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Autor Thema: Inmitten des Waldes  (Gelesen 8967 mal)

Thanderin

  • Gast
Re: Ein treffen mit einem Traum
« Antwort #15 am: 25. Mär 2008, 13:58 »
"Nun Liutasil wie könnt ihr es wagen unsere Unterhaltung zu stören!" Sein Jähzorn packte ihn und er zog eine Wurfaxt und schleuderte sie in einen dem Elben nahegelegenden Baum der Baum ächzte unter der Wucht der Axt! Der sonst so gefasste Elb erschrak bei dem Aufprall der Axt "Geht mir aus den Augen! Was wir zu bereden haben ist allein unsere Sache! Die nächste Axt spaltet euch den Schädel wenn ihr nicht verschwindet!" Liutasil sah Thanderin entgeistert an, damit hatte er wohl nicht gerechnet.
« Letzte Änderung: 25. Mär 2008, 22:15 von Thanderin »

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Re: Ein treffen mit einem Traum
« Antwort #16 am: 25. Mär 2008, 19:39 »
Liutasil wurde in dem Moment, als der Zwerg ihn anbrüllte, wütender als all die Jahre davor ...
"Herr Zwerg... Leider ist für mich diese Gemeinschaft unumgänglich. Wenn ihr einen Kampf wollt, schlage ich euch liebend gern den Kopf von den Schultern ... wenn ich mich überhaupt so weit bücken kann.
Aber mir steht der Sinn nicht nach dem Tod, und deswegen verzeihe ich euch.
Wählt weise: Wollt ihr mich als Gegner und damit den Tod, oder wollt ihr einen mächtigen Verbündeten?"
Er hob die beiden Schwerter vom Boden auf.
" Ich wollte nur wissen, ob es in eurer Unterhaltung um Thranduil geht ... denn ich weiß, wo er sich aufhält. Ich fand seine Unterlagen in seinen verlassenen Höhlen."
Aber dass er (aus welchen Gründen auch immer) meinen Post löscht, find ich nicht in Ordnung ... Ich hab mir so viel Mühe gegeben! 
Zitat von The_Forsaken

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Thanderin

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Re: Ein treffen mit einem Traum
« Antwort #17 am: 25. Mär 2008, 20:13 »
Thanderin steigerte sich immer weiter in seinen Jähzorn rein. Der Elb widersetzt sich mir auch noch "Nun Herr Elb" sagte Thanderin verächtlich "Alles was wir im Moment besprechen ist für euch nicht von Belang! Nun geht mir aus den Augen!" Der Elb schien sehr wütend zu werden Thanderin legte seine Hand an den Schaft seiner Wurfaxt um für den Notfall gewampnet zu sein.
« Letzte Änderung: 25. Mär 2008, 22:14 von Thanderin »

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Re: Ein treffen mit einem Traum
« Antwort #18 am: 25. Mär 2008, 20:23 »
"Ihr seid ziemlich jähzornig ... wenn ihr das Wort überhaupt richtig schreiben könnt ..."
Liutasil drehte Thanderin den Rücken zu und lehnte sich an einen recht weit entfernten baum an.
Aber dass er (aus welchen Gründen auch immer) meinen Post löscht, find ich nicht in Ordnung ... Ich hab mir so viel Mühe gegeben! 
Zitat von The_Forsaken

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Thanderin

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Re: Ein treffen mit einem Traum
« Antwort #19 am: 25. Mär 2008, 22:22 »
Thanderin atmete tief ein und enspanntesich, endlich der Elb war weg. Er wandte sich wieder Wogrin zu der während des Streits zwischen Thanderin und Liutasil etwas abseits gestanden hatte "Siehst du was ich meine der Elb er ist neugierig und aufdringlich! Nun ziehst du mit uns nach Lorien?"

Rabi

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Re: Ein treffen mit einem Traum
« Antwort #20 am: 26. Mär 2008, 14:26 »
Wogrin strich sich mit seiner rechten Hand durch seinen langen weißen Bart er überlegte gerade was er nun tun sollte. Er wusste dass sich Thranduil in Lorien befinden würde deshalb würde er wahrscheinlich den Elben nicht brauche, aber was wäre wenn Tharnduil gerade in einer Schlacht war, wenn er sich doch nicht genau in Lorien befand. Schließlich nach längerer Überlegung antwortete er Thanderin, nun hatte er endlich seine Entscheidung getroffen: „Ich werde dich nach Lorien begleiten, den ich muss Thranduil dem Elbenherren dort etwas berichten.“, ohne seinen alten Freund noch etwas antworten zu lassen kletterte der Zwerg durch das Gebüsch wieder zu den Elbentrupp, der ihn zuvor gerettet hatte  und ging mit ihnen weiter nach Lorien.

