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Autor Thema: Zelte außerhalb der Mauern  (Gelesen 2865 mal)

Tom Bombadil

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Re: Zelte außerhalb der Mauern
« Antwort #30 am: 2. Jan 2010, 19:08 »
Diese Botschaft traf Nerblog erstaunlich schwach. Er hatte von Anfang an gewusst, dass es dem Waldläufer nicht möglich sein würde, den schwarzen Kräften des Mundes zu trotzen. Als Arafaron mit ihm darüber gesprochen hatte, hatte der Ostling ihn zunächst davon abbringen wollen, doch als er die unerschütterliche Entschlossenheit seines Kameraden bemerkt hatte, hatte er ihn ziehn lassen.
"Er ist jetzt an einem besseren Ort", murmelte er und trat näher an das schmucklose Grab. Die Wurzeln des plattgetretenen Grases traten nun aus der umgegrabenen Erde hervor und boten ein nicht besonders ansehnliches Bild. Zwischen einigen mattgrauen Grasbüscheln erspähte Nerblog in der Dunkelheit eine kleine Eichel und hob sie auf, um sie sich genauer anzusehen.
Sie musste uralt sein. Bäume hatte es an diesem Ort sicher seit Jahren nicht gegeben, oder besser: seit Saruman seine Armee hatte aufzustellen begonnen.  Und trotz aller Gefahren, die ihm seither gedroht haben mochten, war dieser kleine Samen völlig unversehrt geblieben.
Schweigend grub Nerblog eine kleine Kuhle in die lose Erde über Arafarons Grab, legte die Eichel behutsam hinein und deckte sie wieder zu. Hoffentlich würde sie auch nach so langer Zeit noch keimen.
Der Ostling wandte sich wieder dem Elben zu.
"Wie ist er gestorben?" 
manana

Thorondor the Eagle

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Re: Zelte außerhalb der Mauern
« Antwort #31 am: 9. Jan 2010, 18:48 »
Amrûn begann die Geschichte von Arafarons Tod zu erzählen. Gefühle durchströmten ihn dabei, die so konträr waren wie Licht und Schatten, doch er zeigte sich stark vor dem Ostling.
Aufmerksam lauschte Nerblog den Worten und aus seinen Augen sprachen das Mitgefühl, die Abscheu gegen den Mund und der Schmerz über den Verlust...

„Der Geist von Arafaron ist nun in höhere Hände. Dort wird er wohl beschützt sein und vor allen Gefahren sicher“, schloss Amrûn ab.
„Sein Ende war sehr ehrenhaft und wahrscheinlich habt Ihr Recht: Ein gespaltenes Leben zu führen, hätte er nicht verdient.“
„Was habt ihr vorhin in der Erde vergraben?“ fragte der Elb.
„Es ist eine Art Abschiedsgruß. Eine Eichel lag hier, vermutlich aus den Zeiten in denen der Fangorn noch bis nach Isengart reichte; wisst ihr, die Eiche ist ein hoch angesehener Baum in meinem Heimatland. Er zeugt von der Geschichte und dem Ruf einer Familie... Hier setzt er ein Zeichen für Arafarons Leben und seinen Tod!“, sagte der Ostling.

Amrûn nickte zuversichtlich und sah wortlos auf den Erdhügel. Einen Moment hielt er noch inne und verabschiedete sich endgültig mit den Worten: „Dieser Same bedeutet für uns Abschied zu nehmen, Abschied von einem Freund und Verbündeten... Aber er bedeutet auch einen Wilkommensgruß für all die Bäume, die einst die Festung Isengart bewohnten. Dieser Baum wird der erste seiner Art sein, der den Orthanc wieder in einen grünen Mantel hüllt. Er soll höher und stärker als all die anderen sein.“

„Ja, lange ist es her, dass Bäume und Vögel hier Einzug hielten...“, erklang plötzlich eine unbekannte Stimme.
Der Elb und der Ostling drehten sich überrascht um und sahen einen alten Mann, gestützt auf einen Stock. Sein Gewand war Braun und sein Bart verklebt von Schmutz. Hinter ihm stand Antien mit einem leicht betrübten Gesicht, was ganz ungewöhnlich für ihn war.
„Radagast? Seid ihr es“ fragte Amrûn, dem das Gesicht bekannt vor kam. Er hatte es bereits einmal in Mithlond gesehen, bei dessen Ankunft.

