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Autor Thema: Rohan  (Gelesen 354 mal)

>Darkness<

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Rohan
« am: 30. Jan 2021, 22:23 »
Folde,  Ostfold (Rohan)

Octavia kommt aus Arnor und reist durch Rohan nach Minas-Tirith...

Ohne viel Rast zu machen ritt Octavia die große Hauptstraße entlang um nach Minas-Tirith zu gelangen. Sie wusste nicht wie viele Tage sie schon unterwegs war, da sie nur versuchte so schnell voran zu kommen, wie sie konnte. Das Turnier stand schon in wenigen Tagen bevor und sie musste rechtzeitig da sein, um teilnehmen zu können. Inzwischen war sie schon im Gebiet von Rohan angekommen. Viel kannte sie davon nicht. Wie sollte sie denn auch, wenn sie ihre ganze Kindheit im Familienanwesen in Minas-Tirith versteckt und eingesperrt worden war. Sie hatte ja nie die Möglichkeit gehabt aus der Stadt, geschweige denn aus dem Anwesen gekommen zu sein. Bei ihrer Flucht wollten ihr Bruder und sie selbst nur so weit wie möglich weg von Gondor und waren deshalb schnurstracks nach Arnor geflohen. Aber ihr blieb zu diesem Zeitpunkt auch nicht viel Zeit um sich die Städte und das Land anzusehen.
Sie war froh, dass sie das Pferd hatte und so angenehmer durch das Reich von Mittelerde reisen konnte. Gleichzeitig trieb ihr das schlechte Gewissen durch den Kopf, einfach das Pferd von Thirak genommen zu haben und ihn dort alleine zurückgelassen hatte. Sie versuchte immer wieder seine Worte zu vergessen, die er ihr hinterher rief, doch es war nicht ganz so einfach. Sie war verwundert über das was er sagte. Sie spürte zwar, warum auch immer, eine Verbindung zu Thirak, erahnte aber nicht woran das lag. Sie ging eher von der Zeit aus, die die beiden zusammen verbrachten. Warum er sie aber nun liebte, konnte sie sich nicht erklären. Vielleicht gab sie seinen Worten auch zu viel Bedeutung und er wollte sie doch nur nach Hause holen. Wobei sie zu diesem Zeitpunkt jedem böses unterstellte und davon ausgehen konnte, er machte sich nur über sie lustig. Auch wenn sie nicht so über ihn denken wollte. Immerhin war er bisher ehrlich zu ihr und vertraute ihr seine wahre Identität an… Wahrscheinlich machte sie sich nur zu viele Gedanken und er meinte seine Liebe nur freundschaftlich.
Auf der Hauptstraße, die auch durch Rohan verlief, traf sie wieder auf viele Menschen, sodass sie auch etwas Ablenkung fand. Entweder waren diese Menschen Kaufleute, Wanderer oder auch Soldaten. Bei den Soldaten handelte es sich sowohl um ganze Bataillone, die scheinbar von Stadt zu Stadt zogen, wie auch einzelne Grüppchen, die auf der Flucht aus Arnor waren. Von Gesprächen der Wanderer wusste sie, dass sie schon fast an der Grenze zu Gondor war und ihrem Ziel näher kam. In der Ferne erkannte sie die majestätischen Berge. Ihre Gipfel waren schneebedeckt und boten durch den klaren Himmel einen atemberaubenden Anblick. In gewisser Weise kamen der jungen Frau die Gebirgsketten, die das Weiße Gebirge bildeten, sehr vertraut vor. Immerhin lag Minas-Tirith an einem Hochgebirge, also am östlichen Ende der Gebirgsketten. Man konnte das ebenfalls mit schneebedeckten Hochgebirge von jedem Winkel der Stadt sehen.
Vor dem Gebirge, an dem sie vorbei ritt und das nahe an der Straße gelegen war, befand sich eine Stadt, die auf einem Hügel lag und von steinernen Mauern umgeben war.
Von den Gesprächen auf der Straße vernahm Octavia, dass es sich um Altburg handelte, die älteste Stadt Rohans. Das erste mal in ihrem Leben fühlte sie sich richtig frei. Sie war weit weg von allen, die sie immer nur beschützten und sich um sie sorgten. Natürlich hatte sie so ein ähnliches Gefühl schon mal bei den Utarra-Rebellen, aber selbst dort hatte sie ihre Verpflichtungen und war an das Vorhaben der Rebellen gebunden. Während sie nach Minas-Tirith ritt, konnte sie überall hin wohin sie wollte. Sie musste nicht zur Hauptstadt reiten, um an dem Turnier teilzunehmen. Sie konnte auch einfach in den Osten oder Süden reisen. So schön sich das anfühlte frei zu sein, bekam sie ein Gefühl von Beklemmung, denn sie war das erste mal so weit weg von ihrem Bruder, wie sie es noch nie war.