RPG: Mainchar - Wogrin, Zwerg

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Re: Ein treffen mit einem Traum
« Antwort #21 am: 26. Mär 2008, 14:45 »
Endlich ging es weiter.
Noch war der Zwerg bei ihm... noch hatte er die Chance, seine Erlaubniss zu kriegen. Was ihn wohl in Lorien erwarten würde? Langsam geht Liutasil zu Thanderin.
"Wollen wir aufbrechen, Herr?"
Aber dass er (aus welchen Gründen auch immer) meinen Post löscht, find ich nicht in Ordnung ... Ich hab mir so viel Mühe gegeben! 
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Thanderin

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Re: Inmitten des Waldes
« Antwort #22 am: 26. Mär 2008, 17:28 »
"Ja, wir werden jetzt aufbrechen und nach Lórien reisen! Wie weit wollt Ihr uns begleiten, Liutasil?" antwortete Thanderin.
« Letzte Änderung: 16. Feb 2016, 11:09 von Fine »

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Re: Inmitten des Waldes
« Antwort #23 am: 26. Mär 2008, 19:28 »
"Ich begleite euch zum Wald. Danach gehe ich , sofern ihr meine Hilfe nicht länger benötigt."


Liutasil, Thanderin und Wogrin zum Westrand des Waldes
« Letzte Änderung: 3. Aug 2016, 15:08 von Fine »
Aber dass er (aus welchen Gründen auch immer) meinen Post löscht, find ich nicht in Ordnung ... Ich hab mir so viel Mühe gegeben! 
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Fine

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Auf dem Elbenpfad
« Antwort #24 am: 23. Jun 2017, 21:26 »
Oronêl, Mathan, Finelleth, Celebithiel, Mírwen und Kerry vom Tal des Anduin


"Ich glaube, ich verstehe jetzt, woher dieser gruselige Wald seinen Namen hat," wisperte Kerry, die gemeinsam mit Mathan am Ende der Gruppe ging. Es war trotz Mittagshitze so dunkel unter dem dichten Dach der Bäume, dass sie nur wenige Meter in alle Richtungen sehen konnte. Sie folgten nun schon seit mehreren Tagen dem Elbenpfad, der sich kurvenreich durch die verschlungene Wildnis des riesigen Waldes zog. Ohne Finelleth, die hier zu Hause war, hätten sie sich wahrscheinlich bereits verlaufen, denn der Pfad war in den Jahren, in denen Thranduils Volk aus ihrer Heimat vertrieben gewesen war, stark überwachsen und kaum noch zu erkennen. Doch die Waldelbin schien keinerlei Probleme damit zu haben, ihre Richtung durch Gestrüpp und Unterholz beizubehalten und hielt nicht ein einziges Mal an.
Obwohl es ungefähr Mittag sein musste drang nur sehr wenig Licht durch die Baumkronen. Es war warm und stickig, und Kerry fand, es lag ein Geruch von Verwesung und Untergang in der Luft, auch wenn sie nicht genau wusste, wie sie darauf kam. Etwas ganz Ähnliches hatte sie vor einem halben Jahr im Alten Wald verspürt.
"Ich wünschte, Tom Bombadil käme jetzt um den großen Baumstamm da vorne herum und würde uns den Weg zu einem gemütlichen Häuschen in der Nähe zeigen," murmelte Kerry.
Mathan legte ihr beruhigend eine Hand auf die Schulter. Die andere Hand hielt er in der Nähe des Griffs eines seiner Schwerter. Seine Wachsamkeit schien nicht nachgelassen zu haben.
"Du wirst noch genug Annehmlichkeiten bekommen wenn wir erst die Hallen meines Vaters erreicht haben," sagte Finelleth gut gelaunt. Doch Kerry hörte an ihrer Stimme, dass die Fröhlichkeit der Waldelbin zumindest teilweise nur gespielt war. In Kerrys Ohren klang es so, als würde jeder Schritt, den Finelleth in Richtung ihrer alten Heimat machte, ihre Unsicherheit anwachsen lassen. Und sie versuchte, diese Unsicherheit mit einer gespielten Lockerheit zu überdecken.
"Wenn die Hallen überhaupt noch stehen," meinte Mathan. "Immerhin haben Saurons Horden diesen Ort überrannt."
"Wir werden es sehen, schätze ich," sagte Oronêl und beschattete seine Augen mit der linken Hand, als er vorsichtig nach vorne spähte.
"Lasst uns nicht trödeln. Finden wir heraus, wie es im Waldlandreich aussieht," sagte Celebithiel, deren silbrige Rüstung im schwachen Licht unter dem Blätterdach einen grünen Glanz angenommen hatte.

