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Autor Thema: Berge + Minen der Ered-Luin  (Gelesen 319 mal)

>Darkness<

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Berge + Minen der Ered-Luin
« am: 8. Apr 2021, 17:23 »
Ered-Luin

Octavia von Fonost(Arnor) auf dem Weg zu den Ered-Luin…


Die vereinten Rebellen brachten alle Ressourcen, die sie besaßen, in die Minen. Jede Gruppierung der Rebellen sollten ihre Menschen wählen, die in die Ered-Luin durften. Es war nicht genug Platz für alle. Octavia wollte das nicht entscheiden. Jeder sollte seine eigenen Leute erwählen.
Die junge Frau erwachte früh am Morgen und wurde von Indro überrascht, der schon bei ihr stand. Sie dachte wieder an ihren Bruder, den sie seit dem Kampf nicht mehr wiedergesehen hatte. Ein blick zu Indro muss ihm verraten haben, was sie dachte und wissen wollte.
“Er wurde mit Thirak an den Ered-Luin gesichtet!”, sagte Indro noch sanft und Octavia sprang so schnell sie konnte auf, um zu Kael zu gelangen.  Von Fornost aus war der Weg zu ihrem Glück nicht weit. Sie ging aus dem Palast heraus, stieg auf ein Pferd und ritt rasch los, um aus der Stadt zu gelangen. Indro versicherte ihr, dass er sich um alles weitere kümmerte und dafür sorgte, dass alles was mit sollte, die Minen erreichten.
Von der Ferne erblickte sie schon die westlichsten Berge von Mittelerde. Sie ritt die alte Straße entlang und sah schon eine Gruppe von Männern stehen, die zwei weitere bei sich hielten. Es waren Rebellen, die Thirak und Kael fest hielten.
“Lasst sie los!”, befahl Octavia direkt. Die Männer zögerten nicht lange und ließen die Beiden los.
“Wo wart ihr? Ich habe überall nach euch gesucht…”, wollte die junge Frau direkt wissen. Dabei wurde ihre Stimme wieder brüchig.
“Thirak und ich haben abgesichert, dass die Minen wirklich frei sind und uns keine böse Überraschung erwartet…”, sagte Kael ruhig. “...Wir hatten die befürchtung, dass einige Daskina Anhänger unter Galador die Mine kapern wollten… Aber wir konnten sie davon abhalten… Er wartete alleine geduldig vor dem Eingang, während die Menschen von Daskina hereingebracht worden waren!".
Octavia zog ihre Augenbrauen skeptisch hoch. Sie sah zu Thirak, der nur abgewandt von ihr stand und nachdenklich wirkte.
“Wir können schon mal reingehen und auf die anderen warten… Euer Platz ist sicher!”, sagte sie lächelnd. Kael schwieg zunächst und auch Thirak machte einen Gesichtsausdruck, der sie nur misstrauischer machte. Ihr gefiel die Stille nicht und das niemand daraufhin was sagte.
“Was… ist los?”, fragte sie verwirrt.
“Wir werden nicht mitkommen…”, erwiderte er nur trocken.
“Was ? Wieso nicht? Ich habe doch nicht umsonst gekämpft um euch hier draußen zu lassen!”, die junge Frau war außer sich. Auch wenn sie sich am liebsten aufregen wollte, fehlten ihr einfach die Worte.
“Ich will niemanden den Platz wegnehmen, deshalb dachte ich mir ich folge Anar… Thirak… Und helfe ihm…”.
Octavia spürte nur, wie die Tränen ihre Augen schwemmten. Ihr war überhaupt nicht wohl bei der Sache. Sie wollte ihren Bruder bei sich haben und ihn Kiana nicht direkt in die Arme laufen lassen.
“Achja?!”, brachte sie mühsam hervor und versuchte ihre Tränen zu unterdrücken. Sie wollte jetzt alles andere als weinen. “Und was ist da so wichtig?”.
“Ich muss gehen… Ich habe es versucht Kael auszureden, aber er weigert sich…”, sagte Thirak, bevor ihr Bruder etwas sagen konnte. “...Ich werde versuchen das zu tun, was mir vor einigen Jahren nicht gelang: Ich muss Kiana aufhalten!”.
Octavia wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und stockte zugleich. Was meinte er damit Kiana aufhalten zu wollen?
Sie erinnerte sich zwar daran, dass er davon sprach eine Möglichkeit gehabt zu haben die Königin ein für allemal zu töten. Wollte er es schon wieder versuchen?
Er ist lebensmüde, dachte sie sich nur verärgert.
Thirak kam auf sie zu, löste sein Schwert von seinem Gürtel und reichte es ihr. Sie sah ihn nur fragend an.
“Hier, nimm du es!”, sagte er nur leise.
“Es ist dein und du wirst es dringender brauchen ,wenn du zu Kiana willst!”, fauchte sie ihn fast an.
“Nein, du kannst damit besser umgehen, als ich jemals werde…”.
Zögerlich nahm Octavia schließlich das Schwert entgegen und befestigte es an ihrem Grütel. Ein Gefühl von Wärme durchströhmte ihren Körper, als sie den Griff berührte.
Kael nahm sie in den Arm. Lange sehnte Octavia sich danach von ihrem Bruder wieder liebevoll in den Arm genommen zu werden. Nicht halbherzig, sondern ernst.
“Gut…”, sagte sie, “...Wie lange werden wir uns verstecken müssen?”.
“Vielleicht ein paar Wochen… Monate… Vielleicht auch Jahre…”, erklärte Thirak. “...Wir müssen Kiana aufhalten, sonst werden wir nie eine Chance haben zu überleben!”.
“Jahre?”, wiederholte Octavia und entfernte sich dabei von Kael und sah Thirak erschrocken an. “Wie sollen wir, aber vor allem ihr das überleben?”.
“Thirak und ich sind zu zweit. Wir fallen in Mittelerde unter den vielen Menschen kaum auf… Sobald wir können, werden wir euch aus den Minen holen!”, antwortete Kael. “Wir werden uns wiedersehen, Octavia!”.
“Ich werde warten…”, sagte sie nur bedrückt. “Wieder versteckt…”. Dabei musste sie wieder an ihre Kindheit denken, in der sie sich die ganze Zeit über verstecken musste.
“Du bist dieses Mädchen nicht mehr!”.
Octavia antwortete nicht sondern starrte leer in die Ferne. Sie dachte an all die Menschen die nun zu ihr auf sahen. All die Menschen, die ihr nun folgten.
“Was ist los?”, fragte Kael besorgt.
“Ich bin nicht sicher, ob ich dafür gemacht bin… Sie sehen mich alle an, als wüsste ich was ich tue und das nur weil ich kämpfen will”, entgegnete sie unsicher.
“Sie sehen zu dir auf, weil du sie gerettet hast! Die Unsicherheit wird nicht bleiben, jetzt wo du sie anführen musst!”.
“Wie? Ich bin keine Anführerin… Das sollten du oder Thirak.. Oder Phelan sein…”, sagte sie mit gebrochener Stimme.
“Niemand von uns hätte das tun können, was du geschafft hast! Du hast Menschen Hoffnung gegeben, wo es keine mehr gab”.
Thirak trat zu ihnen. “Wir müssen los, Kael…”.
Octavia seufzte und biss sich nervös auf die Unterlippe herum. Sie wollte ihren Bruder lieber bei sich haben.
“Ich liebe dich großer Bruder! Auch wenn du der Meinung bist, dass du die Welt retten musst!”, sagte sie nur und fiel ihm erneut in die Arme.
“Ich liebe dich auch, Octavia…”, erwiderte er sanftmütig. Wieder kullerten der jungen Frau ein zwei Tränen über die Wangen und ließen sie schluchzen.
“Dann ab mit dir, bevor ich es mir anders überlege!”, sagte sie noch, als sie von ihm abließ. “Mögen wir uns wiedersehen!”.
“Mögen wir uns wiedersehen!”, wiederholte er die Worte Octavias.
Nach einem tiefen Seufzer umarmte sie auch Thirak, der sich ihr gegenüber an diesem Tag plötzlich seltsam verhielt. Es machte sie stutzig. Irgendetwas verheimlichte er und Kael schien davon zu wissen. Warum versprach er sich fast bei Thiraks Namen? Ich habe keine Zeit darüber nachzudenken… Die anderen werden gleich eintreffen, dachte S
sie sich nur und sah den beiden Männern noch eine Weile nach, nachdem sie auf ihre Pferde gestiegen waren und die alte Straße entlang ritten.

Endlich trafen die Rebellen von Utarra und Pascima ein, die ausgewählt worden waren, in der Mine Schutz zu erhalten. Octavia war froh, dass sie die Wahl nicht treffen musste. Auch auf die Schnelligkeit war sie froh. Kiana kam mit ihrem Drachen immer näher und es war nur noch eine Frage der Zeit, bis sie eintraf und den Norden zerstörte.
Einzig und allein Daskina hatte die Mitglieder noch nicht ausgewählt. Alle Menschen aus der Siedlung waren in der Mine. Die anderen Rebellen, besonders die West-Rebellen, warteten ungeduldig auf die Auswahl der Daskina-Rebellen. Octavia wollte sich vergewissern, dass sie auch endlich eine Entscheidung trafen. Die junge Frau entschied sich Galador und Phelan aufzusuchen, die in einer Bucht am Fuße  der Blauen Berge  mit den anderen Menschen der Daskina-Rebellen versammelt waren. Die Menschen schienen aufgebracht zu sein und Phelan versuchte alles um sie zu beruhigen.
Sie beobachtete das Geschehen von der Ferne und lauschte den Worten.
“...Wir waren schon immer familiär… Sind aufopferungsvoll für unsere Sache… Und heute ist der Tag, an dem wir getestet werden… Wieder einmal…”, sagte Phelan. Octavia konnte sich das Schnauben nicht verkneifen, als er das sagte. “...Kiana wird mit ihrer Armee und ihrem Drachen demnächst schon den Norden erreichen… Das bedeutet, dass das Land für uns die nächsten...Jahre… Unbewohnbar wird… Wir gehen davon aus, dass wir höchstens Proviant für vier Jahre für zweitausend Menschen haben und Daskina hat, wie alle anderen, zweihundertzweiundzwanzi g Plätze!”.
Große Unruhe brach aus und die Versammelten redeten durcheinander. Octavia seufzte nur und schüttelte den Kopf. Sie hätte sich denken können, dass die Daskina-Rebellen die größten Probleme verursachten.
"Wir werden eine gerechte Auslosung machen… Jeder bekommt die Möglichkeit einen Platz in der Mine zu erhalten!", rief Phelan mir und versuchte die Meute zu beruhigen.
"Wie lange meint ihr würden die anderen Rebellen hier überleben, die doch alle so kriegerisch geprägt sind?", rief einer aus der Menge. “Wir sind diejenigen, die die Landwirtschaft betrieben haben und auch Ahnung davon besitzen und uns nicht nur auf unsere Klinge verlassen! ”. Er fand großen Zuspruch unter den Menschen. “ Wir sind diejenigen, die die Mine am laufen halten werden… Wir verdienen mehr Plätze!”.
“Mir gefällt es ebenso wenig wie euch… Aber wir müssen uns damit abfinden, denn sonst wird Kiana Vaneryen uns alle ausmerzen! Also müssen einige draußen bleiben und sterben, damit unser Volk überleben kann!”, versuchte Phelan zu erklären. Octavia konnte aus seiner Stimme erkennen, dass er wahrlich alles andere als begeistert davon war.
Wieder brach große Unruhe aus und die Menschen redeten durcheinander.
“Was ist mit ihm?”, sagte der Mann wieder, der scheinbar für alle sprach und zeigte auf Tardon den jungen Kommandanten der Vanerischen Armee, der noch immer unter den Rebellen weilte. “Ist sein Name ebenfalls in der Auslosung drinnen? Vergeben wir ein Bett an einen Soldaten der Drachenschlampe, statt für unser eigenes Volk?”.
“Ich bin dafür, dass seine eigenen Leute für sein Überleben entscheiden!”, rief ein weiterer aus der Menge. Viele stimmten ihm zu.
“Wir sollten uns erst einmal alle beruhigen und keine voreiligen Entschlüsse ziehen!”, versuchte Phelan alle zu beruhigen.
“Du sagst das nur, weil du weißt dass eure Plätze gesichert sind!”, rief der Unruhestifter und deutete dabei auf Phelan und Galador. Octavia, die noch außen stand verdrehte nur genervt die Augen. Die versammelten Menschen packten sich Tardon und wollten ihn weg zerren. Phelan versuchte ihn nur zu retten.
Octavia konnte es nicht mit länger ansehen. So schnell sie konnte drückte sie sich durch die Menge und versuchte zu Tardon und seinen Angreifer zu gelangen.Die junge Frau hielt ihr Schwert an den Hals  des Unruhestifters. “Tardon, du gehörst zu mir!”, sagte sie entschlossen. Der junge Kommandant lief sofort ängstlich hinter sie. “Er ist gerettet….”.
Mittlerweile waren auch Indro und einige der anderen Rebellen bei ihr. Sie stellten sich alle schützend vor Tardon.
“Somit habt ihr einen Platz weniger, den ihr vergeben müsst!”, sagte sie bestimmend schlug den Griff des Schwertes gegen den Kopf des Unruhestifters.
“Octavia, du kannst das beenden…”, rief ein grauhaariger Mann mit Bart. “Du bist auch aus Gondor! Du bist eine von uns!”.
Octavia erkannte ihn. Es war Cearl, der sie schon einmal verurteilte, als sie mit Loki in die Rebellensiedlung kam. Die junge Frau hatte noch immer seine Worte nicht vergessen. Umso absurder fand sie seine Aussage. Er hatte beim letzten mal seinen Standpunkt klar gemacht und sie als Feindin betitelt, als Loki ihren wahren Vater bekanntgab.
Sie war sehr überrascht, denn er sagte es ohne mit der Wimper zu zucken. In Octavia stieg wieder diese unendliche Leere und der Hass auf. “Ich bin eine von euch?!”, fragte sie nochmals ungläubig nach.
Sie lief auf Cearl zu und stellte sich vor den größeren Mann. “Ihr seid alle daran verantwortlich, dass ich mich all die Jahre verstecken musste und seid für den Tod mit Mutter mit schuld! Und jetzt verstecke ich mich nicht mehr!”.
Die junge Maia lief auf die Erhöhung. Sie wurde noch von den Worten Ceals begleitet der nur “Tu das nicht!” rief. Sie wandte sich den Versammelten zu.
“Alle anderen Gruppen haben ihre Überlebenden gewählt… Jede andere Gruppe! Daskina ist nichts anderes! Ihr habt bis zum Einbruch der Dunkelheit Zeit! Also wählt!, rief sie bestimmend. Sie hatte es satt, dass sich jeder für etwas besseres als den anderen hielt. Jeder der Meinung war, er wüsste es besser. “Wenn ihr es nicht schafft, sterbt ihr alle!”.
Auch wenn ihr die harten Worte nicht leicht über die Lippen gingen, da es einige Menschen der Daskina-rebellen gab die sie liebte, versuchte sie wie eine Anführerin zu agieren. So wie es sowieso alle von ihr verlangten.
Keiner sagte ein Wort, als Octavia und ihr Gefolge den Ort verließen. ein Stückchen entfernt blieb sie noch einmal stehen und atmete tief durch. Ihr fiel es nicht gerade leicht so zu sein.
Indro legte seine Hand auf ihre Schulter. Die junge Frau sagte allerdings nicht und ging.

Am frühen Abend waren alle anderen Rebellen bereit. Alle Gruppierungen von Pascima und auch Utarra. Sie forderten alle, dass sich Daskina nun entschieden hatte oder sterben mussten. Octavia wusste, dass daran kein Weg vorbei führte.
Mit Indro an ihrer Seite und gefolgt von bewaffneten Kriegern machten sie sich auf dem Weg zu den Daskina-Rebellen. Die junge Frau versuchte erst gar nicht an die zu denken, die ihr wichtig waren. gelingen tat es ihr allerdings nicht wirklich. Sie blieb noch einmal vor den Toren der Halle, in denen sich die Daskina-Rebellen zurückgezogen hatten stehen und seufzte.
“Ich kann das für dich machen…”, schlug Indro ernst vor.
“Nein…”, erwiderte Octavia, “...Sie sind meine Leute… Meine Verantwortung…”.
Es fiel ihr nicht leicht das zu sagen. Sie wollte nie eine so große Verantwortung tragen. Doch nun sahen alle zu ihr auf, sahen sie als Anführerin. “Macht auf… Jetzt..”, befahl sie einigen Kriegern.
Als sie entschlossen hinein treten wollte, gab sie ein Signal zum anhalten mit ihrer Hand. Sie konnte ihren Augen nicht trauen, was sie dort vorfand. Alle Menschen der Daskina-Rebellen lagen auf den Boden herum. Verteilt. Neben ihnen lagen viele Becher und Pfützen. Entsetzt sah sie zu Indro, der auch nicht wusste was dort vor sich ging.
Sie betraten Vorsichtig die Halle und erblickten zwei einzige Männer, die standen. Es waren Phelan und Galador.
“Das ist wie wir unsere Leute retten…”, sagte Phelan mit gebrochener Stimme zu Galador. “Aber woher sollen wir wissen, wen wir wählen sollen?”.
“Das haben wir bereits…”, sagte Galador. “Thiraks Liste! Es ist die höchste wahrscheinlichkeit zu überleben!”.
“Ich weiß… Das ist wie wir unsere Leute retten…”, sagte Phelan wieder.
Octavia blieb nicht aus, dass er wohl weinte. Sie wusste nicht einmal was nun passiert war. Es gefiel ihr aber trotzdem nicht.
“Die Nachtessenz hilft wie eh und je… Ich habe sie früher immer von meinem Freund Saruman bekommen, wenn ich nicht schlafen konnte…”, rief Galador nur rüber.
Octavia sagte dazu allerdings nichts. Sie war nur froh, wenn das alles vorbei war und trat so schnell sie konnte aus der Halle.

In dem Zimmer, in welches sie zukünftig schlafen und leben wird, saß Octavia an einen Tisch. Wie überall in der Mine erhellte künstliches Kerzen- und Fackellicht die Räume. Die junge Frau vergrub ihr Gesicht in ihre Hände. Sie fühlte sich erschöpft und überfordert. Wie gerne hätte sie ihren Bruder an ihrer Seite gehabt.
Indro kam herein, sodass sie nach oben schrak.
“Es ist Zeit…”, sagte er, “... Ich weiß du bist müde, aber… Die Tore wurden nun fest verschlossen und verbarrikadiert…. Alle Gruppen haben ihre Überlebenden ausgewählt und zweitausend Menschen erwarten deine Anweisungen!”.
Octavia seufzte.
“Sie wollen essen, schlafen… Wollen wissen wie sie leben sollen…”, erklärte Indro weiter. Octavia versuchte ihm zu folgen und passende Ideen zu finden. Sie zählte die Dinge nochmals in ihrem Kopf auf, während Indro weitersprach: “Sie werden sonst zu Tieren, die die Gewalt vorziehen, so wie ich es schon einmal gesehen habe! DU MUSST SIE FÜHREN!”.
Auch wenn Indro ruhig sprach, machte sie es mehr als nervös. Sie wollte das alles nicht. Sie sprang von ihrem Stuhl auf und lief zu Indro.
“Indro… Ich bin keine Königin habe kein Recht jemanden anzuführen…”, versuchte sie ihm mit ihrer zittrigen Stimme zu verdeutlichen. Er ging nur ebenfalls auf sie zu.
“Die Zeit der Könige ist vorbei… Die Zeit der Geburtsrechte ist vorbei… JETZT ist DEINE Zeit!”.
Sie sah ihn aufmerksam in die Augen.
“Lass mich dir helfen!”, sagte er und hielt ihr ein silbernes Diadem entgegen. Es musste wohl eine alte Krone gewesen sein. Sie starrte das Stück Metall an und sah dann zu Indro.
Schließlich ließ sie sich die Krone auf den Kopf setzen und lief rasch in die große Halle.
Dort warteten auch schon alle, die dazu auserwählt worden waren zu überleben.
Octavia trat auf eine Art Podest und blickte auf die Versammelten, die ebenfalls alle ihre Augen auf sie richteten. Das Gefühl der vollsten Aufmerksamkeit hinterließ ihr ein seltsames. Sie war keine große Rednerin, aber sie wusste, dass alle nun Worte von ihr erwarteten.
“Das ist es…”, fing sie schließlich an, “...Wir werden die letzten Überlebenden von Arnor sein… Die nächsten Jahre werden nicht einfach sein… Es wird Tage geben, an denen wir wünschten die zu sein die tot sind… Aber ich verspreche euch, wenn wir zusammenhalten… Wenn wir Gonodwaith sind… Werden wir aus der Asche wieder auferstehen!”.


Octavia in den Minen der Ered-Luin…
« Letzte Änderung: 5. Aug 2021, 22:09 von >Darkness< »
Grüße Darkness

Lust auf eine alternative Mittelerde Geschichte und dazu ein RPG? ?
Der Thron von Mittelerde

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Sernereth Part I: Der dunkle Weg zur Sernereth
« Antwort #1 am: 22. Apr 2021, 19:59 »

Minen der Ered-Luin

Sernereth Part I: Der dunkle Weg zur Sernereth

Die ersten Wochen in der Mine waren vergangen. Es stellte sich tatsächlich als anstrengender heraus, als Octavia es sich vorstellen konnte. Die Lage war angespannt und immer wieder kam es zu Streitereien der Rebellen-Clans untereinander.  Dazu kam noch, dass nach wenigen Tagen das Haupttor eingestürzt war und es scheinbar keinen Weg nach draußen gab. Zumindest kannte niemand einen Weg. Auch die Nahrungsmittel waren knapp kalkuliert für zweitausend Menschen und mehrere Jahre, die sie vielleicht in den Minen bleiben mussten.
Octavia kämpfte gerade gegen Tardon. Sie verbrachte viele Tage damit zu trainieren. Nicht nur um stärker  und besser zu werden. Sie wollte selbst auch einen kleinen Zeitvertreib haben.
Tardon wusste natürlich inzwischen, dass das was Octavia damals zu ihm sagte nicht stimmte. Dass Octavia und die Rebellen sehr wohl im Krieg gegen Kiana Vaneryen waren. Er akzeptierte diese Notlüge aber. Immerhin verlor er seine Eltern, als Kiana Minas-Tirith zerstörte. Er diente nur der Armee weil sein Vater vor ihm Soldat war und ihm keine andere Möglichkeit übrig blieb einen vernünftigen Sold zu erhalten. So wurden Octavia und Tardon gute Freunde und verbrachten viel Zeit miteinander.
Octavia schaffte es den jungen Mann zu entwaffnet und auf den Boden zu drängen, da tauchte Indro auf.
"Es ist Zeit Octavia…", sagte er bestimmend und hielt wieder das Diadem, ein Tuch mit einer Kette und einen Umhang in den Händen. "...Die Delegierten sind versammelt!".
Er hielt ihr alles entgegen. Octavia ließ von Tardon ab und beäugte erst die Gegenstände misstrauisch dann Indro, der sie erwartungsvoll ansah.
"Mich zu verkleiden wird nichts bringen… Mein Blut ist schwarz...Verdorben… Und das wird es immer sein!", verteidigte sie ihre Meinung. Mit dem schwarzen Blut spielte sie auf das Blut der Maiar in ihren Adern an und damit die Verbundenheit zu Kiana und Thruion.
"In diesen Zeiten ist es wichtig die Symbole zu tragen! Dadurch wird es leichter für dich sie anzuführen!", erklärte er nur überzeugt.
Seufzend nahm sie schließlich beides entgegen. Die junge Frau zog sich das Tuch widerwillig über ihre schwarze Kleidung. Es war Dunkelblau mit silbernen Verzierungen. In der Mitte befand sich ein Stern. Dann hing sie den blauen Mantel um und setzte sich die Krone auf ihr Haupt. Dabei sah sie mit einem fragenden Blick zu Indro, anstatt ihn direkt zu fragen, ob er nun zufrieden war. Sie fühlte sich mehr als dämlich sich wie eine Anführerin aufzuspielen.

