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Autor Thema: Taur Giliath / Nördliche Wälder Lothlóriens  (Gelesen 15543 mal)

The Chaosnight

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Re: Wälder Lothloriens II
« Antwort #30 am: 30. Okt 2009, 19:58 »
Aiwyn war schon kurz davor sich umzudrehen und weiter zu gehen, immerhin gab es hier im Wald genug feindlich gesinnte Menschen und mit Orks wollte sie in nächster Zeit nichts mehr zu tun haben. Obwohl sie schwache und feige Wesen waren und sie sich sicher war jeden von ihnen problemlos besiegen zu können waren ihr ihre Waffen zu gefährlich: Sie spürte noch immer die Schmerzen des Giftes in ihrer Seite, die von den Erinnerungen an die Heilhäuser noch schlimmer wirkten und sie hatte gesehen, in welch ungeheurer Zahl sie aufgetreten waren, welche Massenware sie waren, wie sie sich selbst sagte. Sie wusste noch immer nicht wie die Schlacht nun genau beendet wurde, doch es schien ihr offensichtlich, dass noch hunderte, wenn nicht tausende von ihnen entkommen sein könnten und gegen solche Massen wäre sie chancenlos.

Sie drehte sich kurz zu Jutan um, um ihm zu sagen, dass der Mann tot sei und sie lieber weiter gehen sollten, doch irgendetwas hatte ihre Aufmerksamkeit erregt, als sie gerade den Mund aufmachen wollte. Schnell starrte sie wieder auf den Verwundeten, der die Augen weit geöffnet hatte und seinen Kopf in ihre Richtung bewegt hatte.
Kurzzeitig spürte sie Überraschung, Wut und Hast in sich, Überraschung darüber, dass dieser Mann noch lebte, Wut darüber, dass er noch nicht wieder aufgestanden war und Hast angesichts der drohenden Gefahr und der Gewissheit, dass sie ohne ellenlange Begrüßungsfloskeln und irgendwelche Hilfen nicht weiter gehen könnte.
Die Überraschung und die Wut verschwanden so schnell wie sie gekommen waren, doch die Hast wurde sogar noch größer und sorgte auch dafür, dass ihr einziges Begehren daran lag so schnell wie möglich aus dieser Situation herauszukommen.
"Komm mit, du hast selbst gesehen, dass dieser Wald nur noch den Tod birg...", platzte es schnell aus ihr heraus und kurz darauf bedauerte sie es schon: Sie kannte Jutan schon so gut wie gar nicht und nun fragte sie einen komplett Unbekannten, ob er sie begleiten wolle und das auch noch in der im Westen für unhöflich befundenen Sprachweise, wie sie im Osten üblich war. Aber gesagt war gesagt, sie biss sich auf Die Zunge, holte einmal tief Luft und ergänzte vergleichsweise langsam: "Wenn du den Wa...", kurze Pause, "Wenn ihr den Wald verlassen wollt könnt ihr etwas mitkommen, für die Nacht wären zwei weitere Auge hilfreich, in diesen Gebieten kann man nie wissen was einen erwartet."
« Letzte Änderung: 17. Okt 2010, 18:01 von The Chaosnight »
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Dragonfire

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Re: Wälder Lothloriens II
« Antwort #31 am: 6. Nov 2009, 16:37 »
Es ist nicht der richtige Moment für Vorurteile
Das war das Erste, was Màroneth in den Sinn kam, als er die beiden Leute sah, die ihn aufgefunden hatten.
Der Junge sah so aus, als würde er erst in ein paar Jahren das Mannesalter erreichen, und sah eigentlich ganz normal aus, ausser das er bewaffnet und mit einer Rüstung ausgestattet war.
Ist er ein Soldat? Ein Kriegsflüchtling? Oder hat er die Ausrüstung jemandem geklaut?
Das verwirrte ihn zwar ein wenig, doch was ihm viel wichtiger erschien war der weibliche Ostling, denn auch wenn bei der Ermordung seines Vaters nur Haradrim mitgewirkt hatten, war seine Beziehungen zu Ostlingen nicht gerade freundlich. Alleine schon, dass sie auf Saurons Seite kämpften, reichte Màroneth als Grund, sie grösstenteils zu verachten.
Dieser hier reiste hingegen mitten am Tag mit einem Jungen herum, und dass auch noch in den Wäldern Lothloriens...
Sehr seltsam
Die Ostling-Frau begann nun langsam mit ihm zu reden.
„Komm mit, du hast selbst gesehen, dass dieser Wald nur noch den Tod birg...“, sagte sie und stoppte dann auf einmal.
Wieso redet sie mit mir, als würde sie mich schon lange kennen?
„Wenn du den Wa...“ fing sie wieder an und vollendete schlussendlich:
„Wenn ihr den Wald verlassen wollt könnt ihr etwas mitkommen, für die Nacht wären zwei weitere Auge hilfreich, in diesen Gebieten kann man nie wissen was einen erwartet."
Da wurde Màroneth klar, das er gar keine andere Wahl hatte, denn auch wenn ihm seine Finder noch nicht recht sympathisch waren, würden die Orks bald zurückkehren, und dann würde es aus sein mit ihm...
Ausserdem kann ich nicht viel mehr erwarten, ich bin schon froh, das sie mich nicht einfach liegen gelassen haben.
So rappelte er sich auf, stützte sich auf sein Schwert und versuchte erschöpft, seine überall verstreut liegenden Sachen zu packen.
„Mein Name ist übrigens Màroneth.“, sagte er, als der Junge Mann ihm seinen Dolch reichte, den er aus dem Baum gezogen hatte.
Auch die anderen beiden gaben dann ihren Namen preis, und dann lief Aiwyn, wie der weibliche Ostling genannt wurde auch schon los.
„Sie scheint gestresst zu sein“ sagte Màroneth zu Jutan, seinem anderen Begleiter, worauf der entgegnete: „Und das sollten wir auch“
Und in Anbetracht der annahenden Orks, so dachte Màroneth als die drei auf den Waldrand zuliefen, war das ein wahres Wort.


Màroneth, Jutan und Aiwyn nach: Ebenen vor Fangorn
« Letzte Änderung: 11. Feb 2016, 13:58 von Fine »

Tom Bombadil

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Re: Wälder Lothloriens II
« Antwort #32 am: 7. Feb 2010, 14:44 »
Galadriel, Celeborn, Gandalf, Radagast, Antien, Amrûn, Aphadon und Celebithiel von der Grenze Lothlóriens


Aphadon fühlte sich seltsam rein. Als ob er wirklich unter seine Vergangenheit einen Schlussstrich gezogen hätte und nun von vorn anfinge. "Die Überschrift des neuen Kapitels lautet Aphadon", murmelte gedankenverloren vor sich hin er vor sich hin.
"Warum so trübselig?", fragte ihn Amrun, der neben ihm durch die dünne Schneeschicht stapfte.
Aphadon blickte dem Elben in die tiefblauen Augen und lächelte matt.
"Ich bin nicht trübselig. Nur... etwas irritiert."
Einige Augenblicke schwiegen sie. Trotz des fallenden Schnees und des wolkenverhangenen Himmels war es merkwürdig warm unter den Wipfeln der goldenen Bäume. Zuletzt war Aphadon, damals noch Nerblog, unter anderen Bedingungen hierher gekommen, mit verbundenen Augen. Man hatte ihn auch nicht besonders höflich behandelt, und so wurde ihm erst jetzt die bewundernswerte Schönheit des goldenen Waldes bewusst.
Der Tross hatte sich mittlerweile zum großen Teil aufgelöst. Offenbar wusste jeder, was er zu tun hatte und wohin er gehörte. Überall herrschte geschäftiges Treiben auf den Bäumen, hinter den dicken Stämmen der Mallorn, er hörte sogar ein vielstimmiges, fröhliches Lied aus weiter Ferne.
Auch Amrun schien zu wissen, wohin er wollte und so heftete Aphadon sich an seine Fersen. "Mhm... Was geschieht jetzt? Was soll ich tun?", fragte er den Elben unsicher. 
« Letzte Änderung: 11. Feb 2016, 13:59 von Fine »
manana

