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Autor Thema: Die Kerker in Dunland  (Gelesen 4699 mal)

Azaril

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Die Kerker in Dunland
« am: 24. Okt 2014, 08:24 »
Aldocs Start:

Aldoc schlug die Augen auf und hoffte, dass alles nur ein schrecklicher Traum gewesen war, dass Farodas noch lebte, Sauron den Ring nicht erlangt hatte und im Auenland alles in Ordnung war. Die Realität empfing ihn mit enttäuschender Dunkelheit, die nur von einem fernen, flackernden Licht ein wenig erhellt wurde, vermutlich von einer Fackel.
Schwerfällig erhob er sich in eine sitzende Position, seine Knochen schmerzten vom harten Boden, auf dem er hatte liegen müssen. Er befand sich in der Gefangenschaft der Dunländer, das wusste er, aber er hatte eine Ahnung, wo genau der Kerker lag, in den sie ihn gesteckt hatten. Nach seiner Gefangennahme waren ihm die Augen verbunden worden, sodass er nicht sehen konnte, wohin ihn die Krieger brachten, aber er meinte sich an Treppenstufen zu erinnern.
Der Kerker lag also wahrscheinlich unter der Erde. Oder vielleicht in einer Höhle in den Nebelbergen? Es war sinnlos, darüber nachzudenken, so schnell würde er die Wahrheit nicht erfahren.
Seine Zelle hatte er schon am ersten Tag ausgiebig untersucht. Sie war quadratisch, auf drei von vier Seiten befanden sich Wände aus rechteckigen Steinquadern, zwischen denen jedoch ein wenig Erde zu sehen war, was die ganze Konstruktion nicht sehr stabil wirken ließ. Die vierte Seite hingegen – er glaubte, es handelte sich um die Südseite – war zu einem langen Gang hin offen, in dem sich Zelle für Zelle aneinander reihte. Dicke Gitterstäbe versperrten den Weg nach draußen.
Die Gitterstäbe waren rostig, aber stabil. Zu Beginn hatte Aldoc lange versucht, sie aus ihren Verankerungen zu lösen oder sich zwischen ihnen hindurch zu zwängen, aber sogar ein Hobbit wie er war nicht klein genug dafür. Ein Fenster, welches eventuell als Fluchtweg hätte dienen können, gab es nicht, und hinter den Wänden befand sich wie gesagt nur Erde. Er bezweifelte, dass er sich dort durch zu graben vermochte.
Alles in allem war es hoffnungslos, er kam hier nicht heraus. Resigniert seufzte er und richtete sich langsam auf, wobei er sich an der hinteren Wand der Zelle abstützte. Er fühlte sich schwach und schaffte es kaum, sich auf den Beinen zu halten, denn die Dunländer gaben ihm nur wenig Essen und Trinken. Gerade genug, um zu überleben, aber zu wenig, um auf lange Sicht bei Kräften zu bleiben.
"Versuch am besten gar nicht aufzustehen", riet ihm plötzlich eine Stimme aus der Zelle gegenüber. Dort lag ein Mann auf dem Boden, offensichtlich ein Mensch. Aldoc hatte ihn schon vor einigen Tagen bemerkt, zumindest glaubte er, dass es Tage waren. Der Körper des Mannes war abgemagert, sein Gesicht eingefallen, seine Augen besaßen einen fiebrigen Glanz. Vermutlich stellte er genau das dar, was auch Aldoc in einigen Monaten oder Jahren darstellen würde: Ein Abbild zu langer Gefangenschaft.
"Warum?", fragte der Hobbit, der es genoss, ein wenig in der Zelle umher zu laufen, damit seine Beine nicht vollends das Gefühl verließ.
"Liegend stirbt es sich leichter", antwortete der Fremde bloß und schloss die Augen. "Aber von mir aus renn umher, so viel Platz hast du dazu ja nicht, Kind."
"Ich bin kein Kind, ich bin ein Hobbit!", berichtigte Aldoc den Menschen. Vermutlich ein Südländer, ein Mensch aus Eriador hätte den Unterschied erkannt.
"Wie auch immer", entgegnete der ausgemergelte Mann nur. "Bald bist du tot, wenn dir das Schicksal gnädig ist. Andernfalls wirst du dir wünschen, tot zu sein."
"Das werden wir ja sehen." Aldoc hatte nicht vor aufzugeben, aber in Anbetracht seiner Situation fiel ihm die Zuversicht ziemlich schwer. Aber das ließ er sich natürlich nicht anmerken. "Ich finde schon einen Weg hier heraus."
"Viel Glück, Kleiner", sagte sein Mitgefangener und öffnete die Augen wieder. "Irgendwann wirst du aufgeben, wie es jeder tut. Sieh dir nur mal den Kerl da drüben an."
Der Fremde deutete auf eine weitere Zelle, in der sich ein zusammengekauerter Mann befand, den Aldoc noch gar nicht bemerkt hatte. "Wer ist das?"
"Keine Ahnung, er spricht nicht. Ist es nicht komisch, dass du während unseres gesamten Gesprächs nicht nach meinem Namen gefragt hast, aber nach seinem fragst du sofort?"
"Stört dich das?", fragte Aldoc mit erhobenen Augenbrauen. "Wir sind doch ohnehin alle tot, wenn es stimmt, was du sagst. Wen kümmern da schon Namen? Aber wenn du darauf bestehst, Südländer, dann will ich dir meinen nennen und du nennst mir den deinen. Ich heiße Aldoc Tuk und komme aus den Auenland."
"Gamling", sagte der Andere schlicht. "Aus Rohan."
« Letzte Änderung: 20. Feb 2016, 23:03 von Fine »

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Re:Die Kerker in Dunland
« Antwort #1 am: 31. Okt 2014, 21:55 »
"Rohan?", wiederholte Aldoc den Namen des Landes. "Dort halten sie Sauron und Saruman noch immer stand. Ich war auf dem Weg dorthin... nach Aldburg, um genau zu sein."
"Aus diesen Plänen ist ja anscheinend nichts geworden", stellte Gamling emotionslos fest. "Und du willst dich tatsächlich nicht hinlegen?"
Aldoc gab keine Antwort, sondern stand nur in Gedanken versunken an die Wand gelehnt in seiner Zelle. Wie hatte es nur geschehen können, dass er in diese Situation geriet? Sollte er nun den Rest seines Lebens in Gefangenschaft verbringen? Der Rest des Lebens... da stellte sich doch die Frage, wie lange dieses Leben noch dauern mochte. Immerhin hatte er vier Dunländer getötet, da wäre es doch nicht überraschend, wenn sie ihn demnächst hinrichten würden?
Er versuchte, seine Gedanken in eine andere Richtung zu lenken. "Dein Volk...", nahm er das Gespräch mit dem alten Mann wieder auf. "...reitet gerne, nicht wahr?"
"Das kann man so sagen", bestätigte Gamling. "Du etwa nicht?"
"Ich habe die meisten meiner Reisen zu Fuß unternommen", erklärte Aldoc. "Die Meinungsverschiedenheite n mit meinem letzten Reittier haben mich schließlich hierher gebracht."
"Was für ein Tier war es? Ein Pony?"
"Ja", bestätigte Aldoc nickend. "Und es war so dickköpfig wie ein launischer Zwerg."
"Ich sah einst einen Zwerg kämpfen, in der Schlacht um Helms Klamm", erzählte Gamling mit unter dem Kopf verschränkten Armen, den Blick zur Decke gerichtet, die er jedoch nicht zu sehen schien, denn er schien in Erinnerungen zu schwelgen. "Seither ist so viel geschehen... damals hatten wir noch Hoffnung. Der Graue Pilger und der Häuptling der Dunedain aus dem Norden führten uns an, wir dachten tatsächlich, wir könnten siegen. Was wir tatsächlich getan haben, eine Zeit lang... aber nun hat der Feind die Oberhand. Sauron wird siegen, daran gibt es nichts mehr zu rütteln."
Aldoc wollte gerade etwas erwidern, wollte dem verzweifelten Mitgefangenen davon überzeugen, dass die Hoffnung noch nicht vollends erloschen war, dass es noch immer möglich war, den dunklen Herrscher zu besiegen, doch er kam nicht dazu, denn plötzlich lachte jemand. Gamling erhob sich vor Schreck in eine sitzende Position, Aldoc dagegen sah sich nur verwirrt um, bis er den Ursprung des Gelächters in einer der anderen Zellen entdeckte.
Es kam von dem zusammengekauerten Mann, auf den ihn Gamling bereits zuvor aufmerksam gemacht hatte und der angeblich nicht sprach. Das Lachen dieses dritten Gefangenen klang nicht nach der Freude, die Aldoc vom Lachen der Hobbits aus sorglosen Zeiten kannte, aber auch nicht nach dem Verzweifelten Lachen, welches er dieser Tage so häufig hörte und das erzwungen und falsch wirkte.
Nein, falsch war an diesem Gelächter nichts, so viel war sicher, es war ein ehrliches Lachen aus tiefen Gefühlen. Nur jagten ihm die Gefühle, die es verdeutlichte, Angst ein. Es war das unkontrollierte, teils freudige, teils grausame Gelächter eines Wahnsinnigen, der irgendetwas belustigend fand, was die anderen nicht erkennen konnten.
"Sauron, Sauron, Sauron", sang der Verrückte mit krächzender Stimme. "Alter Mann, närrischer Mann, Sauron ist des Todes."
Gamling hob eine Augenbraue und blickte fragend zu Aldoc hinüber, der nur die Schultern zuckte. Der Hobbit hatte keine Ahnung, wovon dieser Mann sprach, der mit dem Rücken zu ihnen saß.
"Ich habe es gesehen", sagte der Wahnsinnige. "Ich weiß, was ihr nicht wisst. Ich kenne, was ihr nicht kennt. Ich ging in die Höhlen von Feuer und Schatten hinunter, ja, aber ich fand nur Feuer! Feuer, Feuer, Feuer! Schmelzöfen, Feuer, Rauch, Feuer, Klingen und Rüstungen und Feuer und den Ring!"
Aldoc wurde aus dem zusammenhanglosen Geplapper dieses Verrückten einfach nicht schlau. Offenbar hatte ihn die Gefangenschaft den Verstand gekostet. Eines begriff er jedoch sehr wohl: Der Mann hatte von einem Ring gesprochen. Und Ringe fanden nicht den Weg in die Worte eines Geisteskranken, wenn es nur gewöhnliche Ringe waren. Aldoc hatte bisher nur von den Ringen der Macht gehört, doch niemals hatte er einen gesehen, auch wenn er inzwischen wusste, dass in allen seinen Gesprächen mit Bilbo der mächtigste von ihnen nicht fern gewesen war.
"Ein Ring?", fragte er daher. Er musste es irgendwie schaffen, den Wahnsinnigen auf dieses Thema zu fixieren, um mehr zu erfahren. "Welcher Ring?"
"Mein Ring!", fauchte der Mann. "Meiner, meiner, meiner, davor Oronêls, aber jetzt haben die Barbaren ihn! Sarumans Barbaren!"
"Wer bist du?", wollte Aldoc verwirrt wissen. Offenbar war er kein einfacher Mann, sondern jemand wichtiges. "Wie lautet dein Name?"
"Mein Name?" Nun drehte sich der Verrückte erstmals zu ihm um und enthüllte ein einstmals vielleicht ansehnliches Gesicht, dass nun abgemagert und von Wahnsinn und Schlafmangel gezeichnet war. Die Augen besaßen einen mörderischen Glanz, als wollte der Mensch dem Hobbit an die Kehle gehen. "Mein Name?"
"Vergiss es", riet Gamling von der Nebenzelle aus. "Wenn er sich überhaupt noch an seinen Namen erinnert, dann wird es trotzdem Wochen dauern, bis du ihn aus ihm herausbekommst."
Aldoc wollte dem Rohir schon recht geben, doch dann sprach der Verrückte erneut. Es war nur ein Flüstern dieses Mal, und ihm fehlte ein Teil des Wahnsinns, der die vorherigen Worte begleitet hatte, aber der bösartige Ausdruck in den Augen des Fremden wich nicht. "Ich bin Amrothos", sagte er, dann schwieg er wieder, und nichts, was Aldoc versuchte, brachte ihn erneut zum Reden.

