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Autor Thema: Die Straßen von Minas Tirith  (Gelesen 14958 mal)

PumaYIY

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Re: Re:Die Straßen von Minas Tirith
« Antwort #15 am: 9. Jan 2011, 19:44 »
Karthull musterte die Personen um sich herum, viele die hier hinten Platz gefunden hatten waren eindeutig nicht numenorischer Abstammung. Trotzdem johlten und schrien sie vor Vergnügung als Herumor seine Rede über Verrat und den Feind an der Küste mit einer Anrede an die Numenor begann und auch als der dickliche Mann mit einem kurzen beinahe unspektakulären Ruck wie es aus Karthulls Perspektive schien zu Tode kam. Besonders als der Mann zu Tode kam.
Karthull hatte es sich so nicht vorgestellt. Ihm wurde klar, dass er nicht einmal ansatzweise geahnt hatte worauf er sich da eingelassen hatte. Das Schicksal war ihm nun deutlich vor Augen geführt worden, dass er erleiden sollte wenn seine Tarnung versagte. Betroffen hörte er die Rede an, auch Wut und Verzweifelung mischten sich in seine Gefühlswelt, doch ihm blieb nicht übrig als sie herunterzuschlucken. Da ist nichts... Nichts was ich gegen dieses Unrecht ausrichten kann. Gar nichts.
Auch Krohlon wollte wie die anderen Massen feiern, doch wurde er zuerst durch Karthulls seltsamen Blick bei dem Vorgang der Hinrichtung, dann aber durch das Klatschen abgehalten. Selbst ihm scheint es aufzufallen. , dachte Karthull: Vermutlich klatscht man selbst in Umbar bei einer Hinrichtung nicht. Dieses Miststück. Karthull blickte über die gesamte Länge des Platzes in die so unschuldig und braven Augen Eleas. Er hatte gesehen, dass sie damit angefangen hat wie wohl auch die restlichen Bewohner der gesamten Stadt.
Man sieht es ihr wohl nicht an aber sie steckt mit dem Bösen im Bunde! Ich fasse es nicht diese Hexe.
Dannach wurde Karhtull jedoch noch hellhöriger: "Der Verrat an Minas Tirith und an Gondor, war das letzte was Fürst Imrahil zustande gebracht hat."
Das ist das Ende, ich muss zurück und berichten, dass nun auch Minas Tirith voll hinter dem Kampf der Korsaren mit den wenigen freien Flecken der Provinzen Gondors steht.
Doch sein Gedankengang wurde unterbrochen, denn er hörte Tumulte. Unweit von den beiden hatte Karthull plötzlich einen Stein weiter nach vorne fliegen sehen, der einen Korsaren am Kopf getroffen hatte.
"Was ist da los?", flüsterte Krohlon der etwas von Karthulls Nachdenklichkeit übernommen hatte.
"Ich seh es nicht so recht. Doch... dort der Kosar er hat dem Ork neben ihm ins Gesicht gespuckt." Es kam zu einem Handgemenge.
"Das ist doch nicht zu fassen."
Die Rauferei ging nur kurz gut und als die fünf Wachen den Streit beendeten und nach dem Grund fragten waren bereits zehn Orks und zwölf Korsaren hinein verwickelt.
"Offensichtlich, dass diese betrunkenen Orks das waren." , entfuhr es Krohlon.
Das glaub ich nicht, ich hab doch gesehen wie hier jemand... Karthull sah die Gestalt, die sich nun nahe von ihnen durch die Menschenmenge hinfortzustehlen gedachte, stand zügig auf und drückte sich durch die weiter nach vorne gaffenden Leute.
"Karthull! Wo willst du hin?", rief Krohlon ihm nach und er folgte Karthull.
Ein Griff dann hab... Karthull riss die fliehende Person herum und blickte für Bruchteile von Sekunden in ein reines  Gesicht. Die Gestalt hatte einen dunklen Kaputzenumhang wie Karthull es von fern wandernden Waldläufern kannte, die er in seiner Kindheit getroffen hatte, da sie bei ihrer Ausbildung ein Jahr in der Wildniss der Provinzen allein zurechtkommen mussten. Doch zu Karthulls Verwunderung war es das Gesicht einer jungen Frau, dass er erblickte, zierliche Wangen und große blaue Augen.
Batz. Der schnelle Faustschlag in sein Gesicht kam unerwartet und ehe Karthull sich wieder zurechtfand war die Gesuchte untergetaucht. "Au!" , der kräftige Hieb der Frau auf seinen linken Wangenknochen schmerzte und Krohlons verblüfften Blick als der neben ihm stand konnte Karthull nur erwiedern.
"Wieso bist du weggerannt?", fragte Krohlon irritiert. Karthull hatte sich wieder gefasst und antwortete: "Ich dachte ich hätte vor dem Tumult einen Stein fliegen sehen und dann ist da wer weggerannt. Also hab ich gedacht nichts wie hinter..."
"Idiot." Karthull wusste nicht so recht was er mit Krohlons Beleidigung anfangen sollte und schaute ihn nun wieder verwirrt an. "Die Korsaren die uns ohnehin schon verprügeln wollen haben nachdem die Wache ihnen gedroht hat keine Unruhe im Volk zu verursachen auch gemerkt, dass kein Ork ihnen auf den Kopf geschlagen hat sondern, dass ein Stein von hinten geflogen ist." Während Krohlon erzählte was er aufgeschnappt hatte hörte er nicht auf mit Karthull in Richtung Westen also zum Tor das in den nächsthöheren Ring führte zu gehen. "Einer hat meinen Blick gesehen und dann wie du dich wie ein Irrer durch die Leute durchgedrängelt hast. Schau dich um. Der zweite Anführer der Horde, der wie du mir erzählt hast beim Kasernenhauptmann vergesprochen hat wir haben ihn Kapitän Krummnase genannt aber eigentlich heißt er Ruthorlan und..."
"Komm auf den Punkt was ist mit ihm?!" , bei den langen Abschweifungen und diesem ständigen geziehe an seiner Weste war Karthull ungeduldig geworden.
"Schau dich doch mal, um er und fünf von der Horde sind uns auf den Versen." Erst jetzt verstand Karthull die Eile und tatsächlich bei einem prüfenden Blick erkannte er, dass auch noch andere in ihre Richtung durch die Leute stolperten und nicht wie der Rest gebannt von den beruhigenden und drohenden Worten Herumors nach vorne schaute.
« Letzte Änderung: 26. Aug 2011, 21:23 von PumaYIY »

Thorondor the Eagle

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Re: Re:Die Straßen von Minas Tirith
« Antwort #16 am: 23. Jan 2011, 10:55 »
Stufe für Stufe verließ Elea das Podium. Mit ihrem Arm hatte sie sich bei Herumor eingehängt. Plötzlich riss er sie herum.
Inmitten der Menschenmenge sahen sie bereits, dass manche handgreiflich wurde. Ein Gemenge mitten drin war ausgebrochen. „Ergreift sie und sperrt sie ein!“, brüllte nun Herumor über den Platz und augenblicklich bewegten sich die Soldaten in den silber-schwarzen Rüstungen.

„Bevor sich alle gegenseitig umbringen, treibt sie auseinander und weißt sie zu Recht. Aufständische Pöbel können wir in unserer Stadt nicht brauchen. Lasst Schwerter sprechen, sollte es nötig sein“, befahl Herumor seinen Hauptmännern, die unterhalb des Podests standen.

Elea riss sich aus dem Griff Herumors los. Sie ging schleunigst weg von dem Platz. „Elea!“, hörte sie ihren Verlobten noch schreien, ehe sie in eine kleine verwinkelte Gasse einbog. Sei mied die Hauptstraße um den Soldaten nicht in die Arme zu laufen.
Ein fahler Lichtschein erfüllte nun den Weg zwischen den hohen Fassaden der Häuser. Die Frau begann auf dem stetig ansteigenden Pfad zu laufen, bis sie zu dem Tor in den nächsten Ring kam. Vorsichtig wagte einen Blick um die Ecke. Die Straße schien frei zu sein, doch dann hörte sie lautes Gejohle hinter sich. Sie blickte zurück und sah, wie sich zwei Männer im Laufschritt näherten. Erst als sie näher kamen, erkannte sie ihre beiden Leibwächter die sie vor einigen Tagen auf Schritt und Tritt verfolgt hatten.
Sie presste ihren Köper fest an die Mauer, sodass sie im Schatten des Hauses kaum zu sehen war. Sie hoffte inständige, dass sie sie nicht sehen und zu Herumor zurück brachten. Aber ihr Schritt wurde nicht langsamer, als sie durch das Tor verschwanden. Das Gejohle wurde lauter und Elea begriff, dass die beiden wohl ihre eigenen Probleme hatten, als sie eine Handvoll Korsaren sah die ihnen scheinbar auf den Versen war.

Elea wartete noch ein paar Minuten, vergewisserte sich, dass das Tor frei war und huschte schnell hindurch. Auf diese Weise dauerte es lange bis sie endlich die Spielmannsgasse erreicht hatte. Erschöpft lies sie sich vor Briannas Haustür niedergleiten.

…Hier wird er mich hoffentlich nicht finden. Hier hab ich meine Ruhe. Was hab ich nur getan da unten. Was werden die Menschen nur von mir denken? Das letzte was der Sterbende gehört hat war ein lauter Applaus. Ich bin grausam; grausam und kalt. Niemals kann ich das bei ihm wieder gut machen. Und was wenn jetzt jeden Tag eine Hinrichtung stattfindet? Was wenn Herumor Ioreth hängen lässt, oder noch viel schlimmer: Araloth? Er ist genauso ein Verräter wie es der Stadtrat war. Brianna wird mich hassen… sie hasst mich jetzt schon. Was mach ich hier eigentlich? Wo soll ich sonst hin?...

Elea begann schwer zu atmen. Sie zog die Knie so weit es ging an ihren Körper und kauerte sich versteckt in die Ecke vor Briannas Haustür. Sie wusste nicht worauf sie warten und schon gar nicht wie sie ihrer Freundin gegenüber treten sollte.