Thorondor the Eagle

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Re: Wälder Lothloriens II
« Antwort #33 am: 8. Feb 2010, 21:05 »
"Komm erst einmal mit uns. Hier in Lorien sind wir noch gut beschützt. Hier wird uns die Möglichkeit gegeben ja sogar abverlangt uns von den Strapazen der Schlacht zu erholen. Im Goldenen Wald kannst du Ruhe finden, zumindest für eine kurze Zeit", antwortete Amrûn.
"Und was wird nachher passieren? Ziehen die Elben wieder in den Süden, werden sie weiter gegen Sauron vorgehen?"
"Das weiß ich nicht und es liegt auch nicht in meiner Macht diese Entscheidung zu treffen, aber ich bin überzeugt, dass Galadriel in all ihrer Weisheit über diese Situation urteilen wird und so handelt wie es ihr am klügsten erscheint." Amrûn war beruhigt, als er diese Worte aus seinem eigenen Mund gehört hatte, denn er sagte sie aus tiefster Gewohnheit.
In schnellstmöglichem Schritte folgte nun der Zug der Elben dem Pfad. Allen voran schritten Galadriel und Celeborn, die Herren des Waldes. "Caras Galadhon, endlich sind wir hier. Endlich sind wir heimgekehrt" ertönte die tiefe Stimme der Herrin des Lichts durch den dichten Wald und vor ihnen taten sich die hohen Mallornbäume der Stadt auf. Die Kronen waren mit weißem Samt bedeckt und die silbernen Stämme reflektierten das intensive Licht der Sonne. Hier im tiefsten Kern des Elbenreiches war die Magie noch nicht verflogen, die Zeit wirkte wie erstarrt und das Leben viel leichter. Zahlreiche der goldenen Blätter hielten dem Druck des Schnees nicht stand und segelten leise die Stämme entlang, hinab zum Boden.
"Sieh Aphadon, einen schöneren Ort als diesen wirst du nirgends in Mittelerde finden. Er ist einzigartig und rein. Sauron hat hier keine Macht, die hatte er auch niemals", sagte Amrûn und im fiel ein Stein vom Herzen bei diesem Anblick. Die Sorgen der vergangenen Tage waren wie vom Winde davon getragen; sie hatten keine Bedeutung.

Sie folgten der schützenden Hecke, bis sie schließlich zu den Füßen der Bäume gelangten. Hier verteilten sich die eingelangten Truppen in viele Richtungen, Celeborn und Galadriel begaben sich mit Gandalf hoch zum Palast. Amrûn und Aphadon blieben stehen und warteten auf die beiden Nachzügler und noch ehe sie eintrafen, standen sie alleine im Schatten eines großen Stammes: "Aphadon, weit hat dich diese Reise schon gebracht und noch dazu in Länder, die du wohl eher nicht von der Nähe betrachtet hättest, zumindest nicht in deinem früheren Leben. Ich kenne die Abneigung der Ostlinge gegen unser Volk, auch wenn ich es nicht verstehe, so muss ich doch zugeben, dass auch ich dir nicht vertrauen kann", sagte Amrûn ernst "zumindest noch nicht. Ich möchte dich kennen lernen, wissen warumdu deine Heimat verlassen hast und wie du in den Kerkern von Isengart gelangt bist. Ich bin nämlich der Meinung, dass die Geschichte eines Geschöpfes mehr über die Persönlichkeit aussagt, als alles andere. Hier erkennt man die tiefen Abgründe und die versteckten Absichten eines jeden..."


Celebithiel, Antien, Aphadon und Amrûn nach Caras Galadhon
« Letzte Änderung: 11. Feb 2016, 13:58 von Fine »
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The Chaosnight

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Aiwyn, von: Heilhäuser Lóriens


Sie fand Bogan an jenem See, an dem sie einst Jutan gefunden hatte und mit ihm nach Rohan aufgebrochen war. Er stand starr vor dessen Oberfläche und blickte in die kreisförmigen Wellen, die die fallenden Blätter erzeugten. Sie atmete tief ein und stellte sich neben ihn, woraufhin er kurz aufseufzte und ohne sich umzudrehen sagte: "Es tut mir Leid Aiwyn, aber ich muss im Moment allein sein. Ich weiß einfach nicht was ich fühlen soll - Ich bin jetzt jahrelang durch fremdes Land gewandert und aufgrund einiger Wahnsinniger wieder zur Flucht gezwunge wurden, ich bin fast erstochen, erschlagen und erschossen wurden und nun ist auch meine Heimat verloren und ich weiß nicht was mit meinen Freunden und Verwandten ist. Nun bin ich endgültig ein Heimatloser. Ich brauche einfach Zeit um damit klar zu kommen!"
"Dann bist du ein Idiot", zischte Aiwyn, "Du kennst genau eine Person die genau das selbe erlebt hat und statt mit ihr zu reden versuchst du irgendwie alleine damit zu leben?" Geschockt hatte Bogan sich zu ihr umgedreht, er hatte sie schon seit Jahren ihm gegenüber nicht mehr so aufgebracht gesehen und schien damit klar überfordert. Er schluckte und murmelte dann nur ein kurzes "Tschuldigung, hab ich vergessen..."
"Ach ja? Immerhin einer von uns, der dazu in der Lage war!" Sie rang einige Zeit mit den Worten und Bogan ergriff in dieser Zeit wieder das Wort: "Beruhig dich doch! Ich bin gerade einfach nur schlecht drauf, da redet man schon mal wirr. Was hast du damals gemacht, als du in der selben Lage warst?"
"Genau darin liegt mein verdammtes Problem! Ich hatte gar nichts gemacht und diese Situation ertragen, eben weil ich nichts tun konnte. DU warst es, der für mich da war! All die Jahre war ich nichts als ein verhasster Geist, das umherging und ich habe damit gelebt, weil es einen einzigen Menschen gab, der mehr in mir sah! Verdammt noch mal - bis zu unserer gezwungenen Trennung in Rohan war ich kaum in der Lage überhaupt irgendetwas wie ein eigenes Leben zu führen, denn entweder war ich nur der Geist oder jemand der von seinen Freunden abhängig ist! Ich musste bei dir sein um irgendetwas wie ein Leben führen zu können. In der Zeit des Suchens habe ich vor allem eines erkannt: Ich brauch dich nicht zum Überleben, aber ich brauche dich als Freund in Zeiten der Not und will dich als Geliebten haben. Du warst immer da, als ich nicht wusste, was ich brauche, doch jetzt wo ich dich wirklich brauchte war ich alleine! Barlae wäre beinahe gestorben...sie hat nur noch gezuckt..und dann war sie still! Ich..Ich wusste nicht was ich tun könnte und niemand kam zu Hilfe..Ich war allein und war machtlos irgendetwas zu ändern..."
"Geh...Geht es ihr gut?", fragte er und auf Aiwyns Nicken hin seufzte er erleichtert aus, "Ich dachte die Elbe hätte alles geregelt...sonst wäre ich nie weggegangen! Ich habe  mich damals entschieden bei dir zu bleiben und würde es jederzeit wieder tun. Was auch immer in dieser kranken Zeit noch passieren wird - Ich werde bei dir sein!"

Er ergriff ihre Hand und zusammen gingen sie zurück in die Heilhäuser.


Aiwyn, zurück in die Heilhäuser
« Letzte Änderung: 22. Feb 2016, 12:17 von Fine »
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Eandril

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Das Haus Lenwe (1)
« Antwort #35 am: 20. Feb 2012, 19:14 »
Oronêl und Mithrellas vom Cerin Amroth

Obwohl die Zeit drängte und Oronêl fürchtete das jede Minute, ja, jede Sekunde kostbar war, schlug ihre Gruppe ein Lager auf, als der Mond hinter den Bäumen versank und sich tiefe Finsternis über den Wald senkte. Nachdem einige der Elben tote Äste und Zweige gesammelt hatten, denn sie wollte nichts von einem lebenden Baum nehmen und ihn verletzen, und damit ein kleines Feuer entfacht hatten, legten sich die meisten schlafen.
Doch Oronêl konnte nicht schlafen, also setzte er sich nahe ans Feuer, wo der flackernde Lichtschein den Boden erhellte, und holte das Buch seiner Mutter aus seinem Beutel und betrachtete es.
"Ließ es.", hörte er Mithrellas sagen. Er blickte auf, und sah sie durch die Flammen auf der anderen Seite des Feuers sitzen. "Ließ es.", wiederholte sie, "Und du wirst verstehen, woher wir kommen." Er nickte langsam, und öffnete dann das Buch.
                                                                                                                                                     
