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Autor Thema: Im Inneren des Erebors  (Gelesen 31272 mal)

König Legolas

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Re: Die Ruhe vor dem Sturm
« Antwort #60 am: 18. Feb 2010, 03:13 »
,,Ob alleine, oder mit Freunden, es wird wohl mein letzter Tag sein....", murmelte Lengas vor sich hin.

Schritt für Schritt verließ er den Erebor immer mehr. Sekunde für Sekunde kam er Tahl immer näher. Er war nicht nervös, oder traurig, er hatte keine Angst, er empfand nur Hass, Hass gegen Khamul.

Ein Nazgul zerstörte sein ganzes Leben, in binnen Sekunden, und genau dies möchte Lengas ihn wieder zurück geben. Doch jede Sekunde, die er sich Thal näherte, spürte er ein immer stärker werdenden Stich, es schien gar nicht mehr aufzuhalten.

,,Entweder jetzt oder nie", sagte Lengas.

Plötzlich blieb der Junge, und wütende Elb stehen. Er hörte einen der ihm nach gelaufen ist, nein es waren sogar zwei. Lengas drehte sich so gelassen um wie es nur ging.

,,Lengas, was machst du hier, du möchtest doch nicht etwa nach Thal, oder?"

,,Henglir.... Henglir mein alter Freund. Doch, doch ich werde jetzt nach Thal gehen, es sind immer noch einige mutige Kämpfer dot, und - und die müssen wir retten", stotterte Lengas.

,,Schwachsinnig", zischte ein unbekannter Elb, der hinter Henglir stand.

,,Du riskierst dein Leben nicht für andere wertlose Menschen, du gehst wegen etwas anderem nach Thal, wegen etwas großem, habe ich nicht recht", zischte er noch hinter her.

,,Sag schon Lengas, was ist der Wahre Grund", fragte Henglir, da er genua wusste das Lengas nicht Lügen kann.

,,Wer-wer ist dieser Elb?", stotterte Lengas weiter.

,,Erinnerst du dich nicht mehr, ich war es doch der dich aufgehalten hat", sagte der unbekannte Elb und lachte. Danach fügte er noch hinzu:,, Nenne mich nicht einfach Elb, ich heiße Fendor".

Lengas drehte sich wieder in Richtung Thal um.

,,Ja, ja ich gehe nicht wegen den anderen  nach Thal, sondern wegen...", Lengas unterbrach als Fendor dazwischen gerufen hat.

,,Khamul".

,,Weißt du worauf du dich da einlässt, Lengas? Er ist sehr gefährlich, du kannst nichts gegen ihn ausrichten, du bist nicht in der Verfassung dazu", erklärte Henglir ihm immer wieder.

,,Ich werde trotzdem gehen, ob ich nun sterbe oder nicht, doch Khamul wird nicht einfach so davon kommen !", schrie Lengas.

Fendor und Henglir sagten gleichzeitig:,, Mein Schwert, mein Wille, und mein Körper kämpft für dich. Tot Khamul!".

,,Danke, Freunde", sagte Lengas, und ging ohne etwas zu sagen weiter.

,,Hmpff... Freunde, was für ein Quatsch", stieß Fendor hervor....


Lengas, Henglir und Fendor nach ,,Kämpfe in Thal"
« Letzte Änderung: 17. Feb 2016, 11:48 von Fine »

CrystalPhoenix

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Re: Die Ruhe vor dem Sturm
« Antwort #61 am: 18. Feb 2010, 22:43 »
Ein Tropfen Schweiß rann Carracáins Wange herunter.

Er bahnte sich seinen Weg durch das zerfurchte Gesicht, gezeichnet von Hitze, Brandmalen und beißendem Qualm.
Kurz verharrte er an der Kinnpartie des Elben, dann löste sich das Salzwasser von der rauen Haut, fiel der Erde entgegen, und prasselte ungehört und ungesehen auf die meisterhaften Ornmente unter seinen Füßen.

Carracáin war gar nicht wohl.

Beinahe hätte er das Augenlicht der Hammer Erebors auf dem Gewissen gehabt, und vierhundert Augenpaare blickten ihm entgegen, als er sich der Treppe zuwandte, die sich um die tragende Säule von Dwarkarnurs Plateau schlängelte.
Der Zwerg gab dem Elben noch einen leichten Stoß gegen die Rippen, als er an dem silbrigen Geländer verharrte, kaltes Metall unter seinen Fingern.

Ein leichtes Zittern lief durch die blutverschmierten Beinschienen Carracáins, Schritt für Schritt zwang er sich die hohe Treppe herunter, auf Stufen aus purem Stahl setzte er seine staubigen Stiefel,  Dreck aus dem Füchtlingslager, von der Straße zum Erebor, aus einer sagenumwobenen Höhle und aus dem Düsterwald blieben auf den Stufen zurück, das Blut eines Elben, eines Ostlings und einer Menschenfrau blieben an dem schwarzen Leder jedoch kleben.

Mit einer letzten langsamen Bewegung nach vorne erreichte er den Fuß der Treppe, seine langen, von scharfem Metall vernarbten und um das Geländer verkrampften Finger lösten sich einzeln von dem Stahl, fuhren fahrig durch das schwarze Haar des Elben, und legten sich dann schützend auf Crólair.

So stand er vor ihnen.
So stand er vor vierhundert schweigenden Zwergen, und überragte sie um zwei Haupteslängen.
Carracáin fühlte sich einsam.

Der Erste Schmied der Halle hatte sich an der gegenüberliegenden Wand platziert, zwei mächtige Säulen aus Stein, in die Köpfe von einem Vogel und einem Troll auslaufend, schraubten sich in seinem Rücken gen Decke, still und weise schienen sie den kleinen Wesen zu ihren Füßen zuzustimmen, strahlten eine bedächtige Billigung aus.

Der Zwerg winkte Carracáin mit einer einzigen kargen Bewegung seiner kräftigen Finger herüber, dank seines einen Auges konnte der Elb die Geste erkennen.
Er musste durch die ganze Halle.

Schweigend akzeptierte Carracáin dies. Seine Rolle hier im Erebor war so schnell vorüber, wie sie eingeführt worden war, seine Figur war einfach weggestrichen worden in den Gesängen Erus, vernichtet mit einem einzigen göttlichen Federstrich.

Nun gut, so sei es.


Der einsame Elb verschloss seine Seele vor den Ereignissen, die folgen würden, errichtete einen Schutzwall aus störrischer Motorik, die ihn vorwärtstreiben sollte, durch einen Ozean aus Verachtung tragen sollte, ohne an der auferlegten Last zu zerbrechen.

Er fokussierte sein Ziel und trat den Weg an, setzte einen Fuß vor den anderen, und wagte es nicht den Gesichtern die ihn erwarteten entgegenzublicken.

Eine Gasse tat sich vor Carracáin auf, das Schweigen wurde dennoch nicht an den Rand geschaufelt, es blieb in der Luft hängen wie dicke Nebelschwaden, und jeder Schritt durch diese milchige Verachtung kostete Carracáin ein Stückchen mehr seiner Selbstbeherrschung, zerfraß sein Schutzschild aus Nichtachtung wie ätzendes Gift.

Hinter dem Elben schloss sich die Lücke in der Menge sofort wieder, er war der einzige, der sich in der gesamten Halle bewegt, selbst die Zeit schien den Atem anzuhalten, und mit ihrem Hauch nicht die Mauer aus Erwarten zu zerstören, die die Zwerge vor und hinter Carracáin aufbauten.

Nach einem Moment, aus Ewigkeit und Stille gegossen, erreichte Carracáin den Fuß des Throns, vor dem der erste Schmied der Halle stand, dem Elben reichte der Zwerg kaum bis zur Brust, aber die unverhohlene Autorität hob ihn auf ein Podest mit Carracáin, brachte ihn auf Augenhöhe mit dem gescheiterten Schmied.

Als dieser vor dem Zwerg anlangte, sank der Elb auf die Knie, und neigte sein Haupt dem unvermeidlichen Schicksal entgegen. Carracáin versuchte sämtliche Würde, die ihm noch geblieben war, in diese Bewegung zu legen, schwarze Haarfransen hingen ihm in das Gesicht, und von der Welt durch diesen dunklen Vorhang abgenabelt, fühlte er sich schrecklich elend. Er wusste nicht, was ihn erwartete, ein derart missglücktes Experiment, dass schon fast an Magie grenzte, war in diesen Hallen noch nie geführt worden, nie hatten in dieser Halle sämtliche Hämmer im gleichen Moment geschwiegen.

Durch die Haare sah er den Schemen des besten Schmieds der Halle näher treten. Die Figur holte aus-
und der Elb wurde von den Knien gerissen, so gewaltig war der Schlag, der mit der flachen Hand, der mit einem Panzerhandschuh aus Stahl auf sein Gesicht niederfuhr.
An seiner verdorbenen Wange spürte er kalten Stein, ruckartig ballte er seine Faust um den Knauf seines Schwerts und biss sich in die Lippe, aus Angst einen Laut des Schmerzes von seinen Lippen fahren zu lassen.
Warmes Blut sickerte dem Elben von der Nase in den Mund, er wollte sich aber nicht die Blöße geben, es wegzuwischen, also hielt er seinen Kopf so, dass ihm sein Lebenssaft zurück in den Rachen floss. Es schmeckte rostig, aber der warme Strom in seinem Hals ließ ihn die Nichtachtung der Zwerge vergessen, die sich in langen Reihen hinter ihm aufgebaut hatten, diszipliniert geordnet wie Soldaten standen sie breitbeinig und mit verschränkten Armen in Carracáins Rücken.

Der Zwerg holte mit seiner anderen Hand aus aber kein Panzerhandschuh bedeckte diese.
Der Elb reckte trotzig den Kopf vom Boden, vor diesem Schlag würde er nicht zurückweichen!

Das hier ist mein RPG Charakter Carracáin, und das hier ist sein momentaner Standort.