Eine halbe Stunde später blieb Finelleth unvermittelt stehen und hob eine Hand, die sie zur Faust geballt hatte. Mathan eilte rasch an ihre Seite und seine Schwerter fuhren langsam und lautlos aus den Scheiden.
"Was ist los?" fragte Oronêl leise und tastete nach seiner Axt.
"Wir werden beobachtet," wisperte Finelleth. "Nehmt die Waffen runter und macht keine hastigen Bewegungen! Vor allem du nicht, Kerry."
"Ich sehe niemanden," meinte Kerry, die sich mit weit aufgerissenen Augen umblickte. Rings um die Gruppe herum war nichts als Bäume, Gestrüpp und dichtes Unterholz zu sehen. Der Elbenpfad führte geradeaus zwischen zwei mächtigen Stämmen hindurch. Und gerade als Kerry zu dem Entschluss gekommen war, dass Finelleth ihnen einen Streich spielen musste, tauchte dort im Durchgang ein schlanker Schatten auf.
"Daro!" ertönte eine strenge Stimme, und ein in bronzefarbene Rüstung gehüllter Elbenkrieger trat aus den Schatten hervor. Die Spitze seines großen Langschwertes zeigte direkt auf Finelleth. Und als Kerry sich rasch umblickte, stellte sie erschrocken fest, dass die Gruppe umstellt war. In Grün und Braun gekleidete Elben mit Kapuzen tauchten aus dem Unterholz auf oder kletterten behände aus den Baumkronen herab. Mehrere gespannte Bögen zielten auf jedes Mitglied der Reisegruppe. Und zuletzt trat ein in grau gekleideter Mensch neben den Elben mit dem Langschwert, bei dem es sich nur um einen Dúnadan des Nordens handeln konnte.
Finelleth hob langsam die Hände auf Kopfhöhe. Betont vorsichtig griff sie an ihren Hinterkopf und löste die zu einem Pferdeschwanz gebundenen sandblonden Haare.
"Angvagor. Schön, dich wiederzusehen," sagte sie mit einem kleinen Lächeln in Richtung des Elbenkriegers, der zuerst aufgetaucht war.
Das entlockte Angvagor ein leichtes Nicken, und er ließ die Klinge sinken. Doch der Dúnadan neben ihm machte ein grimmiges Gesicht.
"Deserteurin," knurrte er. "Wohin bist du nach dem Fall Dol Guldurs verschwunden? Und wieso kehrst du nun mit diesen Fremden zurück?"
Finelleth ignorierte ihn und wandte sich an einen der in Grün gekleideten Bogenschützen, die langsam näher gekommen waren. "Nimm den Pfeil von der Sehne, Galanthir, ehe noch jemand verletzt wird."
Der Angesprochene tat wie geheißen, doch nicht alle Elben ließen ihre Waffen sinken. "Wo hast du denn nur gesteckt, Finelleth? Du hast uns einen Haufen Ärger mit deinem plötzlichen Verschwinden eingebrockt," sagte Galanthir anklagend.
"Ich hatte wichtige Dinge zu erledigen," gab Finelleth zurück. Ihr Gesichtsausdruck wechselte von Verwunderung zu Verärgerung. "Jetzt nehmt schon die Waffen runter. Ihr wisst alle, wer ich bin! Ich kehre nach Hause zurück, nichts weiter."
"Du hast deine Befehle missachtet," fuhr der Dúnadan sie an. "Und nun bringst du Spione und Verräter über die Grenze von Sarumans Reich."
"Das reicht jetzt," ging Mathan dazwischen. "Ich werde nicht hier stehen und Beleidigungen von einem Wurm wie dir hinnehmen."
"Schon gar nicht von jemandem, der für den Fall des Goldenen Waldes verantwortlich ist," ergänzte Oronêl mit vor Zorn blitzenden Augen.
Eine große Anspannung lag in der Luft, und Kerry fürchtete, es würde zum Kampf kommen. Noch immer waren zwei Elbenpfeile direkt auf ihr Gesicht gerichtet. Sie waren in der Unterzahl, und umzingelt. Sollte ihr Abenteuer nun bereits enden?

Finelleth sagte mit fester Stimme: "Lasto eryndrim, aphado í-araniel ó Ardheryn!" Ihre Stimme hatte einen Klang angenommen, den Kerry bei ihr noch nie gehört hatte. Es war ein Tonfall, den sie eher von Faelivrin erwartet hatte: befehlend; und keine Widerrede duldend. "Ihr werdet weder Hand an mich noch an meine Freunde legen."
Alle Elben ließen augenblicklich die Waffen sinken. Was auch immer Finelleth ihnen gesagt hatte, hatte Wirkung gezeigt.
"Was tut ihr, ihr Narren?" beschwerte sich der Dúnadan. "Nehmt diese Eindringlinge gefangen!"
"Sie hat sich auf ihr Geburtsrecht berufen, Dúnadan. Der König wird entscheiden, ob ihre Begleiter unser Vertrauen verdienen. Wir bringen sie zu den Hallen des Waldlandkönigs." Angvagor gab den übrigen Elben ein Zeichen, und sie versammelten sich in Marschformation.
"Ihr macht einen Fehler," knurrte der Waldläufer. "Der Meister wird davon erfahren!"
"Er kennt unsere Gesetze," erwiderte Finelleth. "Soll er doch kommen und sie anfechten!"
Der Mensch schien schließlich einzusehen, dass er verloren hatte. Mit wütendem Gesichtsausdruck verschwand er in westlicher Richtung entlang des Elbenpfades, während sich die um die Waldelben vergrößerte Gruppe ebenfalls wieder in Bewegung setzte.

