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Autor Thema: Thal - In der Stadt  (Gelesen 9889 mal)

Sauron der Dunkle

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Re: Thal
« Antwort #15 am: 29. Apr 2009, 21:52 »
Rohnon war endlich aufgewacht. Er lag immernoch mit dem Kopf auf dem Holztisch, die Arme zum Kissen verschränkt.
Verdammt habe ich einen Kater....
In der Kneipe herrschte Stille. Lediglich der Wirt stand hinter der Theke und wusch Gläser.
Er schenkte Rohnon keinerlei Beachtung. Auch nicht, als dieser aufstand und die Kneipe verließ.
Rohnon trat in die Enge Gasse hinaus und ging in Richtung des großen Platzes. Alles war wie leergefegt. Nirgens sah man eine Menschenseele. Nur einige Soldaten die hektisch von A nach B liefen und sich wie wild irgendwelche Befehle zubrüllten.
Können diese Idioten nicht mal ruhig sein?
Rohnon, dem die ganze Sache zu laut wurde, begab sich in Richtung Stadttor. Links und rechts sah er wie die Kinder und Frauen sich in ihren Häusern verschanzten und ahnte allmählich was los war.
Kann es sein? Kann es sein, dass ausgerechnet an dem Tag, an dem er mit einem riesen Kater in einer Bar aufgewacht war, die Schlacht begonnen hatte?
Sein Schritt wurde schneller und er kam dem Tor immer näher.
Rechts und links hörte er nichts, es war totenstill. Er hatte das Tor fast erreicht, da durchbrach ein Schrei die Stille. "FEIGLINGE". Es kam von der Stadtmauer.
Rohnon erblickte mehrere Personen auf der Mauer. Direkt viel sein Blick auf einen Zwerg. Jener musste den Schrei wohl abgegeben haben.
Idiot, soll er nur brüllen, dachte sich Rohnon und begab sich kurz auf die Mauer um einen Blick auf die Feinde zu werden. Er ging die steile Steintreppe hinauf und blickte direkt auf die weite Ebene, die nun gefärbt war, in den goldenen Farben der Feinde
"Nun beginnt es also".
Er sah auf eine riesige, mindestens 20.000 Mann starke Ostlingarmee hernieder, die langsam näher rückte und ihre Katapulte in Stellung brachte.
Rohnon, der nicht viel von Bögen hielt, verließ die Mauer wieder und lehnte sich gegen die Wand eines alten Gebäudes.
Ich werde warten bis ich ihre hässlichen Fratzen vor mir habe, und dann werde ich zuschlagen. Kraftvoll und tötlich.
Rohnon musste wieder an Rhia denken.
Was würde sie tuen? Würde sie kämpfen? Ist sie rechtzeitig geflohen?
Er machte sich plötzlich Sorgen und während er so grübelnd da stand, rückte die Schlacht immer näher.
Ich werde kämpfen, für meine tote Frau und für meine neue Liebe!
Rohnon, der neue Kraft aus seinen Gedanken an Rhia schöpfte, hatte seinen Kater völlig vergessen.
Er setzte sich mit dem Rücken an die Wand, schloss die Augen und wartete auf die Schlacht.
Rhia......


Rohnon zur Schlacht auf der Ebene vor Thal
« Letzte Änderung: 17. Aug 2016, 08:53 von Fine »
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Fine

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  • Ich hab da ein ganz mieses Gefühl bei der Sache...
Der Erbe von Thal
« Antwort #16 am: 18. Mai 2016, 09:17 »
Aus der Sicht Balvars

Balvar kauerte sich eng an die steinerne Hauswand und versuchte, so ungefährlich wie möglich auszusehen als die Soldaten in der goldenen Rüstung auf der Straße vorbeimarschierten. Er wollte nicht auffallen. Nur ein weiteres verarmtes Kind, das versuchte, ein paar Münzen oder etwas zu Essen zu erbetteln. Nicht viel mehr wert als der Staub, den die Stiefel der Ostlinge vom Boden aufwirbelten. Er hielt den Blick auf den Boden gerichtet und wartete, bis die Soldaten vorüber gegangen waren.

