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Rhun / Aus dem Kerker und mehr Fragen
« Letzter Beitrag von Curanthor am Gestern um 22:54 »
Die Küche war verlassen, als Dragan mit Danica die doppelflügelige Tür öffnete. Ein Wachmann räusperte sich und drängte sich ungehalten an ihnen vorbei. Er setzte sich an den langen Tisch links von der Tür, zog ein Stück Holz und begann daran mit einem kleinen Messer zu schnitzen. Der Duft von einem kräftigen Eintopf lag in der warmen, rauchigen Luft. Auf der Anrichte stand ein großer Topf, aus dem es noch dampfte. Über den Feuerstellen, wo es noch glühte, hingen mehrere kleinere Töpfe. Eine Köchin kam aus einem der angrenzenden Räume, einer der Gesellschaftsräume, wie Dragan aus seiner Erinnerung wusste. Die etwas stämmige Frau warf ihnen nur einen flüchtigen Blick zu. Die Küche maß dreißig mal vierzig Schritt und bot genug Platz, um die Mahlzeiten sämtlicher Bewohner der Fürstensitz zuzubereiten. Zwei Mägde eilten der Köchin hinterher und stockten kurz, als sie die zwei vermummten Arbeiter in Gesellschaft einer Wache sahen. Die stämmige Köchin fauchte eine leise Aufforderung und die drei Frauen begaben sich gemeinsam an die Feuerstellen. Dragan nahm sich etwas Eintopf, Danica musterte den Inhalt des Topfes erst misstrauisch, füllte sich aber dann auch ihre hölzerne Schale. Sie setzten sich am anderen Ende der Tafel, sodass sie außer Hörweite der Wache war, die ihnen hin und wieder gelangweilte Kontrollblicke zuwarf. Eine Magd legte ihnen Löffel auf den Tisch, ohne sie eines Blickes zu würdigen. Dragan musterte sie flüchtig, doch er erkannte sie nicht. Sein Blick blieb an Danica hängen, die neben ihm saß und halb ihm halb den Rücken zugedreht hatte. Sie aß gekonnt mit dem Tuch im Gesicht, doch hatte sie sich genauso postiert, dass er keinen Blick auf ihr Kinn oder Wangen erhaschen konnte. Etwas enttäuscht wandte er sich seiner eigenen Schüssel zu. Es war schwieriger als gedacht mit dem blöden Leintuch im Gesicht. Zweimal hatte er den Löffel in die Schüssel fallen lassen müssen, um zu verhindern, dass seine Mahlzeit zur Hälfte in dem Tuch landete. Wenigstens war der Kartoffeleintopf mit ausgelassenem Speck genießbar. Im Gegensatz zu der abscheulichen Brotsuppe war dies ein Festmahl.
Als sie beide fertig gegessen hatten, sammelte eine der Mägde die Schüsseln und Löffel ein. Es war die andere der beiden, doch auch sie würdigte sie keines Blickes. Dragan fragte sich indessen, warum Danica neben ihm saß, wo doch der zweite Tisch auf der anderen Seite der Küche leer war.
„Warum seid Ihr eigentlich hier?“, ertönte ihre Stimme, die sie zum einem Flüstern gesenkt hatte.
Dragan schaute sich kurz um, die Mägde kochten an der Feuerstelle, der Wachmann schnitzte gähnend an einem Stück Holz. Er lehnte sich etwas zu ihr herüber: „Ich denke, das wisst Ihr schon.“
Danica schwang ihr Bein über die Bank und wandte sich ihm zu: „Was soll das bedeuten?“ Ihre eisblauen Augen funkelten gereizt.
„Nun, dass Vakrim sicherlich Spaß hat, wenn er Euch in meiner Nähe platziert und Ihr mir vorgaukelt, wir hätten etwas gemeinsam. Aber ich bin kein Narr. Keine Sorge, so langsam bin ich es gewöhnt, verraten zu werden – es wird nicht überraschend kommen.“ Er ballte unwillkürlich eine Hand zur Faust. Sein Vater hatte ihn damals verraten – in mehrfacher Hinsicht. Die Sache mit Cheydan würde er ihm niemals vergeben. Dann erst kürzlich mit Tiana und dem Zirkel, oder was auch immer das für ein Schauspiel gewesen war.
Ihre Augen verengten sich indessen, ein leises Schnauben war zu hören. „Das glaubt Ihr also?“
Dragan schnaubte ebenfalls. „Etwas schwach, als Rechtfertigung zu dem Vorwurf mich verraten zu wollen.“
„Ihr seid paranoid“, befand Danica kopfschüttelnd und blickte kurz zur Wache, „Und dumm.“
Er beugte sich etwas vor und näherte sich ihrem vermummten Gesicht. „Ach? Bin ich das? Und was ist mit Euch? Ihr seid ebenfalls hier gefangen und schuftet für Eure Kerkermeister für etwas Komfort, genau wie ich. Also wärt Ihr mindestens genauso dumm.“
Ihre Augen verengten sich zu Schlitzen, dann zischte sie, dass er keine Ahnung von ihr, oder was sie durchgemacht hatte. „Also maßt Euch nicht an über mich zu urteilen.“
Dragan lachte leise abfällig und ging wieder auf Abstand, da die Wache ihnen aufmerksame Blicke zuwarf. „Ist das jetzt ein Wettbewerb, wer es schwerer hatte? Was kümmert mich es, was Ihr alles erlebt habt? Einen Dreck.“ Er zog rasch eine Hand an seinen Körper, nach der Danica gerade schlug. „Jeder hat seine Last zu tragen, egal wie sehr sie nach der Scheiße stinkt, die man erlebt hat“, sagte er dabei und schüttelte den Kopf, „Ihr wisst doch genauso wenig über mich. Und als Tochter eines Bojaren hat man auch als Gefangene nicht viel zu befürchten – anders als bei mir.“
Danica zog ihre ausgetreckte, flache Hand zurück und stieß zischend die Luft zwischen den Zähnen aus. „Eure Wortwahl ist genauso mangelhaft wie Euer Umgang mit Frauen.“ Sie schien kurz eine Grimasse zu ziehen und sagte dann verträglicher: „Trotz der fäkalen Metapher, habt Ihr Recht. Ich weiß genauso wenig über Euch, wie Ihr über mich und jeder hat seine eigene Last zu stemmen.“
Überrascht von dem plötzlichen Wechsel ihrer Wortwahl und Art zu sprechen blickte er sie eine Weile an. Man könnte es sogar als versteckte Entschuldigung verstehen, aber dafür kannte er Danica nicht gut genug.
Sie schauten schweigend den Mägden bei der Arbeit zu, dann fragte sie leise: „ Wie habt Ihr das gemeint, dass ich als Bojarentochter nicht viel zu befürchten habe?“
Dragan wandte ihr halb den Kopf wieder zu, doch sie schaute weiterhin den Mägden bei der Arbeit zu. „Nun, die Bojaren haben in Govedalend schon immer viel Einfluss gehabt. Da sie am meisten Land besitzen, stellen sie einen Großteil der Soldaten und deren Verpflegung. Und man verscherzt es nicht mit einem Bojaren, der sonst vielleicht nur die Hälfte an Regimentern schickt, oder mal vergisst die Handelswege in andere Provinzen zu sichern. Oder er verweigert die Kornlieferungen in die Städte vor dem Winter.“ Er stoppte und atmete tief durch. Eigentlich hatte er das Wissen nicht mehr gebrauchen wollen, das ihm sein Vater eingebläut und dutzende Lehrer ihm in stundenlangen Vorträgen vorgekaut hatte. Dragan wollte weitersprechen, stockte aber dann, als ihm auffiel, dass Danica durchgehend neugierig genickt hatte. „Warum habe ich den Eindruck, dass das etwas Neues für Euch ist?“
Sie zögerte und gab dann ein kurzes, abwertendes Lachen von sich. „Was? Nein, das wusste ich schon. Ich meinte nur, dass Ihr ja gehört habt, was die eine Wache in der Zelle versucht hatte.“
Dragan hob skeptisch eine Braue und murmelte, dass das nicht gerade half Vertrauen aufzubauen. „Und ich bin mir mittlerweile nicht sicher, ob Ihr überhaupt Hilfe nötig hattet, so wie Ihr gebaut seid.“ Danica wollte offenbar empört etwas erwidern, doch Dragan war schneller und sagte rasch, dass er es gut fand. „Ihr könntet Euch verteidigen, da bin ich mir sicher. Ihr zeigt keine Angst oder Einschüchterung gegenüber den Wachen und das was ich von Euch sehen konnte, war beeindruckend muskulös.“ Dragan hatte das eher nur gesagt, um sie aus der Fassung zu bringen, was auch funktionierte.
Danicas Gesicht, das nicht von dem Tuch verdeckt wurde, nahm eine leicht rötliche Färbung an. Sie tippte grob mit einem Finger gegen seine Brust. „Wenn ich auch nur ein weiteres Wort darüber jemals aus deinem, oder irgendeinen anderen Mund höre, dann Gnade dir wer auch immer. Dann mach‘ ich dich fertig.“ Sie funkelte ihn noch einige Augenblicke nachdrücklich an, ließ dann aber von ihm ab. Dragan rieb sich seinen schmerzenden Brustkorb. Ihr Finger war fast wie ein Nagel gewesen, doch das war es wert gewesen. Danica hatte ihren govedalischen Akszent der Allgemeinsprache bei ihrer Drohung abgelegt und somit seinen Verdacht bestätigt.
„Ihr seid nicht von hier, oder?“, konfrontierte er sie damit. Die Reaktion war, dass sie verblüfft ihre Augen aufriss, ihre Hände ruckten hoch zu seinem Hals, bereit ihm den Kehlkopf zu zerquetschen. Sie beherrschte sich im letzten Moment mit Blick auf den Wachmann und beschränkte sich damit, ihm heftig gegen die Schulter zu boxen.
„Mein Unwissen über die Bojaren hat mich verraten oder?“, fragte sie leise und gab einen ziemlich vulgären Fluch von sich, „Und ich hatte mir vorgenommen gehabt, nicht darüber zu reden, um sowas zu vermeiden… verflucht!“
Dragan konnte ein triumphierendes Grinsen nicht unterdrücken, das sie aber zum Glück nicht sehen konnte. Sonst hätte er sich eine Tracht Prügel eingefangen, da war er sich ziemlich sicher. Er räusperte sich leise und antwortete wahrheitsgemäß: „Ihr habt Euch zu gewählt ausgedrückt. Metapher? Im niederen Adel?“ Er schüttelte den Kopf, „Solche Wörter benutzen nur Gelehrte.“
Sie nickte langsam und verstand. „Und das hat Euer Misstrauen geweckt. Deswegen habt ihr mich gereizt und darauf gesetzt, dass ich dabei unvorsichtig werde und einen Fehler mache.“
„Der govedalische Akzent ist schwer aufrechtzuerhalten, wenn man nicht mit ihm aufgewachsen ist – vor allem wenn man emotional wird“, nickte Dragan, „Und Ihr betont die Kehllaute manchmal nicht ausreichend genug, aber das ist mir am Anfang auch nicht aufgefallen.“
Danica wirkte mit dem letzten Satz etwas besänftigter, auch wenn nach wie vor die Fäuste geballt waren. Dragan versicherte ihr, dass er darüber schweigen würde. „Wenn Ihr mir verratet, woher Ihr kommt.“
Sie vermied seinen Blick und schien zu überlegen. Schließlich seufzte Danica tief, dann sie sagte leise, dass sie eigentlich jeden tötete, der ihre Deckung durchschaute. Sie blickte ihm in die Augen. Ihr Blick war hart wie Stahl und Dragan war sich sicher, dass sie schon Leben genommen hatte. „Dann verratet Ihr mir, warum Ihr eingesperrt wurdet“, bot sie einen Handel an.
Dragan war sich nicht sicher, ob sie ihr Wort hielt, nickte aber dann und sagte knapp: „Durch Verrat. Vakrim hat ein besonderes Interesse an mir.“
Danica legte fragend den Kopf schief und beschwerte sich, dass das keine richtige Antwort war und mehr Fragen aufwarf. Auf sein Achselzucken hin, sagte sie knapp, dass sie aus dem Osten kam, jenseits der Weite. Fast war er sich sicher, dass sie dabei ein gemeines Grinsen im Gesicht trug und beließ es dabei. Offenbar vertrauten sie sich beide noch nicht genug für mehr.
„Genug mit Euren Getändel! Da wird einem ja schlecht“, unterbrach die tiefe Stimme des Wachmannes die kurze Stille zwischen ihnen, „Die Stunde ist rum. Marsch in den Thronsaal. Der Fürst will euch beide sehen.“
Danica warf Dragan einen alarmierten Blick zu. Ihre Augen huschten über die mit hauchdünnen Holzstreifen bedeckte Rüstung der Wache und blieb an seinem Waffengürtel hängen, am dem Schwert und Dolch befestigt waren. Dragan schüttelte unmerklich den Kopf. Die Wache bemerkte ihren Blick und fragte blaffend, was es da zu glotzen gab. Sie erwiderte gelassen, dass er sich vielleicht abklopfen wollte, bevor er sie zum Fürsten brachte. Der Mann zischte leise und scheuchte sie von der Bank und hinaus aus der Küche. Dragans Schulterblick verriet ihm, dass die Wache sich hastig die Reste seiner Schnitzarbeit von seiner Kleidung klopfte. Vor den Türen tauschte er einen vielsagenden Blick mit Danica. Sie kamen stumm darüber ein, dass niemand etwas unnötiges über den anderen sagte. In ihm brannte die Frage, wie sie sich als Bojarentochter ausgeben konnte und es nicht aufflog, doch musste er sich gedulden. Es gab noch viele ungeklärte Dinge, doch der Weg zu Vakrims Saal war gepflastert von bösartigen Blicken von Bediensteten, dass er sich immer wieder wunderte, warum man sie so behandelte. Er hoffte, dass es die Unzufriedenen waren, die den momentanen Fürsten und Leute, die für ihn arbeiteten verabscheuten.

