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[Edain] Support / Re: Edain startet nicht ERROR Upgrade.ini
« Letzter Beitrag von Fíli am Gestern um 21:46 »
Welche Patches und/oder Mods hast du installiert?
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Vorschläge zu Angmar / Zentraler Spell Angmars: Kult des Hexenkönigs
« Letzter Beitrag von Peggado am Gestern um 19:56 »
Hallo zusammen,

Ich hätte da einen Vorschlag zum Zentralen Zauber von Angmar. 
Die Idee besteht darin eine Art religiösen Opferkult um den Hexenkönig einzuführen. Dieser stärkt zunächst den Hexenkönig und gipfelt schlussendlich in einer Art "Kreuzzug" oder "Wallfahrt", wodurch die Bewohner Angmars rekrutiert werden.
Der Zauber heißt "Kult des Hexenkönigs" oder "Kult der Eisenkrone" und wird durch Auswahl der Zitadelle aktiviert. Einmal gewirkt wird in der Festung (an einem geeigneten Platz) ein Tributaltar des Hexenkönigs beschworen.
Dies ist ein zerstörbares Gebäude, welches durch Tributkarren levelt. Über die Level werden wie bei einem Helden Fähigkeiten freigeschalten (es ist quasi ein "Gebäude-Held")


Fähigkeiten:

  • Level 1) Opferritual der Beschwörung:
    Opfere ein Level 3-5 Bataillon (keine Grabunholde): Die Kosten und die Ausbildungszeit für die nächste Rekrutierung des Witchking werden (je nach Level der geopferten Einheit) reduziert. Das gilt nur einmalig und der Zauber muss neu gewirkt werden, wenn der Hexenkönig mit der Verbilligung wiederbelebt werden soll. (falls das technisch geht)
  • Level 2) Opferritual der Stärkung, (oder der der Regeneration, oder…?)
    Opfere ein beliebiges Bataillon (wieder kein Grabunhold), anschließend kann die Fähigkeit erneut aktiviert werden und wirkt folgenden Effekt:
    Für eine gewisse Zeitspanne - jedes Mal, wenn eine Einheit des geopferten Typs stirbt -regeneriert der Witchking einige seiner Lebenspunkte.
  • Lev 3)  Opferritual der Totenbeschwörung
    Opfere einen Grabunhold, der Hexenkönig erhält zwei-drei Begleiteinheiten: "Ergebene Diener des Kultes" (oder so), diese sind nicht sonderlich stark, aber verwandeln sich nach ihrem Tod in Grabunholde.
  • Level 4) Ritual des Kraftortes: (falls technisch möglich)
     Markiere ein Zielgebiet (kann visuell durch einen nicht zerstörbaren Obelisken oder Ähnlichem umgesetzt werden). Anschließend lädt sich die Fähigkeit wieder auf.
    Aktiviert man sie erneut, erhalten Einheiten in dem zuvor markierten Gebiet einen Buff, dessen Stärke davon abhängt, wie viel eigene(!) Einheiten im besagten Gebiet während der vorherigen Aufladezeit gefallen sind.
    Natürlich sollte der Buff einen Maximalwert haben.

     
    Eine  mögliche Umsetzung: Erste Aktivierung von "Ritual des Kraftortes": Beschwöre im Zielgebiet einen nicht zerstörbaren Obelisken (oder was auch immer einen Kraftort am besten repräsentiert). Dieser Obelisk levelt,wenn in seinem Umkreis eigene(!) Einheiten getötet werden.
    Mit der zweiten Aktivierung wird für eine Zeitspanne ein Buff gewirkt, der umso stärker ausfällt, je höher das erreichte Level des Obelisken ist. Nach Ablauf der Zeit verschwinden Obelisk mitsamt dem Buff.
  • Level 5) Macht der Eisenkrone:
    Nach Aktivierung der Fähigkeit läuft eine Zeitspanne ab, die der Zeit entspricht, welche benötigt wird einen Tributkarren zu produzieren.
    Innerhalb der Zeitspanne werden anstelle der Tributkarren, Bataillone an den Außengebäuden erscheinen und sich zur Festung bewegen. Je nach Außengebäude werden unterschiedliche Einheiten beschworen: (Die Namen sind wie immer erstmal Platzhalter für bessere Ideen)
    • Orklager: "niedere Orks" (ohne Zuchtmeister)
    • Hügelmenschendorf: "Bewaffnete Einwohner" (ohne Zuchtmeister)
    • Wolfshöhle: "Wilde Hunde"
    • Vorposten: ?
    Diese Truppen kosten keine CP, sind aber sehr sehr schwach. Sie bilden in erster Linie "Opfermaterial" für die vorherigen zwei Fähigkeiten oder aber "Masse" die stärkeren Einheiten und Helden in Kämpfen abschirmen.
    Ich denke man sollte außerdem die Anzahl der so beschworenen Bataillone auf max 5 oder 6 beschränken.
    Bataillone, die an den Vorposten erscheinen, könnten etwas stärker (aber immer noch schwach) gestaltet werden, oder aber man verwendet hier Speerkämpfer.
    Die Grabunhold-Gruft passt hier nicht sonderlich gut hinein, da kostenlose Grabunholde die Produktion von Grabunholden verdrängen würde und schwache "niedere Grabunholde" meiner Meinung nach generell nicht in das Spiel passen. Da müsste sich noch etwas überlegt werden.
         
Für die Fähigkeiten 2 bis 5 Fähigkeiten muss der Hexenkönig am Leben sein.

Die vierte Fähigkeit, "Ritual des Kraftortes" hilft beispielsweise beim Angriff bzw. der Verteidigung wichtiger Punkte auf der Karte. Schlägt bspw. der erste Angriff, fehl kann man für den nächste Angriff den Buff benutzen. Die Zeit zwischen erster und zweiter Aktivierung soll allerdings nicht zu lange dauern. So soll es möglich sein eine Synergie mit der Fähigkeit "Macht der Eisenkrone" herzustellen, und zwar wie folgt:
Kostenlose schwache Einheiten sollen im ersten Kampf verheizt werden, woraufhin kurz darauf der zweite Kampf mit der Hauptarmee vollzogen werden kann, ohne dass der Gegner Zeit hat sich vollständig zu erholen.

Dieser Zentral-Spell dreht sich rund um den Hexenkönig, er bezieht die unterschiedlichen Angmar-Einheiten sowie das spezielle Tributkarrenkonzept mit ein und repräsentiert Angmar-Thematiken wie Opferung und "dunkle Magie". Viele Angmarelemente sind somit integriert.
   
Optional:
Da sich der Altar in der Basis befindet, aber doch einige Fähigkeiten hat, die im Kampf aktiviert werden müssen, bietet es sich an die Fähigkeiten in der Spellspalte am Bildschirmrand zu platzieren, oder dem Hexenkönig einen Palantirwechsel zu geben, der diese Fähigkeiten mit beinhaltet.
Der Fähigkeitsbutton "Opferritual der Beschwörung" bleibt im zweiten Fall allerdings im Altar. Die Erstaktivierungen (das Opfern) kann dabei nur auf Einheiten in der Nähe des Altars gewirkt werden.

Ich freue mich auf euer Feedback :)     
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[Edain] Support / Edain startet nicht ERROR Upgrade.ini
« Letzter Beitrag von Jonit am Gestern um 19:09 »
Hallo zusammen,

Beim Starten der Mod egal ob über den launcher oder über das Gameicon erscheint nach kurzer zeit folgende Fehlermeldung:

ERROR: Could not open include in Data\INI\Upgrade.ini line 1, file Data\INI\mod\upgrade.inc, parent file Data\INI\Upgrade.ini
13 addresses:
...

