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Autor Thema: Fornost: Die Mauern und das umliegende Gebiet  (Gelesen 4560 mal)

Fine

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Fornost: Die Mauern und das umliegende Gebiet
« am: 14. Okt 2016, 14:39 »
Halarîn, Adrienne und Kerry vom Versteck des Sternenbunds
Mathan und Ardóneth aus der Stadt


"Hallo," sagte Kerry, ungewöhnlich schüchtern auftretend. Sie blickte Mathan freundlich an, winkte ihm zu und trat dann zu Ardóneth, der den Seilzug beobachtete und zusah, wie Holzbalken in die Höhe getragen wurden.
Sie zögerten einen Augenblick, doch dann ergriff sie die Hand des Waldläufers und zog ihn ein Stück beiseite, weg von Halarîn, Mathan und Adrienne, denen sie ein entschuldigendes Lächeln schenkte. Sie würde später noch einmal mit ihnen reden, doch nun gab es eine wichtige Angelegenheit, die sie klären musste. Bevor sie mit Halarîn und Adrienne die Rüsthalle verlassen hatte, hatte sie sich umgezogen und die Ohrringe angelegt, die Ardóneth ihr vor dem Aufbruch nach Bree geschenkt hatte. Sie hatte ihre Haare so geflochten, dass ihre Ohren gut sichtbar waren.

"Hör zu, Ardan..." sagte sie, während sie weiter an seiner Hand zog und ihn in Richtung der Treppen lenkte, die auf die Mauer oberhalb des Tores führten.
"Ich möchte mich bei dir für mein Verhalten entschuldigen."
Sie kamen oben an und Kerry setzte sich auf eine der Zinnen, mit Blick über den Grünweg der von Fornost nach Süden führte.
"Es ging mir nicht allzu gut und du wolltest nach mir sehen, das ist mir jetzt klar geworden nachdem ich mit Gandalf und mit Halla gesprochen habe. Es tut mir Leid, dass ich dich weggeschickt habe...."
Ardóneth lehnte sich an die Zinne neben Kerry und blickte ihr verwundert ins Gesicht.
"Also, damit habe ich jetzt nicht gerechnet," sagte er. Eine kurze Pause trat ein, dann sprach der Dúnadan weiter: "Es freut mich, dass du die Ohrringe trägst, Kerry. Sie stehen dir sehr gut."
"Wirklich? Findest du?" fragte Kerry und spürte, wie ihre Wangen sich erwärmten. Sie hatte es sich selbst nicht richtig erklären können, warum sie die Ohrringe gerade jetzt angelegt hatte. Dazu würde sie sich noch Gedanken machen müssen...
"Ja, wirklich. Deswegen habe ich sie ja ausgesucht," antwortete Ardóneth. "Ich dachte mir schon, dass sie hübsch an dir aussehen würden. Nicht, dass du sie nötig hättest..."
Kerry wusste nicht recht, wie sie damit umgehen sollte. Auch sie hatte nicht mit solchen Worten gerechnet, auch wenn sie sich geschmeichelt fühlte.

"Also... heißt das, du nimmst die Entschuldigung an? Ich würde es verstehen, falls nicht... Mein Verhalten dir gegenüber war nicht in Ordnung, und es tut mir Leid."
Ardóneth zeigte ihr ein Lächeln. "Kerry, du vergisst, dass ich verheiratet war. Ich glaube, ich weiß, was mit dir los war." Der Waldläufer zwinkerte ihr zu. "Natürlich nehme ich die Entschuldigung an. Wie wäre es, wenn du mir zur Wiedergutmachung erzählst, was du und Rilmir in Bree gesehen habt?"
Kerry zögerte einen Augenblick. Ob Halla ihm irgendetwas verraten hat? Doch eigentlich konnte sie sich das nicht vorstellen. Nein, das würde sie nicht machen.
"Wir sind... naja, zuerst haben wir die Gruppe von Menschen verfolgt, die nach dem Tod ihres Anführers aus Fornost geflohen sind. Das war dein Werk, oder?"
Ardóneth nickte und bedeutete ihr, mit dem Bericht fortzufahren.
"Also, diese Gruppe hat sich in Bree versteckt, was bedeutete, dass wir uns in der Stadt nach ihnen umsehen mussten." Sie hielt einen Augenblick inne, fuhr dann jedoch hastig fort: "Wir fanden heraus, dass diesem schmierigen Statthalter dienten, diesem... Ich habe seinen Namen vergessen, tut mir Leid..." Sie lächelte peinlich berührt. "Der Dúnadan weiß ihn bestimmt noch. Oder Aldoc! Ja, richtig, also Aldoc und seinen Freund, den Thalier, die haben wir dort auch getroffen. Sie sind mit uns nach Fornost gekommen, wollen sich dem Sternenbund anschließen. Aber, zurück zu Bree: der Statthalter hat eine Rede gehalten und die Leute gegen die Dúnedain aufgehetzt. Aldoc glaubt, dass sie sogar am Angriff auf Fornost teilnehmen könnten. Also kamen wir so schnell wie möglich zurück, um davor zu warnen."
Sie machte eine kurze Pause und überlegte, ob sie etwas ausgelassen hatte.

"Ach ja," fiel es ihr ein. "Da war dieser Mann mit dem grünen Umhang. Er sah dir irgendwie ähnlich, Ardan. Er und seine Leibwächter trafen wir auf dem Rückweg nach Fornost. Der müsste sich auch irgendwo in der Stadt herumtreiben. Kennst du ihn vielleicht?"
Ardóneth seufzte leise. "Er ist mein Vater," beantwortete der Waldläufer die Frage. "Wir... haben uns längere Zeit nicht gesehen und auch nicht miteinander gesprochen. Weißt du, vor vielen Jahren wollte er mich gegen meinen Willen mit einer adeligen Frau verheiraten. Als ich mich geweigert habe gingen wir im Streit auseinander. Ich kehrte nach Norden zurück und er blieb in Gondor. Wir haben zwar miteinander gesprochen, aber ich schätze, es wird noch einige Zeit dauern, bis zwischen ihm und mir wieder alles wie früher sein wird..."
"Also mein Vater hat das mit mir zum Glück nicht versucht," sagte Kerry, die sich etwas zu entspannen begann. "Er war ja auch die meiste Zeit in Edoras, doch wenn er nach Hochborn kam oder ich ihn besuchte waren das immer schöne Tage."
Sie tauschten sich eine Weile über ihre Familien und Kindheit aus und erzählten einander Geschichten von früher, aus der Zeit vor dem Krieg. Eine halbe Stunde lang vergaß Kerry alles um sich herum und war frei von Sorgen und anderen Belastungen.

"Wie geht es dir gerade?" fragte Ardóneth sie schließlich. "Ich meine, wie geht es dir wirklich? Fühlst du dich bereit für das, was kommen wird?"
Kerry schüttelte den Kopf. "Ich werde wohl nie bereit für eine Schlacht sein," sagte sie. "Aber es geht mir gut, besser als in den letzten Tagen. Es hat gutgetan, mit Halla und mit dir zu reden. Und wenn ich mir so ansehe wie fleißig alle dabei sind, die Stadt zu befestigen und für den Kampf zu trainieren, habe ich Hoffnung, dass wir alles was kommen mag überstehen werden."
"Hoffnung zu haben ist gut und wichtig," sagte Ardóneth. "Aber wenn ich ehrlich bin, habe ich auch Angst. Wir wissen nicht genau, was da auf uns zukommt, nur dass es Orks aus dem Norden sind, dass es viele sind und dass sie Trolle und Warge dabei haben."
"T-Trolle?" stieß Kerry hervor. "Die gibt es also wirklich?"
Ardóneth nickte unbehaglich. "Tja, was dachtest du woher die Trollhöhen ihren Namen haben? Doch deswegen müssen wir uns umso mehr Mühe bei der Vorbereitung geben. Es ist gut, dass sich Mathan so gut auskennt. Wir haben die Mauern befestigt und die Tore verbarrikadiert. Außerdem bauen wir gerade an einer Balliste, die uns hoffentlich gegen die Trolle gute Dienste erweisen wird. Viel Zeit bleibt zwar nicht mehr, aber ich glaube, dass wir bald so gut vorbereitet sein werden wie es uns in unserer Lage möglich ist. Wir werden diese Stadt und ihre Bewohner vor Sarumans Dienern verteidigen, koste es was es wolle."
Kerry sprang von der Zinne auf den Wehrgang herunter. "Also gut," sagte sie entschlossen. "Dann lass' uns nicht länger herumstehen und reden, sondern mit anpacken. Ich habe heute schon genug Zeit damit verschwendet, mich mit mir selbst zu beschäftigen..."
Ardóneth folgte ihr zurück auf den Hof vor dem Tor, wo sie Mathan, Halarîn und auch Adrienne weiterhin bei der Arbeit vorfanden...
« Letzte Änderung: 16. Okt 2016, 23:32 von Fine »

Curanthor

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Der Abend vor der Schlacht
« Antwort #1 am: 17. Okt 2016, 18:39 »
Die Neuigkeiten aus Bree klangen nicht sonderlich gut. Mathan hatte Sorge, dass einige der Freiwilligen nicht kämpfen würde, da sie sonst gegen Ihresgleichen antreten würde. Seine Elbenaugen folgten Kerry und Ardóneth, als sie wieder zu ihnen stießen. "Schaut.", sagte Mathan und deutete zum Holzgestell, das soeben das letzte fehlende Teil erhielt. Die Seile wurden festgezurrt. Adrienne machte große Augen und umrundete die fertige Konstruktion.
"Ein Katapult," bestätigte Mathan und konnte seinen Stolz nicht verbergen," zwar nicht besonders hübsch, aber es ist zweckdienlich. Das sollte uns einen kleinen Vorteil verschaffen, immerhin rechnet damit keiner."
Halarîn lobte die Arbeiter, die zufrieden ihr Werk begutachteten. Die Männer waren allesamt Waldarbeiter und hatten wenig mit Konstruktionen zu tun, aber unter Mathans Anleitung sind sie über sich hinaus gewachsen.
"Schön und gut, aber was verschießt dieses Ding? Vielleicht unsere Nachttöpfe?", fragte Adanhad provokant.
Sie drehten sich zu ihm um, denn er war gerade erst schnaufend angekommen. Natürlich hatte er einen Bierkrug in der Hand, den er nach einem Blick Adriennes rasch versteckte.
Ardóneth begutachtete erstaunt die Konstruktion:"Hmm, Nachttöpfe werden bei der Masse an Orks nicht viel bringen,"... gab er ernst zurück, "aber wir haben einige Gesteinsbrocken übrig, die sollten noch beim Westtor rumliegen, wir müssten sie nur hierher bringen." schlug er vor.
Mathan nickte zustimmend, sogleich schickte er einen Trupp seiner Leute los, Adrienne und ihr Vater schlossen sich ihnen an.
Der Elb nahm sich den Waldläufer beiseite und ging mit ihm auf die andere Seite des Katapults.
"Wie sieht Eure Strategie aus? Wie werdet Ihr das östliche Tor verteidigen?", fragte er.
"Ich werde Elrádan den Befehl geben das er sich mit einigen um die Verteidigung des Osttores kümmern soll. Wir werden wohl die Bogenschützen auf der Mauer positionieren. Außerdem konnten wir die Balliste fertigstellen, jedoch haben wir nur wenige Bolzen. Das wird eine harte Schlacht, aber wir werden uns wacker Saruman entgegenstellen," sagte Ardóneth entschlossen.
Mathan nickte, hatte aber noch einen Vorschlag: "Haltet Feuerkörbe bereit und sobald Nachricht vom Feind eintrifft, werf ihr nasses Laub und kleine Äste hinein. Die Rauchentwicklung sollte die Männer auf den Mauern etwas vor Blicken schützen. Die Glut kann man dann später gegen Leitern verwenden. Achtet aber, dass Eure Männer ein feuchtes Tuch vor Nase und Mund tragen, der Rauch wird sehr beißend. Achja und stellt die Feuerkörbe zuerst unten auf und tragt sie später hoch, sonst kann der Feind durch den Feuerschein noch genauer treffen."
Er wusste nicht, ob er es zu kompliziert erklärt hatte, ging aber davon aus, dass es nicht so schwer zu verstehen war. Zwischenzeitlich traf die erste Lieferung Geschosse auf einem der wenigen Pferdewagen ein. Halarîn beaufsichtigte das Abladen und wählte passende Größen für das Katapult. Meist waren die Stücke so groß wie ein Kind.
"Ein guter Vorschlag, Ardóneth," lobte Mathan den Mann und drehte sich wieder zu ihm, "was denkt Ihr, wie stehen die Dinge für uns?"
Ardóneth seufzte "Dies wird keine leichte Schlacht; ich hoffe wir haben uns genug darauf vorbereitet. Wenn wir hier versagen wird ganz Eriador unter Sarumans Tyrannei leiden müssen. Belen ist ebenfalls siegessicher..."sagte er, "Wir müssen standhalten..."
"Man kann sich nie genug vorbereiten, aber wir haben unser Bestes getan", sagte Halarîn, die gerade dazugekommen war.
"Und dazu zählt auch, etwas Ruhe zu finden und das werden wir jetzt tun", ergänzte Mathan, "Es ist doch etwas spät geworden, wenn Ihr uns nun entschuldigt..."
Die Beiden verteilten noch die restlichen Aufgaben an die Anwesenden und Adrienne, die gerade mit ihrem Bruder das Katapult lud. Sie sah starrte die beiden Elben kurz an, nickte aber dann eifrig. Mathan hatte gar nicht mitbekommen, dass es so schnell schon so spät geworden war.
Ardóneth verabschiedte sich ebenfalls und begab sich in sein Quartier, um etwas zu schlafen. Nach und nach leerte sich der Platz am Tor, bis nur noch Adrienne und ihr Bruder am Katapult Wache standen. Das Südtor wurde geschlossen und sperrte die letzten Sonnenstrahlen aus.


Kerry in die Stadt
Ardóneth zum Versteck des Sternenbundes
« Letzte Änderung: 6. Feb 2017, 19:36 von Curanthor »

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Der Kampf beginnt
« Antwort #2 am: 20. Okt 2016, 15:51 »
Gandalf, Belen, Rilmir, Ardóneth und Kerry mit dem Rest des Sternenbundes von der Rüsthalle der Könige


Als sie ans Tor kamen war der Nebel so dicht geworden, dass sie kaum zehn Meter weit sehen konnten. Obwohl es Mittag war drang kein Sonnenstrahl mehr hindurch.
"Der Feind naht!" riefen die Dúnedain und auf die Anweisungen der Anführer wurden Mauern und Tore bemannt. Am großen Tor, das seit dem Vormittag verschlossen und verbarrikadiert war, wurden die erfahrensten Krieger postiert. Entlang der Mauern teilten sich die übrigen Waldläufer auf, sodass ungefähr alle hundert Meter ein Mitglied des Sternenbundes Posten bezog und die Lücken dazwischen mit den Menschen Fornosts gefüllt waren. Viele ähnelten nun zumindest äußerlich echten Soldaten des alten Nordreiches Arnor, denn sie waren gehüllt in Rüstungen aus der Waffenkammer und trugen Schilde mit den Insignien des Nördlichen Königreiches darauf.

Große Anspannung war allen Anwesenden ins Gesicht geschrieben. Es wurde nur wenig gesprochen. Belen, der auf dem Wehrgang des Südtores stand, hielt den Blick grüblerisch geradeaus gerichtet und es sah nicht danach aus, als würde er eine motivierende Rede halten. Gandalf stand etwas abseits, gestützt auf seinen Stab. Kerry konnte nicht still sitzenbleiben sondern ging auf dem Mauerstück direkt östlich des Tores unruhig auf und ab. Das Schwert, das Mathan ihr ausgesucht hatte, hing an ihrer Seite, doch sie hoffte, es nicht benutzen zu müssen. Sie hatte auf dem Weg zum Tor kurz mit Halarîn gesprochen, doch die Aufregung und die Ruhe vor dem Sturm hatten Kerrys Gemüt in große Verwirrung gestürzt, die selbst Halarîn nicht auflösen konnte. Kerry fühlte sich wie ein kleines Tier, das in die Falle eines Jägers geraten ist und darauf wartet, dass dieser von seinem Streifzug zurückkehrt. Sie konnte nun nicht mehr entkommen.

Rufe unten am Tor rissen Kerry aus ihren Gedanken. Als sie den Blick auf die Fläche vor dem Tor wandte tauchte aus dem Nebel eine sich schnell bewegende Gestalt auf. Es war ein Reiter in einem grauen Umhang, der auf das Tor zu preschte und kurz davor stoppte. Der Mann blickte sich hastig um und rief: "Orks! Die Orks von Angmar kommen über Fornost!"
Wie um seine Worte zu bestätigen erschienen nun weitere Gestalten an der Grenze der Nebelwand: Orks, die auf großen Wölfen ritten. Offenbar hatten sie den Reiter verfolgt und als sie ihre Beute entdeckten stießen sie Rufe in ihrer Sprache aus und trieben ihre Reittiere auf den Mann zu. Doch ehe sie ihn erreichten schwirrten gut gezielte Pfeile von mehreren Sehnen und mit einem Jaulen fielen die Warg-Reiter.
"Öffnet das Tor!" befahl Belen, und die Torflügel wurden gerade so weit aufgestoßen, dass der Reiter sie passieren konnte. Hinter ihm wurde das Tor wieder fest versperrt. Zwei Waldläufer zerrten ihn die Treppe zum Torhaus hinauf.
"Valandur," stellte Belen fest und sein Blick verdunkelte sich. "Einer von Helluins Verrätern. Was tust du hier?"
"Euch vor der Armee warnen, die die Stadt in diesem Moment umschließt," gab Valandur zurück. "Sie werden jeden Augenblick angreifen!"

Von draußen erklang ein Hornstoß und Kerry vernahm viele erschrockene Rufe unter den Verteidigern, denn aus dem Nebel erschien nun ein Heer. Orks, so weit das Auge reichte, reihten sich vor den Mauern im Süden auf. Über ihren Köpfen wehte die Weiße Hand Sarumans. Doch noch machten sie keine Anstalten, die Mauern anzugreifen.
Aus dem Heer traten zwei Gestalten hervor, einer auf einem schwarzen Warg reitend, der andere lässig nebenher gehend. Zu Kerrys Erstaunen handelte es sich bei der zweiten Gestalt unverkennbar um einen Elben, der ihr sonderbar bekannt vorkam... doch woher, wusste sie nicht.
Die feindlichen Heerführer kamen ans Tor, doch Belen hielt die Bogenschützen zurück.
"Was wollt ihr?" rief er den beiden zu. Doch der Elb lächelte nur, während der zweite, ein großer Uruk, einen langen Augenblick nur seinen grimmigen Blick über die Verteidigungsanlagen schweifen ließ.
"Zieht ab," knurrte er schließlich. "Zieht ab, oder keiner von euch wird verschont werden. Verschwindet aus Fornost und aus dem gesamten Gebiet Arnors, und ihr behaltet euer erbärmliches Leben noch ein wenig länger."
Belens Antwort bestand daraus, dem Uruk einen Pfeil vor die Füße zu schießen. Dieser jedoch blieb unbeeindruckt, verweilte noch einen kurzen Moment und wandte sich dann ab. Zu zweit kehrten die feindlichen Heerführer in die Reihen der Ork-Armee zurück. Ein weiterer Hornstoß ertönte, und die Orks begannen, laute Kriegsschreie auszustoßen und ihre Waffen aneinander zu schlagen.
"Dann beginnt es jetzt," murmelte Gandalf. "Jetzt beginnt ihr Angriff."

"Schafft ihn mir aus den Augen," befahl Belen in Richtung Valandurs, der sich nicht vom Fleck gerührt hatte. "Auf den Turm mit ihm. Dort kann er am wenigsten Schaden anrichten." Zwei Dúnedain brachten Valandur weg.
Während schon die ersten Pfeile in beide Richtungen schwirrten ergriff Gandalf Kerrys Oberarm und raunte ihr zu: "Komm, Kerry, lass' uns etwas gegen diesen Nebel unternehmen. Du kannst mir dabei mehr behilflich sein als hier am Tor." Er ging eiligen Schrittes voran, die Mauer nach Osten entlang, und Kerry folgte ihm, während um sie herum das Chaos der Schlacht ausbrach...
« Letzte Änderung: 3. Nov 2016, 14:17 von Fine »

Eandril

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Re: Fornost: Die Mauern und das umliegende Gebiet
« Antwort #3 am: 20. Okt 2016, 16:32 »
Oronêls Gemeinschaft von den Wetterbergen...

Sie waren dem Heer einen ganzen Tag nach Westen gefolgt, und hatten auch in der Nacht nur eine kurze Pause einlegen können. In der Dunkelheit fühlte die Orks sich wohler als am Tag, auch wenn der unnatürlich dichte Nebel sie vor der Sonne schützte, also waren sie auch nach Sonnenuntergang einfach weitermarschiert, und auch am nächsten Morgen hatten sie kein Zeichen von Müdigkeit erkennen lassen.
Den Elben bereitete das hohe Tempo keine Schwierigkeiten, denn sie alle waren daran gewöhnt, schnell und ausdauernd zu wandern, doch bei Irwyne zollten der Schlafmangel und die dauerhafte Anstrengung ihren Tribut. Als dem Mädchen zum dritten Mal beim Gehen einfach die Augen zugefallen waren, hatte Oronêl wider besseres Wissen eine Pause angeordnet. Während sie rasteten entfernte sich die Armee weiter nach Westen, und mit ihr auch der Nebel - was Oronêl vollends davon überzeugte, dass er keineswegs natürlichen Ursprungs war. Während Irwyne unruhig schlief hielte die Elben Wache, und einmal glaubte Oronêl, den Schatten eines großen Vogels vor dem Mond zu sehen, der sofort wieder verschwunden war.
Angesichts des Nebels, der vermutlich auch während der Schlacht noch über dem Heer hängen und die Orks so vor der verhassten Sonne schützen würde, änderte Oronêl während der kurzen Rast seinen Angriffsplan. Eigentlich hatten die Elben nach Túrins Vorbild ihren Angriff möglichst lautstark gestalten wollen, um die Orks glauben zu lassen, dass ihnen ein größeres Heer in den Rücken fiele. Doch da die Orks nach Cúruons Einschätzung zu viele waren als dass ein solches Manöver erfolgreich sein könnte, hatte Oronêl beschlossen, ihnen so leise und heimlich wie möglich in den Rücken zu fallen, und größtmöglichen Schaden anzurichten bevor ihre Anwesenheit überhaupt bemerkt wurde.

Sie hatten nur zwei Stunden gerastet, und dennoch gelang es der Gemeinschaft erst im Laufe des nächsten Vormittags, die feindliche Armee wieder einzuholen, doch schließlich hielten die Orks vor ihnen abrupt an. Eine unwirkliche Stille legte sich über das Land, doch dann war von weiter vorne für einen Moment das Heulen von Wargen zu hören, das plötzlich abbrach.
"Auch wenn in diesem Nebel alles anders aussieht, glaube ich dass wir in den Wäldern direkt östlich von Fornost sind", flüsterte Cúruon Oronêl zu. "Gut", gab Oronêl ebenso leise zurück. "Teilt euch auf." Wie zuvor besprochen bildeten die Elben vier Paare. Cúruon und seine Tochter Mirwen würden gemeinsam kämpfen, ebenso wie Gelmir und Faronwe und Oronêl und Finelleth. Orophin und Glorwen sollten mit Irwyne in den Bäumen versteckt zurückbleiben, und den Orks aus dem Hinterhalt mit Pfeilen zusetzen.
"Möge das Glück der Valar mit euch allen sein." Oronêls Stimme war belegt, denn nach dem was er von dem feindlichen Heer gesehen hatte war das, was sie vor hatten Selbstmord. "Viel Glück, und... bitte kommt alle lebendig zurück", wisperte Irwyne, und Oronêl wandte sich ab. Er wollte nichts versprechen, was er vermutlich nicht halten könnte.
Während Glorwen und Orophin weiter nördlich im Wald zurückblieben, kamen die sechs Nahkämpfer im Süden in etwas lichtere Gebiete, in denen sie auch Spuren von gefällten Bäumen entdeckten. Von der anderen Seite des Heeres waren nun durch den Nebel gedämpfte Stimmen zu hören, und als sie verstummten, begann das gesamte Orkheer die Waffen aneinander zu schlagen und Kriegsschreie auszustoßen.
Inzwischen standen Oronêl und Finelleth geduckt hinter einem kleinen Brombeergebüsch, auf dessen anderer Seite sich direkt die letzten Reihen der Orks befanden, und Oronêl konnte sie riechen. Der Gestank erinnerte ihn an alle Schlachten, die er gekämpft hatte - in Lórien und Dol Amroth, auf der Dagorlad... Vor langer Zeit, im zweiten Zeitalter als Saurons Macht sich beinahe über ganz Mittelerde erstreckt hatte, hatte er mit Amdír beinahe so wie jetzt im Hinterhalt gelegen, und einen Trupp Orks aufgerieben. Leider handelte es sich heute nicht um einen kleinen Trupp, sondern um eine ganze Armee.
"Offensichtlich sind die Verhandlungen fehlgeschlagen", flüsterte Finelleth, und lockerte ihre Wurfmesser. Oronêl zuckte mit den Schultern, und erwiderte: "Hast du etwas anderes erwartet?" Er legte die Hand auf den Axtgriff, und Finelleth schüttelte den Kopf während sie konzentriert die feindliche Armee vor sich beobachtete. Und plötzlich, während er dem ersten Aufprall der Orks auf die Stadtmauern lauschte, wusste er es.

Finelleths Blick erinnerte ihn an Thranduil, wie er vor Sarumans Angriff auf Lórien über den Nimrodel auf die Armee der Orks geblickt hatte, und diese Erinnerung förderte eine weitere, fast vergessene zu Tage. Irgendwann im dritten Zeitalter war Thranduil nach Lórien gekommen, um seine Verwandten Amroth und Calenwen zu besuchen, und um mit Amroth über die immer größer werdende Zahl der Orks und anderer bösen Wesen im Nebelgebirge zu sprechen. Der Besuch war nur kurz gewesen, und erst jetzt erinnerte Oronêl sich, dass Thranduil bald wieder aufgebrochen war, weil er seine Frau und seine junge Tochter nicht zu lange allein lassen wollte. Von dieser Tochter hatte Oronêl nie wieder etwas gehört – bis heute.
"Ich weiß es", sagte Oronêl leise, mehr zu sich selbst, doch Finelleth hörte ihn trotz des Lärms den die Orks machten als sie in die Schlacht zogen, und wandte sich zu ihm um. "Was weißt du?"
"Ich weiß wer du bist." Jetzt ergab alles einen Sinn: Die Ähnlichkeit mit Calenwen, und Finelleths Unwillen, über ihre Familie zu sprechen. "Du bist Thranduils Tochter."
Finelleth wurde blass und ihre Augen weiteten sich. Dennoch wehrte sie ab: "Was? Woher nimmst du solche Ideen?" Eine Nebelschwade wirbelte vorbei, und für einen Augenblick glaubte Oronêl einen weißen Turm mit einem einsamen, schlaff herunterhängenden Banner, hinter den Reihen der Orks zu erkennen.
"Du siehst ihm ähnlich", sagte er nur, sah sie aber nicht an sondern beobachtete nur die Orks, die langsam auf die Stadt vorrückten. Neben sich hörte er Finelleth tief durchatmen, und dann sagte sie: "Ich will jetzt nicht über ihn sprechen." Oronêl nickte, und lauschte aufmerksam auf die Geräusche der Schlacht. Er hörte, wie Leitern auf die Mauern trafen, hörte Schreie und das Geräusch vieler Pfeile, die abgeschossen wurden und ein Ziel fanden. Er packte die Axt aus Rohan fester, und sagte schließlich als der Schlachtenlärm einen neuen Höhepunkt erreichte: "Also los."

Leise kamen sie hinter ihrer Deckung hervor, und begannen lautlos zu töten. Für den ersten Moment war es geradezu kinderleicht, denn über den Schlachtenlärm hinweg bemerkten nur die Orks in allernächster Nähe zu ihren Opfern, dass etwas nicht stimmte, und diese starben gleich darauf unter Oronêls und Finelleths Klingen. Von weiter links, wo Cúruon und Mírwen kämpften, glaubte Oronêl ebenfalls leise Kampfgeräusche zu hören. Er duckte sich unter dem unbeholfenen Schwerthieb eines Orks, den ein Schlag von Finelleth in seine Richtung hatte taumeln lassen, weg, und grub ihm aus der Drehung heraus  die Axt mit Wucht in den Schädel. Hinter sich sah er für einen Augenblick die Spur der Leichen, die er und Finelleth hinterlassen hatten, doch nur einen Atemzug darauf wendete sich ihr Glück. Ein von Finelleth getroffener Ork taumelte rückwärts, und stieß gegen einen deutlich größeren Uruk, der offenbar der Anführer dieser Schar war.
"He!", stieß der Uruk hervor, während er sich umwandte und sich plötzlich Oronêl und Finelleth, umgeben von Orkleichen gegenüber sah. Und im Gegensatz zu den anderen Orks, die sie sofort angegriffen hatten, machte er einen Schritt zurück, und stieß einen lauten Schrei in einer hässlichen, Oronêl unbekannten Sprache aus. Auch wenn Oronêl die Worte des Orks nicht verstehen konnte, war die Absicht doch klar. Finelleth schien es ebenfalls begriffen zu haben, denn sie stieß einen Flucht aus und schleuderte eines ihrer Wurfmesser genau in die Kehle des Uruks.
Doch es war zu spät, die Orks waren gewarnt und nun standen sie zu zweit einer ganzen Armee gegenüber - gerade als der Nebel begann, sich ein wenig zu lichten.
« Letzte Änderung: 20. Okt 2016, 16:38 von Eandril »

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Beginn der Schlacht um Fornost
« Antwort #4 am: 20. Okt 2016, 17:34 »
Mathan lief in voller Rüstung bereits ungeduldig auf dem Wehrgängen auf und ab und positionierte seine Gruppe an den wichtigen Punkten. Auf den Aufgängen ständen die Feuerkörbe bereit und warteten darauf mit nassem Laub gefüttert zu werden. Er drehte sich zum Katapult, Adrienne, die die Mannschaft anführte nickte ihm zu, der alte Richtschütze dagegen streckte nur den ausgestreckten Daumen nach oben. Es war ein Wunder, dass sie ihn gefunden hatten, denn bis vor kurzem war keiner anwesend, der wusste wie man ein Katapult abfeuerte und auch traf.
Der Elb sah in die Gesichter der Menschen auf den Mauern, er stand rechts von Belen und der anderen Anführern. Viele der einfachen Leute war die Angst ins Gesicht geschrieben, als das feindliche Heer auftauchte. Selbst bei den kurzen Verhandlungen blieb es ungewöhnlich still. Halarîn tauchte neben ihm auf und legte ihm eine Hand auf die Schulter.
"Ganz gleich was passiert, wir werden uns wiedersehen", flüsterte sie ihm in ihrer Sprache ins Ohr und drehte seinen Kopf zu ihr, "egal wo."
Sie küssten sich innig und blendeten alles aus, bis sie sich von ihm löste.
"Es ist lange her, dass ich diese Worte gehört habe", antwortete er und sie lächelte, doch es war keine Freude in ihrem Gesicht zu sehen.
Sie straffte sich und spannte ihren Bogen, nachdem Belen den Verräter wegschaffen ließ. Seine Elbenaugen erfassten Gandalf und Kerry, die über den östlichen Wehrgang im Nebel verschwanden. Halarîn folgte seinem Blick und setzte an den beiden zu folgen, doch er hob die Hand. Sie blickte für einen Moment beschämt zu Boden, raffte sich aber dann zusammen.

