Das Schicksal Mittelerdes (RPG) > Der Thron von Mittelerde

Berge + Minen der Ered-Luin

<< < (2/2)

Darkayah:
Minen der Ered-Luin + Umgebung
Sernereth Part 5:  Rückschlag

Octavia und die anderen zurück in den Minen von Ered-Luin…

Zurück in den Minen der Ered-Luin versorgte Thirak wieder die Wunde an der Schulter von Octavia. Inzwischen konnte sie den Arm wieder so gut wie bewegen und sie fühlte sich wieder viel besser. Thirak wollte lieber einen der anderen Heiler über die Wunde sehen lassen, doch Octavia bestand darauf, dass die sich um die anderen Verletzten kümmern mussten. Ebenfalls hatte sie noch einiges mit ihm zu besprechen.
Kael erzählte ihr über die wahre Identität von Thirak. Er war Anaryon Vaneryen. Der rechtmäßige König von Mittelerde.
“Ich hörte schon einige Geschichten über dich…”, fing Thirak an. “...Ich hörte schon diverse Geschichten über das Mädchen, dass die Menschen von Arnor gerettet hatte…”.
Octavia lächelte nur. Ihr Gesicht wurde aber schnell wieder ernst. Dann sah sie zu Thirak auf, der die Wunde gerade säuberte.
“Und was ist deine wahre Geschichte?”, sagte sie ziemlich ernst und leicht getroffen. “Warum hast du uns niemals gesagt, dass du in wirklichkeit Aranyon Vaneryen bist?”.
“Hätte ich mich damals offenbart, hätte mir niemand mehr geglaubt… Ich hätte den Rebellen dann nicht mehr helfen können…”, verteidigte er sich im ruhigen Ton. “Du hättest mich wahrscheinlich nur mehr gehasst”.
In gewisser Weise stimmte das sie traurig, dass er so von ihr dachte. Auf der anderen Seite war sie sich überhaupt nicht sicher, wie sie darauf damals reagiert hätte.
“Aber du hättest es wenigstens dann sagen können, als es bekannt wurde, dass mein Vater Thurion ist und Kiana meine Halbschwester…”, sagte sie.
“Was hätte es gebracht?”.
“Ich hätte mich zumindest nicht so alleine gefühlt…”, dabei schnaubte sie enttäuscht. Sie beobachte Thirak, der sie dabei nicht ansah, sondern sich darauf konzentrierte, den Verband um ihre Schulter vernünftig umzulegen. Er sagte auch nichts dazu.
“Nachdem du es nicht geschafft hattest Kiana zu töten -aus Liebe oder Furcht- und offen als rechtmäßiger König von Mittelerde für dein Recht zu kämpfen, hast du nun auf die Gelegenheit gewartet, dass sie von anderen getötet wird, damit du nicht als Mörder in die Geschichte eingeht, sondern als Erretter des Reiches?”, dabei legte sie einen äußerst provokanten Ton auf.
“So einfach ist das nicht…”, antwortete er nur kurz und konzentriert.
“Woher kommt dann der plötzliche Sinneswandel?”, hakte sie weiter nach.
“Es war damals ein Fehler, ja… Aber das Reich ist nun in Gefahr… Es passieren schreckliche Dinge…”.
“Ach, und du denkst, du bist der Richtige, der das ganze Reich retten wird?”, ihr war klar dass sie darauf keine wirkliche Antwort bekam. Sie war mehr als überzeugt davon, dass die sie selbst die einzige war, die die richtigen Entscheidungen für ihr Volk traf. Niemand anders konnte das. Die letzte Zeit war Beweis genug dafür. Sie war aber auch verwundert, dass er sich davon nicht aus der Ruhe bringen ließ. Dann platzte Gwyneth in den Raum:
“Können wir aufbrechen?”.
“Sie muss noch mindestens einen Tag ausruhen…”, sagte Thirak besorgt.
“Sie muss zurück zu ihrem Volk…”.
“Ich habe genug vom Wundenlecken…”, sagte Octavia dann seufzend. “Lass uns lieber dafür sorgen, dass wir die Versprechen wahr machen und unser Volk zurück nach Arnor führen!”.
Dabei half ihr Gwyneth beim Anziehen ihres Umhangs. Dann folgte sie ihr aus der Mine heraus.

Dort überall waren die Menschen versammelt. Viele von ihnen waren damit beschäftigt weitere Sachen zu packen oder die Verwundeten zu versorgen. Niemand wagte es, Octavia in die Augen zu blicken. Einige sahen ängstlich oder sogar verachtend in ihre Richtung.
“Es weigern sich noch viele aus den Minen zu kommen…”, klärte Gwyneth sie auf. “... Die Angst vor einem Angriff durch Luthia ist viel zu groß…”.
“Du hast gesagt ich würde hier gebraucht werden… Doch sie wagen es nicht einmal mir in die Augen zu sehen…”, stellte die junge Maia nur fest. “Was verschweigst du mir?”.
Gwyneth seufzte und stellte sich vor Octavia. Sie spürte, dass dies nichts gutes bedeuten konnte.
“Unsere Niederlage hat sich herumgesprochen… Wir wissen nicht einmal ob Luthias Männer viel mehr sind als wir… Hier in der Nähe können wir nicht einmal etwas anbauen...Und wie du weißt, wächst kaum etwas auf den unterirdischen Farmen…”.
“Hör auf damit!”, forderte Octavia Gwyneth auf ruhig zu sein und biss dabei die Zähne zusammen. “Wir hatten schon mit größeren Problemen zu kämpfen!”
“Ja, aber diesmal kennen wir die Warnzeichen, wenn es zu einer Rebellion kommt… Ich hatte dich damals verraten, als du einen schwachen Moment hattest, als Gonodwaith Angst vor der weiteren Existenz hatte… Und jetzt sieh dich mal um… Es wird wieder passieren, wenn du nicht etwas dagegen unternimmst!”, sagte Gwyneth.
Octavia verstand ihren Standpunkt. Sie wollte, dass sie vorbeugende Maßnahmen traf, um das Volk zusammenzuhalten. Bevor sie sich allerdings Gedanken darum machen konnte, rief Kael sie und kam auf sie zu.
“Schön dass du wieder auf den Beinen bist!”, sagte er. “Was hast du nun vor?”.
“Na was wohl… Ich werde uns Arnor zurückholen…”, entgegnete sie nur und wollte gerade weitergehen.
“Octavia…bleib...”, rief Kael nur. “Octavia… Stopp!”.
Sie wollte ihm erst gar nicht zuhören, weshalb sie auch nicht stehen blieb. Erst als die Alarmsignale der Hörner ertönten, wandte sie sich zu ihm. Dann wurde ziemlich schnell ein Trupp Reiter sichtbar, die das gleiche Banner trugen, wie das welches Luthia auf der Brust trug.
Männer auf Karren warfen Kisten mit Essen vor die Mine, während einer der Reiter die Stimme erhob:
“Volk von Gonodwaith, das ist ein Friedensangebot von Heerführerin Luthia! Sie weiß, dass ihr alle gelitten habt, sie weiß, dass die letzte Zeit sehr schwer war… So viele von euch sind Octavias Herrschaft leid… Wir dürfen nicht vergessen wer sie ist… Kianas Halbschwester… Was ist es wert, wenn Kiana Vaneryen tot ist, aber ihre Schwester noch weiter Schrecken über das Land verbreitet! Euch steht es frei zu überleben und nach Minhiriath zu kommen und gemeinsam werden wir für ein vereintes Arnor leben!”.
Sehr viele Menschen die versammelt waren bekamen die Botschaft mit und sammelten das Essen ein. Octavia zog schon ihr Schwert und wollte voller Zorn auf die Gruppe von Reitern zu zu stürmen um ihn zum Schweigen zu bringen. Doch sie ritten schon wieder in die andere Richtung. Octavia wusste was dies bedeutete. Es war der Untergang, wenn ihre eigenen Leute freiwillig Luthia anschlossen. Das durfte nicht sein.

