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Autor Thema: Schatten von Angmar  (Gelesen 4204 mal)

Lord of Mordor

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Schatten von Angmar
« am: 5. Okt 2015, 00:03 »
Wir teilen die Nebel der Vergangenheit und blicken zurück auf eine andere Zeit: Auf Tage von Eisen und Winter, die Geschichten des Königreichs Angmar; unvollendet, lange vergessen geglaubt, geschrieben auf einer blutigen Schriftrolle...



Prolog: Die Belagerung von Bruchtal

Wir schreiben das Jahr 1422 des dritten Zeitalters von Mittelerde...
Das Heer Angmars hat das Königreich Cardolan bezwungen, und Orks und Hügelmenschen belagern nun die Elbenzuflucht Imladris...


El-Murazor schrieb:

Seit der gescheiterten ersten Angriffswelle hatte sich das Heer von Angmar etwas zurückgezogen, doch noch immer bildeten die feindlichen Reihen einen Riegel, der Bruchtal von allen anderen abschnitt. Für die Elben war die Lage aussichtslos, denn ohne Verstärkung würden sie nicht mehr lange standhalten können. Bedrückte Stimmung herrschte unter den sonst so fröhlichen Elben.
   
Elladan und Elrohir standen neben ihrem Vater und starrten mit düsteren Minen in den Nachthimmel. Keiner von ihnen sprach ein Wort, das war auch nicht nötig, denn die kommenden Stunden würden eine Entscheidung bringen. Leise, leichte Schritte kündigten zwei weitere Elben an. Elrond und seine Söhne drehten sich langsam um und in der Dunkelheit zeichneten sich langsam die Umrisse von zwei etwa gleich großen Männern ab.
Glorfindel ging voran, in seinem Gesicht zeigte sich keine Regung, doch in seinen Augen begann sich Resignation abzuzeichnen. Die zweite Gestalt bleib zwei Schritte hinter Glorfindel stehen, das Gesicht blieb im Schatten, sodass niemand sehen konnte was sich in seinen Augen abspielte, und dennoch stand er völlig regungslos.

 „Warum gesellst du dich nicht ganz zu uns?“, fragte Elrond schließlich. Mauritius trat wortlos hervor und nun konnten die anderen erkennen, dass unter seiner Kapuze Blut herab sickerte. „Du bist verletzt“, bemerkte Elrond und deutete auf die Wunde. „ Das ist nichts“, antwortete Mauritius. „Glaub mir, ich sah schon schlimmer aus“. Dies ließ ein leises Lächeln auf Glorfindels Gesicht treten und auch Elrond fragte nicht weiter. „Wie ist unsere Lage?“, ließ sich Elladan vernehmen.

„Unverändert“, war die Antwort von Glorfindel. „Der Feind hat die Brücke besetzt, doch den Eingang des Tals halten wir. Der Feind hat einen General verloren, doch wir dabei Liutasil und all unsere Kavallerie. Vor etwa einer Stunde gab es einen weiteren Versuch, durch unsere Reihen zu brechen, doch Mauritius und Erestor ist es gelungen, sie zurückzuschlagen. Ohne weitere Verstärkung halten wir nicht mehr lange durch, so viel ist gewiss.“ Ein langes Schweigen war die Folge dieser Worte.

„Es gibt noch eine Möglichkeit“, ließ sich eine leise Stimme vernehmen. Die anderen wandten sich dem Sprecher zu und warteten auf eine weitere Erklärung. „Wir greifen sie im Norden an, denn dort haben sie weniger Deckung. Ich versuche derweil, mich im Süden durchzuschlagen und ins Gebirge zu kommen. Wenn es mir gelingt, reite ich nach Lorien und hole Hilfe. Mit Alagos werde ich schnell dort sein und Galadriel wird uns helfen, wenn sie nicht schon um unsere Lage weiß.“

„Wir haben nicht die Mittel für einen Angriff, außerdem brauchst du viel zu lange nach Lorien und wieder zurück, bis dahin sind wir überwältigt.“, warf Glorfindel ein. „Dann muss es auch ohne Ablenkung gehen“, kam die grimmige Antwort. „Ich werde es schaffen! Ich komme nach Lorien und rechtzeitig wieder zurück! Wir müssen es versuchen! Untätig bleiben bessert unsere Lage auch nicht!“ Eine grimmige Entschlossenheit spiegelte sich in seinem Gesicht und seine Haltung wirkte angespannt, jede Müdigkeit war aus seinem Antlitz verschwunden.
 „Dann geh, geh mit den besten Wünschen aller Elben, doch gerne verliere ich dich nicht in diesem Kampf“, sprach Elrond. Ohne ein weiteres Wort, doch mit einer Geste der Entschlossenheit wandte Mauritius sich um und ging in Richtung Stall davon. Glorfindel folgte ihm, Elladan und Elrohir liefen leichtfüßig zur Front zurück.

Behänd schwang sich Mauritius in Alagos' Sattel und Glorfindel trat zu ihm heran. Er wollte schon sprechen, doch Mauritius kam ihm zuvor. „ So lange kennen wir uns jetzt schon, so oft haben wir zusammen gekämpft. Mein Herz sagt mir, dass wir uns schon sehr bald wiedersehen werden. Leb wohl, mein Freund, und haltet stand, bis ich zurück bin!“ Mit einer freundlichen Handbewegung verabschiedeten sie sich, und Mauritius machte sich auf den Weg.

Am Flussufer angekommen stieg er ab und führte sein Pferd zu Fuß weiter. Schon bald sah er die Wachposten aus Angmar. Es waren weiße Wölfe und ihr Fell schimmerte durch den Nebel hindurch. Ein Heulen zerriss die Stille und kurz darauf ertönten mehrere Schreie. Die Wachen hatten ihn bemerkt. Jetzt galt es keine Zeit zu verschwenden, der Halbelb saß auf und ritt direkt in den Fluss hinein. Kaltes Wasser umgab ihn und das Wasser schlug über seinem Kopf zusammen. Alagos schnaubte an seiner Seite und es gelang ihm, sich an dem Pferd festzuhalten. Der Fluss führte zu dieser Jahreszeit sehr viel Wasser und entsprechend schnell strömte er dahin. Die Wachen erkannten die tollkühne Tat zu spät und kein Pfeil der Soldaten erreichte sie. An einer Landzunge gelang es Mauritius, wieder an Land zu gehen und schnellstmöglich ritt er Richtung Süden.

Ein paar Stunden später, er hatte gerade beschlossen, seinem Tier eine Pause zu gönnen, gewahrte er plötzlich Gestalten vor sich. Er wollte schon umdrehen, als ihn eine Stimme auf elbisch anrief: „ Warte!“ Erstaunt hielt er an und ein Elb kam auf ihn zu. „Ich bin Gwoldor, ich komme im Auftrag meiner Herrin, sie kennt eure Lage und schickt euch diese zweihundert Soldaten zur Hilfe.“ Mauritius war zu erstaunt um zu antworten. „Ich habe dich schon erwartet, Menendor, der Adler, hat es mir verraten!“ „Unsere Lage ist schlimm und wir dürfen keine Zeit verlieren“,  sagte Mauritius immer noch verwundert und die graue Schar machte sich auf den Weg.

Am Vormittag erreichten sie die feindlichen Linien und erkannten, dass die Feinde einen großen Fehler gemacht hatten: Sie konzentrierten sich nur auf Bruchtal und hatten keine Wachposten in ihrem Rücken. „Das ist unsere Chance“, sagte Gwoldor und Mauritius nickte. Er zog sein Schwert und sofort stand die Schar in weißem Licht.
Das Licht machte es ihnen leicht ums Herz und ließ die Augen des Halbelben erstrahlen. „ Für unsere Freunde!“ rief er und lief auf den feindlichen Stützpunkt zu. Die Elben folgten ihm und gerade, als die Armeen Angmars einen weiteren Angriff auf Bruchtal landeten, fielen die Elben in das Lager ein. Menschen und Orks waren starr vor Schreck und das Licht von seinem Schwert blendete sie. Mit ungeheurer Schnelligkeit drangen die Elben auf die Feinde ein und erschlugen viele, der kleine Rest floh nach Norden. „Zum Eingang!“, rief Mauritius und die Elben drangen weiter vor.

Einen Moment sah es so aus, als würden die feindlichen Soldaten durch den Ring der Verteidiger brechen und ins Tal einmarschieren, doch in diesem Augenblick kamen die Galadhrim und fielen der Armee in den Rücken. Menschen und Orks gerieten zwischen Hammer und Amboss und nun folgte die bisher blutigste Schlacht um Bruchtal. In Panik versuchten die Feinde, sich zu befreien, und schließlich gelang es einer Gruppe, nach Norden zu entkommen.
 Mauritius Schwert' leuchtete durch das Getümmel, denn kein Blut blieb an ihm kleben. Er war ein guter Kämpfer, hatte Erfahrungen in unzähligen Schlachten gesammelt und seinem Umgang mit dem Schwert kam keiner gleich. Ein Ork nach dem anderen fiel durch sein Schwert, das die Rüstungen und Schilde wie Papier durchschnitt. Eine Stunde lang tobte die Schlacht, danach war im Umkreis von zehn Meilen kein Ork mehr am Leben. Allerdings hatte man mehrere Menschen aus Rhudaur gefangen nehmen können. Auf dem Schlachtfeld trafen Glorfindel und Mauritius wieder zusammen und reichten sich die Hand. Beide waren erschöpft und mit Blut bespritzt, doch nicht ernsthaft verletzt und gemeinsam machten sie sich auf den Weg zu Elronds Haus.
Dort erwartete sie schlimme Kunde: Die Hälfte aller Soldaten aus Lorien war gefallen oder verwundet, und von der Armee aus Bruchtal war nur noch ein Drittel übrig.

Aus diesem Grund freute sich diese Nacht niemand über den Sieg. Doriel versorgte die Wunde ihres Mannes und auch seine Töchter leisteten ihm Gesellschaft. Über ihre Wangen liefen Tränen, denn sie hatten sich sehr um ihn gesorgt.

Am nächsten Tag schickte Elrond Späher aus, die einen Tag später berichten konnten, dass sich der Feind bis zur Wetterspitze zurückgezogen hatte. Mauritius nahm sich dies zum Anlass, seine Familie nach Lorien zu bringen und weilte dort mit ihnen eine lange Zeit. Die Galadhrim hatten sie begleitet und sicherten jetzt wieder die Grenzen Loriens, denn über Dol Guldur hatte sich ein Schatten gebildet.
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Re: Schatten von Angmar
« Antwort #1 am: 5. Okt 2015, 00:04 »
Kapitel I

Die Invasion Angmars

Marsch der Armee

Fünfhundert Jahre lang rüstete der Hexenkönig nach der Niederlage bei Bruchtal für den entscheidenden Schlag. Und nun, nach Jahrhunderten des Wartens und des Planens, war es soweit...

Adamin schrieb:

Eiskalter Wind wehte von Norden her und trieb eine graue Wolkendecke voran. Trotz des weißen Schnees umhüllte die Festung des Hexenkönigs ein düsteres Zwielicht. Um die Feste scharten sich gewaltige Horden von Orks, Hügelmenschen und anderem Getier Angmars, welche auf den Ausmarsch gen Arnor warteten. Gulzár befand sich auf der höchsten Zinne des Bollwerkes und strich in melancholischer Abwesenheit über die reich verzierte Steinmauer. Carn Dûm, die ‚rote Senke’, hatte man die Bergfestung einst vor vielen Jahrhunderten getauft, doch selbst nach so langer Zeit hat sie nichts von ihrem bedrohlichem Glanz verloren. Sie diente dem Hexenkönig seit dem Anbeginn seines Reiches, so wie er selbst, und diese Tatsache faszinierte ihn. Viele Male stand Gulzár schon auf dieser Zinne und durfte die volle Größe der Armee Angmars bestaunen. Viele Male sah er sie siegreich zurückkehren, jedoch nicht selten wurden sie auch selbst vernichtet. Die gesamten Truppenverbände verloren ihren ehrfürchtigen Glanz mit der einfachen Einsicht, dass sie alle zu ersetzen waren. Doch Carn Dûm würde dem Hexenkönig weiterhin dienen, genau wie Gulzár.

Das Geräusch schwerer Schritte kam näher und schließlich betraten zwölf Hexer die Zinne, angeführt von Zaphragor. Gulzár drehte sich nicht zu ihnen um, doch trotzdem spürte er ihre suchenden Blicke und hörte ihre verwirrten Gedanken. „Wo ist der Hexenkönig? Warum ist er nicht hier?“, hörte er Zaphragor bellen. Mit einem hellen Klirren zückte er seine Klinge. „Er sichert den Auszug seiner Streitkräfte.“, antwortete Gulzár ruhig und drehte sich langsam um.
„Spürt ihr nicht die Magie, die den Wind nach Süden peitscht? Schmeckt ihr nicht ihren fahlen Geschmack auf der Zunge und bemerkt ihr kein Kribbeln in den Fingerspitzen? Dann habt ihr noch viel zu lernen...“
Er blickte in die verschlossenen Gesichter seiner zwölf Brüder. Selbst wenn sie nichts dergleichen spürten, waren sie nicht so töricht, es offen zu zeigen. Schließlich ließ Zaphragor sein Schwert sinken, trat neben Gulzár und blickte auf die Armee unter ihnen.
„Er verdunkelt den Himmel...“, zischte er kaum hörbar.
„Die Orks fürchten sich vor dem Sonnenlicht. Und wenn es vom Schnee reflektiert wird, werden diese Kreaturen höchstwahrscheinlich erblinden. Außerdem wird es dadurch erst weit im Süden zu schneien beginnen und so unseren Marsch vorerst nicht behindern.“, sprach Gulzár fast wie zu sich selbst und schaute nun ebenfalls auf die Truppen.

„Wie viele Krieger sind das, Gulzár?“ Er gehörte zu den wenigen, die Zaphragor mit Namen ansprach. Alle anderen nannte er einfach ‚Dreck’ oder ‚Fleisch’.
„8000 Orks vom Gundabad, 5000 Hügelmenschen aus Rhudaur und Umgebung, 2000 Wölfe und Warge, 1000 schwarze Gardisten und 500 Trolle.“
„Wahrhaftig eine große Streitmacht.“
„Die Größte, die der Meister jemals ausgehoben hat...“
„Und vor allem viel zu langsam!“, herrschte Zaphragor den alten Hexer an. „Damit werden wir Wochen brauchen, um Arthedain zu erreichen. Ich werde vorausreiten!“
Gulzár setzte tonlos dagegen. „Es ist der Wille des Hexenkönigs, dass seine gesammelte Armee ausrückt und Arnor angreift. Dazu gehören auch alle Befehlshaber, denn die Truppen müssen irgendwie angeführt werden...“
Zaphragor antwortete nicht. Er befolgte die Befehle seines Meisters, egal was sie verlangten.
„Wir werden zur rechten Zeit ankommen. Der Herr sorgt dafür, dass der Winter uns -“

Die Magie, die in der Luft lag, veränderte sich und ließ Gulzár innehalten. Sie wurde stärker und stärker, bis der Wind abrupt abflaute. Er wusste, dass dies nur eins bedeuten konnte.
Der Hexenkönig war bereit, um in die Schlacht reiten.
„Dûrmarth!“, hallte Gulzárs Stimme bis hinab in die Feste. Eilig kam ihm der junge Krieger entgegen, gekleidet in der Rüstung eines schwarzen Gardisten; unter der Armbeuge hielt er den Helm festgeklemmt. „Reite mit den anderen Gardisten hinaus und formiere die Armee. Wir werden bald aufbrechen.“ Dûrmarth nickte und machte sich auf den Weg hinab.

Zaphragor knurrte und begann anschließend wie ein Wahnsinniger zu lachen. Auch Gulzár bemerkte ein Gefühl der Unbesiegbarkeit und Euphorie. Mit einem Mal verdichtete sich die allgegenwärtige Zauberkraft in der Mitte der Festung und schien jegliche Helligkeit mit sich zu saugen. Mehrere Sekunden lang lag Carn Dûm in einem unnatürlich glimmenden Zwielicht, bis sich die Magie schließlich über dem Heiligtum des Hexenkönigs entlud und in einer gigantischen grünen Lichtsäule gegen den Himmel strebte. Dort, wo das Licht die Wolken traf, verdunkelten sie sich und schickten kleine Blitze zwischen sich hin und her.
Die Tür zum Heiligtum öffnete sich und der Hexenkönig kam aus der unendlichen Schwärze  heraus geritten. In der Rechten hielt er ein gewaltiges Schwert und in der Linken seinen Streitkolben.
Es dauerte einen Moment, bis sich Gulzár wieder gewahr wurde, dass er Beine besaß. Er wand sich zu seinen zwölf Mitstreitern. „Eilt euch, auf die Pferde! Wir reiten los, um Blut für die Eisenkrone zu vergießen.“

Am Haupttor der Festung trafen sie sich. Der Hexenkönig ritt hinaus, umringt von seinen dreizehn Hexern. Zaphragor und Gulzár ritten direkt neben ihm.
Auf der Ebene vor Carn Dûm bot sich ihnen ein imposanter Anblick. Das gesamte Heer stand in geordneten Reihen und Batallionen vor ihnen, schwenkten die Banner der Eisenkrone, spornten sich gegenseitig mit Kriegsrufen an und ließen ihre Kriegshörner erschallen.

Doch der Hexenkönig war nicht beeindruckt. Er legte den Kopf in den Nacken und ließ einen lang gezogenen Schrei erklingen. Einen Laut, der jegliche Menschlichkeit verloren hatte, einem das Leben aus dem Kopf trieb und die Armee augenblicklich verstummen ließ. Einen kurzen Augenblick musterte der Herrscher von Angmar seine Soldaten, dann sprach er und seine Stimme hallte in jedem einzelnen Schädel wider, der auf der Ebene um sein Leben bangte.

„Marschiert nach Arthedain...
Brandschatzt jedes Haus.
Schlachtet jeden Mann.
Zerreißt ihre Frauen.
Und quält ihre Kinder.
Denn jeder Mensch soll wissen,
dass der Hexenkönig von Angmar kommt
und Arnor den Tod bringt...“



Gnominator schrieb:

Nach der Ansprache des Hexenkönigs fing die gesamte Armee an zu jubeln. Tagelang konnte  Dûrmarth noch das ohrenbetäubende Gejohle der Orks und der wilden Menschen in seinen Ohren schallen hören. Er selbst blieb nach der Rede des Hexenkönigs still… Warum sollte er grölen und jubeln? In seinem Inneren brannte ein Feuer, das selbst durch einen lauten Kampfesruf nicht stärker brennen konnte. Auf diesen Moment hatte er so lange gewartet. Endlich konnte er Rache üben. Rache für etwas, woran er sich nicht mehr genau erinnern konnte, Rache für eine Tat, die jedenfalls so grausam gewesen sein musste, dass er, obwohl er alles vergessen hatte, immer noch Zorn gegen Arthedain spürte…

Noch während das Jubeln der Orks andauerte, setzte sich die Armee in Bewegung.
Die Kohorten der Orks und Hügelmenschen johlten den ganzen Tag durch und man sah ihnen den Kampfeifer an, wenn man nur in ihre Gesichter schaute. In den Augen der Menschen und Orks vom Gundabad brannte der Hass gegen die Menschen aus Numenor, und je weiter sie marschierten, desto stärker loderte er auf. Die Trolle trotteten mürrisch zwischen den Orks und Menschen, mit einer schweren Eisenkette zwischen ihren Händen, damit man sie unter Kontrolle halten konnte. Jeder wurde von ein paar Orks umgeben, die darauf aufpassen sollten.
An vorderster Stelle im Heereszug marschierten die Gardisten. Sie waren das komplette Gegenteil der übrigen Armee. Sie liefen alle in Reih und Glied und um sie herum war alles still. Bei ihnen loderte kein Feuer in den Augen, welches die Gier zeigte, Blut der Menschen von Arthedain zu vergießen, sondern nur kalter Hass. Sie alle wollten ihren alten feind Arthedain nun endgültig vernichtet sehen.

Dûrmarth lief in vorderster Reihe der Gardisten, direkt hinter den Hexern und dem Hexenkönig. Er marschierte zwar als Dunkler Numenor mit, war aber anders als die übrigen Gardisten. Während sie schon in die Herrschaft des Hexenkönigs hineingeboren waren, diente er erst seit kurzem dem Hexenkönig. Viele vertrauten ihm nicht und waren neidisch auf ihn, weil er unter den Hexern eine so gute Ausbildung genossen hatte. Doch er hatte sich gegen diese dunklen Numenorer durchgesetzt und gehörte nun der Leibgarde der Hexer an.

Sie marschierten ohne Pause den ganzen Tag durch.  Als es schließlich Abend wurde, brachte der Hexenkönig die gesamte Armee mit einem langen Schrei zum Stehen. Sofort wurden eilends Zelte aufgeschlagen und Holz gesammelt, um das Essen für die Armee zuzubereiten. Nachdem gegessen worden war und die Zelte standen, gingen die meisten Diener des Hexenkönigs schlafen.
Dûrmarth wanderte durch die Reihen der Zelte.  Er brauchte keine Ruhe, er hätte sowieso nicht schlafen können. Dies war nun die erste Nacht, in der sie auf dem Marsch nach Arthedain und in den Krieg waren.  Langsam wurde es ruhig zwischen den Zelten und die meisten Menschen und Orks waren eingeschlafen. Er setzte sich an ein Feuer und wollte eigentlich seine Beine ausruhen, doch auf einmal hörte er ein lautes Brüllen und ein paar entsetzte Quiekgeräusche hinter ihm und danach das Zerbersten von Holz. Blitzschnell sprang er auf die Beine und drehte sich um. Er sah sofort, was passiert war: Ein Troll war durchgedreht und hatte den Baum, an dem die Ketten ihn gefesselt hatten, gefällt. Die Orks, die um ihn herum Wache hielten, rannten vor Angst quiekend in alle Richtungen davon. Ein Ork war nicht schnell genug und der Troll schlug ihn mit seiner Faust. Noch ein letztes mal kreischend, flog der Ork gegen einen anderen Baum.  Mit dem Kopf voraus schlug er am Baum auf und rutschte danach leblos am Stamm herab und sein Blut färbte den Boden unter ihm schwarz. Bevor Dûrmarth wusste, was er tat rannte er schon auf den Troll zu. Dieserl, immer noch rasend vor Wut, erblickte ihn, und rannte ihm brüllend entgegen. Zwischen seinen Armen war immer noch eine schwere Eisenkette gespannt, doch Dûrmarth wusste, welche Kraft der Troll auch so, mit gefesselten Händen, hatte. Er hatte schließlich seinen Finger im Kampf mit einem Troll verloren und hatte auch schon oft gegen andere dieser Bestien gekämpft und sie gezähmt.

Dûrmarth und der Troll näherten sich immer schneller. Zehn Meter lagen noch zwischen ihnen… neun Meter…sieben Meter… vier Meter. Dann sprang Dûrmarth flach über den Boden. Der Troll schlug mit einer Wucht, die den Boden erzittern ließ, auf den Fleck, wo Dûrmarth vor wenigen Zehntelsekunden noch gestanden hatte, auf. Dûrmarth war in diesem Moment schon hinter dem Troll und wollte auf seinen Rücken springen, doch soweit kam es nicht. Der Troll hatte einen kleinen Schritt nach hinten gemacht und stand nun auf dem Kettenhemd, das Dûrmarths Arm schützte. Dûrmarth fluchte laut. Der Troll schaute verdutzt in alle Richtungen. Sein Gegner war auf einmal verschwunden; er sah ihn nicht mehr, aber er hörte ihn noch deutlich. Endlich drehte er sich um und machte einen Schritt zur Seite und Dûrmarth hatte die Chance, wieder auf die Beine zu kommen. Doch nun hatte der Troll ihn auch wieder bemerkt und schlug auf ihn ein. Fluchend und mit vor Schmerz verzogenem Gesicht wich Dûrmarth dem Schlag aus.

Immer weiter musste Dûrmarth zurückweichen, während der Troll immer wütender wurde. Doch Dûrmarth wartete nur auf eine Möglichkeit, in der die Kreatur eine Schwachstelle zeigte. Und schließlich, nach zehn Minuten des Geplänkels, fand er sie. Als der Troll gerade mit beiden Fäusten auf Dûrmarth einschlagen wollte, sprang er wieder hoch. Er landete direkt auf den Armen des Trolls und kletterte blitzschnell hinter den dicken Trollkopf. Wütend schrie der Troll auf und riss seine Hände nach hinten. Dûrmarth nutzte diese Gelegenheit und packte die Kette, die zwischen den Fäusten des Trolls gespannt war, und zog sie hinter seinen Kopf. Der Troll wollte seine Arme wieder runterziehen und zog sich dadurch die Kette tief in den Nacken. Der Schmerzensschrei des Monsters schallte durch das ganze Lager; der Troll fing an sich zu drehen und mit den Armen wie wild um sich zu schlagen, um irgendwie aus dieser Position herauszukommen und seinen Gegner wieder vor sich zu haben. Doch Dûrmarth kannte diese Situation. Nun war er Herr der Lage und konnte den Troll dazu bringen, all seine Kraft in wilden Schläge und Bewegungen zu verpulvern. Es kam Dûrmarth wie eine Ewigkeit vor, in der er hinten auf dem Troll saß und die Kette immer hinter seinen Hals drückte, während dieser immer wieder ausschlug und versuchte, den Menschen abzuschütteln.
Doch schließlich gab der Troll auf. Seine angespannten Glieder erschlafften  und er sank langsam zu Boden. Dûrmarth stieg von dem Troll herab, hielt aber immer noch die Kette in den Händen. Er schaute den Troll an. Nichts war mehr von der wilden Bestie übrig,  gegen die er gerade gekämpft hatte. Vor ihm lag ein Troll, der am Ende seiner Kräfte war und wusste, dass man ihn nun wahrscheinlich töten würde. Dûrmarth schaute ihm noch einmal in die Augen und bemerkte, wie der Troll furchtsam an ihm vorbeischaute.
Dem Blick folgend, sah Dûrmarth den Grund: Ein Trupp Orks mit langen Speeren kam herbei und schaute zornig den Troll an. Der Trupp blieb vor Dûrmarth stehen. „Lass uns vorbei!“, krächzte der vorderste Ork. „Wir müssen diese Bestie töten, bevor sie noch mehr Schaden anrichtet. Dieser Troll ist eine Gefahr für uns alle!“ Die Orks fletschten lachend ihre Zähne und der erste ging schon mit der Lanze auf den Troll los. Doch Dûrmarth war schneller. Man sah ein kurzes Aufblitzen und danach fiel der Ork leblos zu Boden. Man hörte die anderen Orks verwirrt und ängstlich in ihrer krächzenden Sprache aufschreien.
„Dieser Troll bleibt am Leben!“, flüsterte der Numenor mit einem befehlenden Unterton den Orks zu. „ Er wird nie wieder Schwierigkeiten machen oder unserer eigenen Armee, der Armee des Hexenkönigs, schaden. Ich weiß, dass ihr jeden Troll, der durchdreht und sich gegen unsere eigene Armee wendet, töten sollt. Doch dieser Troll wird keinen Schaden mehr anrichten. Darauf gebe ich euch mein Wort und nun verschwindet, bevor ich noch mehr von euch töten muss!“
Langsam wichen die Orks zurück, bis sie schließlich zwischen den Zelten verschwunden waren.
Dûrmarth ließ das Schwert sinken und schaute den verdutzten Troll an. Er nahm dessen Kette wieder in die Hand und führte ihn wieder zu dem Platz, an dem er zuvor angebunden gewesen war. Der Troll machte keine Anstalten, sich gegen ihn zu wehren. Danach befahl Dûrmarth den Orks, ihn wieder an einen Baum zu binden, ihm aber genügend Freiraum zu lassen. Als die Orks zu ihm kamen, knurrte der Troll noch einmal laut, doch Dûrmarth schaute ihn scharf an und der Troll ließ sich von den Orks an den Baumstamm binden.

Dûrmarth ging danach zurück zu den anderen Gardisten, legte seinen Mantel auf einen Strohballen und legte sich darauf hin. All seine Glieder taten von dem Kampf mit dem Troll weh, vor allem der Arm, auf dem der Troll noch vor kurzem gestanden war.  Schließlich übermannte ihn die Müdigkeit und die Erschöpfung und er schlief ein.

Am nächsten Morgen würden sie weiterziehen, die Grenze Arthedains war nah...
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Re: Schatten von Angmar
« Antwort #2 am: 5. Okt 2015, 00:06 »
Der Fall der Grenze

Der große Schlag Angmars gegen die Grenze Arthedains stand kurz bevor...

Logrím schrieb:

Nacht war über Arthedain hereingebrochen, doch diese Nacht war anders als die vorherigen. Ein bleicher Nebel verpestete den Boden und verbarg alles, was darunter lag, ein grausamer Wind peitschte den Schnee zu Boden. Es war noch deutlich kälter als sonst. Alles schien wie tot, weder das Heulen der Wölfe noch das Geräusch der Eulen in den Wäldern erklang. Etwas Unnatürliches war hier am Werk und legte seinen Schatten über Arthedain.

Obwohl es sehr bewölkt war, zog die Kälte immer mehr auf an den äußeren Gebieten Arthedains. Die Wachen Caragosts zitterten in ihren Rüstungen und versuchten, sich durch Gespräche und Bewegung munter zu halten, aber achteten so weniger auf alles andere. Die äußeren Gebiete waren auch schon einige Zeit nicht mehr angriffen worden, die Plünderer konnten immer von den Grenzwachen zurückgehalten werden, und so brauchten sie sich eigentlich weniger Gedanken machen.
Die Nacht war schon lange herein gebrochen, als plötzlich das Vieh in den Ställen unruhig wurde. Langsam bekamen auch die Wachen ein ungutes Gefühl… der Nebel schien ihnen dichter und düsterer als sonst. Einer versuchte, im Nebeldunst etwas zu erkennen, als ein Pfeilhagel aus dem nichts einschlug und ihm den Kopf durchbohrte. Ein weiterer traf den nächsten in den Brustkorb. Der letzte konnte sich mit letzter Kraft zur Alarmglocke schleifen und starb noch beim Läuten dieser, aber es hatte ausgereicht, um Alarm zu schlagen.
Es brach Panik aus, viele flüchteten aus ihren Häusern auf die Straße, um zu entkommen, aber dort waren sie ein leichtes Ziel für die Bogenschützen im Nebel. Langsam zog sich eine rote Blutlache über den sonst so reinen Schnee.  Überall rannten schreiend Bürger herum, während die Stadtwachen sich hastig rüsteten. Sie fürchteten um ihr Leben, die Angst lähmte sie förmlich, denn sie konnten ihren Feind nicht einmal erkennen. Doch es kehrte allmählich wieder Stille ein, dann hörte man das Stapfen im Schnee. Hügelmenschen und Orks kamen aus der Nebelwand gestürmt, mit finsteren und blutdurstigen Blicken sahen sie sich um und liefen brüllend in die Stadt.
Die Stadtwache hatte in der Zeit eine kleine Verteidigung aufgebaut. Die Hügelmenschen würden plündernd durch die Stadt marschieren und alles auf ihrem Weg verwüsten, dann aber geradewegs in Ihre Falle im Zentrum laufen, dachte ihr Hauptmann Thorond.
Inzwischen brannten schon die ersten Häuser, das einzige, was Licht in dieser Nacht brachte.
Der Plan von Thorond ging auf, die feindlichen Truppen liefen wutentbrannt auf sie zu, mit der Fahne der Eisenkrone voran. Thronod hatte aber Bogenschützen auf den Dächern postieren lassen und er und seine Männer hielten die Feinde auf, damit die Bürger fliehen konnten. So konnten sie mehrere Wellen aufhalten, doch der Feind war in Überzahl und sie schlugen, traten und bissen sich ihren Weg frei.
Nach kurzer Zeit war auch der letzte der Stadtwache von ihnen niedergestreckt worden, und ein schwarzer Teppich aus Blut und Leichen beschmutzte die Straße. Die halbe Stadt brannte bereits und man hörte nur noch Orkgebrüll und die Todesschreie der letzten Bewohner aus dem Zentrum, durch die steinernen Straßen marschierten nun Soldaten aus Rhudaur, Hügelmenschen, Orks und anderes Getier. Der Krieg der Menschen im Norden hatte nun begonnen und würde erst enden, wenn das letzte Geschlecht Elendils von dieser Welt gegangen war oder Angmar in Trümmern lag.

Angmars Hauptstreitmacht hatte Arthedains Grenzen also überwunden...
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Re: Schatten von Angmar
« Antwort #3 am: 5. Okt 2015, 00:06 »
Dunkle Vorahnungen

Der Fall der Grenzwachposten war für Tirnions Dorf, so wie für ganz Arthedain, ein harter Schlag. Das Dorf Ragnas war nun ohne Schutz, jederzeit könnte der Angriff der Hügelmenschen statt finden.

Prinz Brand schrieb:

 "Tirnion! Tirnion!", rief eine bekannte Stimme. Ein mit einer schwer aussehenden Rüstung gepanzerter Krieger schrak auf. "Annaêl! Ich habe doch gesagt, du sollst alles zu deiner Abreise bereit machen! Bist du etwa schon fertig?", sagte Tirnion zu einer gut gekleideten Elbin. Das Dorf wurde evakuiert, die Bürger flohen nach Fornost, wie viele andere. Ragnas war nahe an der Grenze zu Rhudaur, erst gestern hatte sie ein verletzter Flüchtling erreicht und ihnen die Nachricht vom Fall Caragosts gebracht. Angmars Truppen konnten nun jederzeit in das kleine Dorf einfallen.
"Ja, ich bin fertig, genau wie all die anderen Frauen und Kinder. Wir können gehen." Ein leises Gemurmel ging durch die kleine Bevölkerung, viele hatten Angst, von Hügelmenschen attackiert zu werden.
 Die Tage waren für den Anfang Herbst schon sehr kalt. Viele Leute froren. "Es beginnt zu schneien!" riefen viele Kinder aufgeregt. Annaêl wurde auch von Tag zu Tag schwächer. Tirnion dachte schon lange nach, warum es so schnell anfing zu schneien. Die Tage wurden härter und die Schneedecke wuchs und wuchs. Ab und zu hörten hörte man Wölfe heulen. Wenn man sie hörte, geriet die ganze Gruppe in Panik, doch durch Tirnions kräftige Stimme beruhigte sie sich. Viele Männer mussten die kleineren Kinder schon tragen, doch auch diese Männer wurden schwächer. Nach vier Tagen Wanderung erreichten sie endlich Fornost, unter einigen Verlusten aufgrund des Schneesturms.

"Fornost, die Hauptstadt Arthedains. Welch ein herzerwärmender Anblick“, murmelte Tirnion, als er die Stadt sah. Langsam öffnete sich das große Stadttor. Die Bevölkerung des Dorfes wurde bereits erwartet. "Brôg, dritter Marschall von Fornost. Mein guter Freund.", sagte Tirnion. Vor ihm und Annaêl stand ein sogar für Dunedainmaße recht großer Mann mit einem wallendem Bart und braunen Augen. "Tirnion, was bringst du für Kunde?", fragte Brôg.
"Die Grenzwachposten sind gefallen und Arthedain hat keinen Schutz mehr. Hügelmenschen werden jetzt in Arthedain einfallen unter dem Wappen der silbernen Krone.", entgegnete ihm Tirnion.
"Das wissen wir bereits“, entgegnete Brôg. „Die ersten Flüchtigen haben uns bereits erreicht… hier ist jeder bestürzt. Angmar hat in den letzten 500 Jahren nur kleinere Überfälle durchgeführt, und den Hexenkönig auszuspionieren ist ein Ding der Unmöglichkeit. Wir konnten nicht ahnen, dass er jetzt zuschlagen würde.“ Er seufzte. „Wir können nicht alle Dörfer Arthedains hier in Fornost beherbergen. Außerdem haben wir zu wenig Männer…“
"Der Angriff wird rasch heraufziehen. Wir werden viele Mannen verlieren, ich spüre es.", wisperte Annaêl den beiden Männern zu. Doch Tirnion fügte hinzu: "Dann kämpfen wir bis zum letzten Mann! Seite an Seite in den Tod!" Dann ließ er sich von Brôg ein Zimmer zuweisen. Auf dem Weg dorthin erkannte er hektische Betriebsamkeit in der Stadt. Überall wurden Steine umher geschleppt und Waffen geschmiedet… Fornosts Belagerungsvorbereitunge n hatten bereits begonnen.

 In dieser Nacht bekam Annaêl einen merkwürdigen, doch visionsartigen Traum. Sie sah Fornost in Flammen und ihren Mann Tirnion mit abgeschlagenem Kopf vor dem Königsthron. Brôg und viele Soldaten bildeten eine Art Weg aus Leichen. Am Ende dieses Wegs sah sie eine Gestalt in einer schwarzen Kutte, welche plötzlich mit einer bis ins Mark gehenden Stimme sprach: "Fürchte mich, Annaêl! Ich bin die Angri und der Gultaur!"
Schweißgebadet wachte Annaêl auf, sie verstand das Sindarin nicht gut, sie wusste nur, was Angri bedeutete: Eisenkrone!
 
Tirnion kam ins Zimmer gerannt und rief: "Annaêl, ich habe einen Schrei gehört! Geht es dir gut?" Annaêl beruhigte sich und erzählte Tirnion ihren Traum.
"Das lässt nichts Gutes hoffen“, sagte Tirnion, "doch ich werde versuchen, es zu verhindern! Verlass dich auf mein Wort!"
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Re: Schatten von Angmar
« Antwort #4 am: 5. Okt 2015, 00:07 »
Wege nach Fornost

Seit dem Fall der Grenze war das Volk in Aufruhr. Alles floh nach Fornost, und die wenigen, die den Hügelmenschen, Orks oder Trollen bereits begegnet waren und es überlebt hatten, wurden nicht müde, davon zu erzählen...