Der braune Zauberer nickte nur kurz und ging auf die beiden zu: „Ich komme aus Lothlorien mit Galadriel und vielen Elben.“ Er ging zu dem Grab von Arafaron und tröpfelte eine klare Flüssigkeit auf die Stelle wo die Eichel begraben war: „Dieses Wasser wird eure Wünsche erfüllen. Dieser Baum wird alle anderen überragen und schneller wachsen als anderen.“

Er blickte zu dem Elben: „Galadriel hat mir von euch erzählt, ihr seid ein guter Freund von Gandalf nicht wahr?“
„Ja“, sagte Amrûn.
„Wir sind hierher gekommen um Gandalf in den goldenen Wald zu holen. Saruman hat einen mächtigen Zauber auf ihn gelegt. Magie die selbst meine Fähigkeiten in den Schatten stellen...“, antwortete der Radagast.
„Können wir ihm helfen?“
„Wir werden ihn Lorien alles versuchen.“

Mit diesen Worten folgte Amrûn dem Zauberer. Sie gingen in den Mauerring des Orthancs zu Galadriel und Celebithiel. Nerblog folgte ihnen still.


Galadriel, Radagast, Celebithiel, Amrûn, Nerblog und Antien zum Fuß des Orthanc
« Letzte Änderung: 11. Feb 2016, 10:32 von Fine »
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Thorondor the Eagle

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Re: Zelte außerhalb der Mauern
« Antwort #32 am: 11. Jan 2010, 22:03 »
Amrûn, Antien, Celebithiel, Nerblog und Galadriel vom Fuß des Orthancs


Beeindruckt von den Worten Galadriels verlies Amrûn den Mauerring. Es war nun an der Zeit endlich wieder in die Heimat zurück zu kehren. Nach so viel Leid, dass sie erlebt hatten und so viel Kummer freute er sich schon auf eine vertraute Umgebung. Sein Weg würde ihn zwar noch nicht nach Lindon führen, allerdings in den goldenen Wald. Sein Gefühl sagte ihm, dass er es Gandalf schuldig war ihn auf diesem Weg zu begleiten, denn immerhin hatte er ihm das Leben gerettet auf den Ebenen der Westfold.

Der Elb begann seine Sachen zusammen zu packen. Es war nicht viel was er mitgebracht hatte, nur ein Pferd, eine Rüstung und ein fremdes Schwert. Die Sonne war bereits wieder am Untergehen und legte das Tal nun in ein flammiges Rot. Ehe er Isengart verlies ging er ein letztes Mal zum Grab von Arafaron. Er konnte es selbst nicht verstehen, was ihm an diesem Menschen so lag.

Er setzte sich neben den Erdhügel auf dessen Gipfel die Eiche gesetzt wurde.
„Arafaron... Königlicher Jäger. Die Nachricht deines Todes wird Kummer über deine Heimat bringen, aber es ist immer besser Bescheid zu wissen als in Unwissenheit zu verenden. Der Orthanc ist nun endgültig verschlossen und all das Schlechte in deiner Geschichte für immer hinter den unzerstörbaren Fels gesperrt“, Amrûn setzte kurz ab.
Er holte tief Luft und roch den Herbstduft den das Tal endlich wieder durchdrang; das feuchte Laub, der Geruch von grünen Moos und reifen Früchten.
„Ich werde nicht mehr zurückkehren. Lebt wohl Arafaron.“