Elea zum Haus der Kurtisanen im dritten Ring
« Letzte Änderung: 19. Feb 2016, 12:55 von Fine »
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PumaYIY

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Re: Re:Die Straßen von Minas Tirith
« Antwort #17 am: 25. Jan 2011, 17:11 »
Das Tor zum zweiten Ring war von Karthull und Krohlon eilig durchschritten, doch es waren keine Wachen zu sehen. Seltsam. , stellt Karthull fest. Vermutlich sind die Wachen von hier auch zur Hinrichtung gegangen.
"Los weiter..." , mahnte ihn Krohlon zur Eile. Die Korsaren waren ihnen in einigem Abstand, aber dennoch ziemlich nahe gefolgt. Als Karthull und Krohlon zügig aber immernoch langsam genug um nicht aufzufallen durch das Felsentor gingen sah Krohlon wie die Korsaren die nun in der Nähe des Tores waren zu rennen begannen. Die beiden hätte stehen bleiben können und versuchen können, das Problem irgendwie mit Worten zu regeln, doch angesichts der bösen Blicke und wilden Flüche die beide sehen und hören konnten packte sie die Angst und auch sie rannten los.
Die rasannte Verfolgungsjagd hörte auch am Tor zum dritten Ring nicht auf, weil hier ebenfalls die Wachen fehlten, und Krohlon und Karthull blieb langsam die Puste weg, denn beide waren es nicht gewohnt längere Strecken als eine volle Schifflänge zu sprinten. Die anderen Korsaren schienen dagegen unnachgiebig gleich schnell zu bleiben.
"Wo sollen wir hin?" , keuchte Krohlon. "Wir könnten es bei der Kaserne versuchen, doch wenn wir es nicht schnell genug schaffen sitzen wir in einer Sackgasse!"
"Weiter nach oben..." , schnaufte Karthull. "Du kennst doch den dicken Pförtner der um die Tageszeit Schicht hat, bis der an der Tür ist haben die uns..." Beim Wort die schaute Karthull aus dem Lauf heraus überprüfend hinter sich. Höchstens zehn bis zwanzig Meter trennte sie noch von den Korsaren. Er sah ein Messer blitzen und der spielerisch-kampflustige Blick mit dem ein Kosar die bevorstehende Gewalt erwartete machte Karthull noch mehr Angst.
Das Tor in den vierten Ring war unmittelbar vor ihnen, doch da klappte Krohlon plötzlich zusammen und fiel aus hoher Geschwindigkeit hart auf den Boden.
"HAahhhh" , schrie Krohlon verzweifelt und Karthull wusste nicht ob er stehen bleiben oder weiterrennen sollte. Er schaute zum Tor, von dort aus schauten ein paar Wachen und sie begannen zu ihnen zu kommen. Geschafft! , dachte Karthull als er zu den Wachen schaute. Verdammt! , als er sich wieder umdrehte.
Ein Kosar hatte Krohlon sein Messer in den Oberschenkel geworfen und nun krümmte der sich auf dem Boden während die Korsaren immer näher kamen.
Ich muss was tun! Karthull drehte sich nun ganz zu den Korsaren und er war sich bewusst, dass er gegen sie kämpfen musste. Der kleinste unter den Korsaren und scheinbar auch der schnellste wollte den immernoch am Boden liegenden Krohlon mit seinem Messer attackieren. Karthull sah es und rannte ihm entgegen. Wie eine Säule muss ich standhaft sein und ihn umrammen! Er zog die Arme vor seine Brust und nur mit seinem Ellenbogen fixierte er den Korsaren.
Doch der Kosar führte sein Messer so geschickt, dass es Karthull wohl übel ergangen wäre, wäre er nicht gestolpert und dem Messerhieb des Korsaren so entkommen. Karthull war so schnell, dass er auf dem Boden rollend gegen die Beine des Korsaren prallte, der so das Gleichgewicht verlor und hinfiel. Die Wachen kamen immer näher und ihre eiserne Rüstung glänzte im Schein einiger Fackeln, gegen solch diese stattliche Obrigkeit waren die Korsaren unterlegen und das wussten sie auch. Zwei Tritte bekam Karthull noch in die Seite, bevor die Korsaren vor den herannahenden Wachen flohen.
"Stehen geblieben!" , rief die erhabene Stimme der Wache, die zuerst vor Ort war, doch die Korsaren hörten nicht auf den Befehl und verschwanden wieder in Richtung der niedrigereren Ringe.
"Danke." , brachte Karthull hervor. Ein wenig schwankend noch aber ansonsten weitgehend unversehrt stand er auf, die stüzende Hand der Wache nahm er nochmals dankend zur Hilfe. "Was ist vorgefallen?" , wollte die jüngere der beiden Wachen wissen, doch der ältere mahnte ihn und wies auf Krohlon, der sich immernoch auf dem Boden krümmte. "Bring ihn in das Heilhaus, dass noch nicht zu ist, wenn dort niemand ist verarzte ihn in unserer Unterkunft."
Der jüngere Wachmann leistete dem ohne ein weiteres Wort folge. "Nun zu dir. Ist alles in Ordnung, kannst du laufen oder musst du auch versorgt werden?"
"Ein paar Stellen schmerzen an meiner Brust, doch ich denke es wird schon wieder." , antwortete Karthull. "Gut dann komm mit zum Tor, dort kannst du mir hoffentlich berichten was vorgefallen ist."
Als sie ankamen und sich auf eine Bank im Torhaus setzten, nahm der Wächter seinen Helm ab und fragte Karthull: "Wie heißt du und was ist deine Beschäftigung hier in Minas Tirith?"
"Ich heiße Karthull und ich bin von Herumor zur Wache berufen worden, ein Auge auf seine Frau Elea zu werfen."
"Elea ist nicht seine Frau, noch sind sie nur verlobt." Etwas perplex und nicht wissend was er auf diesen Einwand antworten sollte stotterte Karthull verlegen, dass er das nicht gewusst habe. "Wie kommst du Kosar dazu eine Stelle bei der Wache zu haben?" , fragte der Wachhauptmann weiter. "Nun das hatte ich doch schon gesagt: Herr Herumor hat uns, den Krohlon den Verwundeten von eben und mich, für den Dienst als Wachen für seine Fr... Verlobte eingestellt."
"Ein sonderbarer Auftrag wenn ich bedenke, dass bis vor einiger Zeit die Beschützung von Ratsmitgliedern und ihren Familien nur von hohen Wachen wie ich es bin übernommen wurde und nun wird schon ein Kosar damit betraut, seltsame Zeiten sind das. Was war der Grund für den Konflikt mit deinen Kameraden? Ich hab doch erkannt, dass das auch Männer mit Korsarensitten waren!"
Was soll ich sagen? Wenn ich gestehe, dass sie nicht meine Kameraden sind, wird er fragen woher ich wirklich komme. Ich muss mir etwas Zeit verschaffen!
"Wer seit ihr, dass ihr das wissen wollt?"
"Euer Beschützer, aber verzeiht wenn ich vergas mich vorzustellen. Ich bin Beregond Hauptmann der Wache."
« Letzte Änderung: 26. Aug 2011, 21:24 von PumaYIY »

PumaYIY

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Re: Re:Die Straßen von Minas Tirith
« Antwort #18 am: 26. Jan 2011, 17:13 »
Das ist ... er! , Karthull war vom Zufall überwältigt und betrachtete Beregonds Gesicht erneut nur diesmal aufmerksamer und genauer. Karthull war unweigerlich zusammengezuckt als er den Namen gehört hatte, doch breitete sich nun ein zaghaftes Lächeln auf seinen Lippen aus.
"Was?! Wieso reagiert ihr so? Habt ihr meinen Namen schon einmal gehört?"
Jetzt muss es raus!

"Von der Stadt am Meere her,
weht der Wind der Flügel sehr,
des Schwanenherrs dem dieser Reim,
als Lösgeld für sein Kriegerheim."

Als Karthull mit dem Gedicht geendet hatte grinste er Beregond breit und fröhlich an.
"Ich bin im gehei..." Doch Karthull konnte nicht weiter reden denn Beregond war wutentbrannt aufgestanden und mit seiner Eisernen Faust holte er zum Schlag in Karthulls Gesicht aus. Drohend hielt er Karthull mit einer Hand am Kragen fest, die andere zur Faust geballt war bereit bei geringstem Zucken zuzuschlagen. Nahezu zornig und mit verzweifelten Augen schrie er Karthull an: "Sag nicht, ihr Plagen habt den letzten Hoffnungsschimmer der glimmenden Fackel der Freiheit ausgedrückt!" Karthull verstand nicht recht, doch war er bis ins Mark mit Angst erfüllt, denn diesem Mann traute er alles zu. "Sag nicht Dol Amroth ist verloren!" Jetzt leuchtete es Karthull ein. "Das ist ein Missverständnis!" , flüsterte Karthull schnell.
"Dann klärt mich auf!", erwiderte Beregond und ließ seine Faust sinken wie Karthull dachte. Also fuhr er fort: "Ich bin im Auftrag des Fürsten hier und ..." Beregond hatte seine Faust nicht ohne Grunde oder aus Vertrauen gesenkt, denn wie Karthull bedrängt feststellte hatte Beregond nach seinem Schwert am Grütel gegriffen. Karthull wagte nicht weiterzureden, doch als Beregond seine Worte zu verstehen begann erschlaffte er in der Bewegung. Beregonds Worte, "Beweise es!" nahm er ehe Karthull etwas sagen konnte selbst zurück indem er erkannte: "Das hast du ja schon."
Karthull atmete laut seinen angehaltenen Atem aus. "Junge, Junge, da hätte ich dich beinahe ... lassen wir das." Beregond blickte Karthull nun eindringlich an. "Der Fürst hätte keinen unauffälligeren schicken können, wahrlich das sieht ihm ähnlich. Selbst ich habe dich nicht erkannt." Karthull wusste nicht ob er das jetzt als Lob an sich oder dem Fürsten auffassen sollte und obwohl ihm überhaupt nicht dannach zumute war so kurz nach der Hinrichtung und allem was kurz davor passiert war begann er über diese glimpflich ausgegangene Situation zu schmunzeln. Auch Beregond konnte der Ironie des Geschehens ein kopfschüttelndes Lächeln abgewinnen. Doch dann besonnen sich beide und Karthull sagte: "Wir müssen reden."
"Sobald die Wachablösung eintrifft werde ich Zeit haben mit dir zu reden, die Pflicht geht vor."
"In Ordnung, ich glaube ich muss mich auch erst einmal sammlen." , sagte Karthull nun etwas nachdenklicher.
"Triff mich in zwei Stunden am zehnten Haus südlich vom Tor von dem dritten in den vierten Ring. Also im dritten Ring. Und kleide dich nicht anders als gewöhnlich, so bleibst du unerkannt." ,  den letzten Satz hatte Beregond in halbem Befehlston gesagt, für Karthull ein Zeichen, dass er sich wieder gefasst hatte.
"Und wenn die Korsaren wiederkommen?"
"Die Wachen sollten auch in den niederen Ringen wieder an ihren Plätzen sein, die Korsaren würden ein großes Risiko eingehen, dich auf offener Straße anzugreifen. Bis dann!"
"Bis dann..."
Mehrmals drehte sich Karthull zu seinem neuen Bekannten um, als er die nun schon von einigen Menschen vor allem Frauen belebte Straße hinabschritt.
Ich habe gefunden wen ich suchte. Endlich, was er wohl sagen wird und wann ich wieder aus Minas Tirith fortkomme? Oh nein bei all der Aufregung habe ich Krohlon vergessen, ich werde Beregond nach ihm fragen und ihn bald besuchen.
« Letzte Änderung: 26. Aug 2011, 21:24 von PumaYIY »