Mathan spürte die Anspannung der Menschen, selbst seine Hände zitterten leicht, denn die Feinde waren deutlich zahlreicher als sie. Von einem Moment zum anderen war die Anspannung weg, der Feind bewegte sich, der erste Sturmlauf. "So beginnt es also...", murmelte ein alter Krieger neben ihm. Der Elb folgte dem Keil, der sich aus der breiten Masse formte auf der Mauer. Natürlich steuerten sie das Tor an, doch auch einige Leitern machte er aus. Ein Pfeilhagel der Verteidiger verlangsamte den Angriff, doch die Orks hielten unbeirrt auf das Tor zu, bis die ersten Fallen zuschnappten.
Dutzende Feinde kreischten vor Schmerzen, als sie in die Fallgruben liefen und aufgespießt wurden. Wie eine Flut umliefen sie die angespitzen Pfähle, die eigentlich Reiter aufhalten sollten, trotzdem blieb hin und wieder ein unaufmerksamer Feind daran aufgespießt hängen.

Halarîn koordinierte einen Trupp Menschen mit langen Spießen auf die Mauern. Sie und Mathan blickten sich kurz an, bis die ersten Leitern an die Mauern gestellt wurden. Sogleich wurden sie von den Spießen umgestoßen.
"Bogenschützen!", ertönte der Warnruf mehrfach auf den Mauern und sogleich wurden Schilde zwischen die Zinnen gehoben. Mathan spähte zwischen dem Schild eines alten Gondorers und der Mauer. Seine Augen erkannte jeweils ein paar Dutzend Orks mit Bögen. Dumpf bohrte sich ein Pfeil in den Schild neben ihm und verfehlte den Arm des Trägers nur knapp. "Glück...", brummelte der Mann und verkeilte den Schild zwischen den Zinnen. "Darauf verlasse ich mich nicht nochmal.", sagte er und zog seinen Bogen. Seine Gattin wies nun ihre eigenen Bogenschützen auf die Orks mit den Bögen an und zwischen den beiden Parteien entbrannte eine verbissenes Duell mit Pfeilen und Sehnen.

Vereinzelt ertönten Schmerzensschreie auf der Mauer, einer der Männer wurde sogar nach hinten gerissen und fiel von dem Wehrgang. Hin und wieder fand ein Pfeil der Orks doch noch eine Lücke oder war so gezielt, dass er knapp über die Mauer flog. Mathan erkannte aus dem Augenwinkel, dass Adrienne zu dem gestürzten Mann lief.



Das Lärmen der Schlacht dröhnte in ihren Ohren und rief Erinnerungen wach. Feuer, Rauch und Schreie. Sie schüttelte sich, dies war nicht in Gondor. Adrienne konzentrierte sich und wartete mit der Katapultmannschaft auf den Angriffsbefehl. Sie beobachtete, wie die Verteidiger Pfeil um Pfeil abschossen und ständig Nachschub herbeigebracht wurde. Scheinbar funktionierten die Fallen, denn am Tor selbst war es ruhig. Oberhalb des Tores entdeckte sie Belen und Ardóneth, beide von Schilden abgeschirmt und Befehle rufend. Sie mochte die beiden nicht sonderlich, befand sie aber als fähige Anführer, trotzdem Belen ihren Bruder kurzfristig versetzt hatte.
Acharnor war damit auch nicht zufrieden gewesen, hat aber trotzdem auf dem westlichen Teil der Mauer Stellung bezogen. Zu ihrer Erleichterung war dort auch Mathan, der wie ein Luchs auf der Mauer hin- und herlief und die Menschen anleitete. Im selben Moment, als sie den Gedanken gerade zu Ende geführt hatte, wurde einer der Verteidiger getroffen und stürzte von der Mauer. Der Mann schrie auf und landete hart auf einem Stapel Holz, das vor das Tor vorgesehen war. Rainer machte Anstalten sich zu dem Mann zu begeben, doch sie hielt ihn davon ab. Er konnte auch ohne sie die Katapultmannschaft befehlen.

Ein Waldläufer, der einen Arm in der Schlinge trug erreichte den Verwundeten gleichzeitig mit ihr. "Das sieht übel aus...", kommentierte dieser und deutete auf den Pfeil, der in dem Helm steckte. Adrienne blickte den Mann mit schütterem Haar und grauen Bart fragend an. Er brach den Pfeil ab und zog die blutige Spitze vorsichtig heraus. "Normalerweise lässt man die Spitze wo sie ist, aber beim Helm... hoffen wir, dass es nicht der Kopf war", murmelte der Waldläufer.
Adrienne machte sich auf ein ekeleregendes Bild gefasst, als sie gemeinsam vorsichtig den Helm lösten. Mit einem atemlosen Keuchen sackte sie nach hinten, als der Helm polternd auf dem Boden fiel. Acharnor lächelte sie mit einem schiefen Grinsen an. "Na, Schwesterherz. War doch keine gute Idee in den Norden zu gehen", japste er und verzog das Gesicht vor Schmerz.
"Halt still du Narr!" fuhr ihn der alte Waldläufer an und wickelte den Kopf ihres Bruders in ein Halstuch ein.
Adrienne schnürte es den Hals zu, als sie sah, wie sich die Stelle an seinem linken Ohr sofort rot verfärbte. Ihr Bruder dagegen schien das sehr belustigend zu finden.
"Jetzt kann ich immer dein: "Hörst du schlecht?", mit einem: "Ja" beantworten.", gluckste Acharnor und hielt danach sofort den Mund. Scheinbar war es seine Art so mit Schmerzen umzugehen.
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Der Auftritt des Zauberers
« Antwort #5 am: 20. Okt 2016, 18:30 »
Den Wehrgang entlang ging es, immer weiter nach Osten. Kerry musste rennen, um mit Gandalf Schritt zu halten. Der Zauberer legte ein ungewöhnlich hohes Tempo vor. Sein grauer Umhang bauschte sich im Wind hinter ihm auf und ließ die weiße Robe, die er darunter trug, immer wieder hervorblitzen. Pfeile schwirrten über sie hinweg und einer streifte Gandalfs Spitzhut, doch er achtete kaum darauf. Kurz darauf jedoch hielt er an, als sie an eine Stelle in der Mauer gerieten, an der es die Orks tatsächlich geschafft hatten, eine Leiter aufzustellen. Als der erste Ork gerade seinen Kopf über die Zinnen erhob fuhr Glamdring funkensprühend auf den Helm der Kreatur nieder und ließ ihn rückwärts abstürzen. Mit seinem Stab versetzten Gandalf der Leiter einen kräftigen Hieb, sodass sie umkippte. Er warf einen zufriendenen Blick nach unten, nickte den Verteidigern ringsum aufmunternd zu und eilte dann weiter.

"Dieser Nebel ist nicht natürlich," grummelte er während er lief. "Den hat Saruman uns eingebrockt. Mit so etwas kennt er sich aus. Vor einigen Jahren bin ich in einen seiner Schneestürme geraten! Der war wirklich nicht von schlechten Eltern."
"Wieso schickt er dann diesmal Nebel und keinen Sturm?" fragte Kerry, die zu Gandalf aufgeschlossen hatte und neben ihm hereilte.
"Seine Orks ertragen das Licht der Sonne nicht, zumindest die gewöhnlichen unter ihnen. Das sind wohl diejenigen, die aus Angmar stammen. Deswegen hüllt er sein Heer in diesen Nebel, um die wahre Größe des Heeres zu verschleiern, ihren Angriff zur Überraschung zu machen,  und die Orks vor der Sonne zu schützen. Zu unserem Glück haben die scharfen Augen des Adlers den Nebel durchdringen können! Der Nebel ergibt Sinn. Ein Schneesturm würde Sarumans Kriegern ebenso schaden wie uns," erklärte Gandalf.
Kerry nickte. "Und was wirst du nun tun?"
"Das wirst du gleich sehen. Komm, Mädchen, beeil dich! Je länger wir brauchen, desto länger wird der Nebel den Orks nutzen!"

Noch dreimal mussten sie unterwegs anhalten als sie in Kämpfe gerieten. Die Verteidiger Fornosts stemmten sich mutig gegen den Ansturm der Orks, doch obwohl die Fallen Mathans Wirkung zeigten und die Menschen Leiter um Leiter und Ork um Ork zurückwarfen schienen die Angreifer einfach nicht weniger zu werden. Gandalf rief den Verteidigern im Vorbeilaufen ermutigende Worte zu, doch er schien nirgendwo lange verweilen zu wollen. Kerry hielt sich im Hintergrund, wenn gekämpft wurde, doch sie zog ihr Schwert und packte es mit beiden Händen. Du musst bereit sein, sagte sie sich selbst. Sei bereit, dich zu verteidigen. Ihre Knöchel waren weiß vor Anspannung und umschlossen den Schwertgriff so fest sie konnte. Doch Gandalf eilte weiter, und sie musste ihm folgen, um ihn im Nebel nicht aus den Augen zu verlieren.

Endlich erreichten sie ihr Ziel: Den großen Turm, der sich an der Ecke im Südosten der Stadt erhob und an Süd- und Ostwall grenzte. Auch hier waren einige Verteidiger postiert worden und sie berichteten Gandalf, dass während des Angriffes weiterhin Orks außerhalb der Mauern zur freien Fläche südlich der Stadt hindurchzogen. Doch sie berichteteten auch von Aufruhr in den hinteren Reihen der Feinde, den sie zwar gehört hatten, jedoch durch den Nebel nicht hatten sehen können, worum es sich dabei handelte.
Gandalf und Kerry eilten die Stufen im Inneren des Turms hinauf. Auf der Spitze angekommen wurden sie von Mírlinn begrüßt, die hier mit einer Gruppe Bogenschützen Stellung bezogen hatte und Salve um Salve auf die marschierenden Feinde abfeuerte.
"Mithrandir!" rief sie. "Gut, dass Ihr kommt! Durch den Nebel sind diese Orks nur schwer zu sehen."
"Na, dann wollen wir doch mal sehen, was sich machen lässt," sagte Gandalf und stellte sich in der Mitte des Plateaus auf der Turmspitze auf. Einige Minuten lang schien er regungslos zu bleiben und Kerry hörte, wie er Worte in einer uralten Sprache murmelte. Der Zauberer hielt seinen Stab fest in beiden Händen und sützte sich darauf während er den Blick langsam zu den Wolken hob. Seine Worte wurden nun lauter. Schließlich griff er in eine der Falten seines Mantels und zog ein kleines Bündel hervor. Er winkte Kerry zu sich heran und drückte es ihr in die Hand.
"Mach es auf, und dann wirf den Inhalt so hoch du kannst in die Luft!" wies er das Mädchen an. "Aber warte, bis ich dir das Zeichen gebe! Halte dich solange bereit!"
Kerry tat wie Gandalf gesagt hatte und zog das Bündel vorsichtig auseinander. Inmitten des braunen Stoffes kam ein dunkles, seltsam riechendes Pulver zum Vorschein. Sie ließ es in ihre geöffnete Handfläche rieseln, darauf bedacht, nichts zu verschütten. Es war weniger, als sie gedacht hatte, nicht mehr als ein Häufchen, um das sie problemlos ihre Faust schließen konnte.
Gandalf erhob seinen Stab und sprach drei kurze Worte in der alten Sprache, dann reckte er die Spitze des Stabes in Richtung der Nebelwand im Süden.
"Jetzt, Kerry!" rief er ihr zu, und sie holte aus und schleuderte den Inhalt ihrer Hand so hoch sie konnte über die Zinnen des Turms hinaus.

Einige Augenblicke geschah gar nichts, doch dann war es Kerry, als würde sie überall inmitten des Nebels kleine, rötlich leuchtende, tanzende Punkte sehen, die wie Funken nur Bruchteile von Sekunden lang aufglühten und wieder verblassten. Als die Lichtpunkte nach wenigen Minuten endgültig verschwunden waren stellte sie fest, dass der Nebel sich tatsächlich zu lichten begonnen hatte.
"Was immer er gemacht hat, es hat funktioniert!" rief Mírlinn begeistert. Die Waldäuferin legte einen weiteren Pfeil auf die Sehne ihres Bogens, zielte, und schoss einen großen Uruk ab, der gerade aus dem durchsichtiger werdenden Nebel aufgetaucht war.
"Du hast es geschafft, Gandalf!" rief Kerry.
Der Zauberer nickte zufrieden. "Ich hatte nicht erwartet, dass es so gut klappen würde..." sagte er, mehr an sich selbst als an Kerry gewandt.
"Seht, nun wissen wir, wer den Aufruhr in den Reihen der Orks verursacht hat!" lenkte einer von Mírlinns Bogenschützen ihren Blick in Richtung Osten. Dem Fingerzeig des Mannes folgend lief Kerry zum östlichen Rand des Turms und spähte hinunter auf die Masse der Orks. Bäume waren nun sichtbar geworden, und zwischen Wald und Mauer waren nun kämpfende Gestalten zu sehen, die sich mit unmenschlicher Anmut und Geschwindigkeit bewegten, die Kerry an Mathan und Halarîn erinnerte.
"Das müssen Elben sein!" rief sie.
"Also bekommen wir Verstärkung? Den Valar sein Dank!" sagte Mírlinn.
"Nein," sagte eine neue Stimme. Sie kam vom Nordrand des Turmes. Dort stand der Waldläufer Valandur, den Kerry vor Beginn der Schlacht am Tor gesehen hatte und den Belen als Anhänger Helluins bezeichnet hatte. Er trug keine Waffen, doch seine Bewacher waren verschwunden. Offenbar hatte man entschieden, dass er hier auf der Turmspitze am wenigsten Schaden anrichten konnte.
"Sie sind nur zu acht," sagte Valandur düster. "Zu wenige, um die Orks aufzuhalten. Zu wenige, um das Blatt zu wenden..."
Kerry ließ hastige Blicke über die kämpfenden Elben schweifen, und konnte sogar nur sechs Gestalten erkennen. Waren etwa zwei von ihnen bereits gefallen? Ganz vorne kämpften ein Elb in Grün, der seine Feinde mit einer Axt niedermachte, und neben ihm eine schlankere Gestalt, offenbar eine Elbenfrau, die Wurfmesser und ein Kurzschwert verwendete. Doch weitere Unterstützung konnte Kerry nicht entdecken.
"Sie sind in Schwierigkeiten! Ihr müsst ihnen helfen!" rief sie Mírlinn zu, die ihren Bogenschützen einen Wink gab. Für einen Augenblick schlugen ihre Pfeile nun in den Reihen der Gegner in der Nähe der Elben ein, doch Kerry wusste nicht, ob das ausreichen würde, damit diese gegen die Übermacht bestehen konnten....
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Eandril

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Re: Fornost: Die Mauern und das umliegende Gebiet
« Antwort #6 am: 21. Okt 2016, 00:39 »
Jetzt, wo die Orks die Feinde in ihrem Rücken bemerkt hatten, wurde der Kampf schlagartig härter für Oronêl und Finelleth. Statt ihren Feinden in den Rücken zu fallen und nur gegen kleine Grüppchen überraschter Orks zu kämpfen, standen sie nun einer vielfachen Übermacht gegenüber.
Dennoch kämpften sie weiter, auch wenn Oronêl den Sinn nicht mehr sehen konnte. Während Finelleth einen weiteren großen Uruk mit ihrem zweiten Wurfmesser zu Boden schickte, erledigte Oronêl zwei kleiner Gebirgsorks die auf ihn zugestürmt kamen, mit raschen Axthieben. Plötzlich fühlte er einen scharfen Schmerz in seiner linken Schulter, und fühlte eine warme Flüssigkeit an seinem Arm herunter laufen, und als er herum fuhr, sah er sich einem grinsenden Ork mit zum Schlag erhobener, hässlich gezackter Waffe gegenüber. Er hob die Axt um den Schlag zu parieren, doch er wusste er würde zu langsam sein - und Finelleth, seine einzige Verbündete im Meer der Feinde, kämpfte ein paar Schritte entfernt gegen drei Orks gleichzeitig.
Nur einen Herzschlag, bevor die Klinge des Orks getroffen hätte, hörte er ein helles Schwirren, dann einen dumpfen Aufschlag, der Orks ließ die Waffe fallen und griff sich verwirrt an die Kehle, aus der plötzlich eine blutige Pfeilspitze ragte. Er taumelte, und Oronêl gab ihm mit einem Axthieb der ihm die Schläfe spaltete, den Rest, und als er seinem fallenden Gegner kurz hinterher blickte, sah er neben ihm eine weitere Orkleiche, in deren Nacken ein graubefiederter Pfeil steckte. Für einen Augenblick war er frei von Feinden, denn um ihn herum schwirrten nun immer mehr Pfeile und hielten die Orks in Schach.
Oronêl blickte hinauf zum Turm, den er bereits zuvor durch die Nebelschwaden gesehen hatte, und auf dem er mehrere Bogenschützen und eine Gestalt, die von innen zu leuchten schien, stehen sah. Er hob grüßend die Axt, und wollte sich gerade erneut in den Kampf stürzen als er die Orks bemerkte, die sich in langen Reihen weiterhin von Norden heranwälzten. Und sie standen direkt in ihrem Weg.
"Finelleth", rief er, so laut er konnte, und trotz des ohrenbetäubenden Lärms hörte sie ihn. Sie streckte ihren letzten Gegner mit einem präzisen Hieb nieder, und folgte mit dem Blick Oronêls ausgestrecktem Arm nach Norden.
"Oh, verdammt", glaubte er sie sagen zu hören, und rief dann: "Die wollen direkt hier entlang, und es sind zu viele!" Finelleth nickte knapp, riss eines ihrer Wurfmesser aus der vor ihr liegenden Leiche, und kam zu ihm geeilt. "Dann sollten wir hier verschwinden. Hoffentlich kommen die anderen ebenfalls auf die Idee."



Sie schafften es gerade so zurück in den östlichen Wald, wo Oronêl sich an einen Baum lehnte um zu Atem zu kommen. "Du bist verwundet", sagte Finelleth, während sie ihr Schwert an einem bemoosten Baumstamm vom Blut der Orks säuberte. Oronêl betastete vorsichtig seine verletzte Schulter, doch obwohl der Schnitt schmerzte, war er nicht sonderlich tief. "Nur ein Kratzer", beruhigte er, als Cúruon und Mírwen in schnellem Lauf unter den Bäumen auftauchten. Mírwen hielt sich die Seite und war blass, winkte aber auf Oronêls besorgte Blick ab, und keuchte: "Nur... eine Prellung. Der Schlag ist nicht durch die Rüstung gekommen."
"Was ist mit dir?", fragte ihr Vater Oronêl ernst, und gerade als dieser antworten konnte, gesellten sich Gelmir und Faronwe zu ihnen. Beide sahen mitgenommen aus, Gelmir blutete aus einer Schramme an der Schläfe und Faronwe schien ebenso wie Mírwen eine Prellung davongetragen zu haben.
"Und jetzt?", fragte Gelmir, und hob ratlos die Arme. Oronêl war ebenso ratlos wie er, doch Cúruon antwortete für ihn: "Sobald die Orks uns entdeckt hatten, war unsere Taktik hinfällig, also müssen wir uns neu formieren. Ich schlage vor, dass wir warten bis die restlichen Orks aus dem Norden vor der Südmauer eingetroffen sind, und dann an ihrer nordwestlichen Flanke und von hinten zuschlagen, sodass wir uns immer schnell in den Wald zurückziehen können wenn notwendig."
"Das klingt gut", meinte Faronwe, und die anderen nickten zustimmend. "Ist euch aufgefallen, dass das Heer fast nur aus den kleineren Gebirgsorks besteht?", warf Mírwen ein, deren Seite inzwischen offenbar etwas weniger schmerzte. Oronêl nickte. "Ja, es sind nur sehr wenig Uruks unter ihnen, und diese scheinen eher als Rudelführer zu dienen."
"Die Disziplin unter dieser Art von Orks ist relativ niedrig." Cúruon hatte sein Großschwert vor sich in den Boden gestoßen und benutzte es nun als Stütze. "Wenn die Verteidiger sich lange genug halten und wir genügend Verwirrung in den Reihen der Orks stiften können, verlieren sie vielleicht den Funken an Disziplin den sie verlieren und fangen an untereinander zu kämpfen oder fliehen sogar."
"Also gut", meinte Oronêl, der wieder etwas Hoffnung geschöpft hatte. "Wir gehen vorsichtig vor, aber schlagen schnell und hart zu um die Kampfordnung der Orks zu brechen."
"Es gibt noch einen Grund zur Hoffnung", fügte Cúruon hinzu. "Oben auf dem Turm habe ich Mithrandir gesehen. Wenn er unter den Verteidigern ist, werden sie mit größerer Tapferkeit kämpfen als anderweitig, und das wiederum verbessert unsere Aussichten." Oronêl erwiderte nichts. Er hatte einiges von diesem Zauberer gehört, und es konnte nach seinen Erfahrungen nicht schaden, einen aus diesem Orden in seinen Reihen zu haben. Vermutlich war Mithrandir auf dafür verantwortlich, dass sie Sarumans Zaubernebel ein wenig gelichtet hatte. Während sie gesprochen hatten, hatten auch die letzten Ork-Nachzügler ihre Posten bezogen, und Oronêl schloss seine Hand wieder fester um den Griff seiner Axt. Bevor er das Kommando zur Rückkehr in den Kampf gab, wandte er sich jedoch an Mírwen, die noch immer ihre zwergische Armbrust auf dem Rücken und einen Beutel mit Bolzen am Gürtel trug. "Geh zu Glorwen und Orophin, und bezieh mit ihnen hier Stellung. Schießt auf die Orks, aber nicht so sehr dass sie eure Position angreifen." Mírwen nickte, und eilte mit schnellen Schritten nach Norden davon - und Oronêl hatte das Gefühl, Dankbarkeit auf Cúruons ernstem Gesicht aufflackern zu sehen.
"Zurück in den Kampf, und diesmal alle zusammen."

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Curanthor

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Kämpfe auf der Westmauer
« Antwort #7 am: 21. Okt 2016, 17:08 »
Auf dem westlichen Wehrgang wurde es zunehmend gefährlicher, die Orkbogenschützen hatten aufgehört zu schießen, dennoch wurden weiter westlich des Tores mehr und mehr Leitern angestellt. Durch den sich lichtenden Nebel wurde nun das Ausmaß der Schlacht klar: Die Trupps mit den Spießen konnten mit dem schnellen Tempo nicht mehr mithalten. Mathan rannte die Mauer entlang und zog seine beiden Schwerter, die er für die Schlacht an seine Hüfte geschnallt hatte.
"Haltet die Mauer! Lasst sie nicht Fuß fassen!", brüllte er und spornte die Verteidiger an.
Im Lauf warf er eine Leiter um, von der ein Ork gerade abspringen wollte. Mit einem schrillen Kreischen fiel er auf seine Artgenossen. Der Elb war bereits weitergelaufen und erreichte den hinteren Teil der Mauer, auf dem schon erbittert gekämpft wurde. Tote lagen vereinzelt auf dem Wehrgang. Ein Ork warf sich gerade gegen einen Waldläufer, der verzweifelt mit einer geborstenen Klinge versuchte seinen Gegner loszuwerden. Der Mann drehte sich gerade zur Flucht, als Mathan mit einem Klirren die Klinge des Orks abfing, die auf den Rücken des Mannes gezielt hatte.
"Kämpft weiter!", rief er, enthauptete mit der freien Klinge den Ork und trat die Leiche zurück wo sie herkam. Der Gerettete nuschelte einen Dank und hob das Schwert eines Gefallenen auf. Vor Mathan wartete eine größere Horde Orks, die es geschafft hatten auf die Mauer zu klettern. Triumpfierend reckte sie ihre Waffen und stießen Schreie aus, wärend ihre Artgenossen weiter nachrückten.

Mehr und mehr Verteidiger erkannten die Lage und versammelten sich hinter Mathan, der sie dazu aufrief sich zu sammeln. Wenn sie diese Horde nicht schnell vertrieben würde, wäre die westliche Teil der Mauer verloren. Seine Gedanken rasten, er drehte sich kurz um und blickte in grimmige Gesichter der Menschen. "Schickt einen Boten zu Ardóneth, wir brauchen hier hinten dringen Bogenschützen", rief er und sogleich rannte einer der Männer davon, die Nachricht überbringen.
Die Orks dagegen machten sich zum Angriff bereit, im losen Haufen rannten sie ihnen entgegen.
"Weicht nicht zurück, lasst sie kommen. Schilde nach vorne, drängt sie von der Mauer!", befahl er.
Scheppernd prallten die beiden Gruppen aufeinander, ein paar Orks purzelten von der Mauer und blieben verdreht liegen. Die Taktik funktionierte, bis mehr und mehr Verteidgern der Schild aus der Hand gerissen wurde und Orks sich einfach auf ihre Feinde warfen. Mathan stach einem der häßlichen Gegner in den Hals, als er sich auf dem Schild eines Mannes festhalten konnte.
"Zieht euch langsam zurück!" befahl er, wärend wütende Hiebe auf sie einprasselten. Die Schildträger wurden überwältigt und stellenweise einfach von der Mauer gestoßen. Dann war die Masse über ihnen. Der Elb duckte sich unter einer Axt hinweg und fing mit dem Schwert in der rechten Hand eine gezackte Klinge ab. Mit dem linken Schwert beschrieb er einen blitzenden Bogen und schlitzte ein paar Beine auf. Kreischend gingen drei Orks zu Boden, die sogleich von den Verteidigern erledigt wurden. Doch dem Elb brannte das Temperament durch, wie so oft in einer Schlacht. Er dreht sich an einem Schlag vorbei und rammte seinem Gegner den Ellenbogen ins Gesicht, ein Stich nach hinten drang tief einen Körper. Ein schwacher Schwerthieb prallte an seiner Rüstung ab und Mathan antwortete mit einem kräftigen Tritt, der den Ork über die Mauer schickte. Plötzlich hörten die Orks auf anzugreifen und machten Platz für einen Uruk, der sich wild gebärdete. Er rannte Mathan entgegen und fiel plötzlich aus dem Lauf heraus vor ihm auf die Füße und zuckte kurz. Der Elb warf den verbliebenden Angreifern die Leiche des Uruks in den Weg. Es dauert einen Moment, als er den Pfeil erkannte und sich rasch umsah. Halarîn stand auf einer Hausruine und winkte ihm, ehe sie einen weiteren Pfeil von der Sehne ließ.
Die verbliebenden Orks auf der Mauer dagegen zogen sich weiter zurück und hielten den Teil besetzt, den sie zuvor eingenommen hatten. Mathan blickte die verbliebenden Verteidiger an, ihre Zahl war nicht größer, als die der Orks. Einen Angriff konnten sie sich nicht leisten.
"Wo bleiben die restlichen Bogenschützen?", fragte er und ließ das Blut von den Klingen spritzen, wärend die anderen Männer vereinzelte Leitern umwarfen.
"Der Bote ist noch nicht zurück, Hauptmann!", rief einer der Waldläufer keuchend und stach einem Ork in die Brust, der gerade die Leiter erklimmen wollte.
Mathan durchtrennte eine unförmige Hand, die sich auf der Sprosse einer Leiter legte. "Sie konzentrieren sich gerade dort hochzuklettern, wo die Orks schon auf den Mauern sind, aber lasst euch nicht davon ablenkten."

« Letzte Änderung: 6. Feb 2017, 19:44 von Curanthor »

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Gegenangriff
« Antwort #8 am: 21. Okt 2016, 21:54 »
Ardóneth duckte sich und wich einem Pfeil aus, der klirrend gegen die Rückseite der Mauer hinter ihm prallte. Ein Mann aus Gondor hob ihn auf, spannte seinen Bogen und schickte den Pfeil zu den Orks zurück.
Die Schlacht oben auf dem Wehrgang des Tores wogte hin und her. Orks stellten Leiter zu beiden Seiten des Tores auf und kletterten wie Affen daran hinauf. Oben erwartete sie entschlossener Widerstand, denn hier stand Belen, der mit grimmigem Gesicht sein Schwert führte, Befehle rief und von einer Gruppe kampferfahrener Dúnedain begleitet wurde. Auf Belens Schild glänzte ein goldener Stern und wohin der Stern kam schöpfen die Verteidiger neuen Mut. Ardóneth konnte auch Finnabair entdecken, die Belen begleitete und verbissen gegen alle Feinde kämpfte, die es auf die Mauern schafften. Fürs erste hielt die Verteidigung am Tor stand.

Auf Ardóneths Befehl hatte Elrádan eine große Gruppe Bogenschützen in der Straße direkt hinter der Mauer postiert und schickte nun Salve um Salve aus relativer Sicherheit über die Zinnen hinweg und ließ die alten Pfeile Arnors, die fleißige Hände aus den Tiefen der Waffenkammer hierher getragen hatten, wieder und wieder auf das feindliche Heer hinabregnen.

Als er gerade eine kurze Verschnaufpause einlegte und sich auf sein Schwert stütze kam Avaron, ein Waldläufer aus Belens Gruppe angesprintet.
"Ardóneth! Wir brauchen deine Bogenschützen beim westlichen Wall! Die Orks haben einen Teil der Mauer eingenommen und drohen nun, Hauptmann Mathan und seine Leute zu überwältigen!"
Ardóneth gab Elrádan einen Wink, und der Beschuss stoppte. Die Bogenschützen griffen sich jeder so viele Pfeile wie sie tragen konnten und eilten den Aufgang zur Mauer hinauf.
"Folgt mir! Unsere Leute brauchen Unterstützung im Westen!" rief Ardóneth und rannte mit gezogenem Schwert voraus. Sie kamen an mehreren umkämpften Abschnitten vorbei, konnten jedoch nicht anhalten. Avaron und Finnabair, die mitgelaufen waren, blieben jedoch schließlich zurück, um bei der Verteidigung eines Mauerstücks zu helfen, an dem besonders viele Leitern aufgestellt worden waren.

Endlich erreichten sie die Stelle, an der Mathan kämpfte. Auch Halarîn konnte Ardóneth entdecken und sah, wie ihre Pfeile Tod in die Reihen der Orks sandten. Er nickte Elrádan zu und dieser brachte die Bogenschützen in einer Reihe auf dem Wehrgang in Stellung. Mathan und seine Leute ließen sich zurückfallen als sie die Verstärkung bemerkten und machten so das Schussfeld frei. Drei schnelle Salven trieben die Orks zurück, dann begannen Ardóneth und Mathan mit dem Gegenangriff.

Sie stürmten vorwärts, während Elrádans Leute Pfeile über ihre Köpfe hinweg fliegen ließen um die Orks weiter zu dezimieren. Als Ardóneth in den Nahkampf geriet wechselten die Schützen ihre Schussrichtung und zielten nun auf die Feinde, die zur Verstärkung der Orks auf der Mauer die Leitern hinauf kletterten. Ardóneth schwang seine Klinge in einem Bogen und enthauptete einen Ork, der gerade auf ihn zugestürmt kam. Neben ihm begann Mathan mit wirbelnden Schwertern erneut sein blutiges Werk.
Nach einem kurzen, heftigen Gefecht wankten die Reihen der Orks und sie wandten sich zur Flucht, doch die Bogenschützen ließen es nicht dazu kommen. Halarîn war es, die den letzen Feind auf der Mauer niederstreckte. Ardóneth versetzte der großen Leiter neben ihm einen starken Stoß und schicke sie zurück auf das Feld vor der Stadt. Die Westmauer war nun wieder frei von Orks.
« Letzte Änderung: 22. Okt 2016, 00:01 von Fine »
Er hat noch gezuckt weil ich ihm meine Axt in seine Nervenstränge getrieben habe.

-Gimli Gloinssohn zu Legolas, Schlacht bei Helms Klamm-

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Die Aussicht von oben
« Antwort #9 am: 22. Okt 2016, 02:25 »
Kerry sah zu, wie sich die Elben unten auf der Ebene in Richtung Osten zurückzogen als die letzten Orks der Nachhut Angmars am Turm vorbeieilten und sich den Streitkräften südlich des Walls anschlossen.
"Schätze, das waren alle von ihnen," sagte Mírlinn, die sich neben ihr über die Zinnen beugte. Westlich des Turms wurde die Mauer noch immer angegriffen, und die Bogenschützen auf dem Turm lenkten nun ihre Pfeile dorthin um die Verteidiger zu unterstützen. Einer nach dem anderen schoss seinen Vorrat leer und schloss sich den Nahkämpfern auf den Mauern an, bis nur noch fünf Bogenschützen übrig blieben. Es waren diejenigen, die Mírlinn als am zielgenausten einschätzte und denen sie daher die meisten Pfeile überlassen hatte.
"Wenn nicht bald eine Kampfpause eintritt wird uns die Munition endgültig ausgehen", kommentierte die Waldläuferin. Sie zog einen weiteren Pfeil hervor und setzten den Beschuss fort.