Der erste Teil des Buches war mit "Lenwe" überschrieben.
Das Buch begann mit dem Bericht, wie die Elben am Cuiviénen erwachten, und erzählte besonders ausführlich von Enel und Enelye, die zu den ersten gehörten, die erwacht waren. Diese hatten vier Söhne: Elwe, Olwe, Alwe und Elmo, den Jüngsten. Elwe, Olwe und Elmo hatten in der Zeit in Cuiviénen noch keine Frau erwählt, doch im selben Jahr, in dem die Valar Melkor zum ersten Mal niederwarfen und gefangen nahmen wurde Alwes Sohn Lenwe geboren. Bald darauf gehörte Elwe zu den drei Botschaftern, die nach Valinor gebracht wurden, und bei ihrer Rückkehr viele Elben von der Reise nach Westen überzeugten, darunter auch Olwe, Elmo und Lenwe, doch Enel, Enelye und Alwe entschlossen sich, nicht nach Westen zu gehen, und damit verschwanden sie aus dem Wissen des Westens.
Der Weg nach Westen war lang und gefährlich, doch schließlich erreichten die Elben die Kette der Hithaeglir, die ihnen hoch und unübersteigbar erschien, doch die meisten unter ihnen wollten die Überquerung wagen. Lediglich ein Teil des Stammes von Enel und Enelye, von denen auch viele bereits in Cuiviénen zurückgeblieben waren, blieb auf der Ostseite des Gebirges. Diese erhoben Lenwe, der auch vor dem Gebirge zurückschreckte, zu ihrem Anführer, und so entstand das Volk der Nandor. Die Nandor wanderten zunächst einzeln und in kleinen Gruppen umher, doch nach und nach bewegten sie sich nach Süden, bis sie durch das Land, das später Calenardhon heißen sollte, nach Eriador gelangten. Dort ließen sie sich dauerhaft nieder, und dort wurden Lenwes Kinder geboren: Denethor, der ältere Sohn, Malgalad, sein jüngerer Bruder, und schließlich Linwen, ihre Schwester.
Aber der Frieden der Nandor war nicht von unendlicher Dauer, denn nach einigen Jahren begannen sich Orks und Wölfe aus dem Norden und dem Osten in den Hithaeglir und den umliegenden Landen auszubreiten. Die Leben für die Nandor wurde immer gefährlicher, und schließlich wurde Lenwe auf einer seiner Wanderungen von Orks überfallen und starb bald darauf an seinen Verwundungen, denn die Waffen der Orks waren vergiftet.
An dieser Stelle endete der erste Teil, und der zweite Teil war mit "Denethor" überschrieben.
 Im selben Jahr wurde auch Linwiel, Malgalads Tochter geboren, und auch um sie zu schützen, drängte er seinen Bruder Denethor dazu, nach Westen weiter zu ziehen. Es gelang ihm Denethor, der Lenwe als Fürst der Nandor nachgefolgt war, zu überzeugen, die Wanderung fortzusetzen, und sie sammelten einen Großteil der Nandor um sich und begannen den Weg nach Westen. Allerdings versperrten ihnen schon bald die Ered Luin den Weg, und sie hielten abermals an, um die Gegend auszukundschaften. Dabei geriet Malgalad mit einer kleinen Spähergruppe in ein Trolllager und wurde getötet, doch einige seiner Gefährten entkamen und konnten Denethor von dem Unglück berichten.
Nun übernahm Linwen anstelle ihres Bruders neben Denethor die Führung über das Volk, und gemeinsam erreichten sie im Jahr darauf Ossiriand, auf der Westseite des Gebirges.
Da ihnen dieses Land gut und sicher erschien, begannen sie in den Wäldern zu wohnen, und Kundschafter nach Westen zu entsenden. So kamen sie mit König Thingol von Doriath, der einst Elwe geheißen hatte und somit Denethors Großonkel war, in Kontakt, und aufgrund der direkten Abstammung Thingols von Enel und Enelye erkannte Denethor Thingols Oberherrschaft über Beleriand, von dem Ossiriand ein Teil war, an. Von diesem Zeitpunkt an nannten die Nandor sich Laiquendi.
Es folgte eine weitere Zeit des Friedens für Denethors Volk, und in dieser Zeit wurde bald nach der Ankunft in Ossiriand Anwien, Linwens Tochter geboren, die als die schönste der Laiquendi galt. Auch der Kontakt zu Doriath verstärkte sich mehr und mehr, und nach vielen Jahren heiratete schließlich Linwiel, Malgalads Tochter Anvíron, einen Sinda aus Doriath, und lebte mit ihm in Ossiriand.
Aber wiederum war die Zeit des Friedens nicht von Dauer, denn bald darauf kehrte Melkor nach Mittelerde zurück und ließ Beleriand von seinen Heerscharen angreifen. Denethor und Linwen eilten Thingol mit einer Schar Krieger zu Hilfe, doch sie wurden auf dem Amon Ereb eingeschlossen und fielen, bevor Thingols Heer sie retten konnte. Damit war das Haus Lenwe im Mannesstamm erloschen, doch es lebte noch immer in Linwiel, die nun mit Anvíron nach Doriath zog, und Linwens Tochter Anwien, die nach Eglarest floh, weiter.
An dieser Stelle endete der zweite Teil.
                                                                                                                                         

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Das Haus Lenwe (2)
« Antwort #36 am: 20. Feb 2012, 20:42 »
Oronêl hörte auf zu lesen, und blickte Mithrellas an. "Ich wusste das alles nicht.", sagte er leise. "Meine Mutter hat dieses Buch geschrieben, aber sie hat mir nie etwas von alledem erzählt. Und hätte sie es gewollt, ich hätte mich nicht dafür interessiert. Ich war nur an Bogenschießen, anschleichen und Axtkampf interessiert, denn ich wollte ein Krieger werden, kein Gelehrter. Ich glaube ich habe sie enttäuscht. Aber ich kann sie nun ein wenig besser verstehen... und dich auch, Tochter."
Mithrellas sagte nichts, sondern sah ihn nur an. Er senkte erneut den Blick auf das Buch und fuhr fort zu lesen.
                                                                                                                                         
Der Titel des dritten Teils lautete "Ardir"...
Nach der ersten Schlacht von Beleriand hatte sich das Haus Lenwe aufgeteilt: In Doriath lebte nun Linwiel, Malgalads Tochter, mit ihrem Gatten Anvíron, und in Eglarest wohnte Anwien, Linwens Tochter. Diese verliebte sich bald in Hirluin, einen Vertrauten Círdans, und heiratete ihn einige Jahre nach ihrer Ankunft in Eglarest. Im einundzwanzigsten Jahr nach dem ersten Aufgang der Sonne wurde schließlich Ardir, ihr Sohn geboren, der einer der größten unter den Nachkommen Lenwes wurde, doch obwohl er niemals großen Ruhm erlangte, war er an den meisten wichtigen Ereignissen in West-Beleriand beteiligt. Als Ardir 81 Jahre alt war, verließ er seine Eltern und schloss sich Finrod Felagund in Nargothrond an, denn er bewunderte die Größe und Klugheit der Noldor.
In Nargothrond lernte er den Umgang mit der Axt, der Waffe der Sindar, und wurde einer der besten Axtkämpfer in Nargothrond. Er gehörte zu den Soldaten, die Finrod zur Verstärkung seines Wachturms Minas Tirith auf Tol Sirion sandte, als dieser in der Dagor Bragollach angegriffen wurde, und gehörte zu denen, die zwei Jahre später der Einnahme der Festung durch Sauron entkamen. Beim Fall von Minas Tirith sah er viele seiner Freunde sterben, und von diesem Zeitpunkt an wuchs sein Hass auf Morgoth und auf Sauron im Besonderen. Aber vorerst zog kein Heer von Nargothrond mehr in den offenen Krieg, sehr zu Ardirs Verdruss, doch im Jahr 472 des Ersten Zeitalters hörte man in Nargothrond, das Morgoth die Falas bedrohte. Die Sorge um seine Eltern und der Hass auf Morgoth trieben Ardir erneut in den Krieg, doch als er Eglarest schließlich erreichte, war es bereits zu spät.
Die Heerscharen Morgoths hatten den Hafen bereits zerstört und viele seiner Bewohner erschlagen, doch Círdan war mit vielen anderen nach Balar geflohen. In der Ungewissheit, ob seiner Eltern noch lebten, machte Ardir sich auf den Weg zu den Sirion-Mündungen und von dort nach Balar. Dort erfuhr er, dass Anwien und Hirluin bei der Verteidigung der Stadt gefallen waren, und kehrte voller Trauer und Zorn nach Nargothrond zurück.
Der Tod seiner Eltern war der Grund dafür, dass er Nargothrond erneut verließ, diesmal gegen den Willen Orodreths, der nach dem Tod seines Bruders Finrod König geworden war. Es war das Jahr 488 des Ersten Zeitalters der Sonne, und Túrin, Sohn Húrins von Dor-Lómin sammelte Elben und Menschen nördlich des Amon Rûdh. Dieser Streitmacht schloss Ardir sich an, denn er hoffte, Túrin könnte die Herren der Elben erneut dazu bringen, offenen Krieg gegen Morgoth zu führen.
Aber mit der Einnahme des Amon Rûdh war auch diese Hoffnung zunichte, und er musste erneut nach Nargothrond zurückkehren. Aber wieder war ihm keine lange Zeit in Nargothrond beschieden, denn durch Túrins Ankunft in Nargothrond führten die Elben wieder offenen Krieg gegen Morgoth, was er sehr begrüßte. Doch dieser offenen Krieg war ein Fehler, denn im Jahr 495 griff Glaurung der Drache Nargothrond an, und nach der verlorenen Schlacht auf der Tumlahad, aus der Ardir um Haaresbreite entkommen konnte, fiel die Stadt.
Ardir floh nun nach Balar, denn er sah keine Hoffnung mehr im Krieg gegen Morgoth. Acht Jahr später wurde Doriath von den Zwergen geplündert und König Thingol erschlagen. Da verließ Nellas, die einst eine Freundin Túrins gewesen war, als er jung war, das Land und kam nach Balar, wo sie Ardir traf und sich in ihn verliebte. Nur sieben Jahr später heirateten sie.
Damit endete der dritte Teil des Buches und der vierte, überschrieben mit "Das Ende" begann.
In Doriath lebten seit Beginn des Zeitalters Malgalads Tochter Linwiel und ihr Gatte Anvíron. Sie hatten keinen Anteil an den Geschehnissen im restlichen Beleriand, denn sie waren zufrieden, in Doriath zu wohnen, und auch nach Thingols Tod blieben sie dort, unter der Herrschaft von Dior, seinem Enkel. Doch als die Söhne Feanors Doriath angriffen um den Silmaril zu erlangen, den zweiten Sippenmord begangen und Dior töteten, flohen sie mit Elwing, Diors Tochter, an die Sirionmündungen, wo drei Jahre danach Malire, ihre Tochter geboren wurde, der zunächst Oropher im Jahr 521 und Amdír im Jahr 537 folgten.
Im Jahr nach Amdírs Geburt, als ihr Fürst Earendil sich gerade auf einer seiner Fahrten befand, griffen die Söhne Feanors die Sirionmündungen an, wiederum um den Silmaril zu erlangen. Dabei fielen Linwiel und Anvíron, doch ihre Kinder konnten gerettet werden und wurden nach Balar gebracht, wo sie in die Obhut von Ardir und Nellas kamen, da ihre Verwandtschaft erkannt wurde.
Nach dem Untergang Beleriands waren die Nachkommen Lenwes nicht willens, Mittelerde zu verlassen und Amdír, der inzwischen zu einem stolzen Elb herangewachsen wahr, wanderte mit Ardir und Nellas nach Osten, bis nach Lórinand, wo sie sich niederließen. Oropher und Malire jedoch zogen in den Norden des Großen Waldes östlich von Lórinand.
Hier endete die im Buch aufgezeichnete Geschichte des Hauses Lenwe.
                                                                                                                                       