Langsam ging die Sonne unter und der Himmel färbte sich Orange, während die Sonne ihre goldenen Strahlen entsandte. Octavia erreichte so langsam die Grenze zu Gondor. Ihr Magen machte sich mit einem lauten knurren bemerkbar. Sie hatte schon seit einiger Zeit nichts gegessen. Immerhin floh sie mit nichts außer ihrer Kleidung am Leib. Thirak hatte auch nichts zu essen an seinem Pferd. Er ging wohl eher davon aus, dass er Octavia wieder zurückbrachte.
Sie entdeckte ein großes Lager, das von Soldaten aufgestellt wurde. Etliche Zelte zierten die Ebene vor Anorien. Wollte sie an dem Lager vorbei reiten, musste sie über die Entwasser. Allerdings musste sie davor erst einmal einen Übergang finden, an dem man das Gewässer überqueren konnte. Dadurch verlierte sie nur Zeit und das durfte sie nicht, wenn sie rechtzeitig da sein wollte.
Was soll’s… Vielleicht sehen sie mich gar nicht..., dachte sie sich seufzend. Somit versuchte sie außerhalb des Lagers vorbei zu kommen.
Zuerst schien es so, als ginge ihr Plan auf, doch als sie plötzlich auf eine kleine Gruppe von Soldaten stieß, fing ihr Herz an zu rasen. Wenn sie einen Kampf mit den Männern begann, konnte sie davon ausgehen, dass alle Soldaten im Lager darauf aufmerksam wurden. Besonders weil sie sie nah dran waren.
Sie versuchte ihr Pferd ruhig zu halten und klammerte sich an den Zügeln, während die Männer auf sie zu kamen.
"Was macht ihr hier?", fragte einer der Männer neugierig, "Das hier ist Militärgebiet und die zivile Bevölkerung hat hier nichts verloren!".
"I-ich bin nur auf der Durchreise nach Minas-Tirith!", erklärte sie stotternd, "Ich will nur vorbei, damit ich keinen Umweg nehmen muss…".
"Und deshalb reitet ihr ausgerechnet so nah am Lager vorbei?", der Mann schien ziemlich argwöhnisch zu sein.
"Ihr habt den ganzen Weg blockiert! Irgendwo muss ich doch vorbei!", rutschte es der jungen Frau, vorlaut wie sie eben war, heraus.
"Siwad, lass sie in Ruhe! Du kannst nicht jeden Bewohner belästigen, den du triffst!", rief ein weiter Mann, der zwischen den Zelten hervor kam. "Verzeiht meinen Kameraden… Unser Bataillon kam von einer Niederlage aus Arnor zurück, deshalb ist er etwas griesgrämig!".
Octavia wusste zunächst nicht wie sie darauf reagieren sollte. Deshalb schwieg sie und sah den recht jungen Mann nur an und hoffte endlich vorbei zu kommen. Er und seine Männer traten zur Seite um ihr platz zu machen. Sofort trieb die junge Rebellin ihr Pferd an, um an ihnen vorbei zu reiten. Dabei rief der junge Soldat: "Natürlich biete ich euch an unter dem Schutz der Krone Rast zu machen… Es wird bald Nacht und es ist noch ein Stück bis nach Minas-Tirith… Wir haben hier auch warmes Essen!".
Es stand außer Frage, dass sie eine Einladung von einem Soldaten Kianas annahm. Vor allem nicht von jemanden, der vor einiger Zeit noch die Rebellen tötete und bekämpfte. Gleichzeitig machte sich aber wieder ihr Magen lautstark bemerkbar und wenn sie an Essen dachte, konnte sie nicht widerstehen. Sie seufzte in sich hinein.
"Gut…", entgegnete sie schließlich und stieg von ihrem Pferd.
"Dann folgt mir!", sagte er daraufhin freudestrahlend, "Ich bin übrigens Edric, Edric Hügelgänger!".
Die junge Frau zögerte zunächst, als sie ihm mit den Zügeln in der Hand folgte. Mit zusammengebissenen Zähnen erwiderte sie: "Octavia…".
"Schön eure bekanntschaft zu machen, Octavia!", sagte er ziemlich freundlich. Octavia war über so viel Freude verwundert. Immerhin hatte er eine Schlacht gewonnen und musste scheinbar aus Arnor fliehen. Sonst wäre er sicherlich tot gewesen.
Als sie die vielen Soldaten im Lager sah blieb sie wie erstarrt stehen. Sie wollte ganz sicher nicht inmitten einer Armee der Krone rast machen. Doch sie konnte es nicht zugeben. Abhauen auch nicht. Dafür hatte sie zu viel hunger und ihre plötzliche Flucht würde sie nur verdächtig machen. Sie musste eine Ausrede finden.
Inzwischen wandte sich der junge Mann namens Edric  Hügelgänger zu ihr und sah sie verwundert an.
 Lass dir was einfallen, Octavia!, sagte sie zu sich selbst. Dann fiel ihr wieder die Reise nach Carn-dûm ein. Die Wachen am Tor der Festungsstadt ließen sich auch von ihr den Kopf verdrehen, sodass sie und Davos Einlass erhalten hatten. Sie räusperte sich und sagte: "Nun, ich glaube ich fühle mich als einzige Frau unter so vielen Männer doch recht unwohl…".
Auch wenn sie sich dabei selbst blöd vorkam, versuchte sie unschuldig und hilflos zu wirken. Gleichzeitig spielte sie sich kokett an den Haaren herum und hoffte nur, dass er darauf einging.
"Ach, das kann ich verstehen…", fing er an, "...Ich würde meine Schwester wahrscheinlich auch nicht hier her holen… Wir gehen etwas abseits von allen!".
Octavia seufzte erleichtert.