Vorsichtshalber ordnete sie die Gefangennahme und Exekution von jedem an, der versuchte zu fliehen. Alle wurden als Verräter angesehen. Zur Ablenkung und um sich auf den kommenden Krieg vorzubereiten trainierte sie gegen Gwyneth, die sich aber sehr zurückhaltend zeigte.
“Ich sagte dir doch du sollst mich nicht verschonen!”, sagte sie außer Atem, als die Frau eher nur ihre Angriffe parierte, als dass sie selbst einen Angriff unternahm.
“Vielleicht solltest du dir einen Gegner suchen, der keine Angst vor dir hat!”, ertönte dann die Stimme ihres Bruder, der den Raum gerade betrat.
“Gwyneth, gib ihm dein Schwert!”, befahl sie dann schließlich.
Dann kämpften sie schließlich. Octavia musste feststellen, dass ihr Bruder Kael diesmal viel geübter war, als all die Jahre zuvor. Er war sonst immer eher der Stratege, als der Kämpfer.
“Du bist viel besser geworden!”, stellte sie fest.
“Ich hatte ja auch genug Zeit zum üben!”.
Dann kämpften sie wieder eine Weile weiter. Jeden ihrer Schläge mit dem Schwert konnte er abwehren.
“Damit eins klar ist: Wenn Thirak den Thron von Mittelerde besteigt, muss das hier alles enden…”, sagte er.
Octavia schlug weiter mit ihrem Schwert auf ihn ein, bis sie es schließlich schaffte ihm einen leichten Schlag in die Magengrube zu geben. FÜr sie war sicher, dass sie sich vor niemanden beugen wollte. Nie mehr.
“Ich weiß was er getan hat… Er hat seine Krone für Kiana niedergelegt… Er hat es zugelassen dass sie die Königin wird, obwohl er wusste dass sie nicht im Recht war! Er hat es zugelassen dass unsere Mutter und viele andere gestorben sind!”, hastete sie, während sie seine Angriffe abwehrte.
Dann schlug er ihr gegen ihre verletzte Schulter, sodass sie große Schmerzen verspürte, bis sie  schließlich von ihm zu Boden gerungen wurde. Er blieb vor ihr stehen, während sie auf dem Rücken lag.
“Wir alle haben schreckliche Dinge getan, die alle unverzeihlich sind, diese aber für unser Volk und unsere Familie getan haben! Thirak bildet da keine Ausnahme… Er hat Fehler gemacht ja… Aber ich versuche verzweifelt zu verstehen, wer du nur jetzt nach dieser ganzen Zeit bist…”, sagte er traurig und verließ den Raum. Octavia sah ihm noch eine Zeitlang nach und blieb auf dem Boden liegen. Was war nur geschehen, dass ihr Bruder nicht zu ihr hielt?

