Das Schicksal Mittelerdes (RPG) > Der Thron von Mittelerde
Arnor
Darkayah:
Annúminas (Arnor)
Octavia mit Davos auf dem Weg nach Annuminas…
Sie waren nicht lange unterwegs und die Mauern der Stadt waren schon sichtbar. Annúminas befand sich an einen großen See, der genau wie die Hügellandschaft dahinter, Evendim hieß. Also der Evendim-See. Dafür, dass sie in ihrem Leben nicht viel herum kam und nicht hinaus durfte, erblickte sie nun viele Städte und Orte von Mittelerde.
Sie interessierte sich allerdings noch dafür, wie Davos sie gefunden hatte. Ganz zufällig kam er ja wohl nicht nach Fornost und wartete auf sie.
“Woher wusstest du, dass ich aufbreche?”, fragte sie direkt. Davos antwortete zunächst nicht, sondern räusperte sich nur. “Also?”.
“Nun ja…”, fing er an und die junge Frau ahnte an seinem Zögern schon, wer dafür verantwortlich war. Bevor er weiter sprechen konnte sagte sie aufgebracht: “Sag bloß mein Bruder steckt dahinter?”.
Kael konnte es auch nicht einfach sein lassen, sich Sorgen um seine Schwester zu machen. Bis jetzt ist ihr ja noch nichts passiert und selbst aus Minas-Tirith entkam sie. Wenn auch nur knapp. Sie konnte es nicht nachvollziehen, dass er so besorgt war.
“Gut, Kael hat nach mir schicken lassen…”, gab er schließlich zu. “...Aber ich bin auch hier, um mit dir Zeit zu verbringen!”.
Mit ihr Zeit verbringen? Was meinte er damit? Seine Altersklasse kam ganz sicher nicht mehr in Frage. Sie warf ihm einen skeptischen Blick rüber.
“Nun… Du kennst Thurion nur von alten Erzählungen, die überwiegend schlecht sind…”, fing er an. Octavia verstand nicht recht, worauf er hinaus wollte. Was sollte sie sich auch darum kümmern, dass die Geschichten über den irren König, ihrem Vater, wahr waren.
“Er hat viel Leid verursacht… In Arnor, in Angmar und in Gondor… Doch er hat immer gerecht und ehrenhaft gehandelt! Egal aus welchem Stand die Person war oder wie nah sie ihm stand… Auch ich habe für vergangene Dinge meine Strafe erhalten, obwohl wir befreundet waren...”.
Octavia sah zu ihm und ihr blieb nicht aus, dass ihm die Worte zu setzten. Sie war etwas verdutzt. Wie sollte ein Mann wie Thurion gerecht und ehrenvoll sein?
“... Er vereinte das zerstrittene Angmar, gab es dem herrschendem Haus zurück, die ihm aber zum König von Angmar krönten… Niemandem in Angmar ging es schlecht unter ihm… Ich war ein Räuber und er machte mich zu seiner rechten Hand… Nachdem er den Krieg gegen Gondor verlor und dadurch Angmar, tat er alles um das Land zurückzubekommen und von einem Tyrannen zu befreien… Anstatt selbst wieder die Krone zu nehmen, legte er sie vor Königin Anarya Vaneryen von Gondor nieder, um sein Volk vor weiteren Kriegen und der kommenden Dunkelheit zu schützen…”, erzählte er weiter. "...Was ich dir damit sagen will ist, dass egal wer dich dafür verurteilt, dass er dein Vater ist… Er hatte er auch gute Seiten… Er wollte vor seinem Tod sogar den Krieg beenden und seinen Thronanspruch auf Mittelerde niederlegen, als er von seiner Tochter Kiana erfuhr…".
Octavia versank in Gedanken. Sie wusste dass das nicht stimmte. Denn Eldarion zeigte ihr, dass Thurion von ihr erfuhr und nicht von Kiana.
"Erinnerst du dich an unsere Reise nach Carn-dûm?", sagte sie schließlich verträumt. "Eldarion erzählte mir, dass Thurion wegen mir den Krieg beenden wollte… Er hat es mir gezeigt… Von Kiana wusste er nichts…".
Sie spürte seinen Blick förmlich auf ihr ruhen. Was wohl daran lag, dass er entsetzt war, dass sie schon länger davon wusste und auch dass er die ganze Zeit falsch lag.
"Na siehst du… Dann gibt es keinen Grund sich schlecht zu fühlen!", sagte er noch als sie das Tor erreichten, welches offen stand.
Ohne Probleme konnten sie passieren. Es stand zwar eine provisorische Wache der West-Rebellen dort, diese ließ sie aber durch. Annúminas wirkte ähnlich wie Fornost. Die Stadt war zwar kleiner, aber mindestens genauso heruntergekommen. Zeit für weitere Gespräche gab es nicht mehr, denn sie musste den Mann finden, der dort zu finden sein wollte, wo es Alkohol gab.
Ziemlich in der Nähe des Eingangs fand sie auch schon die erste Schänke. Der Name auf dem Schild war nur noch kaum lesbar. Schnell stieg sie von ihrem Pferd ab und befestigte es an einem Holzbalken.
“Ich gehe erst alleine rein…”, sagte Octavia und betrat das Gebäude. Immerhin wollte sie ihren Auftrag lieber alleine und in Ruhe ausführen. Dann konnte sie sicher sein, dass dieser gewissenhaft ausgeführt wurde.
Die Schänke war gut besucht und an jedem Tisch saßen die Menschen in Grüppchen zusammen. Irgendwie versuchte sie in diesem Gewusel jemanden zu finden, der die gesuchte Person sein konnte. Ihr blieben die diversen Pfiffe und Sprüche der Männer, die dort saßen, nicht aus. Während sie sich durch die Menschen drückte, wehrte sie auch die Berührungen der volltrunkenen Männer ab, deren Hände sie an den Armen, Beinen oder am Gesäß anfassten.
An der Theke fiel ihr ein recht großer aber dünner Mann auf. Er hatte Braun-Graues Haar, einen Vollbart in der selben Färbung und war der einzige der dort alleine saß. So unauffällig wie es ging, setzte sie sich auf einem Hocker neben ihm, der aber weiterhin nur in seinen Becher starrte. Sie beobachtete den Mann von der Seite, der aber gar nicht reagierte.
“Bist du Galador? Ich suche suche nach ihm…”, sagte sie schließlich auf Ostron, während sie sich zu ihm drehte. Sie wusste nicht genau warum sie das tat, aber ihr fiel nichts besseres ein. Immerhin schien sie nun die Aufmerksamkeit des Mannes zu haben.
“Du solltest aufpassen, wo du die Sprache sprichst, Mädchen… Besonders nach den Ereignissen in letzter Zeit...”, entgegnete er lustlos. “...Hier hast du mich gefunden… Bist du eine Mörderin und wurdest von Königin Kiana geschickt? Wenn ja, bist du aber wenigstens ziemlich hübsch… Dann sehe ich vor meinem Tod noch eine wunderschöne Frau!”.
Der Mann lallte stark, sodass Octavia genau hinhören musste, was er von sich gab. "Nein, ich bin hier, weil wir deine Hilfe brauchen!", sagte sie.
"Hilfe? Von mir?", entgegnete er ungläubig. Die junge Frau beobachtete nur, wie er einen weiteren Becher Wein bestellte. Sie verdrehte nur die Augen. Für sie war es nicht nachvollziehbar, wie man sich nur so volllaufen lassen konnte.
"Ich meine es ernst wir brauchen deine Hilfe!", drängte sie weiter.
"Ich dachte schon einmal, ich könnte dem Reich helfen… Stattdessen habe ich es in den Abgrund gebracht…", seufzte er und nahm einen großen Schluck.
"Bitte… Du musst mit mir kommen… Thirak schickt mich!", versuchte sie ihn zu überzeugen. Er setzte zum nächsten Schluck an und schlug den Becher heftig auf die hölzerne Platte. "Noch einen!", rief er schon fast. Der Wirt zögerte nicht lange und goss ihm Wein nach. Octavia war sich nicht sicher, ob sie eher angewidert von diesem Mann sein sollte, oder ob sie Mitleid fühlen sollte. Eins war ihr klar: So brachte es nichts.
"Thirak…", sagte er schließlich und das so laut, dass sich die junge Frau umsah, ob jemand den Namen gehört hatte. "...Ich dachte er wäre tot! Der Idiot, der alle retten hätte können… Stattdessen rettete er mich…". Er wollte wieder einen Schluck aus seinem Becher, doch Octavia konnte das nicht weiter mit ansehen. Sie verdrehte die Augen, riss ihm den Becher aus der Hand und stellte ihn wieder auf den Tresen. "Hey… Was soll denn das!", stammelte er lallend heraus.
