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Autor Thema: Morthond und die Pfade der Toten  (Gelesen 9442 mal)

Eandril

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Morthond und die Pfade der Toten
« am: 15. Jan 2012, 16:58 »
...Oronêl, Celebithiel, Amrûn, Amrothos, Faendir und Antien von Edhellond und Umgebung

Die sechs Gefährten ritten zwischen den Felswänden was weißen Gebirges entlang. Neben ihnen plätscherte ein Bächlein bergab, das später, außerhalb dieser Schlucht zum Fluss Morthond werden würde. Es war der Mittag des fünften Tages, seit sie von Dol Amroth aufgebrochen waren. Am Morgen hatten sie den Berg Erech passiert, und seitdem hatte sich Schweigen über die Gruppe gelegt, denn obwohl die Toten aus diesem Land verschwunden waren, lastete ihr Schatten noch immer auf den Bergen. Vor allem Amrothos wurde davon betroffen, aber auch die Stimmung der Elben war niedergedrückt, auch ob des Gedankens an die Gefahr, die Lothlórien, dem Land, das sie alle liebten, drohte.
Schließlich erreichten sie ihr Ziel, eine hohe schwarze Felswand in die ein mannshohes Tor geschlagen war. "Wir haben die Pfade der Toten erreicht", sagte Faendir, "wir müssen absteigen, und die Pferde führen, denn ich fürchte, diese Höhlen sind zu niedrig für Reiter." "Aber werden uns die Pferde überhaupt hindurch folgen?", fragte Amrothos.
"Sie müssen.", meinte Oronêl entschlossen, "Es ist ein weiter Weg bis nach Lórien, und wir dürfen keine Zeit verlieren." Obwohl auch ihn vor dem Gedanken, diese Höhlen zu betreten, schauderte, trieb ihn die Furcht, Lórinand zu verlieren weiter vorwärts.
Also betraten sie die Pfade der Toten, und obwohl Faendir, der voran ging, und Amrûn, der den Abschluss bildete, Fackel trugen, umhüllte sie eine schier undurchdringliche Dunkelheit, und Amrothos keuchte erschreckt auf. Oronêl legte ihm die Hand auf die Schulter. "Es ist nur Dunkelheit, und jede Dunkelheit muss irgendwann vergehen. Ich kann an diesem Ort nichts Böses mehr spüren." "Oronêl, ich... Ich kann nichts mehr sehen, ich bin blind!", flüsterte Amrothos, und Oronêl konnte das Entsetzen in seiner Stimme hören. "Nein, du bist nicht blind. Das ist lediglich die Dunkelheit. Wir können etwas sehen, weil unsere Augen besser sind als deine, aber du bist nicht blind. Halte dich an meinem Gürtel fest, damit du uns nicht verloren gehst. Ich würde mir für immer Vorwürfe machen!", schloss Oronêl, zuversichtlich lächelnd, obwohl er wusste, dass Amrothos es nicht sehen konnte. Doch er musste auch sich selber Mut machen, denn die Kälte und Finsternis, die diesem Ort auch nach dem Weggang der Toten zu Eigen waren, machten auch ihm zu schaffen.
Stunde um Stunde marschierten sie durch die Dunkelheit, einer hinter dem anderen, die Pferde neben ihnen. Sie sprachen nur selten, und wenn, dann flüsternd, als ob zu lautes Sprechen etwas aufscheuchen könnte. Schließlich hielt Oronêl die Stille nicht länger aus, und er begann, leise zu singen.

"Oltha o Gollas, o Gollas mallen,
na Nglîn anoren, nan Lórinand.
Arannon ennus, o Lenwebar arod,
edlothia Arthored, nan Lórinand.
Linner ennus ellith, û linnant cû,
Tûrn Amdîr aran alwed, nan Lórinand."


"Was singst du da?", hörte er Amrothos hinter sich fragen. "Ein Lied, das ich selbst gemacht habe, zu Ehren Amdîrs. Das war im Jahr nach seinem Tod, als ich mich in den Wäldern Lórinands versteckt habe. Es ist in Sindarin, also müsstest du es eigentlich verstehen.", antwortete er. "Nein, ich verstehe überhaupt nichts mehr in dieser Düsternis." Oronêl seufzte. "So würde es sich in etwa in eurer Sprache anhören", sagte er, und begann.

"Ich träum' vom Laub, vom goldnen Laub,
im Schein der östlich Sonne.
Nie kannte man dort Tod und Raub,
Im Tal des Goldnen Lichts.

Dort lebt' ein König einst im Wald,
aus Lenwes edlem Stamm.
Die Berge standen hoch und alt,
am Tal des Goldnen Lichts.

Die Elbenmaiden sangen dort,
als noch kein Bogen sang.
Fürst Amdîr herrscht im Glücke fort,
Im Tal des Goldnen Lichts.

Doch schläft das Böse nimmer nie,
die Dunkelheit des Nichts,
und durch die Lande kriechet sie,
zum Tal des Goldnen Lichts.

Im Schwarzen Land, im Dunklen Turm,
ein Fluch auf Schwarzem Thron,
er rüstet sich zum großen Sturm,
zum Tal des Goldnen Lichts.

Nicht länger dort die Harfe klang,
am Waldesrand begann
der Krieg und Bogensehne sang
im Tal des Goldnen Lichts.

Das Licht die Dunkelheit vertrieb,
der Angriff blieb vergebens,
und niemals noch ein Elb verriet,
das Tal des Goldnen Lichts.

Im Letzten Bund der Freien hier,
Fürst Amdîr tapfer focht.
Doch niemals kehrt er heim zu ihr,
der Maid des Goldnen Lichts.

Oronêl stockte, doch bevor er etwas sagen konnte, sahen sie vor sich einen rotgoldenen Schein auf dem Boden der Höhle. Sie hasteten vorwärts, und plötzlich standen sie vor dem Tor von Dunharg, und dann waren sie draußen und den Pfaden der Toten entkommen. Gerade ging im Westen die Sonne unter, und unten im Tal, in Dunharg, zündeten die Menschen die Lichter an, als die Gefährten vor dem Tor standen und erleichtert über das sich vor ihnen in der Ferne ausbreitende weite Land von Rohan blickten. Am erleichtertsten schien Amrothos zu sein, der zwar bleich war, aber lächelte, nun, da die Dunkelheit von seinen Augen gewichen war.
"Lasst uns noch ein Stück Weges hinter uns bringen.", meinte Amrûn, "Ich verspüre keine Lust, im Schatten dieses Berges ein Lager aufzuschlagen." "Wir sollte nach Dunharg gehen.", schlug Celebithiel vor, "Die Menschen hier sind zwar ein wenig misstrauisch, aber wir sollten dort trotzdem eine Unterkunft finden können."

Oronêl, Celebithiel, Amrûn, Amrothos, Faendir und Antien nach Dunharg...
« Letzte Änderung: 21. Feb 2012, 14:11 von Eandril »

Oronêl - Edrahil - Hilgorn -Narissa - Milva

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Im Schwarzgrundtal
« Antwort #1 am: 22. Mär 2017, 12:28 »
Hilgorn, Valion und Ladion mit dem Heer Dol Amroths aus Lamedon


Das Heer kam am Nachmittag gut voran, denn die Straße nach Erech war gut ausgebaut und breit gepflastert. Bei Anbruch der Dämmerung erreichten sie Tarlangs Hals und schlugen dort ihr Lager für die Nacht auf. Hilgorn ließ Kundschafter ausschwärmen und schickte einen berittenen Boten voraus, der Fürst Duinhir von ihrem Eintreffen am folgenden Tag unterrichten sollte. Die Stimmung im Heer wirkte beruhigend auf Valion, der trotz des bisweilen unangenehmen Rittes bester Laune war. Er war voller Vorfreude und Erwartung auf die Schlacht, und es gelang ihm, diese Einstellung zu verbreiten.
"Diese Orks wissen nicht, mit wem sie sich angelegt haben," sagten die Soldaten. "Der beste General Dol Amroths führt uns an, und die Herren von Morthond und vom Ethir sind mit uns."
"Sehr richtig," stimmte Valion ihnen zu. "Und dazu die tapfersten Söhne Gondors die man sich nur wünschen kann. Wir werden schon dafür sorgen, dass keine dieser erbärmlichen Kreaturen den Weg zurück nach Mordor findet. Die werden sich noch wünschen, nie hergekommen zu sein."

Am Mittag des folgenden Tages verließen sie den Pass und kamen ins Schwarzgrundtal. In der Mitte des Tales ragte der Hügel von Erech auf, auf dem Valion ein schwarzes Funkeln ins Auge fiel. Die Soldaten erzählten ihm, dass dort der Stein von Erech lag, den Isildur selbst am Ende des Zweiten Zeitalters dorthin gebracht hatte und an dem die Menschen des Weißen Gebirges ihren verhängnisvollen Eid geschworen hatten.
"Die Toten, die damals mit Elessar Pelargir befreiten könnten wir jetzt gut gebrauchen," murmelte er als das Heer im Schatten des Hügels vorbeizog. Seitdem ihr Eid als erfüllt angesehen worden war, hatte niemand mehr etwas von den Bewohnern des Gebirges gesehen. Nur deswegen waren die Pfade der Toten nun passierbar und zu der wichtigsten Verbindung zwischen Gondor und Rohan geworden.
Kurze Zeit später erreichten sie die Stadt Erech, die am Gebirgshang einige Meilen westlich des Steines lag. Die Menschen des Schwarzgrundtales erwarteten sie bereits. Duinhir hatte noch einmal knapp dreihundert Mann zusammengerufen, zumeist scharfäugige Bogenschützen mit grimmigen Gesichtern. Sie wirkten kampfbereit und äußerst entschlossen, ihre Heimat gegen alles zu verteidigen, was Mordor gegen sie zu Felde führen würde.
"Gut dass ihr kommt," begrüßte Duinhir Hilgorn und Valion sowie die übrigen Offiziere, die er in seinem Wohnsitz im obersten Teil der kleinen Stadt empfing. "Meine Leute haben bereits orkische Kundschafter entdeckt. Der Angriff wird nicht mehr lange auf sich warten lassen."
"Was ist mit den Pfaden? Sind sie noch frei?" fragte Hilgorn.
Duinhir nickte. "Ich habe den Eingang bewachen und befestigen lassen. Wir haben Barrikaden errichtet, die die Angreifer einige Zeit aufhalten werden."
"Wir dürfen auch die Stadt nicht unverteidigt lassen," wandte Valion ein. "Es ist nicht auszuschließen, dass der feindliche Kommandant sie angreifen wird wenn er sieht, dass der Weg durch die Pfade der Toten versperrt ist."
Hilgorn legte nachdenklich die Hand ans Kinn. "Dann sollten wir die Streitmacht aufteilen. Die Hälfte wird am Eingang der Pfade postiert und wird die Hauptlast des Angriffs tragen. Der Rest verbirgt sich in Erech - die Häuser und die Palisade, die die Stadt umgibt, sollte ihnen genug Deckung bieten - und wartet, bis wir ihnen das Zeichen zum Angriff geben. Dann werden sie den Orks in den Rücken fallen und wir nehmen sie in die Zange."
"Gut," befand Duinhir. "Die Bogenschützen können sich zwischen den Felsen oberhalb des Eingangs zu den Pfaden postieren. Von dort können sie einen Großteil des Tales unter Beschuss nehmen."
"Dann sollten die wenigen Reiter, die wir haben, in Reserve gehalten werden," meinte Valion. "Wenn die Orks sich zur Flucht wenden sollten wir dafür sorgen, dass keiner von ihnen entkommen kann."
"Was ist mit Rohan?" fragte Hilgorn. "Habt Ihr Nachricht aus Dunharg erhalten, Duinhir?"
"Bislang nicht," erwiderte der Herr von Morthond. "Ich habe einen Boten zu den Rohirrim geschickt um sie vor dem Angriff zu warnen. Aber meines Wissens nach ist in Dunharg selbst nur eine kleine Garnison stationiert. Ich schätze, wir sind für den Moment auf uns allein gestellt."
"Das macht nichts," meinte Valion. "Der Plan Hilgorns ist gut. Wir werden das Heer der Orks wie zwischen Hammer und Amboss zermalmen, ihr werdet schon sehen."
"Schön dass du so zuversichtlich bist, mein Junge," sagte Duinhir und rang sich ein Lächeln ab.
"Vorsichtshalber sollten Frauen und Kinder aus Erech nach Süden geschickt werden, in Richtung Edhellond," überlegte Hilgorn weiter. "Falls die Orks die Pfade ignorieren und die Stadt direkt angreifen müssen wir sie mit allen Mitteln verteidigen. In diesem Fall ändern wir den Plan und tauschen die Rollen der beiden Heeresabteilungen: Wenn die Stadt angegriffen wird, werden die Soldaten an den Pfaden abwarten und den Orks auf mein Signal hin in den Rücken fallen."
"Also gut, ich werde dafür sorgen, dass alle, die nicht kämpfen können, in Sicherheit gebracht werden," sagte Duinhir.
"Vielen Dank für Eure Untersützung, Herr Duinhir," sagte Hilgorn.
"Das Schwarzgrundtal ist meine Heimat, und die Menschen von Morthond sind mein Volk," erwiderte der Herr von Morthond entschlossen. "Ich werde nicht zulassen, dass sie unter die Schatten Mordors fallen."
"Dazu wird es nicht kommen," meinte Valion zuversichtlich. "Wir haben alles im Griff."

