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Autor Thema: Der Brunnenhof und die Zitadelle  (Gelesen 4167 mal)

Thorondor the Eagle

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Der Brunnenhof und die Zitadelle
« am: 6. Okt 2010, 22:58 »
Elea von den Häusern der Heilung


Sechs Monate waren seit jener Nacht vergangen, der Frühling und Sommer zog über das Land ohne gravierende Veränderungen mit sich zubringen. Die Luft war trocken, das Wetter eintönig. Gondor hatte seine einstige Vielfältigkeit eingebüßt und nicht nur in den Menschen, sondern auch in der Natur hinterließ die Macht des Dunklen Herrschers seine Spuren.

Elea stand an der Brüstung des Brunnenhofes auf der obersten Ebene von Minas Tirith. Ihr Blick war in den Norden gerichtet. Wärmende Sonnenstrahlen fielen von Westen in das Tal und warfen es in ein rötliches Abendlicht. Ihre Hände waren übereinander gefaltet, die linke über der rechten und ihre Augen wässrig.
Hinter sich hörte sie laute Schritte die eilig näher kamen.
„Elea!“, schrie eine Männerstimme. Sie wischte sich die Augen ab und drehte sich um.
„Ich habe es gerade erfahren“, sagte der Ratsvorsitzende von Gondor „Als erster, so meine ich, denn die Nachricht ist noch ganz frisch.“
„Danke!“, antwortete Elea und streckte ihm die Hand entgegen.
„Ich sehe ihr habt noch Tränen in den Augen, Tränen des Glücks will ich hoffen!“
„Ja, so ist es“, antwortete sie.
Er sah gezielt auf Eleas Hand „Einen zauberhaften Ring habt Ihr da. Sagt mir Elea, wann wird denn die Vermählung mit Herumor sein?“
Ein gezwungenes Lächeln huschte über ihre Lippen: „Gerade erst habe ich eingewilligt, Planungen stehen uns erst bevor.“
„Natürlich natürlich“, lachte er „Ich werde euch so gut wie möglich unterstützen.“
„Danke“, antwortete Elea kurz.
„Ich muss wieder los, heute Abend tagt der Rat von Gondor. Entscheidungen müssen getroffen werden, bezüglich unseren Verwandten von Dol Amroth.“
„Machts gut“, verabschiedete sich die Frau und drehte sich wieder gegen den Horizont. Ihr Blick fixierte jedoch den Ring an ihrem Finger. Er war aus Silber, bestückt mit einem weißen Adamant und umgeben von vier Blüten des weißen Baumes aus reinem Gold. Nervös drehte sie ihn am Finger hin und her.

Was soll ich nur machen? Wie soll ich das Ioreth erklären, sie wird es nicht verstehen. Alle werden es nicht verstehen. Nicht mal ich selbst… Warum ist es nur so weit gekommen? Wie konnte ich nur so dumm sein, so einfältig handeln? Ich kann dem Bund nicht gegenüber treten, wie soll ich es nur erklären?


Einige Minuten stand sie noch dort und dachte nach, bis sie sich umdrehte und zielstrebig in ihr Haus ging. Herumor hatte es ihr als Geschenk überreichte, eines von vielen die er ihr machte um ihr Herz zu gewinnen.
Es war aus weißem Gestein, versteckt in einer kleinen Gasse auf dem vierten Ring von Minas Tirith. Zweistöckig war es, oben ein großes Schlafzimmer mit Balkon und ein Umkleideraum. Im ebenerdigen Stockwerk eine kleine Bibliothek mit hohen Regalen und Fenstern, eine kleine Küche und ein Zimmer zum Speisen. Sie liebte dieses Haus, denn es erinnerte sie an ihre Träume von Annuminas.

Schweigend setzte sie sich in die Bibliothek und wartete. Die Dämmerung war hereingebrochen und hüllte die Stadt in einen grauen Schatten. Erst als das letzte Tageslicht erloschen war, klopfte es an der Tür. Erschrocken sah Elea zum Eingang. Sie legte sich den Mantel um die Schultern, zog sich die Kapuze weit in das Gesicht und verließ das verdunkelte Haus. Sie und eine zweite Person, dessen Antlitz versteckt war, schlichen über die leeren Straßen.


Elea zum Versteck der Getreuen des Königs
« Letzte Änderung: 19. Feb 2016, 11:43 von Fine »
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Thorondor the Eagle

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Re: Der Brunnenhof und die Zitadelle
« Antwort #1 am: 17. Okt 2010, 15:15 »
Elea von ihrem Haus im vierten Ring


„Beregond! Beregond!“, rief Elea den Gang entlang, als sie einen der Soldaten vor sich sah. Sie rannte zu ihm: „Endlich finde ich jemanden mit dem ich reden kann.“
 „Was gibt es Herrin?“
„Weißt du, sind die Gästehäuser des Stadtrates derzeit belegt? Sind irgendwelche Gäste in der Stadt?“, keuchte sie aufgeregt.
„Ich denke nicht, aber genaues kann ich euch nicht sagen. Da müsst ihr schon Herumor fragen“, antwortete er.
„Ich habe ihn nicht gefunden. Hast du ihn gesehen?“
„Ja, er befindet sich beim Vorsitzenden des Stadtrates. Aber ihre Unterredung dauert schon sehr lange, er war sehr aufgebracht. Geht hinüber zum Ratspalast, aber stört die beiden nicht.“
„Ich danke dir. Wie geht es deinem Jungen?“, fragte sie schnell und setzte schon wieder zum gehen an.
„Danke uns geht es gut“, rief er ihr hinterher.

Ein Nieselregen setzte ein als Elea das Quartier der Brunnenwache verließ und über den ganzen Brunnenhof lief. Überdachte Arkaden zierten die Fassade des Ratshauses von Minas Tirith. In der Mitte führte eine Treppe in den erhöhten Innenhof. Dort wartete Elea eine gute halbe Stunde, ehe Herumor aus einer der Türen herauskam. Er schien noch immer sehr wütend zu sein.
„Herumor!“, rief im Elea zu und er richtete suchend seinen Blick auf sie.
„Was ist?“, frage er aufbrausend.
„Herumor. Ich komme gerade von Brianna’s Laden. Sie hat mir etwas Furchtbares erzählt.“
„Was denn?“
„Eine der Kurtisanen war bei ihr…“
„Was? Was hat deine Freundin mit denen zu schaffen?“, frage er und seine schlechte Laune schien sich nicht gelegt zu haben.
„Eine von ihnen wurde auf den dunklen Straßen angegriffen“, hastete Elea.
„Und wegen dem kommst du zu mir? Es war nur eine Kurtisane“, entgegnete er kalt.
„Aber… Aber“, Elea stotterte auf seine Reaktion hin ein wenig „Aber es waren zwei Orks die sie aufgeschlitzt haben.“
Die Frau beobachtete wie sich Herumor aus lauter Wut die Zähne zusammenpresste. Seine Wangen hoben sich wie bei einem schnaubenden, wilden Eber.
„Was willst du tun. Ich weiß, dass dir das gar nicht gefällt, wenn dieses dreckige Gesindel in unserer Stadt umherläuft.“
„Was soll ich denn dagegen tun? Größere Sorgen habe ich momentan als diese elenden Orks. Ich habe hohen Besuch hier, ich kann mich jetzt nicht darum scheren“, antwortete er.
„Ist es dir egal?“, brüllte Elea zurück, selbst schon aufbrausend.
„Nein“, antwortete er „Aber ich habe keine andere Wahl. Ich muss weg, denn wie gesagt haben wir hohen Besuch hier in der Stadt.“
Er drehte sich weg und ohne sich zu verabschieden eilte er die Treppe hinunter zum weißen Turm.

Enttäuscht und aufgebracht verließ sie die Zitadelle wieder. Der Nieselregen ist stärker geworden und nässte nun ihr Haar und ihre Kleider. Es war ihr egal. Mit geballten Fäusten lief sie an den verdunkelten Fenstern von Briannas Laden vorbei, als ihr eine Stimme hinterher rief: „Elea! Warte.“
Sie erkannte sie, ging aber unbeirrt weiter bis zu ihrem Haus, indem Wissen, dass sie verfolgt wurde.