Octavia lief durch die Haupthalle der Mine. Die Arena war eine lange Zeit nicht benutzt. Auf einem Tisch neben ihrem Thron fiel ihr ein Bündel auf, was dort abgelegt wurde. Sie kannte es. Kael trug es zuvor bei sich, als er das erste mal die Mine betrat.
Mit langsamen Schritten trat sie dort hin, nahm das Bündel in die Hand und entfernte den Stoff. Die schwarze Krone von Kiana blitzte hervor. Als sie die Hände um das kalte Metall schloss, hatte sie regelrecht das Gefühl dass ihre Hände angesaugt werden würden. Octavia war fasziniert, denn zuvor trug Kiana diese Krone noch, die so einfach wirkte. Ein so kleiner Gegenstand, der doch so viel bedeutete und die Herrschaft über Mittelerde legitimierte.
Als sie an sich herab sah, bemerkte sie dass ihr Schwert stark pulsierte. Die Runen leuchteten violett und erhellten fast den ganzen Saal.
Warum sollte ich das Schicksal aller in die Hände von jemanden legen der sowieso schwach ist, dachte sie sich, wenn sie über Thirak nachdachte. Immerhin war er schon einmal nicht in der Lage sein Volk zu retten. Octavia dagegen nahm jedes Übel auf sich, um jeden einzelnen zu retten. Sollte das nicht jeder gute Herrscher tun?
DU, wärst doch eine viel bessere Königin… Sernereth… Es ist dein Recht… Er ist falsch... hörte sie wieder die dunkle Stimme in ihrem Kopf. Anfangs versuchte sie noch diesen Gedanken aus dem Kopf zu schlagen. Was brachte es denn, Königin über ganz Mittelerde zu werden. Wozu auch. Aber umso mehr sie darüber nachdachte war dies wohl die einzige Möglichkeit Gerechtigkeit und Ordnung in das Reich zurückzubringen. Wer sollte sonst dafür sorgen wenn nicht sie? Alle anderen würden sich sowieso nur für sich selbst bereichern. Sie selbst dagegen wusste was für ihr Volk das beste ist.
Vorsichtig setzte Octavia sich die Krone auf ihr Haupt. Ein warmes Gefühl durchströmte ihren ganzen Körper. Sie kannte das Gefühl. Es was da gleiche, welches sie auch verspürte, wenn sie ihre Macht einsetzte. Doch dieses war angenehmer.
Ihr Herz schlug stark, sodass sie es selbst hören konnte.
Sernereth…, hörte sie wieder die Stimme in ihrem Kopf. Die wahre Königin über Mittelerde!.
Ihr Atem wurde schwer und sie schloss für einen Moment die Augen. Nur einen Moment. Obwohl sie sehr müde war, verhalf ihr das dabei sich wieder ausgeruht zu fühlen.
“Du solltest dich ausruhen und schlafen…”, hörte sie plötzlich eine männliche Stimme hinter sich. Octavia schrak auf und nahm sich schnell die Krone von ihrem Kopf und schlug sie förmlich auf den Tisch. Damit noch erwischt zu werden konnte sie nicht gebrauchen. Sie taumelte etwas und ihr Atem war noch schwer.
“Ich schlafe… Wenn der Krieg gewonnen ist!”, entgegnete sie nur verärgert und tat so, als würde sie die Karte auf dem Tisch studieren. “Warum bist du hier?”.
“Du weißt warum…”.
“Belehre mich nicht Indro… Ich werde es nicht zulassen, dass Thirak denkt er könnte jetzt auftauchen und die Herrschaft an sich reißen, nachdem er mehrere Male gescheitert ist… Du warst Anfangs auch nicht begeistert von ihm!”, verteidigte sie ihre Entscheidung nur.
“Anfangs war ich das nicht, ja… Aber es ist eine andere Situation, wenn er der rechtmäßige König ist und alle vor einem schlimmeren Unheil damit bewahrt hat!”.
“Das Reich von Mittelerde gibt es nicht mehr!”, fauchte Octavia nur.
“Und weshalb bist du dann so versessen auf diese Krone?”.
“Versessen… Versessen?!”, wiederholt sie die Worte zweimal. Sie fühlte sich leicht erwischt. Das Gefühl verschwand aber schnell wieder Dann sah sie zu dem dunklen Stück Metall rüber.
“Sie ist gefährlich… Sieh doch wohin das Kiana gebracht hat…”.
“Das ist nur ein Stück Metall… Ein Symbol… Aber selbst wenn.. Mir ist jedes Mittel recht, was unser Volk retten kann, ganz gleich wie gefährlich es sein sollte!”, verteidigte sie sich weiter.
“Und wenn du damit ganz Mittelerde gefährdest?”.
“Du leitest meine Truppen… Hast du eine bessere Idee?”, feindete sie Indro an.
“Ach, leite ich wirklich deine Armee? Warum wusste ich dann nichts von deinen ganzen Vorhaben?”
“Was zur Hölle meinst du damit?”, fragte sie irritiert nach.
“Wann wolltest du mir davon erzählen, selbst die Krone an dich zu reißen?”.
“W-wann wollte ich...Fangen wir vielleicht erst damit an, wann du mir erzählen wolltest, dass du Phelan verholfen hast zu fliehen!”, schrie sie ihn an. “Wenn wir verlieren sollten, liegt es einzig und allein daran… Er verrät alles an Luthia was wir hier haben… Wie fühlst du dich damit, hm?!”.
DIe junge Frau versuchte nun alles, um von sich abzulenken. Ihr war nicht bewusst, dass Indro scheinbar schon so lange da stand und sie beobachtete. Oder war sie so leicht durchschaubar? Nein. Das durfte nicht sein.
“Grauenvoll…”, antwortete Indro sarkastisch, “...Aber ich würde es wieder tun…”.
“Achja? Nicht wenn ich dich dann in die Kampfarena schicke!”, bedrohte sie ihn. Sie fühlte sich mehr als angegriffen.
“Ich werde mich nicht dafür entschuldigen, dass ich dich vor dir selbst beschützen will…”, verteidigte Indro sich selbst.
“Raus hier…”, sagte sie noch relativ leise, aber zornig. Als er sich nicht rührte wurde sie lauter: “Ich sagte: GEH!”.
Dabei schlug sie so dermaßen auf den Tisch, dass die Gegenstände darauf umfielen. Sofort kam eine Wache an, um nach dem rechten zu sehen.
“Ich sagte raus…”, forderte sie noch einmal Indro wütend aber ruhig auf.
“Hüte dich vor der Dunkelheit Octavia… Es ist einfach den Weg aus den Augen zu verlieren”, sagte er noch und verließ dann endlich den großen Saal. Octavia wusste worauf er anspielte. Ganz klar auf Kiana. Alle verglichen sie mit Kiana. Das war für sie nicht nachvollziehbar. Immerhin kümmerte sie sich um ihr Volk und beschützte es.