Eine Stunde später stand Valion auf seinem Posten an der Straße kurz vor dem Eingang zu den Pfaden der Toten. Der Weg den Berg hinauf stieg steil an und Valion sah zu, wie sich die Hälfte des gondorischen Heeres mitsamt ihrem Gepäck hinauf mühte. Er lehnte sich gegen die Barrikade, die nur eine von vielen Sperren war, die eilig aus Holz zusammengezimmert worden waren. Angespitzte Pfähle ragten daraus hervor und wiesen in Richtung Süden und Südosten, von wo der Angriff erwartet wurde. Im Südwesten lag die Stadt Erech auf der anderen Seite des Tales, die Häuser teilweise direkt an den Hang des Weißen Gebirges errichtet. Und dazwischen befand sich das Morthond-Tal, wo Hilgorn die Streitmacht Mordors festsetzen und in die Zange nehmen wollte.
Der Elb Ladion trat neben ihn, seinen großen Bogen bereits griffbereit. "Der Feind macht seinen Zug," sagte Ladion leise. "Ich spüre, wie sich die Schatten im Osten regen. Wir sollten vorsichtig sein und uns auf alles vorbereiten."
"Mhm," machte Valion. "Nun mach' dir mal keine Sorgen, Meister Elb. Die Menschen Gondors sind stark. Egal was kommt - wir halten sie auf. Hier und jetzt."
"Unterschätze die Bedrohung nicht, Valion."
Valion tat die Bemerkung mit einer Handbewegung ab. Einen Augenblick blieb er still, dann fragte er: "Was hat es mit Hilgorn und seinem Bruder auf sich? Es gibt Gerede im Heer, dass das Ganze für ihn eine... persönliche Angelegenheit ist."
Ladion bedachte ihn mit einem undeutbaren Seitenblick, ehe er wieder konzentriert ins Tal starrte. "Imradon Thoron ist ein Verräter Gondors, und er scheint Teil des Angriffes zu sein," sagte er schließlich leise. "Glaube aber nicht einen Augenblick, dass Hilgorn sich davon ablenken lassen wird." Ladion wandte Valion wieder den Kopf zu und blickte ihm ins Auge. "Du magst nicht allzu viel von ihm halten, aber ich weiß, dass er seine Pflicht erfüllen und Gondor verteidigen wird."
"Das habe ich auch gar nicht bezweifelt," beschwichtigte Valion den Elb. "Ich bin nur... neugierig. Sein Bruder wird uns also womöglich in der Schlacht begegnen... wie praktisch für Hilgorn. Ein gut gezielter Schwertstreich, und seine Geliebte wäre frei."
"Es steht dir nicht zu, darüber zu urteilen."
"Ich urteile nicht, Ladion. Ich frage mich nur, ob er es in sich hat, seinen eigenen Bruder zu töten. Vielleicht sollte ich das für ihn übernehmen. Ja, das ist eine gute Idee. Wenn ich diesen Imradon sehe, mache ich ihn einen Kopf kürzer, und die Sache ist erledigt."
"Besser wäre es, den Verräter gefangen zu nehmen und deinem Fürsten vorzuführen, damit er sein Urteil über ihn sprechen kann," sagte Ladion bestimmt.
"Das wäre vielleicht besser... aber ihm den Kopf abzuschlagen wäre zufriedenstellender."
Ladion wandte sich kopfschüttelnd ab. "Ich hoffe, du überstehst die Schlacht unbeschadet," sagte er noch, ehe er davon ging.
Du wirst schon sehen, dachte Valion. Die Schlacht wird großartig werden.
« Letzte Änderung: 27. Sep 2017, 13:02 von Fine »
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Re: Morthond und die Pfade der Toten
« Antwort #2 am: 26. Mär 2017, 23:28 »
Cynewulf aus dem Hargtal

Nachdem Cynewulf das Hargtal dem Flusslauf folgend durchquert hatte, ritt er weiter Richtung des Dwimorberges, unter dem die Pfade der Toten verliefen. Obwohl die einstigen untoten Bewohner des Berges von ihrem Fluch erlöst waren, schauderte es Cynewulf immer noch vor ihnen. Er wusste, dass er mit diesem Gefühl nicht allein war. Schließlich kam er nach Dunharg, der Hügelfeste, wo er eine kurze Rast einlegte und seine Vorräte auffüllte. Anschließend saß er wieder auf und folgte dem Pfad zum Dunklen Tor. Der Pfad war steinig und so kam er nur langsam und schleppend voran. Als er schließlich das Tor erreicht hatte saß er ab, nahm die Zügel Schildbrechers in die Hand und betrat das ehemalige Reich der Toten. Er folgte dem schwachen Licht der Lampen, die den dunklen Pfad ein wenig erhellten. Vorsichtig wagte Cynewulf sich durch den Tunnel. Schritt für Schritt ging es voran und er blickte mehr auf den Boden als voraus. Nachdem er bereits eine gefühlte Ewigkeit durch den Pfad gereist war erblickte er weit vor sich ein helleres jedoch schwaches Licht.
"Das muss der Ausgang sein" freute Cynewulf sich und beschleunigte seine Lauftempo, sein Reittier weiterhin am Zügel führend. Das Licht wurde mit jedem Schritt den er machte heller und schließlich hatte er den Ausgang erreicht. Mit einem tiefen Schnaufen fiel die Anspannung von ihm ab. Die Luft im Inneren der Pfade war sehr stickig gewesen. Er schloss die Augen und atmete einige Male tief ein. Als Cynewulf sie wieder öffnete und sich umschaute bemerkte er, dass er am Eingang eines gondorischen Kriegslagers stand
"Wer seid Ihr?" fragte ein kleiner aber kräftiger Mann, der auf seiner Rüstung das Wappen Dol Amroths trug. Neben ihm standen noch drei andere, die Hand bereits um die Griffe ihrer Schwerter gelegt.
 Cynewulf reagierte zuerst nicht doch dann sagte er: "Ich bin Cynewulf aus Rohan. Ich bin nur auf der Durchreise; was ist hier los?"
 "Mordor hat den Waffenstillstand mit uns gebrochen und will nun den wichtigsten Verbindungsweg zu Rohan angreifen," gab der Mann zurück. Seine Gefolgsleute schienen sich zu entspannen da sie in Cynewulf nun einen Verbündeten sahen.
"Wenn Ihr mehr erfahren möchtet solltet ihr mit unserem General sprechen, wenn er Zeit hat. Folgt mir.," sagte der Gondorer wieder, was scheinbar mehr eine Aufforderung als ein Angebot war. Widerwillig folgte Cynewulf ihnen zum Quartier des Generals.
« Letzte Änderung: 27. Mär 2017, 07:39 von Fine »
Er hat noch gezuckt weil ich ihm meine Axt in seine Nervenstränge getrieben habe.

-Gimli Gloinssohn zu Legolas, Schlacht bei Helms Klamm-

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Der Neuankömmling
« Antwort #3 am: 28. Mär 2017, 15:29 »
Es dauerte noch eine gute Stunde ehe die beiden Abteilungen des Heeres ihre jeweiligen Positionen bezogen hatten. Als alle an ihrem Platz standen berief Hilgorn die Offiziere zu einer letzten Besprechung ein. Duinhir und seine Hauptleute waren in Erech geblieben, aber abgesehen von ihnen waren alle Kommandanten anwesend.
"Es ist nun alles bereit," sagte einer der Meldereiter, der aus Erech eingetroffen war. "Herr Duinhirs Streitmacht ist hinter den Mauern verborgen, und die Frauen, Kinder und Alten sind im Süden in Sicherheit gebracht worden."
"Sehr gut," befand Hilgorn. "Ihr alle kennt eure Befehle und eure Aufgaben. Ihr werdet die Hauptlast des Angriffes zu spüren bekommen, und müsst Mordors Streitmacht abwehren, bis Duinhir euch zur Hilfe kommt."
"Und wo gedenkt Ihr bei all dem zu sein, General?" fragte Valion.
"Ich schließe mich der Vorhut an," erklärte Hilgorn. "Wir werden uns als Erste den Orks stellen und sie in Richtung der Barrikaden vorm Eingang der Pfade locken. Ich kann hoffentlich davon ausgehen, dass in meiner Abwesenheit die Ordnung im Heer aufrecht erhalten bleibt?"
Valion winkte ab. "Macht Euch keine Sorgen. Wir halten unsere Stellung, wie befohlen, und stellen sicher, dass kein Geschöpf Saurons an uns vorbeikommt."
Hilgorn schien es nicht ganz recht zu sein, Valion das Kommando zu überlassen, doch schließlich stand er auf und nahm Schwert und Schild von seinem Adjutanten entgegen. "Nun denn. Gebt in der Schlacht aufeinander gut Acht und verteidigt die Pfade mit Mut und Tapferkeit. Mögen wir uns nach der Schlacht alle wohlbehalten wiedersehen." Er setzte den silbernen Helm auf und ging davon, gefolgt von den Soldaten der Vorhut Dol Amroths, die aus den Veteranen und besten Kämpfern zusammengestellt worden war. Mit ihnen ging auch ein halbes Dutzend Schwanenritter; der Rest der berittenen Kompanie blieb vorerst in Reserve.

Nach Hilgorns Aufbruch verging eine halbe Stunde, in der die Anspannung am befestigten Eingang der Pfade der Toten mit jeder Minute zu wachsen schien. Kundschafter wurden in regelmäßigen Abständen ausgeschickt und kehrten einer nach dem anderen wieder zurück, doch bislang hatte es kein Zeichen von den Orks gegeben. Valion hatte seine Füße lässig auf den kleinen Hocker gelegt, auf dem Hilgorn während der vorherigen Besprechung gesessen hatte und hatte gerade die Augen geschlossen, um etwas Ruhe vor der Schlacht zu finden, als ein Mann in der Rüstung der Stadtwache Dol Amroths herbeigeeilt kam.
"Wo ist arachír Hilgorn?" rief er.
Valion öffnete das linke Auge, änderte jedoch nicht seine Sitzposition. "Unterwegs. Hat sich der Vorhut angeschlossen. Was gibt es?"
"Nun, Herr, jemand ist durch die Pfade gekommen," antwortete der Mann, der offenbar nicht recht wusste, wie er mit der Situation umgehen sollten. "Es handelt sich um einen der Rohirrim."
"Dann bring' ihn her und wir werden sehen, was er zu sagen hat," meinte Valion und verschränkte die Arme hinter dem Kopf. Beide Augen waren nun offen damit er sehen konnte, wen man zu ihm bringen würde. Begleitet von zwei weiteren Soldaten trat schließlich ein Mann in rohirrischer Rüstung vor ihn. Valion schätze ihn auf ungefähr dreißig Jahre.
"Cynewulf, Cynegars Sohn ist mein Name," stellte der Neuankömmling sich vor.
"Ich bin Valion, Herr von Belegarth und vom Ethir. Was bringt dich in mein Kriegslager, Cynewulf aus Rohan?"
"Nun, ich hatte nicht erwartet, die Armee Gondors hier vorzufinden," antwortete Cynewulf. "Ich bin auf der Suche nach meinem Bruder, den ich irgendwo in Gondor vermute."
Valion lächelte schief. "Gondor habt Ihr erreicht, Cynewulf. Aber das Reich ist groß. Und wie ihr vielleicht gehört habt, liegen wir im Krieg mit den Orks von Mordor."
"In Dunharg sprachen einige Leute davon, dass ein Angriff auf die Pfade bevorstünde," meinte Cynewulf.
"Die Orks werden jeden Moment hier sein," erklärte Valion. "Ich fürchte, wenn Ihr ihnen aus dem Weg gehen wollt, müsst Ihr für den Augenblick umkehren - das Tal von Erech ist jetzt ein Kriegsgebiet."
"Ich werde nicht umkehren. Das würde mich zu viel Zeit kosten. Doch die Orks sind die Feinde aller Menschen, und wir sind Verbündete im Krieg gegen Mordor. Wenn Ihr erlaubt, Valion vom Ethir, werde ich mich Eurer Streitmacht anschließen."
"Hm," machte Valion. "Ich werde keine Freiwilligen ablehnen, aber Ihr werdet Euch dem Befehl der gondorischen Kommandaten unterordnen müssen."
"Natürlich," bestätigte Cynewulf.
"Ich sehe, dass Ihr einen Bogen mit Euch führt. Ihr könntet bei den Fernkämpfern oberhalb des Eingangs zu den Pfaden der Toten Stellung beziehen. Ich werde den dortigen Offizier Bescheid geben."
"Nun, eigentlich kämpfe ich lieber vom Rücken meines Pferdes aus," wandte Cynewulf ein.
"Die Reiterei wird in Reserve gehalten, und das Gelände ist sowieso nicht allzu gut für einen berittenen Angriff geeignet," erwiderte Valion. Zwar glaubte er nicht, dass es sich bei Cynewulf um einen Spion Mordors handeln könnte, aber er hatte beschlossen, trozdem vorsichtig zu sein und einem Fremden nicht alle Einzelheiten des Schlachtplans Hilgorns zu verraten. "Ihr könnt Euch auch den Rittern anschließen, die während der Schlacht abwarten und auf ihren Einsatz warten werden."
"In diesem Fall werde ich bei den Bogenschützen Position beziehen."
"Gut. Gebt dem Elb Ladion, der den Befehl am Posten oberhalb der Pfade führt, Bescheid, dass sich seine Kompanie um einen Mann vergrößert hat, und zeigt unserem neuen Freund den Weg," befahl Valion einem der Soldaten, die Cynewulf zu ihm gebracht hatten.