Kerry wandte den Blick zu Gandalf, der noch immer auf der Turmspitze verharrte. Der Zauberer stand mit Blick gen Süden auf seinen Stab gestützt und die Sorge stand ihm ins Gesicht geschrieben.
"Willst du dich denn nicht den Kämpfen auf den Mauern anschließen, Gandalf?" fragte Kerry als sie neben ihn trat. "Deine Gegenwart würde den Menschen Hoffnung spennden, wie sie es damals in Edoras tat."
Doch Gandalf schüttelte traurig den Kopf. "Nein, Mädchen. So einfach ist es leider nicht. Ich muss feststellen, dass Sarumans Bann, der mich im Schlaf hielt, noch einige üble Nachwirkungen hinterlassen hat. Als ich den Nebel vertrieb, machte ich mich zum Ziel und meine Worte der Macht machten mich verwundbar. Ich brauche meine verbliebene Kraft um den Widerbann abzuwehren." Gandalf seufzte tief. "Saruman weiß, dass ich hier bin. Und er spürt, dass ich schwächele. Ich darf mir nun keine Fehler oder Ablenkungen leisten. Würde ich mich in den Kampf dort unten stürzen, könnte er diese Gelegenheit nutzen und mich erneut außer Gefecht setzen. Diesen Fehler habe ich in Isengard gemacht, als ich all meine Kraft darauf verwandte, den Mund Saurons niederzuwerfen; und selbst damals gelang es nur, weil Celebithiel bei mir war. Doch sie ist nach Lindon gegangen." Er ließ seinen Blick sorgenvoll über die laufende Schlacht schweifen. "Sie ist zu weit weg, um mir jetzt zu helfen, weshalb ich mir keinen Kampf erlauben kann."

Kerry nickte. Sie hatte verstanden. Gandalf hatte seinen Teil geleistet und den Nebel aufgelöst. Doch nun musste er auf sich selbst Acht geben. Also beschloss sie, ihm dabei zu helfen und den Turm und den Zauberer mit aller Kraft zu verteidigen. Jeder Feind, der zu Gandalf durchdringen wollte, würde erst an ihr vorbeikommen müssen. Natürlich war sie sich wohl bewusst, dass sie keine große Kämpferin war wie Mathan oder Finnabair, doch ihr Gesicht war ernst und hart geworden und ihre Augen strahlten wie nie zuvor vor Entschlossenheit. Sie hielt das arnorische Schwert griffbereit und wartete darauf, dass die Schlacht den Turm erreichte.

Mírlinn verschoss schließlich ihren letzten Pfeil. Sie erhob sich aus der knieenden Position aus der sie bisher ihre Schüsse abgegeben hatte und zog ihr Schwert, das im fahlen Licht das durch den lichten Nebel drang glitzerte wie frisch gefallener Tau im Morgengrauen.
"Es wird Zeit für Schwertarbeit," rief sie und eilte die Stufen zur Mauer hinunter, gefolgt von den übrigen Dúnedain. Auch Valandur schloss sich der Gruppe an und erhielt ein Zweihandschwert. Jeder kampfbereite Mann wurde nun gebraucht; die Zeit für Misstrauen war zumindest für Mírlinns Gruppe vorbei. Und so blieb Kerry mit Gandalf alleine auf der Turmspitze zurück.
"Ich wünschte, der Adler würde in den Kampf eingreifen," sagte sie hoffnungsvoll. "Er würde bestimmt ordentlich unter diesen dreckigen Orks aufräumen."
"Das würde er," antwortete Gandalf. "Doch er hat alles getan, was in seiner Macht stand, als er uns rechtzeitig vor dem Angriff warnte. Würde er direkt angreifen, setzte Róvallír sich großer Gefahr aus. Den Orks aus dem Gebirge sind die großen Adler nicht unbekannt. Schon einige Male ist es ihnen gelungen, die Vasallen Gwaihírs vom Himmel zu holen. Es ist besser, wenn Róvallír unverletzt bleibt und somit weiterhin seine scharfsichtigen Augen für uns offen halten kann, falls neue Gefahren im Anmarsch sind."
"Zuerst müssen wir diese Schlacht überleben," warf Kerry ein.
"Noch ist nicht alles verloren," gab Gandalf zurück. "Sieh es dir an. Die Orks ziehen sich zurück!"

Und tatsächlich ebbte der Angriff auf die Mauern nun ab. Ein lauter Hornstoß erklang aus dem Süden. Die überlebenden Orks zogen sich zum Rest des Heeres zurück, doch es war keine ungeordnete Flucht, die sie antraten. Stattdessen marschierten sie in ordentlichen Reihen rückwärts und deckten einander mit ihren Schilden vor Pfeilbeschuss. Offenbar hatten die feindlichen Kommandanten eine Kampfpause angeordnet um ihre Strategie zu überdenken. Fürs Erste hatten sich die Verteidiger Fornosts eine Verschnaufpause erkämpft.
Sofort entsandte Mírlinn die Männer und Frauen, die noch am meisten ausgeruht waren, um aus den vorbereiteten Lagern in den Straßen an der Mauer neue Pfeile und Wurfspieße auf die Turmspitze zu bringen. Auch Kerry half dabei mit und schleppte viele Ladungen Munition die steilen Treppen hinauf, bis ihre Arme schließlich zu schmerzen begannen und sie nicht mehr weitermachen konnte. Erschöpft lehnte sie sich mit dem Rücken gegen die Zinnen des Turms.
Mírlinn ließ sich neben sie fallen. "So viele Pfeile habe ich schon lange nicht mehr verschossen," bemerkte die Dúnadan.
"Hast du denn auch viel getroffen?" fragte Kerry.
Die Waldläuferin zog eine Augenbraue hoch. "Für wen hältst du mich? Selbstverständlich war jeder Schuss ein Treffer. Hast du gesehen, wie ich dem grüngewandeten Elben dort auf der Ebene gerade noch rechtzeitig den Feind im Rücken weggeschossen habe?"
"Ja, da hat er wirklich Glück gehabt," meinte Kerry. "Denkst du, die Elben haben sich rechtzeitig zurückziehen können? Warum haben sie nicht versucht, auf die Mauern zu gelangen und sich uns hier drinnen anzuschließen? Hier ist es doch immerhin etwas sicherer als dort draußen im offenen Gelände."
"Ich weiß es nicht," antwortete Mírlinn. "Ich hoffe, es geht ihnen gut, aber wir können es nicht mit Sicherheit sagen. Vielleicht werden wir sie wiedersehen, wenn die Kämpfe weitergehen."
"Wann wird das sein?" fragte Kerry, doch Mírlinn gab keine Antwort. Niemand wusste, wann die Heerführer Sarumans den erneuten Angriff auf Fornost befehlen würden....
« Letzte Änderung: 3. Nov 2016, 11:54 von Fine »

Eandril

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Re: Fornost: Die Mauern und das umliegende Gebiet
« Antwort #10 am: 22. Okt 2016, 02:31 »
Die Taktik, mit der Oronêl und seine Kampfgefährten den Orks in die Seite und in die Flanke fielen, war in ihrem schnellen Wechsel zwischen Angriff und Rückzug zwar kräftezehrend, aber nicht weniger effektiv. Nach und nach gerieten die Reihen der Orks ins Wanken, und hin und wieder brachen kleine Grüppchen nach Norden aus, die sofort von den Bogenschützen auf dem Turm niedergestreckt wurden.
Als die Elben sich wieder kurz zwischen die Bäume zurückgezogen hatten, fiel Oronêl auf dass die Orks die Mauern nun mit deutlich verminderter Härte attackierten und sich schließlich ganz zurück zogen. Von den Mauern stieg vereinzelter Jubel auf, und Oronêl wunderte sich. Soweit er von seiner Position sehen konnte, hatten die Orks noch lange keine entscheidenden Verluste erlitten, und hätten die Verteidiger möglicherweise mit einem andauernden Sturmangriff langsam zermürben konnte. Auch den anderen schienen diese Bedenken gekommen zu sein, denn niemand lächelte und Gelmir sagte: "Sie müssen irgendetwas vor haben, sonst würden sie sich nicht zurückziehen." Er hatte kaum ausgesprochen, da verstummte der Jubel auf den Mauern endgültig, und eine tödliche Ruhe senkte sich über das Schlachtfeld. Dann begannen die Orks, erneut rhythmisch ihre Waffen aneinander zu schlagen und anfeuernde Laute auszustoßen. Ohne ein Wort drückte Orophin Glorwen seinen Bogen in die Hand, sprang an einen tiefhängenden Ast und kletterte von dort aus geschwind in die Krone des Baumes. Nur einen Augenblick später war er wieder unten, und sagte: "Von Süden kommt eine weitere Armee heran. Sie ist deutlich kleiner als die der Orks, aber es scheinen Menschen zu sein."
"Dunländer?", fragte Oronêl. Sein Gefährte wusste anscheinend, dass er an Forath dachte, und erwiderte: "Ich bin nicht sicher, aber ich denke nicht - oder nicht nur."
Oronêl seufzte, und ließ den Blick über seine Freunde schweifen. Die Elben erwiderten seinen Blick standhaft und entschlossen, während Irwyne zwar das gleiche versuchte, ihre Angst aber dennoch nicht völlig verbergen konnte. "Nun, an unserer Aufgabe ändert das nichts", sagte er. "Diese Menschen sind viel weiter westlich, und vermutlich auch disziplinierter als die Orks. Also setzen wir unsere Taktik fort." Sie konnten nur hoffen, dass sie die Verteidiger ausreichend entlasteten, damit diese dem neuen Feind auch noch standhalten konnten. Die Orks begannen wieder unter Getöse auf die Mauern zu zu stürmen, und die Elben warfen sich erneut in den Kampf.

Dieses Mal war irgendetwas anders, dachte Oronêl, während er zwei Orks mit raschen Axthieben fällte und einen dritten direkt in Faronwes Schwert stieß. Bei ihren vorigen Angriffen waren die Orks immer vollkommen überrascht gewesen, und hatte sich anfangs beinahe wehrlos niedermachen lassen, bevor sie langsam zurückgewichen waren. Außerdem hatten sie die Unterstützung der Bogenschützen vom Turm gehabt, doch diesen schienen in der Zwischenzeit die Pfeile ausgegangen zu sein. Nun stellten sich die Orks ihnen geradezu standhaft entgegen, wirkten kein bisschen überrascht und wichen keinen Fußbreit zurück. Oronêl wollte sich gerade ein Stück zurückziehen um sich einen Überblick über die Schlacht zu verschaffen und im Notfall auch seine Gefährten zurück zu rufen, als eine Gestalt in braun und schwarz wie aus dem Boden gewachsen vor ihm stand. Sein Gegner versetzte ihm blitzartig einen harten Tritt vor die Brust, dem Oronêl weder ausweichen noch ihn abwehren konnte, und der ihn mehrere Schritte nach hinten schleuderte.
Der Tritt und der anschließende Aufprall auf dem Rücken pressten Oronêl die Luft aus den Lungen, und für einen Moment hatte er das Gefühl, ersticken zu müssen. Sein Gesichtsfeld war verschwommen, und die Geräusche der Schlacht drangen nur seltsam gedämpft an sein Ohr. Dann wurde sein Blick wieder klar, drang kühle, feuchte Luft in seine Lungen, doch mit ihr kam der Schmerz. Die linke Hälfte seiner Brust fühlte sich an, als stünde sie in Flammen, und es war mit Sicherheit mindestens eine Rippe angeknackst. Oronêl tastete im niedergetrampelten Gras fahrig nach dem Griff seiner Axt, als sich plötzlich eine Klinge auf seine Klinge legte und eine bekannte Stimme an sein Ohr drang: "Du musst dich überall einmischen, nicht wahr, alter Freund?" Neben ihm kniete Laedor, und drückte ihm Hatholdôrs Schneide gegen den Hals. "Nun, es wäre besser für dich gewesen, du wärst nach Westen geflüchtet - aber so ist es besser für mich." Ein hässliches Lächeln vernichtete den letzten Rest elbischer Schönheit auf seinem Gesicht, und für einen Augenblick glaubte Oronêl einen Ork vor sich zu sehen. Trotz seines bevorstehenden Todes fühlte er keine Angst, sondern nur Bedauern - gleichzeitig versuchte er aber, einen seiner Gefährten zu erspähen. Laedor hatte offenbar die Bewegung seiner Augen bemerkt, und spottete: "Deine Freunde können dir nicht helfen. Ich habe einige meiner besten Kämpfer gegen sie geschickt, für die werden sie einige Zeit brauchen... wenn sie sie überhaupt besiegen können." Er presste die Axt noch stärker gegen Oronêl, der ein Rinnsal Blut an seinem Hals herunterlaufen spürte.
Hinter Laedors kniender Gestalt erkannte er plötzlich Mírwen, die sich aus dem Kampf gelöst hatte und der anscheinend aufgefallen war, dass etwas nicht stimmte. Sie hob die Waffe, kam mit schnellen Schritten lautlos heran... doch Laedor fuhr in einer blitzschnellen Bewegung herum, und hieb ihr aus der Drehung heraus Hatholdôr mit voller Kraft unter ihrem zum Schlag erhobenen Arm hindurch in die Seite. Mírwen schrie auf, stolperte und schlug mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden auf. Sie rührte sich nicht mehr, und Laedor wandte sich wieder Oronêl zu. Es war so schnell gegangen, dass Oronêl noch keine Zeit gehabt hatte, sie zu rühren, und schon hatte Laedor die Hand um seine Kehle geschlossen. Oronêls alte Waffe hielt er locker in der linken.
"Dann können wir ja fortfahren, diesmal hoffentlich ohne Stör..." Er konnte seinen Satz nicht beenden, denn über Oronêls Kopf hinweg zischte ein metallischer Schatten, und im nächsten Augenblick bohrte sich eines von Finelleths Wurfmesser in Laedors rechten Oberarm. Nur einen Herzschlag lang lockerte sich sein Griff um Oronêls Kehle, und das genügte diesem. Mit aller Kraft die er aufbringen konnte, packte er Laedors rechten Arm, und zog daran, sodass sein Feind das Gleichgewicht verlor und neben Oronêl im Gras landete.
Trotzdem gelang es Laedor deutlich schneller als Oronêl, sich mit der Waffe in der Hand wieder aufzurappeln, und ohne Finelleth wäre Oronêl wohl auch nach seinem Zwischenerfolg gestorben. Thranduils Tochter hatte nach ihrem gezielten Wurf die restliche Strecke zwischen sich und Laedor zurückgelegt, und drängte diesen nun mit einem Hagel aus schnellen Schwerthieben zurück. Oronêl packte seine auf dem Boden liegende Axt und kam ihr zur Hilfe, doch als Laedor sich zwei Gegnern auf einmal gegenüber sah, machte er einen gewaltigen Sprung rückwärts. "Das war das dritte Mal, dass du mich hättest töten können", sagte Oronêl, und aus seinem Blick sprach der Hass, den er für seinen gefallenen früheren Freund empfand. "Ein viertes Mal wird es nicht geben."
"Wir werden sehen!", rief Laedor zurück, und verschwand in den Massen der Orks, die nach der Flucht ihres Anführers allerdings nicht daran dachten, die beiden einsamen Elben vor ihnen anzugreifen.

Ohne ein weiteres Wort wandte Oronêl sich um und lief zu der Stelle wo Mírwen gefallen war. "Ein kleines Danke wäre..." Er hörte Finelleth stocken,  als sie sein Ziel war, und hinter sich herlaufen.
"War er das?", fragte sie, als sie gemeinsam neben Mírwen, die noch immer mit dem Gesicht nach unten blutigen Gras lag, knieten. "Ja", sagte Oronêl bitter. Ein Elb, der andere Elben tötete - Laedors Fall war tiefer als er es auch nach seiner Geschichte in Lórien zu glauben gewagt hatte. Er legte die Hand auf Mírwens Schulter und wollte sie auf den Rücken drehen, als die Elbin plötzlich hustete und sich aus eigener Kraft herumwälzte. "Oh, bei allen Sternen", stieß Finelleth hervor, und Oronêl fühlte, wie ihn eine große Erleichterung durchströmte. "Du lebst!"
"Ja", hustete Mírwen, und versuchte sich aufzusetzen. Oronêl half ihr, und Finelleth stützte sie. Ein Blick die Stelle wo Laedor sie getroffen hatte verriet Oronêl, dass Hatholdôr das Kettenhemd aus Bruchtal nur schwer durchdrungen hatte. Dennoch floss Blut aus der Wunde, in die die Wucht des Schlages einzelne Kettenringe gedrückt hatte. Auch ihre Unterlippe war aufgeplatzt, vermutlich beim Aufschlag auf den Boden. "Was... war das für ein Wesen?", fragte Mírwen angestrengt. Auch Finelleth warf Oronêl einen fragenden Blick zu, und er antwortete langsam: "Ein Elb namens Laedor." Das Entsetzen auf den Gesichtern der beiden erinnerte ihn daran, was er empfunden hatte als er an der Furt des Nimrodel zum ersten Mal gegen Laedor gekämpft hatte - und eigentlich auch danach in Caras Galadhon und hier. "Ich werde euch später von ihm erzählen", wenn wir die Schlacht überleben, "aber für den Moment genügt es ja zu wissen, dass er unser Feind ist und wir im Kampf gegen ihn äußerst vorsichtig sein müssen."
Finelleth sah aus als wollte sie dennoch weiter nachfragen, doch dann deutete sie erschreckt nach Süden und sagte: "Seht!" In dieser Richtung sah Oronêl, wie sich eine Horde Orks aus den hinteren Reihen des Hauptheeres löste und in den Wald marschierte. Es sah nicht wie eine Flucht aus. "Verdammt", stieß er hervor. Offenbar hatten sie Glorwens und Orophins Position entdeckt, und beschlossen diesen Stachel aus ihrem Rücken zu entfernen.
Irwyne...
Oronêl und Finelleth halfen Mírwen beim aufstehen, und Oronêl sagte zu Finelleth: "Hol die anderen, sag ihnen sie sollen sofort zum Wald kommen." Seine Gefährtin nickte nur, und lief nach Westen davon, wo Cúruon, Gelmir und Faronwe noch immer gegen die Orks kämpften. "Kannst du kämpfen?", fragte er dann widerwillig an Mírwen gewandt. Er hätte sie mit ihrer Wunde lieber aus dem Kampf herausgehalten, doch sie waren so wenige dass sie jede Klinge brauchten. Die junge Elbin fasste sich an die zweifach verwundete Seite, und eine einzelne Träne lief ihr aus dem Augenwinkel. Dann jedoch atmete sie tief durch, nahm die Klinge die Oronêl aufgehoben hatte und ihr anbot, und nickte langsam.

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Der Zweite Angriff
« Antwort #11 am: 22. Okt 2016, 17:59 »
Die Kampfpause die entstand als sich die Orks vom Tor und von den Mauern zurückzogen kam Ardóneth sehr gelegen. Die Kämpfe waren anstrengend und fordernd gewesen, selbst für die erfahrensten Krieger unter den Verteidigern. Er wies seine Leute an, Wasser an die Besatzungen der Mauersegmente zu verteilen, denn seitdem die Sonne durch den Nebel drang war es heiß geworden. Heiler eilten über die Wehrgänge und kümmerten sich um die Verletzten, während die Unverletzten die Gefallenen beiseite schafften, auch wenn dies für viele schmerzvoll war. Zwar hatten sie den ersten Angriff der Orks zurückschlagen können, doch dies war ihnen nicht ohne Verluste gelungen. Ardóneth fragte sich, wieviele nun noch ihr Leben im Kampf um Fornost lassen mussten.

Er ging in Elrádans Begleitung zum Torhaus, wo das Banner des Sternenbundes wehte. Dort stand Belen und hielt den Blick misstrauisch nach Süden gerichtet.
"Es sieht nicht gut aus, Vetter," knurrte der Anführer der Dúnedain. "Diese Orks werden wiederkommen. Noch geben sie nicht auf."
"Das werden wir ebenfalls nicht," antwortete Ardóneth. "Unser Mut ist ungebrochen. Wir werden sie wieder und wieder von den Mauern zurückwerfen bis ihnen die Krieger ausgehen."
"Sie haben irgendetwas vor," vermutete Belen. "Weshalb diese Pause? Die Puste ist ihnen bestimmt nicht ausgegangen. Da wird irgendetwas vorbereitet."
Die Waldläufer blickten angestrengt zum feindlichen Heer hinüber. Dessen Rückzug hatte die Stimmung unter den Verteidigern gehoben, doch der anfängliche Jubel verhallte nun.
"Seht, sie erhalten Verstärkung!" rief  Elrádan, der scharfsichtige Augen hatte. Und tatsächlich sah Ardóneth nun, wie sich die Reihen der Orks teilten und aus dem Süden über den Grünweg eine zweite Streitmacht anmarschiert kam. Von weitem waren sie noch nicht sehr gut zu erkennen, doch sie gingen aufrechter als die meisten Orks und nicht in derselben unordentlichen Formation.
"Es müssen Menschen sein," befand Belen. "Also waren die Nachrichten, die Rilmir und das Mädchen aus Bree brachten wahr. Dieser Lutz Farnrich macht tatsächlich gemeinsame Sache mit den Orks Sarumans."
"Ich sehe Breeländer in seiner Truppe," sagte Elrádan. "Doch auch Männer unterschiedlichsten Aussehens, vermutlich Söldner. Wenn Worte nicht wirken hilft er wohl mit Geld nach..."

Während die Verstärkungsstreitmacht noch anmarschierte begannen die Orks erneut gegen ihre Schilde zu schlagen und Kriegsschreie auszustoßen.
"Macht euch bereit! Sie werden gleich wieder angreifen!" rief Ardóneth.
"Sie versuchen es erneut," sagte Belen laut sodass ihn alle auf dem Torhaus hören konnte. "Haltet stand. Wir haben sie einmal zurückgeworfen, und wir werden es noch so oft wiederholen, wie es nötig ist, bis sie genug haben. Haltet stand, Verteidiger von Fornost!"
Doch seine Rede schien nicht ganz die Wirkung zu haben, die Belen erhofft hatte. Durch das Eintreffen der Verstärkungsstreitmacht waren die Menschen, die beim Rückzug der Orks gejubelt hatten, wieder entmutigt worden.
"Bogenschützen! Pfeile auflegen!" befahl Ardóneth, und Elrádan brachte seine Leute in Stellung, um die zurückkehrenden Orks mit einem Geschosshagel zu erwarten. Wurfspieße wurden auf den Mauern verteilt und die Anspannung unter den Vertedigern stieg.

Erneut erklang ein orkischer Hornstoß, und der zweite Sturmangriff begann. Zwischen die Orks hatten sich nun die Söldner aus dem Süden und die fehlgeleiteten Breeländer gemischt. Ardóneth verteidigte das Mauerstück direkt östlich des Tores, doch es fiel ihm schwer, sich zu konzentrieren. Irgendetwas in den Tiefen seiner Gedanken lenkte ihn ab. Inmitten der Kämpfe fand er schließlich heraus, worum es sich handelte. Sein Traum, den er in der Nacht vor der Schlacht gehabt hatte, war nicht etwa in Vergessenheit geraten, sondern rückte nun mehr und mehr in den Vordergrund seines Denkens. Was, wenn er wahr wird? dachte er. Alle in Fornost werden sterben...
Er versuchte, die Verzweiflung abzuschütteln, denn als Kommandant waren viele Blicke auf ihn gerichtet und er wusste, dass er die Verteidiger zum Widerstand motivieren musste. Frustriert schrie er seinen Zorn heraus und rammte seine Schulter gegen eine der unzähligen Leitern, die nun wieder und wieder aufgestellt wurden. Schnaufend beobachtete er, wie die Leiter zu Boden fiel, als sich eine Hand auf seine Schulter legte.
"Aróneth," setzte Gilbárd an zu sagen, doch aufgrund seiner Überraschung stieß Ardóneth den Dúnadan wie im Wahn grob zu Boden und zog blitzschnell einen Dolch hervor, den er an Gilbárds Kehle presst.
"Nicht doch! Ich bin es!" presste dieser angestrengt hervor.
Ardóneth blinzelte und erkannte endlich seinen Freund. Er zog den Dolch weg und rappelte sich auf.
"Ich dachte... für einen Augenblick hielt ich dich für einen Feind," murmelte er. Wie hatte er es nur dazu kommen lassen?
"Der Feind ist dort unten," sagte Gilbárd verärgert. Er schulterte seinen großen Zweihänder und eilte zurück ins Gefecht. Ardóneth blieb verwirrt zurück, einen Hand am Kopf. Er schlug sich mit der Faust leicht gegen die Stirn. Konzentriere dich! Du musst aufmerksam bleiben!"
Er schüttelte den Kopf, wie um die Verwirrung abzuschütteln, und packte sein Schwert mit neuer Entschlossenheit. Er würde weiterkämpfen und die Feinde von den Mauern Fornosts fernhalten.
Er hat noch gezuckt weil ich ihm meine Axt in seine Nervenstränge getrieben habe.

-Gimli Gloinssohn zu Legolas, Schlacht bei Helms Klamm-

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Kampf an der Turmspitze
« Antwort #12 am: 22. Okt 2016, 18:41 »
Als die Hörner erklangen und die Angriffe weitergingen war Kerry bestürzt, unter den Feinden auch einige der Menschen aus Bree zu entdecken. Zwar sah sie niemanden, den sie kannte, doch Lutz Farnrichs Rede war ihr noch gut im Gedächtnis geblieben und sie wusste, dass diese Menschen nur aufgrund der Lügen des sogenannten Statthalters hier waren und ihr Leben für nichts als Unwahrheiten und für die Machtgier Sarumans auf Spiel setzten. Sie sprang auf und rief den Menschen, die in Sichtweite kamen, zu, dass der Sternenbund nicht ihre Feinde waren, doch entweder hörte man ihre Stimme über den Schlachtenlärm hinweg nicht, oder keiner glaubte ihr. Frustriert sank sie auf den steinernden Boden der Turmspitze in sich zusammen. Ihren Kampfeswillen hatte sie verloren.

"Du gibst doch nicht etwa schon auf, Kerry, oder?" erklang Gandalfs Stimme neben ihr. Der Zauberer stand wieder am Rand des Wehrgangs des großen Turmes und blickte besorgt nach Süden.
"Ich wünschte, Halla wäre hier," sagte Kerry leise. "Sie wüsste, was jetzt zu tun ist."
"Es sind die Breeländer in den Reihen unserer Feinde, die dir Sorgen bereiten, nicht wahr?" fragte Gandalf.
Kerry nickte. "Was soll ich tun, wenn mir jemand gegenübersteht, den ich kenne? Einen Ork zu töten... das traue ich mir vielleicht zu. Doch einen Menschen, und dazu einen, den ich kenne? Bevor er von den Lügen des Statthalters verführt wurde?"
"So einfach macht es uns diese grausame Schlacht leider nicht, Mädchen," murmelte Gandalf. "Wir müssen uns mutig gegen alle Feinde stellen, die die unschuldigen Menschen in Fornost zu Schaden bringen wollen, ganz egal ob diese Feinde nun Ork oder Breeländer sind."
"Die Breeländer sind doch auch unschuldig," warf Kerry ein.
"Sie haben ihre Wahl getroffen als sie sich entschlossen haben, Farnrich zu folgen," erklärte der Zauberer. "Sie werden mit den Konsequenzen rechnen müssen."

Kerry wandte sich ab. Sie wollte sich nicht vorstellen was passieren würde wenn sie ein zweites Mal gezwungen wäre, einen Menschen zu töten. Sie ließ den Blick über die wild tobende Schlacht schweifen und schaute die Mauer entlang, auf der die Gefechte hin und her wogten. Ihr Blick blieb schließlich am Tor hängen, das nun nach dem der Nebel zum großen Teil verschwunden war, in der Ferne sichtbar geworden war. Die Gräben, die unter Mathans Anweisung angelegt worden waren hatten die Orks bisher davon abgehalten, das Tor mit Rammböcken zu erreichen, doch nun begannen, Leichen von Feinden die Gräben zu füllen. Noch immer stellten sie ein großes Hindernis für die Angreifer dar, doch Kerry wusste nicht, wie lange das noch so bleiben würde.
Ihr fiel auf, dass die Elben, die sie während der ersten Angriffswelle beobachtet hatte, inzwischen verschwunden waren. Sie wusste nicht, ob diese sich zurückgezogen hatten oder gefallen waren. Sie hoffte, dass Ersteres der Fall war. Leichen von Elben konnte sie bisher zumindest noch keine entdecken. Immerhin etwas, dachte sie.

Das Klirren von Schwertern lenkte ihre Aufmerksamkeit vom Schlachtfeld ab. Es kam aus dem unteren Teil des Turmes.
"Gebt Acht!" rief Mírlinn. "Der Feind ist im Turm!"
Die Bogenschützen zogen ihre Schwerter und hielten sich bereit. Doch anstatt eines Orks kam Valandur die Treppe hinauf gerannt und blieb schwer atmend stehen.
"Sie haben den Turmeingang erobert," stieß er hervor. "Orks, und viele von ihnen. Sie sind im Treppenhaus!"
Jemand drückte Kerry einen Wurfspeer in die Hand. Es war Mírlinn. "Halte dich bereit," wies die Dúnadan sie an. "Dem ersten Ork der es wagt, seine hässliche Fratze zu zeigen, schleuderst du diesen Speer direkt ins Maul!"
Die Anspannung war beinahe zuviel für Kerry. Auf der Turmspitze hörten sie, wie die Orks im Inneren des Turmes rumorten und sich in ihrer Sprache unterhielten, doch noch machte keiner Anstalten, die Treppe bis zur Spitze zu ersteigen.
"Bleib ruhig, Kerry," sagte Gandalf, der ebenso wie alle anderen den Blick starr auf die obersten Treppenstufen gerichtet hielt. "Sobald du deinen Speer geworfen hast, stellst du dich hinter mich, hast du verstanden? Ich kann im Getümmel sonst nicht auf dich Acht geben!"
Kerry nickte, doch ihr Blick war voller Angst. Ihre Finger umschlossen den Speer so fest dass die Knöchel weiß hervortraten.

Das Stampfen eisenbeschlagener Stiefel auf der Treppe kündigte das Eintreffen der Orks an. Kerry holte aus und verharrte in der Position, bis der erste Ork in Sicht kam. Sie legte all ihre Wut in den Wurf und schleuderte die Waffe mit der Kraft, die sie aufbringen konnte in Richtung des Treppenaufgangs. Kerry hatte die Augen geschlossen als der Speer ihre Hand verlassen hatte, doch als sie ein lautes Scheppern hörte riss sie sie wieder auf. Der Speer war dem Ork direkt durch den Oberkörper gefahren und hatte sogar noch einen weiteren Feind mitgerissen. Die Leichen hinderten den Rest der Orks jedoch nur einige Augenblicke am Betreten der Turmspitze. Brüllend stürmte eine große Horde Orks die Treppe hinauf und warf sich den wartenden Verteidigern entgegen. Ein heftiges Gefecht entbrannte.
"Kerry! Hinter mich!" rief Gandalf, den Stab in der Linken und Glamdring in der rechten. Das Schwert erglühte in blauem Feuer als sich der Zauberer wirbelnd in den Kampf stürzte. Kerry wich zurück, ihr Schwert gezogen und ausgestreckt vor sich haltend. Sie sah, wie die Bogenschützen die Orks relativ gut abwehren konnten und viele erschlugen, doch noch immer kamen weitere Feinde die Treppe hinaufgestürmt. Einer der Bogenschützen fiel, dann ein weiterer.
"Es sind zu viele!" rief ein Mann aus Rohan, doch wenn sie nicht den Sprung in die Tiefe wagen wollte würde es keinen Rückzug für Mírlinns Gruppe geben. Sie würden kämpfen müssen.
Zum Glück haben wir Gandalf dabei, dachte Kerry während sie den Zauberer dabei beobachtete, wie er Ork um Ork erschlug und so den Strom der Feinde etwas in Schach hielt. Doch noch während Kerry zusah wankte Gandalf mit einem Mal und taumelte zurück, getroffen vom Schildhieb eines anstürmenden Feindes. Brennend heiß fiel ihr ein, was Gandalf ihr gesagt hatte. Wenn er kämpft, macht er sich angreifbar für Sarumans Bann! schoss es ihr durch den Kopf.
Zwei Orks sprangen an Gandalf vorbei, und kamen mit erhobenen Waffen auf Kerry zu. Ihre Instinkte übernahmen und nun zeigte sich, was das Training, das sie von Mathan erhalten hatte, wert war. Als die Orks gleichzeitig nach ihr schlugen, drehte sie sich leichtfüßig weg und setzte einen tief gezielten Stich an, der unter der Abwehr des linken Orks hindurchtauchte und dessen Bauchgegend durchbohrte. Doch kein Training hatte Kerry darauf vorbereiten können, eine Waffe aus einer Leiche zu ziehen, und so war sie dem zweiten Feind schutzlos ausgeliefert während sie verzweifelt versuchte, ihr Schwert zu lösen. Sie sah die Klinge des Orks auf ihren Kopf zuschnellen und schloss die Augen in Erwartung des Schmerzes. Das war's dann also...