Schon am nächsten Tag waren alle versammelt um den Schlachtplan zu besprechen. Vorher klärte sie Tardon alleine über Thirak auf und dass er eine Bedrohung für alle war. Octavia verteilte klar die Rollen und gab Tardon die Befehlsgewalt über die Hauptarmee, die vorher Indro hatte. Er war zunächst davon verwirrt, doch Indro ließ sich nichts anmerken, sodass er nur behauptete, dass Tardon nun bereit dazu war. Diesmal wählte Octavia den Weg östlich der südlichen Blauen Berge entlang. Der Weg war kürzer um nach Minhiriath zu gelangen und Luthias Truppen zu besiegen. Von dort aus hatten sie dann erst einmal eine gute Basis, um das restliche Arnor zurückzuerobern.
Nachdem der Plan durchgesprochen war, waren nur noch Tardon, Indro, Gwyneth und zwei weitere Hauptmänner im Besprechungsraum. Alle teilten sich das Essen und sprachen wie üblich die Worte.
“Was ist mit Thirak?”, fragte Tardon.
“Er kommt wie geplant mit uns in die Schlacht… Wir klären das, wenn die Schlacht vorbei ist…”, antwortete sie nur.
Dann öffnete sich die Tür und Kael kam herein. “Lass ihn rein…”, sagte sie nur. “Ruht euch aus, morgen marschieren wir los!”.
Alle erhoben sich und verließen den Raum. Als Tardon gerade gehen wollte, wurde er noch von Kael angesprochen: “So viel zu dem Kommandanten der königlichen Armee…”.
“Was?!”, entgegnete Tardon nur provoziert.
“Geh nicht darauf ein, Tardon…”, beruhigte Octavia nur die Situation, sodass er den Raum verließ.
“Bedrohe nicht meine Männer, Kael!”, mahnte sie und sah ihn giftig an.
“Ich kann nicht zulassen, dass du Thirak etwas antust…”, sagte er nur getroffen.
“Geht das also wieder los… Woher hast du das?”, sagte sie genervt vor sich hin, obwohl sie sich denken konnte dass das von Indro stammte. “Du flehst um das Leben eines Verräters, der alle Menschen in das Verderben stürzte....”.
“Mutter und ich haben auf dich immer aufgepasst, alles mit dir geteilt…”, fing er an und nahm etwas von dem Essen in die Hand. “Darf ich?”.
“Nur wenn du den Spruch sagst!”, forderte sie ihn direkt auf. “Mein sein für uns alle! Sag es!”.
“Mein sein für uns alle!”, wiederholte Kael die Worte, teilte das Stück Brot auf und aß eines davon. Octavia beobachtete sein Gesicht dabei genau. Irgendetwas missfiel ihr daran. Vielleicht lag es daran, dass er einfach noch nicht von den Worten überzeugt war. Dann reichte er eins Octavia rüber, die ebenfalls den Spruch aufsagte und dann das Stück nahm und ebenfalls aß.
“Es ist spät Kael… Wenn du hier bist um zu betteln… Tu es einfach…”, sagte sie locker, während sie noch kaute.
“Ich bin nicht hier um zu betteln…”, sagte er dann, “...Ich bin hier um dir zu sagen, dass ich dich liebe… Über alles… Egal was auch passiert… Ich hoffe du glaubst mir…”.
Octavia war verwundert, denn damit hatte sie jetzt nicht gerechnet. Gleichzeitig erinnerte sie es sie wieder an alte Zeiten damals in Minas-Tirith als sie Kinder waren.
“Komm zum Punkt…”, sagte sie dann. Er nickte dann vorsichtig, wirkte aber noch so, als hätte er was auf dem Herzen.
“Ich komme gerade von Minhiriath und habe eine Abmachung mit Luthia getroffen… Wenn sich Gonodwaith ergibt, dürfen wir alle hier in Arnor leben und sobald das Land wieder geeint ist frei siedeln…”, sagte er ruhig. Octavia riss die Augen auf als sie das hörte. Was fiel ihm überhaupt ein selbstständig für ihr Volk solche Entscheidungen zu treffen? Er war kein Anführer, kein Abgesandter nichts. Sie war wütend und hatte das Gefühl keine Luft zu bekommen. Ihre Augen wurden glasig und feucht. Das Sprechen fiel ihr schwer. Dann bemerkte sie, dass es nicht nur eine Einbildung war. Sie bekam tatsächlich keine Luft. Irgendetwas war falsch.
“Es stimmt etwas nicht Kael…” ,presste sie angestrengt hervor. “Ich...Ich...Kann nicht atmen….”.
Sie versuchte sich schwerfällig zu erheben und nach Luft zu schnappen. Sie wandte sich an ihren Bruder, der nur selbst Tränen in den Augen hatte und weg sah.
“Kael… Hilf mir…”, bat sie keuchend. Er blieb aber nur regungslos sitzen. Dann wurde ihr bewusst, dass er etwas damit zu tun haben musste.
“Was...hast du getan…”, presste sie wieder schwerfällig vor.
“Ich habe ein Stück davon in das Gift der Orks getaucht und das Stück, das wir uns geteilt haben ausgetauscht…”, sagte er nur.
Octavia versuchte sich wieder zu erheben, irgendwie zu atmen. Es ging nicht. Die letzte Kraft nutzte sie dazu um nach ihren Wachen zu rufen. Doch bevor sie auch nur ein Wort hervorbrachte, wurde ihr Mund von ihrem Bruder zugehalten. Die junge Maia versuchte mit aller Kraft aus seinen Händen zu kommen, doch sie war zu schwach, bis sie von ihm auf dem Boden abgelegt wurde. Wieder wurde ihr schwarz vor Augen. War es das nun? Hatte ihr Bruder sie vergiftet? Wollte er sie wirklich umbringen?