Octavia riss der Geduldsfaden. Sie wollte nur noch raus und Galador nach Fornost bringen. Kurzentschlossen packte sie ihn an der Kleidung und wollte ihn aus der Taverne ziehen. "Nicht so stürmig! Wir sollten uns doch erst einmal richtig kennen lernen!".
Außerhalb der Taverne atmete sie entnervt durch. Für sie war es eine reine Tortur, dort in der Schänke zu sein. Die junge Rebellin hielt den betrunkenen Mann weiter fest, der schon weg taumeln wollte. Davos kam ihr sofort zu Hilfe und nahm ihr Galador ab.
"Ich kenne euch! Seid ihr nicht Davos… Davos Schneewert?".
Während Davos irgendwie versuchte dem Betrunkenen auf sein Pferd zu helfen, machte Octavia ihres von dem hölzernen Balken los, an dem es gebunden war. Im gleichen Moment tauchte eine Gruppe von bewaffneter Männer auf, die den Kriegern der West-Rebellen zuzuordnen waren.
“Was macht ihr da?”, rief einer von ihnen mehr als unfreundlich.
“Das geht dich gar nichts an…”, entgegnete Octavia nur kurz.
“Und wie sehr es mich etwas angeht… Bist du nicht dieses Mädchen?”, sagte er abwertend, “Die mit dem selben Blut wie Kiana… Die für diesen Jüngling kämpft und uns alle verraten hat?”.
Octavia versuchte ihm nicht zuzuhören, sondern kümmerte sich lieber um ihr Pferd, welches sie abreisebereit machen wollte. Die Worte machten sie innerlich nur wieder wütend. Der Mann der Pascima-Rebellen packte sie am Arm und schubste sie dabei leicht nach hinten. “Ich spreche mit dir, Daskina-Mädchen!”.
“Ich höre es…”, entgegnete sie giftig.
“Wir sollten dich sofort hier und jetzt töten! Du Abschaum…”.
Daraufhin sah Octavia ihn erbost an und versuchte sich von seinem Griff zu lösen. “Lass mich los!”, bat sie ihn noch recht ruhig. Doch der Mann hatte nicht die Absicht, sie überhaupt gehen zu lassen. Er packte sie fester am Arm, sodass es schmerzte. Der Mann und die anderen die ihn begleiteten zogen ihre Waffen. “Ich bin an der Seite von Fürst Robben, damit ich uns alle vor größerem Unheil ersparen kann… Ich bin auf eurer Seite… Glaubt mir!”, erklärte sie und zeigte mit ihren Händen, dass sie sich beruhigen sollten.
Octavia versuchte sich weiter von ihm loszureißen und zog letztendlich schützend auch ihr Schwert, welches am Pferd befestigt war. Die Runen leuchteten Blau und schimmerten in ihr Gesicht.
“Vielleicht sollten wir uns alle beruhigen... ”, sagte Davos, der irgendwie Galador in seinen Armen hielt, damit dieser nicht weglief. In gewisser Weise, schienen die Männer von dem Schwert eingeschüchtert zu sein. Der Sprecher von ihnen spuckte Octavia nur vor die Füße und ging. Sie seufzte. Sie war doch auf der Seite der Rebellen und für ihr Blut konnte sie nichts… Es brachte nichts darüber nachzudenken. Sie mussten Galador zurückbringen und wenn die Rebellen sahen, dass sie ihnen half, werden sie alles anders sehen. Das hoffte sie zumindest...
Die junge Rebellin setzte sich rasch auf. Sie fragte sich nur, wie der Mann überhaupt hilfreich sein sollte. Wirklich kompetent in irgendetwas wirkte er nicht auf sie. Aber Thirak musste wissen, wen er für vertrauenswürdig und hilfreich hielt.
Sie war wenigstens froh, dass Davos den Mann auf sein Pferd nahm. Noch länger wollte sie ihn nicht bei sich haben. Als er mit Galador auf seinem Reittier war, zögerten sie nicht lange und machten sich auf dem Weg zurück nach Fornost. Dort wartete Thirak schon, um Galador im Empfang zu nehmen und ihn zur Daskina-Rebellensiedlung zu bringen.
Octavia auf dem Weg zurück nach Fornost…
Darkayah:
Fornost (Arnor)
Octavia zurück in Fornost…
Vor der Stadt Fornost wartete schon Thirak, der sofort Galador in Empfang nahm und sich auf dem Weg in den Wald von Eregion machte. Auch Kael begleitete ihn, auf Wunsch von Phelan. Natürlich wollte er seine Schwester nicht alleine in Fornost zurücklassen und wehrte sich dagegen. Schließlich gab er aber mach und ging mit Thirak und Galador, nachdem Phelan ihm versprach auf seine Schwester aufzupassen.
Octavia verbrachte die nächsten Tage an der Seite von Robben Rogwyne. Er plante gemeinsam mit seinen Hauptmännern die Eroberung der übrigen Städte, die die Rebellen besetzt hatten. Für die junge Rebellin waren die Tage mehr langweilig. Sie konnte nicht kämpfen, hörte lediglich der Planung zu und war den feindseligen Blicken und Bemerkung der a deren ausgeliefert. Heimlich leitete sie allerdings alle Informationen, die sie aus den Gesprächen vernahm, an Phelan weiter, der diese dann den anderen Rebellen mitteilte. Es war also ein verzwicktes Unterfangen. Doch was anderes blieb ihnen nicht übrig.
An einem Tag standen die Hauptmänner und Robben um einen Tisch, um den ersten Angriff auf Annúminas zu besprechen. Octavia war mehr als beunruhigt, als sie von den Plänen erfuhr, die schon bald umgesetzt werden sollten. Nie im Leben rechnete sie damit, dass Robben die Städte der Rebellen so früh angreifen wollte.
"Wir müssen uns auch um die Versorgung kümmern…", fing der ältere Hauptmann an, "...Wir brauchen Bauern die das Land mit Nahrung versorgen müssen… Vielleicht sollten wir ein paar Männer der Armee vorübergehend abbestellen.. ".
"Hildamar, wer will schon jetzt ein Bauer sein? Wir haben eine große Armee die mir lieber für Ruhm, Ehre und für ein Königreich in die Schlacht folgt!", entgegnete Robben ziemlich überzeugend, sodass sein Hauptmann keine Widerworte gab. "Wir brauchen eine große Armee, wenn wir den Krieg schnell gewinnen wollen… Mit Bauern gelingt uns das nicht!". Als er das sagte, sah Octavia zu ihm auf. Sie fand seine Worte ziemlich inspirierend, da sie selbst nichts davon hielt nur herum zu sitzen und abzuwarten. Ging es damals nach Phelan, wäre noch immer nichts passiert und die Rebellen hätten nichts erreicht. Auf der anderen Seite wusste sie, dass es den Tod vieler Rebellen bedeutete, wenn Robben mit seiner Armee los zog. Sie musste ihn davon abbringen, ehe es zu spät war.
"Muss es Krieg sein?", sagte sie, "Warum gibst du ihnen nicht die Möglichkeit über ihr Schicksal selbst zu bestimmen? Lass sie einen Rat Gründen und gemeinsam könnt ihr über das weitere Vorgehen entscheiden!".
Zuerst lachte der junge Fürst auf und auch schon bald folgte das Gelächter seiner Hauptmänner. Octavia fand es alles andere als lustig. Es standen viele Leben auf dem Spiel.
“Habt ihr sie gehört?”, sagte Robben. Er ging einige Schritte auf die junge Rebellin zu und streichelte ihre Wange. Zuerst zog sie ihren Kopf wen, weil sie nicht wusste was er von ihr wollte oder was er vor hatte. “Du sprichst schon selbst wie eine Königin… Man merkt sehr wohl wer dein Vater ist!”.
“Ich bin keine…”, wollte sie gerade sagen, brach den Satz aber selbst ab. Sie dachte an die Worte von Davos, der ihr erklärte, dass daran nichts verwerflich war, Thurion als Vater zu haben. Also schloss sie ihre Augen und seufzte um sich zu beruhigen. Sie sah dann Robben tief in seine leuchtenden Blauen Augen, der sie zufrieden beäugte.
“Deine Rebellen Freunde antworten auch nicht auf mein Angebot, sich dem König von Arnor beugen… Also gehe ich davon aus, dass sie kein Interesse daran haben und Krieg wollen…”, sagte er, während er sich von ihr abwandte und wieder zum Tisch auf die Karte schaute.