Finelleth und Oronêl sprachen die meiste Zeit mit Angvagor und dem blonden Bogenschützen Galanthir in der Sprache der Waldelben, von der Kerry wenig bis gar nichts verstand. Ihr war klar geworden, dass sie sich schon bald von ihrem Vater trennen musste. Also verbrachte sie nun die Zeit, die ihr noch blieb, im leisen Gespräch mit Mathan, während sie ihren elbischen Gefährten durch den Düsterwald folgte.
"Ich hoffe, wir sehen uns rechtzeitig zur Geburt in Eregion wieder," sagte Kerry leise auf Quenya, während sie den Kragen ihres Oberteils etwas verbreiterte, denn durch all die Aufregung war ihr heiß geworden.
"Da bin ich mir sicher, Ténawen. Schließlich würden wir beide dieses Ereignis um nichts in der Welt verpassen wollen."
"Du hast recht, Ontáro. Wirst du deine Mutter mitbringen, damit sie ihren Enkel kennenlernen kann?"
Mathan machte ein nachdenkliches Gesicht. "Ich weiß nicht, ob sie ihre Heimat erneut verlassen kann," sagte er und strich sich eine Haarsträhne hinters Ohr. "Ich weiß wirklich nur sehr wenig über das, was mich im Norden erwartet."
"Du wirst das schon schaffen," versuchte Kerry ihn zu ermutigen. "Du bist stark, und wirst es schaffen, das weiß ich."
Mathan nickte, und für einen Augenblick huschte ein dankbarer Ausdruck über sein Gesicht.
Der Elbenpfad begann, sich zu verbreitern, und es wurde heller. Zwischen den Blättern der Baumkronen wurde ein Himmel sichtbar, der sich bereits leicht zu röten begann. Es musste früher Abend sein.
Finelleth kam zu Mathan herüber. "In ungefähr einer halben Stunde erreichen wir die Tore der Hallen Thranduils. Ich werde dafür sorgen, dass man dich unbehelligt deiner Wege gehen lässt. Doch ich fürchte, die Zeit für den Abschied steht nun unmittelbar bevor."

Curanthor

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Abschied
« Antwort #25 am: 26. Jun 2017, 01:32 »
Er konnte sich gar nicht daran erinnern, wann er das letzte Mal hier war. Mathan blickte kurz zusammen mit Kerry in den rötlichen Abendhimmel, ehe Finelleht auf sie zukam. Als sie sagte, dass der Abschied nun bevorstand nickte er verstehend.
"Auch wenn ich euch - meine Freunde - ungern alleine lasse, trennen sich hier nun unsere Wege", bestätigte er und nahm Kerry an die Schulter. Sie gingen unter ein paar argwöhnischen Blicken einige Schritte abseits der Anderen. Mathan seufzte schwer und blickte in ihre grüne Augen.
"Ich weiß, ich werde auf mich aufpassen", sagte seine Tochter nach einem kurzen Moment der Stille.
"Das wollte ich gar nicht sagen", erwiderte Mathan mit einem sanften Lächeln und umarmte sie schließlich, "Ich vertraue auf deine Fähigkeiten und du hast auch gute Freunde dabei, die dir zur Seite stehen."
Als sie sich voneinander lösten, schenkte er der jungen Frau ein aufmunterndes Lächeln und strich ihr liebevoll über den Kopf.
Schließlich gingen sie wieder zurück, wo Finelleth zu ihnen trat, sowie der Rest der Gruppe. Die Prinzessin des Waldlandreiches deutete auf einen dunkelhaarigen Elben, der sich knapp verneigte. "Das ist Lunthir, er wird dich sicher zur Grenze begleiten. Möge deine Reise erfolgreich sein."
"Ich danke dir und ich hoffe, dass du die Sache wieder in Ordnung bringen kannst", antwortete Mathan höflich und blickte dabei zu den Dúnadan, der in der Nähe herumlungerte, "Ich hoffe wir sehen uns bald wieder."
Ein nachdenklicher Ausdruck huschte über Finelleths Gesicht, doch sie nickte und schaffte es zu lächeln. Sie wünschte ihm alles Gute und eine gute Reise, doch blieb weiterhin etwas nachdenklich. Schließlich trat Mathan zu Oronêl, der mit gut versteckter Sehnsucht in die Bäume blickte.
"Lasse deinen Zorn und Sehnsucht über den Verlust dich nicht verleiten, mein Freund", begann Mathan das kurze Gespräche und zwinkerte dem Sindar zu, "Immerhin hoffe ich, dass wir uns wiedersehen werden."
"Das werden wir", bestätigte Oronêl, woraufhin Mathan ihm den Arm entgegenstreckte . Sie verabschiedten sich mit einem Kriegergruß und Lunthir trat dazu. "Wir müssen bald aufbrechen, in der Nacht sind die Orks noch aktiver als jetzt."
Mathan nickte und blickte seine Gefährten der Reihe nach an, bis sein Blick an Kerry hängen blieb. Er lächelte noch einmal und sprach auf Quenya: "Anar caluva tielyanna." (Möge die Sonne deinen Weg scheinen), dann wandte er sich ab und marschierte in den Wald. Lunthir ging vor ihm und führte ihn auf einen verborgenen Pfad. Für unkundige Wanderer war der Pfad bereits am Anfang unübersichtlich, denn es ging über dicke Wurzeln, kleine Steinhänge und umgestürzte Bäume. Ein undurchdringliches Dickicht bot sich ihm, doch Lunthir leitete Mathan geschickt durch denn Wald.