Es gab viele Waisen in Thal. Die beiden Kriege hatten die Menschen zwei Könige und einen viel zu großen Teil ihrer Bevölkerung gekostet. Balvars Eltern hingegen lebten noch. Seine Mutter hielt sich seit dem Tag der Entscheidungsschlacht auf der Ebene gut innerhalb Thals versteckt. Sie konnte es sich nicht erlauben, gesehen zu werden. Das Gesicht der ehemaligen Königin war den Ostlingen bekannt, und noch immer hatten sie die Suche nach ihr nicht aufgegeben. Doch sie würden sie niemals finden, da war sich Balvar sicher. Seine Mutter war zu schlau für sie. Denn das musste sie sein.

Die Ostlinge hatten nach ihrem Sieg am Erebor viele Gefangene genommen und nach Gortharia, ihrer Königsstadt in Rhûn gebracht. Balvar wusste, wieso. Sein Bruder Baldr hatte ihm einmal erklärt, dass es in Rhûn Sklaven gab - Menschen, die ihrer Freiheit beraubt worden waren. Sie mussten schwer arbeiten um den Herrschern der Ostlinge das Leben einfacher zu machen. Balvar war froh, dass sein Bruder diesem Schicksal entgangen war. Baldr war bei der Verteidigung des Erebors gefallen, ein echter Held in Balvars Augen. Trotzdem vermisste er ihn jeden Tag, auch wenn er keine Tränen mehr übrig hatte, um sie darüber zu vergießen. Mit zehn Jahren kam er sich zu alt dafür vor.

Die Straßen Thals lagen düster und traurig vor ihm als er einige Stunden später aufstand und zum Südtor schlenderte. Die meisten Leute arbeiteten auf den Feldern vor der Stadt oder unten am Langen See. Bald würden die Ostlinge wieder die monatlichen Abgaben einfordern, und Nahrung war überall knapp. Zwar waren nicht mehr so viele Soldaten in Thal stationiert wie noch vor wenigen Wochen, doch niemand schien noch den Willen zu haben, ein drittes Mal gegen sie zu kämpfen. Balvar verstand das nicht. Den Menschen musste doch klar sein, dass die Ostlinge niemals aufhören würden, sie auszubeuten. Er wünschte, sein Vater wäre hier. Doch niemand hatte Bard II. seit dem Fall des Erebors gesehen. Einige sagten, er wäre mit den Zwergen in die Eisenberge geflohen. Andere wollten ihn unter den Gefangenen, die nach Gortharia geschickt wurden gesehen haben. Manche behaupteten, er wäre gefallen. Und wieder andere behaupteten, er säße noch immer in den Kerkern des neuen Königs unter dem Berge gefangen.

Balvar wusste nicht, wieso alle den Schatten aus dem Osten fürchteten, der nun im Erebor herrschte. Er hatte diesen Khamûl nie selbst gesehen. Der Dunkle Reiter, wie er von den Menschen in Thal genannt wurde, war nach dem Sieg am Erebor in den Berg gegangen und nur selten wieder heraus gekommen. Seine Soldaten sorgten dafür, dass niemand das Tor des Erebors durchschritt. Im Inneren regte sich Übles, hieß es auf den Straßen Thals. Balvar war sich sicher, dass das nur Gerede war. Er umrundete die Stadtmauer und fand das Versteck, das er vor einiger Zeit angelegt hatte. Hinter einem losen Stein, der aus der Mauer herausgebrochen war befand sich ein Hohlraum, der seinen wichtigsten Schatz enthielt: einen großen Bogen aus dunklem, glatten Holz. Balvar nahm die Waffe heraus und betrachtete sie. Es war kein typischer Langbogen, wie er von den Bogenschützen seines Vaters verwendet wurde, sondern eine deutlich kleinere Version. Trotzdem überragte der Bogen Balvar um ein gutes Stück. Er übte so oft er konnte damit. Balvar war fest entschlossen, eines Tages für die Freiheit Thals zu kämpfen, wenn sein Vater zurückkehrte. Er war sich sicher, dass es dazu kommen würde. Zwar war Balvar nur ein Kind, doch er war ein Bardinger - der jüngste Spross einer ehrenhaften Linie, die der Drachentöter begründet hatte. Er würde seinen Teil zur Befreiung Thals beitragen.