Ich kenne die Hälfte von euch nicht halb so gut, wie ich es gern möchte, und ich mag weniger als die Hälfte von euch auch nur halb so gern, wie ihr es verdient.
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Re:Die Kerker in Dunland
« Antwort #2 am: 17. Nov 2014, 23:20 »
Die Tage zogen sich hin wie eine ereignislose Reise auf allzu bekannten Pfaden. Allerdings, das musste Aldoc sich eingestehen, war das Ziel dieser Reise unbekannt und bestand womöglich im Tod. Aber war das nicht immer der Fall? Weniger die Gefahr des Todes an sich störte den Hobbit, sondern eher die Hilflosigkeit, die er seit seiner Gefangennahme verspürte. Wenn die Dunländer sich entschieden, ihn hinzurichten, dann würde er sich nicht wehren können.
Es würde keinen heldenhaften letzten Kampf geben für Aldoc Tuk von Tuckbergen.
"Verfluchte Dunländer", murmelte er vor sich hin. "Verfluchte Wölfe." Die Wölfe hatten zwar mit seiner Einkerkerung nichts zu tun, aber er wollte sie einfach verfluchen. Weil sie seine Feinde waren. Weil er sie hasste. Weil sie Farodas getötet hatten.
Aldoc zählte die Tage zu Beginn anhand der Mahlzeiten, die sie ihnen brachten, aber irgendwann verzählte er sich oder verlor den Überblick oder... was auch immer, auf jeden Fall wusste er nicht mehr, der wievielte Tag dies nun war. Und als wäre dem nicht genug, war ihm auch noch schrecklich langweilig.
Die Gespräche mit Gamling waren eine Zeit lang ganz unterhaltsam gewesen, aber mittlerweile langweilten sie ihn, da sie immer nach demselben Schema verliefen. Sie unterhielten sich ein wenig über Rohan oder das Auenland, die Rohirrim oder Hobbits, und schweiften bald zum Ringkrieg ab, über den der Rohir einiges zu erzählen wusste. Da sich seine Geschichten allerdings irgendwann wiederholten, verloren auch sie ihren Reiz. Mittlerweile hatte der alte Mann ihm schon vier Mal die Schlacht um Helms Klamm geschildert, sodass Aldoc die Geschichte nun selbst hätte wiedergeben können.
Und dann war da der Verrückte... Amrothos. Irgendwoher kannte Aldoc diesen Namen, aber er konnte sich nicht erinnern, wo er ihn schon einmal gehört hatte. Er versuchte immer wieder, mit dem irrsinnigen Menschen zu reden, aber bisher war es ihm nicht gelungen, ihn erneut zu so vielen Worten zu bewegen wie dieses eine Mal, als er von einem Ring gesprochen hatte.
Amrothos – seine einzige Möglichkeit auf interessante Gespräche, so unwahrscheinlich das klingen mochte – schwieg, bis auf ein paar gemurmelte Worte hin und wieder, beharrlich.
Aldocs nächste Gedanken galten den Wachen, die meist unter der Fackel am Ende des Ganges saßen, an einem kleinen Tisch, dessen Beine morsch wirkten, und ein Würfelspiel betrieben, bei dem stetig ein paar Münzen den Besitzer wechselten. Es waren drei Gefängniswärter, die dort die meiste Zeit des Tages saßen, aber vermutlich gab es ungefähr zehn, denn es waren nicht immer dieselben Wächter, die ihnen das Essen brachten und am Tisch miteinander spielten.
Manchmal drang ein Duft nach frischem, warmem Essen von den Wärtern zu den Gefangenen herüber, nach Fleisch und anderen Delikatessen, von denen der Hobbit nur noch träumen konnte. Einmal beobachtete er durch die Gitterstäbe hindurch, wie die Wachen einen saftigen Braten verzehrten und musste unwillkürlich an sein Pony denken. Bert, dachte er, als einer der drei Dunländer sich ein Stück Fleisch in den Mund schob. Bist du das?
Dann, eines Tages oder Nachts, wer konnte das hier unten schon sagen, erklang die Stimme des Verrückten aus der Nachbarzelle, doch Amrothos murmelte nicht im Wahnsinn, wie er es so oft tat, sondern starrte Aldoc durch die Gitterstäbe hindurch an und äußerte eine simple Feststellung: "Du bist ein Hobbit."
"Hervorragend erkannt, Amr..."
"Dein Volk ist für alles verantwortlich", fuhr der Mensch fort, ohne ihn zu beachten. "Die Hobbits haben versagt, und wir bezahlen. Die Halblinge sind durch ihr Versagen berühmt geworden."
Zorn durchflutete Aldoc, als er diese Vorwürfe hörte. War er dafür verantwortlich, dass Sauron den Ring zurückbekommen hatte? Sollte er sich das wirklich weiter anhören? Nein, auf keinen Fall. "Mein Volk hat auch in Thal und Erebor Berühmtheit erlangt, und zwar im Guten, nicht im Schlechten. Ohne den Hobbit Bilbo Beutlin würde Mittelerde noch immer unter dem Drachen Smaug leiden!"
"Erebor und Thal... ich glaube nicht, dass sich dort noch jemand an diesen Billo erinnert", entgegnete Amrothos herablassend. "Aber du kannst die Orks und Ostlinge ja gerne fragen."
Mit welchem Recht urteilte dieser hochgewachsene Dummkopf über die Hobbits? Mit welchem Recht urteilte er über Bilbo, einen der größten Helden Mittelerdes? Nur zu gerne hätte Aldoc erwidert, dass Amrothos es doch selbst einmal hätte versuchen sollen, einen Ring zum Schicksalsberg zu bringen. Vermutlich wäre der Mensch nicht einmal bis nach Ithilien gekommen, geschweige denn bis nach Mordor.
Ja, warum ihm das nicht ins Gesicht sagen? Die Menschen waren nicht besser als die Hobbits, denn sie hätten den Ring ebenfalls nicht vernichten können. Wohingegen Frodo und Samweis weiter gekommen waren als jeder andere gekommen wäre, ganz zu schweigen von Bilbos Heldentaten. Doch etwas hielt ihn davon ab, diesen sinnlosen Streit mit Amrothos zu führen. Wenn er schon mal einen klaren Moment hatte, warum diesen dann mit Streitigkeiten verschwenden?
"Es gibt noch genug lebende Elben, Zwerge und Menschen, die sich an Bilbo erinnern", sagte der Halbling daher nur. "Belassen wir es dabei." Bevor sie das Gespräch jedoch weiterführen konnten, kam Aldoc eine Erkenntnis, sodass er weitersprach, ohne Amrothos eine Gelegenheit zu geben, seinerseits etwas zu sagen.
"Dol Amroth." Man musste ein blinder Narr sein, um nicht zu erkennen, wie Amrothos beim Klang dieses Namens aufhorchte. "Daher kommt mir dein Name so bekannt vor. Er klingt ähnlich wie der Name der Stadt Dol Amroth im Süden Gondors. Kommst du von dort?"
Amrothos musterte ihn abschätzend und schien erst nicht antworten zu wollen, doch dann legte er seine Schweigsamkeit doch ab. "Ich bin ein Prinz von Dol Amroth und einem Hobbit keine Rechenschaft schuldig. Im Übrigen... also... wir sind... tot?"
Verdammt, er driftet ab!, stellte Aldoc fest. Ich muss irgendwie verhindern, dass die Klarheit in seinem Geist wieder verdrängt wird!
"Die Barbaren...", flüsterte Amrothos. "Sie haben meinen Ring, nicht wahr? Ich bin der Prinz von Dol Amroth, aber was bin ich ohne den Ring? Ich fühle mich... leer."
"Amrothos!", rief der Halbling und fuchtelte wild mit den Armen. "Prinz Amrothos! Erinnere dich daran, wer du wirklich bist! Schüttle den Einfluss des Ringes ab! Er hat dich verdorben wie einst den Nazgul, der ihn zuerst trug."
Aldoc konnte nicht sicher wissen, ob es sich bei dem Ring, um den sich Amrothos verwirrte Gedanken drehten, um einen der neun Ringe der Menschen handelte, aber in Anbetracht der Wirkung auf den Geist des Menschen und der Aufenthaltsorte der anderen Ringe schien ihm das die einzig logische Schlossfolgerung zu sein.
"Verdorben sind wir alle", knurrte der Verrückte, der plötzlich überhaupt nicht mehr wie ein Mensch klang. "Und tot bald auch. In den Tiefen der Berge schmieden sie stetig neue Waffen und bauen Kriegsmaschinen von solch bedrohlichem Aussehen, wie du es dir mit deinem kleinen Hirn niemals ausmalen könntest. Isengard war ein Paradies im Vergleich zu den Tiefen, über die Saruman nun gebietet. Feuer, Rauch, Feuer, Klingen! Dunkle Woge, die uns erstickt..."
Und so versank Amrothos wieder in sein wahnsinniges Gemurmel, fluchte und wetterte über den Diebstahl seines Ringes, zitterte in Angst vor den Gruben in den Bergen und vor Saruman, verfluchte alle Völker Mittelerdes, flüsterte die Namen alter Freunde und Wegbegleiter, und verkündete seinen beiden Mitgefangenen, dass sie und alle freien Völker des Todes seien.
Gamling schnaubte in seinen zerzausten Bart und blickte Aldoc in die Augen. "Falls wir jemals hier herauskommen sollten, tu mir bitte den Gefallen und denk nicht einmal daran, ihn mit in die Freiheit zu nehmen. Ehe wir das Tageslicht erblicken, dreht er uns doch die Hälse um."