Elea in ihr Haus im vierten Ring
« Letzte Änderung: 19. Feb 2016, 11:52 von Fine »
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Thorondor the Eagle

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Re: Der Brunnenhof und die Zitadelle
« Antwort #2 am: 22. Feb 2011, 22:26 »
Elea vom Haus der Kurtisanen


„Herrin?!“, wurde Elea von einer Stimme geweckt.
Konfus öffnete die Frau ihre Augen. Zunächst sah sie noch verschwommen, doch dann erkannte sie die kaltsilberne Rüstung vor sich und die unscharfen Konturen des Soldaten wurden klarer.
„Ihr müsst mit uns kommen“, sagte er in einem merkwürdig netten Tonfall „Zieht euch an, ich werde draußen warten.“
Der Wächter verließ das kleine Gemacht indem Elea geschlafen hatte. Die Dunedain richtete sich auf und blieb einen kurzen Augenblick auf der Bettkante sitzen. Sie sammelte ihre Gedanken, erinnerte sich wo sie war und was gestern passierte.
Durch einen kleinen Türspalt sah sie wie die Kurtisanen emsig den Raum aufräumten, Tücher wuschen um alles für eine weitere Nacht in diesem niederträchtigen Gewerbe vorzubereiten.
„Kommt heraus“, ermahnte sie nun die Stimme einer jungen Frau mit pechschwarzen Haaren und matten, braunen Augen „Wollt ihr euch noch etwas frisch machen, ehe ihr zu eurem Verlobten geht?“
Sie brachte ihr eine Schale gefüllt mit eiskaltem Wasser und ein weißes Tuch um sich das Gesicht zu waschen.
„Woher weiß er, dass ich hier bin?“, fragte Elea und nahm einen Schluck.
„Wir haben es Herumor berichtet.“
„Wieso?“ fragte sie schockiert.
„Es war Paolas Entscheidung.“
„Warum macht sie so etwas?“
„Weil sie um ihre Sicherheit fürchtet. Ihr habt euch gestern keine Freunde gemacht.“
„Aber so habe ich das, doch nicht gemeint.“
„Das spielt keine Rolle in den Augen des Volkes. Bald wird das brodelnde Fass überlaufen, ihr werdet sehen.“
„Danke für eure Gastfreundschaft“, verabschiedete sie sich und ging nachdenklich und ängstlich aus dem Haus.
„Endlich“, begrüßte Sie forsch ein Mann mit bereits grau melierten Haaren und einem schwarzen Schnurrbart „Wie lange wolltest du mich denn noch warten lassen?“
„Solange deine Herrin dich eben warten lässt“, entgegnete Elea abweisend.

Ohne ein Wort mit dem Beamten zu wechseln gingen Sie die Straßen hinauf zur Zitadelle. Reges Gemurmel hörte die Dunedain als sie an den Menschen vorbei ging. „Verräterin“, „Heuchlerin“, „Treulose“, „Verfluchte“ entnahm sie den gehässigen, flüsternden Stimmen. Doch anstatt demütig zu sein, streckte sie ihre Nase in die Höhe um über den Beschimpfungen zu stehen. Erst als sie durch das steinerne Tor die Zitadelle betraten, verstummte das Volk in der Ferne.

Poch, Poch… riss es Elea aus den Gedanken. Der Soldat hatte an die mächtige Holztür des Ratspalastes geklopft. Ohne sich zu verabschieden verschwand der Beamte über den Hof.

„Mein Herr! Elea ist nun hier“, gab der Wächter bescheid. Er bat Elea einzutreten. Es war ein großer Saal mit zahlreichen Fenstern und an den Wänden hingen Banner aus den verschiedenen Lehen Gondors, Anorien, Lebennin, Lamedon… nur ein Platz war frei genau neben dem weißen Baum auf schwarzem Grund. Die Frau vermutete, dass dort vor nicht all zu langer Zeit das Banner von Dol Amroth hing. Es überkam sie eine unterdrückte Panik, als sie sich vorstellte, dass zukünftig das rote Auge von dort oben hinunter starren würde.

„Würdet ihr mich  nun einen Moment mit meiner Verlobten alleine lassen! Wir haben etwas zu besprechen“, hörte sie Herumor zu den Soldaten und Hauptmännern sagen ehe diesen den Raum in Richtung ihrer Mannschaftsquartiere verließen.

„Du solltest deine Untertanen etwas besser erziehen. Sie haben nicht den nötigen Respekt vor ihrer Herrin“, motzte sie Herumor an.
„Unser neuer Freund? Mit der Höflichkeit konnte er noch nie umgehen und warmherzig kann man ihn wohl auch kaum nennen“, entgegnete er schmunzelnd.
„Und mit solchen Menschen umgibst du dich?“
„Ich kann ihm grenzenlos vertrauen, was ich von dir nicht behaupten kann. Gestern versuchst du mich mit deinem atemberaubenden Auftritt zu überzeugen und heute höre ich, dass du im Hause der Kurtisanen übernachtet hast. Er respektiert dich sicher, wenn du dich auch respektabel verhältst.“
Elea wurde wütend auf seine unverschämte Anspielung: „Wovor hast du denn Angst? Glaubst du ich weiß noch nicht bescheid. Wie ich hörte bist du dem Gewerbe der Kurtisanen doch gar nicht so abgeneigt.“
„Was fällt dir ein?“, schrie er sie aufbrausend an und schlug ihr mit der flachen Hand ins Gesicht. Der brennende Schmerz den Elea mittlerweile sehr gut kannte, setzt wieder ein. Sie spürte wie sich ihre Wange langsam mit Blut füllte und heiß wurde.
„Du bist meine Verlobte! Verhalte dich so und fall mir nicht dauernd in den Rücken. Du erwartest, dass ich Treu bin, dann sei auch du mir treu und verbünde dich nicht mit denen, die ich meine Feinde nenne.“
„Ich bin nicht länger deine Marionette; deine Möglichkeit den Thron zu besteigen. Nicht dafür, was du aus mir machst.“
„Das hat dir die alte Ioreth also eingeredet.“
„Und sie hatte Recht damit. Aber so wie sie niemals König Elessar verraten wird, so werde es auch ich nicht tun. Ich werde dich nicht heiraten, nie im Leben“, brüllte sie Herumor an.
Diesem kam ein weiteres Mal die Hand aus. Elea presste die Lippen aufeinander und legte ihre kalte Hand auf die Backe. Sie wollte zu weinen beginnen. Doch dann plötzlich war ihr Schmerz weg. Obwohl ihr Körper noch bebte, ihre Wange heiß brannte, so spürte sie kein inneres Leiden. Ein unzubändigender Hass erfüllte sie: „Keinen Tag länger bin ich dein.“
„Du weißt was das für deine Familie bedeutet. Ich werde deinen Sohn und auch Aragorn töten lassen. Es bedarf nur eines Wimpernschlages.“
Ein gefühlloses Lachen erfüllte den Raum; es war Elea: „Mein Sohn ist längst außer Reichweite für dich“ bluffte sie ohne sich die Lüge auch nur anmerken zu lassen „Und Aragorn… Du bist ein Narr. In all deinen Bestrebungen hast du selbst noch nicht erkannt, dass du nichts weiter als eine Marionette bist. Aber lass dir eines gesagt sein Herumor, die Schnüre an denen du Hängst haben längst eine Schlinge um deinen Hals gebildet und eine falsche Bewegung kostet dich dein Leben. Leb wohl!“

Die Dunadan stürmte aus dem Saal. Ihr Herz raste vor Aufregung. So schnell sie konnte ließ sie die Zitadelle hinter sich.