“Was bleibt ihnen denn für eine Wahl, wenn sie selbst bestimmen wollen…”, entgegnete Octavia nur gereizt.
“Wenn sie nicht für mich sind, sind sie gegen mich… Sie sind selbst ein Teil von Arnor oder aber ein Feind von Arnor! Auch sie müssen sich der Ordnung fügen!”, sagte er.
“Welche Ordnung?”, hinterfragte die junge Rebellin abwertend seine Aussage.
“Es ist langsam an der Zeit, aufzuhören Rebellin zu spielen, meinst du nicht?”.
“Ich spiele überhaupt nichts….”, erwiderte sie scharf. “Das ist was ich bin!”.
“Du gehörst zu der gleichen Gesellschaft wie ich und alle anderen Fürsten hier… Nicht zu diesen Barbaren!”.
Octavia sah ihn verwirrt an. Sie wusste, dass Robben Rohwyne auf ihr Blut und den Status ihres Vaters anspielte. Doch was tat dies zur Sache, wenn all das vergangene Dinge sind und alle sich gemeinsam ein neues Leben in Arnor aufbauen wollten. Für die junge Frau selbst, gehörte sie zu den Rebellen, denn auch sie war ein Opfer von Kianas Willkürlichkeit. “Du hast ja keine Ahnung…”, sagte sie nur sehr genervt.
“Wie sollen wir darauf vertrauen, dass sie uns nicht verrät?”, rief der ältere Mann der Hildamar hieß. “Wenn sie schon jetzt davon ausgeht, dass sie noch eine Rebellin ist…”.
Nervös biss sie sich auf der Unterlippe herum. War ihre Deckung nun aufgefallen? Gleichzeitig war sie verunsichert. Egal ob es nun die Rebellen oder Männer von Robben waren. Beide Seiten bezichtigten Octavia des Verrates. Sollte es noch bis zu ihrem Lebensende weitergehen, wenn sie jemals eins hatte? Musste sie sich die nächsten Jahre anhören, dass sie ein Monster war, nur weil sie sich ihren Vater nicht aussuchen konnte? Sie hatte das Gefühl nicht atmen zu können, weshalb sie sich über den Tisch, mit beiden Armen stützend, lehnte. Sie wollte nicht mit Kiana verglichen werden oder mit ihr in einen Topf gesteckt werden. Dieser Gedanke war die Hölle für sie.
“Nein… Sie ist auf unserer Seite… Sie ist sich dem vielleicht nur noch nicht ganz so bewusst…”, hörte sie die Stimme des jungen Fürsten. “...Aber tief in ihrem inneren, weiß sie, dass es besser ist an meiner Seite zu sein.. Und jetzt schluss mit diesen Worten! Ich will nach Annúminas aufbrechen! Noch heute!”.
Vorsichtig blickte sie zu ihm auf. Von allen die sie kannte, erwartete sie diese Worte nicht von ihm. Sie bemerkte den Blick, den er ihr für einen kurzen Moment schenkte und verließ mit seinen Hauptmännern den Saal. “Kommst du?”.
“Ich werde am Tor zu dir stoßen…”, rief sie nur außer Atem. Octavia musste dringend vorher mit Phelan sprechen. Vielleicht hatte er eine Idee, was sie machen sollte.
Im Palast von Fornost suchte sie Phelan Belatan in jedem Raum. Nirgends war der Anführer der Daskina-Rebellen auffindbar. Nein… Ich muss ihn finden.., dachte sie verzweifelt. Sie konnte allerdings auch nicht Robben Rogwyne und seine Kommandanten warten lassen. Das machte sie nur noch verdächtiger. Gerade als sie die Suche aufgeben wollte, bog sie in einen anderen Gang ab und stieß dabei mit jemanden zusammen.
“Kannst du nicht aufpassen!”, rief sie verärgert. Sie rieb sich die Stirn, die dabei gegen etwas hartes stieß und schmerzte. Also sie die Person ansah, bemerkte sie, dass es Phelan war. “Ach du bist es…”.
“Was hast du es denn so eilig?”, wollte er wissen und bot ihr seine Hilfe zum aufstehen an. Sie nahm seine Hand und ließ sich von ihm hochziehen.
“Robben... Er wir heute noch nach Annúminas aufbrechen und die Stadt angreifen… Ich weiß nicht wie ich ihn aufhalten soll…”, erklärte sie ihm verzweifelt.
“Du kannst es nicht aufhalten… Ich habe mit den Anführern von Pascima gesprochen.. Sie wollen keinen Frieden… Und was Indro angeht… Er scheint es nicht anders zu sehen…”, sagte er bedrückt. “Wir sollten jetzt auf unsere Leute achten und die unseren wenigstens retten…”.
Ein starker Seufzer drang tief aus ihrer Brust hervor. Ihr gefiel es gar nicht, dass unter den Rebellen wieder Krieg ausbrach. Das Ziel war so zum greifen nahe. Das Ziel gemeinsam friedlich im Norden zu leben. Doch sie wusste auch, dass Phelan recht hatte. Vermutlich konnten sie nicht alle retten. Zumindest nicht zu diesem Zeitpunkt.
“Du hast recht…”, stimmte sie Phelan zu. “Robbens Armee ist zu groß und wir sollten die retten, die wir retten können!”.
Der Gedanke stimmte sie aber nicht glücklich. Eher im Gegenteil. Sie war enttäuscht. Phelan schien das zu bemerken und packte sie an den Schultern.
“Thirak, Kael und ich werden eine Lösung finden... Mach dir keinen Kopf… Du musst Fürst Rohwyne einfach nur so lange hinhalten…”.
Sie stieß einen Schwall Luft heraus. “Was ist wenn er mir nicht vertraut?”, fragte sie besorgt.
“Dann musst du dafür sorgen, dass er es tut!”.
“Ich werde nicht einmal nützlich im Kampf sein, so wie er es sich vorstellt…”, beklagte sie weiter. Sie hatte nunmal keine Kräfte wie Kiana oder Thurion.
“Dafür bist du eine gute Kriegerin!”.
Wieder seufzte die junge Rebellin. Ihr blieb ja auch nichts anderes übrig, als Robben Rogwyne hinzuhalten. Was solls’...
“Ich muss jetzt los… Die anderen sind schon mehr als vorsichtig…”, stöhnte sie. Phelan nickte ihr zu. “Pass auf dich auf, Octavia!”.
Mit langsamen Schritten ging sie den langen Korridor weiter entlang, bis sie den Palast verließ.
Von dort aus machte sie sich auf dem Weg zu den Toren der Stadt, wo auch schon Robben wartete. Seine Armee stand bereit in Formation. Neben ihm selbst stand ein Pferd ohne Reiter. Unter dem Sattel lag eine schwarze Decke, die ebenfalls das Wappen von Arnor trug. Robben zeigte ihr mit einer Handbewegung, dass sie aufsitzen sollte. Zögerlich stieg sie schließlich auf das Pferd. Ihr blieb es nicht unbemerkt, dass sein Blick die ganze Zeit während des Aufsteigens auf ihr haften blieb.
“Wir haben schon auf dich gewartet!”, behauptete er mit einem seltsamen Unterton in seiner Stimme, den Octavia nicht ganz zuordnen konnte. Vielleicht wollte sie das auch nicht, nachdem sie sein breites Grinsen vernahm. Sie verdrehte nur die Augen und positionierte sich auf dem Sattel.
“Können wir?”, sagte sie stöhnen mit den Zügeln in der Hand.
“Aber sicher!”, entgegnete der junge Fürst noch immer lächelnd. Dann gab er den Befehl zum Aufbruch. Octavia ritt an seiner Seite, relativ weit vorne im Zug und war aufgeregt, was nun passierte...
Octavia und Robben Rogwyne auf dem Weg nach Annúminas…
Darkayah:
Annúminas (Arnor)
Octavia in Annúminas…
Viele Tage waren nicht vergangen, als Octavia Galador zusammen mit Davos in Annúminas aufgegabelt hatte und ihn zu Thirak brachte. Nun war sie schon wieder dort. Diesmal nur mit Robben Rogwyne und seiner Armee. Noch immer fühlte sie sich mit dem Gedanken nicht wohl, die Männer und Frauen zu töten, mit denen sie vorher noch kämpfte um Arnor aus den Händen von Kiana Vaneryen zu befreien. Aber sie behielt stets die Worte von Phelan im Kopf: Die anderen Rebellen waren stur, also musste sie dafür sorgen, dass wenigstens ihre eigenen Leute überlebten. Auch wenn ihr nicht klar war wer dazu gehörte.