Danach folgen 13 unbekannte Dateinen, die alle mit (unknown)(0): markiert sind

Vielleicht kann mir jemand dabei helfen. Bisher bin ich nirgendswo fündig geworden.
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Schlacht um Mittelerde / Re: sum2 game crash
« Letzter Beitrag von Fíli am 21. Jan 2022, 22:55 »
Welche Patches und/oder Mods hast du installiert?
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Schlacht um Mittelerde / sum2 game crash
« Letzter Beitrag von Fabi20Fabi am 21. Jan 2022, 19:40 »
hallo ihr lieben, ich bin am verzweifeln, ich habe schon alles versucht und neuinstalliert. ich bekomme das spiel leider nicht mehr gestartet, es kommt immer folgende meldung https://ibb.co/cCvb8gf
kann mir da jemand helfen? ich hab übrigens windows 7 haha

kurze info - früher hat das spielt problemlos auf dem gleichen rechner funktioniert.
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Submods Deutsch & Submods English / Re: Kairo-Patch: Submod for 4.5.5
« Letzter Beitrag von KairoShamoo am 19. Jan 2022, 23:03 »
Version 1.3 has been released
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[Edain] Bug Reports / Re: Gondor Bugs
« Letzter Beitrag von Discord [BOT] am 19. Jan 2022, 18:22 »
Will the Beregond exploit be patched on the next version ? When you use his second skill (Hold Ground) on Signal Fire, It generates reinforcement points instantly
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Eregion / Auenländische Küche
« Letzter Beitrag von Fine am 19. Jan 2022, 14:07 »
Weder von Aéd noch von Faelivrin gab es ein Zeichen, seitdem der Wolfskönig den Palast der Herrin der Manarîn betreten hatte - vermutlich dauerte der königliche Empfang den ganzen Tag. Kerry, die gehofft hatte, noch einmal ausführlicher mit Aéd sprechen zu können, war enttäuscht. Sie vertrieb sich die Zeit mit Pippin, der ihr Geschichten aus dem Auenland erzählte und ihr einige hübsche Eckchen in der Stadt zeigte, die er bei seinen bisherigen Streifzügen entdeckt hatte. Am frühen Nachmittag kamen die beiden wieder in den westlichen Teil der Stadt, und der Hobbit bugsierte Kerry in Richtung des Lorbeerblatts. Pippin hatte angedeutet, dass ihm eine gute Idee gekommen war, und damit hatte er Kerrys Neugierde geweckt.

Morlas, der Wirt, begrüßte sie mit einem großen Hallo. Er schien wie immer bei bester Laune zu sein. Als er Pippins Vorschlag hörte, klatschte der Elb begeistert in die Hände.
"Rezepte aus deiner Heimat, Meister Peregrin? Nur her damit, nur her damit! Wir beiden werden jetzt die Köpfe zusammenstecken, und heute Abend bringen wir die ersten Neuheiten auf die Speisekarte. Ich bin mir sicher, die Gäste werden es lieben. Man sagt, dass die Halblinge hervorragende Feinschmecker sind."
"Das sind sie," bestätigte Pippin zufrieden. "Ich selbst bin zwar kein besonders begabter Koch, aber..."
Morlas winkte ab. "Es genügt, wenn du mir die Geschmäcker und Eigenheiten der Gerichte des Auenlandes beschreibst und mir beim Zubereiten ein wenig zur Hand gehst. Oh, und du, vintári;" er ergriff Kerrys Hand und zog sie einige Schritte mit sich, "Du kannst dich ebenfalls nützlich machen, wenn du möchtest - es lohnt sich, denn du darfst von allem als Erste probieren!"
"Nenn' mich nicht so," sagte Kerry etwas verstimmt. Sie wollte nicht als Herrin oder Prinzessin bezeichnet werden. Im Vergleich zu den würdevollen Elben im Palast kam sie sich klein und unbedeutend vor. "Ich heiße doch Kerry."
"Oh, deinen Namen habe ich nicht vergessen," sagte Morlas amüsiert. "Wusstest du nicht, dass es der Elben Art ist, den Dingen neue Namen zu geben?"
"Wenn dir mein Name nicht gefällt, dann nenne mich eben Ténawen, oder Morilië," hielt Kerry dagegen.
"Schluss damit!" mischte sich Pippin ein. "Mir wurde auenländische Küche versprochen. Du bist doch ein Ehrenmann, nicht wahr, Morlas? Fangen wir an!"
Morlas lachte und führte sie in seine Küche. Schon bald waren sie zu dritt bei der Arbeit.

Kerry staunte darüber, wie viele Gerichte an diesem Nachmittag ausprobiert wurden, und wie geschickt Morlas die ausführlichen Beschreibungen Pippins in die Tat umsetzen konnte. Kurz nachdem sie mit der Arbeit begonnen hatte, war eine schwarzhaarige Elbin zu ihnen gestoßen, die Morlas knapp als seine Gemahlin Nityel vorgestellt hatte. Zu viert war es beinahe zu eng in der kleinen Küche, doch irgendwie gelang es ihnen, Morlas nicht bei seinem Werk zu behindern. Kerry war beeindruckt davon, wie mühelos dem Schankwirt die Umsetzung gelang, selbst von Dingen, die er laut eigener Aussage noch nie gesehen hatte. Die Krönung war eine feine auenländische Torte (in Hobbit-Größe), die mit Himbeeren belegt war und deren Duft Kerry beinahe um den Verstand brachte. Sie vergaß für einen Augenblick sogar ihre ständige Sorge um Helluin und Oronêl, die irgendwo im Norden Eregions in lebensgefährlicher Mission unterwegs waren.

"So," sagte Morlas schließlich, als die ersten goldenen Sonnenstrahlen der Abendröte durchs Fenster fielen. Der Schankwirt wischte sich den Schweiß von der Stirn. "Ich denke, da waren wir doch recht erfolgreich, nicht wahr?"
"Unbedingt," stimmte Pippin ihm mit vollem Mund zu. Die Himbeertorte war zur Hälfte verschwunden; der Hobbit rieb sich zufrieden den Bauch.
Nityel war bereits in den Schankraum gegangen, wo die ersten Gäste eingetroffen waren. Als sie zurückkehrte, blickte sie recht erstaunt drein. "Es ist voller als wir es gewohnt sind," erklärte die dunkelhaarige Elbin. "Hast du herumerzählt, dass es heute etwas Besonderes auf der Speisekarte geben soll?" fragte sie ihren Gatten.
Morlas blickte unschuldig auf seine Finger. "Oh, nun, du weißt doch, die Leute reden eben. Vielleicht habe ich heute einigen von ihnen wissen lassen, dass es heute echte auenländische Küche geben wird... vielleicht gibt es aber auch eine vollkommen andere Erklärung. Viele der Manarîn sind weitsichtig, nicht wahr? Ob einer von ihnen gewusst hat, dass sich unser kleines Küchenabenteuer heute ereigen wird?"
Nityel zog die dunklen Brauen zusammen, ein gefährlicher Blick trat in ihre Miene. Kerry und Pippin duckten sich instinktiv; sie spürten, dass mit dieser Elbin nicht zu spaßen war. Doch Morlas ließ sich nicht einschüchtern. "Wir dürfen die Gäste nicht warten lassen," sagte er ungerührt. "Wenn es jetzt schon so voll ist, werden sie uns in spätestens einer Stunde die Bude einrennen."
"Dann brauchen wir mehr Schankmaiden, alleine schaffe ich das nicht," sagte Nityel und ihr Blick fiel auf Kerry.
Kerry brauchte einen Augenblick um zu verstehen, doch dann nickte sie. "Ich weiß, wie das geht," sagte sie. "Ich helfe gerne!"
"Aber zuerst musst du dich umziehen, Kleines," sagte Nityel und deutete auf den teuren Stoff, den Kerry trug. "Meisterin Nivim in Ehren, aber das Kleid wäre viel zu schade, um mit Morlas' Spielereien bekleckert zu werden. Im Nebenraum der Küche solltest du etwas Passendes finden."