Wenige Minuten später wurde Valions Ruhepause erneut gestört. Es war einer der letzten Kundschafter, die er ausgeschickt hatte. "Herr, die Orks sind gesichtet worden. Der General tritt ihnen mit der Vorhut entgegen."
"Also geht es endlich los," erwiderte Valion und sprang auf. "Versetzt alle in Alarmbereitschaft."
Während sich die Soldaten im Lager am Eingang des Passes kampfbereit machten griff Valion seine Schwerter und stellte sich zwischen die vordersten Barrikaden, die den Weg zum Eingang der Pfade versperrten. Direkt neben ihm hatte man die Banner Gondors und Dol Amroths aufgepflanzt. Die Schlacht zog herauf.
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Re: Morthond und die Pfade der Toten
« Antwort #4 am: 30. Mär 2017, 20:06 »
Hilgorn hatte seinen Teil des Heeres ein Stück vor dem Eingang der Pfade Aufstellung nehmen lassen. Die Berge am oberen Ende des Morthond-Tales waren hoch und steil, und um die Pfade anzugreifen würde das Heer von Mordor den Schutz des Gebirges verlassen und ein wenig östlich von ihrer Stellung in das Tal hinunterkommen müssen. Das Hauptheer Gondors stand ein wenig östlich vom eigentlichen Eingang der Pfade, von der Flanke der Berge im Norden bis zu dem steilen Hügel, auf dem der schwarze, geheimnisvolle Stein von Erech aufragte im Süden. Sowohl auf den Berghängen als auch auf dem Hügel hatte Hilgorn seine Bogenschützen Aufstellung nehmen lassen, sodass sie Mordor von beiden Seiten unter Beschuss nehmen konnten. Hilgorn selbst stand mit der Vorhut  noch ein Stück weiter östlich. Hier war der Weg nach Süden nicht versperrt, denn die auslaufenden Hänge des Hügels von Erech waren hier flacher und leicht zu besteigen. Zwar kannten sich Mordors Befehlshaber in dieser Gegend wahrscheinlich nicht allzu gut aus, doch Hilgorn war mit der Vorhut so weit vorgerückt um zu verhindern, dass die Orks hier auf den Hügel marschierten, seinen Bogenschützen in den Rücken fielen und sie von Duinhir und seinen Männern abschnitten.
Sie mussten etwas mehr als eine halbe Stunde warten, bevor die ersten schwarzen Gestalten zwischen den Hügeln vor ihnen auftauchten. Hilgorn legte eine Hand auf den Schwertgriff, atmete verstohlen tief durch, und zählte. Es waren nicht viele Orks, die ihnen entgegen zogen, höchstens so viele wie sie selbst zählten. "Die Vorhut", stellte Balvorn fest. "Greifen wir sie an?" Hilgorn zögerte. Die Hügel des oberen Morthond-Tales konnten alles mögliche verbergen, doch die Vorhut des Feindes mit einem raschen unerwarteten Angriff zu vernichten würde ihnen einen Vorteil verschaffen. Und außerdem, Mordor rechnete sicher nicht mit so entschlossenem Widerstand direkt an den Pfaden, denn normalerweise wurden diese nur von wenigen Männern in Duinhirs Diensten bewacht.
"Ja", erwiderte er schließlich. "Wir greifen sie an. Aber schickt einen Boten zurück, das Hauptheer soll stehen bleiben. Wir werden die Vorhut vernichten und dann zurückkehren bevor das feindliche Heer eintrifft." Balvorn führte seinen Befehl sofort aus, und nur wenige Augenblicke marschierte Hilgorn den Orks an der Spitze seiner Männer entgegen.
Er wandte den Blick nicht von den Kreaturen Mordors, die er immer besser erkennen konnte je näher sie sich kamen. Sie ekelten ihn an, in ihrer ganzen verunstalteten Gestalt, und er spürte noch immer tiefes, kaltes Entsetzen bei ihrem Anblick. Hilgorn packte sein Schwert fester, und biss die Zähne zusammen. Faniel, dachte er. Wenn ich heute falle... weine nicht um mich. Kümmere dich um deine Kinder, sorg dafür dass sie glücklich sind. Und heirate Aldar, er ist ein besserer Mann als Imradon - wahrscheinlich auch ein besserer Mann als ich. Er wird dich beschützen.

Die Männer Gondors und die Orks prallten in einem Wirbel aus Stahl aufeinander, und Hilgorn hatte keine Zeit mehr zu denken. Er parierte den ungelenken Hieb eines Orks mit der Schwertklinge, stieß sich von dem hässlich gezackten Schwert seines Gegners ab und rammte ihm seine eigene Waffe tief in die Brust. Aus der Nähe waren die Orks so furchtbar wie er sie in Erinnerung hatte, und eine Stimme tief in seinem Inneren schrie ihn an die Waffe fallen zu lassen und zu fliehen. Doch seine anderen Instinkte übernahmen die Kontrolle, und er kämpfte und tötete wie im Traum.
So fiel Hilgorn zuerst gar nicht auf, dass der Strom der Gegner nicht nachließ, und dass er sich nicht länger vorwärts bewegte, bis Balvorn ihn an der Schulter packte und über den Lärm der Schlacht rief: "Das Hauptheer von Mordor ist eingetroffen! Was befehlt ihr?"
Erneut spürte Hilgorn, wie sich eine lähmende Angst um sein Herz klammerte. Doch diese war nicht die tiefe, irrationale Furcht vor den Orks, diese war viel realer und konkreter. Er hatte einen Fehler begangen, denn er hatte geglaubt, die Hauptmacht Mordors müsste noch ein gutes Stück entfernt sein. Er war ein unnötiges Risiko eingegangen, und er und seine Männer würden nun den Preis dafür bezahlen.
"Wir müssen..." begann er mit trockenem Mund, und räusperte sich. Seine Hand umklammerte den Schwertgriff so fest, dass sie schmerzte. "Rückzug. Wir ziehen uns zurück!" Den letzten Teil rief er, und warf dabei einen Blick über die Schulter nach Westen. Der Rest des Heeres hatte seine Stellungen nicht verlassen, obwohl ihnen die bedrohliche Lage der Vorhut sicherlich aufgefallen war. Obwohl ein Teil von ihm sich danach sehnte, dass sie ihnen zur Hilfe kommen würden hoffte er, dass Valion bedacht genug war, genau das nicht zu tun. Denn wenn das Hauptheer jetzt vorrückte, konnte sein Fehler den gesamten Schlachtplan in Gefahr gebracht haben - die Bogenschützen auf den Hängen würden ein schlechteres Schussfeld haben, und Duinhir würde den Orks nicht so leicht in den Rücken fallen und zwischen Hügel und Bergen einkessseln können.

Schritt um Schritt wichen die Männer der Vorhut zurück, kämpften und starben. Hilgorn war bislang unverletzt geblieben, was nicht nur seinem Kampfgeschick, sondern ebenso seiner ausgezeichneten Rüstung und der Tatsache, dass seine Männer ihn so gut wie möglich schützten, zu verdanken war. Sie kamen nur quälend langsam voran, und bezahlten jeden Schritt rückwärts mit Blut. Doch Hilgorn war dankbar dafür, dass seine Männer ihre Ordnung beibehielten, denn ein langsamer geordneter Rückzug war besser als eine wilde Flucht. Wenn sie jetzt einfach flohen, würden sie nicht nur einen noch weitaus höheren Blutzoll bezahlen und von hinten niedergemacht werden, ein solcher Anblick wäre für die Moral des Heeres noch weitaus schlimmer als ein kontrollierter Rückzug.
Ein weiterer Ork mit einer schweren Axt fiel Hilgorns Klinge zum Opfer, doch im gleich Augenblick ging der Schwanenritter, der seine rechte Seite gedeckt hatte, unter den Waffen zweier Gegner zu Boden. Plötzlich wurde Hilgorn von zwei Seiten angegriffen, und das war zuviel. Ein mächtiger Hieb traf ihn in die rechte Seite, und auch wenn seine Rüstung verhinderte dass sie Klinge ihn verletzte, blieb ihm für einen Moment die Luft weg, und er wurde zu Boden in das blutige, niedergetrampelte Gras geworfen.
Das erste, was er bemerkte als sein Bewusstsein vollständig zurückgekehrt war, war ein Druck auf der rechten Seite, der das Atmen erschwerte und schmerzhaft auf seine mindestens geprellten Rippen drückte. Als Hilgorn die Augen aufschlug, tanzten für einen kurzen Augenblick kleine Sterne vor seinen Augen. Als sein Blickfeld sich klärte, sah er über sich das ausdruckslose Gesicht seines Vaters schweben. Er blinzelte verwirrt, und das Gesicht verwandelte sich in das Imradons. Sein Bruder stand leicht breitbeinig über ihm, das funkelnde Schwert in der Hand, und als er Hilgorns geöffnete Augen sah, verzog sein Gesicht sich zu einem höhnischen Grinsen.
"Du bist also nicht tot. Gut", sagte Imradon im Plauderton, und obwohl um sie herum noch immer der Kampf tobte, verstand Hilgorn jedes einzelne Wort. "Ich würde dich nämlich gerne selbst töten, nachdem du mir mein Land, meine Kinder und meine Frau gestohlen hast."
"Warum, Imradon?", stieß Hilgorn hervor, und tastete mit der Hand das blutige Gras nach seinem Schwert ab. "Warum hast du..."
"Ich muss mir wiederholen, was du mir gestohlen hast", gab Imradon zurück, und das Grinsen verschwand aus seinem Gesicht. "Und nach dem was du getan hast, ist das der einzige Weg." Hilgorn hatte inzwischen die Suche nach seinem Schwert aufgegeben, riss mit einem Ruck den Dolch vom Gürtel und stieß damit blind nach Imradons Beinen. Die Klinge prallte von den Beinschiene seiner Rüstung ab, und Imradon trat Hilgorn den Dolch mit einer flinken Bewegung aus der Hand.
"Ich hatte mehr erwartet", zischte er, und während seine Augen hasserfüllt leuchteten, hob er das Schwert hoch über den Kopf, die Spitze auf Hilgorns Kopf gerichtet. Hilgorn schloss die Augen, und dachte an Faniel.

