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Autor Thema: Am Hafen  (Gelesen 8010 mal)

Offline PumaYIY

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Am Hafen
« am: 16. Okt 2010, 23:05 »
Karthull kommend aus der Stadt


Oft schon war Karthull hier am Hafen gewesen, er erfreute sich immer an der regen Betriebsamkeit, die er am Hafen in Edhellond das erste Mal erlebt hatte, die hier in Dol Amroth jedoch noch viel intensiver war, da täglich mehrere Schiffe kamen und fuhren. Die Versorgung der Bewohner wurde inzwischen hauptsächlich durch die Provinzen Gondors über den Seeweg nach Dol Amroth garantiert, nahe wohnende Bauern konnten die Vielzahl an Menschen schon lange nicht mehr ausreichend mit Lebensmitteln beliefern. Nun aber war es anders als die Male, die er nur zum Schauen gekommen war, denn er hatte vor die Stadt für die nächste Zeit zu verlassen, um nach Minas Tirith zu reisen und dort Mut und Hoffnung zu stiften.
Es war spät abends und die Sonne war schon längst im Meer versunken, als eine Gruppe von Männern auf Karthull, der sich wegen dem Regen unter einem Überhang von einem Strohdach gestellt hatte zukam. Tropfen drangen schon seit einiger Zeit trotz seines Unterstandes durch seine Kapuze. Seine Haaren waren ihm auf eine Länge, dass sie ihm gerade so noch in die Stirn fielen geschoren worden, eine weitere äußere Eigenschaft, die ihn von den meist langhaarigen, adligen Getreuen unterscheiden sollte. Die Gruppe hatte ihn eine gute Stunde warten lassen. Ein wenig entschuldigend kam Largund als Erster der Gruppe auf ihn zu:
"Tut mir Leid, es gab ... nun ja eine Planänderung. Es gibt jetzt einen konkreten Auftrag: Der Fürst will, dass du dich sobald du in Minas Tirith bist an Beregond wendest, er war zumindest bis vor der Unterwerfung ein Wächter des Weißen Turms. Der Fürst will, dass du mit ihm Kontakt aufnimmst und herausfindest, ob er das immernoch ist und in wie fern die Wächter durch die neuen Herren aus Mordor manipuliert werden."
"Ähm... aha."
"Ich kann dich verstehen wenn du denkst, dass das vielleicht eine Nummer zu groß für dich ist, aber du musst es tun. Diese Informationen sind enorm wichtig für die Lageeinschätzung des Fürsten. Beregond ist ein überaus eng Vertrauter des Königs und des Fürsten, ihm gegenüber brauchst du also keinen Verratsverdacht zu schöpfen."
"Das leuchtet mir ein. Wie soll ich mich diesem Beregond zu erkennen zeigen und wie sieht er überhaupt aus?"
Largund erläuterte ihm kurz das Aussehen Beregonds und lehrte Karthull ein kurzes Gedicht, dass nur in der sozial sehr hochgestellten Schicht Gondors bekannt war und Beregond von Karthulls guten Motivationen und seinem Kontakt zu Fürst Imrahil überzeugen sollte. Largund nahm Karthull beiseite, denn die anderen in der Gruppe mit der Largund gekommen war, darunter auch die Mannschaft für das Schiff mit dem Karthull fahren würde sollte es nicht hören:
"Es handelt sich hier nicht um irgendein Gedicht, sondern es gibt bestimmte Strophen, die wenn man sie hört Sinn ergeben. Es heißt nur der König kennt alle Strophen und jeder Diener der unter der Gunst des Königs steht kennt nur einen Teil des Gedichts. Die Strophen haben alle einen ähnlichen Aufbau, in dem zwingend das Wappen des jeweiligen Königsdieners vorkommt, denn es wurde für das Geschlecht der Vasallen und nicht für einen Einzelnen geschrieben. Beregond wird die Strophe des Fürsten erkennen und sie als sicheren Beweis deiner Herkunft deuten, obwohl er sie nicht kennt. Merk sie dir genau:

Von der Stadt am Meere her,
weht der Wind der Flügel sehr,
des Schwanenherrs dem dieser Reim,
als Lösgeld für sein Kriegerheim.

Mehr sollst du von der Strophe nicht erfahren, denn der Rest bleibt dem Fürsten selbst, sich auszuweisen wenn der König zurückkehrt." , Largund betonte die letzten Worte nicht ganz ohne Stolz und Hoffnung. Karthull wiederholte die vier Verse schnell einige Male, dann kehrten sie zur Gruppe zurück.
Das Schiff sollte möglichst ohne Zeugen aufbrechen, damit niemand sich über einen fehlenden Anheuerungsablauf wundern und Verdacht schöpfen konnte. So kam es, dass die Gruppe heimlich nachts in See stach und Karthull der größten Stadt die er bisher gesehen hatte "Lebewohl" sagen sollte.


Karthull zur Bucht von Belfalas
« Letzte Änderung: 12. Feb 2016, 08:20 von Fine »

Offline Thorondor the Eagle

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Re:Am Hafen
« Antwort #1 am: 19. Jan 2011, 21:35 »
Aphadon, Amrûn, Celebithiel, Galdor und die Familie Lûdhra von Edhellond und Umgebung


Dicht haftete der Nebel am Deck des Schiffes und weder aus dem Krähennest noch von der Reling aus konnte man das umliegende Gewässer erspähen. Nur weit entfernt sah man die verschleierte Silhouette der klippenhaft abfallenden Küste an dessen Ende die Schwanenstadt errichtet wurde.
Langsam und vor allem behutsam tasteten sich die Elben mit dem Schiff vorwärts. Volle Fahrt war kaum möglich, denn immerfort hing der dichte Nebel in der Bucht fest. Es war ein Zeichen, dass der Frühling wieder zurück in das Land kam, wenn auch nur zaghaft. So war der Aufbruch von Edhellond bereits zwei Tage her und das Schiff hatte Dol Amroth noch immer nicht erreicht.
Amrûn war unter Deck und saß mit dem Rücken an die Außenwand des Schiffes gelehnt. Er spürte und hörte, wie die Wellen hinter ihm an die Wand preschten und er liebte es. Das Meer gab ihm seit eh und je ein beruhigendes Gefühl. Er betrachtete Galadriels Amulett und bewunderte den angenehm orangen Schimmer auf seiner Hand, den der Kristall hervorbrachte.

„Dürfen wir uns zu dir setzten?“, fragte eine Stimme neben ihm.
„Natürlich“, antwortete er Celebithiel die neben ihm auftauchte. An ihrer Hand hielt sie Boreas, den Sohn Falastors.
Der Junge setzte sich zwischen die beiden Elben und starrte mit trüben Augen in die Luft.
„Wir werden bald da sein“, sagte Amrûn zu den beiden „Es können nur noch wenige Meilen bis zum großen Hafen sein.“
„Endlich“, erwiderte die Elbe.
„Boreas? Habt ihr in Dol Amroth Freunde oder Verwandte bei denen ihr bleiben könnt?“, fragte Amrûn besorgt und um den kleinen ein wenig zum Sprechen zu bringen. Er antwortete jedoch nur mit einem Kopfschütteln.
„Obwohl, meine Eltern sprachen einmal von einem… Largu… und Karthull“, ein leicht fröhlicher Ton mischte sich in seine traurig eintönige Stimmlage „Karthull müsste in Dol Amroth sein. Hoffentlich hat er es bis hierher geschafft.“ Der Junge setzte kurz ab seufzte dann aber: „Wir leider nicht.“
Bei diesen Worten legte Celebithiel die Hand um Boreas‘ Schultern und drückte ihn ein wenig zu sich: „Willst du uns von deinen Geschwistern erzählen?“
Er schüttelte den Kopf und begann dabei bitterlich zu weinen: „Glaubst du ich sehe sie je wieder?“ wimmerte er dabei.
Das leise Schluchzen erfüllte den Rumpf des Schiffes. „Soll ich dir eine Geschichte erzählen?“, frage Amrûn nun vorsichtig um ihn ein wenig von seinen Gedanken abzulenken.
„Schau her“, sagte er und überreichte ihm das Amulett „Siehst du das Licht? Es ist so wunder schön nicht wahr?“
Der kleine nickte und sein Blick war auf das Schmuckstück gerichtet.
„Es war ein Geschenk einer sehr alten, aber unübertroffen schönen Frau. Sie ist beinahe so alt wie diese Welt und noch älter ist dieses Licht. Einst weit entfernt von diesen Ufern in einem Land ohne Hass und  Furcht - ohne Dunkelheit - gab es zwei Bäume. Sie waren riesen groß und wunderschön. Einer davon hatte einen goldenen Stamm und die dunkelgrünen Blätter zierte ein schimmernder Rand. Das Volk liebte den Baum und pflegte ihn, sodass er immer Früchte trug, die feurig rot leuchteten und aus denen sich goldener Regen ergoss. Doch selbst dort, in einem so friedlichen Land wurde Unheil gesät und das Böse drang darin ein. Es neidete den Elben ihr Glück und ihren Wohlstand und zerstörte alles was ihnen lieb war. So verging der Baum in all seiner Herrlichkeit. Das Grün wurde braun und Gold zu Schwarz. Nur eine einzige Frucht überlebte; ein kleiner Funken in undurchdringlicher Dunkelheit. Aber was machten sie daraus? Sie verloren nicht die Hoffnung und sie war auch nicht verloren. All ihr Wissen und ihre Macht nutzten sie und aus dem kleinen Funken schufen sie nichts anderes als die Sonne. Und diesmal schien das Licht nicht nur in jenem Land über dem Meer, sondern auf der ganzen Welt und die Dunkelheit wich, denn sie ertrug die Strahlen der Sonne nicht und das ist heute noch so.“
„Darum mögen die Orks das Tageslicht nicht?“, fragte der Junge erstaunt.
„Ja. Aus keinem anderen Grund“, sagte der Elb „Am dunkelsten ist die Stunde stets vor der Dämmerung. Aber das Licht kommt und mit ihr die Hoffnung.“

Schritte waren auf der Treppe zu hören und Amrûn sah Galdor und Falastor herunter kommen.

„Ich denke, du wirst deine Geschwister wieder sehen. Hoffnung gibt es auch für dich.“
„Boreas. Komm her die Herrschaften müssen etwas Wichtiges besprechen. Gehen wir zu deiner Mutter“, befahl ihm sein Vater. Der junge Mann gab Amrûn das Amulett zurück und bedankte sich aus vollstem Herzen bei ihm. Die drei Elben beobachtete noch wie sie durch die Luke ans Oberdeck verschwanden ehe Galdor zu sprechen begann:
„Wir sind gleich da. Die Glocke von Dol Amroth läutet.“
„Wir gehen so vor wie es uns Cirdan geraten hat“, schlug Amrûn vor.
Galdor nickte zustimmend: „Dann gehe ich hinauf in die Feste zum Fürsten.“
„Ja. Ich bleibe bei Celebithiel.“
« Letzte Änderung: 11. Feb 2016, 10:56 von Fine »
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Offline Vexor

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Re:Am Hafen
« Antwort #2 am: 2. Feb 2011, 19:37 »
Celebithiel atmete tief ein, als sie ihr Gepäck schulterte und sich auf den Weg machen wollte, dass zierliche Elbenschiff zu verlassen.
Der Nebel war dabei langsam zu lichten und sie konnte durch die Nebelfelder die schwache Wintersonne erkennen, die versuchte sich die weißen Vorhänge zu kämpfen, um die Erde mit ihren Strahlen zu wärmen.

„Celebithiel warte noch“, rief ihr Amrûn nach, der sie leicht am Arm festhielt, als sie die Stufen hinabsteigen wollte, die sie aufs Festland bringen würden. „ Galdor wollte uns noch kurz unter sechs Augen sprechen“.
„ Was gibt es denn noch Galdor?“, fragte Celebithiel zuversichtlich und fuhr sich erneut über die spröden Lippen und ein elektrisierender Schmerz zuckte durch ihren Körper.

„ Hört zu! Die Zeiten in Gondor sind problematisch. Seit die schwarze Hand diese Gefilde in seine eisernen Klauen gebracht hat, wächst Hass und Zwietracht in der Bevölkerung. Besonders Dol Amroth, als letzte freie Stadt Gondors, ist betroffen. Es wimmelt nur so vor Spionen und Opportunisten, die die Möglichkeit ergreifen unter der Herrschaft des Roten Auges an Macht und Einfluss zu gewinnen. Oftmals ist es leider auch nur die pure Angst, die sie dazu führt ihre eigenen Brüder und Schwester zu verraten und ans Messer zu liefern.
Deswegen warne ich euch. Verhüllt eure Vergangenheit und eure Herkunft. Zwei Elben, entsandt von den großen Elbenherren Galadriel, Elrond und Cirdan, sind zu bekannt. Zumal ihr ein schweres Erbe trägt“.
 Bei diesen Worten senkte Celebithiel leicht beschämt den Kopf, bevor Galdor fortfuhr.
„ Gebt euch Decknamen, verratet niemand eure wahre Identität. Auch Fürst Imrahil nicht…zumindest fürs Erste.“
Celebithiel nickte und blickte Amrûn in die Augen, bevor sie ein olivgrünes Tuch nah, dass sie sich über den Kopf legte und die spitzen Ohren verhüllte, sodass man sie auf den ersten Blicke nur für eine wunderschöne Maid aus den nördlichen Gefilden halten konnte, obwohl ihre Schönheit die der menschlichen Frauen bei weitem übertraf.

„Bevor ich es vergesse“, hakte Galdor nach, „ das Glück ist euch hold in diesen Stunden. In diesen Wochen feiert man in Dol Amroth Karneval, um die Geister des Winters zu vertreiben und den Seefahrern eine gute Heimkehr zu wünschen. Man läuft zu diesem Zwecke maskiert in der Stadt herum. Ein Vorteil für uns“, zwinkerte Galdor und Amrûn blickte ihn ungläubig an.
„ Sie feiern wirklich ein Fest, während sie belagert werden und die Hoffnungen für die freien Völker von Minute zu Minute schwinden?!“
Celebithiel streichelte ihm sanft durchs schwarze Haar, „ Und genau damit halten sie ihre Hoffnung aufrecht Amrûn. Wenn sie jetzt in Resignation verfallen, und jegliche Hoffnung auf eine gute Zukunft von dannen ziehen lassen, hat Sauron erst recht gewonnen.“
Amrûn nickte stumm und gemeinsam verließen sie das Schiff und warteten auf eine Gruppe weniger Elben, die mit seidenen Bündeln auf die Besucher der Schwanenstadt zukamen.
Celebithiel blickte noch Sehnsüchtig dem Schiff hinterher, wie es sich aufs offene Meer zurück zog.

Wie gern wäre ich jetzt auf diesen Schiff mit dir Liebster. Umringt von den leichten Wogen des Meers.


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Offline Thorondor the Eagle

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Re:Am Hafen
« Antwort #3 am: 5. Feb 2011, 13:18 »
Amrûn und Celebithiel hörten das Plätschern des Wassers wie sich die kleinen Wellen an dem Holzsteg brachen. Der Nebel umhüllte sie noch immer, doch erkannten sie mittlerweile die schwachen Konturen der Felküste vor sich.

Der Elb war gerade damit beschäftig sich das lange Tuch wie eine Art Turban um den Kopf zu wickeln, als seine Gefährtin ihn ansprach: „Amrûn?“
„Ja.“
„Auf dem Schiff“, begann sie und setzte wieder ab „Es war eine schöne Geschichte die du an Deck erzählt hast. Ich hätte es dir beinahe abgekauft, denn selbst in deinen Augen sah ich ein geheimnisvolles Licht. War es nur die Reflektion einer längst vergangenen Zuversicht oder meintest du es tatsächlich ernst?“
„Ich weiß nicht. Vielleicht war es nur eine Geschicht“, antwortete er und starrte dabei gerade aus an das andere Ende des Steges „Es ist mir eben so eingefallen. Ich wollte ihn aufmuntern.“
„Ich denke nicht nur den Jungen. Du hast diese Geschichte auch dir selbst erzählt, nicht wahr? Kehr wieder etwas Mut in deine düsteren Gedanken zurück?“
„Es scheint wohl so“, sagte er mit seinem starren Blick.
„Und das obwohl du Mithlond und Aratinnuíre zurück gelassen hast.“
„Vermutlich genau deswegen. Ich denke daran, wie ich zu ihr zurück kehre und wir endlich ein gemeinsames Leben führen können. Hier in Mittelerde und nicht in Aman. Wir alle brauchen unsere Ziele, denn wofür sollten wir sonst kämpfen?“
Sie nickte ihm verständnisvoll zu.
„Celebithiel, da kommt jemand.“
„Gwilwi…!“, wollte sie ihn verbessern, doch sie verschluckte die Wortendung.

Aus dem Nebel heraus traten zwei Gestalten. Sie trugen Masken. Eine davon war eine Frau, denn sie trug ein blassblaues Kleid und Maskierung. Der andere trug einen meergrauen Mantel, dunkle Stiefel und hatte zerzaustes dunkles Haar.