Auf dem Weg zum Versammlungsraum der Sprecher der Gruppierungen traf sie auf allerlei Menschen. Viele schoben Gegenstände in Karren herum oder werkelten an Möbelstücken.
Als Octavia Davos sah, war sie überrascht. Ihn hatte sie schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen, seitdem sie in die Mine gezogen waren.
"Die Herrscherin von Gonodwaith!", sagte er mit einer Verbeugung.
Octavia verdrehte nur die Augen und machte ihn an."Hör auf damit!".
Davos machte daraufhin nur eine abwehrende Haltung mit seinen Händen und lächelte dabei.
"Ich habe etwas gefunden…", sagte er, während er in seiner Schubkarre kramte. "Kael hatte mir im Eregion-Wald erzählt, dass er dir immer Geschichten von Mittelerde vorgelesen hat… Ich bin nicht der beste Leser, deshalb sollst du es haben!".
Er überreichte ihr ein  Buch mit einem Roten Band. Octavia sah es aufgeregt an und wendete es in alle Richtungen. Dann machte sie es auf, blätterte einige Seiten durch und fuhr mit ihrem Finger die Buchstaben der Stadt nach, als konnte sie die Schrift fühlen.
"Ich weiß du wirst nicht überzeugt sein, dass es von deinem Vater Thurion stammt. Er hatte wohl verschiedene Dinge aufgeschrieben.".
Die junge Frau verzog ihr Gesicht. Natürlich war sie darüber nicht begeistert, doch sie liebte Bücher und… Irgendwie begeisterte sie die Schrift und die Worte die es enthielt. Gleichzeitig wurde sie etwas demütig etwas von ihrem Vater in den Händen zu halten. Natürlich hatte sie sein Schwert.  Seine Gedanken in den Händen zu halten war aber noch etwas ganz anderes.
...Das Gefühl, dass nun die Dunkelheit durch meinen Körper wanderte gab mir die Macht viele anzuführen. Dagegen war das Licht der Valar gar nichts, dass die Völker von Mittelerde sich selbst überließ…, las Octavia eine Zeile in ihrem Kopf. Schnell riss sie sich aus ihren Gedanken.
"Sehen wir uns beim Rat?", wollte sie wissen und spielte ihre Gefühle damit weg.
"Äh...Nein… Ich bin inzwischen zu alt für diese Dinge… Ich überlasse den Jungen die Entscheidungsgewalt über ihre eigene Zukunft!", sagte er nur lachend. "Ah, Indro!".
Octavia wandte sich um und sah Indro hinter sich stehen. Sie wusste genau, dass er wollte, dass sie auf jeden Fall zu der Ratssitzung ging. Wieder seufzte sie nur und lief den Gang entlang, bis sie den Sitzungssaal erreichte.
Kurz vorher trafen sie auf eine Frau. Octavia kannte sie. Diese Frau hieß Gwendolyn und war eine strikte Verfechterin der alten Ordnung. Was auch daran lag, dass ihr verstorbener Mann einer der Fürsten von Arnor war. Abgesehen davon war sie der Meinung, dass jemand mit dem Blute der Maiar niemals vernünftige Entscheidung treffen konnte. Kiana war das lebendige Beispiel dafür.
"Auch das noch…", sagte Octavia leise und genervt. Sie drückte Indro das Buch, welches sie von Davos erhalten hatte, in die Hand.
Bevor Gwendolyn etwas sagen konnte, erhob Indro seine Stimme: "Die Zeiten sind schlimm genug… Du solltest Octavia lieber unterstützen!".
"Sie ist vom Blute keine Frau des Fürstengeschlechts und auch sonst ist ihr Blut Schwarz! Das macht es unmöglich, dass sie unsere Anführerin sein kann!", sagte sie nur. "Dann hätten wir das Knie gleich vor Kiana beugen können!".
Octavia wollte eigentlich gar nicht mehr zu hören und einfach gehen.
"Denk dran was deine wahren Könige und Fürsten gemacht hätten! Sie hätten die einfach sterben lassen um selbst zu entkommen!", fauchte Indro und lief daraufhin in die Richtung des Raumes, indem die Ratssitzung stattfand. Er legte seinen Arm um Octavias Hüfte und zog sie so mit sich. Die junge Frau wollte etwas sagen, schwieg aber lieber, als Indro sie mit sich schob.

Eine Delegierte Frau eines Clans von Pascima beschwerte sich darüber, dass Menschen aus einer anderen Gruppierung diese beklaut hatten. Die Delegierte forderte harte Bestrafungen für die Diebe. Die anderen stritten die Taten überhaupt ab.
"Wenn es nach dem Gesetz von Pascima geht, müssen sie hingerichtet werden und das fordere ich auch ein!", sagte die Delegierte. Octavia verdrehte daraufhin die Augen.
"Es gibt die einzelnen Clans nicht mehr… Wir sind jetzt Gonodwaith!", machte sie nur deutlich.
"Octavia hat recht!", unterstützte Indro die junge Frau. "Wir müssen jetzt nach unserem Recht handeln!".
"Ich kann das nur unterstützen! Ein passendes Gesetz kann unser Zusammenleben vereinfache !", warf Phelan dazwischen.
"Und wie soll dieses… Gesetz... sein?", fragte die Delegierte des beraubten Pascima Clans .
"Sie haben… Decken gestohlen...Dann geben sie die gestohlenen Decken eben einfach wieder zurück…", sagte die junge Maia nur locker kopfschüttelnd. Die Delegierten des Beschuldigten Clans wirkten zufrieden. Die Gegenseite sah nur ungläubig drein. "Gibt es sonst noch was ?".
Keiner sagte was, also erhob Octavia sich und sah in die Runde. "Gut, wir haben genug zu tun!". Dann machte sie sich auf dem Weg in ihr Zimmer. Sie war genervt davon, ich wie eine Mutter zu fühlen, die die Streitereien ihrer Kinder unterbinden wollte. Es waren alles eigenständige Menschen, die fähig dazu sein sollten ihren Verstand benutzen zu können.

Als sie dort das Zimmer erreichte, entdeckte sie zwei Personen. Vor der Tür warteten  schon einer der Baumeister und einer der Gärtner, die von den Daskina waren. Octavia ahnte schon Böses und ließ nach Indro, Galador und Phelan rufen.
Die drei Männer kamen zügig dazu. In ihrem Zimmer  setzte sie sich auf einen Stuhl an einem Tisch der sich relativ mittig im Raum befand. Phelan, Galador und Indro stellten sich hinter ihr.
"Wie ihr wisst ist das Eingangstor der Mine zusammengestürzt… Wir wissen nicht genau warum, aber wir haben auch keinen alternativen Ausgang gefunden…", sagte der Baumeister. Octavia fasste sich an die Stirn und rieb sie sich. Die junge Frau hatte das Gefühl dass ihr Kopf schmerzte und von all den auftretenden Problemen überfüllt war.
"Also sind wir eingesperrt und selbst wenn Kiana besiegt wäre?", hakte sie nach.
"Zumindest nicht in nächster Zeit…".
Octavia seufzte laut und verzog unzufrieden ihr Gesicht. Es waren sehr schlechte Nachrichten. Es könnte bedeuten, dass sie länger als Gedacht in der Mine bleiben mussten.
"Das sollte nicht die erste Priorität sein… Wir haben die nächsten Monate dafür Zeit!", beruhigte Indro alle. Zumindest versuchte er es. Octavia halt es aber nicht wirklich.  Etwas anmerken lassen wollte sie auch nicht.
"Was gibt es noch?", wandte sie sich genervt an den Gärtner.
"Nun ja… Die Pflanzen in den unterirdischen Gärten wachsen nicht so wie sie erwartet…", fing der Gärtner an. "...Das Problem ist, dass zweitausend Menschen dafür zu viel sind… Und da du dich ja dazu entschieden hast unser Volk auszusortieren…".
Schäumend vor Wut sprang sie auf und war schon halb auf dem Tisch.
"Schick ihn raus los!", befahl Indro den Wachen, bevor noch etwas passierte und wollte die Situatuon damit entschärfen. So konnte  Octavia nicht ernsthaft etwas tun oder sagen.
Nachdem der Gartenmeister nach draußen gebracht worden war, schüttelte die junge Frau aufgebracht den Kopf. Sie konnte diesen Hass auf ihre Entscheidung nicht verstehen.
Hätte ich alle sterben lassen sollen?, fragte sie sich selbst. Eins stand für sie fest: Egal wie sie sich enschieden hätte, alles wäre in gewisser Hinsicht falsch gewesen.
"Was ist falsch mit ihm?", regte sie sich lautstark auf.
"Seine Frau wurde nicht auserwählt mit hier in die Mine zu kommen…", sagte Phelan.
"Aber was meint er mit dem Essen? Wird es Probleme machen?", fragte Octavia weiter.
"Wir sollten uns auf Unruhen einstellen… Also sollte jeder Clan getrennte Essplätze bekommen und die Wachen vor den Schlafplätzen sollte verdoppelt werden…", schlug Galador vorsichtshalber vor.
"Aber nur Wachen des jeweiligen Clans!", warf Indro dazwischen.
Octavia stimmte schließlich zu.
"Wir sollten aber nochmal über das Nahrungsproblem sprechen…", wollte Galador gerade sagen.
"Nein, genug davon…", entgegnete Octavia nur weiterhin genervt. Sie konnte es nicht mehr hören.
"Aber Galador hat recht wir sind viel zu viele Leute in der Mine! So ungern ich das auch sage... ", unterstützte Phelan den Dol-Amrother.
"Er hat aber nicht das Sagen… Genauso wenig wie du, oder die Delegierte… Ich habe es! Ich habe nicht alle gerettet damit sie sich jetzt gegenseitig umbringen!", machte Octavia nochmal klar.
"Octavia hat sich entschieden!", wurde sie von Indro unterstützt
"Das ist schön und gut… Aber sie war nicht ganz wild darauf uns anzuführen…", sagte Phelan.
"Jetzt ist sie es!", erwiderte Indro sofort. "Was ist, wenn wir die Rationen halbieren? Würde das mehr Zeit bedeuten".
"Wir sind schon bei der niedrigsten Ration…", sagte Galador. "Wenn es so weitergeht heißt es, dass wir verhungern und uns wünschen, wir wären diejenigen die tot wären…".
Octavia überlegte nicht lange. Für sie stand die Entscheidung fest. "Gut, halbieren wir die Rationen!", befahl sie. Wenigstens etwas mehr Zeit reicht schon aus. Nur um eine neue Lösung zu finden.
Sie hoffte nur, dass die Situation nicht weiter eskalierte. Sie waren doch ein Volk und konnten es nicht gebrauchen wenn sie sich untereinander zerstritten.

Wenn Octavia nicht mit dem trainieren beschäftigt war, las sie das Buch Thurions. Natürlich immer nur heimlich. Zugeben konnte und wollte sie nicht, dass sie die Worte ihres Vaters förmlich aufsaugte  Einige Tage später sollte es so weit sein. Mitglieder von Daskina haben die ganzen Garten-, Vorrats- und Küchenabteile gekapert und verbarrikadiert.
Große Unruhe brach unter den anderen Rebellen Clans aus, sodass sie versuchten die besetzten Hallen der Mine zurückzuerobern.
Octavia marschierte mit Indro, Davos und einigen Wachen durch die Gänge und hielt so viele auf, wie sie konnte.
In einem der Schlafräume traf sie auf eine Gruppe der Pascima Rebellen, die gerade Galador bedrohten. Sie hielt einem der Männer ihr Schwert an den Hals.
"Los, lass die Finger von ihm!", sagte sie nur mit einem scharfen Ton. Ängstlich ließ der Mann von Galador ab.
"Die Gänge sind gesichert und es gab keine weiteren Tode mehr!", hastete Tardon mit einem Trupp in den Raum.
"Sie sagen, sie wollen die besetzten Hallen zurückerobern!", klärte Davos alle auf.
"Ja, die Daskina haben die Tür zur Haupthalle verbarrikadiert!", bestätigte Indro. "Und trotzdem müssen diese hier für ihren Verrat sterben…".
"Nein!", entgegnete Octavia. Sie hatte wenig Verständnis für seine Aussage. Sie konnte die Aufständischen verstehen.
"Aber es ist was anderes als einfache Decken zu stehlen…".
"Sie haben Angst Indro! Sie haben Hunger!", entgegnete Octavia und sah dabei den Mann, dem sie ihr Schwert an die Kehle hielt, in die ängstlichen Augen.
"Ich werde einen Weg finden die Halle zurückzuerobern! Sag es den anderen!", versprach die Junge Frau erst fast und forderte gleichzeitig die Gegenleistung des Herumsprechens. Der Mann sprintete sofort zu seinen Kumpanen los.
"Eine Idee wie wir die Tür aufgekommen sollen?", fragte Tardon fast schon sarkastisch.
"Es gibt vielleicht eine Möglichkeit…", fing Davos an. "Bei meinen täglichen Rundgängen habe ich den Eindruck erhalten, dass ich den Mechanismus erkannt habe… Ja, fragt nicht. Ich hatte wie wir alle sehr viel Zeit!".
Octavia sah zu ihm auf. Das war wenigsten ein Funken Hoffnung.  "Wenn du die Tür nicht öffnen kannst, gibt es keine Hoffnung mehr… Für keinen von uns!", sagte Octavia seufzend. Sie wusste, dass Phelan und Galador auf der anderen Seite des Tores waren. Immer wieder hoffte sie nur darauf, dass beide Männer damit nichts zu tun hatten.
"Wir sollten uns beeilen… Die Unruhen breiten sich aus…", mahnte Indro rasch.
Octavia zögerte nicht. 
"Lenkt ihr so viele von ihnen ab… Ich bringe Davos so schnell ich kann zum Tor!", befahl sie. Dann zog sie den Umhang und das Tuch mit der Kette rasch aus. Die Krone nahm sie vom Kopf.
"Ich werde diese Symbole nicht mehr tragen… An mir wirken sie nur wie Zielscheiben…", erklärte sie und wich Indros irritiertem Blick aus.
So schnell sie konnte lief sie gefolgt von Indro und den anderen in Richtung Tor.

Als sie durch die Gänge der Mine schlichen, versteckten sie sich immer wieder vor den anderen Rebellen-Gruppen, die in Truppen durch die Mine eilten. Indro und Tardon rannten mit Rufen  los und lenkten die Aufmerksamkeit der Aufrührer auf sich. Octavia wartete mit Davos.
Gerade sah sie um die Ecke und wartete bis eine weitere Gruppe weg war, da hielt sie sich an Davos fest um ihn von ihrem nächsten Vorgehen zu berichten und spürte dabei etwas warmes feuchtes. Als sie ihre Hand betrachtete, bemerkte sie das Blut an ihrer Hand. Sie war irritiert.
Woher kommt das?, fragte sie sich selbst
Von ihr selbst konnte es allerdings  nicht sein.
Davos!, dachte sich die junge Frau mit. Erschrocken sah sie zu Davos, der verschwitzt und etwas erschöpft wirkte. Octavia tastete den Bauch des älteren Mannes ab und entdeckte eine große Wunde.
"Was hast du da? Warum hast du nichts gesagt?", fragte sie. "Wir sollten dir einen Heiler suchen!".
"Dafür haben wir nicht die Zeit! Wir müssen uns beeilen!", sagte er nur. Ihr war es klar, dass es keine gute Idee war. Sie wollte jeden von ihrem Volk retten und er gehörte dazu. Bevor sie aber etwas sagen konnte, winkte er ab, als sie die Lippen öffnete. Widerwillig nickte sie ihm schließlich zu. Nun fühlte sie sich noch mehr unter Druck.
Sie wollte gerade los, da stoppte Davos sie, indem er sie am Arm griff.
"Ich kann dir gar nicht verübeln, dass du dich zu deinem Volk nicht zugehörig fühlst und dass du deinen Vater nie erleben wolltest…", fing er plötzlich stöhnend an.
"Musst du ausgerechnet jetzt darüber sprechen wollen?", fragte sie mit gebrochener Stimme und lehnte sich an die Wand. Was wollte er damit bezwecken? Und warum ausgerechnet jetzt in so einer Situation?
"Ich weiß dass du viele Menschen hasst, auch die Daskina-Rebellen… Du gibst ihnen Schuld an den Tod von Deloth und deiner Mutter, weil sie auch aus Minas-Tirith geflohen sind… Doch mit deinem Sieg im Kampf hast du auch sie gerettet!", erzählte er weiter.
Octavia wurde nur wütend. "Was willst du jetzt?", fauchte sie ihn an.
"Die anderen Rebellen werden über alle herfallen  und alle töten, die sich hinter den Toren befinden, sobald ich diese öffne… Sowohl Schuldigen als auch die unschuldigen… Das kann ich nicht schon wieder zulassen… Nicht wieder… Als ich mit Thirak tatenlos zusah, wie die Truppen unter Kiana alles und jeden in Minas-Tirith abschlachteten, habe ich einen Teil von mir verloren!", dabei klang Davos mehr als erschöpft.
"Dann sterben wir alle!", entgegnete Octavia trotzig. Sie rutschte die Wand herunter und hockte auf dem Boden.
"Bring die Rebellen dazu, nicht anzugreifen und nur die Schuldigen zu bestrafen…".
"Die werden nicht auf mich hören…", sagte die junge Frau schnell und trotzig.
"Bring sie dazu… Du musst keine Königin sein, um sie zu befehligen…".
"Ich bin keine Anführerin… Ich bin eine Kämpferin… Eine Kriegerin!", versuchte sie ihm klar zu machen.
"Und ein Krieger braucht einen Krieg! Einen Feind…".
Octavia hörte ihm nun gespannt zu.
"Unter deinem Vater war der Tod oft der Feind, sodass er alles versuchte, dass sein Volk lebte… Er versuchte stets die zu beschützen, die er liebte! Ich weiß, du gibst ihm im Endeffekt die Schuld am Tod deiner Mutter, weil er sie indirekt zu einem Geheimnis zwang… Doch damit, dass sie es behielt, machte sie sich selbst zum Feind und wählte lieber den Tod, damit du und dein Bruder überleben konnten!", erzählte Davos weiter.
Wütend und betroffen sprang Octavia auf und  zog ihr Schwert. Für einen kurzen Moment hielt sie inne. Sie erinnerte sich wieder an die Worte im Buch. Thurion schien tatsächlich versucht zu haben, sein Gefolge zu retten oder nicht zu gefährden. Zumindest auf ein paar der Seiten. Trotzdem wirkte es stets düster.
Und wenn ich die Dunkelheit dafür verwenden muss, um die zu beschützen die mir folgen, so werde ich dies tun, erinnerte sie sich an eine Zeile aus dem Buch ihres Vaters. Die junge Frau seufzte.
"Schön… Ich mach es… Aber versuch nicht vorher zu sterben!", sagte sie und deutete auf seine Wunde.
"Gut, jetzt weißt du was es heißt eine Anführerin zu sein!".
Nach diesen Worten ging Octavia Wortlos zum Tor zur Haupthalle der Mine.

Sie traf davor noch auf Indro, der außer Atem zu ihr sah. Auch Galador und Tardon waren bei ihm. Alle drei blieben noch eine Abbiegung zurück, um nicht von denen gesehen zu werden, die vor dem Tor zur Haupthalle standen.
"Wo ist Davos?", fragte Indro hektisch. "Macht er die Tür auf?".
"Noch nicht… Ich muss erst was erledigen…", antwortete sie beim Vorbeigehen. Er schien von ihrer Aussage irritiert gewesen zu sein. Allerdings störte sie sich nicht daran und ging weiter. Sie hörte nur wie Galador zu Indro sagte, dass er es sie alleine machen sollte. Aber woher wusste er, was sie vor hatte? Ihr blieb sowieso nicht viel Zeit darüber nachzudenken.  Sie musste das Problem beseitigen.
Einige Männer und Frauen standen vor dem Tor und versuchten es verzweifelt mit einem improvisierten Rammbock aufzubrechen. Eine kurze Weile beobachtete die Szenerie und niemand von ihnen schien sie zu bemerken. Plötzlich fühlte sie sich ganz anders. Als hätte jemand die Kontrolle über ihren Körper ergriffen. Sie spürte den Zorn in sich. Den Zorn auf all diejenigen, die sich querstellten und nicht den Frieden von Gonodwaith wahren wollten.
"Hey!", rief sie nur laut. "Ich kann die Tür für euch öffnen!".
Einer von ihnen kam breit grinsend auf Octavia zu. "Dann mach das, Gurth-en-Dúath, damit wir uns dein Volk vom Leib schaffen können!".
Gurth-en-Dúath, wiederholte sie im Kopf. Es erinnerte sie daran, dass sie in gewisser Weise eine gefürchtete Kriegerin war. Nicht umsonst nannten die Menschen sie so.
"Du hast recht… Es ist mein Volk…", sagte sie, "...Aber auch ihr seid mein Volk… Wir sind alle zusammen Gonodwaith! Dazu gehören auch die unschuldigen Menschen jenseits dieser Tore!".
Sie hielt den Griff ihres Schwertes fest. Octavia konnte sich denken wie das Gespräch ausgehen konnte: Entweder der Mann lenkte ein, oder aber es artete in einen Kampf aus. Der Mann antwortete zunächst nicht, sondern wirkte eher wie angewurzelt. Die anderen hinter ihm sagten auch nichts.
Aber als hätte sie es nicht schon vorher geahnt , stürmte er auf sie zu. Schnell schaffte sie es diesen Mann zu töten.
Sie hielt ihr Schwert in die Richtung der anderen und sagte noch in einem normalen Ton: "Ihr seid Gonodwaith, oder ihr seid die Feinde von Gonodwaith! Entscheidet!".
Es dauerte nicht lange und die nächsten zwei Rebellen griffen sie an. Im Gedränge entwaffnet sie den einen, während sie den anderen mit einem Hieb die Kehle aufschnitt. Die entwaffneten Mann stach sie das Schwert in den Bauch. Viel Blut bedeckte inzwischen ihren Körper.
"Ihr seid Gonodwaith, oder ihr seid die Feinde von Gonodwaith! Entscheidet!", sagte Octavia wieder. Diesmal schnell atmend. Es war als verliere sie mehr und mehr die Kontrolle über ihre  Verstand, je öfter sie die Worte wiederholte. Als legte sich ein Schatten auf ihr schon ohnehin gebrochenes Herz.
Wieder wollten die Rebellen nicht hören und die nächsten griffen sie an. Mit einer Hand hielt sie zwei von ihnen durch ihre Macht auf Abstand, sodass sie zunächst zwei andere töten konnte. Sie nahm dem nächste den Dolch ab und bekämpfte die beiden Männer damit. Sie kniete sich auf den Boden und schaffte es so beide Männer zu treffen. Beide waren tot.
"Ihr seid Gonodwaith, oder ihr seid die Feinde von Gonodwaith!", sagte sie diesmal lauter und abgewandtvon den anderen. "Entscheidet!".
Als sie das letzte Wort rief, drehte sie sich schnell um und hielt ihre Klinge wieder in die Richtung der Aufrührerischen.
An Aufgaben dachten sie wohl nicht und wieder bekämpfte Octavia einige, schaffte es aber wieder die Angreifer zu töten. Wieder wiederholte sie die worte: "Ihr seid Gonodwaith, oder ihr seid die Feinde von Gonodwaith! Entscheidet!".
Dabei hielt sie ihr Schwert hoch und sah sich hektisch um, um mögliche Angriffe abzuwehren.
Aber noch immer gaben sie nicht auf und versuchten die junge Frau zu besiegen. Es gelang ihnen aber nicht und Octavia tötete die nächsten drei. Den vierten drückte sie mit ihren Kräften gegen die Wand und erstach ihn letztendlich.
 "Ihr seid Gonodwaith, oder ihr seid die Feinde von Gonodwaith! Entscheidet euch!", verlangte sie diesmal leise, aber bestimmend und außer Atem.
Das Schwert Octavias leuchtete Violett, schon eher Rot... Dazu konnte sie schwören dass es pulsierte... Als hätte es ein Herz.
Eine dunkle Stimme dröhnte in ihrem Kopf. Worte die sie nicht verstehen konnte. Sie versuchte nur diese Stimme zu ignorieren.
Die ängstlich übriggebliebenen Rebellen wussten zunächst nicht wie sie reagieren sollten. Schließlich lagen sie ihre Waffen nieder und knieten sich auf den Boden.
Octavia atmete schnell und ihr ganzer Körper Blutüberströmt. Auch die Wände und der Boden des Ganges vor dem Tor waren voller Blutspritzer.
Endlich hatte sie es geschafft. Endlich beugten sich die Rebellen  ihren Willen und gaben auf.
Indro hatte in der Zeit Davos geholt, der den Mechanismus der Tür aktivierte, sodass sie sich doch noch öffneten.
Zusammen mit den anderen Rebellen stürmte Octavia die Haupthalle und befahl dabei nur die Schuldigen zu fangen. Große Erleichterung machte sich in ihr breit, weil Phelan und Galador damit nichts zu tun hatten, sondern selbst Geiseln der rebellierenden Daskina waren.