Er erhob sich von der nassen Erde und sah Galadriel hinter sich: „Du hast also eine Entscheidung getroffen!“
„Ja. Ich kann nicht mehr hier bleiben. Jede Sekunde leide ich mehr, jede Sekunde wird die Last um ein vielfaches schwerer. Ich will nach Valinor gehen, dort kann mich die Vergangenheit nicht in die Knie zwingen“, antwortete Amrûn.
„Von dem Weg den du einschlägst, gibt es keine Umkehr.“
Er musste Schlucken um die Trauer in sich zu unterdrücken: „Das hatte ich niemals vor. Ich liebe diese Gefilde, glaubt mir, mehr als manch anderes auf dieser Welt. Und der Abschied wird mir schwer Fallen... ich werde nicht einmal einen Blick zurück riskieren dürfen.“
„Wenn du so an Mittelerde hängst, warum gehst du dann fort?“
„Weil es nichts mehr gibt, was mich hier hält. Der einzige Grund ist bereit mit mir zu segeln, fernab von Trauer und Krieg will sie ihr Leben an meiner Seite verbringen.“
Galadriel schaut auf den roten Himmel in welchen bereits dunkelblaue Zacken des Nachthimmels reichten.
„Begleitest du Mithrandir nach Lothlorien?“
Amrûn nickte ihr zustimmend zu: „Und dann werde ich nach Mithlond gehen und den Horizont hinter mir lassen.“

Sie strich ihm sanft über die Wange: „Wenn dies dein Weg ist, werde ich dich nicht aufhalten. Nein, ich verabschiede dich mit den besten Grüßen. Ich wünschte so gar ich könnte dir folgen. Doch solange ich diese Bürde trage, werde ich gegen die Dunkelheit ankämpfen“, sagte sie und deutete dabei auf Nenya.
„Dieses Geschenk hilft euch sicherlich die Last der Zeit leichter zu ertragen“, sagte Amrûn.

Galadriel versank in ihren Gedanken. Sie verlor sich im weißen Adamanten des Ringes: „Nein, nicht der Ring hilft mir all das zu bewältigen, sondern meine Freunde, mein Gefährte und mein Volk. Sie machen all die schlechten Jahre erträglich.“
Eine unangenehme Stille stand zwischen den beiden. Der Elb wusste nicht mehr was er darauf antworten sollte.
„Lass uns nun zurückgehen zu Mithrandir, wir müssen aufbrechen“, sagte sie abschließend. Eine einzelne Träne glitt über den seidenen Teint von Galadriel.
« Letzte Änderung: 11. Feb 2016, 10:34 von Fine »
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Thorondor the Eagle

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Re: Zelte außerhalb der Mauern
« Antwort #33 am: 18. Jan 2010, 19:15 »
„Elben, Menschen, Gefährten und Freunde. Die Tage an denen Isengart der Dunkelheit verfallen war, sind vorbei und nun ist es für uns alle an der Zeit unsere Wege weiter zugehen. Jeder der sich uns anschließen will, um den goldenen Wald wieder zu sehen, dem sei es gestattet. Einst war Lothlorien ein verborgener Ort, doch an schwarzen Tagen wie diesen soll es für all jene ein Zuhause sein, die keine Heimat mehr haben“, sagte Galadriel laut und ruhig in die Menge.

Einige der Galadhrim gingen zu der Bahre auf der Gandalf lag, schlafend und mit erleichtertem Gesichtsausdruck. Ein langer Zug aus Elben bildete sich in dessen Mitte sich wieder Galadriel einfand. Ein Stück hinter ihr ging Radagast und neben ihm Antien, die sich unentwegt unterhielten.