Iggle schrieb:

„He Gudri, gib mir noch einen Krug!“, rief der stämmige Mann durch die verrauchte Taverne.
„Ich hatte heute nen anstrengenden Tag, da hab ich mir das verdient!“
„So lange du durch den anstrengenden Tag das GELD dazu verdient hast, ist es mir egal, wie viel du säufst, Boltar“, erwiderte die Kellnerin und gab ihm seinen Krug Bier.
„Jaja, Geld hab ich genug. Ich hab ja diesen Auftrag von dem königlichen Handelsposten bekommen, ich sollte mit ein paar Dutzend anderen Jungs einen Warentransport nach Fornost eskortieren.
Ich glaub, das waren Waffen und Nahrung, irgendwas mit Belagerungsvorbereitunge n hab ich aufgeschnappt, aber genaues weiß ich nicht. Aber was uns auf dieser Fahrt passiert ist, ihr werdets  nicht glauben...“
Jetzt schwieg die ganze Taverne, die Grünschnäbel setzten sich zu Boltars Füßen vor den Kamin, um besser hören zu können und sogar das Personal zog sich Stühle heran und lauschte gespannt. Boltar mochte vielleicht ein Säufer sein, aber er war immerhin der beste Kämpfer im Umkreis von vielen Meilen und ein weitgereister Söldner, wenn ihm etwas sonderbar vorkam, durfte es für die Bewohner der kleinen Handelssiedlung in den nördlichen Höhen geradezu schockierend interessant sein... außerdem konnte er wunderbar erzählen.

„Wir waren gerade auf halbem Weg nach Fornost und kamen gerade an den Höhlen vorbei, als wir angegriffen wurden. Ihr wisst ja, da oben gibt es einige wilde Menschen und Banditen, wir waren darauf vorbereitet, angegriffen zu werden...von MENSCHEN. Aber es waren nicht nur Menschen, das waren wilde Bestien in Menschengestalt – und sie wurden von Orks und sogar einem TROLL unterstützt!“
Ein Raunen ging durchs Gasthaus. Sicher, sie hatten alle schon mal Orks gesehen, auch gegen sie gekämpft, das ließ sich nicht vermeiden, wenn man so nah an den Hügeln lebte – aber dass sich die Hügelmenschen und die Orks verbündeten, war etwas ganz neues...und dazu noch ein Troll!
„Stimmt es was, man über sie erzählt?“, fragte einer der kleineren Jungen am Boden, er zählte vielleicht zwölf Winter, “Dass sie so groß sind wie drei Männer und vier Köpfe haben?“
„Was die Köpfe angeht muss ich dich enttäuschen, der, den ich gesehen habe, hatte nur einen. Aber das mit der Größe stimmt.“
Erneutes Raunen.
„Aber zurück zu dem Überfall, da waren also die Hügelmenschen, die Orks und der Troll. Wir haben gekämpft wie die Berserker, aber sie waren uns zwei zu eins überlegen und dazu noch der Troll, der wütete wie das Monster, das er war – wir waren verdammt.“
Alle hielten den Atem an, die Luft vibrierte vor Spannung. „Wie seid ihr da wieder raus gekommen?“, fragte eine heisere, atemlose Stimme.
„Wären wir nicht, nicht allein. Aber auf einmal war da dieser Kerl auf dem Hügel, mit diesem Bogen in der Hand – ein wundervolles Stück, es sah aus, als hätte man dieses weiße Holz mit Silber verstärkt – und zog in aller Ruhe die Sehne zurück, zielte – ich hab nur noch erkennen können, wie eine Pfeilspitze aufgeblitzt ist – dann hat der Troll auf einmal aufgehört. um sich zu schlagen, er ist einfach erstarrt und dann umgekippt und dann haben wir den Pfeil gesehen, er steckte genau im linken Auge! Der Kerl hat auf hundert Fuß ein Ziel getroffen, das gerade so groß ist wie eine  Walnuss!“
Und wieder ein Raunen, diesmal ein überraschtes.
„Nachdem der Troll tot war, war hatten wir wieder eine Chance zu überleben, vor allem, weil wir nach dem Tod dieses riesigen Viehs wieder neuen Mut fassten und die Orks durch den Fall ihres stinkenden Bruders eingeschüchtert waren. Aber es ging noch weiter, der Kerl lief los, im Laufen verstaute er seinen Bogen auf dem Rücken und zückte so ein seltsames Schwert, so eins wie die Elben benutzen, ihr wisst schon, diese komisch gebogenen Schwerter, fast wie Säbel.
Auf jeden Fall zückte er dieses Schwert im Laufen, holte aus -“
Das ganze Gasthaus hielt den Atem an.
„- und köpfte den Anführer der Hügelmenschen mit einem einzigen Hieb. Wir alle waren bis dahin noch total baff über das Erscheinen dieses Kerls, die Orks und die wilden Menschen eingeschlossen, aber das weckte uns wieder. Wir haben weitergekämpft, diesmal mit Unterstützung des Fremden und ich sage euch: so einen hab ich noch nie gesehen. Ihr wisst ja, hier in der Gegend bin ich der beste Kämpfer, aber der hätte mir noch einiges beibringen können.
In der Zeit, in der wir einen Ork töteten, schaffte er zwei, und ich glaube, er hat sich noch nicht mal richtig angestrengt. Wir haben den Angriff dann zurückgeschlagen und er hat uns noch begleitet, bis die Stadt in Sichtweite war, dann ist er einfach verschwunden. Als er so neben uns her gelaufen ist, hab ich ihn mir mal genauer angesehen:
Der trug einen Umhang aus richtig gutem Stoff, fast wie Seide und die Farbe kann ich euch nicht genau sagen....ich weiß, vorhin hab ich gesagt, er wär grau gewesen, s' kam mir aber später so vor, als ob es immer die Farbe der Umgebung hatte, das Teil...ziemlich seltsam, wenn ihr mich fragt. Er hatte die Kapuze weit ins Gesicht gezogen und ich glaube er trug ein Mundtuch, von dem kann ich zumindest genau sagen, dass es ein ziemlich dunkles Grün war. Die Hose, die er trug, war auch aus so feinem Stoff, schien ihn wärmer zu halten als mich meine Fellschichten hier, und die war einfach grau, grau wie der Nebel. Sein Schwert hab ich mir nicht mehr genau ansehen können, aber sein Bogen war noch seltsamer als seine Kleidung: der war tatsächlich mit irgendeinem Metall beschlagen. das blitzte und funkelte wie Silber, nur noch viel schöner und heller.“

Gudrun sagte in die Stille hinein, in der jeder versuchte, sich den fremden Kämpfer vorzustellen:
„Mein Vater hat immer gesagt: Schau dir an, wie ein Mann geht, und du kennst ihn zur Hälfte!
Wie ist der Kerl gelaufen? Und wie war sein Körperbau?“

„Tja, wie er gelaufen ist... wie ich ungefähr, aufrecht, mit weit ausholenden Schritten eben, wie ein Mensch, der reinen Gewissens durchs Leben geht. Aber irgendwas war doch anders... er lief irgendwie leichter als ich und die Jungs und hinterließ kaum Spuren im Schnee. Und wie der Kerl gebaut war....groß, schlank, nicht allzu kräftig aber kein Schwächling....ich glaube, du würdest dich Hals über Kopf in ihn verknallen, wenn er vor dir stünde und sein Gesicht nicht zu schlimm wär“, erzählte der Söldner feixend, wurde dann jedoch bald wieder ernst.

„Ihr alle habt ja von den Boten erfahren, dass es bald Krieg gibt und dass die waffenfähigen Männer morgen nach Fornost zur Heerschau müssen, während die anderen sich entweder in den größeren Dörfern verschanzen oder nach Westen fliehen sollen...“

„Wir werden gehen“, sagte der Dorfälteste ruhig. “Wenn es zum Krieg kommt, werden wir weit weg sein. Wir brechen so bald wie möglich auf.“
Erstaunt drehten sich alle um. Sicher, diese Entscheidung war zu erwarten gewesen, doch hatte man nicht erwartet, dass sie im Gasthaus am Feuer verkündet werden würde.
„Sagt es bitte allen anderen im Dorf, wenn ihr heimkehrt. Sie sollen sich bereit machen und ihr auch. Aber nun fahre fort Boltar.“
Der Söldner nickte und setzte wieder an:
„Also, wenn das eintrifft, hoffe ich, dass der Kerl nach Fornost geht und mithilft, die Stadt zu verteidigen. Wenn ich den Kerl in der Kompanie hätte. wäre mir vor nichts mehr bange.
'Türlich, auch die Elben kommen, es heißt ein Elbenfürst namens Glorfindel kommt höchstselbst nach Fornost...“

„Weißt du das sicher?“
Eine ruhige, ernste Stimme stellte diese Frage aus einer der nicht erleuchteten Ecken. Alle wandten den Kopf um. Ah ja, der Fremde ist ja auch noch da, schoss es jedem von ihnen durch den Kopf.   
Er war kurz vor der Dämmerung eingetroffen und hatte bis jetzt schweigend in der Ecke gesessen, sein Bier getrunken und gegessen.
Boltar antwortete:
„Nein sicher bin ich mir nicht. Ich habe es von einem der  Soldaten aus Fornost, die uns in Empfang genommen haben. Er gilt als vertrauenswürdig, aber wir hatten schon auf den glücklichen Verlauf des Kampfes angestoßen und das nicht zu knapp. Er faselte auch irgendetwas von Geheimhaltung und dass man den Männern keine allzu großen Hoffnungen machen darf...“
„Wirt, hier ist euer Geld!“, rief der Mann, sprang auf, warf dem Wirt einen kleinen Lederbeutel zu und eilte aus dem Gasthaus. Als er beim Feuer vorbeiging sahen die Dörfler einen mit silbrigem Metall beschlagenen Bogen und eine blitzblanke, leicht gebogene Klinge aufblitzen.
Dann war der Mann schon draußen, schwang sich auf eines der Pferde, drehte sich noch einmal in dem Sattel um und sagte:
„In dem Beutel ist auch das Geld für das Pferd. Fünf Goldpfennige sollten genügen oder?“
Dann sprengte er in die Nacht hinein.
„Hat er dir wirklich fünf Goldpfennige gegeben?!“, fragte jemand.
Der verdutze Wirt öffnete den Beutel, ließ das Geld herausfallen und nickte.
„Ja“, war das einzige das er herausbrachte.

Boltar rieb sich das Kinn während alle anderen dem fremden fassungslos hinter herschauten. Für fünf Goldpfennige konnte eine Familie ein ganzes Jahr leben!
„Sieht so aus, als ginge mein Wunsch in Erfüllung!“, murmelte er in seinen Bart hinein, dann bestellte er noch einen Met und trank ihn auf das Wohl des Dorfes und des Fremden.


Doch nicht nur Boltar und sein Dorf flohen nach Fornost...

Thorongil schrieb:

Die Vögel zwitscherten. Der Wind strich sanft durch die Baumkronen. Das Plätschern eines nahen Baches war zu hören. Ein paar Ziegen sprangen auf der Wiese herum. Aus dem Dickicht des Waldes trat eine Gestalt hervor und blickte auf die große Stadt am Horizont. Neben ihr huschte ein weiterer Schatten hervor, und über ihr kreist ein Falke. Aiwendil beobachtete noch kurz die Umgebung, dann marschierte er wieder los. Fornost war noch ungefähr eine Woche Fußmarsch entfernt. Drei Tage hatten Aiwendil und seine Begleiter schon hinter sich, denn bisher hatten sie die Straßen gemieden und waren durch die Wälder geeilt. Jetzt waren sie gewillt, auf direktem Weg nach Fornost zu ziehen, denn keiner konnte wissen, wie lange der Feind noch abwarten würde, ehe er zuschlug. Die Grenzen würden einfach überrannt werden, das war sicher. Fornost war der einzige Ort, der noch halbwegs sicher war und an dem Hoffnung bestand, den Krieg zu überleben.

Aiwendil durchquerte vorsichtig das Feld und kam schließlich auf die Straße. Leider war sie nicht so leer, wie der Wanderer es gehofft hatte, etliche Menschen zogen ebenfalls in Richtung Fornost. Anscheinend waren sie schon alarmiert. Als Rácaruro auf die Straße schlüpfte, wurden sofort etliche Waffen gezogen. Im letzten Moment sprang Aiwendil nach vorne und stellte sich den überraschten Männern entgegen. „Lasst ihn in Ruhe, er hat euch nie etwas getan, und er wird es auch nicht“, sprach er mit beschwörender Stimme.
„Wer seid ihr, Fremder, ihr kommt von keinem Hof oder einer anderen Straße, warum sollten wir euch und eurem Mistvieh trauen!?“, kam sofort eine unfreundliche Antwort.
 In diesem Moment flatterte Alagas herbei und setzte sich auf Aiwendil’s Schulter. „So, ihr habt noch einen Freund. Entweder ihr befehlt diesen Monstern sofort, dass sie wieder verschwinden sollen, oder ich hacke ihnen persönlich ihre dreckigen Köpfe ab!“, brummte ein besonders großer Kerl im Kettenhemd.
Aiwendil packte den Arm des Mannes, drehte ihn herum, stellte dem Mann ein Bein, warf ihn zu Boden und redete ruhig weiter: „Sie bleiben hier, egal was ihr sagt, verstanden? Gut. Wenn ein Lump wie ihr das Recht hat, hier zu sein, dann haben wir es auch.“
Damit wandte er sich um und trottete unbehelligt weiter. Der Mann hinter ihm fluchte leise vor sich hin und stand dann auf. Die Umstehenden blickten dem Wanderer und besonders seinen Begleitern misstrauisch hinterher.

Der Tag neigte sich dem Ende zu und es wurde dunkel. Doch keiner der Reisenden machte Anstalten zu rasten, sie wollten so schnell wie möglich nach Fornost kommen. Aiwendil hingegen beschloss, sich ein paar Stunden Schlaf zu gönnen. Er wanderte noch so lange, bis er einen großen Baum am Wegesrand fand, dann sprang er kurzerhand hinauf, legte sich in eine Astgabel und schloss die Augen. Alagas setzte sich kurzerhand auf einen hoch gelegenen Ast, und Rácaruro legte sich am Fuß des Baumes hin. Die Menschen, die das sahen, blickten ihn verwundert an und zogen weiter.

Als Aiwendil wieder erwachte, war es kurz vor Tagesanbruch. Geweckt worden war er von einer zornigen Stimme unter ihm. Er öffnete die Augen und blickte hinunter. Dort war wieder der Kerl, der schon am Vortag auf Rácaruro losgehen wollte. Er lag auf dem Boden und fluchte vor sich hin, auf ihm saß der Wolf und blickte beinahe hämisch auf den zusammengekauerten Kerl hinab.
Aiwendil lachte kurz auf, dann schwang er sich von seinem Ast hinunter und landete mit den Füßen knapp neben dem Gesicht des Mannes. „Was soll denn das, seit wann stört man jemanden, der schläft?“, fragte er belustigt.
Dann gab er Rácaruro ein Zeichen und das Tier ließ ab. „Ich sagte doch, er tut nichts. Es sei denn, ich will es!“
Der Mann sprang schnell auf die Beine und rannte fluchend davon. Aiwendil pfiff nach Alagas und machte sich wieder auf den Weg. In der Nacht hatte er gar nicht darauf geachtet, wie nahe er an der Stadt bereits war. Das große Tor lag nur noch ein paar Meilen entfernt, die Türme der Stadt ragte bereits in Sichtweite auf. Schnellen Schrittes brachte Aiwendil die Strecke hinter sich und betrat das Ziel seines Weges: Fornost, die Hauptstadt Arthedains, Sitz von König Arveleg.
Überall auf den Mauern wurde gearbeitet, und die Verteidigungsanlagen der Stadt wurden mit jedem Tag weiter ausgebaut. Überall auf den von Flüchtlingen überfüllten Straßen herrschte rege Betriebsamkeit, und eine gedrückte Stimmung lag in der Luft.

Der Dunedain machte sich auf den Weg ins Zentrum der Stadt. Dort in der Nähe des Rathauses stand noch immer ein großes Haus mit einer Schmiede davor. Dort stand ein alter Mann und legte gerade ein Schwert weg. Als Aiwendil näher kommt blickt er auf und fragte: „Wer seid ihr? Ihr kommt mir bekannt vor... hmm... kann das sein...?“
„Es kann schon sein, dass ihr mich kennt... vor sehr langer Zeit habe ich hier in diesem Haus gelebt.“
„Das kann doch nicht wahr sein, Aiwendil, bist du’s wirklich? Ich bin’s, Vanimelda! Ich war damals Lehrling bei deinem Vater, weißt du nicht mehr? Wo ist er denn, ich hab ihn seit ihr weggezogen seid nicht mehr gesehen!“
„Er wird nicht mehr kommen. Nie mehr.“
„Das tut mir leid. Aber was hast du eigentlich in der ganzen Zeit getrieben? Und warum wirst du von einem Wolf und einem Falken begleitet?“
„Das sind Rácaruro und Alagas. Sie sind meine Freunde. Ich habe nach der Ermordung meiner Eltern an einem geheimen Ort gelebt. Ich will eigentlich nicht darüber reden. Wichtig ist nur, dass ich wieder hier bin, um euch zu helfen.“
„Ach, sie wurden ermordet? Es war damals eine gewagte Entscheidung, an die Grenze zu ziehen, ich habe sie gewarnt. Oh, aber was mach ich denn, komm doch rein, ich hab ein ganz hervorragendes Bier da.“
Der Alte wandte sich um und humpelte ins Haus. Erst jetzt fiel Aiwendil auf, dass der Mann ein hölzernes Bein hatte. Schnell folgte er Vanimelda ins Haus und blickte sich um. Sofort entdeckte er die kleine Tür an der rechten Wand. Sie führte in sein Kinderzimmer. Aiwendil war an den Ort seiner Kindheit zurückgekehrt.
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Re: Schatten von Angmar
« Antwort #5 am: 5. Okt 2015, 00:07 »
Die Kriegsvorbereitungen Bruchtals

Nicht nur Fornost rüstete sich für den bevorstehenden Krieg. Auch in Bruchtal wurden die Truppen zusammengezogen...

El-Murazor schrieb:

Sobald er von den Kriegsvorbereitungen Bruchtals hörte, eilte auch Mauritius mit einem Bataillon Galadhrim zurück nach Bruchtal, um sich für den Marsch nach Fornost zu rüsten. Dort vermutete Elrond dort den Hauptangriff der Feinde.

In Bruchtal angekommen bemerkte Mauritius sogleich, dass Vorbereitungen für den Krieg getroffen wurden.
Elrond kam ihm entgegen: "Willkommen zurück, mein alter Freund. Ich brauche dich für einen wichtigen Auftrag. Ich möchte, dass du dich mit den Kriegern sobald wie möglich auf den Weg nach Fornost begibst, noch bevor die Hauptstreitmacht aufbricht." Mauritius war sehr erstaunt: "Warum sollen wir denn so schnell aufbrechen? Wieso gehen wir nicht mit dem Heer? Galadriels Verstärkung besteht nur aus wenigen Soldaten, alleine können wir in der Schlacht auch nichts tun."

Elrond nickte wissend: "Genau das ist der Grund. Du gehst mit ihnen als Späher voraus. Riskiere nichts, du bist nur die Vorhut und sollst dafür sorgen, dass meine Armee nicht in einen Hinterhalt geraten kann. Ich kenne dich schon sehr lange und du bist einer der besten Krieger, die ich kenne, doch auch du wirst noch gebraucht."
"In Ordnung, wir werden sofort aufbrechen, denn wir sind heute noch nicht allzu weit marschiert. Wie viele Soldaten werden uns denn folgen?", fragte Mauritius, doch er erkannte an Elronds Mimik und vor allem an den tiefen Falten auf seiner Stirn, dass diese Frage ihn bekümmerte.

"Wir können nicht viele schicken, denn auch Bruchtal ist in Gefahr. Unser Volk wird immer kleiner, unsere Zeit neigt sich dem Ende. Glorfindel wird unsere Streitmacht anführen und es werden sie auch noch einige fähige Soldaten begleiten." Sein Blick schweifte dabei wie abwesend über das Tal.
"Egal, wer nach uns herrschen wird, ich werde hier so lange bleiben, bis das Böse endgültig ausgelöscht ist. Ich mache mich jetzt auf den Weg. Einen Tagesmarsch von hier werde ich auf das Heer warten und Bericht erstatten", sagte Mauritius und seine Entschlossenheit war ihm mit jedem Wort anzumerken.
"Geh, mein Freund, möge Sternenstein deinen Pfad erleuchten", war die Antwort und Mauritius ging mit den Galadhrim zu einem kleinem Gebäude in der Nähe der Schmiede und ließ sich mit Nahrungsmitteln und Wasser versorgen. Dann zog die kleine Gruppe los, einem ungewissen Schicksal entgegen...
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Re: Schatten von Angmar
« Antwort #6 am: 5. Okt 2015, 00:08 »
Der Weg nach Bree

Nicht nur Bruchtal schickte Truppen nach Fornost. Selbst die friedliebenden Hobbits hatten alle Männer, die sie entbehren konnten, unter der Anleitung zweier Ritter Arthedains zu Kriegern ausbilden lassen, die nun den Menschen beistehen sollten...

Eru schrieb:

Nacht war über das Auenland hereingebrochen, als die große Schar zur Brandyweinbrücke vorstieß.
Morgens waren sie von Weißfurchen aufgebrochen, wo sie am Abend zuvor von Froschmoorstetten her angekommen waren.
Ein schönes, großes, belebtes Gasthaus hatten sie sich zum Übernachten ausgesucht.
Sancho erinnerte sich, wie immer mehr und mehr Hobbits durch die breite, zweiflügelige Eingangstür kamen und sich leise auf den Weg zu ihren Quartieren machten, bis dann endlich, nachdem ganze 50 Hobbits und 2 hochgewachsene Menschen das Gasthaus betreten hatten, ein Kleinknecht des Gastwirts die Tür schließen konnte, und die eisige Kälte, die sich überall im Auenland breit gemacht hatte, aus dem warmen, kaminerhitzten Gasthaus verbannen konnte.
Keiner der Reisenden war an diesem Abend noch ein Bierchen in der Schankstube trinken gegangen. Obwohl die Wegstrecke von Froschmoorstetten bis Weißfurchen nicht besonders weit war, war die große Oststraße, auf der sie gegangen waren, von einer weißen Schneedecke umgeben und überdacht gewesen. Und auch die Schneestürme ließen kein Ende mehr, selbst im weiten Westen Mittelerdes, wo es noch nie solch einen Winter gegeben hatte. Jeden Tag gab es mannshohen Neuschnee in dieser Woche, zumindest in den Augen eines Hobbits. Aus diesen Gründen waren sie nur sehr langsam vorangekommen.
Das warme Bett im Gasthaus in seinem Zimmer wollte Sancho am liebsten gar nicht mehr verlassen. Bis tief in die Nacht hatte er mit Fosco, dem anderen Anführer der Hobbits, über Kampftaktiken und allerlei wirres Zeugs geredet, bis er schließlich in dieser wolkenreichen Nacht zu Schlaf gekommen war.
Am nächsten Tag ging alles relativ schnell von Statten. Alles wurde gepackt, die Zimmer und das Gasthaus verlassen und die Ponys und Pferde beladen, die die Nacht über in warmen Ställen des Gasthauses übernachtet hatten.
Sancho erinnerte sich, dass sie, nachdem sie das Gasthaus verlassen hatten, eine verschneite Welt vor sich sahen. Die ganze Nacht hatte es geschneit. Nur die Schneestürme waren vergangen und es sah auch nicht nach Neuschnee aus.
Die Hobbits und ihre Begleiter hatten ihre Mäntel und Umhänge fest um sich geschlungen und waren den ganzen Tag gegen den Schnee anmarschiert, mit nur wenigen Pausen, bis sie nun endlich am Abend an der Brandyweinbrücke ankamen.

Zu vorderst ging Alammákil, der auch ihr Ausbilder in Froschmoorstetten gewesen war, und in einen dicken, braunen Lederpanzer gekleidet war. Er war groß und stämmig und schaffte es mit einem Schritt soviel Wegstrecke hinter sich zu lassen, wie die Hobbits bei zweien oder dreien. Trotz der Kälte und dem beißendem, eisigkalten Wind, ging er aufrecht und stolz, wie immer.
Hinter Alammákil gingen die 50 Landbüttel, unformiert und auseinander gesprengt durch die Kälte, und doch eine Einheit. Sancho und Fosco gingen ganz vorne, genau hinter Alammákil. Zwischen den 50 Landbütteln liefen noch vereinzelt die 15 schwer beladenen Ponys und die 2 Pferde, während sie am Zaumzeug von einem oder mehreren Hobbits geführt wurden.
Zuletzt ging der zweite menschliche Begleiter. Auf der ganzen Reise hatte keiner der Hobbits bisher ein Wort von ihm vernommen, geschweige denn erfahren wie sein Name lautet. Er war nur schweigend und in seinen pechschwarzen Mantel gehüllt, hinter den Hobbits und Alammákil her getrottet, die Kapuze des ebenso pechschwarzen Umhangs weit ins Gesicht gezogen.
Sancho war begeistert von Alammákil. Seine Haltung, sein Blick, seine Redeart; eben eines Ritters von Arnor würdig.
Eulengeräusche waren zu hören, und von weit entfernt hörte man das Jaulen von Wolfsrudeln auf der Jagd.

Plötzlich wurde Sancho von einer dunklen, kraftvollen Stimme aus seinen Gedanken gerissen. Es war Alammákil, der sprach.
"Und das hier vor uns ist also die legendäre Brandyweinbrücke. Eins der vielen Kunstwerke der Númenorer, gehalten von starken Seilen. In diesen Zeiten jedoch nutzlos. Wir könnten genauso gut über das zugefrorene Wasser gehen."
Die ganze Schar blieb mit einem Ruck vor der großen Steinbrücke stehen. Vier große, säulenartige Steinständer, um deren obere Enden etliche Seile gebunden waren, die mit Halterungen an den Seiten der Brücke verbunden waren, hielten die große Steinbrücke über dem gefrorenen Wasser. Zwei dieser riesigen Steinständer waren jeweils an den Ecken der Brücke auf beiden Seiten des Flusses angebracht. Zusätzlich verschafften der Brücke breite Holzbarren unter ihr, einen sicheren Stand.
An beiden Seiten der Brücke standen kleine, zugeschneite Holzhütten.

Die knorrige, alte Tür der einen Hütte, die auf der Flussseite lag auf der sich auch die Gruppe befand, öffnete sich nachdem Alammákil geendet hatte und 5 Hobbits kamen schnellen Schrittes und mit langen, hart geschnitzten Stöcken in den Händen aus ihr heraus.
Sie hatten jeweils eine dunkelgrüne Mütze auf dem Kopf und 4 von ihnen jeweils eine gelbe Felder an die Mütze gesteckt, während der Vorderste eine rote Feder an der Mütze befestigt hatte.
Sancho und Fosco erkannten die 5 sofort. Es waren 5 Grenzlandbüttel, die bisher gute Arbeit geleistet hatten, vor allem an einem strategisch so wichtigen Punkt wie der Brandyweinbrücke. Ihr Anführer, der Vorderste mit der roten Feder an der Mütze, hieß Tolman Weißfuß.
"Das übernehmt ihr lieber", sagte Alammákil an Sancho und Fosco gewandt. "Immerhin sehen die aus wie eure Landsleute. Denkt aber daran, dass wir einen Schlafplatz für die bevorstehende Nacht brauchen!" Die beiden nickten ihm zu und wandten sich wieder der Richtung zu, aus der die Grenzlandbüttel kamen.
"Guten Abend, Tom!", sagte Sancho freudig, als sich die fünf Hobbits vor der großen Schar positioniert hatten und Alammákil misstrauisch musterten.
"Guten Abend", erwiderte der Anführer der Grenzlandbüttel, hielt seinen prüfenden Blick allerdings weiterhin auf Alammákil.
Dann wanderte sein Blick über die vielen neugierigen Hobbitgesichter, die sich um die Stelle des Geschehens versammelt hatten und blieb wieder ruckartig an dem zweiten menschlichen Begleiter der Hobbits hängen, der langsam auch neugierig wurde. Diesen betrachtete er noch misstrauischer als Alammákil zuvor und kratzte sich das Kinn.
"Ne' ganz schön chaotische Schar haste' hier um dich herum, Sancho Tuk. Und ne' ganze Menge Lasttiere", sagte er dann und blickte Sancho an.
"Wir sind unterwegs nach Bree und würden diese Nacht gern hier im Schutze des Sees und der Brücke verbringen, wenn das in Ordnung geht.", erwiderte Sancho ohne auf Toms Bemerkung einzugehen. Und Fosco fügte noch hinzu: "Wir haben auch eigene Zelte zum Übernachten."
Tom schaute sich die ganze Bande nochmal flüchtig an und drehte sich dann zu seinen Landbüttelkollegen um.
"Was meint ihr?", fragte er knapp.
"Ich glaube nicht das es eine gute Idee ist mit so vielen Leuten hier an der Grenze des Auenlands zu übernachten. Weckt zu viel Aufmerksamkeit!", antwortete einer von Toms Grenzlandbütteln.
"Bei wem soll das denn Aufmerksamkeit wecken?", sagte ein anderer seiner Landbüttel. "Hier ist doch weit und breit kein Lebewesen außer uns. Und Feinde werden bis hier wohl kaum vordringen. Außerdem liegt das Breeland noch immer zwischen uns und dem Feind."
Tom nickte seinen Leuten zu und drehte sich dann wieder zu der Gruppe von Reisenden um.
"Ihr dürft auf dieser Seite des Flusses übernachten. Denkt aber auch an die beißende Kälte. Es ist sicher nicht gesund bei diesem Wetter draußen in Zelten zu schlafen."
"Wir danken dir Tom, du hast wohl doch nichts von deiner Gutmütigkeit verloren.", erwiderte Fosco. "Leider bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als hier in der Kälte zu übernachten. Das Häuschen da ist zu klein für 57 Personen und 17 Lasttiere. Außerdem haben wir ja trockenes Holz und unsere warme Kleidung. Ein Feuer wird uns in der Nacht wärmen, auch wenn ich es mir schwer vorstelle in diesem Schnee ein Feuer zu entzünden."

Alles geschah wie geplant. Zelte wurden errichtet, ein kleines Lager wurde aufgebaut, ein Lagerfeuer wurde entzündet und die Lasttiere wurden mit warmen, dicken Decken für die Nacht ausgestattet. Da die Gruppe nur 11 Zelte im Gepäck hatte, mussten sich jeweils 5 Hobbits in ein Zelt quetschen, während Alammákil ein eigenes hatte und der Namenlose, wie er nun von den Hobbits genannt wurde, direkt neben dem Lagerfeuer saß und die ganze Nacht Wache hielt. Er schien keinen Schlaf zu brauchen.

Als die Nacht hereingebrochen war, wurde es kälter als erwartet und es fing wieder an zu schneien. Trotzdem versuchte man so viel wie möglich zu schlafen, um am nächsten Morgen aufbrechen zu können.
Der Nachthimmel war stark bewölkt und kein Stern war vom Lager aus zu sehen. Nur der runde Vollmond stach aus dem tiefgrauen Firmament hervor und erhellte die Welt.

Sancho lag noch lange hellwach in dem eisigkalten Zelt und fror. Die beißende Kälte übertraf seine Müdigkeit und verweigerte ihm den Schlaf.
Nach vielen schlaflosen Stunden hörte er von draußen plötzlich eine schöne, klangvolle Stimme, die doch recht dunkel und männlich war.
Sie sang ein Lied in einer Sancho unbekannten Sprache, und trotzdem kam es ihm vor, als ob er jedes Wort verstehe und das Lied fast mitsingen könne.
Dieses Lied in den Ohren betrat Sancho langsam die ruhige Traumwelt und sollte sie erst am Morgen wieder verlassen.


Eine Stunde vor Sonnenaufgang wurden die Hobbits von Alammákil schon wieder geweckt. Sie hatten noch einen weiten Weg auf der Oststraße vor sich, bis sie nach Bree kommen würden.
Die Zelte wurden wieder abgebaut und das Lagerfeuer gelöscht dann waren alle bereit um weiter zu gehen.
Zur Erfrischung suchte sich Sancho eine Stelle, an der der Schnee sauber war und warf sich eine Handvoll davon ins Gesicht. Wasser in flüssigem Zustand gab es nirgends, und die Vorräte, die sie hatten, waren zum Trinken da.
Dann wickelten sie sich in ihre Mäntel und Umhänge, warfen ihre Kapuzen auf, verabschiedeten sich von Tolman Weißfuß und den anderen 4 Grenzlandbütteln und überquerten die große Brandyweinbrücke.
Auf der anderen Seite des Flusses, auf der die andere Holzhütte stand, erwarteten 5 weitere Hobbits die Reisenden schon.
Als sie an ihnen vorbeigingen, verbeugten sie sich ehrwürdig und der Vorderste begann zu sprechen.
"Auf das ihr siegreich aus der Schlacht zurückkehrt, meine Landsbrüder."
Die Reisenden nickten ihm nur zu und betraten nun fremdes Land. Die Grenze des Auenlandes war überschritten. Jetzt begann die eigentliche Reise erst.
"Jetzt beginnt der gefährlichste Teil unserer Reise", rief Alammákil zu der großen Schar die sich hinter ihm aufgestellt hatte. "Im Auenland ist es noch sicher, doch auch bis dorthin wird sich das Böse ausbreiten, wenn wir zu spät in Fornost, der Hauptstadt des Nördlichen Königreichs, ankommen. Also lasst uns diesen Weg gemeinsam bestreiten. Auf nach Bree!"
"Auf nach Bree!", wiederholten die Hobbits und marschierten motiviert die große Oststraße entlang in Richtung Bree.

Dieser Teil der Reise war hart und es wurde immer härter, je weiter die Reisenden ins Breeland vorstießen.
Schneestürme fegten über die Gemeinschaft hinweg, und es hörte nicht auf zu schneien. Noch nie hatte man zu dieser Jahreszeit und zu sonst einer Jahreszeit so viel Neuschnee fallen gesehen.
Viele Stunden marschierten sie durch die todbringende Kälte. Selbst die Eulen und Wölfe und alle anderen Tiere in der Wildnis hatten ihre Rufe aufgegeben und suchten Schutz in den Wäldern.
Vor sich konnte die Gruppe nur noch ein immer weiter ansteigendes, weißes Land erkennen.
Die Kälte ließ jegliche Gerüche aus der Nase verbannen und das einzigste was noch zu fühlen war, war der kalte Schmerz auf den Gliedern.
Trotzdem marschierten die Hobbits und ihre Begleiter tapfer weiter, und strebten alle danach, dass Bree bald am Horizont zu erkennen sei.

Nach einigen weiteren, fast unerträglichen Stunden auf der Oststraße, war es soweit: Der völlig schneebedeckte Breeberg war am Horizont zu erkennen, und vor ihm lag die große Stadt Bree, die Stadt in der Menschen und Hobbits unter einem Dach lebten. Mittlerweile war die Abenddämmerung eingetreten, doch nur ein winziger Teil der untergehenden Sonne schaffte es durch die weiße Wolkendecke zu brechen.
Auch die Stadt versank langsam in den Schneemassen die vom Himmel kamen.
Das einzige, was zu hören war, war das Pfeifen des eisigen Windes in den Ohren.
Noch einige weitere vierhundert Schritte und die Gruppe kam am verschneiten Stadttor Brees an. Die Stadt lag zum Teil auf den Ausläufern des Breebergs, wo die meisten Hobbitbewohner der Stadt wohnten. Als kleines Kind war Sancho einmal hier gewesen, doch er hatte bereits wieder vergessen, wie schön die Stadt eigentlich war.
Nun also klopfte Alammákil am großen Holztor an, und er versuchte laut zu klopfen, denn der pfeifende Wind war hier, so nah an der Stadt, noch viel lauter.
Ein kleines, rechteckiges Holzfenster öffnete sich knapp unter Alammákils Gesicht nach innen und zwei große Augen starrten den Hünen vor dem Tor an.
"Wer seid ihr? Was wollt ihr?", drang eine krächzende Stimme eines alten Herrn durch das offene Holzfenster.
"Wir kommen im Namen des Königs von Arnor und wir würden sehr gerne den Rest des Tages und die Nacht im Schutze der Stadtmauern verbringen.", erwiderte Alammákil.
"Meint ihr wir lassen in diesen Zeiten einfach jeden hier ein- und ausgehen? Zwielichtige Gestalten sind auf den Straßen unterwegs. Es ist nirgends mehr sicher und wenn ich euch einen Rat geben darf: Verweilt hier, so nah an den Grenzen des feindlichen Gebietes, lieber nicht zu lange. Ich weiß nicht wie lange die Stadt einer Belagerung standhalten würde, aber wenn ihr mich fragt dann..."
"Wir wissen sehr gut über die aktuelle Lage bescheid!", unterbrach Alammákil den Torwächter wütend. "Also lasst uns nun eintreten oder wir gehen wieder, doch dann sei euch gesagt das ihr die Gunst des Königs damit verworfen hättet und er euch keine Hilfstruppen im Falle einer Belagerung schicken würde!"
"Ist ja gut, mein Herr.", erwiderte der Torwächter, schloss das Holzfenster und sprach dann weiter über das Tor hinweg. "Ich wollte nicht aufdringlich erscheinen, aber in diesen Zeiten ist man besser ZU misstrauisch." Er öffnete das große, einflügelige, alte Holztor mit einem knarrenden Geräusch und sah vor sich die große Schar von Hobbits. Mit weit aufgerissenen Augen starrte er sie an und brachte kein Wort heraus.
"Ich danke euch.", sprach Alammákil schnell und betrat die Stadt gefolgt von den 50 Hobbits, den 17 Lasttieren und dem Namenlosen, bevor sich der Torwächter um entscheiden konnte.