Kerry fand nach kurzer Suche einige Kleider, die gewöhnlicher aussahen als das feine Gewand, das Nivim für sie gemacht hatte. Der Stoff war dünner, und etwas rauer; das Kleid, das Kerry wählte, war tiefblau und hatte kurze Ärmel, die oberhalb der Ellbogen endeten. Es war etwas tiefer ausgeschnitten als es ihr recht war, doch Kerry hatte jetzt keine Zeit sich darüber Gedanken zu machen. Sie band sich eine hellbraune Schürze um und begab sich in den Schankraum. Dort war bereits eine Menge los. Eine Gruppe Zwerge saß in den Sitznischen an den Fenstern und rief nach Morlas, der mit wippenden Schritten herbeigeeilt kam. Elben standen nahe des Eingangs und am Tresen, viele unterhielten sich in einem Avarin-Dialekt mit Nityel, wovon Kerry kaum ein Wort verstand. Andere Gäste saßen an einem der länglichen Tische im hinteren Teil des Schankraumes, wo ein großer Ofen in Gang gebracht worden war, der die Kälte von draußen vertrieb. Da hob ein Elb die Hand und winkte Kerry zu sich, und sogleich schaltete sie innerlich in einen geschäftigen Zustand um, den sie sich nach all der Zeit gar nicht mehr zugetraut hatte. Sie hatte in Bree ein Jahr gekellnert, und der Fuchs war eine viel schlimmere Spelunke als das Lorbeerblatt gewesen, mit unangenehmen, mürrischen Gästen. Die meisten Elben waren freundlich und geduldig, aber beinahe alle von ihnen waren zu Späßen auf Kerrys Kosten aufgelegt. Ein jeder schien zu wissen, in welcher Verbindung sie zur Königin stand, und vor allem von den Avari musste sich Kerry einige bissige Sprüche gefallen lassen. Dennoch war niemand offen unfreundlich und jeder Gast bedankte sich bei ihr, wenn sie die bestellten Speisen und Getränke brachte. Selbst die Zwerge waren bei guter Laune und einer raunte Kerry zu, sie sei der hübscheste Anblick, den er seit seinem neulichen Abstecher in die Kristallminen von Gundzanar gesehen hätte. Sie wurde rot und machte einen artigen Knicks, dann riefen die nächsten Gäste nach ihr.

Es wurde ein fröhlicher, wenn auch anstrengender Abend. Kerry kam mächtig ins Schwitzen, aber irgendwie machte ihr die Arbeit wirklich Spaß. Sie fühlte sich zugehörig, als wäre ihr das Blatt wie zu einer neuen Heimat geworden. In all dem Trubel dachte sie weder an Aéd noch an Helluin. Es tat ihr gut, ihre Sorgen zumindest für einige Zeit zu vergessen. Und als schließlich einige Gäste - es waren Hwenti, die mit Morlas verwandt zu sein schienen - sie fragten, ob sie nun öfter hier in als Schankmaid arbeiten wollte, bejahte Kerry die Frage, ehe sie darüber nachgedacht hatte. Sie hielt für einen Moment inne, änderte aber nicht ihre Meinung. Sie war gerne hier, wie sie feststellte. Und als der Schankraum sich nach und nach leerte, lehnte sie sich erschöpft, aber glücklich gegen den Tresen und sah Morlas an, der gerade über das glatte Holz strich und einige Tropfen dort verschütteten Weins wegwischte.
"Ich... würde das gerne wieder tun," sagte sie sachte.
Morlas sah sie nicht an, aber er lächelte. "Dann müssen wir über deine Bezahlung sprechen," merkte er an.
"Ich brauche keine," sagte Kerry sofort und stellte sich ihm gegenüber. Er hob den Blick und schaute ihr in die Augen. Seine linke Braue wanderte nach oben. Kerry nickte zur Bekräftigung. "Ich mag diesen Ort," fuhr sie fort. "Sehr sogar. Ich möchte Nityel und dir helfen, ihn so wundervoll zu erhalten, wie er ist."
Nityel, die besonders scharfe Ohren zu haben schien, kam aus der Küche und musterte Kerry, dann lächelte sie. Kerry sah sie in diesem Augenblick zum ersten Mal mit einer solchen Miene, denn die Schwarzhaarige war als Einzige den Abend über meist ernst geblieben. "Wir würden uns freuen, dich hier arbeiten zu lassen," sagte Nityel.
Morlas nickte, dann lachte er schallend. "Und ob!" stimmte er seiner Gattin zu. "Aber um einen guten Lohn kommst du nicht herum, ob du willst oder nicht." Er zwinkerte ihr zu. "Wir werden uns etwas Besonderes für dich ausdenken."
Kerry, die glücklich und müde zugleich war, um genauer nachzuhaken, nickte einfach. Sie verabschiedete sich von den beiden Elben und Pippin begleitete sie zu ihrer Unterkunft zurück.

Kerry fiel rasch in einen tiefen Schlaf, nachdem es ihr gelungen war, sich in ihr Bett zu legen, ohne Haleth oder Elea dabei aufzuwecken, denn die beiden Dúnedain schliefen bereits. Sie hatte einen lebhaften Traum, an den sie sich so gut erinnern konnte, als wäre er Wirklichkeit gewesen. Kerry fand sich im belagerten Fornost wieder, auf dem Höhepunkt der Kämpfe. Der große Turm, auf dem sie gestanden hatte, war eingestürzt und nun klaffte eine mit Bruchstücken und Felsen übersäte Lücke in der Verteidigungslinie. Schon näherten sich die ersten Gestalten aus dem Nebel im Süden. Eine schlanke, hochgewachsene Silhouette mit einer langen Klinge in der Hand schälte sich hervor, und für einen Augenblick fiel vor Erleichterung die Anspannung von Kerry ab. Oronêl war hier, und würde die Turmruine verteidigen.
Sie sah genauer hin und erkannte zu ihrem Schrecken, dass sie sich getäuscht hatte. Dies war nicht ihre Erinnerung. Es war nicht Oronêl, auch wenn die spitzen Ohren verrieten, dass es sich um einen Elbenkrieger handelte. Kerry fuhr es eiskalt den Rücken hinunter, als sie das bösartige Antlitz Laedors erkannte - Oronêls altem Feind, der sein Ende in den Gruften unter Carn Dûm gefunden hatte. Sie spürte die Angst in sich aufsteigen, aber da war noch etwas anderes. Kerry stellte fest, dass sie sich an alles erinnern konnte, was bis zu ihrer Rückkehr nach Eregion geschehen war. Sie war nicht mehr das wehrlose Mädchen, das fehl am Platz in der Belagerung von Fornost gewesen war. Sie hatte Ozeane und Flüsse bereist, Gebirge und Wälder durchquert und mehrere Schlachten überstanden. Mathans Lektionen, die sie widerwillig an Bord der Naicanga erhalten hatte, kamen ihr wieder in den Sinn, und Kerry hob das Schwert eines gefallenen Waldläufers auf. Sie war von Entschlossenheit erfüllt. Sie würde Laedor aufhalten, selbst wenn es ihr Leben kostete.
Wie ein tödlicher Blitz raste der Feind auf sie zu. Ihr Schwert glühte auf, als sie es zur Parade erhob, und Funken stieben davon, als Laedors Klinge abprallte. Kerry drehte sich um die eigene Achse, den Schwung in einen zielsicheren Schlag lenkend, der Laedors Schultern von seinem Kopf befreien sollte. Doch als die leuchtende Klinge auf ihn zuschnellte, veränderte sich ihr Gegner. Die Augen strahlten eisblau auf, die Züge verzerrten sich zu einer ungetümen Fratze, die Gliedmaßen verrenkten sich unmenschlich und Flügel breiteten sich hinter seinem Rücken aus. Ein eiskaltes Monster ragte drohend über Kerry auf und ihr Schwert fiel nutzlos zu Boden. Dann packte sie eine Hand am Arm und riss sie fort, in die Dunkelheit hinein, die sich rings um den Turm ausgebreitet hatte. Sie hörte Farelyës Stimme rufen: "Es ist noch nicht an der Zeit!", dann wachte sie schwer atmend auf.