Schließlich führte er die junge Frau und seine Kameraden an eine Feuerstelle, die sich bei den äußeren Zelten befand. Er setzte sich auf einen Baumstamm, der dort als funktionale Bank hingebracht wurde und deutete Octavia, dass sie sich neben ihn setzen durfte. Sie befestigte die Zügel ihres Pferdes an einem Pflock und schlug das Stück Holz in die Erde. Dann setzte sie sich neben Edric auf den Stamm, während sie eine warme Schüssel mit einem wohlriechenden Eintopf in die Hand gedrückt bekam. Sie rührte die Mahlzeit mit einem Löffel aus Holz um. Schnell schlang sie das noch heiße Essen herunter, das ihren Magen füllte.
Ein wohltuendes Gefühl und eine angenehme Wärme breitete sich von ihrem Bauch aus, bis ihr ganzer Körper davon erfüllt war.
"Von wo kommst du denn her?", fragte Edric plötzlich.
"Aus Minas-Tirith…", rutschte es ihr zu erst heraus, "...Ich zog aber nach dem Krieg mit meiner Familie an die Grenze von Arnor…".
"Ich bin aus Lebennin, aber seitdem ich Rekrut bin, lebe ich in Minas-Tirith…", erwiderte er, "...In Arnor scheint es in letzter Zeit recht ruppig umher zu gehen, wenn man an die Rebellen denkt. Wir sind gerad erst von dort zurückgekehrt!".
Octavia wusste gar nicht, was sie darauf sagen sollte. Immerhin war sie selbst noch an der Schlacht gegen die Soldaten der Krone beteiligt.
"Ja, es ist sehr gefährlich im Norden…", antwortete sie schließlich kopfnickend. Dabei starrte sie in das Feuer der nahegelegenen Feuerstelle.
"Ich verstehe nicht, warum die Rebellen sich vehement gegen die Herrschaft der Königin wehren… Sie hat das Leben Vieler verbessert! Selbst die Struktur und Versorgung der Städte ist sehr gut!", fing Edric an.
Für die junge Frau war das ganz und gar nicht eine Verbesserung des Lebens, da die Menschen nur gezwungen wurden der Königin zu gehorchen und die Armee alles überwacht. Allerdings konnte sie das natürlich nicht vor den Soldaten sagen.
"Hast du mal die Königin gesehen?", sagte der Mann namens Siwad, "Ich habe sie gesehen und denke jeder Mann würde sich wünschen eine Nacht mit ihr zu verbringen! Deshalb wundert es mich auch nicht, dass die Fürsten freiwillig ihre Macht abgegeben haben! Vielleicht müssen die Rebellen sie selbst mal sehen!".
Edric verneinte zunächst seine Frage. Octavia war verwundert, über das was er sagte. Denn niemand gab seine Macht freiwillig auf. Kiana hatte sich die Krone mit Gewalt geholt und tausende von Menschen ermordet, um auf dem Thron zu sitzen. Auch dieses widerwärtige Denken von Siwad ekelte sie an. Sie beobachtete nur, wie Edric die Augen verdrehte. Das bestärkte sie darin, dass er wohl das selbe über seinen Kameraden dachte.
"Im Norden  merkt man von den Verbesserungen nichts. Eher im Gegenteil!", behauptete Octavia, während sie zu den weiter entfernten Soldaten sah und diese beobachtete. Sie spürte die Blicke der beiden Männer auf sich ruhen. Vielleicht sollte sie das auch besser nicht gesagt haben, aber sie konnte es nicht auf sich ruhen lassen, dass die Rebellen für schlecht gehalten wurden.
"Wenn die Rebellen alles stehlen, was die Königin in den Norden schickt, kann in den Städten des Nordens ja auch nichts ankommen!", entgegnete Siwad direkt.
"Ihnen bleibt auch nichts anderes übrig, da die Königin die Menschen des Nordens dazu zwingt!", fauchte Octavia, "Und was ist mit denen, die bei der Ausrottung von Minas-Tirith alles verloren haben? Sollen diese Menschen ihre Familien vergessen, die sie verloren haben?".
Bevor Siwad etwas dazu sagen konnte, sagte Edric: "Vermutlich hast du recht. Es gibt wohl immer zwei Seiten eines Krieges und die Rebellen haben ihre Beweggründe… Ich weiß nicht, ob ich mich der Armee angeschlossen hätte, wenn meine Schwester im Krieg gestorben wäre!".
Die junge Frau war froh, dass scheinbar wenigstens Edric ein wenig verständnis für die Rebellen zeigte. Dadurch wurde sie dann nicht ganz so wütend. Für eine zeitlang schwieg sie. Als dann Edric aufstand, sah sie ihm noch hinterher, bis er in  einem Zelt verschwand. Kurz darauf kam er mit einigen Krügen heraus und reichte diese Krüge an seine Kameraden weiter. Er hielt auch einen Octavia entgegen, die den Krug zaghaft annahm. Vorsichtig betrachtete sie die Flüssigkeit darin. Es roch nach Bier und Octavia nippte unsicher an dem Becher. Bier war nicht unbedingt ihr Lieblingsgetränk. Vor allem versuchte sie Alkohol zu vermeiden. Das Gift benebelte nur ihre Sinne, die sie brauchte. Doch der Geschmack war gar nicht so übel, wie das Bier aus dem Norden.
"Sag mal…", fing ein weiterer Kamerad von Edric an, "...Woher hast du eigentlich den Umhang? Soweit ich weiß tragen unsere Kommandanten und Legaten diese Blutroten Mäntel…".
Octavias Herz blieb stehen, da sie ganz vergaß, dass sie diesen trug. Sie war aber auch überrascht, dass es ihnen erst so spät auffiel.
"Ich hab ihn auf dem Weg hierher gefunden…", presste sie heraus und hoffte, dass die Soldaten die Ausrede schluckten.
"War wohl von einem armen Kommandanten-Schwein, der getötet wurde als er fliehen wollte!", lachte Siwad.
DIe junge Rebellin spürte nur, wie einer der Soldaten ihr das Schwert aus der Stoffscheide von ihrem Rücken zog. "Ich wusste gar nicht, dass es dem zivilen Volk erlaubt ist, Waffen zu tragen!", rief er.
Wie konnte ich nur so dumm sein!, dachte sie sich und rechnete damit aufgeflogen zu sein. Die Soldaten reichten sich das Schwert herum und sahen es sich an. Octavia sagte zunächst nichts. Egal was sie zu diesem Zeitpunkt sagte. Es gab keine vernünftige Ausrede dafür. Immerhin waren Waffen laut Gesetz verboten und in den Städten kontrollierte die Armee stets die Einhaltung.
"Gibt es wieder her!", forderte sie die Anderen erbost und verzweifelt auf.
Siwad rief nur amüsiert: "Das soll ein richtiges Schwert sein?". Er spielte wahrscheinlich darauf an, dass es von jemandem selbst gemacht war, der kein Schmied war.
"Ist doch klar, dass sie es mit hat! Sie ist alleine von Arnor nach Minas-Tirith unterwegs und es ist gefährlich! Besonders wenn die Rebellen angreifen…", sagte Edric und riss seinen Kameraden das Schwert aus den Händen und reichte es Octavia, "...Verzeih bitte… Hier nimm!".
Sie nickte ihm nur zu und war froh, dass sie nichts gegen die Waffe unternahmen und davon ausgingen, dass sie es  zur selbstverteidigung bei sich trug,