Elea auf die Straßen von Minas Tirith
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PumaYIY

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Re: Der Brunnenhof und die Zitadelle
« Antwort #3 am: 30. Apr 2011, 00:03 »
Karthull von der Kaserne im dritten Ring


Ein bisschen komisch kam sich Karthull vor als er auf der Suche nach Beregond in die Quartiere der Turmwache betrat. Hier oben war ich fast noch nie, so Leute wie ich sind hier wohl auch nicht sehr gerne gesehen. Auf Beregond traf er schließlich nach einem Tipp vom Pförtner in einem Hinterzimmer eines Wachhäuschens am Brunnenhof vor der Zitadelle, bei der Einweisung von zwei sichtlich jungen und doch disziplinierten Männer in Bewegungsabläufe zum Schichtwechsel am Brunnenhof des weißen Baumes. Diese Einweisung führte Beregond jedoch noch recht schnell zuende bevor er sich Karthull zuwand. Karthull hatte inzwischen Zeit sich ein Bild von den traditionsreichen Garde der wichtigsten Persönlichkeiten von Minas Tirith zu machen. Kurz war er fansziniert von dem detailierten Plan den es zum Aufstellen an den verschiedenen Kontrollpunkten im siebten Ring gab, auch fest vorgeschriebene Grußbewegungen wurden anscheinend eingeübt, doch dann besann er sich und Beregond schickte die beiden Wachen hinaus, als er sich schon fast nicht mehr beherrschen konnte.
"Endlich sehen wir uns wieder Beregond!"
"Ja ich wollte dich auch schon längere Zeit sprechen, denn es gibt einiges was ich dir sagen muss."
"Dann lass mich anfangen, denn es ist wirklich wichtig das du erfährst wie es in den unteren Ringen zugeht: Überfälle und Beleidigungen auch unversteckt und offen, direkt zu den Wachen sind an der Tagesordnung, das Volk ist aufgewiegelt und will sich gegen Herumor lehnen. So sehr, dass es sogar schon uns Wachen beschuldigt ein Verbrechen zu begehen, wenn wir ihm die Treue halten."
"Aber ist es das denn nicht auch? Karthull bis vor wenigen Tagen hatte ich die selben Zweifel wie du: Kann ich es wagen zu hoffen meine Ansichten irgendwann offen preisgeben zu dürfen oder nicht? Gestern hat sich die Frage ein für alle Mal beantwortet, es gibt Getreue die haben Pläne..."
"Beregond ich warne dich!" , unterbrach ihn Karthull hektisch: " Wenn die Getreuen nicht ruhiger werden artet das Chaos aus und nicht nur Plünderungen finden statt sondern auch Mord und Totschlag!"
"Mord? Wer?" , Beregond wurde ernster und starrte Karthull entsetzt ins Gesicht.
"Zwei Kosaren aus dem Trupp des Hauptmanns, das ist der Grund warum ich Zeit fand zu dir zu kommen und mit dir zu sprechen. Sie wurden hinterhältig ermordet, während sie jemanden verfolgten."
"Das ist in der Tat grausam, doch du Karthull hast längst eine Seite gewählt! Die Zeit drängt uns zum Handeln und ich rede nicht von Überfällen, sondern von der Befreiung von Gefangenen und vielleicht sogar von der ganzen Stadt!" Nach einigem Schweigen und wirren Gedankengängen sagte Karthull schließlich: "Das ist worauf ich gewartet habe. Obwohl es schmerzt sich gegen die scheinbar eigenen Leute zu wenden. Ich hoffe das den Kosaren nichts geschieht. Aber deswegen bin ich eigentlich aufgebrochen, das hat mein Ausbilder in Dol Amroth gesagt: Ein Schwert in der Stadt ist mehr wert als tausend Schwerter bei einer Belagerung vor der Stadt. So oder so ähnlich..."
"Nein Karthull. Für dich gibt es andere Pläne.", beendete Beregond Karthulls laute Gedanken. "Du bist nicht als Krieger in die Stadt geschickt worden, sondern als Spion! Und deine Tarnung muss auch im Fall eines Versagens gedeckt bleiben. Wo soll Fürst Imrahil sonst seine Informationen nehmen."
"Nein ich will hier sein, wenn ich gebraucht werde!"
"Tu nicht so als wärst du sonst nutzlos und müsstest dir hier etwas beweisen. Du warst schon viel zu lange in der Stadt, und jeden Tag verzweifeln die Menschen in Dol Amroth mehr und mehr. Herumor hat mit einer Karawane Banner von Minas Tirith zu den Mauern von Dol Amroth geschickt, damit die Bewohner glauben die Stadt stehe hinter Mordor und den Angriffen. Tatsächlich will Herumor aber keine Hilfe schicken sondern Unterstützung bekommen, in der Hast und der Tobsucht in der er ist, seit Elea verschwunden ist hat er mir den Auftrag gegeben einen Brief zu schreiben und mit einem loyalen Boten auf den Weg nach Dol Amroth zu schicken. Ich sollte in den Brief schreiben, dass Minas Tirith droht unter Aufruhr unterzugehen und, dass Herumor wenn nicht bald mehr Soldaten kommen nicht garantieren kann die Stadt zu halten."
Karthull der Beregonds Ausführungen wie gebannt zuhörte wurde stutzig, als dieser einen versiegelten Brief aus seiner Brusttasche zog.
"Das ist der Brief, doch es steht nicht drin was Herumor verlangt, vielmehr ist es das Gegenteil. Wenn ein Sturz Herumors gelingt und du den Brief ins Lager der Kosaren vor Dol Amroth bringst, verschaffst du den Menschen hier mehr Zeit, ein paar Tage, vielleicht eine Woche, aber das ist Zeit, die mehr Wert ist als eine Klinge bei der Revolution."
"Ich? Ich soll den Brief überbringen?"
"Wer sonst? Du bist ideal, kannst dich aus dem Lager der Angreifer ungesehen nach Dol Amroth schmuggeln und hättest dir mit deinen bisherigen Taten schon mehr als einen Tapferkeitsorden im Range eines Soldaten verdient."
"Ich weiß nicht ob ich das kann."
"Aber ich weiß es, ich habe schon alles organisiert, du reist heute Abend los. Du musst nicht einmal laufen, eine schnelle Kutsche wird dich bringen."
"Was ist mit dem Kutscher? Weiß er bescheid? Ist er in Ordnung?"
"Du wirst ihn ... töten müssen. Er glaubt ihr würdet Verstärkung beordern, genau wie Herumor."
"Aber ich kann doch nicht ..." , begann Karthull. "Du musst!" , unterbrach ihn Beregond. "Ich kenne den Mann. Nicht das es mich freuen würde ihn sterben zu sehen, aber ich habe den feigsten unter den Verrätern Gondors ausgesucht. Während der Belagerung durch Mordor zeigte er Orks unter Androhung des Todes ein Versteck von Frauen und Kindern, die alle druch seine Schwäche starben. Der König hatte ihn verurteilt, doch Herumor hat ihn begnadigt." Dann wechselten sie nur noch wenige Worte und Beregond gab ihm den Brief.
"Du wirst Fürst Imrahil beweisen müssen, dass du bei mir warst und das deine Informationen wahr sind. Auch ich werde dir einen Teil meines geheimen vom Königs selbst gegebenen Gedichts verraten:

Treuer Wächter, Truchsessretter
der so manchen Feind zerschmettert,
standest lang am Turme mein,
drum gebührt dir dieser Reim.

Merk dir die Worte und geh nun ich hab noch einiges vorzubereiten. Mach es gut!"


Karthull zum Kasernenhof im dritten Ring
« Letzte Änderung: 12. Feb 2016, 08:58 von Fine »

Thorondor the Eagle

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Re: Der Brunnenhof und die Zitadelle
« Antwort #4 am: 21. Aug 2011, 22:12 »
Elea und Beregond von den Straßen von Minas Tirith


Ein lautes Pochen drang an Herumors Ohr und ließ ihn aufschrecken. Augenblicklich entfernte er sich aus der Nische, wo er aus dem Fenster geschaut hatte und trat hinter der Statue eines altvorderen Königs hervor. Sein Blick war eisern auf das Eingangstor gerichtet, dass sich langsam öffnete und einen feurig-orangen Schein hereinließ.