Der Krieg hatte die Menschen von Thal hart getroffen und sie ihrer Freiheit und Hoffnung beraubt. Von den Ostlingen unterdrückt verloren viele den Glauben daran, jemals wieder in Frieden leben zu können. Doch Balvar wollte nicht aufgeben. Eines Tages würde der Moment kommen, in dem er für sein Volk kämpfen würde. Und wenn dieser Moment kam, würde er bereit sein.

Tauriel?

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Re: Thal - In der Stadt
« Antwort #17 am: 4. Jan 2018, 16:50 »
Eryniel und eine Schar von Elben von vor der Stadtmauer


Eryniel, gefolgt von 15 leicht gepanzerten Kundschaftern, nahmen nun Abstand von den anderen Kriegern. “Mäntel und Kapuzen auf und seid leise.“ Sie hoffte darauf, dass  die Nacht  und ihre Mäntel sie vor den unliebsamen Blicken der feindlichen Schützen verbergen würden. In geduckter Haltung hastete sie über die nur spärlich bewachsene Ebene zur Mauer hin. Eryniel kniete neben dem Steinwall. Einer nach dem anderen huschten sie lautlos in den Schatten der Stadtmauer, von der aus immer noch Pfeile auf das Heer niederschlugen. Für ungeübte Augen sah es so aus, als würde die Finsternis sie verschlucken. Gut, sie werden uns nicht entdeckt haben – soweit so gut.
Nun galt es die Mauer zu überwinden. Eryniel hatte zuvor bereits eine gute Stelle weiter nördlich ausgemacht. Hier wuchs ein Geflecht aus Ranken. Die blattlosen Reben wanden sich bis an den Mauersims. Der Trupp eilte an die besagte Stelle und hielt sich bewusst im Schatten des aufragenden Walls. “Hm..“ Eryniel musterte das Geflecht und prüfte die widerhakenartigen Wurzeln, welche das Konstrukt an der Mauer verankerten. Die Scheint, als würde sie ausreichen. Im Flüsterton wand sie sich an die anderen: “Ich werde nun nach oben klettern und ihr werdet mir erst folgen, wenn ich euch von oben das Zeichen gebe, verstanden? Wir wissen nicht, ob die Mauer hier bewacht wird.“ Die Männer nickten stumm. Behutsam legte Eryniel Hand an die Pflanze und kletterte rasch bis zum Mauersims. Sie stemmte sich mit den Armen auf den Vorsprung und lugte über den Mauerrand. Der Wehrgang schien nicht bewacht zu sein. Zum ersten mal schienen sie Glück zu haben. Als die unten wartenden Elben ihre Hand oben über der Mauer erscheinen sahen, folgten sie einer nach dem anderen. In einigem Abstand standen Wehrtürme an der Mauer. Von dort aus müssten sie nach unten in die Stadt gelangen können. Doch was sollten sie machen, wenn sie erst mal da waren? Soweit hatte die Elbe noch nicht planen können. Vielleicht würden sie vom Turm aus etwas Interessantes erspähen können.