Nach einigen Momenten waren sie vor der inzwischen reparierten Tor des Thronsaals des Fürsten. Die Wache klopfte, wartete bis eine Bestätigung ertönte und öffnete. Dragan und Danica wurden wie gehabt vor die Stufen des Throns geführt. Vakrim saß weiter hinten auf der Empore an einem Tisch und blätterte durch einige Pergamente. Ein gefülltes Glas Wein und eine große Kristallkaraffe standen ebenfalls darauf. Dragan versteifte sich. Zu Vakrims Rechten saß Tiana! Sie las ihm gerade eine Auflistung der eingezogenen Soldaten aus einer Provinz vor. Der Wachmann trat vor und räusperte sich laut, obwohl es offensichtlich war, dass man sie bereits bemerkt hatte. Vakrim trank einen Schluck aus seinem Weinglas und hob die Hand. Tianas Stimme verstummte. Sie bickte auf und musterte die Neuankömmlinge. Ihr Blick glitt teilnahmslos über Dragan, der hoffte eine Spur von Reue, Erkennen oder zumindest Abscheu darin zu erkennen. Doch da war gar nichts. Er musste an sich halten. Sein Herz raste, das Blut rauschte in seinen Ohren.
„Sind das die Neuen?“, fragte Vakrim schließlich gelangweilt und  stützte seinen Kopf mit einem Arm auf den Tisch, „Verfluchte Bojaren… Immer fordern und fordern, aber durchsetzen muss ich es.“
„Mein Herr“, sagte Tiana leise – fast schon in einem mahnenden Tonfall und wandte sich lauter an den Wachmann: „Wie kommt es, dass Ihr alleine seid? Wo sind die anderen Wachen?“
Der Mann erwiderte knapp, dass die Gefangenen keine Anstalten gemacht hatten zu fliehen und deswegen nur einer zur Beobachtung dabei sein musste, wenn sie draußen waren. Das schein Tiana zu genügen, denn sie wechselten das Thema: „Also, wie war die erste Schicht bisher?“
„Ausgezeichnet“, antwortete die Wache zu ihrer beider Überraschung, „Oleg und Danica haben gewissenhaft gearbeitet und das Gästezimmer ohne Beanstandung wieder hergerichtet.“
Vakrim gab ein unterdrücktes Prusten von sich und senkte sein Weinglas. Tiana reagierte sofort und tupfte ihm den Wein vom Kinn. Feixend musterte der Fürst die beiden Gefangenen. „Interessante Namen. Nun, selbst ich weiß nicht, wer sich hinter der Maskerade versteckt.“ Er zuckte mit den Schultern, „Wenn es nach mir ginge, ist das unnötig aber es hält die Bojaren still. Sie sind der Meinung, dass man seine Strafe abarbeiten muss. So viele Kerker haben wir nicht.“ Er schnaubte, „Unfähige Idioten. Dann baut man eben Neue… aber ich schweife ab. Wo war ich?“ Tiana wisperte ihm etwas in das Ohr.
„Starr‘ sie nicht so mörderisch an“, zischte Danica leise neben Dragan hastig, „Bleib ruhig.“
Er atmete tief durch. Ihm war gar nicht aufgefallen, dass er seinen ganzen Körper angespannt hatte und bereit war die Stufen hinaufzustürmen, die Karaffe in Vakrims Gesicht zu werfen und ihm mit den Splittern den Hals durchzuschneiden. Dann würde er Tiana ihrer gerechten Strafe zukommen lassen. Lange und blutig. Dragan atmete mehrfach aus, während seine ehemalige Weggefährtin unvermindert in das Ohr Vakrims flüsterte.
Schließlich räusperte sich der Fürst großspurig und verkündete aufgeplustert: „In Anerkennung für eure harte Arbeit, werdet ihr nicht mehr in die Kerkerzellen zurückkehren müssen. Ich, Vakrims Castav wandle Kraft meines Amtes als Herrscher von Govedalend unter seiner Gnaden König Goran, eure Kerkerstrafe in strengen Hausarrest im Dienste der Fürstenkrone um.“
Dragan brauchte einen Moment um die Worte Vakrims zu verdauen – sie waren viel zu umständlich und hochtrabend formuliert. Ein Mundwinkel des Fürsten zuckte. Bevor einer von ihnen etwas sagen, oder zu lange darüber nachdenken konnte, setzte Vakrim nach: „Ich hoffe, ihr werdet Gefallen an dem Zimmer finden. Tiana, zeige es ihnen und erkläre die Regeln.“
Die Verräterin erhob sich sogleich aus ihrem bequemen Stuhl und verneigte sich. „Natürlich, wie Ihr wünscht.“ Sie strich sich ihre Haarsträhne aus dem Gesicht und stieg von dem Podest hinab, „Folgt mir.“ Erneut würdigte sie Dragan keines Blickes. Wie auch, ging es ihm plötzlich auf, selbst Vakrim erkannte ihn nicht. Auf dem Weg erklärte Tiana ihnen die Regeln. Sie mussten sich angeblich ein Zimmer teilen, weil die Bojaren und anderen Würdenträger noch am Fürstenhof weilten. Dragan vermutete eher, dass Vakrim diese Art von Scherzen amüsant fand. Sie schwadronierte weiter und  widerholte in etwa die Regeln, die sie schon kannten, allerdings mit der Erweiterung, auch wenn sie unter sich waren die Gesichter zu verbergen. Danica warf säuerlich an, dass man das nicht kontrollieren konnte. Tiana gab ein falsches Lachen von sich und sagte, dass die Wachen, die ihre Gesichter schon kannten das kontrollieren würden und in den Knoten ein Band einknoteten. Wenn man den Knoten öffnete, konnten nur die Wachen ihn wieder knoten. „Es klingt simpel und einfach zu umgehen, das ist es aber nicht, „mahnte die Verräterin streng, „Die Wachen kennen als einige diese Art zu knoten. Öffnet man ohne Erlaubnis diesen, muss man dann einen Helm tragen, der von einem Schmied verschlossen wird. Nur so können wir die Gesichter unserer Gefangenen schützen.“
Dragan hatte selten Helme getragen, doch wusste er, dass die Dinger verflucht schwer sein konnten. Tag und Nacht gegen seinen Willen so ein Ding zu tragen, konnte schon als Folter verstanden werden. Danica hatte inzwischen die Frage gestellt, warum man so einen Aufwand betrieb die Gesichter zu verbergen.
Tiana stoppte kurz im Korridor und schaute sich um. „Es gibt viele Verschwörungen am Hof“, sagte sie leise und Dragan war sich fast sicher, dass sie schauspielerte, „Und besonders Fehlgeleitete, die Herrn Vakrims Anspruch auf die Fürstenkrone nicht anerkennen. Sie hassen jeden, der in seinen Dienst steht. Besonders Gefangene, die für ihn arbeiten – da sie vermuten, dass sie sie verraten haben, oder es tun werden.“
So wie du mich verraten hast, schrie Dragan im Gedanken. Danicas Stimme brachte ihn wieder zu Gesinnung: „Schöne Geschichte. Sagt doch einfach, dass Ihr die Gefangenen versucht auf Eure Seite zu ziehen, mit Zuckerbrot und Peitsche.“
Tianas bisher gleichgültige Züge nahmen einen düsteren, fast schon niedergeschlagenen Ausdruck an. Es war das erste Mal, dass sie eine so starke Gefühlsregung zeigte. „Führt sie zu ihrem Zimmer“, befahl sie der Wache knapp und wandte sich abrupt auf den Hacken ab.
„Na großartig“, murmelte Dragan und wusste jetzt gar nicht mehr, was er von ihr halten sollte. Hatte sie ihn wirklich verraten? Hatte sie den gesamten Zirkel auffliegen lassen? Wofür? Was sollte das Gesicht gerade? Was war mit Ukko, Nerassa und vor allem Kenshin? Fragen über Fragen, auf die er sich keinen Reim machen konnte. Sein Blick huschte zu Danica, die ebenfalls ein Mysterium war. Was wollte sie hier? Woher kam sie? Ihr Blick traf den seinen. Rasch schaute sie nach vorn. Dragan schnaubte. Das hatte ihm gerade noch gefehlt. Sein Gefühl riet ihm aber, dass sich die drängendsten Fragen sehr bald beantworten würden. Sie stoppten vor einer unscheinbaren Eichentüre.
„Wir sind da“, sagte der Wachmann und zog ein Stück Kordel aus einem Beutel an seinem Gürtel, „Oleg, du kommst kurz mit. Danica, du wartest hier. Eine deiner Wachen kommt gleich.“ Der Mann zog einen großen Ring mit Schlüsseln hervor und fand nach einigen Versuchen den Richtigen. Er schloss auf und schob Dragan durch die Tür. Es war ein relativ geräumiges Zimmer ohne Fenster. Eine kleine Feuerstelle mit Rauchabzug war in einer Ecke gebaut. Rechts und links von der Tür stand jeweils ein simples Bett. Eine weitere Tür an der gegenüberliegenden Wand erregte seine Aufmerksamkeit.
„Wohin geht’s da?“, fragte Dragan, während der Mann sein Mundtuch neu verknotete.
„Ein Waschraum, da gibt es eine Waschschüssel und sogar einen Holzbottich. Das Wasser müsst ihr euch aber selber holen. Oh, und natürlich eine Ecke als Abort, den ihr ebenfalls selbst sauber machen müsst.“
Dragan brummte, dass er verstanden hatte. Der Wachmann klopfte ihm auf die Schulter und sagte, dass er fertig war. „Kapitan Marek lässt ausrichten, dass er einen Verbündeten holt. Einen Markis. Solltet Ihr eines der Ziele vorher finden – ihr wisst welche, dann zögert nicht.“
Er fuhr herum, doch der Wachmann war bereits vor die Tür getreten. Danica stand vor ihm und blickte sich aufmerksam in dem Zimmer um. Sie ging an ihm vorüber und schaute in den angrenzenden Waschraum. Dragan konnte sehen, dass auch sie bereits eine Kordel in ihrem Knoten im Mundtuch hatte. Der Knoten sah tatsächlich ziemlich kompliziert aus, doch es kümmerte ihn nicht großartig. Er muss nicht ihr Gesicht sehen, so neugierig war er auch wieder nicht. Es besteht noch immer die Möglichkeit, dass sie ein falsches Spiel spielt, dachte er sich, während Danica das Bett von der Tür aus rechts in Beschlag nahm. Dragan hatte das erwartet, so musste er in dem Bett schlafen, auf das man direkt blickte, wenn man das Zimmer betrat. Danica wirkte zufrieden und verkündete, dass sie etwas Wasser holen ging, um sich zu waschen. „Das solltet Ihr auch mal versuchen, wenn Ihr nicht im Waschraum schlafen wollt“, verkündete sie, als sie mit einem großen Eimer in der Hand an ihm vorbeiging, „Und dass Ihr Eure Finger bei Euch lasst liegt auf der Hand, sonst breche ich sie.“
Ohne dass Dragan etwas antworten konnte, fiel die Tür geräuschvoll ins Schloss. Er schüttelte nur den Kopf und machte sich daran ein kleines Feuer in der Feuerstelle zu entzünden. Immerhin war er nun im Fürstensitz. Die Anlage war zwar riesig, aber es war besser als in einer Zelle zu sitzen, selbst wenn er hin und wieder die Visage von Vakrim ertragen musste. Und er konnte wirksamer herumschnüffeln - genau im Herzen der Schlangengrube und unter der Nase sämtlicher Würdenträger. Nach und nach hatte er sich selbst überzeugt, dass er die richtige Entscheidung getroffen hatte, dennoch vertraute er noch niemanden, den er bisher getroffen hatte.