Es dauerte lange, bis Kerry wieder Ruhe fand und weiterschlafen konnte. Sie wusste weder, was ihr Traum bedeuten könnte, noch ob er überhaupt etwas zu bedeuten hatte...
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Rhun / Eine geheime Besprechung und Verrat
« Letzter Beitrag von Curanthor am 18. Jan 2022, 23:33 »

Auf dem Boden der geheimen Gänge angekommen blies Dragan sich kurz über die schmerzenden Fingerkuppen. Zum Glück hatte er ein gutes Gedächtnis und hatte sich aus seiner Kindheit erinnert, wo die ganzen Nägel aus Brettern der Verstrebung hervorstachen. Seine Robe schien aber zweimal gerissen zu sein, zumindest hatte er das Reißen des Stoffs vernommen. Es war aber zu dunkel, um das nachzuprüfen. Und er hatte keine Zeit. Seine Gedanken flossen kurz zurück zu dem Saal, den er beobachtet hatte. Wann warren sie verschwunden? War er zu nachlässig geworden? Er vermutete, dass Castav, Drazan, Mórval und die Schattenelbe die Festhalle verlassen hatten, als Ulf an den Bojar geraten war. Dragan quetschte sich an einer Stütze vorbei, die von einem Metallband stabilisiert wurde und offenbar dazu diente, die zweite Etage zu tragen. Kurz verharrte er an dem alten Holz und schloss die Augen. Die Begleitung des Bojaren schwirrte ihm durch die Gedanken. Er hatte zuvor versucht nicht darauf zu achten, denn um Tiana wollte er sich nicht den Kopf zerbrechen, die ständig in der Nähe gewesen war. Je mehr er sie sich in Erinnerung rief, umso bekannter erschien sie ihm. Die nachtschwarzen Haare, die zu einer kunstvollen Frisur hochsteckt waren, sah man nicht oft in Govedalend, doch auch die Art, wie sie sich bewegte passte zu ihr. Dragan öffnete die Augen und schüttelte die aufkommende Verwunderung ab. Er kannte sie nur wenige Wochen und auch nur dadurch, dass sie die Seiten gewechselt hatte. Mit einem leisen Schnauben verschob er weiteres Grübeln und hastete durch die engen Gänge. Er hatte wichtigeres zu tun! Dragan erinnerte sich an den verbotenen Raum, den sein Vater vor langer Zeit hatte bauen lassen. Es war einst nur ein mickriger Hinterhof gewesen, doch sein Vater hatte durch seine paranoiden Tendenzen dort einen Besprechungsraum gebaut, in dem nichts und niemand lauschen konnten. Es war ein Haus in einem Haus. Wahrscheinlich war der Besprechungsraum fast genauso gesichert wie die geheimen Gewölbe, für die er und Danica die Schlüssel besorgen wollten. Sobald einmal die Türen geschlossen waren, war es fast unmöglich von außen einzudringen. Dragan grinste in sich hinein. Natürlich nicht, wenn man um die geheimen Gänge wusste. Er bog um eine besonders enge Ecke. Hier befanden sich Gästezimmer, das wusste er ohne sich zu orientieren. Früher hatte er oft seinen Vater in dem verbotenen Zimmer belauscht, wie sonst hätte er den einfachen Bauern helfen können? Er versuchte die Zimmerwände nicht unnötig zu berühren. Ein regelmäßiges Pochen ließ ihn kurz innehalten. Rasch tastete er nach der Maske an seinem Gürtel. Sie war es nicht gewesen. Dragan spitzte die Ohren und grinste kurz danach anzüglich in sich hinein. Offenbar ging es in dem Gästezimmer heiß her – wie zu erwarten, nach einem großen Fest. Mit vorsichtiger Eile ließ er die Gästezimmer hinter sich und gelangte an die Stelle, die er am meisten hasste. Und die ihm auch am meisten Kopfschmerzen bereitete: der zwei Fuß breite Gang endete in einem kleinen Kriechkeller, der unter einem kleinen Lagerraum lag. Dahinter befand sich der verbotene Besprechungsraum. Als er noch Jugendlicher war, hatte er keine Probleme gehabt. Dragan überlegte kurz, beließ die schäbige Robe aber an. Es war keine Zeit. Er ging auf die Knie und streckte die Arme in den zwei Fuß hohen Eingang. Spinnenweben begrüßten ihn. Kurz wedelte er sie fort, dann schob er sich hinein. Es war stockfinster. Angestrengt versuchte er sich zu erinnern und hoffte dabei, dass niemand hier unten etwas verändert hatte. Zehn Fuß nach vorn robben, vier Fuß nach links. Dragan verschnaufte beklemmt. Sein Atem hallte von der niedrigen Decke unnatürlich wieder. Es roch nach Staub und trockener Erde. Etwas krabbelte über seine Hand. Hastig schüttelte er sie und tastete nach vorn. Kurz kam Panik in ihm hoch, als er das Rundholz nicht zu packen bekam. Es war der einzige Orientierungspunkt in der Mitte des Raumes. Dann streifte seine Hand etwas Raues. Er atmete erleichtert aus und packte die Stütze und zog sich mit aller Kraft daran nach vorn. Sein Kopf prallte gegen etwas Hartes. Dragan fluchte und tastete danach. Er hatte vergessen, dass er damals noch kleiner gewesen war. Er drückte seine Wange auf den staubigen, felsigen Boden. Vorsichtig versuchte er es erneut. Licht fiel in sein Gesicht. Der Dreck rieb unangenehm über sein Gesicht, doch er passte noch unter die Wand. Mühsam zwängte er sich unter die Fundamentstütze. Ein winziger Fehler der Baumeister, der unentdeckt blieb und nur Dragan durch seine vielen Streifzüge entdeckt hatte. Er befand sich genau in der Doppelwand des verbotenen Raumes, die an die schwere Steinwand des Lagerraumes gebaut wurde. Durch die doppelte Wand konnten die Gespräche nicht nach draußen gelangen, wenn nicht geraden aus vollem Hals brüllte. Zudem war der Innenraum von Kissen, Decken und Wandteppichen bedeckt, was den Hall noch zusätzlich dämpfte.
 Dragan richtete sich auf und tastete sich über seine rechte Wange. Sie war etwas aufgeschürfte und pochte nur ein wenig. Stimmengemurmel drang an sein Ohr. Dragan atmete erleichtert auf und tastete sich nach rechts. Es war fast finster, durch die Dachschindeln drangen jedoch zwei Spalten Licht. Die Doppelwand war zwei Ellen breit, mehr als die eher engen Gänge. Er war noch nie in dem Raum selbst gewesen, hatte aber hin und wieder einen Blick durch die offenen Türen werfen können, wenn sein Vater darin mit Gästen verschwand. Er ging auf die Knie und tastete nach dem Astloch. Sein Fingernagel stieß gegen einen kleinen Vorsprung im Holz. Er grinste. Vorsichtig und stetig zog er daran. Dann war das Astloch frei. Dragan beruhigte seinen Atem, fokussierte sich und zwang seinen Herzschlag leiser zu werden. Seine Sinne schärften sich. Dann legte er die linke Wange an die Wand, sodass er mit dem linken Auge in den Raum blicke konnte. Was er sah, bestätigte seinen Verdacht. Der Besprechungsraum war vielleicht fünf mal fünf Schritte groß, an jeder Wand standen gemütliche Sitzbänke mit flauschigen Sitzkissen und großen, sechseckigen Kissen in Seidenbezügen.
 Dragan blickte genau auf die Bank, auf der Drazan breitbeinig saß, links neben der Bank stand ein teurer Stuhl aus Wurzelholz, auf dem die Schattenelbe Platz genommen hatte und mit geschlossenen Augen aufrecht da saß. Auch hier trug sie ihr edles Schwert an der Seite. Dragan musste etwas schielen, um auf der Stirnseite des Raumes Vakrim Castav zu erkennen, der an einem goldenen Weinpokal nippe. Mórval war nicht zu sehen, doch der Hohepriester sprach gerade davon, dass die beiden Verhüllten ihm überstellt werden sollten.
Vakrim Castav grinste überheblich, als der den Pokal absetzte. „Wisst Ihr überhaupt, was Ihr da verlangt?“
 „Das weiß ich“, erwiderte Mórval eisig.
Dragan sah, wie Vakrims dem Hohepriester einen giftigen Seitenblick zuwarf. Eine kurze Pause trat ein. Er vermutete, dass Mórval an der Wand saß, von der Dragan aus in den Raum spähte.
 „Allerdings interessiert es mich“, hob der Hohepriester gedehnt an, „Warum diese Fremde selbst in dieser geheimen Besprechung anwesend ist.“
Drazan brummte zustimmend, die mächtigen Arme noch immer vor der Brust verschränkt, sein Blick auf den Tisch in der Mitte gerichtet, auf dem einige kleine Stärkungen aufgebracht waren. Die Angesprochene reagierte nicht, doch ihre ruhige Ausstrahlung hatte noch immer einen Hauch von tödlicher Gefahr. Vakrim erklärte, dass er ein Geschäft mit ihr abgeschlossen habe und damit ihre Verschwiegenheit. „Allerdings…“, begann der Fürst etwas weniger selbstsicher, „Müssen wir einige Details unserer Abmachung noch einmal durchgehen. Bis das nicht geklärt ist, weicht sie nicht von meiner Seite.“
„Unwichtig“, schnappte Drazan Blutfinger und griff sich eine Hühnerkeule vom Tisch, „Was sollte dieses Narrentheater auf dem Brunnenplatz?“ Seine tiefliegenden Augen stierten zu Mórval, dann zu Vakrim, „Haltet ihr beide mich für einen Greis? Ich lebe schon lange genug, um diese Spielchen zu durchschauen.“ Der Markgraf biss in die Keule. Der Knochen knackte laut, als er einfach darauf herumkaute. Niemand sagte etwas, da wieder eine Ader an seiner Schläfe pulsierte. Drazan kaute ein wenig auf dem Fleisch herum, spuckte es aber dann aus und schnalzte mit der Zunge. Dann neigte er sich etwas nach vorn und ließ die dicken Muskeln an seinen Schultern anschwellen. „Wo ist Dragan?“
Die Frage hallte wie ein Hammerschlag in seinen Ohren wieder. Rasch schluckte er und hielt den Atem an. Dabei schlug sein Herz heftig in seiner Brust.
 „Ihr müsst Euch irren…“, begann Mórval, doch der Blick Drazans machte klar, dass es sein letzter Satz sein könnte, sollte er ihn beenden.
„Mit dir wechsle ich keine verlogenen Wörter. Schweig still, Abschaum.“
„Meine Herren“, versuchte Vakrim zu besänftigten, „Ihr beide vertritt jeweils eine der mächtigsten Fraktionen meines Landes. Bleiben wir zivilisiert.“
„Das Blut der Alten in meinem Adern ist stark, sonst würde ich nicht so lange leben. Damit stehe ich über…normalen Blut und dem übrigen Getier in Mittelerde. Das macht mich zivilisierter als so mancher König oder Fürst.“ Drazan erhob sich. „Und das Hähnchen hier ist scheußlich.“ Er wandte sich an die schweigsame Silberhaarige: „Kommt, holen wir uns etwas Richtiges zu essen.“
Zur allgemeinem Überraschung regte sich die Schattenelbe und nickte knapp. Mit langen Schritten folgte sie dem Markgraf außerhalb von Dragans Sichtfeld. Er hörte dumpf wie mehrere Schlösser und Riegel zurückfuhren. Es waren drei Türen. Erst als alle drei wieder geschlossen waren, kehrte wieder Ruhe ein.
 „Wo ist Dragan?“, verlangte Mórval scharf zu wissen.
Vakrims Gesicht nahm eine deutliche Rötung an. „Was wollt Ihr von ihm?“
  Der Hohepriester schnaubte und sagte, dass sie eine alte Rechnung offen hatten.
„Er ist mein Gefangener“, stellte Vakrims Castav klar, „Ich brauche ihn für eine Vereinbarung.“
 „Welche Vereinbarung?“, knurrte Mórval bedrohlich, „Habt Ihr Euren Pakt mit dem Tempel vergessen? Was wir verlangen, bekommen wir auch.“
Vakrim ließ sich jedoch nicht davon beeindrucken und nippte erneut an seinem Wein. „Nicht diesmal, doch keine Sorge. Wie haben einen gemeinsamen Freund.“
Das schien Mórval zu beruhigen, denn er drängte nicht weiter. Nun war es Vakrim, der fragte, warum die Sache mit Bojar Branko so aus dem Ruder gelaufen war. „Eigentlich war es ausgemacht, Dragan alleine und ohne diese lächerliche Maskerade vor Gericht zu zerren. Ist die Schlangenaxt nur zu so viel nutze?“
Der Hohepriester schnaubte nur und sagte, dass er wohl zu wenig Geld geboten hatte. Es war offensichtlich, dass er den Fürst belog. Dragan erinnerte sich, dass Mórval alles bis zum Auftauchen der Weißen Streiter geplant oder zumindest in die Wege geleitet hatte. Er bekam nicht mit, was als nächstes gesagt wurde.
„Hätten wir Dragan wirklich enthüllt“, sagte Vakrim nun mit geballten Fäusten, „Hätte ich meine Stellung gefestigt und die unzufriedenen Narren, die noch ihm oder dem Wolf nachtrauern endlich den Wind aus den Segeln nehmen können. Doch sie rütteln weiterhin an meinem Thron. Habt Ihr nicht noch mehr Nachfahren des Wolfes aufspüren können? Seine und ihre Linie muss verlöschen.“
 Mórval gab ein untypisches, amüsiertes Glucksen von sich. „Was wollt Ihr mit wertlosen Bastarden? Der Wolf ist nicht untätig und seine Fänge sind noch immer messerscharf, vergesst das nicht“, gab er zu bedenken, „Und Ihr vergesst Drazan Blutfinger, selbst der Tempel kann ihn nicht kontrollieren.“
„Ich vergesse ihn nicht“, berichtigte Vakrim und nahm sich eine Traube vom Teller, „Sein Auftauchen ist unerwartet, aber nicht vollkommend überraschend. Ich bin vorbereitet.“
 Mórval schien zu nicken, denn sie verfielen in Schweigen, bis erneut die Schlösser und Riegel der Türen zu hören waren. Der Hohepriester erhob sich und erklärte, dass sie ein anderes Mal ihre Angelegenheiten besprechen würden. Er ging einmal durch Dragans Blickfeld und wurde durch Drazan und der Schattenelbe verdrängt, die gerade den Raum betraten. Sein Großvater wirkte zufrieden und ließ sich wieder in die Sitzkissen fallen, sodass das Holz etwas knirschte. Die Silberhaarige nahm wieder auf ihren Stuhl in Beschlag und nippte an einem Glas Wein. Offenbar schmeckte es ihr nicht, denn ein Mundwinkel zuckte. Ihre Türkis schimmernden Augen huschten sofort zur Tür. Schritte ertönten.

