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Autor Thema: Die Ostfold  (Gelesen 4783 mal)

Thorondor the Eagle

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Die Ostfold
« am: 27. Nov 2009, 18:08 »
Erkenbrand, Faendir und eine Schar aus Frauen, Kindern und Alten aus dem Feldlager vor den Toren von Edoras


Der Menschenzug kam nur sehr schleppend voran. Sie waren nun schon drei Tage unterwegs und hatten noch nicht einmal die Hälfte des Weges zurück gelegt. Sie mussten mindestens fünf Mal Rast machen um auch den Älteren eine sichere Reise zu gewähren.
Eines Abends schlugen sie ein kleines Nachtlager auf. Nur wenige Zelte wurden aufgeschlagen. Die meisten versammelten sich um Lagerfeuer und hielten dort abwechselnd Wache. Erkenbrand und Faendir saßen ebenfalls an einem Lagerfeuer sie aßen eine stärkende Suppe und tranken aus ihren Lederschläuchen.
„Das ihr einmal für Rohan kämpfen würdet hattet ihr auch nicht gedacht, Faendir?“ fragte Erkenbrand.
Tatsächlich es sich der Elb in seinen frühen Jahren nie ausmalen können, vor allem weil er so gut wie keine Erfahrung im Krieg hatte. Seine Stärken waren die unbemerkte Flucht und das Flötenspiel.
„Nein, da hab ihr recht. Allerdings bereue ich es nicht. Ich habe meiner Herrin und meinem König einen großen Gefallen erwiesen. Ich habe hier etwas bewirkt, wertvolle Menschen kennen gelernt und alle werden mich hoffentlich in guter Erinnerung behalten“, antwortete Faendir.
„Das werde ich, glaubt mir. Ich werde noch meinen Kindern erzählen, wie selbstlos die Elben des Nordens waren und wie sie mit viel Kampfgeschick unser Schicksal mitbestimmt haben. Ihr hab es verdient in unseren Hymnen vorzukommen.“
Dankend nickte er dem Rohirrim zu und legte sich zurück.

Faendir blickte nach oben zu den Sternen. Sie warfen die Umgebung in ein kaltes, silbernes Licht. Der musste an Galadriel denken und ihren geheimnisvollen Blick. Sie hatte in in diese Schlacht geschickt, wenn auch nur unbewusst.. Der Elb erinnerte sich an die letzten Tage und lag nur stumm auf der kühlen Frühlingswiese.
„Woran denkt ihr?“, fragte Erkenbrand.
„An das Geheimnis der Sterne“ antwortete er etwas abwesend.
„Welches Geheimnis hüten sie denn?“ hakte der Mensch nach und blickte nach oben.
„Kennt ihr denn ihre Geschichte?“
„Nein, ich habe mich nur wenig mit den Sternen beschäftigt, stets musste ich mit beiden Beinen auf dem Boden stehen.“
„Seht, dies Sternbild ist so alt wie die Elben selbst. Es erschien in der Zeit als unsere Vorfahren erwachten. Und dies ist Valacirca, die drohenden sieben Sterne. Ein Zwerg erzählte mir einst, dass es in seinem Volk unsinnigerweise Durins Krone genannt wurde. Und das hier, ihr kennt ihn sicherlich, dies ist Earendil. Der hellste Stern von allen und die wohl letzte Erinnerung an die Blütezeit der Elben...“
Gespannt hörte Erkenbrand dem Elben zu bis er schließlich einschlief.
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Thorondor the Eagle