Markis russisch,wörtl: Markgraf. Hoch angesehener Titel, direkt unterhalb des Fürsten angesiedelt.
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[Edain] Bug Reports / Re: Gondor Bugs
« Letzter Beitrag von RuDii am Gestern um 18:18 »
Arnor ranger tents randomly build into ithilien ranger tents and recruit ithilien rangers unless demolished and rebuilt. Usually happens among the first three ranger tents to be built.
3
[Edain] Bug Reports / Re: Map-specific Bugs
« Letzter Beitrag von RuDii am Gestern um 18:15 »
Old forest:- Immortal AI, destroyed all outposts, farms, fortress buildings and all wall hubs but AI does not get defeated. The immortal AI began on the top left spot.

Tower hills:- 1K start gives random players 3K, on a 2v2.
4
[Edain] Bug Reports / Re: Bugs of Horde maps
« Letzter Beitrag von RuDii am Gestern um 18:11 »
Stonewain valley, with two players causes an auto defeat for player on the left. The fortress/citadel does not build itself.
5
As it stands, heroic units are more often than not fairly useless (at least that's the impression I got from the little meta I saw), barring a few exception.
I know there was some talk on Discord about this, but I simply don't agree with this premise. Let's be specific about the heroic units that are recruitable:
  • Mordor has three heroic units, two of which are considered very good or op in pvp and the other one is decent
  • Isengard has one semi-heroic unit which is considered op
  • Rohan has one heroic unit which is commonly used
  • Gondor has two heroic units, one of which is considered op and one is rarely used
  • Imladris has three heroic units, none of them are built very often
  • Lothlorien has two heroic units, both are considered very powerful
  • Dwarves have one heroic unit, which is almost never seen
  • Angmar has two heroic units (if you don't count Werewolves) which are rarely seen

There are plenty of heroic units that are used in pvp, even though as lategame units they are the least frequent of all unit types simply because not every game will last that long. As far as pvp goes, I think it's much more fitting to say that there are some heroic units who underperform and could receive some buffs rather than saying the heroic units are bad in general. Even then, units like Lindon Guardians of Veterans of the Last Alliance aren't actually bad, they just suffer from Imladris being relatively weak currently and therefore you often die before recruiting them.