Doch obwohl sie den Aufprall hörte, spürte sie keinen Schmerz. Etwas hatte sich zwischen sie und ihren Feind geschoben. Sie öffnete die Augen.
"Mira!" entfuhr es ihr. Die Waldläuferin hatte sich schützend vor Kerry gestellt und den Hieb des Orks abgefangen... mit ihrem eigenen Körper. Die grobschlächtige Axt war tief in Mírlinns Oberkörper gedrungen, doch gleichzeitig hatte ihr eigenes Schwert dem Ork den Hals durchbohrt.
Kerrys Blick verschwamm als sich ihre Augen mit Tränen füllten. Mírlinn sank zu Boden, doch Kerry fing die Waldläuferin auf, die ihr ungewöhnlich leicht vorkam, und bettete Mírlinns Kopf auf ihrem Schoß.
"Míra, hörst du mich? Antworte mir! Du darfst nicht sterben..." schluchzte Kerry. Und tatsächlich regte sich Mírlinn und ihr Blick fand Kerrys.
"Du musst.. weiterkämpfen," stieß die Waldläuferin hervor. "Sag... Elrádan...dass wir uns... an einem besseren Ort... wiedersehen werden..." Ihr Blick verlor sich und dann war sie fort.
"Míra..." weinte Kerry, während um sie herum das Gefecht erstarb. Die Orks wurden zurückgeschlagen, da die Verteidiger der Mauer den Turmeingang zurückeroberten und sie so vom Nachschub abschnitten. Doch die meisten Bogenschützen waren gefallen, und nur Gandalf, Valandur, Kerry sowie drei weitere Kämpfer hatten an der Turmspitze überlebt.

Valandur kniete mit traurigem Blick neben Kerry, die noch immer die Arme um Mírlinn gelegt hatte. "Sie hat dich gerettet," sagte er leise. "Erfüll' ihr ihren Wunsch und kämpfe weiter, damit ihr Opfer nicht umsonst gewesen war."
Doch Kerry dachte: Das bin ich nicht wert! Ich hätte sterben sollen, nicht Míra... Sie war doch eine so viel bessere Kämpferin als ich...
"Zeit zum Trauern wird es geben, aber nur, wenn wir überleben," sagte Gandalf. "Lasst uns sehen, wie die Lage auf der Mauer ist."
Ein Blick zeigte ihnen, dass der Kampf auf den Wehrgängen westlich des Turmes mit unverminderter Härte weiterging. Kerry fragte sich, wieviele ihrer Freunde noch fallen würden eher diese graumsame Schlacht endlich ihr Ende finden würde...
« Letzte Änderung: 3. Nov 2016, 13:53 von Fine »

Eandril

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Re: Fornost: Die Mauern und das umliegende Gebiet
« Antwort #13 am: 22. Okt 2016, 18:55 »
Als Oronêl und Mírwen den Waldrand erreichten, stießen die anderen vier im Laufschritt zu ihnen. Cúruon warf einen forschenden, besorgten Blick auf das blasse Gesicht seiner Tochter, sagte aber nichts. Dennoch erklärte Mírwen: "Nicht gerade ein Kratzer, aber ich kann weitermachen." Cúruon nickte nur grimmig, und erwiderte: "Gut. Wir brauchen hier jede Klinge." Es war offensichtlich, dass er bereit war, sich selbst und sie alle ohne zu Zögern für den Sieg zu opfern. So weit durfte es allerdings nicht kommen, überlegte Oronêl, denn der Ring den er trug, durfte Saruman auf keinen Fall in die Hände fallen.
Nach wenigen Schritten erreichten die Elben die Stelle, an der sie Glorwen und Orophin mit Irwyne zurückgelassen hatten. Niemand war zu sehen, doch trotz des Schlachtenlärms konnten sie von tiefer im Wald andere Kampfgeräusche hören. Anscheinend hatten ihre Freunde sich zunächst zurückgezogen, bevor sie sich stellen mussten.  Die Gefährten wechselten stumme Blicke, und liefen dann nebeneinander los in Richtung des Kampfes.
Auf einer Richtung weiter im Süden fanden sie die Kämpfenden schließlich. Glorwen stand auf dem dicken Querast einer mächtigen Eiche, die in der Mitte der Lichtung stand und lies Pfeile auf die angreifenden Orks hinabregnen, doch ein kurzer Blick verriet Oronêl, dass ihr Köcher sich rasch lehrte. Orophin dagegen verteidigte sich unten mit dem Rücken zum Eichenstamm mit einem langen Messer, und wirkte darauf vorbereitet, jederzeit nach oben auf den Baum zu flüchten. Von Irwyne war keine Spur zu sehen, und als Oronêl dem ersten Ork seine Axt in den Rücken hieb, fürchtete er das Schlimmste.
Auch wenn Mírwen durch ihre Verletzung trotz ihrer Worte nicht wirklich kämpfen konnte und auch die anderen bereits leichte Wunden davongetragen hatten, währte der Kampf nur kurz. Die Orks schienen nicht damit zu rechnen, dass Oronêl und seine Gefährten ihnen in den Rücken fallen könnten, und ließen sich entsprechend leicht niedermachen. Nach einem kurzen Gemetzel, bei dem vor allem Cúruon mit seinem langen Zweihänder großen Schaden unter den Orks angerichtet hatte, streckte Glorwen den letzten fliehenden Gegner mit ihrem letzten Pfeil nieder, und sprang dann von ihrem Ast, wobei sie federnd aufkam, als wäre sie nur eine kleine Stufe hinunter gestiegen.

"Ihr kommt genau im rechten Augenblick", sagte Orophin, der das Messer fallen gelassen hatte und sich den rechten Unterarm, in dem ein langer Schnitt klaffte. "Wo ist Irwyne?", fragte Finelleth, und aus ihrem Tonfall konnte Oronêl erkennen, dass sie sich genauso sehr um das Mädchen sorgte wie er selbst. Zu seiner Erleichterung tauchte Irwynes Gesicht zwischen zwei Ästen der Eiche auf. "Hier bin ich." Sie war blass, wirkte aber unverletzt, und kletterte vorsichtig den Baum hinunter. Als sie unten war, legte Finelleth ihr wortlos den Arm um die Schultern, und Oronêl sagte: "Das war eine gute Idee mit dem Baum." Ein Lächeln huschte über Irwynes Gesicht, und verriet ihm damit, dass sie darauf gekommen war.
"Ja, wir hatten eigentlich vor den Orks davon zu laufen", erklärte Glorwen. "Aber dann musste ich an ein Märchen von einem Kater und einem Fuchs denken", fuhr Irwyne fort. "Und dort konnte der Kater den Jägern entkommen, weil er auf einen Baum klettern konnte und die Jäger nicht, und der Fuchs konnte nur weglaufen und deshalb wurde er gefangen."
Oronêl musste unwillkürlich lächeln, obwohl seine Brust seit Laedors Tritt wie Feuer brannte. "Es war auf jeden Fall eine gute Idee, denn so konnten wir euch rechtzeitig einholen." Irwyne lächelte ebenfalls, wurde aber sofort wieder ernst und sagte, während ihr Blick über die im Halbkreis stehenden Elben schweifte: "Ihr seid verwundet." Während sie sprach glaubte Oronêl einen unfreundlichen Blick in seinem Rücken zu spüren, doch als er sich umwandte, war niemand zu sehen und kein Geräusch zu hören.
"Das bringt eine Schlacht wie diese mit sich", erwiderte Cúruon, der allerdings als einziger noch keinen Kratzer davongetragen zu haben schien, in überraschend respektvollem Tonfall.
"Falls ihr unbedingt weiterkämpfen wollt, lasst mich euch wenigstens verbinden." Irwyne  löste den kleinen Beutel, den sie unter ihrem grauen Umhang aus Lórien trug, von seinem Gurt und förderte einige Bandagen zu Tage. Anscheinend hatte sie vor ihrer heimliche Abreise aus Imladris an alles gedacht.  "Eigentlich haben wir dazu keine Zeit", meinte Oronêl. "Aber es könnte uns helfen die Schlacht zu überstehen, also tu was du kannst."
Während Irwyne unter der Eiche die größeren Wunden der Elben versorgte, standen Cúruon, Oronêl und Faronwe am Nordrand der Lichtung, und blickten wachsam in den Wald. "Was ist bei euch geschehen?", fragte Cúruon schließlich ruhig, und Oronêl wusste dass der Wächter der Grenzen auf Mírwens Verwundung anspielte. "Ein alter Feind von mir", erwiderte er mit zusammengebissenen Zähnen. Bei dem Gedanken an Laedor schienen seine Rippen noch mehr zu schmerzen als vorher, und sein Herz schlug schneller. Es war nicht nur der Hass, wurde ihm klar, sondern auch - Angst. Laedor hatte ihn drei Mal mit Leichtigkeit besiegt, und er lebte nur noch weil sein Feind in seinem Wahnsinn nicht mehr klar denken konnte - und dank Amrûn, Mithrellas und Finelleth. Orophin, dessen rechter Arm nun verbunden war, gesellte sich zu ihnen, und hatte Oronêls Worte offenbar gehört. "Laedor?", fragte er leise, und stieß auf Oronêls Nicken hin einen ebenso leisen Fluch aus. Eine untypischer Gefühlsausbruch, für Oronêls sonst so beherrschten Gefährten.
"Ich habe von ihm gehört", sagte nun Glorwen, die mit Orophin. Dieser legte ihr einen Arm um die Taille, und Oronêl wurde - zum wiederholten Mal - einiges klar. Angesichts der Schlacht hatten die beiden offensichtlich kein Interesse mehr daran, ihre Beziehung geheim zu halten. "Woher?", fragte er. "Ich wusste nicht, dass sich die Geschichte herumgesprochen hat."
"Ich habe in Aldburg mit deiner Tochter gesprochen, und was sie erzählt hat, klang nicht gut."
Oronêl setzte gerade zu einer Antwort an, als von Westen das Heulen großer Wölfe und das Geschrei von Orks zu hören war.
"Verflucht", stieß er hervor, und Cúruon sagte, obwohl er sein Schwert gezogen hatte: "Kämpfen hat keinen Zweck. Zur Stadt. LAUFT!"
« Letzte Änderung: 23. Okt 2016, 00:26 von Eandril »

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Curanthor

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Kampfpause
« Antwort #14 am: 22. Okt 2016, 22:53 »
Als Ardóneth nach einer gefühlten Ewigkeit mit Verstärkung zurückkehrte, konnten die Orks von den Mauern vetrieben werden. Keuchend standen die Verteidiger um Mathan herum und genossen die kurze Kampfpause.
"Tragt die Gefallenen herunter und holt die Feuerkörbe auf die Mauer" befahl er nüchtern.
Sein Blick glitt über die Leichen, die vereinzelt auf den Steinen lagen. Einige davon kannte er, auch einer der Soldaten aus Gondor, der zuvor mit Adrienne gesprochen hatte war darunter. Ein Axthieb hatte ihm am Oberkörper getroffen.
"Wie viel Blut muss noch vergossen werden?", fragte jemand hinter ihm.
Der Elb drehte sich um und sah Acharnor auf sich zukommen, er stützte sich auf einen geborstenen Spieß. Ein blutiger Verband war um seinen Kopf gewickelt.
"Ein Andenken", der Jugendliche deutete auf sein linkes Ohr, "jetzt höre ich noch schlechter auf das, was man mir sagt."
Mathan schmunzelte und bewunderten ihn für sein Durchhaltevermögen. Offensichtlich hatte es ihm das Ohr weggerissen, dennoch schleppte er sich den Weg hierher. Sie blieben für einen Moment still, abgesehen vom Stöhnen der Verwundeten und das Lärmen des Orks war es erstaunlich ruhig.
"Den Richtschützen hats erwischt", nuschelte Acharnor unvermittelt und blickte ihn an, "Ich hoffe du kannst das Ungetüm auch bedienen.
Er überlegte einen Moment, als Halarîn neben ihn auftauchte. Sie nickte ihm wortlos zu und begutachtete den Verband seines Schülers. Schimpfend wickelte sie ihn neu und schnalzte mit der Zunge. Sie war noch immer nicht zufrieden, wusste aber, dass sie keine bessere Möglichkeiten momentan hatten.
Wärend die Verteidiger die Toten bargen, warfen die anderen Menschen die Leichen der Orks über die Mauer. Mathan bat Halarîn zu Gandalf zu gehen und ihn zu fragen, ob es irgendwelche Neugkeiten gab. Sogleich lief sie los und sprang elegant über die toten Orks. Er blickte ihr nach und zählte die Anzahl der Pfeile in ihrem Köcher. Ein paar Geschosse waren noch übrig, dennoch musste sie bald in den Nahkampf. Er mochte es nicht, dass sie sich direkt der Gefahr aussetzte.
Gemeinsam mit Acharnor kehrten er zurück zum Tor und trafen beim Katapult auf eine blasse, jedoch unverletzte Adrienne. Bis auf dem Geschützmeister waren alle ohne nennenswerten Verletzungen.
"Wir sind soweit. Wenn es wieder losgeht, sind wir bereit!", rief sie vom Weitem und er nickte.
Mathan erklärte ihnen wie das Katapult am besten zu handhaben wäre. Ein lautes Lärmen jenseits der Mauern ließ ihn aufhorchen. Er gab den Befehl zum Laden und gemeinsam rollten die Männer den ersten großen Felsblock in die dafür vorgesehene Schale. Adrienne sah ihnen dabei aufmerksam zu, bis Mathan sie ein kurzes Stück zur Seite zog.
"Alles was ich zu dir rufen werden, wirst du Wort für Wort an Rainer weitergeben; er wird den Rest erledigen..." schärfte er ihr ein und sie nickte aufgeregt, "...und behalte deinen Bruder hier unten, der kommt mir nicht nochmal auf die Mauer, egal was Belen oder Ardóneth sagen wird."
Mathan begab sich auf den Torbogen und hielt sich bereit als Richtschütze zu fungieren.
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Eine seltene Waffe
« Antwort #15 am: 23. Okt 2016, 00:13 »
Neue Bogenschützen wurden nun auf dem Turm postiert und Tirithon, der Dúnadan unter dessen Befehl der Abschnitt der Mauer stand die an den Turm grenzte, übernahm das Kommando. Fürs Erste schien die Lage stabilisiert und der Wachtturm sicher zu sein. Die Schlacht jedoch tobte mit unverminderter Härte weiter. An Kerry ging allerdings das Meiste davon vorbei. Sie hatte Mírlinn zur Nordseite des Turmes geschleppt um ihre gefallene Freundin so weit wie möglich von den Kämpfen fernzuhalten. Im Tode wirkte ihr Gesicht beinahe friedlich. Kerry legte Mírlinn ihr Schwert auf den Oberkörper und führte die Hände der Waldläuferin an den Griff. Sie wollte nicht ihrer Seite weichen, doch sie merkte, dass es Mírlinns Opfer gegenüber nicht gerecht wäre, tatenlos herumzusitzen während die Schlacht weiterging. Also raffte sie sich auf und rannte die Treppen des Turms nach unten, um erneut neue Pfeile für die Bogenschützen zu holen und nach oben zu tragen.

Nachdem sie die dritte Fuhre abgeliefert hatte und Valandur ein dickes Bündel Pfeile gereicht hatte fiel ihr Mírlinns Bogen ins Auge, der dort liegen geblieben war wo die Dùnadan gefallen war. Kerry ging hinüber und hob die Waffe auf. Erstaunt stellte sie fest, dass es sich nicht um einen gewöhnlichen Langbogen handelte, den die Dúnedain normalerweise verwendeten. Der Schaft war nicht aus Holz, sondern bestand aus Metall.
"Ein echter númenorischer Stahlbogen," erklärte Gandalf. "Das ist eine todbringende Waffe, doch sie erfordert großes Geschick und viel Übung."
Kerry antwortete nicht darauf sondern blickte stumm auf Mírlinns Bogen, der sich so leicht in ihrer Hand anfühlte. Als sie jedoch versuchte, die Sehne zu spannen, musste sie feststellen, dass weder ihre Kraft ausreichte noch sie ihren Arm weit genug zurückziehen konnte. Sie ließ los und die Sehne sprang zitternd in die Ursprungsposition zurück.

"Mithrandir!" rief eine melodische Stimme, die Kerrys Stimmung auf der Stelle ein gutes Stück verbesserte. "Welche Neuigkeiten gibt es?"
"Ah, Halarîn," antwortete Gandalf. "Hier wurde vor Kurzem noch erbittert gekämpft. Aber der Turm ist erfolgreich verteidigt worden. Momentan ist in der Südostecke der Stadt alles ruhig."
"Halla!" stieß Kerry hervor und machte einen vorsichtigen Schritt auf die Elbin zu. Diese schien mit einem einzigen Blick zu erkennen, wie schwer Kerry durch Mírlinns Tod aus der Fassung geraten war, und eilte herüber.
"Ich bin froh, dass es dir gutgeht," sagte sie sanft und schloss Kerry in eine enge Umarmung.
"Míra... sie ist..." setzte Kerry an, und sie spürte, wie ihr erneut Tränen in die Augen schossen.
"Schsch," machte Halarîn beruhigend. "Was geschehen ist, ist geschehen, und wir können es jetzt nicht mehr ändern. Verlust wird immer schmerzen, doch mit der Zeit wird es einfacher werden, ihn zu akzeptieren. Deine Freundin hat tapfer gekämpft und ist jetzt an einem besseren Ort."
"Ich will aber nicht, dass sie dort ist," schniefte Kerry. "Ich will, dass sie wieder hier bei uns ist..."
"Das liegt nicht in unserer Hand," wandte Halarîn sanft ein.
Sie blieben mehrere Minuten in der tröstlichen Umarmung verbunden, bis sich Kerry schließlich von Halarîn löste und sich mit dem Ärmel das Gesicht abwischte.
"Was hast du da?" fragte Halarîn mit Blick auf den Bogen.
"Míras Bogen," sagte Kerry und hielt der Elbin die Waffe hin. "Gandalf sagt, es ist ein Stahlbogen, offenbar etwas ziemlich Besonderes..."
"Ein Stahlbogen aus Westernis," staunte Halarîn und zog probeweise die Sehne zurück, was ihr mühelos gelang. Ein kurzer Ausdruck der Begeisterung huschte über ihr Gesicht, und sie legte einen der Pfeile, die Kerry auf die Turmspitze gebracht hatte auf, zielte, und sandte den Pfeil in hohem Bogen in Richtung der Feinde südlich des Turmes zurück.
"Beeindruckend," kommentierte sie. "Diese Zugkraft... Kann ich den Bogen mitnehmen?"
Kerry nickte. "Ich kann damit nicht umgehen, Halla. Du kannst bestimmt damit mehr anfangen."

Sie blickte zu Boden. Es war offensichtlich, dass Halarîn gleich wieder aufbrechen würde. Dennoch versuchte Kerry, sie zum Bleiben zu bringen.
"Halla, wie wäre es, wenn du -" setzte sie an, doch Halarîn unterbrach sie.
"Ich muss zum Tor zurück," erklärte sie. "Mathan wartet auf mich. Eigentlich sollte ich nur überprüfen, wie die Lage hier bei euch ist."
"Oh. Ich verstehe," antwortete Kerry niedergeschlagen.
"Ich würde dich ja mitnehmen, aber ich glaube, das wäre zu gefährlich," sagte Halarîn. "Am Tor wird hart gekämpft, härter als hier. Jetzt, da der Turm so gut bemannt ist, wirst du hier in Sicherheit sein."
"Bitte gib auf dich Acht, Halla," bat Kerry als sich die Elbin zum Gehen wandte.
"Das werde ich. Wir sehen uns nach der Schlacht," antwortete Halarin zuversichtlich und zwinkerte Kerry zu. Den Stahlbogen in der Hand und mit frisch gefülltem Köcher eilte sie die Treppe hinunter und war verschwunden.

"Wie kommt es, dass so viele Mädchen wie du in diesen Krieg geraten sind?" sagte eine raue Stimme neben ihr. Sie wandte den Kopf dorthin und war überrascht, den Dúnadan Valandur neben sich vorzufinden.
"Was soll das denn heißen?" fragte sie verwundert.
"Auf dem Weg von Imladris hierher begleitete uns ein Mädchen, das dir recht ähnlich sah. Auch sie war keine Kämpferin," erklärte Valandur.
"'Uns'? Wen meinst du mit 'uns'?" wollte Kerry wissen.
"Oronêls Gemeinschaft," sagte Valandur. "Die Elben, die wir vorhin vor der Stadt haben kämpfen sehen. Ich trennte mich von ihnen als wir die Armee entdeckten, die Fornost gerade angreift. Ich fürchte, ich habe sie im Stich gelassen..."
Darauf hatte Kerry keine Antwort. Zuviel war schon gesehen, und die Geschichte, die der Waldläufer da erzählte, drang kaum bis über ihre Ohren hinaus, erreichte nur unterschwellig ihre Gedanken. Valandur schien dies schnell zu bemerken, denn er seufzte leise und widnmete sich dann wieder dem Beschuss der Orks unterhalb der Mauer östlich des Turmes.

Kerry blieb alleine zurück. Alle waren sie fortgegangen: Ardóneth und Mathan verteidigten das Tor, Halarîn war irgendwo dazwischen unterwegs und sogar Gandalf hatte sich von der Turmspitze zurückgezogen - wohin der Zauberer gegangen war, wusste sie nicht. Sie lehnte sich mit dem Rücken an die Wand neben der Mírlinn aufgebahrt war, zog die Knie nahe an ihren Oberkörper und schloss die Arme darum. Zwar fühlte sie sich auf dem Turm einigermaßen sicher, doch sie hoffte, dass die Schlacht endlich ein Ende finden und all die schrecklichen Erlebnisse dann vorbei sein würden...
« Letzte Änderung: 24. Okt 2016, 13:31 von Fine »

Curanthor

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Die zweite Welle
« Antwort #16 am: 23. Okt 2016, 21:46 »
Halarîn fühlte sich nicht wohl Kerry dort oben alleine zu lassen, musste aber dennoch zurück auf ihren Posten. Im Laufschritt eilte sie über die Mauer und stellte mit leichtem Entsetzen fest, dass das feindliche Heer sich wieder in Bewegung gesetzt hatte. Ihre Elbenaugen machten auch einige Menschen unter ihnen aus, scheinbar Verstärkung. Ganz weit hinten konnte sie sogar große, unförmige Kegel erkennen, schob es aber auf ein paar Bäume. Sie wollte sich nicht durch irgendwelche Überlegungen verrückt machen. Nachdenklich strich sie über den Bogen aus Westernis, den sie überraschend bekommen hatte. Eigentlich fühlte sie sich nicht wohl dabei, so eine bedeutsame Waffe zu tragen, zumal sie von Kerrys Freundin war.Obwohl es Kerrys Wunsch war, dass sie den Bogen haben durfte.
Einer gerüsteter Schildträger rempelte sie fast an und unterbrach ihre Grübelei. Leitern wurden erneut gegen die Mauern gestellt. Die Elbe schalte sich selbst, dass sie der Belagerung keine Aufmerksamkeit geschenkt hatte und sah sich sogleich ihrem ersten Gegner gegenüber. Ein Ork sprang auf die Mauer, der bereits auf der obersten Sprosse gewartet hatte, bis die Leiter nahe genug an der Mauer war. Ein kurzer Blick verriet ihr, dass es überall auf der Mauer so zuging. Sie zog die Sehne bis zum Ohr durch und ließ den Pfeil filegen. Das Geschoss drang den Ork in die Brust und riss ihn zwei Schritt nach hinten. Im Gehen versuchte sie den Pfeil aus der Leiche zu ziehen, doch dafür steckte er zu tief. Mehr und mehr Gegner kletterten auf die Mauer und bald sah die Elbe sich nicht mehr in der Lage ihren Bogen einzusetzen.
Halarîn tastete nach dem Schwert, das sie schon eine gefühlte Ewigkeit auf ihrem Rücken trug. Eigentlich bevorzugte den Speer, doch sie konnte keinen der Verteidiger einfach die Waffe abnehmen. Der erste Ork setzte zu einem ungestümen Schlag auf ihren Kopf an, den sie ohne viel Aufwand auswich. Ein Tritt ließ den Ork gegen die Zinne taumeln. Sirrend glitt die schlanke Elbenklinge aus der Scheide und leuchtete in einem kaum erkennbaren, matten Blau. Die Klinge bekam häßliche schwarze Flecken, als sie dem Ork in die Brust stach und dem nächsten Gegner die Hand abschlug. Mit einem Schulterstoß beförderte sie den darauffolgenden Ork über die Mauer. Sie hatte ganz vergessen, dass die Klinge blau leuchtete, wenn Orks in der Nähe waren. Ein Geschenk Mathans, als der fünfhunderste Tag kam, an dem sie einander kennenlernten hatten.
Mit sparsamen Bewegungen kämpfte sie sich durch die Gegner und stieß einige Leitern um. Einmal rettete sie einem Waldläufer das Leben, indem sie schnell genug einem Ork einen Stich in die Schulter versetzte. Der Mann sammelte seine Waffe auf und spaltete dem Scheusal den Schädel. "Habt Dank!", rief er ihr hinterher und ging sofort den nächsten Feind an.
Halarîn war bereits weiter und erreichte schließlich nach mehreren kurzen Kämpfen das Südtor. Keinen Augenblick zu spät, denn im selben Augenblick flog ein großer Steinblock über die Mauer. Sie hatte das Gefühl, dass es für einen kurzen Moment auf dem Schlachtfeld ruhiger wurde, bis das Geschoss mit einem satten Klatschen in den Reihen der Gegner landete. Der Stein färbte sich Schwarz und zog eine blutige Schneise in die anstürmenden Feinde. Herausfordernes Gebrüll antwortete von der Ebene, den die Verteidiger mit einem Johlen erwiderten.


"Der nächste Schuss! Etwa drei Schritt nach Westen!", brüllte Mathan und Adrienne wiederholte seine Anweisung. Mit einem Knirschen wurde der Seilzug gespannt, erneut rollte die Katapultmannschaft ein Geschoss in die Schale. Der Elb nickte zufrieden und peilte über den Daumen die Schussbahn. Sein Blick fixierte eine Gruppe Orks, die Holzstämme zusammentrugen, scheinbar wollten sie die Gräben umgehen.
Nicht mit mir, dachte er sich und ließ die Ausrichtung des Katapults nochmals korrigieren.
Die Mannschaft blickte zu ihm hoch, einige wirkten angespannt. Andere dagegen hatten ein Feuer in den Augen, das ser einige Tage zuvor nicht erwartet hätte.
Halarîns Ankunft lenkte ihn für einen Moment ab, sie wartete, bis er sich sicher war, ob die Peilung stimmte. Er hob den Arm. "Feuer!", brüllte Adrienne sogleich, die ihre Aufgabe sehr ernst nahm.
"Was gibt es", fragte er und drehte sich zu ihr.
Besorgt musterte er seine Gattin, die ihr blutverschmiertes Schwert in der Hand hielt.
Ein lautes Krachen ertönte von der anderen Seite und ein boshaftiges Lächeln schlich sich auf seine Lippen. Er wusste, dass sie die Holzhaufen getroffen hatten und die umherfliegenden Splitter ordentlichen Schaden angerichtet hatten,
"Guter Schuss...", murmelte Halarîn und legte den Kopf schief, "ich wusste gar nicht, dass du so gut Katapulte bedienen kannst."
"Kann ich auch nicht, aber bei der Masse trifft man immer Etwas. Doch sag, wie sieht es aus?", fragte er nun und gab den Männern am Katapult ein Zeichen zum nachladen.
"Der Turm im Osten ist gesichert, dort gab es einige Kämpfe. Orks versuchen mit den Leitern auf die Mauern zu gelangen", antwortete sie.
"Das taten sie auch vorher, wir müssen sie nur abwehren. Haben wir genug Bogenschützen und Pfeile?"
Sie nickte und Mathan stieß einen langen Seufzer aus, es war lange her, dass er das letzte Mal in einer Belagerung war. Er wusste auch wo es war. Viel weiter im Osten vor dem Dunklen Turm.
"Bereit!" rief Adrienne und Mathan peilte weiter nach Osten, wo die Orks dichter standen. Die Gondorerin gab schon die grobe Richtung an und Rainer schwenkte das Katapult mühselig mit den anderen Männern. Er beschwerte sich, dass sie das vor dem Laden hätten tun sollen, doch Adrienne duldete keine Beschwerden.
Halarîn zog ihren Bogen aus Westernis und begann die Leiterträger abzuschießen, die nun auch hier sich in Bewegung setzten.
"Sie kommen, haltet euch bereit!", erschallte der Ruf auf den Mauern.
Mathan gab die Richtung an Adrienne weiter und kurz darauf flog ein weiteres Geschoss über die Mauer. Es kam bedenklich nahe der Mauer, verfehlte sie jedoch um ein gutes Stück. Einige Beschwerden wurden gerufen und nötigten Mathan zum Katapult zu laufen. Wärend er lief ertönten dutzende orkische Schreie die plötzlich verstummten.
"Hoch, immer hoch zielen! Lieber verfehle ich das Ziel, als unsere Mauer zu beschädigen!", fuhr Mathan Rainer an, der betreten zu Boden blickte, "Für die nächsten Schüsse müssen wir weit treffen, zieht das Katapult weiter bis zum Beginn der Straße. Ich weiß, das braucht Zeit aber macht es, ich hab das so ein Gefühl."
Er murmelte den letzten Teil des Schlusses und zog seine Schwerter.
"Du", er nickte zu Adrienne, "komm mit."