Noch ein Glas, ich denk nur an dich,
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Re: Die Ruhe vor dem Sturm
« Antwort #62 am: 18. Feb 2010, 22:47 »
Doch der Schlag kam nicht.
Carracáin spürte die Hand des Zwergs das Blut von seinem Gesicht wischen, überrascht riss er die Augen auf.
Der erste Schmied beugte sich zu dem zusammengekrampften Elben herunter- und küsste ihn auf die Stirn!
Mit einer herrischen Geste, bedeutete er dem schwarzhaarigen aufzustehen, und dieser folgte zögerlich der Anweisung. Langsam richtete sich Carracáin zu seiner vollen Größe auf, und blickte dann zu jenem Zwerg herunter, der ihm noch vor wenigen Momenten eine Tracht Prügel verpasst haben, und ihn den Rängen der Schmiede verwiesen haben sollte.
Doch es kam anders.

„Männer!“
Die raue, tiefe Stimme des Zwergs jagte Carracáin einen Schauer über den Rücken, sie hörte sich an wie brechendes Eisen.
„Ich stehe vor euch als der Beste dieser Halle. Ich stehe vor euch als der Erste der Zehn. Und hinter mir steht“, dabei schwenkte er seinen Arm herum und deutete auf Carracáin, immer noch mit dem Gesicht zur Menge, „ein Schmied, der mit seiner Kunst die ganze Halle in staunendes Schweigen versetzte!
Nie haben die Hämmer in dieser Halle geschwiegen,
nie bebten keine Ambosse unter der Wucht unserer Schläge,
nie ruhten die Blasebälge, der Atem der unserer Kunst Leben einhauchte,
und nie verloschen sämtliche schaffende Flammen in den Essen unserer Väter!
Doch heute taten sie es!
Heute brachte ein Schmied, noch nicht lange in der Riege der Zehn, etwas zustande, von dem noch die Kinder unserer Enkel erzählen werden!
Er formte im Dienst der Schmiedekunst, im Dienste Erebors, das Licht, das unserer Werke zum Schillern bringt, das Funkeln das unseren edelsten Steinen innewohnt, zu einem Wunderwerk unfassbarer Ausmaße!
Schmiede der Zehn, ich frage euch: Habt ihr ein Wunder wie dieses schon einmal schauen dürfen?“
Mittlerweile waren auch die anderen acht Mitglieder der Zehn herbeigekommen, sie traten aus dem Schatten, den die Fackeln an den Säulen warfen, und ein einstimmiges, raues „Nein“ brandete durch die Halle.
Carracáin selbst hatte sich von dem Beteiligten, von dem Manne, um den sich die Worte dreht, längst gelöst, er schwebte in einem Zustand zwischen Beobachter und Unbeteiligter, konnte nicht fassen, was der Zwerg über seine Lippen brachte.

Mit einem zufriedenen Nicken drehte sich dieser kurz zu Carracáin, dann wandte er sich wieder den anderen vierhundert Schmieden zu.
„Selbst die Besten dieser Halle sahen solch eine Kunst noch nie!
Und ich frage euch: Kann ein Schmied, der es zu einer solchen Perfektion bringt, der eine Kunst beherrscht, die selbst den Zehn unbegreiflich ist, kann ein solcher Schmied unseren Reihen verwiesen werden?
Wäre es nicht ein ungeheurer Verlust für diese Hallen, würden wir uns nicht auf dem Schlachtfeld ohrfeigen für den Entschluss, solch einen Meister unseres Handwerks verjagt zu haben?“
Und mit fragender Geste legte er eine Hand an sein Ohr, und blickte in die Menge. Insgeheim bewunderte Carracáin den Schmied für solch eine Sicherheit, für solch eine fesselnde Ausstrahlung.
„Nein!“, tönte es aus den Kehlen der Zwerge.

Noch zufriedener drehte sich der Zwerg langsam zu Carracáin um, und richtete seine laute Stimme jetzt direkt an den Elben:
„Du hast uns gezeigt, dass du bereit bist für deine Fehler einzustehen, Elb!
Zeige uns, dass du auch bereit bist, für deine Erfolge gewürdigt zu werden!“
„Auf die Knie, Kerl!“, zischte er noch hinterher.

Schnell fiel er auf die Knie, der Zwerg nahm seine Hand, so dass sie ineinandergriffen, und führte seine Faust zur Brust. Carracáin tat das gleiche.
Mit lauter, aber trotzdem flüsternder Stimme raunte der Zwerg:

„Ich neige mein Haupt vor dir, Carracáin Lichtschmied.“

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Re: Die Ruhe vor dem Sturm
« Antwort #63 am: 6. Mär 2010, 02:35 »
Carracáin seufzte.

Still saß er auf seinem Schemel, und drehte eine kleine Platte zwischen seinen Fingern. Sie war nicht von Bedeutung, er hätte sie wegwerfen können, und Niemand würde sich an ihre Existenz erinnern. Doch ohne diese Platte, dieses kleine, runde Metallstück, oben und unten jeweils zweimal gelöchert, diese kleine Platte war unverzichtbar für die große Schulterplatte an Carracáins Rüstung.
Ohne dieses unbedeutende Stück schwarzen Stahls würde die Schulterplatte nicht halten, an der die gesamte Rüstung hing.
Ohne diese Platte würde Carracáin nicht in den Kampf ziehen können, sein zwergischer Freund hätte umsonst jedes Projekt vernachlässigt. Momentan hätte er ein Schwert für einen der Zwergenfürsten verbessern müssen. Wäre alle Arbeit an der Rüstung des Elben umsonst, weil dieses Metallplättchen fehlte, dann würde der entsprechende Fürst, und ebenso sein betrachtliches Gefolge, nicht in die Schlacht ziehen. Möglicherweise würde dann der Erebor fallen, die politischen Strukturen wären durcheinander geworfen, sodass ein Bürgerkrieg zwischen den Zwergen entstehen könnte.
Das Licht fing sich in dem Stück Eisen, und es blinkte Carracáin unschuldig entgegen.
Was kann dann ein ganzer Mensch, Zwerg oder Elb ausrichten?! Jeder von uns hat wahrscheinlich einen enormen Einfluss auf das Geschehen der Welt. Jeder einzelne Soldat hier im Erebor müsste, Großes bewirken können.
Gedankenverloren nahm er ein Blatt Papier zur Hand, setzte in seiner geraden, steilen Schrift an:
Kriege gewinnt man nicht mit ruhmreichen Schlachten.
Man gewinnt Kriege mit einem einzigen Messer zur rechten Zeit am rechten Ort.


Nachdenklich strich er das Papier glatt und betrachtete die Worte, die aus seiner Feder geflossen waren. Dann fügte er noch hinzu:
Sieh nie den Mann allein. Sieh das Echo, das hinter ihm klingt, und den Schatten den er voraus wirft.


„Na, Elb? Wieder einmal am schwarzmalen?“ eine große Hand legte sich auf Carracáins Schulter, er drehte den Kopf und blickte in ein Grinsen, umrahmt von einem mächtigen schwarzen Bart und funkelnden Augen von der Farbe blauer Gletscher.
„Ja... wahrscheinlich.“
Bedächtig legte Carracáin das Metallplättchen auf das blütenweiße Papier, wo es neben den Wörtern unheilvoll schimmerte.

Carracáin war in den letzten Tagen wortkarg gewesen. Nicht, dass er sonst viel reden würde, aber selbst mit Dwarkarnur oder Alvias scherzte er nicht mehr so viel. Auch leerte er nicht mehr viele Humpen Bier mit dem Elben, sondern saß brütend über den einzelnen Rüstungsteilen, eine gekühlte Karaffe Eiswein neben sich stehend.
Diese Veränderung hatte mehrere Gründe. Zum einen bereitete ihm seine Rüstung ein wenig Kopfzerbrechen- Fünf komplette Panzer hatte Carracáin in den Minen geschmiedet, aber das hier war etwas ganz anderes. Das hier war ein Meisterwerk, welches er in einem Zehntel der Zeit anfertigen musste. Das Metall war allerdings das hervorragendste, das er jemals ermischt hatte: Nach dem Härten und Gießen bildeten sich blutrote Maserungen in dem schwarzen Stahl. Bei Kälte zogen sie sich zu Gebilden, Eisblumen an Fenstern ähnlich, zusammen, bei Hitze zerflossen sie langsam in ölige Schlieren, als hätte man reines Blut in das Metall geschmolzen.
Aber hier lag auch schon das zweite Problem, welches ihm seinen Aufenthalt in der Halle der Schmiede verbitterte.
Die Staubwolken, die er mit seinen Experimenten und mit seiner Ernennung zum „Lichtschmied“ aufgewirbelt hatte, legten sich nur sehr langsam. Jeder Schmied in der großen Halle vermied Augenkontakt mit dem Elben, sei es aus Ehrfurcht oder aus Angst.
Ebenfalls gaben die restlichen acht besten Schmiede der Halle Carracáin das Gefühl, ein Ausgestoßener zu sein.
Was Carracáin aber am meisten bedrückte war die Tatsache, dass man in ihm nicht mehr den aufstrebenden, künstlerischen Schmied sah. Man sah in ihm einen Fremden mit seltsamen Methoden. Sämtliche Errungenschaften Carracáins in der Schmiedekunst wurden schlagartig von dem Spektakel an dem „dunklen Tage“ wie die Zwerge es jetzt nannten, überdeckt.
Und das machte dem Elb zu schaffen.

Wieder einmal, war er allein.
« Letzte Änderung: 6. Mär 2010, 11:43 von Crystal Phoenix »

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Re: Die Ruhe vor dem Sturm
« Antwort #64 am: 6. Mär 2010, 02:37 »
„Na, Carracáin, nicht so trübselig! Ich habe etwas, das dich aufmuntern wird!“, lachte der Zwerg, und zwinkerte verschwörerisch.