Obwohl sie innerlich noch unruhig war, weil sie in einem Lager voller Soldaten der Krone zu sein und fast erwischt wurde, konnte sie es für einen Moment vergessen. Edric und seine Kameraden scherzten mit der jungen Frau und selbst die Anfangsschwierigkeiten mit Siwad schienen überwunden.
Sie schrak kurz auf, als die Soldaten, die weiter weg im Lager waren, plötzlich laut lachten und Lieder anstimmten. Zunächst hörten sie sich an, als huldigten sie ihre Königin, doch bei genauerem hinhören, klang es eher abwertend und als machten sie sich über ihre eigene Königin lustig.
Die Männer lobten in ihren Lieder die Königin als herrscherin und dass sie bald die Welt regierte. Sie sangen über die reisen in verschiedenste Winkel Mittelerdes. Sie erwähnten lallend Thal, Fornost und sogar Rhûn. Als dann aber im gleichen Zusammenhang Freudenviertel besungen wurden, schüttelte die junge Frau nur mit dem Kopf und schmunzelte leicht.
Auch die Männer, die bei ihr saßen, jubelten den Soldaten zu. Als sie zum Himmel sah, erkannte sie schon den Sonnenaufgang. Ihr kam es gar nicht so vor, dass sie schon so lange mit Edric und seinen Kumpanen zusammen saß. Octavia war müde, aber im Lager der Soldaten schlafen wollte sie auch nicht. Sie erklärte den Anderen nur, dass sie nun aufbrechen wollte und tat dies auch schnell.
Edric begleitete sie noch an das andere Ende des Lagers.
"Viel Glück bei deinen Sachen, die du noch erledigen musst!", sagte er, "Vielleicht sieht man sich ja mal wieder! Ich würde mich freuen!".
In gewisser Weise hoffte sie nicht darauf, den jungen Mann wiederzusehen. Er war nett und freundlich zu ihr und der einzige Grund warum sie sich wiedersehen würden, wäre auf dem Schlachtfeld. Und sie verlangte nicht danach Endric zu töten.
Sie nickte dem jungen Mann nur zu und sagte freundlich: "Mach es gut, Edric! Mögen wir uns wiedersehen!".
Ihr rutschte der Spruch heraus, den sonst üblicherweise die Daskina-Rebellen verwendeten, wenn man nicht wusste, ob man sich nach einer Schlacht wiedersah. Auch Deloth benutzte den Spruch am Tag seiner hinrichtung, um auf eine andere Welt nach dem Tod zusammen mit der jungen Rebellin anzuspielen.
"Mögen wir uns wiedersehen!", entgegnete er nickend und dann ritt Octavia los. Sie war nur noch wenige Schritte von Gondor entfernt und erreichte endlich Minas-Tirith.

Octavia Sagitta auf dem Weg nach Minas-Tirith, Gondor...
« Letzte Änderung: 13. Feb 2021, 00:20 von >Darkness< »
Grüße Darkness

Lust auf eine alternative Mittelerde Geschichte und dazu ein RPG? ?
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Saizo

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Rohan
« Antwort #1 am: 5. Jun 2021, 09:18 »
Ost-Emnet (Rohan)



Sanya, Allana-Avalante und Mithrendan aus Gondor

Als sie die Grenze zu Rohan überschritten, kam ihnen gerade ein großer Trupp gondorischer Soldaten entgegen. Sanya erkundigte sich bei deren Anführer um die Sachlage in Rohan und erfuhr, dass die ausgesandte Streitmacht bislang auf keinerlei Widerstand gestoßen war. Die meisten Menschen Rohans lebten in kleinen, weit verstreuten und teils ziemlich abgelegenen Dörfern und hatte zumeist noch gar nicht mitbekommen, dass sich die Herrschaftsstrukturen im Reich geändert und Rohan nun nur noch zu Gondor und nicht zum größeren Drachenkönigreich gehörte. Für sie änderte sich ohnehin wenig. Daher war es den gondorischen Heerführern möglich gewesen, die Hälfte ihrer Soldaten wieder zurück nach Minas Tirith zu entsenden, um dort gegen etwaige weitere Ork-Angriffe aus dem Gebirge sowie als Wacht gegen Mordor positioniert zu werden.

