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Autor Thema: Ethring-Furt  (Gelesen 554 mal)

--Cirdan--

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Ethring-Furt
« am: 2. Mär 2013, 00:04 »
Merian von Cirit Dûm


Ein Fuchs ging ganz ungestört seinen Weg und ließ sich von nix und niemanden abbringen nach unvorsichtigen Vögeln oder Hasen Ausschau zu halten. Nicht einmal von einer marschierenden Truppe Menschen, die seinen Weg kreuzten. In aller Ruhe verschwand der Fuchs in dem nächsten Gebüsch, während Merian stehen blieb und ihm noch erstaunt nachblickte. Alle Mannen aus Cirit Dûm kamen zum Stehen und Einer sprach im Flüsterton: „Merian, was ist los? Warum halten wir hier? Erst gleich kommen wir zur Furt und dort sollten wir Rasten.“ Merian drehte sich zu dem Mann um und antwortete noch in Gedanken: „Ein Fuchs, nur ein kleiner Fuchs. Doch jetzt habe ich ein komisches Gefühl als wenn gleich etwas über uns kommt, was wir nicht erwartet haben.“
„Und recht habt ihr!“
, rief eine Stimme über ihnen aus den Ästen einer großen Kiefer.
Merians Männer waren in einen Hinterhalt geraten. Überall um sie herum waren nun der Pfeilen Spitzen zu sehen. Männer in brauner Kleidung hielten ihre großen Eichenbögen gezielt auf die Eingekreisten.
Der Mann in den Bäumen sprach weiter: „Schon lange wachen wir hier am Ethring, haben schon einige Orks und vor allem Kundschafter abfangen können, doch haben wir nie erwartet, jemand käme von Westen. Was sucht ihr, die gut ausgerüstet in das vom Feind besetze Land aufzubrechen scheinen, hier?“ „Tatsächlich“, antwortete Merian, den Kopf nach oben gerichtet, etwas erleichtert, „wollen wir in den Osten und in den Krieg. Wir, genau wie ein Heer aus der Schwanen Stadt, werden Linhir und dessen Lande vom Feind befreien. Aber nun sagt uns, wer ihr seid, der hier die Orks, auch wenn nicht alle, von meinem geliebten Lamedon fernhält.“
Der Mann, obwohl schon viele Jahre älter als Merian, sprang aus dem Geäst und landet geübt auf seinen Füßen vor den Männern: „Es ist auch mein geliebtes Lamedon. Ich bin Angbor von Calembel, der Herr Lamedons. Ich bin Angbor, der Angstlose, wie mich der Thronerbe nannte, denn ich Linhir traf.“ „Verzeiht mir“, sprach Merian und kniete, wie auch alle anderen Männer Cirit Dûm, vor ihm nieder.

Nach langen Erzählungen über vergangene und geplante Taten wurde der tapfere Trupp Merians von Angbor zu einem köstlichen Abendessen am Lagerfeuer eingeladen.
Während Speis und Trank stand Angbor plötzlich auf und gab bekannt, dass er Merians Vorhaben unterstützen würde. „Ich gehe mit nach Linhir“, sprach er selbstsicher, „ich habe das ewige warten auf Orks, die diese Furt hier nutzen wollen, satt. Ich werde zwanzig Krieger aus meiner Reihe aussuchen, diese werden mich begleiten. Die anderen bleiben hier und halten diesen strategischen Punkt so lange sie können.“
Obwohl es schon spät in der Nacht war und der Bierfässer Leere schon von vielen mit bedauern bemerkt wurden war, war Merian klar, dass Angbor es ernst meinte und er freute sich über diese Verstärkung und eine fachkundige Führung.

„Ich kann diese Anfänger von Kriegern doch nicht alleine gehen lassen“, war das letzte, das Merian von Angbor zu seinen Männern grölend hörte, bevor er sich einen ruhigen Platz zum Schlafen suchte.

Am nächsten Morgen brach der verstärkte Trupp bei strahlendem Sonnenschein auf.


Merian und Angbor mit den Männern Cirit Dûm und Angbors Leibgarde nach Linhir


Link korrigiert
« Letzte Änderung: 16. Aug 2016, 15:35 von Fine »

Eandril

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Re: Ethring-Furt
« Antwort #1 am: 7. Okt 2018, 23:19 »
Oronêl, Amrothos und Ladion aus Dol Amroth