Nachdem alle gefangen worden waren, lief die junge Frau zu Davos, der zusammengesackt am Boden saß. Galador, Indro und Tardon hockten bei ihm.
"Octavia…", stöhnte der alte Mann. "...Versprich mir, dass du auf alle aufpassen wirst... Vor allem auf Aurelius... Die Eltern des Jungen durften nicht in die Minen...und nicht den Werdegang von Kiana einschlagen wirst! Mein Kampf ist vorüber… Ich werde endlich zu meinem König zurückkehren…".
Er hustete noch ein paar mal und starb. Octavia war traurig. Auch wenn sie ihn oft als nervig empfand und ihm anfangs den Tod wünschte, da er an der Schlacht auf Minas-Tirith beteiligt war, mochte sie ihn am Ende. Und nun war er tot. Einer von denen, die immer an sie glaubten, egal wer oder was sie war.

Sie wollte Ruhe haben und entschied sich in ihr Zimmer zu gehen.
Zitternd setzte sie sich hin und legte den Kopf auf das Buch, welches ihr Davos gegeben hatte und legte ihren Kopf darauf. Sie fühlte sich leer. Fühlte sich der ganzen Sache nicht gewachsen. Sie fühlte sich alleine. Sie war erschöpft.
Auch wenn es einfach wirkte, wie sie die Aufständischen tötete, fiel ihr es alles andere als leicht auch nur irgendjemanden der Rebellen zu töten. Sie wusste aber auch, dass es sein musste. Sie war diejenige, die alle zusammenhalten musste. Octavia wollte sich nur einen Moment sammeln, damit sie alles verarbeiten konnte und die Stimme in ihrem Kopf unterdrücken konnte. Seitdem sie sich ihrer Macht und dem Zorn hingab, hörte diese Stimme.
Reiß dich zusammen Octavia!, sprach sie sich selbst zu. Du darfst jetzt nicht verrückt werden! Nicht jetzt!
Die junge Anführerin von Gonodwaith schob es einfach auf ihre innere Erschöpfung. Sie musste einfach ruhen.
Doch sie konnte nicht an Ruhe denken, denn Indro kam mit Galador in ihr Zimmer.
"Dein Volk erwartet Gerechtigkeit!", forderte Indro bestimmend.
Octavia hob ihren Kopf und wischte sich die Tränen weg, die ihr über die Wangen rollten.
"Komm wir sollten dich waschen…", sagte er noch und deutete dabei auf das ganze Blut auf ihren Körper.
"Nein!", warf Galador dazwischen. "Sie ist die Retterin der Menschen von Arnor, sie hat uns alle vor dem Feuer des Drachen gerettet… Heute hast DU uns alle vor dem Hungertod gerettet… Ich denke ich bin nicht alleine, wenn ich sage, dass du die sein wirst, die uns zurück an das Tageslicht bringen wird!".
Octavia sah fragend zu ihm hoch. Für sie sprach er in rätseln. Die junge Frau war einfach müde und traurig, fühlte sich von ihrer inneren Macht ausgelaugt. Indro schien ihre Verwunderung zu bemerken.
"Wir waschen dich jetzt erstmal…", wollte er gerade sagen, um ihr Luft zu verschaffen. Doch Galador grätschte dazwischen: "Nein, die Menschenmüssen sie so sehen! Du sagtest selbst, dass Symbole wichtig seien…".
Er streckte seine Hand in richtung Octavia aus. Zunächst zögerte sie, nahm schließlich aber seine Hand. Die junge Frau erhob sich und folgte ihm zu einem Spiegel.
Sie sah ihr eigenes Abbild: Blutverschmiert. Fast schon furchteinflößend, obwohl sie so gebrochen wirkte.
"Das Blut unserer Feind, ist ihre Rüstung!".
Erst war sie skeptisch. Dann machte es alles plötzlich Sinn in ihren Gedanken. Alles was er sagte. Er hatte recht. Es schreckte die ab, die sich ihr widersetzen wollten. Es erinnerte alle daran, was mit denen passiert, die sich nicht an ihre Regeln hielten und sich Gonodwaith widersetzten.

Sie entschied sich schließlich so hinaus vor ihrem Volk zu treten. Octavia musste stark für ihr Volk, ihre Verantwortung, sein! Sie wusste, dass sie besonders von Phelan beäugt werden würde. Doch es war ihr egal. Octavia sah die Gefangenen in der Mitte der Haupthalle auf dem Boden kniend. Sie waren sowohl von Daskina, als auch von den anderen Rebellen Gruppen.
"Es sind zu viele Menschen in dieser Miene!", sagte sie klar und deutlich. "Und wenn wir nichts dagegen unternehmen, wird niemand von uns den Himmel, die Sonne oder die Erde wiedersehen… Und das werde ich nicht zulassen!".
Dabei lief sie eine Anhöhe in dieser Halle hoch, auf die der Thron der Ered-Luin stand.
"Jeder von euch hat Verbrechen gegen Gonodwaith begannen… Und die Strafe dafür ist … Der Tod!", sagte sie weiter.
"Das ist doch Unsinn! Der Deckendieb der Forlindon-Pascima hat da unten nichts verloren… Daskina hat Essen gestohlen!", rief ein Mann aus der versammelten Menge.
"Es gibt hier kein Daskina, Pascima oder Uatarra… Es gibt nur Gonodwaith oder die Feinde von Gonodwaith! Möchtest du ihnen Gesellschaft leisten?", rief sie zurück. Der Mann schüttelte daraufhin nur eingeschüchtert den Kopf.
"Wir sind hier in keinem Königreich oder Fürstentum von Mittelerde… Es gibt kein Blut verlangt nach Blut…", machte sie deutlich. Sie erinnerte sich wieder an das Buch von Davos. Sie las dort etwas über Arenakämpfe im Osten, als Thurion als Gefangener im Osten war.
"...Im alten Rhûn hatten die Kämpfer die Möglichkeit, um ihre Freiheit zu kämpfen! So wie ihr jetzt!", dabei zog sie ihr Schwert und warf es zu den Gefangenen auf den Boden.
"Die gleichen Regeln wie beim Kampf um die Minen: Kämpft und rettet damit euer Leben!", sagte sie fanatisch überzeugt.
Dann ging es los und die Gefangenen Stürzten sich auf das Schwert, das Octavia hinunter zu ihnen warf. Die Gefangenen kämpften um ihr Leben, während alle Anderen dabei zu sahen...
« Letzte Änderung: 5. Aug 2021, 22:10 von >Darkness< »
Grüße Darkness

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Sernereth Part 2: Das überleben Aller
« Antwort #2 am: 11. Mai 2021, 10:19 »
Minen der Ered-Luin


Sernereth Part 2: Das überleben Aller

Die nächste Zeit wurde in den Minen der Ered-Luin nicht besser. Zwar wurde Octavia als Anführerin von fast allen akzeptiert -auch wenn sie es lieber nicht sein wollte- und die Kriminalität ging zurück. Viele fürchteten in die provisorisch aufgebauten Arena zu landen, die in der Haupthalle der Minen errichtet wurde. Andere ließen sich dennoch nicht davon abhalten, andere aufgrund ihrer früheren Zugehörigkeit zu schikanieren.
Octavia missbilligte jegliche Form der Trennung der Menschen. Immerhin waren sie keine einzelnen Clans, Landsleute und Gruppierungen mehr. Sie waren alle ein Volk. Ein Gonodwaith!
Um das zu verstärken sorgte sie dafür, dass die Menschen in gemischten Gruppen für den Kampf trainierten. Einige machten dies ohnehin schon aus Angst unvorbereitet in die Arena zu landen.
Inzwischen hatte sich Octavia an ihre Anführerrolle gewöhnt. Zu ihrem Glück hatte sie stets den Rat von Indro, Galador und Phelan an ihrer Seite. Alle drei Männer versuchten ihr den richtigen Weg aufzuzeigen, wenn sie nicht weiter wusste.
Andere Hilfe holte sie sich aus dem Buch, welches ihr Vater geschrieben hatte. Durch seine vielen  Erfahrungen und seine Worte schöpfte sie -in gewisser Weise- Inspiration und Kraft, um die schweren Zeiten durchzustehen. Auch wenn sie es natürlich nicht zugeben wollte, fühlte sie sich endlich verstanden. Egal in welcher Hinsicht. Ob es mit ihren schlechten Gedanken war, ihrer inneren Kräfte oder in ihrer Position als Anführerin.
Besonders in letzter Zeit, als sie mehr und mehr von ihren Albträumen heimgesucht, suchte sie Antworten in diesem Buch, die sie dort -so dachte sie zumindest- auch fand. Natürlich war es düster geschrieben und beschrieb finstere Welten. Aber ihr gefiel es mittlerweile.
Dennoch bekam sie wenig Schlaf. Immer wieder wurde sie von ihren Albträumen heimgesucht. Immer wieder war es diese Schattengestalt, die versuchte sie zu töten oder sie in die Dunkelheit zog.
Wenn sie alleine in ihrem Zimmer war, hatte sie sogar manchmal das Gefühl eine dunkle Stimme zu hören, die ihr zuflüsterte. Mal waren es undeutliche Worte einer ihr unbekannten Sprache, und Aufforderungen mit ihren Kräften irgendwelche Menschen zu töten, die um sie herum waren. Oft genug ging es gegen Phelan.
Das ist nur der Schlafmangel!, redete sie sich immer gut zu, in der Hoffnung dass es irgendwann aufhörte. Verrückt werden wie Kiana wollte sie nicht. Es reichte ja schon das gleiche Blut mit ihr zu teilen und ihre Halbschwester zu sein.

Da das Essen dennoch immer knapper wurde und zu allen Problemen auch noch die unterirdischen Farmen von einer Krankheit befallen waren, traf sich Octavia mit Phelan, Galador und Indro. Auch Tardon war dabei. Es galt so schnell wie möglich eine Lösung zu finden. Ohne Nahrung waren sie alle verloren.
"Alle Pflanzen sind unbrauchbar… Unsere Hauptversorgungsquelle ist damit versiegt… ", fing Phelan an über das Problem aufzuklären.
"Was ist mit unseren Vorräten? Wie lange werden die reichen?", wollte Octavia wissen.
"Die Vorräte sind schon so gut wie aufgebraucht… Wenn wir keinen Weg hier heraus finden, dann werden wir alle verhungern…", entgegnete Phelan rasch.
Für Octavia war das die reinste Katastrophe. Wenn jemand rebellierte, konnte sie diese Menschen bekämpfen. Ihre inneren Kräfte halfen ihr dabei. Doch wie sollte sie den Hunger oder gar den Tod besiegen? Damit konnte sie allerdings schlecht Essen zaubern. Selbst zu Hungersnöten stand nichts sinnvolles im Buch von Thurion.
...Wir marschierten an den Ered-Lithui vorbei, die im allgemeinen Volksmund auch Asche-Berge genannt wurden, und alle Männer erlitten Hunger. Erschöpft von der Anstrengung und den knurrenden Mägen starb der eine nach dem anderen…, erinnerte sie sich in ihren Gedanken an die Worte ihres Vaters aus dem Buch.
Sie seufzte laut, denn das war nicht das was sie sich ihrem Volk wünschte. Jeder einzelne Verlust war einer zu viel. Sie alle vertrauten darauf, dass Octavia sie durch diese schweren Zeiten führte. Somit musste sie eine Lösung finden. Niemand anderes konnte das. Die junge Frau ließ sich auf einen Stuhl fallen.
"Irgendwelche Ideen?", fragte Octavia verzweifelt in die Runde.
Von niemanden kam eine Antwort. Wahrscheinlich waren alle genauso ratlos wie sie selbst. Denn alle sahen in alle Richtungen im Raum. Außer Galador. Der Mann mit mit den zurückgekämmten dunklen -leicht gräulichen-  Haaren, rieb sich nachdenklich das bärtige Kinn. Octavia sah immer mal wieder zu ihm, doch er sagte nichts.
"Ich wüsste eine Idee… Die aber wahrscheinlich abstoßend wirkt…", fing Galador dann doch  an. Octavia sah neugierig zu ihm.
"Wir haben theoretisch noch eine Nahrungsquelle…", sagte er weiter.
"Dann komm zum Punkt Galador!", drängte Indro.
"Nun ja… Es wird zu Aufständen kommen… Garantiert! Die Toten der Arenakämpfe… Sie brauchen ihr Fleisch nicht mehr…", sagte Galador vorsichtig.
Octavia hatte das Gefühl, als würde sich ihr Magen umdrehen. Sie konnte sich fast denken worauf er hinaus wollte. Das war natürlich nicht das, was sie hören wollte. Einen Menschen zu essen kam ihr noch nie in dem Sinn und bei diesem Gedanken wurde ihr schlecht. Sie konnte sich auch nicht vorstellen, dass irgendjemand das tun würde. Es wäre unmenschlich.
"Das können wir nicht machen… Das geht einfach nicht!", warf Phelan sofort dazwischen, der scheinbar auch direkt wusste was er meinte. Somit wusste die junge Maia, dass sie auch richtig lag.
"Ich weiß das… Aber wir haben keine andere Möglichkeit, wenn wir überleben wollen…", entgegnete Galador trübsinnig.
Auch wenn Octavia den Vorschlag mehr als abstoßend fand, verstand sie Galador. Es war die einzige Möglichkeit eine Chance zu haben.
"Das ist Grausam und unmenschlich … Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass einer von Gonodwaith das machen würde…", sagte Phelan weiter.
"Aber Galador hat recht…. Mir gefällt es auch nicht, aber sonst verhungern wir alle…", sagte Indro unerwartet.
"Octavia, du kannst das doch nicht gutheißen…", wandte sich Phelan Belatan an sie. Die junge Frau erwiderte nur seinen erwartungsvollen Blick, der sich eher in Verzweiflung verwandelte, wusste aber nicht was sie dazu sagen sollte.
"Wir haben schon einmal sehr viele Menschen sterben sehen… Ob damals bei der Zerstörung von Minas-Tirith, oder auch hier in Arnor… Ich denke nicht, dass irgendjemand von uns das noch einmal erleben möchte!", redere Galador allen in das Gewissen.
Octavia war sich sicher, dass  er vor allem sie meinte. Natürlich wollte sie so etwas nicht wieder erleben.
"Galador hat recht…", sagte sie schließlich, wenn auch nicht begeistert. "...So absurd es auch klingen mag, aber wenn wir diese Möglichkeit nicht in Erwägung ziehen, sterben wir alle!".
Phelan wollte etwas sagen, zog aber selbst seine Worte zurück und stürmte aus dem Raum. Octavia sah ihn noch eine Weile hinter her, wandte sich dann an die anderen.
"Er wird sich damit abfinden!", sprach Galador ihr zu und berührte sie an der Schulter. Sie seufzte nur und nickte ihm vorsichtig zu. Die junge Frau hoffte die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Es dauerte auch nicht mehr lange, da waren alle Menschen von Gonodwaith im alten Thronsaal der Ered-Luin versammelt. Sie alle saßen an Gruppentischen zusammen und hatten einen Teller mit einem Stück Fleisch darauf. Als Beilage diente ein Stück von einem Gemüse, welches sich noch gehalten hatte und ein Schluck einer einfachen Suppe.
Octavia saß mit ihrem engsten Kreis an einem Tisch: Indro, Tardon, Phelan und Galador. Auch Gwendolin, die Frau die Octavia Anfangs verleugnete, war bei ihr. Nachdem die ehemalige Fürstin mit einigen anderen Daskina-Rebellen versuchte die Farmen und Lager zu kapern und dadurch selbst in der Arena landete und sogar gewann, war sie auf Octavias Seite. Gwendolin sah Octavia inzwischen selbst als die richtige Anführerin.
“Wir alle kennen die Situation…”, fing Octavia an, nachdem sie sich erhoben hatte. “Das was wir hier nun tun, machen wir um zu überleben!”.
Alle saßen dort mit gesenkten Köpfen. Starrten den Teller in gewisser Weise angewidert an. Die junge Maia musste den Menschen, ihrem Volk, klar machen, dass es keine andere Möglichkeit gibt zu überleben und daran nicht verwerfliches war.
“Vielleicht denken einige von euch, dass dies eine Sünde ist… Die einzige Sünde ist zu verhungern… Denn wir sind die letzten Menschen Arnors, die noch lebendig sind…”, sagte sie weiter.
Octavia sah selbst das Stück fleisch, welches sie in den Händen hielt, angewidert an. Sie wollte sich allerdings nichts anmerken lassen. Immerhin musste sie mit gutem Beispiel vorangehen.
Wieder ertönte die Stimme in ihrem Kopf. Sie war sehr tief und sprach wieder in der Sprache die sie nicht verstehen konnte.
Octavia… Sernereth…, flüsterte die Stimme in ihrem Kopf. So gut sie konnte versuchte sie sich nicht darauf zu konzentrieren.
Als Octavia ein Stück davon abbiss, hatte sie das Gefühl ihr ganzer Magen drehte sich um. Ihr wurde schlecht. Das Gefühl, als wollte alles aus ihrem Körper hinaus. Ein Gefühl als hätte sie Gift zu sich genommen. Sie wollte sich einfach nur übergeben. Sie hatte es sich definitiv nicht so schlimm vorgestellt.
“Die Suppe wird es einfacher machen es herunter zu schlucken…”, sagte Gwyneth, die ehemalige Fürstin aus Arnor und versuchte ihr damit zu helfen. Daraufhin nahm Octavia sich ihre Schüssel und spülte die Stücke Fleisch in ihrem Mund hinunter. Besser machte es das nicht. Es war zäh und schmeckte überhaupt nicht. Der Gedanke dass es sich um menschliches Fleisch handelte, machte es nur schwere. Octavia setzte sich wieder hin. Erschöpft.
“Ich weiß nicht ob ich das kann…”, sagte Tardon plötzlich, sodass nur die Anwesenden am Tisch davon hörten. “Ich sehe ihre Gesichter vor mir wie sie in der Arena stehen…”
“Sie sind gestorben, damit wir leben können…”, versuchte Indro ihn zu beruhigen. “Lass sie nicht umsonst gestorben sein…”.
Octavia schnappte die Worte auf. Sie kamen ihr sehr bekannt vor. Sie hatte sie schon einmal gehört. Zumindest gelesen. In Thurions Buch.
...Viele der tapferen Männer starben… Wir wussten noch immer nicht wohin… Den Südwesten oder Nordwesten?Alle zu stolz. Da wurden wir verachtet . Und die Menschen, Elben und Zwerge des Nordostens sind alle zu gierig. Interessieren sich nur für ihre eigenen Belange… Uns blieb nur das weite Rhûn. Die Pferde sind schon lange tot… Um zu überleben blieb es nie noch übrig die Toten zu essen… Durch ihr Opfer leben wir anderen… Es nicht zu tun und das Opfer umsonst erscheinen zu lassen wäre schlimmer…, erinnerte sich Octavia an eine Passage aus Thurions Buch.
Zu ihrem Glück fingen viele an das Fleisch zu essen. Wenn auch schwerfällig. Aber konnte man das jemanden verübeln. Galador und Tardon aßen ebenfalls. Phelan saß nur davor und starrte angewidert auf den Teller.
Plötzlich erhob er sich und sah in die Halle, zu all den Menschen die vor ihren Tellern saßen.
“Wir alle müssen diese Entscheidung machen… Jeder für sich selbst…”, rief er und sah dabei zu Octavia.
Sie fühlte sich von ihm provozier, schon fast angegriffen.
“Wir haben keine andere Wahl! Wenn du das nicht isst wirst du schnell verhungern!”, versuchte  Galador ihn zum Sitzen zu bringgen.
“Du weißt Galador, es gibt immer die Wahl… Du hattest sie auch, als du dich damals für Kianas Seite entschieden hattest!“, nach diesen Worten verließ er den Saal mit schnellen Schritten. Es dauerte nicht lange und viele folgten ihm.
Octavia sah den Menschen verzweifelt zu. Sie hoffte die richtigen Worte um zmsie zum Bleiben zu bringen. Ihr fiel aber nichts ein was sie hätte sagen können. Ihr gefiel das ganz und gar nicht, dass sie Pheland folgten. Die junge Maia versuchte alle zu retten und er trieb sie in den Hungertod. Er hinterfragte ihre Entscheidungen. Wieder einmal.
Phelan… Er will deinen Platz…, sprach die tiefe Stimme wieder in ihrem Kopfe. Darauf folgten nur noch die ihr unbekannte Sprache. Hatte sie recht ? War es vielleicht nur ihr Instinkt, der sie vor schlimmeren retten wollte? Nein das kann nicht sein. Hör auf zu spinnen, Octavia!, sagte sie sich selbst.

Octavia in ihr Zimmer gegangen. Sie wollte einfach Ruhe. Die ganze Situation -und dazu der Schlafmangel- setzte ihr stark zu. Sie legte sich auf ihr Bett und versuchte sich auszuruhen. Ihr Kopf dröhnte vor Schmerzen, sodass sie die Augen schloss. Wenigstens für einen Moment. Ein Geräusch, ähnlich eines Pulsschlages weckte ihre Aufmerksamkeit. Sie erhob ihren Kopf und versuchte herauszufinden woher dieses Geräusch kam. Es schien aus der Ecke zu kommen, in der auch das Schwert lehnte, welches sie von Thirak bekam und das davor im Besitz von Thurion, ihrem Vater, war. Ihr fiel auf, dass es starkem Violett leuchtete. Sonst leuchtete es in ihrer Nähe nur schwach. Das letzte mal dass es so hell war, war als sie ihre Kräfte benutzte.
Bevor sie sich aber weiter darüber Gedanken machen konnte, klopfte es an der Tür und Octavia seufzte stöhnend. "Ja? Was gibt es?", rief sie nur äußerst genervt.
Galador trat alleine in ihr Zimmer. Die junge Frau rollte nur mit den Augen und setzte sich auf.
"Du weißt warum ich hier bin?", fragte er vorsichtig nach. Sie legte den Kopf fragend schief und wartete bis er fortfuhr.
"Ich weiß, ich bin wahrscheinlich nicht der beste Berater, wenn man daran denkt wohin das mit deiner Halbschwester Kiana geführt hat…", fing er an zu erzählen und hatte dabei etwas entschuldigendes in seiner Stimme.
"Nenn sie nicht so…", unterbrach ihn Octavia sofort und sprang vom Bett auf. Es war schlimm genug dass es eine Tatsache war, dass Kiana ihre Schwester war. Daran ständig erinnert werden wollte sie aber nicht.
"Vielleicht habe ich mir zu viel zugetraut, als ich dachte ich könnte eine Maia zähmen… Vielleicht trifft das auch auf dich zu… Aber ich denke ich kann an deinen Verstand und dein Herz appellieren, wenn ich sage dass wir nicht alle sterben lassen können… Manche wollen nicht so recht… Manche muss man zu ihrem Glück zwingen…".
“Keine Chance…”, entgegnete die junge Frau direkt.  “...Wenn sie hungrig genug sind, werden sie schon essen...”.
“Hör mir zu, Niemand will das tun… Aber wir können sie nicht verhungern lassen… Und wenn sie verhungern, werden sie nicht einmal genug Fleisch an den knochen haben…”, antwortete er.
“Genug, ich will das nicht hören!”.
“Dz musst das hören!”, mahnte Galador bestimmend. “Denk an alle, die bisher gestorben sind… Deine Familie in Minas-Tirith… Es wird niemals eine Möglichkeit geben sie zu rächen, wenn wir alle tot sind… Und wieder werden unschuldige Menschen sterben, nur weil einige meinen sich erheben zu können!”.
“Was willst du dass ich mache? Es zu einem Verbrechen machen, kein Kannibale zu sein?”, fragte sie entsetzt und konnte nicht glauben was er da von sich gab. Galador nickte ihr nur zu. Die junge Maia konnte ihren Ohren nicht trauen. Verlangte er dies etwa ernsthaft von ihr?
Sie ließ sich seufzend auf einen Stuhl fallen und stützt ihren Kopf mit ihren Händen am Tisch.
“Wir müssen die anderen auch als Vorrat sehen…”.
“Vorrat?”, wiederholte sie das Wort und verlor dabei die Fassung. “Das ist mein Volk über das du so sprichst!”.
“Es ist auch meins…”, entgegnete er schnell. “Phelan ist der Schlüssel… Wenn er überzeugt ist, werden die anderen folgen!”.
Sie schüttelte nur erschüttert den Kopf. Das waren harte Worte. Harte Forderungen. Aber wie sollte sie das anstellen?
"Wie stellst du dir das vor?", wollte sie von ihm wissen.
"Ich bin mir sicher, dass du einen Weg finden wirst! Das hast du bis jetzt immer!", antwortete er nur und verließ so plötzlich wie er gekommen war, auch wieder den Raum.
Die junge Frau presste die Luft zwischen ihren Lippen hervor und setzte sich erst einmal wieder hin. Vorsichtig blätterte sie im Buch. Sah die Texte durch, die Notizen am Rand und die Skizzen. Nichts fiel ihr in das Auge, was ihr weiterhelfen konnte.
Sie schob das Buch weiter von sich weg und starrte enttäuscht darauf.
...Disziplin und die Autorität sind der Schlüssel dafür, das Volk folgsam zu machen. Wer den Gesetzen oder Befehlen nicht folgt, muss hart bestraft werden damit die Folgschaft in jeder Lage -ob gut oder schlecht- gewährleistet wird…, las sie gerade in ihren Gedanken die Stelle in dem schwarzen Buch.