Erstaunt blickte Oronêl sich um. Er hatte während des Lesens alles um sich herum vergessen, und inzwischen war die Nacht vergangen und der Morgen dämmerte herauf. Immer noch saß Mithrellas auf der anderen Seite des Feuers und sah ihn an. Als ihre Blicke sich trafen, lächelte sie und sagte: "Nun weißt du, woher wir kommen. Doch wie du sicher bemerkt hast, fehlt einiges und es sind noch viele Seiten frei. Als ob Großmutter gewusst hätte, dass dieses Buch eines Tages dir in die Hände fallen wird."
"Was willst du mir damit sagen?", fragte Oronêl verwundert.
"Schreib es weiter, vollende es. Die Geschichte von Amdír und Amroth, und auch von dir und mir ist genauso ein Teil der Geschichte dieses Buches wie das, was bereits darin niedergeschrieben ist. Und gleichzeitig kannst du damit die Enttäuschung, die du deinen Eltern durch deine Weigerung, Gelehrter zu werden, vielleicht wieder gutmachen. Was hältst du davon?", fragte Mithrellas.
Er antwortete nicht gleich, sondern stützte das Kinn in die Hände. "Vielleicht... eines Tages, wenn ich Ruhe und Frieden habe... dann werde ich es tun."


Oronêl und Mithrellas nach Caras Galadhon
« Letzte Änderung: 21. Feb 2016, 23:16 von Fine »

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Thorondor the Eagle

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Eine geheimnisvolle Tradition
« Antwort #37 am: 12. Sep 2012, 20:11 »
...Amrûn und Thranduil von Caras Galadhon

Es war ein eiliger Schritt den Thranduil vorgab. Amrûn hatte Mühe mit ihm Schritt zu halten. Anscheinend war es der König gewohnt flink und eilig zwischen den Bäumen umher zu eilen.

Sie verliesen Caras Galathon über eine versteckte Pforte auf der anderen Seite des Haupttores. In schnellem Tempo überquerten sie die Wiese ohne zu bemerken, dass zwischen den braunen, abgeknickten Grashalmen längst frisches Grün hervorspross. Dann erreichten sie wieder einen Wald. Ein schmaler Pfad führte sie weit in das dickich Lothloriens hinein zu Lichtungen, die nur wenig Besuch von Elben hatten.

„Thranduil, wo bringt ihr mich hin?“, frage Amrûn schließlich neugierig.
„Ich denke nicht, dass es richtig ist, euch dies zu offenbaren. Vertraut auf euren Instinkt.“

Amrûns Gefühl zu folge konnten sie nicht mehr weit vom Cerin Amroth entfernt sein, als sie schließlich abbogen und über einen Pfad schritten, der auf beiden Seiten von einem Erdwall umgeben war.
„Wir haben es geschafft“, sagte der König und blieb abrupt stehen „Amrûn, ihr dürft nun kein lautes Wort mehr sprechen. Dies ist ein heiliger Ort, zumindest für diesen Abend. Wenn euch etwas bedrückt, so flüstert es mir zu.“
„In Ordnung“, sagte der Elb leise und sah wie Thranduil seinen Zeigefinger über die Lippen legte.

Der Wind brachte das Laub der Bäume zum rascheln und da, ganz in der Nähe, aber so leise als wäre es Meilen weit entfernt vernahm er einen Gesang.

Auf leisen Sohlen schlichen sie den Pfad entlang in eine Senke hinein an dessen Grund Amrûn das Schimmern eines Wasserbeckens ausmachte. An den Hängen der Mulde waren zahlreiche Mallornbäume verschiedenen Alters und zwischen deren Wurzeln standen mit Mäntel und Kapuze eingekleidete Elben.

Amrûn tat es ihnen gleich und zog seine dunkelblaue Kapuze weit über das Gesicht, auch vom König war nur noch der vom Smaragdgrün verhüllte Hinterkopf zu sehen. Im Zentrum, gleich neben dem Teich stand eine große Frau. Ihr Haar war kohlrabenschwarz und ihr Gesicht gutmütig, aber mit einem Hauch von Strenge. Die Augen der Elbe verharrten für einen Augenblick auf den Neuankömmlingen ehe sie sich wieder ihrem starren Blick in das Wasser widmeten.
Leise flüsterte sie einige Worte die Amrûn jedoch nicht verstehen konnte. Er musterte nur aufgeregt die Szenen am Boden der Senke.

Sachte und elegant streckte sie ihre Hände zur Seite und öffnete ihre Handflächen nach oben und wie es diese Zeremonie verlangte näherten sich zwei Elben, jeder zwei Federn in der Hand. Sie begannen in die Innensseite der Hände zu schreiben oder zu malen. Amrûn war diese Feierlichkeit vollkommen fremd, niemals zuvor hatte er einen so ruhigen Moment erlebt. Nur leises Geflüster, das ebenso das Rauschen des Windes hätte sein können, erreichte seine Ohren.

Es dauerte eine ganze Weile bis die beiden Elben ihre Arbeit vollendet hatten, doch dann nahm die Prozession wieder ihren Lauf. Amrûn fühlte sich auf eine eigene Art wohl in diesem Kreise, doch auf einmal schreckte er auf und war verwirrt, als die Elbe in der Mitte zu sprechen begann.
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Thorondor the Eagle

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Re:Wälder Lothloriens II
« Antwort #38 am: 22. Sep 2012, 21:43 »
Seltsame Worte kamen aus dem Mund der faszinierenden Elbe. Obwohl Amrûn beinahe alles verstand, tat er sich doch schwer. Niemals zuvor hatte er einen solchen Dialekt gehört, er war jenem aus dem Düsterwald ein wenig ähnlich. Der fremde Klang war wunderschön anzuhören. Wie sanfte Harvenmusik und Gesang umschiegten die Worte seine Ohren.

Eine Schale wurde zu ihr gebracht und einige vertrocknete Mallornblätter, die noch einen Hauch von goldener Farbe trugen. Behutsam nahm sie eines nach dem anderen, zerrieb es zwischen ihren zarten Händen und ließ die Überreste in die Schüssel gleiten. Mithilfe einer Kerze brachte sie den Inhalt des Gefäßes zum brennen. Für einen kurzen Augenblick erhellte die Flamme ihr Gesicht und lies ihre grauen Augen erstrahlen.

