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Rhun / Eine geheime Besprechung und Verrat
« Letzter Beitrag von Curanthor am Gestern um 23:33 »

Auf dem Boden der geheimen Gänge angekommen blies Dragan sich kurz über die schmerzenden Fingerkuppen. Zum Glück hatte er ein gutes Gedächtnis und hatte sich aus seiner Kindheit erinnert, wo die ganzen Nägel aus Brettern der Verstrebung hervorstachen. Seine Robe schien aber zweimal gerissen zu sein, zumindest hatte er das Reißen des Stoffs vernommen. Es war aber zu dunkel, um das nachzuprüfen. Und er hatte keine Zeit. Seine Gedanken flossen kurz zurück zu dem Saal, den er beobachtet hatte. Wann warren sie verschwunden? War er zu nachlässig geworden? Er vermutete, dass Castav, Drazan, Mórval und die Schattenelbe die Festhalle verlassen hatten, als Ulf an den Bojar geraten war. Dragan quetschte sich an einer Stütze vorbei, die von einem Metallband stabilisiert wurde und offenbar dazu diente, die zweite Etage zu tragen. Kurz verharrte er an dem alten Holz und schloss die Augen. Die Begleitung des Bojaren schwirrte ihm durch die Gedanken. Er hatte zuvor versucht nicht darauf zu achten, denn um Tiana wollte er sich nicht den Kopf zerbrechen, die ständig in der Nähe gewesen war. Je mehr er sie sich in Erinnerung rief, umso bekannter erschien sie ihm. Die nachtschwarzen Haare, die zu einer kunstvollen Frisur hochsteckt waren, sah man nicht oft in Govedalend, doch auch die Art, wie sie sich bewegte passte zu ihr. Dragan öffnete die Augen und schüttelte die aufkommende Verwunderung ab. Er kannte sie nur wenige Wochen und auch nur dadurch, dass sie die Seiten gewechselt hatte. Mit einem leisen Schnauben verschob er weiteres Grübeln und hastete durch die engen Gänge. Er hatte wichtigeres zu tun! Dragan erinnerte sich an den verbotenen Raum, den sein Vater vor langer Zeit hatte bauen lassen. Es war einst nur ein mickriger Hinterhof gewesen, doch sein Vater hatte durch seine paranoiden Tendenzen dort einen Besprechungsraum gebaut, in dem nichts und niemand lauschen konnten. Es war ein Haus in einem Haus. Wahrscheinlich war der Besprechungsraum fast genauso gesichert wie die geheimen Gewölbe, für die er und Danica die Schlüssel besorgen wollten. Sobald einmal die Türen geschlossen waren, war es fast unmöglich von außen einzudringen. Dragan grinste in sich hinein. Natürlich nicht, wenn man um die geheimen Gänge wusste. Er bog um eine besonders enge Ecke. Hier befanden sich Gästezimmer, das wusste er ohne sich zu orientieren. Früher hatte er oft seinen Vater in dem verbotenen Zimmer belauscht, wie sonst hätte er den einfachen Bauern helfen können? Er versuchte die Zimmerwände nicht unnötig zu berühren. Ein regelmäßiges Pochen ließ ihn kurz innehalten. Rasch tastete er nach der Maske an seinem Gürtel. Sie war es nicht gewesen. Dragan spitzte die Ohren und grinste kurz danach anzüglich in sich hinein. Offenbar ging es in dem Gästezimmer heiß her – wie zu erwarten, nach einem großen Fest. Mit vorsichtiger Eile ließ er die Gästezimmer hinter sich und gelangte an die Stelle, die er am meisten hasste. Und die ihm auch am meisten Kopfschmerzen bereitete: der zwei Fuß breite Gang endete in einem kleinen Kriechkeller, der unter einem kleinen Lagerraum lag. Dahinter befand sich der verbotene Besprechungsraum. Als er noch Jugendlicher war, hatte er keine Probleme gehabt. Dragan überlegte kurz, beließ die schäbige Robe aber an. Es war keine Zeit. Er ging auf die Knie und streckte die Arme in den zwei Fuß hohen Eingang. Spinnenweben begrüßten ihn. Kurz wedelte er sie fort, dann schob er sich hinein. Es war stockfinster. Angestrengt versuchte er sich zu erinnern und hoffte dabei, dass niemand hier unten etwas verändert hatte. Zehn Fuß nach vorn robben, vier Fuß nach links. Dragan verschnaufte beklemmt. Sein Atem hallte von der niedrigen Decke unnatürlich wieder. Es roch nach Staub und trockener Erde. Etwas krabbelte über seine Hand. Hastig schüttelte er sie und tastete nach vorn. Kurz kam Panik in ihm hoch, als er das Rundholz nicht zu packen bekam. Es war der einzige Orientierungspunkt in der Mitte des Raumes. Dann streifte seine Hand etwas Raues. Er atmete erleichtert aus und packte die Stütze und zog sich mit aller Kraft daran nach vorn. Sein Kopf prallte gegen etwas Hartes. Dragan fluchte und tastete danach. Er hatte vergessen, dass er damals noch kleiner gewesen war. Er drückte seine Wange auf den staubigen, felsigen Boden. Vorsichtig versuchte er es erneut. Licht fiel in sein Gesicht. Der Dreck rieb unangenehm über sein Gesicht, doch er passte noch unter die Wand. Mühsam zwängte er sich unter die Fundamentstütze. Ein winziger Fehler der Baumeister, der unentdeckt blieb und nur Dragan durch seine vielen Streifzüge entdeckt hatte. Er befand sich genau in der Doppelwand des verbotenen Raumes, die an die schwere Steinwand des Lagerraumes gebaut wurde. Durch die doppelte Wand konnten die Gespräche nicht nach draußen gelangen, wenn nicht geraden aus vollem Hals brüllte. Zudem war der Innenraum von Kissen, Decken und Wandteppichen bedeckt, was den Hall noch zusätzlich dämpfte.