PumaYIY

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Re: Re:Die Straßen von Minas Tirith
« Antwort #19 am: 27. Jan 2011, 20:29 »
Karthull lief mit einer Menge Gedanken durch die Straße und nun schmerzte seine Seite doch ein wenig. Der Kosar hatte hart zugetreten. Er schlenderte ein wenig hierentlang ein wenig dortentlang und fand schließlich einen Laden, der bei der hereinbrechenden Nacht noch offen hatte. Es gab allerlei Dinge und er wurde direkt von einer jungen Frau begrüßt und nach seinen Wünschen gefragt. Zuerst suchte er sich etwas zu essen aus und als er sich im Verlauf eines Gesprächs mit der dunkelblonden Verkäuferin, mit kleinen blauen Augen und klarer Haut, an seine Seite fasste, weil er den Schmerz spürte, mutmaßte sie direkt eine Wunde und führte ihn zum üppigen Repertoire an Wundverbänden und Heilkräutern. Zuerst freute sich Karthull über dieserlei Aufmerksamkeiten, doch als sie ihn nach einer halben Stunde und vier weiteren gekauften Dingen, wie einem paar Socken und Seife, zum unweit entfernten Schafswolldeckenstand führte wurde er misstrauisch und überprüfte seinen Geldbeutel.
Was?! Knapp die Hälfte meines Geldes hab ich mir nehmen lasse?
"Und hier fühl mal wie weich das ist, das lohnt sich wirklich, wenn mal jemanden zu Besuch kommt." Beim Wort "Besuch" zwinkerte sie Karthull verführerisch zu.
Alles klar. Ich habe mich wohl umgarnen lassen nichts wie raus hier.

Es stimmte wohl, die neuen Socken waren warm, doch die Worte mit denen die Verkäuferin auf Karthulls antwortlosem Weg nach draußen die Waren links und rechts anpries waren heißer. Nun stand er eine Straße weiter, sein Magen knurrte nicht mehr und seine Wunde war versorgt, er hatte warme Socken, ein Stück Seife und kleine Funkelsteine die er Frauen schenken könnte die ihm gefielen in seiner Tasche, doch zum ruhigen Nachdenken war er nicht gekommen und ein Haufen Geld war verprasst. Die Straßen der Stadt waren eben zum Spazieren nicht das selbe wie die Wälder rund, um sein Heimatdorf. Also setzte er sich irgendwo auf eine Bank und versuchte klar durchzublicken.
Dieser Laden ist doch ein reines Bordell. Waren da nicht noch andere Mädchen mit andern Männern, ich wette da steckt ein Konzept hinter. Immer hat sie mir unverschähmt in die Augen geguckt, was konnte ich da anderes machen, oder wollte sie wirklich was von mir? Viele Männer scheint es ja in der Stadt nicht zu geben, vielleicht wollte sie wirklich...?
So ein Quatsch ich bin einfach nur drauf reingefallen, ich sollte nicht mehr darüber nachdenken!
Was soll ich Beregond denn bloß sagen, oder besser wie soll ich es ihm sagen? Hmmm... Am besten stelle ich zuerst die Fragen, die Fürst Imrahil mir aufgetragen hat zu fragen. Wie Beregond wohl reagieren wird? Ich werde es herausfinden müssen. Ach! Wo ist die Zeit geblieben ich muss ja los.

Eine ältere Frau die gerade an ihm vorbeigelaufen war schreckte auf und lief ein wenig schneller, als Karthull noch in Gedanken ruckartig aufgestanden war, um das an Zeit was er vertrödelt hatte wieder aufzuholen. Es war ihm ein wenig peinlich, denn es hatte so gewirkt als hätte er auf die Frau gewartet und wollte sie bedrohen, doch da sie so oder so schon außer Sichtweite war, war es nicht weiter dramatisch.
Die größeren Wege zumindest in den mittleren Ringen kannte Karthull nun schon gut, nur bei den Seitengassen fand er sich ab und zu nicht ganz so zurecht, doch seine Eile wäre nicht von Nöten gewesen, denn schließlich musste er noch eine halbe Stunde am zehnten Haus südlich des Tors vom dritten zum vierten Ring warten. Wieder und wieder hallte diese Treffpunktbeschreibung in Karthulls Kopf nach. Ein wenig hochtrabend klingt das, fasst als wäre ich auf einer Schatzsuche. Karthull lächelte ein wenig als er sich überlegte, dass die Informationen von Beregond wirklich wertvoll wie ein Schatz sein konnten oder wie tausend Menschenleben, wie "Largund Orop" sein Ausbilder in Dol Amroth es ausgedrückt hatte.

So unbelebt, wie Karthull diesen Teil der Stadt in Erinnerung hatte war er nicht, denn immer wieder liefen Menschen in kleinen Gruppen oder vereinzelt in Richtung Süden, seltener kamen welche von dort zurück. Die vielen Beobachter machten Karthull unruhig und er setzte sich in der Gasse zwischen dem neunten und zehnten Haus auf ein Fass und wartete. Einige der Personen erkannte Karthull wieder, doch er wusste nicht sie einzuordnen.
Hätte Karthull die Zeit irgendwie messen können hätte er Beregonds außerordentliche Pünktlichkeit festgestellt und auf Karthulls kecke Behauptung hin er sei zu spät antwortete er gelassen: "Lieber fünf Minuten zu spät, als drei Stunden zu früh." Karthull erkannte, die Tugendhaftigkeit und Weisheit Beregonds, der obwohl Karthull ihm unrecht getan hatte nicht auf seinem Recht beharrte.
"Nun zu wichtigeren Dingen. Es ist gut, dass du in der Gasse gewartet hast zum ruhigen Reden sollten wir dorthin zurückkehren." Karthull war als er Beregond gesehen hatte aufgestanden und auf ihn zugekommen, der hatte seine Rüstung abgelegt und doch sah man seine starke Statur, die er unter gewöhnlichen Kleidern wie sie viele in Minas Tirith trugen zu verstecken gedachte.
"Also:" , Beregond begann zu sprechen, als sie sich versichert hatten, dass niemand in Hörweite war. "Nun erläutere mir deinen Auftrag und Erkläre mir die Einzelheiten von Imrahils Wünschen. Nicht ohne Grund offenbart er einen Teil seiner Geheimnisse einem Fremden an."
Also erzählte Karthull, doch als sein Gegenüber immer nachhacken musste begann er schließlich die Geschichte mit seinem Aufbruch und dem Tod seines Vaters erneut und ausführlicher. Nun verstand Beregond Karthulls Motivation und seinen Antrieb für die Sache der Getreuen zu arbeiten. Zu den Aufträgen die der Fürst ihm gegeben hatte äußerte Beregond sich nicht, vielmehr deutete er Karthull an abzuwarten.
Während des langen Gesprächs beachteten sie die vorbeilaufenden Menschen nicht weiter, doch hätten sie das getan wären ihn viele dreier, vierer Gruppen und solche mit mehr oder weniger Menschen aufgefallen. Als Karthull geendet hatte und nun nocheinmal verzweifelt Beregonds Antwort erwartete, gebot der ihm zu schweigen. "Glaubst du ich könnte für eine ganze Stadt entscheiden oder für ein ganzes Volk? Ich bin kein Truchsess, sondern ein Hauptmann. Also hier zieh dir das über wir werden eine kleine Gesellschaft aufsuchen, in der du mehr erfährst." Und so führte Beregond Karthull, der nun seine kosarische Herkunft unter einem Kapuzenmantel verbergen konnte in die gleiche Richtung wie die anderen Grüppchen, hinein in ein altes Haus.


Karthull und Beregond in das Versteck der Getreuen des Königs
« Letzte Änderung: 12. Feb 2016, 08:41 von Fine »

Thorondor the Eagle

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Re: Die Straßen von Minas Tirith
« Antwort #20 am: 6. Mär 2011, 21:33 »
Elea vom Brunnenhof und der Zitadelle


Stolz und Zufriedenheit übermannte Elea als sie die Zitadelle durch das Tor in den sechsten Ring verlies. Immer wieder spielte sie den Dialog innerlich durch und je öfter sie ihre Worte hörte umso überzeugter und selbstzufriedener fühlte sie sich. Die graue, trostlose Umgebung hatte sie völlig außer Acht gelassen und sie wäre ihr bestimmt länger nicht aufgefallen, hätte sie nicht jemand brutal am Arm gezogen und dabei ihren Ärmel zerrissen.
Elea sah die Faust auf sich zukommen und spürte nur noch den unerträglichen Schmerz in ihrer Wange. „Heuchlerin!“, beschimpfte sie eine männliche Stimme „Traust dich alleine hier heraus.“ Sie spürte wie er ihre Hände packte und hinter ihrem Rücken verschränkte.