Soweit Sanya es beurteilen konnte, folgte ihnen das Wolfsrudel, dem sie in Anórien begegnet waren, noch immer, wenn auch aus großer Entfernung. Vor allem nachts war hin und wieder ein fernes Heulen zu hören, aber bis auf die Leitwölfin zeigte sich ihnen keines der Tiere.
Sie kamen auf ihrem Ritt nordwärts durch Rohan gut voran und überquerten den Fluss Entwasser am vierten Tag seit ihrem Aufbruch von Minas Tirith. Flache, weitläufige Graslandschaften erstreckten sich vor ihnen, und je weiter sie nach Norden kamen, desto deutlicher konnten sie zu ihrer Linken die fernen, schneebedeckten Gipfel des Nebelgebirges erkennen.

Schließlich schlugen sie ihr Lager für die Nacht an der Nordgrenze Rohans auf. Hier befand sich ein befestigtes Lager Gondors, in dem ungefähr einhundert Soldaten stationiert worden waren. Sanya hatte Allana gebeten, sich wieder - so wie in Minas Tirith - als Kundschafterin auszugeben, damit sie unbehelligt im Lager ihre Vorräte aufstocken konnten und frische Pferde bekommen konnten. Außerdem würden sie in dieser Nacht keine Wachen aufstellen müssen, da die Palisaden des Kriegslagers sie schützten und die Soldaten hier an der Grenze eigene Wachen stellten.
Als die Sonne untergegangen war, saßen sie zu dritt an einem der Lagerfeuer im hinteren Teil des Lagers, und Sanyas Rang sorgte dafür, dass sie ungestört blieben. Dennoch trug Allana-Avalante die Kapuze ihres Umhangs aufgesetzt, damit ihre verräterischen Elbenohren bedeckt waren.
"Ich bin froh, dass die Besetzung Rohans friedlich verlaufen ist," sagte Mithrendan und zog an seiner Pfeife. Der Späher hatte die Beine hochgelegt und ließ kleine Rauchringe aufsteigen. "Ein neuer Krieg wäre das Letzte, was wir jetzt gebrauchen könnten."
"Das stimmt," sagte Allana. "Wir müssen zusammenarbeiten, um die Gefahr aus dem Gebirge zu bannen, und uns nicht untereinander bekämpfen."
"Ich frage mich dennoch, warum es den neuen Herren Gondors so wichtig war, Rohan unter Kontrolle zu bekommen," sagte Sanya nachdenklich. "Früher hatte das Volk Rohans einen eigenen König... glaube ich zumindest."
"Aus Rohan kommen nun einmal die besten Pferde, die man sich wünschen kann," sagte Mithrendan. "Vielleicht erfordern die Kriegspläne des Herrscherrates in Minas Tirith eine große Anzahl an Reitern?"
"Von irgendwelchen Kriegsplänen weiß ich nichts," erwiderte Sanya. "Es hieß immer nur, dass Mordor vorerst den Ostlingen zu überlassen sei. Aber von den Städten im Süden war keine Rede... ich frage mich, ob sie vorhaben, einen Feldzug dorthin in die Wege zu leiten... immerhin gehörte die Küste des Südens rings um Umbar einst zum Reich von Gondor."
"Hmm. Die Städte dort sind reich," überlegte Mithrendan. "Und unter der Königin lief der Handel gut..."
"Haben die Menschen denn nie genug vom Krieg?" mischte sich Allana ein. "Warum wollen sie denn nicht einfach in Frieden leben, so wie wir Elben?"
"Die Allermeisten wollen nichts anderes," erklärte Mithrendan. "Kriegspläne kommen meistens von jenen, die Macht besitzen und diese Macht entweder schützen oder vergrößern wollen."
"Ich verstehe..." sagte die Elbin leise und blieb eine Weile still.

"Sag mal... was hat es mit diesen Wölfen auf sich?" fragte Mithrendan schließlich. "Ich gehe jede Wette ein, dass sie irgendwo außerhalb des Lagers herumlungern..."
"Mir gefällt das alles nicht," murmelte Sanya. "Wölfe sind für gewöhnlich Kreaturen des Schattens."
"Ich... weiß es selbst nicht recht," sagte Allana-Avalante nachdenklich. "Ich habe eine... Verbindung zu dieser Wölfin gespürt, die ich nicht richtig erklären kann. Wie als wäre sie Teil meiner Familie..."
"Ist das bei euch Elben normal? Dass ihr enge Bindungen mit Tieren eingeht?" hakte Mithrendan interessiert nach.
"Hmm... nein, eigentlich nicht," erwiderte Allana. "Wie gesagt... ich verstehe es auch nicht so richtig. Aber ich denke nicht, dass diese Wölfe uns Böses wollen. Sonst hätten sie uns dort im Dorf in Anórien schon angegriffen."
"Das stimmt," sagte Mithrendan. "Aber was wollen sie dann?"
"Das müssen wir herausfinden," sagte Sanya. "Was, wenn sie uns bis ins Gebirge folgen? Wenn sie die Orks auf unsere Fährte bringen?"
"Vielleicht sollte ich die Rudelführerin noch einmal... sprechen...?"
"Das klingt als wolltest du sie um eine Audienz bitten," amüsierte Mithrendan sich.
"Wenn du wirklich mit ihr sprechen kannst, dann solltest du das tun. Noch bevor wir Lothlórien erreichen," sagte Sanya und blieb ernst.
"Ich werde es versuchen..." sagte Allana.
Kurz darauf legten sie sich alle schlafen.