I think it would be far more useful to look at the individual units and come up with suggestions for them. Veterans of Khazad-Dûm are never used because the Travel Camp is unattractive in pvp. Imladris needs buffs. Guardians of the Citadel don't offer enough advantages over Tower Guards, so let's tweak their abilities.
6
Rhun / Ein verwüstetes Gästezimmer
« Letzter Beitrag von Curanthor am 4. Dez 2021, 05:26 »
Als Dragan mit Danica von den Wachen in eines der Gästezimmer geschoben wurde, bot sich ihnen ein Anblick eines Schlachtfelds. Die Einrichtung war bis auf das Bett in Trümmern, Holz- und Glassplitter lagen auf dem Boden verstreut. Doch am meisten fielen ihnen die zahlreichen Blutspritzer auf den dunklen Holzdielen auf. Von der großen, halb getrockneten Blutlache vor dem Bett gar nicht zu reden. Hier hatte offenbar ein heftiger Kampf stattgefunden, den jemand offensichtlich haushoch verloren hatte – eine lange Schleifspur aus der Blutlache heraus zur Tür deutete darauf hin. Eine vermummte Gestalt tauchte hinter Dragan und Danica auf. Die Wachen kontrollieren kurz die beiden Eimer, die Lappen und das Mundtuch der anderen Bediensteten. Sie hielt den Blick gesenkt, während Danica und Dragan sich einen fragenden Blick zuwarfen. Die Wachen bedeuteten ihnen die Sachen entgegenzunehmen und schlossen danach die Tür. Dragan blickte in den Eimer in seiner Hand. Es war ein kristallines, weiß-hellrotes Zeug, das er schon einmal gesehen hatte. 
„Salz“, murmelte Danica leise und hielt eine Kartoffel in der Hand, „Als Frau weiß man, wie Blut zu beseitigen ist.“
Ohne viel Federlesens nahm sie einen lädiert aussehenden Leinenlappen in die Hand und begann das frische Blut damit aufzuwischen. Dragan wunderte sich, dass sie gar keine Abscheu zeigte. Er vermutete, dass sie nicht zum ersten Mal menschliches Blut sah. Normale Menschen hätten schon beim ersten Anblick wieder kehrt gemacht, doch Danica schien sich nicht daran zu stören. Sie stopfte den blutigen Lappen in den Eimer Wasser und versuchte ihn so gut es ging zu säubern, dann wrang sie ihn aus und machte sich daran, mehr von der Blutlache zu entfernen. Dragan bemerkte, dass sie ihm hin und wieder missmutige Blicke zuwarf, woraufhin er sich in Bewegung setzte. Den Eimer mit Salz stellte er an die Seite und begann damit, die Scherben, Splitter, Holzstücke und andere Kleinteile, die unter seiner Sohle knirschten zusammenzufegen. Der Reisigbesen dafür hatte schon in einer Ecke gestanden. Er vermied es darüber nachzudenken, was in dem Raum geschehen sein könnte. Er kannte die Gemächer noch aus der Zeit, wo er in dem Fürstensitz gelebt hatte. Dies waren eigentlich die Gemächer der Bediensteten gewesen, genauer gesagt, die Zimmer der Küchenmägde. Einen Ort, den er eher selten besucht hatte, anders als sein Vater. Seine Hand umklammerte den Besen fester. Jemand tippte ihn auf die Schulter. Dragan fuhr herum. Danica stand genau vor ihm, ihre eisblauen Augen starrten ihn ungeduldig ab.
„Oleg“, sagte sie noch einmal und ihre Stimme schien kurz zu wanken. Verkniff sie da gerade ein Lachen? „Um das Blut kümmere ich mich. Stapel du die zerschlagenen Möbel in eine Ecke, jemand anderes wird sie fortschaffen, wenn wir hier fertig sind. Und lasse das Bett wie es ist…“ Dragan stutzte und wollte einen Schritt darauf zu gehen, doch ihre Hand schnellte vor und packte ihn wie einen Schraubstock am Unterarm. „Lass‘ es“, zischte sie plötzlich ernst.
Dragans Hand wurde taub, bis er schließlich nickte und sie ihn frei gab. Mit einem leisen Fluchen rieb er sich den Arm. „Du packst zu wie ein…“ Sie warf ihm einen giftigen Blick zu, woraufhin er sich rasch räusperte, „Hrm, ich meine, du hast einen festen Griff. Beeindruckend.“
Danica warf ihm einen weiteren, abfälligen Blick zu und klatschte den nassen Lappen auf die blutigen Dielen. „Abstoßend. Sag‘ es doch gleich. Das denken alle Männer von mir, wenn sie mich sehen. Das macht mir nichts aus.“
Dragan, der gerade verstohlen das zerwühlte Bett musterte spürte, dass es ihr eben nicht ‚nichts ausmachte‘. Er kannte sie aber nicht gut genug, um es sicher zu wissen und zog es vor zu schweigen. Sie war ihm was Körperkraft betraf überlegen und das genügte ihm, um vorsichtig zu sein. Außerdem wusste er auch nicht, wo ihre Loyalität lag. Gleichzeitig musste er sich stark an sich halten, um sie nicht irgendwie zu veralbern oder irgendwelche Witze zu reißen. Es war anstrengend. Dragan atmete seufzend aus, als er einen zerschlagenen Stuhl zusammensuchte. Ein zerborstenes Holzbein erregte seine Aufmerksamkeit, das er halb unter dem Bett hervorfischte. Es war zersplitterte, als ob ein Riese es als Zahnstocher benutzt hatte.
„Passiert das hier öfters?“, fragte er seine Mitleidende und schwenkte das zerborstene Stuhlbein vielsagend umher.
Danica atmete entnervt auf, erhob sich und kam rasch auf ihn zu. Grob rupfte sie ihm das Holzbein aus der Hand und warf es auf den kleinen Haufen, den er bereits aufgeschichtet hatte. „Du stellst zu viele Fragen, Oleg.“ Ohne ein weiteres Wort wandte sie sich wieder ab und schrubbte mit einer Bürste und dem Salz das eingetrocknete Blut von den Dielen.
„Bitte, dann eben nicht, Frau Gorilla“, brummte Dragan. Etwas kam in seinem Augenwinkel angeflogen. Seine Hand schnappte das Geschoss aus der Luft, das ihn sonst am Kopf getroffen hätte. „Aber, aber, wer wird denn gleich gewalttätig“, tadelte er, mit der gefangene Bürste in der Hand wedelnd.
Danica erhob sich, ihr Blick schien ihn zu erdolchen. Ihre blasse Haut hatte eine rötliche Färbung angenommen, die Dragan dazu riet nicht zu weit zu gehen. Sein Blick wanderte zu ihren narbenüberzogenen, geballten Fäusten. Die Knöchel waren beinahe weiß. Er schluckte unmerklich. Danica kam gemächlichen Schrittes zu ihm herüber und erst jetzt hatte Dragan Gelegenheit sie genauer zu betrachten, denn das breite Kreuz und die trainierten Schultern waren nun bedrohlich angespannt. Sie stoppte zwei Schritt vor ihm und reckte herrisch eine Hand. Die andere blieb trotzdem geballt. Dragan verstand erst nicht, beeilte sich aber dann, ihr die Bürste zu reichen. Sie packte seine Hand zusammen mit dem Holzstück und drückte zu. Überrascht von dem plötzlichen Schmerz keuchte er leise, während Danica zischte: „Ich bin nicht zu solcher Art Scherze aufgelegt. Ist das klar?“
Dragan nickte und antwortete rasch: „Verstanden. Verzeiht, mein Fehler… auch wenn das eher davon kam, dass ich den Namen Oleg nicht sonderlich mag – und ich generell gerne Scherze.“
Danica ließ los und schien besänftig, denn ihre Haltung wurde wieder lockerer. Sie drehte ihm den Rücken zu und machte sich wieder an den blutigen Boden. Etwas verdutzt von dem plötzlichen Gesinnungswandel blinzelte Dragan mehrmals und schaute ihr einen Moment bei ihrer Arbeit zu. Sein Blick wanderte dabei unwillkürlich zu dem Bett. Seine Neugierde ließ nicht locker, doch er wollte nicht noch einmal mit ihr aneinander geraten. Es wäre wohl klüger, erst einmal die Arbeit hier soweit zu erledigen, dachte er sich und ließ dem Gedanken auch Taten folgen. Ohne weitere Zwischenfälle räumte er weiter das Zimmer auf, fegte Bruchstücke zusammen und schob unter Danicas scharfen Blick das Bett an seinem Platz. Sie hatte inzwischen den Boden soweit von dem meisten Blut befreit, auch wenn noch eine dunklere Färbung des Holzes darauf hindeutete, was hier geschehen war. Während ihrer Arbeit tauchten die Wachen in unregelmäßigen Abständen auf und kontrollierten, ob sie auch fleißig waren. Dragan vermutete, dass einer von ihnen durchgehend vor der Tür stand. Mehrmals hörten sie kurze Gespräche durch das Holz, die meist sehr knapp gehalten waren. Auf einmal hörte man sehr deutlich die Stiefelabsätze von jemand, der auf den Gang vor der Tür entlangschritt. Dragans geübtes Gehör erkannte es als eine Frau, die einen recht langen Schritt hatte, also wohl ziemlich lange Beine besaß. Aus dem Augenwinkel sah er, wie Danica in der Bewegung erstarrte. Die dumpfen, regelmäßigen Schritte auf dem Dielenboden wurden langsamer, je näher sie der Türe kamen. Dragan blickte abwechselnd auf das Schloss und auf Danica. Offenbar wusste sie, wer dort auf dem Flur war, denn sie war zur Salzsäule erstarrt. Es war das erste Mal, dass Danica eine Schwäche zeigte. Furcht. Dragan schluckte unmerklich und blickte wieder hastig zur Tür. Die Schritte verstummten. Direkt vor dem Holz. Ein unangenehmes Kribbeln kroch ihm über den Rücken. Plötzlich kam ihm die Eichentüre so vor, wie dünnes Papier. Selten hatte er so etwas gespürt. Nur zu einer Zeit, in der er in der Welt der Schatten gelebt hatte. Ein Moment war er dennoch froh, dass dieses dünne Stück Holz zwischen ihm und dem, was auch immer auf dem Flur zwischen ihnen war. Dann ertönten wieder die Schritte auf dem Holz. Sie entfernten sich zügig. Dragan schüttelte sich, um das Kribbeln loszuwerden und atmete unmerklich aus. Danica gab ebenfalls ein hörbares Keuchen von sich.
Noch einmal blickte er zu Tür – um sicher zu gehen, dass die Person weitergegangen war, dann ging er zur Danica und fragte leise: „Du weißt, wer das war?“
Die Kriegerin blicke auf, dann zur geschlossenen Türe und schüttelte langsam den Kopf. „Ich weiß nicht was es ist, aber ich bin dem Ding nur knapp entkommen.“ Sie schaute sich noch einmal um, so als ob noch wer im Raum sein könnte, „Als ich hier herkam, reiste ich mit einer Karawane. Wir machten Rast auf einer Seebrücke. Diese Schritte, der durchdringende Geruch von Blut und die Schreie der Sterbenden in der Nacht. Das werde ich nie vergessen…“ Danica schüttelte sich und blickte wieder zur Tür, „Es waren genau die gleichen Schritte. Da bin ich mir absolut sicher.“ Sie atmete tief aus, um sich zu beruhigen. „Vielleicht ist es ein Nachtmahr.“
Dragan runzelte die Stirn. „Heißt es nicht, dass ein Nachtmahr die Gestalt wechseln könnte?“
Danica zuckte mit den Schultern und wollte etwas darauf erwidern, doch Stimmen vor der Tür ließen sie beide aufspringen. Dann würde die Eichentür aufgezogen und ein untergesetzter Mann trat herein, auch wenn seine stämmige Statur eher von seinem hohen Gewicht kam. Er hatte kleine, wässrige Augen, unter denen dunkle Ränder lagen. Er trug einen schmutzigen rostbraunen Bart und fettige, schulterlange Haare. Dragan kam ihn vor wie ein fetter, scheinheiliger Schmierendarsteller.
„Sind sie das?“, fragte der fremde Mann, dessen Körper in einem zu kleinem Wamst steckte. Ein Gürtel unter gehöriger Spannung hielt die weite Hose oben. Dessen Stimme war irgendwie zu hoch und quakte misstönend.  Eine Wache stand ebenfalls in der Tür – das kantige Gesicht zu einer stählerneren Grimasse verzerrt. Irgendwo zwischen der Beherrschung nicht amüsiert zu wirken und Abscheu.  Der Wachmann bestätigte knapp und nannte den Kerl „Herrn Branko“. Diesem gefiel das ganz und gar nicht, denn er wandte sich der Wache zu und forderte diese auf, ihn bei seinem Bojaren-Titel zu nennen.  Dragan blickte flüchtig zu Danica, die den dicken Bojaren mit offenem Hass entgegenstarrte. Er rückte etwas näher an sie heran, den Bojaren immer noch im Blick. Dragan musste sich hüten, nicht angewidert den Kopf zu schütteln. Zu den Zeiten seines Vaters hätte es niemals so fette und offensichtlich arbeitsunwillige Bojaren gegeben. Offenbar verschenkte Vakrim nun Adelstitel, um sich beim Volk beliebter zu machen, mutmaßte Dragan im Gedanken und verfolgte die Diskussion, die sich plötzlich um sie beide drehte, als Bojar Brankos wurstige Finger auf Danica deutete. Angestachelt von Mareks Worten – endlich nicht nur an sich selbst zu denken, wollte er einen Schritt vor die Kriegerin machen, doch sie hielt ihn zurück. Er schnaubte kaum hörbar und zischte: „Also gut, selber schuld.“
„Ich kann auf mich selbst aufpassen“, giftete sie wispernd zurück.
„Die da“, verkündete Branko nun laut und gebieterisch, „Nehme ich jetzt mit in mein Gemach.“
„Der Hauptmann - “, wollte die Wache entgegnen, doch Branko unterbrach ihn rasch: „Siehst du ihn hier irgendwo? Soweit ich weiß, ist Hauptmann Marek nach Velgorod unterwegs und wird erst in zwei Tagen zurückkehren.“ Der Bojar leckte sich anzüglich über die Lippen, „Und was er nicht weiß…“
„Sie wird Ihnen vorher die Nase brechen“, hielt die Wache dagegen und sprach beim aufkommenden Prostest des Bojaren lauter, aber deutlich unwillig weiter, „Es hat fast fünf Männer gebraucht sie zu fangen. Zwei können noch immer nicht richtig laufen.“
Doch Branko schien das nur noch weiter zu reizen, denn er blickte Danica fasziniert in einem neuen Licht an und murmelte: „Vielleicht kann ich dafür meinen Gefallen bei Fürst Vakrim einfordern…“
Ehe einer von ihnen etwas sagen konnte, ertönte ein Ruf aus dem Flur. Etwas von einer Versammlung. Der Bojar fluchte laut und trat gegen den Türrahmen, nur um leicht humpelnd davonzustürmen. Der Wachmann atmete hörbar auf und murmelte: „Verdammter Idiot, ich hoffe er erstickt bei seinem nächsten Mahl.“ Er blickte sie beide noch einmal an abschätzend an und sagte dann: „Geht hier nach euch was in der Küche zu essen holen. Da dürfte noch etwas vom Mittagsmahl über sein. Kommt danach zum Gästezimmer nebenan. Ihr habt eine Stunde, nicht mehr.“
Die Tür fiel ins Schloss. Dragan sah aus dem Augenwinkel, wie Danica ein spitz zulaufendes Stück Holz sinken ließ. Er hatte gar nicht mitbekommen, wie sie da ran gekommen war. Sie warf ihm einen vielsagenden Blick zu und warf das Stück auf den Haufen zerbrochener Möbel, während sie zu dem Eimer mit dem Salz ging. Im Vorbeigesehen sagte sie ihm leise, dass sie schon Erfahrung mit solchen Situationen hatte und keine Hilfe nötig hätte. Sie verteilte das Salz auf den Dielen, den Blutspuren entlang. „Trotzdem danke“, murmelte sie fast kaum hörbar nach einigen Augenblicken. Es ging fast unter dem Scharren des Eimers auf dem Holz unter, sodass Dragan fast nachgefragt hätte. Er brummte nur zustimmend und kratzte sich verlegen am Kinn. Warum er ihr hatte helfen wollen, war ihm selber noch nicht ganz klar. Ihn störte es einfach, wenn Frauen so behandelt wurden, redete er sich selbst ein. Damit konnte er fürs Erste ganz gut leben. Sie räumten die letzten Reste zusammen, wischten das restliche Blut auf, dabei redeten sie wie zuvor kein Wort. Dennoch fiel Dragan auf, dass Danica ihn ab und an beobachtete, wenn sie glaubte, dass er nicht hinsah. Nach einigen hin und her ging ihm auf, dass er ebenfalls hinsah, wenn sie nicht schaute. Er schüttelte den Kopf und packte den schweren Schrank, der an der Wand neben der Tür zur Seite gekippt war. Mit aller Kraft stemmte er den schweren Eichenschrank wieder aufrecht, doch war das Teil verflucht schwer. Plötzlich ging es leichter und der Schrank landete polternd an seinem Platz. Danica stand ihm gegenüber und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Eine blonde Strähne rutschte unter dem Ledertuch hervor, das ihre Haare bedeckte. Ihre hellblauen Augen musterten ihn, dann schob sie eilig die Strähne wieder unter das Tuch.  „Sowas macht man besser zusammen“, murmelte sie kaum hörbar und nickte zum Schrank, „Sonst verhebt man sich leicht.“
„Du hast Recht, ich wollte nur fertig werden“, stimmte er ihr zu und änderte rasch das Thema, „Mein Magen knurrt schon.“
Danica antwortete nicht, sondern starrte ihm unvermindert in die Augen. Etwas unangenehm berührt räusperte sich Dragan. Sie blinzelte und machte eine entschuldigende Geste, während sie etwas auf Abstand ging. „Oh, ich … es ist nichts.“
„Ah“, machte Dragan, „Meine Augen“, stellte er fest. Ein leidliches Thema, auf das er schon oft angesprochen wurde. Sonderling, hatte man ihn genannt, manchmal auch Bastard oder Hexer, natürlich nur hinter vorgehaltener Hand. Danica nickte ziemlich verzögert - offenbar tief im Gedanken und schien nicht recht zu wissen, ob sie sich entschuldigen oder ihre Neugierde stillen sollte. Dragan nahm ihr die Entscheidung ab und drängte darauf, endlich etwas zu essen. Das schien Danica aus ihrer Starre zu wecken und sie stimmte mit hörbarer Motivation zu. In Begleitung mit einer Wache, die vor der Küche warteten würde, begaben sie sich in den Teil des Fürstensitz, der von den Bediensteten bewohnt wurde.
 