„Schaut diese dreckige Verräterin“, brüllte er über die Straße und stieß sie skrupellos vor sich her wie eine Sklavin. „SIE sollte hängen“, schrie eine etwas höhere Stimme. „Ja, hängt sie, nichts anderes hat dieses Weib verdient.“
„Oh ja, der Galgen wäre ihre gerechte Strafe, doch gerechte Strafen gibt es hier nicht. Selbst müssen wir Hand anlegen; für die Gerechtigkeit“, dröhnte seine Stimme an Eleas Ohr vorbei, anschließend flüsterte er: „Wer einen Pakt mit der Dunkelheit eingeht hat kein anderes Schicksal verdient!“
Ein pochender Schmerz durchzuckte ihren Brustkorb, nachdem sie einen weniger harten aber präzisen Schlag in die Rippen bekam. Elea wollte sich zusammenkauern und am Boden liegen, doch die starken Hände hatten sie unter Kontrolle. Sie spürte wie ihr jemand ins Gesicht spuckte und wie sie von allen Seiten gedrängt und gestoßen wurde, bis sich der Griff plötzlich löste und sie durch einen kräftigen Schlag zu Boden fiel. Instinktiv hielt sie sich die Hände vor ihr Gesicht und rollte ihren Körper zusammen.
Ein Tritt nach dem anderen hämmerte gegen ihren Rücken, ihre Beine und Hände und manche auch gegen ihren Kopf. Fremde Hände zwickten Sie in die Hüfte und rissen an ihrem Kleid bis sie beinahe komplett entblößt auf der Straße lag.

„Haltet sie auf“, ertönte nun eine laute Stimme über die Straße. In ihrer Angst schottete sich Elea ab und hörte kaum das Klirren der Rüstungen. Eine warme Flüssigkeit spritzte auf ihre Haut und ein schwerer Körper fiel auf sie drauf. Eiskalt war die Hand, die sie unter der Schulter packte und nach oben zog: „Herrin? Herrin?“
Die Dunedain hielt sich nur schwer auf ihren Beinen. „Ich bringe euch nachhause!“, hörte sie eine Stimme.
„N… N… Nein i… ich ka… kann nicht“, stotterte Elea und wollte sich wieder auf den Boden setzten.
„Bleibt stehen, bleibt! Ich bringe euch an einen sicheren Ort, er ist gleich hier drüben. Ihr müsst nur ein paar Schritte gehen“, flehte sie der Mann förmlich an.

Sie spürte wie sie die stützende Hand in eine Richtung drängte. Elea setzte einen Fuß vor den anderen, doch jeder Schritt tat höllisch weh in ihrer Hüfte. Die frühlingshafte Kälte biss sich durch ihre weiße Haut, doch schon nach einigen Metern erreichten Sie eine Eingangstür. Sachte legte sie der Fremde in ein Bett und deckte sie mit einer dicken Felldecke zu. Er holte etwas Holz aus dem Speicher und legte es in den offenen Kamin am Bett. Elea weinte bitterlich. Jeder Teil ihres Körpers schmerzte und es dauerte sehr lange bis sie schließlich im roten Schein der Glut einschlief.


Elea in ein Herrenhaus im fünften Ring
« Letzte Änderung: 19. Feb 2016, 13:09 von Fine »
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Re: Re:Die Straßen von Minas Tirith
« Antwort #21 am: 7. Mär 2011, 00:09 »
Karthull und Beregond von der Kaserne im dritten Ring


Hat er wirklich vor mit mir zum Hängenden zu gehen? Ich war seit der Hinrichtung nicht mehr dort. Beide liefen durch das Tor hinab in den ersten Ring und Beregond ließ von seinem schnellen Schritt etwas ab, grüßte und schritt unscheinbar, seine Hand über einem Geländer schleifend den Weg hinab. Erst als sie unten angelangt waren schaute er Karthull etwas argwöhnisch an und sagte: "Du musst ruhig sein! Und darfst keine Angst haben." Es ging nicht direkt zum Platz sondern Beregond führte Karthull erst durch zwei abgelegene Gassen in denen sich außer ihnen nur ein paar Kinder und einige Frauen aufhielten. "Also." Beregond reichte Karthull drei Veilchen, je eine blaue eine violette und eine fast weisse. "Nimm die und tu es wie du es für richtig hälst. Ich werde versuchen unauffällig durch die Leute zu schlendern, dann ganz nebensächlich und doch bestimmt bücke ich mich und lege die Blumen nieder." Und schon war Beregond verschwunden, er hatte Karthull die Wahl gelassen und dieser musste einsehen, dass alles was er jetzt zu tun gedachte in seiner eigenen Verantwortung stand. Wenn sie mich kriegen stehe ich allein, wenn ich mich nicht traue auch. Ein Zwang war es nicht und doch übte Beregonds schnelles Verschwinden einen enormen Druck auf Karthull aus. Zitternd und unterkühlt durch die eisige Luft in der dunklen Gasse stand er da, bestimmt nicht länger als zehn Sekunden, die Blumen offen in seiner Hand, da kam eine ältere Frau vorbei und sagte: "So aufgeregt? Das Mädchen dazu will ich mal sehen..." und ging weiter.
Ein kurzer Blick um die Ecke auf den Platz und dann riss Karthull sich zusammen und ging etwas unsicher aber dennoch ohne zögern auf den Erhängten zu, die Blumen versteckte er bis zum Ankommen doch lieber unter der Jacke. Die Umrisse der Leute um ihn verschwommen, der Marktplatz war mäßig gefüllt, vereinzelt waren Stände aufgebaut worden. Kurz vor dem Galgen verlangsamte Karthull seine Schritte und griff mit der rechten Hand behutsam unter seine Weste. Er spürte die Frische der Blumen und bemerkte ihren wunderbaren Geruch.
Fünf Schritte noch... Er fixierte den Galgen und die davorgelegten Blumen. Es waren etwa zehn oder zwanzig Blumen, fünf davon erkannte er von Beregond. Ich werde sicher beobachtet! Ein letztes Mal lies Karthull seinen Blick über die Schulter schweifen und auch den rechten Bereich neben dem Galgen beobachtete er blitzartig. Dann kam er an.
Besser er musste abrupt stoppen um nicht mit einer jungen Frau zusammenzustoßen, dass sich links an ihm vorbeigedrängelt hatte und nun auch stehengeblieben war. Die Frau blickte den Erhängten kurz an schaute nach rechts, übersah Karthull, da er nun direkt hinter ihr stand, und warf schnell drei leuchtend farbige Krokusse zu den anderen Blumen. Karthull war überrascht und etwas gelähmt vom Mut der jungen Frau, doch viel verwunderter war sie als sie seinen Blick sah und ihn so dicht hinter ihr sah. Ihr Kapuzenumhang drehte sich in Sekundenschnelle und nur Sekundenbruchteile sah Karthull ihre feinen Gesichtszüge. Es waren die selben, wie die der Frau, die er nach dem Steinwurf bei der Hinrichtung verfolgt hatte. Hastig verschwand die Frau im Getümmel und Karthull stand ein wenig unbeholfen da. Verwirrt blickte er ihr nach besonn sich dann jedoch und legte schnell die Blumen nieder und tauchte in der Menge unter.
Karthulls ursprüngliche Befürchtungen stimmten wohl, einige Blicke hatten das seltsame Ritual der Wertschätzung mitbekommen und verwundert oder angetan innegehalten, doch das interessierte Karthull jetzt nicht mehr. Vielmehr achtete er auf einen braungrünen Kapuzenumhang, den er unter der Vielzahl an Menschen und Orks nicht mehr auszumachen vermochte.
Nach einer längeren Weile des Suchens und Stromerns auf dem Markt packte ihn eine Hand von hinten an der Schulter. "Ich dachte es wäre klar, dass wir uns dannach wieder in der Gasse treffen..." , es lag kein Vorwurf in Beregonds Worten. "Es ist spät du solltest zurück zur Kaserne. Krohlon wartet sicher auf dich."
"So ein Mist, ich hatte Krohlon, versprochen nur kurz weg zu sein."


Karthull alleine zur Kaserne im dritten Ring
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Re: Re:Die Straßen von Minas Tirith
« Antwort #22 am: 3. Apr 2011, 20:43 »
Karthull aus der Kaserne im dritten Ring