Doch ehe das Feuer vollkommen abgebrannt war, kippte sie dies über dem Wasser aus und da, wie aus dem nichts, begannen die glühenden Mallornblätter zu knistern und sprühten Funken. Wie ein prasselndes Feuerwerk landeten sie auf der Wasseroberfläche und erloschen.

Plötzlich fiel Amrûn auf, dass immer mehr Elben auf den Hängen um den See auftauchten. Es waren weit über hundert Elben die dort standen - ihre Gesichter verhüllt - und schweigend dem Ritual folgten.

„Kommt mit, Amrûn“, flüsterte ihm Thranduil leise zu.
„Wohin? Was passiert als nächstes?“
„Wir müssen es beenden um loszulassen“, antwortete der König.
Es dämmerte Amrûn, doch konnte er sich die Frage nicht verkneifen: „Um was loszulassen?“
„Was auch immer du loslassen musst, Amrûn. Es ist zum Abschied.“

Mit diesen Worten wandte sich Thranduil ab und ging langsam den Hang hinab zu dem Teich. Amrûn folgte ihm. Nur einige wenige taten es den beiden gleich und bildeten eine Reihe. Elb für Elb blieb einen Augenblick vor der Schwarzhaarigen stehen und verschwand im Anschluss über den Pfad. Als der König an der Reihe war hörte Amrûn ein leises Schluchzen, seine Schultern und Arme bebten. Er erkannte, dass er beide Hände zu einer Faust geballt hatte. Worte konnte er keine verstehen und so wagte er es einen verstolenen Blick auf jene zu werfen, die noch schwiegend auf den Hängen standen.

Der Schatten der Kapuzen reichte ihnen weit über das Gesicht, deshalb erkannte er keinen. Nur zwei funkelnde Augen erfassten Amrûn. Wie er selbst, trug auch dieser Elb einen blauen Mantel aus Lindon, doch fiel dem Elben am Untergewand ein Unterschied auf. Zwischen den Enden des Umhanges lugte ein Zacken eines Sternsymbols heraus.

„Tritt näher, Kind der Sonne“, forderte ihn plötzlich die Elbe vor ihm auf. Thranduil war bereits verschwunden „und schließe deine Augen.“
Amrûn folge den Anweisungen. Er spürte wie ihm die Elbe beide Hände über seine Augen legte.
„Dein Herz ist schwer, beinahe zu schwer für dich. Aber jene die es dir leichter macht, ist näher als du denkst und immer bei dir.“

Die Hände lösten sich von seinem Gesicht und Amrûn öffnete seine Augen. Langsam schärfte sich das Bild vor ihm und er erstarrte. Eine silberne Haarsträhne lag über einem viel zu vertrauten Gesicht. Behutsam strich er sie hinter ihr Ohr. „D.. d… du bist hier?“, stotterte er.
Er spürte Aratinnuíres Hand auf seiner Brust. Er fühlte die Wärme die sie ausstrahlte. Amrûn hob seine Hand – sie zitterte vor Überwältigung – und legte sie auf die Wange seiner Geliebten, aber so überraschend das Bild vor ihm aufgetaucht war so löste es sich auf und seine Hand berührte bloß die Wange der fremden Elbe. Sie lächelte ihn an, nahm sein Handgelenk und führte sie wieder weg von ihrem Gesicht.

Mit ihrem Daumen legte sie einen feinen Wasserfilm über seine Stirn: „Man kann von vielem Abschied nehmen, von geliebten Menschen, von alten Freunden, von seiner Heimat, von seinen Überzeugungen, von seinem Leben… aber kein Abschied wird jemals einfach sein. Aber Amrûn, sieh dich um, du wirst niemals alleine sein.“

Er drehte sich nochmals um und sah nun die unverhüllten Gesichter der Anwesenden. Ein letztes Mal sah er in die Augen der schwarzhaarigen Elbe: „Gehe mit meinem Segen woauch immer dein Weg dich hinführt.“

Tränen kullerten über seine Wangen, dann verließ er diesen Ort.
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Re:Wälder Lothloriens II
« Antwort #39 am: 29. Nov 2012, 23:16 »
Etwas war mit Amrûn geschehen. Er fühlte sich weniger zurückgewiesen von Mittelerde. Und obwohl sein Entschluss Aratinnuíre zu folgen unumstößlich war, fühlte er sich seit langem wieder wohl in der Situation in der er steckte.

Er setzte Schritt für Schritt vor sich und landete nach etlichen Metern wieder an dem Wall von Caras Galadhon. Die Sonne legte eine sanfte Wärme auf seine Haut und so legte er sich in das mittlerweile trockene Gras. Der Elb erinnerte sich nochmal an seinen letzten Rundumblick bei der Zeremonie ehe er einschlief.



Golden glänzte der Wald im Licht der untergehenden Sonne. Die Luft war trocken und warm. Amrûn befand sich wieder auf dem Flet, auf dem er vor wenigen Tagen noch um Aratinnuíre trauerte. Er schaute durch die Baumkrone hindurch auf die friedliche Decke Lothloriens.

„Es ist wunderschön,  nicht wahr?“, klang plötzlich die liebliche Stimme Galadriels an sein Ohr. Er bemerkte, dass sie ein Stück hinter ihm stand.
„Ja, wohlwahr. Ein Traum könnte nicht schöner sein.“
„Ich werde den Wald vermissen“, sagte sie mit betrübter Stimme.
„Aber Herrin, ihr müsst es doch wissen, die Wälder von Valinor sind doch weit schöner als dieser hier je sein könnte.“

Seine Gedanken kreisten wieder um die Wiedervereinigung mit Aratinnuíre in den Wäldern Valinors und um all jene die er dort wiedersehen würde.

„Wen hast du gesehen?“, fragte die Elbe aufmerksam.
„An wen ich gedacht habe?“
„Nein“, er konnte das schmale Lächeln auf ihren Lippen fühlen „Wen du gesehen hast?“
„Dort unten, bei der Zeremonie… mein Vater stand dort und nickte mir zu, meine Mutter legte ihre Hand über den Mund und weinte, nicht aus Trauer, sondern vor Stolz.“
„Hast du ihn auch gesehen?“

Amrûn wusste sofort von wem sie sprach und ein unangenehmer Schauder kroch seinen Rücken hinauf. „Ja“, antwortete er „Die Augen haben an seinem scharfen Blick nichts verloren. Seinen Speer hielt er in der Hand, seine Rüstung lag ungeborsten an seinem Körper. Ich höre ihn noch immer brüllen, als wäre es erst gestern gewesen: Für die Erstgeborenen…“
„Für Mittelerde“, unterbrach sie ihn „Seit jeher war Gil-Galad ein Teil dieser Gefilde. Um keinen Preis der Welt hätte er sie Sauron preis gegeben, noch hätte er sie verlassen. In ihm war die Verbindung zu unserer Heimat um so vieles stärker als in allen von uns.“
„Und letztendlich hat es ihm sein Leben gekostet.“
„Für ihn, da bin ich mir sicher, war dies ein geringes Opfer.“

Seine Gedanken schweifte wieder ab: „Aratinnuíre war ein wenig wie er.“
„Ich weiß“, entgegnete Galadriel.
„Als ich sie das erste Mal sah - es war auf ihrem Gehöft – sie lebte für Mittelerde und würde es um nichts aufgeben. Aber sie kämpfte nicht dafür. Dem Krieg gewann sie nichts ab.“
„Sag das nicht. Nicht jeder Krieg wird mit Waffen ausgetragen - nicht jede Streitigkeit endet mit Handgreiflichkeiten.“

Plötzlich ertönte in der Ferne der laute Klang eines Hornes.

„Was ist das?“, fragte Amrûn.
„Dies ist eine von den anderen Schlachten… Es beginnt.“



Amrûns Herz schlug heftig gegen seine Brust als er aus dem Traum erwachte. Er war desorientiert und blickte wild um sich. Nach nur wenigen Sekunden vernahm er in der Ferne das laute Horn der Grenzwächter.


Amrûn nach Caras Galadhon
« Letzte Änderung: 15. Feb 2016, 10:36 von Fine »
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Borins Einstieg
« Antwort #40 am: 8. Apr 2013, 16:13 »
Borins Start:

Borin öffnete die Tür und atmete den Geruch des Waldes ein, der in überwältigte. Er hatte einfach nur Lust lange Zeit im Wald spazieren zu gehen. Das Wetter war wie immer gut geeignet, und er wusste, dass es ein schöner Tag werden würde. Er hatte die letzten zwei Wochen an einer Elbenklinge geschmiedet, sie gefeilt und verziert. Dies war dank seiner Schmiede, die er in seinem Haus hatte sehr einfach. Sein Haus stand mitten in den Wäldern, an der Ostgrenze. Er hatte sich, wie er es immer tat wenn er schmiedete, in seiner Schmiede eingeschlossen und beinahe ununterbrochen gearbeitet. Das Schwert war ein Anderthalbhänder, und war für jede Umgebung geeignet. Gerade, als er sein Haus zum Spazieren gehen verlassen wollte, hörte er es. Es war ein Geräusch wie es ihn in seinen Albträumen verfolgte. Es war das Kriegshorn Loriens, welches signalisierte, dass der Goldene Wald angegriffen wurde. Borin blieb einige Minuten regungslos stehen. Dann rannte er in sein Haus, zog seine Rüstung an, nahm seine Axt, sattelte sein Pferd und ritt nach Caras Galadhon. Intuitiv steckte er auch das neue Elbenschwert ein. In seinem Kopf rasten die Gedanken:
Wer wagt es, den Wald anzugreifen? Wo wird angegriffen? Wie viele sind es? Und seit wann kämpfen sie schon?
All das fragte er sich, und er kannte eine Person, die es ihm erzählen würde: Die Herrin des Goldenen Waldes.