Carracáin erhob sich, und folgte dem kleinen Mann zum anderen Ende der Plattform.
Er merkte dem Zwerg den Stolz an, der in dessen Brust schwoll. Dieser marschierte zu der großen Nische hinter seinem ersten Blasebalg, dort hatten sie oft gesessen, mit einem Blick über das Geländer auf die große Halle hinaus.
Der Geruch von Leder stieg dem Elb in die Nase, sämtliche Lehrlinge des zwergischen Schmieds hatten sich hier versammelt.
„Ich darf präsentieren: Eine Rüstung, von Zwerg und Elb geschaffen, dem Bösen zu trotzen und den vereinten Völkern Mittelerdes in ihrem Kampf beizustehen!“
Mit diesen Worten breitete der Zwerg stolz seine Arme aus, gab den Blick auf etwas metallisch glänzendes preis.

Meine... Meine Rüstung.

Und wahrlich, dort funkelte in einem bedrohlichen schwarz- Carracáins Rüstung

Auf einer Strohpuppe saß ein beeindruckender Harnisch, eine Dämonenfratze auf  der linken Brustplatte. Unterhalb der beiden Brustplatten fächerten sich Lamellen auf, ähnlich dicken Muskelsträngen, die an dem Brustkorb endeten und sich wie ein zweites Paar Rippen über  die Brust zogen. Die Hüften waren mit mehreren Gürteln und Schnallen umspannt, stählerne Ketten zogen sich von hier bis hin zu der Kehlenpanzerung, die aus vielen beweglichen und ineinander verschiebbaren Einzelteilen bestand.
Der Dämon auf der linken Seite hielt ausserdem noch mehrere Kettenglieder zwischen seinen langen Zähnen, jedes einzelne Glied so groß wie die gespreizte Hand Carracáins. Diese riesige Kette lief bis zu der gewaltigen Schulterplatte links an der Rüstung, dort brach der skelettierte Kopf eines Drachen aus der Platte hervor, mehrere Ketten zwischen seinen Klauen haltend.
Dicke Metallränder umliefen die Schulterplatte, höher noch als die Ausläufer der Kehlenpanzerung, dort wo sich später Carracáins Mund zu einem grimmigen Grinsen verziehen würde. Die rote Maserung in dem schwarzen Metall hatte an dem Drachenkopf die Form der herausgearbeiteten Drachenschuppen angenommen, und dort wo die Schulterplatte in einen gewölbten Flügel zur Armbeuge hin auslief, bildete das Blutrot eine lebensechte Verästelung der Adern in der Flughaut.
Ebenfalls zur linken Armbeuge hin lief eine spitze, nietenbesetzte Armschiene, die noch anderthalb Handbreit von dem Ellebogen abstehen würde, knickte man den Arm ein. Direkt an der Armschiene setzte ein eisernes Gestell an, innerhalb davon ein mehrgliedriger Panzerhandschuh mit überlappenden Fingergliedspitzen, und außerhalb 5 grausame, Ehrfurcht gebietende Sensen, jede einzelne diente als Verlängerung des Fingers.
Diese Sensen hatten keinen Hauch von schwarz mehr an sich, sondern starrten in schmutzigen Rot, als wären sie dafür gemacht, dass Blut an ihnen herabfließt.
Auf der rechten Seite der Rüstung befand sich keine übergroße Schulterplatte, eine normalgroße, mit mehreren feingliedrigen Ketten fixierte Platte überspannte hier die Schulter und lief in kantigen, Kristallähnlichen Formen aus, die allesamt scharf und spitz geschliffen waren. Das schwarz war hier derart poliert, dass man meinte, man würde in einen totenstillen, spiegelnden schwarzen See hinabblicken.
An dem rechten Arm befanden sich auch mehr Nieten, sie zogen sich von den muskelfaserähnlichen Gravuren der  Armschiene bis hin zu dem Dorn, in den die Ellbogenplatte an diesem Arm auslief. . Die Armschiene umfasste noch eine weitere Idee des Zwergs, eine lange Klinge konnte aus der Schiene nach hinten schnappen, sodass der gesamte Arm zu einer gewaltigen Schneide wurde. Der Panzerhandschuh an dieser Seite war ebenfalls mit übereinandergestaffelten Fingergliedspitzen gefertigt, die bei geballter Faust vier Dornen bildeten.
Die Beinteile der Rüstung waren gleich gehalten, an den Obeschenkeln öffenten sich zwei Flügel, die in eine glänzende, lederne, stahlverstärkte Hose ausliefen. Ebenfalls blankpolierte Stiefel, nietenbesetzt und mit Stahlkomponenten versehen, schmiegten sich an die Waden, mehrere Ketten liefen an den Beinen entlang und um die Stiefelabsätze spielten die Ausläufer des Mantels, der an dem Drachenkopf befestigt war. Die Rote Maserung war hier nur noch in Nuancen vorhanden, silberne Bestandteile herrschten hier vor.
Über die Brust war noch ein einziger, schwarzer Gurt gespannt, und auf dem Rücken hing die Scheide für Crólair, das erste Meisterwerk Carracáins.

Ein Schatten aus Stahl, Ketten und  Leder hatte das Antlitz der Welt betreten- Dáedaloth, die Rüstung des Lichtschmieds.
« Letzte Änderung: 6. Mär 2010, 11:58 von Crystal Phoenix »

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kolibri8

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Re: Die Ruhe vor dem Sturm
« Antwort #65 am: 22. Mär 2010, 19:48 »
Alfwards Start:

Aelfwaerd saß auf einem Schemel im Lazaret, das man in einem alten Festsaal des Erebors eingerichtet hatte. Vor ihm auf einer Pritsche und mit einer Decke überdeckt, jedoch das Gesicht offen liegend, lag der Leichnam seiner Frau. Er hatte gerade gebetet und stand nun auf, gab ihr einen Kuss auf die Stirn und bedeckte ihr Gesicht. Er nahm den Helm der neben ihm auf den Boden lag und ging aus dem Lazaret heraus.
Gedankenverloren kramte Aelfward in einer Tasche und suchte nach einem Wetzstein, denn er wollte sein Schwert scharf genug wissen um jedem Ostling und Ork problemlos Fleisch und Harnisch zu zerschneiden. Stattdessen fand Aelfwaerd einen Talisman in Form eines Hammers, den ihm Aasmund vor seinem Tod gegeben hatte.

Er erinnerte sich zurück wie er seinem sterbenden Freund in dem verschneidten Gebirge versprochen hatte in Wodans Hallen zu feiern. Aelfwaerd besann sich wieder auf das Hier und Jetzt und bemerkte das er zu weit gelaufen war. Er drehte sich also um und bog nach einigen Metern rechts ab und kam in die große Halle in der er seine Sachen abgelegt hatte. Während er zu seinem platz ging legte er den Mjölnir in die Tasche zurück und fand den Wetzstein den er eben gesucht hatte. Den Stein warf er auf seinen auf dem Boden ausgebreiteten Mantel und streifte sein Kettenhemd ab. Dann setze er sich auf den Boden und begann sein Schwert zu schleifen.

Dabei fiel sein Blick auf sein zerschlissenes Kettenhemd. Ein grauenhafter Anblick. Kein Ring glich dem anderen, egal ob in punkto Größe oder Material, teilweise waren Ringe mit Lederriemen zusammengebunden, es war eigendlich ein Wunder das es nicht auseinanderfiel, geschweige denn noch schütze. Aelfwaerd hatte es in den Jahren zuvor immer selbst zusammengeflickt und das mehr schlecht als recht. So beschloss er es von einem Schmied wieder richten zu lassen. "In einer Zwergensiedlung wird es wohl nicht so schwer sein einen Schmied zu finden", dachte er sich. Also legte er den Wetzstein beseite und steckte sein Schwert zurück in die Scheide, dann nahm er dass Kettenhemd auf den Arm und ging los. Er ging auf die Plattform über der Halle und sah dort eine Gruppe von Zwergen-Schmieden und einen Elb, und ging auf diese zu. Sie schienen eine dunkle Rüstung zu betrachten. "Entschuldigt meine Herren Schmiede, dass ich euch störe, aber könnte sich bitte einer von Euch meinem Kettenhemd annehmen" sagte er, sein Kettenhemd vorzeigend, zu der Gruppe.
« Letzte Änderung: 20. Feb 2016, 23:11 von Fine »
RPG:
1. Char Alfward bei Dol Guldur.
2. Char Qúsay in Aín Sefra.

Das Wiki zum RPG. Schaut mal ruhig vorbei ;).

Neu im RPG und Probleme mit dem Namen? Schickt mir einfach 'ne PM ;).

Geschichtsfragen? Hier gibt's Antworten.

CrystalPhoenix

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Re: Die Ruhe vor dem Sturm
« Antwort #66 am: 30. Mär 2010, 02:03 »
"Entschuldigt meine Herren Schmiede, dass ich euch störe, aber könnte sich bitte einer von Euch meinem Kettenhemd annehmen?"

Langsam drangen die Worte zu dem Ohr Carracáins, der immer noch ganz in seine Gedanken versunken die schwarze Rüstung  betrachtete.
Nur schwer konnte er seinen Blick von dem Wunderwerk abwenden...
Carracáin, du hast wahrhaftig Großes vollbracht. Du hast es dir verdient, die Sachen jetzt lockerer anzugehen.
Mach was du willst! Du hast keine Schranken mehr, keine Pflichten die dich einengen!
Ja, ich glaube, das ist jetzt genau das richtige für mich.


Behaglich drehte er sich zu dem Mann um, der da in ihren Kreis getreten war.
Der Elb ließ seinen Blick an dem Menschen hinabwandern, an dem Spangenhelm, geschmückt mit schwarzem Rosshaar, den beigen Kleidern und den hellhätigen Fingern, die um den Helm gelegt waren. Dann glitt der Blick Carracáins wieder zum Gesicht des Fremden, das teilweise von einem Bart verdeckt war, in dem man aber noch die Furchen und Narben von Kämpfen entdecken konnte.
Der Mensch hielt seinem Blick stand, in den stahlblauen Augen lag weder Furcht noch Zweifel.
Das gefiel Carracáin..

„Was willst du, Junge? Wir waren hier gerade beschäftigt...“

Ein kleines Flackern trat in die Augen des Jünglings, es war ein kurzes Auflodern von Zorn, ob der Abfälligkeit, die der Elb ihm entgegenbrachte. Aber schnell hatte sich der Mensch wieder im Griff.

