirak noch sein Begleiter Kael reagierten darauf. Wer waren die beiden? Sie tauchten aus dem Nichts aus und halfen ihr.
Sie fühlte sich unbefriedigt und stehen gelassen. Ein tiefer Seufzer bestätigte ihr inneres Gefühl
Pff… Menschen…, sagte sie nur zu sich selbst.
Die junge Elbin stieg selbst wieder auf ihr Pferd. Sie hatte noch einen Auftrag zu erledigen und nach Minas-Tirith gelangen, bevor es zu spät war. Wenn die Orks sich sammelten, konnte das nichts gutes bedeuten!


Allana-Avalante nach Minas-Tirith…
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Re: Gondor
« Antwort #46 am: 8. Mai 2021, 12:52 »
Gondor (Minas Tirith)



Es verging ein relativ ruhiger Tag, an dem Sanya nicht viel zu tun hatte, außer Präsenz zu zeigen. Sie gab die von ihr gewünschten Befehle an die Garnison in Cair Andros weiter und überwachte die Vorbereitungen des Feldzugs in Richtung Rohan mit. Aber vor allem behielt sie den Silbernen Schwan im Auge, so gut es ging. Ihn schien das nicht zu stören, Sanya hatte sogar das Gefühl, dass er ihre Anwesenheit zu genießen schien.

Am Abend, nach Sonnenuntergang, traf Sanya mit Mithrendan in der untersten Ebene der Stadt zusammen. Der Kundschafter war den Tag über verschwunden gewesen, hatte sich auf seine eigene Art und Weise umgehört und ein Bild der Lage in der Stadt gemacht.
„Was denkst du?“ fragte Sanya ihren alten Freund, als sie gerade durch eine kleine Nebengasse gingen.
„Ist ´ne seltsame Stimmung in der Stadt. Viele, die von der Herrschaft der Königin profitiert haben, sehen sich nun im Nachteil. Ein Großteil davon hat Minas Tirith verlassen.“
„Deswegen ist es hier so leer,“ bemerkte Sanya mit einem Blick in beide Richtungen, als sie die Gasse verließen und wieder auf eine größere Straße kamen.
„Es werden jeden Tag mehr, die zurück aufs Land ziehen,“ erklärte Mithrendan. „Ganze Häuserblocks stehen teilweise oder sogar vollständig leer, vor allem hier in den unteren Ebenen.“
„Hmm,“ brummte Sanya nachdenklich. Sie wusste noch immer nicht, was sie von all dem halten sollten. Sie vermisste Kiana, auch wenn sie das sich natürlich nicht anmerken lassen durfte.
„Das Seltsamste sind die Gerüchte aus dem Gebirge,“ fuhr Mithrendan fort und bog in die Straße ein, die zum nördlichen Stadttor führte. Hier waren einige große Karren unterwegs, die vollgepackt in Richtung Anórien unterwegs waren - vermutlich gehörten sie weiteren Stadtbewohnern, die Minas Tirith den Rücken kehrten. „Orks sollen dort aufgetaucht sein, kannst du dir das vorstellen? Dabei hielt man diese Kreaturen doch für längst ausgerottet.“
„Vielleicht haben sie in irgendwelchen dunklen Höhlen unter den Bergen überlebt,“ mutmaßte Sanya.
„Aber weshalb würden sie sich dann gerade jetzt wieder zeigen?“
„Sehe ich aus als wüsste ich, wie Orks denken?“ fragte Sanya und hob sofort die Hand, ehe Mithrendan die Dreistigkeit aufbringen konnte, zu nicken. „Denk nicht mal dran. Ich glaube, wir dürfen diese Gerüchte nicht auf die leichte Schulter nehmen. Wir müssen sie ernst nehmen, und-„
Sie waren beinahe am Stadttor angekommen, als Geschrei und Chaos Sanya das Wort abschnitten. Draußen, vor dem offen stehenden Tor, waren Flammen ausgebrochen. Waffengeklirr war zu hören, sowie ein wildes, beinahe unmenschliches Gebrüll.
„Was ist dort vorne los?“ wollte Sanya von einem vorbeilaufenden Menschen wissen, der ganz offensichtlich vor dem Chaos auf der Flucht war.
„Es sind Monster, Orks aus den Bergen greifen uns an!“
Sofort zogen Sanya und Mithrendan ihre Waffen und liefen los, auf das Tor zu. Beide konnten nicht recht glauben, dass das hier gerade wirklich geschah, aber als sie näher kamen, war es nicht mehr abzustreiten: Eine wilde Horde Orks griff an und hatte die Torwächter beinahe überrumpelt. Sie hatten einige der Karren umgeworfen und vor dem Tor in Brand gesetzt, waren durch das Tor gestürmt und auf die Mauern geklettert. Überall wurde gekämpft, und die ersten Toten waren zu sehen.
Sanya kniff die Augen zusammen, als sie die verzerrten Fratzen der Orks sah, die schartige Krummsäbel und schiefe Speere schwangen und in mit allerlei Stacheln versehene Rüstungen trugen. Der erste Feind kam mit einem wilden Johlen auf Sanya zugerannt, ein Pfeil Mithrendans zwischen die Augen des Orks ließ die Kreatur jedoch schon auf halbem Wege stürzen. Doch der Ork war nicht allein gewesen; es mochten weit über einhundert Orks sein, die sich rings um das Tor eine ausgewachsene Schlacht mit den Stadtwächtern lieferten.
Mit Schwert und Schild bewaffnet stürzte Sanya sich ins Getümmel. Beide Gegenstände setzte sie präzise und mit Geschick ein, um sich zu verteidigen, aber auch um anzugreifen, denn der Schild war schwer und besaß eine scharfe, eiserne Kante am unteren Rand. Das Element der Überraschung, das den Orks zu Anfang geholfen hatte, war mittlerweile verloren gegangen, und es trafen mehr und mehr Gardisten von den übrigen Stadtteilen her ein. Bald schon gewannen die Gondorer die Oberhand.
Dennoch kämpften die Orks verbissen und es war noch ein harter, langwieriger Kampf, bis die letzten der wilden Kreaturen erschlagen worden waren. Sanya hatte eine Schnittwunde an der Wange und presste ein Taschentuch darauf, um die Blutung zu stoppen. Sie war außer Atem, aber der Kampf hatte ihr auf seltsame Art und Weise gut getan. Er hatte geholfen, sie dazu zu bringen, für einen Augenblick ihre vielen belastenden Gedanken zu vergessen, und nun war ihr Kopf wieder etwas freier.
„Die Orks sind also mehr als nur ein Gerücht,“ sagte sie zu Mithrendan, der unverletzt geblieben worden war. „Und sie sind tollkühn genug, um selbst eine solche Festung wie Minas Tirith anzugreifen...“

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Minas-Tirith (Gondor)
« Antwort #47 am: 9. Mai 2021, 11:19 »
Minas-Tirith

Allana-Avalante in Minas-Tirith…


Den ganzen Weg über dachte sie noch über die zwei Männer nach, die sie gerettet hatten. Das ließ sie sogar für einen Moment das eigentliche Vorhaben ,vor den Orks zu warnen, und selbst den vermeintlichen Tod ihrer Halbschwester vergessen. Sie fragte sich, warum sie ausgerechnet ihr halfen. Immerhin waren es zwei Menschen. Jene Wesen, die alles andere als begeistert von den Elben waren. Ihr Großvater und ihr Onkel hätten wohl kaum umsonst immer wieder warnende Worte über die Menschen verloren, wenn da nicht etwas dran wäre.
Die Gruppe der Soldaten bestätigten diese Gedankengänge weitestgehend.
Beide Männer wirkten äußerst geheimnisvoll und als wären sie in Zeitnot. Allana-Avalante dachte an die Krone, die der Mann Namens Thirak in seinen Händen hielt. Sie seufzte stark.
Hätte sie die Krone an sich nehmen sollen? Die junge Elbin wusste doch nicht, wer sie in den Händen hielt. Vielleicht gehörten dieser Thirak und sein Begleiter Kael ebenfalls zu den Personen, die Kiana vom Himmel geschossen hatten. Wozu sollten sie sonst die Krone in ihren Besitz nehmen? Vielleicht gingen sie mit der Krone aber nur nach Minas-Tirith, um sie den zukünftigen Herrscher des Reiches von Mittelerde zu überreichen. Aber dafür gingen sie in die falsche Richtung und sie erinnerte sich an die Spaltung des Reiches.
Aber was hätte sie tun sollen? Sie wollte ja mehr durch die beiden Männer erfahren, aber sie war zu überrumpelt mit all den neuen Informationen und den Angriff der Soldaten auf sie selbst gewesen. Und die Krone zwei ihr gegenüber überlegenen. Männer abzunehmen zu versuchen wäre wohl fahrlässig und dumm gewesen.

Als die Hauptstadt endlich am Horizont zu sehen war, war die junge Elbin erleichtert. Es war ein weiter Weg von Lorien bis nach Minas-Tirith. Trotz der letzten Ereignisse behielt sie doch wieder ihr Ziel vor Augen. Ihr Volk, vielleicht die letzten Elben von Mittelerde, musste gerettet werden. Die Menschen mussten von der Bedrohung durch die Orks erfahren. Es handelte sich dabei nicht nur um einzelne Gruppen von erwachten Orks aus der dunklen Tiefe des Nebelgebirges. Die abscheulichen Kreaturen sammelten sich. Sie wusste allerdings noch nicht wofür. Sie musste es herausfinden. Doch vorher galt es die Hilfe der Menschen zu erbitten. Eine Idee wie das funktionieren soll, hatte die junge Elbin bisher nicht. Der Großteil der Menschen war ja Elben gegenüber feindselig eingestellt. Warum auch immer. Die Elben haben unter der Führung von Elrond und Thranduil an der Seite der Menschen gegen Melkor gekämpft, als dieser versuchte Mittelerde in die Dunkelheit zu stürzen. Es waren jene Elben, die ihr Leben für die Menschen gelassen haben. Und was war der Dank dafür? Die letzten überlebenden Elben von Mittelerde wurden wie Abschaum behandelt.
Dabei sind wir das Volk mit dem edlen Blut und nicht die Menschen, dachte sich Allana-Avalante noch. Aber was sollte sie auch erwarten? Die Gruppe der Soldaten aus Minas-Tirith hatte ihr ja deutlich klar gemacht, dass selbst Kiana verachtet wurde. Und sie war zusätzlich noch eine halbe Maiar. Wieder drückte sie einen seufzer tief aus ihrer Brust hervor und senkte ihren Kopf leicht betrübt.
Was für eine Verschwendung! Dabei war sie auch noch meine Halbschwester!
Auf dem Rücken ihres Pferdes ritt sie der Hauptstadt von Mittelerde weiter entgegen. Von der Ferne wirkte sie noch größer und mächtiger als aus all den Erzählungen ihres Großvaters. Die riesige Weiße Festung war von einen weiteren Mauerring umgeben, der eine ganze Stadt beherbergte. Wie sehr wollte sie diesen Moment mit ihm zusammen teilen. Das ist unglaublich, dachte sie sich fasziniert. Noch nie zuvor hatte sie eine so große Stadt erblicken dürfen. Die junge Elbin hoffte darauf, dass sie hinter den Stadtmauern genauso schön wirkte, wie von der sicheren Entfernung. Wenn dann noch die Erzählungen über die beeindruckenden Gärten und Bäder der Stadt stimmten, wusste sie direkt, was sie als erstes -gleich nachdem sie mit dem Königsrat gesprochen hatte-  machen würde.
Sie trieb ihr Pferd an, um schneller zu der Stadt zu gelangen. Genug Zeit ging schon verloren und ihr Onkel wartete schon sicher auf ihre Rückkehr.

Umso näher sie der Stadt kam, desto eher fielen ihr Rauchschwaden direkt am Tor auf. Was hatte dies zu bedeuten? Gab es etwa einen Brand in der Stadt?
Mit einem unsicheren Gefühl im Bauch ritt sie vorsichtig, aber trotzdem schnell, zu den Toren.
Einzelne Menschen kamen ihr panisch entgegen geeilt, die nur versuchten das Weite zu erreichen. Allana-Avalante sprach die Männer und Frauen immer wieder an. In ihrem Fluchtgedanken bemerkten sie die junge Elbin aber scheinbar nicht.
“Was ist passiert?”, fragte sie wieder einen älteren Mann, der dann zu ihr aufsah.
“Am Tor… Da waren… Kreaturen… Orks!”, antwortete er nur außer Atem.
Orks? Hier in Gondor? Konnte das wirklich sein?
Wenn sie nun nicht mehr nur am Nebelgebirge ihr Unwesen treiben, sondern auch in Gondor, dann war es ganz klar eine größere Bedrohung als bisher angenommen. Vor allem schienen es mehr zu sein, als gedacht. Ihr Onkel Elrohir dachte immer, dass es vielleicht ein Dutzend war, die sich im Nebelgebirge angeschlossen hatten. Wenn aber auch Gondor angegriffen wurde, mussten es viele sein.
Am Tor angekommen zog sie sich schnell wieder ihre Kapuze über den Kopf und verdeckte ihr Gesicht, um es vor dem Rauch der brennenden Karren dort zu schützen. Überall lagen tote Körper von erschlagenen Menschen herum. Allana-Avalante entschied sich lieber von ihrem Pferd zu steigen, um zu Fuß ihren Weg durch die Stadt zu suchen. Sie konnte ja nicht einfach durch das Getümmel reiten. Das erregte nur die Aufmerksamkeit derer, die mit den Aufräumarbeiten beschäftigt waren.
Auch in der Stadt sah es nicht besser aus: Auf den Straßen verteilt lagen auch dort viele Kröper herum. Entweder waren diese Menschen tot, oder sie waren verletzt. Einige Wachen der Stadt gingen herum und sahen sie sich nach den verletzten um.
Die junge Elbin erblickte auch die toten Orks, die auf Karren gehoben worden waren, um sie aus der Stadt zu schaffen. Mit einem angewiderten Gesicht betrachtete sie die Kreaturen eine Weile. Es waren wirklich Orks. Ihre Waffen und Rüstungen ähnelten denen aus dem Nebelgebirge.
“Das ist sicher kein Anblick für eine junge Frau!”, rief ihr ein Soldat zu, der gerade die Waffen der Kreaturen einsammelte und auf einen der Wagen warf. Allana-Avalante war so überrascht davon, dass sie schon zusammen zuckte.
“Hey, keine Sorge. Ich wollte euch nicht erschrecken! Der Überfall ist vorbei…”, sagte er noch. Die junge Elbin wusste nicht recht was sie darauf antworten sollte. Immerhin hatte sie schon schlimmeres gesehen. Sie nickte dem jungen Mann nur zu.
“Das müssten Orks sein… Sie wurden viele Jahre in Mittelerde nicht mehr gesehen… Abscheuliche Wesen!”, sagte der Soldat weiter. “Naja, jetzt haben wir sie alle getötet…”.
So wie ihr es am liebsten mit den Elben machen würdet?, dachte sie sich nur, sprach die Worte aber nicht aus. Sie wollte ja keine unnötige Aufmerksamkeit oder Ärger verursachen.
“Weiß man schon mehr?”, fragte sie einfach mal neugierig nach.
“Nein… Wenn bin ich wahrscheinlich dafür sowieso der falsche, den man so etwas fragen könnte… Ich bin nur ein einfacher Wachmann…”.
“Dann muss ich in den Palast… Ich muss mit dem Herren der Stadt reden!”, sagte sie schnell und wollte schon voreilig in Richtung der Weißen Festung laufen, als sie dann von den Worten des Wachmannes gestoppt wurde.
“Ich denke, dass dies aktuell unmöglich ist…”.
“Warum? Er muss von der Gefahr erfahren… Der Überfall in Minas-Tirith war nicht der einzige!”, versuchte sie ihn zu überzeugen.
“Die Stadt wurde abgeriegelt und niemand, der nicht zur Armee oder den Königlichen Rat gehört, darf die Weiße Festung betreten!”, entgegnete er nur.
Allana-Avalante ärgerte sich innerlich. Da war sie endlich in der Stadt und dann konnte sie trotzdem nicht ihre Aufgabe erledigen.
Das kann nicht wahr sein, sagte sie sich selbst.
“Gibt es denn jemanden anders, an dem ich mich wenden kann?”, fragte sie weiter nach. Die verzweiflung war schon deutlich aus ihrer Stimme herauszuhören. Der junge Wachmann sah sich nachdenklich um. “Hmm…”, machte er dabei nur.
Dann zeigte er mit seinem Finger in eine Richtung. “Da! Die Kommandantin!”. Als die junge Elbin der Richtung mit ihren Augen folgte, sah sie dort zwei Personen stehen. Eine Frau mit sandblondem Haar in einer Rüstung, die von einem weißen Umhang verdeckt war und einem Mann mit dunkelbraunem Haar, der ebenfalls eine Rüstung trug.
“Gut, danke…”, wimmelte sie den Wachmann nur ab und ging vorsichtig in die Richtung der anderen beiden. Sie betrachtete vor allem die Frau von oben bis unten. Ihr war es neu, dass eine Frau bei den Menschen eine Rüstung trug. Das war eher unüblich.
Das musste also eine Frau sein, die sich durchsetzen konnte. Vielleicht genau die Richtige, um ihr mit ihrem Problem zu helfen. Die Elbin war dennoch skeptisch, ob sie ihr wirklich helfen konnte, aber was blieb ihr anderes übrig.
Sie wollte gerade die Frau in Rüstung ansprechen, als sie hinter ihr stand, da lief ein Soldat ziemlich schnell an ihr vorbei und rempelte sie dabei an, sodass ihre Kapuze halb von ihrem Kopf rutschte. Wahrscheinlich vom Geräusch des Aufpralls überrascht, drehte sich die Kommandantin und der Mann neben ihr zu Allana-Avalante um. Die Elbin versuchte nur ihre Ohren so gut und unauffällig sie nur konnte zu verdecken.
“Ich...Grüße… Euch…”, fing sie vorsichtig stotternd an. “...Vielleicht könnt ihr mir helfen…”.

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Minas Tirith
« Antwort #48 am: 11. Mai 2021, 12:31 »
Minas Tirith (Gondor)



Sanya war noch immer erschüttert davon, dass Minas Tirith von einer Horde Orks angegriffen worden war - die Weiße Stadt war das Herzstück Gondors sowie des gesamten Reiches von Mittelerde, und auch wenn bereits starke Streitkräfte nach Rohan ausgerückt waren, war sie dennoch sehr gut bewacht. Doch einen Angriff aus dem Gebirge, an das Minas Tirith grenzte, hatte niemand erwartet. Die Aufmerksamkeit aller Soldaten hatte sich stets nach Osten gewandt, nach Mordor, wo die Ostlinge und die restlichen Königstreuen sich verschanzt hatten. So musste es den Orks gelungen sein, unbemerkt bis zum ersten bewachten Posten vorzudringen, dem nördlichen Stadttor des äußersten Rings.
"Ich... grüße Euch," sagte eine fremde Stimme neben Sanya, die sich gerade umgedreht hatte, als sie ein Geräusch hinter sich gehört hatte. Eine junge Frau stand dort, in einfache Reisekleidung gehüllt. Sie hatte langes, braunes Haar, das ihr über Ohren und Schultern fiel, und trug einen langen Umhang mit Kapuze, die ihr halb vom Kopf gerutscht war.  "Vielleicht könnt... Ihr mir helfen...?" fragte die Fremde zaghaft.
"Wer bist du, Kleine?" fragte Mithrendan mit einem sanften Lächeln.
"Allana-Avalante," kam prompt die Antwort. "Ich... ich muss zu den Herrschern dieser Stadt, ich..."
"Langsam, langsam," sagte Sanya. "Wer bist du denn überhaupt?"
Sie sah, wie die junge Frau schluckte. "Ich, ähm, ich weiß dass diese Orks, die... euch angegriffen haben kein Einzelfall sind... überall in Mittelerde versammeln sie sich und wollen die Reiche der Menschen zerstören!"
Sanya schaute sich um. Die ersten Soldaten und Passanten sahen bereits zu ihnen hinüber. Ob sie die Worte der seltsamen Frau gehört hatten? Eine Massenpanik war das Letzte, was Sanya jetzt gebrauchen konnte. Sie schaute Allana-Avalante ernst an und räusperte sich. "Die Straße ist nicht der richtige Ort, um über solche Nachrichten zu sprechen," erklärte sie ihr. "Komm mit, dann kannst du mir im Detail erzählen, was los ist."
Ohne eine Antwort abzuwarten marschierte Sanya los, während sie Mithrendan noch sagen hörte: "Keine Angst. Sie beißt nicht, zumindest meistens nicht..."