Celebithiel und Amrûn standen noch etwas abseits der Mauer. Sie drehten sich um und sahen ein letztes Mal auf den dunklen Orthanc.
„So vieles ist hier geschehen“, sagte Celebithiel.
„Ja, das ist es. So vieles was ich einfach vergessen will“, antwortete der Elb.
Sie nickte und hängte ihren Arm in den seinen: „Ich freue mich schon auf zuhause. Dort haben wir endlich etwas Ruhe.“
Schweigend gingen sie nebeneinander her, bis ihr Blick auf einen bekannten Ostling fiel.
„Nerblog!“, schrie Amrûn in seine Richtung.
Er saß an der Mauer und kauerte vor sich hin. Ab und zu biss er von einem Laib Brot ab und schlang es hinunter. Er schrak auf und stellte sich gerade hin, bis er realisiert von wo die Rufe kamen: „So, ist es nun an der Zeit Abschied zu nehmen?“
„Wenn ihr nicht mit uns kommen wollt.“
„Ich weiß nicht! Ich weiß nicht wo ich hingehen soll, welcher mein Weg ist und wohin er führt.“
„Wenn du es nicht weißt, dann solltest du einen auswählen und sehen wie weit du kommst, nicht wahr?“, sagte der Elb.
„Vermutlich habt ihr Recht, Amrûn“, Nerblog zögerte wieder und man sah ihm an wie schwer ihm diese Entscheidung fiel, da ergriff der Elb nochmals das Wort:
„Ich weiß nicht, wie die anderen Pfade aussehen. Aber wenn du den gleichen Weg wie wir einschlägst, hast du zumindest zahlreiche Verbündete auf deiner Seite und wahrscheinlich ein paar Freunde und das Ziel ist nicht ganz so ungewiss.“
„Meint ihr? Vielleicht brauche ich etwas Zeit um mich zu entscheiden, aber bis dahin schließe ich mich euch an. Ich komme gerne mit.“

Langsam gingen sie den Weg endlang der Grenzen den Fangorns. Die Elben sangen Trauerlieder für Gandalf und über die Schlacht von Isengard. Die Bäume stimmten mit ein und knarrten leise in herbstlichen Wind.

Dann geschah etwas, mit dem selbst Galadriel nicht mehr gerechnet hatte. Aus den Reihen der Bäume trat Flinkbaum heraus, gefolgt von einigen andern Ents: „Haltet ein.“
Der Zug der Elben blieb stehen und alle starrten auf den Baumhirten.
„Der Kampf um den Orthanc ist nun endlich vorbei“, brummte Flinkbaum gemütlich „Ihr habt Frieden in den Fangorn gebracht. Habt dank, Hüterin des Goldenen Waldes.“
„Euer Dank gilt nicht mir, Flinkbaum. Die Rohirrim haben das Tal gereinigt und Mithrandir“ antwortete Galadriel und deutete auf den schlafenden Zauberer vor ihr.

Flinkbaum schien aufgeregt zu sein als er den Zauberer leblos auf der Bahre liegen sah:
„Es betrübt mich zu erfahren, welch großes Opfer der Krieg gefordert hat. Er hat Saruman Einhalt geboten und nun auch dem Mund Saurons. Gandalf ist der Retter des Fangorn, meiner Freunde. Er soll wissen, dass er nicht umsonst gekämpft hat, zumindest nicht für diesen Wald. Wir werden wieder junge Sämlinge pflanzen und das Tal Curunirs wieder in seinen einstigen grünen Mantel kleiden. Dies ist die Aufgabe die wir uns aufbürden um den Sieg zu feiern und Mithrandir zu Ehren.“
Galadriel verbeugte sich vor den uralten Wesen und ihr Volk tat es ihr gleich: „In euch steckt noch mehr Kraft als wir alle vermutet hätten, Wächter des Waldes.“
„Trotz allem ist die Zeit der Kriege für die Ents vorbei. Der letzte Marsch bereits ein Teil der Geschichte. Unser Leben ist die Aufgabe, welche uns zugetragen wurde“, antwortete Flinkbaum.
„Lebt wohl, geliebte Geister des Waldes“, verabschiedete sich Galadriel und der Zug der Elben setzte seinen Weg fort. Sie sahen nur noch wie sich die Ents Richtung Isengart bewegten.