An diesem vierten Tag der Überwachung des Galgens waren die Korsaren nun schon etwas genervt von der Tatsache, dass sie trotz ihrer vielen Ideen noch niemanden beim Niederlegen einer Blume erwischt hatten. Karthull hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch keine Möglichkeit gehabt Beregond zu warnen, doch war er fest entschlossen es zu tun sobald sich ein bischen Freiraum ergab.
In einer losen Gruppe liefen die zehn jungen Männer und Karthull die Straßen hinab in den ersten Ring. Am schon gut gefüllten Marktplatz angekommen nickte Karthull allen noch einmal zu und jeder wusste was zu tun war. Fast schon gewöhnlich reihte er sich in den Strom der Menschen ein, doch er ging nicht direkt zum Galgen, denn er trauten seinen Leuten zu auch eine Weile ohne ihn zurecht zu kommen. Für gewöhnlich machten immer fünf Pause oder schauten aus weiterer Entfernung auf den Galgen während die anderen in relativer Nähe zum Galgen verblieben. Die Korsaren tauschten alle halbe Stunde ihre Positionen.
Karthull wollte noch ein paar Leckereien ergattern und er wusste auch, dass es die in größter Auswahl und Qualität ganz früh am Morgen gab. Die Süße der Teigwaren einer kräftigen Bäckerin die an fast jedem Markttag an derselben Stelle stand hatten ihn eigentlich zu seinem Umweg verführt doch an diesem Tag war an der Stelle nur ein Stand mit stinkendem Fisch und einer Reihe ärmlich gekleideter Kundschaft.
Hab ich mich in der Gasse geirrt? Aber nein, dass kann nicht sein. Der Wachturm hat wenn ich von hier geschaut habe immer mit der Spitze über das Standdach geragt, genau wie heute. Hmm... Vermutlich muss ich mir etwas anderes suchen.
So verging eine halbe Stunde bis Karthull zu seinen Spitzeln kam, die ruhig wie eh und je herumsaßen und die Vielzahl der Menschen und vereinzelt auch Orks betrachteten. Alle Dinge liefen ihren Weg und schon näherten sie sich der Mittagszeit, als plötzlich drei Gestalten mit verhüllten Gesichtern auf den Platz traten. Sie schienen nicht zueinander zu gehören, doch fielen sie Karthull durch ihre ungewöhnlich gewöhnliche Kleidung auf, auch dadurch, dass sie die gleichen Waldläuferkapuzen ins Gesicht gezogen hatten und weil sie sich im wirren Strom der Leute paralell in die gleiche Richtung bewegten, zum Galgen hin.
Die sehen aus wie von der Versammlung der Getreuen, verdammt! Da soll ich die eigenen Leute fangen und hab die übereifrigen Korsaren im Rücken. Karthull nahm unbewusst Blickkontakt auf um zu sehen ob die Korsaren sie auch gesehen hatten und er bereute es sofort. Ihn erwarteten fragende Blicke die so viel sagten wie: "Auf dein Komando." Oder: "Wann gehts los?"
Jetzt kann ich nicht mehr so tun als hätte ich sie nicht gesehen. Was soll ich nur tun? Ich muss meine Deckung aufrecht erhalten und den Befehl geben.
Ein Verdächtiger war nun unmittelbar vor dem Galgen und bückte sich, die Zeichen waren für die Korsaren eindeutig. Zwei von ihnen standen entschlossen auf. Der Auftrag war klar: "Folgen und unauffällig überwältigen!" Auch Karthulls Hoffnungen, dass die Absprache unter den Korsaren nicht funktionieren würden und sie alle einem Täter hinterherrennen würden erfüllte sich nicht. Der nächste legte eine schöne zierliche Blume auf den Boden und verbeugte sich kurz vor dem leblosen Körper des ehemaligen Stadtrates. Auch ihm folgten zwei Korsaren, doch bei dem letzten Verdächtigen, einer etwas kleineren Person, die jedoch anmutiger ging als die anderen war nur noch ein Kosar übrig. Dieser schaute Karthull eindringlich an, der allerdings erst reichlich spät zu verstehen schien. Weil fünf von zehn Korsaren nicht im Blickfeld waren sollte er bei der Verfolgung mithelfen.
Oh nein! Muss ich wirklich mit der eigenen Hand Täter des Unrechts werden und den da niederhauen? Mit einem unangenehmen Zucken durch seinen Körper schüttelte Karthull jegliche Schuldgefühle und Überlegungen ab und stand auf.
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Re: Re:Die Straßen von Minas Tirith
« Antwort #23 am: 6. Apr 2011, 20:02 »
Die Person die Karthull und der andere Kosar verfolgten verließ den Markt zügig und schaute sich nicht um. Karthull blieb in einem Abstand von etwa zehn Metern in denen sich viele andere Menschen drängten, der Kosar blieb etwas dichter dran.
Bis zum Tor in den zweiten Ring waren sie immer von anderen Menschen umgeben und es hatte sich noch keine offensichtliche Möglichkeit ergeben den Verdächtigen zur Rede zu stellen. Als sie das Tor passierten waren beide Verfolger unmittelbar hinter der Person und liefen nebeneinander. Eine Kontrolle durch die Wachen warteten sie genauso geduldig ab wie der Verfolgte. Kurz nach dem Tor, als die Straße menschenleer schien zog der Kosar ein Messer aus seiner Tasche und sagte etwas zu laut: "Jetzt oder nie!"
Der Verfolgte drehte sich um und sah zwei Korsaren mit einem Messer in der Hand die plötzlich aufblickten. "Du schon wieder." Karthull erkannte das Gesicht der jungen Frau die er bereits am Tag der Hinrichtung verfolgt hatte, weil sie einen Stein auf Korsaren geworfen hatte, dannach hatte er sie auch gesehen als sie beim Galgen Blumen niedergelegt hatte. Sie gehört wohl zu den Getreuen. Ihre blauen Augen fixierten die beiden, sie schien zu überlegen, nur für Sekundenbruchteile, dann rannte sie los. Doch lief sie nicht weg, unerwartet ging sie auf Karthulls Kameraden los, der spielerisch sein Messer bereithielt. Ein paar Schritte noch, dann würde das Messer ihre liebliche Haut zerreißen, dessen war sich Karthull sicher.
"Nein!" , brüllte er und rammte den Korsaren mit seiner Schulter zur Seite verblüfft fiel der zu Boden und nun auch Karthull, den ein mächtiger Hieb der Frau in der Magengegend traf. Irritiert hielt die Frau kurz inne, doch dann besann sie sich und sprintete los in Richtung Westen. Das ist eine Sackgasse.
Der Kosar und Karthull rappelten sich schnell auf und nahmen die Verfolgung auf. "Was sollte das eben?" , keuchte der Kosar empört. "Ich hätte sie aufgeschlitzt!"
Oh Mann was sag ich jetzt? Ah ja. "Herumor will sie lebend, damit sie ihre Freunde verraten kann!"
"Dann sag das vorher." , knurrte der Kosar. Karthulls Aktion schien nichts gebracht zu haben, denn sie holten langsam auf und die Frau war nur noch zehn Meter vor ihnen. Der Kosar war etwas schneller als Karthull, doch auch ungeschickter, denn als er die Verfolgte gerade gepackt hatte stolperte er und fiel mit ihrem Umhang, den sie wohl in letzter Sekunde losgemacht hatte, zu Boden. Jetzt konnte Karthull ihr goldenes Haar sehen, dass die Strahlen der nun schon warmen Mittagssonne reflektierte und wild durch die Luft flatterte, er meinte sogar ihren Duft wahrnehmen zu können.
Der Kosar stand nur langsam auf und seine Beine schmerzten wohl nach dem erneuten Sturz zusehr um an einer solch rasenden Verfolgungsjagd teilzunehmen.
Jetzt kann ich sie packen. Aber was dann? Was soll ich machen? Unzählbar schnell rannten auch Gedankenfetzen in Karthulls Gehirn hin und her. Er versuchte  mit beiden Händen um den Bauch der Frau zu greifen um sie festzuhalten, traute sich dann doch nicht und kniff sie letztlich nur in die Seite. Doch auch das schien zu viel für die Frau zu sein und sie fiel. Das passierte als sie schon außerhalb des Blickfeldes vom Korsaren waren. Nun lag sie auf dem Boden und Karthull stand daneben und blickte erschöpft auf sie. Er schaute sich rasch um und dachte kurz nach. Das ist es!
"Komm schnell!", flüsterte er und zog sie an ihren Armen hoch, doch als sie stand holte die verwirrte Frau zum Schlag aus und der ebenso verwirrte Karthull spürte, dass sie seine Wange dieses Mal blutig geschlagen hatte. "Entschuldigung, aber wieso?" , die Frau war verwirrt, als Karthull sich nicht direkt wehrte. "Dafür ist jetzt keine Zeit." , rief er ihr zu und nahm sie bei der Hand, denn er hatte einen Plan. Rasch lief er weiter  Richtung Westen in ein Viertel leerstehender Häuser und bog nach links ein. "Wohin willst du?" , fragte die Frau die sich mit ihrer sanften Hand nun an Karthull festhielt. "Warte noch, einen Moment... Hier sieht es gut aus."
"Was, wofür?"
"Versteck dich im Haus ich versuche den Kosar auf die falsche Fährte zu locken!" Gemeinsam stießen sie die Tür eines am Rande der Gasse stehenden Hauses auf und die Frau lief hinein. Einen Moment schaute Karthull ihr nach, sie drehte sich um und hauchte ein leises "Danke", nickte ihm zu und schloss die Tür.
Nun rannte Karthull weiter zur den Ring nach unten begrenzenden Mauer. Er stellte sich direkt an die Brüstung und schaute hinab.
Ein Glück hatte ich es recht in Erinnerung! Die Wassermassen des unteren Wasserreservoirs der Stadt schillertem rund zwanzig Meter unter ihm im Glanz der Sonne und blendeten ihn. Als er sich umdrehte sah der den Korsaren auf ihn zukommen. "Die ist ja irre!" , spielte Karthull den Verblüfften. "Was? Was ist passiert? Wo ist sie?"
"Komm und sieh selbst wenn sie noch da ist. Ich hatte sie fast, dann hat sie sich über die Brüstung gestürzt."
"Was, dann ist sie also Tod? Na wenigstens die gerechte Strafe!" , antwortete der Kosar und humpelte auf ihn zu , seine Knie waren auf dem harten Pflaster blutig geschürft worden. "Nein, nicht einmal das, sie ist entwischt. Sieh selbst! Sie ist herunter gesprungen und..."
"Das glaub ich einfach nicht, diese Hexe! Das ist ja so hoch wie ein Sprung vom Segelmast."
"Ich kann sie nicht mehr sehen, die Sonne blendet so, aber man muss ihr lassen sie hat ganz schön Mumm in den Knochen."
"Das stimmt wohl, komm lass uns sehen wie viel Erfolg die anderen hatten."
"In Ordnung."
Einen Blick auf das Haus in dem die flüchtige Frau war traute sich Karthull noch und ein unbeschreibliches Gefühl der Tugendhaftigkeit und des Verdienstes machten sich in ihm breit. Aber auch der Gedanke an die Frau ließ Karthulls Herz höher schlagen. Es fiel ihm schwer diese Gefühle zu unterdrücken und verheimlichen, doch der Kosar war auch zusehr mit seinem Bein beschäftigt als, dass ihm Karthulls halb verkniffenes selbstgefälliges Grinsen aufgefallen wäre.
Dann verließen beide die Gasse und gingen direkt zur Kaserne, denn nun war die Zeit des Schichtwechsels schon verstrichen und sie erwarteten ihre Kameraden an der Kaserne.