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Re: Lagerfeuer in der Ostfold
« Antwort #1 am: 27. Dez 2009, 20:48 »
Die Reise ging nun schon anderthalb Wochen weiter und eines Morgens erblickten sie die schöne Stadt Aldburg. Sie lag auf einem grünen Hügel, umgeben von einem dicken Holzwall. Sie war deutlich kleiner als die ehemalige Hauptstadt, doch sah man dem Holz an, dass es viele Jahre länger der Witterung ausgesetzt war. Auf der Kuppe des Hügels stand ein großes Herrenhaus.
„Dies ist Aldburg“ sagte Erkenbrand zum Elben „Das Herz von Rohan und der Sitz des zweiten Marschalls der Mark. Hier werden wir vorerst Ruhe finden.
Faendir musterte die Stadt so gut er konnte, denn die aufgehende Sonne blendete sein Elbenauge.
„Endlich seid ihr in Sicherheit. Ich bin glücklich euch in schützenden Mauern zu wissen, doch andererseits plagt mich die Trauer, Erkenbrand. Mein Weg führt mich schon wieder weiter. Ich werde zurückkehren in meine Heimat, zu Thranduil und zu Galadriel. Sie werden erfreut sein, dass ihr gerettet seid. Meine Aufgabe habe ich erfüllt“, sagte der Elb.
„Es ist schade, dass ihr nicht bleiben könnt. Eure wunderschöne Musik würde unsere alten Hallen mit Freude füllen.“

Eine große Angst breitete sich in dem Elben aus. Er wollte keine weiteren Schlachten führen, er wollte weg von dem Krieg. In seiner Heimat würde er sich sicher füllen, zwischen den Bäumen unter den schützenden Kronen.
Faendir sah auf den Horizont: „Erkenbrand, seid mir nicht böse, aber ich will diese Stadt nicht betreten.“
Erkenbrand blickte den Elben entsetzt an.
„Versteht mich nicht falsch“, legte er gleich nach „Gerne wäre ich euer Gast in dieser altehrwürdigen und schönen Stadt, aber der Abschied fällt mir schon so schwer genug. Ich weiß es ist nicht sehr ehrenhaft den leichtesten Weg zu gehen, aber gerade in so schweren Zeiten sollte man keine unnötigen Lasten auf sich nehmen.“

Erkenbrands Gesichtsausruck wurde etwas milder: „Faendir, es war mir eine Ehre euch kennen zu lernen, eine außerordentlich große Ehre.“
„Lebt wohl, Erkenbrand Herr von Helms Klamm“, sagte Faendir nur kurz und noch ehe eine Träne über seine Wangen kullerte wandte er sich ab und verschwand hinter den grünen Hügeln der Ostfold. Sein Weg führte ihn nach Norden in seine Heimat.


Faendir zum Saum des Fangorn
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Fine

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Ebenen der Ostfold
« Antwort #2 am: 5. Apr 2015, 15:46 »
Cyneric mit einer éored Rohirrim von den Stallungen von Aldburg


Sie erblickten die Ork-Horde bereits von fern, ein dunkler Flecken in der ansonsten grünen Weite der Ebenen der Ostfold. Weniger als eine Wegstunde hatten sie reiten müssen um die Farm zu erreichen, von der der junge Reiter gekommen war. Sauron schläft nicht, dachte Cyneric grimmig. Seine Späher sind unterwegs. Genau wie seine Kreaturen, die Orks.

Aldburg hatte lange als sichere Zuflucht gegolten. Und doch waren hier, kaum einen Vogelflug entfernt, bereits die Diener des Feindes am Werk. Wir müssen die wenigen im Land verbliebenen Bauern schützen, schoss es Cyneric durch den Kopf. Es droht bereits eine Hungersnot. Wenn noch mehr Leute ihre Felder und Höfe verlieren, wird es noch schwerer werden, das Volk zu ernähren.

Die Reiter hatten eine Keilformation eingenommen. Cyneric hatte zwar als Gardist der Königswache einen höheren Rang, doch die Éored wurde nicht wirklich von ihm befehligt. Ihre Mitglieder kannten einander gut genug, um genau zu wissen, was sie zu tun hatten. Wie ein Mann setzten sie sich in Bewegung, und das Donnern von vierhundert Hufen begann, die Luft zu erfüllen. Cyneric legte die Lanze unter dem Arm ein, und suchte sich ein Ziel, als sie auf die überrascht wirkenden Orks zupreschten. Als sie näher kamen, erkannte er, dass es sich in erster Linie um Plünderer und nicht um Krieger handelte, denn sie trugen Fackeln mit sich, aber man sah nur vereinzelte Speere, und keine Pfeile flogen den Rohirrim entgegen.