Am folgenden Tag regnete es, aber sie konnten es sich nicht erlauben, an Ort und Stelle zu bleiben, so gerne sie auch das Unwetter abgewartet hätten. Mit frischen Pferden und Vorräten ausgerüstet verließen sie das Grenzlager und ritten nordwärts, über die Grenzen Rohans hinaus in Richtung Lothlóriens.

>Darkness<

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Ost-Emnet (Rohan)
« Antwort #2 am: 6. Jun 2021, 21:35 »
Ost-Emnet (Rohan)

Allana-Avalante mit Sanya und Mithrendan im norden von Ost-Emnet...

Sie ritten ein ganzes Stück weiter, als sie das Lager der Gondorer verließen. Zu ihrer linken ragte stets der mächtige und dichte bepflanzte Wald von Fangorn hervor.  Sie selbst wagte sich noch nie in ihrem Leben in diesen Wald. Dafür hörte sie zu viele Geschichten über sprechende und sich bewegende Bäume.
Der Fangorn war tatsächlich auch der einzige Wald, der unberührt war. Der einzige Wald der seit hunderten von Jahren noch die gleichen Bäume besitzt. Allana-Avalante hörte von fahrenden Händlern Geschichten, dass all diejenigen, die sich doch hinein gewagt hatten, niemals wieder herausgekommen waren. Deshalb war die junge Elbin mehr als froh, dass sie einen weiten Abstand zu diesem alten Wald hatten und relativ schnell vorbei sein würden. Gleichzeitig wusste sie auch, dass der Fangorn einen Schutzschild gegen Angriffe von Orks war.
Immer wenn sie Ork-Truppen gesehen hatte, gingen auch diese einen großen Bogen um den Fangorn. Sie fürchteten sich regelrecht vor den Bäumen dort und liefen dann lieber auf den offenen Ebenen, was nicht ganz üblich für die Kreaturen der Dunkelheit war. Das hatte dann einen Vorteil, dass sie eventuelle Ork-Truppen ziemlich schnell entdecken konnten, da weiter westlich der große Fluss Anduin floss.

Die ganze Reise dachte Allana-Avalante über den Krieg nach, der von den Gondorern nach Roohan gebracht wurde. Natürlich war die Übernahme der ersten Dörfer ziemlich friedlich verlaufen. Aber sie konnte sich den Sinn nicht recht erschließen. Sie hatte zwar  in alten Schriften gelesen, dass Gondors Herrschaftsgebiet weit bis Rohan hineinreichte, aber das war für sie dennoch für sie keine Begründung. Auch die von Mithrendan aufgeführten Gründe um die Beschaffung von Pferden, um dann vielleicht im Süden Krieg zu führen, war für sie sinnlos. Allana-Avalante machte die Expansionslust den königlichen Rates ebenfalls Sorgen. Immerhin war die Grenze zu den Wäldern von Lothlorien unmittelbar in der Nähe. Wenn die Elbensiedlung nur entdeckt werden würde, oder die Elben als Feinde gesehen werden würden, so wie die Elben von Menschen angefeindet wurden, würde es ein großes Unheil bedeuten. Sie musste auf jeden Fall vorher mit ihrem Onkel sprechen, sobald sie zurück war. Sie musste ihn notfalls warnen. Es gab eine große Bedrohung durch die Dunkelheit, die alle bedrohte. Egal ob Menschen oder Elben. Norden oder Süden
Warum müssen diese Menschen Krieg führen… Und warum haben die Menschen die Idee von einem vereinten Mittelerde verworfen, wenn es für Frieden gesorgt hatte, dachte sie sich. Dann drückte die junge Elbin einen seufzer tief aus ihrer Brust hervor. Ihr war es gar nicht bewusst, dass es doch so laut war. Sie realisierte es erst, als Sanya ihr einen Blick zuwarf, den sie nicht ganz zuordnen konnte. Sanya wirkte auf sie stets streng und gleichzeitig aber auch verbittert. Das musste wohl etwas mit Kiana zu tun haben. Allana-Avalante hoffte auch noch darauf weitere Informationen von ihr zu bekommen. Doch sie wusste nicht, wie sie das Gespräch aufbauen sollte und inwieweit sie nachbohren konnte.  Aber sie wollte so gerne noch viel mehr über ihr Halbschwester wissen. Vor allem jetzt, nachdem sie angeblich tot sein sollte.
Als Sanya wieder weg sah, beobachtete Allana-Avalante sie eine Zeit lang. Sie hatte ihr sandblondes langes Haar zu einem langen Zopf gebunden. Ihre hellen grauen Augen wirken nachdenklich und  gleichzeitig bemerkte die junge Elbin, dass Sanya ihr Ziel vor Augen hatte, welches die Kommandantin aus Gondor konsequent verfolgte. Zumindest wirkte es auf Allana-Avalante so. Das bewunderte sie. Immerhin kannte Sanya sie ja eigentlich gar nicht und trotzdem half sie ihr, ohne viel zu hinterfragen.
Vielleicht sind nicht alle Menschen so schlecht, dachte sie sich. Dann viell ihr wieder die Sorge Sanyas ein, dass die Wölfe die Aufmerksamkeit der Orks auf sich ziehen konnten. So unberechtigt war diese Sorge nicht. Je näher sie dem Nebelgebirge kamen, desto höher war die Gefahr auf die dunklen Kreaturen zu treffen. Immerhin hatte sie ganz in der Nähe eine große Horde von ihnen gesehen. Sie hoffte nur, dass sie die Elbensiedlungen noch nicht angegriffen hatten.
“Ich spreche mit der Leitwölfin, damit sie und ihr Rudel uns nicht verraten!”, sagte sie dann.
“Dann können wir hier eine kurze Rast machen…”, entgegnete Sanya.
“DIe Pferde werden es uns danken, hier kurz grasen zu können!”, sagte Mithrendan, der stets ein Lächeln im Gesicht hatte. Allana-Avalante wurde davon angesteckt, sodass ihre Lippen selbst in ein schiefes Lächeln verwandelt wurden. Dann ritt sie ein Stückchen von den anderen weg, bis sie von ihrem braunen Pferd hinabstieg, um auf die schwarze Wölfin zu warten.