Emotionslos verfolgte er mit den Augen die Männer mit ihren silbernen, teilweise mit Ruß bedeckten Rüstungen. Erst als er die Dunedain mit ihrem rabenschwarzen Haar und ihren grau schimmernden Augen sah, verengten sich seine Augen aus Zorn zu dünnen Schlitzen.

Die Soldaten verteilten sich im Raum und blieben stumm  an den Wänden stehen.
„Erelieva!“, sagte er mit seiner unerträglich zischenden Stimme „Elea, Elea. Ich habe nicht geglaubt dich noch einmal zu sehen. Bist du törichtes Weib tatsächlich in der Stadt geblieben?“
Sie gab ihm keine Antwort.
„Dann wird wohl der Gerechtigkeit doch noch genüge getan; Verräterin!“
„Mich nennst du eine Verräterin; eine Verräterin woran, an dir oder an Sauron? Dann bin ich schuldig, aber wenn du meinst ich hätte unser Volk hintergangen, dann mein lieber Herumor sei vorsichtig, welche Worte du wählst. Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen“, forschte sie zurück.
Er presste seine Zähne aufeinander: „Mein Volk? Dieses Lumpenpack, diese Pöbel die vor den Toren der Zitadelle mit Mistgabeln und Messern stehen? Das ist nicht mein Volk nur minderwertige Nachkömmlinge größerer Herren! Das Blut Numenors ist weit verbreitet, doch nur noch wenige dürfen sich als wahrhafte Erben Numenors bezeichnen. Du meine Schöne bist eine der wenigen davon; aber warum stehst du mir gegenüber als wäre ich dein Feind? Weißt du nicht was wir beide hätten erreichen können? Ich sah den Glanz eines Reiches, dass die Macht und die Könige Numenors in den Schatten stellt. Ja, ich habe die Seiten gewechselt und Sauron als meinen Herren akzeptiert um all dem hier die Chance auf Überleben zu geben. Aber eines Tages, wenn wir stark genug sind und wir die Schirmherrschaft Saurons abstreifen würden wir ein goldenes Königreich in einem goldenen Zeitalter führen. Unbestrittene Herren über die Welt.“
„Dieses Ziel also hast du verfolgt. So viele sind gestorben oder wurden gefangen genommen… dafür?“
„Ja. Die letzten Abkömmlinge Numenors setzte ich in hohe Ämter und sicherte mir so ihre Treue. Du ahnst ja gar nicht wie viele so denken wie ich. Wir lesen in den alten Büchern über die Blütezeit unseres Volkes und sehnen uns nach solcher Stärke und das können wir auch wieder erreichen“, prahlte Herumor wahnhaft.
„Und wenn wir die Geschichte zu Ende lesen wissen wir was aus Numenor und seinen Bewohnern geworden ist. Unsere Vorfahren waren starke Menschen, doch wuchs ihnen ihr Hochmut über den Kopf und das gleiche sehe ich nun auch bei dir. Das Volk von Gondor ist nicht schwach. Sieh hinaus aus deinen kalten, dicken Mauern. In einer Nacht haben sie die ganze Stadt gestürmt. Eine Stadt die seit tausend Jahren von keinem Heer eingenommen wurde.“
„Dumm nicht wahr, das eigene Heim zu zerstören und dem Feind den Weg zu bereiten.“
„Nein, auf keinen Fall, wenn man dazu gezwungen ist um seine Freiheit zu erlangen. Du allein hast sie soweit getrieben“, entgegnete Elea.
„Nicht nur ein Weg führt in die Freiheit. Du trägst genauso Schuld am Untergang unseres Volkes wie ich. Deine Sticheleien und die geheimen Treffen. Ihr habt das Volk gegen Sauron aufgebracht und ihr hab damit den Untergang Gondors besiegelt.

Ein Donnern war von draußen zu vernehmen. Das Klirren der Schwertwer wurde stetig lauter. „Zur Treppe!“, hörte man die Soldaten rufen.

„Oh, der dunkle Herrscher wird schneller da sein als du denkst, Elea. Er weiß längst von den Unruhen. Im Osten stellt er ein Heer auf, das die Mauern dieser Stadt niederrennen und jeden töten wird, der Widerstand leistet. Es gibt keine Macht mehr die ihn aufhalten kann. Und du schon gar nicht! Es wird mir eine Freude sein, dich dem Herren von Mordor zu überreichen. Gegen seine Verliese war jene in Minas Tirith eine wohl geborgene Stube“, er lachte selbstzufrieden und deutete den Soldaten sie fest zu nehmen.

Beregond näherte sich Elea von hinten, nahm sie mit festem Griff beim Handgelenk und legte ihr sein Schwert in die Hand. Ein verwirrter Blick traf Elea: „W-w-was macht ihr?“, stotterte Herumor. Und noch ehe jemand antworten konnte, legten sich wieder zornige Falten auf seine Stirn. Er begriff mit einem Schlag: „Deshalb also bist du gekommen.“
Elea nickte: „In einem Punkt hast du Recht, Herumor. Der Gerechtigkeit wird heute genüge getan. Ich bekomme meine Vergeltung und das Volk von Gondor wird frei sein.“
„Frei um zu sterben; um endgültig unter zu gehen!“, sagte er überzeugt.
„Unterschätze nicht die Stärke der Nachkommen Numenors.“

Elea machte einige Schritt auf ihn zu. Herumors Schwert lag außer Reichweite bei seinem Thron. Sie stand direkt vor ihm und blickte auf seinen blonden Schopf. Endlich konnte sie sich dafür rächen was er ihr angetan hatte. In ihrer Hand lag die Zukunft von Minas Tirith, ein Hieb und sie alle würden frei sein. Der Schwertertanz im Brunnehof war deutlich zu hören. Die anstürmende Menge trieb die Soldaten langsam aber beständig vor der Halle des Königs zusammen. Elea hob die Klinge weit nach oben und packte sie mit beiden Händen am Schaft. Gezielt und mit aller Kraft führte sie das Schwert nach unten und direkt auf die Steinfliesen, sodass Funken in alle Richtungen sprühten und ein Riss im Boden entstand.
„Einen solch einfachen Tod hast du nicht verdient! Gedemütigt sollst du werden, wie du die anderen behandelt hast.“
„Nicht einmal den Mut kannst du aufbringen mich zu töten und willst ein ganzes Volk gegen den Feind in die Schlacht führen… Ha, das ich nicht lache. Du wärst keine gute Herrscherin geworden!“, sagte er beinahe etwas angewidert.
„Dich fallen zu sehen ist mir Rache genug und dir Strafe genug. Leb wohl, Herumor“, sagte sie bestimmt und ging zu Beregond um ihm sein Schwert auszuhändigen. Indem Moment sprang das große Tor auf. Hunderte Menschen waren in die Zitadelle eingedrungen. Sie warfen mit Fackeln um sich und stachen mit Schwertern auf die Soldaten ein die die Halle nach wie vor verteidigten.
„Da sind die Verräter! Tötet sie und tötet Herumor!“, brüllte einer aus der Menge.
« Letzte Änderung: 19. Feb 2016, 13:33 von Fine »
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Vexor

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Re: Der Brunnenhof und die Zitadelle
« Antwort #5 am: 22. Aug 2011, 20:05 »
Brianna von den Straßen Minas Tiriths


Das Grölen und Schreien der Menge hörte Brianna nur in gedämpfter Lautstärke. Ihre Ohren waren wie mit Watte ausgestopft und ohne bewusst darüber nachzudenken wurde sie mit der Masse, junger, rebellierender Königstreuer mitgeschleift.
Sie bekam nichts von den Hasstiraden, Beschimpfungen und kleinen Scharmützeln mit, in welche die Gruppe verwickelt war. Immer mal wieder spürte sie ganz leicht, wie ihr jemand auf die Schulter klopfte oder vernahm leise die Gratulation eines Königstreuen für die Hinrichtung Lucius‘.
Das einzige worauf sie achten konnte war das klebrige, rostrote Zeug, das ihre Hände und Arme bedeckte. Für einen Moment war sie sich sicher, dass es wie damals auf den Hof mit ihrer Freundin Rhia war. Gemeinsam hatten sie kiloweise Tomaten von ihren Topfpflanzen abgenommen und daraus Tomatensuppe gekocht. In diesen Tagen, die so weit weg schienen, als wäre ein ganzes Menschenleben an Briannas kastanienbraunen Augen vorbeigezogen, schien alles noch gut und glücklich zu sein.