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[Edain] Bug Reports / Re: Map-specific Bugs
« Letzter Beitrag von Gandalf7000 am 3. Dez 2021, 19:26 »
Imladris AI doesn't work on Dagorlad 6 player map. Imladris were bottom mid and right positions. Played 4000 resource start, no custom heroes enabled. Ring heroes enabled.
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[Edain] General Suggestions / heroic units usage (and lack of thereof)
« Letzter Beitrag von turin.turambar am 3. Dez 2021, 17:54 »
As it stands, heroic units are more often than not fairly useless (at least that's the impression I got from the little meta I saw), barring a few exception. This comes in big part from the fact they're really expansive AND late game, and usually won't add that much to a faction if they're purely midgame troops enhanced.

As a way to avoid it, and considering the few units that DO see use are units slightly easier to recruit than by having all / most upgrades researched, I feel it would be good to allow them to be recruited without any upgrade researched, BUT at a higher price the more upgrades you lack to get them (eventually making them cost even less in lategame than their current price).

This way players would have a choice between getting heroic quite sooner than now, for an increased price, or keep them for lategame at a lesser price, or maybe simply not to get them.

Let me know what you think, and feel free to correct / ignore any false information as I almost never play PvP.
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Hi,

First of all to get you in the mood, this post is about this: https://ibb.co/NjgZLrp.

I recently made some tests on the spell "Influence of the Evening Star (5pp)" from Imladris and its effects, since I always found it quite unclear what it does and if it even works. On one hand, the Edain wiki in English (https://edain.fandom.com/wiki/Imladris#Influence_of_the_Evening_Star) says that the spell gives +50% armor to heroes, double the hp reg and 30% cooldown reduction (CD). On the other hand, in the Edain Searcher it says in English that it only gives more hp reg and 30% CD, while the German tooltip says it gives 25%. So I was quite confused.

The tests were conducted on the custom map "Edain test map" with 5 plots, as Imladris on the top left plot, skirmish game mode with custom heroes. I did tests on various things:
  • A: How much CD does the spell give?
  • B: Does it still give armor?
  • C: How much life reg does it give?

For the tests, I leveled the heroes to level 10 and sent them to be hit be a lvl 5 lair troll next to the base. I alternated between putting them inside or outside the range of the Arwen buff. More details and the results can be seen in this Google Sheet (https://docs.google.com/spreadsheets/d/1Bpsta-5OaY5GdttBvmKglEJbNfq3tzRvQBBAvKnElT0/edit?usp=sharing).