Gefolgt von Mithrendan und der geheimnisvollen jungen Frau, die sich im Gehen ihre Kapuze wieder sorgfältig aufgesetzt hatte, kam Sanya problemlos durch die Straßen Minas Tiriths bis zu ihrer privaten Unterkunft, relativ weit oben in der Stadt. Als Kommandantin stand ihr eine solche Unterkunft zu, allerdings verbrachte sie bis auf die Nächte im Normalfall kaum Zeit dort.
"So," sagte Sanya, als sie die kleine Eingangshalle durchschritten hatten. "Setz dich, dann können wir reden. Die Kapuze kannst du hier drinnen ruhig abnehmen." Sie deutete auf eine kleine Sitzecke, in der ein Tisch und vier Stühle standen. Mithrendan hatte bereits Platz genommen und die Beine lässig hochgelegt.
Etwas zögerlich nahm die junge Frau die Kapuze ab und strich ihre Haare sorgfältig entlang der Ohren glatt, sodass diese nicht zu sehen waren. "Also..." sie unterbrach sich, dann setzte sie sich und atmete sichtlich durch. "Orks greifen in ganz Mittelerde an. Vor allem im Nebelgebirge sind sie in großen Massen aufgetaucht, aber dass sie sich auch hier zeigen würden... das hätte ich nicht gedacht."
"Tja," sagte Mithrendan. "Wir haben hier eben auch Berge."
Sanya warf ihm einen irritierten Blick zu - die Situation war zu ernst, um Witze darüber zu machen. "Und woher hast du diese Informationen?" Sie blickte Allana-Avalante an und ihr fiel auf, dass sie auf ihren Gast vielleicht etwas zu einschüchternd gewirkt hatte. Rasch versuchte sie zu lächeln und einen weniger bedrohlichen Eindruck zu machen. "Ich bin übrigens... Sanya. Ich werde Allana zu dir sagen, in Ordnung?" sprach sie die junge Frau dann etwas vertraulicher an.
"Ich habe die Orks mit eigenen Augen dabei beobachtet, sie sind sowohl im Nebelgebirge als auch im Grauen Gebirge aktiv... nun also auch hier in Gondor. Eigentlich... wollte ich mit der Königin sprechen, weil..."
"Das könnte kompliziert werden," sagte Mithrendan trocken.
"Die Königin ist verschwunden und wird für tot gehalten," sagte Sanya mit rauer Stimme.
"Ich weiß, ich habe es schon gehört, aber dann muss ich eben diejenigen warnen, die nun das Sagen haben... ihr dürft diese Orks nicht unterschätzen! Sie sind eine größere Bedrohung als ihr denkt."
"Das haben wir heute wohl alle nur allzu gut sehen können," erwiderte Sanya und spielte auf den Angriff auf das Tor an. "Ich verspreche dir, ich werde das nicht auf die leichte Schulter nehmen. Im Land herrscht ohnehin noch Chaos... das dürfen sich diese Orks nicht zu nutze machen. Die Streitmacht, die nach Rohan aufgebrochen ist, muss gestoppt und zum Schutz unserer Grenzen eingesetzt werden."
Mithrendan nickte. "Das hätte ich ohnehin von Anfang an vorgeschlagen."
"Dann wirst du mein Anliegen vorbringen?" wollte Allana-Avalante wissen. "Es ist nur so, ich... es gibt da noch etwas."
"Heraus damit," sagte Sanya, die sich bemühte, freundlich und sanft zu klingen, was ihr aber nicht ganz gelang.
"Es geht mir nicht nur um die Orks, die Gondor bedrohen," fuhr die junge Frau fort. "Sie bedrohen auch mein Volk. Ich ersuche euch um ein Bündnis."
"Dein Volk?" wiederholte Mithrendan nachdenklich. "Woher kommst du denn?"
"Aus dem Norden, aus... Rhovanion, wir... leben in der Nähe des Nebelgebirges," antwortete Allana etwas stockend. "Die Orks sind dort sehr zahlreich."
"Es wird schwierig werden, die Herren Gondors davon zu überzeugen, Menschen aus einem Reich zu helfen, das sich jenseits unserer Grenzen befindet," sagte Sanya sachte. "Gondor ist nun wieder ein eigenständiges Königreich... Wer in Rhovanion regiert, weiß ich nicht."
"Es geht mir nicht um ganz Rhovanion, nur... um mein Volk. Wir leben abgeschieden, in den Wäldern... doch den Orks sind wir nicht gewachsen."
"Ihr lebt im Wald?" fragte Mithrendan und schaute die junge Frau prüfend an. "Also ein Stamm von Waldmenschen?"
"So... könnte man es nennen," sagte Allana eindeutig verlegen.
"Ich verstehe nicht ganz. Lebt ihr nun im Wald, oder nicht?"  hakte Sanya nach.
"Doch, das tun wir. Nur..."
"Nur sind dein Volk und du keine Menschen, nicht wahr?" stellte Mithrendan leise und lächelnd fest. "Deine Ohren verraten dich, kleine Elbin."
Sanya sah, wie Allana erschrocken die Hände auf die Ohren legte und bleich wurde. Doch ganz verdecken konnte sie sie nicht. Zwei eindeutig spitz zulaufende Lauscher ragten um eine Winzigkeit zwischen den braunen Haarsträhnen hervor.
"Eine ... Elbin?" staunte Sanya und versuchte, nicht allzu offensichtlich zu starren. "Aber... wie ist das möglich?"

>Darkness<

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Minas-Tirith (Gondor)
« Antwort #49 am: 14. Mai 2021, 20:28 »
Minas-Tirith

Allana-Avalante im Haus von Sanya Terelos…

Die junge Elbin war mehr als überrascht, als sie die selbstsicheren Worte des Begleiters von dieser Kommandantin Namens Sanya hörte. Für einen kurzen Moment blieb ihr die Luft weg. Ihr war natürlich klar, dass sie die Tarnung nicht für immer aufrecht halten konnte. Aber dass sie doch so früh aufflog, änderte die ganze Situation. Schon wieder.
Auch wenn die Kommandantin recht überrumpelt über die Nachricht wirkte, was sie am Starren bemerkte, bekam Allana-Avalante ein mulmiges Gefühl.
"J-ja…", stotterte sie zögerlich hervor. "....Einige, die nicht mit Thranduil in den Norden gezogen waren, um gegen Melkor zu kämpfen, sind in den Wäldern von Lorien geblieben…".
Sie rechnete schon mit einer Gefangennahme oder zumindest ähnlichen Reaktion, wie von den Soldaten in der Nähe von Cair-Andros. Doch nichts dergleichen geschah. Eher im Gegenteil. Die Frau Namens Sanya schien ihre Verwunderung abgelegt zu haben und wirkte eher nachdenklich.
Allana-Avalante überlegte einen Moment, ob sie der Kommandantin der Armee die volle Wahrheit anvertrauen sollte. Sie wirkte selbst vom Tod Kianas betroffen zu sein. Obwohl die Kommandantin auf die junge Elbin bedrohlich wirkte, kam ihr das alles doch sehr vertraut vor. Allana-Avalante seufzte in sich hinein.
Was soll's, dachte sie sich. Immerhin war es ja schon schlimm genug, dass ihre Tarnung aufgeflogen und diese Sanya und ihr Begleiter wusste dass sie eine Elbin war. Es bestand dafür ein Fünkchen Hoffnung, dass ihre Verwandtschaft zu Kiana sie vielleicht doch noch rette.
"Und außerdem…", fing Allana-Avalante zögerlich an, "...Bin ich die Schwester… Halbschwester von Kiana Vaneryen… Wir haben den gleichen Vater… Thurion!".
Schnell fiel der Elbin auf, dass Sanya sich aufrichtete und einige Schritte zurück trat. Das Gesicht strahlte Entsetzen und Verwunderung zugleich aus.
"Ja ich weiß, Thurion hat hier bei den Menschen nicht den besten Ruf… Aber…", sagte sie und fuchtelte wie verrückt mit ihren Händen herum.
"Nein das ist es nicht…" entgegnete Sanya ernst.  "...Es gab da nur schon mal jemanden… Ach es nicht wichtig…".
Allana-Avalante fragte sich was genau sie meinte. Sie war irgendwie irritiert. Allerdings wagte sie es sich nicht nachzufragen. Sanya wirkte nun noch nachdenklicher als zuvor. Allana-Avalante wusste nicht genau, wie sie das nun deuten sollte.
"Genau deshalb habe ich gehofft auf die Königin selbst zu treffen… Es wäre für mein Volk wichtig gewesen… Es wäre für mich wichtig gewesen… Also muss ich irgendwie mit dem Rat sprechen!", sagte sie nur und hoffte auf Verständnis. Keiner sagte allerdings etwas.
"Mach dir keine Sorgen! Ich denke dass es eine Möglichkeit gibt, wie wir dich dorthin bringen könnten…", fing der Mann an.
"Wie willst du das anstellen? Als Elbin und dann noch als eine nähere Verwandte von Kiana kann ich mir schon denken was ihr blühen wird…. Der Schwan und alle anderen werden alles andere als Begeistert sein und gleichzeitig diese Situation nutzen wollen, jemanden vor dem Volk hinrichten zu können…", sagte Sanya.
"Du klingst äußerst besorgt!", sagte der Mann lachend.
"Mithrendan…", entgegnete Sanya nur genervt und warf ihn einen bösen Blick zu.
Sanya legte unbewusst ihren Kopf schief und beobachtete sie gesamte Lage. Obwohl die junge Elbin sehr angespannt war, verwandelten sich ihre Lippen in ein sanftes Lächeln. Dann aber wunderte sie sich auch darüber, dass der Mann Namens Mithrendan in gewisser Weise recht hatte und Sanya wirklich besorgt war. Das Gefühl dass Sanya vielleicht doch Kiana näher stand und zumindest nicht eine war, die die Königin verachtete bestätigte sich dadurch.  Weiter darüber nachdenken konnte sie nicht. Denn Mithrendan erhob wieder das Wort: "Natürlich können wir sie nicht als Elbin zum Rat lassen. Wir können sie aber als Kundschafterin vorsprechen lassen!".
"Ich weiß nicht…".
"Bitte, ich muss um Hilfe bitten… Ihr beide seid meine letzte Hoffnung ...", flehte Allana-Avalante fast. Sanya seufzte daraufhin.
"Gut… Dann bringen wir dich in den Palast…", sagte sie nicht wirklich begeistert.
Die junge Elbin wollte der Kommandantin schon fast dankend um den Hals fallen, zog ihre Euphorie dann dich zurück und bremste sich selbst. "Danke, das bedeutet mir viel!", sagte sie nur.

Allana-Avalante wurde von Mithrendan in ein Kettenhemd gepackt, welches von einem Wappenrock bedeckt war. Sie fühlte sich alles andere als wohl. Rüstungen und dergleichen waren nicht das, was sie gerne trug. Aber es musste sein. Anders konnte sie nicht beim Rat vorsprechen.
Mit einer Haube auf dem Kopf um ihre Ohren versteckt zu halten, folgte sie Sanya und Mithrendan zügig auf die oberste Ebene, wo sich der Palast befand. Es war schon nicht ganz ohne um nach oben zu gelangen, sodass Allana-Avalante schon außer Atem war.
Auf der obersten Ebene angekommen, war die junge Elbin mehr als fasziniert. Sie konnte die ganze Stadt überblicken und sogar biszur anderen Seite des Anduin. Noch nie hatte sie einen solchen Ausblick genießen können.
Wie gerne wollte sie einfach nur dort stehen bleiben und einfach in die Ferne sehen. Doch sie musste sich zusammenreißen. Sie hatte ihre Aufgabe noch nicht vergessen.
Die großen Türen des Palastes wurden  von Wachen geöffnet und Sanya betrat den Saal zuerst. Mithrendan blieb vor dem Palast stehen und lehnte an der Wand. Allana-Avalante sah zögerlich zu ihm. Es verunsicherte sie, dass er draußen blieb.
"Na los, geh schon!", sagte er nur sanft lächelnd. "Ich warte hier!".
Die junge Elbin nickte ihm leicht zu und seufzte noch einmal bevor sie den Palast betrat. Dann folgte sie Samya hinein.

Im Thronsaal hingen viele Banner, die den Weißen Baum Gondors zeigte. An sich sicher ein Wappen worauf man stolz sein konnte, wenn man an die Bedeutung Gondors dachte. Sie selbst verband damit eher schlechte Erfahrungen.
Diese Mistkerle, erinnerte sie sich an den Vorfall bei Cair-Andros. Sie musste das aber vorerst wegstecken. Ein klarer Kopf war nun sehr wichtig, wenn sie die Hilfe der Gondorer haben wollte. Sie stand nun direkt vor den Thron, auf dem ihre Halbschwester Kiana Vaneryen saß. Jener Thron, von dem sie das ganze Reich von Mittelerde beherrschte. Eine gewisse Demut breitete sich in ihr aus. Umso mehr schmerzte es in ihrem Herzen, als sie an den Tod von ihr dachte.
"Lady Terelos, was verschafft mir die Ehre? Wie ich hörte wart ihr bei der Verteidigung der Tore dabei?", fing ein Mann an, der auf einem Stuhl saß, der vor den Stufen des Throns stand.
"Ich bin nur hier, weil es wichtige Neuigkeiten gibt… Der Vorfall am Tor...Es waren Orks die die Stadt angegriffen haben…", sagte Sanya.
Allana-Avalante konnte schwören, eine gewisse Verbitterung aus ihr herauszuhören, als sie vor diesem Mann stand. Scheinbar verband diese beiden eine längere Vorgeschichte.
"Ich hörte es schon von den Wachen… Das ist bestimmt das Werk von der Drachenschlange…", entgegnete der Mann nur.
Die Elbin war verwundert. Sie konnte sich denken, dass hier niemand gut auf Kiana zu sprechen war. Aber was diese Behauptung sollte, konnte sie sich auch nicht erklären. Sie ballte nur ihre Fäuste um sich zusammen zu reißen und ihre Tarnung zu wahren.
"Die Königin… Kiana Vaneryen hat damit wenig zu tun… Die Orks kommen vermehrt aus den Gebirgen, plündern und brandschatzen Dörfer… Und jetzt standen sie sogar vor den Toren von Minas-Tirith und zögerten nicht um anzugreifen!", sagte Sanya ziemlich laut.
Allana-Avalante horchte auf, als sie Kiana noch als Königin betitelte und dann doch die Worte zurück zog. Die Kommandantin schien doch mehr getroffen davon zu sein
, als angenommen.
"Bedauerliche Einzelfälle…", tat der Mann nur ihre Worte ab.
"Das sind aber doch recht viele Einzelfälle!", erwiderte Sanya sofort. "Ihr da! Tretet vor!".
Dabei wandte sie sich an die Elbin, die zuerst zusammen zuckte dann aber zügig nach vorne trat, um ihrer Rolle als Kundschafterin beizubehalten.
"Das ist eine Kundschafterin, die unter mir dient… Sie hat es mit eigenen Augen sehen! Los spricht!",forderte Sanya die Elbin auf.
"Das hätte ich mir denken können… Eine hübsche junge Frau… Wie ihr Lady Terelos!", warf er noch dazwischen.
Dieser widerliche primitive Mensch, dachte sie sich.
Allana-Avalante konnte auch das Verdrehen der Augen Sanyas nicht übersehen und musste innerlich schmunzeln, dass sie scheinbar etwas ähnliches dachte. Sie räusperte sich und stellte sich stramm vor dem Mann.
"Die Orks kommen aus dem Nebelgebirge und plündern alle Dörfer in der Nähe… Ich habe gesehen, wie sie sich dort sammeln… Es wirkt so, als wollten sie sich für einen Krieg rüsten!", versuchte sie junge Elbin den Mann aufzuklären und hoffte, dass er Verständnis dafür hatte.
Sein Gesicht strahlte aber eher genau das Gegenteil aus und er sah wenig beeindruckt aus.
"Dann haben wir ja Glück, dass das Nebelgebirge noch weit von Gondor entfernt ist..", sagte er nur.
"Wir müssen etwas unternehmen…", platzte es aus Allana heraus.
"Ich denke nicht, dass das in eurer Kompetenz liegt das zu entscheiden…", entgegnete der Mann.
Sie wollte schon mehr sagen, auf ihr Volk verweisen, dass in Gefahr war. Zu ihrem Glück grätschte Sanya aber dazwischen, sodass Allana-Avalante ihre Tarnung behielt: "Sie standen schon vor unseren Toren… Wir sollten nicht tatenlos zusehen…".
"Natürlich… Aber unsere Armeen sind in Rohan… Sind kurz davor Schlachten zu schlagen… Ich kann sie nicht einfach abrufen, nur weil eine Kundschafterin etwas sieht und vielleicht… Überinterpretiert…", sagte er nur.
Die junge Frau der Elben war entsetzt über das was sie dort hörte. Ihr fiel es sichtlich schwer einfach zu schweigen.
"Vielleicht solltet ihr euch selbst davon überzeugen, was dort im Nebelgebirge vor sich geht… Auf euer Urteil lege ich hohen Wert. Wenn ihr dann der Meinung seid, wir müssen handeln, mache ich das sofort. Darauf habt ihr mein Wort!".
"W-was? Ich?", fragte die Kommandantin erschrocken nach. Allana-Avalante sah zu ihr unschuldig und hilflos rüber. Sie hatte ja selbst keine Lust darauf, mit einem Menschen durch Mittelerde zu reisen. Auch wenn Sanya und Mithrendan ihr halfen, hatte sie kein gutes Bild von Menschen. Sie waren niedere Wesen, die alles was nicht so wie sie selbst sind töten. Auf der anderen Seite war sie neugierig darauf, was es mit der Frau auf sich hatte. Was hatte sie mit Kiana zu tun?
Sie legte ihren Kopf schief und beobachtete Sanya, die sich gerade die Stirn rieb und seufzte.
"Also gut…", sagte sie dann nur. "Wir werden in das Nebelgebirge reisen… Ist sowieso alles besser als hier zu sein!".
Die letzten Worte sprach sie eher leise aus, die Allana-Avalante aber noch hören konnte.
Recht zügig verließ sie den Saal. Die Elbin folgte ihr direkt wieder zurück auf die oberste Ebene von Minas-Tirith. Sie war mehr als
neugierig, wo das alles hinführte. Es war natürlich nicht das Ergebnis, welches sie erhoffte. Sie wollte lieber eine ganze Armee mit nach Lorien führen. Stattdessen reiste sie wohl mit einer Kommandantin dorthin.
"Dann lässt uns so schnell wie möglich aufbrechen...", hetzte Allana-Avalante fast schon und lief in Richtung der Treppen.


Allana-Avalante in Minas-Tirith...
Grüße Darkness

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Minas Tirith
« Antwort #50 am: 26. Mai 2021, 14:48 »
Minas Tirith (Gondor)

Sanya mit Allana-Avalante und Mithrendan in Minas Tirith...



Sanya und Mithrendan brachten die Elbin Allana erst einmal zurück in ihre Unterkunft, wo sie die Reisevorbereitungen trafen. Sanya selbst war noch nie in die Lande nördlich von Rohan gereist, aber mit Allana-Avalante hatten sie eine ortskundige Führerin, die ihnen den Weg weisen würde. Eine Landkarte brauchten sie daher nicht mitnehmen. Und auch wenn Sanya teilweise froh darüber war, dem Chaos und den Intrigen der Hauptstadt für eine Weile entfliehen und sich wieder auf nur eine Angelegenheit konzentrieren zu können, hatte sie dennoch die Sorge, dass sich in ihrer Abwesenheit Dinge ereignen würden, die sie hätte verhinden können, wenn sie in Minas Tirith geblieben wäre. Sie ging fest davon aus, dass der Silberne Schwan sich zum König krönen lasse würde. Aber ein König brauchte eine Königin, und einen Erben, sonst wäre seine Herrschaft niemals gefestigt genug. Und bislang hatte sich der Silberne Schwan nicht mit einer Frau an seiner Seite gezeigt. Sanya wusste nicht, was das zu bedeuten hatte, dennoch hoffte sie, die Reise ins Nebelgebirge rasch hinter sich zu bringen, egal wie froh sie darüber war, für ein Weilchen aus der Hauptstadt Gondors herauszukommen.

Allana schien es wirklich eilig zu haben. Sanya sah ihr an, dass sie unzufrieden darüber war, keine große Unterstützung mit in den Norden führen zu können. Aber was hatte die Elbin denn erwartet? Gondor war ein Land das sich im Umbruch befand und mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen hatte. Überall wurden Soldaten gebraucht, um den Frieden zu sichern. Und das Nebelgebirge war weit weg, im Norden, jenseits der Grenzen. Sanya nahm sich vor, auf der Reise nach Norden zumindest die Wachposten an der nördlichen Grenze in Bereitschaft zu versetzen, damit sie, falls sie im Nebelgebirge Verstärkung brauchen sollten und sich die Gefahr durch die Orks als größer als erwartet herausstellen würde, nicht bis ganz zurück nach Minas Tirith würden reiten müssen. Rohans Nordgrenze lag am Fluss Limklar, südlich der Ebene von Celebrant... das war nicht mehr als einen Tagesmarsch vom Goldenen Wald von Lothlórien entfernt.