Kael, Thirak, Phelan, Davos, Indro…, zählte sie im Kopf auf. Mehr waren es nicht, die sie liebte und die auch sie akzeptierten. Egal welches Blut in ihren Adern floss.
Doch ihr blieb das große Ziel und auch Deloths Wunsch nicht aus den Gedanken. Er wollte alle untereinander vereinen ohne Krieg, ohne Leid. Ein Volk sein. Das war auch ein Traum, den Octavia hegte. Scheinbar war diese Vorstellung aber unerreichbar.
Die Armee von Robben stand in ihrer Formation und war bereit für den ersten Angriff. Diverses Kriegsgerät wurde herangeschafft. Egal ob Leitern oder ein Rammbock. Octavia saß noch immer auf dem Pferd mit der Decke des Wappens von Arnor neben dem jungen Fürsten. Auf den Mauern der Stadt erkannte sie reges Treiben. Die junge Frau war leicht mit der ganzen Situation überfordert. Noch nie nahm sie an einen Angriff einer geordneten Streitmacht teil. Sie kämpfte mit den Rebellen eher im Wald, zwischen Schlamm und Gestrüpp.
Robben befahl die Erstürmung der Stadt, sodass die ersten Soldaten unter Beschuss mit den Leitern auf die Mauern rannten. Octavia hoffte innerlich, dass die Rebellen irgendwie durchhalten konnten, doch sie war nicht zuversichtlich. Dafür waren sie zu wenige und in ganz Arnor verteilt, um es mit einer geordneten großen Armee aufzunehmen.
Besorgt sah sie zu Robben, der das Schauspiel genüsslich beobachtete. Es dauerte nicht lange und er befahl den nächsten Truppen mit dem Rammbock an das Tor nach zu rücken. Anstatt aber auf seinem Pferd weiter zuzusehen, stieg er hinab und zog seinen Helm an. Octavia wunderte sich, was er vor hatte. Wollte er wirklich mit ihnen zum Angriff voranschreiten? Sie konnte es sich allerdings kaum vorstellen. Selbst die Hauptmänner und Kommandanten Kianas hielten sich stets zurück.
Doch dann rannte er mit seinen Männern zum Tor. Octavia staunte nicht schlecht. Gleichzeitig überlegte sie was sie machen sollte. Wenn ihm etwas zu stieß, war ihr ganzen Vorhaben umsonst. Die Gefolgsleute des jungen Fürsten würden wohl kaum auf einen Vergeltungsschlag verzichten. Besonders weil es die alten Fürsten waren und der nächste nachrückte. Keine der Seiten würden nachgeben und auf die Forderungen verzichten. Weder die Rebellen, noch die alten Fürsten.
Kurzentschlossen stieg Octavia auch von ihrem Pferd, zog ihr Schwert und folgte Robben an das Tor. Die Runen leuchteten wieder Blau. Immer wenn sie es in der Hand hielt, behielt sie das Gefühl, dass ihr ganzer Arm kribbelte und eine Wärme durch ihren Körper floss. Erklären konnte sie es sich nicht.
Am Tor schlug der Rammbock mehrere male gegen das Holz, sodass es schon splitterte. Die junge Frau duckte sich ein paar mal um den Pfeilen und Bolzen auszuweichen, die auf sie niederregneten. Immer wieder gingen die Träger zu Boden, doch andere griffen sich den Rammbock , um weiter das Tor zu zerstören. Schließlich nahm auch Robben das Kriegsgerät in seinen Händen und half seinen Soldaten.
"Los, vorwärts!", rief er ziemlich laut. Seine Männer schienen durch seine Worte erst recht angespornt und schlugen den Rammbock weiter gegen die hölzernen Tore. Octavia griff sich einen Schild eines toten Soldaten und fing so viele Geschosse ab, wie sie konnte. Auch die, die auf Robben Rogwyne geschossen wurden.
Ist er verrückt?, fragte sie sich entsetzt, als er nur laut lachte, obwohl sie unter Beschuss waren. Dann endlich war das Tor aufgebrochen und die Soldaten Robbens stürmten in die Stadt. Auch der junge Fürst selbst war vorne mit dabei. Octavia hatte Mühe, ihn nicht aus den Augen zu verlieren. Sie eilte ihm so schnell sie konnte hinterher. Gleichzeitig wollte sie ihr Schwert nicht verwenden, um die West-Rebellen zu töten, die die Stadt in ihren Händen hielten. Es kam ihr so vor, als müsste sie ihre eigenen Leute ermorden. Die junge Frau wich den dutzenden Hieben aus und versuchte ständig Kämpfen aus dem Weg zu gehen oder parierte diese.
Erst als ihr keine andere Möglichkeit mehr übrig blieb, setzte sie ihr Schwert ein, um die Pascimas-Rebellen zu töten. Leicht fiel ihr das allerdings nicht. Aber sie musste alles daran setzen, Robben zu verteidigen, der sich wie wild durch seine Feinde kämpfte und das vorne mit dabei. Ein großer Mann versuchte auf Octavia einzuschlagen. Ihr gelang es aber immer wieder auszuweichen, bis sie einen Tritt abbekam und zu Boden fiel. Der Mann wollte sich die junge Frau packen, doch dann schrie er auf, als ein Dolch in seine Schulter geworfen wurde. Sie nutzte die Chance, sprang auf die Beide und stach ihm ihr Schwert in den Bauch.
Als sie sich schnaufend umdrehte, sah sie nur Robben, der ihr zu nickte. Das ließ sie wissen, dass er es war, der den Dolf warf und ihr half.
Sie liefen durch die Stadt zum Hauptgebäude in der Zitadelle. Immer wieder wurden sie in Kämpfe verwickelt. Schnell wurde Octavia klar, dass die Schlacht schon gewonnen war, obwohl noch einige der Rebellen versuchten die Stadt zu verteidigen. Es waren einfach zu wenige und die Truppen des jungen Fürsten stürmten die Stadt weiter.
Gerade als sie dachte, dass Robben doch noch zu Fall gebracht werden konnte, griff er sich ein zweites Schwert und besiegte seine Gegner leichtfertig. Begleitet wurden seine Taten stets von Schreien von ihm. In gewisser Weise zeigte dies Wirkung, da seine Feinde sich vor ihm fürchteten.
Er ist eindeutig verrückt!, dachte sie sich erneut, während sie ihm hinterher eilte. Gleichzeitig war sie mehr als fasziniert. Denn er kämpfte selbst, konnte dies auch noch gut und versteckte sich nicht.
Im Hauptgebäude angekommen, standen dort in einem großen Raum einige der Rebellen. Vielleicht zwanzig, soweit Octavia schnell erkennen konnte. Der Anführer der Stadt stand mit seinen Männern hinter einem Tisch. Sie sahen alle finster drein, während Robben ein breites Grinsen im Gesicht hatte und seine Augen blutrünstig funkelten. Die junge Frau empfand ein kleines bisschen Furcht, als sie ihn beobachtete. Nicht unbedingt vor dem jungen Fürsten. Sie wusste aber, dass sie, wenn sie ihrem Blutrausch verfiel, mindestens genauso war.
"Kämpfe alleine gegen mich Junge!", rief der Anführer der Rebellen aus Annúminas. "Ohne deine Armee bist du gar nichts!".
Zunächst senkte Robben Rogwyne sein Schwert, doch dann sprang er auf den Tisch, um dann den Anführer zu überwältigen und stach mehrere male auf ihn ein. Octavia, aber auch die Soldaten Robbens und selbst die Rebellen, blieben wie erstarrt stehen und beobachteten das Schauspiel. Die junge Frau war angespannt, denn noch immer befanden sich Rebellen in diesem Raum. Sie behielt ihre Kampfhaltung, um möglichen Angriffen entgegenwirken zu können. Sie sah, wie Robben sich erhob, seine Arme ausbreitete und in sich hinein lachte, während sein Gesicht Blutverschmiert war. Er schien wahrlich ein Krieger zu sein, der vor nichts zurückschreckte.
Es dauerte auch nicht mehr lange, da ließen die restlichen Rebellen ihre Waffen fallen und zeigten ihre Aufgabe. Octavia war mehr als erleichtert, nicht weitere von ihnen töten zu müssen.
Am frühen Abend lief die junge Frau durch die Zitadelle der Stadt. Viel mehr vergewisserte sie sich, dass auch wirklich alle Rebellen, die in der Stadt überlebten, nur gefangen genommen wurden und nicht doch hingerichtet. Nachdem, wie sie Robben während der Schlacht erlebte, konnte sie sich nicht vorstellen, dass er wirklich Gnade walten ließ.