„Mae govannen!“, begrüßte die Dame die beiden Besucher und nahm dabei die Maske ab um ihre elbische Herkunft preis zu geben.
Amrûn verneigte sich vor ihr, Celebithiel beugte ein wenig den Kopf.
„Ich bin Limris und dies hier mein Ziehsohn Berehal. Unsere Verwandten aus dem Norden haben uns von eurer Ankunft berichtet und uns gebeten euch dies hier zu bringen.“
Der junge Mann öffnete den braunen Leinensack den er in der Hand trug und gab dem Elben zwei Masken. Eine war übersäht mit weißen Perlen, die bei genauerer Betrachtung den Körper eines zarten Schmetterlings darstellten und zu deren Seiten sich etwas dunklere Flügel ausbreiteten. Die andere war golden und übersäht mit zahlreichen Schnörkeln, die den Elben an die Wellen der weiten See erinnerten.

Er gab ihr die Schmetterlingsmaske: „Hier Cele…“
„Wie meinen? Ich bin Gwilwileth", sagte sie nun in einem lauten und bestimmten Tonfall und zwinkerte ihm verstohlen zu.
„Gwilwileth“, wiederholte er den Namen flüsternd.
„Und wie ist euer Name?“, fragte nun Limris den Elben.
„Ich?“, fragte er erstaunt und begann sich an alle möglichen Namen zu erinnern. Es war Amrûn peinlich, als ihn der erwartungsvolle Blick der Fremden taf und ihm kein passender Name einviel: „Verzeiht. Mein Name ist Idryth.“
Limris nickte ihm grüßend zu, wandte sich dann jedoch Celebithiel zu: „Folgt mir nun, ehe euer Begleiter vor lauter Verwirrung in die falsche Richtung läuft.“ Den beiden entkam ein Lächeln, als sie dem Steg folgten.

Am Ende mündete der Holzpfad in eine kleine Treppe, die wohl vor Jahrhunderten in die steile Klippe gehauen wurde. Links erhob sich die Felsflanke zur ihrer Rechten war der Stein so behauen worden, dass er wie eine Art Geländer diente. Von weitem betrachtet war dieser Pfad also praktisch unsichtbar. Nach einem kurzen Stück weg erreichten sie eine Straße oberhalb der Hafenanlage. Es war ruhig. An den Hausmauern lehnten ein paar Männer und waren vertieft in ihre Gedanken und Arbeiten. Lichter kamen aus den kleinen Fenstern der zahlreichen Häuser, die sich links von ihnen die Straße entlangschlängelten.


Celebithiel, Amrûn, Aphadon, Limris und Galdor in die Stadt
« Letzte Änderung: 11. Feb 2016, 10:58 von Fine »
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Offline Thorondor the Eagle

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Re:Am Hafen
« Antwort #4 am: 10. Mär 2011, 22:41 »
Amrûn von der Stadt

Ein rötlicher Schein umhüllte die Stadt an jenem morgen, als Amrûn still am Fenster saß. Es ragte Richtung Westen und er sah genau das Meer vor sich.Er liebte den Anblick des glitzernden Teppichs der sich vor ihm erstreckte. Das Atmen schien ihm leichter zu fallen, wenn die Luft etwas salzig war und er vermisste das Pfeifen der Möwen, die vor allem im Sommer an den Klippen des Meeres hausten. Dol Amroth hatte mit den grauen Anfurten vieles gemeinsam und doch gab es deutliche Unterschiede. Das robuste Mauerwerk der Numenorer hatte sich auch hier manifestiert. Das Weiß war jedoch gesprenkelt mit zahlreichen grünen und braunen Flecken. Bäume, Sträucher, Gärten und Blumen lagen den Bewohner anscheinend genauso am Herzen wie gut gepflasterte Straßen und profane Verteidigungwerke.

Der Elb beschloss sich die Stadt in diesen frühen Morgenstunden genauer anzuschauen, vielleicht waren weniger Menschen auf der Straße als zu späterer Stunden.
Schleunigst legte er sich seinen Mantel um, verhüllte seine Ohren mit einer Kapuze und verließ das Zimmer. Er lauschte gegenüber an Celebithiels Tür, doch dort rührte sich nichts. Zaghaft klopfte er an dem Holz, aber es kam keine Antwort.

…Sie soll sich ausruhen. Ihr macht einiges mehr zu schaffen, als sie sich anmerken lässt und Energien werden wir genug brauchen wenn die Schlacht erstmal los geht…

Und tatsächlich, als Amrûn die Straße betrat war sie beinahe leergefegt. Zwei junge Mägde waren bereits auf dem Weg in die Speicher um sich dort mit Nahrungsmittel und anderen Waren zu versorgen. Sie tratschten eifrig als zum Hafen verschwanden. Da der Elb nicht wusste wohin er als erstes gehen sollte, beschloss er ihnen zu folgen.

Der nach osten ansteigende Felshang warf noch einen langen Schatten über die Stadt und ein kühler Wind wehte durch die Gassen, doch merkte man mittlerweile, dass der Frühling langsam aber stetig zurück in das Land kam.
Er durchschritt die Stadtmauer durch eine kleine Fluchtscharte und überquerte gleich danach eine kaum vier Fuß breite Brücke. So waren die Hafenanlagen vom Rest der Stadt abgeschottet.

Zahlreiche Schiffe lagen dort. Einige aus elbischer Hand kannte Amrûn von der Überfahrt doch lagen auch weiße Schiffe Gondors, Fischerboote und fremde Handelskoggen in der Bucht. Eines der Kriegsschiffe war schwer beschädigt und lag weit abseits wo der Zugang zur Bucht war. Amrûn ging zu ihm, stellte sich ganz an die steinerne Kaimauer und betrachtete das brandende Wasser. Der Rumpf des Schiffes schien noch in Ordnung zu sein, doch die Masten, Reling und Segel waren stark geborsten. Er strich mit seiner Hand über die präzise geschliffene Holzreling und stoppte bei einem kerzengeraden Sprung den scheinbar ein großes Beil dort hinterlassen hatte. Es war rau und unangenehm und es schmerzte den leidenschaftlichen Seefahrer ein wenig.

„Hahaha…
Übers Meer kam der König von fern,
sein Segel schien wie ein heller Stern,
der Horizont uns Hoffnung macht
und gute Zeiten hat er gebracht,
doch Glück allein wird es nicht sein,
die Waffen sprechen Tag aus Tag ein.

Da kommen sie, mit schwarzer Seele,
erbarmungslos sind ihre Befehlen.
Zu den Waffen macht schnell, MACHT schnell,
bald schon wird der Tag nicht mehr hell.

Übers Meer kam der König von fern,
sein Segel schien wie…“

Amrûn hörte dem lallenden Trunkenbold zu der aus einer kleinen Spelunke herauskam und das Kai entlang taumelte. Er wartete ein paar Minuten und ging dann näher zur Tür: „Taverne zum vollgelaufene Bug“ stand in maroden kaum lesbaren Buchstaben über dem Tor. Der Elb ging hinein.
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Re:Am Hafen
« Antwort #5 am: 11. Mär 2011, 23:14 »
Mehr Rauch als Luft war in diesem engen Raum. Der Tresen war alt und morsch und das meiste der Einrichtung sowie der Wände schien aus längst ausrangierten Schiffplanken zu bestehen. Der Elb setzte sich auf einen Hocker an die Bar. Niemand war zu sehen oder zu hören.

Sein Blick viel auf drei bemalte Teller, die sorgsam in das Regal hinter der Theke gestellt waren. Eines war schon sehr ausgeblichen, auf den anderen beiden sah man Abbildungen von zwei Schiffen. Amrûn glaubte die Namen Vingilot und Alcarondas zu erkennen.

„Guten Tag“, begrüßte ihn nun der Wirt, der aus einem Hinterzimmer hereintrat. Er war klein und schmächtig, hatte nur einen Arm und sein linkes Auge war mit einem schmutzigen Tuch abgedeckt. Sein weißes, grauses Haar umringte eine kahle Stelle und stand von da an in alle erdenklichen Richtungen.
„Guten Tag“, erwiderte der Elb.
„Was darf es sein?“
„Gebt mir einen Becher Milch und ein Stück Brot bitte. Ich habe heute noch nichts gegessen.“
„Das macht zwei Silberpfennig“, sagte er, streckte fordernd seine Hand aus und seine Stimme wanderte gegen Ende in eine merkwürdig quietschende Lage.
Der Elb kramte in seinen Taschen und gab es dem Wirten: „Eigenartige Sitten habt ihr hier. Verlangt Geld noch vor der Verköstigung."
„Achsoooo, ein Fremder seid ihr. Wie so viele andere hier und nur Wenige haben tatsächlich Geld. Wo wäre ein Wirt wenn er Speis und Trank verteilt und ehe die Gäste bezahlen ist der Tisch wieder leer. Nicht wir sind hier die komischen Käuze, sondern jene die in unsere Stadt kommen und glauben Gasthäuser sind Wohlfahrtshäuser, jawohl Wohlfahrtshäuser.“
„Ihr habt Recht, Vorsicht lautet das Gebot der Stunden.“

Der Alte rümpfte die Nase.
„So, so ein Fremder… woher kommt ihr denn?“, fragte er neugierig.
„Ich kam mit einem Schiff von Edhellond hierher. Ich habe mich dort eine Weile versteckt und auf Hilfe gewartet und tatsächlich kam sie nach einigen schlaflosen Nächten.“
„Dann haben euch die Elben aufgeschnappt.“
„Elben?“, fragte Amrûn erschrocken „Ja! Ja natürlich. Ein merkwürdiges Volk meine ich. Jahrzehnte lang hört man nichts von ihnen und dann in einer wohl unerwarteten aber hilflosen Stunde kommen sie herbei um zu helfen.“
„Mhm ja. Merkwürdig… welche Absichten sie wohl verfolgen?“
„Glaubt ihr sie haben welche?“
Der Elb biss von dem harten Brot ab, dass sicherlich schon ein,zwei Tage gelegen hatte.
„Wer nicht, wer nicht…“, brabelte er vor sich hin „Wer handelt heute schon aus Nächstenliebe? Jeder sorgt für sich selbst oder für seinen eigenen Vorteil, oder nicht? Aber wie dem auch sei, selbst diese Elbensoldaten werden den Ansturm nicht aufhalten. Nicht bei dem was der dunkle Herrscher plant.“
„Was plant er denn?“
„Oh, es gibt Gerüchte. Viele wandern hier durch diesen Raum, manche bleiben hängen und manche verfliegen wieder. Es erstaunte mich immer wieder, dass viele ‚Weissagungen‘eingetroffen sind, auch wenn es niemand glaubte.“
„Und was habt ihr gehört?“
„Nichts, das ist es ja gerade... Wir erhalten keine Nachrichten mehr aus Minas Tirith und das ist kein gutes Zeichen. Unsere Diplomaten und Boten sind… puff… einfach verschwunden…“, der Wirt fuchtelte dabei nervös mit den Händen vor sich herum „bestimmt schon tot, wenn ihr mich fragt. Jetzt sind nicht nur die Orks auf dem Vormarsch, nein sogar noch das eigene Volk… unsere Brüder.“
„Das ist wäre ja furchtbar.“
„Ja, Dol Amroth in der Zwickmühle. Vom Süden die Haradrim, von Osten Mordor, vom Norden Gondor und was vermutlich das schlimmste Übel ist: dieses verlauste Piratenpack.“
„Welche Piraten?“
Er nahm einen großen Schluck Milch um seinen vom Brot ausgedrockneten Mund zu befeuchten.
„D… di… di… die Korsaren“, stotterte er aufgewühlt „Die wollen auch ein wenig Mitmischen und sich ihr Stück vom Kuchen holen. Hunderte Jahre schon attackieren sie unseren schönen Hafen und jetzt wo ein Sieg sicher ist sind sie – und da bin ich mir absolut sicher – bereits auf dem Weg hierher… und nicht nur mit einem Schiff; Neeeiiiiinnnnn; vermutlich mit der größten Flotten die sie jemals aufgeboten haben. Jeden Mann und jedes Kind werden sie mitnehmen, denn jede zusätzliche Hand kann noch mehr plündern und mitnehmen. Dreckspack.“
„Und hat der Fürst dem etwas entgegen zu bieten?“
„Pfff, der Fürst. Er hat uns in das sichere Verderben gestürzt. Er hat all seine Ritter nach Minas Tirith geschickt um es zu verteidigen und jetzt… alle gefallen… die Namen sind uns geblieben in einer kleinen grottigen Kammer irgendwo zwischen den alten Handelshäusern der Königsstadt.“
„Ich denke er hat damals die richtige Entscheidung getroffen. Wäre Minas Tirith gefallen…“
„Minas Tirith IST gefallen“, schrie er und schlug dabei mit der Faust auf den Tisch, dass Amrûn zusammen zuckte: „Und jetzt stehen wir alleine da und warten auf unser Ende. Aber wenn Sie kommen werde ich hinter der Türe warten und einem nach den anderen meine Messer in den Rücken rammen. Dieses elendige Dreckspack und wenn ich meine wertvollen Teller nach ihnen werfen muss…!“
Der Elb trank den Becher aus: „Ausgezeichnet. Mut ist alles was man braucht im Kampf.“
„Und eine gute Waffe.“
„Da habt ihr Recht, guter Wirt. Habt Dank für die Bewirtung.“
„Beehrt mich bald wieder. Zahlende Kundschaft ist bei mir gerne gesehen“, rief er freundlich, denn so schnell wie seine aufbrausende Art gekommen war verflog sie auch wieder. Amrûn war froh aus dieser stickigen Kammer herausen zu sein.
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Re:Am Hafen
« Antwort #6 am: 20. Mär 2011, 19:17 »
Der Elb schlenderte den Kai entlang und dachte über die Worte des Wirten nach.

Wenn es eine solche Korsarenflotte tatsächlich gibt, ist Dol Amroth in einer Zwickmühle. Die Soldaten der Stadt können nicht an beiden Fronten kämpfen und gewift ist der dunkle Herr tatsächlich. Wenn er einen Schlag vorbereitete, dann greift er sicherlich mit allem an was er aufzubieten hat. Noch eine Niederlage kann er sich nicht leisten. Auch die Heere Mordors sind stark dezimiert. Die Schlacht um Lorien, die Unterwerfung Gondors der Niedergang des Mundes und der Trutzburg Isengard. Sauron hat nicht mehr viel auf das er zurück greifen kann, doch wir genau so wenig. Die kampftüchtigen unter den Elben sind hier an den Fronten von Gondor. Scheitern wir hier, gibt es kein Halten mehr für unser edles Volk.


Amrûn nahm die Schiffe in genauen Augenschein. Manche von ihnen hatten zerfetzte Segel, manche geborstene Reling und Oberdeck und manche sogar Löcher im Rumpf.

Wenn eine Flotte kommt müssen wir alle Schiffe seetüchtig machen und stark bewaffnen. Ich muss dem Fürsten Bescheid geben, aber wie. Hier bin ich ein einfacher Mann, unscheinbar und ohne Privilegien… Ich muss mir etwas einfallen lassen. Am besten ich spreche mit Limris. Vielleicht weiß sie wie einen Weg.


Besorgt überschritt er wieder die enge Brücke und begab sich ins Innere der Stadtmauern. Die Straße führte ihn direkt in das edle Herrenhaus, indem er und Celebithiel einquartiert waren. Es war sehr groß und herrlich, vielleicht hatte ihre Gastgeberin ohnehin genug Einfluss auf Imrahil.

„Guten Morgen!“, begrüßte er sie und überraschte sie beim Nähen an einem tyrkisen Kleid.“
„Guten Morgen! Habt ihr gut geschlafen?“
„Ja. Ich war schon auf einen Morgenspaziergang an den Kais. Der Sonnenaufgang war herrlich.“
„Ja, ein wahrlich schönes Spektakel hier in der Schwanenstadt.“
„Sagt, habt ihr schon Mal vom vollgelaufenen Bug gehört?“, fragte der Elb.
„Dieser heruntergekommenen Spelunke? Ja, ich kenne sie.“
„Ich war dort und habe abenteuerliche Geschichten vom Wirten gehört.“
„Nicht jeder von seinen Geschichten sollte man Glauben schenken, habe ich gehört, doch so wie in jeder anderen Geschichte steckt auch in den seinen Seefahrermärchen meist ein Körnchen Wahrheit.“
„Ja, so was Ähnliches sagte er auch über längst Vergangenes.“
„Erlebt hat er sicherlich schon vieles. Seit vierzig Jahren gibt es den Wirten schon und zuvor war er ein Admiral in der fürstlichen Flotte.“
„Vom Admiral zum Wirten…“
„Ja, die Leute sagen, dass er mit seinem Auge auch seine Berufung verloren hatte. Er eröffnete die Taverne um wenigstens von dort auf das weite Meer zu blicken, die salzige Brise zu spüren und um der untergehenden Sonne nachzuweinen. Er liebte sein Schiff und das offene Meer. Wie so vielen von uns gabe es auch ihm das Gefühl von Freiheit und Überlegenheit.“
„Nun macht es mir umso mehr sorgen!“
„Was denn?“
„Er mutmaßte, dass die Korsaren mit einer enorm großen Flotte auf dem Weg hier her seien. Fällt der Hafen…“
„Fällt die ganze Stadt“, unterbrach sie ihn „Ich weiß nicht ob wir auf des Wirten Urteil vertrauen können, aber der Fürst kann auch nicht riskieren den Hafen ungeschützt zu lassen.“
„Sicherlich rechnet er mit einem Angriff, aber ich würde mich wohler fühlen ihm Bescheid zu geben.“

Eilig legte sie das Kleidungsstück zur Seite: „Wartet auf eurem Zimmer, ich muss einiges erledigen. Ich glaube ich weiß wie ihr mit dem Fürsten sprechen könnt.“
Sie verschwand aus dem Zimmer. Amrûn hörte nur noch wie die schwere Haustür in ihr Schloss fiel.