Sie ließen sich mit ausreichend Vorräten ausstatten und bekamen frische Pferde. Sanyas Rang half dabei, dass niemand Fragen stellte, und immerhin hatten sie einen offiziellen Auftrag des herrschenden Rates. Allana war weiterhin als Kundschafterin Gondors verkleidet, damit niemand Verdacht schöpfen konnte.
"Welche Reiseroute schlägst du vor?" fragte Sanya die Elbin.
"Ich habe Gondor über den Flussübergang bei Cair Andros betreten," antwortete Allana-Avalante, "Aber das ist nicht der kürzeste Weg, schätze ich. Wir reiten am besten durch Anórien bis nach Rohan, durchqueren das Land in nördlicher Richtung und wenden uns dann dem Gebirge zu, wenn wir die Grenzen überquert haben."
"Das ist ein ganz schönes Stück bis dahin," sagte Mithrendan. "Wird ein langer Ritt werden."
"Vergesst nicht, dass dies eine Spähmission ist. Gondor muss wissen, wie groß die Gefahr durch die Orks aus dem Norden wirklich ist," sagte Sanya.
"Werden sie Euch denn Glauben schenken?" fragte Allana vorsichtig, als sie gerade alle in ihre Sättel stiegen. "Der Rat schien Euch... nicht sonderlich gewogen sein."
"Sie werden mir zuhören, dafür sorge ich schon," antwortete Sanya etwas grimmig. "Wenn diese Orks eine solche Bedrohung darstellen, werde ich es selbst in die Hand nehmen, eine Streitmacht ins Gebirge zu führen, darauf hast du mein Wort."
"Ich verlasse mich darauf," sagte die Elbin, doch sie warf Sanya einen dankbaren Blick zu. "Immerhin hängt die Sicherheit meines Volkes davon ab..."
"Sag mir eines," mischte sich Mithrendan ein, während sie ihre Pferde langsam durch die Straßen der Stadt hinab zur untersten Ebene gehen ließen. "Wie haben es die Elben im Goldenen Wald geschafft, so lange unbemerkt zu bleiben?"
Allana sah den Kundschafter etwas nachdenklich an. "Ich denke nicht, dass ich hier inmitten all dieser Menschen in Minas Tirith die Geheimnisse meines Volkes ausplaudern sollte..."
"Kluges Mädchen," lobte Mithrendan. "Aber meine Neugierde ist geweckt. So leicht wimmelst du mich nicht ab."
Sanya musste lächeln. "Lass sie in Ruhe, Mithrendan," sagte sie dann. "Es wird auf der Reise noch genügend Zeit geben, sich auszutauschen, da bin ich mir sicher."
"Spielverderberin," brummelte Mithrendan, doch dann fügte er sich.

Sie durchquerten den Rest von Minas Tirith und verließen die Stadt schließlich durch das Nordtor. Hier waren die Spuren des Angriffs der Orks aus dem Weißen Gebirge noch immer gut sichtbar, obwohl Arbeiter bereits seit einem Tag damit beschäftigt waren, die Brandspuren zu beseitigen und den Ruß von den Mauern und Häusern abzuwaschen. Beinahe einhundert Mann bewachten das Tor sowohl von den Mauern herabbblickend als auch direkt am Durchgang postiert. Minas Tirith war in Alarmbereitschaft und würde sich kein zweites Mal von Angreifern so sehr überraschen lassen, so viel war sicher.

Draußen auf den Feldern des Pelennors atmete Allana-Avalante sichtlich auf. Die Elbin wirkte, als hätte sie sich hinter den Mauern der Weißen Stadt eingeengt gefühlt. Sie nahm den Helm ab, den Sanya ihr gegeben hatte und hängte ihn an ihren Sattel, dann ließ sie ihr Haar frei hinter sich her im Wind rauschen, als die Pferde beschleunigten und sie im raschen Galopp über die Felder trugen. Sie passierten die Mauer des Rammas Echor und kamen so nach Anórien, wo sie dann später nach einigen Stunden an einer offenen Lagerstätte nahe der Straße in Richtung Rohan rasteten.
Nun hatte Mithrendan endlich die Gelegenheit, seine Fragen an Allana zu stellen. Sie antwortete zurückhaltend und gab nicht sonderlich viel über die Elben Lothlóriens preis. Hauptsächlich sagte sie, dass Sanya und Mithrendan willkommen wären, sich die Lebenslage der Elben selbst anzusehen, wenn sie nach Norden kämen. Ihr war es wichtiger, dass etwas gegen die Orks unternommen wurde. Und je schneller das geschah, desto besser.
"Wie kommt es, dass du die Einzige bist, die ausgesandt wurde, um Hilfe zu holen?" wollte Sanya wissen.
"Mein Onkel sagt immer, dass die Welt jenseits unserer schützenden Wälder zu gefährlich ist, und die anderen glauben ihm und meinem Großvater," erklärte Allana betrübt. "Niemand von uns verlässt die Wälder, außer mir. Ich bin die einzige, die hin und wieder einen Ausritt wagt. Und ich dachte... als die Angriffe der Orks immer bedrolicher wurden, dass mir meine Halbschwester sicherlich helfen würde..."
"Du meinst Ki- ähm, ich meine... die Königin?" kam es von Sanya.
"Ja," antwortete Allana knapp. "Aber nun ist sie fort."
"Nicht für immer," sagte Sanya und überraschte sich damit selbst. "Ich werde nicht glauben dass sie tot ist, ehe ich nicht ihren leblosen Körper mit eigenen Augen gesehen habe. Wenn diese Mission abgeschlossen ist... und du dich mir anschließen möchtest... dann werden wir sie gemeinsam suchen, und finden."
Allana musterte Sanya mit einem langen, nachdenklichen Blick. Dann hoben sich schließlich ihre Mundwinkel und sie lächelte, während sie sachte nickte. "In Ordnung. Ich werde dir helfen, sie zu finden. Sie scheint dir viel zu bedeuten, nicht wahr?"
Mithrendan grinste, aber Sanya warf ihm einen Blick zu, der ihn schweigen ließ, noch ehe er etwas dazu sagen konnte. Sie spürte, wie Allanas Frage sie in Verlegenheit brachte und räusperte sich. "Sie ist die rechtmäßige Königin. Und sie ist deine Halbschwester. Also... suchen wir sie. Wenn wir die Elben gerettet haben."
Allana legte den Kopf um eine Winzigkeit schief und sah Sanya lange an, wohl machte sie sich Gedanken über das, was Sanya gesagt hatte. Eine weitere Frage stellte die Elbin glücklicherweise nicht. Sie sprachen stattdessen noch etwas über den Reiseweg, den sie am nächsten Tag vor sich hatten, dann legten sie sich alle drei schlafen.

Am folgenden Tag standen sie bei Sonnenaufgang auf und setzten ihren Ritt fort. Es würde nun nicht mehr lange dauern, bis sie Rohan erreichten...

Sanya, Allana-Avalante und Mithrendan nach Rohan...

>Darkness<

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Anórien (Gondor)
« Antwort #51 am: 27. Mai 2021, 12:59 »
Anórien (Gondor)

Allana-Avalante zusammen mit Sanya und Mithrendan in Anórien…


Der Himmel war Blutrot gefärbt und die goldenen Strahlen der Sonne blendeten Allana-Avalante während sie all ihre Sachen wieder auf ihr Pferd packte. Sie dachte wieder an die Worte von Sanya, die scheinbar viel mehr von Kiana hielt als sie zugeben wollte. Allana-Avalante hatte eher das Gefühl, dass die Frau aus Gondor dieser Nachfrage aus dem Weg gehen wollte. Warum wollte sie nicht glauben dass Kiana tot war?
Die Elbin konnte es sich selbst zwar nicht vorstellen, aber sie war dagegen auch über ihr Blut mit Kiana verbunden. Doch was verband Sanya und Kiana?
Allana-Avalante seufzte, ehe sie den Gedanken  ruhen ließ. Es brachte ja nichts wild über eine ihr noch recht fremde Frau zu rätseln. Weiter nachzuhaken wollte sie auch nicht. Eine entnervte Sanya war das letzte was die Elbin für ihre Reise brauchte. Sie war mehr als froh, dass sowohl Sanya als auch Mithrendan recht angenehme Begleiter waren. Ihre Befürchtungen, dass alle Menschen gemeine und dumme Wesen waren bestätigten sich somit nicht. Das ließ sie etwas Trübsal blasen. Eine Art schlechtes Gewissen formte sich in ihr. Ein schlechtes Gewissen, alle Menschen über einen Kamm geschert zu haben. Immerhin machte es sie nicht besser, als all die Menschen, die ihre Vorurteile gegenüber den Elben hatten.
Sie sah schuldig zu Sanya und Mithrendan rüber, die gerade ihre Pferde bereit machten.
Was soll's…, dachte sie sich tief seufzend und stieg auf ihr Pferd.
"Da ist ja jemand sehr motiviert!", rief Mithrendan lachend. Allana-Avalante, die sich selbst recht zügig vorkam, verkniff sich das Lächeln. Sie wollte sich nicht anmerken lassen, dass sie nur so schnell wie möglich aufbrechen wollte, um nicht ausgefragt zu werden.
"Wir müssen uns beeilen...Schon vergessen?", entgegnete sie dann nur mit einer hochgezogenen Augenbraue. Dabei beobachtete sie die beiden, die fast zeitgleich auf den Rücken ihrer Pferde stiegen, und ritt dann weiter voran in Richtung Rohan.

Weiter westlich von Anórien ritt sie in Gleichschritt mit Sanya und Mithrendan. Sie konnte ihr Pferd ja nicht bis zur Erschöpfung treiben. Wenn sie dann zu Fuß nach Lothlorièn laufen musste, konnte sie es auch ganz vergessen. Ein armer Bauer würde ganz sicher in diesen schwierigen Zeiten nicht freiwillig seine Pferde hergeben. Die junge Elbin wagte es einen Blick auf Sanya zu werfen, um die ernst nach vorne sah. Ob sie gerade an etwas dachte?
"Konntest du gut schlafen?", hörte sie plötzlich die Stimme von Mithrendan neben sich.
"Hm?", machte sie daraufhin nur, um sich den Gedanken über Sanya nicht anmerken zu lassen.
"Na, wie du geschlafen hast?", wiederholte er in einem ruhigen Ton. "Gibt sicher bessere Orte als hier draußen!".
Dieses mal könnte sich die junge Elbin ihr Lächeln nicht verkneifen. Gleichzeitig wurde sie selbst nachdenklich, sodass das Lächeln schnell wieder verschwand. Sie war sich gar nicht mehr sicher, ob es wirklich besser war an einem Ort zu schlafen, der zwar ein Dach über dem Kopf bot, aber in gewisser Weise wie ein Käfig war. Dabei dachte sie an die Elbensiedlung in Lothlorièn. Natürlich machte sie ihre Ausflüge außerhalb der Wälder von Lorien. Dennoch hatte sie das Gefühl, die ganze Welt war an ihr vorbeigezogen. Genauso aber wollte sie nicht an einem Ort die Nacht verbringen, wo sie weiß, dass sie von all den Menschen verachtet wurde.
Da ist es wieder, machte sie sich selbst auf ihre Vorurteile aufmerksam.
"Nein, ich bin es gewohnt und bin mit der Natur verbunden…", versuchte sie ihn abzuwimmeln.
"Mithrendan… Nun lass sie doch…", mahnte Sanya nur, und klang dabei schon genervt.
Allana-Avalante versuchte noch einmal an die vorige Nacht zu denken. Das einzige was man was sie sich erinnerte war Wolfsgeheule.
"Das Geheule der Wölfe hat mich nur etwas vom Schlaf abgehalten…", sagte die Elbin dann schließlich noch.
"Wenn mich meine Kundschafter Instinkte nicht täuschen, dann verfolgt uns ein kleines Rudel an Wölfen tatsächlich schon eine ganze Weile…".
"Wölfe?!", platzte es plötzlich ungläubig aus Sanya heraus, sodass Allana-Avalante vor Schreck zusammen zuckte, als sie  Mithrendan gebannt zuhörte.
"Ja, ein kleines Rudel… Etwa fünf, vielleicht sechs Tiere!", ergänze der Mann.
"Hier in Gondor hat es Jahrelang keine Wölfe gegeben…", versuchte Sanya zu erklären. "...Selbst nicht im Wald von Anorien!".
Die Elbin wurde hellhörig. Warum sollten sie von einem Rudel Wölfe verfolgt werden? Sie hatten ja wohl kaum Waren dabei, die eine Fährte hinterließen.
"Vielleicht Locken die Überfälle der Orks sie hierher… Würde zumindest Sinn ergeben.", suchte Mithrendan nach einer Erklärung.
"Wir sollten auf jeden Fall vorsichtig sein… Vielleicht können wir die Wölfe abhängen, wenn wir einen der Flüsse überqueren. Das letzte was wir gebrauchen können ist ein Rudel Wölfe, dass uns Nachts angreift!", sagte Sanya dann nur.
Allana-Avalante blickte in die Ferne und erkannte ein Dorf, welches nicht weit vor ihnen lag.
"Seht dort! Da ist ein Dorf!", machte sie die anderen darauf aufmerksam und zeigte mit ihrem rechten Zeigefinger darauf.
"Das ist das letzte Dorf Gondors, dass dich vor der Grenze von Rohan befindet!", entgegnete Mithrendan. "Wir waren hier schon einmal!".
"Ja…", brummte Sanya nur unzufrieden vor sich hin, als erinnerte sie sich an eine schlechte Erfahrung dort. Allerdings wagte sich die Elbin nicht weiter nachzufragen.
"Sollen wir nicht besser drumherum reiten?", wollte Allana-Avalante sichergehen. Sanya nickte zuerst.
"Was mich nur wundert…", fing Mithrendan an, "...Warum brennt keine einzige Feuerstelle, kein einziger Schornstein… Und sonst sieht man auch niemanden…".
"Vielleicht brauchen sie es nicht und sie verstecken sich vor Angriffen.", sagte Allana-Avalante.
"Nein, zur Mittagszeit müsste es zumindest ein reges Treiben geben und wie ich die Menschen von Gondor word zu dieser Zeit meist schon das Essen zubereitet!", dabei lachte er zwar wieder auf, legte aber schnell wieder ein ernstes Gesicht auf und versuchte mehr von der Ferne zu erkennen.
Allana-Avalante wurde mulmig zumute. Was hatte das zu bedeuten?
Vorsichtig ritten sie dann doch zu diesem Dorf, bevor sie sich weiter auf den Weg in Richtung Rohan machten.

Allana-Avalante wartete zusammen mit Sanya ein Stück entfernt, während Mithrendan voraus geritten war, um sich ein besseres Bild von der Lage zu machen.
Die junge Elbin war die ganze Zeit angespannt. Gleichzeitig brannten ihr ihre Fragen auf der Zunge. Da bot sich die Gelegenheit alleine mit Sanya über Kiana oder das Dorf  zu sprechen, aber sie traute sich einfach nicht.
Bevor sie aber auch nur etwas fragen konnte, kam Mithrendan wieder zurück.
"Das ganz Dorf scheint nicht mehr bewohnt zu sein…", sagte er nur außer Atem.
"Gut, dann lasst uns nur kurz schauen, was dort vor sich geht…", sagte Sanya.
Während beide Begleiter der Elbin rasch voraus ritten, trabte sie mit ihrem Pferd hinterher.

Am Dorf angekommen bot sich nur wieder ein schreckliches Bild. Überall lagen leblose Körper herum. Eine Verwüstungsschneise ging durch das ganze Dorf. Sanya und Mithrendan stiegen von ihren Pferden. Allana-Avalante zögerte noch einen Moment. Am liebsten wollte sie nur wieder umdrehen und weg von diesem Ort. Dann stieg sie aber auch hinab.
Wie aufeinander abgestimmt, suchten sowohl Sanya als auch Mithrendan nach Hinweisen und Überlebenden. Beide hatten ihre Schwerter gezogen und durchsuchten das Dorf. Die Elbin zog auch ihr Schwert.
"Ich warne euch… Ich bin keine gute Kämpferin…", sagte sie und versuchte ihre Angst zu überspielen, bevor sie sich trennten. Die Elbin spürte ihren Herzschlag bis zum Hals. Sie hatte das Gefühl, dass es ihr gleich aus der Brust heraus brach.
Bitte nicht schlimmes… Bitte nichts schlimmes, sagte sie sich selbst immer wieder, wenn sie an einem der Häuser vorbei ging.
Vor niemandem im Dorf wurde halt gemacht. Ob Frauen oder Kinder. Alle wurden gnadenlos getötet. Allana-Avalante wurde fast schon schlecht, was weniger an dem vielen Blut lag das die Straßen bedeckte. Blut sah sie in ihrem Leben ja mehr als genug. Immerhin war sie ja auch eine Frau und zum Schicksal einer Frau -egal ob Mensch oder Elb- gehörte es nun mal auch einmal im Monat Blut zu lassen. Viel mehr widerte sie der Geruch und die Innereien der Toten an, die aufgeschlitzt auf den Straßen lagen.
Sie war sich definitiv sicher, dass es sich nicht um einen normalen Überfall von irgendwelchen Räubern handelte. Es mussten wieder die Orks sein, die die Dörfer Brandschatzten.
Vorsichtig öffnete sie eine Tür eines Hauses und lief mit ausgestrecktem Schwertarm in dieses Haus hinein. Weit kam sie allerdings nicht. Der Geruch hielt sie davon ab weiter zu gehen. Die Elbin hielt sich nur die Hand vor Nase und Mund, als sie sich dann umdrehte.
Sie erschrak, als sie plötzlich Sanya hinter sich stehen sah.
"Verzeih mir… Ich… Ich…", wollte Allana gerade sagen.
"Es ist schon gut… Es ist grausam was hier passiert ist…", sagte sie nur.
Mithrendan kam schließlich auch mit schnellen Schritten dazu. "Es war ganz sicher ein Angriff der Orks!", sagte er außer Atem. "Ich habe zwei von ihnen tot gefunden!".
"Ich auch…", entgegnete Sanya bedrückt.
"Das gleiche wird meinem Volk blühen… Das gleiche wird uns allen blühen, wenn wir nicht schnell genug sind…", sagte Allana-Avalante nur ängstlich. Das war das letzte was sie sich jemanden wünschte. Selbst kein Mensch der Welt hatte es verdient so abgeschlachtet zu werden.
"Wir werden das nicht zulassen, Allana…", versuchte Sanya sie sanft zu beruhigen. Es hatte aber eher den gegenteiligen Effekt. Die junge Elbin fühlte sich nur hilfloser denn je, als sie sich in diesem Dorf umsah. Wäre ihre Halbschwester nur lebendig gewesen. Säße sie noch auf den Thron von Mittelerde in Minas-Tirith. Sie hätte ganz sicher eine Armee entsandt, um die Gefahr zu bannen.
"Was sollen wir denn gegen solch einen Hass tun? Wir wissen doch nicht einmal warum sie uns angreifen…", beklagte sich die Elbin mit Tränen in den Augen. Ihre Stimme klang mehr als gebrochen. Aber sie hatte Angst.
"Und genau deshalb begleiten wir dich…", sagte Sanya ruhig und Allana bemerkte, dass die Kommandantin ihre Hände nahm. "...Wir werden herausfinden, wer dahinter steckt und diese fürchterlichen Kreaturen vernichten! Koste es was es wolle!".
Allana-Avalante wischte sich die Tränen von den Wanen und nickte der Frau vorsichtig zu.
"Nun lasst uns hier so schnell wie möglich weggehen…", sagte sie in einem befehlenden Ton. Die Elbin zögerte nicht lange und ging zurück zu den Pferden. Sie wollte ganz sicher nicht nicht weitere Zeit an diesem Wort verbringen.