Alle Menschen oder Hobbits an denen sie vorbeikamen, starrten sie fassungslos an. Schon lange hatte man solch eine große Gruppe nicht mehr in der Stadt gesehen. Viel eher hatte man solch große Gruppen aus der Stadt ausziehen sehen, nach Westen fliehend.
Nun aber musste sich die Gemeinschaft aus dem Auenland ein gutes Gasthaus suchen, das eine so große Schar überhaupt aufnehmen konnte.
Ein großes, weit und breit bekanntes Gasthaus stand nach hundert Schritten auf der rechten Seite einer großen Straße. Auf einem Schild das vor der großen Eingangstür hing, stand der Name des Hauses: Gasthaus - Zum feurigen Kessel.
Es war ein großes, prachtvolles Haus, das fast die ganze rechte Straßenseite ausfüllte.
"Das sieht doch gut aus", sagte Alammákil und wies mit dem Zeigefinger auf das Gasthaus. "Lasst uns hier fragen."
Zuerst betraten nur Alammákil, Sancho und Fosco das Gasthaus, um den Wirt nicht gleich zu verschrecken.
Als sie die große Eingangstür hinter sich gelassen hatten, stieg ihnen sofort der Geruch von Bier in die Nase und großer Lärm kam aus einem Raum der offen neben dem Eingangsraum lag, wahrscheinlich die Schankstube.
Direkt vor ihnen befand sich das Tresen des Gastwirts.
"Wir hätten gerne Zimmer für 52 Personen und einen Stall für 17 Lasttiere - eine Übernachtung", sprach Alammákil sofort, als er den Gastwirt hinter dem Tresen erkannte und seine laute Stimme übertraf sämtlichen Lärm aus der Schankstube.
Der Geräuschpegel wanderte direkt auf null, als man Alammákils Bitte hörte. Alle Menschen und Hobbits die in der Schankstube saßen, schauten entweder verdutzt in den Eingangsbereich, oder waren sogar aufgestanden, um ja nichts zu verpassen.
"Das hier dürfte reichen.", fuhr Alammákil fort und legte dem Gastwirt einen großen Sack voll Gold auf den Tresen.
Mit dieser Aktion verlängerte Alammákil das Schweigen in dem Gasthaus um weitere Sekunden. Nur einzelne Personen tuschelten bereits in den Ecken, während andere mit weit aufgerissenem Mund in den Eingangsbereich starrten.
"Ich... Ich danke euch, ja das reicht alle Mal.", begann der Gastwirt stotternd. "In letzter Zeit ist in Bree sowieso nicht mehr so viel los wie vor vielen Jahren. Das Dreifache von den jetzigen Besuchern kam damals zu diesem Gasthaus. Deshalb sind viele Zimmer frei geworden, in Hobbit- und Menschengröße. Aber ich verstehe nicht wie sie auf 52 Personen und 17 Lasttiere kommen. Ich sehe nur sie und ihre zwei Begleiter in Hobbitgröße."
"Der Rest wartet draußen", antwortete Fosco grinsend, bevor Alammákil antworten konnte.
"Verstehe", erwiderte der Wirt. "26 Zimmer mit jeweils 2 Betten dürften reichen oder? Für einen großen Stall für die Lasttiere wird auch gesorgt werden und entladen werden sie auch. Das Gepäck wird auf die Zimmer verteilt und Vorräte kommen in ein Lager neben dem Stall."
"Ich danke ihnen.", sagte Alammákil und drehte sich wieder zur Eingangstür. Er verließ das Gasthaus und kam nach wenigen Sekunden gefolgt von 48 weiteren Hobbits und dem Namenlosen in den Eingangsraum.
"Ihre Zimmer stehen bereits bereit. Folgen sie mir einfach", erwiderte der Gastwirt, nahm den großen Sack voll Gold vom Tisch und verstaute ihn sicher irgendwo hinter dem Thresen. Dann rief er gleich mehrere seiner Knechte herbei, die dafür zuständig waren die Lasttiere zu entladen und in die Ställe zu bringen.
Nachdem die Knechte, das Gasthaus verlassen hatten, begann er eine Treppe zu ersteigen, die ins obere Stockwerk führte, wo die Quartiere lagen.
Während die Reisenden ihm langsam die Treppe hinauf folgten und in ihre Zimmer eintraten, begann der Lärm in der Schankstube wieder. Dieses Ereignis sollte noch lange Gesprächsstoff für die Einwohner in Bree sein...
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Lord of Mordor

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Re: Schatten von Angmar
« Antwort #7 am: 5. Okt 2015, 00:09 »
Ein mysteriöser Hügelmensch

Silthalion, ein weiterer Feind Angmars, hatte sich derweil an seinem alten, nun zerstörten Heimatort eingefunden, einem Wald nahe der Grenze Rhudaurs, um einem Verbrechen Angmars aus seiner Kindheit zu gedenken: Die Auslöschung seines Dorfes, die Entführung seiner elbischen Freundin und der Mord an deren Vater.

TheChaosnight schrieb:

Ein dunkler Schatten zog auf und kam über Silthalion. Wie in Zeitlupe sah er erneut, wie Angmars Armee über seine Heimat kam und den flüchtenden Dorfbewohnern ein qualvolles Ende bereitete. Erneut zogen die Bilder auf, in denen sich ein Hügelmensch ihm in den Weg stellte und an der Flucht hinderte; erneut sah er, wie sein Onkel starb und ihm der Dolch über die Brust glitt. Alle Erinnerungen an diese Tage zogen in ihm wieder auf, doch gerade als er am Grab des Elben stand, sah er etwas, das ihm unbekannt war: Eine kleine Gruppe unter Angmars Banner marschierte mit der schlaffen Gestalt eines Lebewesens Richtung Norden, doch bevor Silthalion die Gestalt näher erkennen konnte, wurde das Bild unklarer und er spürte ein großes Gewicht in der Bauchgegend. Er versuchte sich aufzurichten, doch sein Brustkorb hob sich nicht vom Boden ab. „Ach Estella, musst du dich beim Aufwachen immer so herumwälzen?“, sprach er zu der Bärin, die eingerollt auf seiner Brust lag. Sie schaute ihn kurz fragend an, dann stand sie jedoch auf und setzte sich neben Silthalion. Dieser setze sich nun auch auf klopfte den Dreck von seinem Umhang, die die feuchte Erde hinterließ. Lachend sagte er: „Die Wälder waren noch nie exzellente Schlafplätze, doch zumindest ist man hier gut geschützt“, als er sich umschaute, verging sein Lachen allerdings und er fragte ernst: „Wo ist Mornar hin?“
Estella knurrte grinsend: „Er war sich ziemlich sicher, dass du Schlafmütze wieder Ewigkeiten brauchen würdest, um wach zu werden, weshalb er sich entschlossen hat, sich die Umgebung anzuschauen. Hoffentlich schaut er sich diesmal nur die nähere Umgebung an und macht keine Abstecher zu all seinen Bekannten, denn sonst könnten wir lange hier warten.“ Die Beiden erinnerten sich zu gut an Mornars letzte Erkundungsreise, wo er tatsächlich bis zum Düsterwald geflogen war und von da den Umweg über die Braunen Landen zurück genommen hatte. Die Orte, die er hatte ausspionieren sollen, hatten sich in der Zeit natürlich wieder verändert. Gerade, als sie sich weiter über die Erkundungsreisen des Raben lustig machen wollten, flatterte er über die Baumdächer und setzte sich seelenruhig auf Silthalions Schulter. „Was gibt es neues von außerhalb dieses Waldes?“, fragte Silthalion den Raben.

„Ziemlich viel, die dunklen Streitmächte scheinen anscheinend mobil zu machen, überall im Land wimmelt es von ihnen. Ihrer Marschrichtung nach müssten sie Richtung Fornost gehen, doch bei diesen Leuten kann man nie wissen. Außerdem ziehen viele kleine Gruppen einzeln durch das Land, um Zufluchtsstätten der Edain und ihrer Verbündeten zu finden. Eine Gruppe von ihnen könnte hierher kommen, wenn sie bei ihrem Kurs bleiben. Ich fliege noch einmal kurz weg, um mir ihrer Marschrichtung ganz sicher zu sein, doch der Anführer der Gruppe scheint sehr klug zu sein. Als er mich entdeckte, täuschte er eine Kursänderung vor, doch beim Zurückfliegen sah ich deutlich, wie sie wieder die alte Richtung aufnahmen.“ Silthalion war unsicher, sollte er Mornar wieder kurzzeitig fortschicken oder Fallen aufstellen, sodass die Gruppe gefangen wäre, falls sie den Wald erreichte? Letztendlich sprach er: „Gut Mornar, schau nach der Gruppe und gib mir bitte viele Informationen über den Hauptmann.“ Mit einem zustimmenden Krächzen flog Mornar weg. Einige Zeit später kam er wieder und berichtete: „Die Gruppe ist eindeutig hierher unterwegs, die Richtung ist zu eindeutig. Was den Hauptmann angeht: Er ist enorm groß und kräftig, scheint aber trotzdem beweglich zu sein. Seine Gefolgsleute sind mit einfachen Schwertern ausgestattet, während er selbst neben einem Langschwert noch einen Speer hält, an dem eine Flagge mit dem Wappen Angmars weht.“

Silthalion schien einen Augenblick nachzudenken, doch dann lachte er: „Das sind zu gute Nachrichten. Wenn ich auf dem größten Weg in den Wald eine Falle anlege, werden bestimmt genug Soldaten davon aufgehalten, sodass ich die Verbleibenden einzeln abwehren kann und vielleicht sogar dazu “überreden“ kann, mir ein paar Geheimnisse über die Angriffspläne des Hexenkönigs zu verraten. Sofort machte er sich an die Arbeit: Mithilfe seiner beiden Elbenseile baute er auf die schnelle eine Schlingenfalle, die Mornar dann aktivierte. Estella sollte die Feinde dann in den Wald locken, wo sie dann in die zugedeckte Kuhle fallen sollten. Gerade hatte er die Kuhle mit Blättern fertig zugedeckt, da hörte er auch schon den lauten Ruf eines Mannes: „Männer des Hügels, hier ist, was wir finden sollten! Ihr kennt euer Ziel, ihr kennt den Befehl, worauf warten wir dann noch? FÜR ANGMAR!“
Die Gruppe antwortete einstimmig: „FÜR ANGMAR!“
„Also, vorwärts!“
„Na das kann ja heiter werden, eine Gruppe hochmotivierter Hügelmenschen mit einem guten Anführer“, dachte Silthalion. „Aber mal sehen, was die im Kopf haben“. Die Hügelmenschen marschierten vor. Während ihr Anführer die Fallen leichtfüßig übersprang, als ob er ihre Position kennen würde, wurden zwei seiner Männer Opfer der Falle. Der Anführer stoppte und wollte das Seil lockern, doch es gab nicht nach. Wütend darüber hob er sein Schwert zum Schlag, doch es federte nur vom Seil ab und fiel ihm aus der Hand „Verfluchtes Elbenhandwerk, das krieg ich so schnell nicht klein.“, tobte er. Zu den hängenden Soldaten sagte er: „Wenn der Auftrag erfüllt ist, komme ich zurück und versuche es auf andere Weise, im Moment sollte ich meine Kräfte noch nicht verschwenden.“ Zu den übrigen beiden sagte er: „Folgt mir, der Hexer zaubert uns die Pest an den Hals, falls wir versagen!“ So gingen die Hügelmenschen die Straße weiter abwärts, bis sie Estella sahen. „Wartet, versucht euch durch den Wald an dem Bären vorbei zu schleichen, falls er uns angreift, könnte alles in die Hose gehen!“ Gerade als die Gruppe den Waldweg betreten wollte, rannte Estella auf sie zu. In Panik rannten die beiden Soldaten vor ihr weg, doch der Hauptmann blieb wie angewurzelt stehen. Die Soldaten vor sich hertreibend, rannte sie den Waldweg hinab, bis sie in der Nähe der Grube stand. Eine schnelle Bewegung zur Seite machend, schob sie die Soldaten tiefer in den Wald, bis der eine in die Grube fiel und liegen blieb. Zu seinem Kameraden rief er keuchend: „Lauf solange du kannst, ich glaube, dass mein Bein gebrochen ist! Lass mich einfach hier liegen und hoffe, dass zumindest du entkommst!“ Gerade wollte der Hügelmensch der Aufforderung nachkommen, da stürzte sich Estella auf ihn und hielt ihn am Boden fest.

Zur selben Zeit trat Silthalion aus dem Wald hervor und trat direkt vor den Anführer der Gruppe. Dieser sprach zornig: „Was lässt du deine blutrünstige Bestie auf meine Männer los? Hättest du ihnen nicht einen ehrenvolleren Tod gönnen können?“
Silthalion erwiderte: „Keine Angst, Estella tötet nicht, außer wenn ich es ihr befehle. Sie soll die Soldaten nur solange ablenken, wie ich mit dir beschäftigt bin.“
„Dann beschäftigen wir uns doch miteinander“, brüllte der Hügelmensch, während er die Fahne von seinem Speer riss und sein Schwert aus der Scheide zog. Der Wilde wartete keine Antwort ab, sondern schlug sein Schwert gegen Silthalion. Dieser konnte erst im allerletzten Moment sein eigenes zur Parade heben, doch der Wilde stieß seinen Stab vorwärts. Mit einer Seitwärtsrolle wich Silthalion dem Stoß aus und setzte zum Gegenangriff an, doch der Hügelmensch parierte ohne größere Probleme. Silthalion sprang ein Stück zurück und brachte einen Hieb mit aller Kraft an und der Wilde schlug seinerseits mit all seinen Kräften zu. Der Aufprall der Klingen war stark, zu stark für beide, denn sie fielen beide zu Boden. Als der Wilde sich aufrichtete sagte er mit dunkel klingender Stimme: „Mal schauen, wie dir das gefällt!“ Daraufhin stellte er sich kerzengerade hin und murmelte böse Worte. Einen Moment strahlte er grünes Licht aus, doch es ging komplett auf seine Waffen über. Silthalion war darüber verdutzt: „Ein Kampfmagier, das ist schlimmer, als ich dachte!“
Den Augenblick der Verwirrung nutzend, hieb der Wilde mit seinem Schwert in die Richtung von Silthalions Kopf. Dieser konnte den Schlag zwar parieren, spürte aber, wie die Klinge seine Kraft aufzehrte und immer näher an seinen Kopf kam. Mit letzter Energie riss Silthalion die Klinge herum und wich einen rasch folgenden Speerhieb aus. „Ein sehr starker Zauber, fast hätte er mich in die Abgründe geschickt“, lobte Silthalion die Aktion seines Gegners. Dieser ließ sich auf die Kampfunterbrechung ein und wartete. Silthalion fuhr fort: „Schade, dass du ein Diener Angmars bist, aus dir hätte was großes werden können, doch so bist du nur einer von vielen, die Ehre durch Schandtaten verdienen wollen.“ Das Giftschimmern an den Waffen des Wilden verblassten und er antwortete: „Ich will keine Ehre durch die Pläne Angmars, durch dieses Land wurden alle meine Bekannten getötet. Ich selbst führte den letzten Widerstand gegen den Hexenkönig an, doch die Übermacht war zu stark, nachdem ich zahllose Orks und sogar den Troll, der die Armee anführte, bezwang, wurde ich durch Hexenkünste gezwungen, dem Bösen zu dienen. Doch vor einigen Jahren gelang mir unerklärlicherweise die Befreiung meines Geistes. Seitdem diene ich niemanden, auch wenn ich den Dunedain immer indirekt helfe, indem ich ihnen Hinweise über die Pläne Angmars hinterlasse. Die Angmar-Rufe sind nur zur besseren Tarnung. Die Hexer ahnen nichts davon, da Teile von mir ihnen immer noch blind gehorchen und diese die einzigen sind, die sie von mir spüren können. Doch bitte behalte dieses Gespräch für dich, denn wenn es die Öffentlichkeit erfährt, bin ich des Todes.“
Silthalion wusste nicht, ob er diese Geschichte glauben sollte oder er den Wilden für verrückt halten sollte, doch klugerweise tat er ersteres: „Doch warum bist du weiterhin unter Angmars Banner? Bei den Dunedain könntest du mehr nützen.“
„Du verstehst nicht. Mein Waffenzauber ist an den Hexenkönig gebunden, solange er denkt, dass ich unter seinem Befehl stehe, werde ich weiterhin meine Waffen verstärken können. Wenn ich Angmar jetzt verrate, werden sie mich aufspüren und vernichten.
Doch jetzt befrei bitte meine Männer, sie folgen mir und dienen Angmar nur, weil ihnen und ihrer Familie grauenvolle Schicksale angedroht wurden, falls sie nicht dienen.“ Silthalion war sich nicht sicher, wären die Hügelmenschen noch immer in der Lage, ihn heimtückisch anzugreifen, falls er sie freilassen sollte? Mit prüfenden Blicken zu den Pflanzen im Wald sagte er: „Ich werde sie freilassen, aber nur unter der Bedingung, dass ich sie mit Kräutern betäube und am Waldrand wieder aufwachen lasse, keiner von ihnen soll sich daran erinnern, wie er in die Fallen kam.“
Nachdem er dies gesagt hatte, griff er einen abgestorbenen Pilz und schabte etwas von ihm ab, so dass feines Pulver entstand. Mit diesem ging er einzeln zu den vier Hügelmenschen und blies es ihnen ins Gesicht. Keiner von ihnen blieb länger als ein paar Sekunden bei Bewusstsein, als das Pulver ihr Gesicht berührte. Als er bei dem Menschen in der Grube war, merkte er sofort, dass sein Bein eine böse Verletzung erlitten hatte. Mit Stöcken und Faden bekam er eine leichte Schiene hin, die das Bein stützten, doch der weitere Verlauf war unklar: „Was aus dem Bein wird, kann ich nicht vorhersagen, doch falls es nicht verheilen sollte, muss es wohl oder übel abgeschnitten werden, sonst wächst es schief und verursacht unnütze Schmerzen; doch die Schiene sollte zumindest seine Qualen lindern.“
Der Wilde schaute Silthalion ins Gesicht, als ob er ihn prüfen wollte und sagte: „Viele Verstärkungstruppen Angmars werden durch diesen Wald marschieren, sobald die Hauptarmee in Reichweite der Dunedain-Festung ist. An diesem Ort kannst du also nicht bleiben, doch falls du den Rat eines alten Mannes annehmen willst, geh in Richtung des Wettergebirges. Wenn du von hier auf direktem Wege gehst, wirst du an einen Stein kommen, an dem das Wappen der Eiseknkrone eingraviert ist. Das ist ein Spähersammelpunkt, weit genug weg vom eigentlichen Geschehen aber doch nahe genug, dass du alles beobachten kannst.“
„Was sollte denn in den Wetterbergen geschehen?“, wollte Silthalion wissen.
„Eine Schlacht“, erwiderte der Hügelmensch. „Der Hexenkönig erwartet Truppen der Elben aus dieser Richtung und hat eine eigene Streitmacht gesandt, um sie aufzuhalten. Wenn du rechtzeitig dort ankommst, könntest du die Elben warnen und danach mit ihnen nach Fornost ziehen. Ich gehe derweil zurück und „suche“ weiter nach der „Gestalt, die allen Feinden der Eisenkrone hilft“.“

„Was? Die Eisenkrone sucht mich, weshalb denn das?“
„Das ist einfach zu erklären: Überleg doch mal, wie oft du Menschen oder Elben geholfen hast, Rohstoffe zu retten, Flüchtlinge an sichere Orte zu bringen oder Waffen von A nach B zu bringen und das, ohne die Aufmerksamkeit von Angmars Heer zu erregen. Kein Wunder, dass Fimbul, der Heerführer der Orks, dich tot sehen will. Ich war erst der Erste, der nach dir suchen sollte… sobald die schwarze Garde oder die Hexer kommen, würde ich an deiner Stelle weglaufen, denn ihre Macht ist zu hoch für Normalsterbliche. Das stammt von einer Berührung!“ Nachdem er den letzten Satz ausgesprochen hatte, zog er seinen Mantel von seiner Schulter weg und Silthalion sah deutlich, dass die gesamte Schulter verkohlt war.
„Ich muss gleich weiter, meine Männer sollen ja einen glaubwürdigen Grund erfahren, warum sie verletzt und schlafend an einem fremden Ort aufwachen. Ich bin mir sicher, dass wir uns noch öfters über den Weg laufen werden, denn schließlich werde ich bei jeder noch so kleinen Information über dich auf dich gehetzt.“ Mit diesen Worten nahm er den Letzten seiner Soldaten und brachte ihn zu den übrigen an der Grenze des Waldes.
Nachdem er außer Reichweite war, kamen Mornar und Estella.
„Komische Leute“, knurrte Estella.
„Das kannst du laut sagen“, stimmte Mornar zu.
„Mag schon sein, doch ich bin mir ziemlich sicher, dass der Anführer nicht gelogen hatte“, sagte Silthalion. „Ich fürchte, wir müssen uns einen anderen Ort suchen.“ Die beiden Tiere erwiderten zeitgleich: „Wieso das denn?“
„Die Ergänzungstruppen Angmars werden durch diesen Wald zu den Dunedain gelangen, wenn sie uns sehen, kann es böse ausgehen. Ich schlage vor, wir gehen in Richtung Wetterberge, dort soll ein Ort sein, wo Orkspäher nach Verstärkung für die Dunedain sehen wollen. Wenn wir sie davon abhalten, könnte die Armee Angmars geschwächt werden.“
Estella fragte darauf: „Seit wann interessierst du dich für die Not anderer Völker, ich dachte es gibt nur dich und die Natur?“
„So war es und so ist es auch, doch wenn wir jetzt nicht helfen, gibt es hier bald nur noch Angmar und dann können wir so ziemlich alles vergessen: Wälder werden abgerissen, die Südlande werden bedrängt, die Elben werden endgültig aus Mittelerde vertrieben oder noch ganz andere Sachen könnten dann passieren.“
Mornar krächzte: „Auch wieder war, doch was ist mit deinem eigentlichen Ziel?“ Silthalion schien einen Moment neben sich zu stehen, eine einzelne Träne tropfte sein Gesicht runter und er antwortete niedergeschlagen: „Das ist noch unklar, da es keine einzige Spur gibt, doch falls meine Vermutung richtig ist, werden wir am Stein einen wichtigen Hinweis finden, doch bis dahin können wir nichts weiter tun.“

Damit machte sich Silthalion zum Aufbruch bereit: Er verwischte seine Fußspuren, packte seine Sachen zusammen und schüttete die große Fallgrube zu, mit der er den einen Soldaten außer Gefecht gesetzt hatte. Dann brach er auf.
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Re: Schatten von Angmar
« Antwort #8 am: 5. Okt 2015, 00:10 »
Die Schlacht im Wettergebirge

Die Worte des Hügelmenschen sollten sich als wahr erweisen. Der Hexenkönig hatte tatsächlich ein Heer gegen die Elben geschickt, wie Mauritius und seine Elben bald herausfinden sollten...

El-Murazor schrieb:

Die kleine Schar war mehrere Stunden lang der großen Oststraße gefolgt und in einiger Entfernung begannen sich schon die Wetterberge gegen den grauen Horizont abzuzeichnen.
Unter den Soldaten herrschte ein bedrücktes Schweigen, niemand sprach ein Wort. Jeder marschierte in düsteren Gedanken versunken vor sich hin. Auch Mauritius hatte sein ohnehin schon ernstes Gesicht verzogen und einen unzufriedenen Gesichtsausdruck aufgesetzt.

Weitere zwei Stunden später waren die Wetterberge in greifbare Nähe gerückt und Mauritius ließ halten. „Warum halten wir schon? Es ist doch noch lange nicht dunkel?“, fragte Gwoldor und brach damit das Schweigen. Mauritius wartete einen Augenblick mit seiner Antwort, doch dann sagte er: „Wenn wir weitergehen, können sie uns von den Bergen aus sehen. Wir warten bis zum Einbruch der Dunkelheit“. Die Soldaten errichteten ein kleines Lager am Rande der Straße und stellten Posten auf.

Nebel zog auf und es wurde unheimlich still, kein Vogel sang, sogar der Wind war eingeschlafen. Man hörte nicht einmal mehr, wenn ein Soldat gegen einen Stein stieß, denn der Nebel verschluckte jeden Laut.
Mauritius stand auf und zog den Mantel fester um sich. Landor, ein anderer Hauptmann und erfahrener Krieger kam zu ihm. Die beiden konnten einander kaum erkennen, obwohl sie nur drei Fuß auseinander standen.

„Mir gefällt das hier nicht, das ist eine Falle, ein Werk des Feindes. Wir können hier nicht bleiben, wir müssen weiter oder zurück. Im Falle eines Angriffs haben wir hier am Straßenrand keine Deckung.“ Der Halbelb nickte und so leise, dass es durch den Nebel kaum zu vernehmen war, sprach er: „Wir kommen bereits zu spät.“

Gwoldor hörte dies und kam noch näher zu Landor und Mauritius heran. „Wir kommen zu spät? Woher weißt du das?“ „Das Land hier ist verlassen, wir hätten längst auf Widerstand treffen müssen. Auch wenn sie unser Hauptheer vernichten wollen, können sie keinen Hinterhalt aufbauen, ohne uns vorher zu vernichten. Ab hier haben sie keine Chance mehr. uns ohne eine große Schlacht zu vernichten. Ich glaube die Adler haben Recht, Angmars Heer zieht bereits gegen Fornost, wir kommen zu spät.“

„Wenn wir der Oststraße folgen, kommen wir an den Mooren vorbei, da haben sie doch den perfekten Hinterhalt, oder nicht? Wir können uns dort nicht flexibel verteidigen. Ist es nicht wahrscheinlicher, dass sie dort zuschlagen?“, ließ sich Landor vernehmen.

Gwoldor wollte ihm schon zustimmen, doch Mauritius kam ihm zuvor. „Sie wissen genauso gut wie wir, dass in den Mooren für uns kein Durchkommen ist und wir den Weg nicht gehen können. Der direkte Weg nach Fornost führt über die Wetterberge nach Norden. Wir hätten gar nicht bis hier kommen dürfen, der Feind hätte uns an der Brücke bereits aufhalten müssen, daraus kann ich nur eins schließen:

Alle Soldaten sind in die Schlacht gegen Fornost gezogen. Ich vermute allerdings, dass sie die Wetterberge noch besetzt halten, um Armeen aus Bruchtal oder Gondor zurückzuhalten. An der Brücke hätten sie zwar uns aufhalten können, doch dann wäre der Weg für eine Armee aus Gondor frei gewesen, deshalb warten sie darauf, dass wir das Gebirge betreten. Wir können uns den Umweg durch Bree nicht leisten, wir müssen durchs Gebirge gehen. Und mir wird klar, dass wir uns beeilen müssen. Deshalb gehst du, Landor, die Straße zurück, unserem Heer entgegen, und nimmst zehn Soldaten mit. Wir werden bei Nacht weiter vordringen und die Lage auskundschaften. Sag den anderen, dass sie sich beeilen sollen und mit einer Schlacht in den Bergen rechnen sollen.“

Landor brach mit den Soldaten auf und Mauritius wartete auf den Anbruch der Dunkelheit. Ein eisiger Wind kam auf und die Nebelschwaden lichteten sich. Die Elben brachen auf und marschierten vorsichtig weiter hinter ihrem Anführer her. Am Fuße des Gebirges machten sie wieder halt.
Mauritius war vor vielen Jahren schon einmal in Fornost gewesen und kannte auch das Wettergebirge.
Er gab den Befehl zum Weitergehen und in einem kleinen Bogen um einen Felsvorsprung herum begannen sie mit dem Aufstieg.

Kurz vor Erreichen der ersten Anhöhe erschienen wie aus dem nichts zwei Menschen aus Rhudaur, ein kurzes Surren war zu hören, dann ein doppelter Aufschlag und dann war es wieder still. Die beiden Menschen lagen von Pfeilen durchbohrt am Boden.

Die Elben erreichten die Anhöhe und blickten in ein kleines Tal. Im Tal wimmelte es von Orks und Menschen. Gwoldor kroch zu seinem Hauptmann heran: „Wie gut, dass wir den Bogen gemacht haben, auf dem Südhang wimmelt es nur so von Spähern.“ „Ja, sie erwarten uns von Süden aus, deshalb haben wir hier im östlichen Teil leichtes Spiel. Im Westen wird es nicht anders als im Süden sein, doch mir wird klar, was wir tun müssen:
Dort im Norden ist eine Felswand, die man vom Tal aus nicht erklimmen kann. Wenn wir bis dorthin kommen, können wir sie mit unseren Pfeilen erreichen und haben selbst aber Deckung. Sie werden überrascht sein und ihre Kräfte nach Norden hin bündeln….“ „und unsere Armee fällt ihnen in den Rücken“ beendete Gwoldor den Satz. Ein Leuchten war in seine Augen getreten und gemeinsam kletterten sie weiter nach Norden.

Es dauerte bis zum Morgengrauen, da sie mit äußerster Vorsicht vorgehen mussten, bis sie die Felswand erreicht hatten. Mauritius war nicht mit ihnen gekommen, er hatte sich ins Tal hinein geschlichen und stand unten an der knapp zehn Meter hohen Felswand, während die Elben über ihm Position bezogen.

Die Soldaten spannten die Bögen und die Pfeile schnellten von den Sehnen. Die Feinde waren zuerst starr vor Schreck, doch nach der zweiten Salve wurden Befehle gebrüllt und Soldaten Angmars rannten zur Felswand. Zahlenmäßig waren sie zehnfach überlegen.

Mauritius sah die Feinde auf sich zukommen. Orks und wilde Menschen, Schwerter und andere Waffen gezückt. Mitten unter ihnen marschierte ein großer Mann, der ein Banner trug, auf dem eine eiserne Krone abgebildet war.
Jetzt waren sie nur noch zehn Meter entfernt, doch die erste Reihe der Feinde stürzte, wie durch ein unsichtbares Seil aufgehalten, zu Boden. Die Pfeile der Elben taten ihre Wirkung.

Mauritius zog sein Schwert und weißes Licht erhellte das Tal. Geblendet kamen die Feinde zum Stehen und ein weiterer Pfeilhagel erreichte sein Ziel. Ein großer schwarzer Ork jedoch rannte auf Mauritius zu und zückte ein mit Zacken versehenes Breitschwert.
Er war knapp zwei Meter groß und damit größer als der Elb. Mit einem tierischen Krächzen drang er auf den Elben ein. Mauritius parierte den Hieb unter Aufwand aller seiner Kräfte, das Schwert seines Feindes zersplitterte, doch der Zusammenprall der beiden Körper schlug beide zu Boden. Der Elb erhob sich benommen, doch der Orkhauptmann war schneller. Er griff mit seinen eisernen Händen zur Kehle des Elben, Mauritius drückte es die Luft ab und verzweifelt versuchte er, sich zu befreien, doch das war aussichtslos. Schon begann das Tal, vor seinen Augen zu flimmern, als er plötzlich wieder einen Luftzug nehmen konnte. Ein Pfeil von Gwoldor hatte die rechte Schulter des Feindes durchbohrt.
Mauritius gelang es, den Moment auszunutzen, und er konnte sich befreien. Er versetzte seinem Feind einen Fußtritt, der ihn in die Knie zwang, dann holte er mit dem leuchtenden Schwert aus. Funkensprühend zerbarst der Helm und mit gespaltenem Schädel sank der Hauptmann zu Boden. Doch die Übermacht der Feinde war trotz allem erdrückend...


Rabi schrieb:

Das Hauptheer ging auf seinem Weg nach Fornost, angeführt von Glorfindel, als ihnen plötzlich wie aus dem nichts ein Elb entgegenkam. Glorfindel streckte einen Arm in die Luft und mit einem mächtigen Wort, das durch die gesamte Ebene hallte, blieb das Heer stehen. Marauder versuchte etwas zu sehen, denn er stand mitten im Heer und konnte über die anderen, etwas größeren, elbischen Krieger nichts erkennen. Deshalb versuchte er, irgendwie zwischen den Kriegern hindurch etwas zu erblicken und er konnte Glorfindels goldenes Haar erkennen, und wie er mit jemand anderem redete. Dann drehte sich Glorfindel um, und der andere Elb ging in die Reihen, um mit in die Schlacht zu ziehen. Marauder brachte sich schnell wieder in Position, damit sein Heerführer nicht sehen würde, dass er nicht diszipliniert dastand. Dieses Mal war Glorfindels Stimme nicht so laut, aber doch so durchdringend, dass sie jeder hören konnte. "Hinter diesem Hügel befinden sich einige Orks. Das... ist ein Außenposten Angmars. Zwar bin ich mir nicht sicher, was sich alles hinter diesem Hügel befindet. Vielleicht auch Trolle....Hügelmenschen. .. oder Grabunholde. Doch WIR müssen auf alles gefasst sein. ALSO... seid ihr bereit, in den Krieg zu ziehen?"
 Statt mit einem lauten, einklängigen Wort zu antworten, bereiteten die Krieger ihre Waffen vor und stellten ihre Füße nahe nebeneinander. Das bedeutete, dass sie bereit waren, in diese Schlacht zu ziehen und Orks zu töten. Glorfindel ging die ersten paar Schritte, und gleich darauf reagierten die Elben und folgten ihm. Mit ihren guten Augen konnten sie schon ziemlich weit weg die Späher auf dem Hügel entdecken, die jedoch keine große Gefahr darstellten. Mit gezielten Schüssen der Bogenschützen wurden sie gleich ausgeschaltet. Und dann gingen sie weiter. Es war morgen und es war ein leicht durchsichtiger Nebel über das Land gezogen. Die ersten paar Elben gingen auf den Hügel und waren oben angekommen. Die hinteren Reihen bliesen in ihre Hörner.

Sobald die vorderen zehn Reihen den Hügel hinunter stürmten, verschwanden sie aus dem Sichtfeld von Marauder, denn er stand irgendwo in der zwanzigsten Reihe. Hinten im Gebirge fing das Licht plötzlich an, durch den Nebel zu stechen. Während er den Hügel erklomm, blendete nun das Licht seine Verbündeten und er konnte nur noch leichte Umrisse von ihnen wahrnehmen. Sein Puls stieg, sein Herz fing immer schneller an zu schlagen. Er sah zwar noch nicht einmal einen Ork oder irgendeine andere Kreatur, doch er wusste... dies wäre seine erste Schlacht. Es wäre das erste mal, dass er Orks töten würde. Bestien aus purer Bosheit. Feige, kleine Kreaturen. Abschaum, wie sie auch genannt wurden. Marauder hatte sein Schwert schon aus der Scheide gezogen und sein Schild vor sich gerissen und fing langsam an zu zittern. Er war nervös. Nie zuvor hatte sein Herz so stark und schnell geschlagen. Es kam ihm vor, als würde es jeden Augenblick aus seinem Brustkorb herausgesprengt werden. Doch dann, auf der Spitze des Hügels, war es fast so, als würden sein Puls und sein Herz aufhören, zu schlagen. Es war so still, er hörte nichts und es war wunderschön, das Gebirge im Morgengrauen zu erblicken. So hell, glänzend... einfach überragend. Doch dann senkte er seinen Blick, nachdem er von seinem Hintermann einen Stoß bekommen hatte, zum Tal hinunter.

Und das war das Grauen. Sein Herz begann wieder, schnell und stark zu schlagen, und er konnte schon sehen, wie das schwarze Blut des Abschaums spritzte und den Boden bedeckte. Er hörte das Gekreische und Gequietsche der sterbenden Orks. Es schmerzte ihn in seinem Kopf, doch er fand Gefallen daran, wie diese Kreaturen starben. Es geschah ihnen recht. Doch nun war keine Zeit mehr, darüber nachzudenken. Er musste nun zeigen, was er bei den Elben gelernt hatte, er konnte hinunter in die Schlacht ziehen. Vielleicht würde er als Held gefeiert werden, doch vielleicht würde er auch die Nerven verlieren und zu fliehen versuchen. Und als Feigling beschimpft werden, oder vielleicht sogar des Hochverrates angeklagt werden und zum Tode verurteilt? Doch daran wollte Marauder schon gar nicht denken. Und dann hatte er auch keine Zeit mehr dafür. Denn er ging ja die ganze Zeit, als er über die Folgen dieser Entscheidung, in die Schlacht zu ziehen, nachdachte, den Hügel hinab, und war in das dunkle, stinkende Tal hinab gefallen. Er warf noch einen Blick nach oben, zu dem wunderbaren Gebirge und schaute dann vor sich, wo schon ein Ork krächzend auf ihn zusprang und ihm mit seinem Schwert den Schädel zertrümmern wollte. Marauder konnte gerade noch seinen Schild hochreißen, und mit einem wuchtigen Hieb durchstach er dem Ork seinen Bauch. Das schwarze Blut spritze heraus und ihm genau ins Gesicht. Doch zum Wegwischen war keine Zeit, schon sprangen von der rechten Seite zwei weitere Orks auf ihn zu. Er fuhr herum und schlitzte beiden die Kehle durch. Was für ein Gefühl, diese widerlichen Gestalten zu zerstückeln. Wie wunderbar. Ich kann nun guten Gewissens sagen, ich habe Orks getötet, schwelgte Marauder während des Kampfs in seinen Gedanken.

Es waren zahlreiche Orks. Marauder metzelte sie nun schon ohne große Schwierigkeiten und mit einem nicht mehr ganz so hohen Puls wie am Anfang nieder. Seine Rüstung war voller Blut und auch sein Gesicht voller Spritzer. Den Gestank der toten Orks verbannte er einfach aus seinem Kopf, er ignorierte ihn. Es war zwar widerlich, aber daran denken durfte er schon gar nicht.

Er bemerkte gar nicht, wo er hinging, er kämpfte sich einfach durch die Massen und plötzlich kam ein Mensch auf ihn zu. Marauder rief: "Ihr, schnell... Kommt zu mir herüber! Die Orks werden euch sonst zerfetzen!”
Doch plötzlich holte der Mensch, anstatt zu ihm zu laufen, zum Schlag aus, den Marauder gerade noch mit seinem Schwert parieren konnte. Er stieß ihm sein Schild in den Magen und schlitze ihm anschließend die Beine auf, so dass er zu Boden ging.
"Was macht ihr, ich wollte euch helfen? Warum attackiert ihr mich?"
Der Mensch antwortete nicht und versuchte wiederum, mit seiner Holzkeule auf Marauder einzuschlagen. Doch diesmal verschonte ihn der Krieger nicht, er stach ihm mit seinem Schwert mitten durch den Hals. Das Geschrei des Menschen verstummte langsam. Nachdem er ihn getötet hatte, fielen ihm auch wieder die Worte von Glorfindel ein.
"Was auch immer sich hinter diesem Hügel befinden mag. Orks, Hügelmenschen, Trolle." Dies waren sicher diese Hügelmenschen, gedanklich zurückgebliebene Menschen.