 „Du!“, rief Vakrim Castan laut und erhob sich halb“, Wie kommst du hier herein?!“
Dann antwortete eine Stimme, die Dragan den Boden unter den Füßen wegzog: „Was glaubt du Narr, wer diesen Raum gebaut hat?“
 Ein dröhnendes Lachen Drazans erfüllte den Raum: „Ich habe mich schon gewundert, wo du steckst.“
Dragan ballte wütend die Fäuste. Sein Herz schlug ihm bis in den Hals, während es sich anfühlte, als ob die Zeit stehen geblieben war. Dragan wandte den Blick ab, während ihm Tränen der Wut über die Wangen rannen. Es fühlte sich genauso an, als er ihm Cheydan weggenommen hatte. Sein Innerstes krampfte sich zusammen vor Zorn. Seine Fingernägel gruben sich in seine Handinnenflächen.
„Hallo Vater“, sagte Ivailo abwertend, „Enttäuscht, dass ich noch lebe?“
„Milde überrascht“, erwiderte der Markgraf kühl, „Deine Geschwister haben sich bisher klüger angestellt, manche Kämpfen in großen Kriegen für Ruhm und Ehre.“
Ivailo gab ein leises Zischen von sich und eine eisige Stille trat ein.
Vakrim schien sich inzwischen wieder beruhigt zu haben, denn er erhob nun seine Stimme: „Ich dachte, dass wir abgesprochen haben, dass wir uns immer nur außerhalb der Stadt treffen.“
„Das haben wir“, erwiderte sein Vater kühl, „Aber ich bin meinem nutzlosen Sohn gefolgt.“ Ivailo lachte leise, „Der Narr läuft noch immer oder schon wieder einer Frau hinterher.“
Dragan musste an sich halten, um nicht durch die Wand zu steigen. Er zwang sich mit aller Macht dazu, ruhig zu bleiben. Es ging nicht nur um seine Gefühle und darum, dass er wieder verraten worden war. Seine neuen Freunde waren noch immer in Gefahr. Und Cheydan. Zitternd atmete er tief ein und aus, dann blickte wieder in den Raum.
Drazan saß wieder an seinem Platz und Ivailo hatte offenbar Mórvals Sitz eingenommen. Sein Großvater wirkte entgegen seiner Tonlage zufrieden: „Also hast du endlich angefangen die Blutlinie zu säubern? Das wurde auch Zeit. Ich habe dir schon vor Jahren gesagt, dass Kalena ein Fehler war.“
„Das weiß ich auch“, zischte Ivailo, „Was meinst du, warum sie nicht mehr lebt.“
Noch ein Hammerschlag, der in Dragan widerhallte. Sein Gehirn konnte gar nicht verarbeiten, was er da hörte. Es spürte einfach nichts mehr. Nur eine innere Leere, die alle Emotionen auffraß. Rasende Wut, Hass und Trauer, bis nichts mehr da war. Betäubt verfolgte er weiter, was geschah.
„Und was ist mir ihren Kindern? Dragan ist hier irgendwo in der Stadt“, hakte Drazan bedrohlich nach, „Willst du ihn etwa auch davonkommen lassen, so wie Idania?“
Ivailo gab ein seltsames Geräusch von sich, eine Mischung aus Nase hochziehen und Grunzen. „Eine Tochter, die ich nie zu Gesicht bekommen habe? Nein, sie habe ich zwar am Hof des Jadethrons belassen, als Ehrung von Kalenas letzten Willen, aber vor einige Monaten habe ich sie zurückbringen lassen.“
„Ehrenlos“, murmelte die Schattenelbe plötzlich. Ihre türkisenen Augen blitzen auf und schienen von ihnen heraus zu leuchten, „Menschen sind und bleiben Abschaum.“
„Manchmal muss man die faulen Zweige abschneiden“, erwiderte Drazan mit teilnahmslosem Blick, „Um den Rest des Baumes zu retten.“
Ivailo überging die Einwürfe und sagte: „Sie liegt irgendwo im Schlamm unter einer Brücke. Nicht wahr, Frau Rámalin?“
Die Schattenelbe nickte knapp. „Sie und die gesamte Karawane, die aus Minzhu kam. Ich habe alle meine Krieger in den Kampf geführt. Ich habe ihre Leiche gefunden und den Tod festgestellt.“
„Seid Ihr des Wahnsinns?!“, platzte es aus Vakrim heraus, der bisher nur aufmerksam zugehört hatte, „Ihr führt einen Angriff gegen Bürger des Jadethron? Eure Söldner sind zehntausend Mann stark, das wird sich Minzhu nicht bieten lassen!“ Der Fürst wirkte bleich und betupfte sich mit einem Tuch die Stirn, „Sie können das fünffache in die Schlacht führen… Ich muss das sofort König Goran berichten.“
Drazan schob seinen mächtigen Arm vor und hinderte Vakrim Castav daran aufzustehen, während Rámalin ich Schwert einen Fingerbreit aus der Scheide gezogen hatte. „Immer mit der Ruhe“, beschwichtigte Drazan, „Der Jadethron wird erst in einigen Monaten davon erfahren, da Minzhu sich gegen einem Angriff aus Kushan wappnet. Es wird Krieg geben im Osten, das munkelt man schon seit Wochen in der Weite.“
„Wenn wir es schlau anstellen“, warf Ivailo rasch ein, „Können wir es Kushan in die Schuhe schieben und die kriegerischen Handlung brechen vielleicht noch früher aus. Und Frau Rámalin ist nur mit ihrem Trupp losgezogen. Also nur zweitausend, die keine Zeugen übrig gelassen haben.“
Vakrim überlegte einen Moment, doch seine Gesichtsfarbe kehrte nicht zurück. Schließlich ließ er sich wieder zurück in seine weichen Kissen sinken. „Ihr spielt mit dem Feuer.“
Ivailo lachte laut auf, Drazan stimmte mit ein. „Das liegt uns im Blut. Was nützen einem Krone und Land, wenn man an einem Stuhl gefesselt wird.“ Dragan hörte, wie die Stimme seines Vaters an Kraft verlor: „Man muss wissen, wie man dort sitzt und was man tun kann. Kalena konnte das wie niemand anders. Besser als ich...“
„Wirst du jetzt melancholisch?“, fragte Drazan spöttisch, „Du hast sie töten lassen, also lebe damit, sonst wirst du ein Schwächling, wie dein missratener Sohn.“ Er lachte kurz auf, „Mal sehen wer von uns ihn zuerst erwischt.“
Etwas regte sich in Dragan. Jahrelange Schuldgefühle. Der Grund für seinen Dienst im Schatten. Der Grund, warum die Mórquen ihn jagten. Warum Mórval es auf ihn abgesehen hatte. Alles hatte mit dem Tod seiner Mutter begonnen, den er nicht verhindern konnte. Seitdem war alles in seinem Leben zerbrochen und er hatte sich dem Schatten hingegeben. Stets hatte er sich selbst die Schuld gegeben, warum er sie nicht beschützen konnte. Alles war sein Vater schuld gewesen. Sein Blick verschwamm. Heiße Tränen vor Trauer und Wut rannen seine Wangen hinab, seine Kehle war wie zugeschnürt. Dumpf hörte er das Gespräch. Etwas über Ungeziefer und Mäuse wurde gesagt. Dragans verschwommener Blick bemerkte etwas Blitzendes. Er riss den Kopf zur Seite. Kalter Stahl durchstach die hölzerne Wand und zerschnitt ihm die rechte Wange.  Er ließ sich flach auf den Staubigen Boden fallen und rührte sich nicht. Geistesgegenwärtig imitierte er ein Quicken einer Maus, nicht zu lang, auch nicht zu kurz. Atemlos wartete er ab. Das Schwert erschien nicht noch einmal. Verfluchte Schattenelbe! Dragan kroch rückwärts. Flucht ging vor! In seiner Brust herrschte ein tosender Kampf zwischen ungezügelter Wut, bodenlose Trauer und das betäubende Gefühl von Verrat. Er wollte weg von hier. Raus aus den beengten Gängen, fort aus Draganhrod und weit hinaus über die Grenzen von Rhûn. Er stieß seinen Kopf, als er auf der anderen Seite des Kriechkellers hervorkroch. Der Schmerz rief eine Tatsache in seinen vernebelten Verstand: Seine Freunde waren noch immer in Gefahr. Und die Weißen Streiter waren in der Stadt. Vielleicht würden sie ihm noch einmal helfen. Er verschob den Gedanken, alles hinter sich zu lassen und machte sich mit zerreißenden Gefühlen zurück auf den Weg in das Gemach. Noch konnte er nicht seinen Gefühlen freien Lauf lassen. Er war froh, dass seine gequälte Grimasse hinter einer Maske verborgen war.