Alle drei führten die Pferde zu Fuß nach draußen. Es war mittlerweile früher Abend und die Sonne war von dichten Wolken bedeckt. Sie standen direkt vor der Grenze zu Rohan. Eine leichte Brise wehte durch die Ebenen von Anórien bis nach Rohan hinein.
Bevor sie sie sich weiter auf die Reise machten, packte sich Allana-Avalante ans Herz und wollte Sanya nun etwas mehr fragen. Immerhin hat sie sich selbst Sanya etwas geöffnet. Auch wenn es nur um ihre Ängste ging.
"Sag mal…", fing sie an.  "Was war denn in diesem Dorf und was hast du mit Kiana zu tun?".
Sanya sah nicht zu ihr, was die Elbin leicht verunsicherte. War sie doch zu weit gegangen? Sie wollte aber wissen, was die Frau verbarg. Sie beobachtete die Kommandantin, die die Gurte des Sattels an ihrem Pferd fest zog und dann schließlich seufzte.
"Ich musste hier einen Auftrag erledigen, der nicht gut ausging… Und Ki-... Der Königin habe ich viel zu verdanken… Denke ich…", sagte sie emotionslos.
"Denkst du?", wiederholte Allana-Avalante die letzten Worte. "Was war das denn für ein Auftrag und…".
Bevor sie weitere Fragen stellen konnte wurden beide Frauen von Mithrendan unterbrochen: "Ich will euch nur ungern unterbrechen…", sagte er nur. Die junge Elbin verdrehte daraufhin nur ihre Augen.
"...Aber ich denke wir haben Gesellschaft!".
Panisch sah sich Allana-Avalante um. Sie sah in der Dämmerung selbst Schatten um sie herum springen. Waren das nun die gleichen Orks, die das Dorf überfallen hatten?
Alle zogen wieder ihre Schwerter und standen Rücken an Rücken, um für einen möglichen Angriff gewappnet zu sein.
Langsam wurden die Schattengestalten sichtbar. Es waren zwei, dann vier und dann doch sechs. Allerdings handelte es sich nicht um Orks. Es waren Wölfe. Vermutlich jene Wölfe, die sie die ganze nach verfolgten.
Alle knurrten und heulten zugleich. Das bedrohliche Zähnefletschen ließ das Blut in den Adern gefrieren.
Einer von ihnen fiel besonders auf: Er war deutlich größer als die anderen und besaß komplett schwarzes Fell. Die Bernsteinfarbenen Augen musterten die ei kreiste Beute genau.
"Eine Idee was wir jetzt machen sollen?", fragte Mithrendan.
"Was für eine blöde Frage…", entgegnete Sanya nur und hielt ihr Schwert zum Angriff bereit.
"Nein, wartet!", rief Allana-Avalante und senkte ihr Schwert, um es schließlich wieder in die Scheide zu stecken.
"Ich weiß eine bessere Idee!".
Auch wenn ihr nicht klar war ob es eine bessere Idee war, ging sie vorsichtig auf den schwarzen Wolf zu. Andere, die die Situation von außen betrachten würden, taten die Elbin wohl als wahnsinnig ab, wenn sie sehen würden, dass sie sich so den Wölfen näherte. So wohl auch Sanya.
"Allana… Was tust du da?!", rief sie nur. "Komm zurück!".
Allana-Avalante hörte allerdings nicht auf sie. Das Knurren des Wolfes hielt sie nicht davon ab es zu versuchen.
Immer wieder sprach sie dem großen schwarzen Wolf auf ihrer Muttersprache, die Sprache der Elben, zu. Zunächst schien das keine Auswirkung zu haben, dennoch ging sie in geduckter Haltung weiter auf das Tier zu und streckte die Hand aus.
"Ruhig… Ruhig… Alles ist gut… Ich bin eine Freundin der Natur, deshalb bin ich keine Gefahr... ", sagte sie in einem beruhigenden Ton auf Elbisch, wenn auch ihre Stimme zittrig klang. Der große schwarze Wolf hörte das Knurren und Fletschen auf und roch an ihrer Hand. Das Tier legte über ihre Hand, was leicht kitzelte. Trotzdem liefen der Elbin die Schweißperlen von der Stirn.
Du bist verrückt Allana, dachte sie sich nur.
Doch dann fing der Wolf zu fiepen an und leckte das ganze Gesicht der Elbin ab. Sie war überrascht davon, sodass sie auf ihr Gesäß nach hinten fiel. Der Wolf schmiegte sich regelrecht an ihr, sodass Allana-Avalante ihn streicheln konnte.
"Ja, so ist gut. Ich mag dich ja auch!", sagte sie lachend weiter auf elbisch. Auch die anderen Wölfe hörten auf und verschwanden wieder in der Dunkelheit. Als sich die Elbin zu Sanya und Mithrendan wandte, konnte sie das Staunen der beiden nicht übersehen.
"Ihr könnt eure Schwerter wegstecken, ihr werdet sie nicht mehr brauchen…", rief sie ihnen nur zu, während sie den Wolf noch streichelte.
"Das ist ein Düsterwolf!", sagte Mithrendan erstaunt. "Diese Tiere sind nur noch sehr selten und leben eigentlich im hohen Norden in Angmar!".
"Wohl eher eine Wölfin!", sagte Allana-Avalante nur. "Glaubt man den Geschichten, dann hätte mein Vater Thurion eine schwarze Düsterwölfin an seiner Seite…".
Ob es vielleicht die gleiche Wölfin war? Es gab nicht mehr viele solcher Tiere in Mittelerde und ausgerechnet eine in Gondor anzutreffen, die ähnlich aussehen sollte war nicht üblich.
"Bist du auch schon an der Seite meines Vaters Thurion gewesen?", fragte sie elbisch, auch wenn es wohl naiv war auf eine Antwort zu hoffen. Die Düsterwölfin winselte nur und die junge Elbin seufzte daraufhin.
"Jetzt lass mich mal aufstehen…", sagte Allana wieder auf elbisch und drückte sich nach oben, um wieder auf ihren Beinen zu stehen.
"Du bist eindeutig verrückt!", sprach Sanya das aus, was Allana-Avalante zuvor dachte. Dabei hörte sie sich entsetzt und erstaunt zu gleich an. "Was wäre, wenn dir etwas passiert wäre..  Es hätte auch ganz anders ausgehen können!".
"Ich habe uns gerettet und einen aussichtslosen Kampf erspart, um dann am Ende in einem Wolfsbau als Futter zu landen!", verteidigte Allana-Avalante ihre Handlung.
"Ja aber… Aber… Wie hast du das gemacht?", wollte die Kommandantin wissen.
"Erzähl du mir dein Geheimnis und ich verrate dir meines!", sagte sie  je siegessicher mit hochgezogenen Augenbrauen und ging zu ihrem Pferd, um dann schließlich in den Sattel auf dem Rücken zu steigen. Mithrendan war ebenfalls wieder auf seinem Pferd. Nur Sanya stand dort noch eine angewurzelt und verstand scheinbar die Welt um sie herum nicht mehr.
"Ich habe jederZeit ein offenes Ohr für dich, wenn du dich mir offenbaren willst!", sagte Allana-Avalante lächelnd mit einem Augenzwinkern und ritt voran. Die Düsterwölfin folgte ihr, wenn auch mit Abstand.
Sie hatten schon genug Zeit verloren und es war noch ein Stück bis nach Lothlorièn.


Allana-Avalante zusammen mit Sanya und Mithrendan in Richtung Rohan…
« Letzte Änderung: 27. Mai 2021, 13:03 von >Darkness< »
Grüße Darkness

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Lamedon (Gondor)
« Antwort #52 am: 27. Jun 2021, 15:17 »
Lamedon (Gondor)

Octavia aus Carn-dûm (Angmar) nach Belfalas…


Octavia ritt auf ihrem Pferd fast durchgehend ohne Pause in den Süden von Gondor. An wenigen Orten machte sie rast, und wenn dann immer nur dort, wo sie auf keinen Menschen traf. Auf Menschen wollte sie nicht treffen.
Die junge Frau entschied sich auch dazu, nicht wie damals über Rohan nach Gondor zu gelangen, sondern direkt  in den Westen Gondors, um dann nach Belfalas zu kommen. Die schlechten Erinnerungen an ihre erste Reise nach Gondor und an den Rückweg mit ihrer Gefangenschaft durch die Kommandantin der Krone waren noch immer in ihrem Kopf. Auch die Truppenbewegungen in Rohan hielt sie davon ab, durch das Land der Pferdeherren zu reiten. Auf fremde Menschen, die dann noch Fragen stellen konnten, hatte sie keine Lust. Womöglich sorgte sie dann wieder nur selbst für ärger, so wie es scheinbar immer der Fall war.
Je weiter sie in den Süden nach Gondor kam, und umso mehr sie sich dem Süd-Osten von Mittelerde näherte, desto wärmer wurde das Klima.  Die ganzen zusätzlichen Stoffe, die die kalten Temperaturen des Nordens von ihrem Körper fernhalten sollten, brauchte sie nicht mehr. Wozu auch, wenn das gesamte Klima im Süden anders war. Sie hatte es ganz anders in Erinnerung, als sie nach Minas-Tirith reiste, um an diesen königlichen Turnier teilzunehmen und dadurch Kiana töten zu können.
Vielleicht lag dies auch nur an der anderen Jahreszeit und dass Rohan nördlich des Weißen Gebirges lag. Jetzt war sie ja südlich des Gebirges.
Noch immer hatte sie die Worte der anderen in ihrem Kopf. Von Thirak, von ihrem Bruder Kael und von Phelan. Die Verbannung und Schuldzuweisungen machten ihr noch immer schwer zu schaffen, auch wenn sie es mittlerweile kaum noch nach außen trug. Die ersten Meilen in den Süden hatte sie stets mit ihren Tränen zu kämpfen. Octavia war es bewusst, dass fast alle sie jetzt hassen mussten. Selbst Kael. Sie hatte viel falsch gemacht. Viele Menschenleben gefährdet, ausgelöscht und sterben lassen. Auch wenn sie den eigentlichen Zweck noch darin sah, ihre Leute beschützen zu wollen, wusste sie dass sie falsch gehandelt hatte. Nun war sie ganz alleine. Verbannt aus Angmar und Arnor. Ganz auf sich gestellt.
Das war ja eigentlich immer das was sie früher wollte. Nun aber quälte sie der Gedanke.
Thirak sprach zwar davon, dass sie zurückkehren durfte wenn Mittelerde wieder vereinigt war. Doch wer wusste schon wie lange dies dauern würde und ob es überhaupt jemals wieder möglich war.
Octavia seufzte nur tief, als sie darüber nachdachte.
Hätte ich nur noch einmal mit Kael sprechen können, dachte sie sich, als sie in ihren Gedanken sein erbostes Gesicht sah, als sie verbannt wurde.
Die junge Maiar brachte ihr Pferd an einem kleinen Bach zum stehen, um es zu tränken. Sie zögerte nicht lange und stieg aus dem Sattel und füllte selbst ihre eigene Trinkflasche an diesem Bach auf. Das Wasser war kühl, kristallklar und floss aus dem Wald, der sich direkt vor ihr befand.
Octavia fragte sich wo sie eigentlich nun war. Es gab keinen Hinweis und eine Stadt oder ein Dorf hatte sie schon seit einer längeren Zeit nicht mehr gesehen. Das einzige was sie wusste war, dass sie sich südlich des Weißen Gebirges befand und Anfalas hinter sich gelassen hatte. Also musste sie in Belfalas sein
Ehe sie sich weitere Gedanken darüber machen konnte -oder auch in welche Richtung sie weiter reiten sollte- ertönte wieder diese dunkle Stimme in ihrem Kopf. Eigentlich hatte Octavia eine Zeitlang Ruhe vor dieser Stimme gehabt. Doch nun war sie lauter denn je.
Neben den undeutlichen Worten -und jenen in einer ihr unbekannten Sprache-, sagte diese Stimme immer wieder das gleiche: Entweder rief sie Octavias Namen, ihren Titel Sernereth oder dass sie ja von allen gehasst wurde und der einzige Ausweg die Dunkelheit war.
Die Stimme bereitete ihr Kopfschmerzen, sodass sie auf ihre Knie ging um sich die Schläfen zu reiben und ihr Gesicht mit dem kühlen Wasser des Baches zu befeuchten.  Für einen kurzen Moment hielt sie inne, als alle Geräusche um sie herum verstummten. Weder das Singen der Vögel noch das Plätschern des Baches drang ihre Ohren.
"Es gibt hier kein Leben für dich… Nur.. den Tod!", dröhnte die Stimme in ihrem Kopf. Wie von Geisterhand kontrolliert zog sie daraufhin den Dolch hervor und hielt ihn sich an ihren Unterarm. Es war nur eine Bewegung, nur ein Stich, die sie von all dem Leid befreien konnten. Die junge Frau kämpfte gegen dieses Verlangen an und schrie nur so laut sie konnte. Ein Schreien aus Verzweiflung und Hass auf sich selbst, für all die Dinge die passiert waren. Egal ob es Deloths Tod, die Zeit in der Mine  oder die Verbannung war.
Erschöpft ließ sie sich rücklings auf das grüne Gras fallen und sah in den fast wolkenlosen Himmel. Dabei kullerte noch eine große Träne aus ihrem rechten Auge.
Eine ganze Weile blieb sie noch dort liegen. Tief in ihrem inneren war sie froh, dass scheinbar niemand ihren Schrei hörte. Immerhin war sie scheinbar irgendwo im Niemandsland von Gondor. Oder sie hatte Glück, dass zu diesem Zeitpunkt niemand da war.
Als sie sich dazu entschied aufzustehen, ging sie zu ihrem Pferd und klopfte einige male sanft auf die Seite des Tieres.
"Wahrscheinlich bist du gerade das einzige Wesen das mich nicht hasst.", sagte sie dabei nur mit einem schiefen Lächeln auf den Lippen. Das Pferd wieherte daraufhin kurz und relativ leise, bis es sich wieder dem Gras widmete.
Als Octavia ihre Gliedmaßen ausstreckte, um sie von der langen Reise zu entlasten, zuckte sie relativ schnell wieder zusammen, als sie sich dabei umdrehte. Nicht weit von ihr stand eine Gestalt in einem dunklen verschmutzten Gewand gehüllt und starrte mit hochgezogener Kapuze in ihre Richtung. Eine Schauer lief ihr den Rücken herunter, was sich daran lag, dass sie kein Gesicht erkennen konnte.
Doch nicht alleine… Zu früh gefreut, dachte sie sich nur entnervt mit hochgezogenen Augenbrauen. Allerdings war sich die junge Maiar nicht sicher wie sie reagieren sollte.
"Hey!", rief sie dann nur Hals über Kopf zu der Gestalt. "Hast du nichts besseres zu tun als Mädchen anzugaffen?".
Diese Gestalt -wer auch immer das war- antwortete nicht und rührte sich kein bisschen von der Stelle.
"Na schön…", sagte Octavia fast schon zu sich selbst und zog das Schwert aus der Scheide, die Thirak am Sattel des Pferdes befestigt hatte. Die Runen auf der Klinge leuchteten wieder stark Violett. Es hatte schon lange nicht mehr so intensiv geleuchtet. Das letzte mal war es so, als sie ihre Kräfte benutzt und das erste mal einsetzte.
Irgendetwas in ihr sagte ihr, dass es sicher keine gute Idee war, einen Angriff zu starten. Deshalb blieb sie wie versteinert dort stehen und fixierte die Gestalt mit ihren Augen. Eine große Angst breitete sich in ihr aus, so wie sie es schon lange nicht mehr verspürte.
Als die Gestalt die blasse Hand ausstreckte, ging Octavia vorsichtig einige Schritte zurück um zu ihrem Pferd zu gelangen. Die Sonne verschwand für einen Moment und eine kühle Brise wehte durch die Landschaft, die immer stärker wurde. Doch ehe die junge Frau das Pferd erreichen konnte, wieherte es plötzlich panisch auf und rannte im Galopp in den Wald.
Verdammt, dachte Octavia, bis sie schließlich über einen Stein stolperte und zu Boden stürzte. Schnell sprang sie wieder auf die Füße. Zu ihrer Verwunderung musste sie feststellen, dass die dunkle Gestalt hinfort war. Ungläubig blickte sie sich mehrere male um. Sie konnte es nicht wirklich glauben. Wer und was das nur war? Und warum wurde der Wind mit dem Ausstrecken der Hand stärker?
Sei's drum, sagte sie zu sich selbst, Hauptsache dieses Ding kommt nicht wieder!
Dann fiel ihr das Pferd ein, welches panisch in den Wald rannte. Ein leicht mulmiges Gefühl überkam sie, wenn sie nun darüber nachdachte dort hinein zu gehen. Hör auf zu spinnen, Octavia!.