Der Sitz Dervons war eine starke Feste, die sich auf einem Hügel nur wenig östlich der Ethring-Furt am Ufer des Ringló erhob. Zwischen Festung und Furt breitete sich die kleine Stadt aus, die Hilgorn und Amrothos auf ihrem Weg zur Feste durchquerten. Amrothos deutete auf eine Taverne, die direkt an der Hauptstraße lag. "Zum sprudelnden Bach", las er vor, was auf dem sanft im Wind schaukelnden Schild vor der Tür der Taverne stand. "Ich habe gehört, hier soll man das beste Bier in ganz Gondor bekommen."
Trotz seiner vorgetäuschten Begeisterung erkannte Hilgorn sehr schnell, dass der Prinz nicht wirklich bei der Sache war, und schüttelte mit einem Seufzen den Kopf. Bereits seit ihrem Aufbruch aus Dol Amroth ging das so, und inzwischen war er sich nicht länger sicher, ob es eine gute Idee war, Amrothos und nicht einen seiner Brüder mit nach Lamedon zu nehmen. "Kommt schon, so hässlich wird das Mädchen schon nicht sein", meinte er, und Amrothos stieß zweifelnd die Luft durch die Nase aus. "Darum geht es nicht. Außerdem habt ihr gut reden, nicht wahr?"
Darauf wusste Hilgorn nichts sinnvolles zu erwidern, denn im Grunde hatte Amrothos Recht. Hilgorn hatte schließlich die Frau bekommen, die er wollte. "Vielleicht will Fürst Dervon euch auch gar nicht als Gemahl für seine Enkelin", versuchte er seinen Begleiter aufzumuntern, und tatsächlich zeigte Amrothos ein schwaches Lächeln. "Sehr schmeichelhaft, General. Aber letztlich keine schlechte Idee, mich vielleicht von meiner schlechtesten Seite zu zeigen..."