Am nächsten Tag waren wieder alle beim Essen zusammen. Wieder war es die gleiche Situation. Auf dem Tisch lag das Fleisch der Gefallenen auf dem Tellern. Daneben die abgekochte Suppe. Auch Phelan Belatan war wieder da. Es war nicht zu übersehen, dass er eine Abwehrhaltung mit verschränkten Armen einnahm.
“Warum tragen die Wachen plötzlich Waffen?”, fragte er Octavia leise. Sie antwortete nicht -sie war ihm ja als Anführerin keine Rechenschaft schuldig- sondern erhob sich.
“Wir ehren all diejenigen, die gestorben sind, damit wir leben können… Ich würde ebrnfalls alles von mir für euch geben… Ihr wisst das… Und so haben sie es getan!”.”, sagte sie, klang dabei fast schon prädigend, und aß das Fleisch auf ihren Teller auf. Sie schlang es so schnell sie konnte hinunter.
Schnell wurde ihr bewusst, dass sich einige dagegen wehrten und nur auf ihre Teller starrten. Die junge Frau zögerte nicht lange, erhob sich von ihrem platz und ging auf einen der Tische der Essensverweigerer zu.
“Isst!”, forderte sie die Gruppe auf.
“Tut mir leid… Ich kann nicht…”, sagte ein Mann.
“Ich glaube ich war nicht klar genug… Das ist keine Wahl!”, sagte sie noch relativ leise. Dabei dachte sie an Galadors Worte es zu erzwingen.
“Und ob es eine ist… Eine der Frauen in der Arena gestern war meine Schwester…”, dabei wirkte er überzeugt und getroffen.
Das war natürlich eine andere Sache. Octavia wusste es. Würde sie den Körper Kaels essen? Sie wusste es nicht. Trotzdem musste sie alle davon überzeugen zu essen. Sie kniete sich zu ihm hin. “Und sie gab ihr Leben, damit DU leben kannst! Damit wir alle leben können!”, versuchte sie ihm einzureden. Sie erhob sich wieder und nahm das Stück Fleisch in die Hände. “Alles von ihr, für jeden von uns!”.
Indro wiederholte die Worte die Octavia sprach. Erst dadurch wurde ihr bewusst, dass der Krieger ihr gefolgt war.
“Ich meine das nicht respektlos, aber ich sterbe dann lieber mit meiner Schwester als das zu tun…”, sagte er nur hilflos.
Octavia musste etwas tun. Wieder kamen ihr die Worte Thurions in dem Sinn, in denen er von Disziplin und Autorität sprach. Sie ging schnell zu einem der Wächter und nahm ihm die Armbrust aus der Hand. Es war eine der automatischen Armbrüste, die zehn Schüsse hintereinander abgeben konnten, ohne nachgeladen zu werden, die sie von Kianas Armeen erbeutet hatten.1
“Octavia! Was hast du vor?”, rief Phelan. Dabei hatte er wieder diese väterliche Tonlage, die sie so sehr hasste. Die junge Maia ignorierte ihn einfach.
“Du bist Gonodwaith, oder du bist ein Feind von Gonodwaith… Entscheide!”, sprach sie plötzlich bestimmend und richtete die Armbrust auf den Mann.
“Octava bitte… Nimm die Armbrust runter!”, versuchte Phelan sie aufzufordern und klang dabei noch erbost.
Der Mann, der vor Octavia saß, wollte sich nur erheben um wegzugehen, dann drückte die junge Frau ab und schoss ihm einen Bolzen in die Brust. Ein ängstliches Raunen ging durch die Halle. Octavia selbst wollte das nicht tun. Doch sie musste es, damit alle überleben konnten. Er wollte  nicht gehorchen
Sie ging zu der nächsten Frau an dem Tisch und hielt die Armbrust auf sie. Die Tränen benässten ihre Augen. Eigentlich wollte sie das nicht tun. Es waren ihr Volk, ihre Verantwortung.  Sie hatte sich geschworen jeden einzelnen zu beschützen. Nun tötete sie diese.
Ich muss das tun, um alle zu beschützen!, verteidigte die junge Maia ihre Tat vor sich selbst.
“Octavia bitte… Das bist nicht du!”, rief Phelan weiter.
“Du isst  oder stirbst!”, forderte sie die Frau auf.
Die Frau winselte nur, dass sie aufhören sollte. “Nimm nur einen Bissen!”, presste Octavia hervor. “Tu es!”. Als die Frau nur den Kopf schüttelte drückte sie wieder ab und der Bolzen flog in die Brust der Frau. Der nächste Mann erhob sich und wollte schon vorher aus dem Saal fliehen. Sofort richtete Octavia ihre Waffe auf den Mann. “Du isst, oder stirbst!”, befahl sie wieder. Ihre Stimme wirkte zittrig und versuchte es nur durch das Aufeinanderbeißen der Zähne zu unterdrücken.
“Octavia… Bitte…”, flehte Phelan inzwischen schon.
Als der Mann sich weigerte, erschoss sie auch ihn. Sie ging weiter an dem Tisch rum und hielt die Armbrust dem nächsten entgegen. “Iss oder stirb!”, befahl sie wieder.
“Genug! Genug! Er isst!”, sagte eine Frau die neben ihm  saß.
“Octavia… Es ist genug… Es ist genug!”, schrie Phelan und gestikulierte mit seinen Armen. “Ich werde essen!”.
Als sie sah, wie er ein Stück Fleisch vom Teller nahm und aß, war sie innerlich zufrieden. Auch wenn die ganze Situation alles andere als leicht war. Sie hatte es geschafft  Phelan und die anderen zu überzeugenen. Alle aßen nun ihr Essen. Wenn auch nur aus Angst. Aber es half, damit alle überleben konnten.
Octavia hatte das Gefühl am ganzen Körper zu zittern. Sie ließ sich von Indro zu ihrem Platz begleiten und setzt sich. Sie durfte jetzt nicht die Fassung verlieren. Sie musste stark sein.
Ich bin die Anführerin… Ich werde mein Volk durchbringen… Wenn Blutvergießen zum überleben verhilft dann sei es so… Dann bin ich die Sernereth: Die Blutkönigin!
Auch wenn ihr nicht klar war, woher das Wissen über die Bedeutung des Wortes kam, war es plötzlich da.

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Sernereth Part 3: Dunkle Gedanken, neue Erkenntnisse
« Antwort #3 am: 1. Jun 2021, 22:32 »
Sernereth Part 3:  Dunkle Gedanken, neue Erkenntnisse

Minen der Ered-Luin

Octavia in den Minen der Ered-Luin


Octavia veränderte ihre Einstellung in den folgenden Tagen vollständig. Sie wusste, dass es wenig Überlebenschancen gab. Die Vorräte neigten sich weiter dem Ende zu und die Nahrung konnte nur noch über die toten Menschen in der Arena erfolgen. So absurd das auch war, eine andere Möglichkeit gab es nicht. Viele hielten sich aus Furcht vor Konsequenzen, die in der Regel den Tod bedeuteten, daran Menschenfleisch zu essen, welches ihnen vorgesetzt wurde. Die wenigen die sich widersetzten landeten selbst in der Arena.
Nachdem diese tot waren, wurde es zum allgemeinen Gesetz, dass alle sich der Arena stellen mussten um um das eigene Leben zu kämpfen. Natürlich gefiel Octavia das ganze selber nicht, aber sie führte ihr Volk dadurch durch die schwere Zeit. Die junge Frau machte somit aus allen Menschen Kriegern, damit sie an etwas glauben konnten und nicht hilflos in der Arena landeten.
Zu Anfang haderte Octavia noch sehr mit sich selbst. Sie aber musste stark bleiben. Ihr Volk, ganz Gonodwaith, glaubte an sie. Als Stärkung dachte sie stets an die Worte ihres Vaters, der immer wieder in seinem Buch davon sprach, dass jedes Zeichen an Schwäche eine Gefahr für das eigenen Überlebens war und nur der Starke führen und überleben konnte. Um ihre Stärke und Autorität zum Ausdruck zu bringen, benutzte sie die Wirkung der Furcht, so wie Thurion davon sprach.
...Fürchten sie dich, respektieren sie dich. Ganz gleich aus welchem Stand oder welchem Reich. Furcht ist eine mächtige Waffe, die richtig eingesetzt ein ganzes Königreich zur Gefolgsamkeit bewegt. Nachdem ich meine Kräfte wiedererlangte und Mordor zur Unabhängigkeit verhalf, war es genau die Methode wie ich das zerstrittene Angmar vereinen konnte…, erinnerte sie sich stets an die geschrieben Worte ihres Vaters. Gleichzeitig dachte sie auch an Galador, der noch zu ihr sagte, dass das Blut der Feinde ihre eigene Rüstung war. So ganz Unrecht hatte er damit nicht. Das Blut verhinderte Aufstände und die Furcht erfüllte so den Zweck, dem es diente: Menschen hatten Angst vor den Konsequenzen.
Das war auch der Grund warum sie sich von nun an Sernereth -die Blutkönigin oder auch die Rote Königin- nannte. Für ihr Volk übernahm sie sogar das Banner Thurions: Einen roten Wolfskopf auf schwarzem Grund.  Für sich selbst änderte sie es aber ab: Octavia entschied sich dazu einen schwarzen Wolfskopf auf rotem Grund zu wählen. Das zeigte nur mehr, das rot des Blutes.
Ihre Kleidung änderte sie auch. Vorher trug sie nur stets ihre schwarze Hosen, ihr schwarzes ärmelloses Oberteil und ihre schwarzen Stiefel.
Nun trug sie darüber ein verkürztes, eng anliegende Kettenhemd, was ihr bis kurz unter den Bauch reichte, diverse Schnallen und Gürtel und sie war von einem roten seidigen Mantel eingehüllt, der in den Minen gefunden wurde. An den Unterarmen hatte sie meist Armschienen und auf den Schultern Schützer aus Leder.
Eine Krone trug die junge Maia nicht. Wozu auch! Die rote Farbe auf ihrer Stirn war ihre Krone, was zumeist Blut derer war, die in der Arena starben. Oder aber auch ihr eigenes, wenn sie sich selbst die Arme aufschnitt. Immer wenn sie sich einsam fühlte oder die Dunkelheit sie übermannte, schnitt sie sich die Unterarme auf, um den Schmerz zu unterdrücken, der ihre Seele heimsuchte. Oft waren es auch Gedanken an Deloth oder wenn die dunkle Stimme in ihrem Kopf keine Ruhe gab. Sie versteckte die Wunden dann immer unter den Armschienen. Zu ihrem Glück verschwanden die Narben aber wieder schnell. Vermutlich lag das an ihrem Maiablut, welches sie in sich trug und zu einem schnelleren Heilungsprozess führte.

Niemand war davor gefeit in der Arena zu landen. Selbst Phelan Belatan nicht, der von den Wachen in das Verließ gebracht worden war. Er wurde beschuldigt, dass er Medizin stehlen wollte. Octavia war es bewusst, dass er nur jemanden schützen wollte. Zumindest konnte sie es sich denken, nachdem er mit einer Frau -namens Valarya- anbändelte, die immer versuchte die Kranken und verletzten zu heilen. Allerdings ging das nicht immer. Auch die medizinischen Vorräte waren begrenzt und sollten nur für jene verwendet werden, für die die Heilungschancen hoch waren, damit nichts verschwendet wurde. Deshalb kam es oft zu Streitereien zwischen Octavia und Valarya.
Dennoch beharrte Phelan darauf, dass er der Dieb war. Somit würde auch er in der Arena landen.
Octavia saß auf ihrem Thron und hatte damit eine gute Lage auf einer Anhöhe auf den Arenaplatz. An ihrer Seite standen Gwyneth und Tardon. Beide unterstützten Octavia in jeglicher Hinsicht. Sie waren davon überzeugt, dass Octavia die richtigen Entscheidungen traf und die geeignete Anführerin war. Indro wurde zu ihrem Hauptmann der Soldaten benannt. Wofür das auch immer gut war in diesen Zeiten. Sollte sich jemand gegen sie auflehnen wollen, musste er sich also gegen die Kampftruppe von Gonodwaith stellen. Sie sollten auch die Grundlage für den Kampf gegen Kiana sein, sobald sie jemals wieder aus der Mine gelangen sollten. Galador versuchte am Anfang weiter Einfluss auf die junge Maia auszuüben. Anfänglich ermutigte er sie noch zu all diesen Taten. Nur so konnten sie überleben. Das sagte er ihr zumindest immer wieder. Doch Octavia zog sich immer mehr von ihm zurück und traf selbstständig die Entscheidungen. So wie es sich für eine starke Anführerin gebührte. Oft lag das aber auch an die innere Stimme in ihrem Kopf, die Octavia bestärkte dass sie alles richtig machte. Das führte auch dazu, dass er sich immer weiter zurückgezogen hatte.

Octavia beobachtete gerade wie Phelan Belatan in die Arena geführt wurde und er sich umsah. Ihr fiel sofort der angstvolle Blick auf, den er ihr zu ihrem erhöhten Platz zu warf. Sie kümmerte sich allerdings nicht weiter darum. Warum auch? Er begann Verbrechen gegen Gonodwaith, indem er Medizin gestohlen hatte, oder zumindest den wahren Dieb deckte. Mitleid machte sie nur schwach und ihr Volk würde denken, dass sie machen konnten was sie wollen, wenn keine Konsequenzen drohten.
Gwyneth sprach wie vor jedem Kampf die Worte, die sich in dieser schweren Zeit durchsetzten, um an die Opfer zu Gedenken, die erbracht werden mussten: “Mein ganzes sein, für uns alle!”. Danach war es üblich für einen Moment zu schweigen, bis die Kämpfer dann in die Arena geführt wurden.
Sie sah dabei zu, wie Phelan und drei weitere Männer gegeneinander kämpften.
Während sie ihnen dabei zu sah, wünschte sie sich tief in ihrem inneren natürlich dass Phelan überlebte und am besten einfach die Wahrheit sagte. Auf der anderen Seite war auch er nicht mit besonderen Privilegien ausgestattet. Alle Menschen von Gonodwaith waren gleich. Wenn sie ihn verschonte, war sie nicht besser als all die Könige und Fürsten dort draußen.
Phelan kämpfte gegen den letzten Überlebenden und wurde gerade zu Boden gebracht, als er dann doch wieder auf die Füße kam und den Mann überwältigte. Immer wieder jubelte die Menge, wenn es zu einem Treffer mit einer Waffe oder den bloßen Fäusten kam. Er schaffte es ihn zu entwaffnen, sodass der Mann auf den Knien vor ihm war. Dann schlug Phelan mit dem Streitkolben mehrere Male auf den Mann ein.
Octavia sah dabei nur trocken zu, ohne eine Miene zu verziehen.
"Phelan Belatan! Du hast Verbrechen gegen Gonodwaith begangen und hast Lebensspendende Medizin gestohlen. Aber du aber als einziger überlebt…”, sagte Gwyneth, die rechts neben ihr stand. Octavia konnte sich das Schnauben nicht verkneifen.
Na los, sag die Wahrheit, wünschte sie sich in ihren Gedanken. Doch er sagte nichts. 
“Hat er das Leben verdient, Sernereth?", sprach sie Octavia direkt an.
Die junge Maia beobachtete Phelan genau, der außer Atem war und zu ihr aufsah. Auf der einen Seite hätte sie gerne ja gesagt. Aber sie wusste, dass jemand anders die Heilmittel gestohlen hatte und er die Person deckte. Wer wusste schon, was noch passierte und wen er noch decken würde, wenn er schon bei Diebstahl schon nicht mit der Wahrheit herausrücken.
"Nein…", sagte sie nur ernst, erhob sich dann von ihrem Platz. “...Er kämpft morgen noch einmal!”.
Phelan sah alles andere als begeistert aus, sagte aber auch nichts, als er von den Wachen wieder zurück in seine Zelle geführt wurde. Dann machte sie sich auf dem Weg in ihre Gemächer. Tardon und Gwyneth folgten ihr.

Octavia ging die langen steinernen Korridore der Minen entlang. Dort erblickte sie schon Galador. Er schien wohl schon auf diesem Gang auf sie gewartet zu haben. Er hatte wie immer diesen trübseligen Ausdruck in seinem Gesicht. Die junge Frau rollte nur mit den Augen. Sie konnte sich schon fast denken was folgte.
"Können wir kurz sprechen?", fing er zunächst an. Octavia blieb daraufhin stehen und wartete auf seine Worte und er sprach.
"Alleine…", ergänzte er noch und deutete dabei auf Gwyneth und Tardon, die Octavia folgten. Sie seufzte nur laut und schickte die beiden schon einmal vor, die dann zögerlich voran gingen.
"Ich kann das verstehen… Du versuchst Menschen zu beschützen… Jedes Mittel ist dir recht um das wohl der Allgemeinheit zu bewahren… Das ist vorbildlich! Auch Kiana wollte alle Menschen beschützen, glaubte fest daran, dass ihre Methoden die einzig richtigen seien…", erzählte er direkt.
Octavia sah ihn finster an. Mit Kiana verglichen zu werden war das letzte was sie jetzt hören wollte. Dennoch wusste sie nicht ganz, worauf er hinaus wollte.
"Musst du jetzt damit anfangen?", versuchte sie ihn abzuwimmeln.
"Ja, ich habe nämlich fest an Kiana geglaubt. Fest daran geglaubt, dass sie die Welt zu einem besseren Ort macht… Nachdem sie Minas-Tirith zerstörte, war meine ganze Welt zerstört worden… Ich habe selbst meinen Freund verraten, weil ich an sie glaubte…. Ich konnte lange an niemanden mehr glauben… und dann kamst du in mein Leben, hast mich aus dieser elenden Taverne gezogen…", sagte Galador weiter. Octavia schwieg nur. Sie erinnerte sich an ihre erste Begegnung in der Taverne. Für sie war das alles andere als eine schöne Erfahrung. Sie hatte auch nicht den Eindruck gewonnen, dass das Galador so geprägt hatte. Immerhin zwang sie ihn aus der Taverne und entführte ihn fast.
"...Ich glaube an dich Octavia! Ich glaube daran, dass du deine Macht, dein Blut und deine Stärke dafür einsetzt um das richtige zu tun! Lass mich nicht falsch liegen… Du darfst keine unschuldigen Menschen in die Arena schicken! Sei nicht wie Kiana und töte alle um dich herum!".
Octavia wusste genau, dass er auf Phelan anspielte. Was sollte sie tun? Er nahm die Schuld auf sich und behauptete dass er die Heilmittel gestohlen hatte. Sie konnte ihn dafür wohl kaum verschonen. Das würde ihre ganze Glaubwürdigkeit zu Nichte machen.
"Jeder der gegen die Gesetze von Gonodwaith verstößt muss kämpfen!", erwiderte sie nur trocken. "Für deine Worte solltest du aufpassen nicht selbst in die Arena zu landen!".
Sie sollte gerade einfach weiter in ihre Gemächer gehen.
"Octavia, Gerechtigkeit und Rache sind nicht die gleichen Dinge… Tief in dir weißt du dass es falsch ist und Phelan die Heilmittel nicht gestohlen hat… Du bist nicht wie Kiana… Ich weiß es!", rief er ihr noch nach.  Das brachte sie zum stehen. Abermals seufzte die junge Frau.
“Für Kiana waren all die alten Fürsten die Bedrohung, bis sie selbst zur Bedrohung ihres eigenen Volkes wurde… Und wer ist jetzt die größte Bedrohung für das Volk… Für dein Volk?”, sagte er in einem recht bestimmenden Ton. Octavia überlegte nicht lange. Die größte Bedrohung für ihr Volk war ganz sicher der Tod, der durch den Hunger drohte. Durch ihn selbst und die Aufstände, die dieser auslösen könnte. In gewisser Weise bestätigten diese Worte sie in ihrem Handeln. Trotzdem behielt sie auch die Worte über Phelan in ihrem Kopf. Dann entschied sie nicht direkt in die Gemächer zu gehen, sondern in die Kerker, um ein weiteres Mal mit Phelan zu sprechen und auf die Wahrheit zu erfahren.