Ihrer Bedenken zum trotz, schien sich der junge Fürst daran zu halten und bot jedem, der sich ihm unterwarf, die Verschonung des Lebens an.
Octavia blieb an einem Fenster stehen, welches auf der Nord-Östlichen Seite gelegen war und sah in die Ferne. Die letzten Strahlen der Sonne verschwanden am Horizont und färbten den Himmel Blutrot. Sie musste an Indro denken, der irgendwo dort mit den Utarra-Rebellen war. Sie hoffte inständig, dass auch er sich mit Phelan und den anderen absprach, um sich an den Plan zu halten. Doch von ihm hörte mal nichts und niemand sprach mehr mit ihm. Er hatte sich wohl entschieden, wie er in diesem Krieg vorgehen wollte. Sie seufzte Laut und lief den Gang weiter.
In ihren Gedanken sah sie wieder das Gesicht von Robben Rogwyne vor sich. Wie er dort, blutverschmiert, saß und ein breites Lächeln auf den Lippen hatte. Sie wusste nicht recht, ob sie sich vor ihm fürchten sollte. Er schien sich von nichts zurückhalten zu lassen und ihm war jedes Mittel recht um seine Ziele durchzusetzen. Er schien nicht lange drumherum zu reden, sondern war ein Mann der Taten. Und doch hielt er sich auch an die Versprechen, jeden zu verschonen, der aufgab.
Ist er wirklich dann eine so schlechte Wahl, als Herrscher von Arnor? fragte sie sich für einen kurzen Moment. Sie wusste aber, dass es falsch war so zu denken. Wäre er ein geeigneter König gewesen, würde er die Forderungen der Rebellen akzeptieren, um weiteres Leid zu verhindern.
Weiter darüber nachdenken konnte sie allerdings nicht. Denn im großen Saal saß Robben Rogwyne auf einem Stuhl, der auf einem Podest stand und so eine Stufe erhöht war. Er war alleine. Es wäre ein leichtes gewesen, Robben zu töten und einfach zurückzulassen. Großes Chaos unter seinen eigenen Leuten, aber auch in ganz Arnor, würde ausbrechen. Die junge Frau konnte so allerdings nicht weiter denken. Irgendetwas hatte er an sich. Etwas was sie innerlich aufwühlte, aber auch ein inneres Verlangen weckte. Der Saal wurde von vielen Kerzen ausgeleuchtet. Mit vorsichtigen Schritten näherte Octavia sich ihm, der sie dabei mit seinen Blauen Augen beobachtete. Sie fühlte sich verunsichert, ob sie überhaupt überhaupt etwas und was sie sagen sollte.
“Du wirkst nicht so, als hättest du angst vor mir…”, erhob er plötzlich seine Stimme. Octavia schluckte. Natürlich fürchtete sich etwas vor ihm, nachdem was sie in der Schlacht gesehen hatte. Aber auch vor ihren inneren Gefühlen, die sie mehr als verunsicherten und die sie nicht zuordnen konnte. Sie versuchte ruhig zu bleiben. Mit etwas Abstand zu ihm blieb sie stehen.
“Nein, bin ich nicht…”, antwortete sie nur kurz. Ihre brüchige Stimme war kaum zu überhören. “...Du hast mir nur nicht erzählst, dass du selbst ein Krieger bist…”.
Robben erhob sich von seinem Stuhl und näherte sich ihr.
“Was bringen mir sonst ein Schwert und eine Rüstung?”, entgegnete er selbstverständlich. “Die meisten Fürsten, egal ob die alten von Früher, oder die meinen noch in dieser Position zu stehen, schauen sich eine Schlacht von der Ferne an, um sich dann selbst für den Sieg feiern zu lassen… Doch das will ich nicht!”.
Er stand nun direkt vor ihr, wenn auch noch erhöht. “So grausam dein Vater auch war, bewundere ich ihn für eine Sache: Er selbst wollte niemals eine Seite in einem Geschichtsbuch eines anderen werden… Er wollte, dass man sich an ihn erinnert! Auch ich will, dass man sich an mich erinnert, Geschichten über mich erzählt und Lieder über meine Siege singt!”.
Octavia schwieg vorerst. Für sie war es nicht wichtig, dass man sich an sie erinnerte. Die Hauptsache war, dass das was sie tat auch für die nachfolgenden Generationen gut war. Sie senkte leicht den Kopf, da sie angst hatte dass Robben in ihren Augen etwas sah, was sie nicht kontrollieren konnte. Trotzdem blickte sie noch immer mit ihren Grünen Augen in seine Blauen. Der junge Fürst nahm ihr Gesicht in seine Hände und richtete ihren Kopf wieder weiter nach oben.
“Ich musste in meinen frühen Jahren viel ertragen… Schon immer galt ich als Krank, da meine Knochen schnell brachen, als ich ein Kind war... Als mein Vater im Krieg gegen deinen Vater starb, war ich der junge Fürst, dessen Zukunft hoffnungslos war… Meine Mutter heiratete einen Mann, der nur den Status als mein Vormund ausnutzte… Noch vor der Schlacht in Carn-dûm gegen die Horden der Dunkelheit, ermordete ich ihn… Ich lernte meinen Hass in das Kämpfen zu lenken!”, erzählte er und sah Octavia weiter tief in ihre Grünen Augen. Sie selbst blickte ihn noch immer verunsichert an. Obwohl es eher unbeabsichtigt war, waren ihre Lippen leicht geöffnet und ihr Atem schwer.
“Auch in deinen Augen, sehe ich dieses Gewitter… Du musst es auch nicht leicht gehabt haben, die Bürde deines Vaters auf den Schultern zu tragen, dieses mächtige Blut, das in deinen Adern fließt… Dann noch all das Leid, das du durchmachen musstest…”., sagte er weiter und ging mit seinem Daumen ihre Unterlippe entlang. Am liebsten wollte sie einfach nur flüchten, doch sie konnte nicht. Ihr ganzer Körper war erstarrt.
“...Wir beide können gemeinsam noch so viel erreichen…”.
Ihre beide Lippen kamen sich näher und näher. Unkontrolliert strecke sie ihm ihren Kopf entgegen. Was tu ich hier?!, dachte sie sich. Ihr Herz raste und sie hatte das Gefühl, ihr ganzer Körper bebte. Bevor sie sich jedoch berührten, wurden die Türen des großen Saals aufgeschlagen und der Mann der Hildamar hieß, kam herein. Sofort sprang Octavia einen Schritt zurück und richtete sich ihre Haarsträhnen, die ihr in das Gesicht rutschten. Es war wohl besser so zu tun, als war nichts passiert.
Warum mache ich das, ärgerte sie sich über sich selbst. Ich darf den Plan nicht aus dem Sinn verlieren!. Die junge Frau kniff sie selbst in den Unterarm, um an etwas anderes zu denken. Sie spürte es, dass ihre Wangen erröteten, das es nicht angenehmer machte. Als sie zu Robben sah, machte er ein entnervtes Gesicht.
“Hildamar, was gibt es?”, fragte er. Octavia räusperte sich nur unschuldig.
“Mein Herr, unsere Späher berichten, dass sich Utarra unter Indro mit einer Gruppe von Kriegern in Bewegung gesetzt hat…”, erklärte er schnaufend.
Octavia sah zu Robben, der sich abwandte. Er nahm etwas in die Hand und schien es fest zu drücken. So fest, dass das Blut aus seiner Faust tropfte. Die junge Frau war verwundert, warum er das tat. Sie kannte es selber von sich, wenn der innere Schmerz so groß war dass sie einen äußerlichen zum ausgleichen suchte. Doch sie konnte sich nicht erklären, warum Robben das machen sollte.
“Gleich Morgen früh werden wir aufbrechen… Wir werden dieses kleine Problem aus der Welt schaffen…”, knurrte er. “...Danach marschieren wir weiter weiter nach Hügelstadt…”.
“Jawohl, mein Herr!”, erwiderte Hildamar und verließ den Raum wieder.
Es war das, wovor Octavia die ganze Zeit angst hatte: Indro, der nicht mit sich reden ließ und nun in den Kampf zog. Sie musste es verhindern. Doch wie? Sie konnte nicht einmal Phelan um Rat fragen. Er war zu weit weg. Ihre Gefühle, die mehr als durcheinander geraten waren, blockierten ihren Kopf. Sie musste bis zum nächsten Tag eine Lösung finden. Vielleicht fiel es ihr leichter wenn sie geschlafen hatte.
“Ich… Ich werde mich etwas ausruhen..”, sagte sie nur und verließ so schnell sie konnte den Raum. Sie musste wieder zu sich kommen. Einen klaren Verstand...