Verwirrt blickte sie Mathan einen Moment an, bis sie schließlich begriff. Acharnor klopfte ihr auf die Schulter. "Zeig es ihnen.", ermunterte er sie und packte seinen Streithammer.
"Du willst nicht ernsthaft auch mitkommen?", rief sie entsetzt, was Mathan veranlasste sich sofort umzudrehen. Ein strenger Blick genügte und ihr Bruder verdrückte sich kleinlaut.
"Komm, zieh deine Waffe. Durch das Katapult werden sie uns jetzt hier verstärkt angreifen. Denke daran, weiche aus wenn immer du kannst."
Sie atmete tief ein und aus, bis sie sich soweit beruhigt hatte und folgte dem Elben die Stufen auf die Mauer rauf. Ihre erste große Schlacht. Adrienne zog die anorische Klinge und gesellte sich neben Halarîn, aus der Ferne sah sie Ardóneth kämpfen. Die Elbe nickte ihr zu, während Mathan bereits den ersten Feind fällte. Er rammte seinem Gegner beide Schwerter in den Oberkörper und warf die Leiche gegen eine Leiter, die gerade aufgerichtet wurde.
"Manchmal vergisst man, dass Elben bedeutend stärker als Menschen sind...", murmelte sie staunend und umklammerte ihre Waffe beidhändig.
Adrienne versuchte ruhig zu atmen, verkrampfte sich aber immer wieder. Schweiß lief ihr übers Gesicht und ihre Nervösitat nahm nicht ab.
Dann ging alles sehr schnell. Halarîn, die gerade noch einen Pfeil auf der Sehne hatte, zischte etwas in einer unbekannten Sprache. Sogleich richtete sich eine Leiter auf und Adrienne starrte in eine häßliche Fratze eines unrasierten, wilden Mannes. Der Pfeil der Elbe traf nicht richtig und hinterließ eine rote Furche auf dem kahlem Schädel. Das Mädchen war wie erstarrt, hatte nicht erwartet einen Menschen zu treffen. Der Mann hob seine Keule, wärend Adrienne instinktiv ihr eigenes Schwert hochriss. Er sprang sie an.
Sie stürzte, wurde aber sogleich von Händen aufgefangen. Jemand rollte den schweren Körper des Wilden weg und Acharnors Gesicht schob sich in ihr Blickfeld.
"Den hast du aber aufgespießt...", murmelte er und sie starrte auf das Blut an ihren Händen, "Ich konnte dich nicht-"
Ihr Bruder wurde von einem wütenden Brüllen unterbrochen, als ein weiterer wild aussehender Kerl auf die Mauer sprang. Acharnor versetzte den Wilden einen Hieb mit dem Hammer und traf den Kopf. Es knirschte widerlich.
"Sie haben ihre Seite gewählt, komm!", schrie er und ließ seinen Hammer auf den Kopf des nächsten Gegners auf der Leiter niedersausen. "Sie sind nicht besser als Orks, los! Kämpfe! Kämpfe! Steh immer wieder auf! Lass sie deinen Zorn spüren!"
Er brüllte so laut, dass ihn die anderen Verteidier ebenfalls hörten und nun härter auf ihre Gegner einprügelten. Mathan kämpfte nun Rücken an Rücken mit seiner Gattin. Adrienne staunte bei dem blutigen Tanz, den die beiden Elben vollzogen und ihre Gegner gnadenlos in den Tod schickten. Ihre Atmung beruhigte sich. Ruhig erinnerte sie sich an die stundenlangen Übungen.
Ihre Nervosität schwand und wich Zorn, all die Gefühle, die sie unterdrückt hatte brachen nun hervor. Sie stand auf und stach den ersten Gegner nieder, der auf die Mauer sprang. Acharnor wich ihr nicht von der Seite und gemeinsam kämpften sie gegen die Flut aus Gegnern, die sich über die Mauern ergoss.
« Letzte Änderung: 6. Feb 2017, 19:51 von Curanthor »

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Re: Fornost: Die Mauern und das umliegende Gebiet
« Antwort #17 am: 23. Okt 2016, 22:02 »
Die Elben hatten Irwyne und Mírwen, der ihre Wunde zu schaffen machte, in die Mitte genommen, und den Waldrand noch vor ihren Verfolgern erreicht. Sie hatte allerdings erst ein kurzes Stück über das offene Gelände zwischen der Armee und dem Wald zurückgelegt, als hinter ihnen drei Wargreiter, gefolgt von einer großen Gruppe Orks aus dem Wald brachen.
"Wir müssen diese Warge loswerden", rief Faronwe im Laufen, und Glorwen antwortete: "Ich habe noch zwei Pfeile." "Und ich ein Messer", fügte Finelleth, die hinter Oronêl lief, hinzu. Glorwen nickte, legte ohne langsamer zu werden einen Pfeil auf die Sehne und fuhr gleichzeitig mit Finelleth herum. Zwei Pfeile zischten beinahe gleichzeitig davon, und Finelleth schleuderte ihr Wurfmesser mit großer Kraft und Präzision in Richtung ihrer Verfolger.
Alle drei Warge heulten auf, stolperten und fielen, und zwei der Reiter wurden unter den gefallenen Wölfen begraben und zerschmettert. "Das war mein vorletztes Messer", sagte Finelleth bedauernd. Oronêl fühlte, wie ihn Erleichterung durchströmte, denn die restlichen Orks blieben stehen, und würden sie trotz Irwyne und Mírwen nicht ohne weiteres einholen können. Ein Blick über die Schulter verriet ihm außerdem, dass die Reihen der feindlichen Armee zwischen ihnen und dem Südostturm der Stadt, auf dem ein schwarzes Banner mit einem einzelnen goldenen Stern darauf wehte und Pfeile in die Orks hinab fuhren. "Wir können direkt zu diesem Turm durchbrechen", rief er Cúruon zu. "Und dann vielleicht eine Leiter erobern und so in die Stadt gelangen." "Wir müssen allerdings schnell sein", antwortete der rothaarige Krieger, und deutete auf einige große, graue, ungeschlachtene Gestalten, die sich von den sie umgebenden Orks deutlich abhoben. "Wenn diese Trolle vor uns an den Mauern ankommen, werden wir es nicht schaffen."
"Ein guter Plan", sagte Faronwe, während Gelmir einen verirrten Ork niedermachte. Die Orkmeute, die sie verfolgt hatte, verharrte immer noch am Waldrand im Schatten der Bäume. Was haben sie vor? "An der Mauer sollte es auf jeden Fall genug L..."
Von links rief Finelleth: "Runter!", und Faronwe gab ein merkwürdiges, glucksendes Geräusch von sich, dass Oronêl schrecklich bekannt vorkam. Ein Schauer des Entsetzens durchfuhr ihn, und als er sich zu dem Elben aus Lindon umwandte, tastete dieser verwirrt nach dem schwarzen Pfeil, der seine Kehle durchbohrt hatte.
"NEIN!"
Der Schrei kam von Gelmir, und Oronêl fing Faronwe auf als dieser fiel und lies ihn sanft zu Boden gleiten. Faronwe öffnete den Mund, als ob er etwas sagen wollte, doch nur ein Schwall Blut quoll hervor, und dann erlosch das Licht in den Augen des Elben, gerade als Gelmir neben seinem Gefährten auf die Knie gefallen war. Gelmirs Lippen bewegten sich lautlos, und er schloss Faronwes Augen mit zitternder Hand. "Wir müssen weiter!", rief Cúruon, und schlug einen weiteren Pfeil mit einem Zucken seines Zweihänders direkt aus der Luft. Oronêl blickte auf und sah, dass ihre Verfolger sich erneut in Bewegung gesetzt hatten. Er zog Gelmir, dessen Blick noch immer auf das erstarrte Gesicht seiner Freundes gerichtet war, hoch, und sah in der Richtung, aus der der Pfeil gekommen war, eine einzelne ihm bekannte Gestalt am Waldrand stehen. Die Leere, die sich nach Faronwes Tod in ihm ausgebreitet hatte, wurde durch auflodernden Hass gefüllt, doch sie mussten weiter, zur Festung.

Sie liefen weiter, und Oronêl fühlte sich wie ein Verräter, der Faronwes Körper in den Händen seiner Feinde zurückließ, doch sie hatten keine Wahl. Gerade zwei, drei Schritte hatten sie zurückgelegt, als Oronêl das tödliche Zischen eines weiteren Pfeils hinter sich hörte, und Irwyne plötzlich vor Schmerz aufschrie. Das Mädchen stolperte und fiel, und sofort war Finelleth neben ihr. Ein zweiter von Laedors Pfeilen hatte getroffen, doch dieser hatte lediglich Irwynes rechte Wade durchbohrt und auf der anderen Seite wieder ausgetreten. Ohne ein Wort hob Finelleth, die selbst kaum größer als das Mädchen war, Irwyne auf ihren Rücken, und lief weiter, doch auf ihrem Gesicht malten sich gleichermaßen Wut, Hass und Entsetzen. Auch Oronêl fühlte eine Fassungslosigkeit in ihm aufsteigen, die er bislang nicht gekannt hatte. In jedem Krieg gab es Verletzte und Tote, doch Irwyne war keine Kriegerin. Sie war nur ein Mädchen das helfen wollte, und sie war durch seine Schuld hier - und durch seine Schuld verwundet worden, denn Laedor war sein Feind.
Sie liefen schweigend, bis Cúruon, der mit Oronêl die Nachhut bildete, stehen blieb. Die anderen liefen weiter, denn  sie hatten nichts bemerkt, doch Oronêl hielt ebenfalls an. "Jemand muss sich um diese Trolle kümmern!", erklärte Cúruon, und deutete in die Richtung, von wo die grauen Gestalten große Steine auf die Stadt schleuderten. Im selben Moment traf ein ebenso großer Katapultstein einen der Trolle und zerschmetterte dessen Schädel. "Das wird bereits erledigt", meinte Oronêl. "Komm weiter!" Cúruon jedoch schüttelte den Kopf. "Sie werden es nicht rechtzeitig schaffen. Sieh!" Er zeigte auf den Turm, auf den sie zuhielten. Dessen Mauer hatte bereits mehrere Treffer abbekommen, und während Cúruon noch sprach schien der Turm zu erbeben. "Sie werden es nicht rechtzeitig schaffen." "Ich kommt mit dir", stieß Oronêl hervor, doch Cúruon verneinte entschieden. "Nein, du trägst den Ring. Du musst überleben."
Inzwischen waren ihre Verfolger beinahe herangekommen, dennoch zog Cúruon den Ring, den Arwen ihm gegeben hatte, vom Finger und gab ihn Oronêl. "Gib Irwyne unser Zeichen, denn sie gehört ebenso zu unserer Gemeinschaft wie alle anderen... Und sag Mírwen, dass ich sie liebe", sagte er ruhig, gelassen. Dann wandte er sich ab und stürmte nach Westen, auf die Flanke der Orks zu. Oronêl stieß einen Fluch aus, doch obwohl alles in ihm danach schrie wusste er, dass er Cúruon nicht folgen konnte. Nicht mit der Bürde, die er trug. Stattdessen rannte er weiter, immer auf die Stadt zu. Nach kurzer Zeit erreichte er den Rest der Gemeinschaft, die sein und Cúruons Fehlen bemerkt hatten und stehengeblieben waren. "Wo ist mein Vater?", fragte Mírwen, die totenbleich war, mit schmerzverzerrter Stimme. Auf Finelleths Rücken wimmerte Irwyne vor Schmerz, und Oronêl hatte das Gefühl, immer weiter zu fallen. Es war das selbe Gefühl wie in dem Moment auf der Dagorlad, als Amdír gefallen war und er nichts tun konnte, um seinen Freund zu retten.
"Er... will die Trolle aufhalten", antwortete Oronêl mit brechender Stimme, und über Mírwens Wange rollte eine einzelne Träne. Sie wusste, was das für ihren Vater bedeuten würde, aber dennoch... es wirkte beinahe so, als hätte sie damit gerechnet. "Er lässt dir ausrichten, dass er dich liebt."
In der Ferne waren zwei weitere Trolle gefallen, doch von Cúruon war keine Spur zu sehen. "Lasst uns weitergehen." Die Orks schienen ihre Verfolgung aufgegeben zu haben, ganz so als wüssten sie ebenso gut wie die Elben, dass sie es in ihrem Zustand vermutlich nicht lebendig in die Festung schaffen würden. Bevor sie weiterlaufen konnten flog ein großer Felsbrocken, wohl von einem der überlebenden Trolle geworfen, über die Köpfe der Gefährten hinweg, und schlug ein Loch in die Mauer des Turmes. Die Mauern schienen unter dem Schlag aufzustöhnen, dann erzitterte der Turm und mit einem Mal brach seine gesamte vordere Hälfte in sich zusammen. Das Sternenbanner der Verteidiger, das noch immer trotzig an der Spitze des Turmes geflattert hatte, wurde ebenso mit den Trümmern in die Tiefe gerissen wie sämtliche Verteidiger die sich auf dem vorderen Teil der Plattform in der Nähe der Brüstung aufgehalten hatten - vermutlich der Großteil der dort postierten Bogenschützen. Der hintere Teil des Turmes ragte noch wie ein abgebrochener Zahn in die Höhe, und dort waren noch einige wenige Gestalten zu sehen.
Die Erde selbst schien unter dem Einsturz des Turmes zu beben, in den Reihen der Orks stieg Triumphgeschrei auf, und eine Staubwolke legte sich wie ein Leichentuch über Oronêl, seine Gefährten, und alle Verteidiger die sich in der Nähe auf den Mauern befanden.
« Letzte Änderung: 24. Okt 2016, 10:55 von Eandril »

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« Antwort #18 am: 24. Okt 2016, 00:13 »
Als der Lärm der Schlacht wieder zunahm schreckte Kerry aus ihrem Tagtraum auf. Sie warf einen letzten traurigen Blick auf Mírlinn und stolperte zum Südrand der Turmspitze, wo das große Banner des Sternenbundes im Wind flatterte, der etwas aufgefrischt hatte.
"Da kommen sie wieder!" riefen die Bogenschützen und erneuerten ihren Beschuss. Kerry beschloss, einen Blick auf das feindliche Heer zu werfen, in der Hoffnung, dass die Anzahl ihrer Feinde nach zwei abgewehrten Angriffswellen vielleicht endlich im Schwinden begriffen war, doch diese Hoffnung wurde bitter enttäuscht. Sie sah zu, wie schier endlose Massen von Orks, unterstützt von menschlichen Söldnern, ihren Angriff auf die Mauern fortsetzten. Doch nun kam ein neuer Schrecken dazu.
"W-was ist das dort hinten?" stieß Kerry angstvoll hervor als in der Ferne riesenhafte graue Gestalten auftauchten.
"Sie haben Berg-Trolle!" knurrte Valandur. "Wahrscheinlich haben sie die bis jetzt in Reserve gehalten. Das bedeutet, diesmal meinen sie es ernst. Das wird der entscheidende Angriff!" Der Dúnadan schoss einen Pfeil in Richtung der Trolle ab, doch diese waren noch zu weit entfernt.

Ein lautes Krachen aus westlicher Richtung ließ Kerry den Kopf dorthin drehen. Schon befürchtete sie, das Tor wäre zerstört worden, doch stattdessen sah sie, wie ein großer Felsen inmitten der Orks aufschlug und eine Schneise der Verwüstung hinterließ.
"Das muss das Katapult sein, dass Hauptmann Mathan bauen ließ!" rief Tirithon.
Ich hoffe, Halla ist sicher bei ihm angekommen, schoss es Kerry durch den Kopf als Mathans Name fiel. Es dauerte eine ganze Weile, doch dann folgte auf den ersten Schuss ein zweiter, der sogar noch besser gezielt war und noch mehr Feinde in den Tod riss.
"Ja! Schickt sie zurück in den Abgrund!" rief Valandur mit grimmiger Genugtuung.
"Gebt Acht!" erklang eine Warnung von weiter vorne, und der Boden unter ihren Füßen erbebte.
"Was war das?" rief Tirithon. "Was hat uns da getroffen?"
"Die Trolle!" antwortete einer der Bogenschützen mit Furcht in der Stimme. "Sie schleudern Felsen!"
"Nehmt sie ins Visier! Zielt auf ihre Köpfe!" befahl der Dúnadan-Kommandant. "Lasst sie nicht heran kommen!"
Die Schützen gehorchten und hoben ihre Bögen, um eine größere Reichweite zu erreichen. Doch die Trolle wurden durch den Beschuss kaum behindert, nur einer schien kritisch getroffen worden zu sein und regte sich nicht mehr. Die Bogenschützen legten neue Pfeile auf und versuchten es erneut.

Kerrys Aufmerksamkeit wurde jedoch erneut abgelenkt. Unten auf der Ebene waren weitere Gestalten aufgetaucht, die offenbar aus dem kleinen Wäldchen im Osten gekommen waren.
"Die Elben kehren zurück!" rief sie, doch dann sah sie, wie hinter den Fliehenden drei Warg-Reiter auftauchten. Ehe sie Valandur oder Tirithon darauf aufmerksam machen konnte, hatten die Elben sich jedoch bereits selbst darum gekümmert und die großen Wölfe stürzten jaulend zu Boden. Das Geräusch ließ Kerry einen kalten Schauer den Rücken hinunterlaufen. Angespannt sah sie weiter zu und beobachtete hilflos, wie einer der Elben leblos zurückgelassen wurde nachdem er von einem Pfeil getroffen worden war.
"Wo will der denn hin?" sagte sie mehr zu sich selbst als zu den anderen Menschen an der Turmspitze, als sich einer aus der fliehenden Gruppe abwandte und in Richtung der Trolle davonstürmte. Sie verlor ihn bald wieder aus den Augen.
Als die Elben bereits so nah gekommen waren dass Kerry erkennen konnte, dass drei Frauen unter ihnen waren und eine von ihnen ein jugendliches Mädchen auf dem Rücken trug passierte es: Ein riesiger Felsen traf den Turm an einer kritischen Stelle und nach einem kurzen Augenblick des Schwankens begann er mit lautem Tosen und Krachen einzustürzen. Kerry konnt gerade noch die Arme schützend um ihren Kopf legen und sich zu einer Kugel zusammenrollen als der Boden unter ihr wegbrach und sie kopfüber zwischen fallenden Trümmerstücken abstürzte. Sie hörte ringsumher die Schreie derer, die ebenfalls fielen, und presste fest die Augen zusammen. Etwas traf sie hart in den Rücken und gleich darauf in die Magengrube, und sie verlor das Bewusstsein.

Ein scharfer Schlag auf die linke Wange brachte sie zurück in eine Welt, die nur aus verschwommenen Eindrücken und großen grauen Staubwolken zu bestehen schien. Sie hustete und wollte sich aufrichten, doch als sie Gewicht auf ihren linken Arm verlagerte schrie sie vor Schmerz auf und brach wieder zusammen.
"Lass mal sehen," sagte eine raue Stimme hinter ihr. Dort kniete Valandur, eine blutende Wunde an der Stirn, und tastete vorsichtig ihren Arm ab. "Ich bin kein Heiler, doch glaube ich, dass er nur verstaucht und nicht gebrochen ist. Komm, wir müssen hier weg ehe die Trolle herkommen!" Er ergriff ihren gesunden Arm und zog sie auf die Beine. Kerry tastete sich ab und stellte fest, dass es kaum Stellen an ihrem Körper gab, die nicht schmerzten, doch sie schien durch Glück oder Schicksal keine allzu ernsten Wunden davongetragen zu haben.
"Wohin?" fragte sie nur, mehr brachte sie in ihrem Zustand nicht hervor.
"Weg von hier, weg von den Mauern im Süden. Vielleicht können wir uns zum Osttor durchschlagen," meinte Valandur und hob sein Zweihandschwert auf, das gemeinsam mit ihm abgestürzt war. Kerry hatte ihr Schwert beim Sturz verloren. Als sie sich danach umsah fand sie nichts als die Leichen von mehreren Menschen, die gerade noch mit ihr an der Turmspitze gestanden hatten. Auch Tirithon war darunter, dessen Körper von einem großen Bruchstück zerquetscht worden war. Schaudernd wandte sie sich ab und eilte zurück zu Valandur, der sich auf sein Schwert stützte, das Blut von der Stirn wischte und hektisch nach Feinden Ausschau hielt.

"Dort kommt etwas!" stieß er leise hervor und deutete in den sich legenden Staub nach Süden. Aus dem Dunst trat eine Gestalt, erst undeutlich, dann immer klarer werdend: Ein in silberne Rüstung gehüllter Elbenkrieger. Zu beiden Seiten von ihm tauchten zwei weitere Elben auf, beide in waldelbischer Kleidung, die Langbögen in den Händen trugen.
"Gelmir! Hier drüben!" rief Valandur und machte die Elben auf sich aufmerksam. Der Rest der Gruppe tauchte auf: der grüngewandtete Elb, den Kerry schon zuvor gesehen hatte, die Elbin, die das Mädchen auf dem Rücken trug, und eine offenbar verwundete Elbin, die ebenfalls silberne Rüstung trug.
"Valandur! Du lebst!" rief der Elb in Grün, der so etwas wie der Anführer der Gruppe zu sein schien. Die Gruppe versammelte sich um Kerry und Valandur und schöpfte Atem. Verfolger schien es für den Augenblick nicht zu geben.
"Ich hatte Glück - Kerry und ich haben den Einsturz des Turmes halbwegs in einem Stück überstanden," erklärte der Waldläufer. Er ließ seinen Blick über die Gesichter der Elben schweifen und er senkte traurig den Kopf. "Faronwe und Cúruon... ich nehme an, sie sind..."
Der Grüne schüttelte den Kopf. Eine Pause trat ein, erfüllt von unbehaglichem Schweigen.
« Letzte Änderung: 3. Nov 2016, 14:22 von Fine »

Eandril

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Re: Fornost: Die Mauern und das umliegende Gebiet
« Antwort #19 am: 24. Okt 2016, 13:17 »
Valandur selbst war derjenige, der das Schweigen brach. "Ich habe euch im Stich gelassen", sagte er grimmig. "Ich bin nicht rechtzeitig hier gewesen um noch einen Unterschied zu machen, doch an eurer Seite..." Er ließ den Rest unausgesprochen, und Oronêl schüttelte, trotz der Leere und Trauer die ihn erfüllte, den Kopf. "Du hast getan was du für richtig hieltest, und ich glaube jeder hier hätte an deiner Stelle das gleiche getan." Der Dúnadan nickte mit noch immer ernster Miene, seine Erleichterung beschränkte sich auf seine Augen.
Im selben Moment brach Mírwen plötzlich ohne einen Laut in die Knie, und Oronêl sah, dass der Verband an ihrer Seite rot durchtränkt war. Bevor sie weiter fallen konnte, fing er sie auf und sagte zu niemand bestimmtem: "Wir brauchen Verbände, sonst wird sie verbluten."
"Ich habe... meine Tasche verloren", stieß Irwyne, die Finelleth in der Zwischenzeit vorsichtig abgesetzt hatte, hervor, tastete nach dem Pfeil der noch immer in ihrer Wade steckte, und stöhnte vor Schmerz. Finelleth berührte die blutige Pfeilspitze mit dem Finger und roch daran. Erleichterung malte sich auf ihrem Gesicht, als sie sagte: "Er ist nicht vergiftet, also nicht weiter schlimm."
"Gut...", sagte Irwyne leise, und zu Oronêls Verwunderung huschte ein winziges, verschmitztes Lächeln über ihr Gesicht. "Sonst würde ich mich wahrscheinlich genauso anstellen wie du."
Während sie sprach hielt Oronêl noch immer Mírwen in den Armen und lauschte auf ihren schwachen Atem. "Wir müssen das irgendwie verbinden, sonst wird sie ebenfalls sterben." Er selbst hörte die Verzweiflung in seiner Stimme, doch einen dritten Verlust in so kurzer Zeit würde er nicht ertragen können. Zumal Mírwen bei dem Versuch, ihn vor Laedor zu retten, verwundet worden war.
"Ich... habe hier vielleicht etwas, das.. helfen könnte," wandte eine neue Stimme ein. Die Elben fuhren herum. In all der Aufregung um Irwynes und Mírwens Wunden und der Wiedervereinigung mit Valandur hatte niemand richtig wahrgenommen, dass der Dúnadan nicht alleine gewesen war als sie zu ihm gestoßen waren. Ein blondes Mädchen in fester Lederbekleidung trat zu Mírwen, ein Bündel in den Händen. Sie sah Irwyne ein bisschen ähnlich, war jedoch einige Jahre älter. Noch etwas anderes an ihr kam Oronêl bekannt vor, doch er hatte jetzt keine Zeit, sich darüber den Kopf zu zerbrechen.
"Verbände? Woher hast du..." setzte Valandur an, doch das Mädchen unterbrach ihn. "Von einem der anderen, die den Sturz vom Turm nicht überstanden haben."
"Den Sternen sein Dank, Kerry," sagte Valandur erleichtert.
Oronêl nahm die Verbände dankbar entgegen, doch bevor er etwas tun konnte, hörte er Gelmir seinen Namen sagen. Er erkannte die Stimme des Elben kaum wieder, und lies Mírwens Oberkörper vorsichtig zu Boden gleiten, während Glorwen ihm wortlos die Verbände abnahm. Oronêl stand auf und eilte zu Gelmir, der am Rand der Trümmer stand und auf die feindliche Armee hinausblickte.

"Sie machen sich für einen weiteren Angriff bereit", sagte der Elb aus Lindon, die Hand auf den Schwertgriff gelegt. Oronêl hatte nicht gemerkt, dass die Orks ihren Ansturm nach dem Fall des Turmes eingestellt hatten, und ihm wurde klar, dass sie nur deswegen überhaupt noch am Leben waren. "Ich wollte versuchen, mich mit Kerry zum Osttor durchzuschlagen", meinte Valandur, der sich zu ihnen gesellt hatte. Der Waldläufter hatte eine blutige Platzwunde auf der Stirn, wirkte aber ansonsten unverletzt. "Aber mit den Verletzten schaffen wir das nicht, bevor die Orks wieder angreifen, und der Weg durch den Turm ist von den Trümmern versperrt."
"Dann müssen wir kämpfen", sagte Oronêl langsam und widerwillig, und auf Gelmirs Gesicht erschien ein Ausdruck finsterer Genugtuung. Anscheinend hatte er nach Faronwes Tod nur noch Rache an seinen Feinden im Sinn.
Oronêl wandte sich um, und stieg wieder über Trümmer und die Leiche eines Verteidiger hinweg zu der halbwegs trümmerfreien Stelle, an der die anderen sich aufhielten. In der Zwischenzeit hatte Glorwen Mírwens Seite erneut verbunden, und das Mädchen, Kerry, drückte kräftig dagegen um die Blutung zu stoppen. Irwyne saß noch immer an dem Ort, wo Finelleth sie abgesetzt hatte, und hatte die Augen geschlossen. Glücklicherweise verhinderte der noch immer in der Wunde steckende Pfeil, dass das Mädchen verbluten würde.
Oronêl kniete sich neben Kerry und Mírwen in das blut- und staubbefleckte Gras. Er zog seinen Dolch und hielt ihn dem Mädchen mit dem Griff, auf dessen Knauf ein weißes Pferd eingraviert war, zuerst hin. "Für den Notfall", sagte er, obwohl er hoffte, dass es nicht so weit kommen würde.
Sie ergriff die Waffe und nickte, eine gewisse Entschlossenheit im Gesicht. Doch in ihren grün schimmernden Augen konnte Oronêl noch etwas anderes erkennen: Angst.
"Also werden wir kämpfen," sagte sie, mehr zu sich selbst als an ihn gewandt. Oronêl nickte. "Ja", sagte er leise. "Wenn die Orks den Turm erobern, werden sie einen weiteren Weg auf die Mauern haben, und das können wir nicht zulassen." Er sagte nicht, was ein solcher Fall für sie selbst bedeuten würde, doch das musste er auch nicht.
Über die Trümmer hinweg kamen Glorwen und Orophin auf sie zu, und beide trugen zwei mit Pfeilen gefüllte Köcher. "Wenigstens können wir jetzt wieder zurückschießen", meinte Orophin mit einem schwachen Lächeln.
Das Mädchen blickte etwas hoffnungsvoller drein als sie die Pfeile sah, doch Oronêl kam sie dennoch nicht besonders kampfbereit vor. Er wusste nicht, ob sie ihnen im Gefecht behilfich sein könnte oder eher zur Last fallen würde, da sie beschützt werden musste.

Von Süden ertönten erneut die Hörner und das Kriegsgeschrei der Orks, und Finelleth, die bereits am Rand der Trümmer neben Gelmir und Valandur Stellung bezogen hatte, rief: "Sie greifen wieder an!" Oronêl legte Kerry die Hand auf die Schulter und sagte, zuversichtlicher als er sich eigentlich fühlte: "Wir werden den Turm halten."
Wir müssen. Dann wandte er sich ab, und bereitete sich auf den unvermeindlichen Aufprall der Orks gegen ihre Stellung vor.

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Re: Fornost: Die Mauern und das umliegende Gebiet
« Antwort #20 am: 24. Okt 2016, 14:44 »
Fís' Start:

Fis und die beiden Hobbits wanderten einen halben Tag lang bevor sie eine Pause einlegten. Der Wald durch den sie marschierten wirkte verlassen und traurig, früher war er vielleicht mal schön gewesen, doch nachdem eine Armee aus Orks ihn durchquert hatte war der Boden zerstampft und matschig, viele Zweige waren zerknickt oder abgebrochen und die Orks schienen ziellos mit ihren Waffen auf Bäume und Felsen eingehackt zu haben. Ob seine beiden Gefährten gemerkt hatten, dass er der Spur der Zerstörung folgte, sie sogar in die selbe Richtung führte in die sie wollten, wusste er nicht. Sie wirkten ungestört und glücklich über seine Gesellschaft, von Zeit zu Zeit pfiffen sie ein Lied oder tanzten durch den Wald.
Warum bringe ich diese beiden unbesorgten Halblinge in solche Gefahr? Sie ahnen nichts, doch ich bin mir fast sicher, dass wir mitten in eine Schlacht hineinlaufen. Das heißt also, dass in Fornost wirklich Feinde der Orks leben. Oder lebten. Ich hoffe es ist noch etwas übrig wenn wir die Festung erreichen.
Als sie es sich unter einer alten Eiche bequem gemacht hatten fragte Tom: "Wie weit ist es noch bis Fornost?"
Fis blickte nach Norden, doch er konnte nur Bäume und Sträucher erkennen, keinen Anhaltspunkt: "Ich kann es dir nicht genau sagen, aber den Karten nach, die ich gesehen habe, müssten wir es noch heute erreichen."
Fis kramte etwas Brot aus der Tasche und reichte es den beiden: "Ich müsst etwas essen, der Weg war nicht leicht und wir haben noch ein ganzes Stück vor uns."
Während die beiden hungrig auf dem Brot herum kauten betrachtete Fis sie genauer, bisher war er noch keinen so jungen Hobbits begegnet, noch hatten die beiden ihr ganzes Leben vor sich und trotzdem strahlten sie etwas erwachsenes aus, sie hatten schon viel erlebt und wahrscheinlich zu viel gesehen und jetzt würde er sie auf ein Schlachtfeld führen. Da merkte er, dass die beiden ihn interessiert anblickten: "Verzeiht, habt ihr mich was gefragt?"
"Ja, ähm, Ich...", stammelte Rick verlegen und Tom führte seinen Satz zu Ende: "Rick wollte wissen warum du hier bist und warum allein?"
Fis blickte zu Boden: "Ihr müsst wissen, dass ich nicht gerne über meine Vergangenheit rede. Ich habe in meinem Leben einige Fehler gemacht, doch bisher habe ich nur einer Person davon erzählt."
"Wer..?", fragt Rick neugierig doch sein Bruder rammte ihm den Ellbogen in die Seite: "Rick, reiß dich zusammen."
Fis lächelte: "Ich verstehe, dass du neugierig bist. Sie... Sie war..."
Ein grässliches quieken unterbrach ihn, dann hörten sie Kampfgeräusche, das Klirren von Schwertern und Trampeln von Schritten.
Ein Trupp Orks, vielleicht ein Dutzend.
"Duckt euch und verhaltet euch still, sie haben es nicht auf uns abgesehen!", flüsterte Fis leise.
"Wer hat es nicht auf uns abgesehen?", fragte Rick mit ängstlichem Blick, bemüht möglichst leise zu sprechen.
"Die vier Trolle, die dort hinten gerade auf einen kleinen Drachen gestoßen sind!", sagte Fis mit undurchsichtiger Miene.
"D..D..Drache?", fragte Rick und blickte ihn entgeistert an, dann zu seinem Bruder der nicht weniger erschrocken drein blickte.
Fis konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen: "Es waren etwas ein Dutzend Orks, aber sie sind auf Widerstand gestoßen, hört ihr, die Geräusche werden immer leiser."
"Du hast uns reingelegt", Rick guckte ihn böse an, immer noch ganz blass im Gesicht.
"Tut mir leid, ich wollte die Situation etwas auflockern, ich mache so etwas nicht nochmal, versprochen."
Sie lagen da und lauschten wie die Geräusche langsam immer leiser wurden und schließlich nicht mehr zu hören waren.
Ein dunkles Knurren ließ sie aufhorchen, nicht weit von Ihnen entfernt.
Fis sprang auf und zog sein Schwert, jetzt hat er einen ernsten, fast besorgten Ausdruck im Gesicht: "Los, klettert auf den Baum, so hoch wie möglich!"
"Was, war das?", fragte Tom ängstlich.
"Jetzt nicht, rauf mit euch, schnell!"
Lautes Knistern und Krachen kam auf sie zu. Fis griff nach dem nächsten Ast und zog sich hinauf, kurz bevor ein riesiger, dunkelgrauer Schatten unter dem Baum auftauchte.
Warge, sie müssen sich dem Heer der Orks anschließen wollen, anscheinend haben Sie unsere Spuren gefunden und sind uns hierher gefolgt.
Der Warg blieb genau dort stehen wo sie eben noch gegessen hatten und schnüffelte, dann blickte er zu Fis und den Hobbits hinauf.
Tom keuchte: "Ich habe noch nie einen Wolf gesehen, ich dachte sie währen viel kleiner."
Fis kletterte ein Stück weiter hinauf und lehnte sich gegen den Baumstamm, das Schwert immer noch in der Hand: "Das ist kein Wolf, diese Tiere leben normaler weise nicht hier. Das ist ein Warg, ein Späher wenn ich das richtig erkenne."
Unten am Baum schlich der Warg um den Stamm herum.
"Woher kommen die?", fragte Rick.
"Sie leben in den Bergen, doch die Orks haben sich mit Ihnen verbündet, sie nutzen sie als Reittiere und Kundschafter.", antwortete Fis und legte sein Schwert zwischen den Ästen ab, dann griff er nach seinem Bogen und den Pfeilen. Der Warg stürmte gerade auf den Baum zu und Sprang am Stamm hinauf, als Fis den Pfeil von der Sehne ließ. Der kurze Pfeil mit stählerner Spitze bohrte sich ins geöffnete Maul des Wargs und trat im Nacken wieder aus, er war sofort tot und hinterließ nur ein paar Krallenspuren die dem Ast auf dem Fis saß gefährlich nah waren.
Fis stieß die angehaltene Luft mit einem lauten Seufzer aus und legte einen weiteren Pfeil auf, es würden weitere kommen.
Fis hatte recht, ein weiterer Warg trat aus dem Gebüsch, dieser hatte braunes Fell und war ein Stück größer als sein Vorgänger.
Ein Heulen durchbrach die Stille und der Warg hob den Kopf, der Pfeil verfehlte seinen Hals um Haares Breite und schlug stattdessen auf den Boden, wo er zerbrach.
"Mist", fluchte Fis und wollte nach einem neuen Pfeil greifen, doch sein Ziel drehte sich um und verschwand zwischen den Bäumen.
Fis gab Tom und Rick ein Zeichen ihm nach unten zu folgen, unten angekommen zog er seinen Pfeil aus dem Warg und begutachtete das Untier, die beiden Hobbits dagegen hielten so viel Abstand wie möglich zu dem Warg, als könnte er jeden Moment wieder aufwachen.
"Wir müssen von hier verschwinden und die Mauern der Stadt erreichen, hier draußen sind wir verloren", befand Fis, "Wir suchen die Stelle, an der die Orks getötet wurden und schauen dann weiter."
"Wir sollen zu den Orks hingehen? Sollten wir nicht lieber möglichst weit weg?", fragte Tom, er wirkte unentschlossen und ängstlich, was nur verständlich war, doch sie mussten in die Stadt, hier draußen würden sie sterben.
"Wir schauen uns nur ein wenig um, irgendetwas muss die Orks ja getötet haben.", sagte Fis und lief los, er wusste die beiden würden ihm folgen, ob sie wollten oder nicht, er war ihre einzige Chance.