Aber hier? Wie sah es hier aus? Verwüstung, Feuer und flammender Hass, der ihr aus allen Seiten gegen das Gesicht schlug und nun wie eine Mahnung an ihren Händen klebte.
Noch immer fixierte sie die Hände, welche früher Kräuter geschnitten und Wunden versorgt hatten, als Brianna unsanft gegen etwas Hartes lief. Sie prallte zurück und wären hinter ihr nicht so viele Leute gestanden, so wäre sie auf den gepflasterten Boden geknallt.

„ Pass doch auf“, grummelten die Leute bissig um sie herum und langsam kehrten Briannas Sinne zurück.
Der faulige Atem des Mannes gegen den sie gerannt war ätzte in ihrer Nase. Der Qualm und die Hitze der lodernden Fackeln um sie herum trieben ihr die Tränen in die Augen. Zu guter Letzt waren da noch die Worte. Worte voll von Abneigung und blinden Zorns gegen den einzigen Feind gerichtet, den sie finden konnten: Herumor.
„…Verräter!“
„ Feigling…dreckiges Schwein…“
„ Hängen sollst du wie die edlen Dol Amroths….“
„ Du und deine vermaledeite Frau…diese Hure aus dem Norden!“
Elea…ELEA!
Die Gedanken an ihre ehemalige Freundin schmerzten Brianna, denn voll Zorn war sie auf sie gewesen, weil sie Herumor heiraten wollte. Und doch war sie Briannas Freundin gewesen.

Gemeinsam verließen wir Imladris‘, ohne ein wirkliches Ziel. Gemeinsam erblickten wir die verkohlten Ruinen Edoras, des Königssitzes der Pferdeherren. Gemeinsam waren wir in den Verließen Minas Tiriths gefangen. Gemeinsam standen wir den Schmerz durch, als sie erfuhr, dass die Suche nach ihren Gatten vergebens war….und…und gemeinsam befreiten wir Araloth. Vielleicht hatte Paola recht. Vielleicht ist sie immer noch meine Freundin.

„ Sprengt das verfluchte Tor wenn nötig“, schrie die Frau dicht neben Brianna, die sie auch ermutigt hatte Lucius zu töten.
Stimmengewirr erhob sich und Brianna wusste nicht genau was vor sich ging. Sie befand sich zu weit hinten und war zu klein, um irgendetwas zu sehen. Immerhin hatte sie aus den Stimmengewirr endlich verstanden, dass sie am Brunnenhof bei der Zitadelle waren.
„NA LOS!“, brüllte ein anderer Mann und plötzlich ging ein Ruck durch die Menge und Brianna wurde hin und her geschubst.


Kühle Winde um wirbelten Brianna und plötzlich sah sie sich selbst wieder auf der schmalen Brücke in den westlichen Gebieten Eriadors. Die fernen Wasserfälle rauschten wieder und das Herbstlaub hatte sich in seiner vollen Farbpalette über die Landschaft gelegt. Rostbraune Flecken jagten den seltenem aber schimmernden Gold hinterher, während sie vom neidisch glühenden Rot sehnsuchtsvoll beäugt wurden.
Nie hatte Brianna etwas Schöneres gesehen. Ihre schokoladenbraunen Haare spielten im Wind und obwohl es Ende Oktober war, fror es Brianna in ihr mit Goldfäden besticktes, violettes Kleid nicht. Sie war barfuß und genüsslich schloss sie Augen, um diesen Moment für immer in ihren Herzen zu bewahren.
Brianna“, flüsterte eine Stimme und die Kräuterfrau aus Thal dachte schon es wäre der Wind oder das Wasser, welches ihr zuflüstern würde, doch als sie die Augen öffnete , erblickte sie eine Frau von wundersamer Schönheit.
Sie hatte schulterlanges ebenholzschwarzes Haar und war in reinste Seide gehüllt, die sie mit einem cremefarbenen Band um die Taille festgebunden hatte.
Meergraue Augen, voll Trauer und Kummer, aber auch Willensstärke und Mut, musterten die ihren.
Ein Böe frischte auf und umspülte die beiden Frauen, die rund zwei Meter auf der schmalen, gebogenen Steinbrücke standen, die über die Bruinenfälle führte.
„ Es…es tut mir…“, setzte Brianna an, aber Tränen füllten ihre Augen und sie schluchzte.
„ Schh“, flüsterte die Frau, ging mit offenen Armen auf sie zu und wollte die Arme um sie legen. Doch bevor sie sie erreichte, zerriss die Szenerie, die Brücke stürzte ein und die Frau mit rabenschwarzem Haar, fiel vor ihren Augen in die Tiefe.
Brianna blinzelte erschrocken die Augen und hauchte ein leises Elea, aber niemand hörte es.

Die Kräuterfrau hatte gar nicht mitbekommen, wie das Tor aufgebrochen worden war und die wütende Menschenmenge sie in den Innenhof mitgerissen hatte.
Wild tobend hatten sie viele Wachen erschlagen und wahllos mit den Brandfackeln geworfen und laut Herumors Kopf gefordert.
Die Menge verstummte, als sie Elea, die das Schwert fallen gelassen hatte, erblickten, bevor sie erneut anfing zu brüllen.
„ Feigling! BRINGT UNS DIE HURE!“, johlten die Stimmen. Doch da war erneut die Frau, die die Stimme erhob und wie ein Wunder übertönte sie die übrigen.
„ Wertlose Braut, nimm dir ein Beispiel an ihr, die einen der Tyrannen kaltblütig hinrichtete für unsere Zwecke.“
Brianna reckte den Kopf in die Höhe, um zu sehen wen sie meinte, bis sie plötzlich einen Ruck spürte und sie nach vorne gestoßen wurde. Sie stolperte aus der Menge nach vorne und stand nun wenige Meter von Elea entfernt.
„ Nimm dir ein Beispiel an ihr!“, rief die Frau mit voller Verachtung und funkelte Elea böse an.

Irritiert wanderten Briannas Augen von der Menge zu Elea, die sie ebenso verwirrt, aber mit einer gewissen Kühnheit, anblickte, und wieder zurück.
Etwas warmes streichelte Briannas Nacken und im ersten Moment dachte sie erschrocken eine Fackel hätte sie im Genick getroffen, doch es war die Morgensonne die durch die Berggipfel hereinbrach. Etwas bizarreres hätte sich Brianna in diesen Moment kaum vorstellen können. Das es nach dieser Nacht noch einen Morgen geben würde, erschien ihr vollkommen surreal. Dennoch holte sie die Gegenwart schneller ein, als sie es gewünscht hätte und so standen sich die beiden Frauen, wie in ihren Tagtraum gegenüber. Von durchkämpfter Nacht und Angst deutlich heruntergekommen, aber die Situation war die gleiche. Wie gern wäre Brianna jetzt auf ihre alte Freundin zugegangen und hätte sie um Verzeihung gebeten.
« Letzte Änderung: 19. Feb 2016, 15:28 von Fine »


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Thorondor the Eagle

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Re: Der Brunnenhof und die Zitadelle
« Antwort #6 am: 28. Aug 2011, 12:34 »
Es war ein Moment indem die Zeit still zu stehen schien. Die drohend roten Flammen wurden grau, die namenlosen Gesichter der Menschen verschwammen, die Situation quasi bedeutungslos. Elea schaute in Brianna’s Augen. Der Ausdruck der Trauer in ihnen war tiefer geprägt als jemals zuvor; nur noch eine Spur aus Tränen zu erahnen. Ihr Kleid war von Blut befleckt und ihr Gesicht von Rußspuren übersät.