Borin nach Caras Galadhon
« Letzte Änderung: 20. Feb 2016, 11:27 von Fine »
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Die einsame Schlacht
« Antwort #41 am: 31. Mai 2013, 16:20 »
Borin von Caras Galadhon

Borin ritt auf seinem Pony durch den von Lichtern durchfluteten Wald. Die Furt des Nimrodels war noch einige Meilen entfernt und er wollte unter gar keinen Umständen die Schlacht verpassen, weshalb er mit größtmöglicher Geschwindigkeit durch den Wald ritt. Er musste seinen Beitrag leisten, damit dieses wundervolle Land auch in Zukunft noch ein Rückzugs Ort für die freien Völker war.

Plötzlich, als er grade durch eine Lichtung ritt, blieb Grauer Stern stehen und schnaubte laut auf. Borin, der den Sinnen seines Ponys vertraute, stieg ab und lauschte aufmerksam den Geräuschen des Waldes. Und da hörte er sie. Diese Laute, die er mit den Jahren zu hassen gelernt hatte: Die düstere Sprache der Orks. In seinen Jahren in Isengart hatte er notgedrungen einige Dialekte gelernt, so dass er nun die Orks belauschen konnte. Sie sprachen voller Vorfreude über das kommende Gemetzel, während sich Borin nur versteinert fragen konnte, warum eine Orkhorde soweit von der Furt entfernt sein konnte. Nach einiger Zeit angestrengtem Lauschen erfuhr er zumindest, dass die Furt des Nimrodels noch gehallten wurde.

Was tue ich jetzt? Soll ich nach Caras Galadhon zurückreisen und die Herrin warnen? Oder soll ich mich zur Nordgrenze durchschlagen?

Nach längerer Überlegung viel ihm auf, dass die Orks nicht mehr redeten. Er wurde ganz ruhig, zog seine Axt und schloss die Augen. Sofort drangen die Geräusche des Waldes auf ihn ein. Er hörte eine Amsel singen, einen Specht schlagen und schließlich einen Ast, der laut knackend zerbrach. Sofort öffnete er die Augen und sah einen  Ork verdutzt einige Meter von ihm entfernt regungslos stehen. Er sah aus als könnte er seinen Augen nicht trauen, weshalb Borin nicht lange überlegte. Er rannte auf den Ork zu, duckte sich unter dem fahrig ausgeführten Hieb des Orks hinweg und rammte ihm die Axt in die Brust. Der Ork, welcher vorher noch allein war, schrie laut auf und machte so seine gesamte Horde auf Borin aufmerksam.

Na großartig Borin, du hast ihn zwar getötete, aber so qualvoll, dass er noch laut schreien musste und die Horde somit auf dich aufmerksam gemacht.

Kurz darauf schoss auf schon ein Pfeil auf ihn zu, der ihn aber weit verfehlte. Borin sah plötzlich Massen von Orks auf sich zu laufen, so viele, dass ein Sieg unmöglich war. Er sah die Orks an, die mit ihren Eisenbeschlagenen Stiefeln den ganzen Boden zerstörten und sein ganzer Abscheu gegen diese Rasse kam hervor. Dieser wurde durch die Weiße Hand auf ihren Schildern noch verstärkt, so dass er nur noch grimmig und voller Hass dachte:

Saruman, du Teufel. Kennst du denn gar keinen Skrupel. Ich werde vor meinem Tod noch so viele mitnehmen wie ich nur kann.

Angst verspürte er keine. Er hatte einfach nichts mehr zu verlieren in seinem Leben. Der erste Ork stand nun vor ihm und schlug mit seinem groben, primitiven Schwert auf ihn ein. Selbst seine Armschienen waren besser geschmiedet und mit eben jenen wehrte er den Schlag des Orks ab. Gleichzeitig schwang er sine Axt einhändig und riss dem Ork damit die Brust auf. Sofort wechselte er den Griff und wehrte mit dem Axtstiehl den nächsten Hieb ab. Er durchtrennte dem Ork den Hals und spürte einen dumpfen Einschlag an seiner Brust. Er wusste, dass es ein Pfeil war, der an seinem Plattenpanzer abgeprallt war. Dann dachte er nicht mehr länger nach, und sein vom Training geschulter Körper arbeitete von allein. Die Orkpfeile waren entweder zu schlecht gezielt, oder durchdrangen seine Panzerung einfach nicht. Er wehrte Hiebe ab, zerschmetterte Schilde und riss tiefe Wunden. Die Orks, welche voller Wut auf ihn eindrangen, waren nicht gut genug gerüstet um ihn zu töten, aber dennoch wusste er, dass sie ihn irgendwann durch ihre pure Masse überwältigen würden. Grade, als er die Hoffnung aufgegeben hatte, sirrte plötzlich ein Bogen und ein Ork bekam einen Pfeil von hinten in den Hals. Gleichzeitig schrieen die Orks auf und suchten das Weite. Borin ah in den Wald und erkannte Elbenkrieger auf sich zu kommen. Er atmete erleichtert auf. Noch hatte Aule seine schützende Hand über ihm und ihn diese einsame Schlacht überleben lassen.
« Letzte Änderung: 27. Okt 2013, 14:44 von Sturmkronne »
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Lagebesprechung
« Antwort #42 am: 24. Jun 2013, 14:50 »
Er sah die Elben an und erkannte sofort Rumil, der auch in der ersten Reihe auf ihn zu gerannt kam. Rumil blieb stehen und sah in besorgt an: „Du bist verletzt. Sollen wir dich behandeln?“ Borin sah an sich hinab, da er im Kampfrausch nichts bemerkt hatte, aber es waren nur kleine Schnittwunden an den Gelenken, wo seine Panzerung schwach war. Zudem fühlte er keinen Schmerz, weswegen er den Kopf schüttelte und stattdessen die wichtigste Frage stellte: „Was machen Orks hier in den tiefen Wäldern. Ist die Furt gefallen?“ Rumil schüttelte den Kopf und erklärte ihm den Schlachtplan von Saruman, der vorsah, dass die Hauptstreitmacht an der Furt gebunden wird, während die Hauptstadt unverteidigt bleibt. Borin fluchte laut auf und wusste sofort, was zu tun war: „Rumil, wer ist zur Verteidigung von Caras Galadhon anwesend?“ Rumil sah in mit schmerzhaftem Gesicht an und antwortete: „Ich habe Oronel  um Hilfe gebeten, aber er wird nicht viele Krieger entbehren können. Außer ihm sind nur noch wenige Krieger in der Stadt.“ Borin nickte und entschied sich sofort mit den Grenzwächtern zu gehen. Er sah Richtung Caras Galadhon, konnte jedoch keine Kampfspuren entdecken: „Rumil, ich werde mit euch kommen und die Stadt mit verteidigen. Und bei den Valar, ich werde alles geben was ich kann.“ Rumil lächelte und dankte ihm. Und kurz bevor die Gruppe sich aufmachen wollte, lief plötzlich aus dem Nichts heraus Grauer Stern auf ihn zu. Borin lachte trotz all der schlechten Nachrichten auf und Rumil war einfach nur verwundert, dass das Pony so klug genug ist, um rechtzeitig zurückzukehren.

Borin nach Caras Galadhon
« Letzte Änderung: 27. Okt 2013, 14:45 von Sturmkronne »
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Abschied
« Antwort #43 am: 27. Okt 2013, 12:44 »
Borin aus Caras Galadhon
Er roch es. Er roch das Feuer und den Tod, Gerüche, die in diesem Wald wirklich nichts zu suchen hatten. Plötzlich stürmten Orks auf ihn zu, Borin wollte seine Axt heben um sie zu töten, doch er hielt nur einen Stock in der Hand. Und dann ertönte Sarumans Stimme von oben, die sagte: „Erst erobere ich Lorien, dann ganz Mittelerde.“ Borin wollte „NEIN“ schreien, doch dann erwachte er.