Amrûn in die Stadt
« Letzte Änderung: 15. Feb 2016, 10:08 von Fine »
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Re:Am Hafen
« Antwort #7 am: 2. Sep 2011, 20:44 »
Amrûn aus dem Palast des Fürsten


Nach dem Gespräch flüchtete Amrûn nahezu vom Feste. Seit dem heutigen Abend hatte er ein sehr laues Gefühl im Bauch.

Ob mich mein Instinkt vor morgen warnen will? Das letzte Mal als ich auf See kämpfte war zur Verteidigung von Lindon… Es war die Schlacht in der ich erlag und meinem Leben ein jehes Ende verliehen hätte… Es ist als ob meine Erinnerung lebendig wird; alles ist hier so gleich!


Mit der linken Hand griff Sich der Elb an seine alte Wunde am rechten Oberarm, blieb aber in seinen Gedanken versunken.

Schon als das erste helle Grau am Horizont aufkam, machte sich Amrûn auf den Weg zur Feste. Zwei Soldaten standen neben der Eingangstür und hielten mit weit geöffneten Augen Wache. Berend wartete unweit von ihnen.
„Guten Morgen!“, begrüßte er ihn. Der Kapitän nickte ihm zu.
In schnellem Schritt liefen sie durch die enge Eingangshalle und die schmalen Flure in ein abgelegenes Zimmer. Nur vereinzelt brannten Fackeln in den Wandhalterungen, das restliche Bollwerk lag im grauen Schatten der Dämmerung.

Endlich erreichten sie ihr Ziel und der Elb stand in einer mäßig großen Halle ohne Fenster. Sie mussten wohl im innersten Kern der Festung sein. Hoch über ihnen brannten einige Kerzen in einem hölzernen Luster und erhellten so den Raum. An den Wänden hingen große Gemälde, ähnlich jener im Palast und genau am gegenüberliegenden Ende des Raumes hing ein prächtiges, riesengroßes Banner von Dol Amroth.

Imrahil stand mit einigen Männern in der Mitte des Raumes um einen Tisch. Eine Seekarte von Dol Amroth war ausgebreitet und sie sprachen in ruhigem Ton.
Der Fürst blickte zur Tür: „Unser letzter Gast, nun ist es wohl soweit um zu beginnen.“



Der Elb hatte gerade die letzten Anweisungen gegeben, die Schiffe richtig zu beladen und die größten Lecks notdürftig zu reparieren. Der Großteil der fürstlichen Flotte lag außerhalb des Hafens. Die Kriegsschiffe waren nur mit wenig Mann besetzt, gerade genug um einen Angriff abzuwehren, aber zu wenige um offensiv vor zu rücken.

Amrûn ging ans Ende des Kais. Sein dunkelblauer Umhang wehte im Westwind. Für diese Schlacht hatte er nur eine leichte Rüstung angelegt. Es war zwar gefährlich, doch er brauchte jegliche Bewegungsfreiheit.

Er atmete einmal tief ein,
Ahh, der Westwind. Mein treuer Gefährte. Seit meinen ersten Tagen folgst du mir und bis zum letzten wirst du mich begleiten. Wird dieser bald eintreffen? Geleitest du mich in den Westen, an mein endgültiges Ziel? So oft schon wäre ich dir beinahe gefolgt, aber immer gab es einen Grund zu bleiben. Nun ist es Aratinnuíre. Ich vermisse dich mein Schatz.

„Wir lichten nun den Anker und segeln zu den anderen Schiffen. Kommt ihr?“, fragte Berend.
Amrûn nickte: „Habt ihr alles unter Deck verstaut?“
„Ja. Wir müssen aufpassen. Was ihr vorhabt ist sehr gefährlich.“
„Ich weiß. Aber ich glaube, dass dies die einzige Chance ist. Der Wind ist auf unserer Seite“, sagte er mutig und setzte seine Schritte in Richtung Schiff.

Hastig lösten die Schiffsjungen die Taue am Kai. Mit langen Holzstäben und großem Kraftaufwand tauchten sie es aus seiner verankerten Stelle in den leeren Hafenbereich. Der Elb rannte zu einer Reeling, löste eines der Seile und die anderen Matrosen taten es ihm gleich. Im nuh öffnete sich das glänzend weiße Segel und der Wind füllte es.

Wie eine Feder glitt es über das stille Gewässer in der Hafenanlage, bis es auf die sanften Wellen der offenen See stieß. Duzende Schiffe lagen vor der Hafenanlage. An manche hatten sich schon kleinere angedockt um die spärlichen Mannschaften aufzufüllen. Selten sah der Elb ein solches Schauspiel in seinem langen Leben.

Keiner wusste, wann der Feind kommen würde. Es konnte schon morgen sein, oder noch Tage dauern. An jenem Nachmittag geschah nichts mehr. Die Mannschaften suchten sich nur ein Quartier für die Nacht. Der Elb jedoch blieb wach und starrte auf die schwarze See, in denen sich schwach das Licht des Mondes spiegelte.

Weitere vier Tage vergingen ohne auch nur ein Zeichen des Feindes. Die Sonne hatte schon an Stärke zugenommen. Stetig nahm der Winter ab und der Frühling kehrte unter die meist dunkle Wolkendecke zurück.

Es war kurz vor Mittags, als plötzlich die Glocke des weißen Turms erschallte.
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Re:Am Hafen
« Antwort #8 am: 4. Sep 2011, 18:14 »
Plötzlich ging alles so schnell. Die Schiffsbesatzung lief wie wild umher. Jeder machte sich auf um seine Rüstung anzulegen. Sie holten Pfeile und Messer aus den Frachträumen und versammelten sich auf Deck

Amrûn stand am Bug des Schiffes und beobachtete still. Etwa eine Meile vor sich im Norden sah er die Kriegsflotte des Fürsten. Sie blickten auf den Eingang im Süden der Bucht. Der Elb selbst und fünf Schiffe waren hinter einem Vorsprung der steilen Felsklippe versteckt. Sie warteten auf die Ankunft der Korsaren.
Es verging noch eine halbe Stunde, in der die Glocke des Turms ununterbrochen läutete. Plötzlich glänzte etwas am Himmel auf. Wie Blitze durchzuckten die mächtigen Pfeile der Ballisten die Luft.

Der Fernangriff hatte begonnen. Angespannt versuchte der Elb die Feinde zu erblicken, doch der Felsvorsprung war zu breit. Einerseit war es gut, denn hier konnten sie sich ungesehen verstecken, doch andererseits konnten die Matrosen auch nicht ausmachen, ob noch weitere Schiffe des Feindes folgten. Es dauerte noch eine gefühlte Ewigkeit bis die ersten schwarzen Segel auftauchten. Sie hielten ungehindert ihren Kurs auf die fürstliche Flotte.

Die stählerenen Pfeile flogen immerfort durch die Luft und rissen teils große Löcher in die Decks und Segel der feindlichen Schiffe. Doch dies hielt sie nicht auf, denn es kamen immer mehr Schiffe hinterher. Die Flotte musste bei weitem doppelt so groß sein wie die von Imrahil.

Es ist noch viel schlimmer als ich dachte. Ob unser Hinterhalt überhaupt etwas ausrichten kann? Wir müssen es versuchen, wir haben nur diese eine Chance!

„Soldaten!“, schrie Amrûn nun und augenblicklich hörten sie ihm zu „Wir sahen sie kommen, die schwarzen Segel am Horizont und da sind sie. Sie sind zahlreich und mächtig, doch haben sie die Schwanenstadt und seine Bewohner unterschätzt. Da draußen ist das letzte Aufgebot der Korsaren; sie werden fallen, ehe die Sonne versinkt; in einer Schlacht wie sie Mittelerde noch nicht gesehen hat, in einer Schlacht die noch über Jahrtausende besungen werden wird… in dieser Schlacht“, sagte er mit Nachdruck „Wir sind die lodernde Flamme der Hoffnung die alles versengen wird! Seid ihr bereit… dann setzt Segel!“

Ein leiser Beifall setzte ein, denn die Besatzung hatte zu viel Angst gehört zu werden. Die weißen Segel füllten sich erneut mit Wind. Langsam aber unaufhaltsam beschleunigten die Schiffe. Doch ehe sie hinter dem Felsvorsprung hervor kamen, wurden sie bereits entdeckt. Einige wenige Feinde begannen ein Wendemanöver um dem Hinterhalt entgegen zu wirken.
„Weicht aus!“, schrie der Elb. Der Steuermann zog das Ruder auf Backbord und versuchte so den Feinden auszuweichen. Doch der Ansturm war noch nicht zu Ende. Aus dem Süden kamen noch mehr Korsaren und so wurden die sechs Schiffe des Hinterhalts schnell eingekreist. Sie waren vereinzelt wie weiße Sterne auf dem schwarzen Nachthimmel.

Zahllose Pfeile flogen durch die Luft und verfehlten den Elben nur um Haaresbreite. Er suchte den Weg zur Luke um sich unter Deck in Sicherheit zu bringen. Plötzlich wurde der Steuermann im Kopf getroffen. Er klappte leblos zusammen und riss dabei das Ruder herum. Der Elb sah zu wie beinahe die gesamte Mannschaft umkam. Plötzlich erzitterte der Holzboden unter seinen Füßen und ein lautes Krachen war zu hören. Das Schiff war mit einem anderen zusammengekracht.

Amrûn verlor das Gleichgewicht und flog rückwärts in den Bauch des Schiffes. Der Aufprall war hart und ihm wurde schwarz vor Augen. Es dauerte einen Moment bis er sich klar wurde was eben passiert war. Er spürte etwas Kaltes, Nasses auf seinen Beinen und Armen. Unter großer Mühe und Rückenschmerzen richtete sich der Elb auf und erkannte, wie salziges Meerwasser in das Schiff herein trieb und den Bug langsam mit Wasser füllte. Doch dies war nicht was Amrûn so verwunderte. Mit den Fingern fuhr er über die Wasseroberfläche. Erstaunt betrachtete er seine Handfläche und plötzlich schoss ihm ein Gedanken in den Kopf: „Der Plan!“

Hektisch stand er auf und suchte mit seinem Blick etwas in dem Raum. Mit jedem Schritt ging ein lautes Platschen einher, so als würde er von Regenpfütze zu Regenpfütze hüpfen, bis er sein Ziel erreicht hatte. Siegessicher riss der Elb eine brennende Laterne von der innerne Bordwand und stieg die ersten Sprossen der Leiter hinauf. Er starrte in die offene Tür des Laderaumes und sah die geborstenen Tonkrüge. „Die loderne Flamme der Hoffnung…“, überzeugte er sich nochmals selbst und entzündete mit der Laterne die Schicht aus Öl die unbemerkt und unheilvoll auf der Wasseroberfläche trieb.

Der Elb hatte ein Lauffeuer empfacht, dass sich schneller ausbreitete als gedacht. Er konnte gerade noch die Sprossen der Leiter hinaufklettern und sich geduckt zur Reeling durchschlagen. Von der Mannschaft war niemand mehr zu sehen. Mit einem Satz sprang der Elb in die heißen Flammen und tauchte in das kühle Nass darunter.
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Re:Am Hafen
« Antwort #9 am: 12. Sep 2011, 18:34 »
Amrûn holte tief Luft, bevor er unter die azurblaue  Wasseroberfläche tauchte. Mit seinen kräftigen Armen gleitete er schwerelos durch die See und elegant zwischen den Ballistengeschossen hindurch, die wie Regen auf das Meer prasselten. Zunächst musste er so viele Meter wie nur möglich zwischen sich und den brennenden Meeresspiegel bringen. Das salzige Wasser brannte wie Feuer in seinen Augen, während er die Oberfläche nach Schiffen absuchte. Er wagte es knapp neben dem Bug eines Schiffes aufzutauchen um Luft zu holen. Noch immer umringte ihn die feindliche Flotte.
Ein weiteres Mal ging er mit dem Kopf unter Wasser und schwamm Richtung Norden. In seinen Armen spürte er schon ein schlappes Ziehen als er endlich in die Nähe seiner Verbündeten kam.
Mit viel Mühe gelang es ihm die Strickleiter zu erklimmen und das Deck eines Schiffes zu erreichen. „Willkommen an Bord“, höhnte einer der Matrosen. Amrûn lag vor lauter Erschöpfung am Boden und musste sich erst aufraffen. Erst jetzt erkannte er das alte Gesicht eines Trunkenbolds vor sich. Es war der Wirt aus dem vollgelaufenen Bug.
„Ihr seid hier?“, fragte er verwundert.
„Natürlich! Eine solche Schlacht lass ich mir doch nicht entgehen“, antwortete er.
„Ihr wollt euch wohl vergewissern, dass ihr Recht hattet.“
„Oh ja“, sagte er und lachte „aber was liegst du hier herum Matrose. Hier gibt es eine Schlacht zu gewinnen.“
„Habt ihr ein Schwert?“, fragte der Elb entschlossen.
„Das und mehr“, sagte der Alte und half ihm auf.
„Wie sieht unsere Lage aus?“
„Ah gar nicht einmal so schlecht. Zuerst wollten sich meine Männer schon verkriechen als sie den schwarzen Horizont sahen, aber nun, seht selbst. Das Feuer treibt den Feind auseinander. Die nachkommenden Schiffe müssen umkehren oder verbrennen. Wahrlich ein Wunder“, sagte er mit erstaunter Mine am Gesicht.
„Dann habe ich meine Arbeit gut gemacht?“
„Ihr wart das, junger Mann? Ihr Elben könnt einen immer wieder Überraschen. Aber nun müsst ihr auch beweisen, ob euch das traditionelle Waffenhandwerk liegt. Diese Korsaren haben nichts mehr zu verlieren, denn der Tod ist ihnen gewiss. Doch macht sie das nur noch gefährlicher. Da kommen sie die Schiffe.“ Bei den Worten deutete er auf die Steuerbordseite und der Elb sah den Feind näher kommen.
„Ein Schiff haben wir schon abgeräumt. Es war ein harter Kampf“, plötzlich drehte er sich um und schrie laut los „Bögen nach vorne. Jeder verfluchte Korsar der sich an Bord traut, wird abgeschlachtet. Ist das klar!“

Er ging ein paar Schritte zum Masten und nahm aus einer Truhe einen Säbel: „Ist das klar!“, sagte er laut und drückte dem Elben das Messer in die Hand. Amrûn traute sich nur zu Nicken. Der alte Admiral ging ein Stück zur Reling und schätzte die Entfernung zum feindlichen Schiff. Es dauerte noch einen kurzen Augenblick ehe er sich nervös umhersteigend zu seinen Soldaten drehte.
„Balliste! Feuer!“, brüllte er und ohne zu zögern lösten die Bootsmänner die Sicherung. Die Pfeile flogen durch die Luft und trafen zielsicher auf das feindliche Schiff.
Amrûn lief die Treppe hoch zum Steuer. Er sah die Korsaren wie sie mit Enterhaken und Armbrüste schwingend immer näher kamen. „Pfeile los!“, brüllte Amrûn etwas konfus und hoffte durch einen verfrühten Angriff darauf, nicht in die Reichweite der Armbrüste zu kommen.
Wie Geier, die sich auf ihr Aas stürzten, warteten die Soldaten auf diesen Befehl und sogleich folgte ein Pfeilhagel der auf das Deck des feindlichen Schiffes nieder ging und Duzende verletzte. Die Korsaren waren wie jeder andere Seemann nur leicht gerüstet. Es folgte noch eine zweite Salve an Pfeilen bis sie in die Reichweite der Armbrüste kamen und das Feuer erwidert wurde. Eine dritte Folgte auch noch ehe die beiden Schiffe Flanke an Flanke standen.

Amrûn lief die Treppe hinunter auf das Hauptdeck. Er griff nach einem Speer aus dem spärlichen Waffenvorrat. Die Enterhaken flogen wild durch die Luft und suchten verzweifelt nach halt. „Zieht Schwerter“, rief der Elb und rannte zur Reling. Mit voller Wucht schleuderte er den Speer auf einen Korsaren, der gerade dabei war sich auf das Schiff zu schwingen. „Schwerter“, schrie Amrûn nochmals laut und schon war der erste Feind neben ihm gelandet. Der Elb nutzte die Chance als er sich bemühte auf den Füßen zu landen und durchbohrte mit dem Säbel seine Brust.