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Re: Die Kerker in Dunland
« Antwort #3 am: 15. Mär 2016, 20:47 »
Es kam ihm vor, als säße er schon Monate oder sogar Jahre hier unten fest.
Aber wie ließ sich die Zeit hier schon genau messen, in der Dunkelheit unter der Erde, wo weder Tag noch Nacht existierten? Vermutlich war er bei weitem nicht so lange hier, wie es sich anfühlte, die Langeweile und das stetige Nichtstun ließen es für ihn lediglich wie eine halbe Ewigkeit erscheinen. Aldoc war müde. Er war dieses Kerkers müde, dieses langen Wartens, und der Stille, die nur gelegentlich von Amrothos' Gemurmel oder den immer gleichen Gesprächen mit Gamling unterbrochen wurde. Er wollte unbedingt weg hier. Aber wie sollte er das anstellen? Er hatte nicht den Hauch einer Ahnung.
Dennoch reifte nach und nach ein Entschluss in ihm. Oder eher ein Wunsch. Nicht hier zu sterben, in diesem stickigen Kerker, abgeschnitten von Heimat und Freunden. Ihm war bewusst, dass diese Gedanken vergeblich waren, dass sie nur dazu dienten, die Verzweiflung in seinem Herzen zum Schweigen zu bringen, aber lieber träumte er von der Freiheit, als dem Wahnsinn zu verfallen wie Amrothos oder die Gefangenschaft und den baldigen Tod als gegeben hinzunehmen wie Gamling.
Ja, es mochte vielleicht vergebens sein, aber nun, da er sich dazu entschlossen hatte, nicht einfach klein beizugeben, fing er an, sich auf seine Flucht, so unwahrscheinlich diese auch sein mochte, vorzubereiten. Er konnte nicht mehr tun als ein paar grundlegende Übungen, um seinen Körper einigermaßen bei Kräften zu halten, für alles weitere fehlten ihm hier sowohl die Mittel als auch der Platz, aber es war immerhin besser als nichts. Und es gab ihm wenigstens etwas zu tun. Ein guter Weg, ein wenig Zeit totzuschlagen. Vielleicht sogar der beste Weg.
Dann, einige Zeit nach dem Beginn seiner Übungen, bot sich eine unerwartete Gelegenheit.
Wie so oft kam einer der Wärter, ein großer Mann mit rötlichem Bart, zu den wenigen besetzten Zellen, um den Gefangenen das wenige an Nahrung zu bringen, das ihnen hier zugestanden wurde. Doch dieses Mal brachte er nur zwei Portionen – eine für Amrothos, eine für Gamling. Als er jedoch zu Aldocs Zelle kam, entriegelte er erstaunlicherweise die Zellentür.
"Du kommst mit mir, kleiner Mann", sagte der Hüne. "Jemand mit großen Einfluss will dich in Tharbad sehen."
"Tharbad?" Aldoc kramte in seinem geographischen Gedächtnis. Tharbad war eine alte Stadt an der Mündung des Glanduin in den Mitheithel. Aber... es lag nicht in Dunland. Warum sollte er gerade dorthin gebracht werden? Nun, vielleicht hatte das ja irgendetwas mit Saruman zu tun. Tharbad befand sich in dem von ihm kontrollierten Gebiet, oder? Zumindest war das noch so gewesen, bevor Aldoc von den Dunländern gefangen genommen worden war. Seither konnte einiges geschehen sein.
Der Dunländer packte ihn und zerrte ihn grob aus der Zelle, ehe er ihn vor sich her durch den Gang stieß. Aldoc warf Gamling einen letzten Blick zu, der die ganze Szene wortlos beobachtete, und sah dann auch noch einmal zu Amrothos hinüber, der jedoch nicht einmal zu bemerken schien, dass der Hobbit weggebracht wurde.
Am Ende des Ganges gelangten sie in eine kleine Wachstube, die von einigen Fackeln in eisernen Halterungen an den Wänden erhellt wurde und in deren Mitte ein runder, etwas morsch wirkender Tisch stand, auf welchem einige hölzerne Würfel verstreut lagen. Von anderen Wächtern fehlte seltsamerweise jedoch jede Spur.
An der gegenüber liegenden Seite des Raumes gab es einen schmalen Durchgang zu einer Wendeltreppe, über welche man vermutlich über die Erde und aus dem Kerker hinaus gelangte. Aldoc musste gestehen, dass er es kaum erwarten konnte, wieder frische Luft zu atmen und die Sonne zu sehen. Oder den Mond, je nachdem, welche Tageszeit gerade war. Dennoch konnte er auch nicht umhin, eine große Truhe in einer Ecke der Wachstube zu bemerken, an welcher ein ihm nur allzu gut bekanntes Schwert lehnte: sein eigenes, welches ihm einst seine elbischen Freunde in Mithlond geschenkt hatten. Dann befand sich in der Truhe vielleicht auch der Rest seiner Besitztümer? Hatte das Schwert einfach nicht mehr hineingepasst?
"Komm", grunzte der Dunländer ihn an und zerrte ihn in Richtung Treppe. Aldoc brachte das wenige an Gegenwehr auf, zu dem er noch imstande war. Der Hüne hatte sich nicht einmal die Mühe gemacht, ihm die Hände zu binden. Und vermutlich war das auch gar nicht notwendig, denn der Hobbit befand sich nach dem langen Kerkeraufenthalt nicht gerade in einer guten Verfassung. Dennoch wollte er sich nicht so einfach geschlagen geben.
Nur ein paar Schritte, und ich wäre beim Schwert. Aldocs Augen suchten den Wärter schnell nach Waffen ab, doch bis auf einen hölzernen Knüppel und einen rostigen Dolch schien der Dunländer unbewaffnet zu sein. Unbewaffnet und unaufmerksam. Er achtete kaum auf Aldoc, während er ihn zur Wendeltreppe stieß. Vermutlich glaubte er, sich vor einem Hobbit nicht fürchten zu müssen. Wenn es jemals eine Gelegenheit gab, der Gefangenschaft zu entfliehen, dann war sie jetzt gekommen.
Es war riskant, aber er durfte nicht zögern.
Er musste alles auf eine Karte setzen.
Jetzt oder nie!
Bevor ihn der Dunländer ein weiteres Mal in Richtung der Treppe stoßen konnte, drehte Aldoc sich schlagartig um und verpasste ihm einen Kopfstoß in den lediglich durch ein schlichtes Hemd geschützten Bauch. Als sich der von dem plötzlichen Angriff vollkommen verdutzte Hüne schmerzerfüllt zusammenkrümmte, riss Aldoc den rostigen Dolch aus der Scheide an dessen Gürtel und stieß ihn seinem Gegner in den rechten Oberschenkel. Die Klinge war nicht sonderlich scharf, aber sie drang dennoch weit genug ins Fleisch ein, um den Dunländer ins Taumeln zu bringen, woraufhin es dem Hobbit gelang, ihn durch einen Rempler mit der rechten Schulter zu Fall zu bringen.
Im nächsten Moment drehte sich Aldoc so schnell wie möglich zur Truhe in der Ecke des Raumes um, rannte auf diese zu und griff nach seinem Schwert, noch ehe er richtig dort angehalten hatte. Sein Herz raste, sein Atem kam in angestrengten Stößen, und doch fühlte er sich nun, da sich seine Finger um das Heft der elbischen Waffe schlossen, sicherer als seit Wochen.
Als er sich wieder zu dem Gefängniswärter umdrehte, sah er, dass dieser sich bereits wieder erhoben hatte und nun humpelnd und in einer ihm unbekannten Sprache knurrend auf ihn zukam. Das ist nicht gut. Aldoc mochte sein Schwert zurückerlangt haben, aber das bedeutete nicht, dass er es deshalb mit einem ausgewachsenen, kräftigen Menschen aufnehmen konnte. Zumal die Zeit im Kerker unweigerlich ihren Tribut gefordert hatte. Das einzig Positive an dieser Situation war, dass auch der Dunländer ein wenig eingeschränkt wurde, durch die Wunde, die Aldoc ihm zugefügt hatte.
Er musste schnell handeln, wenn er hier heil herauskommen wollte. Der Dunländer schien in ihm noch immer keine wirkliche Bedrohung zu sehen, trotz des Schwertes. Das musste Aldoc ausnutzen. Er setzte langsam einen Fuß vor den anderen, wobei er sich nach außen hin wesentlich unsicherer gab, als er sich fühlte, obwohl er auch nicht gerade behaupten konnte, dass sein Herz vor Zuversicht überquoll.