Octavia in Annúminas…
Darkayah:
Hügel von Evendim (Arnor)
Octavia in der Nähe der Evendim Hügel…
Octavia bekam die ganze Nacht kaum ein Auge zu. Sie war noch immer ganz durcheinander, was ihre inneren Gefühle anging. Sie war sich nicht einmal im klaren, was diese bedeutete. Waren es wirklich Gefühle, die sie für Robben Rogwyne hegte? Sehnte sie sich einfach nur mach jemandem, der sie so akzeptierte wie und was sie war?
Aber wenn es wirklich so war, konnte sie sich doch nicht einfach in ihren Feind verlieben und noch auf ihn einlassen. Die junge Frau hatte so viele Fragen und Gedanken dazu im Kopf. Auch fühlte sie sich schlecht, wenn sie an Deloth dachte. Er war zwar tot, doch sie fühlte sich ihm gegenüber noch verpflichtet. Natürlich ließ sie sich auch auf Loki ein. Das war aber eine andere Situation. Mit Loki war es eher eine Spielerei, um ihre Bedürfnisse zu stillen. Dazu kam noch, dass der junge Fürst von Arnor alle Rebellen bedrohte und das ganze Vorhaben zunichte machte. Dennoch fühlte es sich bei Robben anders an. Wirklich mit jemanden darüber sprechen konnte sie nicht. Was würden Phelan, Kael aber auch Thirak über sie denken, wenn sie ihnen sagte, dass sie etwas für Robben fühlte.
Vielleicht bilde ich mir das nur ein, versuchte sie sich selbst zu beruhigen. Eigentlich wollte sie ihr Zimmer, welches spartanisch eingerichtet war, gar nicht mehr verlassen. Aber sie musste ja wieder an Robbens Seite sein, denn er wollte am Morgen wieder aufbrechen. Ihr war es nur ein Rätsel wie sie ihm begegnen sollte, nachdem sie sich am Vortag fast näher gekommen waren. Für sie war es mehr als peinlich und sie fürchtete sich, dass er in ihren Augen etwas bemerkte, was ihr selbst noch verborgen blieb.
Sie packte ihre wenigen Sachen zusammen und sah das Schwert neugierig an. Sie fragte sich, warum es so leuchtete und warum es eine Wärme in ihr verbreitete. Thirak verlor darüber kein einziges Wort, als er es ihr gab. Die junge Frau befestigte ihr Schwert in der Scheide wieder auf ihren Rücken. Ein lauter Seufzer drang aus ihr heraus.
Ihr fielen wieder die Worte von diesem Hildamar ein. Er behauptete, dass Utarra mit Indro angreifen wollte. Eine Idee wie sie es verhindern könnte, hatte sie allerdings noch immer nicht. Sie konnte ja nicht einfach abhauen und zu Indro reiten. Robben wollte sie an seiner Seite haben. Somit war das fast unmöglich. Außer es bot sich eine Gelegenheit.
Octavia lief die steinigen Korridore entlang und eilte in den Vorhof der Zitadelle. Sie hatte schon Befürchtungen, wieder die letzte zu sein die ankam. Doch draußen bemerkte sie, dass Robben auch noch nicht da war, die Truppen aber Abreisebereit.
Dann endlich kam er aus einem anderen Bereich der Zitadelle und zog seine Handschuhe fest. Einige der Hauptleute der Armee folgten ihm. Robben hatte wie immer seinen zufriedenen Gesichtsausdruck und als er zu Octavia sah, nickte er nur kurz ihr zu. Sie selbst wandte sich nur ertappt ab und sie spürte die Wärme die in ihre Wangen stieg. Schnell stieg sie auf ihr Pferd und wartete auf die Abreise. Diesmal schien der junge Fürst sie dabei nicht zu beachten und würdigte sie keines Blickes. Octavia war etwas verwundert. Sonst hätte sie immer seine vollste Aufmerksamkeit. Obwohl die junge Frau noch nicht einmal wusste, warum es sie überhaupt störte. Deshalb war sie froh, dass die Truppen aus der Stadt marschierten. Zunächst versuchte sie sich an Robben zu orientieren und bei ihm zu bleiben, doch sie gab es schnell auf, weil sie keine Beachtung bekam und er reitend mit seinen Hauptleuten Sprach und scherzte. Also blieb sie getroffen ziemlich weit hinten im Zug.
Außerhalb der Stadt, hinter den Evendim Hügeln, befand sich Octavia weiterhin relativ weit hinten. Sie blieb auf Abstand zu der Armee und versuchte noch nach einer Möglichkeit zu überlegen, Indro zu retten. Gleichzeitig verließ aber nicht der Gedanke ihren Kopf, dass Robben Rogwyne sie nicht mehr beachtete oder zumindest weniger. Die Sonne ging langsam unter und hing tief am Himmel. Die Strahlen ließen die ganze Landschaft golden-orange leuchten. Die Armee machte hinter den Evendim-Hügeln eine Rast. Bald erreichten sie die Grenze Arnors zu Angmar, wo auch das Utarra-Rebellenlager war.
Viele Zelte standen geordnet aufgebaut um das von Robben. Er selbst blieb mit seinen Hauptmännern in seinem Zelt, sodass Octavia ihn die ganze Zeit nicht sag. Es war vielleicht die Möglichkeit einfach zu Indro abzuhauen und ihn zu warnen. Aber die Gefahr war zu hoch, dass sie von irgendjemanden gesehen werden würde. Sie konnte das nicht riskieren. Immerhin hing das Leben vieler Menschen von ihren Entscheidungen ab.
Die junge Frau saß die ganze Zeit an einer Feuerstelle und schnitzte mit einem Messer die Stöckchen, die um sie herum lagen. Es diente eher dazu sich abzulenken, als Zeitvertreib, als dass sie etwas Vernünftiges herstellen wollte. Immer wieder versuchte sie eine passende Lösung zu finden. Doch ihre Gedanken schweiften jedes mal zu Robben und die Situation am Vorabend.
Endlich verließen die Hauptmänner das Zelt des jungen Fürsten. Octavia zögerte noch einen Moment und stach ihren Dolch mehrere male in die Erde. Vielleicht weil sie etwas wütend war. Vielleicht auch nur, weil sie nachdenklich war. Schließlich beschloss sie in das Zelt Robbens zu gehen.
Sie stampfte wütend hinein und blieb starr Fäuste ballend am Eingang stehen. So viele Worte schwirrten in ihrem Kopf, aber keines davon brachte sie über ihre Lippen, als sie den jungen Fürsten dort an einem Tisch sitzend sah. Er sah sich diverse Schriftstücke an. Octavia kam sich mehr als albern vor, denn sie wusste nicht einmal, was sie so verärgerte und warum sie so reagierte. Noch nie zuvor verspürte sie ein solches Gefühl.
Noch immer stand sie dort schweigend, wie angewurzelt und angespannt.
"Bleib nicht da stehen. Komm herein und setz dich…", bat er ruhig, als er sie endlich bemerkte.
Ihre innerliche Starre löste sich und mit vorsichtigen Schritten lief sie auf Robben, um sich auf einen Hocker zu setzen, der neben ihr stand.
"Was gibt es, Octavia?", fragte er freundlich.
Auch wenn die jungen Frau lieber wissen wollte, warum er sie am Mittag so behandelte, schob sie den Gedanken hinten an. Denn es war wichtiger die Utarra-Rebellen zu retten.
"Du kannst nicht gegen Indro kämpfen… Lass mich mit ihm reden! Er wird dich nicht bekämpfen, bitte!", fing sie verzweifelt an. Sie nahm seine Hände und rutschte etwas zu ihm rüber, um ihm näher zu sein.
"Du weißt dass das nicht stimmt… Indro wird kämpfen… Koste es was es wolle…", entgegnete er leicht besorgt.
"Du musst es mich versuchen lassen… Bitte… Du wolltest, dass ich dir in diesem Krieg nützlich bin!", flehte sie schon fast.
"Wenn meine Armee vor seinen Türen steht, hat er die Möglichkeit die Waffen niederzulegen! So viel kann ich dir entgegenkommen…".
"Du weißt, dass er das eher als Provokation sieht… Ich muss alleine mit ihm sprechen!", bestand Octavia weiter darauf. Sie musste ihn irgendwie überzeugen. Aber wie?
"Ich kann es nicht riskieren, dass er dich dort behält…", sagte Robben Rogwyne und brachte seinen Kopf in einer leichten Schieflage.
Sie kannte Indro. Gefangen nehmen würde er sie nicht. Immerhin hatte sie nichts verbrochen. Sie kniete inzwischen vor ihm auf dem Boden und legte ihren Kopf auf ihre Hände, die in seinem Schoß lagen. Sie seufzte leicht.