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Die Schlacht von Morthond
« Antwort #5 am: 31. Mär 2017, 15:33 »
"Die Vorhut hat den Feind angegriffen," meldete ein Soldat, der aus dem Tal zu den Befestigungen zurückgekehrt war und Meldung machte. Und tatsächlich drangen aus der Ferne bereits Kampfgeräusche zu Valion und dem Rest des gondorischen Heeres hinüber. Blau blitzte das Banner Dol Amroths auf, das einer von Hilgorns Männern mit sich führte, und für einige Minuten drängte es die schwarze Welle von Mordors Heer zurück.
"Er scheint für den Augenblick alles im Griff zu haben," murmelte Valion. Ich hoffe, Hilgorn denkt rechtzeitig daran, sich hierher zurückzuziehen, damit die Bogenschützen die Orks unter Beschuss nehmen können, dachte er. Er hatte bei der Veteidigung Pelargirs bereits erlebt, dass allzu ungestüme Angriffe den Vorteil einer einfach zu verteidigenden Position schnell zunichte machen konnten.
"Es war sein Plan, jetzt soll er sich auch daran halten," sagte Valion zu Niemand bestimmtem, weshalb er auch keine Antwort darauf erhielt. Die Soldaten in seiner Nähe blickten alle konzentriert nach Südosten, wo sich die Vorhut weiterhin den Orks in den Weg stellte.
"Wir sollten ihnen zu Hilfe eilen," sagte einer der Männer leise.
"Sie werden dort aufgerieben," meinte eine Soldatin, die ihren Helm unter den Arm geklemmt hatte.
"Wenn wir nichts tun... wollen wir untätig dabei zusehen, wie sie von der Übermacht erdrückt werden?"
Valion warf einen genaueren Blick auf das Schlachtfeld und erkannte, dass das einzelne Banner Dol Amroths nun von einer deutlich überlegenden Zahl schwarzer Gestalten umringt war. Die Situation Hilgorns und seiner Leute hatte sich deutlich verschlimmert. Wieso nur hat er sich nicht rechtzeitig zurückgezogen? dachte Valion.
"Hîr, wie lauten Eure Befehle?" fragte einer der untergebenen Offiziere. "Eilen wir dem General zu Hilfe?"
"Uns bleibt wohl nichts anderes übrig, wenn wir unseren tollkühnen General nicht verlieren wollen," gab sich Valion schließlich geschlagen. "Also gut. Schwerter ziehen und kampfbereit machen. Gebt das Signal zum Ausrücken, und dann..."
"Wir werden angegriffen!" unterbrach ihn die hektische Stimme eines Boten, der vom Eingang der Pfade der Toten herbeigeeilt kam. "Die Orks haben die niedrigen Gebirgskämme erstiegen und fallen über unsere Bogenschützen oberhalb des Pfadeinganges her!"
"Verdammte Brut Mordors!" fluchte Valion. Das hatte ihm gerade noch gefehlt. Aber trotz seiner Verärgerung fasst er rasch einen Plan. "Ein Drittel der Männer soll hier bleiben und den Angriff der Orks abwehren. Der Elb Ladion führt das Kommando. Sobald seine Feinde besiegt sind, soll er Hilgorn und mir im Tal zu Hilfe eilen. Der Rest kommt mit mir. Für Dol Amroth und Gondor!" Er zog seine Schwerter und die Soldaten nahmen den Ruf auf, ehe sich das Heer in Bewegung setzte.

In geordneter Formation, aber dennoch so eilig wie möglich marschierte Valions Streitmacht den befestigten Weg ins Tal hinab, auf Hilgorns Position zu. Inzwischen hatten sich die Männer des Generals von Dol Amroth ein Stück zurückgezogen, waren jedoch weiterhin in schwere Gefechte verwickelt. Das Banner, das Hilgorns Position angezeigt hatte, war inzwischen verschwunden - vermutlich war der Standartenträger gefallen. Valions eigenes Banner, auf dem der Weiße Baum Gondors und darunter das Siegel vom Ethir zu sehen waren, ließ er von drei Veteranen bewachen und inmitten der Formation tragen.
Je näher sie dem Gefecht kamen, desto lauter wurde der Schlachtenlärm. Und obwohl es Valion in den Fingern kribbelte, wusste er doch, dass die geordnete und gut eingeübte Formation ihre größte Stärke war. Jeder Soldat deckte die Flanken seiner Mitstreiter links und rechts von ihm und konnte sich so auf den Feind direkt vor ihm konzentrieren. Zwar würde sich im Chaos der Schlacht diese Ordnung mit der Zeit auflösen, doch je länger sie hielt, umso stabiler würde sich die Schlachtreihe Gondors im Kampf erweisen. Sie legten die restlichen Meter im lockeren Laufschritt zurück und mit einem lauten Aufschrei trafen die Soldaten Gondors auf die Orks Mordors, die noch immer über die Reste der Vorhut herfielen.
Valion selbst hielt sich zunächst zurück und versuchte, einen Überblick zu erhalten. Soweit er erkennen konnte waren beide Heere ungefähr in derselben Breite aufeinander getroffen. Eilig gab er den Befehl, an den Flanken mit Umfassungsbewegungen zu beginnen, um die Orks einzukreisen. Die hinteren Abteilungen sollten ausscheren, während die Soldaten, die bereits auf den Feind getroffen waren, weiter kämpfen und ihre Gegner festsetzen sollten. Sobald das Gefecht stabilisiert und die Vorhut gerettet worden war, konnten sie damit beginnen, einen geordneten Rückzug zu den Barrikaden anzutreten. Dort würde Valion veranlassen, Hilgorns ursprünglichen Plan weiter fortzuführen und Duinhir und dem Rest des Heeres zu signalisieren, dem Feind in den Rücken zu fallen. Hoffentlich hat Ladion bis dahin sein Ork-Problem bereits gelöst, dachte Valion und trat unruhig von einem Bein auf das andere. Seinen Erwartungen entgegen fühlte er sich in der Rolle des passiven Kommandanten nicht sonderlich wohl. In allen Schlachten, an denen er bislang teilgenommen hatte, war er nur ein einzelner Krieger gewesen, der Feinde erschlagen und Stellungen verteidigt hatte. Aber er hatte selbst aktiv in das Geschehen eingreifen können ohne die Verantwortung zu tragen. Jetzt konnte er sich allerdings nicht einfach in der Schlacht stürzen, denn die Soldaten Gondors, die er hierher geführt hatte, unterstanden seinem Befehl und er fühlte sich für sie verantwortlich.
"Gebt acht!" ertönte eine Warnung von weiter vorne, als mit großem Getöse eine riesenhafte Gestalt durch den Schildwall Gondors brach. Ein Troll! Sie haben einen verdammten Troll mitgebracht, schoss es Valion durch den Kopf. Das Monster fegte einen Soldaten beiseite und kam nun direkt auf Valion zu. Es kam ihm fast so vor, als hätte die Kreatur ihr Ziel mit Absicht gewählt. Würde der gondorische Kommandant fallen, wäre dies ein schwerer Schlag für die Moral des Heeres von Dol Amroth. Seit wann sind Trolle so schlau? fragte er sich und hechtete gerade noch rechtzeitig beiseite, als der Troll mit seiner mehrere Meter langen Klinge nach ihm schlug. Valion wusste, dass er in Bewegung bleiben musste und wich mit einer schnellen Rolle einem weiteren vertikalen Schlag aus. Dabei blieb die Klinge seines Gegners im Erdboden hängen. Seine Chance erkennend schlug Valion mit beiden Schwertern zu, doch nur das rechte fand sein Ziel und hinterließ einen tiefen blutigen Schnitt am Bein des Trolls, der ein wütendes Brüllen von sich gab. Valion ergriff einen herumliegenden Speer, den einer seiner Soldaten fallen gelassen hatte, und bedeutete den anderen Gondorern, es ihm gleichzutun. "Zielt auf den Kopf!" rief er und schleuderte die Waffe in Richtung des Trolls, der gerade sein Schwert frei bekommen hatte. Valions Wurf ging knapp dabeben, doch einer seiner Krieger hatte mehr Glück oder Geschick. Der Wurfspeer drang durch einen der Sehschlitze des Helmes der Bestie, und sie ging zu Boden. "Stellt sicher dass er tot ist!" rief Valion.

Die Schlachtreihe Gondors war durch den Trollangriff in Undordnung geraten und ein heftiges Gefecht war entbrannt. Chaos breitete sich aus; an einen geordneten Rückzug war nun nicht mehr zu denken. Durch die Schneise, die der Troll geschlagen hatte, stürmten Orks vorwärts, und Valion bekam nun doch die Gelegenheit, sich an der Schlacht zu beteiligen. Er musste einen schweren Schlag gegen den Kopf einstecken und verlor seinen Helm, doch viele Orks fielen seinen Klingen zum Opfer. Ohne dass er es beabsichtigte arbeitete er sich langsam vorwärts. Links und rechts von ihm reihten sich zwei äußerst begabte Kämpfer ein: Ein Schwanenritter, der sein Pferd verloren hatte und mit Schwert und silberblauem Schild Ork umd Ork niederstreckte, und ein Soldat aus Lamedon, der einen schweren Zweihänder führte und seine Gegner mit Vorliebe enthauptete. Dazwischen wirbelte Valion mit seinen zwei flinken Schwertern durch die Reihen der Feinde, und weitere Soldaten Gondors folgten ihnen. Gemeinsam schlugen sie einen Keil durch die Orks, bis der Lamedoner von einem verirrten Pfeil in den Hals getroffen wurde und zu Boden ging. Valion kniete sich neben ihn nieder, doch es war zu spät. Der Schwung, den ihr Vorstoß mit sich gebracht hatte, war verloren gegangen. Den Schwanenritter hatte er aus den Augen verloren. Stattdessen fiel ihm ein anderer Gondorer auf, der nicht die Farben Dol Amroths oder eines der verbündeten Lehen trug. Der Mann stieß einen Gegner zu Boden, den Valion nicht sehen konnte, und dabei erhaschte er einen Blick in dessen Gesicht. Sogleich fühlte er sich an Hilgorn erinnert, doch in den Zügen des Mannes fehlte es an jeglichem Mitgefühl, und er war auch einige Jahre älter. Das muss dann wohl Herr Imradon sein, dachte Valion und packte den Griff seiner Schwerter fester. Beiläufig rammte er sie einem Ork durch die Kehle und ließ die Leiche achtlos zu Boden gleiten. Imradon stand vor ihm, den Blick auf eine Gestalt am Boden gerichtet. Auf seiner Brust prangte das rote Auge Mordors. Der Verräter hob sein Schwert hoch über den Kopf, um seinen gefallenen Gegner zu erschlagen. Das lasse ich nicht zu! dachte Valion und handelte instinktiv. Er überbrückte die Distanz mit einem schnellen Sprung, stieß einen Ork grob beiseite - und rammte Imradon seine rechte Klinge in die ungeschützte Achsel. Ehe dieser reagieren konnte, holte Valion mit dem zweiten Schwert aus - und schlug ihm den Kopf sauber ab.