Marauder kämpfte sich weiter durch, als er plötzlich einen Krieger nur noch wenige Meter von ihm weg fand. Der Krieger stach durch sein weiß schimmerndes Schwert sehr hervor und er trug auch kein elbisches Gewand. Marauder hatte so eine Kleidung noch nie gesehen. Deshalb wusste er jetzt auch nicht, ob er ihn angreifen sollte oder nicht, obwohl er sich schon wunderte, dass dieser Krieger die Orks tötete, und zwar gekonnt und schnell. Doch es wunderte ihn, dass der Krieger die Hügelmenschen nur zurückstieß und nicht tötete, warum sollte er das tun, welchen guten Grund hatte er dazu?
Trotzdem entschied sich Marauder, auch unter Einsatz seines Lebens, ihm zu helfen. Denn der unbekannte Krieger war alleine an eine Wand gedrängt worden von dutzenden von Orks. Obwohl er geschickt mit seinen Waffen umging, konnte ihn Marauder nicht alleine dort weiterkämpfen lassen, jeder Mann war sein Leben wert. Marauder kämpfte sich durch. Der Unbekannte hatte einmal einen unachtsamen Moment und schon war hinter ihm ein Ork, der ihm sein Schwert in den Rücken stechen wollte. Doch Marauder warf seinen Schild zu Boden und machte einen kleinen Sprung hinüber, schlug auf das Schwert des Orks, gab ihm einen Kinnhaken und drehte sich anschließend einmal herum und hackte dem Ork den Kopf ab. Ohne sich zu kennen, drehte sich die beiden mit den Rücken zueinander und stützten sich aneinander ab. Kurz versuchte Marauder, ein Wort mit dem Unbekannten zu wechseln, doch das gelang ihm nicht, da er und der andere Krieger sich zu viel mit den heranstürmenden Orks befassen mussten.

Nach etlichen Stunden hatten sich die beiden von der Wand entfernen können. Marauder hatte seinen Schild wieder vom Boden aufgenommen. Und dann war die Schlacht kurz vor ihrem Ende. Die beiden waren zwar noch immer alleine in den Orkmassen, doch nur noch vielleicht knappe zehn Meter weit waren Orks zu sehen. Der Rest waren Elben, die die Orks von der anderen Seite attackierten, und es dauerte noch einige Zeit, bis der restliche Abschaum besiegt war. Nun hatten sie Ruhe. Auch nun sprachen die beiden kein Wort miteinander, sie waren zu erschöpft und mussten sich zuerst einmal das Blut von der Rüstung und der Haut waschen.


Nachdem Marauder zu seinem Zelt zurückgekehrt war, ruhte er sich erstmal eine Weile von der Schlacht aus, wie die anderen Krieger auch. Als er wieder aufwachte, war es auch schon Abend, und die Sonne tauchte das Land in ein weiches, schimmerndes Rot. Marauder bereitete sich an einem etwas abgelegenen Fleckchen ein Lagerfeuer vor. Er holte Holz, das er auf einen Haufen zusammenwarf, erlegte einen Eber, welchen er dann selbst häutete und auf einen Spieß spießte. Dann stellte er sich zwei Stützen auf, wo er den Eber dann mit einem Stock über dem Feuer braten konnte. Und er freute sich schon auf sein Mahl. Er rollte sich noch einen Steinbrocken her, auf dem er schön sitzen konnte wie auf einem Stuhl und drehte den Eber noch ein paar Mal über dem Feuer. Einige Minuten später nahm er seinen kleinen Dolch aus seinem Stiefel und schnitt sich ein Stück Fleisch aus dem Eber heraus. Den Dolch steckte er wieder weg, hielt das Stück Fleisch mit beiden Händen und nahm einen mächtigen Bissen vom Fleisch. Es war unglaublich lecker, nach einer erfolgreichen Schlacht war frisch gebratenes Fleisch doch das Beste. In dem Moment, als Marauder schluckte, klopfte ihm plötzlich jemand auf die Schulter, hektisch rollte sich Marauder zu Boden und zückte seinen Dolch. Mit vollem Mund hörte sich seine Stimme nicht sehr bedrohlich an, doch er schrie: "Haut ab, oder ich töte euch!".

Marauder konnte ein leichtes Grunzen wahrnehmen, das von der Person, die ihm gerade auf die Schulter geklopft hatte, kam. Anscheinend fand er es recht amüsant, wie Marauder versuchte, ihm mit vollem Mund zu drohen. Und er sagte zu ihm: "Spart euch die Drohungen, wäre ich ein Feind, wärt ihr schon tot." Marauder konnte nun erkennen, wer es war, er hatte zwar noch nie seine Stimme gehört, doch vom Aussehen her erkannte er, dass es der Krieger war, mit dem er an der Felswand gegen die zahlreichen Orks gekämpft hatte.

"Da habt ihr Recht." Marauder setzte sich wieder auf und schluckte sein Stück Fleisch, das er noch immer im Mund hatte, hinunter. "Nehmt euch doch etwas.", bot ihm Marauder an und fragte gleich darauf, ohne dass der Krieger antworten konnte: "Oder seid ihr nicht hungrig, nach dieser Schlacht?". Der noch immer unbekannte Krieger setzte sich neben Marauder auf den Boden und starrte einen Augenblick lang in das Feuer, das sich in seinen leicht glasigen Augen widerspiegelte.
Die Augen, das war das erste, was Marauder auffiel. Sie erinnerten ihn sofort an einen Brunnen, einen Quell uralter Erinnerung. Die Sterne spiegelten sich in den Augen und in ihnen schien ein weiches Licht zu leuchten.
"Gerne nehme ich mir ein Stück vom Fleisch, könntet ihr mir eine Klinge leihen?" Marauder zog sich seine Fetzen ein wenig vom Bein bis zum Knie hinauf und zog sich aus seinem Stiefel wieder sein kleines Messer. Er schmiss es mit einer geschickten Bewegung seines Handgelenks in die Luft, wo sich das Messer einmal drehte und fing es bei der Klinge wieder auf. "Nehmt. Lasst es euch schmecken." Der Krieger schnitt sich ein Stück aus dem Rücken des Ebers und hielt es mit einer Hand fest, mit der Anderen wischte er das Messer an einem weißen Tuch ab und gab es Marauder zurück, der es wieder in seinen Stiefel steckte. Beide machten nun eine kurze Redepause und bissen ein paar Mal von ihrem Stück Fleisch ab. Es war sehr saftig und man konnte sie schmatzen hören. Der Krieger nahm das letzte Stück Fleisch in den Mund und schluckte es hinunter, während sich Marauder wieder etwas vom Eber herunter schnitt.
"Ihr seid ein guter Krieger, doch... würdet ihr mir euren Namen nennen?", fragte der Krieger Marauder mit leiser Stimme. Marauder schmatzte noch ein paar Mal kräftig und antwortete dann mit halb vollem Mund: "Ich bin Marauder, ein Krieger Bruchtals, und wer seid ihr?".
Ein bisschen dachte der andere Krieger darüber nach. Ein Krieger Bruchtals, er sah aber nicht aus wie ein Elb, und verhielt sich auch gar nicht so. Doch zuerst würde er die Gegenfrage beantworten: "Ihr könnt mich Mauritius nennen."
Wieder setzte eine kleine Pause ein. Mauritius wollte anscheinend mit seiner Frage wegen Bruchtal noch ein wenig warten. Doch nicht nur er wartete darauf, dass der andere wieder etwas fragen würde. Denn auch Marauder war sehr interessiert an etwas, und zwar an der Klinge Mauritius', warum leuchtete sie so grell weiß? Noch nie hatte er so eine Klinge gesehen.

Mauritius jedoch stellte zuerst eine andere Frage: "So, Marauder, ihr habt gut gekämpft, war es eure erste Schlacht?“ Der Mensch war von dieser Frage überrascht, woher wusste der Elb davon? Es ärgerte ihn, war das so deutlich aufgefallen? Langsam antwortete er:  „Woher wisst ihr das?“
Ein Lächeln spielte um die Lippen des Elben. „ Ich habe meine Erfahrungen in unzähligen Schlachten gesammelt. Ihr kämpft wie ein erfahrener Krieger, doch die Anspannung ist noch nicht von euch gewichen, ansonsten hätte ich euch vorhin nicht so erschreckt.“ Daraufhin schwiegen beide eine Weile, jeder seinen eigenen Gedanken nachhängend.
Das Schweigen der beiden wurde von einem anderem Krieger, einem Elb, unterbrochen:  „Wir haben nicht sehr viel Zeit, uns auszuruhen, wir müssen weiter nach Arthedain. Die Numenorer haben uns um Hilfe gerufen, da Angmars Truppen Fornost schon gefährlich nahe sind. Also, macht euch bereit, morgen früh aufzustehen. Wir reisen bei Sonnenaufgang. Wer nicht bereit ist, auf den wird nicht gewartet. Doch wir brauchen jeden Krieger. Also versucht, bereit für die Reise zu sein."

Marauder antwortete mit einem kurzen „Ja“ und wandte seinen Blick dann wieder schnell zu Mauritius, und da sie nun ein wenig von ihrem Gespräch abgekommen waren, dachte sich Marauder, dass er einfach mal drauflos fragen würde: "Mauritius, ich habe eine Frage."
Mauritius war anscheinend ein wenig erleichtert, er atmete einmal tief durch. Und lauschte dann den Worten von Marauder: „Was hat eure Klinge zu bedeuten? Warum leuchtet sie so grell... weiß? Was ist das für ein Material, oder hat es andere Gründe?“
Mauritius senkte seinen Kopf ein wenig, und strich mit seinem Fuß ein wenig am Boden herum. Das Licht in seinen Augen schien für einen Augenblick zu verblassen, doch nach kurzer Zeit ging sein ernster Gesichtsausdruck in ein leichtes Grinsen über, und dann hob er seinen Kopf wieder und blickte Marauder in die Augen. "Das waren aber viele Fragen auf einmal. Viele wollten schon wissen, warum meine Klinge leuchtet. Doch dieses möchte ich nicht gerne verraten." Marauder ließ es sich nicht anmerken, dass er leicht enttäuscht über diese Aussage war, er wollte so gerne wissen, warum diese Klinge leuchtete, sie war ein wunderbarer Anblick. Mauritius wartete auf eine Reaktion von Marauder, die auch prompt kam. Er schloss seine Augen und nickte ein paar Mal mit verständnisvoller Mine. "Und nun hätte ich auch eine Frage an euch, Marauder. Ich hoffe ihr könnt sie mir beantworten. Doch ich würde auch verstehen wenn nicht."
Nun war Marauder sehr interessiert was er zu sagen hatte, und hörte ganz genau zu.
"Ihr hattet doch vorhin erwähnt, als ihr mir euren Namen sagtet, dass ihr ein Krieger Bruchtals wärt? Doch ihr seid kein Elb, oder irre ich mich?" Auch aus einem guten Grund, denn mit einem Elb hatte Marauder so gut wie keine Ähnlichkeit und das konnte man ihm auch gut ansehen.
"Nun, ich kann euch diese Frage beantworten, aber ich möchte nicht.", antwortete ihm Marauder mit einem leicht lächerlichen Unterton. Beide fingen dann leicht zu lachen an. Bis Mauritius sich nicht mehr richtig halten konnte. Er verstand die Anspielung und musste laut lachen.
"Mir gefällt euer Humor. Und vor allem, dass ihr nach einer Schlacht wie dieser einen habt. Doch übertreibt es nicht, manche verstehen keinen Spaß und könnten euch dann mit einer Klinge bedrohen." Marauder schmiss den Knochen, den er gerade abgenagt hatte in das Feuer und antwortete ihm dann rasch: "Keine Angst, ich weiß mich schon zu wehren. Und nun kommen wir zu eurer Frage zurück. Nein, ich bin kein Elb, das habt ihr gut erkannt. Ich bin ein Mensch, doch ich weiß nichts von meiner Herkunft. Außer das, was mir Herr Elrond mitgeteilt hat. Doch dies ist wirklich nichts, was euch interessieren könnte. Ich bin eben ein guter Krieger, mit enormer Kraft." Mauritius schnaubte ein paar Mal, er fand es recht komisch, wie sich Marauder selbst als unglaublich starken Menschen darstellte. Doch er würde ihm dieses Selbstvertrauen nicht wegnehmen wollen, immerhin hatte er gut gekämpft.

Es wurde immer dunkler. Das Feuer erlosch schon langsam und das Flackern des Lichts der Flammen in den Gesichtern von Mauritius und Marauder wurde immer stärker, da langsam Wind aufzog. Marauder erhob sich von seinem Stein und blickte zu Mauritius hinunter. "Ich werde mich nun in mein Zelt schlafen legen. Habt ihr eine Unterkunft?", fragte ihn Marauder auch noch mit einer ziemlich vertrauten Stimme. Mauritus nickte nur leicht und erhob sich ebenfalls, er streckte Marauder die Hand hin. Worauf er auch gleich reagierte und ihm die Hand gab. "Ich hoffe, wir werden in Arthedain auch zusammen kämpfen. Erholt euch gut."
Mauritius ließ die Hand von Marauder los und ging auf geradem Weg auf den Berg zu, nicht zu den Zelten.
Marauder blieb noch eine Weilte stehen und trat sein Feuer aus. Es war nur noch eine leichte Glut übrig, die er von selbst ausgehen ließ. Dann machte auch er sich auf zu seinem Zelt, wo er sich seine Stiefel auszog und sich dann hineinbegab. Er dachte noch einmal über den heutigen Tag nach. Die Schlacht, die er hinter sich gebracht hatte. Seine erste Schlacht. Und er hatte nicht das geringste schlechte Gewissen, dass er so viele Menschen und Orks getötet hatte. Denn sie hatten es verdient. Denn wer konnte sagen, wie viele Leben sie schon ausgelöscht hatten. Und während Marauder über diese Sachen nachdachte, schlief er auch langsam ein.


El-Murazor schrieb:

Nach der Unterhaltung, als sich Marauder schlafen gelegt hatte, ging Mauritius gedankenverloren den nördlichsten Hügel hinauf. Am höchsten Punkt angekommen warf er einen langen Blick nach Norden, jenen Norden, in dem er schon so oft gekämpft hatte.

Ein kaltes Schaudern lief über seinen Rücken, als er an all die Schlachten dachte, in denen er schon gekämpft hatte.
Sein Leben zog vor seinen Augen vorüber und er dachte an seine Eltern, deren Tod schon so lange zurücklag. Er dachte an seinen Schwur, sah sich in Gedanken vor sich und zog sein Schwert. Dieses Schwert war das Ergebnis des Schwurs, das weiße Licht leuchtete ihm entgegen und schnell steckte er es zurück, um keinen Feind aufmerksam zu machen.

Wie viele Orks und andere Kreaturen waren schon durch dieses Schwert gefallen? Wie viele von seiner Hand? Und vor allem wofür? Er hatte seine Rache nie ausüben können, alles was er getan hatte, war, die Handlanger des Bösen zu bekämpfen und zu vernichten. Doch was hatte es gebracht? Morgoth war verbannt und nicht endgültig bezwungen, Sauron nur verschwunden. Im Norden war ein neuer Schatten gewachsen, der jetzt die freien Völker bedrohte.
Der Schatten schien sich immer zu erholen, immer neu zu erstehen und die Welt zu quälen, in manchen Jahren mehr, in manchen weniger stark.
Er sah in die Nacht hinaus, kein Stern war am Himmel zu sehen. Er dachte an die Worte seiner Frau: „Licht gibt es ohne Schatten, Schatten aber nicht.“
Was bedeutete dies? War der Schatten notwendig? Vielleicht unbesiegbar? Würde es jemals einen Tag geben, an dem das Licht ewig leuchten würde?
„Der Schatten begleitet dich, wo auch immer du dich aufhältst“ hatte Galadriel ihm einmal gesagt. „Tritt mit deinem Fuß auf den Boden und unter der Sohle ist es dunkel….“

Er dachte wieder an seine Familie, die in Lorien weilte, und Sehnsucht stieg in ihm auf. Wie wenig Zeit hatte er bisher mit ihnen verbracht und wie viele Jahre hatte er im Krieg verbracht? Wie viel wertvolle Zeit hatte er verschwendet, indem er das Böse jagte und in der Welt umherzog?
So lange lebte er jetzt schon, so lange führte er diesen Krieg, nicht mehr aus Rache, so viel wurde ihm klar. Er hatte seine Bestimmung gefunden, er musste einfach kämpfen, für alle, die es nicht mehr konnten und um allen zu helfen, die seine Hilfe so dringend benötigten, wie die Menschen in Arthedain.
Und dennoch, er konnte das in ihm aufkeimende Gefühl nicht unterdrücken. Auch seine Familie brauchte ihn, ohne Marauder und Gwoldor wäre er vielleicht jetzt schon tot, würde sie vielleicht nie wieder sehen.
Unruhe ergriff ihn, er wusste, dass er sich diesen Gedanken nicht widmen sollte, dass er selber Ruhe brauchte, doch er fand sie nicht. Er würde nie Ruhe finden, nicht solange er seine Bestimmung nicht erfüllt hatte. Er musste sie erfüllen, er musste einfach. Ruckartig machte er kehrt und wollte schon zurückgehen, als er eine Gestalt gewahrte, die auf ihn zukam.

Es war Glorfindel, er hatte ihn hinaufsteigen sehen und war ihm langsam nachgegangen. Neben ihm blieb er stehen und sprach in unvermittelt an: „Warum bist du hier oben, Mauritius? Wieso kommst du nicht zu den Anderen?“ Unschlüssig was er sagen sollte verharrte Mauritius in Schweigen.
„Du hast das Richtige getan, glaub mir“, hörte er Glorfindel sagen und merkte jetzt erst, dass der Elb ihn aufmerksam ansah. „Inwiefern?“, war seine Antwort, doch er erkannte, dass der Andere seine Gedanken durchschaut hatte und wusste was ihn beschäftigte. „Du hast gut gekämpft, ohne dich hätten wir hier nicht so einfach den Sieg davon getragen. Die Niederlage hier ist ein harter Schlag für Angmar, denn nun sind sie aus dem Süden nicht mehr sicher. Wenn es Angmar nicht gelingt, Fornost einzunehmen, haben sie den Krieg verloren, denn Gondor wird kommen.“
„Ihre Niederlage hier zeigt, dass der richtige Schlag nur umso heftiger werden wird. Fornost wird fallen, wir können sie nicht retten, unser Heer wird das gleiche Schicksal erleiden wie Fornost. Und was ist dann mit Lorien und Bruchtal? Wie lange wird es dauern, bis die Armeen Angmars dort einfallen?“ Glorfindel trat jetzt direkt an ihn heran und sah ihm in die Augen.
„Du willst doch nicht etwa aufgeben, oder?“
In Mauritius Augen blitzte es zornig auf: „Ich gebe nicht auf, das weißt du. Ich werde nach Fornost gehen, so hoffnungslos es auch ist, und solange ich lebe, verteidige ich es. Aber am liebsten würde ich alle verfügbaren Soldaten zusammenziehen und nach Carn Dûm marschieren, sie direkt in ihrem Herzen angreifen.“
„Wir haben weder die Stärke noch die Zeit, einen solchen Angriff zu führen, und ohne uns ist Fornost verloren. Und du hast heute wirklich gut gekämpft, denn mit deiner Ablenkung hast du es geschafft, einen Zweiflankenangriff herbeizuführen und ihnen gleichzeitig den einzigen Rückzugsweg verbaut. Aber es sind leider sind einige entkommen. Du hast zusammen mit Marauder gekämpft?“
Ein Lächeln spielte um Mauritius‘ Lippen: „Ja, er erinnert mich sehr an mich selbst. Ich war damals genauso jung und unerfahren. Aber er hat eine gute Ausbildung genossen“, warf er mit einem Seitenblick auf Glorfindel ein. „Ich habe Ausschnitte aus deinem Kampfstil bemerkt, trotzdem muss man auf ihn aufpassen, denn es besteht für alle, die nach Fornost gehen, wenig Hoffnung auf Rückkehr.“ Falten traten auf das Gesicht des Elben: „Ja, wir haben seinen Eltern versprochen, auf ihn aufzupassen. Doch zuallererst müssen wir nach Fornost gelangen, dann sehen wir weiter.“
Zusammen machten sich die beiden auf den Rückweg ins Lager und für den Rest des Weges sprach keiner der beiden ein Wort.
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Lord of Mordor

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Re: Schatten von Angmar
« Antwort #9 am: 5. Okt 2015, 00:10 »
Strafe

Angmar hatte in Arthedain, auf direktem Weg nach Fornost, ein Heerlager aufgeschlagen. Ein verletzter General schleppte sich mit letzter Kraft in das Lager, um von seiner Niederlage in den Wetterbergen zu berichten...

Lord of Mordor schrieb:

Zitternd warf sich der Hügelmensch vor Zaphragor auf den Boden. “Vergebt mir!”, rief er mit sich überschlagender Stimme. “Sie haben uns völlig überrascht, wir haben getan, was wir konnten, doch sie waren überall und...
   “Sie haben euch überrascht?”, wiederholte Zaphragor leise. Er starrte den General aus kalten, verachtenden Augen an. “ Der Hexenkönig gab euch den Befehl, die Wetterberge zu verteidigen ... die feindliche Verstärkung abzupassen ... IHR hättet SIE überraschen sollen!!!” Er versetzte dem General einen brutalen Tritt gegen die Brust, der ihn zurückschleuderte und seine Knochen mit einem knackenden Geräusch brechen ließ. Zuckend und wimmernd blieb der Hügelmensch liegen. Zaphragor schritt auf ihn zu.
   “Aber nicht genug mit eurer Inkompetenz ...”, fuhr er mit hasserfüllter, flüsternder Stimme fort.  “Nein, ihr hattet nicht einmal den Mut, für den Hexenkönig zu sterben, wie eure Männer es getan haben ... ihr habt es vorgezogen, zu FLIEHEN und zu LEBEN...”
   Er spie die Worte förmlich aus. Der General versuchte wimmernd, sich aufzurappeln, als Zaphragor näherkam, doch in seinem Körper war kein einziger Knochen mehr heil und er sackte zurück. “Ich wollte euch Bericht erstatten, Herr!”, stieß er hervor. Hustend spuckte er Blut. “Ich wollte...” Zaphragor beugte sich über ihn.
   “Ihr hättet sterben sollen, General ... sterben wie eure Männer...”
   “Nein!”, schrie der General und versuchte hysterisch, vor der grausamen Gestalt davonzukriechen. Zaphragor packte ihn am Hals und zog ihn zu sich hoch. Der Hexer zog sein Gesicht auf Augenhöhe zu sich heran, der Hügelmensch strampelte in der Luft. Ihre Gesichter  berührten sich beinahe.
   “Gnade!!!”, kreischte der General verzweifelt, und stemmte sich mit aller Kraft gegen den Griff des Hünen. Panisch rang er nach Luft, als der Hexer fester zudrückte. 
   Zaphragor starrte ihn völlig unbewegt an, hielt ihn ohne Anstrengung mit einer Hand in der Luft. Mit der Anderen zog er sein Schwert. 
   “Sterbt mit Würde, General...”, flüsterte er mit grausamer Gelassenheit.
    Damit rammte er ihm sein Schwert in die Brust. Der General schrie gellend auf, als Zaphragor den Zweihänder nach oben riss. Der Hexer grinste diabolisch, in seinen Augen flackerte es. Langsam schnitt sich seine Klinge nach oben, zerriss Knochen und Fleisch, bis zum Hals.  Dort verharrte sie.
   Zaphragors wahnsinniges Grinsen wurde breiter, ein rotes Leuchten füllte seine Augen zur Gänze aus.  Mit einem plötzlichen Ruck riss er sein Schwert weiter nach oben und ließ den Kopf des Generals zerplatzen. Fontänen von Blut und Hirnmasse spritzten aus dem leblosen Körper, besudelten seine Rüstung und färbten den Schnee rot. Angewidert warf Zaphragor den General in den Staub.  Dann fuhr er herum, und marschierte mit weit ausgreifenden Schritten durch das Lager.
   
Die Orks und Hügelmenschen wichen links und rechts vor ihm zurück, und starrten ihn angsterfüllt an. Keiner wollte der nächste sein, an dem sich sein Zorn entlud.
   Mit kaltem Blick musterte Zaphragor die angsterfüllten Gestalten, die sich  um die Lagerfeuer drängten, um die beißende Kälte zu vertreiben. Zaphragor hingegen spürte den Frost nicht einmal. Obwohl es Abend war, und jeder Atemzug sofort zu kaltem Dampf in der Nachtluft wurde, spürte er nichts, außer dem brennenden Verlangen, die Numenorer endlich zahlen zu lassen. Genau wie diesen jämmerlichen General und die schwächlichen Elben, die seine Truppen vernichtet hatten.
   Sie sind alle erbärmlich, dachte er, als er weiter durch das Lager marschierte. Seine schweren Schritte wirbelten den Schnee unter ihm auf, sein prunkvoller Umhang wallte im Wind. Wo immer er auch hinsah, überall um sich herum spürte er Angst.   
   
Genau diese Angst ist es, die sie dem Hexenkönig gegenüber loyal macht. Nach außen hin heucheln sie Eifer und Pflichtbewusstsein, doch sie würden jederzeit fliehen, wenn sie vor IHM nicht noch mehr Angst hätten als vor dem Feind... und jederzeit würden sie ihn verdrängen, wenn sich die Gelegenheit dazu böte. Jeder Einzelne von ihnen würde jederzeit nach der Eisenkrone greifen, wenn er nur könnte, selbst die Obersten der dreizehn Hexer... Doch mit einem dieser Narren an der Spitze ... würde Angmar untergehen...
   
Seine Schritte hatten ihn an den Rand des Lagers geführt. Etwas außerhalb, auf einem Hügel, zeichnete sich die Silhouette des Hexenkönigs gegen den Nachthimmel ab. Unbewegt blickte der Herrscher Angmars in Richtung Fornost. Deutlich spürte Zaphragor die gewaltige Aura der Macht, die den Hexenkönig umgab. Über ihm ballten sich dunkle Wolken zusammen  und verdeckten den Mond und die Sterne. Schneestürme tobten in der Ferne. Der eisige Winter würde Fornost schon schleifen, lange bevor Angmars Heer die Stadt erreicht hätte...
   Langsam schritt Zaphragor den Hügel hinauf. Mit jedem Schritt nahm das intensive Gefühl der Macht zu, das der Hexenkönig ausstrahlte. Schließlich erreichte Zaphragor die Spitze des Hügels und sank hinter seinem Meister auf die Knie. Der Hexenkönig drehte sich nicht zu ihm um.
   “Sprich”, befahl er mit schneidender Stimme.
   “Die Truppen bei den Wetterbergen, Herr... sie sind gefallen. Der General wurde für sein Versagen bestraft.” 
   “Elben?”, fragte der Hexenkönig. Das Wort klang wie eine Morddrohung, seine Stimme war erfüllt von tiefem, brennendem Hass.
   “Ja, Meister”, erwiderte Zaphragor. “Wie ihr vorausgesehen habt, marschieren sie gen Fornost, um die nichtswürdigen Numenorer zu unterstützen.”
   Der Hexenkönig erwiderte nichts und blickte weiter in die Ferne.
   “Schickt ein zweites Heer, Meister!”, rief Zaphragor. “Schickt einen fähigeren General, und vernichtet die Elben, bevor sie Fornost erreichen! Schickt mich mit den Truppen, und ich garantiere euch, dass sie nicht versagen werden!”
   Der Hexenkönig blieb regungslos stehen. Eisiger Wind umpeitschte ihn. Nach einer Weile drehte er sich schließlich zu Zaphragor um.
   “Nein”, sagte er. “Letzten Endes ist es unerheblich... sie sind wie Fliegen, die einen Schneesturm zu bezwingen trachten ... früher oder später wird jeder von ihnen sterben ... keiner kann der Macht Angmars lange standhalten.”
   Wie um diese Worte zu unterstreichen zogen in diesem Moment weitere Wolken auf, ein Blitz erhellte den Nachthimmel. Donner grollte, und ein schneidender Wind zog auf, trieb die schwarzen Wolken Angmars in Richtung Fornost.
   “Das Schicksal Arthedains war von dem Moment an besiegelt, in dem sie beschlossen, mir Widerstand zu leisten... kein Mensch, Elb oder Zwerg wird  seinen Untergang verhindern können. Nicht mehr. Sie haben diesen Moment lange hinausgezögert, getrieben vom Mut der Verzweiflung Angmar getrotzt... doch nun ist es soweit. Die Schlinge zieht sich zu ... das Ende Arthedains ist gekommen.”
   Er wandte sich wieder von Zaphragor ab, blickte wieder gen Fornost, dem Ort der Entscheidungsschlacht. Der letzten Schlacht um Arthedain...
 
“Ja, Meister”, sagte Zaphragor, pure Mordlust in den Augen.

Am nächsten Tag marschierte das Heer weiter, weiter nach Fornost...
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Re: Schatten von Angmar
« Antwort #10 am: 5. Okt 2015, 00:11 »
Abmarsch der Elben

Am Morgen machte sich auch das Heer der Elben auf, die verbliebenen Meilen nach Fornost zurückzulegen...

Rabi schrieb:

Nach der erholsamen Nacht mussten Marauder und die anderen Krieger früh aus dem Schlaf gerissen werden, damit sie möglichst früh in Fornost ankommen würden. Sie waren ja schon in Verzug gekommen durch die Schlacht hier im Gebirge, die länger gedauert hatte, als Glorfindel angenommen hatte. Marauder deckte sich ab, erhob sich langsam aus seinem Bett und kroch auf allen Vieren aus seinem Zelt. Vor dem Zelt erhob er sich und streckte einmal seinen ganzen Körper, mit einem leichten Stöhnen beendete er das Strecken. Dann holte er tief Luft und ein grausiger Gestank kroch ihm in die Nase. Marauder schüttelte es einmal ordentlich durch, dann blickte er sich um und wusste, was diesen ekeligen Geruch erzeugte. Die Leichen der Elben und Orks, die von der Schlacht noch immer überall herumlagen. Doch auch die anderen Krieger schüttelte es durch, der Gestank war ja fast nicht auszuhalten, doch diese paar Minuten, die sie noch auf diesem Schlachtfeld verbringen würden, würden sie es schon überleben. Marauder drehte sich um, holte seine Decke aus dem Zelt und stopfte sie in eine kleine Tasche, das Zelt in eine etwa doppelt so große. Dann suchte er ein Pferd auf, an dem er seine Taschen befestigen konnte.

Nun machte er sich auf zu dem Sammelplatz, an dem sich alle Krieger der Elben, nachdem sie alles fertig zusammengepackt hatten, zu treffen hatten. Dort traf Marauder wieder jemanden, den er erst am Vortag gut kennen gelernt hatte, es war Mauritius. Er saß auf einem Felsen und bereitete anscheinend ein Schwert für die nächste Schlacht vor. Marauder ging langsamen Schrittes zu ihm hinüber, doch als er den Mund aufmachte um zu reden, ertönte plötzlich hinter ihm eine laute, starke Stimme. „Krieger Bruchtals! Die Zeit ist reif! Wir haben keine Zeit mehr, unsere Sachen zu packen. Kunde hat mich aus Fornost erreicht! Der Feind ist nahe, also eilen wir!!“. Eine längere Pause folgte darauf, in der sich Mauritius vom Felsen erhob. Marauder drehte sich hastig um, da er eine Rüstung klappern gehört hatte und konnte sehen, wie Mauritius direkt vor ihm stand. Er blickte zu seinem gerade geschliffenen Schwert, welches er mit einer Hand hielt, und nahm es mit der zweiten Hand an der Klinge, ja fast an der Spitze des Schwertes in die Hand. Er hielt es etwas höher, Marauder entgegen, der ganz verwundert zwischen Schwertklinge und Mauritius Augen den Blick wechselte. „Ja, Marauder, diese Klinge ist für euch. Sie ist leicht, stabil und unglaublich scharf.“, Marauder sah in den Augen von Mauritius, wie ernst es ihm war, dass er dieses Schwert nehmen sollte, obwohl er ein selbst geschmiedetes Schwert bei sich hatte. Doch diese Freundlichkeit konnte er nicht ablehnen und nahm es entgegen. „Danke Mauritius, das…“, doch wieder wurde Marauder unterbrochen, abermals von der mächtigen Stimme.
„Nun kommt, wir ziehen los!“
Die beiden reihten sich in die Marschordnung ein und nach kurzer Zeit sprach Marauder wieder dort weiter, wo er vorhin unterbrochen worden war.
„Also, nun kann ich euch danken. Aber warum gebt ihr mir diese Klinge, gibt es einen gewissen Grund dafür?“ Mauritius beantwortete diese Frage mit einem Schweigen. Marauder wusste zwar nicht genau, was er damit andeuten wollte, doch er wusste auch, er sollte lieber nicht nachfragen, irgendwie fühlte er, dass es besser wäre, Mauritius nicht abermals dieselbe Frage zu stellen. Nun gingen sie weiter nebeneinander her, ohne weiter etwas zu reden.

Nach einiger Zeit begann Mauritius wieder zu sprechen. „Nun, Marauder… sagt mir, wie habt ihr euch in der Schlacht gefühlt?“ Marauder wischte sich einmal mit der flachen Hand übers Auge, und antwortete nach kurzer Überlegungszeit: „Es war... es war einfach großartig, finde ich. Orks zu töten war schon immer mein Traum, immerhin… immerhin haben sie meine E…“
Er hielt kurz inne. „Ja, sie haben Menschen getötet, die mir sehr nahe standen.“ Mauritius befragte ihn gleich weiter, als ob er irgendetwas Bestimmtes aus ihm herausdrücken wollte, oder ihn … verhören … wollte.
„Warum wollt ihr plötzlich so viel von mir wissen, und warum sollte ich euch antworten? Habt ihr vorhin etwa auf meine Frage geantwortet?“ Marauder wusste selbst nicht, warum er das jetzt gesagt hatte, es war ihm nahezu peinlich, dass es so aus ihm herausgeplatzt war. Eigentlich wollte er seine Neugier verbergen, doch es kam einfach aus ihm heraus. „Entschuldigt, Mauritius. Mein…“.
„Ihr braucht euch nicht zu entschuldigen, eure Neugier ist vollkommen berechtigt."
„Ich danke euch.“
Damit war die Unterhaltung fürs Erste beendet, schweigend zogen sie weiter.
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Re: Schatten von Angmar
« Antwort #11 am: 5. Okt 2015, 00:11 »
Zusammentreffen mit Silthalion

Während das Elbenheer sich bereit machte, die Wetterberge in Richtung Fornost zu verlassen, kam Silthalion dem Gebirge immer näher…

„Hey Mornar, kannst du etwas erkennen?“, rief Silthalion in den Himmel. Ein Krächzen, das außer Silthalion kaum einer zu deuten wüsste, antwortete von oben: „Ich sehe die Wetterberge in der Ferne, aber aus dieser Entfernung kann ich dieser Stein noch nicht entdecken, entweder der Krieger hat gelogen oder wir haben noch einen weiten Weg zurückzulegen.“
Silthalion schaute so, als ob er in ein tiefes Nachdenken verfallen war und antwortete schließlich langsam: „Nein, zumindest mit dem Stein hatte er Recht, ich kann mich noch dunkel an ein Gespräch mit einem Elben aus Imladris erinnern, in dem er mir von einem großen, ovalen Stein erzählte, der in der Nähe der Wetterberge stehen soll. Ursprünglich ist er ein altes Denkmal, das die Opfer alter Schlachten betrauert; dass selbst solche Dinge von Angmar besudelt werden, lässt mein Blut erstarren… machen diese Unholde denn vor gar nichts halt? Aber nun lasst uns aufbrechen, es ist noch ein weiter Weg ins Wettergebirge. Wir müssen wohl einen Gang schneller einlegen.“
„Falls der Fremde Recht hatte“, knurrte Estella leise und ein Grinsen kam über Silthalions Gesicht: „Genau so gut gelaunt wie immer! Aber nun lasst weiterziehen, und zwar so schnell wie möglich. Wir müssen uns beeilen, wenn wir nicht zu spät kommen wollen.“
Beide Tiere ließen darauf ebenfalls ein Seufzen von sich hören, gingen (bzw. flogen) aber trotzdem zügig mit, als Silthalion ein schnelles Marschtempo einschlug. Die Wetterberge kamen immer näher, und schließlich, als sie sich in den hügeligen Ausläufern befanden, erblickte Mornar den Stein auf einem Berg in der Ferne. Sie änderten ihren Kurs und marschierten darauf zu.
Nach zwei Stunden Weg über den harten Untergrund stießen sie auf etwas, das sie nicht erwartet hatten: Ein kunstvoll geschmiedetes Messer lag halb vergraben im Boden. Als Silthalion den Schaft erblickte, sah er gleich, dass dieses Schwert von Elben gemacht worden war, da die alten Runen, die eingraviert wurden, in ein merkwürdiges Licht getaucht waren.
„Hm, wie kann so etwas nur hierhin kommen? Nirgendwo sind hier Fußspuren zu erkennen und die Diener Angmars würden elbische Waffen nicht einmal anrühren, geschweige denn werfen. Dies alles hier kommt mir allmählich seltsam vor, zuerst ein abtrünniger Hügelmensch und jetzt ein einsames Elbenschwert. Aber was soll’s? Ich denke, dass wir weiter müssen, denn wir müssen am Stein sein, bevor Bruchtals Armee dort eintrifft, dann erfahren wir vielleicht die Lösung für diese Rätsel.“

Nach einer weiteren Stunden des Marschs erreichten sie zwar den Stein, aber die erhofften Neuigkeiten blieben aus: An dem bis auf die Beschriftung glatten Stein war mit Ausnahme des Symbols der Eisenkrone nicht unnatürliches.
Estella begann zu knurren: „Was hatte ich gesagt? Auf diese Fremden ist kein Verlass!“ Mornar krächzte von oben: „Auch wenn ich Estella in diesem Fall zustimmen muss, denke ich, dass wir hier nicht umsonst sind. Von hier erkenne ich zum Beispiel schon die Spitzen der Stadt und die Standarten von Angmars Heer auf den Weg dorthin. Außerdem… ich sehe auch hier in den Wetterbergen ein Heer… Elben! Sie haben Angmars Heer offenbar schon besiegt und sind auf dem Weg nach Fornost! Lass uns diesen dummen Stein endlich vergessen und uns zu ihnen gesellen!“
Silthalion antwortete zögernd: „Vielleicht habt ihr wirklich Recht, doch ich denke, dass es hier in der Nähe noch irgendeinen Hinweis geben wird, der Hügelmensch schien nämlich vollkommen normal zu wirken, als er mir den Hinweis gab, hier her zu kommen.“ Mit einem Seitenblick zum Stein erkannte er unter der Aufschrift noch eine grobe Zeichnung, die die Wege nach Fornost sowohl von Bruchtal, als auch von Carn Dûm zeigte. Über beiden Orten stand eine Zahl. „Wahrscheinlich die Zeit“, brummte er verdrossen. „Aber wenn die Aufzeichnung am Stein stimmt, können wir von hier auf direktem Weg das Elbenheer abpassen und sie zu dieser Klinge befragen, ich denke, dass die wissen, was zu tun ist!“
„Endlich einmal wieder vertrauenswürdige Leute“, brummte es gedämpft hinter Silthalion. „Du scheinst den Wilden ja nicht sonderlich zu mögen“, kam als Antwort vom Himmel. Ein leises Grummeln signalisierte Mornar und Silthalion schließlich, dass dieses Thema für Estella schon entschieden war.