Darkayah:
Minen der Ered-Luin + Umgebung
Sernereth Part 6:  Zerstörung

Octavia in den Minen der Ered-Luin

Octavia wurde allmählich wieder wach. Zuerst sah sie nur verschwommene Konturen, bis sie schließlich Indro vor sich stehen sah. Sie lag in ihrem Bett, fühlte sich noch schwach und erschöpft. Ihre Hände waren an dem Bett gefesselt und es wirkte so, dass auch  Indro mit hinter der Verschwörung steckte. Sie wusste gar nicht wie lange sie schon bewusstlos war. Es fühlte sich wie eine Ewigkeit an.
“Sag mir wieso…”, fragte sie Indro nur stöhnend vor Erschöpfung.
“Luthia war einverstanden Arnor mit uns zu teilen, wenn wir uns ergeben…”, antwortete er.
“Wir sollen uns ergeben? Du bist also nicht nur ein Verräter, sondern auch ein Feigling…”, sagte sie erschöpft, dennoch verärgert. “Ich schäme mich deiner…”.
“Und ich habe Angst vor dir… Vor dem was du inzwischen geworden bist… Ich gebe mir selbst die Schuld daran… Ich habe es zu weit gehen lassen, denn die Dunkle Zeit hat uns alle gebrochen…”.
“Rede nicht mit mir über die Dunkle Zeit…”, sagte sie und hustete dann. Noch immer fühlte sich ihre Luftröhre angeschwollen an. Sie erinnerte sich überhaupt nicht gerne an diese schlimmen Geschehnisse, die sie in den Minen durchmachen mussten. Tränen überschwemmten ihre Augen, sodass der schwarze Lidstrich, den sie sich um die Augen zog seitdem sie die Anführerin von Gonodwaith war, leicht verwischte.
“Wir haben es überlebt und auch das hier können wir überleben!”, sagte Indro überzeugt.
“Wir haben es überlebt , weil ICH da war! Du hast nur tatenlos zugesehen!”, fauchte sie ihn an, auch wenn es ihr mehr als schwer fiel. Alle haben sie damals machen lassen. Jeder hätte eingreifen können oder ihr einen anderen Weg vorschlagen können. Niemand wollte  diese Verantwortung auf sich nehmen und drückte sie auf Octavia. Nun sollte sie der Sündenbock sein?
Heuchlerisch, dachte sie sich nur.
“Ja, ich hätte dich diese Bürde nicht alleine tragen lassen sollen… Und jetzt mache ich nicht nochmal den gleichen Fehler…”, sagte er.
Octavia war noch immer wütend. Am liebsten wäre sie aufgesprungen und wäre Indro an die Gurgel gesprungen. Doch sie konnte nicht. Ihr Körper ließ das nicht zu. Bevor sie auch noch etwas sagen konnte, ertönte ein Horn. Octavia kannte es. Es war das gleiche Horn, was bei ihrer Ernennung zur Anführerin ertönte. Dann wurde ihr einiges Klar.
“Das Ernennungshorn von Gonodwaith… Sie wollten dir nicht folgen, stimmts? Und deshalb benutzt ihr Thirak, damit sie dem wahren König von Mittelerde folgen!”, fieberte Octavia vor sich hin.
“Ja… Bald wird Gonodwaith den wahren Herrscher von Mittelerde akzeptieren und sich vorerst ergeben, um weiteres Blutvergießen zu verhindern!”, sagte er und lehnte sich dann gegen die Wand. Er wirkte selbst erschöpft und unsicher. “Du wirst schon noch erkennen, dass dies eine weise Entscheidung war…”.
Indro entfernte sich dann schließlich aus dem Zimmer.
Das war die dümmste Entscheidung die getroffen werden konnte, fluchte sie innerlich.
Octavia sah ihm noch nach, nutzte aber die Gelegenheit um sich zu befreien. Tardon betrat nämlich kurze Zeit später den Raum, löste die Fesseln und half ihr auf.
“Es tut mir leid, ich wusste nichts davon… Uns wurde nur gesagt du wärst sehr krank…”, entschuldigte er sich mehrere male.
“Mein Bruder hat versucht mit zu vergiften… Wir müssen sie schnappen, bevor sie davonkommen!”, befahl sie ihm. Er salutierte fast vor ihr und machte sich so schnell er konnte auf dem Weg. Octavia nutzte die Chance und suchte Thirak auf.
Sie traf aber nur auf Kael und Indro zusammen, die schon von Tardon und Gwyneth festgesetzt worden waren. Sie ging einige Schritte auf die beiden zu, die nur mit gesenktem Kopf auf die Krone sahen, die auf dem Tisch stand.
“Du weißt ganz genau, dass er das eigentlich nicht will…”, fing Kael an. “...Es ist aber die einzige Möglichkeit um Krieg zu verhindern…”.
“Dann ist er kein besserer Herrscher als all die anderen…”, entgegnete die junge Maia. “Wo ist er?”.
“Ich hab ihn schon weggeschickt, als ich dein Zimmer verlassen habe… Ich bin doch nicht so dämlich und denke nicht daran, dass es hier einige Dummköpfe gibt, die deine Sache fanatisch unterstützen…”, sagte Indro nur erbost und deutete dabei auf Tardon.
“Pff…”, machte sie nur trotzig. “Führt sie ab!”.
Octavia ließ so viele Menschen von Gonodwaith in der Haupthalle versammeln, wie sie konnte. Es war wichtig, dass alle die Wahrheit sahen. Ihre Wahrheit.
Kael und Indro wurden in die Arena gesteckt, waren auf ihren Knien und geknebelt.
Als Octavia die Halle betrat waren alle plötzlich ruhig. Die schwarze Krone hielt sie unter ihrem Arm eingeklemmt fest.
“Die Geschichten die ihr über Thirak gehört habt, er sei der rechtmäßige König von Mittelerde sind vermutlich wahr… Doch wollen wir uns wirklich wieder einem Vaneryen unterwerfen? Er ist wieder einmal geflohen… Genau wie damals, als er die Möglichkeit hatte, Kiana Vaneryen zu töten und uns alle vor großem Leid zu bewahren… Thirak hat uns alle im Stich gelassen… Damals wie heute! Er ist nicht Gonodwaith, er ist der Feind von Gonodwaith… Und wie alle unsere Feinde, wird er seine Strafe bekommen! Folgt ihr mir als eure Anführerin, die ihr ganzes Leben für euch geben würde?”, rief sie vor den Versammelten. Geflüster brach aus. Viele nickten ihr zu. “Doch zuvor haben wir einen Krieg zu gewinnen!”
Als sie sich dann die schwarze Krone auf dem Kopf setzte, jubelten ihr eine große Menge zu. Einige waren aber Still. Immer wieder riefen sie “Für Sernereth!”, um ihre Zustimmung für die Königin zu zeigen.

Tardon und Gwyneth klärten am Abend Octavia darüber auf, dass sich die Hälfte der Mitglieder von Gonodwaith weigerten ihr in den Krieg zu folgen. Es waren besonders die alten Veteranen und Fürstenanhänger, die die Enthüllung von Thirak begrüßten.
“Sei kein Feigling, Tardon… Sag ihr die Wahrheit…”, forderte Gwyneth ihn auf. Octavia sah ihn neugierig an.
“Es geht um Thirak… Dass ein vermeintlicher König da draußen ist, macht die ganze Sache komplizierter…”, sagte er dann.
“Komplizierter?”, wiederholte sie das Wort, als hätte sie es nicht verstanden. “Du hast gerade gesagt, dass mehr als die Hälfte unserer Leute es verweigert zu marschieren… Das klingt für mich mehr als kompliziert…”.
“Wenn du nicht versucht hättest deine Anhänger zu töten, dann würden wir auch nicht…”, wollte Gwyneth gerade sagen. Octavia wusste dass sie auf die Exekutionen anspielte. Sie Tardon unterbrach die Frau aber: “Die brauchen wir auch nicht… Unsere Späher berichten, dass wenn nur die Hälfte marschiert, sind wir tatsächlich trotzdem Luthias tatsächlich kämpfenden Männern überlegen…”.
“Das reicht trotzdem nicht… Sie haben Pferde, bessere Waffen”, entgegnete Octavia verzweifelt.
“Wir würden sie dennoch überraschen,ganz sicher!”, versuchte er sie zu überzeugen. “Wenn der Krieg erst einmal gewonnen ist, werden uns die restlichen von Gonodwaith sicher folgen!”.
Gwyneth fing nur an zu lachen, weshalb Octavia sie genau musterte. “Wenn du es anders siehst, dann sag was… Wenn du schweigst, bringt es uns überhaupt nichts…”, forderte Octavia sie auf.
“Entweder du bist Gonodwaith, oder du bist ein Feind von Gonodwaith… Mein Ratschlag ist dass du dich hinter unserem wahren König einst, oder du erinnerst sie daran was mit unseren Feinden passiert!”, schlug die Frau vor.
“Ich weiß, du bist eine damalige Fürsten die viel Wert darauf legt, aber… Dein wahrer König ist ein Mann, der uns schon einmal alle enttäuscht hat…”, sagte Tardon. “Sernereth hat uns durch diese schwere Zeit geführt und nun soll sie einfach abtreten und die hälfte unseres Volkes töten?”. Octavia dagegen ging nachdenklich im Zimmer auf und ab. Natürlich war das sicher keine einfache entscheidung ihren Bruder und Indro in der Arena kämpfen zu lassen. Doch es war sicher die einzige Möglichkeit.
“Sie redet von der Kampfarena…”, klärte Octavia Tardon besser auf.
“Gwyneth… Wir reden hier über ihren Bruder…”.
“Ja, und Indro… Ich weiß…”.
“Ich bin verwirrt… Ich soll die töten, die euren teuren König zurückgebracht haben?”, fragte Octavia noch einmal bei Gwyneth nach.
“Nein, ich will dass du vor ihm niederkniest, wie es vor einem fürstlichen König üblich ist… Aber du willst dass sie marschieren? Dann zeig ihnen was passiert wenn sie es nicht tun!”, sagte Gwyneth.
Octavia verstand den Punkt von Gwyneth. Auch wenn sie mehr als enttäuscht von der Frau sein müsste, weil sie nach einem anderen Herrscher verlange -einem Mann, der von fürstlicher Geburt ist- verhalf sie Octavia zum Sieg mit ihren Vorschlägen. Sie fand es in gewisser Weise bewundernswert.