Mit Wucht schmetterten sie mitten durch die Ork-Horde. Jeglicher Widerstand, den die nur ungefähr zehn Dutzend Orks hätten leisten können wurde durch den Ansturm der Rohirrim gebrochen, da über die Hälfte bereits zu Boden gegangen war. Panik brach aus, jeder flüchtete in eine andere Richtung. Doch die flinken Reiter hatten nicht vor, auch nur einen einzigen Ork entkommen zu lassen.

Bereits kurz darauf war das Gefecht vorbei. Cyneric blickte sich nach Verletzten unter den Rohirrim um, doch die Anzahl war überschaubar. Drei Männer waren aus dem Sattel gestürzt, als sie mit ihren Lanzen hängen geblieben waren und hatten einige Prellungen und Schürfwunden davon getragen. Einer hatte einen tiefen Schnitt am Bein, und zwei Pferde bluteten aus oberflächlichen Wunden.
 
Cyneric schickte den jungen Reiter, der Alarm geschlagen hatte zurück auf seinen Hof, um Entwarnung zu geben. Zwar war er froh, dass niemand gefallen war, aber die Dreistigkeit der Orks machte ihm Sorge. Rohan muss seine Ebenen besser bewachen. Diese Bauern sichern unser Überleben.

Mit gemischten Gefühlen traten sie den Rückweg an.


Cyneric mit der éored zur Ratshalle von Aldburg
« Letzte Änderung: 15. Feb 2016, 13:57 von Fine »
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Auf den Feldern und Wiesen vor dem Lager der Elben
« Antwort #3 am: 8. Jul 2015, 20:46 »
Cyneric aus Aldburg - in der Stadt

Irwyne wartete bereits am Treffpunkt auf ihn. Cyneric hatte sich mit ihr außerhalb des Elbenlagers treffen wollen da ihm dort zuviele Leute auf einem Platz waren. Große Gedränge musste er bereits genug ertragen wenn er im Dienst war. Und bei dieser Sache ging es ja darum, Irwyne besser kennen zu lernen. Sie hatten sich unter einem Baum verabredet der einen Steinwurf vom Elbenlager entfernt lag und von allen Seiten gut sichtbar war.

Cyneric strich Rynescéad sanft durch die Mähne und der Hengst hielt an. Gewandt glitt er aus dem Sattel und winkte Irwyne zu, die gerade heran kam. Das Mädchen trug zum größten Teil dieselbe Kleidung wie am Tag zuvor, hatte heute jedoch die Haare zu mehreren kompliziert aussehenden Zöpfen geflochten.

"Hæle, Irwyne," grüßte er sie freundlich.
"Wer ist denn dein Freund, Cyneric?" antwortete sie mit einem neugierigen Blick auf das Ross.
"Das ist mein Mitstreiter Rynescéad," sagte Cyneric.
Der Hengst kam heran und ließ sich von Irwyne streicheln.
"Ich glaube, er mag dich. Normalerweise ist er nicht so zuvorkommend."
Es stimmte. Nur bei wenigen vertrauten Personen ließ Rynescéad eine Berührung zu. Schon mehr als einmal hatte es deswegen Probleme gegeben, aber inzwischen wussten die Stallburschen Bescheid dass sich Cyneric selbst um den Hengst kümmerte.
Irwyne hatte die Arme um Rynescéads Hals geschlungen. "Er ist so freundlich," sagte sie leise.
Cyneric wusste nicht recht, was er darauf antworten sollte. "Wenn du möchtest darfst du mit ihm reiten," sagte er schließlich.
"Das würde ich wirklich gerne," antworte Irwyne mit strahlenden Augen.