10
Rhun / Ein langweiliges Fest
« Letzter Beitrag von Curanthor am 15. Jan 2022, 17:17 »
Die Ruhepause tat gut, auch wenn Dragan sich noch nicht traute die Maske abzunehmen. Wirklich entspannen konnte er sich auf dem weichen Bett aber nicht. Zu viele Gedanken gingen ihm durch den Kopf. Ihn besorgte der große Einfluss des Tempels und Mórvals. Der Hohepriester war ohne Zweifel einer seiner gefährlichsten Widersacher, doch auch Dragans Großvater war nicht harmlos. Mórvals Pläne und Handlungen waren aber bedenklicher und hatten Dragan und Danica fast das Leben gekostet. Er war sich sicher, dass die beiden Doppelgänger von ihnen – wie vom Hohepriester angekündigt, getötet oder verschwinden würden. Dragan fragte sich kurz, ob die Weißen Streiter das zulassen würden, beruhigte sich aber mit dem Gedanken, dass das sicherlich zu ihren Plänen gehörte, was auch immer sie vorhatten. Würden sie aber auch Unschuldige für ihre Pläne opfern? Dragan setzte sich auf. Wahrscheinlich nicht, aber er konnte nicht einfach still herumsitzen und darauf warten, dass etwas geschah. Mórval hatte vorhin etwas von einer Besprechung gesagt, rief er sich wieder ins Gedächtnis. Dragan erhob sich vom Bett und durchquerte das geräumige Zimmer. Er kannte jeden Winkel in dem Fürstensitz. Das große Anwesen war in vier Bereiche unterteilt. Im südlichen Teil befand sich das alte Herrenhaus mit der vorgelagerten, großen Eingangshalle und Empfangsraum, in dem der Fürst für das gemeine Volk Hof hielt. Hier waren die meisten bessergestellten Bediensteten und Gästezimmer untergebracht, aber auch ein paar Besprechungsräume. Dragan wusste aber, dass man vertrauliche Gespräche lieber in dem Ostflügel führte, wo auch eine große Festhalle angesiedelt war und nur sehr wenige Gästezimmer, dafür mehr Lagerräume. Hier war auch ein spezieller Raum, der normalerweise stets verschlossen war. Zumindest für die meisten. Er grinste in sich hinein.
Dragan durchsuchte die vier Schränke an der Wand gegenüber dem Bett, die bis auf zwei leer waren. In einem lag eine schmucklose Maske des Tempels. Sie war aus Eisen gefertigt und hatte keine besonderen Merkmale, das Metall war durch das Alter schon stumpf. Wenn er sich richtig erinnerte, trugen die einfachsten Initianten, also die einfachen Fußsoldaten des Tempels solche Masken. Rasch nahm er sie aus dem Schrank und warf sie auf sein Bett. Im letzten Schrank fand er ein Dutzend Kleidungsstücke. Tuniken, Überwürfe, zwei Wamse, eine Lederweste und mehrere Hosen aus verschiedenen Stoffen, sowie verschiedene Stiefel und Schuhe. Ein weiter Kapuzenmantel fiel ihm beim Wühlen vor die Füße. Dragan hob ihn auf und entdecke eine Tempelrobe darin eingewickelt. Sie war etwas abgewetzt und aus billigeren Leder gefertigt als jene, die er gerade trug, auch die typisch rote Seide als Innenstoff war nur rot gefärbtes Leinen. Ihm kam eine Idee. Dragan hob sie auf und schloss die Schränke. Rasch wechselte er die Robe und die Maske. Jetzt war er einfach ein namenloses Mitglied des Tempels. Er rümpfte kurz die Nase, da die Robe schon wohl länger im Schrank versteckt gewesen war. Sie roch nach muffigen Leder, getrocknetem Schweiß und zu lange getragener Kleidung. Wenigstens war die Maske sauberer, auch wenn die Sehschlitze noch mickriger waren als bei der von Ástrebor. Er würde sie nur anziehen, wenn es nötig war.
 