Es dauerte auch nicht lange, da trabte die Wölfin auf Allana-Avalante zu. Ihr Rudel trat tatsächlich aus dem Wald von Fangorn hervor und wälzte sich in der warmen Sonne auf den Ebenen von Ost-Emnet. Sofort schmiegte sich die schwarze Wölfin wieder an die Elbin, sodass sie fast schon zur Seite fiel.
"Du musst mit deinem Rudel schon nach Lothlorièn gehen…", sagte Allana wieder auf elbisch. "...Wir kommen so schnell wie möglich nach!".
Die Wölfe lag nur den Kopf schief, als würde sie die Elbin verstehen und winselte kurz.
"Na los!", bestand Allana-Avalante darauf. Dann dauerte es nicht mehr lang und die schwarze Wölfin heulte, das von den anderen Wölfen erwidert wurde, bis alle Tiere wieder in dem dichten Wald von Fangorn verschwanden.
Allana-Avalante schüttelte nur den Kopf, wenn sie daran dachte, dass die Wölfe freiwillig in diesen dunklen Wald gingen. Sie setzte sich in das getrocknete Gras und seufzte vor sich hin.
Sie sah zu Sanya und Mithrendan, die gerade auf einem abgestorbenen Baumstamm saßen und aßen. Mit ihren Augen verfolgte sie den Schritten von Mithrendan, der zu ihr rüber kam und ihr etwas zu essen und trinken überreichte. Dankend nahm sie das Brot an. Es war zwar anders als das Lembas, das sie durch die Elben kannte, schmecken tat es dennoch. Aus der Trinkflasche nahm sie einen großen ordentlichen Schluck.
“Nicht so hastig!”, sagte Mithrendan scherzend. Allana-Avalante wischte sich ungeniert den Mund mit ihrem Arm ab und übergab die Trinkflasche zurück an Mithrendan. Bevor er sich umdrehte, um zurück zu seinem Pferd zu gehen, stoppte die Elbin den Kundschafter Gondors.
“Mithrendan, warte!”, rief sie. Daraufhin blieb er stehen und wandte sich ihr wieder zu. Allana-Avalante versuchte nun über ihn etwas mehr über Kiana und die Beziehung zu Sanya zu erfahren. Auch wenn sie nicht wusste, ob dies eine gute Idee war. Der Mann schien Sanya aber gut zu kennen. Vielleicht verriet er mehr als Sanya selbst.
Was machst du da, Allana, dachte sie nur über sich selbst. Mithrendan nun doch wieder wegzuschicken machte ja auch wenig Sinn. Sie wollte ja mehr über ihre Halbschwester erfahren.
“Wie war Kiana so?”, fing die junge Elbin schließlich an. “War sie eine gute Königin?”.
Mithrendan blickte sie verdutzt an. Scheinbar rechnete er nicht mit einer solchen Frage.
“Kiana war… Sie war eine Königin, die stets versuchte das alte Gesellschaftssystem zu durchbrechen… Sie wollte, dass alle Menschen in gewisser Weise gleich waren und die Ungerechtigkeit verschwand…”, antwortete der Kundschafter.
“So wie du es beschreibst, klingt das nicht gerade, als hättest du es für gut befunden.”, entgegnete Allana-Avalante direkt. Dabei bemerkte sie, dass das sonst so fröhliche Gesicht von ihm verblasste und er nachdenklich drein blickte. Hatte sie etwas falsches gesagt? War sie zu weit gegangen?
“Die Veränderungen begrüßte ich sehr. Für mich hatte sich ohnehin wenig verändert, als Soldat in der Armee. Aber ich sah die arme Bevölkerung, die sehr von der neuen Ordnung Kianas profitierte…”, sagte er. “Das Problem war eher die Art und Weise…”.
“Was meinst du damit?”, hakte Allana-Avalante nach.
“Nun ja… Kiana hatte einen problematischen Anfang… Sie zerstörte ganz Minas-Tirith und hatte hunderttausende Leben auf dem Gewissen… Sie war an sich eine gute Königin, die stets das Beste für ihr Volk wollte… Aber so wie ich es mitbekam, ließ sie sich sehr von ihren Gefühlen lenken…”, erzählte er in einem ruhigen und nachdenklichen Ton. “...So kam es, dass die die sich ihr unterwarfen auch von den Vorteilen ihrer Herrschaft profitierten, während die anderen gnadenlos verfolgt worden waren… Kiana versuchte alles so schnell wie möglich zu ändern. Doch solche Veränderungen brauchen Zeit! Das wollte sie nicht einsehen… Man munkelte auch darüber, ob sie nicht verrückt gewesen war, wie man es ihrem Vater Thurion nachsagte…”.