Sind diese Anschuldigungen die die Menschen brüllen wahr? Brianna einen Mann getötet? Brianna, jene die Leben heilt und nicht nimmt? Lucius – kann Hass jemanden so weit bringen? Ich habe Herumor Gnade gewährt, aber warum? Vielleicht weil ich weiß, dass andere in richten werden?

Ein Stein flog knapp an ihrer Stirn vorbei und landete klangvoll auf dem Marmorboden der Halle. Elea wurde aus ihren Gedanken gerissen. Die letzten Soldaten die den Eingang verteidigt haben waren nun von den tobenden Mengen verschlungen worden. Beregond und seine Männer hielten drohend ihre Klingen auf die Eindringlinge, doch sie wussten, dass sie nichts erreichen würden. Die Gruppe lies sich immer weiter in Richtung Thron zurückdrängen. Herumor kniete auf derselben Stelle wo ihn Elea zurück gelassen hatte. Er hatte sich seinem hoffnungslosen Schicksal gebeugt.

Die Ersten preschten aus dem Gemenge heraus und attackierten die Soldaten um Elea. Immer wieder hieben sie mit ihren stumpfen Schwertern auf die Rüstungen und die Klingen. „Herrin!“, schrie plötzlich eine Stimme von hinten „Herrin!“.
Die Dunedain drehte sich erschrocken um und blickte in die aufgeregten Augen Doreals. Er und ein paar Wächter der Feste kamen über einen kleinen Nebeneingang in die Halle: „Kommt mit uns. Wir müssen fliehen.“
Elea nickte erleichtert und legte ihre rechte Hand in seine. Er zog kräftig an, um sie durch die Tür zu führen, doch die Frau blockierte mit der Linken einen Moment.
Ihr suchender Blick fixierte die braunen Augen in der sich schließenden Menge. Vor einigen Monaten noch hätte Elea sie bedenkenlos aufgefordert mitzukommen, doch nun; Brianna hatte sich von ihr entfremdet, aus Freundschaft wurde Hass, solch großer Hass der sie dazu veranlasste einen Menschen zu töten.

Nein, sie kann es nicht getan haben. Sie kann keinen Menschen töten; nicht Brianna. Wenn du mir doch nur verzeihen könntest; wenn du nur deinen Schmerz überwinden könntest. Komm mit mir…

Sie streckte ihre linke Hand fordernd in Richtung Brianna, doch in dem Moment drängte Doreal sie weiter und sie verschwand aus dem Thronsaal. Herumor wurde von der tobenden Menge verschluckt. Ohne auch nur einmal zurück zu blicken liefen sie zum Ratshaus, die Treppen hinauf und durch den großen Innenhof. Der Brunnen plätscherte noch leise vor sich hin. Als sie den gegenüberliegenden Ausgang des Hofes erreichten befanden sie sich an der westlichen Mauer der Zitadelle. Wie schon früher an jenem Abend kletterten sie mithilfe eines Seiles in den unteren Ring.

Gezielt liefen sie durch ein paar enge Gassen, überquerten dann die Hauptstraße und blieben schließlich vor einem großen, hölzernen, mit massiven Eisen verstärkten Toren stehen.

„Was machen wir hier?“, frage Elea verwundert.
„Euch an einen sicheren Ort bringen!“, antwortete Doreal.
„Hierher?“
„Ja. Selbst das einfache Volk von Gondor hält diesen Ort in Ehren. Sie würden nicht wagen ihn zu betreten.“
„Ich wage es auch nicht!“
„Obwohl ich dies nicht gut heißen möchte, glaube ich, dass Doreal Recht hat“, mischte sich nun Beregond ein, der schweratmend an der Tür angekommen war.
Einer der Wächter nahm einen schmiedeisernen Schlüssel von seinem Gürtel und öffnete das robuste Schloss.
„Es ist nur für die nächsten Tage. Wenn sich die Menschen beruhigt haben, werden wir euch woanders unterbringen!“

Der Soldat stemmte sich gegen die Tür. Das Licht der aufgehenden Sonne durchflutete die dunkle Straße. Es war ein merkwürdiges Gefühl, als die Dunadan Fen Hollen durchschritt. Sie war in den Grabkammern ihrer Vorfahren.


Elea, Beregond, Doréal und einige Soldaten in die Stille Straße und die Grabkammer der Könige
« Letzte Änderung: 19. Feb 2016, 13:35 von Fine »
2. Char Elea ist bei der Ratsversammlung von Aldburg


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Vexor

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Re: Der Brunnenhof und die Zitadelle
« Antwort #7 am: 6. Okt 2011, 15:04 »
Einen Moment blickte Brianna in die grau-blauen Augen Eleas bevor sie von einem jungen Mann beiseite gedrängt wurde und sie die tosende Menge verschluckte. Sie verschwand in dem gierigen Schlund aus Stoff, Haut und Haaren.
Etwas Heißes streifte Briannas Wange und die aufgehende Sonne strahlte so gleißend hell, dass Brianna blinzeln musste. Eine einzelne Träne kullerte bebend ihre Wange hinab.
Als hätte jemand ein Stundenglas wieder umgedreht, verlief für die Kräuterfrau aus Thal nun wieder alles rasend schnell. Menschengedränge, Geschrei und Waffengeklirre. Doch sie rührte sich nicht. Verharrte in ihrer Erstarrung und ignorierte es, wenn man sie unsanft anrempelte oder anbrüllte. Ihre Trance wurde erst gelöst als etwas Kleines ihr Bein packte. Entsetzt blickte sie zu Boden und erkannte den rötlichen Schopf eines Mädchens. An ihrer Schläfe klebte getrocknetes Blut und mit verquollenen Augen blickte sie zu Brianna hoch.
„Mami?!“. Es war erst ein lautloses Schluchzen, aber für Brianna war es ein Orchester aus Trompeten, das in ihren Ohren tobte.
Mit weit aufgerissenen Augen schob sie das Kind von sich weg und überließ es dem gierigen Höllenschlund, während sie selbst dahin taumelte. Vorbei an hunderten, für sie ausdruckslosen, Gesichtern.

Die Spielmannsgasse war leer. Es rührte sich keine Menschenseele. Keine Spielfrau erfüllte die kleine Gasse mit ihren lieblichen Gesang. Kein Akrobat tanzte über den Dächern der Stadt auf einer dünnen Wäscheleine. Und keine Kinder spielten Räuber und Gendarm. Da war nur Brianna. Hände und Arme in rote Farbe getränkt. Das Haar schmutzig und verfilzt.
Sie stand bereits vor ihrer Türe, als ein dumpfes Geräusch ihre Sinnesorgane reizte. Der Ton wurde von einem hellen peitschenartigen Geräusch begleitet, gefolgt von leisen Gewimmer.
„Sei still meine Kleine. Ich will dir nicht weh tun“.
Die Stimme war süßlich und spielte Besorgnis und Einfühlungsvermögen vor.
„ Komm, seit still sonst muss ich dafür sorgen, dass du schweigst. Es ist auch gleich vorbei, du musst nur ruhig daliegen.“

Der Tonfall war nun bestimmter und hatte einen bitteren Beigeschmack.
Einen Moment war Brianna versucht einfach die Türe aufzuschließen. Einfach die Nacht und ihre Geschehnisse auszublenden. In ihr Bett zu kriechen und nie mehr aufzuwachen. Zu schlafen bis der stille Tot auf dem Bettvorleger stand und seine knochige Hand zum Gruße ausstreckte.
Doch der erstickte Schrei und das atemlose Gestöhne der süßlichen Stimme, löste ihre Starre und so lugte sie mit pochenden Herzen um die Steinmauer in die glitzernde Gasse.
Ihr Atmen setze aus und bevor sie wirklich darüber nachdenken konnte, ergriff sie einen Besen, der an der Hauswand lehnte, und schlug damit den jungen Mann ins Genick. Er sackte zusammen und rollte auf die Seite. Dabei offenbarte er ein kleines Mädchen, höchstens sieben Jahre, dessen Rock heruntergerissen war und die leise wimmernd mit blutunterlaufenem Auge, reglos am Boden lag.