Als sie die Stelle erreichten an der der Kampf stattgefunden hatte lichtete sich der Wald ein wenig und sie betraten eine kleine Lichtung. Als die beiden Hobbits die vielen toten Orks bemerkten mussten sie schlucken, doch beide folgten ihm zu einem Baum unter dem sich die Körper häuften. Fis betrachtete den Boden, zwischen dem dunklen Blut der Orks fanden sich auch einige Spritzer helleren Blutes: "Hier haben Menschen oder Elben gekämpft, sie haben sich hier unter dem Baum gesammelt, es gibt nur Orkleichen also haben sie alle überlebt", Fis bückte sich und untersuchte den Boden genauer: "Nach den Spuren zu urteilen und dem Heulen was wir gehört haben, wurden sie von vielen Orks verfolgt und sind in Richtung Fornost geflohen."
Rick kam auf ihn zu gerannt: "Fis, wir haben hier etwas gefunden!" Er führte ihn zu einer Stelle an der keine Orks lagen, "Hier schau dir das an."
Fis bückte sich und fand einige blutige Bandagen und eine Tasche mit weiteren Gegenständen, dem Aussehen nach elbisch. "Die haben sie wahrscheinlich bei ihrer Flucht verloren, wir werden sie mitnehmen.", Fis griff nach der Tasche und nahm sie mit zu den Leichen
"Was? Du willst ihnen folgen, mitten in eine Schlacht?", Tom blieb stehen, "denkst du ich habe nicht bemerkt, dass die Armee der wir begegnet sich auch nach Fornost möchte?"
"Es tut mir leid, dass ich euch nicht in meine Pläne eingeweiht habe, doch ich habe bis zuletzt gehofft, dass wir ohne einen Kampf in die Stadt kämen!", Fis blickte die beiden traurig an, "auch wenn ich euch nicht alles erzählt habe wollte ich euch nie in Gefahr bringen, ich weiß jetzt wie wir nach Fornost kommen, aber dafür müsst ihr mir vertrauen, einverstanden?"
"Ich will nicht mehr zurück, ich folge dir!", sagte Rick und trat einen Schritt auf ihn zu.
"Dann muss ich wohl mit.", sagte Tom lächelnd, "Was sollen wir tun?"
Fis schaute den beiden in die Augen, sie wirkten entschlossen und bereit für seinen Plan. "Sucht euch etwas passendes aus! Wir werden Orks."
« Letzte Änderung: 25. Okt 2016, 09:22 von Fine »
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Die Verteidigung des Turmes
« Antwort #21 am: 24. Okt 2016, 15:40 »
Kerry hielt sich im Hintergrund während Valandur und die Elben so gut es ging eine Verteidigungsstellung einnahmen. Sie verteilten sich an Rand der Turmruine und wartete auf den unvermeidlichen Ansturm. Zwar würde es äußerst schwierig sein, die Trümmer hinauf zu klettern, doch niemand bezweifelte, dass die Orks es schaffen würden wenn niemand sie davon abhalten würde. Kerry warf einen Blick zur Mauer westlich von ihr, doch die Verteidiger dort hatten offenbar keine Zeit, ihnen zur Hilfe zu eilen. Bei den wenigen Bogenschützen, die auf dem Überrest der Turmspitze verblieben waren verhielt es sich jedoch anders. Diese erkannten schnell, dass die Elben den Zugang zum Turm verteidigen wollten, und begannen, die heranstürmenden Orks unter Beschuss zu nehmen. Doch es waren zu wenige, um die Horde ersthaft aufzuhalten.

Grölend kamen die ersten Orks heran, doch die Elben die an vorderster Front Posten bezogen hatte, machten kurzen Prozess mit ihnen. Kerry sah, wie Oronêl Rücken an Rücken mit einer zierlichen Elbin mit sandbraunem Haar focht und eine blutige Schneise durch die feindlichen Reihen zog. Doch der Elb in silberner Rüstung, den Valandur als Gelmir bezeichnet hatte, kämpfte wie besessen und schrie seinen Hass auf die Orks bei jedem Treffer heraus. So furchterregend war Gelmirs Kampfrausch dass die Feinde von ihm abrückten und ihr Strom ins Stocken geriet, doch er ließ es gar nicht erst soweit kommen, dass sie sich zur Flucht wandten. Blitzschnell streckte er jeden nieder, der in Reichweite kam.
"Gelmir!", hörte sie Oronêl rufen, und dieser stockte. Oronêl legte ihm die Hand auf die Schulter, während Valandur und die anderen Elben die Orks von ihnen fernhielten, und sagte so leise, dass Kerry ihn über den Lärm der Schlacht kaum verstehen konnte: "Ich weiß, wie du dich fühlst, doch ohne dich können wir den Turm nicht halten. Und dann wäre Faronwes Tod endgültig umsonst gewesen."
Einen Augenblick glaubte Kerry, Gelmir würde sich einfach losreißen und sich wieder in den Kampf stürzen. Doch dann blickte der Elb zu Boden und nickte. Er schloss sich wieder den übrigen Verteidigern des Turmes an und kämpfte zwar immer noch verbissen, aber diesmal mit etwas mehr Umsicht und weniger Wut.

Die beiden Verwundeten, eine Elbin und das junge Mädchen, das von der Kriegerin zum Turm getragen worden war, lagen hinter einem großen Bruchstück und waren der Aufmerksamkeit der Orks bisher entgangen. Doch dann fiel Kerry aus dem Augenwinkel eine Bewegung zu ihrer Rechten auf. Sie wandte den Kopf in die Richtung und riss erschrocken die Augen auf: zwei Orks waren über die zerbrochenen Steine an der Stelle geklettert, an der der Turm an die Südmauer grenzte, und sprangen nun mit gezogenen Waffen auf die Verwundeten zu. Ein schneller Blick zeigte Kerry, dass Oronêl und die übrigen Elben zu weit weg waren und die Situation nicht bemerkt hatten, und für einen Augenblick schien die Zeit stillzustehen. Sie wusste, wenn sie nichts unternahm, würden die beiden sterben. Doch die Angst hielt sie zurück, bis sie sich an Mírlinns Opfer erinnerte. Also gut, dachte sie. Ich werde nicht zulassen, dass sie ihnen etwas antun. Entschlossenheit erfüllte sie und sie sprang auf, den gezogenen Dolch in der Hand. Mit einem Schrei warf sie sich vorwärts und rammte die Klinge dem ersten Ork in den Rücken, der gurgelnd zusammenbrach. Der zweite hingegen versetzte ihr einen heftigen Schubser der sie zurücktaumeln ließ. Schon fuhr sein gezacktes Schwert auf sie herab, doch ehe es sie traf erklang ein surrendes Geräusch und der Ork fiel getroffen zu Boden. Kerry blickte auf und sah, dass einer der elbischen Bogenschützen einen gut gezielten Pfeil in ihre Richtung gesandt hatte. Sie atmete tief durch und zog den Dolch aus der Orkleiche. Diesmal ging es ganz einfach.

Kerry bezog bei den Verwundeten Stellung und sah zu, wie Oronêl und seine Gefährten Ork um Ork niederstreckten und dabei sowohl von ihren elbischen Bogenschützen als auch von den wenigen Verteidigern oben auf dem Turm mit Beschuss unterstützt wurden. Einen Augenblick lang sah es so aus, als ob die Orks sich zum Rückzug wenden wollten und Kerry begann bereits zu hoffen, dass die ganze Sache vielleicht doch gut ausgehen könnte. Doch wie um ihren Gedanken als Lüge zu enttarnen tauchte in diesem Moment einer der Trolle auf und brüllte furchterregend in Oronêls Richtung. Der Elb rührte sich jedoch keinen Fußbreit, ließ locker die Axt in der Hand kreisen und rief seiner Gefährtin etwas zu, das Kerry nicht verstehen konnte. Als der Troll auf ihn zustürmte, wich Oronêl seinem Feind mit einer raschen Bewegung aus und hieb ihm die Axt in den Rücken. Gleichzeitig wirbelte die Elbin von der Seite heran und zog dem Troll mit ihrem Schwert eine rote Linie über die mächtige Brust, doch beide Wunden schienen das Monster weniger zu aufzuhalten als noch wütender zu machen. Der Troll fuhr herum und schlug dabei mit einer schweren, stachelbesetzten Keule nach Oronêl, der sich allerdings erneut unter dem Schlag wegducken konnte, und seinem Gegner seinerseits einen Hieb gegen den Arm versetzte. Kerry beobachtete gespannt, wie die beiden Elben immer wieder um den Troll herumtänzelten, während Valandur und Gelmir von den Bogenschützen unterstützt die Orks weiterhin in Schach hielten.    
Noch immer war der Troll nicht besiegt, schien aber von Sekunde zu Sekunde verwirrter und langsamer zu werden. Schließlich blieb er genau der hellhaarigen Elbin gegenüber wie erstarrt stehen, und diese ließ etwas metallisches aus ihrem Handgelenk schnellen. Der Troll brüllte markerschütternd auf, ließ die Keule fallen und schlug beide riesenhafte Hände vor sein Gesicht, und in diesem Moment sprang Oronêl auf seinen Rücken. Er zog sich an einem der dicken grauen Oberarme an den Kopf des Trolls, blieb dort für einen Augenblick schwankend hängen, und schlug ihm dann mit ganzer Kraft seine Axt in den Nacken. Der Troll brüllte erneut vor Schmerzen, doch entgegen Kerrys Erwartung brach er nicht zusammen. Er hieb nach seinem Kopf, wo Oronêl wie ein lästiges Insekt hing, doch der Elb konnte gerade noch rechtzeitig seine Axt aus dem Nacken seines Gegners befreien und sich zu Boden fallen lassen. Der andere Arm des Trolls fuchtelte wild in der Gegend herum, und traf dennoch die Elbin, die ihm nicht mehr rechtzeitig ausweichen konnte weil sie gerade einen Ork erschlug, der es an Valandur und Gelmir vorbeigeschafft hatte. Der Schlag riss sie von den Beinen, und schleuderte sie gegen ein Trümmerteil, an dem sie benommen liegen blieb. Erneut brüllte der Troll, diesmal triumphierend, und fixierte mit seinem verbliebenen Auge seine nun wehrlose Gegnerin. Doch bevor er zuschlagen konnte, sah Kerry einen schlanken Schatten über sich hinweg fliegen, und aus dem geöffneten Maul des Trolles ragte ein Wurfspeer. Das Monster wankte, nun offenbar tödlich getroffen, und fiel schließlich, nachdem sich zwei weiter Speere in seine Brust gebohrt hatten. Oronêl konnte sich gerade noch zur Seite rollen um nicht von seinem fallenden Gegner zerquetscht zu werden.

Eine kurze Pause trat ein, denn durch den Fall des Trolls entmutigt kamen für einige Minuten keine neuen Feinde nach und die Elben erschlugen ihre verbliebenden Gegner. Alle Augen wandten sich nun in die Richtung, aus der die Wurfspeere gekommen waren, die den Troll gefällt hatten. Von der Turmspitze, die nun endgültig in sich zusammenfiel waren die dort übrig gebliebenen Bogenschützen über die Trümmer nach unten geklettert. Vier Menschen in arnorischer Rüstung, mit Langbögen und Schwertern bewaffnet, angeführt von einer Dúnedain-Waldläuferin.
"Súlien! Bist du das?" fragte Valandur mit einer Mischung aus Freude und Verwunderung in der Stimme.
Die Angesprochene nickte und zeigte ein tapferes Lächeln. "Das waren unsere letzten Wurfspieße," sagte sie und zog ihr Schwert. "Bezieht dort drüben Stellung!" rief Súlien ihren Bogenschützen zu und zeigte auf die Stelle, an der die elbischen Fernkämpfer standen.
"Orophin und Glorwen werden die Unterstützung gut gebrauchen können," stellte Valandur mit grimmiger Zufriedenheit fest.
"Auf die Beine mit dir, Finelleth," sagte Oronêl und half der Elbin auf, die den schweren Schlag des Trolls hatte einstecken müssen.
"Danke", ächzte Finelleth. "Ich glaube ich habe keine einzige heile Rippe mehr..." Oronêl nickte nur, und sagte dann: "Der Tod des Trolls wird die Orks nicht lange aufhalten." Sein Blick fiel auf dern Ork, den Kerry getötet hatte, und er schenkte ihr ein kurzes, etwas müde wirkendes, Lächeln. "Gut gemacht."
Kerry nickte tapfer und hielt den Dolch schräg vor sich als in der Ferne erneut die Gestalten von Orks sichtbar wurden, die schnell näher kamen...
« Letzte Änderung: 7. Nov 2017, 09:27 von Fine »

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Re: Fornost: Die Mauern und das umliegende Gebiet
« Antwort #22 am: 24. Okt 2016, 19:12 »
"Seid ihr bereit?", fragte Fis als sie den Waldrand erreichten und blickte die beiden an, sie hatten sich in rostige Kettenhemden und zerfetzte Laken gehüllt, jeder von ihnen hatte einen Helm auf um Ihre nicht orkischen Gesichter zu verstecken. Fis hatte sich einen dreckigen Mantel übergeworfen um seine Waffen zu überdecken und trug einen Helm der vorne offen war. Er konnte es sich nicht leisten auf dem Schlachtfeld nichts zu sehen, dafür hatte er ein Tuch über die Nase gezogen und sein Gesicht mit Schlamm verschmiert. Sie alle stanken fürchterlich. 
Je schneller wir Fornost erreichen, desto schneller bin ich diese stinkenden Orklumpen los., dachte er beschämt.
"Redet am besten garnicht, oder sehr leise und folgt mir, egal was passiert. Los gehts!"
Langsam machten sie sich auf den Weg, sie ließen den Wald hinter sich und betraten das Schlachtfeld. Ohne stehen zu bleiben blickte Fis sich um und überflog die Situation: Die Mauern der Stadt waren etwa vierhundert Meter von ihrer Position entfernt , wenn sie schnell...
"Was passiert, wenn die Verteidiger auf uns schießen, wir sehen doch aus wie Orks?", fragte Rick leise, und blickte zu dem Turm, auf dem einige Menschen mit Bögen standen und auf die Orks schossen.
"Wir versuchen uns nicht treffen zu lassen.", antwortete Fis, doch er wusste, dass das ein Risiko war, welches sie eingehen mussten.
"Darüber denken wir nach, wenn wir in Schussweite sind, ich denke..."
Ein lauter Aufprall unterbrach ihn, als ein großer Felsen gegen den Turm krachte und das Sternenbanner zum schwanken brachte, das dort befestigt war, er blickte sich um und erkannte links von ihnen große graue Gestalten, wahrscheinlich Hügeltrolle, die Steine gegen den Turm schleuderten. Einer der Trolle lag schon am Boden, ein Stein hatte ihn getroffen, anscheinend wussten die Menschen sich zu verteidigen, vielleicht hatten sie doch eine Chance die Festung lebend zu erreichen.
Kaum hatte er den Gedanken zu Ende gedacht schlug ein weiterer Stein in die Mauer des Turms, Gesteinsbrocken flogen umher und die Seite des Turms brach in sich zusammen, kleine Gestalten fielen von der Plattform nach unten und verschwanden in der Staubwolke unter dem Turm. Die Orks vor ihnen brachen in ohrenbetäubenden Jubel aus und blickten alle in Richtung des Turms. Fis nutzte diese Gelegenheit und schubste die beiden Hobbits vor sich her in Richtung Mauern.
Als sie die ersten Reihen der Orks passierten bemerkte Fis, dass sich um die Ruine des Turms Orks sammelten, wahrscheinlich wollten sie den Turm erklimmen um auf die Mauer zu gelangen, das war ihre Gelegenheit. Fis folgte einer Truppe Orks die wild schreiend auf die Mauer zustürmten, es waren etwas zwei Dutzend der kleineren Orks, doch an ihrer Spitze lief ein großer Uruk in dunkler Rüstung, der den Läufern laute Befehle zurief. Fis nutzte die Zeit des Laufens und blickte sich nochmal um, die beiden Hobbits waren immer noch hinter ihm, auf der anderen Seite lagen jetzt schon drei Trolle am Boden und die Verteidiger auf der Mauer wirkten entschlossen diese zu halten. Es sah recht gut aus. In diesem Moment sah er einen der Trolle ausscheren und auf die Turmruine zulaufen, er zog eine riesige Keule hinter sich her und achtete garnicht auf die Orks über die er rannte, er würde den Turm auf jeden Fall vor ihnen erreichen, was es noch schwieriger machte den Turm hoch zu klettern.
"Fis, sieh mal!", rief Rick und deutete auf die Trümmer vor dem Turm. Fis folgte seinem Finger und erkannte Elben in schimmernden Rüstungen, die einen Ork nach dem anderen töteten, sie hatten es anscheinend zur Mauer geschafft, doch in diesem Moment erreichte auch der Troll die Mauer und stürzte sich in den Kampf.
"Hey, du da!", rief eine krächzende Stimme vor ihm und blickte Rick an, "was schreist du denn so?" Der Ork stellte sich vor Rick auf und ließ die rostige Klinge vor seinem Gesicht kreisen, "Du hörst dich nicht an wie ein Ork. Zeig mir dein Gesicht oder ich reiß dir die Gedärme raus, du kleine Made!" Fis griff nach einem seiner Pfeile und lief an dem Ork vorbei, dann rammte er diesem den Pfeil in den Hals worauf der röchelnd zusammenbrach.
"Kommt weiter!", sagte Fis ernst, "wir dürfen nicht stehenbleiben."
Zum Glück waren die anderen Orks abgelenkt gewesen, keiner hatte gesehen, dass ihr Kamerad nicht durch einen Bogenschützen auf der Mauer getötet worden war. Sie konzentrierten sich alle auf den Troll, der in diesem Moment laut brüllte, als ihm ein Speer durch seinen Nacken fuhr. Langsam fiel er zu Boden, er blutete aus vielen Wunden in den Beinen und auf seinem Rücken. Die Orks um die Trümmer zogen sich etwas zurück, eingeschüchtert durch den Tod der Bestie trauten sie sich nicht mehr an den Turm heran. In diesem Moment erreichten sie und ihr Trupp die Stelle und der Uruk schrie einige Worte in einer Fis unverständlichen Sprache, die Orks die nah bei ihm standen duckten sich unterwürfig , dann stürmten sie auf die Trümmer zu. Fis drehte sich zu Tom und Rick um: "Wenn ich Los sage rennt ihr so schnell wie möglich auf den Turm zu, sobald ihr die Trümmer erreicht schmeißt ihr die Helme weg und rennt weiter. Bleibt nicht stehen und dreht euch nicht um."
Fis setzte den Helm ab und zog sein Schwert, dann drehte er sich um und schlug einem vorbei stürmenden Ork den Kopf von den Schultern.
"LOS!", schrie Fis, er streckte einen weiteren Ork nieder und folgte den beiden in Richtung Turm, oder dem was davon übrig war.
Aufmerksam geworden durch seinen Schrei stellten sich ihm zwei Orks in den Weg, einer trug ein schartiges Schwert und der andere einen kurzen Speer. Fis parierte den Schlag der Klinge und wich dem Speer aus, dann duckte er sich und durchtrennte dem Ork die Kniekehlen, der brach kreischend zusammen während Fis dem Speerträger seine Klinge in den Rücken trieb. Die Hobbits waren schon weiter gerannt und er lief ihnen hinterher.
Zehn Meter trennten ihn noch von der Mauer als etwas von hinten seine Schulter traf, die Wucht riss ihn herum doch er schaffte es stehen zu bleiben, die Klinge erhoben drehte er sich um, ihm gegenüber stand der Uruk in der dunklen Rüstung, er grinste hämisch und legte einen weiteren Pfeil auf seinen schwarzen Bogen. Fis versuchte sich zu konzentrieren, doch seine Schulter schmerzte höllisch, vielleicht war sie gebrochen, der Pfeil hatte das Kettenhemd nicht durchschlagen. Er tastete nach dem Messer in seinem Gürtel und zog es heraus, er war kein besonders guter Werfer, der Griff des Messers traf den Uruk an der Wade, als er geraden den Pfeil los ließ, er hörte das Sirren der Sehne und spürte den stechenden Schmerz als der Pfeil seine Wange streifte. Zum Glück war der Uruk auch kein besonders guter Schütze, Fis warf sich auf seinen Gegner als dieser gerade nach einem neuen Pfeil griff. Mit einem Tritt zertrümmerte er ihm das Knie und rammte ihm das Schwert ins Gesicht als der Gegner zusammenbrach. Sofort drehte Fis sich um und blickte zu den Felsen, doch er konnte keine Hobbits sehen, er zog das Schwert aus der Leiche, hob seinen Dolch auf und rannte weiter, Hoffentlich ist ihnen nichts passiert, ich könnte es mir nicht verzeihen wenn ich zwei Kinder in den Tod geschickt habe!
Fis umrundete einen Stein und sah sich einem Ork gegenüber der ihm den Rücken zudrehte, die Klinge zum Schlag erhoben, einen wütenden Schrei ausstoßend spaltete Fis ihm den Schädel, Blut spritzte ihm ins Gesicht, der Ork sackte in sich zusammen und Fis sah sich einem Elben in schimmernder Rüstung gegenüber, der auf ihn herabblickte. "Du bist aber ein wirklich hässlicher Ork.", stellte dieser mit sanfter Stimme fest und ein Lächeln huschte über seine Lippen.
"Meine Zähne sind Schwerter, meine Klauen sind Speere, meine Flügel sind EIN WIRBELSTURM!"

RPG Charakter: Fis, in Fornost

Melkor.

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Der Schatten der weißen Hand
« Antwort #23 am: 24. Okt 2016, 23:40 »
Am Tor wütete erneut eine heftige Schlacht. Dutzende Orks versuchten auf die Mauern zu gelangen.
"Haltet Stand!" schrie Ardóneth der erneut versuchte, die Moral der Verteidiger zu heben. Elrádan wartete hinter dem Tor den Feuerbefehl ab. Pfeil um Pfeil schossen sie über die Mauern, oder auf die Mauern. Ardóneth kämpfte neben Gilbárd, der seine große Bartaxt mit kräftigen Schwüngen durch die feindlichen Reihen wüten ließ.
"Werft die Leitern um, lasst sie nicht wieder Fuß fassen!" befahl er, während er sich von einem Ork wegdrehte und im nächsten Moment seine Axt in dessen Genick schlug. Einen Moment hatten die Verteidiger die Oberhand, doch plötzlich begann die Erde zu beben. Der große Turm im Osten begann zu wackeln und drohte in sich zusammen zu brechen.
Kerry! dachte Ardóneth entsetzt. "Elrádan, du hast das Kommando!" rief er seinem Freund zu als er zum Turm eilen wollte. Er rannte los, doch nur wenige Meter weiter traten ihm einige menschliche Feinde entgegen, die gerade ein Mauerstück überrannten. Ardóneth setzte zum Sprint gegen seine Feinden an. Wenige Schritte vor seinen Feinden angekommen warf er seine Axt einem der Söldner entgegen. Dessen Kopf wurde von der Axt fast gespalten und er fiel regungslos um.

Ardóneth erkannte wie einige der auf der Mauer postierten Männer noch vergebens versuchten den Feind aufzuhalten und wollte ihnen zu Hilfe eilen. Einen der Männer konnte er gerade so noch vor einem schlimmen Schicksal retten, als er den Bauch eines Dunländers durchstach. Er half dem Mann hoch. Dieser war verschmutzt doch Ardóneth nicht unbekannt.
"Mallor!" sagte er und stoppte kurz. "Belen ist nicht viele Schritte von hier entfernt. Lauf!" befahl er. Mallor nahm sein Schwert und rannte ohne zu zögern zu der Stelle wo Belen sich aufhalten sollte. Ihm folgten noch zwei weitere Männer die ebenfalls erleichtert über ihre Rettung waren. Ardóneth stellte sich nun alleine seinen Feinden entgegen. Zum Glück wurden hier von den Orks keine Leitern mehr aufgestellt, so konnte er sich komplett auf die Dunländer konzentrieren. Mit einem kräftigen Tritt konnte er den Feind der ihm zu rannte von der Mauer stürzen. Dieser gab einen lauten Schrei von sich, der von einem Krachen gefolgt wurde als er auf den Boden außerahlb der Mauer aufkam. Bestürzt über die Verluste griffen die beharrten Männer nun den Kommadanten des Sternenbundes an. Dieser konnte noch einige Angriff parieren und einige tiefe Wunden an Dunländern austeilen bis er von einem starken Schmerz der von der Schulter kam zusammenknickte. Einem der Dunländer war es gelungen, seinen Hammer auf Ardóneths Schulter niedergehen zu lassen. Ardóneth ließ seine Axt fallen, drehte sich im Bogen um und schlitzte den Hals seines Feindes auf. Diesem quoll Blut aus den Mund und verzweifelt versuchte er, seine Verletzung zu stoppen, doch Ardóneth gab ihm einen wuchtigen Schlag mit dem Ellenbogen. Tot brach der Feind zusammen.

Als die letzten Überlebenden auf diesem Teil der Mauer sich zu ihm wandten wurden sie erneut von einem Beben überrascht. Einige schrille Schreie konnte er vom Turm hören als er plötzlich in sich zusammenbrach. Ardóneths Augen fingen an zu tränen das jedoch von einem feurigen Schimmern des Zorns gefolgt war. Voller Wut stürmte er in den Rest der Söldner. Nach einem kurzen Gefecht waren alle seine Feinde gefallen. Ardóneth sank auf die Knie, denn der Kampf hatte seine sämtliche verbleibende Kraft erfordert und der Fall des Turmes schlug ihn noch mehr zurück. Sein Bewusstsein begann zu schwinden, die Geräusche der Schlacht wurden leiser, gedämpfter, und verschwanden schließlich. Mit Mühe hielt er sich wach als er plötzlich eine undeutliche Stimme in seinem Kopf zu hören glaubte. "Wenn Belen nicht wäre, wären wir gar nicht erst nach Fornost gekommen... wir hätten niemals herkommen dürfen!" sagte diese Stimme. Im ersten Moment glaubte er, es wäre Kerry, doch einen Augenblick später entfremdete sie sich. "Rette deine Freunde!" befahl die Stimme und verschwand. Ardóneth stützte sich auf sein Schwert und stand wieder auf. Wie im Traum lief er zur Stelle, die er vorhin Mallor genannt hatte.

Mit glasigen Augen wankte Ardóneth die Mauer entlang, zum Tor wo Belen sich aufhielt. Er setzten mechanisch einen Fuß vor den anderen, verfolgt von den immer währenden Gedanken "Wenn ich ihn töte endet es." Als er neben ihn trat sagte Belen etwas zu ihm, was er jedoch nicht verstand und plötzlich zog er sein Schwert und holte mit Wucht aus. Zum Glück ging sein erster Hieb daneben. Belen schaute ihn  Schockiert an. "Was tust du da?" rief er entsetzt. Ardóneth antwortete nicht sondern holte erneut aus doch Belen konnte seinen Schlag parieren. Einen Hieb nach dem anderen führte Ardóneth aus, seine Verletzung ignorierend. Belen wurde kurzzeitig zurückgedrängt, bis Gilbárd Ardóneth am Arm packen und ihm das Schwert aus der Hand schlagen konnte. Elrádan, der diese schockierende Szene beobachtete, stieß nun auch dazu. Ardóneth trat knurrend nach Belen und versuchte sich zu befreien. Elrádan schaute Gilbárd fragend an, dieser nickte bloß und Elrádan gab Ardóneth einen heftigen Schlag in die Magengrube. Der Treffer presste Ardóneth die Luft aus den Lungen, mit einem Mal wurde vor seinen Augen alles schwarz, und er verlor das Bewusstsein. Ehe er ganz davondriftete, hört er Belen noch sagen: "Bringt ihn zur Waffenkammer und sperrt ihn dort ein."
« Letzte Änderung: 24. Okt 2016, 23:41 von Fine »
Er hat noch gezuckt weil ich ihm meine Axt in seine Nervenstränge getrieben habe.

-Gimli Gloinssohn zu Legolas, Schlacht bei Helms Klamm-

Eandril

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Re: Fornost: Die Mauern und das umliegende Gebiet
« Antwort #24 am: 25. Okt 2016, 16:10 »
Oronêl spaltete gerade einem der angreifenden Orks mit einem kräftigen Axthieb den Schädel, als er Gelmir vom Südrand der Ruine rufen hörte: "Oronêl! Hier ist ein Zwerg!" Verwundert sah Oronêl Finelleth an und fragte sie: "Kannst du die einen Augenblick alleine halten?" Da der Strom der Orks gerade etwas abschwoll, nickte sie.
Mit wenigen Schritten war Oronêl neben Gelmir, dem gegenüber eine kleine, stämmige Gestalt mit halb verhülltem Gesicht und einem orkischen Mantel stand - was nicht gerade dazu beitrug, Oronêls Verwirrung zu mindern. "Was tut ein Zwerg hier, mitten in der Schlacht?"
Der Zwerg deutete eine rasche Verbeugung an, und antwortete eilig: "Mein Name ist..."
"Fis!" Hinter einem großen Trümmerstück weiter östlich tauchten zwei noch kleinere Gestalten auf, die ebenso wie der Zwerg in orkische Lumpen gehüllt waren. Da Oronêl in Aldburg Meriadoc und Peregrin begegnet war, erkannte er, dass es sich um Hobbits handeln musste.