Mit vorsichtigen Schritten betrat sie den Wald. Er war sehr dicht bewachsen. Hier und dort gab es einige sehr feuchte stellen, was darauf hindeutet, dass es nicht vor allzu langer Zeit geregnet hatte. Außerhalb des Waldes sah es aufgrund der warmen Temperaturen gar nicht so aus. Jedes Geräusch und jedes Rascheln ließ sie wegen der vorherigen gruseligen Begegnung zusammenzucken. Jedes mal sprach sie sich selbst mut zu, dass sie ja keine Angst hatte. Wahrscheinlich spielte ihr nur irgendjemand einen Streich und sie ließ sich davon so dermaßen einschüchtern. Aber sie war doch eine Kriegerin. Sie durfte keine Angst haben.
Octavia atmete erleichtert auf, als sie das Pferd auf einer Lichtung grasen sah. Das Problem war nur, dass zwischen ihr und dem Tier ein Gewässer lag, welches sie nicht erkennen konnte. Es war sehr trüb und dunkel. Viele Pflanzen bedeckten es. Als sie sich vorsichtig mit einem Fuß vor tastete, bemerkte sie dass es zwar schlammig und rutschig war, aber keinesfalls tief. Also musste sie es nur überqueren um weiterreisen zu  können.
Schritt für Schritt watete sie durch das doch  nur kniehohe Wasser-Schlamm Gemisch.
Na, war doch gar nicht so schwer, dachte sie sich gerade schon, da trat die junge Frau in eine Stelle, die etwas tiefer war und ihr Fuß sank in den Schlamm ab. Sie hielt sich aber noch auf den Beinen und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Als sie aber weitergehen wollte, bemerkte sie, dass ihr Fuß im Schlamm feststeckte.
So ein Mist! Octavia war so nah dran, aus dem Tümpel zu kommen und nun steckte sie fest. Sie warf ihr Schwert auf den fast direkt vor ihr gelegene festen Boden, damit sie die Arme frei hatte und etwas an Gewicht verlor, das sie bei sich trug.
So fest sie auch versuchte den Fuß wieder herauszubekommen, schaffte sie es nicht. Es bewirkte eher das Gegenteil, sodass sie weiter hinein rutschte. Verzweifelt grub die mit den Händen ihre Beine frei, doch auch das brachte nicht viel. Sie war schon zu tief hinein gelangt, als das sie ihre Füße erreichen konnte. Sie war nun gefangen, weil sie sich von ihren Gefühlen leiten ließ. Sie war nun leichte Beute für wen oder was auch immer. Allerdings konnte und wollte sie nicht aufgeben. Von so etwas ließ sie sich nicht besiegen.
"Vielleicht solltest du aufhören zu zappeln…", ertönte plötzlich eine weibliche, sehr sanfte Stimme hinter ihr. Octavia erstarrte und wandte sich ihr langsam zu.
"...Umso mehr du dich bewegst, desto mehr rutscht du auch hinein…", sagte sie weiter.
Octavia sah nur eine durchschnittlich große- vielleicht etwas kleiner als sie selbst- , schlanke Frau vor sich stehen. Sie trug ein zerrissenes schwarzes Kleid -wohl eher die Überreste davon- und einen schwarzen Umhang. Die Kapuze war über den Kopf gezogen.
"Vielleicht kannst du mir lieber hier heraus helfen, anstatt kluge Sprüche zu bringen!", keifte Octavia die Frau fast schon an.
"Ach sollte ich das?", erwiderte die Frau nur trotzig und zog dabei die Kapuze von ihrem Kopf.  Das Gesicht und ihre Gesichtszüge ließen vermuten, dass sie wohl im gleichen Alter wie Octavia sein musste, oder etwas älter. Ihre langen Haare waren verfärbt. Vermutlich waren sie mal sehr hellblond. Die Frau musste sich Erde oder Schlamm in die Haare gerieben haben, damit diese dunkler wirkten.
Die Augenfarbe konnte Octavia nicht ganz erkennen. Die Dunkelheit des dichten Waldes und die vielen grünen Pflanzen um sie herum ließen sie nicht sicher sein. Vermutlich waren sie aber blau.
"So stehen wir uns nach all der Zeit wieder gegenüber… Nur diesmal bist du in der verletzlichen Position...[/i], sagte die Frau weiter. "Gurth-en-Dúath, Tod aus dem Schatten… Sernereth, die Blutkönigin… Oder doch lieber… Octavia?".
Octavia wusste nicht was sie antworten sollte. Sie fragte sich nur, woher diese Unbekannte Frau von ihren anderen Namen wusste. War sie vielleicht eine von Luthias Leuten? Sie war sich unsicher, deshalb schwieg sie noch weiter. 
"Ich habe einiges über dich gehört. Man sagte dass du genau wie Thurion bist…", sagte die Frau spitzfindig.
"Was zur Hölle willst du von mir ?", fauchte Octavia sie nun doch an. Sie verstand nicht, warum die Frau ihr nicht einfach half.
"Ich weiß es nicht… Vielleicht Rache… Vielleicht Vergeltung… Genugtuung?", während die Frau das sagte, hob sie das Schwert von Octavia auf, welches neben ihr lag.  "...Das Schwert unseres Vaters… Man spürt förmlich die Macht die es durchfließt, so wie bei der Krone… Thirak hat es mitgeführt… Wusstest du, dass er es Melkor in den Bauch gerammt hatte, als der Schwarze Feind der Welt mich töten wollte?".
Nachdem sie die Worte ausgesprochen hatte, riss Octavia ihre Augen auf, denn ihr wurde klar wen sie vor sich hatte.  Es war niemand anders als ihre Halbschwester Kiana Vaneryen. Doch wie konnte das sein? Sie war doch abgestürzt und tod. Das Reich gab es nicht mehr. Aber es war wirklich Kiana. Octavia erkannte ihre Violetten Augen und die Haare mussten unter all der braunen Farbe -die in die Haare gerieben wurde- silber sein. War sie nun doch verrückt geworden? 
Das alles machte sie nur noch wütender, sodass sie versuchte aus dem Tümpel zu gelangen um Kiana zu erreichen. Doch es funktionierte nicht.
"Na na na.. ", machte Kiana nur und hielt das Schwert an Octavias Hals. "Willst du etwa sterben? Bevor du elendig im Schlamm erstickt, kann ich dich auch gleich umbringen… So bekäme ich wenigstens meine Rache!".
Octavia warf Kiana nur einen bösen Blick zu, der sich aber schnell in einen ernsten verwandelte.
"Denkst du wirklich du kannst mir Angst machen?",erwiderte sie nur entschlossen und kalt, während sie ihren Hals an die Spitze des Schwertes drückte. "Na los, mach es… Beende es…".
Was hatte sie denn noch zu verlieren? Alle hassten sie und sie wusste ohnehin nicht wohin sie gehen sollte. Wenn Kiana nun doch am Leben war, war sowieso alles umsonst.
"Arme kleine Octavia… Die Dunkelheit hat wohl dein Herz ergriffen. Genau wie es meins verschluckte… Du hörst auch diese Stimmen, nicht wahr?", entgegnete Kiana, ohne aber das Schwert zu senken. Octavia dachte auch nicht daran ihren Hals von  der Klinge zu entfernen und warf Kiana nur einen ernsten Blick zu. "Du bist auch nicht mehr das kleine Mädchen. Nicht nachdem was du alles gesehen hast und was sie dir angetan haben… Sag mir eins: Warum bist du hier alleine und nicht im Norden?".
Octavia war leicht überrascht. Sie hatte nie gedacht, dass Kiana auch diese Stimmen hörte. Wie sonst sollte sie darauf kommen? Sie hatte noch nie jemanden davon erzählt. Nicht einmal Kael.
"Was spielt das für eine Rolle?", stellte sie nur die Gegenfrage. Eine wirkliche Antwort erwartete sie allerdings nicht.
"Sie hassen dich, nicht wahr?", antwortete Kiana nur und hatte dabei ein leichtes Lächeln auf den Lippen. "Du hast etwas getan, warum sie dich hassen… Ich sehe dir doch an, dass du eine große Last auf deinen Schultern trägst… Und deine Augen verraten dich!".
Octavia wurde für einen kurzen Moment warm. War sie so leicht durchschaubar? Sie senkte nur erschrocken den Kopf, in der Hoffnung den Blicken Kianas ausweichen zu können.
"Wie fühlt es sich an, von allen gehasst zu werden?", bohrte die silberhaarige Frau weiter nach.
Octavia antwortete nicht. Es verletzte sie zutiefst, wenn sie darüber nachdachte. natürlich war das kein schönes Gefühl. Die bittere Wahrheit, die sie ausgerechnet von Kiana hörte, ließen sie nur Trübsal blasen. Immerhin hatte sie recht. Genau wie Kiana wurde sie nun gehasst. Allerdings wollte sie sich nicht weiter mit Kiana unterhalten. Wozu auch. Octavia hasste sie über alles. Wegen ihr war die Welt erst so elendig wie sie war. Wegen ihr kam es überhaupt erst dazu, dass sie die Dinge tat, die sie im Norden und in den Minen tat. Deshalb sagte sie weiter nichts und sah nur nach unten.
"Einfach so wärst du niemals gegangen, richtig? Du wurdest weggeschickt, weil du eine Gefahr für andere darstellst… Nachdem du die Macht genossen hast…", sagte Kiana weiter und hatte etwas siegessicheres in der Stimme. "Dein Fehler war es zu mögen…".
"Was zu mögen?", fragte Octavia nur verwirrt und mit zittrigen Stimme.
"Die Macht… Denn sie zu mögen ist der Kuss des Todes… Meine Feinde mussten das spüren und auch… Ich… Nachdem ich ihr selbst verfallen bin… Das Blut der Maiar, das wir in uns tragen, ist eine schwere Bürde: Es verleiht uns macht, aber dafür sind wir ein Teil der Dunkelheit!".
Octavia schwieg weiter. Was sollte sie auch dazu sagen. Es war nur ein Jammer, dass sie dort gefangen war und nicht fliehen konnte um dich das Geschwafel weiter anzuhören.
"Aber wer kam wieder an und hat sich alles geholt, was jemand anders aufgebaut hat? Ist es nicht auffällig, dass es immer Thirak ist?", fing Kiana an. Dabei hörte sie sich schon eher verärgert an. "Zuerst opfere ich meine Armee, mein ganzes Vorhaben Königin zu werden um Mittelerde zu retten, dann kommt Thirak und sagt er ist der wahre Erbe des Throns… Und du vereint den Norden, versuchst deine Leute am Leben zu erhalten und wer ist nun der König von Angmar und Arnor? Thirak…".
"Nein. Er glaubt ,genau wie der Mann den ich liebte, dass wir alle ein gemeinsames Volk sein können… Ein Volk das selbst bestimmt von wem es beherrscht wird… Ohne Unterdrückung…", entgegnete Octavia direkt. "...Dafür liebe ich auch ihn!".
"Sicherlich ein netter Gedanke… Doch wohin hat es ihn gebracht ? Dass er nun bestimmt wann und wie es passieren wird?", fragte Kiana eher ironisch. Octavia antwortete wieder nicht sondern beobachtete Kiana nur, die nun das Schwert von ihrem Hals entfernte. Auch wenn Octavia das nicht zugeben wollte, war dies eine große Erleichterung.
"Du hast dein Volk durch schwere Zeiten geführt… Hast es zusammengehalten… Du weißt wie das funktioniert. Genau wie ich!", sagte Kiana überzeugt. "Wir beide können die Welt zu einem besseren Ort ohne Leid machen… Auch wenn unser Anfang nicht ganz schön war, sind wir eine Familie! Mein Hausspruch, den meine Mutter Anarya wählte, ist Feuer und Blut... Ich bin das Feuer und du stehst für das Blut, verstehst du das?".
Octavia verstand eher gar nichts. Deshalb sah sie Kiana nur irritiert an. Was sollte sie auch schon dazu sagen? Sie wollte in ihrem Leben immer nur frei sein, danach nur Kiana töten. Nachdem sie von der Verwandtschaft zu Kiana hörte zerbrach sie innerlich. Und nun sollte sie sich mit ihr zusammentun? Das was sie nie wollte?
"Wir sind für diese Welt bestimmt! Die ganzen Prophezeiungen und Schriften die ich im Osten gelesen und gehört habe ergeben plötzlich Sinn!", rief Kiana fast schon fantastisch. Dabei beugte sie sich schon rüber zu Octavia, ohne dabei aber in den Tümpel zu treten.
"Du bist wahrlich verrückt…", sagte Octavia nur.
"Und so bist du es auch…", erwiderte sie kurz. "...Aber zunächst… Gucken wir wie wir dich hier heraus bekommen…".
Danach verschwand Kiana erst einmal. Octavia war eine ganze Weile alleine. War das vielleicht nur eine Einbildung ihres nun vollkommenen verrückt gewordenen Verstandes? Die junge Frau seufzte nur laut und versuchte erneut vergebens ihre Beine aus dem Schlamm zu befreien.

Nach einer Weile atmete die junge Frau stöhnend aus durch.
Ich gib's auf, dachte sie gerade und im gleichen Moment wurde ihr ein Seil zugeworfen. Irritiert sah die junge Maiar sich um, weil sie nicht sah von wem es ihr zugeworfen wurde. Dann aber sah sie wirklich wieder Kiana, die an dem Pferd das andere Ende des Seils befestigte. Sofort griff sie sich das Seil, wickelte es etwas um ihre Hände und ließ sich von der Kraft des Pferdes herausziehen. Octavia dachte für einen Moment ihr Oberkörper würde vom Unterleib getrennt werden, dann aber lösten sich ihre Füße aus dem Schlamm, sodass sie endlich befreit war.
Sie blieb noch kurz auf ihrem Bauch auf den Waldboden liegen , bis sie sich auf ihren Rücken drehte und durchatmete.
Ziemlich schnell richtete sie dich allerdings auf, denn ihre größte Feindin war noch immer da: Kiana Vaneryen.
Obwohl Octavia erschöpft war, stürmte sie auf Kiana zu und versuchte die ehemalige Königin von Mittelerde zu Boden zu bringen.  Weit kam sie damit nicht, denn irgendetwas in ihr hielt sie davon ab und ließ eher ihre Knie weich werden.
"Nein… Nein…", quängelte sie nur leise vor sich hin. Es konnte doch nicht sein, dass sie es nicht mehr schaffte Kiana zu überwältigen und zu töten. Das war doch das, was sie so lange begehrte. Nun weigerte sich etwas in ihr das zu tun.
Sie rutschte zu Boden und krallte sich mehr oder weniger dabei an Kiana fest, die langsam mit ihr nach unten wanderte, bis Kiana Octavia fast schon in ihre Arme hatte.
Octavia wollte nicht weinen. Nicht vor Kiana. Doch die Tränen konnte sie kaum zurückhalten. Sie wusste noch nicht einmal warum. Das Gefühl von Traurigkeit und von dieser unendlichen leere breite sich nur wieder in ihr aus. Die junge Frau spürte, wie Kiana sie in ihren Armen hielt und ihren Kopf streichelte, was sie nur noch weiter traurig stimmte.
"Schht…", machte die ehemalige Königin nur. "...Es ist alles gut… Ich bin ja da.".
Octavia hielt sie weiter fest und schluchzte in Kianas Bauch hinein. Sie konnte ihre Gefühle nicht mehr zurückhalten und konnte dabei Kiana nicht mehr böse sein. Egal für was. Das ließ sie nur noch mehr weinen.
Als sie sich schließlich beruhigte, löste sich Kiana von ihr und erhob sich. "Na los, komm hoch…", sagte sie nur, während sie dabei Octavia hoch zog, bis auch sie wieder auf ihren beiden Beinen stand. "...Wir sollten uns so langsam auf dem Weg machen…".
Ohne weitere Fragen zu stellen wischte sie sich mit dem Unterarm über das Gesicht, nahm die Zügel des Pferdes und folgte Kiana den Waldweg entlang.

Nach einer Zeit des Schweigens fühlte sich Octavia wieder in der Lage etwas sagen zu können. Deshalb nutzte sie auch sofort die Möglichkeit Fragen zu stellen, die ihr auf der Zunge brannten. Immerhin wollte sie unbedingt wissen, wie Kiana den Absturz überleben konnte und unbemerkt mitten in Gondor -wenn auch in der Wildnis- zu leben. Sie konnte sich einfach nicht vorstellen, wie das möglich war.
"Ich habe mir immer wieder überlegt und versucht vorzustellen, wie es überhaupt möglich ist dass du noch lebst…", fing sie an.
"Nachdem ich abgestürzt war und mir unzählige Verletzungen zugezogen haben bei jedem der einzelnen Schläge gegen das Gestein des Gebirges, wurde ich gefunden… Zwei mal um genau zu sein…", antwortete Kiana und wirkte dabei nachdenklich.
"Zwei mal?", fragte Octavia ungläubig und vorsichtig nach.
"Ja… Die ersten waren eine Gruppe Männer, die in Rüstungen gekleidet waren… Vielleicht Rebellen, ich weiß es nicht genau… Sie waren sich nicht sicher, ob ich wirklich die Kiana war, aber sie haben mich trotzdem am Boden liegend geschlagen und vergewaltigt, damit sie ihre Befriedigung über den Absturz der Drachenkönigin zu bekommen…", sagte Kiana ohne eine Miene zu verziehen. Octavia schluckte daraufhin nur. Das war wahrlich nichts was man einer anderen Frau wünschte. Selbst nicht der ärgsten Feindin. "...Danach haben sie mich dort zurückgelassen und gingen sowieso davon aus, dass ich die nächsten Stunden sterben würde… Vielleicht war es auch kurz davor… Doch der Glaube an mich selbst und meiner Bestimmung in dieser Welt war größer!".
Dabei wirkte Kiana sehr überzeugt und bestimmend. Die Drachenkönigin blieb stehen und sah Octavia tief in die Augen. Sie kannte ihren Überlebenswillen ja von sich selbst. Sie empfand so etwas wie Mitleid für die ehemalige Königin. Gleichzeitig wusste sie nicht was sie dazu sagen sollte. Besonders weil Kiana nichts sagte und es Octavia so vorkam, als wartete sie auf eine Antwort, verunsicherte sie weiter.
"Und wer hat dich das zweite Mal gefunden?", fragte sie wieder vorsichtig nach.
"Ich hatte Glück, dass ich von einem Bauern und seiner Frau gefunden wurde… Sie nahmen mich mit zu sich auf den Hof und pflegten mich wieder gesund…", erzählte Kiana betrübt. "...Das ironische ist, dass beide ihre alten Titel verloren hatten, weil sie zum alten Adel gehörten und trotzdem halfen sie mir, nachdem sie bemerkten wer ich war… Sie hätten mich einfach sterben lassen können...".
"Nicht jeder meint alle vernichten zu wollen, die nicht wie man selber denkt!", erwiderte Octavia nur kurz und schmerzlos.
"Hast du nicht selbst noch deine eigenen Leute dafür hinrichten lassen, weil sie desertieren wollten?", entgegnete Kiana mit einer Gegenfrage. Octavia war bewusst dass Kiana damit recht hatte. Es war noch nicht einmal so lange her. Sie hätte ja selbst ihren Bruder in der Arena sterben lassen und wollte Thirak töten. Wahrscheinlich musste sie einfach einsehen, dass sie nicht besser als Kiana war. Deshalb schwieg sie nur und senkte den Kopf, um Kiana damit recht zu geben. Die ehemalige Königin gab nur ein zufriedenen Laut von sich und hatte ein schiefes Lächeln auf ihren vollen Lippen.
"Wo führt dich eigentlich dein Weg hin?", wollte Kiana schließlich wissen und sah ihre Halbschwester liebevoll mit ihren Violetten Augen an. Octavia sah mit ihren Grünen Augen zu der etwas kleineren Kiana und zuckte mit den Schultern. Sie wusste ja selbst nicht wohin.
"Ich weiß es nicht…", sagte sie noch dazu, als sie das Ende des Waldes erreichten und die weite Landschaft von Lamedon wieder sichtbar war.
"Vielleicht sollten wir uns dann zusammentun und gemeinsam für eine Gerechte Welt kämpfen!", fing Kiana plötzlich an.
"Nicht schon wieder das..", entgegnete Octavia nur genervt.
"Wir beide sind vom Blute der Maiar und zusammen sehr mächtig… Es ist unsere Möglichkeit etwas erreichen zu können!", versuchte ihre Halbschwester sie wieder zu überzeugen.
"Ich denke es ist besser, wenn wir unsere Wege wieder trennen…", wimmelte Octavia sie sofort ab. "...Wir haben uns noch vorher versucht umzubringen und haben beide für viel Leid gesorgt. Wir beide zusammen würde nur mehr Unheil bedeuten…".
Dann stieg sie ziemlich schnell auf den Sattel des Pferdes. Kiana hielt es noch am Halfter fest. Octavia warf ihr nur einen vorwurfsvollen Blick zu und deutete ihr aus dem Weg zu gehen.
"Aber das Schicksal hat uns hierher zusammengebracht!", erwiderte Kiana. "Wir beide sind Schwestern! Du das Blut und ich das Feuer! Denk dran!".
"Ja, ja… Werde ich vielleicht", antwortete sie nur und ließ ihr Pferd vorwärts laufen.
"Also lässt du mich hier alleine zurück?", rief Kiana Octavia noch hinterher. Sie aber dachte nicht an das Stehenbleiben und ritt weiter im schnellen Tempo voran.

Was war das für eine seltsame Begegnung, dachte Octavia, Hätte ich sie vielleicht doch töten sollen?
Sie seufzte, als sie in ihren Gedanken die schlanke Frau mit den silbernen Haar und violetten Augen vor sich stehen sah. Sie kam sich selbst dermaßen dämlich vor, dass sie vor Kiana geweint hatte und in ihren Armen lag. Gleichzeitig war es seit langem das schönste Gefühl. Ihr kam es so vor als war Kiana die einzige, die sie verstehen konnte. Immerhin hörte sie selbst diese Stimme und musste mit der inneren Macht zurechtkommen.
Trotz allem was zwischen ihnen vorgefallen war, schien Kiana sie annehmen zu wollen obwohl sie gar keinen Grund dazu hatte.
Octavia fühlte sich schlecht weil sie sich unter solchen Umständen kennengelernt hatten und weil sie so etwas durchmachen musste. Die junge Maiar dachte auch wieder an Deloth, der von einem gesamten vereinten Mittelerde geträumt hatte. Er musste dafür sterben, weil andere sich über alles stellten und eigene Gesetzmäßigkeiten bestimmten. Er wurde aufgrund Vorurteile hingerichtet. Natürlich verfolgte Thirak ein ähnliches Ziel. Aber wie sicher konnte sie sein, dass er auch wirklich richtig handelte.
Sollte sie vielleicht doch wieder umdrehen und mit Kiana gemeinsame Sache machen?
Du bist wirklich jetzt verrückt geworden darüber nachzudenken, Octavia, dachte sie sich stöhnend. Sie erwischte sich dabei darüber nachzudenken und gefallen daran zu finden bei ihrer Halbschwester zu sein. Was wohl die anderen dazu sagen würden. Wobei das wohl kaum eine Rolle spielte. Hassen taten alle sie ja sowieso. Selbst ihr Bruder Kael.
Was soll's, dachte sie sich schließlich und nahm die Zügel fest in die Hand um das Pferd zum umdrehen zu bewegen. Sie musste nun darauf hoffen dass Kiana auch noch da war, wo sie ihre Halbschwester zurückließ.
Als sie wieder den Wald vor sich sah, erkannte sie auch Kiana, die zu Fuß unterwegs und noch nicht weit gekommen war. Sie ritt auf sie zu, die fast schon erschrocken zu ihr sah, als sie die Hufen des Pferdes hörte.
"Komm, steig auf…", sagte Octavia außer Atem. "...Ich bringe dich nach Hause…".
Kiana ließ das sich nicht zweimal sagen und stieg auf den Rücken des Tieres. Octavia half ihrer silberhaarigen Halbschwester hoch und machte ihr etwas Platz. Sie legte ihren eigenen braunen langen hochgebundenen Zopf über ihre Schulter -so gut das mit ihren dicken Haaren möglich war-  damit Kiana die Haare nicht im Gesicht hatte.
"Wo sollen wir hin?", vergewisserte sie sich, denn ihr war klar, dass Kiana ganz sicher nicht einfach in Minas-Tirith auftauchen konnte.
"Nach Tolfalas…", antwortete sie sanftmütig. "...Nach Minas-Alagos, mein Geburtsort!".
Dann trieb sie das Pferd an, um an die Küste zu gelangen und mit einem Schiff auf die Insel Tolfalas zu fahren…


Octavia Sagitta und Kiana Vaneryen auf dem Weg weiter östlich nach Linhir in Lebennin…
« Letzte Änderung: 10. Jul 2021, 22:04 von >Darkness< »
Grüße Darkness

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Linhir (Gondor)
« Antwort #53 am: 4. Jul 2021, 12:25 »
Linhir (Gondor)