Borin schlug die Augen auf, hörte sich um und als er nichts besonderes bemerkte, erhob er sich langsam und sah dann auf seinen Begleiter. Er war immer noch bewusstlos, und saß immer noch auf demselben Stuhl. Borin atmete erleichtert auf. Nachdem sie die Stadt einmal umrundet hatten, war Borin aufgefallen, dass nur noch wenige Flüchtlinge die Stadt verließen  und die meisten offensichtlich bereits entkommen waren. Daraufhin entschied er sich mit dem namenlosen Zwerg auf dem Rücken nicht nach Süden zu fliehen, da dort die Hauptstreitmacht der Orks die Flüchtlinge verfolgen würden, sondern nach Osten, da dort der Wald zum einen sicherer war, und zum anderen dort Borins altes Heim war, indem noch wichtige Dinge versteckt waren. Als sie angekommen waren, war Borin so erschöpft, dass er nicht weitergehen konnte. Also hatte er die Tür verbarrikadiert, hatte den Zwerg auf einen Stuhl gesetzt und war daraufhin in sein Bett gefallen.
Borin ging zu dem Zwerg, rüttelte an ihm, doch er erwachte immer noch nicht. Er begann sich ernsthafte Sorgen zu machen, aber da er kein Mediziner war, konnte er sich keinen Reim auf seine Krankheit machen. Deswegen zog er dem Zwerg seine Rüstung aus und untersuchte seinen Leib, konnte jedoch keine weiteren Wunden finden. Deswegen zog er ihm normale Kleidung an und setzte ihn zurück auf den Stuhl. Nun sah sich Borin in dem Haus um, welches fast drei Jahre sein Heim gewesen war. Er ging zu seinem Schreibtisch und holte seinen Erbschaftsnachweis aus der Schublade, er ging zu seinem Bett und holte aus seiner versteckten Truhe den Zauberring hervor und ging in die Schmiede und nahm jede Wurfaxt heraus, die er geschmiedet hatte. Dann sah er sich um und fragte sich, wie er all das Tragen sollte, als plötzlich erneut aus dem nichts heraus Grauer Stern auftauchte. Borin lachte auf und dankte den Vala für dieses kluge Tier. Er packte alles ein, was irgendwie wichtig war, belud Grauer Stern mit allem was er nicht tragen konnte, wie die Rüstung des Zwerges, nahm den Zwerg auf sein Schultern verließ dann für immer sein Haus.
Als Borin einige Schritte gegangen war, liefen ihm plötzlich Tränen der Trauer und des Hasses auf Saruman aus den Augen. Er drehte sich in Richtung Caras Galadhons und wollte seinen Hass herausschreien, als plötzlich von dort eine Feuersäule aufstieg und eine gewaltige Explosion ertönte. Nachdem er den Schrecken überwunden hatte, viel ihm nur ein Erklärung ein, was diese Explosion verursacht hatte.
Borin schrie in den Wald heraus: „Verflucht seiest du Saruman, ich werde dich töten und wenn es das letzte ist, was ich in meinem ganzen Leben tun werde. Das schwöre ich bei Aule, dem Gott der mich erschaffen hat.“
Dann nahm er den Zwerg auf die Schultern und verließ diesen Wald für immer.

Borin nach Ostgrenze von Lorien
« Letzte Änderung: 12. Jan 2014, 18:21 von Sturmkronne »
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Die Verwüstung Lothlóriens
« Antwort #44 am: 22. Feb 2018, 17:25 »
Córiel und Vaicenya aus dem Schattenbachtal


Einst waren die Grenzen des Goldenen Waldes streng bewacht gewesen. Unter den dichten Baumkronen hatten versteckte, scharfäugige Grenzposten Tag und Nacht Wache gehalten, denen nicht die kleinste Bewegung entgangen war. Nichts hatte die Wälder Lothlóriens betreten können, ohne dass die Galadhrim davon erfuhren. Zwar hatte es immer wieder Angriff der Orks des nahen Nebelgebirges gegeben, gegen die die nur in kleinen Gruppe umherstreifenden Grenzwächter wenig ausrichten konnten, doch Nachrichten waren unter den goldenen Baumkronen rasch gereist und es hatte nie lange gedauert, bis eine schlagkräftige Elbenstreitmacht die Eindringlinge gestellt und vernichtet hatte.
Seit dem Fall Lothlóriens hatte sich die Lage an den Grenzen deutlich geändert. Den gesamten Weg vom Schattenbachtal hinab zur Baumgrenze Lórien hatte Córiel Rauch über den Baumkronen aufsteigen sehen - ein Anblick, der ihr gar nicht gefallen hatte. Trotz ihrer kämpferischen Persönlichkeit und ihres Temperaments war sie noch immer eine Elbin, und Elben lebten im Einklang mit der Natur. Die systematische Zerstörung und Ausbeutung des Goldenen Waldes durch die Kriegsmaschinerie der Weißen Hand war etwas, das Córiel gleichzeitig traurig und wütend machte. Sie konnte noch immer nicht glauben, wie kalt all das Vaicenya zu lassen schien. Denn die Dunkelelbin verlor zu der Verwüstung Lothlóriens nicht ein einziges Wort, als würde sie sie nicht einmal wirklich wahrnehmen.
Niemand hielt sie auf, als sie in Begleitung dreier Uruks die Grenzen Lóriens überquerten. Entlang des Celebrant-Flusses marschierten sie durch die Wälder, die einst von melancholischem Elbengesang erfüllt gewesen waren. Doch nun drangen nur ferne Geräusche fallender Bäume an Córiels spitze Ohren. Schier unermüdlich verarbeiteten die Holzfäller Sarumans die wertvollen Bäume Lothlóriens zu Kriegsmaschinen und zu Futter für die Schmelzöfen der Schmieden Morias und Dol Guldurs. Auch wenn die Verbindung nach Moria im Augenblick unterbrochen war glaubte Córiel nicht, dass das Fällen der Bäume enden würde. Noch war nur ein kleiner Teil Lothlóriens gerodet worden, doch mit jeder Minute wuchs die Schneise, die die unbarmherzigen Orks in den Goldenen Wald schlugen.

Mehrere Meilen jenseits der Grenzen Lóriens, als es Abend geworden war, rastete die kleine Gruppe. Córiel hielt sich von den Uruks fern, für die sie nichts als Abscheu empfand. Sie hatten an einer von Sarumans Dienern errichteten Versorgungsstation angehalten, die aus mehreren schlampig zusammengezimmerten Holzhütten an Rande einer sich im Bau befindlichen Straße von Caras Galadhon bestand. Der Celebrant bahnte sich ganz in der Nähe seinen Weg durch den geschändeten Wald und sein klares Wasser wurde an mehreren Stellen von verschmutzten Ausflüssen der Maschinen verunreinigt, mit denen die Orks das Holz zersägten. Während die Uruks zwischen den Hütten ein Feuer entfacht hatten, war Córiel auf einen Baum geklettert, um etwas Abstand zu ihnen zu bekommen. Es war eine schlanke, aber standfeste Birke, in deren Krone Córiel einen breiten Ast fand, auf dem sie, mit dem Rücken an den silbernen Stamm gelehnt, sitzen konnte.
Sie schloss für einen Moment die Augen. Aus der Schlacht im Schattenbachtal hatte sie einige kleinere Verletzungen davongetragen, die dank des eiligen Marsches, den sie hinter sich hatte, noch immer schmerzten. Doch Córiel störte sich nicht an den Schmerzen. Auf eine Weise halfen sie ihr, sich ihres Körpers wieder mehr bewusst zu werden und sie im Hier und Jetzt zu verankern, anstatt sich in Gedankenwelten zu verlieren. Sie öffnete die Augen und blickte nach oben, zu den Sternen, die nun, da es dunkel genug war, am Himmel erschienen waren. Die Sichel der Valar hing im Norden, über den Tal des Anduin, und Córiel fragte sich, ob es sich dabei wohl um ein Zeichen der Herren des Westens handelte. Sie wusste, dass die Bewohner des Tales ihre Heimat verlassen hatten, denn Jarbeorn hatte ihr oft davon erzählt.
Jarbeorn, dachte sie. Ich hoffe, du kannst mir verzeihen, dass ich dich in Imladris zurückgelassen habe. Ich hätte es nicht getan, wenn es eine andere Möglichkeit gegeben hätte. Und ich wünschte, du wärst jetzt hier. Hoffentlich bist du in Sicherheit.
Von den Sternen kam keine Antwort. Córiel seufzte leise und wandte den Blick nach Osten, wo die dichten Rauchwolken noch immer von Caras Galadhon aufstiegen und den Himmel dort verdeckten. Nicht einmal das Licht der Sterne drang durch den schwarzen Qualm der Kriegsmaschinerie Sarumans. Und genau dort, im Zentrum der Zerstörung, die der Weiße Zauberer über das Reich der Galadhrim gebracht hatte, lag Vaicenyas Ziel, soweit Córiel es nachvollziehen konnte.