 Dragan richtete sich auf und tastete sich über seine rechte Wange. Sie war etwas aufgeschürfte und pochte nur ein wenig. Stimmengemurmel drang an sein Ohr. Dragan atmete erleichtert auf und tastete sich nach rechts. Es war fast finster, durch die Dachschindeln drangen jedoch zwei Spalten Licht. Die Doppelwand war zwei Ellen breit, mehr als die eher engen Gänge. Er war noch nie in dem Raum selbst gewesen, hatte aber hin und wieder einen Blick durch die offenen Türen werfen können, wenn sein Vater darin mit Gästen verschwand. Er ging auf die Knie und tastete nach dem Astloch. Sein Fingernagel stieß gegen einen kleinen Vorsprung im Holz. Er grinste. Vorsichtig und stetig zog er daran. Dann war das Astloch frei. Dragan beruhigte seinen Atem, fokussierte sich und zwang seinen Herzschlag leiser zu werden. Seine Sinne schärften sich. Dann legte er die linke Wange an die Wand, sodass er mit dem linken Auge in den Raum blicke konnte. Was er sah, bestätigte seinen Verdacht. Der Besprechungsraum war vielleicht fünf mal fünf Schritte groß, an jeder Wand standen gemütliche Sitzbänke mit flauschigen Sitzkissen und großen, sechseckigen Kissen in Seidenbezügen.
 Dragan blickte genau auf die Bank, auf der Drazan breitbeinig saß, links neben der Bank stand ein teurer Stuhl aus Wurzelholz, auf dem die Schattenelbe Platz genommen hatte und mit geschlossenen Augen aufrecht da saß. Auch hier trug sie ihr edles Schwert an der Seite. Dragan musste etwas schielen, um auf der Stirnseite des Raumes Vakrim Castav zu erkennen, der an einem goldenen Weinpokal nippe. Mórval war nicht zu sehen, doch der Hohepriester sprach gerade davon, dass die beiden Verhüllten ihm überstellt werden sollten.
Vakrim Castav grinste überheblich, als der den Pokal absetzte. „Wisst Ihr überhaupt, was Ihr da verlangt?“
 „Das weiß ich“, erwiderte Mórval eisig.
Dragan sah, wie Vakrims dem Hohepriester einen giftigen Seitenblick zuwarf. Eine kurze Pause trat ein. Er vermutete, dass Mórval an der Wand saß, von der Dragan aus in den Raum spähte.
 „Allerdings interessiert es mich“, hob der Hohepriester gedehnt an, „Warum diese Fremde selbst in dieser geheimen Besprechung anwesend ist.“
Drazan brummte zustimmend, die mächtigen Arme noch immer vor der Brust verschränkt, sein Blick auf den Tisch in der Mitte gerichtet, auf dem einige kleine Stärkungen aufgebracht waren. Die Angesprochene reagierte nicht, doch ihre ruhige Ausstrahlung hatte noch immer einen Hauch von tödlicher Gefahr. Vakrim erklärte, dass er ein Geschäft mit ihr abgeschlossen habe und damit ihre Verschwiegenheit. „Allerdings…“, begann der Fürst etwas weniger selbstsicher, „Müssen wir einige Details unserer Abmachung noch einmal durchgehen. Bis das nicht geklärt ist, weicht sie nicht von meiner Seite.“
„Unwichtig“, schnappte Drazan Blutfinger und griff sich eine Hühnerkeule vom Tisch, „Was sollte dieses Narrentheater auf dem Brunnenplatz?“ Seine tiefliegenden Augen stierten zu Mórval, dann zu Vakrim, „Haltet ihr beide mich für einen Greis? Ich lebe schon lange genug, um diese Spielchen zu durchschauen.“ Der Markgraf biss in die Keule. Der Knochen knackte laut, als er einfach darauf herumkaute. Niemand sagte etwas, da wieder eine Ader an seiner Schläfe pulsierte. Drazan kaute ein wenig auf dem Fleisch herum, spuckte es aber dann aus und schnalzte mit der Zunge. Dann neigte er sich etwas nach vorn und ließ die dicken Muskeln an seinen Schultern anschwellen. „Wo ist Dragan?“
Die Frage hallte wie ein Hammerschlag in seinen Ohren wieder. Rasch schluckte er und hielt den Atem an. Dabei schlug sein Herz heftig in seiner Brust.
 „Ihr müsst Euch irren…“, begann Mórval, doch der Blick Drazans machte klar, dass es sein letzter Satz sein könnte, sollte er ihn beenden.
„Mit dir wechsle ich keine verlogenen Wörter. Schweig still, Abschaum.“
„Meine Herren“, versuchte Vakrim zu besänftigten, „Ihr beide vertritt jeweils eine der mächtigsten Fraktionen meines Landes. Bleiben wir zivilisiert.“
„Das Blut der Alten in meinem Adern ist stark, sonst würde ich nicht so lange leben. Damit stehe ich über…normalen Blut und dem übrigen Getier in Mittelerde. Das macht mich zivilisierter als so mancher König oder Fürst.“ Drazan erhob sich. „Und das Hähnchen hier ist scheußlich.“ Er wandte sich an die schweigsame Silberhaarige: „Kommt, holen wir uns etwas Richtiges zu essen.“
Zur allgemeinem Überraschung regte sich die Schattenelbe und nickte knapp. Mit langen Schritten folgte sie dem Markgraf außerhalb von Dragans Sichtfeld. Er hörte dumpf wie mehrere Schlösser und Riegel zurückfuhren. Es waren drei Türen. Erst als alle drei wieder geschlossen waren, kehrte wieder Ruhe ein.