Auch auf der Mauer blieben sie geduckt. Ihr Ziel war der Wachturm, der am nächsten stand. Eryniel zückte ihren beiden Dolche, als sie neben der Holztür des Turms innehielt. Die Tür knarrte leise, als sie sie langsam aufschwang. Von drinnen war nichts zu hören. Vorsichtig betrat sie das Innere. Keine Fackel erleuchtete den Turm. Das einzige was die Elben in ihm fanden, waren Spinnweben und Staub. Eryniel verstand nicht, wie der Feind so nachlässig sein konnte nicht alle Türme zu bemannen. Oben im Turm hatte man einen guten Überblick über die roten Dächer der in Nacht liegenden Stadt. Überall sah man Fackelschein in den Gassen und umher eilende Orks, die sich an die Front begaben. Hier an der Westseite der Stadt mit ihren gelblichen Steinhäusern erkannte man ein schwarzes Knäuel aus Orks und vereinzelt auch dunkelhäutigen Menschen in goldenen Kettenhemden. Eryniels Blick richtete sich auf die Mauer vor dem Elbenheer. Der folgende Mauerabschnitt, war bemannt worden, doch ein Großteil lag tot an die Mauer gelehnt, durchbohrt von Elbenpfeilen.
Sie brauchten jetzt eine Idee für die Ablenkung. Einer der Späher stieß sie an und deutete auf eines der Häuser. Unweit der sich tummelnden Kreaturen konnte man die Überreste eines Glockenturms erkennen. Eine Seite der Mauer war bereits eingestürzt und eines großes Loch klaffte in der Nordwand, doch das Dach stand noch.
Vielleicht würde es reichen die Glocke zu läuten, um Unruhe bei den Schützen zu provozieren. Das wäre dann die Chance für unsere Krieger die Mauer zu überwinden. Sie selbst sollten dann von hinten auf die verdutzten Orks schießen. Sie mussten nur solange aushalten, bis genügend Kämpfer die Mauer überwunden hatten.

Sie folgten der Wendeltreppe zum unteren Ende des Turms. Auf der Straße war ebenfalls niemand zu sehen, doch das Grölen der kehligen Stimmen hallte durch die Stadt. Eryniel hatte sich den Verlauf der Straßen eingeprägt; sie mussten dieser nun folgen und dann zweimal rechts abbiegen, um das Gebäude zu erreichen. Alle zückten nun ihre Waffen. Falls sie entdeckt wurden mussten sie schnell handeln können. Ihre Sorge war nicht ganz unbegründet. Zweimal wären sie fast von einer Streife entdeckt worden, doch sie hatten sich noch rechtzeitig hinter der nächsten Abbiegung verbergen können. Sie sahen bereits den Turm über den umliegenden Dächern emporragen.
Eryniel hob die Hand, als sie ein leises Röcheln vernahm. Als ein Schatten an der gegenüberliegenden Hauswand auftauchte, suchten die Elben Deckung hinter einem Treppensims. Eine krüpplige Gestalt humpelte aus dem Dunkel einer Nebengasse auf die Straße. Sie beugte sich über den Boden und schnüffelte. Verächtlich spie sie aus. “Ska! Riecht ja widerlich!“ Der Ork streckte nun die große Nase in die Höhe und würgte. Einen Arm hinter sich am Boden her schleifend kam er näher.
Eryniel packte ihren Bogen und ihr Arm griff über ihre Schulter nach einem der rot-gefiederten Pfeile in ihrem Köcher. Eryniel fixierte die entstellte Kreatur, die nun nur noch einige Meter entfernt war. Der faulige Geruch stieg ihr bereits in die Nase. Locker legte sie den Pfeil an die Sehne und spannte das Geschoss bis ihre Hand fast die Wange berührte. Mit einem leisen surren ließ sie los und ruckartig herrschte wieder Stille, nur der Gestank blieb. Der Pfeil hatte den Ork sofort getötet und der Schaft rate aus eine der Augenhöhlen. Zwei Männer bugsierten den Leib in die dunkle Gasse. “Weiter!“

Endlich erreichten sie das Gemäuer des Glockenturms. Von hier aus hörte man das Geräusch der sich spannenden Bogensehnen des Feindes. Die zwei kräftigsten der 15 Kundschafter gingen als erste in das Gebäude. Kurz war ein Klirren und dann ein schmatzender Laut zu hören. “Sicher.“ erklang die Stimme des einen. In einer Ecke lag einer der dunkelhäutigen Männer mit tiefen Schnittwunden im Nacken, aus denen sich das Blut über den Holzboden ergoss.
Oben angekommen viel das trübe Licht des Nachthimmels auf die bronzene Glocke, welche über dem eingestürzten Fußboden der Nordseite hing.
Von hier aus konnte man das Heer sehen. Zu Eryniels Erleichterung  ließ sich erkennen, dass sich die Verluste in Grenzen zu halten schien. Dann wollen wir mal..
Ein donnerndes Läuten ertönte über der Stadt und klag von den Gebäuden wieder.

« Letzte Änderung: 7. Jan 2018, 15:36 von Tauriel? »
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Tauriel?