Plötzlich spürte er einen heftigen Tritt auf seinem linken Arm. Beim Landen hatte ihn ein Feind weggestoßen und Amrûn zu Fall gebracht.
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Re:Am Hafen
« Antwort #10 am: 15. Sep 2011, 23:42 »
Der Korsar ging auf ihn los wie ein tollwütiger Hund. Verzweifelt griff Amrûn nach einem Holzbalken am Boden. Er zog ihn mit, beiden Händen haltend, schützend vor seinen Körper um den Schwertangriff zu blocken. Er rollte sich einige Male auf die Seite um so den weiteren Attacken auszuweichen. Ruckartig stand er auf und wurde beinahe von der schwarfen Klinge getroffen. Gerade noch rechtzeitig nutzte er die Holzplanke um die drohende Waffe von ihrem Weg abzubringen. Reflexartig ließ er mit der rechten Hand los und schlug den Balken mit aller Kraft gegen die Schläfe des Korsaren.

Augenblicklich knallte der Körper seines Feindes auf den Boden. Blut strömte aus einer Platzwunde am Kopf und tränkte das helle Holz mit dunklem, beinahe schwarzem Blut. Ohne zu zögern schnappte er sich das Entermesser aus der reglosen Hand und lief zurück zu den anderen. Die Matrosen standen unter heftigem Druck, denn immer mehr Piraten schwangen sich auf das Deck des Schiffes, doch jetzt, da Amrûn freie Bahn hatte, attackierte er die meisten von hinten und so begab er sich kaum in Gefahr.

Erst als der Andrang nachließ, beschloss der Elb das feindliche Schiff zu entern und es ehest möglich führerlos zu machen. Er nahm sich eines der besitzlosen Seile die von den Masten herunterhinten.
„Folgt meinem 1. Maat!“, schrie der alte Admiral und deutete mit seiner Klingenspitze auf den Elben. Einige wenige, die gerade etwas Freiraum hatten, taten es Amrûn gleich, schnappten sich ein Seil und gemeinsam schwangen sie über den schmalen Spalt über die dunkle See.
„Schützt den Kapitän!“, bröllte eine Stimme aus dem Hintergrund, die keine andere war als die eines kleinen, in schwarz gekleideten Mannes mit dicken, schwarzen Augenbrauen und einer übergroßen Hakennase. Er fuchtelte nervös mit einem Kurzschwert herum und wartete vergeblich, dass sich einige seiner Männer abschirmend vor ihn stellten.

Bedrohlich und überlegen ging der Elb auf den Korsarenkapitän zu. Dieser ging ein paar Schritte zurück und rückwärts eine Treppe hinauf, ohne seinen Feind aus den Augen zu verlieren.
„Na sieh mal einer an. Das ich die Klinge noch mit einem Elben kreuzen darf… Was macht Ihr hier? Kämpft an der Seite der Menschen? Habt ihr nicht eigene Häfen die ihr verteidigen müsst?“, wollte er Amrûn verunsichern, doch dieser erkannte die Unsicherheit in seinem Feind.
„Schon lange ist es her, dass Plagegeister wie ihr unsere Häfen besudelt. Und dies hier wird auch das letzte Mal sein, dass ihr die Schwanenstadt angreift.“
„Ha, das letzte Mal! Was glaubt ihr eigentlich. Ihr seit so versessen darauf, diese Schlacht zu gewinnen und überseht dabei die viel größere Bedrohung. Unser aller Herr hat angeordnet die Stadt zu vernichten, alle zu töten, die sich hier verstecken und jetzt, da die Krieger der Feste auf dem Wasser herumtreiben und zusehen wie wir langsam verrecken, werden die Mauern der Stadt fallen und nichts kann Sauron dann mehr halten.“
„Dieser Plan war leicht zu durchschauen. Glaubt ihr tatsächlich wir haben für solch einen Fall nicht vorgesorgt? Die Mauern sind stark und bemannt. Große Heerführer aus Gondor sind hier, deren Namen Furcht und Beklemmung bei den Orks auslöst. Doch dies ist alles nicht von belangen für euch, denn wenn all dies geschieht, seit ihr längst Tod, aber wir und Dol Amroth werden weiter bestehen.“
Die Klinge in der Hand des Korsaren zitterte. Ohne sich erwähnenswert zu wehren, stieß Amrûn sein Schwert in den Wanzt des feindlichen Kapitäns. Damit fiel der Letzte der Besatzung.
Es war wie ein wunder, dass die Schiffe des Fürsten die Schwarzen Segel immer weiter aus der Bucht trieben. Sie flohen in Richtung Feuer und hofften durch die immernoch lodernden Flammen unbeschadet zu entkommen. Doch selbst jene, die dies Kunststück bewältigten, flohen auf die Weiten des Meeres und dort würde sie das Schicksal ereilen. Amrûn sah auf den weiten Horizont, der von heftigen Blitzen durchzogen wurde. Ein Sturm zog herauf, eines der zahlreichen Frühlingsgewitter dieses Jahres. Der Elb vernahm das leise Grollen in der Ferne, bis es plötzlich von den hellen Klängen der Turmglocken übertönt wurde.
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Offline Eandril

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Der Hafen der Schwanenstadt
« Antwort #11 am: 7. Okt 2011, 17:43 »
Oronêl kommt vom anderen Ufer angeschwommen

Oronêl streckte den Kopf aus den Wellen. Das Wasser war eiskalt, und eiskalter Regen prasselte von oben auf ihn nieder, doch er hatte es bald geschafft. Schon lagen die Hafenanlagen von Dol Amroth vor ihm, doch kein Mensch war zu sehen, und das einzige, was er hörte, war das Prassel des Regens und ganz leise der Kampfeslärm von den Mauern.
Seltsam...
Er erreichte eine Treppe, die vom Kai ins Wasser führte, und zog sich erschöpft daran hoch. Kurz überkam ihn ein gewaltiges Schwächegefühl, und er schloss die Augen. Als er sie wieder öffnete, blickte er direkt gegen ein Bein, das in einer glänzenden Beinschiene steckt. Es hatte ihn also doch jemand bemerkt!
Ein Glück, dass sie nicht sofort geschossen haben...
"Aufstehen!", ertönte eine unfreundliche Stimme. Diesmal zögerte Oronêl nicht, sondern kam auf die Beine und sagte: "Friede! Ich bin nicht euer Feind, sondern will euch helfen!"
"Mag sein", antwortete der Anführer der drei Männer, die ihre Schwerter gezogen und auf Oronêl gerichtet hatten. "Doch wir sind vorsichtige Leute. Zu oft haben die Schergen Mordors versucht, sich bei uns einzuschleichen! Nun vertrauen wir nicht mehr jedem Dahergelaufenen." "Ich bin nicht irgendein Dahergelaufener, sondern ein Elb aus dem Hause Lenwes! Wenn ihr mir nicht glaubt, so bringt mich zu eurem Fürsten, denn nur er soll über mich urteilen.", erwiderte Oronêl stolz.
Was hat Sauron diesen Menschen nur angetan? Sie können nicht immer so gewesen sein.
Der Anführer lachte verächtlich. "Du glaubst, wir bringen dich einfach so zu unserem Herrn, damit du ihn ermorden kannst? Los, fesselt ihn!" Doch Oronêl hatte blitzschnell seinen Dolch gezogen, tauchte schneller als ein Mensch sein konnte, unter dem Schwert des Mannes hindurch und hielt ihm den Dolch an die Kehle. Er atmete schwer und konnte seinen Zorn kaum noch bezähmen. "Wie kannst du es wagen, am Wort eines Elben zu zweifeln? Ich werde dir meine Waffen übergeben, wenn du mir schwörst, mich zum Fürsten zu führen, und ich gebe dir mein Wort, dass ich nicht versuche zu fliehen! Nun?", sagte er. "Ich..." Der Anführer wand sich unter Oronêls Dolch. "Ich bin einverstanden.", presste er schließlich zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. "Na los, ihr Trottel, worauf wartet ihr noch!?", herrschte er die beiden Soldaten an, die noch immer ihre Schwerte auf Oronêl gerichtet hatten, denn dieser machte keine Anstalten, den Dolch zu entfernen. Die beiden senkten ihre Schwerter, und Oronêl zog den Dolch zurück, fasste ihn an der Spitze und überreichte ihn dem Anführer mit dem Griff zuerst.
Na endlich! Ich hätte mich auch nicht viel länger beherrschen können... wer hätte gedacht, dass die Menschen so unzivilisiert sind?
Dann entledigte er sich seines Bogens, seiner Pfeile und schließlich seiner Axt, und übergab alles dem Anführer. "Na schön." knurrte dieser. "Folgt mir! Aber der Fürst wird nicht begeistert sein, mitten im Kampf mit so etwas belästigt zu werden." "Er wird damit leben können" erwiderte Oronêl kühl. "Und jetzt los!"

Oronêl zu den Verteidigungs- und Maueranlagen
« Letzte Änderung: 12. Feb 2013, 13:56 von Eandril »

Listen to the wind blow, watch the sun rise
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Offline Thorondor the Eagle

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Re:Am Hafen
« Antwort #12 am: 16. Okt 2011, 20:10 »
Der Regen prasselte bereits in Massen aus den grauen Wolken, als Amrûn mit dem Schiff in die Hafenanlagen Dol Amroths einlief. In der Ferne vernahm er grausame Schreie und Zurufe, die eine unfassbare Angst in ihm hervorriefen.
Der Elb konnte es kaum abwarten von Bord zu laufen und in die Stadt um an forderster Front gegen die Infaterie Saurons zu kämpfen. Er war vom Mut und Adrenalin beflügelt.

„Mein lieber Herr Elb!“, rief ihm der alte Kapitän zu.
Überrascht drehte er sich um.
„Wo wollt ihr so schnell hin? Könnt es wohl kaum erwarten die Klinge erneut mit Abschaum zu kreuzen.“
„Nein! Solange ich Kraft in meinen Armen habe, sollen sie mich fürchten! Es wäre mir eine Ehre ein weiters Mal mit euch in die Schlacht zu ziehen.“
Ein schmales Grinsen kam über die Lippen des Alten: „Auf hoher See spielt hohes Alter keine Rolle, doch für den Kampf am Lande, so fürchte ich, ist mein Arm zu zittrig und meine Reaktion zu langsam. Meinen Beitrag für die Schwanenstadt habe ich geleistet und meinen Eid geachtet.“
Ehrfürchtig neigte der Elb den Kopf: „Lebt wohl“, verabschiedete er sich hastig und er spürte den mit Stolz erfüllten Gesichtsausdruck des Admirals in seinem Nacken.

Trotz des eintretenden Frühlings war der Regen bitter kalt. Wie Nadelstiche fühlte es sich an, wenn die einzelnen Tropfen auf die erhitzte Haut fielen. Doch der Elb lies sich nicht aufhalten. Unentwegt sprintete er durch die engen Gassen der Schwanenstadt, getrieben von den erbarmungslosen Schlachtrufen.
Rücksichtslos preschte er gegen die Tür des Hauses indem er wohnte. Gleich im Zimmer neben dem Eingang lag seine Rüstung sorgfältig vorbereitet. Er streifte sich das durchnässte Lederwams vom Körper.
„Mein Herr!“, überraschte ihn Limris, die von dem lauten Knallen der Tür aufgeschreckt war.
„Limris! Wo ist Gwilwileth?“, fragte er energisch.
„Bei Imrahil. Sie sind bei der Mauer nahe dem Haupttor.“
„Was passiert da draußen?“
„Ich weiß es nicht. Man hört nur, dass sich das Orkheer in Bewegung gesetzt hat. Die Schlacht wird bald beginnen.“
„Schnell, helft mir. Ich muss zu ihnen.“
Ohne zu zögern half sie Amrûn die Rüstung Dol Amroths anzulegen.

Um den Hals trug er das Medallion Galadriels. Wie eh und je war es von sattem orangen Licht umhüllt.
„Es ist wunderschön“, sagte Limris und bedrachtete es eingehend.
„Es war ein Geschenk meiner Herrin und verbirgt einen schwachen Abglanz Laurelins. Das Schmuckstück vermag weder zu heilen noch wird es uns helfen diese Schlacht zu gewinnen, aber wenn man in es hineinblick verliert man sich in Träumen, die eine schönere Zukunft versprechen.“
„Es lässt euch in eure Zukunft blicken?“
„Nein“, antwortete Amrûn und lächelte dabei „Würde ich wissen wie die Zukunft aussieht, wäre ich wohl kaum hier. Ich träumte von Momenten die vielleicht eintreffen werden, auf die zu warten es sich aber jedenfalls lohnt.“
„Dann verbirgt es eine unbezahlbar große Macht, denn es spendet Hoffnung und Mut.“

Überrascht schauten beide zur verschlossenen Eingangstür, denn für einen kurzen Moment wurde es laut auf den Straßen. Jubelrufe hallten durch die Stadt und der Elb war für einen winzigen Augenblick beruhigt. Beinahe glaubte er, einen Sieg schon errungen zu haben und die Schlacht und der Kampf um Mittelerde seien bereits vorüber. Sein Griff um den Schwertschaft wurde fester und seine Brust hob sich beim tiefen Luftholen.

Plötzlich vernahm er ein lautes Grollen. Die beiden Elben zuckten zusammen.
„Es hat begonnen!“, hauchte Limris und sah verzweifelt zum Fenster. Die wohlige Wärme die gerade eben den Raum durchflutete, war in eben diesem Moment wieder verflogen.
„Geh mit dem Jungen zu den anderen Frauen und Kindern. Bleibt stehts im Verborgenen und wenn die Mauer fällt, dann seht zu, dass ihr mit dem Schiff flieht“, befahl Amrûn der Elbe.
„Möge die Macht der Valar dich und Gwilwileth beschützen“, sagte sie ihm hinterher, als er bereits zur Tür wieder rausstürmte.


Amrûn zu den Verteidigungsanlagen
« Letzte Änderung: 15. Feb 2016, 10:16 von Fine »
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Offline Thorondor the Eagle

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Re:Am Hafen
« Antwort #13 am: 29. Nov 2011, 22:17 »
Celebithiel, Oronel und Amrûn von Vor der Stadt...


Amrûn und Oronel durchquerten die Verteidigungsanlagen des Hafens und hielten auf der schmalen Brücke. Seit Stunden hatten sie die Stadt nach Celebithiel abgesucht. Sie waren im Palast, am Platz der tausend Schwanenfedern, in ihren Gemächern und jedem Ort den sie in Dol Amroth je betreten hatte. Nur hier hatten sie nicht gesucht, obwohl es Amrûn ahnen hätte können.

Ihr suchender Blick schweifte über das Kai und hielt an einer freien Ankerstelle. Dort saß die blonde Elbe. Die Windböhen wölbten immer wieder ihr Haar und liesen es wieder erschlaffen. Die Sonne war gerade dabei unterzugehen und das rote Licht liesen das prachtvolle Schwert Glorfindels neben Celebithiel förmlich erglühen.

Die Elben gingen zu ihr und obwohl sie ihre Gefährtin hörte, schaute sie nicht zu ihnen hoch: „Es geht euch besser?“
„Ja“, antwortete Amrûn in sanften Tonfall „Wir sind zur Ruhe gekommen, nach dieser furchtbaren Schlacht. Haben unsere Erschöpfung und Wunden geheilt, nur was ist mit dir? Warum sitzt du hier, ganz alleine?“
„Ich war mit Imrahil am Schlachtfeld. All diese Gefallenen unter ihren weißen Tüchern. Es sah aus, wie eine grüne Sommerwiese, gespränkelt mit unzähligen, silbernen Niphredil. Aber…“ Celebithiel begann mit den Tränen zu kämpfen. Ihre Stimme wurde unsicher.
„Aber es war kein schöner Anblick. Dort oben sind Menschen gestorben und Kinder! Amrûn, Kinder!“

Die letzten Worte presste sie mit Gewalt heraus, ehe aus Ihren Augen ein Schwall aus Tränen kam und ihre Stimme versagte. Der Elb setzte sich neben sie und nahm eine ihrer Hände, die sie annahm und leicht zusammendrückte um den Schmerz zu ertragen. Für längere Zeit saßen sie am Kai und sagten nichts. Der Elb schaute in den roten Sonnenuntergang.

Nachdem sich die Elbe ein wenig gefangen hatte, begann sie wieder zu sprechen: „Denkt ihr…“,  sie wischte sich mit einem Tuch die Tränen aus dem Gesicht und säuberte ihre Nase: „Denkt ihr, der Sonnenuntergang sieht dort anderst aus?“
„Ich glaube schon“, antwortete Amrûn.
„In Valinor gibt es keinen Krieg mehr; keine Schlachten und kein Blutvergießen. Wenn es diese Gräuletaten nicht gäbe, hätte die Sonne keinen Grund sie widerzuspiegeln und Tag für Tag ihr blutrotes Licht auf diese Welt zu werfen.“
„Wenn es so ist, dann sehen sie sicherlich anders aus“, sagte nun Oronel „Was da draußen geschehen ist, lässt sich kaum in Worte fassen. Menschen mussten sterben und auch Kinder. Und wir sitzten nun hier – erschöpft – und müssen in den Sonnenuntergang schauen, immer die Bilder der blutüberströmten Leichen im Hinterkopf. Vielleicht hätten wir es in Valinor leichter und könnten dort ein schönes, ruhiges Leben weit ab von Schmerz führen, doch müssen wir bedenken, dass hier weiterhin Tag um Tag die rote Sonne aufgehen wird.“
„Und mit uns haben sie es sicherlich leichter also ohne uns“, ergänzte ihn Amrûn.
Der Druck auf Amrûns Hand lies ein wenig nach. Ihr Blicke wanderten wieder zum Horizont und sie beobachteten den Horizont, der die gelbe Scheibe langsam verschluckte, bis die ersten Sterne am Himmel standen.