Kurz darauf verließen die drei den Stein, marschierten den Berg hinab und gingen zur alten Straße, auf der sich das Elbenheer nähern sollte. Dort angekommen setzte sich Silthalion seelenruhig auf den Weg und begann die wenigen Pilze, die er aus dem Wald mitgenommen hatte zu bearbeiten, damit er für Gegnerkontakte noch fähig wäre, die Gegner nachhaltig zu verwunden oder sie sofort außer Gefecht zu setzen. Zuerst versuchte er es mit dem gefundenen Elbenmesser, doch dieses schien wie durch einen eigenen Willen nicht auf den Pilz aufliegen zu wollen; immer wenn Silthalion die Klinge dem Pilz näherte,  wurden die beiden mit gewaltiger Kraft von einander abgestoßen.
„Merkwürdiges Teil“, dachte er sich, während er einen der Zwergendolche aus seinem Rucksack nahm und damit den Pilz “schälte“. Nachdem er fertig war und den Staub in kleine Gefäße gefüllt hatte, flog Mornar vom Himmel und teilte Silthalion mit, dass er schon die Flaggen der Elbenkrieger sehen konnte.
„Kommt, lasst uns ihnen entgegen gehen, vielleicht freuen sie sich ja über eine kleine Pause“, sagte Silthalion grinsend.

Nach kurzer Zeit kreuzten sich die Wege und das Heer der Elben hielt überrascht an. Der Anführer löste sich aus dem Heer und ging auf ihn zu. Silthalion erkannte ihn als Glorfindel, einen Elb, den er bei seinen früheren Besuchen in Bruchtal als Freund gewonnen hatte. Als die beiden sich gegenüber standen, legte der Elb die Hand auf Silthalions Schulter und sprach: „Lange ist es her, Silthalion, dass wir uns das letzte Mal sahen, doch sag, was führt dich zu diesem alten Wanderweg?“
Silthalion antwortete in der Elbensprache: „Ich wurde durch einen merkwürdigen Zwischenfall hier hergeführt und bin nun endgültig bereit, gegen Angmar zu kämpfen!“
“Das hören wir doch gerne, mein Freund… doch ich spüre, dass dich noch etwas anderes bedrückt.“
“Du hast Recht, dieses Elbenschwert fand ich auf dem Weg hier her, völlig abgelegen und ohne Fußspuren in der Nähe und… es ist unkontrollierbar.“
“Dies verwundert mich nicht, denn es stammt aus unseren Schmieden und gehörte einem unserer besten Späher, der aber seit mehreren Tagen verschwunden ist. Dieses Schwert kann nur ein Zeichen dafür sein, dass er tot… ist, ein grauenvoller Verlust! Unkontrollierbar ist dieses Schwert für dich aber nur, weil es dafür geschmiedet wurde, Angmars Diener zu töten, andere Aufgaben lehnt es komplett ab. Behalt es ruhig, denn ich denke, dass du es mehr gebrauchen kannst als unsere Waffenkammern.“ Nach einer kurzen Pause ergänzte er: "Wir könnten noch Leute wie dich gebrauchen, was meinst du?"
Silthalion schaute zuerst etwas verdutzt, doch nach kurzer Zeit nahm sein Gesicht wieder normale Züge an und er sagte:
"Gerne doch, diese Angmarkreaturen werden sich wünschen, nie geboren worden zu sein!
"Sowas hören wir doch gerne! In unserer linken Flanke sind noch ein paar Lücken, es wäre gut, wenn du dich dort einsortieren würdest; der Unterführer des lückenhaften Batallions mag zwar auf den ersten Blick seltsam wirken, doch glaub mir: Er gehört zu den stärksten und treusten Seelen dieser Armee! Du findest ihn, wenn du die linke Flanke genau beobachtest, ein hochgewachsener Elb in Waldläufermantel."
Als Silthalion nach dem Gespräch den Unterführer suchte, fand er ihn schnell: Eine laute Stimme sprach ihn nämlich von der Seite an: "Hey ihr, was glaubt ihr was ihr hier tut?" Silthalion schaute in die Richtung, aus der der Ruf kam und blickte dem besagten Elben dorthin, wo eigentlich das Gesicht sein sollte, doch durch die heruntergelassene Kapuze war es nicht sichtbar. Gerade als Silthalion antworten wollte, nahm der Elb die Kapuze ab und Silthalion erkannte das Gesicht seines alten Freundes Celeros, mit dem er oft in Bruchtal zusammengesessen hatte.
"Schön dich wieder zu sehen, wie ich sehe, hast du dich ja enorm verändert", sprach er in einem freundlichem Ton.
"Du aber auch, warum zum Beispiel trägst du Waldläuferkleidung?", antwortete Silthalion.
Celeros erwiderte: "Das ist eine lange Geschichte...Kurz gesagt: Ich hatte einfach keine Lust, ewig in Bruchtal herumzusitzen, während Angmar die Dörfer der Menschen niederbrennt. Um allerdings nicht überall gleich als Elb aufzufallen und zu viel von Angmars Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen, musste ich mich als Waldläufer verkleiden und ich muss sagen, dass es sich toll anfühlt!"
Gerade wollte er weitererzählen, doch Glorfindels Stimme ertönte: "Genug gerastet, jetzt geht es weiter!"
"Hm, dann müssen wir unsere Unterhaltung wohl wann anders weiterführen", scherzte Celeros.
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Re: Schatten von Angmar
« Antwort #12 am: 5. Okt 2015, 00:12 »
Dunkle Vergangenheit und Schlachtenpläne

Nachdem sich Silthalion eingegliedert hatte, marschierten die Elben weiter. Die Bedingungen wurden allmählich widriger, und alle wussten, dass dies das Werk des Hexenkönigs war.

El-Murazor schrieb:

Zwei weitere Stunden Marsch waren vergangen. Der Wind war stärker geworden und blies eisig von Norden her dem Heer entgegen und verlangsamte das Vorankommen. Alle Soldaten hatten sich in ihre Mäntel gehüllt und marschierten gebückt, um dem Wind weniger Angriffsfläche zu bieten. Marauder ging neben Mauritius, immer noch fasziniert von dem Elben.
 Er hatte das neue Schwert einmal heimlich getestet und bemerkt, dass es deutlich schärfer war als sein eigenes, das er doch eigenhändig geschärft hatte. Er bewunderte die Kunstfertigkeit des Elben. Und dennoch, irgendetwas an dem Schwert kam ihm merkwürdig bekannt vor, als ob er es irgendwann schon einmal gesehen hatte, verschwommen kamen ihm Erinnerungen in den Kopf. Diese Gedanken ließen ihm keine Ruhe mehr, er versuchte zwanghaft, an etwas anderes zu denken doch es funktionierte nicht. Schließlich wandte er sich an Mauritius: „Mauritius, woher habt ihr diese Klinge?“ Mauritius wandte sich zu ihm um und musterte ihn eindringlich.
„Ihr kennt dieses Schwert bereits?“ Diese Gegenfrage verwirrte Marauder nur noch mehr. „Ich hatte mir schon gedacht, dass ihr so etwas fragen würdet“, sagte Mauritius. „Euer Gesicht, als ihr es vorhin betrachtet habt,  hat euch verraten. Nun, wo soll ich anfangen, lasst mich überlegen. Zum ersten Mal habe ich dieses Schwert vor knapp zehn Jahren gesehen, in der Hand eines jungen Mannes. Er hatte beschlossen, mit seiner Frau gen Norden nach Fornost zu ziehen, doch auf dem Weg wurden sie von Orks überfallen. Ich kam hinzu, als die Orks ihn gerade töten wollten. Mir gelang es, sie zu verjagen, doch sie waren nicht alleine in dem Gebiet gewesen. Dutzende hatte er erschlagen, bevor sie ihn verwundeten... er hatte versucht seine Frau zu beschützen, doch ohne Erfolg. Als ich hinzukam, war sie bereits tot und das, ohne eine Wunde aufzuweisen. Es war, als habe ihre Seele von ganz alleine ihren Körper verlassen.“
Mauritius hielt kurz inne, Marauder wagte nicht einmal mehr zu atmen, irgendetwas presste ihm die Luft ab. Dann fuhr der Elb fort: „Im Sterben sagte er mir, er habe unter den Orks eine Gestalt gesehen, die dunkles Wort gemurmelt habe und daraufhin sei sie gestorben.“ Wieder hielt er inne. „Ich versuchte mein Möglichstes, um ihn zu retten, doch es war vergeblich. Eine böse Kraft zehrte ihn auf, ihm war nicht mehr zu helfen…“
Marauder stolperte über einen Stein, wurde aber von dem Elben gehalten. „Danke“, presste er hervor. „Damals nahm ich dieses Schwert an mich. Ich glaube, er wurde von einem der Magier Angmars getötet, nachdem kein Ork ihn hatte besiegen können. Jetzt gebe ich das Schwert dir, in der Hoffnung, dass dich ein anderes Schicksal erwartet.“ Mauritius sah ihn an, er bemerkte, dass Marauders Züge nicht nur durch die Kälte starr geworden waren.
Dies bemerkend zog der Elb seine eigene Klinge, das helle Licht erhellte das ganze Batallion und alle Elben wandten sich ihnen zu. „Hier“, sagte der Elb lächelnd und reichte dem Menschen das Schwert. Ehrfürchtig griff er zu, sofort spürte er eine wohlige Wärme, die sich in ihm ausbreitete. Das Schwert war leicht, sehr leicht und schnell gab er es Mauritius zurück. Dieser nahm es und steckte es in die Scheide. „ Ihr seht“, begann er „dies ist kein gewöhnliches Schwert. In ihm wirkt uralte Magie, Zauber schützen es, die heute in Vergessenheit geraten sind, doch die Elben vergessen niemals.“
Seine Augen begannen zu leuchten, doch jetzt war es der pure Hass, der in ihnen loderte. Blanker Zorn spiegelte sich darin wieder. Schnell wandten sich die neben ihnen Marschierenden ab, doch Marauder war entsetzt von dem Gesichtsausdruck. Er erkannte, dass in dem Elben eine Erinnerung schwelgte, eine an ein furchtbares Ereignis. Was konnte das gewesen sein? Was konnte diesen freundlichen Elben so in Rage gebracht haben?
Doch der Elb hatte sich abgewandt und im Leben hätte er sich nicht getraut, danach zu fragen.
Stattdessen wandte er sich wieder dem Geschenk zu. Es war nicht aus elbischer Schmiede und er hatte es zuvor auch nicht bei Mauritius bemerkt, woher hatte er es so plötzlich?
Mauritius hatte sich inzwischen wieder beruhigt und nahm einen Schluck Miruvor, einen Stärkungstrank aus Bruchtal.
Er beschleunigte seine Schritte, bis er bei Glorfindel angelangt war. Dieser hatte gesehen, was vorgefallen war und nickte nur kurz zur Begrüßung.
„Du hast es ihm gegeben?“ Mauritius nickte: „Es war an der Zeit, er wird es früher oder später sowieso erfahren.“ Glorfindel schüttelte leicht den Kopf. „Vielleicht war es zu früh…“, doch Mauritius unterbrach ihn: „In unserer Situation gibt es wohl kein zu früh. Entweder jetzt oder gar nicht. Er hat sich entschieden, zu kämpfen, und das wird er auch, teile ihn meiner Gruppe zu, ich werde versuchen, aus Fornost zu retten wen ich kann. Mehr wird uns nicht übrig bleiben. Retten, soviele wir können.“ Traurigkeit zeigte sich in seinem Gesicht. Glorfindel erkannte, was er beabsichtigte und nickte zur Zustimmung.
Geschwind drehte Mauritius sich wieder um und wartete, bis Marauder aufgeholt hatte. „Es gibt Neuigkeiten, mein Freund. Wir werden in der Schlacht versuchen, so viele wie möglich aus der Stadt zu schaffen.“
„Wir kämpfen nicht direkt? Wir sollen evakuieren?“ Marauder schien enttäuscht zu sein, das merkte man seinem Tonfall an. Mauritius wandte sich ihm zu: „Unsere Aufgabe ist sehr wichtig. Fornost kann die Kampfunfähigen nicht wegschaffen, dazu haben sie nicht die Truppenstärke, denn diese müssten auch bewacht werden und die Stadt kann sich keine Schwächung ihrer Reihen leisten. Wir müssen ihren Rückzug decken, und so wie es aussieht, werden wir uns genügend Feinden stellen müssen.“ Jetzt beugte er sich noch weiter zu Marauder: „Jedes Leben, das gerettet wird, wiegt hundert Orks.“ Immer noch leicht enttäuscht nicke der Mensch und schweigend marschierten sie weiter durch den Schnee.
Der Elb fühlte sich unbehaglich, er verstand nur zu gut die Reaktion des Anderen.
Doch in der Schlacht wird er erkennen, dass ich Recht habe.
In zwei Tagen sind wir in der Stadt, noch zwei Tage dann wird sich das Schicksal des Nordens entscheiden...

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Re: Schatten von Angmar
« Antwort #13 am: 5. Okt 2015, 00:13 »
Ankunft der Hobbits

Eru schrieb:

"Aufstehen, Sancho!", dröhnte Foscos aufgeregte Stimme durch das kleine Schlafgemach, in dem die beiden Hobbits über Nacht verweilt hatten. Jeweils zwei Hobbits hatten zusammen in einem der 26 bereitgestellten Zimmer übernachtet, und ihre beiden menschlichen Begleiter ebenfalls.
Langsam hob Sancho seinen müden Kopf und fuhr sich kurz mit der Hand durch das lockige, schwarze Haar. "Ist ja gut!", murrte er und schaute sich im Zimmer um.
Es war ein sehr kleines, aber schön eingerichtetes Zimmer. Ein kleiner Schrank für Gepäck in der Ecke, die beiden Betten an den Wänden und neben den Betten jeweils ein kleiner Nachttisch mit Kerze bildeten die Einrichtung des Raumes. Das große Fenster an der Ostwand des Raumes brach die morgendlichen, orangefarbenen Lichtstrahlen der aufgehenden Sonne und warf sie in den ganzen Raum.
Gähnend erhob sich Sancho schließlich aus dem warmen Bett und sah Fosco vor sich, der sich bereits vollständig in seine Tageskleidung eingekleidet hatte, während er selbst noch in seinem weißen, lockeren Hemd steckte.
"Du hast lange geschlafen", sagte Fosco. "aber ich glaube, die anderen sind auch noch nicht alle wach. Der Gastwirt war schon hier und hat uns ein Frühstückstablett mitgebracht. Sechs belegte Brote, zwei Tassen und ein Schälchen Milch standen darauf."
Sancho schaute sich das Tablett auf Foscos Nachttisch mit müden Augen an, nachdem dieser geendet hatte. "Ich sehe nur ein Brot, und das Schälchen mit der Milch ist ja schon fast leer!", rief er dann erschrocken und wandte sich wieder an Fosco. Dieser legte ein breites Grinsen auf. Sancho konnte sich schon denken, dass er mal wieder alles alleine verputzt hatte.
Trotzdem nahm er sich das letzte übriggebliebene Brot und schlang es herunter, danach trank er den letzten Schluck Milch aus dem Schälchen.
"Gute Küche haben die hier.", sagte er schmunzelnd.
"Übrigens", erwiderte Fosco und wies auf eine kleine Wanne mit heißem Wasser auf dem Boden und ein paar daneben liegende weiße Tücher. "Der Gastwirt hat uns auch was zum Waschen geholt."
Darauf nahm Sancho eines der Tücher, tauchte es einmal in das heiße Wasser und fuhr sich damit durchs Gesicht und um den Hals. Mit einer kleinen Holzzahnbührste, die neben der Wanne lag, schrubbte er sich einmal über die Zähne und warf sie danach in die Wanne.
Dann packte er den Rest seiner Kleidung, die er am Abend zuvor ordentlich über die Bettkante gelegt hatte und zog alles langsam wieder an.
Schließlich standen die beiden in voller Kleidung und voller Tatendrang in ihrem kleinen Zimmer, öffneten noch kurz den kleinen Schrank in der Ecke, in dem sie ihre Ausrüstung verstaut hatten und packten alles außer ihren Wanderstöcken, dem numenorischen Dolch, dem Kurzbogen und dem Köcher mit den Pfeilen in ihre Rucksäcke.
Dabei entdeckte Sancho seine Pfeife im Rucksack. "Wirklich schade, dass wir nie Zeit finden, mal wieder ein bisschen Pfeifenkraut zu rauchen.", sagte er leicht betrübt an Fosco gewandt, welcher nur zustimmend nickte.
Daraufhin verließen sie ihr schönes Quartier und fanden sich in einem langen Gang im Quartierstrakt wieder. In unregelmäßigen Zeitabständen kamen ab und zu einige Hobbits aus ihren Quartieren, genau so voll gepackt wie Sancho und Fosco.
Langsam schlenderten die Hobbits durch den Gang, stiegen die Treppe ins Erdgeschoss hinunter und verabschiedeten sich vom Gastwirt, der sofort Knechte in die leeren Quartiere zum Aufräumen schickte.
"Und beehrt mich mal wieder!", rief der Gastwirt den Hobbits noch hinterher.
"Werden wir, hoffe ich.", erwiderte Fredegar Stolzfuß, einer der 50 Hobbits, die die Reise angetreten hatten.
Als Sancho und Fosco die große Eingangstür aufschoben, kam ihnen ein eisig kalter Windhauch entgegen, der sämtliche Kerzen im Eingangsbereich augenblicklich erlöschen ließ. Wenn man die Kälte draußen mit der Temperatur im Gasthaus verglich, herrschte im Gasthaus Hitze, obwohl es auch im dort nicht besonders warm war.
Zitternd und bibbernd warfen sich die Hobbits ihre Umhänge um und zogen sich sogleich ihre weiten Kapuzen über den Kopf. Sancho verschloss den grünlichen Umhang noch unter dem Hals mit seiner verzierten Spange.

Schließlich fanden sich alle Hobbits draußen vor dem Gasthaus ein, wo Alammákil und der namenlose andere Begleiter bereits standen und auf sie warteten.
Die 17 Lasttiere standen bereits voll bepackt und schon halb verschneit hinter den beiden Menschen. Trotz der Kälte und dem Schnee fühlten sich im Moment noch alle besser als gestern bei der Ankunft, denn der Schlaf und die Nahrung hatten sie für den Rest der Reise gestärkt.
Dennoch hatten sie einen weiten Weg vor sich und mussten außerdem noch eilen, denn sie wussten nicht, wann Angmars Armee in Fornost eintreffen würde und zu spät kommen durften sie nicht.
"Nun beginnt ein weiterer Abschnitt unserer Reise, meine lieben Hobbitbegleiter.", begann Alammákil zu der Schar zu sprechen, die sich vor ihm versammelt hatte. Es hatten sich allerdings auch noch andere schaulustige Menschen und Hobbits aus Bree hier versammelt, die nichts verpassen wollten.
"Lasst uns hoffen, dass wir diesen Teil genauso gut überstehen wie den gestrigen. Auf nach Fornost! Folgt mir!"
Wieder waren alle Reisenden von den knappen Worten Alammákils motiviert und stolzierten förmlich aus der Stadt heraus.
Auf dem Weg wurden sie wieder von allen Umstehenden betrachtet und streng gemustert.
Nach einem kurzen Marsch durch die Stadt erreichten sie das große Holztor, durch das sie die Stadt auch betreten hatten. Vor dem Tor blieb die Gruppe stehen. Alammákil nickte dem Torwächter zu, welcher aus seinem kleinen Häuschen neben dem Tor kam und es für die Reisenden öffnete.
"Gutes Gelingen wünsch ich euch, Reisende. Auf dass ihr siegreich nach Hause kommen werdet.", sagte der Torwächter und verbeugte sich so tief, wie er es mit seinem alten Rücken noch vermochte. Die Hobbits dankten ihm für seinen Segen und verließen die Stadt. Nun befanden sie sich wieder an der Kreuzung direkt vor Bree.
Nach Süden ging es nun auf dem Grünweg in Richtung Minhiriath, nach Westen auf der großen Oststraße zurück zum Auenland, nach Osten wieder zurück in die Stadt und nach Norden auch auf dem Grünweg nach Fornost.
Die Reisenden schlugen natürlich den Weg nach Norden ein, zur Hauptstadt Arthedains. Obgleich der Norden natürlich für noch mehr Kälte stand, musste dieser Weg eingeschlagen werden, obwohl einige Hobbits wahrscheinlich bereits jetzt lieber den Weg nach Westen zurück ins Auenland eingeschlagen hätten.
Die Gruppe stellte sich wieder so auf wie beim letzten Mal. An der Spitze war Alammákil, gleich neben ihm die beiden Hobbitführer Sancho und Fosco, dahinter die anderen 48 Hobbits, vereinzelt zwischen den Hobbits standen die 17 Lasttiere, die jeweils von einem oder zwei Hobbits geführt wurden. Das Schlusslicht bildete wieder der "Namenlose", gekleidet in seinen langen Mantel, seinen weiten Umhang und den Rest seiner pechschwarzen Kleidung. Keinem der Hobbits war dieser Mensch ganz geheuer.
Alammákil überragte jeden anderen der Reisenden, und er war es auch, der den ersten Schritt machte, als sie schließlich den letzten Abschnitt ihrer Reise antraten: Den Weg nach Fornost. Viele kleine Hobbitfüße folgten dem Hünen, dazwischen die Lasttiere und zuletzt ging der Namenlose langsam hinter der Gruppe her.
So früh am Morgen war die Kälte noch unerträglicher, als sie es sowieso den ganzen Tag war und schnell waren die Hobbits schon wieder in dem schlechten Zustand, in dem sie am vorigen Tag auch in Bree angekommen waren.
Der kalte Wind pfiff ihnen um die Ohren und immer wieder riss er die wärmenden Kapuzen von ihren Köpfen.
Die Sonne schien an diesem Morgen gar nicht erst aufgehen zu wollen, denn obwohl es nach einiger Zeit schon lange Mittag sein musste, versteckte sich der feurige Gigant immernoch hinter dem Horizont und ließ die Kälte auf Erden gewähren.
Alammákil hatte sich vorgenommen, noch an diesem Tag in Fornost anzukommen, denn je weiter sie in den Norden vordrangen, desto kälter wurde es und in der Nacht würde es noch weiter abkühlen. Mit Zelten konnten sie bei so einer Kälte sicher nicht im Freien übernachten.
"Wenn wir es schaffen, bis der Abend hereingebrochen ist, nach Fornost zu kommen, könnt ihr heute Nacht in einem warmen Bett liegen! Also haltet euch das vor Augen und geht tapfer weiter. Je schneller wir vorankommen, desto früher wird euch auch wieder warm.", spornte Alammákil die Reisenden an, die jedoch nichts darauf zu antworten hatten. Kein Wunder, die Kälte schien einem den Mund zufrieren zu wollen.
Eiskalter Dampf stieg aus den Nüstern der Lasttiere, die nur laut wiehernd und widerstrebend von den Hobbits geführt werden konnten.
Am Schlechtesten erging es aber trotzdem Robin Kleinlöchner und Willibrand Weißfuß, zwei der 50 Landbüttel. Sie hatten sich in Bree bis tief in die Nacht in der Schankstube im Gasthaus betrunken und ihnen dröhnte nun zusätzlich zu der Kälte noch der Schädel.

Dennoch, es war kein Ende des Grünwegs in Sicht. Grünweg konnte er auch schon gar nicht mehr genannt werden, denn nirgendwo war mehr grün zu sehen. Alles war mit Schnee bedeckt und ab und zu lagen Kadaver von Vögeln, Wildschweinen oder Wölfen im hohen Schnee, die einen grausamen Leichengestank verbreiteten. Nicht zuletzt deswegen war jedem der Reisenden klar, dass dieser Wetterumschwung nicht von der Natur ausgelöst worden war. Es musste höhere Mächte geben, die so etwas bewirken konnten, von denen Hobbits wahrscheinlich nichts verstanden.
Selbst ihre Wanderstöcke konnten sie nicht benutzen, um schneller voranzukommen, denn wenn sie ihre Hände und allgemein ihre nackte Haut unter den Mänteln und Umhängen hervorholten und sie auch nur eine kurze Weile in der Kälte behielten, lief sie rot an und brannte höllisch, auch Handschuhe halfen hier nichts mehr.
Einige schlaue Hobbits holten sich stückchenweise Cram, eine Art Brot als Wegzehrung, aus ihren Taschen und knabberten sich daran warm.

Erst viele Stunden nach der Abreise von Bree erhob sich die Sonne am Horizont, sorgte allerdings nur bedingt für Wärme, denn die Wolkendecke war so dicht, dass nur spärliche Schimmer der Sonnenstrahlen bis zum Erdboden kamen und gegen die Schneemassen nichts ausrichten konnten.
Sekunde um Sekunde, Minute um Minute, Stunde um Stunde verging so langsam, dass einige Hobbits schon mit dem Schlimmsten rechneten.
In gebückter Haltung krochen sie fast nur noch voran.
"Gebt nicht auf, Periannath! Trotzt den Versuchen Angmars, uns aufzuhalten!", rief Alammákil den Hobbits zu und hielt seine Faust drohend gen Himmel. Zu diesem Zeitpunkt hörten die Hobbits zum ersten Mal den waren Namen des Hexerreichs im Norden. Angmar, dachte Sancho, denn laut aussprechen konnte er es nicht, die Kälte verbot es.
Schließlich war es soweit, die Ersten Hobbits hatten ihre letzten Kraftreserven aufgebraucht und fielen erschöpft in den kalten Schnee. Schnell sammelten ihre Kameraden sie dann wieder auf, legten sie auf eines der Lasttiere und nahmen dafür in Kauf, dass sie nun die Vorräte und die andere Last tragen mussten, die eigentlich für das Tier bestimmt waren.
Als Alammákil schon drei Ladungen von Vorräten auf dem Rücken trug und bereits 14 Hobbits auf die Lasttiere verteilt worden waren, sah man endlich die Stadt der Könige des Nordens am Horizont. Eigentlich sah man sie nur bedingt, denn es schneite immernoch in Strömen und es schien, als wolle es niemals aufhören.
Der Abend stand kurz vor Einbruch und die Sonne schickte gerade ihre letzten Hoffnungsstrahlen über den Horizont hinweg.
Da geschah es, vielleicht Zufall, vielleicht ein Wunder, vielleicht der Wille der Valar? Man wusste es nicht, aber abrupt brach der Schnee ab, der die Reisenden den ganzen Weg über gequält hatte. Die Wolken hatten sich gelichtet und man konnte nun die gesamte Stadt am Horizont in all ihrer Pracht erkennen.
Die Sonnenstrahlen, die sich mit letzter Kraft ihren Weg in die Gefilde der Erde bahnten, ließen das schneebedeckte Fornost feurig orange und rot aufflammen und den höchsten Turm auf der Zitadelle hell erleuchten. Wie ein Stern stand er da und leuchtete der Gruppe den Weg.
In diesem Moment fühlten die Hobbits wieder Motivation und Tatendrang und jubelten laut gen Fornost. Und als Alammákil seine Heimatstadt endlich aufleuchten sah, liefen ihm eiskalte Tränen über die Wangen, denn sie hatten es endlich geschafft und er war erleichtert, dass sie nicht zu spät gekommen waren. Der Ritter Arthedains nahm eine große, metallene Stange, eingehüllt in ein Banner aus Seide, von seinem Rücken, die er schon seit dem Aufbruch vom Auenland mit sich trug, entrollte das Banner und riss es kreisend durch die Luft, um den Männern Fornosts auf den Mauern zu signalisieren, dass endlich Verstärkung eingetroffen war. Das Banner war blau, unterlegt mit weißen Verzierungen und darauf abgebildet waren die Insignien des Königshauses von Arnor: Das Szepter, die Krone und der Königsstab.
"FORNOST ERAIN! FORNOST ERAIN! STADT DER KÖNIGE DES NORDENS!", brüllte Alammákil freudig und jegliche Kälte, die sich auf ihn gelegt hatte, war wie verschwunden, denn die scheinbar unerlöschliche Flamme in seinem Herzen war wieder entzündet worden.
Sekunden später war Trompetenschall zu vernehmen, der wie während eines Gewitters mit Donner und Blitz über das Land herfegte und alle Herzen neu aufflammen ließ, die ihn vernahmen. An den Felsen an den Seiten des Grünwegs wurde der Schall zurückgeschleudert und dröhnte noch einmal verstärkt über die Reisenden hinweg.
Dem Trompetenschall gefolgt sahen die Reisenden plötzlich viele Reiter von der Stadt in ihre Richtung kommen.
Als sie angekommen waren, begrüßten sie die Gruppe freudig und jeder von ihnen nahm einen der erschöpften Hobbits mit auf sein Pferd, während Alammákil und der Namenlose eigene Pferde bekamen.
Auch die Lasttiere wurden entladen und andere ausdauerndere Pferde und Ponys wurden beladen.
Schließlich ritten alle zurück nach Fornost, und Sanchos Augen funkelten und glänzten stärker, je näher sie der Stadt kamen.

Die Stadt bestand aus mehreren Mauerringen. Der vorderste Ring lag noch auf dem Erdboden, während alle dahinter liegenden immer weiter anstiegen, bis der letzte Mauerring, der auch die Zitadelle und das Königshaus enthielt, schließlich sogar die Höhe eines kleinen Berges erreichte.
Die Mauern waren mit vielen Türmen geziert und aus jedem hingen Fahnen und Banner mit den selben Zeichen darauf wie auf dem großen Banner Alammákils.
Hunderte, vielleicht sogar tausende Häuser standen dicht aneinander gedrängt in jedem einzelnen Mauerring, und auch auf vielen von ihnen wehten Fahnen und Banner.
Als weiterer Schutz dienten zwei riesige Holzpalisaden, die kreisförmig in einem großen Abstand zu der ersten Mauer verliefen und auch mit vielen Türmen unterbrochen waren.
Die beiden Holzpalisaden führten genau in der Mitte der Stadt zusammen, dort wo das Tor lag. Man konnte also nicht mit Leichtigkeit bis zum Tor vordringen, denn in den Türmen, zwischen den Holzpalisaden, waren viele Bogenschützen stationiert. Noch schwerer war es allerdings, an die Mauern zu gelangen, denn vor diesen lagen ja noch die weiten Holzpalisaden. Die Stadt war also perfekt für eine lange Verteidigung aufgebaut und viele meinten, sie würde jeder Belagerung standhalten.

So passierte die Gemeinschaft aus dem Auenland also das mächtige Tor Fornosts, verziert mit Adunaischen Runen und geschmiedet von den Zwergen des Blauen Gebirges, die noch Nachfahren der uralten Zwergenväter in Beleriand waren.
Und obwohl sie wahrscheinlich nicht die besten Krieger waren, wurden die Hobbits für ihre Tapferkeit und ihre Standhaftigkeit, die sie während der Reise so oft bewiesen, bejubelt und gefeiert. Überall wo die Reiter auf ihrem Weg in den vorletzten Mauerring zu den Häusern der Heilung entlangritten, kamen Menschen aus den Häusern gerannt, stellten sich an den Straßenrand, jubelten ihnen zu und warfen mit Rosen und anderen Blumen.
Dieses Ereignis entzündete in vielen Herzen der Menschen in Fornost neuen Mut und Motivation, denn obwohl es nur wenig Verstärkung war, bewies die Ankunft der Gemeinschaft des Auenlandes doch, dass man sich dem weitreichenden Arm und der Grausamkeit des Hexenkönigs von Angmar noch immer widersetzen konnte...
Ash nazg durbatulûk, ash nazg gimbatul,
Ash nazg thrakatulûk agh burzum-ishi krimpatul
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Lord of Mordor

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Re: Schatten von Angmar
« Antwort #14 am: 5. Okt 2015, 00:14 »
Morgulhexerei

Ein weiteres Mal machten die Armeen Angmars Rast, nachdem die Hexer ihre Scharen bis zur Erschöpfung gnadenlos vorangetrieben hatten...

Adamin schrieb:

Fimbul biss missmutig in ein gebratenes Fleischstück. Sein verdammter Warg war am vorigen Tag in ein Erdloch gestürzt, hatte sich die Vorderläufe gebrochen und seinen Reiter im hohen Bogen abgeschleudert. Er musste einigen Orks die Zungen rausschneiden, bevor sie aufgehört hatten zu lachen. Am liebsten hätte er ihnen mehr abgeschnitten, doch sie sollten noch kampffähig bleiben. Wenigstens hielt ihm das nutzlose Reittier jetzt als warme Mahlzeit her. Mit ausholender Geste warf er einen abgenagten Oberschenkelknochen fort. Zwischen der Armee Angmars und der Feste der Menschen erstreckte sich nur noch ein weitläufiges Hügelland. Ihre Reise hatte bisher nur wenige Annehmlichkeiten geboten, doch dieser letzte Teil des Marsches dürfte der bisher Beschwerlichste werden...

Eine Handvoll weiterer Orks saß um das Feuer und röstete Brot oder Fleisch auf langen Holzstecken, am Warg-braten bediente sich jedoch keiner von ihnen. Sie stritten sich nicht und redeten insgesamt recht wenig, anscheinend zu geschwächt von den letzten Tagesmärschen. Ein kräftiger Trollbändiger setzte sich zu ihnen und rieb sich den verdreckten Schädel.
"Einer dieser Misttrolle hätte mich heute beinahe erledigt.", stöhnte er.
"Wo liegt das Problem? Kitzel seinen Wanst doch einfach etwas mit deinem Speer!", rief ihm ein Ork zu und wedelte wild mit seinem verkohlten Brotbrocken. Der Angesprochene nahm einen tiefen Zug aus seinem Trinkschlauch, bevor er antwortete.
"Geht nicht. Das hässliche Vieh steht unter dem Schutz von einem Schwarzrock..."

- 'Schwarzröcke' war die Bezeichnung der Orks für die Mitglieder der schwarzen Garde.
Jedoch verwendeten sie jenen Namen nur, wenn keiner von ihnen in der Nähe war. -

"Der Letzte, der versucht hatte den Troll abzustechen, war letzte Woche im Abendessen. Ich habe keine Ahnung, was dem Schwarzrock an dieser Bestie liegt. Sagte noch, dass er keinen Ärger mehr anrichten würde. Wer's glaubt..."
Der geschundene Ork ließ sich nach hinten fallen, packte einen Fleischklumpen aus und schlang ihn roh hinunter. Fimbul warf einen weiteren Knochen fort und mit ihm auch die Hoffnung, jemals aus den Menschen schlau zu werden. Einen Troll als Schoßhündchen zu halten war ungefähr so spaßig, wie sich nackt in einen Haufen brennender Brennnesseln zu werfen. Aber solange ihm das Monster nicht zu nahe kam, sollte es ihm egal sein. Er würde morgen einen Wargreiter zu den Fußtrupps 'abkommandieren' und hoffte, dass das verlauste Tier trittfester als sein letztes sein würde.

-

Ein leises Geräusch erklang in der Ferne...
Weit weg ertönte es zart, als würde es sich in einer anderen Welt befinden...
Doch langsam wurde es lauter, schien näher zu kommen. Die unförmigen Töne flossen ineinander über und bildeten vertraute Silben. Wort für Wort erklangen die zähflüssigen Informationen und wurden allmählich mit dem dazugehörigen Sinn verbunden.
"Ihr müsst aufwachen, Meister..."
Gulzár öffnete die Augen.
Dûrmarth lehnte sich über ihn und grinste ihm verschmitzt entgegen. Hinter dem Kopf des Kriegers erkannte der Hexer die dunkle Stoffdecke seines Zeltes. Langsam erinnerte er sich wieder daran, dass er sich in seinem Zelt zur Ruhe gelegt hatte und in einen tiefen Schlaf versunken war. Bruchstückhaft kam ihm ein verworrener Traum in den Sinn, doch mit jedem wachen Atemzug verschwand ein weiterer Teil der Erinnerung. Es war ein Traum über eine blutige Schlacht gewesen. Hunderttausende wurden niedergeschlachtet, doch immer wieder kamen neue Soldaten und ersetzten die Gefallenen. Der Strom des vergossenen Blutes schwoll immer weiter an...

Mit einer imaginären Handbewegung wischte Gulzár den Traum aus seinem
Bewusstsein. Sein kalter Blick bohrte sich in Dûrmaths Augen.
"Warum weckst du mich? Ich wünsche des Nachts nicht gestört zu werden. Morgen werden wir während des weiteren Marsches genügend Zeit haben uns zu unterhalten."
Dûrmath schien eine solch harsche Antwort nicht erwartet zu haben. Er trat einen Schritt von der Schlafstätte zurück, bevor er antwortete:
"Entschuldigt mein Herr, aber ich wurde von den anderen Hexern geschickt, um euch holen zu lassen. Der Hexenkönig erwartet euch..."
Ächzend richtete Gulzár sich auf und musterte seinen 'Zögling' eindringlich, während er nach Stab und Mantel griff.
"Wo finde ich den Meister und wie spät ist es?...", fragte der Hexer, nachdem er die Schnalle seines schweren Mantels geschlossen hatte.
"Es ist kurz nach Mitternacht. Der Meister und die Hexer sind auf ihren Pferden und einigen Akolythen in Richtung Süden vorausgeeilt. Zaphragor war sich sicher, dass ihr schon alleine nachkommen könntet..."
Mit dem Kopf schüttelnd, schlug Gulzár den Eingang zu seinem Zelt zur Seite und trat in die eiskalte Nacht hinaus. Der Sternenhimmel war klar und der weiße Dampf aus seinem Mund schien fast schon eine feste Form zu besitzen. An einem Holzpflock angebunden stand sein Rappe schon bereit für ihn.