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Re: Thal - In der Stadt
« Antwort #18 am: 7. Jan 2018, 17:21 »
Wirres Gekreische klag aus den Reihen der Orks hinter der Stadtmauer. Sichtlich irritiert wanden sie sich in Richtung des Glockenturms.
Eryniel und ihre Mitstreiter verteilten sich nun hinter den Säulen der Dachbögen und begannen die verdutzten Feinde zu beschießen, die nun verzweifelt nach Deckung suchten. Einige größere Vertreter der Orks und Menschen jedoch machten sich in Richtung des Turms auf.
Auch das Heer vor der Stadtmauer hatte das Zeichen mitbekommen. Als die ersten Glockenschläge erklangen waren , hatten der Beschuss jäh aufgehört. Sofort hatte Limhir den Truppen den Befehl gegeben auf die Mauer zu stürmen. Ein paar der Elben-Schützen schössen, mit etwas Abstand, versetzt Pfeile in die provisorische Holzmauer.
Die Elben beeilten sich, um die gegebene Chance nicht verstreichen zu lassen. Gleich mehrere begannen sich behände an der Mauer hochzuarbeiten. Die Pfeile dienten ihnen hierbei als Leiter.
Als die ersten Kundschafter oben angekommen waren, befestigten diese Seile und ließen sie zu den anderen runter. Nun konnten auch die schwerer gepanzerten Soldaten die Mauer hoch. Dieser Teil der Mauer war schon bald vollständig mit Schützen bemannt.
Sie nahmen den Feind sogleich unter Beschuss.
Auch die Orks hatten sich wieder gefasst, als sie sahen, dass das Heer der Elben die Mauer erklommen hatte. Sie verteilten sich zu kleineren Grüppchen und schossen aus Fenstern oder hinter Barrikaden auf die Mauerschützen.

“Schießt auf jene, die versuchen die Treppen zu erklimmen!“
Die Elben auf dem Glockenturm hockten sich neben das große Fußbodenloch, von dem aus man auf die Wendeltreppe herunterschauen konnte, die nach oben führte.
Hier drangen bereits einige Angreifer zu ihnen hinauf. Schnaufend erklommen sie Stufe für Stufe - ungeachtet der Verluste, die sie erlitten. Nur umso wütender und energischer versuchten sie die Spitze zu erreichen. Sie trampelten über, die auf sich ansammelnden, Körper der gefallenen Orks, nur um dann wieder zu fallen bis der Weg versperrt war durch einen Berg aus aufgeschichteten Ork-Leibern. Dem eingesperrten Elben oben gingen allmählich die Pfeile aus.
Feindliche Schützen am Ende der Treppe schossen zu ihnen hoch und trafen dieses Mal zwei von Eryniels Männern. Sie fielen getroffen vornüber und gesellten sich zu den anderen Toten.

Zu sehr fokussiert auf die Schlacht im Turm, hatte Eryniel jedoch nicht mitbekommen wie es um das Heer auf den Mauern stand. Sie zwang sich den Blick von den Gefallenen abzuwenden und auf das Geschehen unter ihnen zu richten.
Auch Thranduil und seine Wache schienen es in die Stadt geschafft zu haben. Neben einigen Schützen auf der Mauer hatte man sich auch in den Straßen neuaufgestellt. Die Wache gab den Schützen mit ihren Schilden Deckung und die Schützen erledigten die auf sie zukommenden Gegner. Thranduil selbst Stand in vorderster Reihe und schlug mit seinem Schwert auf die heranstürmenden Orks ein.