The main takeaways of the tests are:
  • A: The buff manages to give a 25% CD to heroes, it also works for custom heroes.
  • B: Arwen gets a big armor buff, which already can be seen in the Edain Searcher but the buff does not extend to nearby heroes, as they all die from the same amount of troll hits with or without buffs. This should be pointed out when purchasing the spell, as it does not say anything about Arwen getting more armor.
  • C: The "continuous regeneration" she provides according to the spell description in German in the game can be easily misunderstood as a continuous hp regeneration, which it is not. I thought for months that that the Arwen buff would be good for extended fights, while in reality she only applies the heal when out of combat, which completely changes the playstyle. With an out of combat heal boost you want short but intense fights with heroes and then run away to heal up quickly. The wording of the regeneration should therefore be clarified as well. Also, the heal buff appears to be more than double the normal healing rate.
  • Extra thought: Is it justified that Arwen with the 5pp spell can tank more troll hits than all the other heroes as a support? xD Apparently she dies from 15 hits, while Elrond dies from 13 and Glorfindel from 12 lol.

Suggestions
  • 1: Make it clearer what the spell does and what not.
  • 2: Make Arwen less tanky, and maybe give some of that tankiness to surrounding heroes. I don't think it fits Arwen that she gets this big armor boost while running around without armor and only in a dress. Why was the +50% armor to nearby heroes removed btw? I guess it was a bit overtuned, but it could be lowered to 25% maybe.

Extra bug finding:
I found a significant bug with the creep troll. As seen in the sheet, in the second test game I ran the lvl 5 troll dealt significantly less damage, as it suddenly needed more than 30 hits to kill the heroes. I was unable to replicate this, so I am not sure how this could have happened. I ran a third game again, and in this game the troll dealt a "normal" amount of damage again, killing the heroes quite fast with little more than 10 hits.

Feel free to ask any questions.

P.S.: I moved the post here because I thought it is more fitting than in the bug section...




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Rhun / Wiedersehen mit Marek
« Letzter Beitrag von Curanthor am 30. Nov 2021, 22:22 »
Die Tage flossen zäh wie Honig dahin, abgesehen von einem dauerhaften Kratzen und den gelegentlichen Mahlzeiten blieb die Zellentür verschlossen. Dragan verlor nach einer Zeit das Zeitgefühl, aber er wusste, dass die Wachen ihm etwa alle zwei Tage eine Schüssel Broteintopf vor das Gitter setzten. Anfangs war es kaum herunterzubekommen, aber sein Hunger hatte schließlich gesiegt und auch sein Tagesablauf hatte er erst anpassen um nicht verrückt zu werden. Wenn Dragan wach wurde, stählte er seinen Körper mit Liegestütze, Kniebeugen und anderen Übungen, bis zur Erschöpfung, dann legte er sich flach auf den Boden und lauschte. Wenn sein pochendes Herz sich wieder beruhigte und er sich konzentrierte, konnte von oben das Stimmgemurmel der Wachen in der Baracke hören. Dragan konnte nie genau verstehen, was sie sagten, aber er konnte nach geschätzt einer Woche an den Schritten erkennen, wenn sich jemand die enge Treppe hinunter in die Kerker schleppte. Es waren immer drei Wachen, die sich abwechselten. Zwei hatten schlurfende, unmotivierte Schritte, der dritte Wächter hingegen hatte es immer eilig. Er war es auch, der die Schüssel mit einem Stock durch die Klappe in der Türe bis an das Gitter heranschob, sodass Dragan ohne sich zu strecken und zu recken an sie herankam. Und er war es auch, der immer darauf achtete, dass Dragan immer den hölzernen Löffel wieder mit in die Schüssel legte. Einmal hatte er bei einer der anderen Wachen versucht den Löffel zu behalten, aber die eiligen Schritte von oben hatten ihm verraten, dass sein Plan missglückt war. Die Wächter hatten sich Tücher vor dem Mund geschlungen und Kieselsteine in dicke Leintücher eingewickelt. Die Schmerzen von der Prügelorgie hatten ihn noch mehrere gefühlte Tage begleitet. Dragan stemmte sich wieder vom Boden auf, seine Muskeln an den Oberarmen traten hervor und begannen zu zittern. Ausatmen. Dann wiederholen. In seinen Gedanken sprach er immer mit sich selbst. Dann war es wieder da, das Kratzen. Stellenweise ging es gefühlte Stunden. Wenn er aß, selbst wenn er schlief kratzte es ununterbrochen. Vielleicht waren es die Wachen – auf Befehl Vakrims, um ihn zu foltern? Er presste sein Ohr auf dem Boden. Das Kratzen übertönte die Schritte von oben. Dragan fluchte und hieb mit der Faust gegen die steinerne Wand. Putz und kleine Steinchen rieselten auf den Boden. Das Kratzen verstummte. Dragan horchte auf. Erneut schlug er gegen die Wand. Zwei Kratzer hintereinander antworteten ihm. Sein Herz klopfte vor Aufregung. Das Kratzen kam aus der Zelle rechts neben ihm! Anfangs hatte er an Ratten gedacht, oder anderen Nagetieren. Seine Ohren spitzten sich unwillkürlich, als er Schritte vernahm, sie kamen von oben, gingen über seinen Kopf, an das Ende der Zelle. Er biss die Zähne zusammen und ballte die Fäuste. Sollten sie nur kommen, dachte er sich kämpferisch und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Die Schritte verstummten kurz, das taten sie immer, wenn der Wächter die Treppe hinabschritt. Dragan hörte die schweren Stiefel vor seiner Zellentür, dann das Rasseln der Schüssel. Seine Knöchel wurden weiß, so fest ballte er die Fäuste, doch die Schritte gingen weiter. Zu der Zelle rechts neben ihm. Der Riegel wurde zurückgeschoben. Metall quietschte, dann hörte er plötzlich die gedämpfte Stimme einer Frau. Einen kurzen Moment lauschte er gebannt mit klopfenden Herzen. Sie kam ihm unbekannt vor. Dragan atmete erleichtert aus, spitze aber seine Ohren und legte seinen Kopf an die Wand, in der Hoffnung etwas zu erlauschen. Die Wand der Zelle war unsäglich kalt und unfreundlich, und doch hatte die Stimme der Frau aus der anderen Zelle eine warme Färbung, die ihn das vergessen ließ. Sie erinnerte ihn an Cheydan. Er spürte, wie seine Augen etwas feucht wurden. Die Diskussion in der Nachbarzelle wurde etwas lauter – aber war dennoch undeutlich. Die Frau stritt sich mit dem Wächter! Dann schrie sie auf, wieder und wieder. Dragans Körper bebte vor Zorn. Er biss sich auf die Lippen, lief im Kreis und fragte sich was er tun sollte. Gleichzeitig hatte er Angst davor wieder von den Wachen verprügelt zu werden. Dann steigerten sich die Klagerufe der Frau zu einem einzigen, hohen Kreischen. In seinem Kopf platzte etwas.
Dragan brüllte laut auf und tat gegen das Gitter. „Kommt hier her, ihr Schweine!“. Erneut trat er gegen das Zellengitter. Staub prasselte aus Löchern, in denen die metallenen Verstrebungen in der Decke verschwanden. „Seid ihr nicht Manns genug? Müsst ihr euch an Frauen vergreifen!?“ Seine Tritte hallten laut wieder. „He! Ihr da drüben! Kommt her, und ich reiß dir den Kopf ab!“ Sein Kopf dröhnte wie eine Kriegstrommel, doch es zeigte Wirkung. Das Kreischen seiner Zellennachbarin verstummte. Laute Schritte erklangen von oben. Es waren mehr als zwei. Das Fußgetrappel verstummte kurz, dann waren sie die Treppe heruntergekommen. Er verharrte am Ende der Zelle, die schützende Wand im Rücken.

„Was soll dieser Lärm!“, donnerte eine unbekannte, tiefe Stimme im Zellenkorridor mit einem autoritären Tonfall „Ruhe verdammt!“