"Was bei allen Sternen..." stieß eine angestrenge Stimme hervor als Valion sein Schwert aus dem Körper des Toten zog. Es war Hilgorn, der seine Waffen verloren hatte. "Ihr habt mir das Leben gerettet," stellte Hilgorn ungläubig fest. "Und Imradon ist..."
"Er ist Geschichte. Kommt, General. Es gibt hier eine Schlacht zu gewinnen," erwiderte Valion und streckte Hilgorn den Arm entgegen, um ihm aufzuhelfen. Schließlich ergriff der General Valions Hand und er zog ihn auf die Beine. "Hier, nehmt... das werdet Ihr brauchen," sagte Valion und drückte Hilgorn eines seiner beiden Schwerter in die Hand.
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Re: Morthond und die Pfade der Toten
« Antwort #6 am: 4. Apr 2017, 11:42 »
Hilgorn wog das Schwert, das Valion ihm gegeben hatte, einen Moment lang abwesend in der Hand. Die Waffe war ein wenig kürzer als die, die er gewohnt war, doch er würde damit zurechtkommen. Sein Blick fiel auf den kopflosen Körper Imradons, der vor seinen Füßen lag, und für einen kurzen Moment verspürte er das seltsame Bedürfnis, zu lachen. Dann schüttelte er den Kopf, als wäre er gerade aus tiefem Wasser aufgetaucht, und sah Valion an.
"Ihr habt mir das Leben gerettet", wiederholte er. "Und meinen Bruder getötet." Valion zuckte mit den Schultern. "Und? Er war offensichtlich ein Verräter, und ein ziemliches Arschloch noch dazu. Um den ist es nicht schade."
"Allerdings nicht", ächzte Hilgorn, während er die Stelle betastete, wo der Hieb eines Orks seine Rüstung eingedellt hatte. Sie behinderte ihn ein wenig, doch es würde gehen wenn er sich nicht wieder ins dichteste Kampfgetümmel warf.
"Ihr wirkt allerdings nicht allzu erleichtert", meine Valion mit einem skeptischen Blick, und Hilgorn spürte seine Mundwinkel zucken. Er atmete tief durch, und erwiderte: "Das kommt noch, wenn ich ein bisschen Zeit hatte und diese verdammte Schlacht gewonnen ist - dann bekommt ihr auch euren überschwänglichen Dank." Valion grinste, und ließ sein verbliebenes Schwert im Kreis wirbeln. "Macht euch keine Umstände, es war mir eine Freude. Reicht, wenn ihr mich zur Hochzeit einladet."
Hilgorn hob die Hand und winkte ab. Er wollte jetzt nichts davon hören, was Imradons Tod für ihn - und Faniel - bedeutete, denn er hatte etwas anderes, auf das er sich konzentrieren musste. Valion deutete seine Geste richtig, und sagte: "Stimmt, Schlacht. Also, gehen wir ein paar Orks töten?"
"Lasst euch nicht aufhalten", erwiderte Hilgorn, und warf einen Blick umher. Die Wucht des Gegenangriffs hatte Mordors Truppen ein Stück zurückgedrängt, sodass Hilgorn und Valion sich einige Meter hinter der Frontlinie befanden. Von hier aus konnte Hilgorn jedoch keinen Überblick über die Schlacht bekommen. "Aber ich muss mir einen Überblick verschaffen."
"Dann sollten wir nicht nach Norden gehen", meinte Valion. "Die Orks haben die Bogenschützen dort angegriffen." Hilgorn zog die Augenbrauen zusammen, und deutete mit der Schwertspitze auf den Hügel von Erech. "Kommt, ihr könnt mir im Gehen erzählen, was passiert ist."
Während sie sich einen Weg durch die hinteren Reihen des Heeres bahnten, berichtete Valion, wie Orks die Stellungen der Bogenschützen auf dem Berghang im Norden angegriffen hatten, und dass er ein Drittel seiner Männer dorthin zur Verstärkung geschickt hatte. "Das war gut", meinte Hilgorn während sie den Nordhang des Hügels hinaufstiegen. "Wenn sie uns dort überrannt hätten, hätten sie uns in den Rücken fallen können - allerdings könnten uns jetzt im Tal die Männer fehlen. Das ist allerdings nicht euer Fehler."
Sondern meiner, dachte er bei sich. Sie hatten die Stellung der Bogenschützen auf der Kuppe des Hügels erreicht, und Hilgorn ließ einen Blick über die kämpfenden Heere schweifen. Im Norden, am Berghang, hatten sich zwei kleinere Truppen ineinander verkeilt - die Orks, die die Bogenschützen angegriffen hatten, und die Männer, die Valion zur Verstärkung geschickt hatte. Von hier aus war nicht zu sehen, ob eine Seite einen Vorteil hatte. Unten im Tal sah es anders aus. Valions Angriff hatte die Orks zwar ein wenig zurückgedrängt - eine Tatsache, der Hilgorn sein Leben verdankte - doch an dieser Stelle war das Tal breiter als weiter oben, wo sie ihre eigentliche Verteidigungsstellung errichtet hatten. Gerade auf dem rechten Flügel waren die Reihen Gondors gefährlich dünn, und wenn die Schlacht noch ein wenig länger dauerte, würde Mordor sie mit Sicherheit durchbrechen. Hilgorn stieß einen verhaltenen Fluch aus, und hörte neben sich Valion leise sagen: "Von hier sieht es... längst nicht so gut aus wie von unten."
"Wenn der rechte Flügel bricht, zerlegen sie uns die gesamte Formation und kesseln uns ein", sagte Hilgorn, und deutete mit dem Schwert in die Richtung der gefährdeten Stelle. "Wir müssen..." Er fuhr sich mit der freien Hand durch den schweißfeuchten Nacken. Er konnte natürlich einen Rückzug befehlen, doch selbst der geordnetste Rückzug war verlustreich und ein hohes Risiko - wenn der gegnerische Kommandant sein Handwerk verstand, würde er den Druck dann noch erhöhen und ihnen keine Gelegenheit geben, sich an den Barrikaden wieder zu formieren.
Hilgorn lächelte, als ihm eine Idee kam. Ihm war aufgefallen, dass die Orks ihren Angriff verlagerten - sie zogen immer mehr Kräfte von Gondors linkem Flügel, wo die Gegenwehr stark war, ab, und verlagerten sie allmählich nach rechts. Offensichtlich baute ihr Kommandant darauf, dass der Befehlshaber Gondors entweder tot oder unerfahren war, und seinem linken Flügel befahl vorzurücken, ohne die Gefahr auf der anderen Seite zu bemerken. Hilgorn winkte einige der Bogenschützen zu sich heran, und sagte: "Der rechte Flügel soll sich verkürzen und dann mit dem Rücken zu den Bergen herumschwenken. Das Zentrum und der linke Flügel sollen nachziehen, und zwar so, dass das Zentrum direkt unterhalb der Bogenschützen steht und der linke Flügel an unsere Männer oben auf den Hängen anschließt." So würde das Heer einen ungefähren Halbkreis bilden, mit den schützenden Bergen im Rücken. Natürlich bestand dabei die Gefahr einer Einkreisung, doch wenn alles nach Plan verlief, würden sie nicht lange allein kämpfen müssen.
Während die Boten loseilten, um Hilgorns Befehle an die anderen Kommandanten, die die einzelnen Teil des Heeres befehligten, weiterzugeben, wandte er sich an Valion. "Reite nach Erech zu Duinhir. Er soll sofort kommen, aber vorsichtig - Mordor soll ihn nicht bemerken bevor er nicht mit aller Kraft auf einmal in ihrem Rücken angreift."
"Schon auf dem Weg", erwiderte der Erbe des Ethir, und lief los in Richtung des Lagers wo sie ihre Pferde zurückgelassen hatten. "Und Valion", rief Hilgorn ihm hinterher, und der Angesprochene verharrte kurz. "Wenn dein Pferd nicht dort ist, nimm zur Not meines."
Erst als Valion davongeeilt war fiel Hilgorn auf, dass er Valion einen seiner Soldaten oder Offiziere von geringem Rang angesprochen hatte, und nicht wie einen hohen Adligen. Seltsamerweise schien Valion es entweder ebenfalls nicht bemerkt zu haben, oder es hatte ihn nicht gestört.
Er sah die übrigen Bogenschützen an, die ruhig auf seinen Befehl warteten. Hierbleiben konnten sie nicht, wenn das Heer das geplante Manöver erfolgreich ausführte, also sagte Hilgorn: "Wir geben diese Stellung auf - und wir sollten lieber auf der anderen Seite sein, bevor unsere Leute herumgeschwenkt sind."
Der Anführer der Bogenschützen, ein Mann mit schwarzen Haaren, die an den Schläfen bereits grau wurden, grinste und erwiderte: "Laufen können wir - und es wird auch Zeit dass wir ein paar dieser Kreaturen mit unseren Pfeilen bekannt machen. Bislang gab es hier nichts zu schießen."
"Dazu werde ihr noch genug Gelegenheit haben - also los!" Gefolgt von den Schützen lief Hilgorn den Hang hinunter, auf das Heer und die andere Seite des Tales zu. Wenn sie aushielten, bis Duinhir und Valion mit dem Rest der Truppen eintrafen, würde das Heer Mordors von zwei Seiten eingeschlossen sein. Er hoffte, dass Valion sich beeilte.

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Duinhirs Angriff
« Antwort #7 am: 14. Apr 2017, 19:54 »
Es widerstrebte Valion zwar, der Schlacht den Rücken zuzuwenden, aber er wusste, dass sein Befehl wichtig war. Das Gefecht hatte sich anders entwickelt als es Hilgorn vorhergesehen hatte, und sie brauchten Duinhirs Soldaten jetzt, wenn sie eine Niederlage verhindern wollten. Das Schwert fester packend setzte er zum Sprint an. Die Pferde und die Ritter, die Hilgorn bislang in Reserve gehalten hatte, waren in einer breiten Öffnung zwischen großen Felsem am nördlichen Hang des Tales untergebracht. Während Valion auf die Stelle zurannte sah er aus den Augenwinkeln Pfeilsalven über die Köpfe der Gondorer zischen. Offenbar hatten Ladion und seine Bogenschützen den Angriff aus dem Gebirge abgewehrt und unterstützten die im Tal kämpfenden Soldaten nun mit ihrem Beschuss. Rasch richtete Valion den Blick wieder nach vorne, um keinen Sturz zu riskieren.
Der Kommandant der Ritter, der an seinem weißen Helmbusch zu erkennen war, erhob sich gerade, als Valion seine Stellung erreichte. "Gebt mir mein Pferd, rasch!" rief Valion und gab dem Kommdandanten zu verstehen, dass er in Eile war. "Und seht zu, dass ihr euch an der Schlacht beteiligt," befahl Valion während er in den Sattel sprang. "Hilgorn und seine Leute brauchen alle Verstärkung, die sie bekommen können. Fallt dem Feind in die südliche Flanke, wo das Gelände etwas flacher ist!" Der Ritter bestätigte den Befehl und die Schwanenreiter machten sich kampfbereit, während Valion in Richtung der Stadt Erech davonpreschte.

Auf dem Weg zu Duinhirs Stellung versuchte er, die im Tal verstreuten großen Felsen als Sichtschutz zu benutzen, wo immer dies möglich war. Er wusste, dass einige Orks scharfe Augen besaßen und besonders nachts gut und weit sehen konnten. Zwar war die Dämmerung noch einige Stunden entfernt, aber Valion wusste, dass Duinhirs Angriff überraschend kommen musste, um Erfolg zu haben. Die Schockwirkung würde dem Angriff die benötigte Schlagkraft verleihen, um tief in die Reihen der Orks vorzustoßen und sie in Unordnung zu bringen und letzten Endes in die Flucht zu schlagen.
Am Tor Erechs angekommen fand er es versperrt vor. Er war jedoch bereits von den Wachposten entdeckt worden, die sich im Schutze der Mauerkrone versteckt gehalten hatten, und es war der Herr von Morthond selbst, der ihm entgegentrat, als das Tor von innen einen Spalt breit geöffnet worden war.
"Valion, endlich," sagte Duinhir grimmig. "Wir dachten schon, ihr habt uns vielleicht vergessen. Wie läuft die Schlacht?"
"Nicht besonders gut," antwortete Valion. "Rufe deine Leute zusammen, Duinhir. Wir brauchen jeden einzelnen kampfbereiten Mann, und zwar so bald wie möglich. Die Orks sind zahlreicher als wir angenommen hatten, und sie sind uns nicht so in die Falle gegangen, wie wir uns das gedacht hatten. Hilgorn weist dich an, möglichst ungesehen im Süden einen Bogen zu schlagen und dem Heer Mordors in den Rücken zu fallen."
Duinhir schlug bekräftigend die Fäuste gegeneinander. "Im Süden des Tals steht ein dichter Tannenwald; der wird uns vor den Blicken unserer Feinde verbergen. Halte dich bereit - wir rücken in wenigen Minuten aus."

Doch diese Aussage erwies sich als zu optimistisch. Es dauerte noch ungefähr eine halbe Stunde, bis jeder Krieger aus Duinhirs Heeresabteilung Erech verlassen und sich die Streitmacht im Tannenwald im Süden des Tales versammelt hatte, der im Schatten des großen Hügels mit dem Stein von Erech lag. In der Zwischenzeit hatte Valion beobachtet, wie die kleine Gruppe Schwanenritter in den Kampf eingegriffen hatte, und für etwas Unordnung unter den Orks gesorgt hatte, ehe sie von einem Troll versprengt worden waren. Valion hatte sich ein zweites Schwert geben lassen; als Ersatz für die Klinge, die er Hilgorn überlassen hatte. Wenn die Schlacht geschlagen ist, hole ich mir mein Schwert von ihm wieder zurück, dachte er gerade als Duinhir ihm endlich signalisierte, dass die Soldaten aufbruchbereit waren. Sie setzten sich in Bewegung und nutzten den Wald so gut es ging, um außer Sicht zu bleiben.
Als die Bäume weniger wurden ließ Duinhir seine Leute anhalten. "Wir begeben uns jetzt auf das freie Feld und greifen aus der Deckung heraus an. Zieht eure Schwerter, Söhne und Töchter Gondors! Kämpft für eure Heimat und eure Familien! Zeigt ihnen, dass Gondor noch immer stark ist!" Waffen aller Art wurden gezogen, und die Streitmacht setzte sich erneut in Bewegung, als die Soldaten in einen Laufmarsch verfielen. Sie ließen den Tannenwald hinter sich und näherten sich den Orks von hinten. Natürlich konnte man sie jetzt deutlich kommen sehen, aber sie mussten nur wenige hundert Meter hinter sich bringen ehe ihre Schlachtlinie auf die Nachhut der Orks traf, die gerade erst dabei waren, herumzuschwenken. Valion erschlug den ersten Feind, der sich ihm entgegenstellte, mit dem Schwung, den ihm der Laufschritt verliehen hatte und ließ die Bewegung nach einer raschen Drehung um die eigene Achse enden. Rings um ihn herum stürzten sich die Soldaten Duinhirs auf ihre Feinde und drangen tief in die Reihen Mordors ein, wie Hilgorn und Duinhir es sich erhofft hatten. Durch den Schock des plötzlichen Angriffes gelang es den Gondorern, viele Orks mühelos niederzumachen. Doch die Schlacht war noch nicht gewonnen. Noch immer hielt die Ordnung im Kern des Heeres von Mordor, und ihre vorderen Reihen drangen weiterhin auf Hilgorn und seine Abteilung ein.