Eryniel war erleichtert, dass ihr Plan Früchte zu tragen schien. Der Feind musste Verstärkung anfordern und versuchte verzweifelt die eingedrungenen Elben wieder zurückzudrängen, doch diese konnten sich gegen den Fein behaupten und bezogen in  den besetzen Häusern Stellung.
Hier sieht es ganz gut aus. Eryniels Aufmerksamkeit galt nun dem Tor und der Ostseite der Stadt. Wie würde es dort um das Heer stehen? Vom Süden bliesen nun graue Rauchschwaden in ihre Richtung. Feuer? Was geschah dort beim Tor?
« Letzte Änderung: 15. Feb 2018, 12:56 von Tauriel? »
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Re: Thal - In der Stadt
« Antwort #19 am: 15. Feb 2018, 14:20 »
Die Schwärze lichtete sich und wich langsam einem dumpfen grau. Alles war verschwommen, doch sie spürte, dass sie jemand trug. In ihren Kopf klang immer noch ein unangenehmer Ton nach und hinderte sie daran einen klaren Gedanken zu fassen. Eryniel erschauderte. Ihr war plötzlich unsäglich kalt geworden. Wer auch immer sie trug, schien dies bemerkt zu haben. Er drückte sie etwas fester und beschleunigte sein Tempo.
Eryniel hätte nicht sagen können wie lang sie durch die Gegend getragen wurde, doch irgendwann hörte sie das Knarren einer Holztür. Ein Wirrwarr aus Stimmen und umher-eilenden Schritten hallte durch das Gebäude - alles schien ihr weit entfernt zu sein. Sie mussten den ersten Raum hinter sich gelassen haben und nun eine Treppe nach oben nehmen.
Oben war es wesentlich ruhiger als unten, doch auch hier war leises flüstern zu hören. Ihr Träger ließ sie nun behutsam aus seinen Armen, auf etwas Weiches gleiten. Eine zierliche Hand legte sich auf ihre Stirn. Wohltuende Wärme breitete sich von ihr aus und verdrängte die klirrende Kälte in ihrem Körper. Mit der Wärme nahm auch ihre Sicht wieder zu. Der Nebel, der sie umfasst hatte ließ sie nun frei und Eryniel begann sich zu erinnern.
Sie hatten das Haupttor überwunden und der Feind war so gut wie besiegt. Dann war ein schriller und stechender Schrei ertönt. Die Glocke im Turm hatte den Ton verstärkt und Eryniel war in sich zusammengesackt und bewusstlos geworden. Irgendwer müsste sie so gefunden haben und hier hergebracht. Doch wo war hier eigentlich? Sie wollte sich umsehen, doch als sie sich aufrichten wollte, ließ die Hand von ihrer Stirn ab und drückte sie sanft zurück in das Kissen.
“Ihr solltet euch noch etwas ausruhen..“ Ihre Stimme war wie zähflüssiger Honig. “Die Schlacht um Thal ist vorbei und ihr müsst so ausgeruht sein wie es möglich ist, ehe die nächste Schlacht beginnt, also bitte ruht euch nun aus. Ihr seid in einem Haus, das uns nun für die Versorgung der Kranken und Verletzen dient. Mein Name ist Athenel und ich bin hier Heilerin, also macht euch keine Sorgen. Ruht nun.“
Eryniel schaute zu der Elbe hoch. Sie hatte wunderschöne, mandelförmige Augen aus einer breiten Palette an Grautönen, von denen die dunkleren nur vereinzelte Sprenkel waren. Sie hatte ein schmales und weiches Gesicht das von honig- goldenen Haaren umfasst war, die sich in dicken Strähnen über ihre Schulter wellten. Eine dicke Strähne hing ihr ins Gesicht.
Athenel hielt ihr einen merkwürdigen Trinkschlauch an den Mund. Die Flüssigkeit darin war unheimlich süß und machte sie sofort schläfrig. Die Heilerin lächelte sie noch einmal an und verschwand dann. Eryniel glitt langsam in den Schlaf. Das letzte was sie spürte, war ein sanfter Händedruck.
« Letzte Änderung: 15. Feb 2018, 14:43 von Tauriel? »
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Re: Thal - In der Stadt
« Antwort #20 am: 18. Feb 2018, 15:32 »
Es dauerte ein paar Stunden bis Eryniel aus ihrem wohligen Schlaf erwachte. Sie hatte das Gefühl lange nicht mehr so ausgeruht gewesen zu sein. Mit beiden Armen stemmte sie sich hoch und schwang ihre Beine über die Bettkante. In den Betten neben ihr schliefen noch einige Soldaten mit Verbänden an den verschiedensten Stellen. In diesem Raum schien es nur eine Heilerin für die verwundeten zu geben. Athenel huschte von einem Bett zum anderen, wechselte Tücher aus, trug Salben auf und verteilte ihren süßen Kräftigungstrunk. Als sie mit dem Zermahlen von Kräutern beschäftigt war, stand Eryniel auf und trat zu ihr.
“Ich danke euch. Es geht mir erheblich besser.“
Athenel neigte den Kopf. “Es freut mich, dass ihr wieder wohlauf seid.“ Die Elbe legte nun den Mörser beiseite und kramte einen Holztopf aus ihrer Umhängetasche. Der Deckel war zu einem Bärenkopf geschnitzt  worden auf dessen Nase eine kleine Biene saß. Eryniel kam nicht drum herum zu fragen. “Dieser Topf erinnert mich sehr stark an die Werke der alten Beorninger. Man hatte sie einst am Westrand des Waldes antreffen können, doch nun waren die wenigen verblieben über das Nebelgebirge gezogen.
“Ihr habt recht, dieses Gefäß wurde von ihnen angefertigt. Ich habe eine lange Zeit bei ihnen verbracht, den keiner weiß so gut um die heilende Kraft ihres geliebten Honigs wie sie.“ Sie öffnete den Topf und offenbarte das klebrige innere.
“Honig?“, stellte Eryniel fest.
“Wie bereits gesagt, er ist nicht nur zum Naschen gedacht.“
Als Eryniel die Elbe beobachtete, wie sie ihre Arzneien herstellte, musste sie unweigerlich an ihre Mutter denken und wie sie ihr einst etwas über die heilende Kraft verschiedener Pflanzen beigebracht hatte. Eryniel unterdrückte eine Träne. Es war gut, dass sie fortgegangen ist und dies nicht miterleben musste.