Sein bärtiger Gegner, der den hölzernen Knüppel lässig in der einen und den blutigen Dolch in der anderen Hand hielt, lächelte siegessicher... und wurde ein weiteres mal vollkommen überrascht, als Aldoc plötzlich nach dem glücklicherweise recht kleinen und daher leichten Tisch griff und ruckartig an diesem zerrte, sodass er zur Seite hin umkippte. Der Dunländer hielt verdutzt inne und griff reflexartig nach dem Tisch, um ihn zur Seite zu schieben, wobei er den Hobbit für einige wenige Augenblicke aus den Augen ließ.
Das war sein letzter Fehler.
Als sich der Wärter nach vorne beugte, schnellte der junge Tuk schlagartig nach vorne und stach ihm das Schwert präzise in die Kehle. Die Augen des Hünen weiteten sich in fassungslosem Erstaunen, ehe er mit einem gurgelnden Geräusch zusammenbrach. Aldoc, der nun mit Blutspritzern überzogen war, sank nur wenige Momente später selbst erschöpft keuchend zu Boden. Er hatte es geschafft. Er hatte den Wärter besiegt. Aber noch wagte er nicht, sich zu entspannen und aufzuatmen. Seine Flucht hatte gerade erst begonnen.
Hastig nahm der Hobbit den Schlüsselbund vom Gürtel des Toten, an dem insgesamt fünf Schlüssel hingen. Einer davon musste für die Zellen sein, ein anderer für die Truhe, aber er hatte keine Ahnung, wofür die restlichen waren. Ohne weitere Zeit zu verlieren probierte er die Schlüssel nacheinander bei der großen Truhe aus, sie schließlich beim vierten mit einem vernehmlichen Klicken aufsprang.
Darin fanden sich verschiedene Kleidungsstücke, Rüstungsteile und Waffen, vermutlich alles Dinge, die einst den Gefangenen gehört hatten. Es wunderte ihn zwar ein wenig, warum sie das einfach alles dort weggeschlossen hatten, aber er wollte sich nicht beschweren. Nun erkannte er auch, das seine vorherige Vermutung tatsächlich stimmte: Die Truhe war so voll, dass das Schwert nicht mehr hineingepasst hatte, deshalb war es nur an die Truhe gelehnt worden. Diesem glücklichen Umstand verdankte er nun seine Freiheit... falls er jetzt schon von Freiheit sprechen konnte.
Wie auch immer, nach einigem Herumkramen in der Truhe fand er seinen Bogen und seinen halb gefüllten Köcher, außerdem den Wargzahn, den Bilbo ihm einst geschenkt hatte, sowie den grauen Reisemantel, den er seit Jahren auf seinen Wanderschaften trug. Und, was für einen Hobbit wie ihn natürlich am wichtigsten war, seine Pfeife, wenn auch ohne Kraut. Er genoss das Rauchen nicht so sehr wie viele andere seines Volkes, aber das hieß nicht, dass er nicht an seiner Pfeife hing.
Solcherart ausgerüstet fühlte er sich gleich wieder ein wenig stärker. Er warf noch einen Blick in die Truhe, wo sich nun nur noch Gegenstände befanden, die für ihn zu groß waren, ehe er den Deckel wieder zuklappte und einen Schritt in Richtung der Zellen setzte. Wenn er nun schon so weit gekommen war, konnte er auch noch Gamling und Amrothos zur Freiheit verhelfen. So viel schuldete er seinen beiden Mitgefangenen.
Er begab sich als erstes zu Gamlings Zelle. Lächelnd sah er den Rohir durch die Gitterstäbe hindurch an. "Steh auf, alter Mann, wir hauen ab. Raus aus diesem stickigen Kerker."
Überrascht rappelte Gamling sich auf, einen leisen Hoffnungsschimmer in den Augen. "Wie hast du...?"
"Mit einer gewissen Portion Mut, ein wenig Entschlossenheit und Geschwindigkeit, und vor allem mit Köpfchen", antwortete der Hobbit und probierte den ersten Schlüssel aus. Er passte nicht.
Der Rohir versuchte indes, den Gang hinunter zu blicken. "Lebt der Wärter noch?"
"Seine Kehle hat Bekanntschaft mit meinem Schwert geschlossen, aber ansonsten sollte es ihm gut gehen." Der zweite und der dritte Schlüssel erwiesen sich ebenfalls als unbrauchbar. Der vierte war der Truhenschlüssel, blieb also nur noch der fünfte.
Doch auch dieser passte nicht.
"Aber... wie ist das möglich?", murmelte Aldoc verdutzt und versuchte es zur Sicherheit doch noch mit dem Truhenschlüssel. Erfolglos. "Er hat doch auch meine Zelle aufgesperrt. Einer von denen muss passen!"
"Hörst du das, Aldoc?", sagte Gamling auf einmal. Der Tuk spitzte die Ohren und vernahm tatsächlich einige ferne Stimmen, die von der Treppe bei der Wachstube kommen mussten. Verdammt! Vermutlich hatten ein paar andere Dunländer darauf gewartet, dass der Wärter Aldoc nach oben brachte, und wunderten sich nun, wo er blieb.
"Er muss irgendwo noch einen weiteren Schlüssel haben." Der Hobbit nickte dem Menschen zu. "Ich bin gleich wieder da."
"Warte!" Gamling streckte eine Hand zwischen zwei Gitterstäben hindurch und ergriff Aldocs rechten Oberarm. "Mach dir nicht die Mühe, nach einem Schlüssel zu suchen, Junge! Ich bin nur ein verbrauchter, gebrochener Krieger, dessen beste Tage in weiter Vergangenheit liegen, und der dort drüben ist ein psychisches Wrack. Rette lieber dich selbst. Kümmere dich nicht um solche wie uns."
"Aber..."
"Kein aber, Aldoc Tuk! Du gehst jetzt! Und überlebst! Tu mir diesen Gefallen, Junge, und bringe dich in Sicherheit, solange du noch die Möglichkeit dazu hast."
Damit ließ der Mann aus Rohan ihn los und gab ihm abschließend einen kleinen Stoß in Richtung Ausgang. Widerwillig setzte sich Aldoc in Bewegung. Nachdem er wieder in der Wachstube angelangt war, hörte er, dass die Stimmen nun schon wesentlich näher gekommen waren, und bemerkte, dass er bei der Treppe bereits einige Schatten mit menschlichen Umrissen erkennen konnte. Hier stand er wie auf dem Präsentierteller. Was sollte er tun?
Die Gedanken rasten in seinem Kopf, indes sein Herz aus der Brust zu springen drohte. Er konnte sich nicht erinnern, sich jemals so angespannt gefühlt zu haben, außer vielleicht an jenem Tag, als er gegen die Warge gekämpft hatte, nicht lange vor seiner Gefangennahme durch die Dunländer. Er brauchte einen Plan, oder einfach nur irgendeine Idee, aber was konnte er schon gegen diese Menschen tun, die jeden Moment den Raum betreten würden? Den einen Wärter hatte er durch den Überraschungsmoment und mit einer gehörigen Portion Glück zur Strecke gebracht, aber noch einmal würde ihm das nicht gelingen.
Wie konnte ein Hobbit in einer solchen Situation triumphieren? Im direkten Kampf wäre er definitiv unterlegen. Worin übertraf ein Halbling einen Langen? Darin, leise zu sein und zu schleichen. Und im Pfeife rauchen. Wie konnte er diese Vorteile gegen die Dunländer nutzen? Spontan kam ihm nur eine einzige Idee, aber das war besser als nichts.
So schnell er konnte löschte Aldoc die Fackeln an den Wänden, sodass es in der Wachstube vollkommen dunkel wurde und er kaum noch die eigene Hand vor Augen sehen konnte. Dann wartete er – angespannt bis zum Äußersten – auf die Ankunft der Dunländer, die sich zunächst über die Finsternis verwirrt zeigten, kurz darauf aber die Fackeln wieder anzündeten.
Doch zu diesem Zeitpunkt hatte sich Aldoc bereits im Schutz der Dunkelheit hinter ihrem Rücken aus dem Raum geschlichen.