Unsanft zerrte sie das Mädchen auf die Beine, aber sie konnte es nicht trösten. Sie war innerlich leer und schroff packte sie es am Arm und schüttelte es leicht.
„Worauf wartest du noch? LAUF!“, brüllte sie das Mädchen an, welches verstört nickte und davon hechtete.

Briannas emotionslose haselnussbraune Augen wanderten zu dem Mann am Boden, der sich langsam wieder regte. Sie hatte währenddessen den Dolch aus ihren Stiefeln gezogen und trat dem Mann hart in die Seite, sodass er sich wieder auf den Rücken drehte.
Seine stahlblauen Augen musterten sie und Brianna ekelte es, als sie spürte, dass sie den jungen Mann attraktiv fand.
Sie beugte sich nun zu ihm herunter, sodass ihre Gesichter nur wenige Zentimeter entfernt waren und nun genoss Brianna das Gefühl der Macht, dass ihren vorher emotionslosen Körper durchströmte. Das Gefühl absoluter Überlegenheit und die Entscheidung über ein Menschenleben.
Ihre Stimme war gefasster und kälter, als es sich Brianna in dieser Situation je hätte vorstellen können.

„Sag mir du widerlicher kleiner Scheißkerl. Was soll ich mit deinen Leben anstellen?“.
Sie flüsterte die Worte und währenddessen fuhr sie mit der Klinge des Dolches über seinen Adamsapfel.
„Wenn ich jetzt zusteche ist dein Leben schneller vorbei als du denken kannst, oder…“
Sie genoss die Panik in seinen Augen und ihre klinge ritzte die Stelle an seiner Kehle leicht ein, sodass heidelbeergroße Bluttropfen daraus hervorquollen.
„…oder soll ich die Klinge direkt in dein nicht vorhandenes Herz stoßen?“
Die Klinge fuhr zu seinem Herzen, nicht ohne leicht über die Haut zu ritzen. Sie entdeckte, dass seine Hose offen war und sein Glied zu sehen war und lächelte leicht.
„Oder soll ich deiner jämmerlichen Männlichkeit ein Ende bereiten, so wie du diesem Mädchen ihrer Jungfräulichkeit ein Ende bereiten wolltest?“
Er keuchte als die Klinge über Brust und Bauch bis hin zu seiner Scham ritzte. Er winselte nun und Tränen quollen aus den stahlblauen Augen und Briannas Machtgier erlosch so abrupt, wie sie aufgelodert war.
„Steh auf!“, sagte sie vehement und der Mann tat wie geheißen. Sofort wich er einige Schritte von Brianna weg.
„Geh! Rette dein jämmerliches Leben. Heute ist genug Blut vergossen worden“, erwiderte sie resigniert und sah zu, wie der Mann davon stürzte. Nach einigen Metern blieb er inne und brüllte mit solch hasserfüllter Stimme, dass es Brianna das Mark in den Knochen gefrieren ließ:
„ DAS WIRST DU BÜSSEN KLEINES MISTSTÜCK!“.



Ihre Wohnung war unglaublich still. Feine Staubpartikel wirbelten durch die hereinfallenden Sonnenstrahlen. Eine fast bedrohliche Ruhe und ein beängstigender Frieden lagen in diesen vier Wänden, die Brianna ihr Zuhause nannte.
Die Müdigkeit übermannte Brianna so schnell, wie sie über die Türschwelle getreten war. Doch bevor sie sich in ihr weiches Bett legen konnte, führte sie ihr Weg in die Küche wo ein Eimer mit Wasser stand.
Sie packte einen alten Lappen und fing an ihre Hände und Arme so heftig zu schruppen, dass es schmerzte. Als sie fertig war glühten ihre Hände fast so rot, wie eine halbe Stunde zuvor, als sie noch blutbefleckt waren.

Der Schlaf, welchen sie daraufhin suchte, war kurz und unbefriedigend und musste am frühen Nachmittag sein, als sie sich mit schmerzenden Gliedern aus dem Bett erhob.


Brianna zu ihrer Wohnung in der Spielmannsgasse
« Letzte Änderung: 19. Feb 2016, 15:30 von Fine »


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Eandril

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Re: Der Brunnenhof und die Zitadelle
« Antwort #8 am: 17. Apr 2017, 21:49 »
Balkazîr, Gimlâns Sohn

06. August 3022


Balkazîrs Schritte hallten auf den Steinen des wie leergefegten Brunnenhofes und von den Mauern des Palastes wider. Seine Rüstung aus schwarzem Stahl klirrte bei jedem Schritt, den er über den weißen Marmor zurücklegte. Die Hitze lastete brütend auf der Stadt und eigentlich war die Rüstung nicht dazu geeignet, um sie bei solchen Temperaturen den ganzen Tag zu tragen. Doch Balkazîr war an die Hitze Mordors im Sommer gewöhnt und hatte auch dort seine Rüstung selten abgelegt, und nun spürte er sie kaum.
Von Osten zogen wie so häufig gegen Abend schwarze Wolken heran, und würden die einstige Hauptstadt Gondors in eine frühe Dunkelheit hüllen. Stolz betrachtete Balkazîr die schwarzen Banner mit dem Zeichen des roten Auges, die überall auf den Wällen und auf den Türmen des Palastes flatterten. Lange hatte die Weiße Stadt, wie sie damals genannt worden war, sich dem Zugriff Mordors widersetzt, doch nun waren sie hier. Gondor, das Reich der Schwachen und der Verräter, lag am Boden, doch es war noch nicht besiegt, und dieses Bewusstsein nagte an Balkazîr. Die Menschen Gondors waren erbärmlich und blind, dachte er verächtlich. Sie erkannten nicht die Macht des Gebieters, und so waren sie zum Untergang verdammt - und vielleicht war es besser so. Ihre Vorfahren mochten Verwandte und Brüder gewesen sein, doch die Vorfahren Gondors hatten das stolze Westernis und seinen König verraten, und sich stattdessen den Elben angebiedert. Elben!
Balkazîr schnaubte verächtlich, während er den Brunnen in der Mitte des Hofes umrundete. Einst hatte hier ein weißer Baum als Zeichen der Könige von Gondor gestanden, doch sie hatten ihn gefällt und verbrannt. Balkazîr war dabei gewesen, und als der Baum brannte hatte er gespürt, dass Gondors Zeit zu einem Ende kommen würde. Einst war der Brunnen mit Wasser gefüllt gewesen, doch nun war es Blut - das Blut von Verrätern und Feiglingen. Gestern war auf diesem Platz Aglarîl hingerichtet worden, der den Befehl über alle Streitkräfte Mordors im besetzten Gondor gehabt hatte, und sein Blut hatte sich mit dem der anderen, die vor ihm gestorben waren, vermischt.
Balkazîr hatte der Hinrichtung beigewohnt.