Ein Poltern riss Eryniel aus ihren Gedanken. “Ach, Misst!“, erklang es im Chor.
Zwei halbstarke Jungen kamen durch den Eingang herein. Beide braunes Haar – der eine heller und gekräuselt.
“Fawrell und Theren?“
Die beiden Jungen schauten sie nun an und klappten den Mund auf. “Was machst du den hier?“, entgegnete Theren etwas vorlaut.
“Ich bin hier, weil ich hier sein muss.“, entgegnete sie trocken. “Was für euch beiden jedoch keineswegs zutrifft. Ich dachte, ihr wärt in Esgaroth geblieben.“
“Und sitzen da tatenlos rum bis alles vorbei ist? - ganz sicher nicht.“ Fawrell trat zu Athenel und übergab ihr eine Phiole. “König Bard schickt uns, um etwas von eurer Medizin zu holen, welche er für seine Familie braucht.“
“Aber natürlich. Ich bin gerade fertig.“ Sie füllte die Phiole mit der goldenen Flüssigkeit. “So nun beeilt euch.“
Ehe Eryniel nochmal hätte nachfragen können, waren beide auch schon wieder verschwunden. Immer das gleiche mit den beiden.

Nachdem Athenel Eryniel noch einmal untersucht hatte, durfte sie  die Stube verlassen. Athenel hatte ihr gesagt, dass man bereits mit der Belagerung des Einsamen Bergs begonnen hatte, es jedoch nicht den Anschein machte, als würde das Tor, sobald nachgeben. Alle kampffähigen Elben seinen bereits losgezogen, um Sarumans Truppen vor dem Tor zu unterstützen. Die Menschen waren in Thal geblieben, um die Stadt zu sichern, welche sie sich so hart erkämpft hatten.
Eryniel hatte so schnell sie konnte, ihre Rüstung angelegt und sich neue Pfeile besorgt. Sie lief noch nicht lange auf den Erebor zu als alles ins Wanken geriet.
Die Tore des Erebor waren weit geöffnet worden und die Horden des Nazgul strömten aus dem Berg gegen das Heer Sarumans. Auch von hinten näherten sich nun feindliche Krieger.
Eryniel würde noch ein ganzes Stück laufen müssen um zum Heer Thranduils zu gelangen. Sie biss die Zähne zusammen und sprintete los.

Eryniel zu Thranduils Heer
« Letzte Änderung: 2. Mär 2018, 14:38 von Fine »
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