Aldoc nach Dunland
« Letzte Änderung: 15. Mär 2016, 20:51 von Azaril »

Ich kenne die Hälfte von euch nicht halb so gut, wie ich es gern möchte, und ich mag weniger als die Hälfte von euch auch nur halb so gern, wie ihr es verdient.
- Bilbo Beutlin -

1. Char Aldoc befindet sich in Bree

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Re: Die Kerker in Dunland
« Antwort #4 am: 13. Sep 2016, 14:54 »
Oronêl aus Dunland...

Oronêl presste ein Ohr an das raue Holz der Tür, während er gleichzeitig darauf lauschte, ob sich im oberen Flur etwas bewegte. Hinter der Tür waren zwei raue Stimmen zu hören, und ein wiederkehrendes Klackern. Offenbar hielten sich zwei Dunländer in dem Raum hinter der Tür auf und spielten Würfel oder etwas ähnliches. Für einen Moment verharrte Oronêl und wog seine Optionen ab. Diese Tür war aller Wahrscheinlichkeit nach der einzige Weg in den Keller, wo sich mit Sicherheit auch die Gefangenen befanden. Es war ihm nicht möglich, ungesehen die Tür zu öffnen und in den Keller zu schlüpfen, und allzu lange würde er auch nicht auf der Treppe bleiben können, ohne entdeckt zu werden.
Er hatte also nur zwei Möglichkeiten: Umkehren und ohne Erfolg zu Orophin zurückzukehren, oder versuchen wie Männer hinter der Tür möglichst lautlos zu überwältigen. Er entschied sich für letzteres.

Da die Tür nicht von innen verriegelt war, presste Oronêl sich in den Schatten der Wand und zog sie langsam auf. Glücklicherweise öffnete sie sich nach außen, und schützte ihn so vor den Blicken der Wächter. Er hörte, wie im Inneren der Kammer ein Stuhl zurückgeschoben wurde, und jemand in scharfem Tonfall etwas sagte, dass "Wer ist da?" bedeuten mochte. Oronêl rührte sich nicht vom Fleck, und als der Wächter keine Antwort erhielt, hörte er schwere Schritte auf sich zukommen und roch den Gestank von Schweiß, Alkohol und altem Leder, den der Mann verströmte. Als der Dunländer einen Schritt auf der Tür hinaus gemacht hatte und wahrscheinlich ins Dunkel der Treppe spähte, gab Oronêl der Tür einen kräftigen Stoß, der den Mann zurückschleuderte. Dann riss er die Tür wieder weit auf und sprang in die Wachstube.
Im Bruchteil einer Sekunde nahm der Elb seine Umgebung wahr: Der Raum war klein und viereckig, von zwei Fackeln an den Wänden erhellt wurde. In der Mitte des Zimmers stand ein runder Tisch mit zwei Stühlen, an dem ein überrascht wirkender Dunländer saß. Der andere Wächter taumelte, von dem Zusammenstoß mit der Tür benommen, rückwärts auf den Tisch zu, bevor Oronêl ihn mit einer raschen Bewegung an der Kehle packte und ihm mit der anderen Hand zwei schnelle Faustschläge an die Schläfe versetzte.
Eigentlich hätte er seinen Gegner lieber endgültig ausgeschaltet, aber dazu war keine Zeit. Er ließ den bewusstlosen Wächter zu Boden gleiten, und sah sich dem zweiten Mann gegenüber, der seinen Stuhl umgeworfen hatte und sich nun anschickte, sein Schwert zu ziehen. Dazu ließ Oronêl es nicht kommen. Er trat dem Dunländer mit Schwung zwischen die Beine und hieb ihm als er sich zusammenkrümmte, ebenfalls die Faust an die Schläfe.

Als beide Wächter bewusstlos am Boden lagen rieb Oronêl sich die von den Faustschlägen schmerzenden Knöchel und lauschte, ob jemand auf das kurze Gefecht im Keller reagierte. Als er keine eiligen Schritte und Rufe in den oberen Stockwerken vernahm schloss er möglichst leise die Tür, die merkwürdigerweise keinen Riegel auf der Innenseite besaß und nach einem genaueren Blick auch ziemlich neu aussah. Dann verließ er leise die Wachstube durch den Gang auf der anderen Seite, der nur von wenigen Fackeln erleuchtet wurde, und an dem mehrere vergitterte Zellen lagen. Er hatte gerade zwei Schritte in den Gang gemacht, als ihn aus einer dieser Zellen eine müde, alt klingende Stimme ansprach: "Wer seid ihr?"
Oronêl ließ sich in die Hocke nieder, und sah sich einem ausgemergelten Mann mit langem, zerzausten Bart gegenüber, der auf dem Boden seiner Zelle in der Nähe des Gitters an der Wand lehnte. Seinem Aussehen zufolge war der Alte schon lange hier gefangen.
"Ich bin Oronêl Galion.", erwiderte er leise. "Ich bin aus Aldburg hierher gekommen, und ich suche..."
Der Alte unterbrach ihn. "Aldburg... Ihr wart ihn Rohan? Aber ihr seid ein Elb, das sehe ich." "Ja, ich war in Rohan.", antwortete Oronêl ungeduldig, doch ihm war nicht entgangen, dass die trüben Augen des Gefangenen bei der Erwähnung Rohans zu glänzen begonnen hatten.
"Dann ist Rohan noch nicht gefallen?" Oronêl schüttelte den Kopf. "Nein, Rohan hält Mordor noch stand. Aber ich bin hier, weil ich..."
Der Gefangene unterbrach ihn erneut. "Ich weiß wen ihr sucht, denn ich kenne euren Namen." Oronêl stutzte. "Ihr kennt meinen Namen?"
Sein Gegenüber nickte langsam. "Ja, ich habe ihn in letzter Zeit oft gehört. Von ihm." Er deutete mit einem knochigen Finger auf die Zelle auf der anderen Seite des Gangs. Oronêl fuhr herum. Konnte es tatsächlich sein, dass...? Er presste sein Gesicht gegen die Gitterstäbe der anderen Zelle. Hinten in der Ecke sah er ein Bündel liegen, dass, wie er jetzt erkannte, gar keines war.
"Amrothos!", sagte er so laut, wie er es wagte. Das Bündel in der Ecke rührte sich.
"Sie haben ihn genommen... ihn genommen...", hörte Oronêl ihn vor sich hin murmeln, und auch wenn die Stimme müde und verwirrt klang, erkannte er Amrothos sofort.
"Amrothos!", sagte er wieder. "Ich bin es,..." "Oronêl?", vollendete die Gestalt in der Ecke seinen Satz, und kroch an das Gitter seiner Zelle heran. Als das Licht der Fackel auf Amrothos ausgezehrtes Gesicht, die ergrauten, nicht länger schwarzen, Haare und die fiebrig glänzenden Augen fiel, zuckte Oronêl beinahe zurück.
"Ja, ich bin hier mein Junge. Ich hole dich hier raus." Im selben Augenblick spürte er im Nacken den sanften Druck einer Klinge, und hinter ihm sagte jemand in gleichmütigem Tonfall: "Das glaube ich nicht. Aufstehen!" Langsam stand Oronêl auf, während er wütend die Zähne zusammenbiss. Schon wieder hatte er sich überrumpeln lassen, weil er von Amrothos Anblick abgelenkt gewesen war. Der Druck der Klinge ließ nach.
"Umdrehen!" Langsam folgte Oronêl dem Kommando, und sah sich drei Dunländern gegenüber, deren kurze Schwerter drohend auf ihn gerichtet waren.
Klug, dachte er unwillkürlich, denn Kurzschwerter würden seine Gegner in der Enge des Kerkers wenig behindern. Langsam legte er die linke Hand auf den Dolchgriff, und hob gleichzeitig die Rechte. Dennoch setzte der vorderste der Wächter ihm die Schwertspitze an die Kehle.
"Mag sein dass du schnell bist, aber so schnell bist du auch wieder nicht." Der Mann sprach deutlich kultivierter als die meisten seiner Stammesgenossen.  "Wirf ihn weg." Oronêl zog den Dolch aus der Scheide, betrachtete ihn für eine Sekunde und ließ ihn dann mit einem Klirren auf den Boden fallen. Dies war nicht der richtige Moment, um zu kämpfen, zumal er nicht glaubte, diesen Kampf überleben zu können. Hinter sich hörte er wie Amrothos sich wieder in seine Zelle zurückzog, und begegnete auf der anderen Seite dem bedauernden Blick des alten Gefangenen. "Bringt ihn in eine leere Zelle. Ich werde Bóran Bescheid geben dass wir einen Eindringling gefasst haben." Der Anführer nahm das Schwert von Oronêls Kehle, und seine beiden Gefährten packten den Elben an beiden Armen. "Er wird begeistert sein, wir hatten schon lange kein Gottesurteil mehr." Er zwinkerte Oronêl zu, und ging mit langen Schritten zurück in die Wachstube, wo sich die beiden Bewusstlosen wieder zu regen begannen, während die anderen Wächter Oronêl unsanft in die Zelle neben Amrothos stießen und die Tür verschlossen.