Octavia zusammen mit Kiana in Linhir…


Octavia ritt mit Kiana weiter östlich in Richtung Lebennin um endlich einen Hafen zu erreichen, damit sie nach Tolfalas mit einem Schiff übersegeln konnten. Zwar lag Dol-Amroth nicht weit weg, doch Kiana riet nur dazu nicht in die große Handelsstadt der Schwanenfürsten zu gehen, da die Gefahr zu groß war erkannt zu werden. So entschieden sich beide Frauen lieber dazu weiter östlich eine Hafenstadt zu finden. Octavia konnte noch immer nicht glauben, dass sie mit Kiana zusammen unterwegs war und auch noch bei ihr bleiben würde. Sie hatte nicht einmal eine richtige Idee, wie das nun weitergehen sollte. Auch wenn sie sich auch Kiana einließ, klang das alles doch sehr unrealistisch. Immerhin hatten sie nichts und niemanden auf ihrer Seite. Und ob diese Festungs auf Tolfalas namens Minas-Alagos wirklich unbewohnt war, wusste ja auch niemand. Was war wenn sie auf eine große Garnison stießen? Octavia hatte zwar kein Problem damit diese auszulöschen, aber zu zweit einen Krieg mit einem ganzen Königreich -oder was Gondor auch immer jetzt war- zu entfachen war sicherlich keine gute Idee. Dann fielen sie sofort auf und das ganze Vorhaben war zunichte gemacht.
Die Stadt Linhir war schon zu sehen. Sie war recht groß und von der Anhöhe auf der sich Octavia mit Kiana befand, konnten sie  das großes Treiben schon von weitem erkennen. Sowohl auf den Straßen, als auch am Hafen und auf den Schiffen.
"Meinst du wirklich, dass wir dorthin gehen sollten?", fragte Octavia skeptisch nach und drehte ihren Kopf etwas nach hinten, wo Kiana saß.
"Na, wie sollen wir sonst überfahren?", entgegnete Kiana nur zuversichtlich. "Mit einem kleinen Fischerboot aus einem der Dörfer an den Küsten kommen wir nicht weit… Und außerdem…".
Octavia war die Antwort plausibel. Dennoch wartete sie darauf, dass Kians ihren Satz vollendete, den sie künstlich in die Länge zog.
"Und außerdem was?", wollte die junge Maiar schließlich wissen.
"Nun ja, ich könnte ein Bad gebrauchen… Sieh dir meine Haare an!", antwortete sie nur recht eitel. Octavia verzog daraufhin nur ihr Gesicht. Das war ganz sicher nicht das wichtigste und konnten die erledigen, wenn sie Tolfalas erreichten und in Minas-Alagos ankamen.
"Meinst du nicht dass das warten kann?", schlug sie argwöhnisch vor. "Mich kennt hier niemand… Aber deine silbernen Haare sind sehr auffällig und ein Alleinstellungsmerkmal… Besonders für die Gondorer die dich weiterhin hassen…".
"Ich kann den Dreck an mir aber nicht länger ertragen…", sagte Kiana und klang dabei fast schon verzweifelt. "...Ich habe schon so lange darauf verzichtet… Keiner wird uns leichtfertig mitnehmen, wenn wir aussehen wie zwei
Vagabunden… Ich kann mir auch nicht vorstellen dass du das nicht auch willst. Immerhin sind wir zwei Frauen!".
Octavia seufzte. Ihr hatte gerade noch geheult mit einer eitlen Prinzessin auf Reisen zu sein. Sie selbst war da eher pragmatisch eingestellt. Als Kriegerin konnte sie nicht jedes Badehaus aufsuchen und sich um ihr Äußeres kümmern. Allerdings fehlte es ihr auch ein Stückchen. Viele Jahre hatte sie kein anständiges warmes Bad. Wenn dann war sie immer nur in einem See Arnors ohne all die schönen Düfte. Das letzte mal war zwar noch als sie Carn-dûm mit Thirak erreichte, aber das war nun auch viele Tage her. Sie stimmte schließlich zu und beide Frauen ritten die Ebene vor den Stadtmauern langsam entlang, bis sie schließlich die Stadttore durchquerten.

Kurz danach wurden beide Frauen schon von einem der Torwächter aufgehalten, indem er sich ihnen mitten in den Weg stellte. Octavia brachte das Pferd noch zum Stehen.
"Halt! Wo wollt ihr hin?", fragte der Wächter ziemlich unfreundlich.
"Wir sind nur dauernder Durchreise und suchen einen Ort zum übernachten!", erwiderte Octavia ziemlich schnell.
Sie bemerkte die argwöhnisch Blicke, die der Wächter Kiana zu warf, die hinter ihr auf dem Pferd saß.
"Gut…", sagte er schließlich. "Macht ihr Ärger hier sperren wir euch ein… Meine Männer und ich behalten euch beide im Augen!".
Octavia nickte dem Mann nur freundlich zu. Sie ließ das Pferd noch einige Schritte nach vorne laufen, bis sie schließlich Abstieg und auch Kiana herunter half. Dann führte sie das Tier an einem dafür vorgesehenen Stall. Als sie zurück zu Kiana ging, fiel ihr auf dass ihre Halbschwester nach oben sah. Octavia verfolgte mit ihren Augen die Richtung und entdeckte ein Banner welches den weißen Baum Gondors zeigte.
Die junge Maiar lag ihre Hand auf Kianas Schulter und lächelte ihr nur schief entgegen.
"Mach dir nichts daraus.", sagte sie nur und lief voran.
Die Stadt unterscheidete sich deutlich von denen in Arnor. An den Gebäuden und Straßen erkannte Octavia deutlich, dass viel Geld und Zeit investiert wurde, um die gesamte Stadt sauber und intakt zu halten. Die meisten Straßen waren gepflastert und viele Ecken besaßen Grünanlagen
Viele der Händler versuchten ihre Waren auf dem Marktplatz zu verkaufen, indem der eine die seinen lauter anpries als der andere. Wiederum andere Kaufleute waren damit beschäftigt die vielen beladenen Karren von den Häfen in die Innenstadt zu koordinieren oder umgekehrt.
Octavia lief die vollen Straßen um so etwas wie ein Badehaus zu finden. In Richtung Hafen konnte wohl nichts sein. Sie wollte zuerst Kiana befragen, die ihr mit gesenktem Kopf und überzogener Kapuze folgte. Deshalb ließ sie es lieber sein und versuchte selbst den Weg zu finden.
Schließlich blieb sie vor einem großen grauen Gebäude stehen. Es war rundlich gebaut und eine Kuppe zierte das Dach. Neben den großen Türflügeln hing ein Schild. Darauf waren sich zwei kreuzende Bürsten abgebildet. Darunter stand ganz schlicht in Westron Badehaus geschrieben.
Ich denke das wird es sein, dachte sich die junge Maiar gerade. Freudig wollte sie die Entdeckung mit Kiana teilen und  sagen "Wir sind da!", doch sie musste feststellen, dass ihre Halbschwester mit dem silbernen Haaren plötzlich verschwunden war.
Panisch sah sich Octavia um, doch sie konnte die Frau nirgends im Gedränge auf den Straßen sehen.
Auch das noch, dachte sie sich seufzend. Das war das letzte was sie nun gebrauchen konnte. Sie wollte gerade umdrehen und nach Kiana suchen, da stieß sie mit einer Person zusammen.
"Kannst du nicht aufpassen?!", keifte Octavia sofort los und rieb sich die Stelle am Kopf. Als sie die Augen wieder öffnete, erkannte sie ziemlich schnell, dass es Kiana war die vor ihr stand. Sie hielt ein Bündel in den Händen und zog nur ihre rechte Augenbraue hoch.
"Wo was du, verdammt nochmal?!", fragte Octavia recht unfreundlich nach.
"Ich habe etwas besorgt…", antwortete sie nur bockig. "...Willst du etwa wieder in deine dreckige Kleidung?".
Octavia stöhnte nur. Ihr war es egal ob ihre Kleidung dreckig war oder nicht. Sie konnten sich später darüber Gedanken machen, wenn sie nicht umgeben von potentiellen Feinden waren. Über ihr aussehen war das letzte worüber sie sich Gedanken machte. Besonders in letzter Zeit. Sie konnte in der Zeit bei den Rebellen auch kaum darüber nachdenken. Genau deshalb wollte die junge Frau auch lieber alleine unterwegs sein. Eine Prinzessin die sich zu schade war dreckig zu werden war nur ein Hindernis.
"Musste das wirklich jetzt sein?", wollte Octavia seufzend wissen.
"Ja!", antwortete Kiana nur kurz und überzeugt.
"Woher hast du denn das Geld?", fragte sie weiter.
"Ich hatte es bei mir… Sonst könnten wir uns kaum das Badehaus leisten, geschweige denn eine Überfahrt nach Tolfalas bezahlen…", erwiderte Kiana rechthaberisch. "...Außer du hast vor mit anderen Mitteln einen Seemann zu überzeugen. Eine hübsche junge Frau bist du ja schon mal! Ich würde da nicht nein sagen!".
Octavia schüttelte nur ablehnend ihren Kopf. Kiana kicherte dagegen nur in die Bündel auf ihren Armen hinein.
"Ich habe auch etwas für dich dabei!".
Octavia verdrehte nur die Augen und drehte sich wieder um, damit sie in das Badehaus gehen konnten. Diesmal vergewisserte sie sich, dass Kians ihr auch folgte.

Im Vorraum des Badehauses saß ein Mann in edlen Roben an eine art Schreibtisch, der direkt mittig aufgestellt war. Vorsichtig näherte sich Octavia dem Mann, der ihr nur freundlich entgegen lächelte.
"Ich heiße euch willkommen meine Damen!", erhob er seine Stimme. "Kann ich euch irgendwie weiterhelfen? Habt ihr euch verlaufen?".
"Äh, nein…", entgegnete Octavia nur pampig. "...Wir wollen das Badehaus benutzen!".
"Das kann ich mir sicherlich vorstellen, so wie ihr aussieht… Aber nachdem die Tyrannenkönigin von uns geschieden ist, gelten wieder die alten Gesetze und das ist in diesem Fall Geld…", sagte der Mann unfreundlich und sah beide Frauen abwertend von oben bis unten an. "...Ihr scheint mir eher aus… Anderen Verhältnissen zu kommen…".
Octavia wurde wütend und wollte dem Mann eine Abreibung verpassen. Ihre Hand lag schon auf dem Griff ihres Schwertes. Durch eine Berührung Kianas auf ihrer Schulter hielt sie sich aber zurück, auch wenn es ihr schwer fiel.
"Nicht!", flüsterte sie nur und ging dabei auf den Mann zu. Octavia sah ihrer Halbschwester dabei zu und wie sie ein Stapel Münzen auf den Tisch knallte. Der Mann in den edlen Roben riss seine Augen auf und starrte auf das Gold.
"W-woher habt ihr das ? Naja ist ja auch egal… Nuriel wird euch zeigen, wo ihr euch zunächst waschen könnt und dann in das warme Bad könnt!', sagte der Mann plötzlich und wirkte dabei gestellt freundlich. "Nuriel! Wo bist du? Wir haben Gäste!".
Eine schlanke, recht große Frau mit langen schwarzen Haaren trat hervor und bat Octavia und Kiana ihr zu folgen. Beide taten dies ohne Widerworte.
"Unter meiner Herrschaft waren die Badehäuser zugänglich für jeden… Eine Schande…", sagte Kiana gehend zu Octavia. Auch wenn sie nicht  antwortete, wusste sie insgeheim dass Kiana richtig lag. Warum sollte das jemanden auch verwehrt werden.
Beide Frauen wuschen sich den Schlamm aus den Haaren und vom ganzen Körper. Besonders Kiana hatte damit mehr zu kämpfen, da sie sich ihre Haare damit eingerieben hatte. Octavia blieb hinter einer Trennwand. Ihr war es eher unangenehm von ihrer Halbschwester Splitterfasernackt zu werden. Warum wusste sie nicht ganz. Immerhin haben sie schon ganz a der Personen ohne Kleidung gesehen. Kiana war dazu ja eigentlich noch eine Frau. Dennoch war sie leicht von ihrer Anwesenheit verunsichert. Vielleicht lag es daran, dass sie noch vor einiger Zeit versuchte Kiana zu töten und umgekehrt.
"Na, was ist? Kommst du?", fragte Kiana freundlich und mit einem Lächeln im Gesicht. Octavia griff sich ein Tuch und wickelte sich zunächst darin ein, um der ehemaligen Königin zu folgen. Sie hatte sich die Haare hochgesteckt. Octavia hatte sich nur wie immer ihren hohen Zopf gemacht.
"Lass mich dir helfen!", sagte Kiana und anstatt auf eine Antwort zu warten fummelte ihr an ihren Haaren herum.  Als Octavias Haare ebenfalls hochgesteckt waren, ließ Kiana zufrieden von ihr ab.
"Du solltest öfter deinen Nacken zeigen…", sagte Kiana nur und ging voran.
Octavia folgte ihrer Halbschwester ohne etwas zu sagen. Sie wusste noch nicht recht ob sie sich wohl fühlen sollte oder nicht.
Sie ging mit schnellen Schritten in das warme Nass. Die Temperatur und der blumige Duft war sehr angenehm. Das erinnerte sie an ihre Kindheit in Minas-Tirith, auch wenn sie nicht ganz einfach war.
Erschöpft lehnte sie ihren Kopf an den Rand und genoss einfach die Ruhe und die Entspannung. Sehr lange Zeit verspürte sie so etwas nicht. Dass sie das ausgerechnet mit Kiana erlebte hätte sie niemals geglaubt. Die junge Maiar hatte so viele Fragen im Kopf, die sie an Kiana richten wollte. Besonders was das ganze Vorhaben anging.
Bevor sie allerdings etwas sagen konnte, wurde sie von Kiana angestupst.
"Hm?!" , machte sie nur und wollte die Augen gar nicht öffnen.
"Siehst du diesen Mann dort drüben?", fing Kiana dann. "Er hat wohl ein Auge auf dich geworfen!".
Mann?! Welcher Mann?!, dachte sich Octavia nur. Vorhin waren sie doch noch ganz allein in der Halle. Ziemlich rasch positionierte sie ihren Kopf wieder normal und sah nach vorne. Tatsächlich saß auf der gegenüberliegenden Seite ein Mann, der immer wieder Blicke zu ihr war. Octavia widerte das nur an. Und ließ sich bis zum Kinn in das Wasser nieder. Kiana kicherte nur.
"Ich finde das nicht witzig!", grummelte Octavia nur vor sich hin. "Er könnte locker dreifach so alt sein…".
"Womöglich ein hoher Mann im jetzigen Königreich Gondor, der sich nun denkt, er dürfe sich alles nehmen was er sieht!", kicherte Kiana weiter vor sich hin.
"Dann lass uns lieber abhauen… Ich habe keine Lust auf Probleme, weil ich ihn gleich töte!", entgegnete sie nur, schnappte sich ihr Tuch und lief schnell aus dem Badesaal hinaus.
In einem weiteren Raum zog sie sich zusammen mit Kiana wieder an. Dabei bestand die ehemalige Königin von Mittelerde darauf, dass sie die neue Kleidung anzog. Widerwillig willigte sie schließlich ein.
Sie bestand aus einer schwarzen eng anliegenden Hose, und einem schwarzen seidigen und dünnen  Kleid, welches ihr bis zu den Oberschenkeln reichte. Kiana wickelte ihr noch einen Weinroten Umhang um. Ihr Haar trug sie -wie so selten- offen. Wenigstens konnte sie ihre eigenen Stiefel behalten. Dann holte sie Schminke hervor und wollte Octavias Augenlider mit schwarzer Farbe nachziehen und sie an den jeweiligen Enden Spitz auslaufen lassen, doch zuerst wehrte sie sich dagegen. Sie wollte jetzt nicht mit Kiana auf nette Schwester machen. Dafür war es ganz sicher zu spät.
"Halt still!", befahl Kiana schon fast in einem strengen Ton, so dass Octavia doch still hielt. Zufrieden wurde sie dann von Halbschwester gemustert. Ihr fiel auf dass Kiana fast das gleiche an hatte. Auch sie schminkte sich um die Augen und und ihr silbernes Haar zusammen -zu einem Zopf- gebunden. Dann verließ sie das Badehaus. Octavia folgte ihr nur.