Karthull zur Kaserne im dritten Ring
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Thorondor the Eagle

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Re: Die Straßen von Minas Tirith
« Antwort #24 am: 26. Apr 2011, 06:42 »
Brianna, Paola und Elea vom Haus der Kurtisanen


Der Tag verging wie im Fluge und die Nervosität in Elea stieg und stieg. Sie wollte sich gar nicht ausmalen was Herumor mit ihr anstellen würde, wenn er sie erwischt. Langsam wurde auch der graue Schleier der Dämmerung schwarz und die Nacht brach herein. Wenige Fackeln beleuchteten die verstummten Straßen. Laute Aufschreie waren aus den unteren drei Ringen zu hören. Duzende Soldaten liefen die Straße hinab geradewegs an Elea, Brianna und Paola vorbei. Die Gasse in der sie saßen war stockdunkel und sie wagten es kaum zu atmen.

Ihr Blick richtete sich auf die gegenüberliegende Häuserfront, die von den alten Bäumen versteckt war. Seit dem Vorfall in den Heilhäusern brannte hier kein Licht mehr. Vielfach reflektierte der Schein des Feuers in den Helmen der Wächter und wie das Firmament voll glänzender Sterne erschien es Elea, doch unaufhörlich liefen sie weiter und verblassten in der Ferne.

Ein Soldat fiel plötzlich aus der Reihe. Für einen Moment glaubte Elea er kam auf sie zu, doch dann wurde seine Silhouette ein wenig kleiner. An der Mauer entzündete er eine Fackel und rammte sie mit voller Wucht in den trockenen Erdboden neben den Heilhäusern. In eiligem Schritt versuchte er dem Rest der Truppe zu folgen.

„Beregond hat seine Sache erledigt. Auf geht’s“, flüsterte Elea und lief die Hausmauer entlang.


Brianna, Paola und Elea in die Verliese
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Re: Re:Die Straßen von Minas Tirith
« Antwort #25 am: 15. Mai 2011, 19:50 »
Brianna, Paola, Araloth, Elea und Ioreth von den Verließen


Außer Puste rasteten die Flüchtlinge und Brianna half Araloth sich auf ein paar Stufen zu setzen. Er sah fürchterlich aus. Hunderte kleiner Schnitte entstellten sein jugendliches Gesicht und verkrustetes Blut zog sich wie ein Mantel über seine Wangen. Seine sonst so glänzenden pechschwarzen Haare waren verfilzt und voller Dreck.
„ Oh Liebster“, flüsterte Brianna und sie schämte sich für den mitleidsschwangeren Ton, den sie angeschlagen hatte.
„ Ich muss ja blendend aussehen“, röchelte Araloth und versuchte zu Grinsen, wobei er jedoch schmerzverzehrt drein blickte.
Tränen stiegen Brianna in die Augen und sie kramte in den Beutel nach einem Tuch, worauf sie ein paar Tropfen desinfizierenden Alkohol träufelte und anfing Araloths Hände und Gesicht und Blut und Schmutz zu säubern. Liebevoll tupfte sie die Wunden und entlang, während Araloth mit geschlossenen Augen ruhte. Er verzog kaum eine Mine und genoss die Nähe zu seiner Geliebten.

Soll ich ihm davon erzählen, oder nicht?, dachte Brianna und streichelte sich mehrmals flüchtig über den Bauch, als hoffte sie Araloth würde sie von selbst darum bitten.

Die anderen hielten sich abseits von ihnen auf und flüsterten angestrengt miteinander. Brianna verstand nur Wortfetzen und es interessierte sie auch nicht. Und wenn um sie herum Heerscharen von Orks gestanden hätten, sie wollte jetzt nur Allein sein mit Araloth, den Vater ihres Kindes.

„ Ich…ich…“, fing Brianna an zu stammeln als sie Tuch und Alkohol wieder einpackte. Viel hatte es nicht geholfen, aber immerhin waren die meisten Wundern gesäubert und von Schmutz und Blut gesäubert worden, „…ach unwichtig!“.
Araloth lächelte nahm seine großen Hände und streichelte Brianna über die Wangen, bevor er sie innig küsste.
„ Ich habe dich so vermisst Liebste. Beregond brachte mir ab und zu Kunde von dir, ob du wohl auf warst. Ständig war ich bei dir!“.
Seine Meergrauen Augen musterten Briannas, die trübselig zu Boden blickte.
„ Schatz was ist denn los?“, fragte er sie aufmunternd und fuhr ihr durchs braune Haar.
„ Ach…ich…ich frage mich nur, was sie dir alles angetan haben müssen. Du siehst fürchterlich aus.“
Araloth blickte voll Scham zu Boden und eine strenge Schnitte durschnitt die Stille.
„ Dinge, die jeden Mann erniedrigen würden und die du dir nicht einmal vorstellen kannst, Kindchen“, entgegnete Ioreth.
Brianna blickte in das runzlige, alte Gesicht, welches sie schon so oft in den Heilhäusern gemustert hatte und beließ es bei einem Nicken. Selbst nach dem Aufenthalt in den Verließen und den Erniedrigungen, die sie erfahren haben musste, war sie noch immer so stur und standfest, wie eh und je.

„ Ich unterbreche euer Wiedersehen ja nur recht unwillig, aber wir müssen weiter und dafür sorgen, dass Ioreth und Araloth die Stadt verlassen können“, fuhr Paola, die mit verschränkten Armen im Halbdunkel der Gasse stand, die Unterhaltung der übrigen vier.
„ WAS?!“, fuhren Elea und Brianna gleichzeitig auf, was beide zu einem flüchtigen Lächeln brachte.
„ Nein, nein, nein. Ich möchte Araloth nicht schon wieder gehen lassen, wo soll er denn überhaupt hin?“. Briannas Worte überschlugen sich fast, während sie ratlos von Paola zu Araloth und Ioreth blickte.
„ Nach Dol Amroth“, stellte Araloth entschlossen fest und richtete sich langsam und sichtlich unter Schmerzen auf.
Vollkommen schockiert drehte sich Brianna zu dem hochgewachsenen Mann aus der Schwanenstadt um und es kam ihr voll, als hätte er ihr ein Messer in den Rücken gerammt.
„ Ab…Ab…Aber Schatz“, wisperte sie und Tränen stiegen ihr in die Augen, die sie mit einer unscheinbaren Handbewegung vertrieb.
„ Er ist hier nichtmehr sicher Brianna, glaub mir“, sagte Elea und legte ihre Hand auf Briannas Schulter.
„ FASS mich nicht an!“, schrie Brianna und schlag Eleas Hand weg, welche sie erschrocken zurückzog, „ Du hast mir hier überhaupt nichts zu sagen. Wegen dir sind Ioreth und Araloth doch in dieser Situation!“

Brianna kochte nun vor Wut, aber keiner der Anwesenden schien ihr zu helfen. Ioreth und Paola mieden ihren Blick, während Araloth sie mit gütigen Dackelaugen anblickte.
„ Schatz…Brianna beruhige dich“, flüsterte er liebevoll und nahm Brianna in den Arm, „ wir werden uns sicherlich wieder sehen, aber hier ist es zu gefährlich für mich und ich bringe dich dadurch nur in Gefahr. Dol Amroth brauch mich nun viel mehr! Weißt du warum ich weiß, dass wir uns wieder sehen?“, er machte eine Pause und blickte Brianna tief in die Augen, „weil ich dich liebe! Ich liebe dich so sehr, dass ich die Folter in den Verließen überstand!“

Brianna schluchzte und gab sich der Umarmung vollends hin, „ Ich liebe dich auch!“.

„ Können wir dann endlich weitermachen?“, sagte Paola mit genervter Stimmlage.
Brianna nickte, aber alle wandten sich zu Elea um, als diese verhalten „Nein“ sagte.
« Letzte Änderung: 19. Feb 2016, 13:12 von Fine »


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Thorondor the Eagle

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Re: Re:Die Straßen von Minas Tirith
« Antwort #26 am: 29. Mai 2011, 16:15 »
Das „Nein“ hallte noch lange durch ihren Kopf, denn er war leer. Die letzten Tage verbrachte Elea damit Pläne für die Zukunft zu schmieden. Immer wieder verfolgte sie ein Ziel und beschritt dabei viele Pfade. Die meisten endeten in ihrer Vorstellung mit dem Galgen, doch wenige führten sie tatsächlich ans Ziel, wenn auch über viele Umwege und durch dunkle, verruchte Gassen. Doch mit einem Male, mit einem einzigen Wort, zerfiel alles zu Asche. „Verlassen“, ein Wort, das die Dunedain nur all zu oft gehört hatte und dessen Konsequenzen sie immer ertragen musste.