"Tom, Rick, ich habe mir schon Sorgen um euch gemacht.", sagte Fis außer Atem aber erleichtert. Die Orkrüstungen der beiden waren schlammig und voller Blut, doch soweit Fis es erkannte kein helles Hobbitblut.
Haben Hobbits überhaupt das selbe Blut wie wir?, überlegte er, dann riss er sich zusammen: "Habt ihr euch verletzt, geht es euch gut?"
Tom lächelte: "Uns geht es prima, nur ein paar Schrammen und blaue Flecken. Dank dir!"
Erleichtert betrachtete er seine beiden Begleiter, er musste sich eingestehen, dass er sie lieb gewonnen hatte und es sich nie verziehen hätte, wenn ihnen etwas zugestoßen wäre.
Dereckig und voller Blut schienen sie wohl sehr seltsam auszusehen, denn von einem trümmerfreien Fleck nahe der Mauer blickte ein junges Mädchen interessiert in ihre Richtung, es schien sich um eine Verwundete Kriegerin zu kümmern: "Tom, nimm deinen Bruder und schau mal, ob du dem Mädchen da drüben helfen kannst.", sagte Fis und drehte sich zu dem immer noch sprachlosen Elb um: "Wo kann ich helfen?"



Das Auftauchen der beiden Hobbits hatte Oronêl ein wenig aus dem Konzept gebracht, ebenso wie die offensichtliche Sorge des Zwerges um die beiden. Er warf einen Blick auf die Spur der Orkleichen, die Fis hinterlassen hatte, und erwiderte: "Wir könnten jede Klinge gebrauchen um den Turm - oder das, was davon übrig ist - zu halten."
"Wenn das so ist", meinte der Zwerg und ließ sein Schwert locker in der Hand kreisen, während er mit der anderen den Orkumhang von seinen Schultern löste, "Steht mein Schwert euch natürlich zur Verfügung."
Zu Oronêls Verwunderung kam unter dem Umhang die Tasche, die Irwyne für verloren gehalten hatte, zum Vorschein. "Wo habt ihr das gefunden?", fragte er, und der Zwerg antwortete: "Im Wald, auf einer kleinen Lichtung. Gehört sie euch?"
"So könnte man sagen." Oronêl nahm die Tasche, die Fis ihm zögerlich entgegenstreckte, und fuhr fort: "Wenn ihr kämpfen wollt, geht zu Valandur." Er deutete auf die Stelle, an der der Waldläufer kämpfte, und Gelmir sagte: "Ja, ich komme hier schon zurecht." Fis warf einen kurzen Blick zwischen den Elben hin und her, nickte dann, schulterte sein Schwert und stapfte davon.
Auch Oronêl wandte sich ab, und stieg hinter den beiden jungen Hobbits über die Trümmer, bis er Irwyne erreichte. Das Mädchen hatte noch immer die Augen geschlossen, doch als Oronêl sie ansprach, blickte sie ihn an. Zu seiner Erleichterung war ihr Blick klar, und sie sagte mit einem mühsamen Lächeln: "Es tut fast gar nicht mehr weh." "Das freut mich", meinte Oronêl, und strich ihr eine blonde Strähne aus der Stirn. Dann legte er ihre Tasche neben sie. "Hier. Ich glaube das, gehört dir."
"Meine Tasche!" Irwyne wirkte freudig überrascht, und für einen Augenblick schienen ihre Schmerzen vergessen. "Wo hast du sie gefunden?"
Oronêl schüttelte den Kopf. "Nicht ich, sondern ein Zwerg namens Fis hat sie im Wald gefunden." Er warf einen Blick nach draußen, wo die Orks erneut gegen den Turm vorrückten, und drückte kurz ihre Schulter. "Ich stelle ihn dir später vor, doch jetzt... müssen wir weiter kämpfen."



Fis war dem ausgestreckten Arm des Elben gefolgt und zu einem großen Mann gelangt, der mit vier Orks gleichzeitig kämpfte, der Elb hatte ihn Valandur genannt. Mit wilden Schwerthieben hielt dieser die Orks in Schach, doch Fis konnte erkennen, dass er schon aus mehreren kleinen Wunden blutete. In diesem Moment sprang einer der Orks nach vorne, wild schreiend schwang der das kurze Schwert in seiner Hand, Valandur machte einen Schritt zur Seite und trieb dem Ork seine Klinge in den Rücken. Fis hob die Augenbraue, nicht schlecht für einen Menschen. Plötzlich sah er wie ein hässlicher, kleiner Ork hinter Valandur geschlichen war um ihn von hinten zu attackieren. Fis stürmte mit einem Schrei auf den Ork zu, der blickte sich erschrocken um und vergaß für einen Moment das Schwert in seiner Hand zu benutzen. Das reichte Fis um ihm seine Klinge in den Hals zu stechen, vorbei an der Rüstung und dem zerbeulten Helm. Blut quoll aus dem Mund unter dem Helm hervor als Fis seine Klinge herauszog und den Ork mit einem gezielten Schlag enthauptete. Die anderen beiden Orks drehten sich um und wollten flüchten, doch Fis und Valandur machten kurzen Prozess mit ihnen. Eine kurze Pause entstand und Fis drehte sich zu dem Menschen um: "Du bist einer der Dunedain, hab ich recht?", Fis blickte auf die Orkleichen um sie herum, "Ich habe von euch gehört."
Valandur blickte ihn immer noch verwundert an: "Und wer bist du?", fragte er, während er das Blut von seiner Klinge wischte.
"Ich bin Fis, der Zwerg, stets zu Diensten.", er deutete eine Verbeugung an, dann drehte er sich wieder zu den heranstürmenden Orks.

Fis-Teile by -Mirithil-
« Letzte Änderung: 25. Okt 2016, 16:13 von Eandril »

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Fine

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Ein vertrautes Gesicht
« Antwort #25 am: 25. Okt 2016, 17:17 »
Kerry stand vor den Verwundeten, den Dolch kampfbereit in der Hand. Und tatsächlich kam da etwas auf sie zu - doch als sie genauer hinsah stellte sie fest, dass es sich nicht um Orks handelte.
"Hallo," sagte der erste der beiden Neuankömmlinge. "Brauchst du vielleicht Hilfe?"
"Hobbits!" stieß sie überrascht hervor. "Wo seid ihr denn hergekommen?"
"Aus Bree," antwortete der zweite. "Wir sind Fís gefolgt. Das ist der freundliche Zwerg dort hinten," fügte er hinzu und zeigte auf das hinter ihnen laufende Gefecht. Kerry sah und erblickte einen Zwerg, der verbissen Ork um Ork niederstreckte. Tja, ich hoffe, er dehnt diese 'Freundlichkeit' nicht auch auf uns aus... dachte sie.
"Also gut," sagte sie laut zu den beiden Hobbits. "Ihr könnt mir helfen. Stellt euch dort oben hin, auf die Trümmer, die dort liegen, und haltet die Augen offen. Seht ihr die Bogenschützen dort drüben?" Sie zeigte in die Richtung, in der Orophin, Mírwen und Súlien standen und Pfeile auf ihr Feinde hinabregnen ließen. "Wenn ihr Feinde entdeckt, die unseren Kämpfern unten in den Rücken fallen oder sich an ihnen vorbeischleichen wollen, gebt ihr den Schützen Bescheid. Verstanden?"
"Verstanden!" antworteten die beiden wie aus einem Mund und begannen, die Trümmer hinauf zu klettern. Da sie weniger wogen als Menschen, liefen sie nicht Gefahr, einen weiteren Einsturz auszulösen und hatten schon bald eine Stelle erreicht, die ihnen einen guten Überblick gab.

Kerry atmete tief durch und sah zu, wie sich Valandur und die Elben gemeinsam mit Fís tapfer gegen die über sie hereinbrechende Flut stemmten. Glücklicherweise schienen die Orks nicht die Disziplin zu besitzen, um in großen Gruppen oder mit einer Strategie anzugreifen, sondern stürmten unabhängig und nach eigenem Ermessen auf die Verteidiger zu. Valandurs Zweihänder schnitt mit Leichtigkeit durch den Oberkörper eines Orks. Der Dúnadan schien eine außergewöhnliche Ausdauer zu besitzen. Oronêl und Finelleth deckten sich gegenseitig den Rücken und erschlugen zahllose Orks ohne die Stellung aufgeben zu müssen. Kerry vermutete, dass die beiden sich schon viele Jahrhunderte kannten und deshalb so gut zusammenarbeitete. Kaum einem Feind gelang es, auch nur einen Hieb gegen die beiden Waldelben zu führen, so im Einklang waren sie miteinander.
Eine schlanke Gestalt sprang an Kerry vorbei, und Súlien schloss sich mit blitzender Klinge dem Kampf an. "Heda, Valandur, lass mir noch ein paar Orks übrig!" rief sie und erstach einen Ork, der sich dem Waldläufer genähert hatte. Offenbar hatte sie alle ihre Pfeile verschossen und ging nun in den Nahkampf. Sie reihte sich zwischen Valandur und Fís ein, der sich gerade unter dem Hieb eines besonders grobschlächtigen Orks wegduckte und diesem mit seinem Schwert im Gegenzug die Beine abhackte. Neben ihm stand Gelmir, dessen Zorn angespannter Konzentration gewichen zu sein schien.

"Sie kämpfen so mutig," sagte eine Stimme hinter Kerry. Sie drehte sich um und erblickte das Mädchen, das Finelleth zum Turm getragen hatte.
"Das tun sie," antwortete sie. "Ich wünschte, ich besäße nur einen Bruchteil ihres Mutes oder Kampfgeschickes."
"Du hast mich vorhin gerettet," gab das Mädchen zurück. "Das war mutig genug. Ich heiße Irwyne, und meine Gefährtin hier - " sie deutete auf die verwundete Elbin, die mit geschlossenen Augen neben ihr lag - "wird Mírwen genannt."
"Ich bin Kerry," sagte Kerry. Irwyne klang nach ihrer Heimat, und so fragte sie ins Blaue hinein auf rohirrisch: "Bist du aus der Westfold?"
Irwyne zog die Augenbrauen hoch und antwortete in derselben Sprache: "Aus Firnharg, kennst du es?"
"Auf halbem Wege zwischen Edoras und Helms Klamm?" fragte Kerry nach.
Irwyne nickte. "Genau, in der Nähe des Passes der nach Dunharg führt," fügte sie hinzu. "Also kommst du auch aus Rohan?"
Kerry nickte ebenfalls und sah, wie Irwynes Augen sie aufmerksam musterten.

Bevor sie jedoch weitersprechen konnte hörte Kerry einen alamierenden Ruf von oben. Einer der Hobbits hatte Feinde gesichtet, und tatsächlich kamen drei Orks heran, die sich wie zuvor an Oronêl und Finelleth vorbeigeschlichen hatten. Sie packte den Dolch und stellte sich ihnen entgegen. Zweimal surrte es über ihrem Kopf, und zwei Pfeile trafen die Orks in den Nacken. Die Elben sind wirklich außergewöhnliche Schützen, dachte sie. Der dritte Ork wurde allerdings von einem von oben geworfenen Speer getötet. Als sie nach oben zur Mauer blickte sah sie ein bekanntes Gesicht, denn Rilmir stand dort und schaute besorgt auf sie herunter.
"Dúnadan!" rief sie. "Kannst du ein Seil herunterwerfen? Wir haben Verwundete!"
"Erst muss ich dich in Sicherheit bringen, Kerry," antwortete Rilmir. "Komm zu mir hochgeklettert!"
Doch sie schüttelte entschlossen den Kopf. "Ich muss hierbleiben und auf die Verwundeten aufpassen!"
"Kerry, das ist doch Wahnsinn! Du kannst doch nicht in einer Schlacht kämpfen!" Rilmir trat an den Rand des Wehrganges. Von Haleth sah Kerry keine Spur.
"Ich kann erst gehen, wenn die beiden Verwundeten in Sicherheit sind!" rief sie zu Rilmir über den Lärm der Schlacht hinauf.
Rilmir überlegte einen Augenblick, dann nickte er. "Also gut, lass mich sehen ob - " Der Rest des Satzes blieb ihm im Halse stecken. Kerry riss entsetzt die Augen auf. Ein schwarzgefiederter Pfeil hatte sich in Rilmirs Oberkörper gebohrt. Durch den Rückstoß machte der Waldläufer zwei stolpernde Schritte rückwärts - und stürzte rücklings über den Rand der Mauer ins Innere der Stadt.

Der Dolch fiel Kerry aus der Hand. Erneut wurde sie von Schmerz und Verzweiflung übermannt, und diesmal war Halarîn weit weg, kämpfte am Tor um ihr Leben. Diesmal führte Kerrys Entsetzen zu etwas anderem: heißer, lodernder Wut, wie sie sie noch nie verspürt hatte. Sie schrie nicht und sagte auch nichts, sondern riss mit einer Kraft, die sie sich gar nicht zugetraut hatte, den Speer aus dem Leib des Orks, den Rilmir gefällt hatte. Sie hatte nur noch einen Gedanken: Rache. Rache an den Feinden, die ihr bereits zwei enge Freunde genommen hatten. Es war ihr egal, wenn sie dabei ihr Ende finden würde. Jemand musste bezahlen. Sie packte den Speer mit beiden Händen und marschierte auf das Gefecht zu, in dem die Elben weiterhin ihre Stellung gegen die Orks hielten...
« Letzte Änderung: 7. Nov 2017, 09:34 von Fine »

Curanthor

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« Antwort #26 am: 25. Okt 2016, 20:50 »
Der Strom an Gegner ließ nicht nach, bis schließlich Adrienne und Acharnor es schafften einen Großteil der Leitern umzustoßen. Mathan musterte beide kurz, bis auf einige leichte Schnittwunden ging es ihnen gut. Er rammte dem letzten Ork auf der Mauer sein Schwert ins Auge und trennte den Kopf mit einem Schlag der freien Waffe sauber ab. Den Kopf warf er achtlos über die Mauer
Halarîn ließ das Blut von ihrer Klinge spritzen und griff nach ihrem Langbogen.
"Scheinbar wird uns keine große Pause gestattet.", sagte sie und deutete auf zwei größere Gestalten, die sich dem Tor näherten.
"Trolle...", sagte er und sog scharf die nach Orks stinkende Luft ein.
Einer der Waldläufer lief auf der Mauer hin und her. Er streute Sand, damit der Steinboden durch das Blut nicht zu glitschig wurde. In der Ferne hörten sie ein lautes Getöse und der Turm im Osten brach in sich zusammen.
Der Elbenhauptmann winkte ihn zu sich: "Holt die Feuerkörbe und gebt den letzten Reserven den Befehl sich vor dem Tor zu sammeln."
"Was befürchtet Ihr?", fragte Belen, der sich gerade vom Schreck des Sturz des Turmes erholt hatte. Der Anführer des Sternenbundes wirkte erschöpft und stützte sich auf seine Klinge, auch er trug einige leichte Wunden.
"Das wir hier bald ordentlich zu tun haben werden," antwortete Mathan und deutete zu den Trollen, "Wenn die erstmal hier sind..."
Belen nickte und gab einem Untergebenen ein Signal, der wiederum zog ein Horn und blies einmal kurz und kräftig hinein.
"Seht und wartet, auch ich habe nicht alle Karten auf den Tisch gelegt,", sagte Belen und drehte sich wieder zu den anstürmenden Orks, "Bis jetzt", setzte er nach und durchtrennte einem Ork die Beine.

Halarîn hatte inzwischen ihren Langbogen in der Hand, wärend die Waffe aus Westernis auf ihrem Rücken ruhte. Gerade visierte sie einen Uruk an, der neben den Trollen lief, als einer der grauen Fleischberge wie vom Blitz getroffen zu Boden fiel. Es dauerte einen Moment, als sie die Balliste auf dem westlichen Turm unscharf erkannte. Sie sorgte sich jedoch zu sehr um Kerry, als dass sie sich sonderlich über den toten Troll freuen konnte. Sie hoffte, dass das Mädchen nicht auf dem Turm gewesen war. Ihr Pfeil traf den Uruk an der Schulter. Fluchend zog sie einen weiteren Pfeil auf die Sehne und konzentrierte sich. Ihr Ziel suchte Schutz hinter dem verbliebenden Troll, der ihr die Schussbahn verdeckte. Halarîn erblickte eine Leiter, auf der bereits ein Ork wartete, wärend sie an die Mauer gelehnt wurde. Ihr Pfeil riss die Kreatur von der Leiter, einige Bogenschützen nahmen nun die Leiterträger ins Visier. Kurz darauf war niemand mehr an der Leiter interessiert.
"Lasst sie keine neuen Leitern anstellen!", rief sie den übrigen Bogenschützen zu und warf einen Blick zu dem Troll.
Im selben Moment schlug ein verstärkter Speer in seine fassbreite Brust ein. Das Ungetüm brüllte vor Schmerz, lief weiter, stolperte und sackte nach vorn in die angespitzen Reiterhindernisse. Einige Orks rannten davon, als im nächsten Moment ein mannsgroßes Mauerstück in eine Meute Feinde einschlug. Sie drehte sich um und erblickte Rainer auf der Mauer, der die Peilung ausführte. Adrienne und ihr Bruder beschützten ihn.



"Nun mach schon, wir können hier nicht ewig herumstehen!", drängelte Acharnor und ließ seinen Hammer auf einen Ork niederfahren.
"Immer mit der Ruhe, glaub nicht, dass das hier einfach ist!", erwiderte der alte Holzarbeiter ungehalten und peilte über den Daumen.
Adrienne parierte einen ungestümen Schwerthieb und entwaffnete ihren Gegner. Ihre Faust landete in dem Bauch des Söldners der schmerzhaft aufstöhnte. Ein Hammerschlag ihre Bruders beförderte den bewustlosen Kerl über die Mauer.
"Das schaffe ich auch alleine, "beschwerte sie sich und spießte einen Ork auf, der von der Leiter auf die Mauer springen wollte, "bleib bei Rainer."
Sie nutzte die kleine Verschnaufspause und rannte zu Belen, der neben Mathan stand.
"Ich glaube, dass der Einsturz des Turms nicht nur für unsere Verteidigung ein Schlag war.", begann sie und sicherte sich damit die Aufmerksamkeit der beiden Anführer.
"Warum glaubst du das?", fragte der Sternenbundler herablassend.
"Die Moral ist im Keller, die Katapultmannschaft will nicht mehr kämpfen, die Männer und Frauen auf den Mauern sind ausgelaugt und erschöpft. Der Fall der Trolle reicht da nicht um sie zu ermuntern.", antwortete sie säuerlich.
"Das ist nicht das einzige Problem...", Mathan deutete zur Ebene, wo sich eine gewaltige Horde Orks sammelte.
Adrienne schluckte schwer, als sie die Anzahl ihrer Gegner versuchte zu zählen. Selbst Mathan wirkte etwas verunsichert, was ihr größere Sorgen bereitete. Der Elb fing sich jedoch schnell. "Schafft die Feuerkörbe ran, rasch!", rief er und der Befehl wurde weitergegeben.
"Dies wird der entscheidende Angriff sein!", rief Belen und köpfte einen Ork, der auf ihn zugerannt kam, "Macht alle bereit, die ein Schwert halten können!", brüllte der Anführer des Sternenbundes laut und sämtliche Truppen blickten ihn an.
Adrienne dagegen packte ein Banner, das auf dem Boden lag. Es war voller Blut, zerfetzt und doch konnte man deutlich erkennen, was es war. Mit dem Schwert in der linken Hand, und das Banner in der rechten Hand trat sie auf den Torbogen. Noch nie hatte sie sich so sicher in einer Sache gefühlt.



Mathan verstand das Zögern der Verteidiger, denn sie waren demotiviert, verwundet, müde und wussten nicht, wie man diese Schlacht gewinnen konnte. Umso mehr weckte es sein interesse, als Adrienne sich anschickte ein Banner aufzuheben. Halarîn, die mit einigen Bogenschützen dafür sorgte, dass sie auf den Mauern etwas Luft hatten blickte kurz herüber. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht. Belen dagegen wirkte unschlüssig und verärgert, sein Unterkiefer mahlte, doch er wartete ab. Sein Blick folgte Adrienne, die nun ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückte.
Der Elb hielt jedoch weiterhin ein Auge auf die Ebene, auf der ein weiteres Geschoss des Katapults einschlug. Dennoch reichte es nicht die Masse an Orks zu vertreiben und sie schienen etwas zu tragen. Er ahnte auch was es war. Die Gräben waren gefüllt mit Leichen, leider hatten sie kein Öl um sie zu entzünden. Er fluchte innerlich und wandte sich zu Adrienne.

"Verteidiger von Fornost! Ich weiß, dass ihr Zweifel habt, dass ihr Angst habt und euch fragt:" Warum weitermachen? Manch einer von euch mag aufgegeben haben. Doch dann frage ich euch, wollte ihr so in die Geschichte eingehen? Zweifeln und auf das Schicksal wartend!?", vereinzelt schüttelten die Leute die Köpfe, vor dem Tor sammelten sich mehr und mehr Verteidiger, "Nein? Warum gibt ihr dem Schicksal dann seinen freien Lauf und schmiedet es nicht selbst!?", brüllte Adrienne nun laut und schreckte damit immer mehr Menschen auf, die zuvor auf den Boden gestarrt hatten.
"Wollte ihr so enden, dass man nur von Flüchtlingen aus Fornost hört?", fragte sie erneut herausfordernd und vereinzelt erhob sich ein Raunen.
"Nein!" antworteten Einige verhalten oder schüttelten energisch die Köpfe.
"Dann wollt ihr euren Freunden und Familie Ehre bereiten und allen geliebten Opfern dieses Krieges einen Sinn geben?!", schrie sie nun und befreite sich selbst von ihrer Furcht. Es dauert kurz einen Moment, in dem nur das Lärmen der Orks und den vereinzelten Kämpfen auf der Mauer zu hören war. Dann fuhr ein Ruck durch die Menge vor dem Tor und alle reckte die Waffen, sie waren bereit alles zu geben.
"Für die freien Völker!", erschallte es aus dutzenden Kehlen, zusammen mit anderen Kriegsrufen.

Mathan war selbst ergriffen von der Anspache und ahnte, dass Adrienne ein gefährliches Feuer geschürt hatte. Irgendwo zwischen Wahnsinn, Selbsterhaltungstrieb und Rache, doch das war es, was sie im Moment brauchten. Belen reckte die Faust in die Luft und Adrienne schwenkte das Banner.
"Schützt das Tor! Für die freien Völker", rief nun Belen, der die aufgepeitschten Verteidiger in den wohl letzten Kampf führen würde.

Halarîn bemerkte, dass immer weniger Orks versuchten über die Leitern zu klettern. Alles konzentrierte sich auf das Tor. Vor jenem wuchteten die Orks gerade einen Rammbock über die Graben, trotz der Pfeile die auf sie niederregneten. Mit lautem Schreien und Lärmen brachten sie den metallverstärken Holzstamm in Position.
"Feuerkörbe!", brüllte Mathan und sogleich wurden die heißen Kohlen in einem weitem Bogen über die Mauer geschleudert. Sie erschoss einen Ork, der gerade Belen angreifen wollte und beobachtete für einen Moment Adrienne, die das Sternenbanner auf der Mauer zwischen zwei Steinen verkeilte. Mit gezogenem Schwert lief sie die Stufen hinab und begab sich in den Gewühl der letzten Verteidiger am Tor. Immer wieder musste die Elbe den Mut der Menschen bewundern. In selbst aussichtslosen Situationen konnten sie die Kraft haben sich nochmal aufzuraffen.
Dutzende Schmerzenschreie ertönten, es stank nach verbranntem Fett, Haut und Orks, doch die glühenden Kohlen hatten keine starke Wirkung. Kurz darauf ertönte der erste Schlag des Rammbocks auf dem Torholz. Sie blickte zu ihrem Gatten, der auf ihren Köcher deutete und zwei Finger hob. Wortlos zog sie ihr Schwert und postierte sich zwischen ihm und Belen.

Mathan blickte besorgt auf Halarîns Bauch, rang sich aber dennoch dazu durch, seine verrückte Idee mit ihr zu teilen.
"Was hälst du von einem kleinen Kletterausflug?", fragte er und erhielt einen verwirrten Blick.
"Das ist kein guter Augenblick für Scherze", antwortete Halarîn stirnrunzelnd.
Der Elb ging statt einer Antwort zu der Treppe und holte zwei Seile. Halarîn schmunzelte anstatt wütend zu werden, wie er sonst es erwartet hätte.
"Du gibts wirklich den merkwürdigsten Elben ab, den ich je getroffen habe.", sagte sie sanft und nahm ihm das Seil aus der Hand, "Deswegen liebe ich dich."
Sie küssten sich rasch und banden sich die Seile um, wärend es unten schon bedrohlich knackte und splitterte.



Acharnor presste seinen Körper angestrengt gegen das Holz, bis der nächste dumpfe Schlag das Tor erschütterte. Das Holz federte. Ein Waldläufer neben ihm bekam ein Splitter ins Auge. Der Mann fluchte und wurde von der nachrückenden Masse erneut gegen das Tor gedrückt. Adrienne, die hinter ihm stand fluchte ebenfalls, als sie beinahe ihre Waffe verlor. Bis auf ihr hatten alle anderen ihre Waffen verstaut um Verletzungen zu vermeiden.
Beim zweiten Anlauf hielt das Tor noch immer, selbst den dritten Anlauf hielt es stand und Rainer lachte fröhlich. Beim vierten Anlauf dagegen lachte niemand mehr. Das Knacken war deutlich hörbar und Holzsplitter regneten auf sie herab. Seine Schwester ließ sie etwas zurückziehen, wärend der fünfte Anlauf die Querbalken bersten ließ.
"Egal was durch dieses Tor kommen mag, haltet stand!", rief Adrienne und überall wurden Waffen gezogen.
Acharnor zog seinen Krieghammer vom Rücken und wartete. Ein Splittern und Jubelschreie der Orks verkündeten von einem Loch im Tor. Er rammte den Stiel des Hammers in die Fratze des Uruks, der wohl die Horde anführte und gerade das Loch vergrößern wollte. Sogleich folgte ein fürchterliches Krachen und das Tor schwang auf. Gleichzeitig brandete eine Flut Gegner heran, angeführt von einigen Söldnern. Acharnor duckte sich instinktiv unter einer schartigen Klinge weg, wärend Adrienne über ihn hinweg den Kerl in die Brust stach. Ein Fußtritt schickte ihn sogleich zu Boden. Verzweifelt rollte er sich weg und hörte nur den Aufschlag der Waffe neben seinem Kopf. Ein heißer Schmerz durchfuhr sein Bein, er schrie auf.

Adrienne fing den Schwerthieb ab, der auf den Kopf ihres Bruders zielte. Etwas prallte gegen ihren anorischen Schulterpanzer. Ein Ork sprang sie an, doch die Männer hinter ihr passten auf und stachen ihn nieder. Brüllend schoben die Menschen nach vorn und drängten die Orks zurück. Sie ließ sich treiben und machte zwei Orks auf einen Streich nieder. Eine Klinge zuckte vor und ritzte ihr über die Hand, sie ließ sich zurückfallen und unter den ganzen Lärm hörte sie die Stimme ihres Bruders. Schläge prasselten auf sie ein, etwas berührte sie erneut an der Schulter. Ein andere Schlag traf sie scheppernd am Helm, den sie zuvor zum Glück angelegt hatte. Sie hielt Ausschau nach ihrem Bruder, konnte in dem Chaos ihn jedoch nicht finden. Erschöpft ließ sie sich zurückfallen und zwei Waldläufer übernahmen ihren Platz.
"Wir können das nicht lange durchhalten!", rief einer der Männer weiter hinten. Der Mann trug einen dicken Verband um seinen Armstumpf, in der verbliebenen Hand hielt er einen Speer.
"Wir müssen...", keuchte sie und stützte sich schwer auf ihrem Schwert.
Plötzlicher Schmerz breitete sich in ihrem Unterleib aus, der sie aufstöhnen ließ. Der Mann fragte was los sei, doch sie winkte ab. Er drängte nicht weiter und schloss sich den Verteidigern wieder an.


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Eandril

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Re: Fornost: Die Mauern und das umliegende Gebiet
« Antwort #27 am: 26. Okt 2016, 00:27 »
Jetzt, da sie zwei Verteidiger mehr hatten, bemerkte Oronêl einen deutlichen Unterschied zu vorher. Als sie noch zu viert gekämpft hatten, hatten er und Finelleth sich immer wieder trennen müssen, um einzelne Orks aufzuhalten, die durch ihre dünnen Reihen gebrochen waren, doch durch Fis' und Súliens Hilfe geschah das deutlich seltener. Und je länger er gemeinsam mit Finelleth kämpfte, desto besser arbeiteten sie zusammen, und allmählich hatte er das Gefühl, sie bereits seit Jahrhunderten zu kennen.
Dennoch, der Strom der Orks ließ einfach nicht nach, und allmählich spürte Oronêl seine Arme müde und seine Reaktionen langsamer werden. Auch Finelleth fällte die Orks nicht mehr ganz mit dem Elan der ersten Kämpfe, und er fürchtete, dass sie sich früher oder später entweder auf die Mauer oder von der Stadt weg nach Osten zurückziehen müssen würden. Mit einem Rückhandschlag spaltete er das Gesicht eines heranstürmenden Orks, während Finelleth einem weiteren ihr Schwert durchs Herz rammte, und in dem Moment hörte Oronêl aufgeregte Rufe von der Turmruine hinter sich. Er erkannte darunter Irwynes Stimme, und als er sich umwandte sah er Kerry mit ausdruckslosem Gesicht auf sich zu kommen, einen Speer in der Hand. Finelleth schwang ihr Schwert in einem weiten Bogen, und ein weiterer Ork ging in einem Schauer von schwarzem Blut zu Boden. "Kerry!", rief er dem Mädchen entgegen, während er einem Ork der versucht hatte ihm die Klinge in den Rücken zu rammen, zunächst den linken Ellbogen ins Gesicht und dann die Axt in den Hals schlug. "Was hast du vor?" Auch wenn es Kerry offensichtlich nicht an Mut mangelte war ihm doch auf den ersten Blick klar gewesen, dass sie keine Kriegerin war. Irgendetwas musste geschehen sein.
"Den Dúnadan rächen!", erwiderte sie, den Blick noch immer stur geradeaus gerichtet und den Speer fest in den Händen, und Oronêl wäre beinahe vor der Heftigkeit, mit der sie ihm die Worte entgegenschleuderte, zurückgezuckt. Verwirrt wanderte sein Blick zu Valandur, der noch immer neben Fis und Súlien kämpfte. Also meinte sie jedenfalls nicht ihn, und alles andere war im Augenblick unwichtig für Oronêl. Inzwischen war Kerry bis an ihn herangekommen, doch bevor sie vorbeigehen konnte legte Oronêl ihr die Hand auf die Schulter und hielt sie zurück. In seinem Rücken hielt Finelleth die Orks, die in diesem Moment glücklicherweise weniger heftig angriffen als zuvor, alleine in Schach. "Lass mich kämpfen! Ich muss... ihn rächen....", stieß das Mädchen hervor, und wollte seine Hand von ihrer Schulter streifen. Oronêl ließ seine Axt fallen und packte sie fest an beiden Armen. "Wenn du dich einfach blind in den Kampf stürzt wirst du nur sterben und niemanden rächen." Mit einer raschen Bewegung, die Kerry zu überrumpeln schien, entwand er ihr den Speer und schleuderte ihn blind in Richtung der Orks, ohne nachzusehen ob er etwas getroffen hatte.
Kerry blinzelte mehrmals rasch hintereinander, und eine erste Träne rollte ihre Wange hinab. Doch trotzdem hörte sie nicht auf, gegen Oronêls Griff anzukämpfen. Dieser ließ abrupt ihre Arme los, wich ihr aus als sie überrascht vorwärts taumelte und schlang ihr von hinten den Arm um die Taille. Inzwischen hatte er sich zusammengereimt, dass sie beobachtet haben musste, wie einer ihrer Freunde unter den Verteidigern auf der Mauer getötet worden war, und er konnte sie verstehen. Nach Amdírs Tod auf der Dagorlad hatte er wie ein Berserker gekämpft, ohne jede Rücksicht auf sein eigenes Leben. Und dennoch konnte er nicht zulassen, dass dieses Mädchen einfach in ihren Tod rannte. Als er sie zurück zu den Trümmern des Turmes zog, wurden ihre Anstrengungen sich aus seinem Griff zu befreien immer weniger, und schließlich gab sie ihren Widerstand ganz auf und hing schlaff in seinen Armen. Er setzte Kerry auf einem der größeren Trümmersteine ab, und stellte mit einem Blick nach Westen fest, dass der Ansturm der Orks gegen ihre Stellung beinahe ganz nachgelassen hatte.