 „Wo ist Dragan?“, verlangte Mórval scharf zu wissen.
Vakrims Gesicht nahm eine deutliche Rötung an. „Was wollt Ihr von ihm?“
  Der Hohepriester schnaubte und sagte, dass sie eine alte Rechnung offen hatten.
„Er ist mein Gefangener“, stellte Vakrims Castav klar, „Ich brauche ihn für eine Vereinbarung.“
 „Welche Vereinbarung?“, knurrte Mórval bedrohlich, „Habt Ihr Euren Pakt mit dem Tempel vergessen? Was wir verlangen, bekommen wir auch.“
Vakrim ließ sich jedoch nicht davon beeindrucken und nippte erneut an seinem Wein. „Nicht diesmal, doch keine Sorge. Wie haben einen gemeinsamen Freund.“
Das schien Mórval zu beruhigen, denn er drängte nicht weiter. Nun war es Vakrim, der fragte, warum die Sache mit Bojar Branko so aus dem Ruder gelaufen war. „Eigentlich war es ausgemacht, Dragan alleine und ohne diese lächerliche Maskerade vor Gericht zu zerren. Ist die Schlangenaxt nur zu so viel nutze?“
Der Hohepriester schnaubte nur und sagte, dass er wohl zu wenig Geld geboten hatte. Es war offensichtlich, dass er den Fürst belog. Dragan erinnerte sich, dass Mórval alles bis zum Auftauchen der Weißen Streiter geplant oder zumindest in die Wege geleitet hatte. Er bekam nicht mit, was als nächstes gesagt wurde.
„Hätten wir Dragan wirklich enthüllt“, sagte Vakrim nun mit geballten Fäusten, „Hätte ich meine Stellung gefestigt und die unzufriedenen Narren, die noch ihm oder dem Wolf nachtrauern endlich den Wind aus den Segeln nehmen können. Doch sie rütteln weiterhin an meinem Thron. Habt Ihr nicht noch mehr Nachfahren des Wolfes aufspüren können? Seine und ihre Linie muss verlöschen.“
 Mórval gab ein untypisches, amüsiertes Glucksen von sich. „Was wollt Ihr mit wertlosen Bastarden? Der Wolf ist nicht untätig und seine Fänge sind noch immer messerscharf, vergesst das nicht“, gab er zu bedenken, „Und Ihr vergesst Drazan Blutfinger, selbst der Tempel kann ihn nicht kontrollieren.“
„Ich vergesse ihn nicht“, berichtigte Vakrim und nahm sich eine Traube vom Teller, „Sein Auftauchen ist unerwartet, aber nicht vollkommend überraschend. Ich bin vorbereitet.“
 Mórval schien zu nicken, denn sie verfielen in Schweigen, bis erneut die Schlösser und Riegel der Türen zu hören waren. Der Hohepriester erhob sich und erklärte, dass sie ein anderes Mal ihre Angelegenheiten besprechen würden. Er ging einmal durch Dragans Blickfeld und wurde durch Drazan und der Schattenelbe verdrängt, die gerade den Raum betraten. Sein Großvater wirkte zufrieden und ließ sich wieder in die Sitzkissen fallen, sodass das Holz etwas knirschte. Die Silberhaarige nahm wieder auf ihren Stuhl in Beschlag und nippte an einem Glas Wein. Offenbar schmeckte es ihr nicht, denn ein Mundwinkel zuckte. Ihre Türkis schimmernden Augen huschten sofort zur Tür. Schritte ertönten.

 „Du!“, rief Vakrim Castan laut und erhob sich halb“, Wie kommst du hier herein?!“
Dann antwortete eine Stimme, die Dragan den Boden unter den Füßen wegzog: „Was glaubt du Narr, wer diesen Raum gebaut hat?“
 Ein dröhnendes Lachen Drazans erfüllte den Raum: „Ich habe mich schon gewundert, wo du steckst.“
Dragan ballte wütend die Fäuste. Sein Herz schlug ihm bis in den Hals, während es sich anfühlte, als ob die Zeit stehen geblieben war. Dragan wandte den Blick ab, während ihm Tränen der Wut über die Wangen rannen. Es fühlte sich genauso an, als er ihm Cheydan weggenommen hatte. Sein Innerstes krampfte sich zusammen vor Zorn. Seine Fingernägel gruben sich in seine Handinnenflächen.
„Hallo Vater“, sagte Ivailo abwertend, „Enttäuscht, dass ich noch lebe?“
„Milde überrascht“, erwiderte der Markgraf kühl, „Deine Geschwister haben sich bisher klüger angestellt, manche Kämpfen in großen Kriegen für Ruhm und Ehre.“
Ivailo gab ein leises Zischen von sich und eine eisige Stille trat ein.
Vakrim schien sich inzwischen wieder beruhigt zu haben, denn er erhob nun seine Stimme: „Ich dachte, dass wir abgesprochen haben, dass wir uns immer nur außerhalb der Stadt treffen.“
„Das haben wir“, erwiderte sein Vater kühl, „Aber ich bin meinem nutzlosen Sohn gefolgt.“ Ivailo lachte leise, „Der Narr läuft noch immer oder schon wieder einer Frau hinterher.“
Dragan musste an sich halten, um nicht durch die Wand zu steigen. Er zwang sich mit aller Macht dazu, ruhig zu bleiben. Es ging nicht nur um seine Gefühle und darum, dass er wieder verraten worden war. Seine neuen Freunde waren noch immer in Gefahr. Und Cheydan. Zitternd atmete er tief ein und aus, dann blickte wieder in den Raum.