Dragan atmete flach. Er könnte hören, wie auch aus den anderen Zellen ein Tumult zu hören war. Der Wächter brüllte mehrfach, drohte Peitschenschläge an und Kürzungen der Essensrationen. Letzteres zeigte Wirkung, das Dröhnen, Rufen und Protestieren der Gefangenen verstummte langsam.
Dragan konnte das Gespräch vor seiner Zellentüre belauschen, als die tiefe Stimme wutentbrannt die benachbarte Zellentür aufriss und donnerte: „Was zum Himmel denkst du, was du da tust?!“
Dragan konnte die Erwiderung nicht verstehen, doch die polternde Antwort des vermeintlichen Anführers der Wachen: „Schwachsinn! Sie ist eine persönliche Gefangene des Fürsten, die Tochter eines einflussreichen Bojaren des Fürstentums, du Idiot! Raus da, sofort!
Dragan atmete erleichtert aus. Scheinbar war der Anführer der Wachen ein fairer Mann.
„Abführen. Und schneidet das da durch. Werft ihn in den trockenen Brunnen, das wird ihm eine Lehre sein.“ Dragan nahm seinen ersten Eindruck zurück, der Kerl war skrupellos.
„Nein!“, flehte der Wächter, „Ich habe doch nur… bitte, nein!“ Ein dumpfer Schlag war zu hören.
„Weg mit diesem Abschaum!“, keifte der Wachführer, dann war seine Stimme plötzlich näher an Dragans Zellentür, „Also er war das, ja?“ Eine unverständliche Bestätigung ertönte. „Gut, aufmachen.“ Eine ebenfalls unverständliche Erwiderung war zu hören. „Wie war das? Willst du dem da draußen etwa Gesellschaft leisten? Nein? Gut, jetzt schwing' deinen Arsch hier her und mach auf.“ Dragan fluchte leise und rückte in die Ecke der Zelle. Der Schlüssel zu seiner Zellentür wurde ins Schloss gesteckt, dann war sie auch schon offen. Blendender Fackelschein leuchtete ihm ins Gesicht. Dragan kniff die Augen zusammen. Im Durchgang stand eine massige Gestalt.
„Ugh, wann habt ihr das letzte Mal die Zelle sauber gemacht?“, wandte sich der Anführer an seine Untergebenen, ohne eine Antwort abzuwarten „Unglaublich, unfähiges Pack. He, du. Steh‘ gefälligst auf, wenn du Besuch hast.“
Dragan drückte sich an der Zellenwand in die Höhe. Ihm kam die Stimme entfernt bekannt vor. Der Mann trat nun vor, nah an das Zellengitter heran. „Du siehst scheiße aus“, befand der Anführer, ein zahnlückiges Grinsen blitzte auf. Dragan blinzelte, bis sich seine Augen endlich an das helle Licht gewöhnt hatten. Das Erkennen durchzuckte ihn wie einen Blitz. Cheydans graue Augen blickten ihn an.
„Du?!“, keuchte Dragan ungläubig und umfasste die Gitterstäbe mit beiden Händen, „Bist du’s Marek?“
Kapitan Marek für dich jetzt“, antwortete er mit einem bellenden Lachen und wandte sich an die übrigen Wachen, „Verzieht euch.“  Eilig machten sich die übrigen Wächter davon. Dragan musterte seinen alten Freund. Sein Gesicht sah aus, als ob er gegen einen Stier gekämpft hatte. Seine Nase mehrfach gebrochen, so krumm war sie. Sein Mund hatte einen fast tödlichen Hieb abbekommen, die Lippen gespalten und durch das Grinsen konnte man sehen, dass er nur durch Glück nur ein paar Zähne verloren hatte. Viel hätte nicht mehr gefehlt um ihn den Kopf zu spalten.
„Du siehst auch nicht besser aus“,  befand Dragan und nickte zu seinem Gesicht.
Marek lachte noch einmal, wirkte aber dabei etwas düsterer. „Der verfluchte Feldzug gegen den Erebor. Dadurch bin ich jetzt dort, wo ich jetzt bin.“ Er deutete zu seinem Gesicht, „Das da ist ein Andenken aus Thal, die haben wirklich interessante Hellebarden.“
„Und wie kommt es, dass du jetzt meinen Kerkermeister spielst?“, fragte er skeptisch und rüttelte ein wenig am Gitter, „Mach‘ das Ding auf, und wir können reden.“
Marek verzog das Gesicht, durch seine Narben wirkte es besonders grotesk. Etwas leiser sagte er: „Ich würde ja gern, aber noch nicht. Wir sind noch nicht so weit.“
Dragan horchte auf und trat näher an seinen alten Freund heran: „Wir?“
„Der Widerstand. Vorher müssen aber noch ein paar Handlanger verschwinden“, wisperte Marek und schaute sich rasch um, „Mein ehemaliger Kapitan - Hauptmann der Stadtwache, Velibor. Der, der dabei war, als du damals fortgingst. Der Kerl ist jetzt Heerführer des Fürstentums - hat viele von uns verraten, um befördert zu werden. Dann der Stadtvogt Bogna. Steuereintreiber und Richter, entscheidet immer für Sauronanbeter und lässt sich bestechen. Von den hohen Abgaben gar nicht angefangen. Dann noch ein paar im Bojarenrat und andere Amtsträger.“
„Du hast es ihnen nicht vergeben oder?“, stellte Dragan unnötig fest.
Mareks Augen flammten vor Zorn auf, „Niemals. Meine Schwester… sie alle haben sie verkauft und verschachert wie billiges Viech. Sie alle werden dafür bluten.“ Seine gepanzerte Hand bebte, „Allem voran Vakrim Castav, dieses elende Schwein. Doch der versteckt sich hinter einer…“ Marek wurde eine Spur blasser und schaute noch einmal über seine Schulter und wisperte, „Eine Schwarzelbe.“
Dragan blinzelte verwirrt. „Und das soll mir jetzt was genau sagen?“
Marek wirkte unsicher und flüsterte weiter: „Nicht so laut! Sie sind skrupellos und grausam. Genau das Gegenteil von Elben. Sie sind böse, ihre Herzen schwarz wie die Nacht. Wenn du einen von ihnen begegnest, sieh‘ zu Boden und rede nicht mit ihnen.“ Von oben ertönten Schritte und Marek wirkte plötzlich getrieben. „Ich kann dich nicht hier rausholen, noch nicht, aber das Leben einfacher machen. Ein paar Stunden im Palast arbeiten und-“
Dragan schnaubt und ließ die Zellengitter los, „Du erwartest ernsthaft, dass ich mir für dieses elende Schwein die Finger schmutzig mache?!“
Marek packte ihm erstaunlich schnell durch die Gitterstäbe hindurch am Kragen und rammte ihn gegen das Gitter. Dragan keuchte, ihm blieb kurz die Luft weg. „Hör‘ mir jetzt ganz genau zu, du kleiner Scheißer“, zischte Marek, „Du bist der einzige, der meine Schwester finden kann. Ich bin in der Armee, ich kann nicht weg. Gefangene können sich ihre Strafe abarbeiten. Doch du bist eine Ausnahme, Vakrim wird dich niemals freilassen, aber er kann sich nicht gegen den Bojarenrat stellen – noch nicht. Sie verlangen, dass jeder Gefangene sich seine Haft mit Arbeit erleichtern kann. Auch du.“ Marek funkelte ihn einen Moment noch wütend an, dann ließ er ihn endlich los, „Also hör‘ auf mit deinem Unfug und tu‘ endlich was für deine Mitmenschen. So wie du es für die nebenan gemacht hast… was ungewöhnlich großmütig von dir war.“
Dragan rieb sich den Hals und spuckte aus. „Sie hat mich nur an Cheydan erinnert…“, murmelte er leise.
„Du bist viel zu besessen von ihr. Lässt dich mit Geheimbünden ein und was weiß ich.“ Marek schüttelte den Kopf, doch seine Mundwinkel wanderten nach oben. „Ich kann dafür sorgen, dass sie gleichzeitig mit dir Schicht hat.“
Dragan hob eine Braue, doch sein Freund lachte und sagte, dass ihm etwas Ablenkung nicht schaden wird. Ihm war der Gedanke, sich auf andere Frauen einzulassen fremd, aber gleichzeitig sehnte sich ein Teil ihn ihm nach Nähe – auch körperliche Nähe. Es war ein zerreißendes Gefühl.
„Hm, wenn du es einrichtest, kann ich sowieso nichts dran ändern…“, brummte er gleichgültig, „Wie kommt es eigentlich, dass du jetzt erst hier bist?“
Marek schien seinen Gedanken zu erraten, denn er ging nicht auf seine Frage ein: „Ihr wart nicht verheiratet und ich denke, sie wird es dulden, wenn du noch eine hast. Sie hat mir mal im Vertrauen erzählt, dass sie dein Herz nicht an sich ketten will.“
Dragan blickte überrascht auf. „Das hat Cheydan erzählt? Wann?“
Sein Freund zuckte mit den Schultern und antwortete nur ausweichend, dass es irgendwann war, bevor sie geholt wurde. Auf Dragans Bemerkung, dass es eine etwas ungesunde Einstellung für eine Frau war, erwiderte Marek, dass es in anderen Ländern normal war, mehrere Frauen zu haben. „Auch ich habe zwei, wobei eine meine Frau ist, die andere nur eine Liebhaberin.“
„Und beide wissen davon?“, hakte Dragan skeptisch nach, „Mutig.“
Marek lachte laut auf, „Sie sind aus Minzhu, das ist da in manchen Provinzen normal. Es war ihre Idee, nicht meine, aber unser Gesetz erlaubt nur eine Frau… glaube ich. Hat mich nie groß gekümmert.“ Ein lautes Klirren von oben erregte seine Aufmerksamkeit, sodass Dragans Freund sich umwandte. „Morgen fängst du an die Böden im Palast zu schrubben, mit ihr.“, Marek deutete mit den Daumen zur Nachbarzelle, „Und keine Sorge, die Gesichter der Gefangenen sind bedeckt. Niemand wird dich oder sie erkennen während ihr arbeitet – und ihr werdet euch auch nicht erkennen, solltet ihr hier rauskommt.“ Er wandte sich ab, hielt aber noch einmal inne: „Oh, und die Wächter stehen bis auf einen unter Vakrims Kontrolle, also sei vorsichtig.“
Dragan hielt ihn noch zurück und fragte, warum er nicht mehr tun konnte, doch Marek winkte hastig ab und sagte, dass er bei dem Fürsten erwartet wurde. Dabei zog er eine Grimasse und versprach ihm, dass es sich bald ändern würde. „Du hast mein Word, alter Freund.“ Marek lächelte entschuldigend, dann schloss er mit zusammengekniffen Lippen  die Kerkertür. Dragan atmete tief aus und ließ sich an der kalten, rauen Wand zu Boden gleiten. Er hätte nie gedacht, noch einen Menschen aus seinem alten Leben zu treffen. Marek war ihm immer nur flüchtig im Palast als Wache begegnet, aber sie hatten schon oft zusammen mit Cheydan in einem Brauhaus gegessen und getrunken. Und vor allem getrunken. Marek hatte Bier saufen können wie ein Pferd. Cheydan hatte sich oft pikiert zurückgezogen, nur um sich dann etwas Wein zu holen. Dragan lächelte versonnen. Sie hatte immer unschuldig getan, dabei hatte sie ordentlich Feuer gehabt. Er blickte auf seine Zehenspitzen und fragte sich, ob Marek tatsächlich Wort halten würde. Ein Kratzen unterbrach seinen Gedanken. Nun störte es nicht mehr. Er musste lächeln, zufrieden durch seine Tat und suchte etwas, mit dem er ebenfalls an der Wand kratzen konnte. Seine Augen flogen über den dunklen Boden. Ein dünnes, längliches Stück nahe am Gitter fiel ihm sofort auf. Er tastete danach und zog es schließlich in die Zelle. Es war der Dorn einer Gürtelschnalle. Dragan grinste in sich hinein. Marek, du alter Gauner, dachte er sich und kratzte mit dem Metallstift ebenfalls an der Wand.