Hilgorns Befürchtungen, eine peinliche Szene heraufbeschworen zu haben, stellten sich als grundlos heraus, als sie Fürst Dervon vom Ringló gegenüber traten. Dervon hatte sie herzlich und sichtlich erleichtert willkommen geheißen, obwohl sie ihre Soldaten - Menschen wie Elben - östlich der Furt zurückgelassen hatten, und nachdem den Formalitäten genüge getan worden war, kam Amrothos zur Sache.
"Mein Vater, der Fürst von Dol Amroth, hat mir aufgetragen, euch ein Angebot zu unterbreiten", begann er ein wenig hölzern. "Er schlägt vor, die Freundschaft zwischen unseren Häusern weiter durch ein Heiratsbündnis zu vertiefen, und bietet eine Verlobung zwischen mir und eurer Enkelin... Fiora an."
Dervons Reaktion entsprach nicht ganz Hilgorns Erwartungen. Der Herr des Ringló-Tals zuckte sichtlich zusammen und machte einen unsicheren Schritt nach hinten, während sein Gesicht eine fahlgraue Tönung annahm. "Ich... übermittelt Imrahil meinen Dank, doch... das wird nicht möglich sein", erwiderte er, und Amrothos warf Hilgorn einen sichtlich überraschten Blick zu, bevor er einen zögerlichen Schritt auf den Fürsten zu machte. "Fürst Dervon, wenn ich irgendetwas getan oder..."
"Nein, nein, es liegt nicht an euch." Dervon hatte sich halbwegs wieder gefangen, wirkte aber noch immer etwas fahrig. "Es geht einfach nicht, versteht ihr?"
Amrothos blickte ein wenig hilflos in Hilgorns Richtung, der allmählich verstand, warum der Prinz dieses heikle Thema angesprochen hatte, solange er ebenfalls noch im Raum war. Offenbar hatte Amrothos sich nicht wohl dabei gefühlt, alleine mit Dervon über das Verlöbnisangebot zu sprechen, und wenn man bedachte, wie sich das Gespräch entwickelte, konnte Hilgorn das gut nachvollziehen - auch wenn er sich wünschte, es hätte nicht ausgerechnet ihn getroffen, denn die hohe Politik der großen Häuser war nicht unbedingt ein Gebiet, in dem er sich wohlfühlte. Dennoch wandte er sich an Dervon, und fragte sanft: "Fürst Dervon... ist eure Enkelin nicht hier?"
"Nein, das ist sie nicht", erklang eine andere, zynische Stimme hinter ihnen, bevor Dervon etwas sagen konnte. Ein Mann, der wie eine jüngere Ausgabe des Fürsten aussah, war aus dem Schatten einer Säule getreten, und schlenderte jetzt äußerlich gelassen auf sie zu."Wir wissen nicht einmal, ob sie noch lebt, nicht wahr?" Sein Gesichtsausdruck war eine Mischung aus Zorn und Enttäuschung, als er zu Dervon hinaufblickte.
Dessen Gesicht hatte erneut alle Farbe verloren. "Dervorin! Hältst du es für höflich, dich in dunklen Ecken herumzudrücken, anstatt unsere Gäste zu begrüßen?"
"Ich hatte gerade erst von ihrer Ankunft gehört", erwiderte sein Sohn. "Und ich kam gerade noch rechtzeitig in die Halle, bevor du ihnen irgendwelche Lügen über meine Schwester und meine Nichte auftischen konntest." Die Verachtung in seiner Stimme war nicht zu überhören, und neben Hilgorn zog Amrothos hörbar die Luft ein. Dervons Miene verdüsterte sich vor Zorn, doch er beherrschte sich und erklärte mit sichtlicher Mühe: "Meine Tochter Laerwen und ihre Tochter... befinden sich in Rhûn. Wir... wir haben seit geraumer Zeit nichts von ihnen gehört."
"In Rhûn?", fragte Amrothos hörbar schockiert, und Dervorin lächelte bitter. "Wir wollen auch nicht verschweigen, wie sie dorthin gekommen sind, nicht wahr? Als Mordor vor drei Jahren drohte, ganz Gondor zu überrollen, beschloss mein heldenhafter Vater, meine Schwester an einen der barbarischen Fürsten aus dem Osten zu verkaufen, um eine Plünderung des Ringló-Tals zu verhindern. Nun, ausgeplündert haben sie uns trotzdem, und meine Schwester ist seitdem im Osten verschollen - gemeinsam mit ihrer Tochter. Aber da du ihre Ehe mit Tórsonn immer missbilligt habt, schien es ein kleines Opfer zu sein, nicht wahr, Vater?" Flüchtig hoffte Hilgorn, dass keines seiner Kinder ihn jemals so verachten würde.
Dervon, der noch blasser geworden zu sein schien, fehlten offensichtlich die Worte, und er schüttelte in einer Geste der Hilflosigkeit den Kopf. "Ich... ich habe es nicht getan, um Laerwen zu bestrafen. Und ich wollte auch nicht, dass Fiora mit ihr geht. Aber es schien mir der einzige Weg, meine Leute wenigstens einigermaßen zu schützen."
"Es waren dunkle Tage, das ist wahr", ergriff Amrothos wieder das Wort, und seine Stimme klang kühl. "Doch ein Pakt mit Mordor, ganz gleich welcher Art, kann niemals der Weg sein, unser Volk zu retten."
"Und doch können wir nur deswegen heute hier in dieser Halle stehen und beratschlagen, wie wir den Gilrain gegen Mordor halten", gab Dervon zurück. "Es tut mir Leid, dass ich euer ehrenhaftes Angebot ablehnen muss, und es tut mir Leid, was mit meiner Tochter geschehen ist." Es war sein eigener Sohn, den er bei diesen Worten anblickte, doch Dervorin wich seinem Blick aus. "Aber es ist jetzt nicht zu ändern, und wir sollten uns auf das konzentrieren, was vor uns liegt."
Damit war die Audienz beendet, doch als Hilgorn und Amrothos, beide gleichermaßen betreten, Dervons Halle verließen, gesellte sich Dervorin zu ihnen. "Ihr solltet vorsichtig sein, was ihr in dieser Halle sagt", sagte er leise, und Amrothos schüttelte den Kopf. "Man könnte meinen, ihr misstraut eurem Vater."
"Vielleicht nicht ihm selbst", erwiderte Dervorin. "Doch seit der Geschichte mit Laerwen bin ich mir einigermaßen sicher, dass Mordor einen Spion in Ethring hat."
"Das würde unsere Mission auf lange Sicht aussichtslos machen", meinte Hilgorn besorgt. Sie erreichten die Ställe, wo sie ihre Pferde gelassen hatten, und Dervorin blieb stehen.
"Deshalb schlage ich vor, dass ihr so selten wie möglich in die Festung kommt", sagte er. "Ihr könnt mich zumeist in der Halle der Delferyn antreffen - Männer nach meinem Geschmack, und ich würde jedem von ihnen mein Leben anvertrauen." Hilgorn hatte bereits einiges von diesem Orden gehört. Er existierte seit beinahe eintausend Jahren, und bestand aus Jägern, deren bevorzugte Beute Orks und sämtliche übrigen Diener des Schattens waren. Sie waren lange Jahre dafür verantwortlich gewesen, dass niemals Orks in größerer Zahl Fuß im Weißen Gebirge gefasst hatten, hatten aber auch in Ithilien an den Rändern des Schattengebirges von sich Reden gemacht. "Die Soldaten meines Vaters gehorchen mir ebenso gut wie ihm", fuhr Dervorin fort. "Und Gilheston, der Ordensmeister der Delferyn, hat mir seine Unterstützung bei der Sicherung der Furten zugesichert."
Hilgorn tauschte einen Blick mit Amrothos, der nach kurzem Zögern nickte. "Also gut", erwiderte Hilgorn. "Wir werden euren Vater so weit es geht aus dem Spiel lassen - und hoffen, dass sich tatsächlich kein Spion unter den Delferyn befindet."

Listen to the wind blow, watch the sun rise
Running in the shadows, damn your love, damn your lies