Drazan saß wieder an seinem Platz und Ivailo hatte offenbar Mórvals Sitz eingenommen. Sein Großvater wirkte entgegen seiner Tonlage zufrieden: „Also hast du endlich angefangen die Blutlinie zu säubern? Das wurde auch Zeit. Ich habe dir schon vor Jahren gesagt, dass Kalena ein Fehler war.“
„Das weiß ich auch“, zischte Ivailo, „Was meinst du, warum sie nicht mehr lebt.“
Noch ein Hammerschlag, der in Dragan widerhallte. Sein Gehirn konnte gar nicht verarbeiten, was er da hörte. Es spürte einfach nichts mehr. Nur eine innere Leere, die alle Emotionen auffraß. Rasende Wut, Hass und Trauer, bis nichts mehr da war. Betäubt verfolgte er weiter, was geschah.
„Und was ist mir ihren Kindern? Dragan ist hier irgendwo in der Stadt“, hakte Drazan bedrohlich nach, „Willst du ihn etwa auch davonkommen lassen, so wie Idania?“
Ivailo gab ein seltsames Geräusch von sich, eine Mischung aus Nase hochziehen und Grunzen. „Eine Tochter, die ich nie zu Gesicht bekommen habe? Nein, sie habe ich zwar am Hof des Jadethrons belassen, als Ehrung von Kalenas letzten Willen, aber vor einige Monaten habe ich sie zurückbringen lassen.“
„Ehrenlos“, murmelte die Schattenelbe plötzlich. Ihre türkisenen Augen blitzen auf und schienen von ihnen heraus zu leuchten, „Menschen sind und bleiben Abschaum.“
„Manchmal muss man die faulen Zweige abschneiden“, erwiderte Drazan mit teilnahmslosem Blick, „Um den Rest des Baumes zu retten.“
Ivailo überging die Einwürfe und sagte: „Sie liegt irgendwo im Schlamm unter einer Brücke. Nicht wahr, Frau Rámalin?“
Die Schattenelbe nickte knapp. „Sie und die gesamte Karawane, die aus Minzhu kam. Ich habe alle meine Krieger in den Kampf geführt. Ich habe ihre Leiche gefunden und den Tod festgestellt.“
„Seid Ihr des Wahnsinns?!“, platzte es aus Vakrim heraus, der bisher nur aufmerksam zugehört hatte, „Ihr führt einen Angriff gegen Bürger des Jadethron? Eure Söldner sind zehntausend Mann stark, das wird sich Minzhu nicht bieten lassen!“ Der Fürst wirkte bleich und betupfte sich mit einem Tuch die Stirn, „Sie können das fünffache in die Schlacht führen… Ich muss das sofort König Goran berichten.“
Drazan schob seinen mächtigen Arm vor und hinderte Vakrim Castav daran aufzustehen, während Rámalin ich Schwert einen Fingerbreit aus der Scheide gezogen hatte. „Immer mit der Ruhe“, beschwichtigte Drazan, „Der Jadethron wird erst in einigen Monaten davon erfahren, da Minzhu sich gegen einem Angriff aus Kushan wappnet. Es wird Krieg geben im Osten, das munkelt man schon seit Wochen in der Weite.“
„Wenn wir es schlau anstellen“, warf Ivailo rasch ein, „Können wir es Kushan in die Schuhe schieben und die kriegerischen Handlung brechen vielleicht noch früher aus. Und Frau Rámalin ist nur mit ihrem Trupp losgezogen. Also nur zweitausend, die keine Zeugen übrig gelassen haben.“
Vakrim überlegte einen Moment, doch seine Gesichtsfarbe kehrte nicht zurück. Schließlich ließ er sich wieder zurück in seine weichen Kissen sinken. „Ihr spielt mit dem Feuer.“
Ivailo lachte laut auf, Drazan stimmte mit ein. „Das liegt uns im Blut. Was nützen einem Krone und Land, wenn man an einem Stuhl gefesselt wird.“ Dragan hörte, wie die Stimme seines Vaters an Kraft verlor: „Man muss wissen, wie man dort sitzt und was man tun kann. Kalena konnte das wie niemand anders. Besser als ich...“
„Wirst du jetzt melancholisch?“, fragte Drazan spöttisch, „Du hast sie töten lassen, also lebe damit, sonst wirst du ein Schwächling, wie dein missratener Sohn.“ Er lachte kurz auf, „Mal sehen wer von uns ihn zuerst erwischt.“
Etwas regte sich in Dragan. Jahrelange Schuldgefühle. Der Grund für seinen Dienst im Schatten. Der Grund, warum die Mórquen ihn jagten. Warum Mórval es auf ihn abgesehen hatte. Alles hatte mit dem Tod seiner Mutter begonnen, den er nicht verhindern konnte. Seitdem war alles in seinem Leben zerbrochen und er hatte sich dem Schatten hingegeben. Stets hatte er sich selbst die Schuld gegeben, warum er sie nicht beschützen konnte. Alles war sein Vater schuld gewesen. Sein Blick verschwamm. Heiße Tränen vor Trauer und Wut rannen seine Wangen hinab, seine Kehle war wie zugeschnürt. Dumpf hörte er das Gespräch. Etwas über Ungeziefer und Mäuse wurde gesagt. Dragans verschwommener Blick bemerkte etwas Blitzendes. Er riss den Kopf zur Seite. Kalter Stahl durchstach die hölzerne Wand und zerschnitt ihm die rechte Wange.  Er ließ sich flach auf den Staubigen Boden fallen und rührte sich nicht. Geistesgegenwärtig imitierte er ein Quicken einer Maus, nicht zu lang, auch nicht zu kurz. Atemlos wartete er ab. Das Schwert erschien nicht noch einmal. Verfluchte Schattenelbe! Dragan kroch rückwärts. Flucht ging vor! In seiner Brust herrschte ein tosender Kampf zwischen ungezügelter Wut, bodenlose Trauer und das betäubende Gefühl von Verrat. Er wollte weg von hier. Raus aus den beengten Gängen, fort aus Draganhrod und weit hinaus über die Grenzen von Rhûn. Er stieß seinen Kopf, als er auf der anderen Seite des Kriechkellers hervorkroch. Der Schmerz rief eine Tatsache in seinen vernebelten Verstand: Seine Freunde waren noch immer in Gefahr. Und die Weißen Streiter waren in der Stadt. Vielleicht würden sie ihm noch einmal helfen. Er verschob den Gedanken, alles hinter sich zu lassen und machte sich mit zerreißenden Gefühlen zurück auf den Weg in das Gemach. Noch konnte er nicht seinen Gefühlen freien Lauf lassen. Er war froh, dass seine gequälte Grimasse hinter einer Maske verborgen war.