Nach einigen Stunden durchdringenden Schweigens und nur von den Geräuschen des Waldes begleitet, wurde der Saum des Düsterwaldes erkennbar. Lunthir deutete auf einen leuchtenen Punkt in der Nacht. Dass es schon dunkel war, bemerkte man gar nicht im Wald, stellte Mathan im Gedanken fest und fixierte den hellen Fleck.
"Orkwachen", flüsterte der Waldelb und erklärte rasch, dass man im passenden Zeitfenster durchschlüpfen konnte.
Auf Mathans Frage, woher er das wüsste, schien Lunthir zu schmunzeln und erklärte, dass ihre Leute den gleichen Weg öfters benutzten. Sie legten sich eine Weile auf die Lauer und beobachteten die Wachposten, die in regelmäßigen Abständen hin und her liefen.  In der Zeit erklärte Lunthir, dass er nicht weiter gehen würde, da er noch andere Pflichten hatte. Mathan fragte nicht weiter, denn der Elb gab ihm eine Wegbeschreibung und warnte vor möglichen Gefahren. Kurz darauf herrschte wieder eine bedrückende Stille, die nur von den Lärmen der Orks unterbrochen wurde. Plötzlich fiel ihm auf, dass die Fackeln wohl von Menschen genutzt wurden, da die Orks in der Dunkelheit besser sehen konnten.

Schließlich war es soweit und auf einem knappen Nickens des Waldelben hin, huschte Mathan aus dem Wald heraus. Mit den Händen an den Schwertern lief er geduckt hinter den schützenden Bäumen hervor. Niemand schlug Alarm und er spürte weichen Boden unter seinen Füßen. Immer wieder blickte er nach rechts und links, doch die Wachen waren weit genug weg, sodass er sich nicht sorgen musste. Trotzdem eilte er zügig über die große Wiese vor dem Wald. Auf dem Weg zu der Kuppe, die gegenüber des Saumes lag, überquerte er einen schlammigen, ausgetretenen Pfad. Scheinbar marschieren hier öfters große Truppen durch, dachte er sich und lief weiter. Nach einem kurzen Sprint hatte Mathan es auch geschafft. Ohne große Anstrengung lief er durch ein Kieferwäldchen, indem es sehr ruhig war.

Mathan nach Norden
Oronêl, Kerry, Finelleth, Mírwen und Celebithiel in Thranduils Hallen


« Letzte Änderung: 5. Jul 2018, 18:35 von Fine »

Fine

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Die erneute Durchquerung des Düsterwaldes
« Antwort #26 am: 5. Jul 2018, 17:53 »
Kerry und Oronêl vom östlichen Düsterwald


Während die beiden verbliebenen Gefährten aus Oronêls Gemeinschaft sich ihren Weg nach Süden durch den Düsterwald bahnten, sprachen sie nur wenig miteinander. Oronêl war nachdenklich und schweigsam, während Kerry sich darauf beschränkte, sich ihre Argumente zurecht zu legen, um für das entscheidende Gespräch vorbereitet zu sein. Das Gespräch, das sie früher oder später mit ihrem elbischen Begleiter führen würde, und in dem sie versuchen würde, ihm sein Vorhaben, Mittelerde für immer zu verlassen, endgültig auszureden. Doch bis es soweit war, würde Kerry nicht davon sprechen, wie Oronêl es bei ihrem Aufbruch aus dem Waldlandreich gefordert hatte. Sie würde ihre Worte sorgfältig wählen, um die eine Gelegenheit, die irgendwann kommen würde, auf keinen Fall zu verpassen. Anstatt Oronêl ständig mit demselben Thema zu belästigen, hielt Kerry sich zurück - für den einen Moment, der dann hoffentlich den Unterschied machen würde.