Die nächste Stunde verbrachte Cyneric alleine unter dem Baum, seinen eigenen Gedanken nachhängend während Irwyne mit Rynescéad über die Wiesen und Felder in der Umgebung jagte. Es war ein warmer Tag, und die hoch stehende Sonne machte ihn schläfrig. Schließlich lehnte er sich mit dem Rücken an den Stamm des Baumes, schloss die Augen und versuchte sich zu entspannen.
Diese scheinbare Idylle wird nicht anhalten, stieg es ihm ins Gedächtnis. Schon bald geht es wieder in den Krieg. Welche Schatten und Schrecken werden uns diesmal erwarten? Isengard zu sehen war schon nicht leicht gewesen, denn nach der gewonnenen Belagerung hatte man viele übel zugerichtete Gefangene aus den Verließen befreit und die Folterkammern geöffnet. Wie würde es erst in Dol Guldur aussehen? Er wusste es nicht und mochte es sich auch nicht vorstellen.

Stattdessen dachte er darüber nach wie es sein würde, Seite an Seite mit Sarumans Orks zu kämpfen. Er würde ihnen keine Sekunde vertrauen, da war er sich sicher. Wenn ich dem Krieger neben mir nicht zutrauen kann dass er meine Seite deckt bin ich im Kampf mit Verbündeten trotzdem auf mich allein gestellt, wurde es ihm klar. Wie sollte da beispielsweise ein Schildwall funktionieren? Er hoffte, dass die Heere Sarumans getrennt von denen der Freien Völker angreifen würden. Dann würde er sich einer solchen Situation nicht stellen müssen.

"He, Schlafmütze!" weckte ihn eine helle Stimme. Er war tatsächlich während seiner Grübelei eingeschlafen ohne es zu merken. Irwyne und Rynescéad standen vor ihm, einen verschmitzten Ausdruck im Gesicht. "Hast du gesehen, was Rynescéad gemacht hat?" wollte das Mädchen wissen.
"Nun... ich war wohl einen Moment abgelenkt," erwiderte Cyneric verlegen.
"Er hat sich auf seine Hinterbeine gestellt und mich ganz hoch hinaus getragen!"
"Ihr versteht euch ja wirklich gut," stellte Cyneric fest.
"Und ob wir das tun. Rynescéad ist so süß!" schwärmte Irwyne.
Na dann warte nur bis du ihn im Gefecht gesehen hast, dachte Cyneric. "Süß" ist nicht gerade das Wort, das ich verwenden würde.

Der Tag verstrich. Cyneric merkte, dass er Irwyne hin und wieder mit seiner eigenen Tochter verglich. Auch wenn sie ihr in einiger Hinsicht ähnelte war Irwyne doch viel verträumter als es Déorwyn je gewesen war. Sie war noch immer ein junges Mädchen das noch nicht ganz an der Schwelle zu der Frau stand, die sie einst werden würde. Er war sich sicher dass die Zeit in der sie ihre schwere Vergangenheit vergessen und durch die Freude alle Gedanken an Verlust und Trauer ausblenden konnte ihr sehr gut tat. Der Anblick Irwynes wie sie in ihrem blauen elbischen Kleid auf Rynescéads Rücken über die Wiesen tobte und vor Freude strahlte ließ ihn an vergangene, glücklichere Zeiten zurückdenken.

Am späten Nachmittag brachte er Irwyne zurück ins Elbenlager. Sie verabschiedete sich von Rynescéad mit einer Umarmung und schloss zu seiner Überraschung anschließend auch Cyneric in die Arme. "Bitte komm bald wieder," sagte sie zum Abschied. Und er wusste dass sie jemanden brauchte der auf eine unbeschwerte Art Zeit mit ihr verbrachte - auf eine Art wie es die Elben, die stets das große Ganze zu sehen schienen anscheinend nicht immer im Stande waren.
Wieder einmal wünschte er sich, seine Frau wäre noch am Leben. Sie würde ganz genau wissen was zu tun war.