Verunsichert starrten immer noch alle auf Elea, doch der unangenehmste Blick kam von Ioreth: Leid, Kummer, Mitgefühl aber auch Argwohn sah sie in ihren schwarz wirkenden Augen.
„… nein“, murmelte die Frau nochmals in sich hinein, eher sie ihre Gedanken ein wenig geordnet hatte um ihren Standpunkt klar zu machen.
„Ioreth, du kannst nicht gehen. Nicht jetzt.“
„Warum nicht? Soll ich mich von Herumor und seinem dunklen Verbündeten hinrichten lassen?“
„Wir werden dich verstecken! ICH werde dich beschützten vor seiner grausamen Hand. Die Stadt und ganz Gondor stehen am Abgrund. Die allesverschlingende Dunkelheit aus dem Osten hat so starke Zweifel gesät, dass sich das Volk entzweit. Wir brauchen dich. Deshalb haben wir dich befreit. Du hast die Getreuen zusammen gehalten, hast ihnen Fehler aufgezeigt und den Weg gewiesen. Du warst für sie da und hast dich geopfert, damit die anderen fliehen konnten. Mit dir an ihrer Spitze können wir die Stadt befreien.“
Eine lange Minute Schweigen breitete sich in der engen Gasse aus. Ein unruhiges Rumoren war aus den tieferen Ringen zu hören; hin und wieder auch ein deutliches Klirren von Schwertern. Ioreth sah verwundert auf Paola, die hoffnungslos den Kopf schüttelte.
„Du weißt, wie es ist in diesen Verliesen gefangen zu sein“, begann die Alte „In den endlosen Nächten hungernd und durstend gegen die Einsamkeit zu kämpfen. Es war grauenvoll die Foltern zu ertragen ohne jegliche Hoffnung jemals wieder das Licht der Sterne zu erblicken oder jene warmen Strahlen der Sonne, die all zu selten durch diese dichte Wolkendecke brechen. Ich war lange dort und hatte viel Zeit zu überlegen. Ich bereue die Rolle nicht, die ich in den Reihen der Getreuen gespielt habe. Nichts sehnlicher wünsche ich mir als ein freies Gondor, den König auf dem Throne… ach wie gerne würde ich ein letztes Mal sein edles Antlitz erblicken. Doch jede Rolle hat seinen Beginn, seinen Höhepunkt und schließlich sein Ende in der Geschichte. Und meine schließt hier ab. Ich weiß, dass ich mit meinen Taten, vielleicht auch mit meinem Leben, am Ende bin und ich bin nicht zu Stolz um das Zepter rechtzeitig abzugeben.“
Elea war wütend als sie die Worte aus dem Mund der Alten hörte. Es war, als wäre ihr Geist gebrochen, ihr Mut und ihre Hoffnung verloren.
„Und wer soll eine solch große Rolle übernehmen?“
„Meine liebe Elea… Das hast du doch schon längst. Du hast all dies eingefädelt um uns die Freiheit zu schenken. Du hast die Hoffnung bis heute nicht aufgegeben, hast dich deinem größten Feind entgegen gestellt und wirst ihn noch bezwingen.“
„Aber das will ich nicht… Das kann ich nicht, ohne dich schon gar nicht.“
Schmerzgeplagt erhob sich Ioreth und strich mit ihrer knochigen Hand durch Eleas Haar: „Auch die Dunkelheit hat ihre gute Seiten, sie formt aus einfachen, unscheinbaren Menschen die größten Helden. Ich bin mir sicher, dass du dies schaffst. Gib den Mut deines Herzens an deine Mitstreiter weiter und lass sie an deinen hoffnungsvollen Gedanken teilhaben. Oft reichen diese mächtigen Werkzeuge um über jeglichen Zweifel erhaben zu sein.“

Elea umschloss die alte Dame mit festem Griff. Es war die Akzeptanz und die Gewissheit, dass sie ihre Verbündete nie weder sehen würde, die sie zum Weinen brachte: „Wo wirst du hingehen?“
„Nachhause“, sagte Ioreth und lächelte dabei „Ich werde die grünen Blätter von Lossarnach sehen, den süßen Duft der Rosen riechen und die blühenden Wiesen unter meinen Füßen spüren – ich werde mich in meiner Jugend wiederfinden. Und wer weiß, wenn ich wiederkehre in die Stadt des Königs, vielleicht erfüllt sich dann mein letzter Wunsch und ich sehe König Elessar auf dem Thron und seine unbezwingbare Base steht ihm mit Rat und Tat zur Seite.“
Ein letztes Mal presste Elea sich nochmals in die Schulter von Ioreth.
„Lass uns jetzt gehen, Elea“, flüsterte ihr die silberhaarige Frau ins Ohr.
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Re: Re:Die Straßen von Minas Tirith
« Antwort #27 am: 7. Jun 2011, 22:09 »
Fluchtartig verließ der Trupp die dunkle Gasse, um sogleich wieder in der nächsten zu verschwinden. Die Unruhen waren lauter geworden. Die Soldaten haben es gerade noch geschafft, die oberen 4 Ringe zu versiegeln ehe die revoltierende Menge weiter vordrang. So war es im oberen Teil der Stadt sehr ruhig und die Ausgebrochenen kamen zügig voran, bis sie das obere Ende des dritten Ring erreichten.

Araloth wagte einen kurzen Blick über die schützende Brüstung und sah in die Tiefe: „Ab hier wird es wohl sehr schwierig.“
„Was geht dort unten vor?“, fragte Ioreth neugierig.
„Viele Häuser stehen in Flammen, auf den Straßen kämpfen Männer  - Ostlinge, Südländer, junge Männer und Greise, Soldaten mit dem Banner von Gondor und alle gegeneinander. Es ist schwer zu erkennen wer auf welcher Seite steht.“
„Ich denke, es gibt keine Seiten mehr in diesem Krieg. Viele kämpfen für Freiheit, andere für Unterdrückung und die meisten nur aus Zorn. Selbst wenn wir diese Mauer überqueren, wird es unmöglich sein bis an die Stadtgrenze zu kommen. Da unten gibt es niemanden der hinter uns steht“, mischte sich Elea nun ein.
„So gut hat euer Plan funktioniert, doch hier stehen wir an. Das Schicksal hat uns wohl einen Strich durch die Rechnung gemacht“, sagte die alte Ioreth, beinahe etwas hoffnungslos.
„Ich fürchte es war kein Schicksal, sondern ein Teil unseres Vorhabens. Es begann mit kleinen geplanten Sticheleien, doch der Zorn in den Menschen ist größer als wir dachten. Was können wir nur tun?“, entgegnete die Dunedain.
„Gar nichts. Gar nichts. Einen rollenden Stein kann man nicht aufhalten. Wir gehen dort hinunter und werden uns durchschlagen oder es zumindest versuchen. Vieles haben wir heute Nacht verbrochen wofür uns der Galgen droht drum werden wir hier nicht Halt machen“, sagte Ioreth und die alt bekannte Entschlossenheit war wieder in sie zurückgekehrt.
„Durch das Tor können wir nicht marschieren, doch dort drüben haben wir große Chancen mit einem Seil heil auf dem Hausdach zu landen. Schaffst ihr das?“, schlug Araloth vor „Und wenn wir uns dort unten verlieren, dann sucht sich jeder den schnellsten Weg raus aus der Stadt. Die Haupttore im untersten Ring werden kaum bewacht sein, wenn sie überhaupt noch stehen. Nehmt keine Rücksicht auf die anderen. Glück alleine wird uns dort unten helfen.“
Alle nickten zustimmend, sogar das alte Weib.
Ein Strick war im Handelsviertel schnell gefunden und ehe eine halbe Stunde vergangen war, stand Araloth bereits an der Brüstung und machte sich bereit in den unteren Ring zu klettern, die anderen hatten vor ihm zu folgen, allen voran Brianna.
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Re: Re:Die Straßen von Minas Tirith
« Antwort #28 am: 9. Jun 2011, 21:46 »
Ein Bild des Grauens lag vor Elea. Rauchschwaden zogen durch die Gassen, die Mauern waren Rußbefleckt. Hinter manchen Fenstern loderten helle Flammen hinter anderen wartete das schwarze Nichts. Klageschreie, Schmerzensschreie und Kampfgebrüll erfüllte die ganze Umgebung. Im grauen Schatten des Toreinganges auf der anderen Seite der Straße entdeckte sie ein lebloses Bein. Es war kaum dicker als ihr Handgelenk und gehörte gewiss zu einem kleinen Kind. Für einen Moment war Elea froh nicht die leeren Augen und das blutverschmierte Gesicht des Leichnams zu sehen, doch in ihren Gedanken manifestierte sich die Vorstellung davon.
„Wohin sollen wir gehen?“, rief Elea hilflos.
„Da entlang, diese Gassen sind etwas abgelegen und für den Notfall gibt es viele Möglichkeiten sich zu verstecken“, befahl Ioreth und zeigt mit ihrem knochigen Finger auf einen düsteren Weg, zu dessen beiden Seiten sich Häuser wie Mauern aufbäumten.
„Bist du sicher?“, fragte Elea nochmals etwas misstrauisch.
„Ich lebe schon länger in dieser Stadt als du auf dieser Welt bist. Natürlich bin ich mir sicher“, entgegnete sie empört.

So schnell es der Gesundheitszustand der Alten zu ließ gingen sie die Passage entlang. An der Spitze ging Araloth und Brianna. An jeder Kreuzung erkundeten sie hektisch die Querstraßen, danach folgten die übrigen Getreuen die aus dem Gefängnis geflohen waren und den Abschluss bildeten Elea und Ioreth, welche den Arm um die Schulter der anderen gelegt hatte um sich zu stützen.

„Dort, am Ende des Weges müssen wir auf die Hauptstraße und so schnell wie möglich durch das Tor in den zweiten Ring. Hier ist es besonders gefährlich. Es sind die wohl gefährlichsten Engstellen auf unserem Weg nach unten“, ermahnte wieder die ortskundige Alte.
„Dann sollten wir uns Schwerter besorgen, oder andere Waffen“, betonte Araloth und begann sofort den Boden nach dergleichen abzusuchen, wobei er eigentlich nach Gefallenen Ausschau hielt. Noch ehe sie auf die Hauptstraße abbiegen musste, hatte jeder von den Männern ein Messer, Schwert oder eine Art Holzprügel in der Hand um sich notdürftigst zu wehren. Auf der Hauptstraße waren mehrere Soldaten zu sehen, die heftig mit anstürmenden Mengen zu kämpfen hatten. Zeitweise waren es auch andere Soldaten, aber hauptsächlich Menschen aus dem einfachen Volke.

Auf einen Satz und ohne großartig zu planen, lief die Truppe auf die Straße hinaus. Ihre Augen war nur auf den Durchgang gerichtet und er schien leer zu sein, doch die Menschen hinter ihnen hatten sie bemerkt und ohne auch nur einen Augenblick zu zögern, stürmten sie auf sie zu. Araloth trug die Insignien Dol Amroths, Brianna eine öffentliche Anhängerin der Schwanenstadt und Elea eine Verrräterin. Vielleicht wurden sie gar nicht erkannt, doch trotzdem liefen die Menschen mit erhobenen Waffen auf sie zu.

„Los, lauft zum Tor hinaus“, brüllte der Diplomat. Er umfasste den Säbel den er von der Straße aufgelesen hatte und gab den Frauen die an ihm vorbeiliefen einen Deut. Auch Brianna musste er direkt in Richtung Tor drängen, denn ohne Bedenken wäre sie an der Seite ihres Geliebten geblieben. Nur die männlichen Flüchtlinge bildeten eine Front um die Angreifer abzuwehren.