Celebithiel zum Palast des Fürsten
Oronêl ins Lazarett
« Letzte Änderung: 24. Mai 2017, 15:14 von Fine »
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Offline PumaYIY

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Re:Am Hafen
« Antwort #14 am: 25. Dez 2011, 16:54 »
Karthull von Dol Amroth: Vor der Stadt


"Warum ich so betrübt gucke?", wiederholte Karthull die Frage und musste wiederwillig lachen. Den ganzen Vormittag saß Karthull nun schon in dieser modrigen Spelunke und trank und döste vor sich hin. Ab und an kam mal ein anderer Gast herein und grüßte, doch das Lärmen und Hämmer von der Schiffsreparatur draußen verstärkten Karthulls Erschöpfung und Widerwillen so sehr, das er nicht aufblickte um zurückzugrüßen. Nun fragte auch noch der alte Wirt, weshalb er so betrübt gucke.
"Weil ich am Leben bin." ,antwortete Karthull und schmatze nach Luft. Ich hätte nicht gedacht, dass mir das Reden so schwer fällt.
"Wäre ich Tod könnte ich doch garnicht so betrübt gucken."
"Das ist natürlich klar", antwortete der Wirt trocken und musterte den niedergeschlagenen Karthull eingehend:"aber gibt es, denn keinen Grund warum du so sehr Trübsal bläst?"
"Du erinnerst dich vielleicht an die Schlacht?", natürlich war Karthulls Frage rhetorisch und sie munterte den Wirt nicht gerade auf. Energisch antwortete er: "Wir haben hier alle unsern Teil zum Sieg beigetragen, manche ... viele haben Angehörige verloren, doch das ist kein Grund sich selbst auch übel zuzurichten indem du hier den ganzen Tag nur Kneipenluft schnupperst."
"Nunja bei mir verlief die Geschichte etwas anders, als bei "Vielen"...", eine innere Stimme verbat ihm darüber zu sprechen, denn eigentlich war Karthull immernoch geheim im Auftrag des Fürsten unterwegs, doch der angeschwollene Alkoholpegel lies Karthull diese Stimme ignorieren. Er erzählte wie er Minas Thirit ausgesandt worden und mit Estomir schließlich im Lager der Mordorsoldaten angekommen war:
"Doch dieser erste Abend im Lager der Mordorsoldaten ist nun schon mehrere Wochen her. Alle fantastischen Ideen aus dem Lager  zu entfliehen oder gar die Banner verschwinden zu lassen entpuppten sich als leichtgläubige, schlichtweg dumme und undurchdachte Überlegungen. Die Angst bestimmt die Moral im Heer des Nazgul." , bei diesen Worte zitterte Karthull und sein Blick wurde starr.
"bestimmte" , verbesserte ihn der Wirt etwas übermütig: "denn der Nazgul ist besiegt!"
"Die Angst hat bestand. Ich hatte dir doch erzählt, dass Estomir und ich ins das Lager gekommen sind um die Nachricht zu überbringen in Minas Thirit sei alles unter Herumors Kontrolle?
Der Komandeur meiner Korsarengruppe hat mich gemocht und deshalb geschützt. Ich hatte ihn an sein Sohn erinnert hat mir ein Kamerad im Lager, und doch ein Feind in Wahrheit, da ich im Heer meiner Feinde war, erzählt. Deswegen hat er Estomir geopfert, um mich zu schützen." Die Verbitterung in Karthulls Gesicht war groß und einzelne Tränen der Trauer machten sich kamen ihm in die Augen.
"Halt, das versteh ich jetzt nicht. Ich kann dem nicht ganz folgen. Estomir wurde geopfert? Wieso?" , der Wirt blickte Karthull iritiert an. Er hatte sich Mühe gegeben der ganzen Geschichte folgen zu können, was nicht so leicht war, da Karthull durch den mäßigen Alkoholgenuss sowieso undeutlich und geschwollen sprach, doch das nun wirklich unverständlich.
"Die wahre Nachricht über den Aufstand in Minas Thirit war uns dicht auf den Fersen und traf drei Tage nach unserer Ankunft, mit einer Gruppe von flüchtigen Orks ein. Es kam heraus, dass jemand die letzte Nachricht gefälscht haben musste. Der Komandeur meines Trupp, der mich wohl mochte bürgte für mich und beschuldigte Estomir. Doch bevor er zum Nazgul geführt wurde und ihm wohlmöglich auch noch von meinem Verrat an Mordor erzählt hätte hat er seine Orkwächter so provoziert, dass sie ihn töteten."
"Eine grauenvolle Geschichte!" , entgegnete der Wirt einfühlsam und distanzierte sich sofort wieder: "Hättest du ehrenvoll und offen gekämpft und dich bei den Seefahrern von Dol Amroth als Kämpfer gemeldet, wärst du nie in eine solch unbehagliche Lage geraten."
"Naja zum Kampf bin ich ja noch gekommen." , flüsterte Karthull sarkastisch und weinte verbittert. "Aus der Armee gab es kein Entkommen und der Nazgul, so hieß es, wollte Dol Amroth nun, da Minas Thirit ein weiterer Gefahrenherd war, so schnell wie möglich übernehmen. Damit er bereit wäre auf den Befehl des dunklen Herrschers zu reagieren, sollte er aufgefordert werden Minas Thirit erneut zu unterwerfen.
Ich konnte nicht fliehen und musste schließlich in der Armee aus Orks und Ostlingen gegen die Stadt ziehen." Karthull schüttelte sich vor Selbstekel und der Wirt schaute ihn weiter ungläubig an. "Mein Glück war nur das Chaos, dass herrschte als der Ursprung der Angst, der Nazgul gefallen war und dass ich nicht bei den ersten Soldaten war, die das Tor durchbrachen. Als der zweite Schrei des Nazgul ertönte, war ich nur noch einige dutzend Meter vom Tor entfernt. Es war ein komisches Gefühl, denn der Druck vom Hintermann, der einen dazu zwang zügig weiterzumarschieren wurde schwächer, während einige Ostlinge sogar zurückdrängten. In diesem Druck zwischen den zwei Bewegungen nach vorne und nach hinten wurde ich mit wenigen anderen, die diesem auch nicht gewachsen waren, von der Masse nach außen gedrückt und wir fielen den Hang seitlich des Wegs zum Tor hinab. Ich drehte und kullerte mich entkräftet und mit einer Rüstung die um vieles zu schwer für mich war den Hang hinab bis ich schließlich wohl mit dem Helm auf einen Stein aufgekommen bin und bewusstlos wurde."
"Was du mir da berichtest ist ja ungeheuerlich und da wirft mir manch einer vor ich würde in die Tage gekommenen Seemannsgarn erzählen." , entgegnete der Wirt auf die ausführlichen Schilderungen des nun fast schon nüchternen Karthull.
"Wie gesagt ich hatte wirklich Glück und fiel in ein Gebüsch, sodass ich den Soldaten von Dol Amroth nicht zum Opfer fiel und ich bis zum Ende der Schlacht ohnmächtig war."
"Mensch, Junge du bist ein Glükspilz! Und wieso sitzt du dann hier so betrübt?" , fragte der Wirt nun.
"Die Geschichte geht noch weiter: Ich hatte überlebt, mir die Ostlingsrüstung vom Leib gestreift und war langsam aus dem Gebüsch gekrochen. Die anderen aus der Armee Mordors, die auch den Hang hinab gestürtzt waren, waren meist von Pfeilen durchbohrt oder regten sich aus sonstwelchen Gründen nicht. Ich konnte mich wirklich einfach vor die offenen Tore der Stadt schleppen und wurde für einen Soldaten der Stadt gehalten, der ich im Grunde ja auch bin. Es gab einige, die so kurz nach der Schlacht noch von Heilern übersehen worden waren oder fälschlicherweise für tot gehalten und liegengelassen worden waren. Man brachte mich in das Lazarett, es war überfüllt, doch mir wurde geholfen.
Zwei Tage blieb ich dort, der Stein auf den ich gefallen war hatte doch auch Spuren durch den Helm hindurch hinterlassen. Dannach suchte ich das Haus von meinem Vorgesetzten aus der Zeit in der ich im Kasernenhof hier diente, der erkannte mich, führte mich zum Fürsten und ich konnte ihm alles berichten."
"Ja, aber wieso bist du denn nun so niedergeschlagen?" , fragte der Wirt erneut:
"Es ist mir noch nicht oft passiert, dass ich einen Gast wegen seiner Geschichte bedränge, aber ich bitte dich: Fahr fort!"
"Nach reichlichem Überlegen und Beratung hat der Fürst mir befohlen, ich solle der Armee Mordors folgen und mich ihr möglichst erneut anschließen, um Nachrichten über die Pläne und den Aufenhaltsort der Armee schicken zu können.
Das ist das eine, der Gedanke wieder zu diesen Barbaren zurück zu müssen. Wobei das nicht so schlimm ist, da ich weiß, dass ich für die gute Sache kämpfe und fürstlich belohnte werde."
"Und was ist dann das Andere." , fragte der Wirt neugierig.
"Ich habe alte Bekannte wiedergetroffen. Eine wahrhaft friedliche Bauernfamilie, deren Hof geplündert und deren Tochter verschleppt wurde. Nicht einmal sie wurden vom Krieg verschont!" Karthull schluchzte und fuhr fort: "Sie sind mit einem Elbenschiff von Edhellond hierher geflohen. Ich habe Frau Lûdhra heute morgen als ich aufbrechen wollte zufällig getroffen. Ihr Mann, ein einfacher Bauer hat sein Leben hier bei der Verteidigung der Stadt gelassen und nun steht sie alleine mit ihrem einzig verbliebenem Sohn in Dol Amroth, einquartiert in eine notdürftige Unterkunft und sie müssen von ihren Ersparnissen und Erbetteltem leben. Da hat mich heute Morgen der Mut verlassen ich bin innerlich zusammen gebrochen und hier gelandet, wo ich einem Wirt alles erzählt habe, was geheim hätte bleiben sollen."
"Tja, ich bin nicht irgendein Wirt. Ich kann Geheimnisse für mich bewahren sei dir da sicher! Ich war Admiral in längst vergangen Tagen, doch auch ich habe in der letzten Schlacht gekämpft. Ich gebe dir mein Ehrenwort als Admiral, dass deine Geheimnisse bei mir geheim bleiben! Doch solltest du vorsichtiger sein bei wem du dich betrinkst, denn Gerüchte machen die Runde, dass selbst nach der langen Belagerung und dem Kampf einige Spione und Feinde in der Stadt verweilen. Es soll zu einem versuchten Attentat auf den ältesten Fürstensohn gekommen sein, sagen manche. Aber das sind nur Gerüchte und von denen gibt es dieser Tage viele." , der Wirt war froh, dass er nicht mehr zuhören musste, denn so interessant die Geschichte von Karthull auch war, lag es dennoch in seiner Natur seinen Gästen die neusten Gerüchte der Stadt kund zu tun.
"Du sagtest aber du hättest den Auftrag vom Fürsten bekommen dich der Mordorarmee anzuschließen? Dann solltest du dich beeilen und nicht nach hinten blicken! Der Familie Lûdhra wird geholfen, schließlich ist das hier eine geschäftige Stadt, ich bin mir sicher sie werden eine richtige Unterkunft und eine gute Arbeit finden."
"Danke, für die Aufmunterung! Ja, heute ist es vermutlich zu spät, um noch aufzubrechen, doch morgen will ich sofort aufbrechen."
So verließ Karthull die Kneipe am Hafen und machte sich bereit am folgenden Tag die Suche nach der Armee Mordors aufzunehmen.


Karthull nach Belfalas
« Letzte Änderung: 16. Aug 2016, 15:24 von Fine »

Offline Vexor

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Re:Am Hafen
« Antwort #15 am: 30. Dez 2011, 01:01 »
Celebithiel vom Lazarett


Die letzten Tage waren verrückt gewesen. Die Anschläge auf Oronêl hatten Celebithiel kaum schlafen lassen und so wälzte sie sich oft in ihrem Bett und wachte schweißgebadet auf.
Überall sah sie einen Schatten, ein verborgenes Messer, weswegen sie die Einsamkeit suchte.
Wer könnte es auf den Ring abgesehen haben?
Woher könnte man es erfahren haben?
Es muss jemand sein, der Ahnung vom Schmieden der Ringe hat!
….Saruman?!


Irritiert schüttelte sie den Kopf und rieb sich das Gesicht. Es war finstere Nacht, als sie durch das Fenster hinaus auf das Meer blickte und ihr fahles, müdes Antlitz erblickte.
Das ist Unsinn Celebithiel, wie sollte er nach Dol Amroth kommen. Wie könnte er davon erfahren haben…

Sie entschied sich einen Spaziergang zu machen, um die Müdigkeit aus ihren Beinen und ihren Geist zu verbannen.
Celebithiel hatte die rotblonden Haare zu einem freudlosen Pferdeschwanz gebunden und ein nachtblaues Kleid übergezogen, als sie durch die gepflasterten Straßen der Schwanenstadt schlenderte.
Wie friedlich die Stadt in den frühen Morgenstunden ist. Jungfräulich und sorglos. Wie ein Neugeborenes, das noch nicht den verpesteten Atem unserer Welt gerochen hat…
Ihre Füße trugen sie zum Hafen, wie so oft in den letzten Tagen. Das salzige Meer hatte nichts von seiner Verlockung, seiner Anziehungskraft verloren. Aber diesmal zog sie es nicht zum Wasser. Diesmal nahm sie die steinerne Treppe, die an den Klippen entlang zum Leuchtturm führte, der an der höchsten Stelle der Stadt thronte und über jene zu wachen schien.

Der Himmel hatte einen zarten Rosaton angenommen und die Wellen schlugen mit brachialer Gewalt gegen die Steilküste, die sich metertief unter Celebithiel erstreckte.
Ein paar Möwen kreisten neben ihr, wie zum Hohn über einen Elben, der die Lüfte erobern wollte, bevor sie sich in die Tiefe stürzten, um zu jagen.
Frei, wie ein Vogel. Frei von Angst und Not. Wäre das nicht schön?...Nein! Was wären wir ohne Angst und Sorge? Ist es nicht das, was unser Leben ausmacht? Wodurch wir uns definieren. Zeige mir ein Wesen voller Glück und ohne Zweifel und ich zeige dir ein Wesen, das selbst den größten Zweifel hegt…den letzten Zweifel…die letzte Sorge; nämlich all dies wieder zu verlieren.
Nur ein rissiges Seil trennte die Elben nun noch vor dem sicheren Tod in den Gewässern dieser Welt. Die Spitze des Leuchtturms und das kleine Plateau, welches um ihn angelegt war, war nicht mal eine Armlänge breit. Celebithiel musste sich mit dem Rücken zur Wand drücken, um nicht abzurutschen.
Erst als sie das innere des Leuchtturms betrat merkte, wie schnell ihr Herz raste und wie ihr der Schweiß von der Stirn tropfte.

Vielleicht sind die Vögel doch nicht frei…vielleicht spüren sie ebenfalls das Adrenalin?!
Mit diesen Gedanken ließ sie sich niedersinken und erblickte wie eine gleißende Sonne über den östlichen Ausläufern des Meeres aufstieg und die Welt in eine absolute Friedlichkeit tauchte.
„Wunderschön..“, flüsterte Celebithiel und eine Träne, die der Schönheit der Natur gebührte, kullerte über ihre Wange.
„Ich wusste nicht, dass Celebithiel, die silbergekrönte Elbenmaid, zum Fliegen geschaffen wurde?“.

Einen Moment dachte Celebithiel, dass die Sonne mit ihr sprechen würde, aber dann erkannte sie die Stimme. Erinnerte sich an die Freude, aber auch an den Schmerz, der damit verbunden war.
„Antien…aber wie…woher?!“
Sie sprang hastiger auf, als sie es gewollt hatte, und fiel dem dunkelhaarigen Elben um die Arme, während sie ihn freundschaftlich küsste.
„ Es freut mich auch dir wieder in die unergründlichen blauen Augen zu sehen Celebithiel, aber es ist keine frohe Kunde, die uns wieder zusammengeführt hat. Unser aller Herrin Galadriel schickt mich und Faendir…“
„Saruman!“, entfuhr es Celebithiel ohne, dass sie wusste woher sie die Gewissheit nahm.
Als Antien nickte blickten die ozeanblauen Augen zu der gleißenden Sonne, die in der relativ kurzen Zeit ein beträchtliches Stück zurückgelegt hatte. Doch irgendetwas war anders und Celebithiel erkannte schwarze Flecken auf ihr.