Etwas im Geschmack der Luft machte den Hexer unruhig. Es schien ihn regelrecht fort von diesem Lagerplatz zu ziehen und nach Süden treiben zu wollen. Der Hexenkönig konnte eine solche Anziehungskraft besitzen. Dies schien ihm jedoch ein tiefergehender Zauber zu sein, vielleicht auch einfach nur eine Vorahnung...
Er drehte sich zu Dûrmath um, der nun ebenfalls das Zelt verließ. Mit rauher Stimme sprach er zu ihm: "Halte dich bereit! Ich spüre, dass wir heute keine ruhige Nacht haben werden. Vielleicht plant der Hexenkönig einen raschen Aufbruch, ich weiß es nicht..."

Gnominator schrieb:

Dûrmarth schaute dem Hexer nach, als er in die Nacht hineinritt. Was hatte Gulzár damit gemeint? Woher wollte er wissen, dass sie nun schon so früh in der Nacht aufbrechen? Die Armee war erschöpft und brauchte Erholung, warum sollten sie jetzt schon aufbrechen? Andererseits hatte Dûrmarth sich schon vor langem vorgenommen, aufzuhören, sich Gedanken über die  magiekundigen Diener des Hexenkönigs zu machen.
Trotzdem grübelte er noch lange über Gulzárs Worte. Wie konnten diese Hexer nur so allwissend sein…
Trotz all dieser unbeantworteten Fragen vertraute der Mensch den Magiern. Darum ging er nicht mehr schlafen, sondern lief ziellos durch das Lager. Alle anderen Soldaten waren erschöpft und schliefen in ihren Zelten oder unter freiem Himmel. Nur wenige Orks waren noch wach. Auf einmal hörte er hinter sich eine kratzige Stimme: „Was denkt ihr Menschen euch eigentlich dabei, so einen Troll in Schutz zu nehmen?“
 Dûrmarth schaute sich um. Die Stimme kam von einer Gruppe Orks, die an einem Feuer saßen. Der Mensch näherte sich ihnen. „Warum sollte es euch interessieren, was ich mache? Es hat euch doch bisher wenig -“ Er wurde von einem der Orks unterbrochen. „Ja, aber diese Bestie hat heute fast einen weiteren Bändiger getötet! Von wegen, der macht keine Probleme mehr! Haltet euer Schoßhündchen besser an der Leine, bevor es uns noch alle umbringt!“
Der schwarze Nûmenor schaute die Ork lächelnd an und höhnte: „Dann sind eure "Bändiger" es nicht wert, so genannt zu werden. Ich habe diesen Troll ohne Probleme gezähmt und hatte danach nichts außer Schürfwunden. Sind eure Leute nicht gerade dafür ausgebildet, solche Kreaturen in Schach zu halten? Anscheinend ist dein Volk dieser Aufgabe nicht gewachsen. Wofür haben wir euch eigentlich mitgenommen, wenn ihr nicht mal einen Troll in Schach halten könnt?“
Dann stand ein Ork auf, der sich bisher noch im Hintergrund gehalten hatte und starrte den Mensch an. „Beleidige nie wieder meinen Stamm. Wir sind der größte Orkstamm, der dem Hexenkönig dient. Unser Volk kämpft wenigstens wirklich an vorderster Front für Angmar und verdrückt sich nicht hinter irgendwelchen Hexereien!“
„Dann müsst ihr Fimbul sein…“, stellte Dûrmarth fest. „Bring deinem Stamm mal etwas mehr Anstand gegenüber der schwarzen Garde bei, bevor du mich zurechtweist! Wir sind die Stellvertreter der Hexer. Ihr habt unseren Befehlen Folge zu leisten. Oder wollt ihr die schwarze Garde zum Feind haben?“
Deutlich sah man, wie die Orks zusammenzuckten. Die schwarze Garde hatte immer noch eine gewisse Autorität, die man nicht so einfach in Frage stellen konnte.
Nach diesen Worten setzte sich Fimbul schnell wieder und starrte den Menschen nur noch zornig an. Doch die anderen Orks waren nicht so schlau, es ihrem Anführer gleichzutun. Nach dem langen Marsch waren sie zwar erschöpft, doch sie hatten sich teilweise schon wieder erholt und waren streitlustig.
Ein besonders fetter Ork ging auf den Mensch zu.
„Dann bändigt ihr doch den Troll! Jeden Tag aufs Neue! Wir müssen auf ihn aufpassen und wir sterben, dafür, dass dieses große Monster leben darf. Wenn ihr die Entscheidungen trefft, dürft ihr auch sie selbst ausführen. Wir-“
Weiter kam er nicht. Bevor er etwas tun konnte, hörte man das kurze Surren eines Schwertes. Zuerst blieb der Ork noch ungerührt stehen. Dann rutschte langsam sein Kopf von seinen Schultern. Der Körper klappte in sich zusammen und der Boden färbte sich langsam schwarz.
Sofort gab es laute Proteste von den Orks und alle zogen ihre Waffen und stürmten auf den Menschen los. Dûrmarth wollte nicht noch mehr Orks töten und schwang sich über einen kleinen Zaun und rannte in die Dunkelheit. Doch die Orks waren rasend vor Zorn. Selbst Fimbul war aufgestanden, jagte aber langsamer als seine Kumpanen hinter dem Numenor her. Doch Dûrmarth rannte nicht weit. Er blieb neben einem Wald stehen und schaute sich zu den Orks um. Lächelnd drehte er sich zu den Orks um und hob sein Schwert.
Verwirrt blieben die Orks stehen. Fimbul blieb stehen, ebenso verdutzt wie die anderen Orks. Mit so etwas hatten sie nicht gerechnet. Ein paar Orks wollten schon auf den Menschen losstürmen, doch Fimbul hielt sie zurück. Auf einmal krachte ein Baum neben ihnen um und ein lautes Brüllen ertönte.
Dûrmarth grinste, als er die Reaktionen der Orks sah. Die Orks hinter Fimbul sprangen alle kreischend weg, bevor sie überhaupt sahen, was den Lärm verursacht hatte. Fimbul starrte zu dem Troll, der im Schatten eines Baumes stand und ging auch dann langsam rückwärts, bis er sich umdrehte und seinen Gefolgsleuten hinterherrannte.

Weit außer Reichweite des Menschen und des Trolles fluchte Fimbul „Was denkt ihr euch dabei, den Schützling von Gulzár so anzugreifen? Ich hasse diesen Schwarzrock genauso wie ihr. Er bildet sich einfach zuviel ein. Aber trotzdem steht er in der Gunst der Hexer! “ Wütend setzte er sich an das Lagerfeuer zu den anderen Orks, nahm ein Stück Wargfleisch und aß weiter.

Dûrmarth blickte den Orks nach, wie sie Hals über Kopf flohen. Auch als sie zwischen den Zelten verschwunden waren schaute er noch lange in die Richtung. Er wusste, dass er nun einen mächtigen Feind in den Reihen des Hexenkönigs hatte. Warum hatte er nur diesen Troll gerettet. Bisher hatte er ihm nur Probleme bereitet… Wie in einer Trance merkte er nichts, was um ihn herum geschah. Er merkte nicht, wie es anfing zu schneien und der Schnee die Spuren der Orks bedeckte und er merkte auch nicht, wie das Lager langsam unruhig wurde und wie in ihm selbst ein Gefühl hochkam, dass bald etwas Wichtiges geschehen würde. Auf einmal stupste ihn etwas großes unsanft hinten an die Schulter und er wachte auf. Er drehte sich um und sah den Troll hinter sich. „Danke, Ogol-Úan.“ sagte der Mensch kurz und ging zurück zu seinem Lager.

Adamin schrieb:

Gulzár trieb sein Pferd durch die Dunkelheit der Nacht, welche mit Angmar über das Land gekommen war. Er ritt schon geraume Zeit gen Süden, aber die magische Aura seiner Zwölf Brüder und ihres Meisters, an welcher er sich orientierte, schien nur langsam näher zu kommen. Es war schon lange nach Mitternacht, bis er schließlich mehrere dunkle Gestalten auf einem kahlen Hügel erblicken konnte. Am Fuße der Anhöhe angelangt, verlangsamte Gulzár den Schritt seines Pferdes. Der Körper des Tieres dampfte und verbreitete den Geruch von Pferdeschweiß. Allmählich näherten sie sich der Schar auf der Spitze des Hügels. Der alte Hexer erblickte als erstes einige vermummte Akolythen auf ausgemergelten Pferden. Sie umringten die Zwölf Hexer, welche wiederum in einem Kreis um den Hexenkönig standen. Sie alle blickten über die nördlichen Anhöhen in Richtung Fornost und schienen von Gulzárs Ankunft keine Notiz zu nehmen.

"Der dreizehnte Hexer ist angekommen, Meister. Der Rat ist nun komplett.", ertönte mit einem Mal Zaphragors Stimme.
Vor Gulzár traten die Akolythen und Hexer zur Seite und öffneten eine schmale Gasse in ihre Mitte. Langsam ritt der alte Hexer an ihnen vorbei und stellte sich an die rechte Seite des Hexenkönigs. Der Kreis schloss sich hinter ihm. Wieder blickten alle gen Süden, ohne ein einziges Wort zu sprechen.
"Ich will, dass die Armee Fornost in spätestens fünf Tagen erreicht.", zischte der Hexenkönig in die Stille der Nacht. Kälte stach in Gulzárs Schädel, als würde man ihn mit Messern aus Eis aufschneiden wollen. Der Meister war ungehalten über seine Verspätung... Er schloss die Augen und versuchte mit ruhiger Stimme zu antworten:
"Wenn wir die Peitschen nicht schonen, wird es ungefähr zehn Tage dauern, wahrscheinlich aber mehr. Die Festung in fünf Tagen zu erreichen, ist unmöglich, Meister..."
"Das Heer wird nicht mehr rasten. Lasst sie Tag und Nacht marschieren. Jeder der langsamer wird, bekommt 15 Peitschenhiebe zu spüren. Jeder der stirbt, wird dem Proviant beigefügt."
Jede einzelne Silbe bohrte sich wie eine Klinge in Gulzárs Verstand.
"Aber mein Herr, spätestens nach dem dritten Tag eines Dauermarsches würden wir nur noch über die Hälfte unserer Truppen verfügen. Die Armee wird ausbluten und an den Mauern Fornosts zerschellen..."
Diesmal blieben die stechenden Messer aus, als der Hexenkönig antwortete:
"Wir werden noch heute Nacht aufbrechen!"
 
Einige Hexer blickten nun erstaunt auf ihren Meister. Sie wussten, dass ein solcher Marsch ein Ding der Unmöglichkeit war, doch wusste jeder von ihnen auch um die Konsequenzen, wenn sie widersprechen würden. Zaphragor blieb stumm und starrte weiterhin in den Nachthimmel. Gulzár reagierte ebenfalls nicht. Mit geschlossenen Augen, versuchte er die Schmerzen aus seinem Kopf zu vertreiben. Er ahnte, dass sein Meister einen Plan hatte, um die Truppen schneller werden zu lassen. In Anbetracht der Tatsache, dass er alle Hexer zu sich gerufen hat, konnte es sich eigentlich nur um eine teuflische Hexerei handeln...
Ohne Vorwarnung setzte sich das gewaltige Streitross des Hexenkönigs in Bewegung. Es pflügte sich durch den tieferen Schnee und lief den Hügel herab. Nachdem es schon einige Meter entfernt war, setzten sich schließlich auch die Pferde der Hexer in Bewegung und folgten der tiefen Schneespur. Nach ihnen kamen zögernd die Akolythen hinterher.
Der Tross ritt durch ein tiefes Tal und danach wieder den angrenzenden Hügel hinauf. Der Herrscher von Angmar hatte den Zenit des nächsten Hügels bereits erreicht. Allmählich kamen Gulzár und die anderen Hexer ihm entgegen, weiterhin rätselnd, was sie hinter der Kuppe erwartete.

Am Gipfel angekommen, fiel Gulzár der Mund auf. Ihm war sofort klar, was sein Meister vorhatte und es überraschte ihn. Durch eine günstige Fügung des Zufalls lag ein tiefes Tal mit einem bewohnten Dorf vor ihnen. Anscheinend war die Hügelsiedlung in Fornost vergessen und deshalb nicht vor der anrückenden Armee gewarnt worden. Leise stieg weißer Rauch von den vereinzelten Häusern auf und ein kleines Wachfeuer hielt die nächtlichen Wächter warm.
Ob der Hexenkönig dies schon früher geplant hatte, war Gulzár schleierhaft, doch er wusste, wie sie diese Begebenheit nun nutzen würden:
Die Lebenskraft der Dorfbewohner würde der Antrieb für die Armeen Angmars sein. Die dreizehn Hexer und ihr Meister würden ihnen mit verderbter Magie das Leben entreißen und es ihren Horden schenken. Die wenigen Dorfbewohner schienen nicht viel zu sein, aufgerechnet auf die tausenden Soldaten des Hexenkönigs, doch die konzentrierte Energie der Menschen würde sie dennoch mindestens vier Tage lang ohne Unterbrechung marschieren lassen können - wenn nicht sogar mehr...
 
Langsam ritt die kleine Schar auf die Siedlung zu. Einige der Hexer hatten es noch nicht verstanden, doch sie würden schon bald wissen, was zu tun war. Der Hexenkönig gab keine Anweisungen, außer einem kurzen Seitenblick zu Gulzár. Dieser wusste ohne Worte, was zu tun war und erhob seinen Eichenstab. Er fokussierte seinen Geist auf die Seele eines Akolythen. Die Energie floss langsam zu ihm und der Hexer begann, sie nach seinem Willen zu wandeln. Er formte sie in eine dünne, ungreifbare Schicht und legte diese wie eine zweite Haut auf jeden einzelnen Reiter. Wie ein Schutzschild überdeckte er sie damit und veränderte ihre äußere Erscheinung. Der Hexenkönig verwandelte sich in einen edlen Elbenfürsten, mit langen tiefschwarzen Haaren und stechend, kalten Augen. Seine mit Dornen und Runen verzierte Rüstung verlief in einen elbischen Prunkharnisch und sein Streitross wurde zu einem schneeweißen Schimmel. Die Hexer und ihre Diener verwandelten sich in unterschiedliche Elben mit weißen Leinenpanzern. Zaphragor blickte angewidert auf die neue Gestalt seines Meisters und danach zornig in Gulzárs Richtung, doch er sagte kein Wort. Der Akolyth, mit dessen Seele Gulzár die Illusion erschaffen hatte, sackte in seinem Sattel zusammen. Sein Verstand hatte sich verklärt, aber er lebte noch.

In dieses Trugbild gehüllt, betraten sie die Dorfmitte. Die Wachen hatten sie längst bemerkt, sie allerdings passieren lassen. Hastig kamen ihnen einige Männer entgegen, einer schien der Anführer der Wachleute zu sein. Ehrfürchtig blieben sie vor den weißen Rössern stehen.
"Was führt euch so weit in die Wildnis, werte Elbenherren? Wir haben euch nichts zu bieten, da der Winter all unsere Vorräte aufzubrauchen droht. Außerdem ist es hier nicht sicher. Man munkelt, dass eine gewaltige Orkarmee auf dem Weg hierher ist..."
Gulzár blickte ihn nachdenklich an: "Warum seid ihr dann noch hier, wenn ihr von dieser Bedrohung wisst?", fragte er, mit einer ihm unangenehmen Elbenstimme.
Der Hauptmann legte eine Hand auf seinen Schwertgriff. "Glaubt ihr wirklich, dass wir unser Land einfach so diesen Scheusalen überlassen würden? Im Übrigen geht euch das gar nichts an. Wer seid ihr überhaupt? Und warum kann euer Herr nicht für sich selbst sprechen?"
Gerade als Gulzár dem unverschämten Menschen etwas entgegnen wollte, stieg sein Meister vom Pferd herab und trat direkt vor den Anführer. Die umstehenden Wachen zückten ihre Waffen, doch noch hielten sie sich zurück. Langsam hob der Hexenkönig seine rechte Hand und legte sie auf die Stirn des Menschen vor ihm.

Die ebenmäßige Haut auf der Elbenhand begann plötzlich zu bröckeln und bekam Risse, unter denen Panzerlamellen aufblitzten. Der Prunkharnisch verzerrte sich, die schwarzen Haare fielen auf den Erdboden und das spitze Elbengesicht verzog sich zu der erschreckenden Maske der Eisenkrone. Der Hexenkönig zerbrach die Magie des Trugbildes und Gulzár ließ es geschehen. Einen Moment später hatten er und die anderen ebenfalls wieder ihr wahres Aussehen. Der Mensch hatte von alledem nichts bemerkt, da er mit geschlossenen Augen die Berührung des Elbenfürsten erwartet hatte. Seine Wachen sahen es jedoch, erhoben ihre Waffen und wollten den Hexenkönig angreifen.
Doch Zaphragor und Gulzár mussten nur einige wenige Worte murmeln und die Wachmänner erstarrten, als wären sie aus Eis gehauen. Der Herr von Angmar schloss seine Hand um den Schädel des Anführers und hob in mit einem Ruck in die Luft. Die messerscharfen Metallplatten gruben sich tief in die Kopfhaut und dunkles Blut quoll zwischen den breiten Fingern hervor. Der Mensch begann zu schreien, wodurch weitere Wachen auf sie aufmerksam gemacht wurden. Der Hexenkönig verschwendete jedoch kein Wort an diese armselige Gestalt und hob seinen linken Arm in den Himmel. Geschlossen erhob jeder Hexer ebenfalls seinen Arm, Zaphragor streckte sein Schwert in die Höhe.
 
Dunkle Magie brodelte auf und floss vom Hexenkönig heraus in alle Richtungen davon, wie eine Woge heißer Luft. Grünlich schimmernde Lichtblitze zuckten aus dem zitternden Leib des Hauptmannes. Gulzár nahm die Magie auf und begann die seine hinzuzufügen. Er zog die Kraft aus den erstarrten Wachen, formte sie jedoch nicht zu einem Zauber, sondern ließ sie in der Luft um seinen Meister fließen. Auf dessen Wink hin, taten es ihm die anderen Hexer gleich und sammelten immer mehr Energie in ihrer Mitte. Der Hexenkönig erweiterte die Reichweite seiner Hexer, sodass sie nun die Seelen des gesamten Dorfes erreichen konnten. Von überall her strömten Fäden aus grünem Licht zu ihnen und vereinigten sich in einem magischen Schleier, der um den Herren von Angmar waberte. Er begann unheilige Worte der dunkeln Sprache zu rufen, während der Energienebel sich mit einem Mal verdichtete.
Der Schädel des Anführers brach mit einem lauten Knacken.
Eine grellgrüne Flamme explodierte auf der Handfläche des Hexenkönigs. Wie ein Feuersturm breitete es sich über das gesamte Tal aus, verschluckte Häuser und Bäume und erhellte die umliegenden Hügel, als wäre die Sonne aufgegangen. Die verderbte Hexerei loderte einen Moment in einer gewaltigen Kuppel, bis ein lautes Zischen erklang und alles ineinander zusammenfiel. Die Energie zog sich über dem Tal zusammen und flog in Richtung Norden davon. Einem Kometen gleich, zog die unförmige Kugel einen grünen Schweif hinter sich her.

Gnominator schrieb:

Erschrocken schaute Dûrmarth nach oben. Ein riesiger grüner Feuerball war direkt über dem Lager erschienen. Was war das für eine Zauberei?  Dann gab es ein lautes Krachen und das Etwas zerbarst in tausende kleinere Fetzen. Langsam regneten diese grünen Funken auf das gesamte Lager. Doch sie erloschen nicht, wie normale Funken eines Feuers es machen würden. Je näher sie dem Lager kamen, desto stärker loderten sie auf. Nun war das ganze Lager aufgewacht, alle schauten verwirrt zum Himmel und waren nicht weniger verdutzt als Dûrmarth.
Die grünen Funken kamen immer näher und waren nun schon fast bei der verblüfften Armee angekommen. Doch einen Meter über ihren Köpfen verblassten auf einmal sämtliche Funken und alles war wieder dunkel. Als erstes sah es so aus, als ob alles wieder so wäre, wie vor dem Zauber. Doch schnell merkte man es. Etwas war anders. Dûrmarth spürte es auch. Er hatte mehr Kraft in sich, als er jemals gespürt hatte. Er wollte kämpfen, für den Hexenkönig in den Krieg ziehen und nicht mehr ruhen. Um ihn herum ertönte lautes Gebrüll und man hörte die Kriegshörner zum Aufbruch blasen.
Die ganze Müdigkeit der letzten Tage war von der Armee abgefallen. Alle waren wieder kräftig und bereit zu marschieren.

Adamin schreib:

Von überall her ertönte lautes Gebrüll, Kriegshörner ertönten und Wölfe heulten. Auch Fimbul spürte etwas. Mit einem Mal war er voller Kraft und Tatendrang. Er wollte marschieren, er wollte töten, er wollte Blut schmecken. Als hätte es nur noch darauf gewartet, erschallte das Horn, welches den Aufbruch signalisierte. Die Orks sprangen auf, und begannen, ihre Waffen gegeneinander zu schlagen. Fimbul sprang ebenfalls auf und schlug zweien die Schädel zusammen, um ihre Aufmerksamkeit zu erhalten und um ein wenig seiner eigenen Kampfeslust zu besänftigen.
"Los ihr Drecksmaden! Lärmen könnt ihr später. Die Nacht hat grade erst begonnen, jetzt wird gelaufen!!!"

Gnominator schrieb:

Keine fünf Minuten später war die Armee aufgebrochen. Niemandem in der Armee merkte man die Erschöpfung der letzten Tage an. Alle marschierten, wie damals, als sie gerade Carn-Dûm verlassen hatten. Doch nun marschierten sie ohne einen Anführer los. Zumindest ohne einen sichtbaren. Ein unsichtbarer Wille leitete die Armee.

Adamin schrieb:

Gulzár blickte starr gerade aus. Alle Flammen des Dorfes waren erloschen. Um ihn herum herrschte Totenstille. Ein dumpfer Aufschlag zerriss die Stille. Tote Vögel fielen vom Himmel und landeten im Schnee. Weiter weg ertönten weitere Schläge. Angewidert ließ der Hexenkönig die nun vertrocknete Leiche des Anführers zu Boden fallen. Er bestieg sein Streitross und ritt zurück auf den Hügel, von dem aus sie zu dem Dorf gelangt waren. Langsam begannen auch die Hexer, sich auf den Rückweg zu machen. Ihre Akolythen und deren Pferde lagen hinter ihnen tot auf dem Boden.
Gulzár wandte sich ab. Er wusste, dass in diesem Tal nie wieder etwas wachsen würde. Sie hatten die gesamte Lebenskraft der Erde und der Lebewesen genommen und sie der Armee einverleibt. Nun würden sie marschieren können, so weit wie der Meister es verlangte...
Der alte Hexer wäre beinahe vor Überraschung aus dem Sattel gefallen, als aus einem der Häuser ein lang gezogener Schrei drang. Ohne zu zögern trieb er sein Pferd zurück zu der Siedlung; Zaphragor schloss zu ihm auf.
 
Bei dem Haus angekommen, trat dieser sofort die Holztür auf und blickte hinein. Selbst Gulzár konnte sich nicht erklären, was er dort erblickte.
In der hinteren Ecke der schäbigen Behausung lag eine Frauenleiche. Sie umschloss mit ihren Armen ein kleines Mädchen, als wolle sie es schützen. Das Kind schrie immer noch und begann zu weinen. Es war keine vier Jahre alt.
"Wie ist das möglich Gulzár?!", schrie Zaphragor gegen das Mädchen an. "Wie kommt es, dass der Hexenkönig nicht auch ihre Seele erhalten hat?"
Gulzár stellte sich in den Türrahmen. Sein müder Geist zermarterte sich, bei der Suche nach der Antwort. Doch er fand keine Erklärung und fasste einen einfachen Entschluss:
"Reite zurück zu den anderen. Wartet dann auf dem Hügel, bis die Soldaten kommen. Sie werden wahrscheinlich schon auf dem Weg hierher sein...
Ich werde gleich nachkommen..."
Er löste eine verzierte Knochenklinge aus seinem Gürtel.

Lord of Mordor schrieb:

Gedanken wirbelten in Zaphragors Kopf umher, als er das Haus verließ und auf die Straße trat. Kalter Wind schlug ihm entgegen und blies ihm Schneeflocken ins Gesicht. Der Schneesturm Angmars hatte sich nun auch über dieses Dorf gelegt, dunstiger, unnatürlicher Nebel waberte durch die Straßen ...
   Zaphragor bemerkte es kaum, als er sich mit weit ausgreifenden Schritten in Bewegung setzte. Unter seinen Füßen knirschten Knochen, als er über die überall verstreuten Leichname kleiner Tiere und Vögel hinwegschritt.
   Tod... die ganze Stadt stank danach. Jeder einzelne Bewohner der Stadt hatte sich dem Hexenkönig beugen müssen. Frauen, Kinder, Greise... vor der Hexerei Angmars waren sie alle gleich. Der Gedanke erfüllte Zaphragor mit brutaler Zufriedenheit. Die Magie des Hexenkönigs verschonte niemanden.
   Niemanden außer diesem erbärmlichen kleinen Mädchen, fuhr es ihm durch den Kopf. Wie zum Teufel konnte das sein? Der Zauber hätte jeden einzelnen Bewohner dieser jämmerlichen Siedlung töten müssen, sie alle in Energie für den Hexenkönig umwandeln sollen... wie konnte es sein, dass diese klägliche Kreatur überlebt hatte? Das Mädchen hätte sterben sollen, genau wie jeder andere Bewohner Arthedains. Zaphragor konnte nur hoffen, dass Gulzár ihm einen möglichst grausamen Tod bescherte...
   Erneut blickte er sich um, sah im Vorbeigehen die Leiche eines Wachmanns am Wegesrand, der in der Gasse patrouilliert hatte, als der Zauber über ihn hereingebrochen war. Er war verschrumpelt und ausgezehrt, und der Ausdruck grenzenlosen Entsetzens war ihm ins Gesicht geschrieben... in dem Moment, in dem er sich über sein Schicksal klar geworden war, war er auch schon tot gewesen.
   Sie sind so schwach, dachte Zaphragor und erinnerte sich, wie leicht es gewesen war, den Willen der Dorfbewohner zu brechen und ihre Seelen zu nehmen... das wundervolle Gefühl, wenn seine Opfer begriffen, dass der Augenblick ihres Todes gekommen war, der Genuss, ihre Seelen in dunkle magische Energie zu verwandeln und ihnen dabei den letzten Rest ihrer Menschlichkeit zu rauben... und die Schreie... langsam verendende Schmerzensschreie...
   Schmerz...
      Oh ja, ich weiß, was Schmerz bedeutet...

      Bilder erschienen vor seinem geistigen Auge, Bilder von brandschatzenden und plündernden Hügelmenschen... sein brennendes Heimatdorf… das Opfer seines Vaters…
Schmerz...
Kalter Hass kochte in ihm hoch.
All die Zeit über waren sie untätig, überließen Rhudaur dem Chaos... nicht einmal ihren Verbündeten in Cardolan spendeten sie nennenswerte Unterstützung. Fünfhundert Jahre lang hofften und bangten alte und dekadente Könige in ihren prunkvollen Thronsälen, hofften, Angmar würde erst lange nach ihrer Zeit angreifen... fünfhundert Jahre des Wartens...
Erneut sah er Bilder... ein junger Krieger an vorderster Front für den Hexenkönig... Ausbildung in Carn Dûm... die Schlacht bei Amon Sûl, ein Mitglied der schwarzen Garde inmitten des Gemetzels... der Todesstoß König Arveduis... das unglaubliche Gefühl der Macht, als die Morgulmagie seinen Körper durchdrang... fünfhundert Jahre des Wartens, fünfhundert Jahre des Wahnsinns...
Und nun wird ganz Arthedain meinen Schmerz teilen.

Ein lautes Schnauben riss Zaphragor aus seinen Gedanken. Ohne es zu bemerken, hatte er bereits den Dorfplatz erreicht, wo ihn sein Pferd nun aus rotglühenden Augen anstarrte. Es war ein gewaltiges Tier, pechschwarz und gehüllt in schwere Eisenplatten. Er hatte sich den Hengst  höchstpersönlich in den Stallungen von Carn Dûm ausgesucht, und da das Tier, wie die meisten Lebewesen, panische Angst vor ihm gehabt hatte und allein bei seinem Anblick gescheut und ausgetreten hatte, hatte er es durch Magie seinem Willen unterworfen. Nun diente es ihm genauso loyal wie er dem Hexenkönig... Dampf quoll aus seinen Nüstern, während es darauf wartete, dass er aufstieg.

Gerade wollte er in den Sattel steigen, da hielt er inne.
Warum konnte er die Seele des Mädchens noch spüren?
Er fuhr herum und spähte durch den Schneesturm zurück in die Gasse. Dort erkannte er den undeutlichen Umriss Gulzárs, der langsam auf ihn zukam...
Er hielt etwas im Arm.
“Was soll das, Gulzár?”, rief Zaphragor und trat in die Gasse. “Warum hast du...”
Gulzár trat aus dem Nebel, und  Zaphragor konnte den Anblick kaum fassen, der sich ihm bot. Wäre er dazu noch in der Lage gewesen, hätte er wahrscheinlich laut losgelacht.
Gulzár hielt das Mädchen tatsächlich im Arm, und hatte ihm seinen Mantel übergeworfen. Das Kind schmiegte sich an ihn, während er lächelnd auf es einredete. Zornig trat Zaphragor auf ihn zu.
“Was im Namen der Eisenkrone geht hier vor?”, zischte er mit mühsam unterdrücktem Zorn.
Das Lächeln des alten Mannes erlosch, als er zu ihm aufsah.
“Wovon sprichst du?”, fragte er.
Davon”, presste Zaphragor hervor und deutete auf das Mädchen. “Warum hast du es nicht getötet? Allein seine Existenz ist eine Beleidigung unseres Meisters!”
Das Kind sah ihn aus angsterfüllten Augen an und schmiegte sich enger an Gulzár. Der Anblick machte Zaphragor fast rasend.  “Der oberste Hexer Angmars ist sich nicht zu schade, das KINDERMÄDCHEN für so ein verfluchtes Gör zu spielen?”
“Sei versichert, dass alles, was ich tue, im Dienst des Hexenkönigs geschieht.”, erwiderte Gulzár ruhig.
“Deine Loyalität steht außer Frage”, sagte Zaphragor. “Ich weiß, dass du dem Meister gegenüber genauso loyal bist wie ich, Gulzár, und bis jetzt hatte ich immer eine hohe Meinung von dir... aber ich beginne, an deiner Stärke und deiner Weisheit zu zweifeln.”
“Du denkst doch wohl nicht wirklich, dass ich dieses Kind grundlos gerettet habe?”, antwortete der alte Hexer kühl. “Zaphragor, du solltest wissen, dass ich niemals etwas ohne Grund tue.”
“Dann nenn mir den Grund!”, verlangte Zaphragor wütend.
Gulzár sah ihn durchdringend an.
“Nein”, sagte er schließlich. “Nicht jetzt.”
“Willst du das Kind etwa genau so großziehen wie diesen jämmerlichen Jungen, den du bei dir aufgenommen hast?”
“Dûrmarth ist einer der besten Diener des Hexenkönigs”, erwiderte der alte Mann und seine Gesichtszüge verhärteten sich. “Und seine Geschichte ist der deinen nicht unähnlich... er hasst Arthedain mindestens genauso wie du.”
“Er gibt vor, es zu tun”, zischte Zaphragor abfällig. “Aber tief in seinem Herzen ist er schwach... ich habe ihn neulich beobachtet, Gulzár. Er hat sein Leben riskiert, um einen Troll zu retten! Er verletzt die Regeln der Armee und untergräbt damit die Autorität der Generäle! Er...”
“Genug”, unterbrach ihn Gulzár. “Dûrmarth ist dem Hexenkönig gegenüber bedingungslos loyal, das versichere ich dir. Und ich bin es ebenfalls, das weißt du. Also warum glaubst du mir nicht einfach, dass ich meine Gründe habe für das, was ich tue?”
Für eine Weile standen sie sich gegenüber und sahen sich an, keiner der beiden sagte ein Wort.
“Nun gut”, sagte Zaphragor schließlich. Er deutete auf das Mädchen. “Aber du wirst das dem Meister nicht verheimlichen können.”
“Das hatte ich auch nicht vor”, erwiderte Gulzár.

Damit schwangen sie sich auf ihre Pferde und preschten los, aus dem Dorf dem Hügel entgegen, auf dem der Hexenkönig und die anderen Hexer warteten. Sie blickten in die Ferne, in die Richtung, aus der das Heer kommen würde. Wortlos zügelten Zaphragor und Gulzár ihre Pferde und stiegen ab. Dann traten sie neben die anderen Hexer. Am Horizont wälzte sich ihnen eine gewaltige Masse entgegen.
Angmars Heer.
Der Anblick war überwältigend. Ein unbeschreibliches Gefühl der Macht erfüllte Zaphragor, und den übrigen Hexern schien es nicht anders zu ergehen. Die Kampfesrufe der durch Morgulmagie gestärkten Armee waren noch bis in weite Ferne zu vernehmen, und der Klang der Trommeln trieb sie unaufhaltsam voran...

“Das ist der Hammer...”, flüsterte Zaphragor. “Der Hammer, mit dem wir Arthedain zerschmettern werden... die Numenorer werden dem nichts entgegenzusetzen haben.”

Auf einmal drehte sich der Hexenkönig zu Gulzár um. Sein Zeigefinger deutete auf das Mädchen in seinen Armen.
“Was hat das zu bedeuten?”, zischte er.
“Ein Kind aus dem Dorf, Meister”, erwiderte Gulzár. “Es hat euren Zauber überlebt.”
Der Hexenkönig musterte das Kind, dann sah er Gulzár an.

“Töte es”, befahl er.

“Mein Herr”, widersprach Gulzár, “dieses Kind wird mehr zum Untergang Arthedains beitragen als so mancher General unseres Heeres!”

Der Hexenkönig starrte ihn weiter an. Die Luft wurde plötzlich kälter, und auf einmal stieß Gulzár einen Schmerzensschrei aus. Sein Gesicht verzerrte sich, Blut troff aus seiner Nase, seine Augen schienen sich aus seinem Schädel drücken zu wollen...
Das Mädchen in seinen Armen begann zu weinen, als ein eisiger Wind aufkam und den alten Mann umpeitschte, dessen Schmerzensschreie immer lauter und unnatürlicher wurden. Die übrigen Hexer wichen angstvoll zurück, nur Zaphragor beobachtete das Schauspiel mit schrecklicher Gelassenheit. Er wusste, dass Gulzárs Leben nun auf Messers Schneide stand.
Der Hexenkönig hob die Hand und zeigte direkt auf Gulzárs Stirn.
“Du kannst nichts vor mir verheimlichen”, zischte er. “Ich sehe direkt in deinen Geist... all deine Gedanken liegen vor mir, all deine Pläne, all deine Ängste...”
Brüllend presste Gulzár die Hände gegen den Kopf, als drohte er, im nächsten Moment zu zerspringen, und ließ dabei das Kind in den Schnee fallen. Das Mädchen begann, laut zu schreien, und Gulzárs Schädel warf sich immer schneller hin und her...

Dann war es vorbei. Der Wind flaute so plötzlich wieder ab, wie er gekommen war. Langsam ließ der Hexenkönig seinen Arm sinken. “Du alter Narr”, zischte er und kehrte ihm den Rücken zu, blickte wieder in Richtung seiner Streitmacht.
Ächzend wischte sich Gulzár den Schweiß von der Stirn und rappelte sich zitternd hoch. “Ich... ich danke euch, Meister”, presste er schwer atmend hervor. Dann bückte er sich zu dem weinenden Mädchen, nahm es wieder in die Arme und streichelte es beruhigend. Trotz seiner Schmerzen lächelte er das Kind freundlich an.
Zaphragor trat neben ihn. Er sah ihn nicht direkt an, sondern schaute in Richtung des Heeres.
“Offenbar habe ich dir Unrecht getan, Gulzár”, sagte er mit unbewegter Miene. “Zwar verstehe ich deinen Plan immer noch nicht, doch offenbar hat er die Billigung des Meisters gefunden... sonst wärst du jetzt tot, und das Kind ebenfalls.”
Gulzár nickte wortlos, und sah ebenfalls ins Tal.
Tausend wehende Banner mit dem Wappen der Eisenkrone rückten langsam näher... der letzte Marsch nach Fornost hatte begonnen.

Gnominator schrieb:

Die ganze Nacht marschierte die Armee durch, immer weiter getrieben von dem Willen des Hexenkönigs. Mit jedem Schritt wurde der Wille stärker und sie merkten, dass sie dem Hexenkönig immer näher kamen. Als dann schon die ersten Sonnenstrahlen den nächsten Tag ankündigten, sahen sie ihn. Auch er wirkte stärker und mächtiger als zuvor.

Nach einem weiteren kurzen Marsch erreichten sie schließlich den Hügel, auf dem die Hexer standen. Nun bemerkte Dûrmarth etwas Eigenartiges. Gulzár saß nicht alleine auf seinem Pferd. Was von weitem wie ein kleines Bündel ausgesehen hatte, stellte sich nun als ein kleines Mädchen heraus. Dûrmarth wollte als erstes seinen Augen nicht trauen. Aber vor Gulzár saß wirklich ein kleines Mädchen im Sattel und schlief eingehüllt in den Mantel des Hexers. Es war ein Anblick, wie ihn wohl noch niemand zuvor gesehen hatte. Gulzár, ein Zauberer des Bösen und ergebener Diener des Hexenkönigs… Und dann dieses friedliche Mädchen, das in seinen Armen schlief. Doch der Hexenkönig gab keine Zeit, lange darüber nachzudenken. Kaum waren sie bis auf wenige Meter herangekommen, ritt er ohne ein weiters Wort im Eiltempo weiter.