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Re: Die Kerker in Dunland
« Antwort #5 am: 14. Sep 2016, 12:22 »
Sobald die Dunländer den Zellengang verlassen hatten, lehnte Oronêl sich gegen das Gitter dass seine Zelle von Amrothos trennte, und sagte dessen Namen. Langsam kam Amrothos an das Gitter heran gekrochen, hob mühsam den Kopf und begegnete schließlich Oronêls Blick.
"Du bist es tatsächlich.", sagte er mit rauer Stimme. "Ich dachte du wärst vielleicht tot, nachdem ich..." Er unterbrach sich, von Scham überwältigt. Als er wieder aufblickte, sah Oronêl Tränen über seine Wangen rinnen. "Es tut mir so leid, was ich getan habe. Aber..."
"Du konntest dich nicht wehren.", beendete Oronêl ruhig den Satz für ihn. "Ich war nie wütend auf dich." Das war die Wahrheit, denn er hatte immer gewusst dass dieser verfluchte Ring einer der Neun war, die für die Menschen gemacht worden waren. Amrothos war einer Macht begegnet, die zu groß für ihn gewesen war. "Du hast keine Möglichkeit gehabt, die gegen die Macht dieses Ringes zu wehren. Ich war auf mich selbst wütend, dass ich dir davon erzählt habe."
Amrothso schüttelte verzweifelt den Kopf. "Nein nein nein. Ich habe gesehen, wie ich mit diesem... Ding nach Dol Amroth zurückkehre, und das Heer nach Osten führe, Minas Tirith befreie und Mordor über den Anduin zurückwerfe. Ich..."
Seine Augen wurden wieder trüb. "Mein Ring. Wo ist er? WO IST ER?" Seine Stimme hob sich, bis er beinahe schrie. Oronêl streckte die Hände zwischen den Gitterstäben hindurch, packte Amrothos an den Schultern und zwang ihn, ihm in die Augen zu sehen.
"Amrothos!", rief er leise seinen Namen, und versuchte die Schleier zu durchdringen, die Amrothos' Geist umgaben. "Komm zurück!" Nach einem Augenblick beruhigte der junge Gondorer sich, sein Atem ging ruhiger und er hörte auf, gegen Oronêl Griff anzukämpfen. "Es tut mir Leid.", sagte er schließlich und fasste sich an die Stirn. Oronêl stellte erleichtert fest, dass seine Augen wieder klar waren. "Ich weiß nicht was über mich gekommen ist." Er blickte sich im Kerker um, als ob er ihn zum ersten Mal richtig wahrnehmen würde.
"Da war doch noch jemand anderes. Ein... Halbling?", fragte er verwirrt.
"Der junge Aldoc ist schon vor ein paar Tagen entkommen.", antwortete aus der anderen Zelle die müde Stimme des Alten, der an Oronêl gewandt fortfuhr: "Jemanden wie euch hätten wir ihr schon lange gebrauchen können, manchmal war es wirklich anstrengend mit ihm." Amrothos schoss das Blut ins Gesicht, was Oronêl als gutes Zeichen deutete. Wenn er in der Lage war, wegen seines Verhaltens verlegen zu sein, beherrschte der Ring zumindest momentan nicht seine Gedanken.
Oronêl wandte sich dem alten Gefangenen zu. "Vergebt mir, ich habe noch gar nicht nach eurem Namen gefragt."
Der Alte lächelte mühsam. "Einst war ich Gamling, Hauptmann von Rohan. Jetzt bin ich nur noch ein alter Gefangener, der wahrscheinlich in diesem Loch sterben wird."
"Ich hoffe nicht.", erwiderte Oronêl. "Wenn ihr hier gefangen seid, dann seid ihr wohl ein Feind Sarumans ebenso wie Saurons, und solche Männer brauchen wir an unserer Seite.  Ich werde..."
Er stoppte, denn im Gang waren schwere Schritte zu hören, und stand auf. Gamling und Amrothos taten es ihm nicht gleich, sondern verharrten an Ort und Stelle.

Vor Oronêls Zelle trat der Mann der ihn gefangen hatte. Er wurde von einem anderen Dunländer mit einem buschigen schmutzig grauen Bart, mächtigen Armen und einer Brust so breit wie ein Fass begleitet, der das Wort an den Elben richtete.
"Mein Hauptmann Forath hat mir berichtet, dass wir hier unten einen neuen Gast haben. Ich bin Bóran, Häuptling der Dunländer, und ich fühle mich geehrt einen so edlen Gast in meinem Haus zu haben." Er grinste, und ließ dabei gelbe Zähne sehen.
"Vielleicht wird mein geschätzter Gast mir verraten, was er hier zu suchen hatte... UND OB ER MEINE MÄNNER IN DEN HÜGELN GETÖTET HAT?" Den letzten Teil schrie der Häuptling so plötzlich, dass Oronêl zurückzuckte.
Er hob die Schultern und antwortete: "Ja, ich habe sie getötet, denn sie haben mich angegriffen." Zu lügen hätte seine Lage vermutlich auch nicht verbessert - und außerdem hätten die Dunländer dann weiter nach dem Mörder gesucht, und das hätte sie womöglich auf Orophins Spur gelenkt.
"So so...", sagte Bóran nun bedrohlich leise. "Dafür wirst du langsam sterben, Elb. Einer dieser Männer war mein Neffe, und dafür werde ich dir persönlich einzeln die Gliedmaßen ausreißen."
Der Mann neben ihm, Forath, hatte bislang regungslos dagestanden, machte plötzlich eine kleine Bewegung, die Bóran nicht auffiel - Oronêl aber schon. Er warf dem Hauptmann einen kurzen Blick zu, und sah wie der lautlos die Wörter "Gottesurteil" und "Kampf" mit den Lippen formte. Oronêl begriff schnell was der Mann ihm sagen wollte. Allerdings verstand er nicht, warum er ihm helfen sollte. Dennoch, diese Möglichkeit war ebenso gut wie jede andere.
"Ich forder ein Gottesurteil durch einen Kampf.", sagte er dem Häuptling mit steinerner Miene ins Gesicht. "Ein Gottes..." Für einen Augenblick verlor Bóran die Fassung, erlangte sie aber schnell wieder. "EIN GOTTESURTEIL? ICH WERDE DIR JEDEN FINGER EINZELN ABNEHMEN, DIE OHREN ABSCHNEIDEN UND ALS KETTE TRAGEN UND DEINE AUGEN MEINEN HUNDEN ZUM FRAß VORWERFEN!"
"Er hat das Recht, ein Gottesurteil zu fordern.", sagte Forath leise, sobald sein Häuptling aufgehört hatte, zu toben. "Vor allem, da sein Verbrechen der Mord an zweien unserer Männer ist, und er behauptet, sie in Notwehr getötet zu haben." Bóran sah seinen Hauptmann aus zusammengekniffenen Augen an, und erwiderte schließlich nach einem Moment unbehaglicher Stille: "Na, meinetwegen. Soll der Elb sein Gottesurteil haben. Aber..." Ein hässliches Grinse verzog seine ohnehin nicht allzu ansehnlichen Züge. "Da er ein Elb und somit einem Menschen überlegen ist, und weil er zwei Männer getötet hat, wird er auch gegen zwei Gegner antreten. Und außerdem..." Das Grinsen wurde noch breiter.
"Ich bin großmütig. Er bekommt die beiden anderen Gefangenen als Gefährten, und wird also gemeinsam mit ihnen gegen vier unserer Männer antreten. Wenn er gewinnt, sind sie alle frei. Wenn nicht..."
Er machte eine vielsagende Geste und begann mit schweren Schritten zur Wachstube zurück zu kehren. "In zwei Wochen findet der Kampf statt!", rief er noch über die Schulter, offenbar hochzufrieden mit sich selbst, während Forath im Zellengang zurückblieb.
Sobald der Häuptling krachend die Tür hinter sich verschlossen hatte seufzte der Hauptmann und sagte zu Oronêl: "Nun, dass ist besser gelaufen als befürchtet... und gleichzeitig schlechter, könnte man sagen. Könnt ihr gegen vier Mann bestehen und dabei noch eure Mitgefangenen beschützen?"
Oronêl schüttelte ratlos den Kopf. "Ich weiß nicht. Kommt drauf an welche Waffen ich habe und wie gut sie sind. Schwer zu sagen, aber ich muss es versuchen."
Dann erst fiel ihm auf, wie absurd das Gespräch war.  "Ihr seid ein sehr merkwürdiger Dunländer.", sagte er, und blickte Forath scharf an. Der zuckte gleichmütig die Achseln.
"Das mag schon sein. Ich bin in meiner Jugend viel herumgekommen, im Gegensatz zu meinen Stammesbrüdern."
"Das erklärt nicht, warum ihr Interesse daran habt, mir die Flucht aus diesem Kerker zu ermöglichen."
Jetzt grinste Forath verlegen. "Habe ich eigentlich auch nicht. Oder habe ich etwa den beiden" er deutete auf Gamling und Amrothos "geholfen? Nein, mein Plan ist ein anderer."
"Erleuchtet mich.", meinte Oronêl, während er unbewusst mit Calenwens Medaillon spielte. Er sah, dass Gamling in seiner Zelle gespannt lauschte, und auch Amrothos schien neugierig. "Bóran ist ein typischer Dunländer.", begann Forath, der merkwürdige Dunländer. "Er hasst die Menschen von Rohan, er hasst die Elben, er hasst die Menschen des Nordens... kurz, er hasst alle, die keine Dunländer sind. Darum hat er sich damals mit den anderen Häuptlingen Isengart angeschlossen, weil er hoffte, Rohan niederwerfen zu können."
"Aber daraus ist nichts geworden.", fiel Gamling mit rauer Stimme ein. "Rohan gibt es immer noch."
Forath nickte. "Das ist richtig. Und Bóran ist dem weißen Zauberer längst nicht mehr so treu wie früher. Seit seiner Gefangennahme" er zeigte auf Amrothos "werden die Lebensmittellieferungen, die wir nach Moria bringen sollen, jedes Mal weniger. Und nun will er seine Hilfe für Saruman ganz einstellen. Irgendetwas hat ihn mutiger werden lassen, und nun will er dem Weißen die Stirn bieten. Er träumt davon, ganz Dunland zu vereinen... Bóran, Hochkönig der Dunländer. Das ist sein Ziel."
"Und ihr wollt ihn stürzen." Es war eine Feststellung, keine Frage, dennoch nickte Forath. "Ja, ich will ihn stürzen und dazu brauche ich euch und euer Gottesurteil. Wisst ihr, unser bester Krieger ist Bórans Sohn, Hafthor, und Hafthor wird sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, einen Elben bei einem Gottesurteil im Kampf zu besiegen. Wenn ihr Hafthor und drei weitere von Bórans besten Kämpfern tötet..."
"Beraube ich ihn seines Erben und schwäche seine Position.", beendete Oronêl den Satz, und lehnte die Stirn gegen die kühlen Gitterstäbe. Die Politik in Aldburg hatte ihm gereicht, und er hatte nicht erwartet hier in Dunland solche Verwicklungen anzutreffen. Außerdem hatte er eine Vermutung warum Bóran seit Amrothos' Gefangennahme so selbstbewusst geworden war. Jetzt wusste er auch, warum ihm die Augen des Häuptlings seltsam trüb und dann wieder fiebrig glänzend vorgekommen waren - es war der selbe Blick den Amrothos hatte, wenn er von dem Ring sprach.