Vorsichtig betrat sie die Zelle, in der Phelan Belatan auf einer Bank saß. Indro begleitete sie noch dorthin, auf den sie kurz vorher traf. Allerdings blieb er vor der Zelle stehen. Phelan sah nachdenklich aus und starrte auf den Boden. Als er Octavia bemerkte, wandte er sich rasch zu ihr.
"Du hättest als freier Mann aus der Arena gehen können… Die Menschen waren auf deiner Seite, doch du hattest Schwäche gezeigt und sie damit verloren… Du hättest einfach sagen sollen wer es war...", sagte sie und ging dabei auf den Mann zu. Die junge Maia setzte sich neben ihn auf die Bank. Sie saß auf  ihren Händen und sah unschuldig zu Phelan auf, der größer als sie war. Auch sitzend. Irgendwie erinnerte sie die ganze Situation an die früheren Zeiten, als er als Anführer der Daskina-Rebellen Octavia für ihre Streiche abmahnte und ihr Bruder Kael stets versuchte die Schuld auf sich zu nehmen, damit sie keinen Ärger bekam. Es endete aber immer in einer Umarmung von Phelan, der ihr nie lange Böse sein konnte.
“Ich weiß dass du die Heilmittel nicht gestohlen hast… Sag mir einfach wer es war und ich lasse dich gehen! Nur Schuldige sollten in der Arena kämpfen…", versuchte sie ihn ruhig zu überzeugen und hoffte auf ein gutes Ende.
"Wir sind alle in gewisser Hinsicht schuldig…", erwiderte er nur. “...Waren das nicht auch mal deine Worte?”.
"Ich bin nicht hier, damit wir philosophieren können, Phelan… Ich bin hier um dir eine zweite Chance zu geben!", versuchte sie ihm deutlich zu machen.
"Ich biete dir das gleiche an, Octavia….”, entgegnete er plötzlich, sodass die junge Frau leicht irritiert war. Wozu brauchte sie eine zweite Chance?
“Du hast uns zusammengehalten, ja… Gonodwaith ist stark… Wir hätten uns in der Dunklen Zeit alle massakrieren können…".
"Sag noch ein Wort über die Dunkle Zeit und ich werfe dich doch in die Arena, auch wenn du gleich die Wahrheit sagst! Du kennst das Gesetz...", unterbrach sie ihn sofort getroffen, als sie über diese schwere Zeit nachdachte. Sie war eigentlich eher froh, keinen Gedanken daran zu verlieren.
"Ich werde nicht erneut kämpfen…", entgegnete er nur erschöpft.
"Dann wirst du elendig sterben…", sagte Octavia trotzig und erhob sich. Also gab es diesmal kein gutes Ende. Keine Umarmung, weil alles wieder gut war. Gerade als sie aus der Zelle gehen wollte, erhob Phelan wieder seine Stimme: "Du bist vom Weg abgekommen, Octavia… Wir alle sind das…".
Daraufhin blieb sie wie angewurzelt stehen und lauschte seinen Worten. Phelan stand ebenfalls auf und lief einige Schritte auf sie zu.
"Ich habe viel zu lange geschwiegen… Denkst du ernsthaft, dass die Arena Gerechtigkeit bringt? Was unterscheidet dich jetzt noch von Kiana? Du ermordest unschuldige Menschen, nur weil sie nicht so funktionieren wie du willst...".
"Ich weiß dass die Arena für Gerechtigkeit sorgt…", tat sie nur seine Worte ab und wollte wieder gehen. Phelan aber kam weiter auf sie zu und versuchte Octavia aufzuhalten, damit sie ihm zuhörte:
"Deine Mutter…", fing er an, "...Deine Mutter starb, weil sie sich dazu entschieden hat dich zu bekommen, obwohl sie wusste wer dein Vater ist und wie schwierig die Zeit mit dir wird… Sie hätte einen anderen Weg wählen können… Ich habe sie geliebt und hätte Kael angenommen und behauptet, du wärst mein Kind… Doch sie wollte nicht… Sie wartete auf Thurion und war überzeugt, er käme irgendwann zurück und er würde wieder auf dem Thron von Mittelerde sitzen…”, erzählte er relativ schnell. Octavia war irritiert über seine Worte, sagte aber nichts.
“Doch er fiel im Norden, weil die Nachricht über deine Geburt ihn viel zu spät erreichte und dafür starb sie vierzehn Jahre später… Und ich trage dafür mit die Verantwortung… Ich hätte nicht eigennützig denken sollen… Ich habe den Brief verspätet abgeschickt, weil ich Angst vor der Rückkehr Thurions hatte, für unser Volk in Mittelerde nachdem Imrahil den Thron von Mittelerde bestieg und ich hatte Angst deine Mutter zu verlieren...", sagte er weiter und hatte Tränen in den Augen.
Octavia starrte ihn nur wortlos an. Sie war wie erstarrt.
Wovon spricht er da, dachte sie sich nur entsetzt. Ihr war vorher nie bewusst, dass Phelan und ihre Mutter sich schon vorher so gut kannten. Verhielt er sich deshalb immer so väterlich ihr und ihrem Bruder gegenüber?
Sie hatte plötzlich so viele Gedanken in ihrem Kopf. So wie es sich für sie anhörte, war es ein Schuldeingeständnis seinerseits, dass er am Tod ihrer Mutter und an dem Angriff von Kiana mit verantwortlich war.
"...Es ist viel schreckliches in den letzten Jahren passiert… Wir haben die Möglichkeit hier endlich etwas besseres zu machen! Doch wir verspielen sie hier einfach… Stärke ohne Mitleid ist überhaupt nichts… Siehe doch, was Kiana angerichtet hat… Du kannst uns alle retten… Du kannst es beenden! Es ist noch nicht zu spät!", versuchte er sie weiter mit brüchiger Stimme zu überzeugen, das Morden in der Arena zu beenden.
Für Octavia mischte er sich nur wieder zu viel in Dinge ein, von  denen er überhaupt keine Ahnung hatte.
Immerhin musste sie für Ordnung und Sicherheit sorgen. Auch verwirrten sie die Worte die er sprach. Natürlich kannte sie ihn von Kindesalter an. Stets dachte sie, dass Phelan nur ein Kamerad von Kaels Vater war und  zufällig auf sie traf, als sie mit ihrem Bruder in den Norden floh. Sie wusste nicht, ob sie Hass oder eher Traurigkeit verspüren sollte. Ihre Augen wurden Feucht. Weinen war das Letzte, was sie tun wollte. Sie schluckte sie die Spucke , und damit ihre Gefühle, schwerfällig herunter.  Aber für sie stand fest wie er sich retten konnte: Er musste die Wahrheit sagen!
"Sag wer die Medizin gestohlen hat!", forderte sie ihn nur wieder emotionslos auf. Er sagte allerdings nichts und schüttelte nur den Kopf.
"So sei es…", sagte sie nur und verließ zornig und aufgebracht die Zelle. Dann sollte er doch sterben, wenn er die Schuld für jemanden anders auf sich nahm und im Grunde für alles die Schuld trug. Dachte er ernsthaft sie ließe sich davon beeinflussen und entschied sich dazu, ihn zu verschonen?
Naiver Misterkerl, dachte sie sich verärgert. Sie lief selbst an Wortlos an Indro vorbei und beachtete ihn keinesweges, als er noch an der Tür der Zelle auf sie wartete. Ihr war zu diesem Zeitpunkt alles egal.

Am nächsten Tag war es wieder so weit.  Alle waren in der Haupthalle in der aufgebauten Arena versammelt. Alle jubelten wieder den bevorstehenden Kampf zu. Octavia nahm wieder auf ihrem Thron Platz und wollte den Kampf genau beobachten. All die neuen Erkenntnisse vom Vortag ließen sie kaum Schlaf finden, dennoch ließ sie sich nichts anmerken.
Und wieder wurde Phelan hinein geführt. Sein Gegner war ein kleinerer Mann. Octavia kannte ihn. Er war ein Mitglied der ehemaligen Pascima Rebellen und hatte Wertsachen von anderen gestohlen. Sie war sich ganz sicher, dass diese Mann definitiv kein guter Kämpfer war.
Wer den nur ausgewählt hat, fragte sich Octavia und sah sich für einen Moment um. Doch niemand verzog nur eine Miene.  Sei es drum… Er wird so oft in die Arena landen bis er die Wahrheit sagt oder stirbt!
Als der Kampf startete, blieb Phelan einfach in der Mitte stehen. Er griff sich keine Waffe , was seinen Gegner verunsicherte. Er versuchte Phelan zum kämpfen mit Worten und Schubsern aufzufordern, doch Phelan reagierte nicht.
"Ich werde nicht kämpfen!", rief er schließlich, sodass die Menge verstummte. "Ich werde diesen Mann nicht töten!".
Octavia erhob sich. Sie durfte ihn nicht sprechen lassen, denn sie ahnte, dass sein Plan war die anderen gegen sie aufzubringen. Die dunkle Stimme in ihr hatte doch recht. Sie musste ihn zum Schweigen bringen, bevor auch nur irgendjemand die Worte aufgreifen konnte.  Wenn der Gegner Phelans schon nicht in der Lage war ihn einfach zu töten anstatt ihn reden zu lassen, musste sie es tun.
"Wir haben zugelassen, dass aus Gerechtigkeit Vergeltung wird… Und aus Vergeltung eine Wettkampf… Zu lange haben wir es zugelassen, dass diese Dunkelheit Einzug in diese Hallen und in unsere Herzen erhält… Doch heute endet meine Mittäterschaft…", sagte er noch.
Octavia musste verhindern, dass seine Worte die anderen von Gonodwaith erreichten, die schon gespannt zuhörten. Es stand zu viel auf dem Spiel. Phelan machte einfach alles kaputt, was sie mit Mühe errichtet hatte. Ein starkes Zusammengehöriges Volk.
"Du bist Gonodwaith, oder du bist der Feind von Gonodwaith!", rief sie als sie den Platz der Arena betrat. "Entscheide dich!".  Dabei fixierte sie Phelan genau. Der andere Mann verbeugte sich sofort vor Octavia und ging auf die Knie. Phelan antwortete ganz klar: "Das habe ich schon!".
Die junge Frau zog ihr Schwert und trat Phelan so fest sie konnte in die Bauchhöhle, sodass er zu Boden stürzte. Sie trat ihn gegen die Beine. "Steh auf, los!", befahl sie, doch er rührte sich nicht.
Töte ihn!Töte ihn!, forderte die verzerrte Stimme sie in ihrem Kopf auf.  Er schafft es nicht zu überleben! Er ist kein Krieger!
"Wo ist dein Überlebensinstinkt?!", schrie sie ihn an.
"Mein Volk zu retten bedeutet mehr, als sie nur am leben zu erhalten…", entgegnete Phelan Belatan nur schwer atmend. Die ganze Menge jubelte und verlangte nach Blut. Octavia blieb für einen Moment zögerlich stehen.
"Es ist noch nicht zu spät…", sagte er noch einmal zu ihr.
"Für dich schon!", stand es für sie fest und sie wollte ihn gerade mit ihrem Schwert erschlagen. Doch als sie  gerade zum Hieb ansetzte, gab es einen lauten Rums. Die ganze Mine bebte und ließ einige Steine zu Boden stürzen. Die versammelten Menschen flüchteten und auch Indro versuchte Octavia dort weg zu holen. "Komm es ist nicht sicher hier!", rief Indro. “Bringt die Gefangenen in ihre Zellen!”.
“Nein! Nein!”, rief sie nur und versuchte etwas zu erkennen, als Indro an ihr herumzerrte. Der dichte Rauch und das dahinter Einstrahlende Licht machten es nicht einfach. Schützend hielt sie ihre Hände vor ihren Augen. Es dauerte nicht lange und die erste Gestalt tauchte aus dem Rauch auf. Es war ein relativ großer Mann. Er hatte dunkles, etwas längeres Haar. Ein Dunkler Bart ging von der Oberlippe bis hinunter zum Kinn.
Das kann nicht sein..., dachte sie sich ungläubig und starrte mit offenem Mund in diese Richtung. Der Mann sah aus wie ihr Halbbruder Kael. Als er näher kam bestätigte sich ihre Vermutung. Es war Kael!
Sofort sprang sie ihm liebevoll in die Arme, als er direkt vor ihr stand, der sie auch sofort auffing. Sie umschlang ihre Beine um ihn und wollte ihn gar nicht mehr loslassen.
“Kael, ich wusste dass du kommen würdest!”, sagte sie nur leise.
Als sie an Kael vorbei sah, erblickte sie auf ein anderes vertrautes Gesicht. Es war Thirak, der sich vorsichtig in der Haupthalle umsah.
Octavia ließ von ihrem Bruder ab und ging auf Thirak zu. Auch ihn umarmte sie kurz, ließ aber wieder schnell von ihm ab, als er einen besorgniserregenden Blick zu Kael warf, den Octavia aber nicht deuten konnte.

Dann betraten weitere Gestalten die Mine. Es waren ihr unbekannte Personen. Eine Frau in Rüstung, gefolgt von weiteren gerüsteten Männern.
Die hatte dunkelblondes Haar, war relativ groß und sah aus, als hätte sie ihre Dreißiger Jahre schon überschritten. Auf ihrer Brust zierte das blaue Wappen eines weißen Baumes, der von zwei Zeptern, die sich kreuzten, bedeckt wurden. Sie kannte das Wappen. In einem der kleineren Städte Arnor hatte sie es schon einmal gesehen.
“Wer sind die?”, fragte Octavia argwöhnisch und wandte sich an ihren Bruder.
“Wir sind hier um euch zu retten!”, antwortete die Frau nur knapp.
“Und warum seid ihr dann bewaffnet?”, wollte sie weiter wissen. Ihr kam die ganze Situation seltsam vor. Fast schon bedrohlich.
“Octavia… Es ist in Ordnung… Wir haben eine Abmachung!”, versuchte ihr Bruder sie zu beruhigen. Wirklich überzeugend fand sie es aber nicht.
“Ich muss mit Phelan und Galador sprechen…”, sagte Thirak nur hektisch. “Wo sind sie?”.
“Ich führe dich zu ihnen…”, sagte Indro nur und verschwand mit ihm.
Octavia wandte sich zu Kael, der Ernst drein blickte.
“DU... bist also seine Schwester…”, fing die unbekannte Frau an. Daraufhin sah Octavia zu ihr.
“Entschuldigt… Octavia, das ist Heerführerin Luthia…”, stellte Kael die Frau, die wohl Luthia hieß vor.
“Heerführerin?”, wiederholte die junge Maia den Titel so, als würde sie es nicht glauben. Immerhin waren Frauen in dieser Position nicht üblich. Das einzige mal als sie eine Frau als Anführerin einer Armee gesehen hatte, war diese Sanya Terelos, die Octavia zurück zu Kiana bringen wollte.
“Ja, es gab viele Veränderungen in den Freien Städten Arnors…”, entgegnete Luthia nur. Octavia nickte ihr zwar zu, war aber nur verwirrt. “...Übrigens eine schöne Kriegsbemalung…”.
Dabei deutete die Frau auf Octavias rote Farbe auf der Stirn. Der Tonfall ließ sie vermuten, dass das alles andere als ernst gemeint war. Gleichzeitig hatte sie das Gefühl, Luthia fürchtete sich etwas. Sie starrte die Frau nur an, die ebenfalls zu ihr sah.
“Octavia, der Krieg gegen Kiana ist vorbei…”, sagte Kael nur, um vermutlich die Situation zu entspannen. Doch was meinte er damit? Solange Sie selbst und Gonodwaith lebten, würde der Krieg gegen Kiana nie enden.
“Nur weil sie uns aus Arnor vertrieben hat heißt es nicht dass der Krieg vorbei ist…”, wollte sie gerade sagen. Kael hatte ein sanftes Lächeln auf den Lippen und legte seine Hand auf ihre Schulter.
“Kiana ist gefallen… Das Reich gibt es nicht mehr!”, sagte er nur. Octavia starrte nun ihn an. Was meinte er damit?
“Das kann nicht sein…”, entgegnete sie nur.
“Doch, Thirak und ich haben es mit eigenen Augen gesehen, wie sie von ihrem Drachen gestürzt ist…Und…”, sagte er nur und holte etwas aus einer Tasche hervor, “...Und das hier sollte Beweis genug sein!”.
Er hielt ihr einen metallenen Gegenstand entgegen. Es war wirklich die Krone aus Dunkelstahl von Kiana Vaneryen. Die Krone, die die Königin trug, als Octavia  vor ihr stand um sie zu töten.
Ungläubig sah sie die Krone an. Wie konnte das sein? Ihr ganzes Leben war doch darauf ausgerichtet, Kiana selbst mit ihren eigenen Händen zu töten. Nun sollte sie einfach von selbst gestorben sein? Andere waren dazu fähig, was sie nicht schaffte?
Sie wurde aber aus ihren Gedanken gerissen, als Kael die Krone wieder in einem Tuch wickelte und in die Tasche steckte.
“Gut… Wie stellen wir es an?”, wandte er sich an Luthia.
“Wir bringen immer vier auf einmal raus… Das sollte mit der Öffnung am Tor gehen!”, sagte die Frau nur. “Ihr solltet schon einmal eure Sachen holen! Sobald wir bereit sind, geht es los!”.
Allerdings reagierte niemand der Anwesenden auf die Aufforderung. Stattdessen sahen alle fragend auf Octavia. Die junge Maia zögerte nicht lange und bestätigte die Aufforderung mit einem Nicken. Daraufhin gingen die Menschen los, um ihre wichtigsten Dinge einzupacken.
“Wie viele sollen wir Bergen?”, fragte ein Mann Luthias, der ebenfalls Rüstung trug.
“Zweitausend Menschen!”, sagte Kael sofort. Octavia sah daraufhin zu ihm.
“Neunhundervierunddreißig….”, verbesserte sie ihren Bruder und erntete dafür einen verwunderten Blick von Kael.
“Neuhundervierunddreißig, verstanden!”, wiederholte Luthia die Zahl.
Dann  war es soweit, endlich aus der Mine zu entkommen.

Octavia war eine der ersten, die heraus gebracht wurde. Die helle Sonne, die sie so lange Zeit nicht gesehen hatte, blendete zunächst ihre Augen. Die warmen Strahlen brannten förmlich auf ihrer Haut. Die frische Luft , dass von dem Meer westlich von Mittelerde hinüber strömte.
Zögerlich nahm sie die Hand von ihren Augen und erblickte wieder die Berge und grünen Landschaften um die Ered-Luin. Sie hatte es geschafft. Sie hatte es wieder aus den Minen geschafft und ihr Volk zum überleben gebracht….


Octavia außerhalb der Minen von Ered-Luin…

« Letzte Änderung: 5. Aug 2021, 22:13 von >Darkness< »
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Minen der Ered-Luin + Umgebung
« Antwort #4 am: 4. Jun 2021, 17:32 »
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Sernereth Part 4: Neue Probleme...


Octavia bei den Bergen von Ered-Luin…

Inzwischen waren alle Menschen aus den Minen der Ered-Luin gebracht worden. Einige räumten weiter den Weg frei, damit der Eingang zu den Minen wieder passierbar war. Genau wie Octavia selbst ging es vermutlich vielen Menschen ähnlich, endlich wieder aus den dunklen Höhlen zu gekommen zu sein und wieder die frische Luft atmen zu können, endlich wieder das grüne Gras sehen und die warmen Sonnenstrahlen auf der Haut spüren. Obwohl Octavia vorerst auf den Vorschlag ihres Bruders Kael einging, der ihr geraten hatte die Waffen vorerst in den Minen zu lassen, beauftragte Octavia einige Wachen von Gonodwaith damit doch die Waffen aus den Minen zu bringen. SIe traute den Fremden nicht und wollte vorbereitet sein. Allerdings hoffte sie natürlich darauf, dass dies unbemerkt blieb. Ihr gefiel der Gedanke nämlich gar nicht unbewaffnet einer bewaffneten Truppe zu folgen, von denen sie niemanden kannte. Nicht einmal Kael oder Thirak.
Octavia stand auf einer Anhöhe und beobachtete das rege Treiben von allen. Gleichzeitig behielt sie so von dieser Position aus Luthia und ihre Leute im Auge.
Es dauerte auch nicht lange, da trat Kael neben ihr auf die Anhöhe. Er sah alles andere als Begeistert aus. Octavia konnte sich schon denken warum er so mies drein blickte.
"Octavia, wir hatten eine Abmachung… Keine Waffen…", sagte er gefrustet.
Sie schnaubte nur und konnte sich das Lachen kaum verkneifen. Sie war doch nicht so naiv und schickte ihre Leute zu bewaffneten Menschen raus.
"Das war nicht meine Abmachung…", entgegnete sie nur trotzig. "...Du hast diese Abmachung alleine mit Luthia getroffen…".
"Können wir uns unterhalten?", entgegnete Kael nur trocken. "Unter vier Augen?".
Octavia drückte nur einen Seufzer tief aus ihrer Brust hervor, nickte ihm aber schließlich zu. Sie wusste, dass es wieder Zeit war belehrt zu werden. Das war das einzige was sie nicht vermisst hatte.
"Gut… Ich gehe vor. Komm mir dann etwas später nach!", sagte er und verließ die Anhöhe um einen geeigneten Ort zum sprechen zu finden. Octavia sah ihm noch eine Weile nach, bis er dann in einem Zelt verschwand. Sie wartete einen Moment und stieg ebenfalls die Anhöhe herunter um ihn zu folgen.
Hoffentlich artet das jetzt nicht aus, dachte sie sich nur. Sie war froh ihren Bruder endlich wieder gesehen zu haben. Streiten war dabei das letzte was sie wollte.

Sie betrat das Zelt in welches auch Kael ging. Dort stand er schon, an einem Tisch gelehnt und die Arme verschränkt. Es wirkte so, als wolle ein Vater sein Kind auf ein Vergehen ansprechen, um es dann anschließend zu rügen. Octavia ahnte schon dass er es wohl ernst meinte.
"Sernereth… Die Blutkönigin…", fing er an.
"Ich bevorzuge die Rote Königin…", warf Octavia dazwischen.
"Wie auch immer… Erzähl mir von den Arenakämpfen… Wie ist es dazu gekommen?", fragte er nach. "...Mir kommt es so vor nämlich so vor, als wollte da jemand wie Thurion werden und hat zu oft seine Tagebücher gelesen, obwohl dies der größte Albtraum war!".
Octavia schluckte. Natürlich konnte Kael nicht wissen, dass sie die Aufzeichnungen ihres Vaters gelesen hatte und sich in gewisser daran orientiert. Dennoch fühlte sie sich nicht wirklich ernst genommen von ihm. Er hatte doch gar keine Ahnung davon, was sie und die anderen durchmachen mussten um zu überleben. Außerdem dachte sie nicht gerne daran. Es war eine finstere Zeit. Für jeden einzelnen.
"Es war eine schwere Zeit… Dinge haben sich verändert… Ich habe mich verändert!", entgegnete sie nur und hoffte weiteren Fragen aus dem Weg gehen zu können. Die junge Frau wollte alles andere als über die Details sprechen. Es reichte schon, dass sie sich so oder so schlecht fühlte, auch wenn sie es nicht nach außen zeigte.
"Wir haben uns viel zu erzählen, hm…", sagte er nachdenklich.
"Oh ja… Nur nicht jetzt gleich…”antwortete Octavia schnell. Sie wollte lieber über andere Dinge sprechen und wissen, mit wem sie es zu tun hatte. “Wer sind diese Luthia und ihre Leute? Ich traue ihnen nicht…",
"Ich auch nicht wirklich… Aber du musst mir vertrauen… Wir haben ein Druckmittel!", er schien so davon überzeugt zu sein, dass er sich in ihren Augen zu sicher war..
"Und was für ein Druckmittel?", fragte Octavia neugierig nach.
"Arnor ist gespalten… Luthia ist eine von den wenigen die das Land wieder vereinen wollen und mit euch an ihrer Seite stehen die Chancen gut, selbst darüber zu herrschen.. Sie hat aber zu wenig Leute dafür!", erklärte er.
Das warf ein ganz anderes Licht auf die Sache. Octavia wusste das. Auf der anderen Seite war sie davon eher wenig begeistert. Octavia und die Rebellen kämpften für ein freies Arnor. Wieder jemanden anders auf den Thron von Arnor zu setzen wollte ganz sicher niemand. Sie selbst am allerwenigsten.
"Und es gibt da noch etwas…", sagte Kael. "Kiana ist tot und somit gibt es keinen Herrscher in Minas-Tirith, der über das ganze Reich von Mittelerde herrscht. Die einzelnen Länder haben sich abgespalten und das Reich ins Chaos gestürzt… Zu den ganzen Streitereien kam es noch dazu, dass Orks Dörfer und Reisende in ganz Mittelerde angreifen...Aber es besteht doch noch ein Funken Hoffnung… Ein Funken des Zusammenhalts!".
Octavia sagte nichts. Sie war sich nie bewusst, dass der Tod Kianas einen solchen Rattenschwanz mit sich zog. Sie war immer nur darauf bedacht Kiana töten zu wollen ohne zu bedenken was eigentlich danach passierte. Dennoch hörte sie ihrem Bruder weiter zu.
"Es geht um Thirak… Sein Name ist in Wirklichkeit Anaryon Vaneryen. Er ist der Sohn von Aranion Vaneryen und Elina Stark… Er hatte schon immer den legitimen Anspruch auf den Thron… Nicht seine Tante Kiana…", erklärte Kael weiter.
Octavia verstand nicht wovon er sprach. War er nun verrückt geworden?
"W-was meinst du?", fragte sie nochmal vorsichtig nach.
"Thirak… Er ist dein Neffe, obwohl er deutlich älter ist.".
Octavia ließ sich überrumpelt auf einen Stuhl fallen. Für sie waren all diese Informationen am ersten Wiedersehen viel zu viel. Thirak hatte damals also nicht nur die Möglichkeit gehabt Kiana schon vorher zu töten, sondern hätte auch noch selbst den Thron besteigen können und dem Reich viel Leid ersparen. Außerdem sagte er ihr nichts. Sowohl als er sich ihr öffnete, als auch ihre Verwandtschaft zu Kiana ans Licht kam. In gewisser Weise fühlte sie sich leer und enttäuscht, weil er ihr nichts gesagt hatte. Vielleicht war es auch nachvollziehbar, weil ihn alle verstoßen hätten. Sie wusste es nicht. Die junge Frau musste sich erst einmal eigene Gedanken dazu machen.