2
Rhun / Ein langweiliges Fest
« Letzter Beitrag von Curanthor am 15. Jan 2022, 17:17 »
Die Ruhepause tat gut, auch wenn Dragan sich noch nicht traute die Maske abzunehmen. Wirklich entspannen konnte er sich auf dem weichen Bett aber nicht. Zu viele Gedanken gingen ihm durch den Kopf. Ihn besorgte der große Einfluss des Tempels und Mórvals. Der Hohepriester war ohne Zweifel einer seiner gefährlichsten Widersacher, doch auch Dragans Großvater war nicht harmlos. Mórvals Pläne und Handlungen waren aber bedenklicher und hatten Dragan und Danica fast das Leben gekostet. Er war sich sicher, dass die beiden Doppelgänger von ihnen – wie vom Hohepriester angekündigt, getötet oder verschwinden würden. Dragan fragte sich kurz, ob die Weißen Streiter das zulassen würden, beruhigte sich aber mit dem Gedanken, dass das sicherlich zu ihren Plänen gehörte, was auch immer sie vorhatten. Würden sie aber auch Unschuldige für ihre Pläne opfern? Dragan setzte sich auf. Wahrscheinlich nicht, aber er konnte nicht einfach still herumsitzen und darauf warten, dass etwas geschah. Mórval hatte vorhin etwas von einer Besprechung gesagt, rief er sich wieder ins Gedächtnis. Dragan erhob sich vom Bett und durchquerte das geräumige Zimmer. Er kannte jeden Winkel in dem Fürstensitz. Das große Anwesen war in vier Bereiche unterteilt. Im südlichen Teil befand sich das alte Herrenhaus mit der vorgelagerten, großen Eingangshalle und Empfangsraum, in dem der Fürst für das gemeine Volk Hof hielt. Hier waren die meisten bessergestellten Bediensteten und Gästezimmer untergebracht, aber auch ein paar Besprechungsräume. Dragan wusste aber, dass man vertrauliche Gespräche lieber in dem Ostflügel führte, wo auch eine große Festhalle angesiedelt war und nur sehr wenige Gästezimmer, dafür mehr Lagerräume. Hier war auch ein spezieller Raum, der normalerweise stets verschlossen war. Zumindest für die meisten. Er grinste in sich hinein.
Dragan durchsuchte die vier Schränke an der Wand gegenüber dem Bett, die bis auf zwei leer waren. In einem lag eine schmucklose Maske des Tempels. Sie war aus Eisen gefertigt und hatte keine besonderen Merkmale, das Metall war durch das Alter schon stumpf. Wenn er sich richtig erinnerte, trugen die einfachsten Initianten, also die einfachen Fußsoldaten des Tempels solche Masken. Rasch nahm er sie aus dem Schrank und warf sie auf sein Bett. Im letzten Schrank fand er ein Dutzend Kleidungsstücke. Tuniken, Überwürfe, zwei Wamse, eine Lederweste und mehrere Hosen aus verschiedenen Stoffen, sowie verschiedene Stiefel und Schuhe. Ein weiter Kapuzenmantel fiel ihm beim Wühlen vor die Füße. Dragan hob ihn auf und entdecke eine Tempelrobe darin eingewickelt. Sie war etwas abgewetzt und aus billigeren Leder gefertigt als jene, die er gerade trug, auch die typisch rote Seide als Innenstoff war nur rot gefärbtes Leinen. Ihm kam eine Idee. Dragan hob sie auf und schloss die Schränke. Rasch wechselte er die Robe und die Maske. Jetzt war er einfach ein namenloses Mitglied des Tempels. Er rümpfte kurz die Nase, da die Robe schon wohl länger im Schrank versteckt gewesen war. Sie roch nach muffigen Leder, getrocknetem Schweiß und zu lange getragener Kleidung. Wenigstens war die Maske sauberer, auch wenn die Sehschlitze noch mickriger waren als bei der von Ástrebor. Er würde sie nur anziehen, wenn es nötig war.