Celebithiel, Amrûn, Nerblog, Antien, Galadriel und Radagast mit Gandalf nach Fangorn
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Vexor

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Re: Zelte außerhalb der Mauern
« Antwort #34 am: 29. Sep 2010, 21:44 »
Celebithiel von den goldenen Wäldern Loriens


Dicke Regenwolken zogen sich über den Himmel und die Sonne vermochte mit keiner Faser ihres Körpers diese Decke zu durchdringen. Wie ein, aus grauen und schwarzen Stoffen, gewebter Mantel hing er über dem spätnachmittäglichen Horizont.
Sie hatte Caras Galadhon über die Westroute verlassen und hatte bereits nach weniger als einer Stunde den Celebrant überquert. Als sie am frühen Nachmittag die Grenze Fangorns erreicht hatte und in das kristallklare Wasser des Limklar blickte, fielen die kalten Tropfen vom Himmel herab und zerstörten die ruhige Wasseroberfläche. Wie Steine die einen Spiegel zerbrechen, stürzten sie auf das Wasser und hinfort war die Ruhe, die der Limklar ausstrahlte.
Der schwarze Turm, der sie in ihren Träumen so oft heimgesucht hatte, zeichnete sich selbst in der anfänglichen Dämmerung scharf und spitz ab; wie ein Dreizack, der aus der Erde herausbrach und Tod und Elend für diejenigen mitbrachte, die in seinem Umfeld standen.
Sie zog die Kapuze tiefer übers Gesicht, damit sie nicht allzu viel des Regens ins Gesicht bekam.
„ Komm schon Lera, gleich bekommst du deine Pause“, befahl sie der weißen Stute und presste ihre Oberschenkel fester zusammen, woraufhin die Stute noch schneller galoppierte.
Der plötzlich aufkommende Wind riss ihr die Kapuze herunter und der Regen peitschte ihr erbarmungslos ins Gesicht. Ihre Haare flatterten, wie aufgescheuchte Vögel im Wind. Doch Celebithiel kümmerte sich nicht darum, denn sie sah die blassen Lichter, der Lager Isengarts, immer näher auf sich zukommen und freute sich, dass in der zerstörten Festung noch ein paar Menschen lebten, so dass sie die Nacht nicht allein verbringen mussten.

Die Menschen und Soldaten Rohans, die in Isengart verblieben waren, nachdem die Elben nach Lórien und die Menschen nach Aldburg gezogen waren, hatten einen Teil der Verteidigungslagen Isengarts wieder in Betrieb genommen. Und nur noch wenig, abgesehen des eingerissenen Walls, zeugte noch davon, dass hier vor wenigen Monaten noch eine gewaltige Schlacht stattgefunden hatten. Die Frauen hatten die Gruben und Verließe Isengarts wieder zugeschüttet und das Tal des Zauberers war nun, wenn auch kahl und verdorrt, wieder eben und glatt.
Banner Rohans und Gondors flatterten im Wind, wie einsame Geister und die letzten Zeugen der gewaltigen Schlacht, die hier stattgefunden hatte.

Celebithiel band ihr Pferd fest und machte sich auf sich ein Quartier für die Nacht zu suchen.
Doch als sie gerade mit einer rohirrischen Frau vereinbart hatte, dass sie das kleine Zelt ihres Sohnes für diese Nacht benutzen durfte, ertönten Hörner. Die Frau war in Aufruhr, denn sie fürchtete einen nächtlichen Überfall plündernder Orks und Dunländer, doch Celebithiel erstrahlte, denn es war das Kriegshorn ihres Volkers.
Imladris war gekommen…
« Letzte Änderung: 11. Feb 2016, 10:48 von Fine »