Brianna ging direkt vor Elea. Immer wieder drehte sie sich um, als sie durch den kurzen, in den Fels gehauenen Tunnel ging. Sie erspähte nicht viel, bevor ihr die Dunedain befahl weiter zu gehen. Plötzlich drehte sie sich um und stieß Elea und Ioreth um.
„Brianna! Brianna! Bleib hier“, schrie sie und packte mit festem Griff die Hand ihrer Freundin.
„Lass mich… Lass mich aus“, presste sie lautstark heraus und schüttelte dabei die fremde Hand ab „Einmal schon hast du ihn mir weggenommen, aber jetzt lass ich es nicht zu. Verschwindet und lasst uns ein für alle Mal in Ruhe.“ Entgeistert sah Brianna in Eleas Augen. Es spiegelte sich eine unermessliche Aggression in ihnen, die augenblicklich auch in einem Gerangel geendet hätte, doch Ioreth hielt sie ab.
„Lass uns weitergehen. Sie werden uns schon nachkommen.“ Die Situation war angespannt, doch die Alte drängte und zog heftig am Arm der Dunedain.

Sowie Elea und ihre silberhaarige Freundin das Tor durchschritten hatten, verbargen sie sich in einer dunklen Gasse. Sie legten eine kurze Pause ein und ließen sich dabei die Wand entlang zu Boden gleiten.

„Lass uns auf sie warten“, bat Elea in der kurzen Rast.
„Egal was du machst, sie wird dir nicht verzeihen.“
„Aber warum nicht? Ich habe ihn befreit. Ich habe ihn gerettet.“
„Ja, du hast ihn gerettet damit er fliehen kann. Ohne ihr.“
„Das ist doch besser als der Tod am Galgen, oder?“, stellte Elea unsicher fest.
„Hier geht es um ihre Familie. Der Zorn einer Mutter ist ungebremst, wenn ihre Familie droht zu zerreißen.“
Verwirrt schaute Elea nun die Alte an: „Mutter… Brianna ist schwanger?“
„Es scheint wohl so.“
„Wenn es so ist, dann muss ich ihr helfen.“
„Du siehst doch, wie sie auf deine Hilfe reagiert. Die beiden werden ihren eigenen Weg finden und vielleicht geht sie mit ihm oder auch nicht. Ich werde es wohl nie erfahren, aber vielleicht du schon bald. Lass uns nun weitergehen und hoffen, dass wir durch das letzte Tor hindurch kommen.“
1. Char Elea ist in Bree  -  2. Char Caelîf ist in Palisor

Vexor

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Re: Re:Die Straßen von Minas Tirith
« Antwort #29 am: 9. Jun 2011, 23:10 »
Wutentbrannt stolperte Brianna auf die Straßen und es dauerte einen Moment bis sie die Lage eruiert und sich einen Überblick über die überfüllte Hauptstraße gemacht hatte.

Am südlichen Ende der Straße, die von einer Statue Isildurs gekrönt, erspähte die Kräuterfrau die schwarzen Haare Araloths, welcher an der Seite von Paola kämpfte. Die Kurtisane bewegte sich flink wie eine Katze und wich so den Angriffen der tosenden Menge geschickt aus, nur um kurz darauf ihnen mit ihren zwei Dolchen die Kehle durchzuschneiden.
Ein lautes Krachen riss Brianna aus ihrer Trance und sie sah wie tausend glühender Funken in den Himmel gestoßen wurde. Bei einem der Häuser, welche die Straße an den Seiten säumte, war unter ohrenbetäubenden Lärm der Dachstuhl eingebrochen und eine Staubwolke legte sich wie ein Sterbetuch über die blutbefleckten Pflastersteine.
Brianna hustete und mit tränenden Augen suchte sie nach einer Waffe, die ihr dienlich war, um ihren Geliebten und ihrer Freundin beizustehen, jedoch waren Staub und Asche so stark, dass kaum etwas zu sehen war.

Im nächsten Moment zuckte ein stechender Schmerz durch ihr Gesicht und stöhnend ging sie zu Boden. Jemand hatte ihr einen Kinnhaken verpasst, der sie zu Boden beförderte. Orientierungslos tastete sie über den Boden und fasste in etwas Warmes…es war Blut.
Die offenen Augen des alten Mannes starrten sie vorwurfsvoll und mitleidig an, während ihm Blut aus der Hauptschlagader quoll, wie aus einen der vielen Springbrunnen, die in den Kräutergärten der Heilhäuser gestanden hatten.
Fassungslos starrte sie in diese wunderschönen grünen Augen und sie sah, wie der Mann sein Leben aushauchte und wie seine Seele empor stieg durch Rauch und Asche, sich nicht einmal mehr umdrehend, um dieser verrückten Welt zu entschwinden. Instinktiv ergriff sie das rostige Schwert, welches in seiner leblosen Hand lag und rappelte sich auf. Araloth und Paola wurden immer weiter Richtung Statue gedrängt. Jedoch sah sie eine kleine Lücke, die sich aufgetan hatte und eilte ihnen zur Hilfe.

Sie spürte es nicht, aber unzählige Tränen liefen ihr über das Gesicht, als sie etwas unbeholfen mit erhobenem Schwert auf die Menge zu rannte, die sich um Araloth und Paola gebildet hatten. Eine Frau, dessen Gesicht Schmutz bedeckt war, drehte sich gerade in dem Moment um als Brianna zum Schlag ausholte und so hielt sie mitten im Schlag inne. Sie erkannte eine ehemalige Kundin von ihr, die fast wöchentlich in ihren Kräuterladen gekommen war, um Drachenwurz für ihren Sohn zu kaufen, der an Schwindsucht litt.
Die Frau nutzte das Zögern Briannas aus und stürzte sich, mit einer rostigen Schere bewaffnet, auf sie. Brüllend takelte sie Brianna zu Boden und schlug ihr das Schwert aus der Hand. Blind vor Wut ließ sie die Schere auf die braunhaarige niederfahren. Jene drehte sich so gut zur Seite, wie es die Situation zuließ und schrie auf vor Schmerz.
Die Schere hatte sich tief in ihren rechten Unterarm gebohrt, doch die Frau saß nicht mehr auf ihr.
 Sie blickte auf und erkannte Araloth, der sie ernst anblickte. Unschlüssig wanderten ihre kastanienbraunen Augen von Araloth, über sein Schwert, von dem frisches Blut tropfte, zu der leblosen Gestalt die neben ihr lag. Ein hohes Kreischen entfuhr ihren Lippen als sie erkannte, dass Araloth der Frau den Schädel gespalten hatte.
„ Was machst du hier“, raunte er sie böse an, während er sich bereits umdrehte, um einen anderen Angriff zu parieren, „ Ich dachte du wärst mit Ioreth und Elea schon verschwunden!“.

Irritiert blieb sie stumm, zog sich die Schere unter einem Ächzen aus dem Unterarm, und stieß sie sofort einem Angreifer in die Magengegend, welcher zusammenknickte.
„ Araloth“, keuchte Paola, deren karmesinrotes Kleid an vielen Stellen zerrissen und schmutzig war, „…wir müssen hier weg. Es sind einfach zu viele und irgendwie scheinen sich jetzt alle auf uns zu konzentrieren!“
Graziös, als wäre es ein Tanz, wich sie einen Schritt zurück, brachte einen Angreifer zum stolpern und ließ ihren Dolch in seinen Nacken fahren.
Der Diplomat Dol Amroths blickte die Kurtisane lange und durchdringend an, sie verstand sofort und nickte. Ebenfalls nutzte er den Augenblick packte Brianna an den Schultern, welche ihn verstört anblickte und wisperte aufgeregt: „ Brianna egal was passiert, wenn ich sage renn wirst du rennen. Egal ob Paola oder ich dir folgen. Nimm den Weg, den Ioreth und Elea nehmen wollten und versteck dich, falls du Angreifer siehst. Hast du mich verstanden...HAST DU MICH VERSTANDEN?“, brüllte er zum Schluss.
Völlig aufgelöst nickte Brianna und als Paola Deckung rief, schlug sie die Hände vors Gesicht und ließ sich von Araloth zur Seite zerren.

Als sie die Augen öffnete war alles was sie sehen konnte Feuer und alles was sie fühlte war eine unglaubliche Hitze, die sich um sie herum ausbreitete. Nach und nach fühlte sich das Puzzle ihre Sinnesorgane und sie hörte die schmerzverzerrten Schreie von Menschen und roch den fauligen Geruch verbrannten Fleisches. Augenblicklich blitzen mehrere Bilder jener Nacht auf, in der sie zusammen mit Rhia ihr Gut in Thal verteidigt hatte…derselbe Geruch, dasselbe Geschrei.
Panisch blickte sie sich um, fühlte aber nur, wie man sie an der Hand packte und über die Straße zerrte. Erst als der Druck nachließ traute sie sich die Augen zu eröffnen und blickte in die meergrauen Augen ihres Geliebten.

Das Glücksgefühl hielt nur einen Moment an und wich Panik und Schmerz und leise wimmerte sie:
„ Wo ist Paola?! Geht es ihr gut?!“.
Araloth nickte nur stumm und legte ihr die Finger auf die Lippen. Früher hatte sie seine Berührungen genossen, wenn sie sich im Anschluss geliebt hatten und ihre Finger über seinen muskulösen Körper glitten und sie sich so Nahe waren, wie sie noch keinen Menschen auf dieser Welt gewesen war.
Brianna schaffte es nur einen Blick zurück zu werfen und sie sah, wie mehrere Jugendliche Seile um die Statue gewickelt hatten und sie mit einem Ruck aus ihren Sockel hoben. Krachend stürzte die weiße Gestalt Isildurs zu Boden und zerbarst in seine Einzelteile. Von Paola keine Spur.

Brianna wollte protestieren, aber Araloth zog sie vehement und unnachgiebig durch die Straßen. Als im Schatten der Gasse verschwanden, kullerte der Kopf Isildurs die blutgetränkte Straße hinab. Ein roter Teppich, der das Ende jeglicher Ordnung und des Friedens bedeutete.
« Letzte Änderung: 9. Jun 2011, 23:15 von Vexor »


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