Ihr kam eine Idee, wie sie ihn zumindest für eine Zeit aus dem Weg schaffen konnte und sie vielleicht vollstes Vertrauen erlangte. Sie war eine Frau. Robben schien, zumindest noch vor Tagen, ihr nicht abgeneigt gewesen zu sein. Und hässlich war er keinesfalls. Somit lohnte es sich wenigstens. Damit konnte sie gleichzeitig ihre eigenen Bedürfnisse und Verlangen befriedigen. Dann konnte sie auch direkt herausfinden, was ihre Gefühle bedeuteten. Ein gewissen Kribbeln breitete sich in ihr aus, wenn sie daran dachte. Endlich wollte sie ihn berühren, auch wenn es falsch war. Vielleicht auch genau deswegen.
Ich sollte so etwas nicht denken…
Doch gerade als sie den Gedanken ausgedacht hatte, setzte sie sich auf seinen Schoß. Sie war zu ihm gedreht und legte ihre Arme um den jungen Fürsten.
Was mach ich da… Ich sollte das nicht tun!, sagte sie zu sich selbst. Wie aus Geisterhand küsste sie Robben immer und immer wieder. Er wehrte sich auch keineswegs dagegen, eher im Gegenteil.
Octavia schlüpfte aus ihrem Oberteil, welches Robben ihr rasch auszog. Die junge Frau öffnete eilig seinen Gürtel und küsste ihn weiter. Sie befreite sich aus ihrer Hose und setzte sich auf den kleinen Tisch. Dabei schmiss sie die Dinge die darauf standen zu Boden. Robben erhob sich ebenfalls und stand vor ihr am Tisch, während Octavia ihm half aus seiner Kleidung zu kommen.
Als er sie umarmte und ihren Nacken küsste, spürte sie nur, wie er sie hochhob. Sie umschlang ihn mit Armen und Beinen, als er sie zu dem Feldbett des Zeltes trug. Innerlich versuchte sie sich dagegen zu wehren, doch sie konnte nicht. Zu sehr wollte sie es selbst. Selbst ihr Gewissen, dass das nicht der richtige Weg war, schaltete sich ab. Die junge Rebellin konnte es nicht mehr leugnen, dass sie es selbst so sehr begehrte. Ihr war es in diesem Moment egal… An nichts mehr wollte sie sonst denken… Alle Sorgen für diesen einen Moment vergessen…
Octavia lag noch eine Zeitlang wach neben Robben. Er umarmte sie von hinten. Er war schon eingeschlafen. Das entnahm sie seinem langsamen Atm. Im Hinterkopf hatte sie noch stets die Gefahr, die den Utarra-Rebellen und Indro drohte. Als Robben Rogwyne sich im Schlaf von ihr abwandte, nutzte sie die Chance um sich vorsichtig aus dem Bett zu erheben. So leise es ging, zog sie ihre schwarze Kleidung wieder an. Sie sah mit einem schiefen Lächeln zu Robben. Hatte sie sich etwa ernsthaft in ihn verliebt? Oder war es nur so wie bei Loki? Ihn fand sie auch attraktiv und begehrenswert. Das war es aber auch schon. Sie war sich nicht sicher. Bei Robben hatte sie ein schlechtes Gewissen, einfach so zu gehen, ohne nur etwas zu sagen und zu Indro zu gehen.
Octavia schnappte sie sich ihr Schwert und verließ das Zelt kopfschüttelnd.
Die meisten Soldaten im Lager haben sich, zu ihrem Glück, auch schon schlafen gelegt. Lediglich einige wenige Wachen patrouillierten.
Die junge Frau schlich sich duckend zwischen den Zelten durch. Sie löste am Rand des Lager sein Pferd von dem Pflock und führte es einige Schritte mit sich. Erst als sie ein ordentliches Stückchen entfernt war, stieg sie in den Sattel und ritt los in Richtung Norden. Sie wollte vor Sonnenaufgang zurück sein, sodass Robben am besten überhaupt nichts von ihrer Abwesenheit erfuhr. Das war das letzte was sie gebrauchen konnte.
Nicht weit entfernt vom Lager traf sie tatsächlich auf eine Gruppe. Sofort ritt sie auf diese zu. Die Krieger Indros mussten die junge Frau zu ihm bringen, bevor es zu spät war.
“Hey!”, rief sie. Die Männer gingen sofort in Angriffsstellung. Sie zogen ihre Schwerter und richteten ihre Bögen auf Octavia.
“Ich bin kein Feind! Ich bin hier um mit Indro zu sprechen!”, sagte sie außer Atem.
“Und wer sagt uns, dass du nicht hier bist, um uns auszuspionieren?”, fragte einer der Männer äußerst misstrauisch.
“Ich bin Octavia… Ich war Indros Blutkriegerin!”, antwortete sie.
“Ah, du bist dieses Mädchen… Die für den Jüngling kämpft… Also bist du unser Feind!”.
Noch bevor Octavia etwas erwidern konnte, ertönte eine weitere männliche Stimme von etwas entfernter: “Es ist in Ordnung, Gunnar… Lass sie sprechen!”.
Als Octavia blinzelnd in die Richtung sah, um zu erkennen, von wem die Stimme aus der Dunkelheit war, erkannte sie schließlich Indro. Ihr Herz ging auf, als sie ihn endlich sah.
“Indro ich bin so froh dich zu sehen…”, wollte sie gerade sagen.
“Sprich, Mädchen… Was willst du hier?”, fragte Indro verbittert.
“Robben Rogwyne steht mit seiner Armee nicht weit von hier… Wenn ihr angreift, ist das euer Untergang!”.
Indro schnaubte nur. “Wenn das so ist, soll es so sein..”.
Octavia verstand nicht. Wo war nur der Lehrmeister hin, den sie so bewunderte. Der, der sie zu seiner Blutkriegerin machen wollte. Der ihr so viel beibrachte.
“Indro bitte… Es darf nicht wieder wie damals in Minas-Tirith passieren… Du setzt deine Leute einer Bedrohung aus…”, flehte sie fast.
“Und was sollte es dich kümmern?”.
“Ich bin nur auf Robben Seite, damit ich euch alle beschützen kann! Um was anderes geht es mir dabei nicht… Phelan und ich haben einen Plan… Dafür brauchen wir aber Zeit!”, behauptete die junge Frau und stieg von ihrem Pferd. Sie ging einige Schritte auf Indro zu und packte ihm am Arm. “Bitte Indro… Ich schaffe es sonst ohne dich nicht!”.
Gut… “, seufzte er schließlich. “Ich werde meine Männer zurückrufen...Pascima lauert hier herum und wir können eine Pause gebrauchen...”.
Auch Octavia seufzte erleichtert. Sie hatte schon die Befürchtung, er wollte sich nicht darauf einlassen.
“Du solltest, sobald es dir möglich ist, in den Eregionwald zur Daskina Siedlung reiten… Thirak und auch Kael warten dort… Sie entwickeln einen Plan, der Robbens Armee in Schach halten kann und den Zusammenhalt der Rebellengruppierungen zurückholt!”, sagte sie, als sie wieder zu ihrem Pferd ging und auf dessen Rücken stieg.
“Ich muss wieder los, bevor Robben verdacht schöpft…”, sagte die junge Frau. “...Die Armee wird morgen Mittag hier eintreffen…”.
Mit diesen Worten ritt sie so schnell sie konnte zurück zum Lager. Sie musste schnell sein. Wenn jemand Verdacht schöpfte, war der ganze Plan hinfällig. Robben würde dadurch sicher nicht mehr die Rebellen verschonen wollen.
Gerade ritt ihr Pferd um eine Kurve, da spürte sie nur einen dumpfen Schlag gegen ihren Brustkorb, sodass sie zu Boden fiel und das Bewusstsein verlor...
Octavia nördlich der Hügel von Evendim...
Darkayah:
Nord-östlich der Evendim Hügel(Arnor)
Octavia irgendwo im Norden Arnors…
Langsam kam die junge Frau wieder zu sich. Sie erinnerte sich nur noch daran, dass sie zu Indro eilte, um ihn und die Nord-Rebellen vor größerem Unheil zu bewahren. Dann ritt sie zurück zum Lager der Streitmacht von Robben Rogwyne. Sie erinnerte sich an den Schlag, der sie am Brustkorb traf. Noch immer schmerzte die Stelle. Octavia wollte ihre Brusz berühren um sich selbst abzutasten. Vermutlich stieß sie gegen einen Ast, der zu weit an den Weg wuchs. Doch sie konnte ihre Arme nicht bewegen. Durch das Gefühl, welches sie durch ihre Hände hatte, musste sie auf dem Boden sitzen, der leicht feucht war. Sie vernahm leise Geräusche, die sie nicht zuordnen konnte. War sie wirklich noch alleine? Waren Indro und die Utarra-Rebellen dort und haben sie gefunden?