Dragan wachte durch das bekannte Klirren von einem Schlüsselbund auf. Hastig drückte er den Gürteldorn in das kleine Loch, das er in die Wand gekratzt hatte und stellte den Eimer, in dem er sonst seine Notdurft verrichtete davor (während er sich die Nase dabei zu hielt). Keinen Moment zu spät, denn die Tür öffnete sich und die Wachen traten ein. Dragan richtete sich ohne Aufforderung auf und suchte mit dem Blick nach Marek, doch sein Freund war nicht dabei. Es waren drei Wachen, alle mit harten Gesichtern. Einer von ihnen trat an das Zellengitter und schloss es auf. Hinter ihm trat ein anderer vor und hob ein braunes Leintuch. Dragan erinnerte sich an die Worte seines Freundes und trat vor. Er hob die Hände, für Handfesseln, doch die Wachen schüttelten nur den Kopf. Jemand wickelte etwas grob das Tuch vor Dragans Gesicht, sodass nur seine Augen frei waren. Ein anderer stülpte ihn einen schäbigen, abgewetzten Lederhut auf den Kopf und gab ihm einen Klaps auf den Hinterkopf. „Nur Geduld“, wisperte der Mann hinter Dragan, der das Leintuch ordentlich verband. Dann gab er ihm einen leichten Stoß in den Rücken. Zwei der Wachen führten ihn hinaus auf den Korridor. Rechts auf dem Gang erblickte er das erste Mal die Frau in der anderen Zelle. Sie trug ein weites, schmutziges Kleid aus grauen Leinen. Sie war zierlich gebaut, doch waren ihre nackten Beine und Arme von dünnen Narben übersäht, sichtbare Muskeln schlangen sich um ihren Körper, sodass sie wie eine durchtrainierte Kriegerin aussah. Ihre Haare wurden von einem Ledertuch zusammengehalten, sodass man nicht sehen konnte, welche Farbe sie waren. Ebenso wie bei seinem Gesicht, hatte man ihr ein dunkelbraunes Leintuch umgebunden, um ihre Züge zu verbergen. Ihre strahlend blauen Augen musterten ihn jedoch eindringlich. Zwei Wachen waren auch bei ihr und schubsten sie in seine Richtung. Mit einer Aufforderung wurde auch Dragan nach vorn geschubst, ihr Blickkontakt riss ab. „Denkt dran“, sagte einer der Wachmänner laut, „Spricht mit niemanden da draußen. Benutzt nicht eure Namen. Manche Bürger mögen es nicht, wenn Gefangene für den Fürsten arbeiten.“ Jemand stach Dragan in den Rücken. „Du bist jetzt Oleg.“ Der Wächter wandte sich an die Frau: „Und du Boleg.“ Die übrigen Wächter lachten schallend. Dragan wechselte einen Blick mit der Gefangenen, die wütend die Fäuste ballte. Auch der Wortführer bemerkte es. „Was? Gefällt er dir nicht?“ Sie schüttelte den Kopf, woraufhin einer der Wächter einen hölzernen Prügel zückte. Unbeeindruckt stierte sie den Mann an. Der Wortführer zögerte,  zischte aber dann wütend „Verdammt.“ Er bedeutete den Mann mit dem Prügel die Waffe zu senken, „Dann eben Danica. Ihr könnt froh sein, dass Kněz Kapitan Marek noch in der Stadt ist. Bewegung jetzt!“
Dragan beschwerte sich besser nicht über seinen Namen und folgte den Wächtern mit Danica hoch in die Baracke der Wachen. Kurz darauf standen sie in dem Gemeinschaftsbad. Dragan tauschte einen überraschten Blick mit Danica. „Los, ausziehen und waschen. Passt auf eure Kopfbedeckungen auf.“, forderte einer der Wachen barsch.
Dragan gehorchte, da er sich seit Wochen schon nach einem Bad sehnte. Er ging in die Mitte des Bads, wo ein steinernes Becken mit Wasser, vielleicht zwei Mal drei Schritte maß. Er wandte Danica den Rücken zu, die es ihm ebenfalls gleichtat. Rasch wuschen sie sich, ohne sich anzusehen, sehr zu Belustigung der Wachen – die aber erstaunlicherweise so viel anstatt hatten, nur Dragan zu nerven. Danica schien tatsächlich eine wichtige Gefangene zu sein, denn erst, als sie in ein Tuch eingewickelt aus dem Becken stieg, wandten sich die übrigen Wachen ihr zu und führten sie hinaus. Dragan war überrascht, dass sie so schnell fertig war, auch wenn ihm klar war, dass man als Frau wohl äußerst ungern mit einer Horde Männern im Bad sich Zeit ließ.

Nach seinem Bad wurde er in einen angrenzenden Raum geführt, in dem einfache Arbeitskleidung auf schäbigen Bänken lag. Es war ein enger Raum, die Wachen warteten vor der Tür, als sie ihn feixend hineinschubsten. Danica blickte kurz auf und hielt sich ihre Hand vor die Brust. Ihre blauen Augen funkelten bösartig. Dragan murmelte eine Entschuldigung und bedeckte seine Augen, während sie sich rasch eine Hose anzog. Den Anblick würde er trotzdem nicht so schnell vergessen. Mit größter Mühe unterdrückte er ein Grinsen und den Kommentar, dass selbst ihr Hinterteil durchtrainiert war. Damit wollte er eigentlich seine Bewunderung ausdrücken, dass eine Frau so viel trainiert hatte, dass so mancher Mann neidisch werden konnte. Er hörte leise Schritte, dann tippte sie ihm auf die Schulter. Dragan wartete, bis die Tür ins Schloss fiel. Draußen hörte man das anzügliche Gelächter der Wachen. Jemand pochte heftig gegen die Tür und rief, er solle sich beeilen, sonst würden sie ihn nackt durch die Stadt laufen lassen. Dragan fluchte und packte die Bundhose, das Wams und die schäbigen Lederstiefel. Eilig zog er alles an und trat hinaus. Die Wachen lachten und machten Witze darüber, dass er wohl Angst hatte. Danica vermied es ihm in die Augen zu sehen.

Auf dem Weg durch die Stadt wurde nicht gesprochen. Die Wachen achteten darauf, dass immer zwei ihrer Männer zwischen Danica und Dragan waren. Sie ermahnten beide noch einmal, mit niemanden im Palast zu sprechen, den Blick stets gesenkt zu lassen und niemals ihr Gesicht zu zeigen. „Und wenn einer der adligen oder der Fürst selbst euch etwas befiehlt, tut ihr es ohne es zu hinterfragen. Klar?“
Sie nickten so knapp wie nur möglich. Jemand trat ihm schmerzhaft gegen das Schienbein, Danica kassierte einen schallenden Schlag auf den Po der sie zusammenzucken ließ. „Was? Ich habe nichts gehört. Macht mal die Zähne auseinander, sonst schlag‘ ich sie euch aus.“ Dragan konnte sehen, wie sie die Fäuste ballte und sagte für sie beide etwas lauter: „Verstanden.“
Danica brachte kein Ton über die Lippen, doch schien Dragans Antwort den Wachen zu genügen. Sie führten sie beide aus der kleinen Nebengasse, über den Brunnenplatz hinauf zum Palast. Das alte Holzgebäude weckte viele Erinnerung in Dragan, die er absolut nicht gebrauchen konnte. Die dunklen Tore des Fürstensitzes öffneten sich. Überrascht blieb der Tross kurz vor der Treppe und dem Mann, der hervorgetreten war stehen. Er trug einen breitkrempigen Lederhut, an dem eine grüne Feder steckte, ansonsten trug er eine bronzefarbene Rüstung und braunem Wappenrock.
Kapitan“, sagte einer der Wachen offensichtlich überrascht und nervös. Die Wächter machten einen unbeholfenen Knicks oder eine Verneigung.
„Sind das die Zwei für heute?“, fragte Marek gebieterisch und würdigte sowohl Danica als auch Dragan keines Blickes.
„Jawohl, Kněz, sie sind für den Thronsaal und die Gästezimmer eingeteilt“, antwortete eine der Wachen pflichtbewusst.
Mareks Blick huschte über Danica und blieb für einen winzigen Augenblick an Dragan hängen. Ein Augenlied seines Freundes zuckte unmerklich. „Ich weiß. Sie sollen zuerst im Gästezimmer anfangen, der Boden hat es dort nötiger. Im Thronsaal hält der Fürst gerade Hof mit Würdenträgern und dem Bojarenrat.“
Die Wachen blickten sich unsicher an, nickten aber dann. „Wie Ihr befiehlt, Hauptmann.“
Sie schoben sich eilig an Marek vorbei, der die beiden Gefangenen dabei eindringlich musterte. Dragan musste an sich halten, nicht einen Dank zu murmeln, den sowohl Danica, als auch die Wachen gehört hätten. Wäre sein Freund nicht gekommen, würde er noch immer Wochen in diesem Kerker verbringen. Nun hatte er die Chance direkt unter der Nase Vakrims herumzuschnüffeln. Sein Blick wanderte zu Danica. Ob sie wohl heimlich für ihn arbeitete – so wie Tiana? Tat sie dies freiwillig? War das alles nur ein Trick? Dragan wusste es nicht, doch er vertraute ihr erstmal nicht. Selbst Marek war nicht einfach so zu trauen. Zu viel Zeit war vergangen. Dennoch hätte dieser die Tatsache, dass Vakrim gerade mit Würdenträgern und den Bojaren Hof hielt nicht erwähnen müssen – was ein wenig Hoffnung schafft. Er schmunzelte unter seinem Mundtuch und nahm sich vor, so schnell wie möglich mit den Gästezimmern fertig zu werden.



Kapitan dt.= Hauptmann
Kněz  Anrede dt. = Herr
Bojaren = Großgrundbesitzer | Niederer Adel
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