Am Abend waren viele Menschen von Gonodwaith am Pass zu den Bergen von Ered-Luin versammelt. Neugierig machte sich Octavia auf dem Weg dorthin, gefolgt von Kael, Indro und Thirak mit dem sie nicht mehr gesprochen hatte, seitdem sie aus der Mine sind. Scheinbar schien es dort eine Streitsituation zu geben.
Als sie dort ankam, waren die Menschen von Gonodwaith auf der einen Seite und das Gefolge von Luthia auf der anderen.
“Ich weiß dass die meisten von euch bewaffnet sind… Aber ihr könnt es vergessen einen Angriff zu starten… Sonst werden wir euch alle direkt umbringen. Wir haben viele Waffen der alten Armee der Drachenkönigin bei uns und viele Menschen um das Gebirge versammelt. Eine falsche Bewegung und ihr könnt herausfinden, wie schnell ihr doch alle sterben könnt!”, rief Heerführerin Luthia siegessicher zu der Menge.
“Hey, was soll das bitte?”, entgegnete Kael verärgert. “Wir hatten doch eine Abmachung!”.
“Die Abmachung ist geplatzt… Wie mir zu Ohren gekommen ist, habt ihr doch sowieso andere Pläne… Wir haben nicht vor Mittelerde wieder zu vereinen unter einen…”, dabei sah sie abwertend zu Thirak. “...Der zur gleichen Familie angehört… Aber es muss niemand verletzt werden!”.
Octavia sah sie verwirrt an. Gleichzeitig hätte sie es sich denken können, dass es nicht so reibungslos funktionieren würde. Dafür traute sie diesen Menschen zu wenig.
“...Aber die da…”, sagte Luthia und zeigte auf Valarya, die Geliebte von Phelan, “...Die kommt mit uns!”.
“Sie ist eine unserer wenigen Heilerinnen… Die bekommt ihr nicht…”, sagte Octavia direkt.
Ein Mann Luthias richtete seine Armbrust auf sie. Octavia erkannte sofort, dass es sich um eine der automatischen Armbrüste handelte, die auch ihre Leute in geringen Stückzahlen bei sich trugen. Eine falsche Bewegung zu machen, wäre wohl fatal gewesen. Deshalb blieb sie erst einmal vorsichtig stehen.
“Das war keine Frage!”, sagte ein weiterer Mann, der ebenfalls seine Waffe auf Octavia richtete.” Die junge Frau schluckte nur und sagte nichts. Sie ärgerte sich eher innerlich, dass sie sich darauf eingelassen hatte.
“Jetzt bist du nicht mehr so vorlaut, was?!”, sagte der erste Mann wieder und lief einige Schritte auf Octavia zu. Sofort wollten sich Indro und die Krieger von Gonodwaith bereit machen um Octavia zu beschützen, doch die junge Frau hielt sie zurück um eine weitere Eskalation zu verhindern: “Nein! Halt!”.
“Nicht schießen, ich komme freiwillig zu euch!”, mischte sich schließlich Valarya ein und begab sich auf die Seite von Luthia. “Wir kommen ohne Gegenwehr!”.
Octavia sah, wie Phelan und Galador Valarya folgten und sich neben sie stellten. Phelan war weder gefesselt, noch in gewahrsam, was sie doch arg wunderte.Irgendjemand musste ihn also befreit haben. Nur wer?
“Meine Bedingung ist nur, dass die beiden mit mir kommen können!”, forderte Valayra.
“Gut…”, entgegnete Luthia nur knapp.
“Dass Phelan dir folgt wundert mich gar nicht, Verräter!”, ärgerte sich Octavia. Was sollte sie aber daran wundern, dass ausgerechnet Phelan zum möglichen Feind überlief. Er wartete scheinbar ja nur auf jenen Moment, an dem er Octavia in den Rücken fallen konnte und nun war er gekommen. Bei Galador deutete sich auch schon länger so etwas an. Immerhin hatte er die ganze Zeit für Phelan sympathisiert. Wobei er wohl immer schon ein Überläufer war. Egal ob bei seiner eigenen Familie, bei Kiana und jetzt bei Octavia.
So viel zum Thema er glaubt an mich, dachte sie sich nur.
“Das sind meine Bedingungen!”, rief Luthia laut, sodass sie alle hören konnten. “...Arnor gehört uns, ihr seid nur Eindringlinge hier… Jeder Versuch in das Inland zu gelangen wird mit vernichtender Gewalt erwidert! Solange ihr hier bleibt, haben wir kein Problem! Hat damit einer ein Problem? Nein, dann ist alles gut!”.
Dann befahl die Heerführerin den Abzug ihrer Gefolgsleute und wollte gerade gehen. Octavia starrte nur den Mann an, der noch immer die Armbrust auf sie richtete. Scheinbar hatte er ein Problem damit die automatische Armbrust wieder sichern zu können, sodass sich keiner der Bolzen aus Versehen löste. Octavia musste bei dem Anblick schon fast schmunzeln.
“Harold, das ist ein Befehl!”, sagte Luthia in einem strengen Ton. Octavia starrte ihn weiter provokant an, der darauf auch scheinbar einging. Er richtete seine Armbrust wieder auf Octavia und schoss alle zehn Bolzen in ihre Richtung. Sofort sprang einer der Krieger von Gonodwaith davor, sodass er die Bolzen abbekam und stieß Octavia dabei zur Seite, die dann zu Boden stürzte.
Große Unruhe brach unter allen Anwesenden aus. Indro zog Octavia zur Seite, während Luthia schnell den Rückzug anordnete. Sie wusste, dass sie sich darauf nicht einlassen durfte. Wie immer hat ihr Gefühl sie nicht enttäuscht.Gleichzeitig hatte sie das Geschehen noch gar nicht realisiert. Um ein Haar wäre sie tot gewesen.
“Ich habe dir vertraut!”, fauchte sie Kael an, der sie nur besorgt ansah. “Das ist deine Schuld!”.
“Sernereth!”, rief Tardon ihr hinterher. “Was sollen wir jetzt machen?”.
“Jetzt…”, sagte sie außer Atem, “...Ziehen wir in den Krieg und holen uns Arnor zurück!”.
In gewisser Weise war sie  darüber mehr als erfreut. So hatte sie einen Grund, um in den Krieg zu ziehen ohne selbst daran Schuld zu sein.

Schon am nächsten Tag ließ Octavia ihre Krieger bereit machen, damit sie gegen Luthias Truppe in den Krieg ziehen konnten. Weit durften sie auch noch nicht gekommen sein, sodass es eine Chance gab, sie vor dem Eintreffen in ihr Lager oder ihre Stadt zu bekämpfen. Das würde zumindest eine elende Belagerung verhindern.
Kael und Thirak sagte sie allerdings nichts von ihren Plänen. Sie wusste, dass beide sie womöglich nur davon abhalten wollten.
Octavia war mit ihren Hauptleuten in einem der Zelte versammelt und sah eine Karte von Arnor durch, um den Marschweg festzulegen.
“Sie wissen nicht, dass wir kommen, also werden die östlichen Pässe unbewacht sein… Spätestens um ihre Stadt herum werden genug Wachposten stehen… Weiß jemand etwas über Minhiriath?”, wollte sie wissen.
“Es hat eine Wasserquelle direkt an der Nordmauer…”, sagte einer der Hauptmänner.
“Warum ist das so wichtig?”, fragte Indro nach.
“Genau das würde mich auch interessieren!”, hörte sie plötzlich die Stimme von Thirak hinter sich. Octavia rollte nur die Augen. Das war das letzte was sie nun gebrauchen konnte.
“Tardon… Du hattest doch den Befehl nichts zu sagen!”, beschwerte sich Gwyneth.
“Ich weiß… Aber ihr solltet euch anhören was Thirak zu sagen hat…”, verteidigte Tardon seine Taten.
“Die Route durch die Turmberge könnt ihr nicht nutzen…”, fing Thirak an und zeigte immer wieder auf die Karte.
“Wieso nicht?”, fragte Indro aufgeregt nach. “Müssten Annuminas und Fornost nicht sowieso zerstört worden sein?”.
“Das ist nicht das Problem. Die Städte befinden sich im Aufbau… Das Problem sind eher die Orks, die hier überall patrouillieren… Es sind heimtückische Wesen, die nur darauf warten, eine angeschlagene Truppe zu überfallen…”, versuchte er zu erklären.
“Aber woher willst du wissen, dass sie ausgerechnet dort sind? Sie verharren sicherlich nicht nur auf einem Platz, oder?”, hakte Indro weiter nach.
“Ja, vielleicht… Aber…”.
“Vielleicht reicht mir… Wir brechen auf...”, entgegnete Octavia zügig und wollte aus dem Zelt gehen. Kael wollte sie aufhalten und festhalten, indem er sich vor sie stellte, doch sofort zogen alle ihre Waffen und richteten sie auf ihn. Octavia sah ihn scharf an, der auch direkt seine Arme hob um zu signalisieren, dass er nichts böses wollte. Octavia selbst sah es auch nicht ein weiter auf Thirak zu hören. Er mag zwar der rechtmäßige Erbe von Mittelerde zu sein, doch das würde nur er wieder selbst bestimmen. Nicht das Volk. Gonodwaith hatte Octavia zur Anführerin gewählt, also traf sie die Entscheidungen. Dabei wollte sie sich auch nicht dazwischenreden lassen.
“Octavia bitte… Lass uns ausreden…”, sagte Kael nur vorsichtig. Sie seufzte nur und befahl ihren Wachen die Schwerter wegzupacken, was sie auch sofort taten.
“Es ist verständlich, du hast die kürzeste Route gewählt… Doch wir sollten selbst im Schutz sein, damit die Orks uns nicht angreifen können und das wäre am Meer entlang!”, erklärte Thirak und zeigte auf die Karte.
“Wir haben genug Krieger und Waffen… Kleinere Scharmützel sollten kein Problem sein…”, erwiderte sie nur trocken.
“Sie werden nicht darauf warten uns offen anzugreifen… Sie werden es in der Nacht tun… Oder während wir rasten…”, erklärte Thirak weiter.
“Sernereth hat recht… Der Weg den du vorschlägst Thirak, ist um ein deutliches Länger…”, entgegnete Gwyneth nur. “Wir haben nicht mehr viel Verpflegung…”.
“Woher wissen wir, dass es auf den längeren Wegen keine Orks gibt?”, fragte Indro.
“Genug…”, beschloss Octavia schließlich. “...Wir haben kaum noch Vorräte… Und wenn das der einzige Weg ist zu überleben… Dann sollten wir das so machen und Arnor gehört uns!”.
“Luthia ist derselben Meinung…”, sagte Kael nur genervt.
“Also kämpfen wir darum…”, antwortete Octavia rasch und verließ daraufhin das Zelt, damit sie weiteren Diskussionen aus dem Weg gehen wollte.

Es dauerte nicht lange und sie machten sich auf dem Weg. Sie marschierten an den alten Grauen Anfurten vorbei, weiter nördlich nach Harlindon an den südlichen Teil der Blauen Berge vorbei. Zum Abend hin machten sie eine Rast.
Octavia saß mit ihren Leuten am Feuer. Sie reichten das Essen herum und sprachen immer wieder die Worte “Unser sein, für uns alle” dabei.
Für die junge Maia war das Ritual wichtig. Es half den Zusammenhalt zu fördern. Indro saß sich neben ihr und seufzte. Octavia öffnete wieder die Augen, die sie für einen Moment geschlossen hatte um sie zu schonen.
“Dein Bruder liebt dich, Octavia…”, sagte er plötzlich. Sie schnaubte nur daraufhin.
“Liebe ist schwäche… Wenn du niemanden liebst, kann dich auch niemand verletzen!”, antwortete sie nur darauf. Dabei dachte sie an Deloth der getötet wurde, an Robben der auch nur auf seine eigenen Belange bedacht war und tatsächlich auch an Thirak, der ein solches Geheimnis für sich behielt, obwohl sie den Eindruck hatte er liebte sie freundschaftlich.
“Ich liebe dich, macht das mich jetzt schwach?”.
“Das würde ich niemals zu dir sagen…”, sagte sie sofort entsetzt. Dann sah sie zu Kael, der neben Thirak an einer anderen Feuerstelle saß und nachdenklich in die Flammen blickte. Wie gerne wollte sie bei ihm wieder das gleiche Fühlen wie damals bevor sie in den Minen war. Doch die dunkle Zeit hatte ihr gezeigt, was es bedeutete eine Anführerin zu sein, die ihr Volk beschützt. Dafür waren ihre eigenen Belange von weniger Bedeutung.
Plötzlich gab es einen lauten Aufschrei, sodass alle erschraken. “Das sind die Späher!”, sagte Indro nur aufgebracht.
Alle sahen in die Richtung, aus der einer der Männer gerannt kamen. “Sie sind überall!”, schrie er nur. “Ihr müsst den anderen helfen schnell!”.
Sofort zogen alle ihre Schwerter. Erst konnte Octavia nichts erkennen. Im dunklen Fackelschein wurden die Kreaturen sichtbar. Es waren wirklich Orks. Octavia hörte nur alte Geschichten über diese Kreaturen. Noch nie in ihrem Leben hatte sie selbst solch derartige Kreaturen gesehen. Es kam zu einem kurzen Kampf. Zwei Männer von Gonodwaith wurden dabei getötet. Von überall aus der Dunkelheit hörte man schrille Schreie und Rufe.
“Es kommen noch mehr…”, warnte Thirak nur.
“Wir müssen sofort umkehren!”, drängte Kael nur. “Ihr habt doch gehört, was die Späher gesagt haben… Sie sind überall…”.
“Was ? Nein…”, entgegnete Octavia direkt. “Vielleicht meinte er nur um ihn herum!”.
“Ich stimmte Sernereth zu!”, sagte Gwyneth direkt.
“Was eine Überraschung!”, fauchte Indro sie nur an.
“Wir marschieren bei Tagesanbruch weiter…”, sagte sie genervt und wollte sie gerade etwas von den anderen entfernen. Es war ein durcheinander. Ein heller Blitz, dicht gefolgt von lautem Donnern brachte sie allerdings zum stehen.
“Ein Unwetter… Auch das noch…”, sagte Thirak nur.
“Octavia… Wir müssen umkehren!”, drängelte Kael wieder.
“Nein, es bleibt uns keine Wahl! Wir marschieren jetzt weiter!”, befahl die junge Maia.
“Wir gehen weiter?”, entgegnete Kael ungläubig und stellte sich vor sie. “Deinetwegen stecken wir zwischen mordenden Orks und einem Unwetter fest…”.
“Und deinetwegen befinden wir uns im Krieg, Kael…”, giftete sie ihn an.
“Nur wenn du darauf bestehst ihn zu führen…”, sagte er.
“Kämpfe oder stirb… Was anderes gibt es nicht!”, machte sie ihm klar. Er sah nur genervt in eine andere Richtung. Wie sollte er es auch verstehen? Er war nicht kurz vor dem Verhungern und musste nicht tausende Menschen das Überleben sichern. “Du verstehst das nicht… Schon klar… Du bist keiner von uns…”.
“Ach und was ist mit all den anderen hier? Sind das dann nicht deine Leute?”.
“Zeig ein bisschen mehr Respekt!”, forderte ein Krieger von Gonodwaith ihn auf.
“Vorsichtig!”, mahnte Octavia Kael, “An deiner Stelle würde ich jetzt nichts mehr sagen!”.
Dabei fixierte sie ihn mit den Augen. Er schien bemerkt zu haben, dass es keinen Sinn mehr machte. Weiter streiten konnten sie allerdings nicht, denn es kam zu einem weiteren Angriff der Orks. Pfeile flogen auf sie zu. Einer von ihnen traf Octavia direkt an der Schulter und bohrte sich durch das Fleisch. Der Schmerz ließ sie zu Boden gehen und sie versuchte sich verzweifelt die Wunde zu halten.
Indro, Kael und Thirak halfen ihr und brachten sie sofort in eines der aufgebauten Zelte. Während sich Indro um die Verteidigung des Lagers kümmerte, kümmerten sich Thirak und Kael um die verletzte Octavia.
“Ich spüre meine Beine nicht mehr!”, schrie sie nur vor Schmerz.
“Vermutlich sind die Pfeile mit Gift übersät”, sagte Thirak nur. Sie setzten Octavia hin. “Los, leg deinen Arm auf den Tisch!”.
Der Arm schmerzte, als würde er brennen. Die Wunde war dabei das geringste Problem. Sie beobachtete unter Schmerzen nur wie Thirak einen Gürtel nahm und damit den Arm abschnürte. Der ganze Arm pochte und brannte.
“Hey… Ich bin da! Wir kriegen das hin!”, versuchte Kael nur sie zu beruhigen und hockte sich vor ihr hin. Thirak nahm sich dann ein Messer. “Jetzt nicht bewegen… Ich bin kein Heiler… Nur zur Vorwarnung!”.
“Tu es… Was auch immer du vorhast!”, hetzte Indro nur.
Dann Schnitt er den Pfeil aus dem Fleisch ihrer Schulter und öffnete die Wunde weiter, sodass das Blut nur so heraus strömte. Octavia schrie vor Schmerzen auf und versuchte irgendwie bei Bewusstsein zu bleiben.
“Wir müssen uns zurückziehen… Wir müssen den Plan noch einmal überdenken… So können wir nicht gegen Luthia in den Krieg ziehen…”, sagte Thirak.
“Ihr versteht es nicht… Gonodwaith zieht sich nicht zurück…”, presste Octavia nur erschöpft hervor.
“Ihr müsst es aber, wenn ihr überleben wollt!”, meckerte Kael nur wieder.
“Es ist nicht der richtige Zeitpunkt zum Diskutieren!”, mahnte Indro. “Selbst wenn wir uns zurückziehen, geraten wir mitten in das Unwetter!”.
“Diese Ruinen sind nicht unser zu Hause…”, sagte Octavia im Fieber und spielte damit auf die Minen an. Ihre ganze Stirn war klatschnass. Der Schweiß perlte schon von ihr herunter. “Arnor ist unser zu Hause und wir holen es uns zurück!”.
“Octavia vorsichtig! Das Gift ist noch in deinem Körper!”, versuchte Thirak sie vergeblich zu beruhigen.
“Gleich wirst du es verstehen!”, fügte Octavia nur noch hinzu und versuchte aus dem Zelt zu taumeln. Der Wind blies inzwischen viel heftiger und selbst die Zelte flogen teilweise durch die Luft. Starker Regen setzte an und schwemmte das Land.
Die Krieger von Gonodwaith bauten einen Schutzwall um Octavia und die anderen. Mit Decken und ihren Schilden versuchten sie den Wind standzuhalten. Octavia musste damit kämpfen bei Bewusstsein zu bleiben, weshalb sie sich hinlegte und Thirak darauf achtete dass ihr nichts passierte. Doch dann wurde ihr nur noch schwarz vor Augen.

Octavia wurde schließlich wieder wach. Die Zelte waren weg und ihre Krieger lagen verstreut herum. Teilweise verletzt und erschöpft.
Tardon und Gwyneth kamen auf sie zu, die beide relativ unversehrt ausahen, was Octavia froh stimmte.
“Wir haben fünfzehn Tote…”, klärte Tardon auf. Octavia seufzte daraufhin nur. Ohne dass es überhaupt einen Kampf gegen Luthia gab, hatte sie schon ein paar ihrer Soldaten verloren.
“Ordnet den Rückzug an...Nehmt ihre Waffen und Rüstungen mit… Lasst die Leichen hier…”, ordnete sie an.
“Die Toten hier lassen?”, fragte Gwyneth entsetzt nach.
“Wir haben keine Zeit… Wenn Luthia oder die Orks hier her kommen, haben wir ein Problem…”, entgegnete die junge Maia nur.
Thirak kam zu ihr und versorgte ihre offene Wunde, die durch den Pfeilschuss entstanden war. Auch Octavia erkannte, dass die Wunde übel aussah.
“Wie geht es deinem Arm?”.
Vorsichtig nickte sie ihm nur zu. Sie wollte es auch nicht zugeben, schmerzen zu haben. Als er allerdings ihren Arm bewegte, kamen die Schmerzen wieder.
“Ich denke, dass nicht allzuviel kaputt gegangen ist… Wir werden sehen…”; sagte er noch.
“Danke dass du mir das Leben gerettet hast, Thirak…”, bedanke sie sich ruhig, obwohl sie innerlich noch enttäuscht war.
Dann kam auch Kael zu ihnen und Kniete sich neben sie. “Dafür hast du uns vor dem Sturm bewahrt… Du hattest Recht… Gonodwaith ist stark, wie ihre Anführerin”, sagte er nur.
Sie nahm seine Hand und ließ sich von ihm stöhnend aufrichten. Thirak stütze sie leicht von hinten, sodass sie sitzen konnte.
“Ich hab dir das noch gar nicht gesagt, aber ich bin froh dass du lebst großer Bruder!”, dabei umarmte sie ihn und gab ihm einen Kuss auf die Wange.Obwohl sie froh war, ihn wieder in seine Arme schließen zu können, wie sie es sich vom ersten Tag in den Minen wünschte, fühlte es sich dennoch anders an. Er widersprach ihr oft und sprach Gonodwaith die Stärke ab, die es besaß.
“Aber erhebst du noch einmal deine Stimme gegen Gonodwaith, bist du ein Feind von Gonodwaith und somit auch meiner!”, flüsterte Octavia in sein Ohr und nahm dabei sein Gesicht in ihre Hände. Für sie war egal wer man war. Jeder musste Gonodwaith akzeptieren, egal wer.
Nun war es an der Zeit zurück zu gehen und neue Kräfte zu sammeln…

Octavia zurück zu den Minen von Ered-Luin...
« Letzte Änderung: 5. Aug 2021, 22:14 von >Darkness< »
Grüße Darkness

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Minen der Ered-Luin + Umgebung
« Antwort #5 am: 7. Jun 2021, 09:07 »
Minen der Ered-Luin + Umgebung

Sernereth Part 5:  Rückschlag

Octavia und die anderen zurück in den Minen von Ered-Luin…


Zurück in den Minen der Ered-Luin versorgte Thirak wieder die Wunde an der Schulter von Octavia. Inzwischen konnte sie den Arm wieder so gut wie bewegen und sie fühlte sich wieder viel besser. Thirak wollte lieber einen der anderen Heiler über die Wunde sehen lassen, doch Octavia bestand darauf, dass die sich um die anderen Verletzten kümmern mussten. Ebenfalls hatte sie noch einiges mit ihm zu besprechen.
Kael erzählte ihr über die wahre Identität von Thirak. Er war Anaryon Vaneryen. Der rechtmäßige König von Mittelerde.
“Ich hörte schon einige Geschichten über dich…”, fing Thirak an. “...Ich hörte schon diverse Geschichten über das Mädchen, dass die Menschen von Arnor gerettet hatte…”.
Octavia lächelte nur. Ihr Gesicht wurde aber schnell wieder ernst. Dann sah sie zu Thirak auf, der die Wunde gerade säuberte.
“Und was ist deine wahre Geschichte?”, sagte sie ziemlich ernst und leicht getroffen. “Warum hast du uns niemals gesagt, dass du in wirklichkeit Aranyon Vaneryen bist?”.
“Hätte ich mich damals offenbart, hätte mir niemand mehr geglaubt… Ich hätte den Rebellen dann nicht mehr helfen können…”, verteidigte er sich im ruhigen Ton. “Du hättest mich wahrscheinlich nur mehr gehasst”.
In gewisser Weise stimmte das sie traurig, dass er so von ihr dachte. Auf der anderen Seite war sie sich überhaupt nicht sicher, wie sie darauf damals reagiert hätte.
“Aber du hättest es wenigstens dann sagen können, als es bekannt wurde, dass mein Vater Thurion ist und Kiana meine Halbschwester…”, sagte sie.
“Was hätte es gebracht?”.
“Ich hätte mich zumindest nicht so alleine gefühlt…”, dabei schnaubte sie enttäuscht. Sie beobachte Thirak, der sie dabei nicht ansah, sondern sich darauf konzentrierte, den Verband um ihre Schulter vernünftig umzulegen. Er sagte auch nichts dazu.
“Nachdem du es nicht geschafft hattest Kiana zu töten -aus Liebe oder Furcht- und offen als rechtmäßiger König von Mittelerde für dein Recht zu kämpfen, hast du nun auf die Gelegenheit gewartet, dass sie von anderen getötet wird, damit du nicht als Mörder in die Geschichte eingeht, sondern als Erretter des Reiches?”, dabei legte sie einen äußerst provokanten Ton auf.
“So einfach ist das nicht…”, antwortete er nur kurz und konzentriert.
“Woher kommt dann der plötzliche Sinneswandel?”, hakte sie weiter nach.
“Es war damals ein Fehler, ja… Aber das Reich ist nun in Gefahr… Es passieren schreckliche Dinge…”.
“Ach, und du denkst, du bist der Richtige, der das ganze Reich retten wird?”, ihr war klar dass sie darauf keine wirkliche Antwort bekam. Sie war mehr als überzeugt davon, dass die sie selbst die einzige war, die die richtigen Entscheidungen für ihr Volk traf. Niemand anders konnte das. Die letzte Zeit war Beweis genug dafür. Sie war aber auch verwundert, dass er sich davon nicht aus der Ruhe bringen ließ. Dann platzte Gwyneth in den Raum:
“Können wir aufbrechen?”.
“Sie muss noch mindestens einen Tag ausruhen…”, sagte Thirak besorgt.
“Sie muss zurück zu ihrem Volk…”.
“Ich habe genug vom Wundenlecken…”, sagte Octavia dann seufzend. “Lass uns lieber dafür sorgen, dass wir die Versprechen wahr machen und unser Volk zurück nach Arnor führen!”.
Dabei half ihr Gwyneth beim Anziehen ihres Umhangs. Dann folgte sie ihr aus der Mine heraus.