Cyneric in die Stadt
« Letzte Änderung: 14. Okt 2016, 10:18 von Fine »
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Thorondor the Eagle

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Nächtlicher Besuch
« Antwort #4 am: 22. Jan 2020, 23:19 »
Aerien, Narissa, Helluin, Gandalf, Aragorn, Gimli, Amrothos und Irwyne von Aldburg - in der Stadt

Nun war es doch eine größere Reisegruppe mit der Helluin aufgebrochen war und jeden von ihnen hatte er in den letzten Tagen auf gewissen Art und Weise zu schätzen gelernt. Aragorn hielt – wie er schon immer war – an seinem Vorhaben fest, Gandalf stand ihm mit seinem Scharfsinn und seiner Weisheit zur Seite, Gimli war sicherlich ein hervorragender Kämpfer, wenn auch ein bisschen abgemagert, und mit seiner Art brachte er selbst in die düstersten Momente Frohsinn. Amrothos und Irwyne hatte er eben erst kennen gelernt. Es war ein eigenartiges Paar, ein Prinz aus hohem Hause und ein Bauernmädchen aus Rohan – Helluin konnte nicht einmal einen Grund erahnen warum sie gemeinsam auf Reisen sind. Er hatte aber aufgegeben es zu hinterfragen. Und zuletzt waren da noch Aerien und Narissa, ein ebenso ungewöhnliches Paar. Dem Dúnadan war nicht entgangen wie fürsorglich sie miteinander umgingen und wie liebevoll sie sich kümmerten. Vielleicht war es wie in einer der Geschichten die ihm einst seine Mutter erzählt hatte, vielleicht waren sie gemeinsam ein Ganzes, als wären sie ein Geist der in zwei Körper wohnte.
Von ihrer Art her waren sie geheimnisvoll, aber aufrichtig. Vielleicht ist das der Grund, warum man sie gleich ins Herz schloss. Helluin hatte es jedenfalls getan, immerhin hatten sie vieles gemeinsam. Auch seine Heimat und sein Volk wurden vergessen, ein Elternteil war gefallen, der andere weit entfernt, sie haben nichts weiter im Leben als diesen Krieg. Wie bedauernswert

Vor ihnen erstreckte sich das weite und leicht hügelige Land der Ostfold, das sie auf dem Rücken ihrer Pferde durchquerten.
„Und Junge, weißt du schon wo du nach dem Mädchen suchen sollst?“, fragte ihn Gimli der hinter Gandalf auf Schattenfell saß.
„Nein, die Königin gab mir den Hinweis, dass Kerry mit dem Wolfskönig von Dunland die Stadt verlassen hat, also werde ich wohl dort nach ihr suchen.“ Helluin war sehr skeptisch gegenüber den Dunländern, allen voran natürlich ihrem König. Er hatte kein gutes Gefühl bei dem Gedanken daran.
„Oh, dann solltest du aufpassen, dass dich dieser Wolf nicht in Fetzen reißt“, scherzte der Zwerg.
„Ich habe so und so noch nie von einem König der Dunländer gehört.“
„Nun das liegt daran, dass es seit vielen Jahren keinen mehr gab“, warf nun Gandalf ein „Die Dunländer sind ein streitsüchtiges Volk, sie gönnen nicht mal ihren eigenen Verwandten einen Triumph. Was glaubst du wie schwer es ein König unter ihnen hat?“
„Dann muss er wohl ein furchterregender Hüne sein“, vermutete Gimli.
Gandalf musste grinsen: „Kräftiger Hüne… wohl eher ein Junge. Aber lass dich nie vom Äußeren täuschen, es ist nicht der tosende Sturm der Stein zu Sand und Staub zerfallen lässt, sondern die sanften, unschuldigen Wogen des Meeres.“
„Zwischen Orks und Ungetier habe ich gelebt und das schwarze Land durchquert und jetzt da ich wieder hier bin muss ich sagen: Du hast dich kein bisschen verändert“, entgegnete der Zwerg lachend und ein wenig zynisch.
„Das kann ich getrost zurückgeben“, konterte der Zauberer „Aber vieles hat sich auf verändert, manches zum schlechteren und manches zum Besseren. Für die junge Kerry auf jedenfall zum Besseren. Du solltest vielleicht wissen, dass die verwaist geglaubte Kerry von einem überaus liebevollen Elbenpaar adoptiert wurde. Es würde mich nicht wundern, wenn sie ihr Weg von Dunland nach Eregion führt, wo ihre Adoptiveltern auf die Niederkunft ihres Kindes warten.“
„Was?“, fragte Helluin erstaunt „Habe ich eben richtig gehört?“
„Ganz recht.“
Eine Tochter der Rohirrim adoptiert von Elben? Wie um Himmels Willen ist es dazu gekommen? Hatten sie so großes Mitleid mit ihr? Aber nicht einmal aus Mitleid würden Elben das tun oder? Immerhin werden sie alle Kerry überleben.