Dragan schlüpfte aus seinem Zimmer und blickte sich um, doch der Flur war leer. Dann wollen wir mal sehen, was du so zu besprechen hast, Menschenschinder, dachte er sich und machte sich auf den Weg in den Westflügel. Dabei vermied er es gesehen zu werden, drückte sich in Schatten, schlich einmal über ein kurzes Vordach, um ein paar Wachen auszuweichen und durchquerte den großen Innenhof, in dem er früher als Kind oft gespielt hatte. Hier konnte er nicht auffallen, also ging er ganz gemütlich an den Brunnen und dem Teich vorbei, der den Hof dominierte. Einige Hofdamen saßen auf dem Rande des Brunnens und unterhielten sich aufgeregt. Einige Diener brachten ihnen hin und wieder Erfrischungen. Sie mieden es Dragan anzublicken. Sobald er unter den Vorbau des Westflügels trat, beschleunigte er seine Schritte. Doch Dragan ging nicht nach links zum großen Eingang des Flügels, sondern nach rechts, zu den Lagerräumen. Die übrigen Bewohner mieden diesen Teil des Westflügels. Hier war nur das arbeitssame Volk. Man räumte die Vorräte ein, die ständig über eine große Rampe aus der Stadt über einen Hintereingang gebracht wurden. Hier befanden sich auch die einfachen Werkstätten in einer großen Scheune, die gegenüber dem Westflügel gebaut worden war. Hier befand sich alles, was ein kleines Dorf benötigte, neben Stallungen mitsamt Hufschmied ein Schuhmacher, Rädermacher, Bäcker, Schneider und alles weitere für den täglichen Bedarf. Einige der Arbeiter warfen ihn verwunderte Blicke zu, die meisten ignorierten ihn aber und gingen ihren Aufgaben nach. Dragan konnte einige Wortfetzen verstehen. Die meisten beschwerten sich, dass Vakrim wieder einmal ein Fest gab und sie dadurch noch mehr schuften mussten. Ein Dutzend Träger, die Weinfässer in die Lagerräume rollten drängten sich an ihn vorbei. Dragan folgte ihnen. Wenn es ein Fest gab, konnte er sich unbemerkt umsehen. Die Lagerräume im Westflügel weckten Erinnerungen. Sie lagen etwas tiefer als der übrige Flügel, der Boden bestand aus massivem Stein, sodass man auch mit Karren hineinfahren konnte. Die doppelfügeligen Tore zu den einzelnen Räumen standen meist offen. Er schmunzelte hinter seiner Maske, als er sich erinnerte, dass er sich hier gern vor seiner Mutter versteckt hatte. Oft auf den alten Heuböden, die nur durch eine Leiter zu erreichen war. Sein Tutor hatte ihn damals immer ermahn, da es gefährlich war, doch seine Mutter hatte seine Kletterkunst stets bewundert und ihn heimlich ermuntern – nicht ohne zu betonten, vorsichtig zu sein.
 