 
Dragan schlüpfte aus seinem Zimmer und blickte sich um, doch der Flur war leer. Dann wollen wir mal sehen, was du so zu besprechen hast, Menschenschinder, dachte er sich und machte sich auf den Weg in den Westflügel. Dabei vermied er es gesehen zu werden, drückte sich in Schatten, schlich einmal über ein kurzes Vordach, um ein paar Wachen auszuweichen und durchquerte den großen Innenhof, in dem er früher als Kind oft gespielt hatte. Hier konnte er nicht auffallen, also ging er ganz gemütlich an den Brunnen und dem Teich vorbei, der den Hof dominierte. Einige Hofdamen saßen auf dem Rande des Brunnens und unterhielten sich aufgeregt. Einige Diener brachten ihnen hin und wieder Erfrischungen. Sie mieden es Dragan anzublicken. Sobald er unter den Vorbau des Westflügels trat, beschleunigte er seine Schritte. Doch Dragan ging nicht nach links zum großen Eingang des Flügels, sondern nach rechts, zu den Lagerräumen. Die übrigen Bewohner mieden diesen Teil des Westflügels. Hier war nur das arbeitssame Volk. Man räumte die Vorräte ein, die ständig über eine große Rampe aus der Stadt über einen Hintereingang gebracht wurden. Hier befanden sich auch die einfachen Werkstätten in einer großen Scheune, die gegenüber dem Westflügel gebaut worden war. Hier befand sich alles, was ein kleines Dorf benötigte, neben Stallungen mitsamt Hufschmied ein Schuhmacher, Rädermacher, Bäcker, Schneider und alles weitere für den täglichen Bedarf. Einige der Arbeiter warfen ihn verwunderte Blicke zu, die meisten ignorierten ihn aber und gingen ihren Aufgaben nach. Dragan konnte einige Wortfetzen verstehen. Die meisten beschwerten sich, dass Vakrim wieder einmal ein Fest gab und sie dadurch noch mehr schuften mussten. Ein Dutzend Träger, die Weinfässer in die Lagerräume rollten drängten sich an ihn vorbei. Dragan folgte ihnen. Wenn es ein Fest gab, konnte er sich unbemerkt umsehen. Die Lagerräume im Westflügel weckten Erinnerungen. Sie lagen etwas tiefer als der übrige Flügel, der Boden bestand aus massivem Stein, sodass man auch mit Karren hineinfahren konnte. Die doppelfügeligen Tore zu den einzelnen Räumen standen meist offen. Er schmunzelte hinter seiner Maske, als er sich erinnerte, dass er sich hier gern vor seiner Mutter versteckt hatte. Oft auf den alten Heuböden, die nur durch eine Leiter zu erreichen war. Sein Tutor hatte ihn damals immer ermahn, da es gefährlich war, doch seine Mutter hatte seine Kletterkunst stets bewundert und ihn heimlich ermuntern – nicht ohne zu betonten, vorsichtig zu sein.
 
Dragan stolperte gegen die Treppen, die weg von den Lagerräumen, in den übrigen Westflügel führten. Das Tor oben an der Treppe war unverschlossen und stand weit offen. Ein Wachmann drehte sich um, alarmiert von dem Geräusch des Stolperns. Dragan fluchte leise, doch durch die Maske war es nur ein Zischen. Der Wächter musterte ihn scharf. Er trug keine Hellebarde, sondern nur ein Schwert am Gürtel. Dragan war unbewaffnet. Langsam erstieg er die Stufen, doch der Wächter wandte ihn wieder den Rücken zu. Offenbar konnte der Tempel tatsächlich hier ein- und ausgehen wie ihm beliebte. Der Wächter informierte ihn im Vorbeigehen, dass Mórval in der Festhalle bei den anderen Gästen war. Dragan nickte knapp zu dank. Er spürte den Blick des Mannes in seinem Rücken. Ihm war klar, dass der er ihn anhalten würde, wenn er jetzt einen anderen Weg nehmen würde, also bog Dragan nach links auf den breiten Korridor, der zu der Festhalle führte. Hier waren keine Wachen, doch am Ende des Ganges stand eine kleine Gruppe von gut gekleideten Menschen. Offenbar Gäste Castavs. Sie blickten den Gang hinab, erblickten ihn und gingen nach links. Dragan hörte ihre Stimmen, auch wenn er sie nicht verstand, gaben sie sich keine Mühe leise zu sein. Die Festhalle lag an der Kreuzung vor ihm ebenfalls links den Gang hinab. Dragan hatte aber kein Interesse, von noch mehr Menschen gesehen zu werden. Er wurde langsamer und lauschte auf das Stimmgewirr der kleinen Gruppe, die nur aus seinem Blickfeld verschwunden war und an der Ecke offenbar weitersprach. Unterschwellig war auch das Lärmen und Murmeln aus der Festhalle zu hören, begleitet vom Klang von Lautenschlägen. Dragan zählte die unscheinbaren Türen, die Fackelhalter hingen unverändert an der Wand. Bis auf zwei waren alle der zwölf Fackeln erleuchtet. Er blieb an der siebten Fackel stehen und wartete kurz. Die Holztäfelung wirkte unscheinbar für das ungeübte Auge, doch er wusste, was sich dahinter befand. Rasch drehte der den Fackelhalter und drückte auf eine gesplitterte Leiste in der Vertäfelung. Es klickte leise. Dragan grinste breit. Selbst durch Zufall konnte man diesen Eingang nicht finden. Nur er und der aktuelle Hofmeister wussten davon. Früher wurden diese Gänge genutzt, um ungesehen an die tragende Struktur, wie