„Nun... ich glaube, das sagte ich bereits.“
„Und ich glaube, dass ich so sehr in meine Überlegungen vertieft war, dass ich dich nicht gehört hab. Wenn du etwas von mir möchtest, dann sag es jetzt.“, setzte Carracáin entgegen. Er war noch nicht einmal böse oder sonst etwas auf den Menschen, er fand nur den nötigen Respekt ihm gegenüber angebracht, schließlich war der Mensch derjenige, der eine Bitte hatte.

„Ich habe hier ein Kettenhemd und... nun vielleicht könnte einer aus eurer Runde mal einen Blick drauf werfen. Es ist wohl nicht mehr in allerbestem Zustand.“

Carracáin nahm das Kettenhemd entgegen, das er entgegen gestreckt bekam. Schon der erste prüfende Blick machte ihn betroffen.
Kettenhemd? Das ist doch kein Kettenhemd mehr. Das ist allerhöchstens eine Haufen Altmetall, der zusammengeschustert wurde- auf welche Weise auch immer!

„Jungs?“, er schaute zu seinen Helfern, die sich nach getaner Arbeit ebenfalls entspannt hatten, und sich  gelassen auf ihre Schemel lümmelten, „was haltet ihr davon?“
„Nun, ich weiß nicht wie es euch geht, Meister Carracáin,  aber ich kann dieser Schmiedetechnik nichts abgewinnen.“, verkündete einer der Schmiede. Doch er sagte es in solch einem heuchlerischen Tonfall, dass es Carracáin wahrlich anekelte.
„Hättest du das auch gesagt, wenn ich wohlwollend auf das Hemd geschaut hätte?“
„Meister- an diesen Haufen Schrott hättet ihr niemals einen wohlwollenden Blick verschwendet.“
Oh Gott. Ja, ja, kriech mir nur in den Arsch du dummer Zwerg.


Mit einem erneuten Blick zu dem Jüngling fragte Carracáin:
„Wie ist dein Name?“
„Ælfwærd,  Ælfrics Sohn.“
„Dann los!“
Und mit einem Zähneblecken nahm Carracáin das Kettenhemd entgegen, trug es zu seinem Arbeitstisch.
Ein wenig verstört folgte Ælfwærd, möglicherweise war Carracáins Grinsen ein wenig zu böse ausgefallen...
Bin ich böse?
Nein. Nur, wenn ich nicht ich selbst bin.

Das war zwar nur teilweise beruhigend, aber Carracáin wusste schon, dass er nicht böse war. Schließlich hatte er einem Mädchen schon das Leben gerettet!
„Setz dich doch,  Ælfwærd, schau mir ein bisschen zu, damit du weißt, wie dein Kettenhemd funktioniert!“
Immer noch ein bisschen nervös nahm der Mensch auf der Bank Platz, die neben dem Tisch in den Boden eingelassen war, Carracáin selber bevorzugte es, bei seiner Arbeit zu stehen.
Kritisch zerfaserte der Elb das Kettenhemd, baute Flecken aus und nahm ein paar zu große Ringe aus dem Geflecht.
„Brauchst du einen sehr stabilen, oder einen sehr leichten Kettenpanzer?“, murmelte Carracáin in Ælfwærds Richtung
Der Junge schreckte hoch, er war wohl in Gedanken versunken gewesen. „Ähmm, hm, geht auch... geht auch beides?“
Ein Schmunzeln glitt über die Lippen des Elben, und hielt sich noch ein wenig in dem zerfurchten Gesicht. „Na, da bräuchten wir wohl ein bisschen Mithril... Du hast nicht zufällig welches dabei?“
„Ich? Nein... das ist doch eines der wertvollsten Materialien Mittelerdes!“
„Hach, schade! Vielleicht kriegen wir es ja trotzdem hin, dass du dich flink wie eine Amsel bewegen kannst, aber dennoch den ein oder anderen Speerstoß auf deine Brust überlebst.“, und dabei zwinkerte Carracáin dem Menschen verschwörerisch zu.

Das hier ist mein RPG Charakter Carracáin, und das hier ist sein momentaner Standort.

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Re: Die Ruhe vor dem Sturm
« Antwort #67 am: 30. Mär 2010, 02:09 »
Zwei Stunden saß er an dem Hemd.
Ælfwærd hatte ihm erzählt, dass er es mit eigenen Händen geschaffen hätte. Carracáin wusste um den ideellen Wert einer solchen Arbeit, und gab sich Mühe, die persönliche Note des Hemdes beizubehalten.
Er entfernte zunächst die rostigsten und unpassendsten Ringe, solche Schwachstellen durfte sich ein Kettenhemd nicht erlauben! Dann lötete er neue Ringe zwischen das bisher bestehende Geflecht, dabei musste er jeden zu verknüpfenden Ring neu anschmelzen, aufbiegen und dann mit dem neuen Ring verbinden. Es war schwieriger, als ein neues Hemd zu schaffen, aber er war sich sicher, der Jüngling hätte ihn sonst einfach nach einem neuen Hemd gefragt.
Sämtliche neuen Ringe waren sehr klein und leicht, damit gaben sie dem Hemd eine bessere Stabilität. Auch schaffte der Elb es, Übergänge zwischen verschieden großen Ringen zu schaffen, indem er die Größe der umgebenden Metallringe vorsichtig anglich. So wurde der Größenübergang fließend.
Das gesamte Kettenhemd säuberte er natürlich noch, und dampfte es dann mit verschiedenen Metalllegierungen ein. Eine davon war besonders weich und nachdem er diese aufgelegt hatte, bat er  Ælfwærd darum, sich einmal so zu bewegen, wie es für ihn im Kampfe typisch war. Damit bewirkte er, dass die Plättchen sich feine Rillen schufen, in denen sie sich besser bewegen konnten. Diese minimalen Fugen steigerten die Flexibilität um einen weiteren Grad, sie existierten auch nur an den Stellen, an denen das Hemd oft bewegt wurde. Das war besser, als die Ringe sich diese Rillen bei normalen Umständen einbiegen zu lassen, da dies das Metall eher beschädigen würde.
Die entsprechenden Bereiche bespritze er mit Eiswasser, dann ließ er das aufgedampfte, weiche Metall wieder abschmelzen, was hoher Geschicklichkeit bedurfte. Die gekühlten Stellen erhitzen sich nämlich erst Sekundenbruchteile später, in denen der Elb das Hemd hastig aus den Kohlen zog.

Das Einölen sollte der Mensch selber übernehmen, auch wenn ihm Carracáin ein paar Kniffe zeigte. Denn der Mensch würde nicht immer einen Schmied zur Seite haben, und musste mit dem „neuen“ Hemd auch alleine zurechtkommen.

„Dann probiers mal an,  Ælfwærd!“, forderte Carracáin den Jungen auf, und nickte ihm dabei aufmunternd zu.
Ælfwærd zog sich das silbrige Kettengeflecht über, das vom Öl mattschwarz glänzte und anmutig auf seinen Schultern lag.
Probeweise bewegte er sich damit ein paar mal, strich über die feinen Ringe und ließ den Panzer durch die Hände gleiten.
„Das... das ist wirklich gut geworden! Es fühlt sich an als... als wäre einfach meine Kleidung dicker geworden! Danke!“
Erfreut, weil dem Jungen seine Arbeit so gefiel, schritt Carracáin zu einem Waffenschrank.
„Nun, das ist noch nicht alles!“
Langsam nahm er ein Schwert heraus, wog es in beiden Händen, und hieb dann mit voller Wucht in die Flanke Ælfwærds. Überrascht jaulte dieser auf, aber er fing sich schnell wieder.
„Irgendwelche Beschwerden, Soldat?“
„Nein... keine. Als hätte man mir mit einem leichten Stück Holz gegen das Hemd geschlagen! Ihr beeindruckt mich!“
Bescheiden senkte Carracáin den Blick. „Keine Ursache. Ich helfe den Verteidigern Erebors, wo ich kann. Sag, wo wirst du bei der Schlacht um den Berg stehen?“
„In der ersten Reihe, dort wo mein Schild und mein Speer gebraucht werden!“, sagte der junge Mann stolz, und schlug sich mit der Hand auf die Brust.
„Ich werde an euch denken, wenn ich über die gepanzerten Reihen des Heeres blicke.“, versprach Carracáin, und  Ælfwærd verabschiedete sich - noch einmal dankend- von der Gruppe.

Der Elb blickte dem jungen Soldaten hinterher, ein bisschen Glück und ein bisschen Trauer stauten sich in seiner Kehle.
Carracáin würde nie so werden. Carracáin würde wohl immer jemand sein, der auffiel, so sehr er sich auch zurückhalten würde.  Ælfwærd war ihm sehr sympathisch gewesen, allein schon, weil er nicht so depressiv, mürrisch oder egozentrisch wie sein restliches Umfeld daherkam. Er war einfach  so gewesen, wie man sich einen netten Kerl vorstellt,  mit dem funkelnden, ungebrochenem Stolz eine jungen Kriegers in den Augen, und mit einem angenehmen Wesen.

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Re: Die Ruhe vor dem Sturm
« Antwort #68 am: 30. Mär 2010, 02:11 »
Nachdem er den heuchlerischen Zwerg verscheucht hatte, der meinte, ihm den Stuhl zurechtrücken zu müssen, setzte er sich wieder alleine vor seine Rüstung. Gedankenverloren strich er über die einzelnen Panzerglieder, alle in schwarz und Rot gehalten.
Auch wenn ihm das nicht gefiel- Für einen Aussenstehenden würde er wohl stets böse bleiben.
Er hatte ein blutrotes Schwert, sein Gesicht war schaurig, ständig lief er in einem bedrohlichen Schwarz herum, seine Haut war totenbleich, dunkle Schatten lagen unter seinem Auge, und seine Rüstung stand in ihrer Grässlichkeit einem echten Ungeheuer in nichts nach.
Und?
Das war seine Welt. Das waren die schwarzen Schatten in seinem Kopf, die dunklen Krähen, die in seinen Gedanken flatterten.
Vielleicht sollte er etwas anderes tun, als Waffen schmieden. Fortwährend Todeswerkzeuge zu schaffen war seinem bedrohlichen Selbstbild wohl ganz und gar nicht zuträglich.