„Es war sicher gut für sie“, brachte sich nun Irwyne in das Gespräch ein „Als Waise fühlt man sich oft alleine, die Gewissheit zu haben, dass es jemanden gibt der für dich da ist und auf dich wartet nimmt einem dieses Gefühl.“ Das Lächeln entging Helluin nicht, als die Rohirrim nach vorne zu Amrothos schaute.
„Eltern sind nicht immer nett mit ihren Kindern“, warf nun Narissa ein, die sich an die Hüfte von Irwyne krallte „Es gibt auch jene die ihre Kinder hassen, schlagen und ihnen den Tod wünschen.“ Verbitterung war in ihrem Tonfall zu hören.
„War dies bei dir so?“, fragte Irwyne zaghaft aber neugierig nach.
„Ich wusste lange nicht wer mein Vater ist und als wir beide, er und ich, es herausfanden, wollte er mich töten. Aber ich habe nichts verloren, denn ich kannte diesen Mann nicht. Ich kannte meine Familie, jene die mich großzog und sie war immer für mich da.“

„Kommt jetzt“, rief plötzlich Aragorn von vorne. Wir wollten heute noch den halben Weg zum Schneeborn zurücklegen. Wenn ihr weiter so viel redet, werden wir dies wohl nicht mehr schaffen.“
„Er hat recht, halt dich fest Gimli“, bestätigte Gandalf „Schattenfell, zeig ihnen was Eile ist“ befahl er dem Pferd und dieses galoppierte augenblicklich los.
Die anderen taten es ihnen gleich und so beschleunigten sie ihr Tempo. Erst nachdem die Dämmerung bereits hereingebrochen suchten sie Schutz in einem Kessel zwischen zwei sanften Hügeln, umgeben von hüfthohem Gestrüpp. Sie machten ein kleines Feuer um sich daran zu wärmen, versuchten aber nicht allzu viel Aufsehen zu erregen. Nachdem sie die Mahlzeit zu sich genommen hatten, wurde noch die Nachtwache eingeteilt. Helluin war der letzte für die frühen Morgenstunden. Aus diesem Grund wollte er schnellstmöglich zu Bett gehen. Er legte sich etwas abseits auf die Pferdedecke und schloss seine Augen. Er hörte die leisen Stimmen seiner Mitreisenden und dabei schlief er langsam ein.



Irgendetwas unangenehmes drückte Helluin in den Rücken, ein Stein oder Ast oder ähnliches. Er robbte schlaftunken ein bisschen links und rechts. Wann beginnt meine Nachtwache? Kann ich noch ein bisschen schlafen?
Er öffnete seine Augen nur einen Spalt breit. Das Feuer glomm vor sich hin, keiner saß daneben. In der Ferne erahnte er eine schwarze Silhouette. Ist das Amrothos? Seine Wache ist wohl noch nicht vorbei. Der junge Dúnadan schloss wieder die Augen. Rings um war nichts zu hören, doch da plötzlich ein Knacken. Er wurde unsicher und öffnete seine Augen, sah aber noch leicht verschwommen. Nichts war zu sehen, plötzlich war wieder ein brechender Ast zu hören, Helluin drehte sich rasch um, aber auch da war nichts zu sehen. Sein Herz klopfte vor Aufregung. Er versuchte im Gebüsch etwas auszumachen, aber er konnte nichts erkennen.