Sie marschierten den ganzen nächsten Tag durch. Doch Dûrmarth spürte nichts von dem Eilmarsch der letzten Stunden. Er hatte genug Kraft, um noch Tage so weiterzumarschieren. Nur eine Sache beschäftigte ihn. Was war mit diesem Kind los? Einmal war das Kind aufgewacht und dann hatte Gulzár dem Mädchen einen Apfel geschält und es wieder mit einem Schlafzauber belegt. Warum tat Gulzár all das für dieses Mädchen? Auf einmal lies sich der Hexer von den übrigen zurückfallen, bis er neben Dûrmarth ritt.  „Ich hab meine Gründe, glaube mir.“ Verdutzt  schaute der Mensch zu ihm hoch. „Aber… was sollen wir mit einem kleinen Kind mitten im Krieg? Und warum ist das Kind so wichtig, dass es ständig inmitten der ganzen Hexer ist?“
„Dieses Kind wird mehr zum Untergang unserer Feinde beitragen als so mancher Krieger dieser Armee. Fornost kann gegen eine Armee verteidigt werden. Aber nicht, wenn die Verteidiger an ihrem eigenen Verstand zu zweifeln beginnen.“
Mit diesen Worten ritt er wieder schneller und ließ Dûrmarth mit mehr Fragen, als vorher, alleine.
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Re: Schatten von Angmar
« Antwort #15 am: 5. Okt 2015, 00:15 »
Ein mysteriöser Fremder

Die Hobbits und das Elbenheer waren beileibe nicht die einzigen, die nach Fornost kamen, um zu kämpfen. Viele Krieger zogen allein nach Fornost, aus persönlichen Gründen, nicht, weil ihre Pflicht es ihnen gebot...

Iggle schrieb:

Der Fremde hatte die Nacht in einem Gasthaus ein paar Meilen vor Fornost verbracht. Er war zusammen mit den Besitzern des Gasthauses, die vor dem Krieg fliehen wollten, in Richtung Fornost gezogen und hatte hatte sich von ihnen getrennt, als die große Stadt des Nordens in Sichtweite kam.
Er wünschte dem Gastwirt und seiner Familie viel Glück auf der weiteren Reise, dann trat er seinem Pferd in die Flanken und preschte auf das Tor von Fornost zu.

Er erreichte das Tor am frühen Vormittag. Die Wachen musterten ihn misstrauisch, ließen ihn aber passieren. Wer wusste schon, vielleicht war er ja ein Spion des Königs und durfte deswegen sein Gesicht nicht zeigen? Er gab seinem Pferd einem Stalljungen und fragte ihn nach dem Weg zur Kaserne. Dort wollte er mit dem Hauptmann der Wache über den Kampf um Fornost sprechen.

„So, du willst also für uns kämpfen?“
Der Hauptmann musterte den Fremden finster. Er schätzte anhand der Silhouette, die der weite graue Umhang erahnen ließ, den Körperbau ab.
Hmmm, der Kerl wird niemals in einer Rüstung kämpfen können, dafür ist er zu dünn.
Aber gut, ein Bogenschütze mehr.

„Gute Entscheidung. Du meldest dich bei Korporal Faroth, er wird dir deine Rüstung und deine Uniform geben. Anschließend trittst du den Dienst bei den Bogenschützen unter...“
„Nein“, unterbrach ihn der Fremde mit ernster Stimme.
„Was willst du dann hier!?“, fragte der Hauptmann mürrisch.
„Ich werde weder euren Befehlen folgen, noch mich in eine Eisenpuppe in bunter Uniform verwandeln lassen. Ich werde gegen Angmar und sein Gezücht kämpfen und mir aus euren Truppen Freiwillige holen, die bereit sind, mich zu unterstützen, wenn es soweit ist. Aber ich werde kein Soldat Fornosts werden. Ich wollte euch nur von meinem Vorhaben in Kentnis setzen. Ich lasse mir von niemandem etwas befehlen!“
Die Stimme des Fremden wurde nach und nach so arrogant, dass dem Hauptmann das Blut zu kochen begann.
„Wenn du hier AUCH NUR EINEN EINZIGEN SOLDATEN DAZU BRINGST, SEINEN POSTEN ZU VERLASSEN, DANN SCHWÖRE ICH DIR, LASSE ICH DICH AM HÖCHSTEN AST DER STADT AUFHÄNGEN!!! ENTWEDER DU AKZEPTIERST DIE GESETZE FORNOSTS ODER DU VERSCHWINDEST!! .“
„Regt euch ab, Hauptmann, und fragt euch selbst: Könnt ihr auch nur einen Krieger erübrigen? Wenn ihr mich 'am höchsten Ast' aufhängen lassen wollt, werdet ihr nicht nur mich als Kämpfer verlieren, sondern auch die Männer, die bei meiner Gegenwehr sterben würden. Könnt ihr das verantworten?“
Der Hauptmann schnaubte.
„Nein, kann ich nicht. Aber ich kann verantworten, dich von wütenden Bürgern aus Fornost herausprügeln zu lassen, weil sich das Gerücht verbreitet hat, ihr wäret ein Spitzel des Feindes....
Zeigt euer Gesicht und nennt euren Namen, oder ich garantiere für nichts! Anschließend hast du die Wahl, entweder friedlich neben uns zu kämpfen, meinetwegen auch ohne dich dem Heer anzuschließen, oder zu verschwinden!“
Der Fremde blieb eine Weile lang stumm stehen, dann hob er langsam die Hand und warf die Kapuze in den Nacken.

Der Hauptmann sah auf das edle, ebenmäßige Gesicht eines Elben, umrahmt von schwarzen Haaren.
Grüne Augen, in denen ein Schimmer unterdrückter Wildheit zu schimmern schien, ein spitzes Kinn....und eine Narbe, die sich von der Stirn über das rechte Auge bis kurz vor den Mundwinkel zog.
„Mein Name ist Silirion. Silirion i Maethor Noloto, falls euch das mehr sagt. Richte das deinen Herren aus. Und richte ihnen auch aus, dass ich ihren Besprechungen beiwohnen werde, ob sie wollen oder nicht. Ich mag es nicht, wenn über meinen Kopf hinweg entschieden wird.“

Dann zog er seine Kapuze wieder über den Kopf und ging in Richtung Tür.
Der Hauptmann schnappte nach Luft und lief zornesrot an.
„Wenn...“, begann er leise, mit einer Stimme, die vor mühsam unterdrückter Wut bebte.
„Wenn... ihr euch auch nur in der NÄHE des Besprechungsraums sehen lasst... LASSE ICH DIE HUNDE AUF EUCH HETZEN, VERDAMMTES SPITZOHR!! UND SEID EUCH GEWISS, DIE SIND GENAUSO TÖDLICH WIE DER STRANG, ABER IHR TOD WÄRE ZU VERSCHMERZEN!“

„Nun, dann muss ich es eben vermeiden, dort gesehen zu werden, nicht wahr? Lebt wohl!“
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Re: Schatten von Angmar
« Antwort #16 am: 5. Okt 2015, 00:15 »
Schlachtgesänge und Kinderlieder

Adamin schrieb:

Die Armee Angmars marschierte unaufhaltsam vorwärts. Wie ein gewaltiger Affront gegen die Natur, zerstörten sie alles, was auch nur auf ihrem Weg lag. Bäume wurden entwurzelt, Felsen umgeworfen, verlassene Dörfer in Schutt und Asche gelegt. Keine Müdigkeit war in ihren unzähligen Augen zu erkennen. Die Kraft und der Hass von Urzeiten trieb sie nach vorne ohne Rücksicht auf Verluste.
Inmitten dieser unbarmherzigen und blutrünstigen Armee, ritt Gulzár mit einem kleinen blonden Kind im Arm. Und ihm dröhnte der Schädel.
Mittlerweile hatten sich die Soldaten um ihn herum etwas zurückgezogen, sodass der Hexer nun zu jeder Seite hin gut zwei Meter freien Platz hatte. Dieses Mal lag die Furcht der Soldaten jedoch nicht an der dunklen Aura des Hexers.
Gulzár hatte seine Hoffnungen auf ein wenig Ruhe inzwischen aufgegeben.
Tagelanges Schlachtgebrüll und das Geschrei von minderwertigen Akolythen hatte er zu ertragen gelernt, doch die Intensität dieser kleinen Stimmbänder erstaunte und entnervte ihn mehr, als alles andere, was er je gehört hatte.
Unglücklicherweise, wusste er sich allerdings auch keinen Rat mehr, was dem Kind denn nun fehlte. Fast den gesamten Morgen über hatte sie seelenruhig in seinen Armen geschlafen, nun ließ sie sich aber durch nichts mehr beruhigen. Schlafen konnte und sollte sie nicht mehr. Hungrig war sie nicht, denn gab er ihr etwas zu essen, warf sie es im hohen Bogen fort. Sie wand sich unaufhörlich und schien von dem Pferd herunter zu wollen.
Resignierend hob Gulzár langsam die knochige Hand. Der größte Hexer Angmars würde sich nicht von einem kleinen Gör an der Nase herumführen lassen...

„Ihr wollt das Mädchen doch nicht etwa verhexen, Gulzár? Kommt der größte Hexer Angmars nicht mit einem kleinen Kind zurecht?“ Calya ritt von hinten auf ihn zu und lächelte ihm kokett entgegen.
Ertappt ließ Gulzár seine Hand wieder sinken. Als die Hexe auf gleicher Höhe mit ihm ritt, blickte er sie leicht gereizt an: „Leider scheint ihr meine Macht nicht den Respekt einzuflößen, den sie dir einzuflößen vermag. Doch wenn du so genau weißt, was dem Kind fehlt, dann kannst du dein Glück gern versuchen.“
„Oh, ich denke was ihr fehlt, ist ihre Mutter. Lasst mich mal sehen.“, Mit geschickten, schlanken Fingern nahm Calya das Mädchen in ihre Arme. Sie schrie immer noch, doch die Hexe beruhigte sie mit sanften Berührungen und leisen Worten.
„Shhh, ganz ruhig, meine Kleine. Hat der große böse Gulzár dich wie einen dahergelaufenen Troll behandelt, hm?“ Langsam hörte das Kind auf zu wimmern und schmiegte sich sacht an Calyas Brust. Mit zarter und doch glockenheller Stimme, begann die Hexe zu singen:

„Wo früher Eis und Tod nur war,
Ein Volk schon lang im Sterben lag,
Der Hexenkönig kam und sah,
Und uns zurück in’s Leben barg.

Wo Schnee aus Hügeln Berge macht,
Den Menschen nur Winter bekannt,
Dort hat der Herr sein Reich gemacht.
Schon bald wurd’ es Angmar genannt.

Dort schützt er uns auf ewiglich.
Drum kommt von Arnor Hass und Hohn,
Sein Zorn wird wüten fürchterlich,
Und Tod wird ihr gerechter Lohn.“

Das Mädchen war doch wieder eingeschlafen. Als lausche sie auf Calyas Herzschlag, lag sie seelenruhig an die Hexe gelehnt.
Die Orks und Hügelmenschen ringsum waren wieder näher gekommen, schienen nun jedoch etwas verwirrt zu sein. Einigen Menschen waren Tränen in die Augen geschossen, da sie das Lied an ihre eigene Kindheit erinnerte.
Calya blickte zufrieden zu ihrem Meister. Gulzár erwiderte ihren Blick: „Mir scheint, dass ich auch noch etwas von dir lernen kann...“

Der Gewaltmarsch verlief weiterhin planmäßig. Die Truppen marschierten im Eiltempo vorwärts und die zurückfallenden Verluste waren gering.
Fimbul konnte seinen Warg kaum unter Kontrolle halten. Das wilde Tier wollte nach vorne preschen und den nächstbesten Ork zerfleischen, doch sein Reiter zwang es, sich der Schrittgeschwindigkeit der Fußsoldaten anzupassen und keine weiteren Mätzchen zu machen. Allerdings fühlte Fimbul ein ähnliches Verlangen. Seit zwei Tagen schon loderte in ihm eine fast unbändige Mordlust, die er nicht freilassen durfte und nur mit dem Gedanken zurückhielt, dass es schon bald genügend Menschenschädel zu spalten geben würde.

Wenn der Anführer der Orks vor einigen Tagen die Weisheit der Menschen in Frage gestellt hatte, so war er sich heute sicher, dass sie kein Quäntchen dieser Fähigkeit besaßen.
Gulzár, der mächtigste Hexenmeister Angmars, hatte sich mitten im Krieg ein kleines Gör zugelegt. Fimbul wusste nicht, woher er den kleinen Welpen auf einmal hatte, doch er wusste, dass man den Nachwuchs erst mit in die Schlacht nahm, wenn er von alleine laufen und töten kann.
Zu allem Überfluss hätschelten und tätschelten sie das kleine Menschlein, als würde es sonst zerbrechen. Als die rothaarige Hexe am vorigen Tag ihr ein Lied gesungen hatte, hätte sich der Orkherr beinahe Übergeben müssen.
Kein Wunder, dass die Menschen so weich und schwach waren. Selbst einige der älteren Soldaten hatten bei dem Wiegenlied zu schluchzen angefangen. Bei der bloßen Erinnerung daran, kratzte es Fimbul wieder im Hals. Im Augenwinkel bemerkte er, dass die umliegenden Orks etwas langsamer marschierten und untereinander zu stänkern begannen. Mit lautem Scheppern trat er dem am nächsten laufenden Ork in den Rücken.
„Hey, hier wird nicht genörgelt, sondern gesprintet, oder ich schneide jedem von euch die Bäuche einzeln auf!“
Allgemeines unzufriedenes Gemurmel ertönte. Anscheinend wurden die Orks ebenfalls langsam ungeduldig und wollten endlich mit dem Schlachten beginnen. Missmutig trotteten sie weiter, würden aber wahrscheinlich bald wieder mit den Streitereien anfangen.
Fimbul dachte nach. Irgendwie musste er seine Drecksbande wieder motivieren.
Plötzlich fiel es ihm wie Schuppen von den Augen: „Nicht so lange Gesichter ihr Maden! Denkt nur daran, was uns bevorsteht. Schon bald können wir frische Menschen schlachten. Schon bald können wir ihr zartes Fleisch braten!“
Mit euphorischem Blick begann Fimbul zu johlen und sang ein altes orkisches Kriegslied:

„Schlitz ihm den Wanst!
Lass ihn nicht ganz!
Faust in’s Gesicht.
Mehr sieht er nicht!“

Zuerst waren die Orks etwas irritiert, doch mit einem Mal krächzten und grölten sie mit, schlugen ihre Waffen gegeneinander und stampften im Takt auf. Jede Strophe wurde mit vielstimmigem Gelächter quittiert. Selbst einige Hügelmenschen schnappten das Lied auf und sangen mit:

„Stech die Schwachen ab,
Und halt den Rest auf Trapp!
Lass sie nicht weglaufen,
Wir werden ihr Blut saufen!

Brich ihm die Nase.
Lauf nur, du Hase!
Dein Leben ist aus.
Quiek, kleine Maus!

Hau den Menschen platt!
Schlag seine Ärmchen ab!
Pack den Elben fest am Schopf.
Schwupps, schon ist er ab, der Kopf!

Sein Schädel ist weich.
Er bricht viel zu leicht!
Dein Knüppel ist hart.
Schlag zu, dass er knarrt!

Ramm den Dolch in die Brust!
Auf sein Blut hast du Lust!
Dann wird er schnell gepackt!
Und mit dem Schwert zerhackt!“

Soweit Fimbul blicken konnte, sah er überall schreiende und stampfende Orks. Durch ihre angefachte Kampfeslust, hatten sie unbemerkt an Geschwindigkeit zugelegt und schienen der restlichen Armee beinahe wegzumarschieren. Das Lied ging noch viele Strophen weiter, doch mit einem Mal übertönte ein gewaltiges Donnern den Gesang.
Ein grüner Lichtblitz schnellte auf einige Orks direkt neben Fimbul zu und erschlug sie. Augenblicklich verstummten die umstehenden Orks, marschierten wieder etwas langsamer, dafür jedoch in besser geordneten Reihen und lasen unauffällig ihre toten Kameraden auf, um sich eine kleine Zwischenmahlzeit zu sichern.
Ohne sich umzudrehen, ließ Gulzár seine rechte Hand sinken und kümmerte sich wieder um seinen Welpen. Sie spielte grade mit einer Kette, auf welcher unterschiedliche Perlen, Steine und Knochen aufgeschnürt waren. Fimbul war zuerst erbost über die unglaubliche Arroganz des Hexers, doch dann fletschte er belustigt die Zähne. Wenigstens war das Gör noch nicht ganz verweichlicht.
Er hörte, wie sie leise auf dem Sattelknauf den Takt des Liedes nachtrommelte.
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Re: Schatten von Angmar
« Antwort #17 am: 5. Okt 2015, 00:16 »
Heerschau in Fornost

Auch Aiwendil war bereit, für Fornost zu kämpfen, im Gegensatz zu Silirion allerdings reihte er sich in das Heer ein, das zur Verteidigung des ersten Tores abgestellt werden sollte.

Thorongil schrieb:

Es war Mittag, die Sonne schien klar und hell auf Aiwendil herab. Er hatte die Nacht bei Vanimelda verbracht, und nun stand er mit all seiner Ausrüstung bei der Kaserne, wo alle waffenfähige Männer versammelt und ausgerüstet wurden. Rácaruro und Alagas begleiteten ihn. Seltsamerweise wurden die beiden kaum beachtet. Die Kaserne war ein riesiges Gebäude auf einem großen Platz, mit drei Stockwerken und großem Innenhof. Es gab drei Türme, die hoch in die Luft ragten. Es gab ein großes Vordach, das von Säulen gestützt wurde. Dahinter befand sich ein hoher Torbogen mit einem wuchtigen Eichentor. Es war geöffnet, und der Reihe nach wurden die Männer dort hineingeholt. Nach einigen Minuten kamen sie in voller Rüstung, mit Speeren, Schwertern und Schilden bewaffnet, wieder heraus. Als Aiwendil das Tor passierte, blickte er auf einen riesigen, gepflasterten Platz. Auf der anderen Seite gab es noch einmal ein hervorstehendes großes Waffenlager, an dem ein Hauptmann mit Papierrollen und Feder saß, um die neuen Männer zu zählen. Es ging rasch voran, schon nach kurzer Zeit betrat Aiwendil die Rüstkammer. Drei Männer in einfachem Gewand warteten an jeweils einem der drei ewig langen Regale, auf denen sich die Ausrüstung befand. Aiwendil wurde von einem weiteren Kerl in etwas prunkvoller Kleidung am Arm gepackt, kurz inspiziert und zum ersten der Regale geschubst. Er bekam einen Brustpanzer sowie Bein- und Armschienen und dazu einen Schild in die Hand gedrückt, dann schob der Austeiler ihn zur Seite und holte den nächsten zu sich. Aiwendil legte seinen Köcher ab, um sich den Panzer umzuschnallen, legte die Schienen an, packte seinen Köcher, befestigte den Schild an dessen Gurt, legte den Köcher wieder an und verließ durch einen weiteren Eingang zusammen mit drei weiteren gerüsteten Männern das Lager. Er passierte den Hauptmann, welcher eine kurze Bewegung mit der Schreibfeder machte. Aiwendil wurde von einem weiteren Hauptmann angesprochen: „Irgendeine militärische Erfahrung?“
„Ja.“
„Gut, draußen aufstellen. Und pass auf deine Tiere da auf. Von mir aus können sie bleiben, aber ich weiß nicht, was die anderen Männer dazu sagen. Und jetzt Bewegung!“
Dann wandte sich der Hauptmann ab und befragte den nächsten. Aiwendil überquerte den Platz und trat wieder auf den großen Platz hinaus. Die bereits gerüsteten Männer wurden in Zwanzigergruppen formiert und warteten auf weitere Befehle. Auch Aiwendil wurde kurzerhand von einem Mann gepackt und in die erste Reihe eines Battailons geschubst. Ein Mann in prächtiger Rüstung und einem geschmückten Helm schritt auf und ab, um sich die Neuankömmlinge genau anzusehen. Bei Aiwendil blieb er stehen. Mit neugieriger Stimme fragte er: „Wer seid Ihr? Wo kommt Ihr her?“
„Ich heiße Aiwendil. Wo ich herkomme, hat niemanden zu interessieren.“
„Oh doch, das hat es. Woher sollen wir wissen ob nicht schon die Spitzel des Feindes hier eingetroffen sind? Aber ich habe dich aus einem anderen Grund angesprochen. Ihr wart doch bei einem Posten an der Grenze? Einer, der von Hügelmenschen überfallen wurde.“
„Ja, aber woher wisst Ihr das? Wer seid IHR?“
„Ich bin Areon, Kommandant der Leibwache des Königs Arvedui, und mir obliegt im kommenden Krieg die Verteidigung des Haupttores. Ich kenne Euch. Ihr wart ein junger Krieger, und zusammen mit euren Eltern, mir und meiner Familie im Außenposten. Dein Vater war der Waffenschmied. Und deine Mutter die Weberin. Ihr wart meinem Vater zugeteilt worden. Eure Eltern und Eure Geliebte wurden getötet. Genauso wie mein Vater. Ich bin froh, Euch wieder zu sehen. Die meisten anderen, die den Überfall damals überlebt hatten, leben nicht mehr, wurden auf der Flucht eingeholt oder später bei einem anderen Überfall getötet. Ja, ich kenne das Schicksal jedes Einzelnen jenes unseligen Außenpostens.“
„Ihr habt ein gutes Gedächtnis, Areon. Ja, ich erinnere mich wieder an Euch, der kleine Junge, der ständig gequengelt hat und mir auf die Nerven gegangen ist. Ihr seid ein großer Mann geworden, wie ich sehe. Ich bin hier, um mit euch zu kämpfen.“
„Gerne nehmen wir jede Hilfe an, die wir kriegen können.“
„Mich würde allerdings interessieren, weshalb Ihr für die Verteidigung des Tores zuständig seid.“
„Wenn wir Angmar trotzen wollen, müssen unsere Männer waffentechnisch wie moralisch bestens gerüstet sein. Wenn ich am Tor kämpfe, wissen die Männer, dass der König sie nicht im Stich lässt. Ich muss weiter. Wir werden uns wahrscheinlich am Tor wiedersehen.“
Damit wandte er sich um und marschierte davon.
Langsam versiegte der Strom der nachkommenden Kämpfer. Jene, die jetzt nicht kamen, waren noch in der Kaserne, um trainiert zu werden. Ein anderer Mann in ähnlicher Rüstung wie Areon kam angeschritten, stellte sich vor die gesammelten Truppen und sprach mit lauter Stimme:
„Seid willkommen in der Armee Fornosts. Ihr seid nicht hier, um diese Stadt zu beschützen, ihr seid nicht hier um dieses Land zu beschützen, ihr seid hier, um unser Volk zu beschützen! Ich kann keinem von euch versprechen, dass er den Schatten Angmars überdauern wird, doch eines kann ich euch sagen: Wir werden niemals aufgeben und uns bis zum Letzten verteidigen! Ja, der Preis kann hoch sein, doch wenn dadurch unser Volk überlebt, dann war es dieser Preis wert! Egal was der Hexenkönig schicken mag, wir werden es mit kaltem Stahl willkommen heißen!!!!!“
Die Männer brüllten und schwenkten ihre Waffen. Der Hauptmann nickte zufrieden und gab den Befehl zum Abmarsch.


Iggle schrieb:

Silirion hatte den Vormittag damit verbracht, durch die Gärten Fornosts zu streifen, um seine Seele im Hinblick auf das Gemetzel, das bald kommen würde, mit schönen Erinnerungen zu füllen. Auch wenn diese Gärten nichts waren im Vergleich mit den weiten Ebenen, den dichten Wäldern oder den hohen Gebirgen, in denen er dies sonst getan hatte, bevor er das Gezücht der Finsternis gejagt hatte, so hatten sie etwas an sich, dass es wert war, erhalten zu werden, auch wenn die Stadt fiel. Und sei es nur in seiner Erinnerung, wie so viele Dinge....
Dann war in ihm der Gedanke aufgekeimt: Das Tor... dort würden die meisten Feinde anbranden, wie eine abscheuliche Flut aus Fleisch... dort würde der Hexenkönig seine Kräfte konzentrieren, um den Schwachpunkt der Wälle zu knacken: das Tor.
Dort würde es am meisten zu töten geben.


Auf einmal eilte ein Trupp an Bogenschützen an ihm vorbei. Ein Mann ragte zwischen den gewöhnlichen Soldaten besonders hervor, sowohl an Leibesgröße als auch in der Erscheinung:
Er wurde von zwei Tieren begleitet, einem großen Wolf an seiner Seite und einem Sturmfalken auf der Schulter.
Als der Mann vorbeishritt, schrie der Falke geschrien, erhob sich und schoss auf Silirion zu, gleichzeitig setzte sich auch der Wolf in Bewegung und kam auf ihn zu. Der Mann schien offensichtlich erschrocken und verwundert, er rief etwas, um die Tiere zurückzurufen, was diese gewissenhaft ignorierten.
Silirion pfiff seinerseits einen hohen Ton, und nachdem der Falke ein paar mal um seinen Kopf geschwirrt war, setzte er sich auf seine Schulter und zwitscherte ihm ins Ohr. Der Elb hob eine Hand und strich sanft über das Gefieder, es war lange her, dass er einen so prächtigen Sturmfalken gesehen, geschweige denn auf der Schulter gehabt hatte, diese Tiere waren selten. Dann war auch der Wolf heran und tat etwas, das ganz und gar nicht in das Bild des kalten Jägers passte: Er versenkte seine Nase in Silirions anderer Hand, schnüffelte und wedelte mit dem Schwanz. Lächelnd beugte sich Silirion hinab und strich über das Fell des Tieres.
„Wer seid ihr?“, erklang über ihm die Stimme des hochgewachsenen Numenorers.
„Wer seid ihr, dass meine Gefährten euch begrüßen, als wäret ihr alte Freunde, obwohl sie sonst nur meine Gesellschaft suchen?“
„Ich bin Silirion, ein Noldo, der schon mit den Urvätern dieser Tiere gewandert ist... nun nennt euren Namen!“
„Ich bin Aiwendil, ein Mensch, der diese Tiere seine Gefährten nennt und mit ihnen gewandert ist, gekämpft und Siege gefeiert hat. Ich habe sie gegen Menschen verteidigt und sie mich gegen anderes! Ihr seid also ein Elb? Woher kommt ihr?“
„Aus einem Gasthaus etwa vier Meilen vor Fornost. Und davor aus einem Dorf einen Tagesritt von dem Gasthaus entfernt. Reicht euch die Antwort? Meine Wege sind meine Wege, und solange ich sie nicht selbst enthülle, solltet ihr nicht danach fragen, wenn ihr nicht riskieren wollt, dass es euch vergolten wird. Woher kommt ihr? Weshalb seid ihr nach Fornost gekommen?“
„Ich kann zwei Fragen mit einer Antwort erwidern, mein spitzzüngiges Spitzohr. Ich komme hier aus Fornost und deshalb bin ich hier: um meinen Geburtsort und meine Brüder zu verteidigen. Wenn man eure Frage jedoch wörtlich nimmt, komme ich aus einem Wald an der Grenze dieses Landes. Wenn mir eure Antwort reichen soll, nehmt auch diese an! Und um euch die andere Frage nicht unvergolten zu lassen: Wieso riskiert ihr hier euer ewiges Leben?“
„Ich bin hier, um zu kämpfen. Mein Leben währt ewig ja, doch werde ich dieses Leben nutzen, um Tod zu bringen. Tod den Dienern Melkors und seinen Gehilfen! Sie haben mir etwas genommen, das nur mit einem nie endenden Strom von Blut bezahlt werden kann!“
„Gut, gut, wenn ihr das in die Tat umsetzen könnt, wird es mich und die Stadt freuen. Wollt ihr euch meiner Schar anschließen? Oder darf sich meine Schar euch anschließen, wenn die Frage euch angenehmer ist? Wir könnten euch euren Kampf etwas erleichtern. Haltet euch nicht mit den unwichtigen Orks auf, die könnt ihr uns überlassen. Uns würde es ausreichen wenn ihr den Hexenkönig und seinen dunklen Rat auslöschen würdet. “ Der Numenorer grinste.
Mit todernstem Gesicht, doch einem amüsierten Unterton antwortete der Elb:
„Ich werde sehen, was ich tun kann. Ich werde zufällig das selbe Ziel wie eure Schar haben. Ihr geht zum Tor?“
„Ja, wir werden dort Ausschau nach Spähern halten“
„Ich komme mit.“


Thorongil schrieb:

Eiskalter Wind fuhr durch die Zinnen der Mauer und trug ein weit entferntes Heulen mit sich. Aiwendil stand auf dem Wall neben dem Haupttor zusammen mit Silirion. Um sie herum standen die anderen Wachen, zitternd und zähneklappernd.

Aiwendil hatte viele Winter ohne warme Unterkunft verbracht, er konnte beinahe als einziger dem eisigen Wetter trotzen. Es begann zu schneien. Die Männer bibberten noch mehr und versammelten sich in den Türmen, wo es etwas wärmer war. Mit einem Mal standen nur noch Aiwendil und Silirion auf der Mauer, zwei kleine dunkle Punkte in einem weißen Chaos. Ràcàruro neben ihnen tappte unruhig hin und her, als spürte er den Schatten, der immer näher kam. Alagas hatte sich in Aiwendils Mantel verkrochen und ab und zu kam ein schwacher Piepser aus seiner Kehle. Die Menschen von Fornost hatten sich mittlerweile an die beiden Tiere gewöhnt. Dennoch flüsterten und tuschelten sie immer noch misstrauisch, wenn sie aus ihren beleuchteten Häusern die beiden stummen Gestalten auf den Zinnen stehen sahen. Langsam ließ der Schneesturm nach, aber die Kälte blieb. Silirion blickte plötzlich prüfend in die Ferne. Der Wind war immer noch stark und nun war das Heulen lauter geworden. Ràcàruro hob den Kopf und begann ebenfalls zu heulen. Plötzlich brach er abrupt ab und schnüffelte. Auch Aiwendil konzentrierte sich auf seinen Geruchssinn. Er fuhr kurz zusammen. Er hatte in feinen Spuren einen Geruch entdeckt, den er gut kannte. Es roch nach kaltem Schweiß, schmutzigem Fell und dreckigem Stoff. Orks. Aiwendil blickte alarmiert auf.
„Späher der Orks“, keuchte Silirion, „Sie reiten auf Wargen oder großen Wölfen voraus, um die Gegend zu erkunden. Anscheinend haben sie den Schneesturm genutzt, um unbemerkt näher an die Stadt zu kommen!“

Aiwendil erkannte in einiger Entfernung drei schwarze Punkte in der verschneiten Landschaft. Sie wurden immer größer. Da setzte erneut ein Schneegetümmel ein und die drei Silhouetten verschwammen. Aiwendil packte seinen Bogen, legte einen Pfeil an und beobachtete genau, was geschah. In einer blitzschnellen fließenden Bewegung zückte auch der Elb seinen Bogen und machte sich bereit für den Schuss. Ràcàruro lauschte aufmerksam und gab Aiwendil Zeichen, wie sich die Späher bewegten. Sie schienen bis zur Stadtmauer zu wollen.
„Entweder große Selbstüberschätzung, sinnlose Befehlsausführung oder pure Dummheit“, flüsterte der Mensch grimmig.
„Ich tippe mal auf Dummheit“, kam die schnippische Antwort des Elben.
Aiwendil spannte seinen Bogen. Die Späher waren mittlerweile wieder als Schatten zu erkennen, und nun auch in Reichweite der Bögen. Aiwendil konzentrierte sich und wartete ab. Plötzlich blieben die Schatten stehen. Da sirrten die Bogensehnen, und zwei Pfeile durchschnitten die Luft. Ein überraschtes Quieken sowie ein schmerzerfülltes Jaulen ertönte und eine der Silhouetten brach zusammen. Nur Augenblicke später ging noch eins der Biester zu Boden. Der dritte wollte kehrt machen und wandte sich um. Da ertönte erneut das peitschende Geräusch der Bögen und gleichzeitig erklang das Gekreisch des Orks sowie das Brüllen seines Reittieres. Gerade, als sich die von ihren Reittieren gestürzten Orks aufgerichtet hatten, sirrten zum dritten Mal die Sehnen und wenige Momente später brachen beide Späher quiekend zusammen.
Einige Männer waren aus dem nächstgelegenen Turm gekommen und fragten, auf wen die beiden da bitte geschossen hätten.
Der Elb antwortete: „Späher des Feindes. Sie hatten den Schneesturm genutzt, um näher an die Stadt zu kommen. Wir haben sie mitsamt ihren zugehörigen Mistviechern erledigt.“
„Angmar kommt. Es ist soweit. Wenn seine Späher schon so weit vorrücken, kann die Hauptstreitmacht keine zwei Tage entfernt sein“, sagte einer der Soldaten mutlos. Dann drehte er sich um und ging mit den anderen zurück in den Turm. Aiwendil und Silirion standen immer noch alleine auf der Mauer, immer noch zwei einsame Schemen in einem wirbelndem Weiß. Da gesellte sich eine dritte Gestalt zu ihnen, eingehüllt in einen dicken Mantel. Es war Areon.
„Warum sind du und der Elb nicht auch im Turm? Wollt ihr nichts mit den Männern zu tun haben, oder nur etwas angeben?“
Beide begannen zu grinsen. Areon fuhr fort: „Bald wird sie beginnen. Die größte Schlacht um diese Stadt. Hügelmenschen aus Rhudaur, verflucht mögen sie sein, Orks vom Gundabad, verräterische Numenor aus Carn Dûm, Trolle und andere Bestien aus den verschneiten Ebenen des Nordens. Gestern sind von den zehn losgeschickten Spähern drei zurückgekehrt, halb tot. Der Hexenkönig hat alles mobil gemacht, was in seiner Reichweite ist. Dieser gigantischen Armee haben wir wenig entgegenzusetzen. Wenn ich scheitere und das Haupttor fällt, ist Fornost verloren. Also müssen wir sie hier aufhalten, mit allem was wir haben. Sie sollen gegen unsere Mauern branden und zerschellen.“
Areon senkte den Kopf und sprach mit düsterer Stimme weiter: „Wehe, wehe, diese Lande waren an dem Tag verloren, an dem der Hexenkönig sie betrat. Wir stehen alleine, das letzte Bollwerk der Menschen des Nordens, und über uns braut sich der Sturm unseres Schicksals zusammen...“
Nun begann Aiwendil: „Wir bestimmen unser Schicksal selbst, keine Macht der Welt ist stark genug, das für uns zu übernehmen. Ich habe mich damit abgefunden, dass Arnor untergeht, aber wenn das geschieht, soll es ruhmvoll versinken und den Dienern des Bösen ein letztes Mal zeigen, dass das Volk der Menschen zu großen Taten imstande ist. Ziehe nicht deinen Kopf ein, Areon, Hauptmann Arthedains. Diese Stadt wird nicht fallen, solange noch ein atmender Mann sie verteidigt.“
Areon hob seinen Kopf wieder und blickte Aiwendil an. Einige der Wachen am Eingang zu einem der Türme hatten die Worte des eigentümlichen Mannes vernommen und Kampfesmut war in ihre Gesichter zurückgekehrt. Areon wandte sich nun an den Elben: „Weshalb seid Ihr in Fornost und nicht bei einer der Elbenarmeen?“
„Weil ich den Spaß von Anfang an miterleben will, ich kann ihn doch nicht euch alleine überlassen“, erwiderte Silirion.
„Ich erkenne keinen Sarkasmus oder Ironie in eurer Antwort. Seid ihr wirklich nur hier, weil ihr töten wollt?“
„Natürlich, warum denn sonst, hier gibt es am meisten Gegner für mich.“
„Für Euch mag das ein Spiel, bei dem ein großes Risiko besteht oder sonst was sein, werter Elb, doch für uns ist es ein Existenzkampf! Es ehrt mich, dass ein Elb uns bei der Verteidigung hilft, doch missfällt es mir, wenn das nur geschieht, um den eigenen Blutdurst zu stillen. Warum stellt Ihr Euch nicht direkt vor das Tor unten hin, dann habt ihr genug zu tun!“
Silirion antwortete: „Ihr habt Recht, das wäre eine gute Idee, ziehe ich in Erwägung.“                                     
Auf Areons Gesicht machte sich Verwirrung breit. Er wurde aus diesem Elben einfach nicht schlau.
„Lasst ihn Areon, seien wir froh, dass er da ist, ich glaube, er wird mehr als nützlich sein.“
„Wahrscheinlich sprecht Ihr die Wahrheit, Aiwendil. Nun denn, ich muss wieder hinauf in die Feste. Wir werden uns vermutlich bald wiedersehen.“
Mit diesen Worten wandte sich der Mensch um und marschierte mit wehendem Mantel davon. Aiwendil blickte ihm nach. Silirions Blick schweifte in die Ferne.
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Re: Schatten von Angmar
« Antwort #18 am: 5. Okt 2015, 00:16 »
Kindergeschichten

Adamin schrieb:

Die Armee marschierte noch immer. Noch immer erkannte man keinerlei Anzeichen von Erschöpfung in den Gesichtern der Soldaten. Und doch konnten Magiekundige Wesen spüren, dass die überschüssige Energie allmählich abnahm.
Gulzár war beruhigt, als er etwas weniger als die Hälfte der ursprünglichen Kraft erspüren konnte.
Bis Fornost müsste der Zauber noch ausreichen. Danach erst würde wahrscheinlich eine Rast von Nöten sein.
Die Männer würden zwar im Endeffekt fast nichts von ihrer eigenen Kraft verloren haben, dennoch hatten sie seit fünf Tagen weder geschlafen noch geruht. Außerdem würde die Rast den feigen Bewohnern der Festung die Möglichkeit lassen, sich kampflos zu ergeben.

Das Mädchen fühlte sich langsam etwas wohler bei Gulzár. Calya hatte zwar eine bessere Verbindung zu ihr, aber um von den Wundern Angmars eingenommen zu werden, blieb sie bei Gulzár.
Der alte Hexer fühlte sich allmählich selbst wie ein Geschichten erzählender Großvater. Er ließ einen kleinen Stoffball schweben und die Kleine versuchte ihn zu fangen. Dies schien ihr liebster Zeitvertreib zu sein. Nebenbei lauschte sie den Erzählungen des Hexers über Angmar und seine Bewohner.
Er erzählte von den Trollen der Berge, die aus Felsgestein geboren wurden und denen der Hexenkönig half, auch tagsüber zu wandeln.
Dann erzählte er von den zänkischen Orks, mit ihrem Temperament und ihrer Wildheit und dass sie trotz allem meistens selbst Angst hatten vor vielerlei Dingen. Schließlich erzählte der Hexer von den Hügelmenschen, den Verstoßenen. Einfache Menschen, denen das Land von den ungerechten Bewohnern Arnors gestohlen worden war und welche durch den Hexenkönig wieder eine neue Heimat gefunden hatten.