Dragan stolperte gegen die Treppen, die weg von den Lagerräumen, in den übrigen Westflügel führten. Das Tor oben an der Treppe war unverschlossen und stand weit offen. Ein Wachmann drehte sich um, alarmiert von dem Geräusch des Stolperns. Dragan fluchte leise, doch durch die Maske war es nur ein Zischen. Der Wächter musterte ihn scharf. Er trug keine Hellebarde, sondern nur ein Schwert am Gürtel. Dragan war unbewaffnet. Langsam erstieg er die Stufen, doch der Wächter wandte ihn wieder den Rücken zu. Offenbar konnte der Tempel tatsächlich hier ein- und ausgehen wie ihm beliebte. Der Wächter informierte ihn im Vorbeigehen, dass Mórval in der Festhalle bei den anderen Gästen war. Dragan nickte knapp zu dank. Er spürte den Blick des Mannes in seinem Rücken. Ihm war klar, dass der er ihn anhalten würde, wenn er jetzt einen anderen Weg nehmen würde, also bog Dragan nach links auf den breiten Korridor, der zu der Festhalle führte. Hier waren keine Wachen, doch am Ende des Ganges stand eine kleine Gruppe von gut gekleideten Menschen. Offenbar Gäste Castavs. Sie blickten den Gang hinab, erblickten ihn und gingen nach links. Dragan hörte ihre Stimmen, auch wenn er sie nicht verstand, gaben sie sich keine Mühe leise zu sein. Die Festhalle lag an der Kreuzung vor ihm ebenfalls links den Gang hinab. Dragan hatte aber kein Interesse, von noch mehr Menschen gesehen zu werden. Er wurde langsamer und lauschte auf das Stimmgewirr der kleinen Gruppe, die nur aus seinem Blickfeld verschwunden war und an der Ecke offenbar weitersprach. Unterschwellig war auch das Lärmen und Murmeln aus der Festhalle zu hören, begleitet vom Klang von Lautenschlägen. Dragan zählte die unscheinbaren Türen, die Fackelhalter hingen unverändert an der Wand. Bis auf zwei waren alle der zwölf Fackeln erleuchtet. Er blieb an der siebten Fackel stehen und wartete kurz. Die Holztäfelung wirkte unscheinbar für das ungeübte Auge, doch er wusste, was sich dahinter befand. Rasch drehte der den Fackelhalter und drückte auf eine gesplitterte Leiste in der Vertäfelung. Es klickte leise. Dragan grinste breit. Selbst durch Zufall konnte man diesen Eingang nicht finden. Nur er und der aktuelle Hofmeister wussten davon. Früher wurden diese Gänge genutzt, um ungesehen an die tragende Struktur, wie die dicken Eichenstämme, die Stützwände und die Fundamente zu gelangen. Die Spinnenweben im inneren des engen Ganges zeigten aber, dass schon lange niemand hier war. Er erinnerte sich, dass der Hofmeister jene, die hier Reparaturen betrieben danach verschwinden ließ, damit das Geheimnis auch eines blieb. Dragan hatte nur so viel Platz, wie seine Schultern breit waren. Also ging er seitlich. Licht gab es kaum welches, hin und wieder fielen breite Strahlen von den Seiten oder es fiel wie Lichtspeere von oben herab. Niemand kannte die Doppelwände und wusste wo die Gänge verliefen. Von außen war das Anwesen ziemlich verwinkelt. Dragan kannte sich aber im Herzen des Fürstensitzes besser aus als sonst jemand, da er sich hier oft vor seinem Vater versteckt hatte. Er schlängelte sich durch die Gänge, quetschte sich an einen durchgebogenen Stützstamm vorbei und kletterte an der Verstrebung der großen Wandvertäfelung zur Festhalle empor. Dumpf drang das Lachen, unablässiges Gemurmel und der Klang von Lautenschlagen an sein Ohr. Endlich fand er sein altes Versteck. Drei Bretter quer über die Verstrebung gelegt, eine morsche Decke darauf. Er grinste. Früher hatte er hier hoch oben gesessen und das Treiben in der Festhalle beobachtet, wenn ihm sein Vater verboten hatte dabei zu sein. Was er alles hier gesehen hatte, würde er nie vergessen. Lustige Dinge, wie den Hofnarren, der sich lächerlich machte; Spannendes, wie das Duell von Gunnar Jornson, dem Vater seines Freundes Ulf von den Sonnenhügeln gegen einen Kerl, der dessen Ehre beleidigt hatte. Leider konnte sich Dragan nicht mehr an den Namen erinnern, doch Ulfs Vater hatte gewonnen. Damals war er neun gewesen und hatte das erste Mal Blut gesehen. Dragan schüttelte den Kopf, um nicht noch weiter in Erinnerungen zu schwelgen. Er packte das Rundholz, das Teil von der Dachkonstruktion war und zog sich auf die Bretter. Sie knirschten leise, doch waren sie zum Glück nicht morsch. Er zog die zwei hölzernen Stifte heraus und hielt dabei das Brett der Vertäfelung fest. Es ging schwerer als früher. Mit einem kleinem Rück löste sich der Letzte und Dragan zog vorsichtig das Brett nach oben. Es klappte. Ein Schwall von warmer Luft, getränkt von Bratenduft, Pfeifenrauch und Alkohol stieg ihm entgegen. Er schnaubte kurz und zog seine Maske ab. Endlich konnte er genauer hinabblicken. Die Festgesellschaft hatte sich gut in der Halle verteilt. Dragan erkannte Vakrim sofort an einer pompösen, roten Kopfbedeckung und einem schwer gerüsteten Mann in seiner Nähe. Der Anführer der Leibwache, ein ehemaliger General der Armee Rhûns – wie er bei den Lagerarbeitern aufgeschnappt hatte. Dragan sah sich die Gäste genauer an. Ulf Gunnarson stand in der Nähe der Festtafel, ein Glas Wein in der Hand und sprach mit einer Frau mit langen blonden Haaren, die einen Schleier vor dem Gesicht trug. Er wirkte so, als ob er nicht dort sein wollte und nur duch die Verpflichtung als Vasall anwesend war. Dragan schmunzelte und wünschte sich, mit seinem alten Freund noch einmal sprechen zu können. Sein Blick wanderte stattdessen wie der eines Raubvogels umher. Die Hälfte der Gäste waren Speichellecker Vakrims, die unablässig in seine Richtung wanderten, um sich mit ihm gut zu stellen. Sein Großvater Drazan stach wie ein Berg aus der Masse hervor. Er hatte einen großen Becher in der Hand und lachte hin und wieder schallend. In seiner anderen Hand befand sich eine große Hähnchenkeule. Drazan biss davon hin und wieder herzlich ab, während er sich mit einem grobschlächtigen Mann unterhielt, zweifelsohne ein Vertrauter aus Remedà. Niemand traute sich in die Nähe der beiden, doch nicht nur bei ihnen war das so. Zwei einsame Gestalten am Rand des Geschehens erregten Dragans Aufmerksamkeit. Hohepriester Mórval, war sofort an der goldenen Maske zu erkennen. Er lungerte am Rand des Banketts herum, während seine Finger ungeduldig um seinen goldenen Priesterstab trommelten. Die zweite Gestalt an der anderen Seite der Halle ließ Dragan etwas weiter zurück in sein Versteck rutschen. Es war die hochgewachsene Schwertfuchtlerin mit silberweißem Haar. Zwei spitze Ohren stachen durch die lange, seidenglatte Haarpracht hindurch. Sie schien den Festsaal unablässig abzusuchen. Auch jetzt war sie voll bewaffnet und in ihrem fein gearbeiteten Brustpanzer gehüllt. Ein mitternachtsblauer Mantel aus kostbarstem Stoff wallte von ihren Schultern hinab und endete ganz knapp über dem Boden. Offenbar war sie die Erklärung, warum Vakrim Castav mit so wenigen Leibwachen am Bankett erschienen war. Dragan seufzte und bereute es, dass er keine Wurfmesser dabei hatte. Er schätzte die Entfernung auf vielleicht dreißig Schritt. Selbst die ‚spitzohrige Dämonin‘ würde Vakrim nicht rechtzeitig zur Hilfe eilen können. Er beschränkte sich darauf zu beobachten.

 Es war langweilig. Dragan blendete alles soweit aus, doch nicht Wichtiges tat sich. Hin und wieder lief Tiana in der Halle umher. Und ‚Fürst‘ Castav hatte einen neuen Mundschenk. Ein fetter Kerl, offenbar ein Bojar, der von den hochrangingen Adligen etwas belächelt wurde. Er war in der Begleitung einer sehr hübschen Frau gekommen, die offenbar Tiana nicht leiden konnte. Immer wenn sie Vakrim etwas zu essen, oder trinken brachte, das dann an den Mundschenk weitergegeben wurde, wandte sie sich ab oder tat so, als ob sie nicht im Raum wäre. Dragan seufzte leise. Genau deswegen hatte er sich nie für solche Feste interessiert. Kleinliche Fehden und belangloses Geschwätz. Dann wurde es plötzlich interessant. Ulf Gunnarson geriet mit dem fetten Mundschenk aneinander. Sein Kindheitsfreund war unverkennbar mit seinem feuerroten Bart. Dragan konnte nicht verstehen worum es ging, doch Ulf baute sich vor dem Bojar bedrohlich auf und ließ die Muskeln spielen. Ulf war offenbar Veteran der Feldzüge im Westen, denn er trug ein zwergisches Schwert am Gürtel, zog es jedoch nicht. Es gab einige Gäste, die Waffen trugen, doch waren blanke Klingen streng verboten, sie dienten nur als Statussymbol. Dragan wünschte sich für einen kurzen Moment dort hinunter zugehen, doch der Anführer der Leibwache ging dazwischen. Er blinzelte. Vakrim war verschwunden. Rasch schaute er nach Mórval, doch der Hohepriester lehnte nicht mehr an der dicken Holzsäule. Und auch Drazan Blutfinger war nicht im Saal, ebenso wenig wie die silberhaarige Schattenelbe. Dragan fluchte und verschloss eilig sein Guckloch. Er griff sich die Maske, band sie an seinen Gürtel und kletterte hinab. Zweimal rutschte er von der Verstrebung, da ihn die Robe behinderte, doch seine Klettererfahrung bewahrte ihn vor einem Absturz. Mit schmerzenden Fingern landete er wieder in dem engen Gang. Er wusste ganz genau, wo er hin musste.
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