Dort überall waren die Menschen versammelt. Viele von ihnen waren damit beschäftigt weitere Sachen zu packen oder die Verwundeten zu versorgen. Niemand wagte es, Octavia in die Augen zu blicken. Einige sahen ängstlich oder sogar verachtend in ihre Richtung.
“Es weigern sich noch viele aus den Minen zu kommen…”, klärte Gwyneth sie auf. “... Die Angst vor einem Angriff durch Luthia ist viel zu groß…”.
“Du hast gesagt ich würde hier gebraucht werden… Doch sie wagen es nicht einmal mir in die Augen zu sehen…”, stellte die junge Maia nur fest. “Was verschweigst du mir?”.
Gwyneth seufzte und stellte sich vor Octavia. Sie spürte, dass dies nichts gutes bedeuten konnte.
“Unsere Niederlage hat sich herumgesprochen… Wir wissen nicht einmal ob Luthias Männer viel mehr sind als wir… Hier in der Nähe können wir nicht einmal etwas anbauen...Und wie du weißt, wächst kaum etwas auf den unterirdischen Farmen…”.
“Hör auf damit!”, forderte Octavia Gwyneth auf ruhig zu sein und biss dabei die Zähne zusammen. “Wir hatten schon mit größeren Problemen zu kämpfen!”
“Ja, aber diesmal kennen wir die Warnzeichen, wenn es zu einer Rebellion kommt… Ich hatte dich damals verraten, als du einen schwachen Moment hattest, als Gonodwaith Angst vor der weiteren Existenz hatte… Und jetzt sieh dich mal um… Es wird wieder passieren, wenn du nicht etwas dagegen unternimmst!”, sagte Gwyneth.
Octavia verstand ihren Standpunkt. Sie wollte, dass sie vorbeugende Maßnahmen traf, um das Volk zusammenzuhalten. Bevor sie sich allerdings Gedanken darum machen konnte, rief Kael sie und kam auf sie zu.
“Schön dass du wieder auf den Beinen bist!”, sagte er. “Was hast du nun vor?”.
“Na was wohl… Ich werde uns Arnor zurückholen…”, entgegnete sie nur und wollte gerade weitergehen.
“Octavia…bleib...”, rief Kael nur. “Octavia… Stopp!”.
Sie wollte ihm erst gar nicht zuhören, weshalb sie auch nicht stehen blieb. Erst als die Alarmsignale der Hörner ertönten, wandte sie sich zu ihm. Dann wurde ziemlich schnell ein Trupp Reiter sichtbar, die das gleiche Banner trugen, wie das welches Luthia auf der Brust trug.
Männer auf Karren warfen Kisten mit Essen vor die Mine, während einer der Reiter die Stimme erhob:
“Volk von Gonodwaith, das ist ein Friedensangebot von Heerführerin Luthia! Sie weiß, dass ihr alle gelitten habt, sie weiß, dass die letzte Zeit sehr schwer war… So viele von euch sind Octavias Herrschaft leid… Wir dürfen nicht vergessen wer sie ist… Kianas Halbschwester… Was ist es wert, wenn Kiana Vaneryen tot ist, aber ihre Schwester noch weiter Schrecken über das Land verbreitet! Euch steht es frei zu überleben und nach Minhiriath zu kommen und gemeinsam werden wir für ein vereintes Arnor leben!”.
Sehr viele Menschen die versammelt waren bekamen die Botschaft mit und sammelten das Essen ein. Octavia zog schon ihr Schwert und wollte voller Zorn auf die Gruppe von Reitern zu zu stürmen um ihn zum Schweigen zu bringen. Doch sie ritten schon wieder in die andere Richtung. Octavia wusste was dies bedeutete. Es war der Untergang, wenn ihre eigenen Leute freiwillig Luthia anschlossen. Das durfte nicht sein.

Vorsichtshalber ordnete sie die Gefangennahme und Exekution von jedem an, der versuchte zu fliehen. Alle wurden als Verräter angesehen. Zur Ablenkung und um sich auf den kommenden Krieg vorzubereiten trainierte sie gegen Gwyneth, die sich aber sehr zurückhaltend zeigte.
“Ich sagte dir doch du sollst mich nicht verschonen!”, sagte sie außer Atem, als die Frau eher nur ihre Angriffe parierte, als dass sie selbst einen Angriff unternahm.
“Vielleicht solltest du dir einen Gegner suchen, der keine Angst vor dir hat!”, ertönte dann die Stimme ihres Bruder, der den Raum gerade betrat.
“Gwyneth, gib ihm dein Schwert!”, befahl sie dann schließlich.
Dann kämpften sie schließlich. Octavia musste feststellen, dass ihr Bruder Kael diesmal viel geübter war, als all die Jahre zuvor. Er war sonst immer eher der Stratege, als der Kämpfer.
“Du bist viel besser geworden!”, stellte sie fest.
“Ich hatte ja auch genug Zeit zum üben!”.
Dann kämpften sie wieder eine Weile weiter. Jeden ihrer Schläge mit dem Schwert konnte er abwehren.
“Damit eins klar ist: Wenn Thirak den Thron von Mittelerde besteigt, muss das hier alles enden…”, sagte er.
Octavia schlug weiter mit ihrem Schwert auf ihn ein, bis sie es schließlich schaffte ihm einen leichten Schlag in die Magengrube zu geben. FÜr sie war sicher, dass sie sich vor niemanden beugen wollte. Nie mehr.
“Ich weiß was er getan hat… Er hat seine Krone für Kiana niedergelegt… Er hat es zugelassen dass sie die Königin wird, obwohl er wusste dass sie nicht im Recht war! Er hat es zugelassen dass unsere Mutter und viele andere gestorben sind!”, hastete sie, während sie seine Angriffe abwehrte.
Dann schlug er ihr gegen ihre verletzte Schulter, sodass sie große Schmerzen verspürte, bis sie  schließlich von ihm zu Boden gerungen wurde. Er blieb vor ihr stehen, während sie auf dem Rücken lag.
“Wir alle haben schreckliche Dinge getan, die alle unverzeihlich sind, diese aber für unser Volk und unsere Familie getan haben! Thirak bildet da keine Ausnahme… Er hat Fehler gemacht ja… Aber ich versuche verzweifelt zu verstehen, wer du nur jetzt nach dieser ganzen Zeit bist…”, sagte er traurig und verließ den Raum. Octavia sah ihm noch eine Zeitlang nach und blieb auf dem Boden liegen. Was war nur geschehen, dass ihr Bruder nicht zu ihr hielt?

Octavia lief durch die Haupthalle der Mine. Die Arena war eine lange Zeit nicht benutzt. Auf einem Tisch neben ihrem Thron fiel ihr ein Bündel auf, was dort abgelegt wurde. Sie kannte es. Kael trug es zuvor bei sich, als er das erste mal die Mine betrat.
Mit langsamen Schritten trat sie dort hin, nahm das Bündel in die Hand und entfernte den Stoff. Die schwarze Krone von Kiana blitzte hervor. Als sie die Hände um das kalte Metall schloss, hatte sie regelrecht das Gefühl dass ihre Hände angesaugt werden würden. Octavia war fasziniert, denn zuvor trug Kiana diese Krone noch, die so einfach wirkte. Ein so kleiner Gegenstand, der doch so viel bedeutete und die Herrschaft über Mittelerde legitimierte.
Als sie an sich herab sah, bemerkte sie dass ihr Schwert stark pulsierte. Die Runen leuchteten violett und erhellten fast den ganzen Saal.
Warum sollte ich das Schicksal aller in die Hände von jemanden legen der sowieso schwach ist, dachte sie sich, wenn sie über Thirak nachdachte. Immerhin war er schon einmal nicht in der Lage sein Volk zu retten. Octavia dagegen nahm jedes Übel auf sich, um jeden einzelnen zu retten. Sollte das nicht jeder gute Herrscher tun?
DU, wärst doch eine viel bessere Königin… Sernereth… Es ist dein Recht… Er ist falsch... hörte sie wieder die dunkle Stimme in ihrem Kopf. Anfangs versuchte sie noch diesen Gedanken aus dem Kopf zu schlagen. Was brachte es denn, Königin über ganz Mittelerde zu werden. Wozu auch. Aber umso mehr sie darüber nachdachte war dies wohl die einzige Möglichkeit Gerechtigkeit und Ordnung in das Reich zurückzubringen. Wer sollte sonst dafür sorgen wenn nicht sie? Alle anderen würden sich sowieso nur für sich selbst bereichern. Sie selbst dagegen wusste was für ihr Volk das beste ist.
Vorsichtig setzte Octavia sich die Krone auf ihr Haupt. Ein warmes Gefühl durchströmte ihren ganzen Körper. Sie kannte das Gefühl. Es was da gleiche, welches sie auch verspürte, wenn sie ihre Macht einsetzte. Doch dieses war angenehmer.
Ihr Herz schlug stark, sodass sie es selbst hören konnte.
Sernereth…, hörte sie wieder die Stimme in ihrem Kopf. Die wahre Königin über Mittelerde!.
Ihr Atem wurde schwer und sie schloss für einen Moment die Augen. Nur einen Moment. Obwohl sie sehr müde war, verhalf ihr das dabei sich wieder ausgeruht zu fühlen.
“Du solltest dich ausruhen und schlafen…”, hörte sie plötzlich eine männliche Stimme hinter sich. Octavia schrak auf und nahm sich schnell die Krone von ihrem Kopf und schlug sie förmlich auf den Tisch. Damit noch erwischt zu werden konnte sie nicht gebrauchen. Sie taumelte etwas und ihr Atem war noch schwer.
“Ich schlafe… Wenn der Krieg gewonnen ist!”, entgegnete sie nur verärgert und tat so, als würde sie die Karte auf dem Tisch studieren. “Warum bist du hier?”.
“Du weißt warum…”.
“Belehre mich nicht Indro… Ich werde es nicht zulassen, dass Thirak denkt er könnte jetzt auftauchen und die Herrschaft an sich reißen, nachdem er mehrere Male gescheitert ist… Du warst Anfangs auch nicht begeistert von ihm!”, verteidigte sie ihre Entscheidung nur.
“Anfangs war ich das nicht, ja… Aber es ist eine andere Situation, wenn er der rechtmäßige König ist und alle vor einem schlimmeren Unheil damit bewahrt hat!”.
“Das Reich von Mittelerde gibt es nicht mehr!”, fauchte Octavia nur.
“Und weshalb bist du dann so versessen auf diese Krone?”.
“Versessen… Versessen?!”, wiederholt sie die Worte zweimal. Sie fühlte sich leicht erwischt. Das Gefühl verschwand aber schnell wieder Dann sah sie zu dem dunklen Stück Metall rüber.
“Sie ist gefährlich… Sieh doch wohin das Kiana gebracht hat…”.
“Das ist nur ein Stück Metall… Ein Symbol… Aber selbst wenn.. Mir ist jedes Mittel recht, was unser Volk retten kann, ganz gleich wie gefährlich es sein sollte!”, verteidigte sie sich weiter.
“Und wenn du damit ganz Mittelerde gefährdest?”.
“Du leitest meine Truppen… Hast du eine bessere Idee?”, feindete sie Indro an.
“Ach, leite ich wirklich deine Armee? Warum wusste ich dann nichts von deinen ganzen Vorhaben?”
“Was zur Hölle meinst du damit?”, fragte sie irritiert nach.
“Wann wolltest du mir davon erzählen, selbst die Krone an dich zu reißen?”.
“W-wann wollte ich...Fangen wir vielleicht erst damit an, wann du mir erzählen wolltest, dass du Phelan verholfen hast zu fliehen!”, schrie sie ihn an. “Wenn wir verlieren sollten, liegt es einzig und allein daran… Er verrät alles an Luthia was wir hier haben… Wie fühlst du dich damit, hm?!”.
DIe junge Frau versuchte nun alles, um von sich abzulenken. Ihr war nicht bewusst, dass Indro scheinbar schon so lange da stand und sie beobachtete. Oder war sie so leicht durchschaubar? Nein. Das durfte nicht sein.
“Grauenvoll…”, antwortete Indro sarkastisch, “...Aber ich würde es wieder tun…”.
“Achja? Nicht wenn ich dich dann in die Kampfarena schicke!”, bedrohte sie ihn. Sie fühlte sich mehr als angegriffen.
“Ich werde mich nicht dafür entschuldigen, dass ich dich vor dir selbst beschützen will…”, verteidigte Indro sich selbst.
“Raus hier…”, sagte sie noch relativ leise, aber zornig. Als er sich nicht rührte wurde sie lauter: “Ich sagte: GEH!”.
Dabei schlug sie so dermaßen auf den Tisch, dass die Gegenstände darauf umfielen. Sofort kam eine Wache an, um nach dem rechten zu sehen.
“Ich sagte raus…”, forderte sie noch einmal Indro wütend aber ruhig auf.
“Hüte dich vor der Dunkelheit Octavia… Es ist einfach den Weg aus den Augen zu verlieren”, sagte er noch und verließ dann endlich den großen Saal. Octavia wusste worauf er anspielte. Ganz klar auf Kiana. Alle verglichen sie mit Kiana. Das war für sie nicht nachvollziehbar. Immerhin kümmerte sie sich um ihr Volk und beschützte es.

Schon am nächsten Tag waren alle versammelt um den Schlachtplan zu besprechen. Vorher klärte sie Tardon alleine über Thirak auf und dass er eine Bedrohung für alle war. Octavia verteilte klar die Rollen und gab Tardon die Befehlsgewalt über die Hauptarmee, die vorher Indro hatte. Er war zunächst davon verwirrt, doch Indro ließ sich nichts anmerken, sodass er nur behauptete, dass Tardon nun bereit dazu war. Diesmal wählte Octavia den Weg östlich der südlichen Blauen Berge entlang. Der Weg war kürzer um nach Minhiriath zu gelangen und Luthias Truppen zu besiegen. Von dort aus hatten sie dann erst einmal eine gute Basis, um das restliche Arnor zurückzuerobern.
Nachdem der Plan durchgesprochen war, waren nur noch Tardon, Indro, Gwyneth und zwei weitere Hauptmänner im Besprechungsraum. Alle teilten sich das Essen und sprachen wie üblich die Worte.
“Was ist mit Thirak?”, fragte Tardon.
“Er kommt wie geplant mit uns in die Schlacht… Wir klären das, wenn die Schlacht vorbei ist…”, antwortete sie nur.
Dann öffnete sich die Tür und Kael kam herein. “Lass ihn rein…”, sagte sie nur. “Ruht euch aus, morgen marschieren wir los!”.
Alle erhoben sich und verließen den Raum. Als Tardon gerade gehen wollte, wurde er noch von Kael angesprochen: “So viel zu dem Kommandanten der königlichen Armee…”.
“Was?!”, entgegnete Tardon nur provoziert.
“Geh nicht darauf ein, Tardon…”, beruhigte Octavia nur die Situation, sodass er den Raum verließ.
“Bedrohe nicht meine Männer, Kael!”, mahnte sie und sah ihn giftig an.
“Ich kann nicht zulassen, dass du Thirak etwas antust…”, sagte er nur getroffen.
“Geht das also wieder los… Woher hast du das?”, sagte sie genervt vor sich hin, obwohl sie sich denken konnte dass das von Indro stammte. “Du flehst um das Leben eines Verräters, der alle Menschen in das Verderben stürzte....”.
“Mutter und ich haben auf dich immer aufgepasst, alles mit dir geteilt…”, fing er an und nahm etwas von dem Essen in die Hand. “Darf ich?”.
“Nur wenn du den Spruch sagst!”, forderte sie ihn direkt auf. “Mein sein für uns alle! Sag es!”.
“Mein sein für uns alle!”, wiederholte Kael die Worte, teilte das Stück Brot auf und aß eines davon. Octavia beobachtete sein Gesicht dabei genau. Irgendetwas missfiel ihr daran. Vielleicht lag es daran, dass er einfach noch nicht von den Worten überzeugt war. Dann reichte er eins Octavia rüber, die ebenfalls den Spruch aufsagte und dann das Stück nahm und ebenfalls aß.
“Es ist spät Kael… Wenn du hier bist um zu betteln… Tu es einfach…”, sagte sie locker, während sie noch kaute.
“Ich bin nicht hier um zu betteln…”, sagte er dann, “...Ich bin hier um dir zu sagen, dass ich dich liebe… Über alles… Egal was auch passiert… Ich hoffe du glaubst mir…”.
Octavia war verwundert, denn damit hatte sie jetzt nicht gerechnet. Gleichzeitig erinnerte sie es sie wieder an alte Zeiten damals in Minas-Tirith als sie Kinder waren.
“Komm zum Punkt…”, sagte sie dann. Er nickte dann vorsichtig, wirkte aber noch so, als hätte er was auf dem Herzen.
“Ich komme gerade von Minhiriath und habe eine Abmachung mit Luthia getroffen… Wenn sich Gonodwaith ergibt, dürfen wir alle hier in Arnor leben und sobald das Land wieder geeint ist frei siedeln…”, sagte er ruhig. Octavia riss die Augen auf als sie das hörte. Was fiel ihm überhaupt ein selbstständig für ihr Volk solche Entscheidungen zu treffen? Er war kein Anführer, kein Abgesandter nichts. Sie war wütend und hatte das Gefühl keine Luft zu bekommen. Ihre Augen wurden glasig und feucht. Das Sprechen fiel ihr schwer. Dann bemerkte sie, dass es nicht nur eine Einbildung war. Sie bekam tatsächlich keine Luft. Irgendetwas war falsch.
“Es stimmt etwas nicht Kael…” ,presste sie angestrengt hervor. “Ich...Ich...Kann nicht atmen….”.
Sie versuchte sich schwerfällig zu erheben und nach Luft zu schnappen. Sie wandte sich an ihren Bruder, der nur selbst Tränen in den Augen hatte und weg sah.
“Kael… Hilf mir…”, bat sie keuchend. Er blieb aber nur regungslos sitzen. Dann wurde ihr bewusst, dass er etwas damit zu tun haben musste.
“Was...hast du getan…”, presste sie wieder schwerfällig vor.
“Ich habe ein Stück davon in das Gift der Orks getaucht und das Stück, das wir uns geteilt haben ausgetauscht…”, sagte er nur.
Octavia versuchte sich wieder zu erheben, irgendwie zu atmen. Es ging nicht. Die letzte Kraft nutzte sie dazu um nach ihren Wachen zu rufen. Doch bevor sie auch nur ein Wort hervorbrachte, wurde ihr Mund von ihrem Bruder zugehalten. Die junge Maia versuchte mit aller Kraft aus seinen Händen zu kommen, doch sie war zu schwach, bis sie von ihm auf dem Boden abgelegt wurde. Wieder wurde ihr schwarz vor Augen. War es das nun? Hatte ihr Bruder sie vergiftet? Wollte er sie wirklich umbringen?
« Letzte Änderung: 5. Aug 2021, 22:15 von >Darkness< »
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Berge + Minen der Ered-Luin
« Antwort #6 am: 10. Jun 2021, 10:22 »
Minen der Ered-Luin + Umgebung

Sernereth Part 6:  Zerstörung

Octavia in den Minen der Ered-Luin


Octavia wurde allmählich wieder wach. Zuerst sah sie nur verschwommene Konturen, bis sie schließlich Indro vor sich stehen sah. Sie lag in ihrem Bett, fühlte sich noch schwach und erschöpft. Ihre Hände waren an dem Bett gefesselt und es wirkte so, dass auch  Indro mit hinter der Verschwörung steckte. Sie wusste gar nicht wie lange sie schon bewusstlos war. Es fühlte sich wie eine Ewigkeit an.
“Sag mir wieso…”, fragte sie Indro nur stöhnend vor Erschöpfung.
“Luthia war einverstanden Arnor mit uns zu teilen, wenn wir uns ergeben…”, antwortete er.
“Wir sollen uns ergeben? Du bist also nicht nur ein Verräter, sondern auch ein Feigling…”, sagte sie erschöpft, dennoch verärgert. “Ich schäme mich deiner…”.
“Und ich habe Angst vor dir… Vor dem was du inzwischen geworden bist… Ich gebe mir selbst die Schuld daran… Ich habe es zu weit gehen lassen, denn die Dunkle Zeit hat uns alle gebrochen…”.
“Rede nicht mit mir über die Dunkle Zeit…”, sagte sie und hustete dann. Noch immer fühlte sich ihre Luftröhre angeschwollen an. Sie erinnerte sich überhaupt nicht gerne an diese schlimmen Geschehnisse, die sie in den Minen durchmachen mussten. Tränen überschwemmten ihre Augen, sodass der schwarze Lidstrich, den sie sich um die Augen zog seitdem sie die Anführerin von Gonodwaith war, leicht verwischte.
“Wir haben es überlebt und auch das hier können wir überleben!”, sagte Indro überzeugt.
“Wir haben es überlebt , weil ICH da war! Du hast nur tatenlos zugesehen!”, fauchte sie ihn an, auch wenn es ihr mehr als schwer fiel. Alle haben sie damals machen lassen. Jeder hätte eingreifen können oder ihr einen anderen Weg vorschlagen können. Niemand wollte  diese Verantwortung auf sich nehmen und drückte sie auf Octavia. Nun sollte sie der Sündenbock sein?
Heuchlerisch, dachte sie sich nur.
“Ja, ich hätte dich diese Bürde nicht alleine tragen lassen sollen… Und jetzt mache ich nicht nochmal den gleichen Fehler…”, sagte er.
Octavia war noch immer wütend. Am liebsten wäre sie aufgesprungen und wäre Indro an die Gurgel gesprungen. Doch sie konnte nicht. Ihr Körper ließ das nicht zu. Bevor sie auch noch etwas sagen konnte, ertönte ein Horn. Octavia kannte es. Es war das gleiche Horn, was bei ihrer Ernennung zur Anführerin ertönte. Dann wurde ihr einiges Klar.
“Das Ernennungshorn von Gonodwaith… Sie wollten dir nicht folgen, stimmts? Und deshalb benutzt ihr Thirak, damit sie dem wahren König von Mittelerde folgen!”, fieberte Octavia vor sich hin.
“Ja… Bald wird Gonodwaith den wahren Herrscher von Mittelerde akzeptieren und sich vorerst ergeben, um weiteres Blutvergießen zu verhindern!”, sagte er und lehnte sich dann gegen die Wand. Er wirkte selbst erschöpft und unsicher. “Du wirst schon noch erkennen, dass dies eine weise Entscheidung war…”.
Indro entfernte sich dann schließlich aus dem Zimmer.
Das war die dümmste Entscheidung die getroffen werden konnte, fluchte sie innerlich.
Octavia sah ihm noch nach, nutzte aber die Gelegenheit um sich zu befreien. Tardon betrat nämlich kurze Zeit später den Raum, löste die Fesseln und half ihr auf.
“Es tut mir leid, ich wusste nichts davon… Uns wurde nur gesagt du wärst sehr krank…”, entschuldigte er sich mehrere male.
“Mein Bruder hat versucht mit zu vergiften… Wir müssen sie schnappen, bevor sie davonkommen!”, befahl sie ihm. Er salutierte fast vor ihr und machte sich so schnell er konnte auf dem Weg. Octavia nutzte die Chance und suchte Thirak auf.
Sie traf aber nur auf Kael und Indro zusammen, die schon von Tardon und Gwyneth festgesetzt worden waren. Sie ging einige Schritte auf die beiden zu, die nur mit gesenktem Kopf auf die Krone sahen, die auf dem Tisch stand.
“Du weißt ganz genau, dass er das eigentlich nicht will…”, fing Kael an. “...Es ist aber die einzige Möglichkeit um Krieg zu verhindern…”.
“Dann ist er kein besserer Herrscher als all die anderen…”, entgegnete die junge Maia. “Wo ist er?”.
“Ich hab ihn schon weggeschickt, als ich dein Zimmer verlassen habe… Ich bin doch nicht so dämlich und denke nicht daran, dass es hier einige Dummköpfe gibt, die deine Sache fanatisch unterstützen…”, sagte Indro nur erbost und deutete dabei auf Tardon.
“Pff…”, machte sie nur trotzig. “Führt sie ab!”.
Octavia ließ so viele Menschen von Gonodwaith in der Haupthalle versammeln, wie sie konnte. Es war wichtig, dass alle die Wahrheit sahen. Ihre Wahrheit.
Kael und Indro wurden in die Arena gesteckt, waren auf ihren Knien und geknebelt.
Als Octavia die Halle betrat waren alle plötzlich ruhig. Die schwarze Krone hielt sie unter ihrem Arm eingeklemmt fest.
“Die Geschichten die ihr über Thirak gehört habt, er sei der rechtmäßige König von Mittelerde sind vermutlich wahr… Doch wollen wir uns wirklich wieder einem Vaneryen unterwerfen? Er ist wieder einmal geflohen… Genau wie damals, als er die Möglichkeit hatte, Kiana Vaneryen zu töten und uns alle vor großem Leid zu bewahren… Thirak hat uns alle im Stich gelassen… Damals wie heute! Er ist nicht Gonodwaith, er ist der Feind von Gonodwaith… Und wie alle unsere Feinde, wird er seine Strafe bekommen! Folgt ihr mir als eure Anführerin, die ihr ganzes Leben für euch geben würde?”, rief sie vor den Versammelten. Geflüster brach aus. Viele nickten ihr zu. “Doch zuvor haben wir einen Krieg zu gewinnen!”
Als sie sich dann die schwarze Krone auf dem Kopf setzte, jubelten ihr eine große Menge zu. Einige waren aber Still. Immer wieder riefen sie “Für Sernereth!”, um ihre Zustimmung für die Königin zu zeigen.