Es war inzwischen schon Abend. Beiden Frauen war klar, dass es zu dieser Zeit wohl kaum eine Überfahrt gab. Auch waren sie Müde und erschöpft. Auf einen Tag mehr in Linhir kam es ganz sicher nicht an. Kiana schlug vor in der hiesigen Taverne etwas zu essen und dann zu schlafen, damit sie am nächsten Tag aufbrechen konnten.
Octavia stimme nur zu, weil Kiana ihr versprach, dass sie gleich am nächsten Morgen ein Schiff suchten.
Die Taverne war gut besucht. Einige Musiker spielten Instrumente und ein Barde stimmte aufheiternde Lieder an, die die anderen Gäste nur mit Singen, klatschen und feiern ließ. Laute Gespräche halten durch den großen Raum.
Octavia hasste eigentlich solche Orte. Das erinnerte sie wieder an die Situation, als sie versuchte Galador aus einer Schenke zu bekommen und er mehr als besoffen war. Aber wo sollten sie sonst hin. Ihnen blieb nicht viel Auswahl, bis sie endlich Minas-Alagos auf Tolfalas erreichten.
Beide Frauen setzten sich an einen Tisch der an einer Wand, abseits der anderen, stand. Octavia warf ihre Tasche -in der sich auch noch die schwarze Krone befand- und ihr Schwert auf die Bank.
Der Wirt der Taverne kam ziemlich schnell an ihren Tisch, um die Bestellungen entgegenzunehmen. Kiana bestellte sich Wein aus Dorwinion. Octavia zögerte zunächst. An sich mochte sie keine alkoholischen Getränke. Sie bevorzugte lieber Wasser. Aber das bekam man hier wahrscheinlich nicht. Deshalb entschied sie sich ebenfalls für den Wein aus Dorwinion.
Während sie auf die Getränke warteten, sah sich Octavia immer wieder unsicher um. Auch wenn alle Menschen mit ihren eigenen Grüppchen beschäftig. Trotzdem wurde sie das Gefühl nicht los beobachtet zu werden. Die Angst war doch zu groß, dass Kiana doch noch von jemanden erkannt wurde. Sie hatte nunmal eine einzigartige Haarfarbe. Noch nie zuvor hatte sie jemanden sonst mit silbernem Haar und violetten Augen gesehen. 
Als endlich ihre Becher an ihren Platz gebracht wurde, rückte Octavia etwas näher an den Tisch. Die junge Frau beobachtete Kiana dabei wie sie an ihren Becher nippte und auf die Kerze starrte, die vor ihr auf dem Tisch stand. Octavia nutzte nun die Möglichkeit, um Informationen über ihr Vorhaben zu bekommen. Bis jetzt konnte sie sich nicht vorstellen wie das funktionieren sollte. Auch wenn sie sich Hals über Kopf doch von ihren Gefühlen leiten lassen hatte und sich darauf einließ.
“Sag mal…”, fing sie an, während sie sich etwas über den Tisch lehnte. “...Wie stellst du dir das alles eigentlich vor? Ich meine wir sind so ziemlich alleine…”.
“Erst einmal fahren wir nach Tolfalas über, dann sehen wir weiter…”, antwortete sie nur mit ihrem Becher in beiden Händen haltend.
“Also hast du gar keinen Plan?”,  fragte Octavia entsetzt nach und beugte sich weiter über den Tisch zu Kiana rüber.
“Beruig dich doch mal!”, entgegnete Kiana nur lachend. “Wir müssen erst einmal verbündete finden.”.
“Und haben wir welche?”, pesste sie ihre Halbschwester weiter aus. “Du...Oder auch ich werden von vielen einfach gehasst und verachtet, falls du das vergessen hast!”.
“Glaubt man den Gerüchten, die durch das Land kursieren, sind ist Mordor noch immer mir treu und viele meiner Anhänger sollen dahin geflüchtet sein. Das wäre ein großer Vorteil!”, erwiderte die ehemalige Drachenkönigin.
Octavia seufzte und lehnte sich wieder in ihrem Stuhl zurück. Das ließ sie sich zumindest etwas beruhigen. Wenn das wirklich stimmte und Kiana hatte noch verbündete, war das ganze Vorhaben nicht ganz zum Scheitern verurteilt.
Octavia nahm auch die ersten Schlücke aus ihrem Becher. Der Wein aus Dorwinion schmeckte säuerlich, aber dennoch süß. Schon fast eine Wohltat für die Zunge und Gaumen. Damit hatte die junge Frau gar nicht gerechnet. Relativ zügig nahm sie danach weitere Schlückchen, bis ihr Becher geleert war und sie das Gefäß schon fast auf den Tisch hämmerte. Als sie sich mit ihrem Arm den Mund abwischen, fiel ihr der erstaunte Blick Kianas auf.
"Wie ich sehe schmeckt er dir!", sagte sie. "Da merkt man dann doch wohl das königliche Blut in dir, da dieser Wein der der Fürsten von Mittelerde war! Noch einen?".
Bevor Octavia auch nur etwas sagen konnte, stand der Wirt schon wieder an ihren Tisch und Kiana bestellte wieder zwei Weine.
"Sagt mal… Was sind denn die neuesten Gerüchte, die ihr gehört habt?", fragte Kiana den Wirt. Octavia staunte nicht schlecht. Sie hatte nicht eine solche Spitzfindigkeiten von ihrer Halbschwester erwartet.
"Oohhh", zog der Mann das künstlich Wort in die Länge. "Es gibt da so einiges. Viel ist passiert seitdem die Königin gefallen ist…".
Octavia sah von dem Wirt zu Kiana und zog dabei eine Augenbraue nach oben. Für sie war es einfach abstrus dass er von Kiana in dritter Person sprach und davon ausging dass sie tot war, obwohl sie genau vor ihm saß.
"...Die Armeen haben Rohan, zum Glück friedlich eingenommen, und man munkelt dass der neue Ratsherr von Gondor sich zum König ausrufen will, noch bevor das nächste Vorhaben umgesetzt wird…", erzählte der Mann flüsternd und lehnte sich dabei über den Tisch.
"Welches Vorhaben genau?", fragte Octavia nach. Bevor der Wirt antwortete sah er sich genau um.
"Die Gerüchte gehen herum, dass er angeblich in den Osten will und deshalb die Pferde aus Rohan braucht… Aber es ist wohl gefährlich über so etwas zu reden!", entgegnete er und ging danach zum nächsten Tisch um die übrigen Gäste zu bewirten.
"Was hat das zu bedeuten?", wandte sich Octavia wieder an Kiana die plötzlich nachdenklich drein blickte.
"Ich weiß es nicht… In Umbar habe ich noch eine Anzahl Verbündeten…", erwiderte sie. "...Es heißt definitiv nichts gutes. Wir hätten am besten schon vorgestern in Minas-Alagos sein sollen!".
Der jungen Frau blieb nicht aus, dass Kiana auf einmal ernst wirkte und das sie wirklich getroffen hatte. Sie wollte aber auch nicht weiter in Wunden bohren und schwieg lieber.
Beide Frauen wechselten eine Zeit lang kein Wort. Octavia nahm dabei immer Schluck für Schluck aus ihrem Becher. Als sie in Kianas Augen sah, kreuzten sich Octavias grüne Augen mit den violetten von Kiana. Sie sahen sich länger in die Augen, bis Kiana plötzlich anfing zu lachen und zu kichern. Octavia wusste überhaupt nicht was mit ihr los war. Daran war eigentlich überhaupt nichts witzig.
"Was ist?!", wollte sie wissen. Kiana schüttelte dabei nur kichernd den Kopf. Obwohl sie nicht lachen wollte, verwandelten sich ihre Lippen ebenfalls in ein Lächeln als sie die sich Freunde Kiana dabei beobachtete.
"Du bist verrückt!", scherzte Octavia und konnte sich das Lachen nicht mehr zurückhalten.
"Das haben wir wohl gemeinsam!", entgegnete sie nur, auch wenn es ihr schwer fiel die Worte hervor zu bringen. "Vor einer Zeit wollten wir uns noch töten und jetzt sitzen wir hier. Ist es nicht komisch?".
"Das kannst du laut sagen…", entgegnete Octavia nur und versuchte sich zu beruhigen. Eigentlich war überhaupt nichts lustig in dieser Situation und trotzdem wurde sie von Kiana angesteckt. Das seltsame war nur, dass sie selbst dabei Freude empfand als sie Kiana so strahlend sah. Umgekehrt schien es genauso zu sein, denn Kianas Augen funkelten wenn sie zu Octavia sah.
Die macht mich noch total verrückt, dachte sich die junge Frau und wischte sich dabei vorsichtig die Tränen aus den Augen, damit die Schminke nicht verlief. Sie sah nur dabei zu wie Kiana sich räusperte und sich etwas über den Tisch beugte.
"Sag mal, wo habt ihr euch eigentlich im Norden versteckt?", fing Kiana plötzlich an. "Du warst beim Angriff von Robben Rogwyne gar nicht dabei und er sprach davon dass du in Sicherheit seist "
Octavia legte ihren Kopf schief. Ihre Halbschwester war wohl eine Meisterin darin ihre Stimmungen sehr schnell zu wechseln. Sie selbst wusste zunächst nicht ob sie scherzte oder nicht. Ihr wurde aber schnell bewusst, dass es sehr wohl ernst gemeint war.  Deshalb verschwand ihr Lächeln ziemlich schnell, denn sie dachte nicht gerne an die Zeit in den Minen zurück.
"Nein… Wir waren in den Minen von Ered-Luin…", antwortete sie nur, während ihre Stimme leicht brüchig wurde. Dann trank sie ihren Becher mit einem großen Schluck leer.
"Trotz der Niederlage und dem drohenden Tod hatten sie dieses Funkeln in den Augen. Sie wären alle für dich gestorben…", sagte Kiana nur nachdenklich. "...Ich kenne diese Blicke… Früher haben Menschen so geschaut, wenn sie an mich dachten. Das war aber im Oster… niemals mehr erlebte ich das hier…".
Octavia räusperte sich nur und sagte nichts. Sie wollte nicht wieder all diese schweren Erinnerungen haben und für einen Moment bereute sie mit Kiana dort zusammen zu sitzen.
"Tut mir leid ich wollte die gute Stimmung nicht zerstören…", entschuldigte sich Kiana ziemlich schnell und rieb sich die Stirn. "...In Sachen zerstören bin ich ja wohl ziemlich gut…".
"Nein, ist schon gut…", winkte sie nur ab. Kiana hatte nur ihr Gesicht in ihre Hände vergraben, was für Octavia ein Hinweis war, dass sie wohl niedergeschlagen war. Auch wenn sie nicht wusste warum sie das tat, nahm sie Kianas Hände in ihre.
"Hey… Ich bin da auch nicht besser…", presste sie nur hervor. Kiana schenkte ihr daraufhin  nur ein schiefes Lächeln. Im Hintergrund ertönte eine traurige Ballade -gefolgt von Musik- des Barden, der über die vergangenen Kriege und der Herrschaft der Drachenkönigin sang. Auch wenn sich Kiana nicht rührte oder etwas sagte, wusste Octavia in ihrem inneren dass es nicht spurlos an ihr vorbei ging.
Die junge Frau bemerkte nur einen großen Schatten, der den ganzen Tisch bedeckte. Als sie zu ihrer linken Seite sah, erkannte sie ziemlich schnell einen großen Mann. Er war bestimmt schon am Ende der vierziger Jahre. Das ließ zumindest das Grau in seinem hellen halblangem Haar vermuten. Er trug eine silberne Rüstung und einen blauen Waffenrock, der einen silbernen Schwan abbildeten. Hinter ihm standen zwei weitere Männer ebenfalls in Rüstung.
Octavia erkannte das Gesicht des Mannes. Es war der gleiche der sie schon im Badehaus angestarrt hatte.
"Zwei wunderschöne Frauen, die man hier antrifft! Ich bin Adrohil, Kommandant der Schwanengarde aus Dol-Amroth!", fing der Mann schleimend an. "Darf ich die Namen der schönsten Wesen der Stadt erfragen?".
Auf so einen Schleimbolzen hatte Octavia überhaupt keine Lust. Warum kam er ausgerechnet zu ihnen? Hatte er nicht gesehen, dass die beiden beschäftigt waren?
Am liebsten hätte sie es ihm genauso in das Gesicht gesagt. Der Blick Kianas hielt sie aber davon ab.
"Sehr erfreut!", entgegnete Kiana übertrieben freundlich gekünstelt. "Ich bin Ki… Kyara Terelos!".
"Terelos… Ich dachte immer nur es gibt nur noch eine Frau mit diesem Namen und die wurde von unserem Herren nördlich geschickt…", sagte der Mann mit hochgezogenen Augenbrauen.
"Ach, tatsächlich?", erwiderte Kiana zügig. "Dann habt ihr wohl falsch gedacht. Wahrscheinlich hat sie nie von mir erzählt, weil sie eher die Kriegerin ist!", versuchte Kiana scheinbar scherzend den Mann zu überzeugen. Er zuckte nur mit den Schultern und schluckte die Ausrede wohl. Octavia fragte sich nur, warum Kiana ausgerechnet den Namen Terelos verwendete.
"Und wie heißt eure hübsche Freundin hier?".
"Oc...tavia… Sagitta!", explodierte ihr Familienname schon fast aus  Octavia heraus.
"Sagitta… Woher stammt eure Familie? Ist sie ein Adelsgeschlecht?", bohrte der Mann nach. Dabei schnappte er sich einen Stuhl und setzte sich zu ihnen an den Tisch.
"Nunja...Früher einmal… Meine Familie wurde von Kiana Vaneryens Angriff auf Minas-Tirith getötet…", erwiderte sie nur und ließ es sich  nicht nehmen Kiana einen vorwurfsvollen Blick zu zuwerfen.
"Das ist tragisch… Aber wir können jetzt froh sein, dass die Drachenschlampe tot ist!", rief der Mann in Rüstung schon fast freudig.
Octavia sah zu Kiana, die nur ihre Augen verdrehte. Auch sie selbst wollte dem Mann am liebsten für diesen Spruch eine Abreibung verpassen. Sie machte Kiana zwar noch immer den Vorwurf daran Schuld zu sein, aber die Männer hatten ja keine Ahnung wovon sie sprachen. Allerdings musste sie sich zusammenreißen.
Warum stört das mich überhaupt?, dachte sie sich.
"Könnt ihr euch nicht verziehen?", wollte Octavia den Mann nur genervt abwimmeln.
"Was ist denn los Schätzchen?", sagte der Mann Namens Adrohil. "Zier dich doch nicht so! Wir könnten viel Spaß haben…".
"Was verstehst du daran nicht, dass du dich verziehen sollst?!", keifte sie ihn an.
"Du wirkst gar nicht so prüde… Vielleicht solltest du dir vorher überlegen wie du rumläufst und Männer verführst!", behauptete Adrohil.
Was zum… Was will er von mir, dachte sich Octavia aufgebracht.
"Los verschwindet jetzt, bevor noch jemand verletzt wird!", forderte sie die drei Männer schließlich auf. Adrohil lachte nur auf.
"Da mag es wohl jemand ganz hart! Gefällt mir! Du wirst dich noch wundern wenn wir alle mit dir fertig sind!", nachdem er diese Worte aussprach, packte er Octavia am Arm. Er versuchte sie zu sich zu ziehen, doch die junge wehrte sich gegen seine Griffe. Allerdings konnte sie sich kaum aus seinen widerlichen Fängen befreien.
"Lasst sie in Ruhe!", sagte Kiana schon etwas lauter. Das sorgte dafür dass der Griff sich um Octavias Arm löste.
"Bietest du dich etwa freiwillig an? Du siehst ja auch hübsch aus… Warum nicht.", sagte er. Er und seine Männer wollten Kiana gerade packen, da spürte Octavia nur diese Wut und diesen Ekel in sich. Die versteckte Macht in ihr brodelte und war kurz vor dem austreten. Sie spürte wieder diese Wärme die sie durchfloss.
Sie zog ihren Dolch, den sie sich noch eingesteckt hatte, schlug ihm die Faust mit der Waffe in der Hand in das Gesicht und sprang dem Mann schon fast an den Hals. Ihre linke Hand ausgestreckt -die schon von leuchtenden violetten kleinen Blitzen umgeben war- um den Begleitern Adrohils im Notfall ihre Maiar-Kräfte entgegen zu setzen.
Der erzürnte Adrohil packte Octavia am Hals und drückte sie auf den Tisch. Das ging so schnell, sodass sie sich kaum dagegen wehren konnte.
"Stop!", rief Kiana plötzlich so laut, sodass der ganze Raum plötzlich still war.
"Ihr solltet uns jetzt besser gehen lassen… Lady Sanya Terelos würde das sicher  nicht gefallen wenn sie davon erfährt!".
Sofort ließ der Mann von Octavia ab und betrachtete Kiana von oben bis unten. Er verzog nur seinen Mund und rümpfte die Nase. Mit einer Kopfbewegung deutete er seinen zwei Begleitern an abzuziehen.
Octavia atmete erleichtert durch und rieb sie den Hals.
"Das war knapp…", sagte Kiana nur. "... Lass uns gehen. Vielleicht finden wir noch ein Schiff… Alles besser als hier!".
Octavia nickte ihr nur zu und folgte ihrer Halbschwester aus der Taverne.

Schnell machten sie sich auf dem Weg zu den Häfen. Die meisten weigerten sich während der Nacht hinaus auf das Meer zu fahren. Tatsächlich fanden sie einen alten Kapitän, der für die beiden Frauen für eine entsprechende Bezahlung nach Tolfalas fuhr. Kiana gab ihm ihr ganzes übrig gebliebenes Geld, der es erstaunt annahm.  Er trommelte zügig seine Mannschaft zusammen sodass das Schiff schon bald in See stach…


Octavia und Kiana auf dem Weg nach Minas-Alagos auf Tolfalas…
« Letzte Änderung: 10. Jul 2021, 22:05 von >Darkness< »
Grüße Darkness

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Minas-Alagos auf Tolfalas (Gondor)
« Antwort #54 am: 26. Jul 2021, 19:47 »
Minas-Alagos auf Tolfalas (Gondor)


Octavia mit Kiana in Minas-Alagos auf Tolfalas….


Die Überfahrt in der vergangenen Nacht war rau und ruppig. Trotzdem war es an sich eine ruhige Überfahrt. Zumindest empfand Octavia das so. SIe hatte die ganze Fahrt über geschlafen wie schon lange nicht mehr. Wach wurde sie erst nachdem sie von Kiana liebevoll geweckt wurde. Dabei saß die einstige Königin von Mittelerde an Octavias Bettkante und strich ihr die einzelnen Strähnen ihres braunen Haares aus dem Gesicht. Aus ihren wilden Träumen gerissen war sie zunächst alles andere als begeistert, als direkt nach dem Aufwachen in die violetten Augen ihrer silberhaarigen Halbschwester zu sehen.
Als sie endlich an Deck des Schiffes ging, verärgerte es Octavia nur mehr so früh von Kiana geweckt worden zu sein. Immerhin  waren sie noch immer nicht in Tolfalas angekommen. Sie blinzelte der Sonne entgegen und hielt ihre Hand schützend vor ihre Augen um diese vor den Strahlen zu schützen, die sie blendeten. 
Kiana stand am Bug des Schiffes und zeigte in eine Richtung. Octavia folgte dem Zeigefinger ihrer Schwester und erblickte die mächtige Festung Minas-Alagos auf der Insel die sich vor ihnen befand. Sie staunte nicht schlecht als sie das Bauwerk sah. Die dunklen Mauern waren hoch und das gesamte Konstrukt war an den Klippen errichten worden. 
Während sie wieder zu Kiana sah, die mit dem Rücken zu ihr gerichtet über die Reling lehnte, erinnerte sie sich an den Vorfall mit den Männern in der Taverne. Kiana wollte sich für Octavia aufopfern, damit Octavia von ihnen Ruhe gelassen werden sollte. Aber warum hatte Kiana das gemacht ? Meinte Kiana es wirklich ernst und wollte ihre Halbschwester beschützen? War das alles doch nur ein abgekartetes Spiel, oder wollte sie womöglich das Vorhaben retten?
Aber dafür hätte sie ja nicht für Octavia in die Bresche springen müssen. Niemand hätte etwas von ihren Plänen und ihren Identitäten erfahren. Außer es wäre zu einem Kampf gekommen. Die junge Frau war ja schon kurz davor ihre innere Macht einzusetzen um Kiana vor den Fingern der Männer der Schwanengarde zu retten. Warum sie das so aufgeregt hatte konnte sie sich ebenfalls nicht erklären.
Mit langsamen Schritten näherte sich Octavia ihrer Halbschwester und lehnte sich ebenfalls an die Reling, indem sie sich auf ihre Arme stützte. Der frische Wind des Meeres blies ihr durch die Haare, sodass sie ab und zu die Strähnen aus ihrem Gesicht strich. Dabei konnte sie sehen, wie die Insel Tolfalas immer näher kam und die Festung Minas-Alagos größer wurde. Auch warf sie immer wieder heimliche Blicke zu Kiana rüber, die schweigend in die Ferne sah. Ihr silbernes Haar wurde auch von dem Wind aufgeweht.  Octavia entschied sich daraufhin auch zu schweigen und wartete dass sie endlich an der Insel ankamen.
“Schon ein seltsames Gefühl wieder hier zu sein…”, fing Kiana plötzlich an, weshalb Octavia zu ihr sah. “...Hier wurde ich geboren. Von hier aus planten wir den Angriff auf Minas-Tirith und hier traf ich das erste mal auf Thirak.”.
Octavia schwieg nur weiter. Was sollte sie auch schon dazu sagen. Beides waren ganz sicher keine Themen, worüber sie sprechen wollte.
“Zu diesem Zeitpunkt war die Insel und die Festung von meinen Soldaten und Beratern belebt. Jetzt wird es dagegen sehr leer sein…”, sagte Kiana weiter. “...Diesmal sind nur wir in der Festung… Gemeinsam! Hättest du dir das vorstellen können?”.
“Nein, ganz sicher nicht…”, entgegnete Octavia. “...Ich hoffe nur dass uns kein blaues Wunder auf der Insel erwartet!”.
"Und wenn…", sagte Kiana nur und drehte sich dabei um. "...Wir sind zwei starke Frauen vol Blute der Maiar. Womöglich die mächtigsten Wesen in dieser Welt… Was soll uns denn schon aufhalten?".
So wie Kiana es sagte klang alles sehr einfach und einer Machtübernahme durch die beiden Frauen nicht im Wege. Octavia wusste aber genau dass sie ihre Kräfte kaum kontrollieren  und sie diese nicht unbegrenzt einsetzen konnte, ohne danach erschöpft zu sein. Gleichzeitig hatte sie das Gefühl dass jedes Einsetzen der Macht sie leerer fühlen ließ und die Dunkelheit mehr und mehr ihre Seele verschlung. Bei Kiana schien das ja nicht anders zu sein. Hätte sie ihre Kräfte beliebig einsetzen können, dann hätte sie es sicher schon gemacht. Von ihrem Geisteszustand musste man wohl kaum sprechen. Jeder in Mittelerde wusste dass sie verrückt war. Außerdem sprach sie ebenfalls von dieser dunklen Stimme in ihrem Kopf. Also ging Octavia ziemlich davon aus, dass Kiana dadurch das gleiche fühlte wie sie selbst.
"Ich meine ja nur…", entgegnete Octavia. "...Gleich unnötige Aufmerksamkeit zu Beginn brauchen wir nicht.".
"Du hast recht…", sagte Kiana. "...Aber sieh doch! Wir werden es gleich herausfinden!".
Dabei deutete sie auf den kleinen Hafen der Insel, in dem das Schiff fuhr. Er bestand aus einem steinernen Kai und vereinzelten Häusern die sich dort befanden. Überwiegend vermutlich Lagerhallen und ähnliches. Einige Menschen tummelten sich im Hafen, die die einzelnen Höfe auf der Insel beackerten. Vielleicht drei bis vier größere Familien. Wobei das alles eher einen traurigen Anblick hatte. Dennoch war Octavia froh endlich angekommen zu sein.
Als das Schiff an dem Hafen von Tolfalas anlegte, war Octavia mit die erste, die das Schiff verließ. Die wenigen Menschen im Hafen waren tuschelten, als die junge Frau den festen Boden betrat. Allerdings störte sie sich nicht daran. Immerhin war sie mehr als erleichtert von dem Schiff zu sein. 
Octavia folgte freudig und ungeduldig Kiana, die inzwischen auch das Schiff verlassen hatte, und voran ging um der gepflasterten Straße zu folgen. Sie gingen durch ein großes Tor, welches offen stand. Zu beiden Seiten standen Statuen. Auf der rechten ein Wolfskopf und auf der linken ein Drachenkopf.
Octavias Enthusiasmus hielt sich aber in Grenzen, als sie dahinter den langen Weg der steinernen Stufen zu der Festung von Minas-Alagos sah. 
"Das ist ein Scherz, oder?", fragte sie entsetzt, wobei sie das eigentlich nur denken wollte. Kiana lachte nur daraufhin. Octavia wusste jetzt nicht was daran witzig sein sollte.
"Du bist doch eine sportliche Kämpferin…", antwortete Kiana und ging die ersten Stufen herauf. "...Treppensteigen sollte doch das geringste Problem für dich sein!".
Octavia seufzte nur und folgte Kiana die Treppen nach oben.