Oronêl stapfte zielstrebig zwischen den dunklen Bäumen des Waldes hindurch, einen Pfad geradewegs nach Süden bahnend. Der Waldelb hatte ein scharfes Tempo angeschlagen, das Kerrys Ausdauer auf die Probe stellte. Doch sie schluckte ihren Ärger darüber hinunter, denn sie wusste, dass Oronêl aus gutem Grund in Eile war. Sie hatten die Grenzen des Waldlandreiches verlassen und befanden sich nun wieder im Einflussgebiet der Weißen Hand. Und nun, da sie nicht länger auf den Schutz der Waldelbenkönigin zählen konnten, waren sie dem Zorn Sarumans schutzlos ausgeliefert. Kerry war sich sicher, dass der Weiße Zauberer nicht vergessen hatte, welche Rolle Oronêl und sie selbst in den Kämpfen in Eriador gespielt hatten - von den jüngsten Geschehnissen rings um den Erebor ganz zu schweigen. Sarumans Streitmacht befand sich auf dem Rückmarsch nach Dol Guldur, und obwohl die Orks langsamer vorankommen würden als zwei einzelne Reisende, waren Oronêl und Kerry dennoch gut beraten, den Kriegern der Weißen Hand aus dem Weg zu gehen. Die tragischen Ereignisse am Rande des Düsterwaldes hatten gezeigt, dass selbst ein so mächtiger Kommandant wie Saruman nicht in der Lage war, die Mordlust der Orks auf Dauer in die Schranken zu weisen.
Hin und wieder glaubte Kerry, in der Ferne das rhythmische Stampfen von vielen hunderten marschierenden Stiefeln zu hören, was dazu führte, dass Oronêl sie in eine leicht abgewandelte Richtung führte. Dabei wichen sie allerdings nur selten von ihrem groben Kurs ab, der sie den Wald in einer langgezogenen Diagonale durchqueren ließ. Kerry hoffte, dass sie schnell genug vorankamen, um den Düsterwald so bald wie möglich hinter sich lassen zu können.
Fünf Tage verbrachten sie unter dem lichtlosen Dach der Bäume des Düsterwaldes und schliefen nachts in getarnten Unterschlupfen im dichten Gebüsch, das den Waldboden bedeckte. Nur wenig Rast war Kerry vergönnt, der vermutlich nach nicht einmal drei Tagen die Kraft für diesen Gewaltmarsch ausgegangen wäre, wenn nicht das elbische Wegbrot gewesen wäre, das ihnen Faerwen als zusätzlichen Proviant mitgegeben hatte. Sein süßlicher Geschmack hob Kerrys Laune und es verlieh ihr mit jedem Bissen neue Kraft und beflügelte ihre Schritte, sodass sie mit Oronêl mithalten konnte. Zwar war die Reise durch den Düsterwald noch immer außerordentlich anstrengend, doch Kerry wusste, dass sie durchhalten würde. Ihr blieb gar keine andere Wahl.

Am Vormittag des sechsten Tages seit ihrem Aufbruch aus Faerwens Reich gerieten sie unvermittelt in hügeliges Gelände. Das Gebirge inmitten des Düsterwaldes hatten sie bereits am zweiten Tag ihrer Reise hinter sich gelassen, indem sie den gut ausgebauten Pass im Zentrum der Berge verwendet hatten. Kerry wunderte sich, dass der Boden nun erneut anzusteigen schien. Schon bald stellte sie fest, dass sie keineswegs auf eine zweite Gebirgskette gestoßen waren. Vielmehr schienen die Hügel, die sich nun vor ihnen erhoben, nicht ganz von natürlichem Ursprung zu sein. An vielen Stellen waren sie nur leicht bewachsen, und der Erdboden wirkte, als wäre er öfters umgegraben worden. Die Bäume ringsum waren weniger dicht als noch im Zentrum des Waldes, und auf den Hügeln selbst, die jeweils nur einen Steinwurf breit waren, wuchsen gar keine größeren Pflanzen.
Oronêl pirschte sich vorsichtig an einen der Hügel heran und betastete den Boden. Kerry konnte sehen, dass der Waldelb seine Sinne wachsam in alle Richtungen ausgestreckt hatte und dass er auf Gefahren horchte. Also tat sie es ihm gleich und hielt die Augen offen. Dabei fiel ihr auf, dass zwischen den Baumwipfeln merkwürdige Strukturen hingen, die Kerry an etwas erinnerten...
„Sieht beinahe aus wie ein riesiges Spinnennetz dort oben,“ raunte sie in Oronêls Richtung und deutete mit der linken Hand hinauf zu den Baumkronen, die über den Hügel ragten, der direkt vor ihnen lag.
Ehe Oronêl noch darauf antworten konnte, fiel Kerry erschrocken ein, was ihr Helluin vor einiger Zeit über die Kreaturen des Düsterwaldes gesagt hatte. Kerry fuhr zusammen und blickte sich hastig um, doch der Wald blieb still. Nichts schien sich zu regen. Atemlos tastete Kerry nach ihrem Schwert, doch Oronêl legte ihr beruhigend die Hand auf die Schulter.
„Diese Hügel müssen einst die Brutstätten der großen Spinnen des Düsterwaldes beherbergt haben,“ mutmaßte der Waldelb und deutete in Richtung eines der weiter entfernten Hügel, an dessen Vorderseite Kerry einen dunklen Eingang erkennen konnte. „Ich glaube allerdings nicht, dass hier jetzt noch Spinnen leben. Sarumans Schergen müssen sie vertrieben haben, wie es mir scheint.“
„Den Valar sei Dank dafür,“ stieß Kerry erleichtert hervor. „Diese Netze dort oben sehen äußerst ungemütlich aus. Und was sich in den unheimlichen Höhlen unterhalb dieser Hügel befindet, will ich ehrlich gesagt gar nicht so genau wissen.“ In ihrem Verstand sah sie einen finsteren, von Netzen übersäten Tunnel vor sich, in denen noch die knochigen Überreste der Opfer der Spinnen zu finden waren. Und in den tiefsten Kammern unterhalb der Hügel ruhten schleimige Eier, beinahe größer als Kerry selbst, die bald schlüpfen und neue grausame Riesenspinnen auf den Wald loslassen würden...
Kerry schüttelte sich, um die abstoßende Vorstellung zu vertreiben. Das brachte Oronêl zum Lächeln. „Keine Sorge, Kerry. Heute ist niemand zuhause... sonst hätten sie uns vermutlich bereits angegriffen.“
„Lass uns bitte weitergehen,“ bat Kerry dennoch. „Dieser Ort gibt mir ein richtig mieses Gefühl... auf der Zunge, im Nacken, und vor allem im Bauch.“
Oronêl nickte und kletterte rasch über den Hügel vor ihm hinweg, gefolgt von Kerry. Sie überquerten die Lichtung der Spinnen mit Eile und erreichten schon bald wieder die gewohnten verschlungenen Pfade des Düsterwaldes.