Was wären wir nur ohne Ängste und Zweifel…


Celebithiel, Amrûn, Faendir und Antien in die Stadt
« Letzte Änderung: 15. Feb 2016, 14:05 von Fine »


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Offline Eandril

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Abreise
« Antwort #16 am: 3. Nov 2012, 13:58 »
Edrahil, Imrahil, Hilgorn, Elphir, Lóthiriel und Chatara vom Palast


Die Sonne schob sich gerade über den dünnen Morgennebel, als Edrahil den Hafen erreichte. Chatara erwartete ihn bereits, eskortiert von drei Soldaten und, wie er gelinde überrascht feststellte, von Hilgorn, dem frischgebackenen Oberbefehlshaber der südlichen Streitkräfte von Dol Amroth.

Am Fuß der Laufplanke, die zum Schiff hinaufführte, hatten sich Imrahil und seine in der Stadt anwesenden Kinder, Elphir, Erchirion und Lóthiriel versammelt um Edrahil zu verabschieden, wie es schien. Zuerst erreichte er Hilgorn, der ihn ungestüm in die Arme schloss und meinte: "Mögen die Valar auf eurem gefährlichen Weg über euch wachen, Edrahil. Diese Stadt verdankt euch viel, ebenso wie ich. Ohne eure Fähigkeiten hätte wir diesen Angriff nie abschlagen können, und ich wäre nie zum Oberbefehlshaber ernannt worden. Ich danke euch, und ich wünschte, ich könnte mehr für euch tun."

"Diese Stadt verdankt nicht nur mir viel, sondern auch euch, Hilgorn. Ohne euren Einsatz am Tor wären wir womöglich trotz meiner Pläne besiegt worden, und ihr habt euch euren Titel und all eure Ehre selbst verdient. Und wenn ihr etwas für mich tun wollt, so verteidigt den Fürsten, seine Familie und sein Volk gut, bis ich wiederkehre. Mögen die Valar auch über euch wachen."

Dann stand er Chatara gegenüber, die ihn mit unbewegter Miene musterte. "Das war ja rührend. Ihr habt also eure Ziele nun erreicht, und schenkt mir euer Vertrauen. Denkt ihr, das ist klug?", fragte sie, ihn unverwandt weiter anstarrend.

"Nein, ist es nicht," antwortete Edrahil, "und ich tue es auch nicht. Ich vertraue euch nicht mehr als bei unserer ersten Begegnung, ich denke nur, dass eure Worte es wert sind, angehört zu werden. Deshalb werden wir auch nicht alleine reisen. An Bord des Schiffes erwartet uns einer meiner besten Leute, der uns begleiten wird. Mehr braucht ihr nicht zu wissen.", schloss er, und dachte bei sich, wie weise es sich erweisen könnte, Galban mitzunehmen.
Chatara lächelte ihn wölfisch an und erwiderte: "Ihr seid klüger, als ich dachte. Wohin wird uns das Schiff bringen?"
"Wie gesagt, das braucht ihr nicht zu wissen. Ihr werdet es früh genug erfahren, und im übrigen werdet ihr bis zu unserer Ankunft in eurer Kabine bleiben.
Ohne ein weiteres Wort wandte er sich um, und ging weiter auf das Schiff und den wartenden Fürsten zu, doch er merkte, wie Chatara ihm folgte.

"Edrahil," begrüßte Imrahil ihn, "wollt ihr wirklich selber gehen? Die Stadt - Ich - könnte euch hier brauchen."

"Es tut mir Leid, mein Fürst, aber es muss sein. Doch ihr habt eure Söhne an eurer Seite und viele andere gute Männer, Hilgorn, meinen Stellvertreter Amrodin, Amros von Edhellond, Ardamir von Belfalas und noch andere. Und ihr selbst seit der beste von allen, der Truchsess von Gondor und Fürst von Dol Amroth. Ihr werdet dieses Land beschützen, wie ihr es immer getan habt.", erwiderte Edrahil, verneigte sich und sagte noch: "Wünscht mir Glück, das ich Erfolg habe und die Feinde Gondors gespalten und uneins werden."

Imrahil nickte nur und Edrahil wandte sich ab und stand nun Prinzessin Lóthiriel gegenüber, die sagte: "Auch ich möchte euch danken. Ihr habt mich sicher von Tolfalas hierher geleitet, und diese Stadt und damit auch mein Leben. Ich wünsche euch Glück, und werde für eure sichere und erfolgreiche Heimkehr beten." Sie beugte sich vor und küsste ihn leicht auf die linke Wange, wandte sich dann ab und blickte in Richtung der See.

Edrahil machte unwillkürlich eine Bewegung in ihre Richtung, doch besann sich eines besseren.

Es schickt sich nicht! Sie ist die Tochter des Fürsten, und ich der Sohn eines Fischers. Ich habe nicht das Recht, mich um ihre Gefühle zu sorgen.

Also bestiegt er stattdessen die Planke zum Schiff, und hörte, als er beinahe das Deck erreicht hatte, Chataras verschwörerisch klingende Stimme hinter sich: "Sie ist doch ein süßes Ding, nicht wahr, Edrahil?" Er wandte sich abrupt um und stand ihr praktisch Nase und Nase gegenüber. "Sie ist die Tochter des Fürsten, die Prinzessin von Dol Amroth, und es steht euch nicht zu so über sie zu sprechen, noch in diesem verschwörerischen Ton mit mir zu sprechen, als wären wir mehr als eine Zweckgemeinschaft und als würde ich euch auch nur im entferntesten trauen. Beherzigt das, und es wird keine weiteren Schwierigkeiten zwischen uns geben."
Er drehte sich wieder um und bestieg das Schiff, das ihn auf seine Mission nach Harad bringen würde.


Edrahil und Chatara nach Umbar...
Imrahil, Elphir und Hilgorn zurück zum Palast
« Letzte Änderung: 24. Mai 2017, 15:18 von Fine »

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Offline --Cirdan--

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Endlich an Land
« Antwort #17 am: 6. Jan 2016, 22:15 »
Endlich an Land

Merian, Angbor, Odjana und ihre Begleiter auf einem Handelsschiff aus der Bucht von Belfalas

Wunderschön und mächtig ragte die gigantische Festung Dol Amroth vor ihnen auf. Die Dächer der weißen Türme reflektierten die Strahlen der Sonne, die Merian an Bord des Schiffes angenehm in die Augen stachen.
Ein Kriegsschiff aus der Flotte Dol Amroth segelte ihnen entgegen und befahl den Stopp. Die Kapitäne erkannten sich jedoch schnell und ihrem Schiff wurde die Durchfahrt in den Hafen der Schwanenstadt erlaubt.

„Wir werden dort rechts anlegen“, verkündete ihr Steuermann, „nahe des Turmes der Lóthiriel.“
Merian blickte in die Gesichter der Männer Umbars, die ebenfalls an Bord standen und den Blick auf die prächtige Stadt und das Treiben im Hafen warfen. Sie sahen ängstlich aus, denn ihnen war bewusst, dass sie sich hier für ihre Taten verantworten müssten. Nur Odjana wirkte keinesfalls eingeschüchtert. Sie schaute interessiert und aufgeweckt und bei den Worten des Steuermannes sah Merian kurz ein Funkeln in den Augen der Frau. „Lóthiriels Turm?“, fragte Odjana nach. „Sehr wohl“, rief der bärtige Mann am Steuerrad, „Imrahils Tochter liebt den Blick auf die See und den Hafen. Ihr Vater lies zu ihrem zehnten Geburtstag den Aussichtsturm errichten. An nicht wenigen schönen Sommertagen kann man Lóthiriel auf dem Turm stehen sehen, wie sie Ausschau hält, als warte sie auf ein Schiff, das sie weit hinaus auf die See und in neue Lande trägt.“   
Merian wollte sich grade zu Odjana stellen und sie auf ihre möglichen Pläne ansprechen, als ihm Angbor von hinten auf die Schulter klopfte. „Das wird eine Überraschung geben!“, freute sich Angbor, „ich bin auf das Gesicht des Fürsten gespannt. Begleitet ihr mich in die Ratshallen um Bericht zu erstatten Kriegsveteran Merian?“ „Nennt mich nicht so“, schüttelte Merian Angbors Hand von seiner Schulter, „aber begleiten werde ich euch natürlich gerne.“

Als sie angelegt und das Schiff verlassen hatten, übergab Angbor die Gefangenen aus Umbar an die Stadtwache von Dol Amroth. Einer der Soldaten packte nach Odjana, die sich mächtig wehrte: „Herr! Der Mann tut mir weh!“, rief sie zu Angbor herüber. Merian verdrehte die Augen und sprach zu ihr: „Was hast Du erwartet? Einen königlichen Empfang?“ „Immerhin habe ich dich und nicht wenig andere vom Ertrinken gerettet“, argumentierte Odjana, „und in Linhir habe ich die Menschen aus ihren Gefängnissen befreit.“
„Lasst die Frau los“, befahl Angbor“, Du wirst dich nicht von meiner Seite bewegen Odjana, bis über dich entschieden ist. Alle Anderen werden in die Kaserne gebracht und bewacht.“ Abschließend ordnete Angbor an den Palantir im Laderaum des Schiffes an Bord und verdeckt zu halten.
Auf dem Weg zum Palast unterhielt sich Angbor noch einige schnelle Worte mit dem Kommandanten des Hafens und ließ sich über die neusten Entwicklungen und des Eintreffens des Prinzen Elphir in Begleitung vom Südländer Qúsay berichten.


Merian und Angbor mit Odjana zum Platz der tausend Schwanenfedern


Link korrigiert
« Letzte Änderung: 26. Aug 2016, 14:13 von Fine »

Offline kolibri8

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Re: Am Hafen
« Antwort #18 am: 13. Feb 2016, 11:03 »
Qúsay und Dirar vom Fürstenpalast.

Nach einem kurzen Stopp am Stall, in dem sie ihre Pferde holten, ritten Qúsay und Dirar hinunter zum Hafen. Ein Gondorer, namens Túon begleitete sie, als Gesandter Imrahils. Als solcher trug er Urkunden bei sich, die Qúsay als Herr über Harondor und Vasall Gondors auswiesen, sowie Dokumente für den neuen Bürgermeister von Linhir, dessen Wahl mittlerweile stattgefunden haben müsste, sofern Túrin Elphirs Befehle richtig ausgeführt hatte.

Am Hafen wurden sie bereits von einem prächtigen Schiff aus weißem Holz erwartet, der Bugsteven hatte die Form einen Schwanenkopfes und das Banner mit dem weißen Schwan wehte an der Spitze des höchsten Mastes. Der Kapitän des Schiffes erwartete sie schon und brachte sie zügig und recht Wortkarg an Bord.

Qúsay, Dirar und Túon mit dem Schiff nach Linhir.
« Letzte Änderung: 13. Feb 2016, 12:03 von kolibri8 »
RPG:
1. Char Alfward bei Dol Guldur.
2. Char Qúsay in Aín Sefra.

Das Wiki zum RPG. Schaut mal ruhig vorbei ;).

Neu im RPG und Probleme mit dem Namen? Schickt mir einfach 'ne PM ;).

Geschichtsfragen? Hier gibt's Antworten.

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Die Entführung der Prinzessin
« Antwort #19 am: 16. Feb 2016, 14:38 »
Die Entführung der Prinzessin

Merian aus der Stadt
Elune vom Palast

Merian erinnerte sich an lange Gespräche mit Odjana in Linhir und einen Brief, den er nur durch pures Schicksal zu lesen bekam. Welch Worte wählte fremder Fürst im weiten Land? Welch Plan hatte Suladan geschmiedet um das Hause Dol Amroths zu brechen? Merian erinnerte sich an gelesene Worte, die die treusten Diener Suladans dazu aufriefen die Kinder des Fürsten Imrahil zu entführen und nach Harad zu bringen. Doch konnte Odjana tatsächlich glauben, sie könnte Lóthiriel oder einen der Söhne des Statthalter Gondors direkt aus Dol Amroth entführen? Wahnsinnig wäre es. Dennoch lief es Merian kalt den Rücken herunter, als er darüber nachdachte.

Seine Schritte führten ihn zurück in den Hafen und  vorbei an dem Handelsschiff mit dem er hergekommen war. Einige Männer waren grade dabei, wohl auf Imrahils Befehl, den riesigen Palantír von Bord zu hieven. Angrenzend an die Kaianlagen stand der Turm der  Lóthiriel, den sowohl Merian als auch Odjana schon bei ihrer Ankunft in der Schwanenstadt betrachtet hatten. Eine hölzerne Tür in Wasserrichtung schien der einzige Eingang zu sein. Vorsichtig drückte Merian gegen die Tür, die langsam aufschwang. Merian trat in einen großen leeren Raum. An der Wand erkannte er eine Wendeltreppe die hinauf zu höheren Ebenen führte. Leise Stimmen vernahm der Steinmetz von oben und blieb zu nächst wie angewurzelt stehen und lauschte einige Zeit.

Er hörte drei Frauen, die sich unterhielten. Nach Kurzem stellte sich eine Stimme als die Odjanas heraus und eine Andere war die Stimme von Elune, der jungen meist weiß gekleideten Frau, der er schon in Linhir begegnet war. Die letzte Person konnte nur Lóthiriel, schloss Merian. Die drei Frauen unterhielten sich anregend, aber nicht streitend. Sie blickten wahrscheinlich aus den Fenstern des Turmes auf das Meer hinaus und verfolgten mit ihren Blicken ein Schiff am Horizont. Merian hörte Lóthiriel vom wegsegelnden Qúsay berichten, ihrem Ehemann der im Osten wichtige Angelegenheiten zu klären hatte. „Und Euch verlangt es nicht nach Osten?“, hörte Merian die Stimme Odjanas. Lóthiriel widersprach: „Auch meine Interessen sind östlich von hier. Mein Vater überschrieb mir das Fürstentum Tolfalas, meine geliebte Insel die ich schon bald wieder besuchen will.“
Merian wagte es nicht sich im Erdgeschoss zu bewegen, während er lauschend das Gespräch im oberen Teil des Turmes verfolgte. „Warum wartet ihr? Warum zögert ihr aufzubrechen in euer Land?“, hörte er jetzt wieder Odjana sprechen und kurz danach mischte sich Elune ein: „Meine Herrin und Freundin Lóthiriel, überhastet nichts. Tolfalas einen Besuch abzusuchen ist sicher nicht verkehrt, aber wäre Edrahil jetzt hier, würde er sicherlich davon abraten.“
„Ist er aber nicht“, entgegnete Lóthiriel als wolle sie sofort aufbrechen. „Euer Vater wird es euch nicht erlauben“, erklärte Elune.
„Wir brechen sofort auf“, schlug Odjana vor, „ihr seid die Tochter des Statthalters. Ihr fordert ein Schiff und segelt zu eurem Fürstentum. Noch bevor euch euer Vater  widersprechen kann, sitzt ihr längst auf eurem Thron auf Tolfalas.“
Merian vernahm Zustimmung bei Lóthiriel und Widerworte von Elune: „Ihr wart schon immer so leichtsinnig meine Herrin!“ Schritte auf der Treppe hörte Merian und stolperte daraufhin rückwärts aus dem Turm heraus. Die drei Frauen kamen den Turm herunter und traten hinaus auf die Straße des Hafens. Merian versteckte sich hinter einer Häuserecke, noch immer unschlüssig, was er tun sollte. Er beobachtete, wie Odjana etwas aus ihrem Umhang holte und mit Lóthiriel und Elune auf eine baldige Überfahrt anstieß.

Der Steinmetz faste einen Entschluss. Er wusste verhindern das Lóthiriel nach Tolfalas segelte, denn dort war sie bei weitem nicht sicher vor den Plänen der Haradrim und Odjanas. Er musste Angbor oder Golasgil oder Imrahil und Elphir informieren, aber er würde wohl kaum alleine in die Zitadelle gelassen und er hatte keine Ahnung, wo sich Angbor aufhielt.  Neben einem Karren auf dem in diesem Moment der Palantir abtransportiert wurde, stand ein Botenjunge der Zitadelle. Merian ging schnellen Schrittes auf den Jungen zu um ihn um Hilfe zu bitten.
Merian stockte der Atem, als er das Kind erkannte. Sein Kind, seinen Sohn. Merian lief, so schnell es sein noch immer schmerzendes Knie zuließ. Sein Sohn erschreckte, erkannte seinen Vater jedoch schnell und Beide schlossen sich fest in die Arme. Merian entglitten einige Tränen, während er die Wärme seines Kindes spürte. Sein Sohn hatte viele Fragen, die Merian versuchte in Kürze zu beantworten. Er blickte allerdings auch immer wieder in den Hafen und verfolgte beiläufig wie Lóthiriel mit einem Schiffkapitän der Flotte Dol Amroths sprach. Merian musste seinen Sohn in seinen Berichten wie es ihm ergangen war unterbrechen, obwohl es ihn sehr interessierte und er es liebte die Stimme seines Sohnes zu hören. „Kannst Du mir helfen? Jetzt gleich?“, fragte Merian, „ich befürchte Suladan plant Imrahils Tochter Lóthiriel zu entführen.“ Merian überlegte auch von Odjana zu erzählen, aber er fand es besser, wenn sein Sohn nicht wusste wie gut er diese Frau kannte.
„Die Pläne sind bekannt“, entgegnete Merians Sohn, „ich hörte wie sie in der Zitadelle darüber sprachen. Frau Lóthiriel wird rund um die Uhr von der in weiß gekleideten Kämpferin begleitet.“ „Elune heißt sie, ich weis“, entgegnete Merian, „aber dennoch. Eile bitte hinauf zur Zitadelle und finde jemandem mit Einfluss der dir Gehör schenkt.“
Merians Sohn blickte seinen Vater noch einmal lange an, dann lief er.