Er erreichte sein Ziel, einen Nebeneingang der Zitadelle auf der Nordseite des Hofes. Die Tür wurde von zwei Männern in grauen Rüstungen bewacht, die Balkazîr keines Blickes würdigte. Diese Männer waren als Sklaven in Mordor geboren worden, und ihr ganzes Leben lang zu diesem Zweck ausgebildet und geformt worden. Sie waren gute Kämpfer, und doch nicht mehr Wert als der Dreck unter Balkazîrs Stiefeln. Sie hatten keine Verwandtschaft mit den wahren Erben Númenors, und hatten das Wort nicht an einen ihrer Herren zu richten oder überhaupt zu sprechen, solange sie nicht dazu aufgefordert wurden.
Balkazîr betrat den Raum, nahm den Helm ab und klemmte ihn sich unter den Arm. Dann ging er vor dem am Fenster stehenden Mann auf die Knie und neigte respektvoll den Kopf. "Ihr wolltet mich sprechen, Herr."
Der Mann wandte sich zu ihm um, doch Balkazîr wagte es nicht, unaufgefordert den Blick zu heben. Er hatte am Schwarzen Tor gekämpft, an dem Tag als sie ihren größten Sieg errungen hatten. Er hatte in Pelargir gekämpft und dort einen mächtigen Adligen Gondors erschlagen, und er war nach dem Aufstand in Minas Tirith bei dem Heer gewesen, dass die Stadt zurückerobert hatte. Es gab nur wenig, was Balkazîr Angst machen konnte, doch Arnakhôr, Sohn Abrazîrs, gehörte dazu.
"Erhebt euch, Balkazîr", sagte Arnakhôr schließlich, und Balkazîr stand ohne Zögern auf. Er mied Arnakhôrs Blick nicht länger, denn er wusste, der andere spürte jedes Zeichen von Schwäche sofort.
Arnakhôr war einige Jahre jünger als Balkazîr, doch er hatte sich im Dienst des Auges einen großen Namen gemacht. Einige Jahre vor dem Krieg war er verantwortlich für die Niederschlagung eines Sklavenaufstands in Nurn gewesen, und hatte dies so gründlich und mit solcher Grausamkeit getan, dass die Sklaven seitdem nichts mehr gewagt hatten. Im Krieg schienen die Heere Mordors zu siegen, wo immer er auftauchte. Er war bei der Eroberung des Einsamen Berges im Norden dabeigewesen, und war aus Dol Guldur nach Gondor abkommandiert worden, kurz bevor die Festung vom Verräter Curunír erobert worden war, sodass der Hauch der Niederlage ihm nicht anhing.
Arnakhôr war derjenige gewesen, der dafür gesorgt hatte, dass Aglarîl vor zwei Tagen seines Amtes als Oberbefehlshaber enthoben und des Verrats und der Feigheit angeklagt worden war. Und Arnakhôr hatte dafür gesorgt, dass Aglarîl sofort zum Tode verurteilt und hingerichtet worden war, und hatte den Befehl über die Streitkräfte Mordors selbst übernommen.
Es war Arnakhôr nicht schwer gefallen, sein Ziel zu erreichen, denn er entstammte einem weit edleren Haus als Aglarîl und war im Gegensatz zu diesem eng mit dem Fürstenhaus von Durthang verwandt. Er war ein Vetter dritten Grades von Fürst Varakhôr selbst, und sogar ein Vetter zweiten Grades von dessen Frau Lôminzil. Arnakhôr selbst war ein aussichtsreicher Kandidat für die Hand von Varakhôrs Tochter Azruphel gewesen - jedenfalls vor Azruphels merkwürdigem Verschwinden aus Mordor, bei dem immer öfter von Verrat die Rede war.
"Ihr habt den Befehl über eine Einheit von Orks, die bei Pelargir und in Lossarnach gekämpft hat." Es war weniger eine Frage als eine Feststellung, und trotzdem nickte Balkazîr. "Das ist richtig, Herr."
"Und wie es aussieht, weint ihr Aglarîl keine Träne nach", sagte Arnakhôr. Seine Stimme war kühl und leidenschaftslos, doch seine schwarzen Augen fixierten Balkazîr intensiv und prüfend.
Balkazîr schüttelte den Kopf. "Nein, Herr. Aglarîl war schwach, zögerlich und unfähig. Seine Entscheidung, den Haradrim die Südhälfte des besetzten Gebietes zu überlassen, war falsch und feige. Die Niederlagen am Mering-Strom waren seine Schuld, weil er zu zögerlich und zu schwach gehandelt hat. Die Niederlage in Linhir hätte verhindert werden können, wenn er den Haradrim weniger Macht eingeräumt hätte. Und er hat sich als unfähig erwiesen, den Widerstand in Ithilien mit einem raschen und heftigen Schlag zu beseitigen. Stattdessen hat er sich in endlose kleine Gefechte verwickeln lassen, und zugelassen, dass sie immer wieder unsere Nachschubrouten überfallen konnten. Mit ihm hätten wir nie einen Sieg errungen, und ich bin froh, dass er tot ist."
Arnakhôrs blasses Gesicht verzog sich zu einem unschönen Lächeln. "Ihr scheint ihn wirklich gehasst zu haben, Balkazîr. Warum habt ihr nie selbst versucht, ihn zu ersetzen?"

Balkazîr zögerte für einen Augenblick. Wenn Arnakhôr ihm sein Handeln als Schwäche auslegte, war seine Laufbahn in diesem Moment vorüber, und er hätte Glück mit dem Leben davonzukommen. Schließlich entschloss er sich, dass ihm die Wahrheit hier nur helfen und nicht weiter schaden konnte. "Ich habe mit dem Gedanken gespielt", erwiderte er. "Doch mir fehlte es an Macht und Einfluss, ohne einen direkten Befehl aus Mordor hätte ich nicht handeln können."
Arnakhôr nickte, und wandte sich wieder dem Fenster zu. Die Wolken aus dem Osten hatten inzwischen die Stadt erreicht, und die schwachen Sonnenstrahlen aus dem Westen tauchten sie in ein fahles Licht. "Ihr wisst, dass Aglarîl ein Heer durch die Berge nach Erech entsandt hat, als einen seiner letzten Befehle."
"Das weiß ich, Herr." Auch wenn Balkazîr diesen Vorstoß für sinnlos und zum Scheitern verurteilt hielt, hatte die Demütigung, dass er nicht daran teilnehmen durfte, an ihm genagt. Selbst der Verräter aus Gondor, Imradon, war dorthin geschickt worden, während Balkazîr zurückgeblieben war.
"Dieses Heer wird vermutlich scheitern", bestätigte Arnakhôr seine Befürchtungen. "Es marschiert tief ins Feindesland, ohne Hilfe und Unterstützung. Doch wir werden die Gelegenheit nutzen, die sich nun bietet."
"Linhir?", wagte Balkazîr zu fragen, doch Arnakhôr schüttelte den Kopf und wandte sich ihm wieder zu. "Nein - zumindest noch nicht. Aber ihr erwähntet den Widerstand in Ithilien. Dem Gebieter sind diese Waldläufer ebenfalls aufgefallen", sagte er. Er ging zu dem einzelnen Tisch, der in der Mitte des Raumes stand, und auf dem eine Karte des östlichen Gondors lag. "Wir werden keinerlei Widerstand in unseren Gebieten mehr dulden." Er deutete auf das südliche Ithilien, und ließ seinen Finger nach Westen, zu den Mündungen des Anduin wandern. "Ihr werdet eine Truppe zusammenstellen, die diese Banditen ein für alle Mal vernichtet. Ich selbst werde mich um den Widerstand am Ethir kümmern."
"Ja, Herr", antwortete Balkazîr. Er spürte sein Herz schneller schlagen bei der Aussicht, endlich wieder richtig in den Krieg zu ziehen und die Feinde Mordors zu vernichten. Sein Schwert sehnte sich nach dem Blut seiner Feinde.
"Gut. Ihr werdet keine Gnade walten lassen. Tötet sie alle, und schreckt dabei vor keiner Grausamkeit zurück. Wir müssen ein Beispiel für das restliche Gondor geben..." Arnakhôr klang nachdenklich, und in diesem Augenblick war Balkazîr sich sicher, dass dieser Mann Mordor zum Sieg in Gondor führen würde.
"Bevor der zweite Monat um ist, wird der Widerstand in Ithilien für immer gebrochen sein", sagte er, und verneigte sich.
"Ich verlasse mich darauf", erwiderte Arnakhôr ohne Regung, doch in seiner Stimme schwang eine versteckte Drohung mit. Wenn er Erfolg hatte, konnte Balkazîr höher aufsteigen, als er jemals zu träumen gewagt hatte. Doch wenn er scheiterte, würde ihn das selbe Ende erwarten wie Aglazîr.
« Letzte Änderung: 20. Apr 2017, 12:20 von Fine »

Listen to the wind blow, watch the sun rise
Running in the shadows, damn your love, damn your lies