Tardon und Gwyneth klärten am Abend Octavia darüber auf, dass sich die Hälfte der Mitglieder von Gonodwaith weigerten ihr in den Krieg zu folgen. Es waren besonders die alten Veteranen und Fürstenanhänger, die die Enthüllung von Thirak begrüßten.
“Sei kein Feigling, Tardon… Sag ihr die Wahrheit…”, forderte Gwyneth ihn auf. Octavia sah ihn neugierig an.
“Es geht um Thirak… Dass ein vermeintlicher König da draußen ist, macht die ganze Sache komplizierter…”, sagte er dann.
“Komplizierter?”, wiederholte sie das Wort, als hätte sie es nicht verstanden. “Du hast gerade gesagt, dass mehr als die Hälfte unserer Leute es verweigert zu marschieren… Das klingt für mich mehr als kompliziert…”.
“Wenn du nicht versucht hättest deine Anhänger zu töten, dann würden wir auch nicht…”, wollte Gwyneth gerade sagen. Octavia wusste dass sie auf die Exekutionen anspielte. Sie Tardon unterbrach die Frau aber: “Die brauchen wir auch nicht… Unsere Späher berichten, dass wenn nur die Hälfte marschiert, sind wir tatsächlich trotzdem Luthias tatsächlich kämpfenden Männern überlegen…”.
“Das reicht trotzdem nicht… Sie haben Pferde, bessere Waffen”, entgegnete Octavia verzweifelt.
“Wir würden sie dennoch überraschen,ganz sicher!”, versuchte er sie zu überzeugen. “Wenn der Krieg erst einmal gewonnen ist, werden uns die restlichen von Gonodwaith sicher folgen!”.
Gwyneth fing nur an zu lachen, weshalb Octavia sie genau musterte. “Wenn du es anders siehst, dann sag was… Wenn du schweigst, bringt es uns überhaupt nichts…”, forderte Octavia sie auf.
“Entweder du bist Gonodwaith, oder du bist ein Feind von Gonodwaith… Mein Ratschlag ist dass du dich hinter unserem wahren König einst, oder du erinnerst sie daran was mit unseren Feinden passiert!”, schlug die Frau vor.
“Ich weiß, du bist eine damalige Fürsten die viel Wert darauf legt, aber… Dein wahrer König ist ein Mann, der uns schon einmal alle enttäuscht hat…”, sagte Tardon. “Sernereth hat uns durch diese schwere Zeit geführt und nun soll sie einfach abtreten und die hälfte unseres Volkes töten?”. Octavia dagegen ging nachdenklich im Zimmer auf und ab. Natürlich war das sicher keine einfache entscheidung ihren Bruder und Indro in der Arena kämpfen zu lassen. Doch es war sicher die einzige Möglichkeit.
“Sie redet von der Kampfarena…”, klärte Octavia Tardon besser auf.
“Gwyneth… Wir reden hier über ihren Bruder…”.
“Ja, und Indro… Ich weiß…”.
“Ich bin verwirrt… Ich soll die töten, die euren teuren König zurückgebracht haben?”, fragte Octavia noch einmal bei Gwyneth nach.
“Nein, ich will dass du vor ihm niederkniest, wie es vor einem fürstlichen König üblich ist… Aber du willst dass sie marschieren? Dann zeig ihnen was passiert wenn sie es nicht tun!”, sagte Gwyneth.
Octavia verstand den Punkt von Gwyneth. Auch wenn sie mehr als enttäuscht von der Frau sein müsste, weil sie nach einem anderen Herrscher verlange -einem Mann, der von fürstlicher Geburt ist- verhalf sie Octavia zum Sieg mit ihren Vorschlägen. Sie fand es in gewisser Weise bewundernswert.

Octavia entschied sich einige Tage ster vor dem Kampf noch einmal mit Indro und Kael zu reden. Sie ging zu Indro in den Kerker und sah ihn dort kniend und betend. Als er sie  bemerkte, erhob er sich und wandte sich ihr zu. Octavia ging einige Schritte auf ihn zu.
“Der Tag, an dem ich deine Blutkriegerin wurde, war der beste Tag meines Lebens…Habe ich dir das jemals gesagt?”, fing sie an. “Du hast mich angenommen, als mein Volk mich abgelehnt hatte, du hast mir die Kraft geschenkt, mehr zu sein, als ich es jemals erträumen konnte…”.
“Diese Kraft war schon immer in dir…”, entgegnete er nur.
“Du hast mich verraten Indro…”, sagte sie mit Tränen in den Augen, denn sie war mehr als enttäuscht und verletzt von ihm. Sie sah ihn als Vaterfigur. Mehr noch, als damals in Phelan. Denn er konnte sie verstehen.
“Ich habe Sernereth verraten…”.
“Wo ist da der unterschied?!”, fauchte sie ihn direkt wieder an.
“Octavia der Daskina-Rebellen war meine Blutkriegerin… Ich habe sie gelehrt wann sie angreifen soll und wann nicht….Ich habe ihr geraten was das beste für ihr Volk wäre und nicht für sich selbst…”.
“ICH BIN das beste für mein Volk!”, sagte sie energisch und überzeugt, während sie die ersten zwei Worte betont aussprach.
“Das gleiche sagte auch Kiana… Aber wieso bist du dann hier?”.
Octavia antwortete nicht, weil sie sich nicht eingestehen wollte, dass ihr nicht alle in den Krieg folgten. Deshalb schwieg sie zunächst und sah Indro nicht an. Er aber, schien schnell dahinter gekommen zu sein.
“Sie wollen nicht marschieren, richtig?”, stellte er schnell fest, “Du willst nicht kapitulieren und die Krone an dem rechtmäßigen König abgeben… Deshalb benutzt du jetzt die Angst um Gonodwaith deinem Willen zu beugen… Hatte ja schon einmal funktioniert…”.
“Funktioniert es auch diesmal?”, sagte sie angriffslustig und ging auf Indro zu. “Wenn ich dich und Kael in die Arena werfe? Werden sie dann marschieren?”.
“Vermutlich ja… Aber das wusstest du bereits…”.
“Indro, bitte gib mir eine alternative…”, flehte Octavia schon fast.
“Es gibt keine… Aber wenn es hilft die Dinge zu klären kann ich dir eins sagen: Ich sorge dafür ,dass dein Bruder vor mir stirbt wie ein ausblutendes Schwein!”.
Octavia trat einige Schritte von ihm zurück. Sie wusste was das bedeutete. Es war eine ganz klare Drohung seinerseits. Sie musste dringend mit Kael sprechen. Ihn warnen.
Sie ging in die Zelle, in der Kael gefangen war. Er lag auf einer Bank, auch noch als Octavia die kleine Zelle betrat. Erst als sie sich auch auf die Bank setzte, richtete er sich auf.
“Weißt du noch all diese blöden Spiele die wir in unserem Anwesen immer gespielt haben?”, versuchte sie das Gespräch zu beginnen. “Wie öde und langweilig du es immer fandest… Du hast niemals nein gesagt und mich so oft gewinnen lassen!”.
Er sagte nichts, sonder war angewandt.
“Erinnerst du dich an den Unfall? Ich habe mich verletzt und überall war Blut. Du hast dir extra in den Arm geschnitten und behauptet es war deins, als die Wachen herein kamen… Du wolltest mich immer beschützen… Diesmal wolltest du mich mit Gift umbringen…”.
“Nicht wirklich…”, sagte er. “Auch das habe ich getan um dich zu beschützen… Vor dich selbst…Und den Krieg… Sag mir welcher Anführer schickt seine Leute in einen aussichtslosen Krieg, bei dem viele sterben werden?”.
“Du hast doch keine Ahnung wovon du sprichst, Kael!”, tat sie seine Worte ab.
“Ach ja? Du hast diesen Ort in einem Ort aus deiner Kindheit verwandelt… Aus all den Büchern und Geschichten über Mittelerde… Ich meine… Die Blutkönigin… Das ist wohl ein Witz!”, entgegnete er.
Octavia fühlte sich leicht angegriffen. Für sie war es keineswegs ein Witz. Für sie war es die Möglichkeit zu überleben. Für sich selbst und viele andere.
“Ich sitze hier, weil ich dir helfen wollte zu überleben… Jetzt bin ich mir nicht mehr sicher ob ich das will…”, sagte sie nur trotzig.
“Das liegt bei dir… Ich bin gespannt…”.
“Indro hat noch immer eine Schwachstelle… Sein Arm war nie richtig verheilt, nachdem er die Schlacht gegen Robben verloren hatte… Nutze sie…”, sagte sie dann schließlich.
“Du willst mir helfen den Mann zu töten, dem du alles zu verdanken hast?”.
“Ich liebe Indro… Aber er hat nicht mein Blut.... Du schon…”, erklärte sie. “Lass Indro eine schwere Waffe nehmen.. Er wird es nicht schaffen die mit einem Arm zu halten… Sag mir dass du das verstehst...”.
Dabei kniete sich die junge Maia vor ihm und berührte seine Beine.
“Ich wünschte ich könnte das…”, entgegnete Kael getroffen, während er sein Gesicht in seine Hände vergrub. “Ich wünschte ich wüsste, wodurch du so geworden bist… Ich ich wünschte ich könnte dir diese Last abnehmen… Doch jetzt bin ich hier und wie ich sehe hast du zwei möglichkeiten. Du sagst diesen Kampf ab und lässt dich darauf ein Arnor zu teilen, oder du siehst zu wie ich sterbe!”.
“Jeder von uns kämpft!”, sagte sie nur bestimmend.
“Ich kämpfe nicht…”.
“Das wird sich zeigen…”, nach diesen Worten erhob sie sich und wollte gerade wieder gehen.
“Davon gibt es kein zurück Octavia… Wenn ich heute sterbe, hast du mich für immer verloren…”.
“Ich weiß du versuchst noch immer mich zu retten… Aber du kannst niemanden retten der schon tot ist…”, sagte sie nur niedergeschlagen und ging.
Zurück in ihrem Zimmer angekommen, konnte sie ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. Sie sah einen Spiegel zertrümmerte ihn und sah wieder hinein. Dann nahm sie eine der Scherben und schnitt sich damit schluchzend die Arme auf. Der Schmerz lenkte sie von ihrer Trauer ab. Ihr eignen Blut schmierte sie sich als Kriegsbemalung wieder in das Gesicht. Das war das einzige, was ihr die stärke und die Willenskraft zurückgab.

Später war es soweit. Alle waren wieder versammelt und sahen sich den Kampf an. Octavia nutzte die Möglichkeit, alle daran zu erinnern, dass alle sich an das Gesetz halten mussten, egal wer er war. Dann ließ sie den Kampf beginnen. Sofort kämpfte Indro gegen einen Mann, der zuvor fliehen sollte. Kael blieb dagegen Knien.  Es dauert nicht lange da war der Mann tot. Kurz bevor sich Indro Kael zu wandte, griff er doch eine Waffe und sie kämpften gegeneinander. Lange gab es keinen der die Oberhand behielt.
Dann kam plötzlich jemand herein gerannt, der nichts mit dem Kampf zu tun hatte. Es war einer der Männer, die sich um die unterirdischen Farmen gekümmerten hatten.
“Stop, hört auf zu kämpfen!”, rief er. “Die Farmen funktionieren wieder! Die krankheit ist wieder weg, das bedeutet wir können hier bleiben!”.
Großes getuschel brach darüber aus. Octavia war wie angewurzelt und wusste nicht wie sie darauf reagieren sollte.
“Du kannst in den Krieg ziehen wenn du willst… Aber lass den anderen wenigstens die Wahl!”, rief der Mann noch.
Die Unruhen wurden lauter und lauter. Die Zäune wurden abgerissen. Immer wieder riefen die Menschen “Nie mehr Sernereth!”.
Octavia muste etwas unternehmen. Es war der Untergang von ganz Gonodwaith. Das war ihr Untergang als Anführerin. Aber sie musste doch ihr Volk beschützen. Wie sollte sie das nun anstellen.
“Sernereth wie lautet dein Befehl?”, fragte Tardon aufgeregt.
“Senkt die Waffen!”, sagte sie nur und verließ die Haupthalle. Sie machte sich auf dem Weg zu den unterirdischen Feldern und betrachtete die gesunden Pflanzen dort. Tatsächlich blühten die lange verdorrten Pflanzen wieder. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis dort wieder Früchte wuchsen. Das bedeutete, dass sie dort bleiben mussten. Das konnte sie aber nicht hinnehmen. Sie wollte ihr Volk zurück nach Arnor führen.
Feuer! Feuer!, rief die dunkle Stimme in ihrem Kopf. Wie von fremder Hand gesteuert nahm sie eine Fackel und zündete jede Pflanze dort unten an. Dichte Rauchschwaden  füllten den Raum und breiteten sich in der Mine aus.
Octavia sah dabei zu, wie dort alles in Flammen aufging. Das sorgte dafür, dass die anderen angerannt kamen. Sie gab den anderen somit eine Entscheidungsmöglichkeit . So wie es gefordert wurde.
“Entscheidet euch… Bleibt hier und stirbt, oder marschiert und lebt!”, dabei klang sie mehr als siegessicher in ihrer Sache.

Auch wenn es großes unverständnis dafür gab, was Octavia getan hatte, blieb ihnen nichts anderes mehr übrig, als in den Krieg zu marschieren. Die junge Maia ging voran. Ihr war es mittlerweile egal ob die anderen ihr folgten oder nicht. Tardon rüstete derweilen alle mit Verpflegung und Ausrüstung aus.
Es gab noch immer welche, die Octavia als Sernereth fanatisch folgten. Diese waren auch direkt ohne zu fragen hinter ihr.
Sie marschierten den direkten Weg nach Minhiriath. Ohne Pause und ohne Rast.
Octavia lief einfach stur weiter den Weg entlang. Inzwischen folgten fast alle Octavia in den Krieg. Einschließlich Indro und Kael.Tardon kam zu ihr und informierte sie darüber, dass Indro und Kael mit ihr sprechen wollten. Die junge Frau willigte zu.
“Du führst uns in ein Massaker!”, sagte Indro verärgert.
“Werden wir sehen…”, antwortete Octavia nur emotionslos.
“Ein Späher berichtet, dass Luthia bescheid weiß… Sie sind also gewarnt und bringen ihre Waffen in Position…”, sagte er, obwohl Octavia darauf nicht reagierte und keine Miene verzog. Das schien ihn so sehr zu verärgern, dass er selbst verärgert war. “Die Späher suchen nach einen guten Weg hinein… Aber da du die Farm abgebrannt hast gibt es kein Weg zurück, also wollte ich dich nur wissen lassen, dass du dein Volk umgebracht hast!”.
Indro mahnte Kael nur, dass er es sein lassen sollte. Dann verschwand er wieder unter den anderen Männern und Frauen von Gonodwaith.
Nach einer kurzen Besprechungspause, wie der Plan weitergehen sollte, marschierten sie ziemlich zügig weiter. In einer Bucht kamen plötzlich eine unmenge an Bolzen und Pfeile auf sie niedergeregnet. Der erste der erschossen wurde war Aurelius. Octavia und Phelan versprachen Davos damals auf den Jungen aufzupassen und ihn zu beschützen. Nun war er tot. Kael zog Octavia nur zu sich runter und sagte ihr, dass sie auf dem Boden bleiben sollte. Deshalb konnte sie nicht darüber nachdenken.
Alle die aufrecht standen, wurden von den Pfeilen erschossen. Viele Krieger von Gonodwaith flohen um ihr Leben zurück.
“Bleib liegen!”, sagte Kael nur. “Wir warten bis es nacht ist und fliehen dann!”

Schließlich war es dunkel und Kael gab das zeichen zum laufen. Immer wieder versteckten sie sich hinter Felsen.Sie schnappte sich eine herumliegende Armbrust und machte sich bereit.
“Nein Octavia… Sobald du einen Bolzen abfeuerst, war es das für uns!”, sagte er nur und appellierte an ihre Vernunft. Als sie sich umsah, erblickte sie Indro, der mit Gwyneth in seinen Armen hinter einem anderen Felsen lag. Gwyneth war verletzt und konnte nicht laufen.
“Kommt, Indro… Hilf mir und wir gehen los…”, sagte Octavia.
“Wir können sie nicht hier weg tragen… Sie werden uns sofort bemerken!”.
Octavia seufzte. Sie riss sich ein Stofffetzen ab und wickelte das verwundete Bein damit ein.
Mit der Zeit wurde der Atem von Gwyneth schwach. “Lasst mich hier zurück… Dann schafft ihr das…”, hauchte sie nur noch vor sich hin.
“Die anderen von Gonodwaith werden sicher gleich kommen und uns retten!”, sprach Indro ihr Mut zu.
“Gonodwaith ist zerstört…”, hauchte sie nur weiter.
Octavia die mit der Armbrust ausschau hielt, bekam die Worte mit. Erst jetzt realisierte sie, dass sie recht hatte. Sie hat es riskiert, dass ihr Volk sich spaltete und zerstritt, nur um selbst an der Macht zu bleiben.
“Ich habe Gonodwaith zerstört…”, sagte sie dann.
“Ja, das hast du…”, bestätigte Indro die Worte erbost.
Wieder versuchte einer der am Boden liegenden aufzustehen und zu fliehen, aber sofort flogen Pfeile in die Richtung und töteten den Mann. Octavia richtete sich nach vorne, wurde dann aber wieder von Kael zurück hinter den Felsen gezogen.
“Bist du verrückt? Die sehen dich sonst!”, sagte er.
“Was interessiert dich das denn wenn ich sterbe? Ist das nicht das was du willst?”, fauchte sie ihn an.
“Ja…”, entgegnete er nur.
Die junge Frau hatte das Gefühl ihre Welt brach zusammen. Ihr Volk war zerstört und ihr Bruder hasste sie nun. Was gab es noch für eine Grundlage zum überleben, wenn alle sie hassten und verachteten. Galador hatte recht. Sie war nun nicht besser als Kiana. Sie ließ all die Menschen sterben, um selbst ihren Rang zu behalten.
“Der Atem von Gwyneth wird schwächer… Ich werde ihnen ein Ziel geben, damit ihr fliehen könnt…”, sagte Indro, selbst erschöpft. Kael stimmte widerwillig zu.
“Nein... “, sagte Octavia und kroch zu ihnen rüber. “Ich kann niemals das wieder gut machen was ich zerstört habe… Aber ich kann euch retten...Ich bin die, die sie wollen… Sobald sie das Feuer eröffnen, rennt so schnell ihr könnt…”.
Sie wusste, dass sie Schuld an der ganzen Misere war, in der sie sich gerade befanden. Noch vor kurzem wollte sie Indro und ihren Bruder Kael tot sehen. Auch konnte sie sich denken, dass sowieso niemand etwas mit ihr zu tun haben wollte, sollten sie zurück zu den Minen fliehen. Da war der tod sie angenehmere Variante. Auch wenn es schwer war.
Alle sahen sich verwundert an. “Mein sein, für uns alle!”, sagte Octavia nur. Indro wiederholte die Worte.
Bevor sie sich erheben konnte, griff Kael sie sich. Er brachte aber kein Wort über die Lippen. Allerdings sprachen seine feuchten Augen für sich. Octavia seufzte nur tief.
“Du bist mein Bruder… Meine Verantwortung…”, sagte sie, selbst kurz vor dem weinen. Nachdem die junge Frau diese Worte Sprach, stürmte sie mit der automatischen Armbrust nach vorne und schoss Blind in die Richtung ihrer Feinde, sodass Indro und Kael mit Gwyneth fliehen konnten.
“Ihr seid Gonodwaith oder Feinde der Gonodwaith!”, rief sie nur. Ziemlich schnell waren aber die Bolzen leer. Sie warf die Armbrust weg und kniete sich mit ausgebreiteten Armen hin. In diesem kurzen Moment, kamen ihr alle Erinnerungen hoch. Die Erinnerungen an ihre liebevolle Kindheit mit Kael, an ihren geliebten Deloth, die Zeit mit Thirak und Kael. Sie hatte alles zerstört. Alles zerstört...
Doch kein Pfeil und kein Bolzen wurde auf sie verschossen. Stattdessen hörte sie schreie von Männern und Geschrei, welches sie nur von damals in Minas-Tirith kannte, als der Drache von Kiana die ganze Stadt zerstörte.
Als die junge Frau die Augen öffnete und aufblickte, sah sie wieder den schwarzen  Drachen in der Luft fliegen, der Feuer auf die Feinde spuckte. Dahinter ritt eine große Schar von Hunderten an reitern, die die restlichen Feinde töteten. Octavia erkannte das Banner ziemlich schnell es war der graue Wolf auf weißem Grund, welches das Wappen des Hauses Stark von Carn-dûm war.
Der große Drache landete unmittelbar in ihrer Nähe. Sie hatte schon Angst, das Ungeheuer wollte nun sie töten. Doch dem war nicht so. Sie erblickte Thirak, der auf dem Rücken der geflügelten Bestie saß.
“Komm Octavia! Steig auf!”, rief er nur. Ohne weiter darüber nachzudenken sprang sie auf den Rücken des Drachen und ließ sich von Indro aufhelfen. Von oben aus half sie Gwyneth auf den hoch zu bekommen. Als Indro und Kael ebenfalls aufgestiegen waren flog der Drache los in die Luft.


Octavia zusammen mit Thirak, Kael, Indro und Gwyneth auf dem Weg nach Carn-dûm...
« Letzte Änderung: 5. Aug 2021, 22:16 von >Darkness< »
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