Merian hingegen wandte sich wieder zum Hafen. Odjana konnte er nirgends erblicken, aber Elune erkannte er auf einem Schiff des weißen Schwanes an Deck hingekniet. Er umrundete das halbe Hafenbecken und als er vor dem Zweimaster stand bemerkte er Lóthiriel, wie sie auf den Planken des Schiffes lag. Elune tupfte ihr das Gesicht und der Kapitän sah besorgt nach umstehender möglicher Hilfe. Als Merian das Schiff betreten wollte wurde er aufgehalten, was ihn nicht verwunderte. Mit seinen schmutzigen Lumpen und den Stiefeln des alten Fischers von Tolfalas musste er ebenso wie ein bemitleidender Fischer -oder Steinmetz- aussehen.
„Elune“, rief Merian vom Anlegesteg die junge Frau auf dem Schiff  jetzt direkt an, „ihr kennt mich aus Linhir. Lasst mich helfen. Ich muss euch etwas Wichtiges sagen und euch warnen!“
„Ihr!“, rief Elune aus als sie Merian erkannte und erhob sich ruckartig von der immer noch am Boden liegenden Lóthiriel, „ihr seid ein Sympathisant der Korsaren von Umbar.“
Merian erschreckte: „Nein, Fürst Imrahil hat mich freigesprochen als ich ihm meine Geschichte erzählte. Nicht ich bin der Korsar, sondern Odjana. Wo ist sie?“
Elune ließ nicht mit sich reden und der Kapitän ließ Merian festnehmen und an seinen Schiffsmast binden. Eine befremdliche Situation, die schnell zur Gefahr werden sollte.

Odjana kehrte aus der Stadt zurück und mit ihr die Korsaren. Merian hätte erwartet, dass sie in Dol Amroth sofort erkannt und aufgehalten werden würden. Jedoch wimmelte die Stadt vor fremden Personen, vor allem Kriegsflüchtige aus den unterschiedlichsten Regionen Mittelerdes, die hier in der Stadt des Widerstandes, wie sie genannt wurde, Schutz suchten oder sich zusammen taten.
Odjana und ihre Männer setzten Fuß auf das Schiff und erst jetzt erkannten Elune und der Kapitän die finsteren Gesellen. Trotz Merians warnenden Rufen wurden die Beiden und die paar wenigen Mann Besatzung auf dem Schiff überwältigt, entwaffnet und von Bord gestoßen. Die Seile zu den Stegen wurden gekappt wodurch sich das Schiff langsam vom Land entfernte.
Die Wachen am Hafen hatten die Situation bemerkt. Hörner wurden geblasen und die Besatzung eines im Hafen liegenden Kriegsschiffes machte sich zum Ablegen bereit. Einige Männer spannten ihre Bögen und legten Pfeile auf die Sehnen, was Merians Ängste nicht minderte, da er noch immer ungeschützt und bewegungsunfähig angebunden an dem Schiffsmast dastand.
Er beobachtete die Korsaren, die versuchten eilig Segel zu hissen oder mit Rudern das Schiff aus dem Hafen zu steuern. Odjana unterdes kniete vor Lóthiriel und flößte aus einem kleinen Fläschchen der Prinzessin Dol Amroths eine Flüssigkeit ein. Lóthiriel erwachte daraufhin erschreckt und wurde von Odjana dolchführend zum Heck des Schiffes getrieben. Odjana rief laut in den Hafen hinein und drohte den Soldaten Dol Amroths ihr nicht zu folgen, denn sonst würde es Lóthiriel schlimm ergehen.
Als das Schiff den Hafen längst verlassen hatte, nachdem die Soldaten am Hafen unsicher gezögert hatten, erkannte Merian seinen  Sohn sowie Fürst Imrahil, der auf einem Pferd in den Hafen geritten kam. Welchen Befehl dieser jedoch gab, konnte Merian nicht erahnen. Er hatte ohnehin jetzt ganz andere Sorgen; Gefangen auf einem von Korsaren entführtem Schiff.


Merian, Odjana, Lothíriel und die Korsaren in die Bucht von Belfalas


« Letzte Änderung: 24. Mär 2016, 21:13 von --Cirdan-- »

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« Antwort #20 am: 6. Okt 2016, 18:17 »
Valion und Valirë vom Palast des Fürsten


Die Súlrohír war eines der kleineren Schiffe der Flotte Dol Amroths und besaß zwei Masten mit hellblauen Segeln, auf denen der Silberne Schwan der Prinzen prangte. Ihr Kapitän, ein alter Seefahrer namens Veantur, behauptete, sie sei das schnellste Schiff südlich von Mithlond, doch Valion bezweifelte das. Es war zwar in guten Zustand und hatte an der Zweiten Schlacht um Dol Amroth teilgenommen, aber es war von älterer Bauart und hatte schon viele Seemeilen hinter sich. Die Mannschaft bestand aus fünfzehn Männern und Frauen vom Ethir, die den Zwillingen treu ergeben waren und sich nicht davon abbringen gelassen hatten, Valion und Valirë sicher zum Start ihrer gefährlichen Mission nach Umbar zu bringen. Sie verluden ihre Habseligkeiten unter Deck und machten sich für die Abfahrt bereit.

Zu ihrer Überraschung fanden sie kurze Zeit später, als alles bereit zum Aufbruch war, Elphir und Erchirion am Kai stehend vor. Imrahils Erbe war in Begleitung seiner Frau Tírneth von Anfalas. Er winkte Valion und Valirë zu sich hinüber.
"Macht keine Dummheiten, ihr beiden," sagte Elphir lächelnd.
"Wie mein Prinz befiehlt", gab Valirë spielerisch zurück.
Tírneth, Golasgils Tochter, hatten die Zwillinge während ihrer Zeit in Anfalas kennengelernt. Auch sie war eine gute Freundin geworden. "Passt auf euch auf, hört ihr?" verlangte sie. "Ihr müsst Lothíriel retten!"
"Natürlich, meine Dame," sagte Valion galant. "Ihr werdet sehen, in ein paar Tagen sind wir mit der Prinzessin wieder zurück."
"Ich bewundere deine Zuversicht," sagte Erchirion. "Sieh' zu, dass du mir meine zukünftige Frau wohlbehalten wiederbringst, Valion."
"Das erwähntest du bereits," erinnerte Valion den Prinzen.
Valirë sagte: "Ich kann gut auf mich selbst aufpassen, Verlobter." Sie spuckte das Wort verächtlich aus, und jeder der Anwesenden wusste, dass es die Wahrheit war. Mit Valirë war nicht zu spaßen.

Die Zwillinge betraten den Steg, der ihr Schiff mit dem Festland verband und waren im Begriff, ihre Reise zu beginnen, als eine neue Stimme den Abschied von Dol Amroth durchschnitt:
"Valirë! Edle Valirë! So wartet doch einen Augenblick!"
Es war Amros von Edhellond, der Kommandant der Flotte Gondors. Imrahil hatte ihn erst kürzlich zum Tirn Aear, dem Wächter der Meere ernannt, ein Titel der ihm auch ganz offiziell den Oberbefehl über alle Schiffe und Kapitäne verlieh, die zwischen Dol Amroth, Anfalas, Linhir und Tolfalas kreuzten. Und ganz offenbar zeigte das, was Valirë mit ihm angestellt hatte um ein Schiff für die geheime Fahrt zum Ethir zu erhalten, weiterhin Wirkung.
Keuchend und außer Atem kam Amros am Kai zum Stehen. "Was gibt es, Wächter der Meere?" fragte Valirë gleichmütig.
"Ich... ich wollte mich von Euch verabschieden, edle Dame," stieß Amros hervor. Sein Gesicht war rot von der Anstrengung, doch offensichtlich nicht ausschließlich davon.
"Nun, dies habt Ihr hiermit getan. Gibt es sonst noch etwas, das Ihr sagen möchtet?" gab Valirë zurück. Erchirion beobachte sie neugierig.
"Nun, ich... ich wünsche Euch viel Erfolg auf Eurer Mission... und hoffe, Ihr kehrt unversehrt wieder!" sagte Amros. "Das hoffen wir in Dol Amroth alle, schätze ich..."
Valirë schenkte dem Mann ein kleines Lächeln. "Das werde ich, nur keine Sorge. Wir sehen uns bestimmt bald wieder, Kommandant." Sie winkte ihm anmutig zu und betrat das Schiff.
Auch Valion nahm nun Abschied von den Prinzen Dol Amroths und ging an Bord der Súlrohír, begleitet von den besten Wünschen seiner Freunde.

Im Kommandodeck fanden sie Kapitän Veantur vor, gebeugt über einen großen Tisch mit Seekarten darauf. Der Alte brummelte vor sich hin, sichtlich aufgeregt und voller Vorfreude auf die Fahrt.
"Ah, da seid ihr ja, meine Herrschaften!" rief er, als er die Zwillinge bemerkte. "Kommt, kommt, die Winde stehen gut und der Segen Uínens ist mit uns. Die Reise kann beginnen!"
Er zeigte Valion und Valirë die Route, die zu nehmen plante. "Wir werden uns zunächst in südlicher Richtung von Dol Amroth entfernen und diesen Kurs für eine gute Strecke beibehalten, um die günstige Windrichtung zu nutzen. Außerdem vermeiden wir damit das Gebiet rings um Tolfalas, wo sich immer noch einige dieser verdammten Korsarenschiffe herumtreiben sollen. Wir gehen dem Ärger also am besten direkt aus dem Weg und nähern uns unseren Ziel dennoch auf schnellem Wege."
Er zeigte auf die Seekarten. "Direkt westlich von Umbar wenden wir uns dann hart nach Backbord, also nach Osten, auf die Stadt zu. Natürlich werden wir nicht einfach so mirnichts, dirnichts in den Hafen Umbars einlaufen können - wir fahren unter der Flagge des Prinzen, denkt dran - deshalb werde ich euch irgendwo in der Nähe ungesehen mit dem Beiboot absetzen, vielleicht in der Nähe des großen Leuchtturms am Eingang zur großen Bucht von Umbar. Die restliche Strecke schafft ihr dann auch alleine."
Valion nickte. "Sobald wir in Umbar sind, müsst Ihr euch bereithalten, Kapitän. Es kann sein, dass wir... ziemlich hastig aufbrechen müssen."
"Ha! Kein Aufbruch ist zu schnell für dieses Schätzchen," lachte er und strich geradezu zärtlich über die Holzwand des Schiffes. "Sie ist eine Schönheit, nicht wahr? Keiner kann mit ihr mithalten, nicht einmal die Windläufer der Elben! Und schon gar nicht diese Wracks, die die Korsaren Kriegsschiffe nennen! Ha ha! Das hier ist eben noch echte Schiffbaukunst in der Tradition Númenors, nicht dieser moderne Unsinn. Sie wird euch nicht enttäuschen, da habt ihr mein Wort als Seemann!"
"Das ist gut," sagte Valirë. "Dann wollen wir hoffen, dass uns der Wind weiterhin gewogen bleibt. Gib den Befehl zum Ablegen, Kapitän!"

Und genau das tat er. "Leinen los, Freunde!" rief er der Besatzung zu.
Die Súlrohir setzte sich in Bewegung. Am Bug des Schiffes war ein grüner Zweig befestigt worden, als Gedenken an Uinen, die Gemahlin Osses. Das Schiff verließ den Hafen, umrundete den Felsen auf dem Dol Amroth stand und schlug einen direkten Kurs nach Süden ein. Als sie westlich der Stadt vorbeikamen erschallte von der Spitze des Turms zum Abschied ein Klang von Posaunen, der ihnen noch einige Momente lang nachhallte.
Nun hatte die Reise wahrlich begonnen.


Valion, Valirë und Veantur mit der Súlrohír in die Bucht von Belfalas
« Letzte Änderung: 24. Sep 2017, 16:44 von Fine »

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Re: Am Hafen
« Antwort #21 am: 18. Jan 2017, 18:19 »
Hilgorn aus der Stadt
Valion und Valirë aus der Bucht von Belfalas


Die Sonne stand bereits hoch am Himmel, als Hilgorn am Kai das für die Landung der Súlrohír geräumt worden war, ungeduldig auf die Ankunft des Schiffes wartete. Nicht nur war das Ergebnis, mit dem die Zwillinge vom Ethir zurückkehrten vermutlich entscheidend für die Zukunft Gondors, sondern auch für seine eigene. In der Freude über die Rückkehr von Imrahils geliebter Tochter würde sich vielleicht eine Gelegenheit für Hilgorn ergeben, erneut das Thema der Hochzeit mit Faniel anzusprechen...
Er schob den Gedanken beiseite, als ein Raunen durch die Menge ging, die sich etwas abseits des Kais versammelt hatte, zurückgehalten durch seine Soldaten. Von Nordwesten näherte sich das Schiff mit den blauen Segeln, an dessen Mast die Flagge Dol Amroths und erstaunlicherweise ein kleines gelbes Banner wehten. Hilgorn atmete tief durch, und legte instinktiv die Hand auf den Schwertgriff, obwohl er keinen Kampf erwartete, während das Schiff den Eingang des Hafens passierte.
"Nun", sagte er leise zu sich selbst. "Dann wollen wir sehen ob diese Zwillinge etwas anderes können als Saufen und Streiche spielen." Er wusste, er war etwas ungerecht, denn er selbst hatte vor dem Krieg ebenfalls einen Hang zum Unsinn besessen - wenn auch nur selten. Und die Rückeroberung des Ethir war eine beachtliche Leistung gewesen, aber die Befreiung Lóthiriels aus der Hauptstadt der Korsaren, war etwas ganz anderes. "Wir werden sehen", murmelte er, als das Schiff sanft gegen die Kaimauer stieß.

~~~

Valion stand in voller Rüstung am Bug des Schiffes, eine wehende Flagge an der Spitze des Speeres, den er unter Deck aufgetrieben hatte. Die Súlrohír umrundete den Felsen, auf dem Dol Amroth stand, und durchquerte das große Seetor, das im Notfall mit einer schweren Kette geschlossen werden konnte. Am Kai, den man ihnen zugewiesen hatte, hatte sich bereits eine beträchtliche Menschenmenge gebildet.
Perfekt, dachte er. Er hielt nach Fürst Imrahil Ausschau, doch konnte er den Prinzen nirgendwo entdecken. Valion hatte mit seiner Schwester gewettet, ob Imrahil sie direkt am Hafen oder erst im Fürstenpalast in Empfang nehmen würde, und war ein bisschen enttäuscht, dass er diese Wette offenbar verloren hatte. Er war sich sicher gewesen, dass Imrahil seine einzige Tochter persönlich abholen würde, doch offenbar hatte er sich getäuscht.

Das Schiff stieß sanft gegen die Mauer des Kais und sofort begann die Besatzung, den Hafenarbeitern Seile zuzuwerfen, die die Súlrohír am Ufer fest vertäuten. Valion verließ seinen Posten - er war gesehen worden, da war er sich sicher - und drückte den Speer einem von Veanturs Leuten in die Hand ehe er zur Steuerbordseite des Schiffes eilte, wo gerade die Rampe ausgelegt wurde, die Zugang zum Hafen bot. Er ließ es sich nicht nehmen, als erster einen Fuß ans Festland zu setzen. Und als hinter ihm Valirë auftauchte, die Lothíriel über die Rampe begleitete, brach die Menge endgültig in lauten Jubel aus.