Endlich oben angekommen, atmete sie tief durch. Kiana schien dagegen nicht einmal aus der Puste zu sein. Zumindest wirkte es  nach außen so.
"Dieser Abschaum versucht tatsächlich selbst in dem Gedanken dass ich tot bin mich und meine… Unsere... Familie zu demütige…", sagte Kiana und sah nach oben. Also Octavia auch in die Richtung blickte, erkannte sie auf einem der Türme ein großes Banner, welches weiß war und einen goldenen Baum zeigte.
Octavia zog ihr Schwert und hechtete schon fast vor ihre Halbschwester, die gerade die Türen der Festung öffnen wollte. 
"Ich gehe zuerst rein…", sagte Octavia schnaubend."...Wer weiß was uns da erwartet!".
Dann öffnete sie die Türen und betrat vorsichtig die große Halle. Der große Raum war leer. Viele Kerzenständer waren umgekippt und verschiedenste Papierstücke lagen herum. Sie senkte ihr Schwert. Es wirkte mehr als verlassen. Als hätte man alles wichtige eingepackt und war geflüchtet.
"Komm rein!", rief sie nur zu Kiana, die noch immer draußen wartete. Sie betrat sich sofort den großen Saal. 
"Oje!", sagte Kiana nur. "Hier sieht es wieder genauso aus, als ich das erste mal wieder hier war!".
Octavia hörte ihr zwar zu, lief aber durch den Saal und sah sich um. Vor einer weiteren dunklen Doppeltür blieb sie stehen. Die junge Maiar drückte die Türen auf und dahinter befand sich schon der Thronsaal der Festung. Am hinteren Ende befand sich ein Thron, der in einem dunklen Felsen geschlagen war der aus der Wand hervor ragte. Auch hier lagen Gegenstände wild herum. Mit vorsichtigen Schritten näherte sie sich dem Thron. sie berührte das dunkle Gestein und strich mit ihrer Hand die Formen entlang. Octavia fragte sich ob ihr Vater auch dort saß und von hier aus herrschte. Auf der anderen Seite war ihr klar, dass er noch nie über ganz Mittelerde regierte. Er war König von Angmar und legte die Krone vor Königin Anarya nieder, die er schließlich heiratete. Sie herrschte von Minas-Tirith aus über das ganze Reich, bis Imrahil eine Rebellion anzettelte und über Mittelerde herrschte. Unter seiner Herrschaft lebte Octavia schließlich vierzehn Jahre, bis schließlich Kiana mit ihrem Drachen die Stadt zerstörte.
Sie seufzte laut. Als sie plötzlich Kianas Stimme hinter sich hörte, zuckte sie zusammen.
"Faszinierend, nicht wahr?", fing Kiana an. Schnell zog Octavia daraufhin ihre Hand weg und ließ von dem Thron aus Stein ab.
"Was?", fragte sie erschrocken nach.
"Dass unser Vater hier auf diesem Thron saß, nachdem meine Mutter gestorben war. Von hier aus plante er die Rückeroberung des Throns von Mittelerde, nachdem der falsche König Imrahil mit einer List Minas-Tirith eroberte und meinen - er ist ja sogar unser- Bruder hängen ließ. Ich glaube unser Vater bereute es, dass er meine Mutter alleine in Minas-Tirith zurückließ um die Aufstände niederzuschlagen…", erzählte Kiana. "...Er hatte noch wenige Anhänger, die ihm mit auf Minas-Alagos folgten. Ein sehr guter Freund meiner Mutter -später auch meiner- Namens Faramir brachte mich direkt nach meiner Geburt vor der Ankunft unseres Vaters in den Osten nach Rhûn. Deshalb wusste er nichts von mir… Meine Mutter, Anarya Vaneryen, wollte dies nicht… Warum auch immer…".
Octavia schwieg daraufhin nur. Was sollte sie auch schon dazu sagen. Sie kannte die grobe Geschichte von Thurion. Sie hatte genug darüber gehört und gelesen. Selbst in seinem eigenen Tagebuch -oder wie auch immer sie es nennen sollte- stand über diese Zeit einiges. Über Kiana stand wirklich so gut wie gar nichts geschrieben. Somit wusste er tatsächlich nichts über sie. Octavia musterte den Thron, auf den wirklich ihr Vater Thurion saß. Wenn auch nur für eine kurze Zeit.
Gleichzeitig dachte sie über die Worte von Kiana nach. Besonders darüber, dass Anarya Vaneryen nicht wollte dass Thurion von seiner Tochter erfährt.
"Wenn niemand wusste dass du existierst, warum bist du dann hier her gekommen?", fragte Octavia. "Ich meine, wenn niemand von dir wusste, hättest du einfach unentdeckt im Osten leben können!".
"So einfach ist das nicht. Ich konnte doch einfach nicht meiner Bestimmung entfliehen. Mittelerde brauchte mich… Es braucht mich noch immer…", erwiderte Kiana. "...Auch wenn andere Umstände mich dazu angetrieben haben…".
Kiana ging auf den Thron zu und starrte diesen an. Während sie erzählte schaute sie kein einziges Mal zu Octavia. Sie ging davon aus dass Kiana das machte weil sie an etwas unangenehmes erinnerte. Zumindest wirkte es auf sie so.
"...Selbst wenn ich das alles nicht gewollt hätte… Ich wurde mit dem Wissen erzogen, dass ich die rechtmäßige Erbin des Thrones von Mittelerde bin. Allerdings hatte mein Ziehvater mit dem falschen König Imrahil ein Handel abgeschlossen mich weit in den Osten an einen Khand-Fürsten zu verkaufen, damit ich niemals nach Minas-Tirith zurückkehren könnte…", erzählte Kiana weiter. "...Imrahil wusste von mir, da Faramir ihm die Informationen über meinen Aufenthalt verkauft hatte, damit sein Bruder verschont blieb. Allerdings brachte ein Aufstand in Rhûn mich auf meinen eigentlichen Weg. Ich floh aus Mistrand und landete später hier, damit ich Mittelerde erobern konnte!".
Octavia beobachtete Kiana während sie sprach. Allerdings konnte sie ihre Halbschwester nur von hinten sehen, die am steinernen Thron stand. Dass das alles eher eine Verkettung aus Zufällen war wusste sie nicht. Überall erzählten die Menschen herum, dass Kiana nur mit ihrer Armee, die von Anfang an hinter ihr stand, darauf gewartet hatte Minas-Tirith anzugreifen und damit Mittelerde zu erobern. Vielleicht musste sie ihre Einstellung zu Kiana noch einmal überdenken, bevor sie ihre Halbschwester verurteilte. Octavia entfernte sich einige Schritte, die durch den recht dunklen und großen Saal hallten, und blickte sich um. Sie hatte dort in der Festung nichts und das was da war, war ein regelrechtes Chaos. Sie schloss die Augen und seufzte.
"Wie ist dein nächster Plan?", fragte sie direkt. Kiana drehte sich zu ihr um und hatte ein schiefes Lächeln auf den Lippen.
"Ich habe einen der Arbeiter am Hafen von Linhir damit beauftragt eine Nachricht nach Mordor zu bringen. Und in der Zeit…", entgegnete Kiana Vaneryen, "...Können wir nicht anderes tun als warten!".
Octavia verdrehte daraufhin ihre Augen. Geduld war ihre größte Schwäche. Denn diese besaß sie erst gar nicht. Besonders die letzten Jahre bestätigten sie darin. Sie hasste das warten. Deshalb dachte sie über eine geeignete Ablenkung nach, die sie auf schnell fand. Überall lag etwas herum oder es wurden nur Gegenstände in eine Ecke gestapelt.
"Dann lass uns hier für etwas Ordnung sorgen!", schlug Octavia vor. Die Begeisterung Kianas Gesicht -nämlich keine- konnte sie sehr gut erkennen.
"Nun gut…", antwortete sie sichtlich widerwillig. 
Zusammen stellten sie die umgefallenen Kerzenständern wieder auf und sammelten die Schriftstücke ein. Auch die vielen anderen Gegenstände räumten sie auf Tischen oder die vorgesehenen Plätze.

Am Abend zog ein schweres Gewitter auf. Zunächst blies der starke Wind über die ganze Festung. Helle Blitze breiteten sich zwischen den dichten und dunklen Wolken aus, die von lautem Donnergrollen begleitet wurden. Es dauerte auch nicht lange bis der starke Regen über die gesamte Insel von Tolfalas -und sicherlich auch bis an das Festland von Gondor- niederging.
Octavia war gerade in ihrem Gemach, welches sie sich ausgesucht hatte, und wollte sich ausruhen. Zu ihrem Glück waren die Betten unberührt und von höchster Qualität. Die junge Maiar hatte Kerzen auf einem Tisch angezündet, damit es -abgesehen durch die Blitzlichter- etwas heller in diesem Raum war. Man sollte meinen dass das leuchten des Schwertes ausreichen sollte um den Raum zu erhellen. Da es aber in seiner Scheide steckte, drang keiner der violetten Strahlen nach außen. Octavia hatte alles andere als ein gutes Gefühl dabei alleine in dieser dunklen Festung zu sein. Zu sehr erinnerte es sie an die dunklen Minen, in denen sie mit den Menschen aus Arnor verharren musste und diese schrecklichen Dinge passierten.
Die junge Frau war müde, doch schlafen konnte und wollte sie nicht. Seitdem sie alleine in ihren Zimmer war, sprach die dunkle Stimme ununterbrochen zu ihr. Auch hatte sie wieder Angst davor einen Alptraum zu haben. Die ganze Reise über an der Seite von Kiana hatte sie nichts davon. Das verwunderte sie etwas. Eigentlich müsste es Octavia an Kianas Seite viel schlechter gehen und schlechte Gedanken befeuern. Doch scheinbar war genau das Gegenteil der Fall. Sie lag rücklings auf ihrem Bett und starrte die Decke an. Ihre Tasche mit der schwarzen Krone befand sich dicht neben ihr. Das rote Banner mit dem Wolfskopf, welches sie ebenfalls mitnahm, befand sich gefaltet neben der Tasche. 
Nach dem anstrengenden Tag fiel es ihr aber mehr als schwer ihre Augen noch offen zu halten. Somit dauerte es auch nicht lange bis sie schließlich ihrer Müdigkeit erlag.

Als Octavia ihre Augen aufmachte, fand sie sich draußen auf einem Feld wieder. Es musste noch in der Dämmerung sein und Dichter Nebel lag tief auf dem Land, sodass sie nicht weit in die Ferne blicken konnte. Es war kalt und feucht, sodass Octavia bei jedem Atemzug große Wolken heraus atmete. 
Die junge Frau rieb sich die Arme um sich wenigstens etwas aufzuwärmen. Allerdings brachte es wenig. 
Vorsichtig begab sie sich einige Schritte vorwärts. Der Boden auf dem sie lief war weich und ebenfalls sehr feucht. Octavia wusste überhaupt nicht wohin sie treten sollte. So hatte sie die Insel Tolfalas gar nicht in Erinnerung. Vor allem war der Vortag doch noch sonnig und warm. Sie fragte sich sowieso wo genau sie da war. Also lief sie erst einmal weiter.
Die junge Maiar erschrak, als sie einen männlichen Körper in einer Rüstung auf dem Boden fand. Sie kniete sich vor dem Körper des Mannes und drehte ihn langsam um. Seine Augen und sein Mund waren weit aufgerissen. Fast der ganze Körper mit Blut bedeckt. Octavia ließ von dem toten Mann ab und sprang auf. Mit schnelleren Schritten entschied sie sich dazu weiter zu gehen und ihre Halbschwester Kiana zu finden. Irgendwo musste die Festung Minas-Alagos ja sein. 
Auf ihrem Weg fand sie immer mehr Tote Menschen, die auf der Ebene lagen. Was war passiert? Wo kommen die alle her? Was hatte das zu bedeuten?
Panik breitete sich in Octavia aus. Sie wusste überhaupt nicht was passiert war und warum sie außerhalb der Festung aufwachte. Und wo war überhaupt Kiana? 
Nach einiger Zeit fand sie einen Mann, der auf dem Boden saß und an einem Baumstumpf lehnte. Er schien verletzt zu sein, denn er hielt sich seinen Bauch und stöhnte vor sich hin.
Als Octavia sich zu ihm kniete, fiel ihr ziemlich schnell auf dass es ihr Halbbruder Kael war, der dort angelehnt saß. Sie hielt  den Atem für einen kurzen Moment an. Sie fragte sich nur wie er dorthin kam und was passiert war, denn er schien eine eine Wunde am Bauch zu haben und versuchte die Blutung zu stoppen. 
"Was machst du hier? Und was ist passiert?", fragte sie mehr als hektisch und versuchte selbst ihre Hände auf die Wunde zu drücken, um die Blutung zu stillen.
"Das ist alles deine Schuld…", stöhnte er vor sich hin. "...Wegen dir sterben alle! Auch Deloth!".
Die junge Frau presste nur luft heraus und sah Kael schief an. Allerdings dachte sie nicht weiter an seine Aussage, sondern kümmerte sich lieber um seine Wunde. Doch dann schlug er plötzlich ihre Hände weg und schubste sie von sich, sodass sie rücklings auf den Boden fiel. 
"Hey! Was soll denn das?", rief sie nur und rappelte sich dabei wieder auf.
"Mit deiner Geburt hast du uns alle zum Tode verurteilt! Wegen dir sind all die Menschen gestorben! Du hast uns alle verflucht! Du solltest lieber sterben!", schrie er sie nur an.
Octavia wusste nicht was sie sagen sollte. Warum sagte er sowas zu ihr? Lag das etwa an den jüngsten Ereignissen in Arnor? Bevor sie sich aber darüber machen konnte, schrie ihr Halbbruder plötzlich auf und zuckte mit seinem Körper. Dann fiel er um und regte sich nicht mehr. Ehe die junge Maiar zu ihm gehen konnte erschien ein schwarzer Schatten vor ihr. Die roten Augen leuchteten bedrohlich in ihre Richtung. Sie kannte diesen Schatten. Es war der gleiche, der auch in ihren anderen Träumen erschien. Diesmal bildeten sich aus dem Rauch, der diesen Schatten umgab, ein Körper.
Dort stand dann die dunkle Gestalt vor ihr. Der Schatten trug nun eine Rüstung, die von einem schwarzen Stoff umgeben war. Keines der Kleidungsstücke zeigte ein Wappen oder eine Zugehörigkeit. Ebenso schwarz war sein Umhang. Auf dem Kopf trug er eine hohe Krone, die mit drei leuchtenden Steinen bestückt war.
Der schwarze Schatten stand ausgerechnet neben Kael, sodass Octavia ihn nicht erreichen konnte ohne an der Gestalt in der Rüstung vorbeizugehen. Sie spürte nur wie die Angst in ihr hervor drang. Ihr Herz schlug schneller und der Atem wurde zittrig.
"Du hast keine Liebe hier…", dröhnte die Stimme des Schattens. "...Jeder hasst dich… Du bist nicht dafür gemacht, in einer Welt zu leben, in der du auf Liebe und Geborgenheit hoffen kannst… Du bist dafür geschaffen die Welt zu zerstören! Du bist meins!".
Octavia wollte nur weg. Doch sie konnte nicht. Sie war wie angewurzelt und starrte nur in die roten Augen der dunklen Kreatur. Die Umgebung um sie herum wurde dunkler und ein stärkerer Wind blies durch Octavias Haare.
"Wer zur Hölle bist du?", wagte sie sich schließlich zu fragen. Daraufhin lachte der Schatten laut. Jeder einzelne Ton dröhnte in ihrem Kopf und ließ sie fast schon Schmerzen verspüren.
"Ich bin der, für den du schon immer bestimmt warst… Ich bin deine letzte Hoffnung…", entgegnete der Schatten nur. "...Ich bin der dunkle Feind der Welt… Morgoth!".
Octavia riss schon förmlich ihre Augen auf, als sie die Antwort hörte. Melkor persönlich sollte dort vor ihr stehen? Sie dachte immer nur dass all die Erzählungen und Schriften nichts anderes als Geschichten waren. Aber es konnte nicht echt sein. Es musste wieder ein Alptraum sein.
"Das ist nicht echt…", redete sich Octavia immer wieder ein. Doch sie blieb an diesem Ort verharren. Auch wenn sie es nicht wollte. 
"Das ist die Realität!", erwiderte Melkor nur bestimmend. "Dein Vater war schon mein Diener, Kiana ist mir schon lange verfallen… Du bist doch auch nicht abgeneigt!".
"Lass mich in Ruhe!", rief Octavia nur. 
"Als dein geliebter Deloth ermordet wurde, hast du dir doch alles gewünscht um deine Rache zu bekommen und das gleiche mit Kiana!", sagte Melkor nur mit seiner dröhnenden Stimme. "Durch mich hast du doch erst deine Kräfte und deine Macht erhalten!".
"Die habe ich -leider-  durch meinen Vater erhalten… Nicht durch… dich…", entgegnete Octavia gereizt. Wieder lachte der schwarze Schatten laut auf. Octavia versuchte sich nur irgendwie die Ohren zu zuhalten. Es brachte  nichts.
"Verschwinde!", schrie sie Melkor an. Dann versuchte sie nur wegzulaufen. Das Lachen begleitete sie trotzdem und egal wohin sie lief, hörte sie es. Die junge Maiar stolperte und rutschte einen Abhang herunter. Stöhnend richtete sie sich auf und musste leider feststellen, dass der schwarze Schatten wieder vor ihr stand. Diesmal hatte er nur andere Gestalten in dunklen Kutten und Rüstungen an seiner Seite. Er streckte seine Hand in Richtung Octavia aus.
"Du gehörst mir wie all die anderen!", sagte Melkor. Octavia versuchte wieder in die andere Richtung zu gehen, doch sie konnte nicht. Der Schatten hielt nur seine Hand ihr entgegen und das sorgte dafür dass sie sich nicht mehr bewegen konnte. So sehr sie sich dagegen wehrte bringe es nichts.
"Nein...Nein…", flehte sie schon fast.
"Es gibt kein Leben im Nichts… Nur… Den Tod!".

Als Octavia aufwachte, atmete sie tief ein, als wäre sie lange unter Wasser gewesen und nach Luft schnappen nachdem sie wieder aufgetaucht war. Ihr ganzer Körper war nass geschwitzt und ihr Herz raste.
"Pssst", hörte sie nur die Stimme Kianas neben sich. "Es ist alles gut… Es war nur ein schlechter Traum!".
Als Octavia zur Seite sah, erblickte sie Kiana, die am Bettrand saß und ihr über den Rücken streichelte.
Es war also wirklich nur ein Traum. Zum Glück. Aber was hatte das zu bedeuten? Er hatte sich so echt angefühlt. 
"Was machst du hier?", fragte sie erschöpft und schnell atmend. 
"Ich hörte dich schreien  und habe dann nach dir gesehen…"  antwortete Kiana ruhig. "...Ich hab mir schon Sorgen gemacht…".
Octavia legte sich wieder auf die Seite und richtete das Kissen wieder ordentlich unter ihrem Kopf. Über ihre Wangen kullerten einige Tränen, die sie nicht mehr zurückhalten konnte. Es machte sie traurig so etwas zu träumen. Es machte sie traurig, dass alle sie nun hassten.Draußen regnete und gewitterte es noch immer. Der Wind heulte durch die leere Festung. Kiana strich ihr Octavia die feuchten Haarsträhnen aus dem Gesicht und streichelte ihren Kopf.
"Willst du darüber sprechen?", fragte Kiana. Octavia schüttelte nur den Kopf und starrte in die leere, während sie die Tränen weiter über ihr Gesicht laufen ließ. Die junge Frau wollte nicht dass Kiana sie weinen sag. Nicht schon wieder. Inzwischen hatte sie sich etwas beruhigt und atmete langsamer. Die junge Frau bemerkte nur wie Kiana selbst in das Bett kletterte und sich hinter ihr legte. Octavia war leicht verwundert, ließ es aber einfach über sich ergehen, auch als Kiana einen Arm um sie legte. Es beruhigte sie sogar weiter. Sie empfand es zwar alt seltsam, da sie noch vor kurzem Kiana tot sehen wollte, doch gleichzeitig fühlte es sich gut an. Kiana war die einzige die ihr blieb. So dauerte es auch nicht lange bis sie wieder einschlief, obwohl sie lieber wach geblieben wäre um einen weiteren Albtraum zu verhindern….




Octavia und Kiana in Minas-Alagos auf Tolfalas…


Grüße Darkness

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