Octavia entschied sich einige Tage ster vor dem Kampf noch einmal mit Indro und Kael zu reden. Sie ging zu Indro in den Kerker und sah ihn dort kniend und betend. Als er sie  bemerkte, erhob er sich und wandte sich ihr zu. Octavia ging einige Schritte auf ihn zu.
“Der Tag, an dem ich deine Blutkriegerin wurde, war der beste Tag meines Lebens…Habe ich dir das jemals gesagt?”, fing sie an. “Du hast mich angenommen, als mein Volk mich abgelehnt hatte, du hast mir die Kraft geschenkt, mehr zu sein, als ich es jemals erträumen konnte…”.
“Diese Kraft war schon immer in dir…”, entgegnete er nur.
“Du hast mich verraten Indro…”, sagte sie mit Tränen in den Augen, denn sie war mehr als enttäuscht und verletzt von ihm. Sie sah ihn als Vaterfigur. Mehr noch, als damals in Phelan. Denn er konnte sie verstehen.
“Ich habe Sernereth verraten…”.
“Wo ist da der unterschied?!”, fauchte sie ihn direkt wieder an.
“Octavia der Daskina-Rebellen war meine Blutkriegerin… Ich habe sie gelehrt wann sie angreifen soll und wann nicht….Ich habe ihr geraten was das beste für ihr Volk wäre und nicht für sich selbst…”.
“ICH BIN das beste für mein Volk!”, sagte sie energisch und überzeugt, während sie die ersten zwei Worte betont aussprach.
“Das gleiche sagte auch Kiana… Aber wieso bist du dann hier?”.
Octavia antwortete nicht, weil sie sich nicht eingestehen wollte, dass ihr nicht alle in den Krieg folgten. Deshalb schwieg sie zunächst und sah Indro nicht an. Er aber, schien schnell dahinter gekommen zu sein.
“Sie wollen nicht marschieren, richtig?”, stellte er schnell fest, “Du willst nicht kapitulieren und die Krone an dem rechtmäßigen König abgeben… Deshalb benutzt du jetzt die Angst um Gonodwaith deinem Willen zu beugen… Hatte ja schon einmal funktioniert…”.
“Funktioniert es auch diesmal?”, sagte sie angriffslustig und ging auf Indro zu. “Wenn ich dich und Kael in die Arena werfe? Werden sie dann marschieren?”.
“Vermutlich ja… Aber das wusstest du bereits…”.
“Indro, bitte gib mir eine alternative…”, flehte Octavia schon fast.
“Es gibt keine… Aber wenn es hilft die Dinge zu klären kann ich dir eins sagen: Ich sorge dafür ,dass dein Bruder vor mir stirbt wie ein ausblutendes Schwein!”.
Octavia trat einige Schritte von ihm zurück. Sie wusste was das bedeutete. Es war eine ganz klare Drohung seinerseits. Sie musste dringend mit Kael sprechen. Ihn warnen.
Sie ging in die Zelle, in der Kael gefangen war. Er lag auf einer Bank, auch noch als Octavia die kleine Zelle betrat. Erst als sie sich auch auf die Bank setzte, richtete er sich auf.
“Weißt du noch all diese blöden Spiele die wir in unserem Anwesen immer gespielt haben?”, versuchte sie das Gespräch zu beginnen. “Wie öde und langweilig du es immer fandest… Du hast niemals nein gesagt und mich so oft gewinnen lassen!”.
Er sagte nichts, sonder war angewandt.
“Erinnerst du dich an den Unfall? Ich habe mich verletzt und überall war Blut. Du hast dir extra in den Arm geschnitten und behauptet es war deins, als die Wachen herein kamen… Du wolltest mich immer beschützen… Diesmal wolltest du mich mit Gift umbringen…”.
“Nicht wirklich…”, sagte er. “Auch das habe ich getan um dich zu beschützen… Vor dich selbst…Und den Krieg… Sag mir welcher Anführer schickt seine Leute in einen aussichtslosen Krieg, bei dem viele sterben werden?”.
“Du hast doch keine Ahnung wovon du sprichst, Kael!”, tat sie seine Worte ab.
“Ach ja? Du hast diesen Ort in einem Ort aus deiner Kindheit verwandelt… Aus all den Büchern und Geschichten über Mittelerde… Ich meine… Die Blutkönigin… Das ist wohl ein Witz!”, entgegnete er.
Octavia fühlte sich leicht angegriffen. Für sie war es keineswegs ein Witz. Für sie war es die Möglichkeit zu überleben. Für sich selbst und viele andere.
“Ich sitze hier, weil ich dir helfen wollte zu überleben… Jetzt bin ich mir nicht mehr sicher ob ich das will…”, sagte sie nur trotzig.
“Das liegt bei dir… Ich bin gespannt…”.
“Indro hat noch immer eine Schwachstelle… Sein Arm war nie richtig verheilt, nachdem er die Schlacht gegen Robben verloren hatte… Nutze sie…”, sagte sie dann schließlich.
“Du willst mir helfen den Mann zu töten, dem du alles zu verdanken hast?”.
“Ich liebe Indro… Aber er hat nicht mein Blut.... Du schon…”, erklärte sie. “Lass Indro eine schwere Waffe nehmen.. Er wird es nicht schaffen die mit einem Arm zu halten… Sag mir dass du das verstehst...”.
Dabei kniete sich die junge Maia vor ihm und berührte seine Beine.
“Ich wünschte ich könnte das…”, entgegnete Kael getroffen, während er sein Gesicht in seine Hände vergrub. “Ich wünschte ich wüsste, wodurch du so geworden bist… Ich ich wünschte ich könnte dir diese Last abnehmen… Doch jetzt bin ich hier und wie ich sehe hast du zwei möglichkeiten. Du sagst diesen Kampf ab und lässt dich darauf ein Arnor zu teilen, oder du siehst zu wie ich sterbe!”.
“Jeder von uns kämpft!”, sagte sie nur bestimmend.
“Ich kämpfe nicht…”.
“Das wird sich zeigen…”, nach diesen Worten erhob sie sich und wollte gerade wieder gehen.
“Davon gibt es kein zurück Octavia… Wenn ich heute sterbe, hast du mich für immer verloren…”.
“Ich weiß du versuchst noch immer mich zu retten… Aber du kannst niemanden retten der schon tot ist…”, sagte sie nur niedergeschlagen und ging.
Zurück in ihrem Zimmer angekommen, konnte sie ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. Sie sah einen Spiegel zertrümmerte ihn und sah wieder hinein. Dann nahm sie eine der Scherben und schnitt sich damit schluchzend die Arme auf. Der Schmerz lenkte sie von ihrer Trauer ab. Ihr eignen Blut schmierte sie sich als Kriegsbemalung wieder in das Gesicht. Das war das einzige, was ihr die stärke und die Willenskraft zurückgab.