Vielleicht wäre es möglich, sich anderweitig im Erebor zu betätigen, und die Krieger des ewigen Berges dennoch zu unterstützen.
Wie unterstützte man ein Heer, ohne selbst zu kämpfen?
Die Kampfkraft stärken- Klar. Aber das wollte er ja eben nicht!
Die Schwachen beschützen- Na, dafür müsste man wohl selbst kämpfen.
Das Heer vergrößern- Daraus könnte was werden. Entweder musste man dafür Rekruten anwerben oder unbrauchbare Soldaten wieder brauchbar machen... Wie sich das anhörte- So mechanisch und emotionslos.
Carracáin war nicht charismatisch, das wusste er. Aber einen Dienst im Lazarett konnte er sich gut vorstellen!

Wortlos wandte er sich von seinem Arbeitstisch ab und verließ die Halle der Schmiede, ließ die brennenden Feuer und das Dröhnen der Hämmer hinter sich.
Es war schon eine Zeit her, dass er aus der Halle getreten war. In dem Berg fand er sich wirklich nicht zurecht, es gab zu viele dunkle Gänge, einer wie der andere, die regelmäßig in überdimensionale Räume führten. Außerdem musste man sich hier nicht nur Richtungen merken, sondern auch die Höhe innerhalb des Berges- was eine Orientierung völlig unmöglich machte.
Die Zwerge schauten ihn aber alle schräg von unten an, also wandte er sich mit seinem Hilfegesuch an einen Menschen. Dieser konnte ihn tatsächlich zum Lazarett des Erebors führen. Und was das für ein Lazarett war!
In diesem Berg war wohl alles größer.

Aberhunderte Betten standen in Reih und Glied in dem riesigen, kreisrunden Kuppelsaal. Mit weißem und honigfarbenem Marmor ausgekleidet, strahlte der Saal in einem angenehmen Licht, das eine Atmosphäre der Ruhe und der Heilung schaffte. Doch anders als die Schmiedehalle, war  dieser Raum nicht eine einzige flache Ebene, sondern er war gänzlich anders aufgebaut.

Drei hohe Streben aus Stein fuhren über den Boden, und trafen sich genau in der Mitte, sodass der Kreis gedrittelt war. In 15 Schritt Höhe trafen erneut drei Streben aufeinander, weitere 15 Schritt höher ebenfalls. So zogen sich insgesamt 50 Strebentrios deckungsgleich bis zur Decke, alle aus weißem Stein, alle rund und blank geschliffen, an der Oberseite abgeflacht und mit zwei handbreiten Außensockeln versehen, sodass sie brückenähnliche Konstruktionen bildeten, auf denen bis zu 10 Leute nebeneinander gehen konnten.
Um den Mittelpunkt jeder Ebene, dem Punkt, an dem die Brücken zusammentrafen, waren breite, konzentrische Kreise aus Stein befestigt, fünf Ringe zogen sich um einen Mittelpunkt auf einer Ebene, fast frei schwebend und mit großen Abständen zueinander. Diese Steinringe, die aussahen, als wären sie zusammen mit den Streben aus einem einzigen weißen Fels gehauen, waren noch flacher als die Streben und bildeten Plattformen, auf denen noch weitere Betten standen. Alle waren sie bis zu 50 Schritt breit, der äußerste Ring jeder Ebene schloss direkt an die Hallenwand an.
Da die Ringe aber weiter voneinander entfernt, als breit waren, hatte der Elb den Eindruck, die 250 Ringe würden in der Halle schweben.
Zwischen den Ebenen schlängelten sich hunderte kleine oder große Treppen hindurch, manche so filigran wie Spinnweben, andere so mächtig, dass sie wohl zwei enorm wichtige Ringe verknüpfen mussten.
Was dem Elben aber vollends den Atem nahm, waren die gewaltigen Kristallformationen, die willkürlich aus einigen Ringen und Streben wuchsen, und sich nach allen Seiten hin ausdehnten. Riesige Sterne aus Bergkristall und Saphir prangten mitten in dem Saal, schienen frei in zwischen den Ringen zu schweben, als wären sie gerade erst in atemberaubender Geschwindigkeit aus dem Stein gebrochen.

Staunend stand Carracáin in dem bescheidenen Eingang, auf der siebten Ebene.
Unter, über, und vor ihm wuselten Zwerge, Menschen und Elben hin und her, eilten Treppen hinauf und hinunter.

Das war das Lazarett.

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Re: Die Ruhe vor dem Sturm
« Antwort #69 am: 20. Apr 2010, 00:13 »
Die silberne Klinge blitzte kurz auf, dann tauchte Carracáin sie in die Haut seines Patienten.
Lautlos und glatt schnitt das Messer durch das Gewebe, bis der Spalt aufklaffte, und der Elb sein Skalpell aus dem Blut riss.
Ruhig steckte er dem Mann, dessen Bein er behandelte, ein Stück Holz zwischen die Zähne, sprach ihm ein paar beruhigende Wörter zu und griff dann in die Wunde.

Krampfhaft bäumte sich der Soldat auf, ohne das Holz hätte er sich die Zunge abgebissen, so stark waren die Schmerzen, doch Carracáin hatte zwei Dinge in seiner Woche im Lazarett gelernt – Sei schnell, sei gründlich.
Schon hatte er den Schaft eines Pfeils zwischen den Fingern, und ebenso schnell hatte er seine Hand aus dem Bein des Mannes gezogen. Ein kräftiger Zwerg hielt diesen nun fest, denn was jetzt kam, das hatte noch niemand über sich ergehen lassen ohne dabei nach dem Arzt zu schlagen.
Bestimmt träufelte Carracáin einen Tropfen Pech in die Wunde, zog eine Stange glimmenden Zunder – und brannte den klaffenden Spalt aus.

Der Mann war in Ohnmacht gefallen, Carracáins Arbeit war hier getan. Nun konnten sie nur noch hoffen, dass der Soldat überleben würde.
Es war ein Überlebender aus Thal gewesen, der als einer der ersten hier angekommen war. Während seiner Flucht hatte ein Pfeil seinen Hals durchbohrt, ein anderer war im Bein stecken geblieben. Den im Hals hatte Carracáin mühelos heraus stoßen können, der im Bein gestaltete sich etwas schwieriger. Denn der alte Kämpe hatte sich den Pfeil abgebrochen, um besser rennen zu können, und gerade dieser Pfeil war mit Gift getränkt gewesen. Der Knochen im Oberschenkel verhinderte ein Durchstoßen, und lange durfte das Geschoss nicht im Körper bleiben, ansonsten hätte man das Gift nicht mehr ausbrennen können.

Carracáin wischte sich seine blutverschmierte Hand an seiner Hose ab, dann schleppte er sich zu einer Bank, die am Rande des Ringes stand, und von der man über das Geländer in die Tiefe blicken konnte. Er befand sich auf Ebene 23, Ring 4. Damit war er auf dem Ring, der der Wand am zweitnächsten lag.
Schweißperlen hatten sich auf seiner Stirn gebildet, in dem Lazarett hatte er seit einer ganzen Woche nur gearbeitet. Man hatte ihn gefragt wann er verfügbar sei, und ihm 6 Stunden Schlaf zugestanden – Auf der Ebene versteht sich. In dieser Woche war er ganz versunken in das Leben als Heiler. Er hatte sich erst umgesehen, bis eine Ebene, nämlich Ebene 23, seine Aufmerksamkeit weckte.
„Aufmerksamkeit wecken“ ist vielleicht der falsche Ausdruck. Ich bin auf dem Boden ausgerutscht, weil das Blut dort einen halben Fingerbreit stand.

Es war ein bizarrer Anblick gewesen, als wäre die Ebene nicht aus weißem Marmor, sondern aus schillerndem Rubin. Schreie waren allgegenwärtig, doch auf eine morbide Art faszinierte dieser Abschnitt des Lazaretts Carracáin.
Denn hier wurde amputiert.
Nach einem kurzen Gespräch mit der zuständigen Heilerin, hatte man den Elben in die Kunst der Gliedmaßenabnahme eingeführt, was beileibe nicht allzu viel war. Wie man mit einer Säge umging wusste der Elb bereits, nur sein Tempo musste er noch drastisch erhöhen. Und er durfte nicht jedes mal wegzucken, wenn ihm Blut entgegenspritzte.

Nun war Carracáin seit acht Tagen als Heiler aktiv. Das Lazarett konnte jeden Freiwilligen brauchen, denn Tag für Tag kamen mehr Leute aus Thal, die bei dem dortigen Gemetzel stark verwundet worden waren. Ein Heiler hatte, als sie sich unterhielten, zu Carracáin gesagt: „Wenn der Kampf der Soldaten und der Heere da draußen geschlagen ist – dann fängt der unsrige erst an.“ Und dieser Grundsatz machte dem Elben gleich noch mehr Lust, in die Schlacht zu ziehen, und die Mannen dort zu unterstützen.

Der Elb strich sich über seinen muskulösen Oberkörper. Um sich nicht vollständig mit Blut einzusauen, hatte er  nur eine schwarze Lederhose an, sowie ein Paar Stiefel, von billigster Qualität. Nicht dass ihn dass gestört hätte, er musste eh aus seinen alten Kleidern raus, doch ihm missfiel es, seinen Oberkörper zu entblößen. Auf beiden Armen hatte er narbige Striemen, über die Brust zogen sich ebenfalls Wunden, die er sich in der Nacht mit Yolanda selbst beigebracht hatte. Dies waren sehr persönliche Male, und er wollte sie nicht aller Welt zur Schau stellen. Wenigstens verdeckten die schwarzen Bandagen, die er um seine Unterarme geschlungen hatte, den meisten Teil seiner Scham, und seine Narben auf der Brust konnte er als Kampfmale abtun. Was sie ja in einer gewissen Hinsicht auch waren.
Ein paar junge Helferinnen waren schon auf ihn aufmerksam geworden, seine Gestalt hob sich mit ihrer eigenwilligen Kleidung und den langen schwarzen Haaren von den anderen Männern im Lazarett ab. Eine von ihnen hatte ihm sogar angeboten, die Narben die er trug bestmöglich unkenntlich zu machen. Der Elb hatte bereits von dieser „Schönheitsstation“ auf Ebene 47 gehört, auf die er gelegentlich Patienten schickte, die grausame Verstümmelungen erfahren hatten.