„Du bist schon wach?“, erschrak ihn plötzlich die flüsternde Stimme von Amrothos.
Helluin atmete schneller als gewöhnlich.
„Was ist los?“
Nach einem letzten prüfenden Blick antwortete er: „Nichts, ich dachte nur ich habe etwas gehört. Aber es ist nichts.“
„Zweieinhalb Stunden schlage ich nun schon tot und ich habe absolut nichts bemerkt. Hier ist wirklich nichts und niemand.“
„Ich bin zu aufgeregt und kann jetzt sicher nicht mehr schlafen. Du kannst dich gerne noch ein wenig hinlegen“, bot Helluin an und sein gegenüber nahm dankend an.

In den nächsten zwei Stunden tat sich absolut gar nichts, außer dass sich das Firmament langsam in ein helleres Grau kleidete. Er warf einen Blick zu seinen Gefährten: Aragorn lag neben dem Feuer, in diesem matten Licht wirkte er ganz und gar nicht wie ein ruhmreicher König. Gandalf hatte sich neben Schattenfell gesetzt und war in einer sehr ungemütlich aussehenden Position im Sitzen eingeschlafen, Gimli lag nur ein kleines Stück daneben. Er schnarchte leise aber deutlich. Amrothos hatte sich hinter Irwyne gelegt und seinen Arm um ihre Taille gelegt.  Aerien und Narissa lagen seitwärts, aber zueinander gedreht. Ihre Hände berührten sich. Aerien zuckte mit ihren Augenbrauen und Mundwinkel, manchmal bewegten sich ihre Lippen ganz wenig und sie presste die Lider zusammen. Sie hat einen Albtraum… als wäre es am Tag nicht schon grausam und trostlos genug
So leise er konnte schlich er sich an das Mädchen heran. Er wollte sie mit sanftem Streicheln beruhigen. Als er beinahe bei ihr war wanderte die Hand von Narissa im Schlaf instinktiv auf den unteren Bauch von Aerien und wie durch ein Wunder beruhigte sie sich. Helluin beneidete sie auf positive Art um diese Nähe und Vertrautheit.

Er wollte wieder zu seinem Posten zurückgehen, als sein Blick plötzlich auf etwas schwarzem heften blieb, das er zunächst nur im Augenwinkel ausmachte: eine Krähe. Sie saß auf der Decke auf der er geschlafen hatte. Neugierig sprang sie darauf herum, dann fixierte ihr Blick den Dúnadan. Für einen Moment verharrte sie. Der junge Mann ging einen Schritt auf sie zu, sie blieb sitzen. Ein weiterer Schritt, aber sie ließ sich nicht provozieren. Dann auf einmal breitete sie ihre Flügel aus und startete mit einem Krächzen los, sie flog ganz knapp an Helluins Kopf vorbei, sodass er sich intuitiv zur Seite drehte. Er schaute dem frechen Vogel hinterher, aber in den verschiedenen Grautönen des Horizonts verlor er sie bald aus den Augen.

Von den hastigen Bewegungen wurde nun Aragorn und Gandalf wach. Als ihr Verstand einwandfrei und klar war, beschlossen sie das Nachtlager abzubrechen und weiter zu reiten. Immerhin wollten sie heute noch die Ausläufer des Gebirges erreichen hinter denen sich Edoras befand.

Helluin, Narissa, Aerien, Aragorn, Gandalf, Gimli, Amrothos und Irwyne nach Edoras
« Letzte Änderung: 29. Jan 2020, 17:54 von Fine »
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