die dicken Eichenstämme, die Stützwände und die Fundamente zu gelangen. Die Spinnenweben im inneren des engen Ganges zeigten aber, dass schon lange niemand hier war. Er erinnerte sich, dass der Hofmeister jene, die hier Reparaturen betrieben danach verschwinden ließ, damit das Geheimnis auch eines blieb. Dragan hatte nur so viel Platz, wie seine Schultern breit waren. Also ging er seitlich. Licht gab es kaum welches, hin und wieder fielen breite Strahlen von den Seiten oder es fiel wie Lichtspeere von oben herab. Niemand kannte die Doppelwände und wusste wo die Gänge verliefen. Von außen war das Anwesen ziemlich verwinkelt. Dragan kannte sich aber im Herzen des Fürstensitzes besser aus als sonst jemand, da er sich hier oft vor seinem Vater versteckt hatte. Er schlängelte sich durch die Gänge, quetschte sich an einen durchgebogenen Stützstamm vorbei und kletterte an der Verstrebung der großen Wandvertäfelung zur Festhalle empor. Dumpf drang das Lachen, unablässiges Gemurmel und der Klang von Lautenschlagen an sein Ohr. Endlich fand er sein altes Versteck. Drei Bretter quer über die Verstrebung gelegt, eine morsche Decke darauf. Er grinste. Früher hatte er hier hoch oben gesessen und das Treiben in der Festhalle beobachtet, wenn ihm sein Vater verboten hatte dabei zu sein. Was er alles hier gesehen hatte, würde er nie vergessen. Lustige Dinge, wie den Hofnarren, der sich lächerlich machte; Spannendes, wie das Duell von Gunnar Jornson, dem Vater seines Freundes Ulf von den Sonnenhügeln gegen einen Kerl, der dessen Ehre beleidigt hatte. Leider konnte sich Dragan nicht mehr an den Namen erinnern, doch Ulfs Vater hatte gewonnen. Damals war er neun gewesen und hatte das erste Mal Blut gesehen. Dragan schüttelte den Kopf, um nicht noch weiter in Erinnerungen zu schwelgen. Er packte das Rundholz, das Teil von der Dachkonstruktion war und zog sich auf die Bretter. Sie knirschten leise, doch waren sie zum Glück nicht morsch. Er zog die zwei hölzernen Stifte heraus und hielt dabei das Brett der Vertäfelung fest. Es ging schwerer als früher. Mit einem kleinem Rück löste sich der Letzte und Dragan zog vorsichtig das Brett nach oben. Es klappte. Ein Schwall von warmer Luft, getränkt von Bratenduft, Pfeifenrauch und Alkohol stieg ihm entgegen. Er schnaubte kurz und zog seine Maske ab. Endlich konnte er genauer hinabblicken. Die Festgesellschaft hatte sich gut in der Halle verteilt. Dragan erkannte Vakrim sofort an einer pompösen, roten Kopfbedeckung und einem schwer gerüsteten Mann in seiner Nähe. Der Anführer der Leibwache, ein ehemaliger General der Armee Rhûns – wie er bei den Lagerarbeitern aufgeschnappt hatte. Dragan sah sich die Gäste genauer an. Ulf Gunnarson stand in der Nähe der Festtafel, ein Glas Wein in der Hand und sprach mit einer Frau mit langen blonden Haaren, die einen Schleier vor dem Gesicht trug. Er wirkte so, als ob er nicht dort sein wollte und nur duch die Verpflichtung als Vasall anwesend war. Dragan schmunzelte und wünschte sich, mit seinem alten Freund noch einmal sprechen zu können. Sein Blick wanderte stattdessen wie der eines Raubvogels umher. Die Hälfte der Gäste waren Speichellecker Vakrims, die unablässig in seine Richtung wanderten, um sich mit ihm gut zu stellen. Sein Großvater Drazan stach wie ein Berg aus der Masse hervor. Er hatte einen großen Becher in der Hand und lachte hin und wieder schallend. In seiner anderen Hand befand sich eine große Hähnchenkeule. Drazan biss davon hin und wieder herzlich ab, während er sich mit einem grobschlächtigen Mann unterhielt, zweifelsohne ein Vertrauter aus Remedà. Niemand traute sich in die Nähe der beiden, doch nicht nur bei ihnen war das so. Zwei einsame Gestalten am Rand des Geschehens erregten Dragans Aufmerksamkeit. Hohepriester Mórval, war sofort an der goldenen Maske zu erkennen. Er lungerte am Rand des Banketts herum, während seine Finger ungeduldig um seinen goldenen Priesterstab trommelten. Die zweite Gestalt an der anderen Seite der Halle ließ Dragan etwas weiter zurück in sein Versteck rutschen. Es war die hochgewachsene Schwertfuchtlerin mit silberweißem Haar. Zwei spitze Ohren stachen durch die lange, seidenglatte Haarpracht hindurch. Sie schien den Festsaal unablässig abzusuchen. Auch jetzt war sie voll bewaffnet und in ihrem fein gearbeiteten Brustpanzer gehüllt. Ein mitternachtsblauer Mantel aus kostbarstem Stoff wallte von ihren Schultern hinab und endete ganz knapp über dem Boden. Offenbar war sie die Erklärung, warum Vakrim Castav mit so wenigen Leibwachen am Bankett erschienen war. Dragan seufzte und bereute es, dass er keine Wurfmesser dabei hatte. Er schätzte die Entfernung auf vielleicht dreißig Schritt. Selbst die ‚spitzohrige Dämonin‘ würde Vakrim nicht rechtzeitig zur Hilfe eilen können. Er beschränkte sich darauf zu beobachten.