Doch, wollte er sich dieser Mahnmale auf seinem Körper entledigen?
« Letzte Änderung: 19. Jun 2010, 02:48 von Crystal Phoenix »

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Re: Die Ruhe vor dem Sturm
« Antwort #70 am: 14. Mai 2010, 15:35 »
Ælfwærd ging den Gang hinunter zurück zu seiner Pritsche auf und neben der seine Sachen lagen. Er wollte gerade das Kettenhemd ausziehen als er einen Zettel auf seinem Feldbett bemerkte. Auf diesem stand, dass er zum Wachdienst heute Nacht am Südtor eingeteilt war. Ælfwærd zerknüllte den Zettel und fluchte, er war müde, und wollte schlafen. Verbittert nahm er seinen Schwertgurt und schlang ihn sich um die Hüfte und schloss ihn. Dann rückte er seine Waffen an diesem zurecht das Landschwert auf die linke, das Sax auf die rechte Seite, so dass er beide Schwerter bequem mit der rechten Hand ziehen konnte. Nun warf er sich seinen Mantel über die Schulter und Schloss ihn mit der Fibel vor seinem rechten Schlüsselbein. Zuletzt zog er den Helm auf, warf sich den Schild auf den Rücken und nahm den Speer in die rechte Hand. So ging er nun, den Speer als Wanderstab nutzend, zum Südtor.

Eine geschlagene Viertelstunde brauchte er um zum Tor zu kommen. Links des Tores fürhte eine steinerne Wendeltreppe zu einem Wachposten oberhalb des Tors. Diese Treppe stieg Ælfwærd nun empor, bis er zu einer Eichentür kam. Er klopfte, und ein tiefes "Wer da?" ertönte hinter dieser. "Wachablösung!" antwortete Ælfwaerd. Kaum hatter er dies gesagt öffnete sich die Tür einen Spalt weit, ein blaues Auge wurde sichtbar, schließlich öffnete sich die Tür ganz. Vor Ælfwærd stand ein hagerer alter Menschenmann mit grau-weißen Haaren und blauen Augen und einem stoppeligen Bart, sein Gesicht war Spitz und die Wangen eingefallen, insgesamt sah er eher so aus als würde er ohnehin bald sterben, wenn nicht durch des Feindes Hand, dann durch sein Alter. "ah, gut," sprach er, "komm rein". Ælfwærd zögerte einen Moment und betrat dann die Wachstube. Es war ein kleiner Raum, mit steinernen Wänden und einem in die Wand eingeschlagenem Fenster, von dem aus man den Eingansbereich des Erebors und die Stadt Thal sehen und gut überblicken konnte. In der Wachstube, stand auf einem kleinen Tisch ein Tablett, mit einem halben Brotlaib, etwas Käse und den Resten zweier Hühner. Ein drittes Huhn schien noch unberührt. Krümel und Tierknochen lagen auf dem Boden verstreut. Scheinbar war es Sitte nach dem Wachdienst nicht aufzuräumen. Neben dem Tablett, stand ein Krug mit Wein und in der hinteren Ecke, stand ein kleines Fass Met. Becher waren auch vorhanden. "Nun denn," der alte Mann hatte wieder das Wort ergriffen, " ich denke du wirst dich hier zurecht finden. Bei Sonnenaufgang kommt deine Ablösung. An der Wand hängen Fackeln und im Schrank findest du Felle und Feuerstein, falls es kalt wird. Es ist noch ein wenig Verpflegung dar, du kannst den Rest aufbrauchen. So, und nun verabschiede ich mich, ich wünsche eine Ruhige Nacht, Bursche." Er schnappte sich seine Sachen und wollte gerade gehen, da drehte er sich noch auf dem Absatz um "ach, ja, bevor ich es vergesse: Hüte dich vor verirrten Geschossen. Der arme Kerl, der vor mir Wache schieben musste, hat wegen einem verirrten Pfeil ein Auge verloren, wenn die direkt auf einen zukommen kann man die Dinger nicht sehen. Nun auf Wiedersehen". Er ging keuchend die Treppe runter.

Ælfwærd schloss die Tür hinter ihm. Er sah sich nochmals um, lehnte seinen Speer an die Wand und legte Helm und Schild ab. Nun ging er zum Fenster und sah sich um Thal brannte, Krieggeschrei, das Klirren von Schwertern, Schilden und Speeren, die aufeinander schlugen, das Surren von Pfeilen und das Geschrei der Pferde und Menschen, die Starben oder verbrannten, drangen an sein Ohr. Er sah Orks gegen einen Schildwall anrennen und sich wieder zerstreuen und zu einem neuen Angriff zu formieren, dem der Schildwall nicht standhalten konnte. Er brach auf und die Männer starben unter dem gekrümmten Klingen der Orks und den großen Äxten der Ostlinge. Über alledem ging die Sonne blutrot unter und das Schlachtfeld wurde von der Nacht verdunkelt. Endlose Ströme von Flüchtlingen kamen zum Erebor.

Ælfwærd  setzte sich nun auf den Schemel neben dem Tisch. Er zog sein Sax und schnitt damit ein Stück von dem Käse ab und stopfte es in den Mund. Dann schnitt er einen Hühnerschenkel vom Huhn ab, erstach das Huhn und biss in den Schenkel hinein. Das Fleisch war abgekühlt schmeckte aber trotzdem und Ælfwærd nahm einen weiteren Bissen. Er aß nun den Käse und das Huhn auf und einen Großteil des Brotes und trank einige Becher Met. So saß er nun mehrere Stunden und es ging auf Mitternacht zu. Er hatte sich mit einem Fell zugedeckt und einen Becher, halbvoll mit Met in der Rechten Hand. Er lehrte ihn mit einem Zug und stand auf. Sein Blick war der Stadt zugewandt. er stellte den Becher ab und ging, durch den Alkoholgenuss leicht wackelig, zum Fenster. Es gab keinen Zweifel, die Flammen kamen näher.
RPG:
1. Char Alfward bei Dol Guldur.
2. Char Qúsay in Aín Sefra.

Das Wiki zum RPG. Schaut mal ruhig vorbei ;).

Neu im RPG und Probleme mit dem Namen? Schickt mir einfach 'ne PM ;).

Geschichtsfragen? Hier gibt's Antworten.

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Re: Die Ruhe vor dem Sturm
« Antwort #71 am: 16. Mai 2010, 02:18 »
Mit einem grässlichen Knirschen spaltete Crólair die Tonkugel auf dem Sandsack.

Sofort sprang es zu den nächsten beiden Kugeln, die sich in nächster Nähe befanden, und hieb diese mit einem einzigen Schlag entzwei. Die Klinge sauste weiter ins Leere, und rostrote Sicheln schossen, von dem Schwung nach vorne katapultiert, frontal auf den vierten Sack zu, der zwei Meter durch die Luft flog, und dann nach einem dumpfen Aufprall auf der Erde aufplatzte.
Fließend wurde Crólair wieder nach vorne geworfen, und es spießte den Sandsack mit Schild einfach auf, während die roten Sichelkrallen nach der Tonkugel obendrauf griffen.
Die Tonkugel zersprang, und während Crólair noch zur Seite geschwungen wurde, um den mitsamt Schild aufgespießten Sandsack abzustreifen, traf ein harter Tritt den letzten, sechsten Sack, und warf ihn um. Die Nähte rissen, und dort wo der stahlbesetzte Stiefel sich durch das grobe Leinen gebohrt hatte, rieselte feiner Sand aus dem Sack.

Alle sechs Säcke lagen dem Kämpfer zerfetzt zu Füßen. Er atmete aus. Dann drehte er sich zu seinem Aufseher um.
Schwarze, wirre Strähnen bedeckten das Gesicht des Kämpfers, und er strich erst, den Blick nach unten gerichtet, mit zwei behandschuhten Fingern über die blutrote Klinge in seiner Hand. Es klirrte, als er sich das Schwert auf den Rücken schwang, ein paar Lederriemen an seiner Rüstung festzog, und mit einem Klicken die sandigen Sicheln an seiner linken Hand ausklinkte.

„Carracáin!“

Der Soldat hob seinen Kopf, und ein schwarzes Auge funkelte dem Aufseher entgegen.

„Wie war ich?“
Die rauchige Stimme des Schwarzhaarigen war leise, das Sprechen schien ihn anzustrengen.

„Hmm, für einen Elben nicht sehr gut, tut mir leid dir das so offen sagen zu müssen. Du hast ja gar keine Technik, und lässt dich von deinen Schlägen führen, anstatt sie zu beherrschen.“

Beleidigt entgegnete der Elb: „Ich weiß. Ich habe auch zum ersten Mal seit Jahrhunderten wieder eine Waffe in der Hand. Und diese Rüstung ist verdammt schwer, vergiss das nicht!“
„Nun, du denkst, sie wäre schwer“, meinte der Aufseher abschätzig, „aber jeder meiner Männer hätte keine Probleme, sie zu tragen... möchtest du nicht doch...?“
„Nein.“
 Störrisch wendete sich Carracáin von dem Menschen ab, der ihn für die letzten sechs Tage beobachtet hatte, und der ihn in die Kunst des Kampfes einführen sollte.
Er hatte keine Lust mehr.