Später war es soweit. Alle waren wieder versammelt und sahen sich den Kampf an. Octavia nutzte die Möglichkeit, alle daran zu erinnern, dass alle sich an das Gesetz halten mussten, egal wer er war. Dann ließ sie den Kampf beginnen. Sofort kämpfte Indro gegen einen Mann, der zuvor fliehen sollte. Kael blieb dagegen Knien.  Es dauert nicht lange da war der Mann tot. Kurz bevor sich Indro Kael zu wandte, griff er doch eine Waffe und sie kämpften gegeneinander. Lange gab es keinen der die Oberhand behielt.
Dann kam plötzlich jemand herein gerannt, der nichts mit dem Kampf zu tun hatte. Es war einer der Männer, die sich um die unterirdischen Farmen gekümmerten hatten.
“Stop, hört auf zu kämpfen!”, rief er. “Die Farmen funktionieren wieder! Die krankheit ist wieder weg, das bedeutet wir können hier bleiben!”.
Großes getuschel brach darüber aus. Octavia war wie angewurzelt und wusste nicht wie sie darauf reagieren sollte.
“Du kannst in den Krieg ziehen wenn du willst… Aber lass den anderen wenigstens die Wahl!”, rief der Mann noch.
Die Unruhen wurden lauter und lauter. Die Zäune wurden abgerissen. Immer wieder riefen die Menschen “Nie mehr Sernereth!”.
Octavia muste etwas unternehmen. Es war der Untergang von ganz Gonodwaith. Das war ihr Untergang als Anführerin. Aber sie musste doch ihr Volk beschützen. Wie sollte sie das nun anstellen.
“Sernereth wie lautet dein Befehl?”, fragte Tardon aufgeregt.
“Senkt die Waffen!”, sagte sie nur und verließ die Haupthalle. Sie machte sich auf dem Weg zu den unterirdischen Feldern und betrachtete die gesunden Pflanzen dort. Tatsächlich blühten die lange verdorrten Pflanzen wieder. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis dort wieder Früchte wuchsen. Das bedeutete, dass sie dort bleiben mussten. Das konnte sie aber nicht hinnehmen. Sie wollte ihr Volk zurück nach Arnor führen.
Feuer! Feuer!, rief die dunkle Stimme in ihrem Kopf. Wie von fremder Hand gesteuert nahm sie eine Fackel und zündete jede Pflanze dort unten an. Dichte Rauchschwaden  füllten den Raum und breiteten sich in der Mine aus.
Octavia sah dabei zu, wie dort alles in Flammen aufging. Das sorgte dafür, dass die anderen angerannt kamen. Sie gab den anderen somit eine Entscheidungsmöglichkeit . So wie es gefordert wurde.
“Entscheidet euch… Bleibt hier und stirbt, oder marschiert und lebt!”, dabei klang sie mehr als siegessicher in ihrer Sache.

Auch wenn es großes unverständnis dafür gab, was Octavia getan hatte, blieb ihnen nichts anderes mehr übrig, als in den Krieg zu marschieren. Die junge Maia ging voran. Ihr war es mittlerweile egal ob die anderen ihr folgten oder nicht. Tardon rüstete derweilen alle mit Verpflegung und Ausrüstung aus.
Es gab noch immer welche, die Octavia als Sernereth fanatisch folgten. Diese waren auch direkt ohne zu fragen hinter ihr.
Sie marschierten den direkten Weg nach Minhiriath. Ohne Pause und ohne Rast.
Octavia lief einfach stur weiter den Weg entlang. Inzwischen folgten fast alle Octavia in den Krieg. Einschließlich Indro und Kael.Tardon kam zu ihr und informierte sie darüber, dass Indro und Kael mit ihr sprechen wollten. Die junge Frau willigte zu.
“Du führst uns in ein Massaker!”, sagte Indro verärgert.
“Werden wir sehen…”, antwortete Octavia nur emotionslos.
“Ein Späher berichtet, dass Luthia bescheid weiß… Sie sind also gewarnt und bringen ihre Waffen in Position…”, sagte er, obwohl Octavia darauf nicht reagierte und keine Miene verzog. Das schien ihn so sehr zu verärgern, dass er selbst verärgert war. “Die Späher suchen nach einen guten Weg hinein… Aber da du die Farm abgebrannt hast gibt es kein Weg zurück, also wollte ich dich nur wissen lassen, dass du dein Volk umgebracht hast!”.
Indro mahnte Kael nur, dass er es sein lassen sollte. Dann verschwand er wieder unter den anderen Männern und Frauen von Gonodwaith.
Nach einer kurzen Besprechungspause, wie der Plan weitergehen sollte, marschierten sie ziemlich zügig weiter. In einer Bucht kamen plötzlich eine unmenge an Bolzen und Pfeile auf sie niedergeregnet. Der erste der erschossen wurde war Aurelius. Octavia und Phelan versprachen Davos damals auf den Jungen aufzupassen und ihn zu beschützen. Nun war er tot. Kael zog Octavia nur zu sich runter und sagte ihr, dass sie auf dem Boden bleiben sollte. Deshalb konnte sie nicht darüber nachdenken.
Alle die aufrecht standen, wurden von den Pfeilen erschossen. Viele Krieger von Gonodwaith flohen um ihr Leben zurück.
“Bleib liegen!”, sagte Kael nur. “Wir warten bis es nacht ist und fliehen dann!”