Córiel spürte, wie der Stamm der Birke, auf der sie saß, unter mehrfacher Berührung erzitterte. Wenig später tauchte Vaicenya auf dem Ast neben ihr auf.  Die Dunkelelbin stand dort, ohne sich festzuhalten, und hatte den Blick ebenfalls zu den Sternen hinauf gerichtet. Sie streckte ihren linken Arm aus, und im fahlen Licht blitzte der Ring aus Mithril an ihrem Finger dabei auf.
“Genau sieben Tage sind vergangen,” sagte Vaicenya. “Doch die Ufer des Spiegelsees sind nun vom Feind besetzt. Deswegen muss ich meinen Treffpunkt mit Rovallír ein wenig anpassen.”
Noch immer hielt sie den Ring ins Licht der Sterne und verharrte so eine halbe Stunde, bis das Rauschen gewaltiger Flügel erklang und der Adler, dem sie in Eregion begegnet waren, auf der Krone der Birke landete. Córiel war überrascht, dass der Baum das Gewicht der mächtigen Kreatur ohne Probleme aushielt.
“Gut gemacht, mein scharfäugiger Freund,” begrüßte Vaicenya den Adler. “Sage mir, stehen die Orks des Nordens noch immer Wache im Schattenbachtal?”
“Meinen Gruß, Edle. Ich war pünktlich am Treffpunkt, doch konnte ich rasch erkennen, weshalb Ihr mich dieses Mal versetzt habt.” Es lag kein Vorwurf in Rovallírs Stimme, doch der Blick, den er Vaicenya zuwarf, schien nicht mehr denselben Respekt zu beinhalten, den er noch in Eregion gezeigt hatte.
“Geritten bin ich auf den Schwingen des Westwindes, der mich schneller als erhofft über den großen Grünwald trug und auch die weiten Ebenen der jenseitigen Lande rasch dahin ziehen ließ. Nach einiger Suche fand ich jenen Ort, den Ihr mir zu finden auftrugt.”
“Du bist dem Fluss inmitten der verwunschenen Bäume bis zu seinem Ursprung gefolgt?” fragte Vaicenya ruhig.
“Das bin ich. Er schwand mehr und mehr, bis er nicht mehr als ein Bach zwischen hohem Schilf war, kaum noch sichtbar jenseits der Baumkronen. Ich folgte dem Wasser, bis ich an eine Lichtung kam, an der das Licht von Sonne und Mond nur gedämpft zu leuchten schien. Dort gibt es eine Quelle, aus der der Bach entspringt. Als ich näher kam, wurde meine Anwesenheit bemerkt.”
“Von wem?”
“Von Eurem Volk, Edle. Es sind Elben, die inmitten dieses geheimnisvollen Waldes leben. Angeführt werden sie von einer Frau Euresgleichen.”
“Das kann nicht sein. Es gibt niemanden mehr auf dieser Welt, der...” Vaicenya brach ab und ließ den Satz unbeendet.
“Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen,” fuhr der Adler fort. “Dennoch glaube ich nicht, dass ich mich irre.”
Vaicenya winkte ab. “Es ist nicht wichtig. Wichtig ist nur, dass die Quelle noch immer dort ist. Sollten sich meine Hoffnungen hier im Goldenen Wald nicht erfüllen, gibt es also eine weitere Möglichkeit.”
“Ich gehe davon aus, dass das nun alles wäre, was Ihr von mir benötigt, Edle,” meinte der Adler unbeeindruckt. “Gehabt Euch wohl, auf Euren Reisen.”
“Zieh deiner Wege, Rovallír. Unsere Abmachung ist hiermit erfüllt und unser Handel abgeschlossen.”
Ohne ein weiteres Wort schwang sich der Adler wieder in die Lüfte und verschwand am sternenbedeckten Himmel in Richtung Norden.

Vaicenya blieb lange still und stand beinahe regungslos da, aufrecht auf dem dünnen Ast, der aus der Krone der Birke hervor ragte. Von unten drangen leise Wortfetzen zu ihnen hinauf, als sich die Uruks miteinander unterhielten. Córiel konnte nicht verstehen, was sie sagten. Sie saß noch immer mit dem Rücken an den Stamm des Baumes gelehnt und konnte sich keinen Reim darauf machen, worum es bei den Gespräch zwischen dem Adler Rovallír und der Dunkelelbin gegangen war. Doch verspürte sie nur wenig Lust, nur wegen ihrer Neugierde ein Gespräch mit Vaicenya anzufangen.
“Sieh dich um,” sagte diese einige Zeit später, als würde sie die sie umgebende Verwüstung erst jetzt wirklich bemerken. „Dies ist das Werk der Kreaturen des Schattens. Sie zerstören und verbrennen in wenigen Stunden das, was viele Jahre zum Wachsen gebraucht hat. Das ist einer der Gründe - wenn nicht sogar der Wichtigste - warum sie alle sterben müssen. Einen nach dem Anderen müssen wir sie vom Angesicht Ardas tilgen, du und ich. Sobald du wieder bereit bist. Sobald wir getan haben, weswegen wir hergekommen sind.”
“Du stehst mit denen im Bund,” erwiderte Córiel, die nun nicht länger schweigen konnte. “Du bist mitverantwortlich für den Fall Lothlóriens, indem du dich Saruman angeschlossen hast.”
“Sprich mir nicht von Saruman. Er ist ein machthungriger Narr, der nicht versteht, was auf dem Spiel steht. Er wird sich in seinem Krieg gegen Sauron verzetteln und schon bald vor einer Niederlage stehen. Ich selbst habe seinen Untergang eingefädelt.”
Córiel war klar, dass sie Vaicenya kein Wort davon glauben konnte. Dennoch machten die Behauptungen der Dunkelelbin sie wütend. “Du lügst,” widersprach sie. “Dir geht es nicht um den Tod aller Orks, sonst hättest du dich nicht in den Krieg in Dunland eingemischt und die Elben in Imladris und Eregion nicht bedroht. Dir geht es doch nur um dich selbst. Du verfolgst deine selbstsüchtigen Ziele und alle um dich herum sind nur Werkzeuge, die du zur Erreichung deiner Träume benutzt. Du bist kein bisschen besser als Saruman oder Sauron.”
Córiel hatte schnelle Reflexe, doch gegen Vaicenyas Geschwindigkeit hatte sie keine Chance. Schneller als sie es sehen konnte, schoss ein Fuß aus den Schatten der Baumkrone hervor und fegte die Hochelbin mit einem schweren Tritt gegen die Brust von dem Ast herunter, auf dem sie saß. Aufschreiend stürzte sie in die Tiefe und hatte Glück, halbwegs sanft in einem großen Gebüsch zu landen, das zwischen den Wurzeln der Birke wucherte. Der Aufprall presste alle Luft aus Córiels Lungen und sie blieb keuchend an Ort und Stelle auf dem Rücken liegen. Geschickt landete Vaicenya vor ihr und prüfte mit einer raschen Bewegung Córiels Puls an ihrem Hals. Als sie sicher war, dass die Hochelbin noch lebte, sagte sie leise: “Erhebe noch einmal so die Stimme gegen mich, und ich vergesse den Schwur, den ich dir einst gab. Du hast die Jahrtausende nicht miterlebt, die ich überdauert habe. Du hast nicht getan, was ich habe tun müssen. Du kannst es nicht verstehen, und deswegen werde ich dieses Mal darüber hinweg sehen. Doch vergiss nie, wo dein Platz ist, meine Liebe. Vergiss es nie.” Damit wandte sie sich ab und rauschte davon.

Ächzend vor Schmerz richtete sich Córiel schließlich auf. Sie verstand nun noch viel weniger, was Vaicenya eigentlich vorhatte, und wie sie zu ihr stand.
Es ergibt einfach keinen Sinn. Ist sie vielleicht einfach wahnsinnig geworden? Kann man überhaupt Sinn und Zweck in ihren Worten und Handlungen finden? Sie wusste es nicht. Voller Sorge über die nächsten Tage legte sie sich schließlich schlafen und es gelang ihr glücklicherweise, rasch einzunicken.
Am folgenden Morgen schien Vaicenya die Angelegenheit bereits vergessen zu haben. Sie brachen früh nach Sonnenaufgang auf, der Straße tiefer in den Wald hinein folgend. Zwischen den Baumkronen waren schon bald kein blauer Himmel oder gar Wolken zu sehen, sondern nur noch die gewaltige Rauchsäule, die vor ihnen aufstieg und inzwischen den gesamten Raum jenseits der Baumwipfel einnahm. Caras Galadhon lag vor ihnen.


Córiel und Vaicenya nach Caras Galadhon
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