 Es war langweilig. Dragan blendete alles soweit aus, doch nicht Wichtiges tat sich. Hin und wieder lief Tiana in der Halle umher. Und ‚Fürst‘ Castav hatte einen neuen Mundschenk. Ein fetter Kerl, offenbar ein Bojar, der von den hochrangingen Adligen etwas belächelt wurde. Er war in der Begleitung einer sehr hübschen Frau gekommen, die offenbar Tiana nicht leiden konnte. Immer wenn sie Vakrim etwas zu essen, oder trinken brachte, das dann an den Mundschenk weitergegeben wurde, wandte sie sich ab oder tat so, als ob sie nicht im Raum wäre. Dragan seufzte leise. Genau deswegen hatte er sich nie für solche Feste interessiert. Kleinliche Fehden und belangloses Geschwätz. Dann wurde es plötzlich interessant. Ulf Gunnarson geriet mit dem fetten Mundschenk aneinander. Sein Kindheitsfreund war unverkennbar mit seinem feuerroten Bart. Dragan konnte nicht verstehen worum es ging, doch Ulf baute sich vor dem Bojar bedrohlich auf und ließ die Muskeln spielen. Ulf war offenbar Veteran der Feldzüge im Westen, denn er trug ein zwergisches Schwert am Gürtel, zog es jedoch nicht. Es gab einige Gäste, die Waffen trugen, doch waren blanke Klingen streng verboten, sie dienten nur als Statussymbol. Dragan wünschte sich für einen kurzen Moment dort hinunter zugehen, doch der Anführer der Leibwache ging dazwischen. Er blinzelte. Vakrim war verschwunden. Rasch schaute er nach Mórval, doch der Hohepriester lehnte nicht mehr an der dicken Holzsäule. Und auch Drazan Blutfinger war nicht im Saal, ebenso wenig wie die silberhaarige Schattenelbe. Dragan fluchte und verschloss eilig sein Guckloch. Er griff sich die Maske, band sie an seinen Gürtel und kletterte hinab. Zweimal rutschte er von der Verstrebung, da ihn die Robe behinderte, doch seine Klettererfahrung bewahrte ihn vor einem Absturz. Mit schmerzenden Fingern landete er wieder in dem engen Gang. Er wusste ganz genau, wo er hin musste.
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A bit late, but thanks for the detailed feedback Aule! Very nice to hear from you again :)

Good to hear you like it overall, even though you had your own very detailed concept for him^^. Hypnotic Gaze probably won't be able to be used on heroes carrying the One Ring, but we'll see. It is no longer a full conversion, because we felt that was too powerful for what Smaug did anyway - Bilbo didn't suddenly fight on Smaug's side against the Dwarves, but his faith was shaken for a while. Ingame, an ability that temporarily renders a hero unable to fight because he has his doubts about his allies seemed like the proper implementation of this. Everybody can have doubts for a short while, especially when confronted by Smaug.
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[Edain] Support / Re: Windows 11
« Letzter Beitrag von Elendils Cousin 3. Grades am 13. Jan 2022, 23:31 »
Entschuldige die späte Antwort, aber spät ist besser als nie^^

Hast du mal im englischen wiki nachgesehen, was da an Tipps steht? Die haben ein paar Tricks zum Umgang mit Images, wenn ich mich recht erinnere. Ansonsten erzähl doch mal, was genau der Fehler ist - die klassische Problematik, dass nach dem Start nichts passiert, die man eigentlich durchs Erstellen der options.ini lösen kann?
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[Edain] Support / Re: Direct3D Out of Memory - Crash / 4GB Workarround?
« Letzter Beitrag von Goroth am 13. Jan 2022, 18:14 »
Der Patch geht nicht im Multiplayer, weil der Kopierschutz das verhindert. Durch en 4GB patch wird die game.dat, die exe des Spiels, verändert, was das Spiel als Crackversuch interpretiert.

Es gibt eine Möglichkeit, den 4GB patch im Multiplayer zu benutzen, allerdings kannst du dann nur mit Leuten online spielen, die diesen workaround auch benutzen, zu allen anderen wirst du asynchron.
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[Edain] Support / Direct3D Out of Memory - Crash / 4GB Workarround?
« Letzter Beitrag von Dandolos am 13. Jan 2022, 14:10 »
Hallo zusammen,

seit kurzem spiele ich mit einem Freund Edain Online (T3A:Online) 2g2 und wenn viel Zeit vergangen ist crasht mein Spiel und es kommt der Error:"Direct3D error 0x0x8007000e (E_OUTOFMEMORY)" usw.

Durch herumstöbern habe ich schon von dem einen oder anderen Fix gehört, also Grafik runterschrauben oder die Kommandopunkte zu limitieren, weil anscheinend "zu viel passiert" und das Spiel an die 4GB Grenze kommt und dann knallts.

Aber kennt jemand eine Möglichkeit den 4GB Patch im Mehrspieler zu benutzen oder einen anderen Weg um im Spiel selber auf nichts verzichten zu müssen oder im worst case sogar auf größere Gefechte, also 3g3 oder sogar 4g4 o.ä. weil da ja selbstverständlich sehr viel mehr RAM benötigt wird?  :(

PS: Warum geht der Patch eigentlich nicht im Multiplayer? Das wäre so praktisch :D

Danke im Voraus
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Submods Deutsch & Submods English / Re: Kairo-Patch: Submod for 4.5.5
« Letzter Beitrag von KairoShamoo am 13. Jan 2022, 02:00 »
Version 1.2 has been released.
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[Edain] Spielertreff / Re: Discord Edain-Group
« Letzter Beitrag von Elendils Cousin 3. Grades am 13. Jan 2022, 00:34 »
Sehr flotte Reaktion von euch, Daumen hoch. Die Links im Multiplayer-Leitfaden wurden auch aktualisiert, damit die jetzt auch zur richtigen Stelle führen. :)
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Guten Tag, was ist eigentlich aus der Imladris Shellmap geworden?
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Hero Submod Projekt [Edain] / Re: Hero Submod Version 3.3 Euer Feedback
« Letzter Beitrag von Grommash65 am 12. Jan 2022, 21:06 »
Ich vermute mal, dass mit der Sub Mod hat sich erledigt oder?
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