Valion zog seine linke Klinge aus der Kehle eines Orks und duckte sich unter dem Keulenhieb eines zweiten Feindes weg, ehe er der Kreatur einen festen Tritt versetzte, der sie zu Boden schleuderte. Ein Soldat auf dessen Schild der silberne Schwan Dol Amroths prangte, stach den gefallenen Feind rasch nieder. Valion sah sich nun allerdings drei wütenden Orks gegenüber, die mit ihren langen Speeren auf ihn losgingen. Glücklicherweise wurde einer der drei von einem verirrten Pfeil tödlich getroffen, was die anderen beiden für einen kurzen Augenblick ablenkte. Mehr benötigte Valion nicht, der mit einer flüssigen Bewegung zwischen sie trat und jeweils eines seiner Schwerter in die Sehschlitze ihrer Helme rammte. Beide brachen tot zusammen.
Die Schlacht nahm an Intensivität zu. Beide Heere waren nun schon eine längere Zeit in den Kampf miteinander verwickelt gewesen, und viele Kämpfer begannen, müde zu werden. Menschen und Orks zeigten erste Zeichen von Erschöpfung. Auch Valion spürte seine Arme immer schwerer werden. Es wird Zeit, dass eine Entscheidung fällt, dachte er während er einen Schwerthieb parierte, der auf sein Gesicht gezielt hatte. Hoffentlich sieht es bei Hilgorn etwas besser aus als an meiner Position!
« Letzte Änderung: 27. Sep 2017, 14:53 von Fine »
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Re: Morthond und die Pfade der Toten
« Antwort #8 am: 21. Apr 2017, 17:49 »
Pfeil um Pfeil verschoss Cynewulf auf einen kleineren Trupp Orks, der alsbald von seinen neuen Kameraden zerschlagen wurde. Der Kommandant der Bogenschützen, ein Elb namens Ladion, gab den Befehl, die Abteilung neu zu formieren und die Position oberhalb des Eingangs zu den Pfaden edr Toten zu verteidigen, während sie auf neue Befehle von General Hilgorn warteten.
Einer der Späher hastete herbei und rannte ihn fast nieder. "Hautpmann..." keuchte er, "eine große Horde Orks ist auf den Weg hierher und wird in Kürze unsere Position erreicht haben!"
Cynewulf, der den Bericht des Spähers mitabgehört hatte, bereitete sich auf den folgenden Kampf vor. Obwohl er im Bogenschießen sehr begabt war, fiel es ihm deutlich schwerer als er gedacht hatte, wieder zu Fuß zu kämpfen. Er war es gewöhnt von Schildbrechers Rücken aus Pfeile auf den Feind zu verschießen.
"Die hintersten Reihen nehmen weiterhin die Orks nach eignem Ermessen in Beschuss, die vordersten Reihen formieren sich am Hang und warten auf dort auf weitere Befehle!" gab Ladion seine Anweisungen an seine Offiziere weiter. Schließlich waren die Männer in drei Reihen formiert, die Pfeile auf die Sehne gelegt und auf Befehle wartend. Cynewulf stand in der vordersten Reihe neben einigen mutigen Männern. Zumindest tun sie so, dachte Cynewulf.
Das Gebrüll der sich nähernden Orks wurde immer lauter bis schließlich die ersten Diener des Roten Auges in Erscheinung traten. "Wartet! Wartet!" schrie Ladion, der seinen rechten Arm mit offener hand angewinkelt hatte. Sein Arm streckte sich nach vorne. "Feuer!" brüllte er und eine Salve flog den Orks entgegen. Die Pfeile zischten und trafen mit voller Wucht ihr Ziel, was mit lauten Schmerzensschreien beloht wurde. Bevor Ladion erneut einen Befehl geben konnte, hatte Cynewulf bereits einen neuen Pfeil auf die Sehne gespannt. Erneut flog eine Salve auf die nahenden Orks. Die Gondorer wurden sichtlich nervöser und Cynewulf konnte in den hintersten Orkreihen einen Troll entdecken. Wieder gab Ladion einen Befehl an seine Offiziere und anschließend flogen über die Köpfe der vorderen Soldaten mehrere dutzend Pfeile. Trotz allem konnten die feindlichen Reihen nicht vollständig zurückgedrängt werden, und so befahl Ladion den Rückzug. Die Orks sammelten sich, ließen ihre Gefallenen achtlos zurück und rannten ungeordnet den Bogenschützen entgegen. Diese waren nun in zwei Gruppen aufgeteilt worden.
"Haltet Stand!" befahl Ladion, der anschließend sein Schwert zog. Cynewulf tat es ihm gleich und nahm sein Schwert in die Hand. Die Orks stürmten wie wild in die Reihen der Bogenschützen und ein Gefecht begann. Cynewulf, dessen Nahkampfkünste bei weitem nicht so gut waren wie die Schießkunst, versuchte sich, nachdem er einige Orks niedergeschreckt hatte, nach hinten zurückzuziehen. Es gelang ihm, sich ein Stück vom Gemetzelzu entfernen. Dort nahm er wieder den Bogen in die Hand und versuchte, mit äußerster Präszision seine Schüsse so anzusetzen, dass er nicht einen Pfeil zu vergeudete. Plötzlich ertönte ein entsetzliches Brüllen von der linken Flanke. Der Troll hatte nun die Reihen der Bogenschützen erreicht und schmetteterte seine Keule auf die Soldaten nieder.
"Tötet den Troll!" schrie Ladion, der nun selbst die Sehne seines Bogen gespannt hatte und einen Pfeil auf den Troll abschoss. Dieser brüllte schmerzhaft und taumelte zurück. Auch Cynewulf versuchte, den Troll unter Beschuss zu nehmen. Die vordere Front der Bogenschützen wurde durch den Troll ein großes Stück zurückgedrängt, bis schließlich ein Pfeilhagel auf die Orks und den Troll, von der Zweiten Truppe geschossen, niederging. Ladion spannte erneut die Sehne seines Bogens und mit einen Pfeifen flog ein Pfeil direkt auf den Troll zu, dieser traf ihn direkt ins Auge. Die Bestie wankte und versuchte vergebens, den Pfeil aus ihrem Gesicht zu ziehen, bis sie letzendlich tot umfiel. Durch den Fall des Trolles verunsichert flohen die restlichen Orks und die Bogenschützen richteten ihre Aufmerksamkeit wieder auf die Schlacht unten im Tal. Auf Ladions Kommando versuchten die übrig gebliebenen Soldaten, die Flucht der Orks zu verhindern. Die Schlacht ging weiter.
« Letzte Änderung: 21. Apr 2017, 18:18 von Melkor. »
Er hat noch gezuckt weil ich ihm meine Axt in seine Nervenstränge getrieben habe.

-Gimli Gloinssohn zu Legolas, Schlacht bei Helms Klamm-

Eandril

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Re: Morthond und die Pfade der Toten
« Antwort #9 am: 21. Apr 2017, 23:15 »
Nachdem die Bogenschützen den gegen sie gerichteten Angriff der Orks abgewehrt hatten und der Rest des Heeres sein Manöver erfolgreich durchgeführt hatte, hatte Hilgorn gemeinsam mit einigen Männern, die als Boten die Verbindung zu den einzelnen Teilen des Heeres aufrechterhalten sollten, eine etwas erhöhte Position am Hang eingenommen.
Er hatte kurz mit Ladion gesprochen, gemeinsam mit dem Elben eine neue Taktik für die Bogenschützen beschlossen. Da in der Mitte der Formation die Gefahr groß war, mit einem Fehlschuss die eigenen Männer zu treffen, ließ der Elb nur seine besten Schützen - zu denen merkwürdigerweise ein Mann in einer Rüstung nach der Art Rohans gehörte - über die übrigen Soldaten hinweg schießen, und postierte die übrigen weiter an den Rändern, wo die Reihen dünner waren und die Bogenschützen ihre Kameraden besser und ohne großes Risiko unterstützen konnten.
Von seiner erhöhten Position konnte Hilgorn schließlich beobachten, wie Duinhir und seine Männer aus dem Tannenwald auf der Südseite des Tales hervorbrachen, und den Orks, die nicht rechtzeitig herumschwenken konnten, in den Rücken fielen. Der unvermutete Angriff schien die Truppen Mordors hart, aber nicht entscheidend zu treffen. Mit mehr Reitern hätte die Taktik mehr Erfolg gehabt, dachte Hilgorn, und erinnerte sich an den Rohír, den er unter den Bogenschützen gesehen hatte. Wenn sie diesen Krieg gewinnen wollten, brauchte Gondor die Unterstützung der Rohirrim. Die gondorischen Fußsoldaten waren die besten der bekannten Welt, doch an einer guten Reiterstreitmacht mangelte es ihnen. Die Schwanengarde und die übrigen Ritter von Dol Amroth kämpften zwar häufig zu Pferd und waren gut darin, doch sie waren zu wenige um eine entscheidende Rolle zu spielen. Sie würden Rohans Hilfe brauchen, spätestens wenn sie eines Tages den Gilrain nach Osten überschreiten würden.
Ohne sich von diesen Gedanken ablenken zu lassen, beobachtete Hilgorn weiterhin aufmerksam den Verlauf der Schlacht. Die Verstärkung war im Schwung des Angriffs tief in die gegnerischen Reihen eingedrungen, doch schon bald stecken geblieben. Der Kern von Mordors Heer war intakt geblieben, und durch ihre zahlenmäßige Überlegenheit konnten die Orks verhindern, dass ihre Formation auseinander brach.