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Vexor

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Re: Zelte außerhalb der Mauern
« Antwort #35 am: 1. Okt 2010, 17:52 »
Imladris ist gekommen…
Celebithiel sprintete los. Sie ließ die Frau mit der sie gerade gesprochen hatte einfach stehen und lief dem Heer entgegen, was von Westen das Stadttor passierte. Sie sprang dabei über einen eingestürzten Teil der Mauer und unterschätzte dabei die Höhe jener, als sie heruntersprang. Sie rollte sich kurz über den Boden ab und lief keuchend gen Tor. Erschöpft blieb sie auf den schmalen Pfad, der Richtung Orthanc führte stehen.
„ Begrüßt uns jetzt die neue Herrin Isengarts, oder wie vermag ich das zu verstehen?“, ertönte Elronds weise Stimme, die trotz der Ruhe die ausstrahlte, wie eine Trompete durch das Nan Curunir hallte. Er lächelte und unterdrückte ein Lächeln, bevor Celebithiel auf ihn zu rannte und ihn so fest in die Arme sprang, dass es Elrond beinahe von den Füßen riss.
„ Oh Herr Elrond, ich habe dich so vermisst“, schluchzte sie in seinen Armen. Beruhigend tätschelte er ihren Rücken und fuhr ihr durchs rote Haar.
„ Ich dich auch mein Kind, ich dich auch. Aber erzählt, wie ist es auch ergangen? Ich hörte so einige Geschichten über die beherzte Elbe mit den feuerroten Haaren. Ich hörte fröhliches, nachdenkliches und besorgniserregendes. Komm mit, mein Kind.“ Er legte seinen Arm, um ihre Schulter und gemeinsam gingen sie zu dem Zelt, welches die Menschen Rohans für den hohen König der Elben hatten errichten lassen. Celebithiel blickte noch einmal zurück und sah, wie sich die tausenden Elben und hunderter Menschen des Nordens, wie kleine Ameisen verstreuten und ihre Quartiere bezogen.
Das Zelt in das die beiden geführt wurden, war sehr schlicht, aber man hatte versucht Elrond, dennoch einen fürstlichen Empfang zu bereiten. Die Zeltwände waren mit feinen Bannern versehen. Ein blaues mit dem weißen Baum für Gondor, dann noch das grasgrüne mit dem weißen Pferd darauf, was für Rohan stand und sie konnte auch das Loriens, und Imladris` erkennen.
Auf dem kleinem Tisch standen eine Phiole mit Wasser und weiße Tücher mit denen man sich Waschen konnte.
Elrond schenkte Celebithiel ein Glas Wein ein und als sie sich beide gesetzt hatten, fing Celebithiel zum erzählen an, während draußen der Wind und Regen gegen die Zeltwände peitschte. Im Inneren dennoch, merkte man nichts und eine fast schon familiäre Ruhe breitete sich aus, sodass die beiden über mehrere Stunden hinweg über die Ereignisse der letzten Jahre sprach, bevor Celebithiel erschöpft einschlief.

Celebithiel erwachte früh am nächsten Morgen und als sie aus dem Zelt heraustrat hing der Nebel tief im Tal des Zauberers und sie vermochte nicht einmal mehr die Spitze des schwarzen Magierturms zu erkennen. Langsam schritt sie zu einen der Brunnen, die die Rohirrim hatten anlegen lassen, und fing an sich einen Eimer Wasser heraus zu schöpfen. Doch als sie den hölzernen Eimer nach unten gleiten ließ hörte sie auf einmal ein stumpfes „Blonk. Irritiert blickte sie nach unten und erkannte, dass das Wasser im Inneren gefroren war.
Die Zeit vergeht so schnell. Jetzt gibt es sogar schon den ersten Frost.