Forath nickte mit einem Lächeln und breitete die Arme aus. "Und darüberhinaus verliert er seinen wertvollen Gefangenen - oder inzwischen sogar alle drei."
"Und wenn ihr schließlich habt was ihr wollt... was dann?", fragte Oronêl. "Schließt ihr euch dann wieder Saruman an?" Der Hauptmann schüttelte den Kopf. "Nein. Wir Dunländer führen seit Generationen Krieg. Gegen die Rohirrim, untereinander... Und nun benutzt dieser Hexenmeister uns für seine Zwecke, und interessiert sich nicht dafür ob wir dabei untergehen. Dunland braucht Frieden, und ich will ihn dem Land bringen."
« Letzte Änderung: 3. Nov 2016, 15:50 von Eandril »

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Re: Die Kerker in Dunland
« Antwort #6 am: 14. Sep 2016, 18:42 »
Auch nachdem Forath den Kerker verlassen hatte um seinen Pflichten als Hauptmann der Wächter nachzugehen, gingen Oronêl seine Worte nicht aus dem Kopf. Er hatte nie die Loyalität von Sarumans Dienern in Frage gestellt. Sie waren für ihn eine Masse gewesen, die blind dem weißen Zauberer folge - selbst die Dúnedain. Aber offenbar war in Sarumans Reich längst nicht alles so, wie es schien, und wenn es sogar unter den Dunländern solche gab, die Saruman aus den ein oder anderen Gründen die Gefolgschaft verweigerten, wie Bóran und Forath, wie mochte dann erst die Lage im Norden unter den Halblingen, Dúnedain und anderen Menschen des Nordens sein?
Sobald er hier raus war und seine Aufgabe, den Ring zu zerstören abgeschlossen hatte, würde Oronêl Mathan und Halarîn nach Norden folgen. Allerdings war er bislang weder sicher ob ihm die Flucht aus dem Kerker überhaupt gelingen würde, geschweige denn, den Ring wieder zu erlangen und zu zerstören.
Er ließ sich auf den kalten, schmutzigen Boden der Zelle sinken und wandte sich an Amrothos. "Hat dieser Häuptling dir den Ring abgenommen?" Amrothos schwieg einen Augenblick, und Oronêl sah wie er die Kiefer fester zusammenpresste und seine Hände zu zittern begannen. Er sah Amrothos fest in die Augen. "Nein, konzentriere dich. Lass nicht zu, dass er dich überwältigt." Er ergriff Amrothos zitternde Hände und hielt sie fest.
Amrothos schloss die Augen, und als er sie wieder öffnete waren sie klar und sein Blick fest. "Ja.", sagte er, mit nur eine leichten Zittern in der Stimme. "Sie haben mich westlich des Tores von Moria gefunden, überwältigt und hierher geschleppt. Bóran hat mich persönlich durchsucht und den Ring in meiner Tasche gefunden. Er ahnt wohl, was es damit auf sich hat, denn er hat ihn nicht angesteckt sondern in seine eigene Tasche getan. Dann haben sie mich ohne weitere Worte in diese Zelle geworfen, und seitdem habe ich ihn nicht wiedergesehen."
Oronêl fragte nicht nach, ob er mit "ihn" Bóran meinte - oder den Ring.
"Was ist dir sonst passiert seit... Lórien?" Oronêl brachte das Wort nur mühsam über die Lippen, denn daran hangen zu viele schmerzhafte Erinnerungen, darunter, wie Amrothos ihn niedergeschlagen und den Ring gestohlen hatte. Amrothos schüttelte mit geschlossenen Augen den Kopf.
"Nein, nicht jetzt. Das ist zu..." Er atmete scharf ein, und brach ab. "Aber erzähl du mir, was du seitdem erlebt hast."

Und so erzählte Oronêl von der Schlacht um Lórien, auch wenn es ihm Schwierigkeiten bereitet, von der Niederlage zu sprechen - und von Amrûns Tod. Er erzählte, wie die Überlebenden aus dem Waldlandreich nach Rohan geflohen waren, und vom Rat in Aldburg. Als er zu Sarumans Auftritt und dem Bündnis der Rohirrim mit ihm kam, schlug Gamling, der aufmerksam und begierig nach Neuigkeiten aus Rohan zugehört hatte, mit der Faust gegen die Gitterstäbe. "Nein! Das kann nicht sein!", stieß er hervor.
Oronêl betrachtete den Alten mitleidig. "Doch, so ist es leider gewesen. Ich fühle ebenso wie ihr, denn Saruman hat auch über meine Heimat Feuer und Tod gebracht. Und jetzt sitze ich ebenso wie ihr im Kerker seiner Diener."
Oder seiner ehemaligen, wenn man die aktuelle Lage bedenkt.
Seine Worte schiene Gamling nicht zu beruhigen, sondern eher noch mehr aufzubringen. Mit Feuer in den Augen sagte der alte Rohir: "Wie auch immer ihr es anstellt, gewinnt diese Gottesurteil und bringt uns hier raus. Ich muss zurück nach Rohan, und wenn es mich das Leben kostet. Ich muss versuchen, mein Volk zur Vernunft zu bringen." Oronêl sah ihn mit neugewonnenem Respekt an. Offenbar hatte Gamling sich doch noch nicht aufgegeben, und wollte nicht in diesem erbärmlichen Loch sterben.
"Ich verspreche euch, dass ich mein bestes geben werde damit wir diesen Kerker lebendig verlassen.