Ein Bote mit schweißüberströmtem Gesicht, dem Blut aus einer klaffenden Wunde am Schildarm lief, kam von Westen, von der rechten Flanke herbeigeeilt. "General", keuchte er. "Wir brauchen Verstärkung. Hauptmann Berion meldet, dass die Orks zu den Pfaden durchbrechen werden."
Hilgorn atmete tief durch, und zögerte für einen Moment. Dann sagte er zu Ladion: "Schickt so viele Bogenschützen wie wir links entbehren können zur rechten Flanke. Sie sollen unsere Leute dort von hinten unterstützen und jeden Ork abschießen, der durchbricht."
Ladion nickte nur, und eilte nach Osten davon. "Wird das reichen?", fragte Hilgorn an den Boten gewandt, der ein wenig hilflos mit den Schultern zuckte. "Ich weiß nicht. Die Orks scheinen mit aller Macht dort durchbrechen zu wollen, seit die Verstärkung ihnen in den Rücken gefallen ist."
"Gib Bescheid, dass ich Hilfe schicke", sagte Hilgorn nach kurzem Zögern. "Und haltet durch - ihr müsst."
Ohne darauf zu achten, dass der Bote zu seiner Position zurückeilte, wandte er den Blick wieder der Schlacht im Tal zu. Duinhir hatte seine Männer ein wenig zurückgezogen und neu formiert, doch gerade in diesem Augenblick rückte er erneut vor. Hilgorn beobachtete, wie Männer in Form eines Dreiecks die vorderen gegnerischen Reihen durchbrachen, doch dann erneut steckenblieben. Das Banner von Morthond, dass neben denen von Dol Amroth und Gondor flatterte, ging zu Boden.
Hilgorn wunderte sich, woher die Schmerzen kamen. Dann bemerkte er, dass er die Hände so fest zu Fäusten geballt hatte, dass sie ohne den Schutz der Panzerhandschuhe vermutlich bluten würden.
Unten auf dem Schlachtfeld hatte ein anderer von Duinhirs Soldaten das gefallene Banner aufgehoben, und der Keil, den seine Männer bildeten, drang wieder ein Stückchen tiefer in die gegnerischen Reihen vor. Die Taktik des Fürsten war selbstmörderisch, und wenn Hilgorn nicht handelte, würde er von den Orks nach und nach zerquetscht werden.
Ohne lange zu zögern traf Hilgorn eine Entscheidung. Sie würden die Feinde nicht vollends einkreisen können, dazu waren sie zu wenige und zu gespalten. Doch sie konnten den Spieß umdrehen. Er winkte einen jungen Soldaten zu sich heran und sagte: "Geh zu Hauptmann Dírentur. Er soll vorrücken, koste es was es wolle, und sich in der Mitte mit Duinhirs Männern treffen." Noch bevor der Mann loseilen und den Befehl weitergeben konnte, sagte Hilgorn zu einem zweiten Soldaten: "Und du wirst Hauptmann Marandir mitteilen, dass er sich Dírentur in der Mitte anschließen soll. Wir geben die Flanke auf und werfen alles in die Mitte." Dírentur und Marandir waren die beiden Hauptmänner, die die Mitte und die linke Flanke des Heeres befehligten. Gemeinsam hatten sie eine Chance, weit genug in die gegnerischen Reihen vorzudringen, um sich mit Duinhir zu vereinen und Mordors Heer in zwei Teile zu spalten.
Es dauerte nicht lange, bis Hilgorns Befehle ausgeführt wurden. Die Soldaten beschränkten sich nicht länger darauf, ihre Position gegen die Orks zu verteidigen, sondern sie griffen an und rückten schließlich vor. Selbst von Hilgorns Position aus war zu sehen, dass sie jeden Schritt mit Blut bezahlten, doch langsam drang auch von Norden ein Keil aus Soldaten in die Masse der Orks vor.
Als der Vormarsch für einen Moment ins Stocken geriet, umklammerte Hilgorn den Griff des Schwertes, das Valion ihm geliehen hatte, fester. Es waren keine Gegner in der Nähe, doch der Schwertgriff in seiner Hand beruhigte ihn.
Nur noch eine dünne Linie an Orks trennte Hilgorns und Duinhirs Männer voneinander und hielt die beiden Teile ihrer Armee, den kleineren im Westen und den größeren weiter östlich, zusammen. Diese dünne Linie hielt für einen Augenblick, während die Orks von beiden Seiten auf die Männer Gondors anbrandeten, und für diesen Augenblick zweifelte Hilgorn, ob sie siegen würden. Er wusste, die Schlacht stand auf Messers Schneide - brach die Linie der Orks zuerst, hatte Mordor verloren. Doch wenn seine oder Duinhirs Truppen unter den Angriffen von zwei Seiten auch nur einen kurzen Moment nachgaben, würden sie aufgerieben werden und Mordor würde siegen.
Der Moment schien ewig zu dauern, bis plötzlich die dünne Verbindungslinie der Orks brach, und die zwei Teile des gondorischen Heeres zu einem verschmolzen.
Hilgorn atmete auf, und begann dann Befehle zu geben. Die Schlacht war so gut wie gewonnen, doch es war noch nicht vorbei. "Berion soll den östlichen Teil der Orks im Norden einkreisen, die Südhälfte des Kreises sollen Duinhirs Männer übernehmen. Die Hälfte unserer Männer treibt den Rest der Orks nach Osten, lasst sie sich nicht neu formieren. Ein Drittel der Bogenschützen unterstützt das Einkreisen, die anderen sorgen ebenfalls dafür, dass die übrigen Orks sich nicht neu formieren."
Während die Männer davoneilten um seine Befehle weiterzugeben, stieß Hilgorn das Schwert in das selbst hier niedergetrampelte Gras, stützte sich auf den Griff, und beobachtete, wie Mordors Niederlage besiegelt wurde.
« Letzte Änderung: 21. Apr 2017, 23:32 von Eandril »

Oronêl - Edrahil - Hilgorn -Narissa - Milva

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Das Ende der Schlacht
« Antwort #10 am: 23. Apr 2017, 11:08 »
Als die Reihen der beiden Heeresabteilungen Gondors endlich aufeinander trafen und sich Mordors linke Flanke in Luft auflöste atmete Valion auf. Er war zwei Reihen zurückgefallen und hielt sich den linken Arm, den er sich notdürftig abgebunden hatte um die Blutung zu stoppen. Kurz vor dem Durchbruch hatte ihn ein orkischer Speerträger übel am Ellenbogen getroffen und die Spitze des kruden Speeres war von dort weit über seinen Oberarm gerutscht, einen tiefen Schnitt hinterlassend. Glücklicherweise schien die Wunde keine Muskeln verletzt zu haben, dennoch war der Schmerz stark genug, dass Valion die Zähne zusammenbeißen musste. Er gestikulierte mit der freien Hand um den Soldaten um sich herum den Befehl zum Vorrücken zu geben. Diese setzten den Orks nach, die sich nun mehr und mehr zur Flucht wandten. Soweit Valion sehen konnte war die rechte Flanke Mordors bereits in eine geordnete Rückwärtsbewegung verfallen, die sich jedoch unter dem Ansturm der wenigen verbliebenen Ritter und einer ordentlichen Pfeilsalve von Ladions Bogenschützen mehr und mehr in eine kopflose Flucht wandelte.
"Seht zu, dass so wenige wie möglich entkommen!" rief Valion. Angestrengt wischte er sich über die Stirn und stellte fest, dass sich sein Handrücken rot färbte. Offenbar hatte er auch an der Stirn eine Verletzung erlitten. Gut, dass Valirë mich so nicht sehen kann, dachte er. Seine Schwester würde ihn wahrscheinlich dafür verspotten, dass er sich von Orks so hatte zurichten lassen. Doch Valirë war bei Erchirion in Dol Amroth und hatte momentan ganz andere Sorgen.

Die Schlacht endete mit dem Tod eines der letzten Trolle. Im Schatten der grobschlächtigen Kreatur hatten sich die verwegensten Orks gesammelt und noch einmal für einige Minuten ernsthaften Widerstand geleistet. Es war schließlich Duinhir vom Morthond, der einem seiner Männer den Bogen aus der Hand nahm und der Bestie zielgenau ins Auge schoss. Dabei machte er ein Gesicht, aus dem Valion einen einzigen Satz deutlich herauslesen konnte: Willst du, dass es gut erledigt wird, dann mach' es selbst. Das entlockte ihm trotz der Schmerzen ein schiefes Grinsen.
Duinhir kam missmutig auf ihn zugestapft. "Was für ein Schlamassel," sagte der Herr des Schwarzgrundtals. "Sieh dich nur um, mein Junge. Es wird Monate dauern, unser schönes Tal von all den stinkenden Ork-Kadavern zu befreien; von den Trollen ganz zu schweigen. Und bis der Gestank sich verzogen hat dauert es vermutlich Jahre."
"So begrüßen die Menschen von Morthond also den Sieg und die erfolgreiche Verteidigung ihrer Heimat?" gab Valion lächelnd zurück. "Ich sage, wir sollten froh sein, dass Erech noch steht und die Pfade nicht erobert wurde."
"Meine Männer sagen, wir hätten Isildurs Stein aus seinem Sockel heben und in Richtung der Orks den Hügel hinab rollen sollen," meinte Duinhir. "Ich frage mich, wann die Schwarzgrundler solche Witzbolde geworden sind. Sicherlich nicht durch meine Führung!"
"Nein, ganz bestimmt nicht," pflichtete Valion dem Lehnsfürsten bei.
"Ich bin froh, dass du noch in einem Stück bist... nun, zumindest fast. Heda, Faldorn! Wir brauchen hier drüben ein paar Verbände, na los! Ehe mir der junge Herr hier noch umkippt. Na mach' schon!" Er winkte einen der Heiler herbei, die inzwischen überall auf dem Schlachtfeld nach den Verwundeten sahen. Rasch wurde Valions Armverletzung begutachtet und für nicht lebensbedrohlich befunden. Die Wunde wurde gereinigt und sorgfältig verbunden, und im Anschluss drückte jemand ihm einen gefüllten Krug Bier in die Hand, der wie durch Zauberhand aufgetaucht war. Valion stellte keine Fragen und trank; es half dabei, den Schmerz ein wenig zu lindern.
Kurz darauf kam ein junger Bote angerannt und überbrachte Duinhir und Valion die Nachricht, sich mit General Hilgorn in seinem Zelt unterhalb des Hügels von Erech zu treffen.
"Die Pflicht ruft," meinte Valion. Gemeinsam machten sie sich auf den Weg dorthin.

"Der Sieg ist unser," stellte Hilgorn gerade klar, als sie das Zelt betraten, das wohl soeben erst an Ort und Stelle errichtet worden war. Die überlebenden Hauptleute waren bereits anwesend. Valion stellte fest, dass kaum einer von ihnen unversehrt geblieben war, auch wenn niemand eine schwerwiegende Verletzung erlitten hatte. Mit einem dankbaren Nicken reichte Hilgorn Valion das Schwert, das er ihn während der Schlacht gegeben hatte.
"Wie hoch sind unsere Verluste?" fragte Dírentur, ein Hauptmann von Dol Amroth.
"Genau können wir es noch nicht sagen, aber die ersten Schätzungen sagen, dass von tausend Mann jeder Fünfte gefallen ist," antwortete Marandir, ein erfahrener Kommandant und Veteran der Kriege gegen Mordor. "Ich sage, wir sollten sobald wie möglich die Verfolung der Orks aufnehmen. Wenn mich meine Augen nicht getäuscht haben ist mindestens ein Drittel ihres Heeres entkommen und könnte eine Bedrohung für Calembel und Lamedon darstellen, wenn sie sich nach Osten zurückziehen."
"Ja, wir werden sie verfolgen," bekräftigte Hilgorn Marandirs Vorschlag. "Aber erst, wenn sich die Männer gesammelt haben und marschbereit sind. Die Schwerverwundeten werden in der Obhut von Duinhirs Heilern in Erech versorgt werden. Alle anderen Verwundeten nehmen die direkte Straße nach Dol Amroth, die am Fluss Morthond entlang nach Süden führt. Der Rest - also die Unverletzten - beteiligt sich an der Verfolgung."
"Sehr gut," befand Valion. "Wenn wir sie einholen, lassen wir keinen dieser Kreaturen am Leben."
"Seht zu, dass ihr die Kadaver verbrennt oder sie den Wölfen in den Wäldern zum Fraß vorwerft," schlug Duinhir vor. "Anders haben sie es nicht verdient."
"Meine Herren, ihr habt eure Befehle," schloss Hilgorn die Beratung. "Lasst eure Kompanien zusammentreten und teilt sie nach Verwundeten und Unverletzten auf. In einer Stunde marschieren wir los und kehren nach dem Ende der Verfolgung zunächst nach Dol Amroth zurück."
"Das sollten wir," sagte Hauptmann Berion, der die linke Flanke Gondors kommandiert hatte. "Während der Schlacht habe ich immer wieder Orks davon reden hören, dass sich im Osten Übles für Gondor zusammenbraut. Das kann natürlich viel (oder auch gar nichts) bedeuten, aber es ist wichtig, dass Truchsess Imrahil von den Ereignissen hier in Morthond erfährt und dass wir uns darüber beratschlagen, was als Nächstes zu tun ist."
"Ich stimme zu," sagte Hilgorn. "Wir werden diesen Gerüchten nachgehen, wenn wir wieder in Dol Amroth sind und mit Herrn Imrahil gesprochen haben. Nun geht!"

Eine knappe Stunde später hatte sich das nun noch siebenhundert Mann starke Heer in Marschformation versammelt. Hörner wurden geblasen, und die Soldaten Gondors setzten sich in östlicher Richtung in Bewegung. Die Spur, die die flüchtenden Orks hinterlassen hatten, war nicht zu übersehen: eine braune Schneise führte quer durch das satte grüne Gras des Tals von Erech und führte nach Süden, in Richtung des Passes von Tarlangs Hals. Valion, dessen Wunden noch immer schmerzten, ritt direkt hinter Hilgorn und Ladion während das Heer Dol Amroths den besiegten Überrest der Streitmacht Mordors auf seinem Weg aus dem Schwarzgrundtal verfolgte...