Ein wenig irritiert suchte sie ihr Zelt auf und wusch sich mit der dem Wasser, welches ihr bereitgestellt worden war. Sie beträufelte ihren Nacken und ihre Hände ein wenig mit dem Rosenwasser, welches sie von einer der Mägde in Lórien erhalten hatte, und fing an die Sachen zu packen. Das gesamte Lager schlief noch, als sie ihre Stute sattelte. Erste Sonnenstrahlen fielen nun über das Gebirge in das Tal des Zauberers, wie flüssiges Gold ergossen sie sich über Hänge und Täler. Leise und auf Zehenspitzen gehend schlich sie sich zu Elronds Zelt. Sie hatte ihm einen Brief hinterlassen, denn sie konnte einen weiteren Abschied nicht ertragen. Celebithiel hatte den Brief bereits auf seine Kommode gelegt, als Elronds Stimme ihr Mark erzittern ließ und vor Schreck hätte sie fast die Phiole mit Wasser umgestoßen.
„ Willst du dich wirklich ohne ein Wort des Abschieds nach Imladris aufmachen Celebithiel?“.
Sie stotterte einen Moment, bevor sich ihre Gesichtszüge wieder besänftigt hatten und antwortete mit klarer und belegter Stimme.
„ Nein Herr Elrond, aber in letzter  Zeit gab es zu viele Abschiede. Zu viele waren für immer. Amrûn, Gandalf, Galadriel und Celeborn…und…und…“. Ihre Stimme versagte, bevor Elrond den Satz für sie zu Ende führte, „ und meine Söhne?“, Er machte selbst eine kurze Pause, bevor er weiter fuhr.
„ Es sind schwere Zeit meine Liebe. Schwere Zeiten durch die wir gehen müssen. Ein Schatten hat an stärke zugenommen und wir wissen alle nicht, wie diese Schlacht für uns ausgehen wird. Dennoch müssen wir kämpfen. Und die Abschiede im Leben sind bedauerlich, keine Frage, aber möchtest du nicht auch all jenen, denen dieses Leid erspart geblieben ist bis jetzt, eine bessere Zukunft schenken?
Ich möchte all den Kindern und auch den Ungeborenen“, dabei legte er seine Hand auf ihren Bauch, was sie leicht zusammenschrecken ließ, „ eine Zukunft schenken, in denen sie keinen Abschied mehr nehmen müssen. Dafür bin ich aus Imladris mit meinem Heer gezogen. Dafür werde ich weiter nach Aldburg ziehen und dort mit den Menschen und Elben gegen die dunklen Scharen kämpfen, auch wenn die Aussichten düster sind. Sollten wir in unseren uralten Stätten verweilen, werden sie um keinen Schimmer besser sind.
Und genau dies ist der Grund, warum du nach Imladris reisen wirst. Dort wirst du auf deine Freunde treffen und gemeinsam werdet ihr durch Eriador und den Westen Mittelerdes reise. Ihr werdet alle Truppen mobilisieren, die ihr auftreiben könnt, um dann zu den Grauen Anfurten zu segeln. Dort wirst du erneut das Meer erblicken und ihr werdet in kein Schiff steigen, um in den Westen zu segeln, hin zu Celebrian, Elladan und Elrohir, ihr werdet ein Schiff besteigen. Nämlich werdet ihr in den Süden segeln und bei der Verteidigung der letzten freien Stadt Gondors helfen. Ihr werdet Dol Amroth aufsuchen, um zu sorgen, dass die Hoffnung der Menschen nicht vollkommen im Staub Saurons erstickt. All dies wirst du tun, und du wirst noch viele Abschiede erleben, aber wenn Sauron besiegt ist, dann wirst du mit denen, die du liebst vereint leben und die Sonne wird über Mittelerde lachen.“
Seine Hand ruhte immer noch auf ihren Bauch und eine einzelne Träne rollte ihr über die Wange, während sie leise „Danke“ flüsterte.


Celebithiel zu den Straßen von Imladris
« Letzte Änderung: 11. Feb 2016, 10:49 von Fine »


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