Schließlich war es dunkel und Kael gab das zeichen zum laufen. Immer wieder versteckten sie sich hinter Felsen.Sie schnappte sich eine herumliegende Armbrust und machte sich bereit.
“Nein Octavia… Sobald du einen Bolzen abfeuerst, war es das für uns!”, sagte er nur und appellierte an ihre Vernunft. Als sie sich umsah, erblickte sie Indro, der mit Gwyneth in seinen Armen hinter einem anderen Felsen lag. Gwyneth war verletzt und konnte nicht laufen.
“Kommt, Indro… Hilf mir und wir gehen los…”, sagte Octavia.
“Wir können sie nicht hier weg tragen… Sie werden uns sofort bemerken!”.
Octavia seufzte. Sie riss sich ein Stofffetzen ab und wickelte das verwundete Bein damit ein.
Mit der Zeit wurde der Atem von Gwyneth schwach. “Lasst mich hier zurück… Dann schafft ihr das…”, hauchte sie nur noch vor sich hin.
“Die anderen von Gonodwaith werden sicher gleich kommen und uns retten!”, sprach Indro ihr Mut zu.
“Gonodwaith ist zerstört…”, hauchte sie nur weiter.
Octavia die mit der Armbrust ausschau hielt, bekam die Worte mit. Erst jetzt realisierte sie, dass sie recht hatte. Sie hat es riskiert, dass ihr Volk sich spaltete und zerstritt, nur um selbst an der Macht zu bleiben.
“Ich habe Gonodwaith zerstört…”, sagte sie dann.
“Ja, das hast du…”, bestätigte Indro die Worte erbost.
Wieder versuchte einer der am Boden liegenden aufzustehen und zu fliehen, aber sofort flogen Pfeile in die Richtung und töteten den Mann. Octavia richtete sich nach vorne, wurde dann aber wieder von Kael zurück hinter den Felsen gezogen.
“Bist du verrückt? Die sehen dich sonst!”, sagte er.
“Was interessiert dich das denn wenn ich sterbe? Ist das nicht das was du willst?”, fauchte sie ihn an.
“Ja…”, entgegnete er nur.
Die junge Frau hatte das Gefühl ihre Welt brach zusammen. Ihr Volk war zerstört und ihr Bruder hasste sie nun. Was gab es noch für eine Grundlage zum überleben, wenn alle sie hassten und verachteten. Galador hatte recht. Sie war nun nicht besser als Kiana. Sie ließ all die Menschen sterben, um selbst ihren Rang zu behalten.
“Der Atem von Gwyneth wird schwächer… Ich werde ihnen ein Ziel geben, damit ihr fliehen könnt…”, sagte Indro, selbst erschöpft. Kael stimmte widerwillig zu.
“Nein... “, sagte Octavia und kroch zu ihnen rüber. “Ich kann niemals das wieder gut machen was ich zerstört habe… Aber ich kann euch retten...Ich bin die, die sie wollen… Sobald sie das Feuer eröffnen, rennt so schnell ihr könnt…”.
Sie wusste, dass sie Schuld an der ganzen Misere war, in der sie sich gerade befanden. Noch vor kurzem wollte sie Indro und ihren Bruder Kael tot sehen. Auch konnte sie sich denken, dass sowieso niemand etwas mit ihr zu tun haben wollte, sollten sie zurück zu den Minen fliehen. Da war der tod sie angenehmere Variante. Auch wenn es schwer war.
Alle sahen sich verwundert an. “Mein sein, für uns alle!”, sagte Octavia nur. Indro wiederholte die Worte.
Bevor sie sich erheben konnte, griff Kael sie sich. Er brachte aber kein Wort über die Lippen. Allerdings sprachen seine feuchten Augen für sich. Octavia seufzte nur tief.
“Du bist mein Bruder… Meine Verantwortung…”, sagte sie, selbst kurz vor dem weinen. Nachdem die junge Frau diese Worte Sprach, stürmte sie mit der automatischen Armbrust nach vorne und schoss Blind in die Richtung ihrer Feinde, sodass Indro und Kael mit Gwyneth fliehen konnten.
“Ihr seid Gonodwaith oder Feinde der Gonodwaith!”, rief sie nur. Ziemlich schnell waren aber die Bolzen leer. Sie warf die Armbrust weg und kniete sich mit ausgebreiteten Armen hin. In diesem kurzen Moment, kamen ihr alle Erinnerungen hoch. Die Erinnerungen an ihre liebevolle Kindheit mit Kael, an ihren geliebten Deloth, die Zeit mit Thirak und Kael. Sie hatte alles zerstört. Alles zerstört...
Doch kein Pfeil und kein Bolzen wurde auf sie verschossen. Stattdessen hörte sie schreie von Männern und Geschrei, welches sie nur von damals in Minas-Tirith kannte, als der Drache von Kiana die ganze Stadt zerstörte.
Als die junge Frau die Augen öffnete und aufblickte, sah sie wieder den schwarzen  Drachen in der Luft fliegen, der Feuer auf die Feinde spuckte. Dahinter ritt eine große Schar von Hunderten an reitern, die die restlichen Feinde töteten. Octavia erkannte das Banner ziemlich schnell es war der graue Wolf auf weißem Grund, welches das Wappen des Hauses Stark von Carn-dûm war.
Der große Drache landete unmittelbar in ihrer Nähe. Sie hatte schon Angst, das Ungeheuer wollte nun sie töten. Doch dem war nicht so. Sie erblickte Thirak, der auf dem Rücken der geflügelten Bestie saß.
“Komm Octavia! Steig auf!”, rief er nur. Ohne weiter darüber nachzudenken sprang sie auf den Rücken des Drachen und ließ sich von Indro aufhelfen. Von oben aus half sie Gwyneth auf den hoch zu bekommen. Als Indro und Kael ebenfalls aufgestiegen waren flog der Drache los in die Luft.

Octavia zusammen mit Thirak, Kael, Indro und Gwyneth auf dem Weg nach Carn-dûm...

Navigation

[0] Themen-Index

[*] Vorherige Sete

Zur normalen Ansicht wechseln