Hilgorn, Valion, Cynewulf und Ladion mit dem Heer weiter nach Lamedon
« Letzte Änderung: 30. Apr 2017, 15:21 von Fine »
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Auf den Spuren des Verräters
« Antwort #11 am: 22. Mär 2018, 15:45 »
Valion aus Anfalas


Das Pferd, das Valion von Arandol über Anfalas bis an die Ufer des Morthond-Flusses gebracht hatte, war schnell und ausdauernd, was ihm bei der Jagd auf Gilvorn sehr zugute kam. Jedoch wurde er dadurch verlangsamt, dass er kein besonders guter Spurenleser war und einige Probleme hatte, den Weg zu identifizieren, den Gilvorn und seine Begleiter genommen hatten. Auch war es nun das erste Mal seit langer Zeit, dass Valion alleine unterwegs war. Schon vor Beginn des Ringkriegs war er nur selten von seiner Zwillingsschwester getrennt gewesen, und das hatte sich auch in seiner Zeit in Dol Amroth nicht geändert. Und so kam es, dass er der Spur Gilvorns zwar folgen konnte, jedoch keinerlei Fortschritt dabei machte, den Verräter einzuholen, obwohl dieser mit einer Gruppe reiste, und somit im Durchschnitt etwas langsamer unterwegs sein musste, als ein einzelner Reiter.
Valion erreichte den Fluss Morthond von Südwesten her und überquerte ihn an einer Furt, die ungefähr auf halbem Weg zwischen Erech und dem Hafen von Edhellond lag. Jenseits davon verlief eine Straße, die durch das Tal zwischen dem Morthond und dem Gebirge führte, das von den Gondorern Tarlangs Rücken genannt wurde. Dieser Weg bot eine alternative Route, um von Erech zur Küste zu gelangen, wenn man nicht auf der zweiten Straße durch den Engpass von Tarlangs Hals in Richtung Lamedon reisen wollte, war allerdings dafür steiler, in weniger gutem Zustand und weniger gut bewacht. Valion bog nach dem Überqueren der Furt auf die Straße ein und folgte ihr nach Norden, denn selbst er konnte deutliche Zeichen dafür sehen, dass Gilvorn hier entlang gekommen sein musste. Die, die Valion verfolgte, hatten offenbar an diesem Ort eine kurze Rast eingelegt. Überreste eines Lagerfeuers waren zu sehen und das Gras neben der Straße war von Hufabdrücken übersät. Es schien, als würde sich Gilvorn keine großen Sorgen darüber machen, verfolgt zu werden.
Wollen wir doch mal sehen, ob ich dich nicht eines Besseren belehren kann, dachte Valion, als er sein Pferd zum Galopp antrieb.

Am folgenden Tag stieß er am späten Nachmittag auf neue Spuren. Mitten auf der Straße lag ein Krieger in einer Blutlache, gefällt von einem schwarz gefiederten Pfeil im Nacken. Valion vermutete, dass es sich bei dem Toten um einen der Begleiter Gilvorns handelte und stieg von seinem Pferd. Vorsichtig ging er mit gezogenem Schwert die Straße weiter entlang, die hier um eine hervorstehende Felskante herumführte.
Er sollte recht behalten. Jenseits der Kurve wurde er von Soldaten Gondors empfangen, die Valion anhand ihrer Rüstung als Morthonder erkannte. Er steckte sein Schwert weg, als er Fürst Duinhir in ihrer Mitte entdeckte. Die Soldaten hatten offenbar gerade erst ein Gefecht mit Gilvorns Gefährten zu Ende gebracht.
„Sieh mal einer an, wen uns der Schwargrundfluss da hinauf ins Tal gespült hat,“ sagte Duinhir, als er Valion erkannte. „Was bringt dich her, Junge?“
Valion deutete auf die Gefallenen, die überall herumlagen. „Ich war hinter diesen Verrätern her,“ sagte er und fasste in wenigen Sätzen zusammen, was in Anfalas geschehen war.
Duinhir strich sich nachdenklich über den Bart. „Schätze, wir sind dir zuvorgekommen,“ brummte er. „Zu schade, dass wir keinen von diesen Mistkerlen am Leben gelassen haben. Sie haben zwei Bauernhöfe am Unterlauf des Flusses angezündet und für eine Menge Ärger gesorgt. Mein Volk ist bei solchen Angelegenheiten nicht sonderlich versöhnlich.“
„Das kann ich nur allzu gut verstehen,“ erwiderte Valion. „Doch mir scheint es, als hättet ihr den Anführer dieser Bande nicht erwischt.“ Er gab Duinhir eine Beschreibung Gilvorns, doch dieser schüttelte den Kopf.
„So jemand war nicht unter ihnen, als wir sie vor einer halben Stunde hier überraschten. Einer meiner Kundschafter oben auf dem Berg;“ er deutete hinter sich, auf die Spitze von Tarlangs Rücken; „hat sie kommen sehen und Alarm geschlagen. Wir mögen zwar nicht mehr viele Soldaten im Tal haben, seitdem man uns mit Nachdruck gebeten hat, jeden verfügbaren Mann zu General Hilgorn an die Ostfront zu schicken, aber ich habe genug Leute zusammenbekommen, um diesen Brandstiftern und Mördern eine Lektion zu erteilen, von der sie sich wohl nicht erholen werden.“
„Sieht ganz danach aus,“ sagte Valion mit Blick auf die Leichen, die von Duinhirs Männern gerade neben der Straße auf einen Haufen geworfen wurden.
„Mein Herr!“ Ein Junge von ungefähr fünfzehn Jahren kam herbeigerannt, einen großen Langbogen in der Hand. „Marvunn sagt, er hat im Norden einen Reiter gesehen, der zu dieser Gruppe hier passt!“
„Gut gemacht, mein Junge. Geh und reite nach Erech. Sag meiner Frau, dass sie die Tore verschließen sollen und niemanden reinlassen sollen, bis ich zurückkehre. Und Marvunn und seinen Jägern sagst du, dass sie ihn ja nicht aus den Augen lassen sollen, hörst du? Eile dich!“
Der Junge nickte, dann stürmte er davon. Duinhir lächelte verschlagen. „Sieht aus als hätten wir deinen verlorenen Verräter gefunden, Valion. Er wird nicht weit kommen. Marvunn mag zu alt zum Kämpfen sein, aber seine Augen sind noch immer so scharf wie die eines Habichts. Er wird dich direkt zu ihm führen, wenn du mit mir nach Erech kommst.“
Valion nickte zufrieden. Während Duinhirs Soldaten sich für den Abmarsch bereit machten und Valions Pferd herbeiholten, fragte Duinhir ihn danach, wie es in Dol Amroth zu sich ging.
„Ich schätze, die Bedrohung von Osten hat dafür gesorgt, dass der Adel mehr damit beschäftigt ist, sich um seine eigene Sicherheit zu sorgen und weniger Zeit dafür hat, sich gegenseitig gegeneinander auszuspielen und in Intrigen zu verstricken,“ antwortete er auf Duinhirs Frage.
„Ha! Das glaubst du doch wohl selbst nicht. Am Hofe der Schwanenprinzen geht es doch schon immer darum, wer die meisten Gefallen einfordern kann und wer wen am besten erpressen kann. Damit habe ich mich nie herumschlagen wollen. Solange der Herr von Lamedon meine Interessen an Imrahils Hofe vertritt, bleibe ich in Ruhe hier oben in meinem beschaulichen Tal und regele die Angelegenheiten, die meine Leute betreffen.“
Valion nickte. Duinhirs direkte Art war ihm von Anfang an sympathisch gewesen. „Wer war der Junge?“ fragte er neugierig.
„Elechír? Er ist der Sohn Brathors, meiner einstigen rechten Hand, der auf den Mauern der Weißen Stadt gefallen ist. Ich habe den Jungen adoptiert und zu meinem Erben gemacht.“
Valion nickte und war klug genug, Duinhirs verstorbene Söhne nicht zu erwähnen, die auf dem Pelennor ihr Ende gefunden hatten. „Scheint mir ein aufgewecktes Kerlchen zu sein,“ sagte er.
„Das ist er. Und er hat ein Händchen für den Bogen, wie es sich für einen Morthonder gehört. Er wird einst ein guter Herrscher des Tales sein.“
„Daran habe ich keine Zweifel,“ antwortete Valion.

Sie brachen nach Norden auf, der Straße weiter folgend, und erreichten die kleine Stadt Erech am westlichen Rand des Schwarzgrundtals ungefähr eine Stunde später. Wie Duinhir es angeordnet hatte, war das eiserne Tor Erechs verschlossen worden und wurde nun erst mit der Rückkehr des Herrn des Tales wieder geöffnet. Heraus kam ein alter Jäger mit grauem Haar und Bart, bei dem es sich wohl um Marvunn handeln musste.
„Also?“ fragte Duinhir kurzangebunden.
„Er ist zu den Pfaden rauf geritten,“ brummte der Alte. „Kannst ihn gar nicht verfehlen. Einfach den Hügel im Norden hinauf und durch das dunkle Tor hindurch,“ fügte er an Valion gewandt hinzu. „Ist noch nicht lange fort, aber er hatte es mächtig eilig, zum Eingang zu gelangen.“
„Warum habt ihr ihn nicht verfolgt?“ wollte Duinhir im strengen Ton wissen.
Marvunn schien davon wenig beeindruckt zu sein. „Der kommt nicht weit. Wenn er sich nicht in der Dunkelheit der Pfade verirrt, empfangen ihn die Rohirrim am Ausgang. Niemand kommt dort hindurch ohne einen offiziellen Auftrag. Sie werden ihn schnappen und befragen.“
Duinhir nickte. „Da hat der Alte recht. Seitdem unsere Feinde versucht haben, die Pfade der Toten einzunehmen, lassen wir sie von niemanden mehr unerlaubt durchqueren. Und die Söhne Rohans auf der anderen Seite halten es genauso.“
„Gut,“ befand Valion. „Dann werde ich ihn bald eingeholt haben.“ Schon schwang er sich in den Sattel, doch Duinhir hielt ihn auf.
„Du wirst das hier brauchen,“ sagte er und reichte Valion ein schwarzes Stück Stoff, auf dem der weiße Baum zu sehen war. „Binde es dir an den Oberarm... ja, genau so. Wenn die Rohirrim das sehen, wissen sie, dass ich dich geschickt habe. Und jetzt ab mit dir!“
Valion rief ihm einen knappen Dank zu, dann preschte er los.

Er kam an der Stelle vorbei, an der vor wenigen Wochen die große Schlacht im Schwarzgrundtal geschlagen worden war und deren Spuren noch deutlich zu erkennen waren. Sein Pferd folgte dem Bergpfad, wo Valion auf Befehl Hilgorns eine defensive Verteidigungsstellung errichtet hatte, ehe sich die Schlacht ins Tal verlagert hatte und kam so schon bald nach seinem Aufbruch aus Erech an das große steinerne Tor, das ihm Einlass in die Pfade der Toten bot. Und dort auf der Schwelle lag eine weitere Leiche. Als Valion den Gefallenen untersuchte, stellte er fest, dass es sich dabei um einen von Duinhir dort postierten Wächter handeln musste. Da er keine Zeit hatte, den Mann zu begraben, rollte er ihn abseits des Weges beiseite und lehnte ihn an die Felswand, die über dem Eingang aufragte.
Ein weiteres Opfer von Gilvorns Verrat, dachte er voller Wut und Hass. Dann ritt er vorsichtig in die Finsternis hinein.
Seitdem sich die ersten Gondorer nach dem Abzug der geisterhaften Bewohner in die Pfade der Toten gewagt hatten, hatte sich im Inneren viel verändert. Es hatte viel Zeit gebraucht, um den kürzesten Weg unter dem Gebirge hindurch bis nach Rohan auszukundschaften, doch nachdem er gefunden und markiert worden war, war er verbreitert und für Reiter begehbar gemacht worden. Desweiteren waren in regelmäßigen Abständen Öllampen an den Wänden des Tunnels angebracht worden, und an beiden Eingängen lagen frische Fackeln bereit. Valion hatte eine davon mitgenommen und führte daher nun eine flackernde Lichtquelle mit sich, als er im vorsichtigen Trab durch den Tunnel ritt. Er wusste nicht, wie weit die unterirdische Straße führen würde, doch er hoffte, dass er eher früher als später den Ausgang erreichen würde. Zwar fürchtete er sich nicht - zumindest nicht wirklich, aber dennoch musste er sich eingestehen, dass ihm die Pfade doch unheimlich vorkamen. Mehr als einmal glaubte er, hinter sich ein Geräusch zu hören, doch wenn er dann anhielt und die Fackel in die Richtung hielt, sah er nichts als Gestein und vereinzelte Spinnweben.
Als er endlich einen frischen Luftzug auf dem Gesicht spürte, wusste er nicht, wieviel Zeit er unter der Erde verbracht hatte. Es war ihm wie ein ganzer Tag vorgekommen, doch in Wahrheit konnten es nicht mehr als einige Stunden gewesen sein. Vor ihm tauchte ein Lichtpunkt auf, der größer und größer wurde, je näher er heran kam. Es war der Ausgang, der ihn nun erneut über die Grenzen Gondors hinaus führen würde...


Valion nach Dunharg
« Letzte Änderung: 9. Apr 2018, 15:37 von Fine »
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