Kämpfen war etwas verflucht anstrengendes, er wusste, wie man einen Hammer zu schwingen hatte, aber ein Schwert kannte er nur aus seinen Balancetests, die er mit Schmiederohlingen durchgeführt hatte!
Wütend spuckte er auf den Fels, dann schritt er davon, hielt auf  die Bank zu, die man ihm anbot.
Carracáin ließ sich förmlich auf den Stein fallen, und wischte sich mit einem Wolltuch über sein schweißnasses Gesicht. Seit Sonnenaufgang trainierte er mit den Sandsackattrappen, die ihn auf eine Schlachtsituation vorbereiten sollten... Seiner Meinung nach brachte das gar nichts.

Ausnahmsweise hatte es keine eigene Trainingshalle im Erebor gegeben, die wahrscheinlich ebenso monumental wie die Schmiedehalle und das Lazarett ausgefallen wäre. Nein, er befand sich auf dem Exerzierfeld.
Der Gleichschritt von hunderten Soldatenstiefeln brachte den blanken Felsboden zum Erzittern, und  lustlos blickte Carracáin zu dem „Schlachtfeld“ hinüber, auf dem die Truppen des Erebor Tag und Nacht marschierten. Auf hohen Felssäulen standen die stolzen Offiziere, und erhoben sich damit über den ansonsten absolut ebenen, unglaublich weiten Steinboden, auf dem trainiert wurde.
Von diesen Säulen aus brüllten sie den Mannen Befehle zu, und die Soldaten gehorchten ihnen blind.
Schon vom ersten Augenblick an war Carracáin  von der Folgsamkeit und der Disziplin der Soldaten beeindruckt gewesen, und in den Händen der Befehlshaber wurden sie damit zu tödlichen Verbänden, die auf einen Wink komplizierteste taktische Manöver ausführen konnten.

Ihr einziges Problem war die Zahl der Kämpfer, und nach den Berichten zufolge waren die Ostlinge den Mannen von Erebor um mehr als das Doppelte überlegen. Sie konnten nur auf Verstärkung und auf das günstige Schlachtfeld hoffen, denn ein bloßer Zusammenprall der Armeen hätte verheerende Auswirkungen.

Doch daran konnte Carracáin selbst nichts ändern, und er musste sich damit zufrieden geben. Er selbst würde wohl später in die Schlacht eingreifen, und zwar als mobile Ein-Mann-Einheit, die den Truppen neue Hoffnung geben sollte.
Dafür trainierte er. Tag für Tag.
Der Zwerg, der ihn beaufsichtigte, hatte ihm aber schon direkt am Anfang klar gemacht, dass man in einer Woche nicht lernen könne, was andere in Jahren nicht schaffen. So wurde Carracáin insbesondere in der Bewegung mit der Rüstung geschult, und auf harte, präzise Schläge gedrillt, die schon beim ersten Treffer sitzen mussten. Denn dem Elben war so gut wie keine Verteidigung außer seiner Rüstung an die Hand gegeben, nicht einmal anständig parieren konnte der Elb - eigentlich ein elementarer Bestandteil des Schwertkampfs.
Die letzten fünf Tage hatte er auch weder mit Schwert, noch mit Attrappen gekämpft. Er hatte sich nur bewegt. Die Bewegung mit einer schweren Ganzkörperrüstung völlig ungewohnt, war es für den Elben nämlich enorm schwierig, schnell zu agieren – wobei Schnelligkeit der Schlüssel für seinen „Kampfstil“ war, den er sich angeeignet hatte.
« Letzte Änderung: 16. Mai 2010, 02:38 von Crystal Phoenix »

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Re: Die Ruhe vor dem Sturm
« Antwort #72 am: 16. Mai 2010, 02:28 »
„Carracáin, du wirst in den nächsten beiden Tagen keine Gelegenheit mehr haben, dein Können in irgendeiner Weise zu verbessern!“
Bestimmt trat der Übungsmeister hinter den Elben, und legte ihm eine Hand auf die kleinere Schulterplatte.
„Ich werde dir jetzt etwas befehlen, was ich bisher erst einem einzigen Manne befahl. Du wirst mir jetzt aus dieser Halle folgen. Wir werden einen Soldaten treffen, der sich um seinen Posten in der Armee verdingt machte. Hunderte tapfere Männer fielen durch seine Axt, behandele ihn also mit dem gebührenden Respekt. Er ist der Meister, der schon die Prinzen zweier Generationen unterwies, und wahre Legenden schuf. Nur er verfügt über die nötige Kenntnis der Kampfkunst in voller Rüstung, die wir für dich benötigen. Hast du das bis hierhin verinnerlicht?“
„Ja, Sir.“
„Gut. Dann hast du hier meine Befehle, denen du dich nicht widersetzt: Du wirst deine Rüstung bis zum Tag der Schlacht nicht ablegen.“
„Was-?“, doch forsch wurde Carracáin unterbrochen: „Wir werden sie mit Blei füllen. Du wirst dein Tagewerk in dieser Rüstung verrichten, und sie wird dir zur zweiten Haut werden. Hast du das bis hierhin verinnerlicht?“
„Nein Sir. Ich-“
Eine schallende Ohrfeige warf den Elben nach hinten. Der Offizier hatte sich nun vor dem sitzenden Elb aufgebaut, und blickte auf ihn herunter. „Dann gib die Rüstung ab.“
„Ich werde diese Rüstung nicht weggeben!“, schrie Carracáin trotzig. „Sollen sich deine Soldaten doch selber ihre Rüstungen schmieden!“
„Das können sie nicht. Aber sie können etwas, wozu du nicht im geringsten fähig bist! Kämpfen!“
Carracáin konnte sich nicht gegen den Griff des Offiziers wehren, wie ein Schraubstock hatte dieser seine Hände um Carracáins Kieferknochen gelegt, und zwang den Elben dazu, ihm ins Gesicht zu schauen. Hasserfüllt starrte Carracáin zurück.
„Was ihr verlangt, ist unmöglich! Ich werde zusammenbrechen! Ich werde nicht schlafen können!“
„Das interessiert mich nicht, Rekrut! Verstehst du nicht, was es für uns bedeuten würde, wenn der Träger dieser fantastischen Rüstung nicht kämpfen kann? Die Soldaten werden dich hassen, jedermann wird abschätzig auf dich herabschauen. Dort wo du auftauchst, wird man sich zurückziehen, man wird dich einfach nicht respektieren! Schon jetzt macht sich Murren breit, die Männer begehren auf, sie wollen nicht, dass ein unfähiger Grünschnabel den Wert der Rüstung schmälert!“
Dies alles hatte der Übungsmeister dem Elben entgegen geschleudert, und harrte jetzt schwer atmend vor dessen Gesicht aus.
„Carracáin... Ich, wir schätzen deine Arbeit. Aber wenn du nicht bereit bist, bis zum Äußersten zu gehen, dann werden wir dir deine Rüstung abnehmen.“
Carracáin hatte seinen Standpunkt schon längst eingesehen. Es behagte ihm zwar nicht, doch er musste es tun, er hatte die Ungeschicklichkeit der Lage erkannt, dennoch schob er trotzig sein Kinn vor.
„Das könntet ihr nicht, das wäre Raub!“
„Glaubst du das wirklich? Glaubst du, die Bauern in der Umgebung gäben jede Ähre Weizen freiwillig? Glaubst du, die Männer hier hätten freiwillig Frau und Kind verlassen, um sich in den Tod zu begeben? Glaubst du das?“
Carracáin schwieg.
„Hier gilt schon längst nicht mehr, was man will, Elb. Die schwarze Pranke Mordors holt für den letzten Hieb gegen den Erebor aus! Da draußen verrecken jeden weiteren Tag hunderte ehrenwerte Menschen, keiner wollte das! Opfer müssen gebracht werden, Carracáin, es wird Zeit, dass du deinen Platz in der Gesellschaft einnimmst, und dich für das Wohle Aller aufgibst! So wie tausende andere!“
Betroffen hatte der Elb die Augen geschlossen, der feste Griff des Soldaten ließ nicht zu, sich abzuwenden.
„Ich... ich habe alles verinnerlicht, Sir.“
Augenblicklich lösten sich die großen Hände des Kämpen von Carracáins Gesicht. „Gut. Dann folge mir, Rekrut.“

Und mit gesenktem Haupt folgte der Elb dem Hauptmann nach, heraus aus der Halle, hinaus aus der Monotonie der stampfenden Stiefel.

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Re: Die Ruhe vor dem Sturm
« Antwort #73 am: 16. Mai 2010, 02:33 »
„Ahh, der Junge, von dem du mir erzählt hast. Sehr schön, sehr schön.“
Während die Stimme durch den Raum schwebte, schien sie Wurzeln zu schlagen, so holzig und knarzend war sie.
„Komm näher heran, mein Auge ist nicht mehr das, was es einst war...“, und mit einer Hand, die auch der Ast eines Baumes hätte sein können, winkte der alte Zwerg Carracáin zu sich herüber. Ein langer weißer Bart hing bis zum Boden, und er stützte sich auf eine zweischneidige Kriegsaxt, dessen Schaft ihm bis zu seiner großen Nase reichte. Über dem rechten Auge hatte er eine Augenklappe, ein Andenken an eine seiner Heldentaten wie ihm der Übungsmeister von Carracáin erklärt hatte. Langsam ging Carracáin zu dem Veteranen  herüber, sie befanden sich in dessen Privatgemächern die ganz und gar mit Eiche ausgekleidet waren, und an deren Wänden Schilde und Äxte hingen. Mit prüfendem Brummeln strich der Zwerg über die Rüstung, und berührte dann das Gesicht des Elben. Er fühlte über die zerstörte Haut, betastete die Sicheln an der linken Hand und blickte dann zu dem großen Elben auf.
„Junge, schmieden kannst du.“
Doch noch bevor Carracáin sich bedanken konnte, fuhr der Alte mit seiner nach Baum klingenden Stimme fort.
„Aber kämpfen kannst du anscheinend nicht. Ich bin hier, um das zu ändern.“
Der Übungsmeister wippte auf seinen Fußballen vor und zurück, und warf Carracáin einen vielsagenden Blick zu.
„Dein Ausbilder berichtete mir von seinem Vorhaben, dich zu kräftigen.“ Aber noch während Carracáin Hoffnung schöpfte, ihm möge diese Tortur erspart bleiben, setzte der Zwerg hinzu: „Ich unterstütze das natürlich voll und ganz. Eine gute Rüstung macht noch keinen guten Krieger. Wenn du dich mit deiner Rüstung eins fühlst, dann ist das der erste Schritt auf dem Weg zum Soldaten.“
Ich will aber kein Soldat werden.