Vorsichtig blinzelte sie, damit sie etwas erkennen konnte. Die junge Frau erkannte drei Männer um eine Feuerstelle sitzen. Es mussten Utarra-Rebellen sein. Langsam wollte sie sich erheben, stellte aber schnell fest, dass sie gefesselt war.
Was zur Hölle soll das, dachte sie sich verwundert. Der Morgen war inzwischen angebrochen. Sie wollte schon lange zurück bei Robben sein, damit dieser kein Verdacht schöpfte. Nun war es vermutlich zu spät. Vielleicht aber, schaffte sie es noch rechtzeitig um sich zu erklären.
"Hey ihr…", rief die junge Frau. "...Bindet mich gefälligst los… Indro wird es sicher nicht gefallen!".
Es herrschte großes Schweigen, als die Männer sich zu ihr wandten. Dann lachten alle drei lautstark. Octavia verstand nicht wieso. Sie fand daran überhaupt nichts witzig. Das Leben vieler Nord-Rebellen hing davon ab, ob sie zu Robben zurückkehrte, oder nicht.
"Hey! Schwachköpfe! Hört ihr nicht richtig?", schimpfte sie vorlaut. Nachdem sie das sagte, stand einer der Männer auf und kam mit einem Messer auf Octavia zu. Er beugte sich zu ihr und hielt das Stück Metall in ihr Gesicht. Er strich damir breit grinsend ihre Konturen entlang.
"Der Schwachkopf kann auch einfach dein hübsches Gesicht zerschneiden!", drohte er. Die junge Frau verzog nur ihr Gesicht. Sie verstand nicht, was die Männer damit bezwecken wollten.
"Ich bin auf eurer Seite… Schickt nach Indro… Er wird es euch erklären… Das Schicksal von euch Nord-Rebellen hängt davon ab, dass ich zurück zum Lager der Armee des Fürsten gelange!", erklärte sie verzweifelt. Der Mann erhob sich nur lachend und rief: "Dann haben wir ein Problem weniger!".
Erst jetzt wurde Octavia bewusst, dass es keine Utarra-Rebellen waren. Es mussten also Männer von Pascima sein. Was sollte sie nun nur machen? Sie hatte versagt…
"Warum sagst du so etwas? Wir haben vereint gegen Kiana gekämpft…", sagte Octavia getroffen. "...Alleine können wir als Rebellen nicht viel erreichen…".
"Du warst doch die erste, die sich diesem jungen Fürsten angeschlossen und uns alle verraten hat…", entgegnete der West-Rebell verärgert.
"Mir blieb keine andere Wahl… Robben hätte meinen Bruder getötet… So bleibt mir wenigstens die Möglichkeit Informationen zu bekommen, sodass wir einen Plan entwickeln können, um ihn zu besiegen…", versuchte sie deutlich zu machen und wurde dabei lauter.
"Und wir tun alles was in unserer Macht steht, um unsere Leute zu beschützen… Da hast du wohl den kürzeren gezogen… Fürst Rogwyne wird sicher daran interessiert sein, dich wiederzubekommen… Du bist doch die, mit diesem Blut der Maiar…".
"Pff…", machte die junge Frau nur. "Robben wird es egal sein…".
Der Mann beugte sie wieder zu ihr herunter und hielten einen Finger unter ihren Kinn. "Dann wirst du sterben!".
"Dann töte mich jetzt… Ich habe sowieso nichts zu verlieren…", sagte sie streitlustig. Sie wusste, dass Robben sicher schon mit seiner Armee zu den Utarra-Rebellen gezogen war. Diese konnten wohl kaum den Angriff standhalten. Besonders nachdem Octavia ihnen noch sagte, dass sie sich zurückziehen sollten.
"Genug!", rief einer der anderen Männer. "Wir sollten zu den anderen aufbrechen, bevor… Urgh …", ehe er aussprechen konnte, schrie er auf und fiel mit einem Speer in seinen Bauch um. Die anderen beiden Männer griffen so schnell sie konnten nach ihren Waffen und sahen sich verängstigt um. Im ersten Moment hoffte Octavia auf Indro und seine Männer, die noch irgendwo in der Nähe sein konnten. Spätestens als sie die Hufen von Pferden hörte, wusste sie dass es nicht die Nord-Rebellen waren.
Eine ganze Reiterschar preschte heran und tötete die Pascima Rebellen. Einer der Reiter, der einen weißen Umhang trug, stieg von seinem Ross herunter und kam auf Octavia zu. Irgendwie versuchte sie sich aus den Seilen zu befreien, als er sein Schwert zog, doch es war vergebens. Die junge Frau kniff ihre Augen zu, als der Mann seine Hand mit der Waffe erhob und wartete nur auf den Schmerz, der ihr Leben ein Ende setzte. Doch sie spürte nur wie die Fesseln sich lösten und die Seile zu Boden fielen.
Als sie ihre Augen wieder öffnete, erkannte sie den älteren Mann Namens Hildamar, der gerade seinen Helm abnahm, der sonst immer an Robbens Seite war. Zwei Soldaten halfen ihr auf die Beine. Octavia sah sich irritiert um. Es waren tatsächlich Männer Robbens, die alle das Wappen Arnors trugen. Sie versuchte unter den Reitern den jungen Fürsten zu erblicken, doch er schien nicht unter ihnen zu sein.
"Wo ist Robben?", fragte Octavia aufgebracht.
"Lord Rogwyne ist mit der Armee weiter marschiert, um die Nord-Rebellen zu besiegen… Und nach eurem Verschwinden war es sein höchstes Anliegen, euch aus den Griffen der Verräter des Landes zu befreien!", entgegnete Hildamar.
"Es war ein Irrtum… Das waren Männer von Pascima nicht Utarra… Wir müssen schnell zu Robben… Indro wollte sich ergeben… Bitte.. ", versuchte Octavia zu erklären und drängte den Mann zum Aufbruch. Er blieb aber nur wie angewurzelt stehen. "Worauf wartest du?", drängte die junge Frau weiter.
"Selbst wenn es so ist wie ihr sagt, was ich mir bei weitem nicht vorstellen kann, ist es jetzt zu spät… Der Angriff ist schon voll im Gange und mein Auftrag ist es euch in unser nächstes Lager zu bringen…", erwiderte der Mann trocken.
Das kann nicht sein… Indro…, dachte sie sich voller Entsetzen. Sie wollte sich ein Pferd schnappen, um zum Utarra-Rebellenlager zu reiten und schlimmeres verhindern. Doch auf Befehl Hildamars ließen die Soldaten das Pferd nicht los.
"Ich muss so schnell es geht dorthin…", hastete sie.
"Mein Befehl ist klar: Ich soll euch zu unserem Lager bringen… Entweder ihr kommt freiwillig mit oder ich muss euch fesseln anlegen lassen!", sagte der Mann ziemlich bestimmend.
Octavia starrte ihn sprachlos an. Anstatt er ihr die Möglichkeit gab, weitere Sinnlose Tode zu verhindern, beharrte er auf seinen Auftrag. So gerne hätte sie einfach ihr Schwert gezogen und ihn getötet. Sie wusste aber, dass es das gesamte Vorhaben gefährdete. Ein lauter Seufzer stand tief aus ihrem Brustkorb heraus.
Ihr blieb erst einmal nichts anderes übrig, als Hildamar zu folgen und zu hoffen, dass Indro nichts weiter zustieß. Also nickte sie ihm zu.
"Gut…", sagte er dann und gab den Befehl zum Aufbruch. "...Auch wenn es mir ein Rätsel ist, was Lord Rogwyne mit euch will… Ihr seid auch nur ein Abkömmling Thurions… Der Lord sieht in euch eine Nützlichkeit… Ich nicht!".
Octavia sah ihn schief an. Im Endeffekt war es ihr egal was Robben an ihr sah. Hauptsache der Plan ging auf. Natürlich hatte sie gewisse Gefühle für ihn, aber sie sah wieder die Pläne der Rebellen im Vordergrund. Sie sagte allerdings nichts und folgte ihm einfach, wenn auch mit gesenktem Kopf. Der Gedanke an das Schicksal von Indro und den Utarra-Rebellen ging ihr nicht aus dem Kopf...
Octavia auf dem Weg in den Nord-Osten Arnors…
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