Am selben Abend rasteten die beiden Gefährten am Ufer eines kleinen Baches, der zwischen dichtem Moos aufgetaucht war und sich seinen Weg entlang von großen, dunklen Farnen in Richtung Südwesten bahnte. Kerry lag eingerollt in den grauen Umhang, den Helluin ihr gegeben hatte, auf dem weichen Waldboden und lauschte auf das beruhigende Plätschern des Wassers, das eine willkommene Abwechslung zu den Geräuschen des Nachtwaldes war, die sie in den vergangenen Nächten hatte erdulden müssen. Denn wirklich still wurde es unter den finsteren Baumkronen des Düsterwaldes nie. Stets kam es Kerry so vor, als wären ungesehene Kreaturen in der Nähe ihres Schlafplatzes und beobachteten sie aus rot leuchtenden, niemals blinzelnden Augen... nur darauf wartend, dass sie einschlief. Kerry war froh, dass Oronêl kaum zu schlafen schien. Sie hatte schon davon gehört, dass einige Elben die Fähigkeit besaßen, ihren Geist zur Ruhe zu betten, ohne dass auch der Körper schlief. So hatte Oronêl vermutlich während der langen Stunden der Wanderung durch den Wald seine Erholung gefunden und konnte es sich daher leisten, nachts mit wachem Geist auf Kerry Acht zu geben, während sein Körper sich von den Strapazen der Reise erholte. Kerry war sich sicher, dass sie, wenn sie alleine gewesen wäre, vermutlich längst einer der Kreaturen des Waldes zum Opfer gefallen wäre.
Jetzt saß Oronêl mit angezogenen Knien am Ufer des Baches, einige Meter entfernt von Kerry, den Kopf zu den Sternen hinauf erhoben. Denn obwohl der Bach kaum mehr als ein kleines Rinnsal war, war über ihm dennoch ein kleiner Streifen des Nachthimmels zu sehen, von dem in jener Nacht die hellen Punkte der Sterne herableuchteten. Kerry beobachtete den Waldelb einige Zeit, indem sie ihre Augenlider so weit herabsenkte, dass sie für einen Beobachter geschlossen aussahen. Sie wusste nicht, weshalb sie sich schlafend stellte. An jenem Abend war sie weniger müde als zuvor und es würde noch ein Weilchen dauern, bis sie einschlafen würde. Irgendetwas brachte sie dazu, Oronêl sorgfältig im Auge zu behalten.
Mehrere Minuten vergingen, dann fingen Kerrys Ohren ein tiefes Seufzen auf, das ihrem elbischen Freund entfuhr. Noch immer ging Oronêls Blick zu den Sternen hinauf. Dann begann er leise - beinahe unhörbar - eine auf Kerry uralte und traurige Melodie zu summen, deren Laute schon bald in waldelbische Worte übergingen:

Oltha o Gollas, o Gollas mallen,
na Nglîn anoren, nan Lórinand.
Arannon ennus, o Lenwebar arod,
edlothia Arthored, nan Lórinand.
Linner ennus ellith, û linnant cû,
Tûrn Amdîr aran alwed, nan Lórinand