~~~

Als Lothíriel an der Seite Valirës anmutig die Rampe hinunter geschritten kam, stieß Hilgorn den angehaltenen Atem erleichtert aus. "Schickt nach dem Fürsten", sagte er über die Schulter zu Balvorn, der hinter ihm stand. "Sagt ihm, seine Tochter ist zurück." Dann trat er vor, und bot Lothíriel seine Hand an, als die Fürstentochter gerade den ersten Fuß von der Planke auf das Festland setzte. "Willkommen zuhause, Herrin", sagte er lächelnd, und die Prinzessin erwiderte das Lächeln.
"General Hilgorn, wie schön euch zu sehen. Ist mein Vater nicht da?" Sie sah sich suchend um, und Hilgorn antwortete: "Er wird gleich hier sein. Viele hielten ein Scheitern der Aufgabe für möglich, und ich denke, er wollte sich den Schock ersparen, wärt ihr nicht an Bord gewesen." Hinter Lothíriel und Valirë schritt nun eine dritte Frau die Planke hinunter, die Hilgorn unbekannt war. Sie war eine ausgesprochene Schönheit, und bewegte sich mit einer selbstverständlichen Anmut, die auf eine adlige Abstammung hinwies.
Hilgorn hätte beinahe die Augen verdreht - es passte zu Valions Ruf, dass der junge Herr vom Ethir selbst auf einer Rettungsmission Zeit fand, eine schöne Frau zu verführen. Allerdings konnte er nicht umhin sich zu fragen, woher sie stammte. Er war niemals in Umbar gewesen, doch nach einer Korsarin sah sie nicht aus...
"Und seid ebenfalls willkommen in Dol Amroth, Valion und Valirë vom Ethir. Wie ich sehe, habt ihr eure Aufgabe erfüllt", sagte er laut.

~~~~

"Das haben wir in der Tat," gab Valion zurück, der äußerst zufrieden mit sich war. "Ich weiß, dass viele Zweifel daran hegten, ob Lothíriel wirklich gerettet werden könne. Aber wir haben es geschafft und kehren nun, nach vielen Abenteuern heim."
Er konnte sehen, wie viele der Frauen in der Menge ihm bewundernde Blicke zuwarfen, und dass seine Schwester ähnliche Aufmerksamkeit von der männlichen Bevölkerung genoss. Und während dies Valion früher genug gewesen wäre, um glücklich zu sein, ertappte er sich jetzt dabei, wie er den Blick auf Lóminîth richtete, die darum bemüht war, dass sich ihr Staunen über die Schwanenstadt nicht auf ihrem Gesichtsausdruck widerspiegelte. Ich hoffe, sie kommt zurecht, dachte Valion, doch schon wurde seine Aufmerksamkeit auf die Gasse gelenkt, die sich in der Menge gebildet hatte. Hindurch schritten Imrahil, Fürst von Dol Amroth und Truchsess des freien Gondors, dicht gefolgt von seinem ältesten Sohn und Erben Elphir und von Erchirion, der lächelnd Valirës Blick suchte.
Imrahil sagte kein Wort als Lothíriel ihm mit Tränen in den Augen in den Arm fiel. Valion musste zugeben, dass diese Wiedervereinigung durchaus bewegend war.
"Endllich bist du zurück, meine Tochter," flüsterte Imrahil leise.
Lothíriel nickte und wischte sich die Tränen ab. "Ja, ich bin zurück," antwortete sie und blickte zu den Zwillingen hinüber. Imrahil folgte ihrem Blick und Valion und Valirë kamen heran, die unausgesprochene Einladung annehmen. Imrahil hielt seine Tochter weiterhin im Arm als er sagte: "Gut gemacht. Ich ... danke euch. Wir werden später eingehend darüber sprechen, was geschehen ist. Doch dies ist ein glücklicher Moment, und wir wollen ihn nicht verschwenden."
"Hallo, Flinkklinge," sagte Erchirion mit einem schiefen Lächeln zu Valirë. Es war ein Spitzname, den sie von Amrothos erhalten hatte als sie zum ersten Mal ein Schwert in der Hand gehalten hatte. Der Name war hängengeblieben.
"Hallo, Verlobter," gab sie zurück und ließ tatsächlich zu, dass er sie umarmte. "Schön, dass es dir gutgeht."

~~~

"Leute von Dol Amroth!", rief Imrahil schließlich mit tragender Stimme, den Arm noch immer um seine Tochter gelegt. "Meine Tochter ist aus der Gefangenschaft in Umbar zurückgekehrt!" Die Menge brach erneut in Jubel aus, und der Fürst legte eine kleine Pause ein. Die Menschen der Stadt liebten ihre Prinzessin, das war schon immer so gewesen.
Hilgorn fühlte durch seine Rüstung einen sachten Hieb gegen seinen Oberarm. "Meine kleine Schwester ist zurück", hörte er über den Jubel der Menge Elphir sagen, dessen Frau Tírneth ein Stück entfernt zusammen mit Faniel stand und ihnen zuwinkte. "Ich kann es kaum glauben, Hilgorn."
"Die Tage seit ihrer Entführung waren auf jeden Fall dunkler als zuvor", erwiderte Hilgorn, und gab leise zu: "Ich hatte meine Zweifel, ob dein Vater die richtigen Leute ausgesandt hatte."
"Ich auch", erwiderte Elphir leise. "Die Zwillinge waren immer eher eine Plage - erst recht mit Erchirion zusammen. Aber anscheinend hat er etwas in ihnen gesehen, was wir nicht sehen konnten, und damit recht behalten."
Passend dazu fuhr in diesem Moment Imrahil fort, nachdem die Menge sich ein wenig beruhigt hatte: "Der Dank für die Befreiung meiner Tochter gebührt den Zwillingen vom Ethir: Valion und Valirë Cirgon! Ehrt sie!", donnerte der Fürst, und die Menge brach erneut in Jubel aus. Einige begannen sogar, die Namen der Zwillinge zu skandieren, und während Hilgorn den Blick aufmerksam über die Menge und die Gesichter der beiden, die die Aufmerksamkeit zu genießen schienen, schweifen ließ, fragte er sich, ob sie in Umbar möglicherweise etwas über den alten Edrahil in Erfahrung gebracht hatten.
Bevor er jedoch weiter darüber nachdenken konnte, beruhigte sich die Menge erneut etwas, und Valion nutzte den Moment. "Dieser Triumph gehört nicht nur mir und meiner Schwester," sagte er laut. "Auch euer Meister der Spione, Edrahil von Belfalas, war maßgeblich an unserem Erfolg beteiligt. Und noch immer kämpft er im Süden für die Sicherheit Gondors. Er soll nicht unerwähnt bleiben. Ein Hoch auf Meister Edrahil!" rief er, und die Menschen nahmen seinen Ruf auf.
Hilgorn bedeutete seinen Männern, den Ruf ebenfalls aufzunehmen und dachte bei sich, dass seine Einschätzung von Valion möglicherweise ein wenig ungerecht gewesen war. Zumindest hätte er nicht erwartet, dass dieser seinen Moment des Ruhmes selbst mit einem Abwesenden teilen würde.

Hilgorn, Valion, Valirë und alle anderen wichtigen Personen zum Palast
« Letzte Änderung: 24. Mai 2017, 15:28 von Fine »

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Aufbruch nach Westen
« Antwort #22 am: 23. Sep 2017, 15:44 »
Valion, Valirë, Lóminîth und Erchirion vom Palast des Fürsten


Valion stand neben seiner Zwillingsschwester Valirë am Rand des langen Kais, der sich in die Hafenbucht der Schwanenstadt hinein erstreckte, und fühlte sich sehr an seinen Aufbruch nach Umbar vor einigen Monaten erinnert. Erneut brachen die Zwillinge im Auftrag des Fürsten per Schiff auf, und erneut war es die Súlrohír und ihr Kapitän, Veantur, die sie an ihr Ziel bringen würden. Doch diesmal würden sie nicht nach Süden, sondern nach Westen fahren. Diesmal hieß das Ziel Anfalas, und nicht Umbar.
Als der alte Seefahrer sie entdeckt hatte, war er freudestrahlend über die breite Planke getreten, die das Schiff mit dem Hafen verband und hatte sie lautstark begrüßt. "Wenn das nicht meine ganz besonderen Fahrgäste sind," sagte er und schlug Valion kameradschaftlich auf die Schulter. "Meine Hübsche und ich waren fleißig," fuhr er fort und deutete mit dem Daumen hinter sich auf das zweimastige Schiff mit den blauen Segeln, auf denen der Schwan von Dol Amroth prangte. "Und wie ich hörte, habt ihr euren Landgang ebenfalls gut genutzt. Soll eine wichtige Schlacht im Norden gegeben haben, am Fuße der Berge."
"Die gab es, Veantur," bestätigte Valion, der sich von der guten Laune des alten Gondorers anstecken ließ. "Aber sorge dich nicht. Wir hatten alles im Griff."
"Ha! Habe keinen Augenblick daran gezweifelt," lachte der Seefahrer. "Es braucht schon mehr als ein paar lausige Orks, um die Reihen Gondors zu brechen - ob nun zu Land, oder zur See."
Wie er den Zwillingen nun allzu bereitwillig erzählte, war Veantur seit ihrer Rückkehr nach Dol Amroth bereits zweimal zur Insel der Turmherren gefahren, um Nachrichten und Hilfsgüter abzuliefern. Valion war erfreut zu hören, dass der Wiederaufbau inzwischen größtenteils abgeschlossen war, und dass von Umbar noch immer keine direkte Gefahr für Tol Thelyn auszugehen schien. "Wie es aussieht, werden wir so bald keine schwarzen Segel am Horizont fürchten müssen," kommentierte Veantur.
Die gondorische Flotte besaß uneingeschränkte Kontrolle über die Bucht von Belfalas und das Mündungsgebiet des Anduin, und einige wagemutige Kapitäne sprachen bereits davon, einen Angriff über den Seeweg auf den großen Hafen Pelargir zu planen, der noch immer von den Ringgeistern beherrscht wurde. Imrahil hatte allen Vorschlägen dieser Art bislang rasch den Wind aus den Segeln genommen - zu unsicher war die Lage an Land, wo es an der östlichen Front entlang des Flusses Gilrain seit einigen Tagen immer wieder zu kleineren Gefechten mit den Streitkräften Mordors gekommen war. Linhir, der wichtigste Grenzposten Gondors, war noch frei von Kämpfen, doch nun, da General Hilgorn mit einer starken Verstärkungsarmee dorthin unterwegs war, würde es wahrscheinlich nicht lange dauern, bis sich das änderte. Noch hielt Gondor die Front aufrecht, doch Valion wusste nicht, wie lange das noch so bleiben würde. Deshalb war es umso wichtiger, dass er seine neue Mission so rasch wie möglich erfolgreich abschloss. Gondor konnte es sich nicht leisten, die wichtige Unterstützung der kriegsfernen Gebiete im Westen zu verlieren - nicht jetzt, wo der Krieg wieder offen geführt wurde. Wenn es wirklich Verräter und Separatisten in Anfalas und den Pinnath Gelin gab, würde Valions Gruppe sie finden und mit der offiziellen Ermächtigung des Fürsten von Dol Amroth und amtierenden Truchsessen von Gondor ihres Amtes entheben. Erchirion, der zweitälteste Sohn Imrahils, war ein wichtiger Teil davon, denn waren zwar auch Valion und seine Schwester Adelige des Reiches, und hatten Titel mit einigem Gewicht, doch Erchirions Prinzentitel würde ihren Worten und Taten die endgültige Legitimität verleihen.

Valions Verlobte, die schwarzhaarige Lóminîth, stand etwas abseits nahe der hohen Mauern, die den Hafen umgaben, und sprach in eindringlichem Ton mit einer der jungen Zofen, die ihr auf Schritt und Tritt zu folgen schienen und die sie teilweise von der Straße geholt hatte. Als Valion neugierig näher kam, konnte er den Rest der Unterhaltung mitanhören.
"Du wirst mich in meiner Abwesenheit am Hofe des Fürsten vertreten und wirst in meinem Namen sprechen, Váneth," erklärte Lóminîth gerade. "Hast du verstanden, was das bedeutet?"
"Ja, Herrin," antwortete Váneth, deren hellbraune Haare zu einer komplizierten Hochsteckfrisur aufgetürmt waren. "Ich verstehe die Verantwortung, die Ihr auf meine Schultern legt, und fühle mich geehrt."
"Gut, gut. Du wirst tägliche Berichte von allem, was geschieht und was dir zu Ohren kommt, anfertigen, und mir alles einmal pro Woche zuschicken. Und vergiss nicht, dass du jetzt nicht mehr Váneth, das Mädchen aus dem Armenviertel bist. Du bist die lange verschollene Erbin von Haus Bereneth aus Ithilien."
Váneth nickte. "Ich kenne meine Titel und meinen Anspruch, Herrin."
"Und du weißt, für wen du dich damit zum Ziel machst," fügte Lominîth hinzu.
"Ich werde Euren Worten diesbezüglich ganz genau Folge leisten, Herrin."
"Sehr gut. Informiere mich darüber, wenn du deine Wahl getroffen hast. Denke daran, dass ein wichtigerer Titel auch mehr Einfluss bedeutet, wähle dein Ziel also sorgfältig aus. Und vergiss nicht: Nicht jeder Mann, der viel Einfluss besitzt, weiß diesen auch sinnvoll zu nutzen."
Váneth nickte und schien noch etwas sagen zu wollen, doch als sie Valion herankommen sah, senkte sie den Blick und schwieg. Ihr blausilbernes Kleid wiegte im Wind, der vom Meer herwehte, leicht hin und her.
"Geh jetzt," befahl Lóminîth. "Du wirst deine Sache gut machen."
Das Mädchen drehte sich um und verschwand in Richtung der Oberstadt.
"Du hast sie ja ziemlich gut abgerichtet," kommentierte Valion mit einem schiefen Grinsen. "Gibt es denn wirklich genug ausgestorbene Adelshäuser und vakante Titel, die du an deine Mädchen verteilen kannst?"
Seine Verlobte schien den leisen Spott inzwischen gewohnt zu sein, weshalb sie nicht darauf einging. "Ich kümmere mich gut um sie," stellte sie klar. "Dank mir haben sie die Möglichkeit, ihr Leben noch einmal neu anzufangen."
Valion hob abwehrend die Hände. "Ich sagte ja nicht, dass etwas dagegen hätte, was du da tust."
Es hatte eine Weile gedauert, bis sich Lóminîth mit dem Gedanken angefreundet hatte, Dol Amroth zu verlassen. Doch am Ende hatte sie eingesehen, dass es ihrem Ansehen und ihrer Vertrauenswürdigkeit in Imrahils Augen sehr gut tun würde, wenn sie keine Einwände erhob. "Ich bin sehr darauf gespannt, deine Mutter kennenzulernen," sagte sie. "Sie muss eine beeindruckende Frau sein, wenn sie dich und deine Schwester ihr Leben lang ertragen hat, ohne dem Wahnsinn zu verfallen."
Und das war Míleth von Nan Faerrim auch. Sie war schon immer diejenige gewesen, die es geschafft hatte, die Wahrheit aus den Zwillingen herauszuholen, wenn sie wieder einmal einen unmöglichen Streich gespielt hatten und die einen so strengen Ton anschlagen konnte, dass Valion und Valirë für einige Zeit nicht einmal mehr daran dachten, sich auf die Kosten anderer einen Spaß zu machen. Doch sie war auch stets liebevoll mit ihren Kindern umgegangen und hatte ihnen viele Wünsche erfüllt. Valion stellte fest, dass er sie vermisste. Seit dem Tod ihres Mannes lebte Míleth wieder bei ihrer Familie in Anfalas, in einem kleinen Tal in der Nähe des südwestlichsten Ausläufers des Weißen Gebirges, das den Namen Nan Faerrim trug. Und dort wartete sie nun darauf, dass ihr ihre Kinder ihre Verlobten vorstellten.

Sie bestiegen das Schiff, nachdem die Mannschaft die Vorbereitungen für die Abfahrt abgeschlossen hatte. Erchirion hatte Valirës Hand genommen. Valions Schwester war in ihre Reitkleidung aus festem Leder gehüllt und trug das große Elbenschwert in der rechten Hand, das das Erbstück ihres Hauses war. Erchirion trug die Farben Dol Amroths - Blau und Silber - und war mit Schwert und Schild bewaffnet. Auch Valion hatte seine Rüstung angelegt und seine beiden Schwerter hingen fest an seinem Gürtel. Und Lóminîth trug ein rotschwarzes Kleid mit langen, weiten Ärmeln und darüber einen weinroten Umhang, der sie vor dem Wind schützen sollte. Denn der Wind wurde immer stärker, als sich das Schiff schließlich vom Kai Dol Amroths löste und Fahrt aufnahm.
Bringen wir es hinter uns, dachte Valion, der neben seiner Verlobten an der Reling stand und auf das Meer hinausblickte, das sich nun vor ihnen ausbreitete. Zu ihrer Rechten konnte er den Hafen von Edhellond in der Ferne erkennen, und zur Linken ragten die Türme Dol Amroths in den von der Mittagssonne erhellten Himmel hinauf. Wir finden heraus, was in Anfalas vor sich geht, und setzen den Separatisten ein Ende. Und dann schließe ich mich Hilgorn und seinen Leuten an der Front an. Es wird Zeit, dass Gondor in die Offensive geht. Wenn Verdandis Bericht stimmt, dann leiden die Menschen in den besetzten Gebieten noch mehr, als wir auch nur hätten erahnen können. Wir müssen das so schnell wie möglich beenden. Er hoffte, dass ihn dieser Auftrag nicht allzu lange aufhalten würde. Entschlossen ballte er die Hände zu Fäusten, öffnete sie jedoch wieder, als sich schmale Finger dazwischen schoben. Lóminîth hatte seine Hand genommen und schenkte ihm ein seltenes, echtes Lächeln.
"Eigentlich bin ich ganz froh, den Intrigen und dem Gerede am Hof für einige Zeit den Rücken kehren zu können," sagte sie.
"Du gibst also zu, dass du in Intrigen verstrickt bist, meine Schöne?" Valion grinste.
"Welche Frau ist das nicht?" gab sie schlagfertig zurück. "Du kannst froh sein, dass ich auf deiner Seite bin, Valion."
"Oh, glaub mir... das bin ich."


Valion, Valirë, Lóminîth, Erchirion und Veantur an Bord der Súlrohír nach Anfalas
« Letzte Änderung: 16. Okt 2017, 17:07 von Fine »