Der Rest seiner Erzählung war kurz. Bei der Erwähnung Erchirions merkte Amrothos auf, und sah äußerst erfreut aus, als Oronêl erzählte wie er Mithrellas und die Erben Lenwes mit Erchirion als Verstärkung nach Dol Amroth geschickt hatte.
Als Oronêl zum Abschied von Irwyne kam, lächelte er, denn auch Amrothos hatte das Mädchen gern gehabt. Oronêl war erleichtert zu sehen, wie sich diese Regungen auf Amrothos' Gesicht abspielten. Die letzte Zeit war ohne Zweifel eine Qual gewesen, und es tat dem jungen Mann gut, von der Welt und seinen Freunden zu hören.
Schließlich kam Oronêl zum Ende seiner Geschichte, und Amrothos atmete tief durch. "Nun... dann bin ich wohl eigentlich an der Reihe." Oronêl sah die Angst in seinem Blick, und sagte: "Du musst es mir nicht erzählen, wenn du nicht willst."
Doch Amrothos schüttelte den Kopf. "Nein, das ist es nicht. Ich... ich weiß nur noch wenig von dem was geschehen ist. Ich erinnere mich, wie ich aus Lórien nach Norden geflohen und beinahe Sarumans Heer in die Arme gelaufen bin. Dann muss ich den... Ring... angesteckt haben, denn von da an wird alles verschwommen. Offenbar hat er mich unsichtbar gemacht, denn ich konnte mich ungesehen an den Orks vorbeischleichen und nach Moria gehen. Dort... waren viele Orks. Sie haben Waffen geschmiedet, Kriegsmaschinen... und Feuer, überall Feuer... selbst in den tiefsten Tiefen der Minen... überall Feuer." Seine Stimme zitterte und er verstummte für einen Moment.
Dann fuhr er mit tonloser Stimme fort: "Irgendwann fand ich einen Ausgang, das war das Westtor von Moria. Ich wich nach Süden von der Straße ab und wollte den Ring abnehmen, aber... ich konnte nicht! Ich weiß nicht, wie ich es geschafft habe, denn in meiner nächsten Erinnerung wache ich auf weil Regen auf mich fällt, und ich im Tal zwischen zwei Hügeln auf dem Erdboden liege, den Ring in meiner Faust.
Dann fanden die Dunländer mich, Bóran nahm ihn mir ab und alles was in diesem Kerker geschehen ist, ist verschwommen. Ich erinnere mich kaum... da war doch ein Halbling, oder nicht?" Den letzten Teil fragte er an Gamling gewandt, und der Alte nickte.
"Ja, Aldoc. Ein höflicher und mutiger junger Bursche."
"Was ist mit ihm geschehen?", fragte Oronêl, denn er erinnerte sich, dass die Wächter von einem Halbling gesprochen hatten. "Vor ein paar Tagen wurde er aus seiner Zelle geholt, und konnte wohl den Wächter überwältigen.", antwortete Gamling. "Er wollte auch mich befreien, aber keiner der Schlüssel passte zu meiner Zelle und er hatte keine Zeit mehr. Also habe ich ihm gesagt, er soll fliehen."
"Das muss euch einige gekostet haben." Oronêl sah den Schmerz im Gesicht des Alten. "Ja, es war nicht leicht. Aber wenn er versucht hätte mich mitzunehmen wären wir beide entdeckt worden. Ich hoffe, er hat es geschafft und ist nicht oben in Dorf getötet worden." Oronêl verneinte. "Ich habe die Wächter gelauscht, und auch wenn ich ihre Sprache nicht gut verstehen konnte, klang es eher als ob er ihnen entwischt wäre." Ein Lächeln breitete sich auf Gamlings Gesicht aus. "Gut. Das ist gut." Er klang sehr erleichtert, und Oronêl dachte bei sich, was für seltsame Freundschaften doch in einem Kerker entstehen konnten: Ein alter Rohir, und ein junger Halbling.

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Re: Die Kerker in Dunland
« Antwort #7 am: 15. Sep 2016, 12:44 »
Die zwei Wochen vergingen nur langsam, und Oronêl verbrachte seine Zeit damit, seine beiden Mitgefangenen wenigstens einigermaßen zu stärken. Es war klar dass weder Gamling noch Amrothos in der Lage sein würden, zu kämpfen. Aber zumindest brachte er sie dazu, immer wieder in ihren Zellen auf und ab zu laufen, anstatt den Großteil des Tages im Liegen oder Sitzen zu verbringen.
Während Gamling nach einiger Zeit zumindest einigermaßen zu Kräften zu kommen schien, machte Amrothos' Zustand Oronêl mehr Sorgen, denn er fiel immer wieder in einen tranceähnlichen Zustand, in dem seine Gedanken nur um den Ring kreisten. Es gelang Oronêl nicht immer, ihn aus seinem Wahnsinn zurück zu holen, und manchmal half nur abwarten - ein paar Minuten, ein paar Stunden oder sogar einen halben Tag.

Bereits am ersten Tag seiner Gefangenschaft war Oronêl das größte Risiko seit er sich in den Kerker geschlichen hatte, ein. Forath übernahm, obwohl er der Hauptmann der Wache war, hin und wieder auch den Wachdienst im Kerker, um ungestört mit den Gefangenen reden zu können, und bereits am ersten Tag erzählte Oronêl ihm von Orophin. Er wusste dass er seinen Gefährten damit vermutlich in größte Gefahr brachte, weil er dem Hauptmann  trotz seiner Hilfe nicht vollständig vertraute. Aber wenn Orophin nichts von dem Gottesurteil erfuhr, würde er wahrscheinlich auf eigene Faust versuchen, Oronêl zu finden und selbst gefangen werden.
Also erzählte Oronêl Forath von ihm, bat den Hauptmann, dem ehemaligen Grenzwächter alles über das Gottesurteil und die Lage in der Siedlung zu erzählen, und gab ihm Calenwens Medaillon mit, um Orophin zu beweisen, dass er tatsächlich von Oronêl geschickt wurde. Nach diesem Gespräch sah er Forath für drei Tage nicht wieder, aber da Orophin nicht in Fesseln in den Kerker geschleppt wurde, hatte er wohl Wort gehalten.
Am vierten Tag kam Forath zurück, und erzählte wie er Orophin gefunden hatte, von diesem beinahe getötet worden war und dennoch Oronêls Botschaft ausgerichtet hatte. Außerdem gab er Oronêl das Medaillon zurück, was diesen sehr erleichterte. Ohne das Medaillon um den Hals hatte er sich nackt gefühlt - was seltsam war, wenn man bedachte dass er es erst seit ein paar Tagen trug.
Bis zum Tag des Gottesurteils führte Oronêl viele Gespräche mit Amrothos und Gamling. Er erzählte beiden von der Welt, Gamling von Rohan und Amrothos von Dol Amroth und ihren gemeinsamen Erlebnissen. Er hoffte auf diese Weise die Düsternis des Kerkers, in dem Gamling schon so lange saß, zumindest ein wenig zu lichten und in beiden den Willen zum Leben zu erhalten.
Auch Forath kam hin und wieder und unterhielt sich heimlich mit den Gefangenen, und berichtete ihnen von der Lage oben in der Siedlung.



"Saruman hat einen Boten geschickt.", sagte Forath, an die Säule neben Gamlings Zelle gelehnt. "Offensichtlich ist ihm inzwischen aufgefallen, dass Bóran keine Vorräte mehr schickt." Das Gesicht des Hauptmanns war angespannt, was Oronêl zu er Annahme führte, dass der Bote kein normaler Mensch oder Ork war.
"Was ist das für ein Bote?", fragte er, und fuhr sich mit der Hand über das Gesicht. Er war müde, denn inzwischen zehrte die Gefangenschaft auch an seinen Kräften, und in der letzten Nacht war Amrothos wieder seinem Wahnsinn verfallen und hatte seine Mitgefangenen wachgehalten. Amrothos und Gamling schliefen nun beide, doch Oronêl war aufgewacht als Forath und einer seiner Anhänger die anderen Wächter abgelöst hatten.
"Er hat das ganze Dorf in Angst und Schrecken versetzt, und sogar Bórans unerschütterliches Selbstvertrauen ist ins Wanken gekommen.", erwiderte der Hauptmann mit grimmiger Miene, und verschränkte nervös seine Hände. "Es ist ein Mensch der sich Angbaug nennt, in der Sprache der Elben bedeutet das..."
"Eisenkrieger, ich weiß.", sagte Oronêl leise. Forath lachte nervös auf. "Verzeih mir, ich hatte vergessen dass du ja selbst ein Elb bist. Dieser Angbaug ist jedenfalls kein normaler Mensch. Sein rechter Arm ist ganz aus Eisen, und er stinkt noch drei Meilen weit nach Sarumans Zauberei."
"Wenn sein Arm wirklich ganz aus Eisen ist, hatte Saruman mit Sicherheit seine Hand im Spiel.", meinte Oronêl.
Forath nickte. "Ja, das denke ich auch. Er scheint jedenfalls ein mächtiger Krieger zu sein, und ich will nicht wissen was er sonst noch für Fähigkeiten von seinem Herrn erlernt hat. Allein seine Anwesenheit schüchtert das Dorf ein, und ich fürchte, selbst Bóran könnte einknicken."
"Hat der diesem Angbaug erzählt, welche Gefangenen in seinem Kerker sitzen?" Diesmal schüttelte Forath den Kopf. "Nein, noch nicht. Von Gamling weiß Saruman bereits, aber von euch anderen nicht und Angbaug hat nicht nach euch gefragt. Spätestens beim Gottesurteil wird er euch sowieso sehen."
Forath wandte sich zum gehen, blieb aber kurz stehen und sagte: "Bóran will euch die Wahl der Waffen beim Gottesurteil nicht überlassen, aber er hört auf meinen Rat. Womit möchtet ihr kämpfen?"
"Gebt mir eine Axt. Bóran wird nichts dagegen haben, denn so wie ich es gehört habe, kämpfen Elben immer mit dem Schwert oder dem Bogen." Oronêl lächelte schief, denn was er sagte entsprach der Wahrheit. Die meisten Elben kämpften ja tatsächlich mit diesen Waffen und einen Elben mit Axt schienen sich die meisten Menschen nicht vorstellen zu können. "Ich werde es ihm vorschlagen.", erwiderte Forath, und ging in die Wachstube zurück.

Die letzten Tage vor dem Gottesurteil vergingen ebenso wie die Wochen zuvor. Offenbar hatte Sarumans Botschafter nicht nach irgendwelchen Gefangenen gefragt, denn niemand kam um sie zu sehen, nicht einmal Forath. Dessen Abwesenheit machte Oronêl Sorgen, denn was wenn sein doppeltes Spiel entdeckt worden war?
Diese Sorgen erwiesen sich am Tag des Urteils als unbegründet, denn abends kam Forath mit vier weiteren Dunländern, öffnete die Zellen, fesselte den Gefangenen die Hände auf dem Rücken und befahl ihnen, ihm aus dem Kerker zu folgen.
Es war die Nacht vom neunundzwanzigsten auf den dreißigsten Juni.

Oronêl, Amrothos, Gamling und Forath nach Dunland...
« Letzte Änderung: 3. Nov 2016, 15:50 von Eandril »

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