Kerry - die nur des Quenyas mächtig war - verstand natürlich kein Wort. Hätte sie Sindarin beherrscht, hätte sie gewusst, dass dies ein Klagelied auf Amdír, den letzten König von Lórinand war. Doch so drangen die Worte unverstanden an ihre Ohren und ihr blieb nichts als die Emotion, die das Lied mit sich trug. Trauer, Verlust und Melancholie schwangen darin mit und berührten Kerrys Herz zutiefst. Sie wusste, dass Oronêl viele Jahrhunderte ganz alleine gelebt hatte, in einer Art Exil, die er sich selbst aufgebürdet hatte. Und dass seit seiner unvermittelten Rückkehr in die Zivilisation noch nicht einmal ein Jahr vergangen war. Kerry verstand, weshalb Oronêl das Gefühl hatte, dass ihm all der Schmerz und das Leid, die ihm seit seiner Ankunft in Dol Amroth begegnet waren, einfach zu viel wurden und dass er sich nach Frieden sehnte. Einen Frieden, den er nur im verbotenen Westen zu finden glaubte.
Oronêls Lied war vorbei, doch seine Stimme erstarb nicht. Kerry spitzte die Ohren und lauschte angestrengt. Noch immer sprach Oronêl in seiner Muttersprache, die Kerry nicht verstand. Einzig zwei Namen hörte sie heraus: Mithrellas und... Calenwen.
Und ohne Vorwarnung wechselte Oronêl ins Westron, als wäre eine neue Person zu der Unterhaltung gestoßen, die er mit sich selbst zu führen schien.
„Ich habe gesehen, was aus meinen Nachfahren geworden ist,“ sagte er. „Sie sind ein stolzes Volk geworden und werden sich dem Schatten Saurons niemals beugen. Und dennoch sind sie Menschen und besitzen nicht die Kraft der Erstgeborenen. Sie mögen von meinem Blut sein... doch nach den Jahrhunderten ist es verwässert worden.“
Kerry konnte sich im ersten Augenblick keinen Reim darauf machen, wovon Oronêl da sprach. Ehe sie noch darüber sinnieren konnte, sprach Oronêl leise weiter.
„Wo es begonnen hat, wird es auch enden. In der Stadt des silbernen Schwans, zu deren Rettung ich einst mein Exil verließ. Dort werde ich die Gestade dieser Welt verlassen und endlich das finden, wonach es meinem Herzen verlangt. Ich kann nicht länger warten.“
Dieser selbstsüchtige Idiot, dachte Kerry verärgert darüber, dass Oronêl noch immer vorhatte, Mittelerde zu verlassen. Dabei musste sie wohl ein Schnauben von sich gegeben haben, denn sofort verstummte Oronêl und sein Kopf wandte sich ein winziges Stück zur Seite.
Kerry hielt den Atem an. Sie fühlte sich wie ein Kind, das dabei erwischt wird, ein ausdrückliches Verbot ihrer Eltern zu missachten. Sie wagte es nicht, die Augen zu öffnen und lag voller Anspannung da.
Da hörte sie, wie Oronêl sich langsam aufrichtete. Beinahe lautlose Schritte kamen über den weichen Waldboden näher, bis eine Hand Kerrys Schopf berührte und sanft darüber strich.
„Ich weiß, dass du wach bist, Kerry,“ sagte Oronêl - halb amüsiert, halb resignierend. „Na komm schon, wenn du noch länger die Luft anhältst, wirst du noch ganz blau im Gesicht.“
Keuchend ließ Kerry die angestaute Luft entweichen und atmete tief durch. Sie schlug die Augen auf und blickte in Oronêls sternenbeleuchtetes Gesicht.
„Ich wollte dich nicht absichtlich belauschen,“ sagte Kerry leise. „Aber ich konnte nicht einschlafen, und da hörte ich dein Lied. Es klang sehr traurig.“
Oronêl legte den Kopf leicht schief. „Kerry...“
„Ja?“
„Ich bin dir nicht böse. Aber du solltest wirklich versuchen, etwas Schlaf zu finden. Morgen wartet der Endspurt auf uns.“
„Also werden wir diesen unheimlichen Wald morgen endlich hinter uns lassen?“
„Morgen erreichen wir Radagasts Haus, sofern es denn noch steht. Dann wirst du zumindest für eine Nacht in einem richtigen Bett schlafen können.“
„Du weißt gar nicht, wie glücklich mich das macht.“
„Schlaf jetzt. Und höre nicht auf die Geräusche der Nacht. Die Sterne werden über dich und über mich wachen.“
Kerry warf einen letzten Blick zum Himmel hinauf, dann schloss sie die Augen. Und es war, als hätte Oronêl sie mit einem Zauberbann belegt, denn schon wenige Minuten später war sie bereits in einen besonders tiefen Schlaf gefallen.


Oronêl und Kerry nach Rhosgobel
« Letzte Änderung: 16. Jul 2018, 11:59 von Fine »