DIe junge Elbin wurde nun selbst nachdenklich und senkte den Kopf. Natürlich hörte auch sie von den Ereignissen vor einigen Jahren in Minas-Tirith. Ihr war es aber nie bewusst, dass Kiana alle Gegenstimmen versucht hatte zu unterdrücken. Sie dachte eher die Auflehnung der Rebellen kamen nur durch die alten Fürsten, die die neue Ordnung nicht wollten und der Alten hinterher trauerten. Und dass Kiana verrückt gewesen sein sollte? Aus welchem Grund sollte das so gewesen sein? Natürlich war Kiana, genau wie Allana-Avalante, eine halbe Maia. Vielleicht lag es daran, dass Kianas Mutter ein Mensch gewesen war, oder weil sie ohne Familie aufwuchs? So viele Gedanken gingen ihr nun durch den Kopf.
Sie stocherte mit einem Stock in der Erde herum und wirbelte dadurch den staubigen Boden etwas auf. Dann spürte sie die Hand von Mithrendan auf ihrer schmalen Schulter ruhen. Er hockte inzwischen neben ihr auf dem Boden.
“Also seid ihr alle froh, dass sie nun doch tot ist?”, fragte sie leicht angeschlagen direkt nach.
“Nein, für mich ist jeder tod ein unnötiger verlust… Kiana war noch jung… Und außerdem… Wer würde es besser machen als sie? Ich weiß nicht, wie ich mich in einer solchen komplizierten Situation verhalten würde…”, erwiderte er nur und hatte wieder ein Lächeln auf den Lippen. “...Genau deshalb bin ich auch nur ein Soldat in der Armee und kein Fürst, der Entscheidungen über sein Volk treffen muss!”.
Allana-Avalante seufzte wieder. “Ich empfand sie selbst als äußerst großzügig und auch Sanya verdankt ihr viel! Immerhin war sie mit die erste Frau, die in der Armee diente und einen hohen Posten inne hatte!”, sagte er noch, während er sich erhob.
“Wie war die Beziehung zwischen Kiana und Sanya?”, fragte sie schließlich. “Mir kommt es so vor, als wäre da doch mehr, als Sanya zugeben will…”.
“Das fragst du sie am besten selbst!”, sagte er lachend und hob dabei abwehrend die Hände. “Ich kenn sie seit vielen Jahren und bin ihr bester Freund. Aber darüber hat sie selbst mir nicht viel erzählt…”.
Allana wollte am liebsten noch mehr fragen. Jedes einzelne Detail aus ihm herausholen. Doch sie wurden durch das Rufen von Sanya unterbrochen: “Los kommt… Wir haben genug Zeit vertrödelt!Wir sollten Lorien erreichen, bevor es dunkel wird!”.
“Dann komm!”, forderte Mithrendan die Elbin liebevoll auf und reichte ihr seine Hand, um ihr hoch zu helfen. Sie ließ den Stock aus ihrer Hand fallen und ließ sich von dem Mann hoch ziehen.
Ziemlich rasch stieg sie wieder auf ihr Pferd, das noch in der Nähe stand. Sie richtete sich ihre Haare, die im auftretenden Wind durcheinander gewirbelt worden waren und ließ das Pferd Mithrendan langsam hinterher traben, bis auch er auf seinem Pferd saß.
Im Norden erkannte sie schon die schwachen Konturen der Baumkronen des Waldes von Lorien. Sie mussten nur noch den kleineren Fluss Limklar überqueren, der ein Nebenarm des Anduin bildete und aus dem Norden des Fangorn Waldes kam.
“Es ist nicht mehr weit…”, sagte Allana-Avalante nur. “Sobald wir dort sind, folgt mir vorsichtig… Ich werde den Elben sagen, dass ihr keine Feinde seid!”.
Ihre Begleiter nickten ihr fast im gleichen Takt zu, bis sie dann im schnellen Tempo in Richtung Norden ritten.

Die Sonne ging langsam unter, als sie gerade den Limklar überquerten. Zum Glück fanden sie relativ schnell eine seichte Stelle, die die Pferde problemlos durch das Gewässer liefen konnten. Nun mussten sie sich nur beeilen. Allana-Avalante war alles lieber, als in der Dunkelheit vor den Wäldern von Lorien unterwegs zu sein und somit eine leichte Beute für angreifende Orks zu sein, die es dort an den Gebirgsläufen zu Hauf gibt, seidem sie sich aus den Minen von Moria und von den Wipfel des Nebelgebirges wagten.
Dann aber, erreichten sie endlich die Wälder von Lorien. Allana-Avalantes Heimat. Die letzte Zuflucht der Elben…


Allana-Avalante zusammen mit Sanya und Mithrendan in Lorien...
« Letzte Änderung: 17. Aug 2021, 20:37 von >Darkness< »
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