Nach der Erzählstunde gab Gulzár sie meistens in die Obhut von Dûrmarth. Anfangs war das Mädchen dem Gardisten nicht geheuer, doch die beiden freundeten sich schließlich recht schnell an.
Er ritt mit ihr durch die Marschkolonnen und zeigte ihr all das, wovon sie eben gehört hatte und erzählte seinerseits noch einige kleine Geschichten.
Am meisten Freude bereitete es ihr, auf Ogol-Úan zu reiten, was jedoch wiederum Gulzár nicht grade gefiel.
Am Ende des Tages kam sie zu Calya, welche das Mädchen wieder im Nu beruhigte und sie zum Einschlafen brachte.

Bisher verlief Gulzárs Plan einwandfrei. Doch dem Hexer dämmerte allmählich, dass er auf diese Weise mehr Zeit brauchen würde, um seinen Plan zu vollenden. Deshalb entschied er sich, den Gang der Dinge etwas zu beschleunigen...
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Re: Schatten von Angmar
« Antwort #19 am: 5. Okt 2015, 00:17 »
Pläne

Unterdessen ging in Fornost gerade die letzte taktische Besprechung der Generäle zu Ende…

Lord of Mordor schrieb:

König Arveleg sah von der taktischen Karte auf zu seinen Getreuen am anderen Ende des Tisches. „Damit wäre auch dies geklärt“, sagte er. „Die Stadt wird so gut verteidigt sein, wie es nur irgend möglich ist.“
Die Generäle nickten zustimmend, doch wie ein Schatten hing noch ein letztes Thema über ihnen, das Wichtigste von allen. Denn tief in ihnen wussten sie alle, dass sie die bevorstehende Schlacht kaum gewinnen konnten.
Arvelegs eigener Sohn, Aranarth, sprach das Thema schließlich an.
„Falls wir verlieren sollten… was geschieht dann mit den Zivilisten?“
Arveleg deutete auf die Miniaturdarstellung des Palastes. „Unterhalb der Festung liegen gewaltige Katakomben, die durch einen Gang im Thronsaal erreichbar sind. Dorthin sollen die Bürger sich während der Schlacht zurückziehen.“
„Was, wenn wir fallen?“, warf Eowdn ein. „Wohin sollen sie fliehen?“
„Die Katakomben haben zwei Ausgänge. Einen zum Thronsaal, der andere endet am Fuß des Berges. Von dort aus können sie nach Bruchtal, zu unseren Verbündeten, den Elben, ziehen. Währenddessen müssen wir den Thronsaal so lange verteidigen, wie wir können, um ihnen Zeit zu geben.“
„Der Marsch wird lang und gefährlich sein“, gab Aeron zu bedenken. „Wir sollten einige Soldaten mit ihnen schicken.“
„Wir können keinen Mann auf der Mauer entbehren!“, widersprach Eowdn.
„Wir müssen“, sagte Arveleg ruhig. „Die Bürger sind das wichtigste, nicht die Stadt.“
„Doch wer wird sie führen, wenn die Generäle tot sind?“, wollte Aeron wissen.
„Nun…“, wollte Arveleg anheben, doch sein Sohn unterbrach ihn.
„Ich denke, ihr solltet das tun, Vater.“
Niemals!, fuhr Arveleg auf. Ich bin der König Arthedains! Ich darf mich nicht feige vor dem Feind vekriechen! Ich muss kämpfen, meinen Männern ein Beispiel sein!“
„Ein Beispiel kriegen sie auch von uns“, sagte Aeron. „Ein König muss tun, was das Beste für sein Volk ist… den Soldaten wird es genügen, wenn der Prinz an ihrer Seite kämpft.“
„Außerdem muss der Palantir in Sicherheit gebracht werden!“, fügte Eowdn hinzu. „Nur der König ist würdig genug, ihn mit sich zu führen.“
Arveleg atmete tief ein. Noch nie hatte er sich so alt gefühlt wie jetzt.
„Nun gut“, sagte er schließlich. Er blickte zu seinem Sohn. „So wirst denn du die Ehre des Königshauses in der Schlacht vertreten. Ich bin sicher, dass du deine Sache gut machen wirst.“
Aranarth lächelte. „Das werde ich, Vater. Ich verspreche es.“

„Die Besprechung ist beendet“, sagte Arveleg. „Geht und leitet unsere Beschlüsse an das Volk weiter.“
Die anderen Männer nickten und verließen wortlos den Saal. Arveleg blieb allein zurück, allein in dem hohen, kalten Raum aus grauem Stein, gesäumt von Wandteppichen seiner Vorfahren. Auf einmal wurde ihm kalt. Er fühlte sich allein, nutzlos. Fröstelnd schlang er seinen Umhang enger um sich.
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Re: Schatten von Angmar
« Antwort #20 am: 5. Okt 2015, 00:17 »
Schicksale

Die Armee eilte weiterhin unaufhaltsam in Richtung Süden. Fornost rückte immer näher. Doch die zusätzlichen Energiereserven neigten sich ebenso unaufhaltsam ihrem Ende zu.
Die mentale Verfassung der Krieger beruhigte sich etwas. Sie dürsteten nicht mehr nach Blut, waren aber dennoch gespannt auf die bevorstehende Schlacht.


Adamin schrieb:

„Ich soll was!?!“, gellten Dûrmarths Worte durch die Schlachtreihen.
„Yakmilch besorgen.“, antwortete Gulzár ruhig, wenn auch etwas belustigt über Dûrmarths verblüfften Gesichtsausdruck, „Ich möchte dem Kind vor der Schlacht einen Stärkungstrank verabreichen. Aber dafür benötige ich die Milch eines Yaks aus Rhudaur.“
„Ihr wollt doch nicht allen Ernstes das Kind in die Schlacht mitnehmen, Meister!“
„Natürlich nicht, aber es soll dennoch bei Kräften sein, falls etwas Unvorhergesehenes geschieht.“
„Es würde Wochen dauern, bis nach Rhudaur zu reiten. Wie soll ich jetzt dorthin kommen?“
„Bis nach Rhudaur musst du nicht. Ich bin mir sicher, einer der Hügelmenschen von dort hat sich etwas dieser schmackhaften Milch als Proviant eingepackt. Frag einfach unter den Kriegern nach.“
„Und wieso muss grade ich diese Aufgabe erledigen? Dies könnte jeder andere genauso gut erledigen!“
„Weil ich mir nur bei dir sicher sein kann, dass du dieser Aufgabe gewachsen sein wirst.“
Mit offenem Mund und schüttelndem Kopf entfernte sich Dûrmarth, ohne ein weiteres Wort zu sagen.

Gulzár lächelte. Die Aufgabe mochte verrückt klingen, doch Dûrmarth sollte lernen, auf abstrakte Weise denken zu können. Wenn es einen nicht mehr überraschte, plötzlich Yakmilch besorgen zu müssen, konnte einen nichts mehr überrumpeln.

„Auf was für eine lächerliche Odyssee schickst du deinen Trolljungen da, Gulzár?“, ertönte Zaphragors bleierne Stimmte hinter ihm, „Und wieso verschwendest du weiterhin so viel Zeit und Mühe für dieses kleine Balg? Ich habe die letzten Tage nur über diese eine Frage nachgedacht, aber der Sinn der Sache erschließt sich mir immer noch nicht.“
Eine Handbewegung des Hexers genügte, um das Kind aus Gulzárs Sattel emporzuheben und vor sich zu halten. Gulzár ließ ihn gewähren.
Zaphragor musterte sie von oben bis unten:„Sie ist so schwach und zerbrechlich... Ein Wimpernschlag von mir würde genügen und sie würde wieder zurück in die Dunkelheit stürzen, aus der du sie errettet hast... Wie soll dieses kleine Geschöpf Angmar zum Siege verhelfen...?“
Mit großen Augen blickte das Mädchen starr in die kalten Pupillen des Hexers.

Dann fasste sie Zaphragor an die Nase.

„Was zum!?-“, schrie der Hexer auf. In ganz Angmar gab es nur eine unbedeutend kleine Anzahl an Personen, die sich nicht vor ihm fürchteten. Wie konnte ausgerechnet dieses Mädchen dazugehören? War sie wirklich so kühn, oder einfach nur naiv, wenn nicht sogar dumm? Energisch schüttelte er sie und zog sie von seinem Gesicht weg, doch das Kind lachte nur und ließ seine Nase nicht los.
Gulzár lächelte bei dem Anblick, den die beiden boten und hob langsam seine Hand. Als würde ein unsichtbarer Faden an ihr hängen, wurde das Mädchen durch die Luft zurück zu Gulzár gezogen.
„Ich freue mich über deine Beherrschung Zaphragor. Jedes andere Wesen hätte in dieser Situation schon längst seinen Kopf oder seinen Verstand verloren.“
Der am meisten gefürchtete Krieger Angmars fuhr sich mit der Hand über das Gesicht: „Ich will das Gör nie wieder zu Gesicht bekommen, andernfalls entscheide ich früher, wer dem Hexenkönig dienlicher ist!“
„Oh, das könnte sich leider als etwas schwierig erweisen, da ich für die Durchführung meines Plans nicht auf deine Fähigkeiten als Hexer verzichten kann.“
„Dein Plan?!“, Zaphragor blickte wutentbrannt auf, „Schluss mit den Spielchen Gulzár! Als rangnächster Hexer verlange ich, dass du mir auf der Stelle erklärst, was du vorhast!“
Als hätte er nichts anderes erwartet, erklärte Gulzár sich einverstanden, übergab das Kind an Calya und begann mit Zahpragor seinen Plan zu rezitieren.
Anfangs war der Hexer skeptisch, doch mit der Zeit fand er immer mehr Gefallen an dem Vorhaben. Nun stimmte er zu, dass dieses Kind mehr zum Untergang Arthedains beitragen würde, als so mancher General des Heeres.

Die Armee marschierte. Die letzte Energie des Zaubers verschwand in dem Moment, als Fornost aus den morgendlichen Nebelschleiern auftauchte.
Dennoch begannen die Streitkräfte schneller zu marschieren. Als wollten sie die Festung endlich erreichen, liefen sie nach vorn, fluchten und ließen die Kriegshörner erklingen.
Gulzár kümmerte es nicht, denn an ein unauffälliges Aufmarschieren war nie gedacht worden. Die Menschen sollten ruhig wissen, dass ihre Schlächter angekommen waren.

Schließlich ließen die Hauptmänner den Befehl zum Anhalten ausrufen und zum letzten Mal schlug die Armee ihr Lager auf. Nahe genug, damit die Menschen sie sehen konnten, aber dennoch nicht in der Reichweite ihrer Bögen.
Einige Zelte wurden aufgebaut, Gruben ausgehoben und das Aufbauen der Belagerungsgeräte vorbereitet.
Mit einer müden Armbewegung zog Dûrmarth den Vorhang zu Gulzárs Zelt zur Seite. Der Hexer stand bei einem niedrigen Tischlein, auf dem einige Kristallphiolen und andere Behälter lagen. Das Mädchen spielte auf der Schlafstatt mit dem Stoffball.
Der Gardist trat ein und händigte seinem Meister einen abgewetzten, ledernen Trinkschlauch aus.
„Hier, Meister. Es hat lange gedauert, bis ich endlich einen Hügelmenschen gefunden habe, der nicht schon längst seine persönlichen Vorräte aufgebraucht hat. Und dieser wollte sich dann nicht so einfach von seiner Milch trennen... Aber schließlich habe ich sie doch noch bekommen.“
Gulzár nahm den Schlauch freudig entgegen. „Ahh, genau zur rechten Zeit. Ich danke dir Dûrmarth. Ich wusste, dass ich mich auf dich verlassen kann.“
Ohne weitere Verzögerung, wollte der Hexer sein Werk beginnen und griff nach einem silbernen Becher. 
Der Gardist wollte sich zum Gehen abwenden, zögerte allerdings plötzlich: „Meister... Was ist eigentlich meine Rolle in dieser Geschichte?“
Augenblicklich stellte Gulzár seine Arbeiten wieder ein und lauschte seinem früheren Schützling, ohne ihn zu unterbrechen.
„Ich meine... Was tue ich hier eigentlich? Momentan spiele ich nur das Kindermädchen, den Laufburschen für euch. Ich mag das Mädchen ja irgendwie, aber trotzdem denke ich nicht, dass das die Aufgabe eines schwarzen Gardisten sein sollte. Und Zaphragor... Ich weiß, dass er mich als Trolljungen bezeichnet. Ich habe Ogol-Úan vor einem unwürdigen Tod gerettet. Nun dient er mir. Was ist daran falsch? Wieso sieht er in mir nicht den loyalen Krieger von Angmar, der ich bin?!“
Dûrmarth hatte sich ein wenig in Rage geredet.
Langsam drehte sich Gulzár zu ihm um und sah ihn verständnisvoll an: „Das sind viele Fragen, die dich da quälen, mein junger Freund. Aber alles der Reihe nach... Was deine Rolle in dieser Geschichte ist, kann ich dir nicht sagen. Wahrscheinlich kann dir das niemand auf ganz Mittelerde sagen. Aber von Laufbursche und Kindermädchen kann keine Rede sein. Du hilfst mir, dem Kind die Schönheit Angmars zu offenbaren, für welche die anderen Menschen Arnors zu verblendet sind. Und wenn sich die Hexer Angmars mit ihr ‚abgeben’, kann ein schwarzer Gardist wohl kaum zu hochgestellt für diese Aufgabe sein.“, er lächelte ihn an, „Und was den Troll angeht... Wenn du es für richtig gehalten hast, war dir und Ogol-Úan diese Fügung wohl vorbestimmt. Zaphragor kann seine Meinung darüber haben, was allerdings deine wahren Fähigkeiten nicht schmälert, oder? Du wirst sehen, sobald du ihm im Kampf beweisen kannst, was in dir steckt, wird er dein Potential akzeptieren.“
Dûrmarth schien etwas erleichtert, nachdem er sich seine Sorgen von der Seele geredet hatte: „Ich danke euch Meister.“
Mit einer fließenden Handbewegung straffte Gulzár seine Kutte und griff nach seinem Stab. Er räusperte sich: „Na gut, genug mit diesem ganzen verweichlichten Getue! Mal sehen, wie wir dir sonst noch helfen können. Zieh dein Schwert.“
Sofort hatte Dûrmarth Rûthreg aus seiner Scheide gezogen. Von außen hörte man das leise Wimmern eines Akolythen, als Gulzár begann, die Klinge zu verhexen. Langsam flößte er dem kalten Stahl die Kraft der gebrochenen Seele ein und versiegelte sie vorübergehend darin.
„Nun ist die Klinge scharf genug, um selbst andere Waffen damit zu spalten und sie wird nicht mehr schartig oder stumpf. Der Zauber wird sich höchstwahrscheinlich bis zum Ende der Belagerung halten. Hoffentlich genügend Zeit, um dich zu beweisen... Wenn du mich nun meiner wohl verdienten Ruhe überlassen würdest...“
Dûrmarth bestaunte sein Schwert, welches noch kurz in einem grünen Schleier glühte. Dann fing er sich wieder, verbeugte sich leicht und verließ das Zelt.

Gulzár seufzte und wand sich wieder dem silbernen Becher zu. Dafür, dass der Junge ein Krieger war, stellte er sich erstaunlich viele Fragen. Er entkorkte den Trinkschlauch und roch vorsichtig daran. Ein leicht säuerlicher Geruch stach ihm in die Nase. Resignierend entleerte er den Schlauch in den Becher und nahm ein kleines Fläschchen zur Hand.
Vorsichtig tropfte der Hexer etwas von der klaren Flüssigkeit daraus in den Becher, bis der säuerliche Geruch verschwand. Er mengte weitere Wässerchen und Pulver in den Becher, teils um die Milch schmackhafter zu machen, teils um einen magischen Trank darin zu brauen. Unterschiedlichste Kräuter, Wurzeln und andere Sekrete vermischte er und murmelte unentwegt dunkle magische Formeln. Mit einem Fingerschnippen ließ Gulzár eine kleine grüne Flamme unter dem Becher aufflammen und erhitzte so die Milch. Schließlich fehlte nur noch eine Zutat. Eine Ingredienz, die den reinen Willen dem Hexenkönig zu dienen beinhaltete. Langsam erhob der alte Hexer sein schärfstes Messer, schnitt sich in den Finger und ließ einen Tropfen seines Blutes in den Becher fallen. Sofort sprach er einen weiteren Zauberspruch, um den Trunk zu vollenden.
Jeder, der hiervon trank, würde seine Seele Angmar verschreiben und ohne zu zögern jeden Treueschwur auf die Eisenkrone leisten, sofern sein eigener Geist schwach genug sein würde.

Mit einem leisen Zischen verging die grüne Flamme - der Trank war nun fertig.
Gulzár hob den verzierten Becher auf und wandte sich zu dem Mädchen auf seinem Bett, welche anscheinend von der Prozedur nichts mitbekommen hatte. Einen Moment zauderte er. Wagte er es tatsächlich, den Frieden des Kindes zu brechen und ihre verspielte Unschuld in Gehorsam und Untertänigkeit zu verwandeln? Hatte sie dieses Schicksal verdient?
Doch dann dämmerte es ihm, dass ihr Schicksal, wie das seine sein würde.
Ihr Leben wäre dem Hexenkönig verschrieben und seine Herrschaft würde ihre Existenz in den Glanz des Triumphes tauchen. Mit diesen Anlagen könnte sie eines Tages zu der mächtigsten Hexe Angmars aufsteigen, nachdem Gulzárs Zeit schon lange abgelaufen war. 
Langsam setzte er sich zu ihr auf die Schlafstatt und hielt ihr den Becher mit der vermeintlichen Yakmilch hin. Ohne zu zögern nahm sie ihn und begann zu trinken.
Und der Zauber entfaltete seine Wirkung.

Er griff ihren Geist von innen an und verschleierte ihre Sinne.
Jeder Faser ihres Kopfes wurde die Schönheit Angmars vorgeführt und dass diese Schönheit sterben würde, wenn sie ihr nicht dienen würde. Sie sah die eiserne Maske des Hexenkönigs vor ihrem inneren Auge und allmählich nahm sie dieses Gesicht als ihren Erretter aus der Finsternis an.
Das Ritual wäre beinahe vollkommen gewesen, doch dann geschah etwas, dass Gulzár nicht erwartet hatte.
Die kindliche Seele des Mädchens gab sich nicht geschlagen. Ihre Unschuld und der Glaube an das vermeintlich Gute ließen sich nicht vernichten. Mit einem Mal wollte sie den Becher absetzen und fliehen. Dies konnte der Hexer nun jedoch nicht mehr zulassen.
Mit sanfter Gewalt drückte er ihr den Becher an den Mund und hielt mit seiner anderen Hand ihren kleinen Kopf umklammert. Wenn ihr Wille sich nicht unterdrücken ließ, gab es nur noch eine Möglichkeit.
Wieder sprach Gulzár einen Zauberspruch. Von draußen drang der spitze Aufschrei eines Akolythen in das Zelt. Zum ersten Mal seit langer Zeit verschwendete der Hexer die gesamte Opferseele für eine Hexerei, denn er wollte sichergehen, dass alles gelang. Mithilfe der dunklen Magie zog Gulzár jeden Aspekt ihres Geistes, der sich ihm verwehrte, aus dem Kopf des Mädchens heraus. Vor seinen Augen spielten sich plötzlich seltsame Szenarien ab.
Er sah eine Frau, die ihn mit gütigem Gesichtsausdruck ansah. Dann sah er einen Mann, der stolz dreinblickte. Und er sah weitere kleine Kinder, die alle zu ihm stürmten. Schließlich flogen Bilder von mannigfaltigen Landschaften an ihm vorbei. Schneebedeckte Berge, ruhige und unberührte Wälder, ein strahlend blauer Winterhimmel.

So schnell, wie sie gekommen war, ebbte die Bilderflut wieder ab. Mit einem dumpfen Aufschlag fiel der leere Becher zu Boden. Erschöpft ließ Gulzár das kleine Mädchen los und stütze sich mit einer Hand ab. Er bemerkte, dass eine rabenschwarze Haarsträhne in den blonden Locken des Kindes erschienen war.
Calya öffnete hektisch den Zelteingang und stürmte hinein, dicht gefolgt von Zaphragor. „Was hast du getan Gulzár?!“, rief die Hexe aus. Mit einem Mal erhob sich das Mädchen und lief mit leeren Augen zielstrebig aus dem Zelt hinaus.
„Ich gab dem Kind die Loyalität und das Vertrauen zu Angmar, wie auch wir sie besitzen...“, Gulzár stand ebenfalls auf und die Hexer folgten dem Kind nach draußen.
Das Mädchen war auf direktestem Wege zum Hexenkönig gelaufen und stand nun allein vor ihm. Als wäre die Zeit stehen geblieben musterten sie sich mehrere quälend lange Sekunden, als wären sie Kontrahenten. Dann fiel das Mädchen auf die Knie und senkte ihren Kopf.
„Der Untergang von Fornost ist nun besiegelt...“, sagte Gulzár mit Grabesstimme.


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Re: Schatten von Angmar
« Antwort #21 am: 5. Okt 2015, 00:18 »
Die Ruhe vor dem Sturm

In Fornost neigte sich langsam die letzte friedliche Nacht des Nordens dem Ende zu…

Rabi und Eru schrieben:

Das glitzernde, goldfarbene Licht der Morgensonne strahlte in all seiner Pracht in das teuer geschmückte Zimmer, durchbrach die weißen, wehenden Gardinen und ließ den Raum lichterloh aufflammen. Die fröhlichen Farben tanzten an der Wand und warfen ihre Schatten quer durch den Raum. Ein wunderschönes Lied in einer fremden Sprache, die so alt wie die Welt selbst zu sein schien, wurde von einer prachtvoll gekleideten Person am Fenster leise und überhörbar gesungen. Doch die spitzfindigen Ohren eines Hobbits überhörten nichts so schnell.
Die Wärme, die Sancho spürte und die ihn sanft einhüllte, war so angenehm und einzigartig, dass er niemals wieder aufstehen wollte. Das flauschige, schneeweiße, viel zu große Bett stand in einem der vielen wunderschön verzierten Räume in den Häusern der Heilung in Fornost. Ein Flötenspieler spielte eine harmonische, sehr melancholische Melodie, die genau in die Strophen des fremden Liedes überzulaufen schien. Diese Melodie, dieses blendende und doch so atemberaubende Licht, die singende Person vor dem Fenster und das einzigartige Gefühl von Geborgenheit ließen Sanchos Herz erwärmen und er fühlte sich besser als je zuvor.
Nach einer knappen Drehung über den wärmenden Bettbezug, erkannte der Hobbit einen golden verzierten Kessel, auf einem kleinen Tischchen neben dem Bett stehen, aus dem ein wohlriechender Duft aufstieg, bis hoch zur Decke schwebte und sich dann in alle Richtungen verteilte, nur um sogleich wieder abzusinken und den ganzen Raum mit diesem Aroma zu beseelen.
Doch der Hobbit war sich bewusst, dass diese unbeschreiblichen Momente nicht ewig andauern konnten. Ein kurzes Murren ging ihm über die Lippen und er stieß sich mit den Armen vom weichen Bett ab, um sich aufzurichten. Ein kurzer, überschaulicher Blick vergewisserte ihm, dass alle anderen Betten im Raum auch noch bewohnt waren.
Sogleich verstummten sämtliche Klänge und ein paar Sekunden lang herrschte Stille, wunderbare Stille. Nur die Schatten im Raum blieben ständig weiter in Bewegung, der Wind wehte den aromatischen Duft der frischen Blüten durch die Zimmer und aus dem nächsten Fenster wieder heraus, um ihre Blütenpollen in der Luft herumzuwirbeln.
Eifrig warf Sancho die dünne Bettdecke von seinem Nachthemd, das er sich am vorigen Abend noch angelegt hatte, und sprang rasch auf. Dabei wandte sich die prachtvolle Person, an den müden Hobbit, der sich noch einmal kurz streckte und dabei gähnte, um sogleich wieder stramme Haltung anzunehmen. Er sah nämlich, dass er vor keiner geringen Persönlichkeit stand. Der Prinz Arnors selbst, stand hier direkt vor ihm. So viel hatte er nun schon von diesem hochgelobten Mann gehört, doch nie hatte er sich erträumt ihm gegenüber zustehen. Und so verhielt er sich jetzt auch.
Doch der Königssohn schmunzelte nur und kniete darnieder, um auf Sanchos Augenhöhe zu sein. Prinz Aranarth war nämlich selbst für Dunedáinmaße sehr groß. Sein prachtvolles, anmutendes Auftreten verunsicherte den Hobbit. Warum wurden sie von so einer hochrangigen Person "begrüßt", wenn man dies als Begrüßung werten konnte?
Der Prinz trug ein bläuliches Gewand, an den Rändern gold und silbern verziert und eine gräuliche Hose, aus unbezahlbar teurem Stoff. Seine blonden, schulterlangen Haare wehten im sausenden Wind und erschienen im Sonnenschein noch glänzender, als sie es ohnehin schon waren. Über der Stirn trug er eine Art Haube mit silberner Spitze mit kleinen, weißen Edelsteinen besetzt. Sein Blick war freundlich und gewissenhaft und seine tiefblauen Augen schienen Sancho wie das weite Meer.
„Ich begrüße euch in Fornost Erain, der nördlichen Stadt, junger Hobbit. Ihr hattet einen langen, wohlverdienten Schlaf nach der schweren Reise aus eurer Heimat hierher.“, wurde Sancho von ihm begrüßt, während er seine Hand auf Sanchos Schulter niederlegte, um ihm zu vergewissern, dass seine Beweggründe durchaus auch freundschaftlich waren. Diese Art Aranarths verschaffte ihm auch unter seinem eigenen Volk hohes Ansehen.
Sein Augenmerk ruhte tief in Sanchos unsicherer Mimik, als lese er aus ihr allein alles heraus. Nachdem Sancho jedoch in seiner Verschwiegenheit nicht in der Lage war zu antworten, ergriff der Prinz erneut das Wort.
„Nun, ihr fragt euch sicher, was meine Beweggründe für diese morgendliche Begrüßung sind, nicht wahr?", sprach er und wandte sich dann von dem Hobbit ab, um zurück ans Fenster zu gehen. Die Sonne schickte noch immer in all ihrer Pracht ihre Boten des Lichts durch das Fenster ins Zimmer und ließ das Gewand des Prinzen erstrahlen.
Sancho nickte nur und schlich dann mit müden Beinen hinter dem Prinzen her.
„Ich komme anstelle von Alámmakil, der für seinen Teil noch wichtige Gespräche mit den anderen Offizieren und Generälen führt, bei denen ich nicht zwangsmäßig anwesend sein muss.“
Mittlerweile hatten sich viele weitere der müden Hobbits im Raum versammelt und lauschten den Worten des Prinzen. Fosco begab sich direkt neben Sancho und lächelte ihm fasziniert über diesen Dunédain zu.
Der Prinz drehte sich erneut langsam vom Ausguck des Fensters weg und schaute den vor ihm versammelten Hobbits einzeln in die Augen. „Deshalb bin ich nun dafür zuständig“, begann er und holte eine große Rolle Pergament hervor, um diese sogleich auszurollen, und sie den Hobbits zu zeigen. „euch eure Posten für die bevorstehende Schlacht zuzuweisen. All dies ist auf diesem Stück Pergament verewigt.“


Auf dem sehr neu und bräunlich aussehenden Pergament konnte man dunklere braune, jedoch feine Striche erkennen. Bei genauerem hinsehen konnte man die Umrisse Fornosts erkennen. Und auch jede Menge anderer Striche und Streifen, das waren allem Anschein nach alle anderen Truppen. Der Prinz ging vom Fenster weg, plötzlich wurde der Raum ein wenig dunkler, da sein glänzendes Gewand nicht mehr den ganzen Raum in ein angenehm warmes Gold tauchten. Er ging zu einem Tisch und legte dort die Karte drauf, er glättete sie mit seiner Hand indem er ein paar Mal darüberstrich und begann gleich darauf zu sprechen.
"Kommt bitte her, setzt euch hier zu Tisch.", die Hobbits gingen auf den Prinzen zu und kletterten beide auf die Sessel hinauf, diese für die Hobbits schon sehr hoch waren. Sie setzten sich bequem hin und lehnten sich beide auf den Tisch, sie stützten sich dabei mit den Ellbogen ab. Der Prinz blickte beiden Hobbits einmal tief in die Augen und streckte dann seinen Zeigefinger aus, auf dem ein wunderschöner Ring in Gold auch mit Edelsteinen verziert zu erkennen war. Er zeigte auf die Karte und zwar auf die erste Mauer. Er fuhr mit seinem Finger über die gesamte Mauer rüber. Und begann mitten drinnen zu reden: "Eure Posten wären hier, die gesamte Mauer entlang. Da ihr im Nahkampf wahrscheinlich nicht so viel ausrichten könntet wie unsere Garde.", Sancho blickte den Prinzen nun zornig an und sprach zu ihm: "Ihr wollt damit doch nicht sagen, das wir Hobbits keine guten Krieger sind.", Sancho behielt aber trotzdem seinen guten Ton und seine Manieren. "Nein, nein, nein Herr Hobbit, was denkt ihr den über mich." Es kehrte kurz Stille ein, der Blick von Sancho wurde wieder etwas netter und er wartete bis der Prinz wieder sein Wort erhebte. "Also gut. Falls wir es nicht schaffen sollten die erste Mauer zu halten, flüchtet ihr mit euren Truppen auf schnellstem Wege über diese Mauer...", der Finger des Prinzen ging über die Mauer auf der rechten Flanke dahin, "... und stationiert euch hier in der Nähe der Wohngebiete.", der Prinz hielt seinen Finger auf sehr leicht gezeichneten, aber sehr vielen braunen Strichen seinen Finger an und tippte ein paar mal auf diese Stelle. "Sollten wir auch diesen Ring verlieren, gibt es zwei Möglichkeiten von diesem Ring zu flüchten.", der Finger des Prinzen glitt über die Karte etwas nach unten in Richtung des zweiten Tores. "Der erste Weg ist ein alter Geheimweg, doch dieser ist sehr schwer zu erreichen und ihr müsstet euch bis dorthin wieder zurückkämpfen.", er zeigte einer eingezeichneten Treppe bis zum dritten Ring hinauf. "Oder ihr geht so schnell wie möglich, wie es unsere Garde tun wird, in Richtung des dritten Tores und lauft schnell hinein.", der Prinz blickte nochmal beiden Hobbits in die Augen, er konnte erkennen das sie entschlossen waren diesen Kampf zu gewinnen. Ein leichtes Grinsen machte sich in seinem Gesicht breit, "Ist alles klar soweit?", beide Hobbits reagierten sehr langsam sie blickten noch einen Moment auf die Karte und dann mussten sie ihren Kopf ein wenig schütteln, als ob sie fast geschlafen hätten. Nachdem sie den Prinz angeschaut hatten wechselten sie ihren Blick schnell und sahen sich gegenseitig in die Augen. Fosco zeigte mit seinem Kopf das Sancho etwas sagen sollte: "Ja, bis jetzt ist alles klar, doch was machen wir falls wir auch den dritten Ring verlieren?".
Der Prinz hatte diese Frage erwartet und schluckte tief, das Grinsen in seinem Gesicht wurde wieder zu einer ernsten Mine. "Wenn der dritte Ring fällt, haben wir nur noch den Thonsaal und dort können uns dann nur noch die Valar helfen. Allerdings… es gibt aus dem Thronsaal einen Fluchtweg. Diesen werden die Zivilisten und mein Vater benutzen, und, falls es nötig werden sollte, auch die übrigen Sokdaten.", er nickte leicht und es schien fast so, als würde der Prinz glasige Augen bekommen. Er öffnete seine Hand und schlug mit der gesamten Schlagfläche auf den Tisch. "So, und nun werte Hobbits. Macht bitte eure Freunde bereit, bald wird die Armee Angmars hier ankommen. Und wir müssen sie empfangen wenn sie kommen.", er blickte nun zuerst Fosco tief in die Augen, dieser sah das es der Prinz todernst meinte. Er nickte ohne ein Wort zu sagen und dann sah er Sancho direkt in die Augen. "Alles klar“, sagte dieser. „Wir werden unsere 'Krieger' bereit machen."
Der Prinz erwiderte die Worte schmunzelnd: "Wunderbar, dann werde ich euch nicht weiter stören." Er rollte das Pergament wieder zusammen und klemmte es unter seinen Arm. Daraufhin öffnete er die Tür und drehte sich wieder zu den Hobbits um, die noch immer bei dem Tisch saßen, bevor er den Raum verließ.
Ein letztes, hoffnungsvolles Lächeln glitt noch einmal über seine Lippen, als er die Tür hinter sich schloss.

Sancho und Fosco sahen sich nun gegenseitig an. "Glaubst du, werden wir die Armee Angmars zurückschlagen?", fragte Fosco mit einem leichten Zweifel in der Stimme. Sancho sah in fast wieder böse an und antwortete hastig: "Was ist den das für eine Frage, Fosco? Ich kenne dich so nicht, ich kenne dich als mutigen Krieger und als Positivdenker? Warum sagst du sowas.", Fosco schmiss es fast vom Sessel, weil er sich bei den extrem lauten Worten von Sancho erschreckt hatte.
"Ja ich weiß, aber…"
Sancho unterbrach den Satz: "Nichts aber, wir werden gewinnen." Sancho ballte eine Faust vor seinem Gesicht und sprach weiter: "Wir sind Hobbits, wir werden sie besiegen!" Fosco ging vom Sessel herunter, um den Tisch herum zu Sancho. Er hielt ihm seine Hand hin: "Du hast vollkommen recht, wir sind HOBBITS, wir werden gewinnen!" Sancho gab Fosco die Hand, mit der er die Faust gemacht hatte und stieg auch vom Sessel herab. Sie gingen beide noch einmal zum Fenster. "Prägen wir uns diesen schönen Tag ein, wer weiß ob wir noch einmal in unserem Leben einen so schönen Sonnenaufgang sehen werden wie jetzt." sagte Fosco zu Sancho. Sancho antwortete nicht, er sah nur zum Fenster hinaus.
"So, nun machen wir uns bereit, ziehen wir unsere Kleidung an und holen unsere Freunde.", Fosco nickte und machte sich auf seine Kleidung anzuziehen, so wie Sancho.
Beide waren gleich schnell fertig und gingen zu ihren Schwertern, beide nahmen sie sich vom Boden und verankerten ihre Schwertscheiden in ihrem Gürtel. Sie gingen ohne etwas zu sagen bei der Tür hinaus in den Schlafsaal der übrigen Hobbits.
"HOBBITS, aufwachen. Wir müssen uns auf die Schlacht vorbereiten." Sancho hatte beide Hände in die Hüfte gestemmt und die Brust herausgestreckt. Er hatte die Aufgabe seine Hobbits zu motivieren, ihren Willen zu festigen. Alle Hobbits standen auf, sie waren noch immer in ihrem Gewand, das sie auf den Weg nach Fornost anhatten, an. Sie mussten nur alle ihre Waffe noch vom Boden aufheben, und am Gürtel befestigen oder den Bogen am Rücken. Dann mussten sie noch ihre Schlafmatten zusammenrollen und in ein Haus, manche sogar einfach neben die Wand legen.
Sie stellten sich in Reih und Glied, schön diszipliniert auf und warteten auf einige Befehle. Sancho drehte sich langsam um, so das er mit dem Rücken zu seinen Hobbits stand und zeigte mit ausgestreckter Hand auf die Mauer vor ihnen. "Wir ALLE müssen uns auf dieser Mauer stationieren, ich möchte es nicht sehen, das irgendjemand hier unten bleibt!" Sancho drehte sich wieder zu seiner Armee um, die ihm zustimmend zuriefen.

Auch der Prinz beobachtete in einem anderen Gebäude wie die Hobbits alle kampfgewillt waren, sie waren sehr diszipliniert und sehr stolz, das konnte man ihnen ansehen. Die Hobbits liefen die Treppe entlang und stationieren sich auf der Mauer. Sie hatten nun nur noch zu warten, bis die Armee Angmars eintreffen würde. Ganz an der Spitze und ganz vorne an der Mauer standen Sancho und Fosco, die den Befehl zum Angriff geben würden.

Noch ehe die Nacht einbrach setzte ein eisiger, starker Schneefall ein, der den Verteidigern Fornosts noch einmal schwer zu schaffen machte. Nur wenige Augenblicke später erschallten wallende Hornstöße, die von weit weg zu kommen schienen, und welche die Ankunft der fürchterlichen Armee des Hexenkönigs ankündigten. Erst zehn, hundert, tausende Fackeln lichteten sich am Horizont aus dem Dunkel, wie winzige Sterne am Nachthimmel. Doch diese Nacht war alles anders, und selbst der verschleierte Himmel, der seine weißen Boten gen Erdboden schickte, schien sich heute auf die Seite des Feindes gestellt zu haben...
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Lord of Mordor

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Re: Schatten von Angmar
« Antwort #22 am: 5. Okt 2015, 01:58 »
Hier endet die Schriftrolle. Ob die Gelehrten jener Zeit noch mehr über die Geschichte Angmars zu sagen vermochten, entzieht sich uns. Ihren Verlauf kennen wir freilich: Fornost fiel und Arnors Untergang konnten selbst die Heere Bruchtals und Gondor nicht mehr abwenden. Doch das Reich Angmar folgte seinen Feinden nach, heute zeugen nur noch Ruinen von der Herrschaft der Eisenkrone. Dem Hexenkönig war es gleich, er hatte seinen Auftrag im Norden erfüllt, den freien Völkern einen schweren Schlag versetzt.

Die Spur der Legenden Angmars, die Spur von Gulzar, Dûrmarth und Zaphragor, und die ihrer tapfersten Widersacher, verliert sich nach der Belagerung Fornosts. Fanden sie im kalten Norden ihr Ende, oder überlebten sie den Untergang Angmars? Wohin führte ihr Pfad nach diesem Wendepunkt der Geschichte? Hat es sie überhaupt je gegeben, jene Figuren, von denen allein diese Schriftrolle Zeugnis ablegt? Oder sind sie nichts als Ausgeburten der Schreckensgeschichten, die sich zu Zeiten Angmars im ganzen Land verbreiteten? Wir werden wohl nie Gewissheit haben...
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