„Auch wenn du wahrscheinlich in deiner Schmiedekunst aufgehen möchtest, so ist es dennoch unabdingbar, dass du deine Werke nutzen kannst. Du verstehst das sicher.“ Erstaunlich scharfsinnig hatte der alte Zwerg aus Carracáins Gesichtszügen das geschlossen, was das Grundproblem war. Und er hatte es eindrucksvoll umschifft, als Errungenschaft dargestellt.
Carracáin lief es kalt den Rücken herunter, als der alte Mann wieder sein Gesicht berührte.
„Kein Helm... du möchtest dein Haupt nicht schützen?“
„Meine Rüstung wird mir hoffentlich Schutz genug sein, Herr. Ich entwarf die lange Schulterplatte extra zum Schutze meines Kopfes.“
„Sehr schön... Sehr schön. Das gefällt mir. Und diese... Kralle? Wie stellst du dir vor, damit zu kämpfen?“ Der Zwerg lehnte nun an der Wand, eingelullt von dessen schmeichelnden Worten hatte Carracáin nicht mitbekommen, wie sich die dünnen Finger von seinem Gesicht gelöst hatten.
„Ich... möchte den Gegner damit zerschneiden, aufspießen und enthaupten, Herr.“
„Hmhm... Dann hebe mal deinen Arm.“
Carracáin hob den Arm.
„Nein, nicht den. Den mit der Kralle.“
Genervt hob Carracáin den anderen Arm, doch als er ihn wieder sinken lassen wollte, schnitt der Zwerg mit seiner Stimme dazwischen: „Lass ihn oben, Junge.“
Die Sicheln blieben in der Luft schweben. Und nach den ersten Sekunden fiel es dem Elben zunehmend schwer, das Ungetüm von Metall über dem Boden zu halten
Endlose Augenblicke kämpfte Carracáin gegen die Kraft, die das Eisen nach unten zog, Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn, und schließlich gab er prustend auf.
„Ich... ich konnte einfach nicht länger, tut mir leid.“
„Sehr schön, sehr schön... Da arbeiten wir noch dran, Junge. Dein Ausbilder hatte die richtige Methode, und ich werde ihm helfen, deine Rüstung zu beschweren. Würden wir sie mit Steinen füllen, dann wäre das nicht nur unnütz, sondern es würde dich regelrecht behindern.“ Ach?
„Pass auf. Wir werden jetzt Übungen machen, und ich entscheide, wie und wo wir deine Rüstung beschweren. Nach zwei Tagen fühlst du dich wie ein Fisch im Wasser, ich weiß das.
Das ist die radikalste Trainingsmethode, die es im Kanon der Ausbilder gibt, es sind schon viele daran zugrunde gegangen. Du bist Schmied, du wirst es verstehen wenn ich dir sage: Das ist ein Amboss, auf dem man gebrochen oder geschmiedet wird.“

Und nach drei Stunden brachialer Übungen wankte ein schwer gerüsteter Elb aus den Privatgemächern des obersten Ausbilders, Bleistücke an Armen, Knien, Schultern und anderen für die Kunst des Kampfes wichtigen Punkten.
Er drehte sich noch einmal zu seinem Ausbilder um, der still und mit abwesendem Blick an der Tür zu den Gemächern lehnte.
„Sir?“
Der Mann schreckte auf, und warf seinen Kopf zu Carracáin herum.
„Ja?“
„Dürfte ich sie noch etwas fragen, Sir?“
„Alles.“
„Wer wer der andere Soldat, an dem sie diese Methode einst ausprobierten?“
Der Kämpe schwieg,. Dann holte er tief Luft.
„Mein Sohn. Mein Jüngster.“
Doch als sich Carracáin, mit der Antwort zufrieden, wieder dem Gang zudrehen wollte, hielt ihn der  Mensch zurück.
„Seine fünf Brüder fielen in der Schlacht. Ich...“, er rang um Atem „ich wollte ihn nicht auch verlieren. Er konnte nicht gut kämpfen, also setzte ich alle meine Hoffnungen in mein Training. Kein Soldat erschlug ihn in der darauffolgenden Schlacht.
Am Abend davor traf ihn der Schlag, er zerbrach an dem Training, an der Hitze in seiner Rüstung.“

Und mit einer stillen Träne in einem Augenwinkel, wandte sich Carracáins Ausbilder ab, und schritt durch den gewölbten Gang davon.

Das hier ist mein RPG Charakter Carracáin, und das hier ist sein momentaner Standort.

Noch ein Glas, ich denk nur an dich,
Noch ein Glas und ich vergesse mich!
Noch ein Glas, ich denk nur an mich,
Ein letztes Glas und ich vergesse dich!

CrystalPhoenix

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Re: Die Ruhe vor dem Sturm
« Antwort #74 am: 26. Mai 2010, 01:02 »
Mit einem satten Klatschen setzte Carracáin einen metallenen Stiefel in die rote Suppe, die fingerdick auf dem weißen Marmor der Ebene 23 stand.
Das Blut schlug Wellen, und der bereits geronnene, braune, sich auf dem Boden absetzende Teil blieb an dem schwarzen Stiefelabsatz hängen.

Es kotzte Carracáin an, dass jeder Schritt ein paar rote Spritzer mehr auf seiner Rüstung hinterließ, dass er jederzeit ausrutschen, und in die blutige Pampe fallen konnte. Vor einer Woche hätte und hatte ihn diese morbide Szenerie noch fasziniert, doch nun war er zu ausgelaugt für jegliche Beachtung  der Ästhetik dieses Ortes. Sechs ganze Stunden hatte er nun schon seine Rüstung am Leib, es war eine unbeschreibliche Qual geworden.
Sein Schweiß sammelte sich in dem Beckenbereich seiner viel zu steifen Lederhose, rann ihm aus allen Poren. Seine Kopfhaut juckte wie verrückt, doch er hatte keine Möglichkeit, sich auch nur im entferntesten zu kratzen. Er konnte seinen Arm noch nicht einmal bis zum Kopf heben, seine Schulterplatte verhinderte dies, und innerlich verfluchte er sich dafür, diese verdammte Rüstung überhaupt entworfen zu haben!
Dáedaloth“ war ein Wort aus einem sehr extremen zwergischen Dialekt und bedeutete „Schmerz“ sowie „Qual“. Allerdings gab es abweichende Meinungen, ob das „- da“ in der Mitte als Anhängsel gesehen werden durfte, wäre dem so, dann würde es „Schmerz für dich“ und „Qual als Geschenk“ bedeuten.
Was sich erst nach einem perfekten Waffennamen angehört hatte, bewahrheitete sich jetzt auf eine andere Art und Weise, diese Rüstung war eine Qual für den Träger.

Aber das, das schaffte Carracáin. Das sagte er sich bei jedem Tropfen Schweiß, der seinen Rücken herunterlief, das betete er sich bei jedem Schritt nach vorne vor.
Und es hatte sechs Stunden lang funktioniert, Doch jetzt brauchte der Elb Abwechslung, er brauchte etwas, worauf er sich konzentrieren konnte.
Es war schon ein bisschen unheimlich, dass er sofort an „Gliedmaßen abschneiden“ gedacht hatte, aber das hier war eben sein zweiter Platz im Erebor – Die Ebene 23, die Ebene, auf der die Weisheit „Lieber ein Ende mit Schrecken, als Schrecken ohne Ende“ galt.
Die Heilerinnen machten große Augen, als der (zu ihrer Freude) sonst so spärlich bekleidete, geheimnisvolle Elb in einer schwarzen Rüstung auf sie zukam, und sie anflehte, ihm den Kopf zu kratzen.
Nachdem diesen wirklich dringendsten Bedürfnissen genüge getan war, bot Carracáin sich den verwirrten Schwestern als Helfer an. Zwar war er freigestellt doch er wollte unbedingt helfen. Die Lage auf der Ebene war katastrophal, ein Chor von Schreien und Klagen wob seine Melodie in der flimmernden Luft über dem See aus Blut, und die Heilerinnen konnten jede helfende Hand gebrauchen. Auch wenn es eine mit 5 Sicheln war, die dazu geschmiedet worden war, Ostlinge zu enthaupten.

Und so stand Carracáin nun an einem Feldbett, und redete seiner Patientin gut zu. Es war ein Kind. Ein gottverdammtes Kind, keine 16 Winter hatte sie erlebt,  und Carracáin war im Begriff, das Leben dieses unschuldigen Mädchens zu verändern. Sie war totenbleich, und zitterte am ganzen Körper. Ein Pferd war ihr bei der Flucht auf den rechten Arm gesprungen, und hatte Sehnen wie Knochen zermalmt. Es war eine der grausamsten Verletzungen, die Carracáin je gesehen hatte, und es war schrecklich, den Blick über die weiße, zarte Schulter, und dann zu dem zerstörten Arm gleiten zu lassen.
Sanft legte er dem Mädchen eine Binde auf die Augen. „Hab keine Angst, Kind. Ich habe auch nur ein Auge, aber ich sehe trotzdem. Es wird nicht einmal schmerzen, ich verspreche es dir.“ Die letzten Worte hatte er in ihr Ohr geflüstert, er wusste nicht warum.
Mit einem einzigen Zuschnappen seiner Sichelhand trennte er den Arm vom Torso des Mädchens.

Das hier ist mein RPG Charakter Carracáin, und das hier ist sein momentaner Standort.

Noch ein Glas, ich denk nur an dich,
Noch ein Glas und ich vergesse mich!
Noch ein Glas, ich denk nur an mich,
Ein letztes Glas und ich vergesse dich!