Für den Moment würde Finelleth sich auch alleine halten können, also kniete Oronêl sich vor dem Mädchen, dem nun ungehemmt die Tränen über die Wangen strömten ins blutige, niedergetrampelte Gras, und nahm ihre Hände in sein. Irgendwie hatte er das Bedürfnis ihr zu helfen, sie zu trösten - wahrscheinlich, weil er selbst vor so langer Zeit durchgemacht hatte, was Kerry nun erlebte. "Was ist geschehen?", fragte er sanft. Sie öffnete den Mund, doch sie schien nicht imstande zu sein, Worte zu formen, und so kamen nur schmerzhafte Laute heraus. Sie schluchzte eine volle Minute vor sich hin, schien durch Oronêls freundlichen Blick jedoch wieder etwas an Fassung zu gewinnen. "So viel Tod", hauchte sie. "So viel Schrecken..."
"Jede Schlacht aufs neue ist, als würde die Welt enden", erwiderte Oronêl nachdenklich. Der Lärm der Schlacht verlagerte sich weiter nach Westen, in Richtung Tor, und auch die Verteidiger auf den Mauern schienen sich in diese Richtung zu bewegen. Er sah Irwyne noch immer an ihrer alten Position sitzen, und besorgt in ihre Richtung blicken, und die beiden Hobbits etwas erhöht auf Trümmerteilen stehen, und mit großer Zielsicherheit Steine auf die wenigen Orks die noch in ihrer Nähe waren, schleudern. "Doch irgendwann ist es vorbei, und man merkt, dass die Welt noch immer dort ist - auch wenn sie vielleicht nicht mehr die selbe ist." Er hob Kerrys Kinn mit einer sachten Bewegung an, und sah ihr direkt in die grünen, tränennassen Augen. "Wem ist etwas zugestoßen? Einem Freund von dir?"
"J-ja, einem...Freund..." sagte sie stockend und mit kaum hörbarer Stimme.
"Rilmir." Valandur war leise herangekommen, sein vom Blut der Orks schwarz gefärbtes Langschwert auf die Schulter gelegt. "Ich habe es gesehen, er stand oben auf der Mauer und wurde von einem Pfeil getroffen, den jemand ziemlich zielsicher von weit hinten abgeschossen hat."
"Er... er ist..." Kerry schien das Wort nicht aussprechen zu können, also tat Oronêl es für sie. "Tot." Er wusste wie schmerzhaft es für Kerry sein musste, und doch würde es besser werden, je schneller sie diese Tatsache akzeptierte. "Es tut mir Leid, auch wenn ich ihn nicht gekannt habe."
"Er war ein guter Mann", meinte Valandur, und Oronêl meinte zu hören, dass auch die Stimme des sonst so grimmigen Waldläufers ein wenig belegt zu sein schien.
"Und ich... ich..." Kerrys Stimme brach erneut, und weitere Tränen flossen über ihr Gesicht. Jetzt erinnerte die Oronêl an Mithrellas, als sie sich mit Amroth so heftig gestritten hatte, dass dieser sie niemals hatte wiedersehen wollen. Damals hatte seine Tochter den gleichen Ausdruck im Gesicht gehabt wie Kerry jetzt, denn auch wenn ihr Freund noch am Leben gewesen war, hatte sie doch ebenfalls geglaubt ihn für immer verloren zu haben.
"Ich hatte auch einst einen Freund, Amdír", sagte er langsam, und strich Kerry mit dem Daumen über den Rücken der Hand, die er immer noch hielt. "Er wurde in der Schlacht getötet, direkt vor meinen Augen, als er mit mir sprach, und ich konnte nur zusehen." Das Beben von Kerrys Schulter verriet ihm, dass sie es ebenso erlebt hatte. "Ich habe mir selbst Vorwürfe gemacht, ich habe wie rasend gekämpft, und es war mir egal ob ich lebte oder starb." Er erhob sich aus seiner knienden Position, setzte sich neben Kerry auf den Stein und legte ihr einen Arm um die Schulter. Zu seiner Erleichterung wehrte sie sich nicht, sondern bettete sogar ihren Kopf an ihn, während ihre Schultern nach wie vor unter Schluchzern zuckten. Ruhig sprach er weiter, während Valandur sich taktvoll einige Schritte entfernt hatte, und aufmerksam die Armee der Orks beobachtete. "Ich weiß nicht, ob du dich jetzt genauso fühlst wie ich damals, aber ich weiß, dass es irgendwann vorbeigeht. Ich vermisse Amdír immer noch, nachdem über dreitausend Jahre seit seinem Tod vergangen sind, so wie du deinen Freund Rilmir auch immer vermissen wirst. Doch irgendwann werden die Erinnerungen an ihn freundlich, und du erinnerst dich nicht mehr an den Tag, an dem er gestorben ist, sondern an alles Schöne, was du mit ihm erlebt hast und verbindest. Und in diesen Gedanken lebt er für immer weiter."
Kerry schniefte nur, doch die Tränen wurden weniger und sie nickte langsam. In einer plötzlichen Eingebung nahm Oronêl das hölzerne Medaillon, dass er um den Hals trug, ab, und legte es Kerry um den Hals. "Hier. Dieses Medaillon hat mir meine Frau hinterlassen, bevor sie nach Westen fuhr. Ich sollte es zur Erinnerung an sie tragen, doch ich brauche es nicht um an sie zu denken, und ich finde, du solltest es haben." Die junge Frau blickte zwischen ihm und dem Medaillon mit dem Mallornbaum hin und her, und schien nicht zu wissen, was sie sagen sollte. Doch das musste sie auch nicht. "Denk an deinen Freund wenn du es trägst, und denk an das was ich dir erzählt habe."

Oronêl stand auf, als Finelleth sich mit schnellen Schritten näherte. Inzwischen hatten sich alle Verteidiger am äußeren Rand der Trümmer versammelt, und sie sagte: "Oronêl, du solltest kommen und dir das ansehen."

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Curanthor

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Das Ende des Kampfes
« Antwort #28 am: 26. Okt 2016, 18:24 »
Die beiden Elben warteten noch etwas, bis mit einem Splittern das Tor nachgab. Zwar schnitten die Seile schmerzhaft trotz der Rüstungen, doch sie geduldeten sich. Mathan machte sich heimlich Vorwürfe, dass er eigentlich am Tor selbst sein musste, erinnerte sich aber daran, dass Adrienne bereits dort war. Ein schlecht gezielter Pfeil prallte neben ihm vom Mauerwerk ab. Unter ihnen war der Kampf um das Tor bereits im vollem Gange. Vereinzelt konnten die Verteidiger die Orks zurückdrängen, doch ständig rückten neue Feinde nach. Mathan wechselte einen letzten Blick mit Halarîn. Wortlos stießen sie sich von der Mauer ab und prallten auf die Köpfe der angreifenden Orks. Überraschende Rufe ertönten unter den Feinden, die sich sogleich in Schmerzensschreie verwandelten als die beiden Elben ihr blutiges Werk begannen. Rücken an Rücken kämpfte das Paar und dezimierte die Masse der Angreifer. Mathan duckte sich unter einem Schwert. Er konnte den Luftzug der Klinge spüren. In schnellen Kreisen wirbelten sie Rücken an Rücken herum und verteilten dutzende Hiebe in die Reihen der Feinde. Ein schwacher Hieb traf seinen Schienbeinpanzer und er trat dem am Boden liegenden Mann ins Gesicht.  Der Überraschungsmoment war vorrüber, die Orks gingen etwas auf Abstand, ehe sie sich erneut ihnen entgegen warfen. Durch seine beiden Schwerter konnte er sich besser gegen die dutzenden Klingen verteidigen, die sich ihnen nun entgegen reckten. Selbst die beiden Elben konnten es aber nicht mit dieser Übermacht aufnehmen und sie wussten das. Trotzig kreuzte er die Klingen, als die Orks nun wieder lärmend und kreischend auf sie zurannten.
Doch auch hinter ihnen ertönte ein Lärmen und Brüllen. Mit einem ohrenbetäubenden Krachen prallten die Schlachtreihen der Menschen und Orks aufeinander. Die Verteidiger von Fornost machten einen Ausfall, angeführt von Belen und den kampferfahrensten Waldläufern. Mathan atmete durch, als die Menschen sie in die Mitte nahmen. Halarîn und er ließen sich mit der Masse treiben und hieben auf die Orks ein, die nun mehr und mehr an Halt verloren. Der Ansturm der Menschen überraschte die Angreifer mehr als sie es wohl selbst erwartet hatten. Brüllend drängten sie immer weiter vor, weg vom Tor. Eine versprengte Truppe Feinde versuchte sich abzusetzen, doch sie waren zu langsam um durch die Gräben zu entkommen. Pfeile die von den Mauern gefolgen kamen schnitten ihnen den Weg ab. Dann waren die Verteidiger auch schon heran und fuhren wie ein Sturmwind unter Laub in die Reihen der Feinde.

Mathan schlitzte einem Söldner gerade den Bauch auf, als er einen Kerl entdeckte, der verfluchend versuchte die feindlichen Reihen zusammenzuhalten. Doch das brachte ihm nicht viel, die Verteidiger überrollten ihn und die Söldner, die ihm umgaben. Der Elb rammte den fluchenden Anführer sein Knie ins Gemächt und wollte gerade ihm mit seinen gekreuzten Schwertern den Kopf abtrennen. Eine Klinge fing mühsam zitternd seinen Todesstoß ab. Es war Belen. "Den da nicht", sagte er angestrengt und Mathan ließ die Schwerter sinken.
Ringsherum ließen die Söldner ihre Waffen fallen und rannten davon. Dutzende Orks taten es ihnen gleich, mehr und mehr Feinde wandten sich zur Flucht ab, bis Halarîn zur Armee deutete, die sich komplett zurückzog. Erschöpfter Jubel ertönte und die letzten verbliebenden Feinde wurden niedergemacht.


Irgendwie hatten sie es geschafft. Die Fläche vor dem Tor war stellenweise so dicht mit Leichen gepflastert, dass man den Boden nicht mehr erkennen konnte. Der Elb blickte sich um und bemerkte zufrieden, dass das Katapult ganze Arbeit geleistet hatte. Er drehte sich wieder zu Belen. Dieser riss dem gefangen Anführer gerade den Helm vom Kopf.
"Lutz Farnrich. Das trifft sich ja gut", stellte der Anführer des Sternenbundes kühl fest, "Nun werdet Ihr für das Büßen, das Ihr angerichtet habt. Nehmt ihn mit!", zischte Belen feindselig.
"Das ist nicht das Ende, Saruman wird-",ein sattes Klatschen ließ Lutz die Worte im Halse stecken bleiben. Halarîn hob erneut die Hand und verpasste ihm noch eine weitere, kräftige Ohrfeige. Ihr Gesicht war rot vor Zorn, sodass ihre Augen einen übernatürlichen Schimmer annahm. Lutz machte einen schockierten Schritt zurück, selbst Belen schritt nicht ein. Als die Elbe ein drittes mal zuschlagen wollte, packte Mathan ihre Schulter. Sie zögerte, ließ ihre Hand sinken und ging schließlich zum Tor davon. Belen ließ den gefangenen Anführer abführen und beteiligte sich daran, die Verletzten zu bergen. Mathan folgte seiner Gattin zum Tor und fand sie neben einer Person hockend, die ausgetreckt unter dem Torbogen lag. Die Rüstung war verbeult und beinahe komplett mit schwarzen Blut besudelt, selbst der Helm wies einige tiefe Dellen auf. Der Elb umrundete die Beiden und erkannte Adrienne, die dort vor ihm lag. Ihr Gesicht war bleich, die Atmung flach und ihre Augen folgten seinen Bewegungen unmerklich. Er befürchtete das Schlimmste, doch Halarîn redete auf sie ein und versuchte sie zur Besinnung zu bringen.
"Hilf mir mal", bat sie und deutete zur anorischen Rüstung.
Gemeinsam entfernten sie den Schutz, der Adrienne offensichtlich mehr als gute Dienste geleistet hatte. Seine Gattin tastete vorsichtig den Kopf der jungen Frau ab und atmete erleichtert aus. "Keine Kopfverletzungen, vielleicht nur geprellt. Danke, den Rest kann ich alleine machen.", sagte sie und Mathan überließ sie ihrem Spezialgebiet. Er half dem Männern und Frauen die Verletzen von den Mauern zu tragen, wärend Halarîn sich um Adrienne kümmerte. Nach einer Weile winkte sie ihn zu sich und deutete auf Adriennes Hose, die mit Blut getränkt war. Er verstand und machte sich auf die Suche nach einem Sichtschutz.



Kühle Luft streichelte ihr Gesicht, sanfte Hände berührten ihre Wangen. Zuerst dachte sie, dass sie wohl nicht mehr am Leben war, bis sie den Geruch von Blut und Tod in der Nase hatte. Adrienne wimmerte als unsäglicher Schmerz durch ihren Körper fuhr.
"Schh", machte eine vertraute Stimme und die Finger wanderten weiter von ihrem Gesicht, zu ihrem Hals und Schlüsselbein.
"Du hast Glück gehabt", sagte jemand über ihr und ein Schemen wurde sichtbar.
Ihr Blick klarte weiter auf und sie erkannte Halarîn, die über sie gebeugt war. Sie trug noch immer ihre Rüstung und machte ein sorgenvolles Gesicht.
"Was ist geschehen?", fragte Adrienne matt und blickte an sich hinab.
Ihr Körper war zerschunden, die Haut übersäht mit blauen Flecken. Ihre Arme waren übel zugerichtet und gerade schob Halarîn den Stoff über ihrer linken Brust zur Seite. Dabei legte die Elbe einen blutigen Schnitt frei, der sich von der Brust quer bis zu ihrer Leiste zog. Der Stoff ihrer Kleidung hatte sich mit Blut vollgesogen, einzelne Stofffetzen klebten in der Wunde. Sie stöhnte schmerzhaft auf und schloss die tränenden Augen.
"Nicht die Augen schließen, bleib bei mir!", rief Halarîn in einem besorgten Tonfall und rief die Angst in ihr wach.
"Ich...Mein Bruder... wo?", brachte sie hervor und sog scharf die Luft ein, der Schmerz war unerträglich.
Sie öffnete die Augen und blickte die Elbe an, deren rote Haare unter dem Helm hervorlugten. Sie sah sie jedoch nicht an, sondern suchte offensichtlich in ihrer Tasche nach etwas.
"Haben wir... gesiegt..?", fragte Adrienne mühsam und versuchte den Schmerz zu verdrängen.
Halarîn zog ein silbernes Flächschen aus ihrer Tasche, entfernte den Korken und hielt ihr es an die Lippen. Adrienne öffnete den Mund und schluckte die Medizin, wärend die Elbe ihr die Hand auf den Brustkorb legte und einige Sätze in einer ihr unbekannten Sprache aufsagte. Sobald die sie endete, verklang der Schmerz nach und nach, ein Stechen blieb von der grässlichen Wunde übrig.
"Das hilft nur gegen den Schmerz, also bewege dich weiterhin nicht", erklärte Halarîn und begann sorgfältig die Wunde zu säubern.
Adrienne starrte zum Torbogen und ließ die Elbe ihre Arbeit machen, die inzwischen unzählige kleine Flaschen und Ampullen aus ihrer Tasche gezogen hatte. Sie war sich darüber klar, dass es großes Glück war von Halarîn verflegt zu werden. Hin und wieder kamen einige Mitgleider des Sternenbundes und fragten, wie es ihr gehen würde und boten an sie zu tragen, doch Halarîn war dagegen. Adrienne schwieg für eine ganze Weile und bemerkte, dass die Leute die vorbeigingen taktvoll zur Seite blickten. Ihr war es egal, bis schließlich Mathan zurückkehrte, der ein großes Tuch dabei hatte. Fragend blickte sie zwischen den beiden Elben hin und her, bis Halarîn sich leicht verlegen räusperte: "Ich muss deine Leiste untersuchen."
Adrienne starrte sie für einen Moment an, erinnerte sich aber dann an den Schmerz im Unterleib. Sie nickte, daraufhin warf Mathan das große Tuch über sie beide und schirmte sie vor den Blicken Anderer ab.
"Ginge das nicht woanders?", fragte sie leicht beschämt, doch die Elbe schüttelte den Kopf.
"Nein, sonst würde deine Wunde aufplatzen und wir können nichts mehr für dich tun", meldete sich Mathan, der erstaunlich gefühlslos sprach, "aber zum Glück ist sie nicht so tief", setzte er freundlicher nach. Seine Schritte entfernten sich.
Adrienne spürte, wie die Elbe ihre Hose herunterzog und scharf die Luft einsog.
"Ich weiß nicht wie, aber du hast mehr als nur Glück gehabt. Ich kenne niemanden, der mit so einer Wunde davongekommen ist.", verriet die Elbe ihr und begann ihre Leiste abzutupfen, beinahe bis in ihren privateren Bereich.
"Wer auch immer dich hier getroffen hat, hat zwei sehr präzise Schlage ausgeführt. Der Eine geht von der linken Brust bis zur Gürtellinie, der zweite ist aber der Schlimmste. Er geht von deiner Leiste bis in deinen Schritt."
Adrienne keuchte entsetzt und versuchte sich aufzurichten, wurde aber sanft am Boden gehalten. Sie ahnte, wer ihr diese Wunden zugefügt hatte, doch sie verkniff sich jedes Wort. Der Schmerz saß zu tief, die Vergangenheit war zu schwarz für sie. Die junge Frau zitterte am ganzen Körper und fragte sich, wie sie hier gefunden wurde. Ihr Zittern wurde so stark, dass Halarîn sie ihr einen beruhigenden Kuss auf die Wange drückte. Überrascht von dem Gefühlsausbruch der Elbe starrte sie sie an.
"Ich weiß nicht wer das war, aber glaube mir, wir werden ihn dafür bezahlen lassen.", vesprach sie ihr entschlossen.
"Wer auch immer meine Schülerin so zugerichtet hat, wird dafür an seinem Blut ersticken!", knurrte Mathan bedrohlich.
Adrienne legte den Kopf schief und erkannte undeutlich den Schatten des Elben durch das Tuch. Sie wunderte sich, warum sie ihn nicht hatte kommen hören. Ein kleiner Stich lenkte sie wieder ab.
"Ich muss das Chaos hier vernähen", entschuldigte sich die Elbe und Adrienne nickte sacht.



Mathan blickte auf das Tuch und wartete eine Weile, er war sich unschlüssig was er tun sollte. Ging aber dann doch zurück zum Katapult, das noch immer so stand, wie sie es zuletzt abgefeuert hatten. Auf einer Trage daneben lag Rainer aus Bree, der die Augen geschlossen hatte. Der Elb wusste, dass er nie wieder die Augen öffnen würde, genau wie einige andere Mitstreiter aus seiner Truppe. Schwer seufzend setzte er sich auf das Katapult und starrte Acharnor an, der neben ihm auf dem Gestell lag. Der Jugendliche erwiderte seinen Blick ausruckslos und hielt noch immer die Hand seines Vaters. Mathan wollte ihm die andere Hand halten, hielt jedoch inne, als er den Verband um den Arm Acharnors bemerkte. Sie sagten kein Wort sondern starrten nur einander an.
"Wie geht es meiner Schwester?", fragte er schließlich leise und strich seinem Vater über das Gesicht.
"Sie hat schwere Verletzungen am Oberkörper und an der Leiste", antwortete Mathan betreten und schüttelte den Kopf, "Ich hätte sie nicht alleine lassen sollen. Euch beide nicht."
"Nein, denn ihr beide habt den Ausfall erst ermöglicht", erwiderte Acharnor schwach und richtete sich auf, "durch Euch konnten wir erst den Feind vertreiben."
Mathan antwortete nicht sondern blickte auf den Verband um die Beine seines Schülers und ahnte etwas. Ein leiser Zweifel schlich sich in seine Gedanken, doch er brachte die Stimme zum schweigen. Er wollte die beiden Verletzten nicht noch weiter belasten. Sein Blick ging unwillkürlich zu Adanhad, dessen Gesicht von einem Banner bedeckt wurde. Acharnor schossen erneut die Tränen in die Augen und Mathan legte ihm eine Hand auf die Schulter.
"Wir haben einen hohen Preis bezahlt", presste Acharnor hervor und blickte dem Elben in die Augen, "doch das war es wert, denn ich gebe niemals meine Freiheit auf."
"Das hat er auch nicht getan.", stimmte er ihm zu und klopfte ihm auf die Schulter.
Halarîn trat zu ihnen, sie wirkte erschöpft und wischte sich das Blut von den Händen. Acharnor begann zu zittern, als er sah, wie einige Männer eine Trage vom Torbogen wegschafften. Tränen rollten ihm das Gesicht herunter, bis Halarîn die erlösende Nachricht verkündete: "Sie wird es wahrscheinlich schaffen."
Kraftlos ließ sich Acharnor zurücksacken und brach in Tränen aus. Die beiden Elben blickten sich an und legten ihm jeweils eine Hand auf ein Bein. Es dauerte lange, bis er wieder aufgehört hatte zu weinen und ein Schwall von Wörtern aus ihm herausbrach: "Adrienne ist die Einzige, die mir geblieben ist. Meine Mutter wurde in Gondor getötet und mein Vater-", er brach ab, schluchzte und umklammerte die Hand des Toten, "sie werden dafür bezahlen, sobald ich wieder laufen kann.", knurrte er mit einem plötzlichen Anflug an Hass.
"Wer?", fragte Halarîn und wechselte mit Mathan einen Blick.
"Die Schatten aus der Vergangenheit meiner Familie. Die, die uns überall hin verfolgen", antwortete Acharnor und löste die Hand von seinem Vater, "Die, denen wir Blutrache geschworen haben!", knurrte er und ballte die Hand zur Faust, ein einzelner Tropfen Blut löste sich und fiel zu Boden.
Mathan erinnerte sich, dass es unüblich war Blutrache zu schwören. Er konnte es nicht ganz zuordnen, doch Acharnor sprach weiter und es schmerzte den Elben zu sehen, wie übel er zugerichtet war. Mit zerschnittenen Beinen, einer halb zerfetzten Hand und einem abgerissenen Ohr lag er dort und sprach von Rache. Seine Augen loderten vor Zorn und seinem Kämpferherz. Halarîn brachte ihn wieder zur Vernunft, als sie von seiner Schwester sprach:" Ich glaube Adrienne wird da auch noch ein Wort mitzureden haben, immerhin scheint sie mehr zu wissen. Das respektiere ich auch aber wenn ihr wirklich die Schüler meines Gatten sein wollt, müsst ihr uns vertrauen. Außerdem kann und werde ich euch ebenfalls etwas beibringen, immerhin solltet ihr euch selbst versorgen können."
Acharnor nickte langsam und beruhigte sich. Stöhnend setzte er sich mit der Hilfe der beiden Elben auf und schwieg für eine ganze Weile. Gemeinsam saßen die drei dort und waren jeweils in ihren eigenen Gedanken versunken.
« Letzte Änderung: 6. Feb 2017, 19:59 von Curanthor »

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Überraschender Rückzug
« Antwort #29 am: 26. Okt 2016, 19:58 »
Kerry vergaß für einen Augenblick ihre körperlichen und seelischen Schmerzen und raffte sich auf um Oronêl und Finelleth zu folgen. Die beiden Elben eilten an den Rand der Trümmer des Turms und blickten auf die südliche Ebene hinaus. Als Kerry neben sie trat sah sie, dass sich der Nebel endgültig verzogen hatte. Zu ihrer Rechten steigerten sich die Kämpfe am Tor zu einem lautstarken Höhepunkt, und sie beobachteten, wie die Verteidiger einen verzweifelten Ausfall machten. So gewaltig war der Ansturm dass die Reihen der Orks zu wanken begannen. Sie sahen, wie die ersten sich zur Flucht wandten, doch von ihrer Position konnten sie auch erkennen, dass ein beträchtlicher, noch intakter Teil des Heeres weiterhin geordnet blieb.
"Da hinten," sagte Finelleth, deren scharfe elbischen Augen den feindlichen Anführer entdeckt hatten, den Uruk-hai-Kommandanten der vor der Schlacht ans Tor geritten war. Ein schwarzgefiederter Vogel war auf seinem erhobenen Unterarm gelandet und schien ihm gerade eine Nachricht zu überbringen.
"Sieht aus, als bekäme er schlechte Neuigkeiten," stellte Oronêl fest, der den Blick auf den Uruk gerichtet. Dieser gab einem Untergebenen ein Zeichen und ließ ein großes Horn ertönen, dessen misstönender Klang über das Schlachtfeld hallte. Die Orks, die diszipliniert geblieben waren, setzten sich nun in Bewegung.
"Sie schicken ihre Reserven in den Kampf!" rief Kerry entsetzt. Es sah so aus, als würde der Ausfall den Verteidiger zum Verhängnis werden. Sie hatten ihre Deckung verlassen und waren nun auf offenem Feld ungeschützt. Sicherlich würden ihre Feinde das ausnutzen!

Da begann Finelleth unerwartet zu lachen. "Nein, Kerry, sieh doch! Die Orks ziehen ab! Sie wenden sich nach Nordwesten!"
"Glorwen," rief Oronêl. "Hast du freies Schussfeld auf den Anführer?"
"Mein Köcher ist leer," gab die Bogenschützin bedauernd zurück.
"Ebenso wie meiner", fügte Orophin hinzu.
Kerry blickte den davonmarschierenden Orks nach, die eine Staubwolke hinter sich aufwirbelten und einen Bogen um die Südwestecke der Stadt machten. Während das feindliche Heer verschwand, blieben ihre Zweifel. Sollte dieser Albtraum tatsächlich vorbei sein? Haben wir es tatsächlich geschafft? dachte sie. Doch dann holten sie die Geschehnisse der Schlacht ein. Nein, haben wir nicht. Nicht alle... Míra, der Dúnadan, so viele andere... sie haben es nicht geschafft. Sie spürte, wie ihr Körper weinen wollte, doch sie hatte keine Tränen mehr übrig. Stattdessen verfiel sie in einen Zustand schweigender Trauer.

"Wir sollten zum Tor gehen," schlug Oronêl vor. "Jetzt, da die Schlacht vorbei ist, können wir die Verwundeten versorgen. Komm, Kerry, hilf mir mal mit Mírwen!" Der Elb ergriff ihre Hand und sie leistete keinen Widerstand als er sie zu Irwyne und Mirwen hinüberzog. Valandur stützte Irwyne, die tapfer dreinblickte und sogar ein kleines Lächeln im Gesicht zeigte.
Oronêl legte sich Mírwens Arm um die Schulter und hob die Elbin hoch. "Stütze du ihren anderen Arm, und gib Acht, nicht ihre Verletzung zu berühren!" wies er Kerry an. Und so machten sie sich auf den Weg zum Tor. Gelmir, Fís und die beiden Hobbits bildeten gemeinsam mit Orophin und Mírwen die Nachhut und blickten sich wachsam nach versprengten Feinden um, doch bis auf drei fliehende Orks begegnete ihnen niemand. Finelleth, die vorausging, kümmerte sich um die Orks und ließ ihnen keine Chance, ihren Klingen zu entkommen. Sie suchten sich ihren Weg zwischen den unzähligen Leichen hindurch, die das Feld vor den Mauern Fornosts bedeckten. Immer wenn sie einen toten Menschen sah, blickte Kerry schnell zur Seite. Sie ertrug den Anblick nicht, denn die Augen der Getöteten schienen sie anklagend anzublicken. Wärst du nur eine bessere Kämpferin gewesen, beschuldigte sie selbst. Míra würde noch leben. Der Dúnadan hätte sich keine Sorgen um dich machen müssen und wäre nie zum Turm gekommen. Sie könnten alle noch am Leben sein. Du dummes, dummes Mädchen! Was hast du dir nur dabei gedacht, an der Schlacht teilzunehmen? Du hättest dich mit den Frauen und Kindern in den Häusern verstecken sollen! Dann wäre nichts von alldem geschehen!

So vertieft in ihre eigenen Gedanken kam die Ankunft am Tor überraschend für Kerry, und der plötzlich vor ihr auftauchende Graben riss sie jäh aus der Trance in der sie sich befand.
"Vorsicht, Kerry, gib Acht wohin du trittst," warnte Oronêl. Mírwen keuchte angestrengt und schlug die Augen auf als sie auf der anderen Seite des Grabens ankamen. Vorsichtig legten sie sie auf dem weichen Boden ab, und Finelleth winkte bereits einen Heiler herbei. Während Mírwen behandelt wurde sah Kerry sich um. Am Tor konnte sie Belen und Elrádan entdecken, die sich unterhalb des nun wieder aufrecht wehenden Banners des Sternenbundes unterhielten. Und sie sah, wie Gandalf zu den beiden trat und Elrádan die Hand auf die Schulter legte. Der Zauberer sagte etwas, das Kerry aufgrund der Entfernung nicht verstand, doch sie konnte sich denken, worum es ging. Als Elrádans Gesicht grau wurde und er sich taumelnd setzen musste wusste sie, dass ihre Vermutung richtig gewesen war.
Sorgenvoll schaute sie sich weiter um während sie mit Oronêl und die Elben durch das zerstörte Tor ging. Ihr Herz machte einen kleinen Sprung, als sie Halarîn entdeckte, die mit Mathan neben einem jungen Krieger bei den Überresten des Katapults saßen und sich leise unterhielten. Zwar schrie alles in ihr danach, zu Halarîn zu rennen und bei ihr Trost zu finden, doch sie spürte, dass dies nicht der richtige Moment dafür war, oder bildete sich das zumindest ein. Irwyne, mit der sie während des Kampfes kurz geredet hatte und die Kerry sofort sympathisch gewesen war, hatte einen dicken Verband am Bein erhalten und half trotz ihrer eigenen Verletzung bereits fleißig bei der Versorgung der vielen, vielen Verwundeten mit. Also ging sie in Gandalfs Richtung, doch auch der Zauberer schien keine Zeit für Gespräche zu haben, denn er und Belen unterhielten sich bereits angeregt miteinander als Kerry in Hörweite kam.
"Hat er dabei irgendetwas gesagt?" fragte Gandalf gerade.
"Nein," gab Belen mit untypischer Verwunderung zurück. "So habe ich meinen Vetter noch nie erlebt. Es war, als wäre er... nicht er selbst."
"Hmmm," machte Gandalf nachdenklich.
"Dennoch ändert das nichts daran, dass Ardóneth versucht hat, mich zu töten, und das auf dem Höhepunkt der Schlacht. Diesen Verrat kann ich nicht ungestraft lassen."
"Ich rate zur Vorsicht," wandte Gandalf ein. "Die Angelegenheit muss gründlich untersucht werden."
"Vielen Dank für den Rat, Mithrandir, aber ich denke, ich werde das auf meine Weise klären. Dúnedain-Rechtsprechung ist hart, aber gerecht."
"Was hat Ardan getan?" mischte Kerry sich überrascht ein.
Belen fixierte sie mit einem misstrauischen Blick, doch es war Gandalf, der antwortete. "Kerry! Bin ich froh, dass du überlebt hast. Komm, lass dich ansehen." Er blickte ihr scharf in die Augen und nickte dann. "Ja, du kommst wieder in Ordnung. Du solltest nach Ardóneth sehen, mein Mädchen. Ich fürchte, hinter seinen Taten steckt mehr, als es auf den ersten Blick aussieht..."
"Was -" setzte Kerry an, doch Gandalf untebrach sie.
"Geh zur Rüsthalle. Ardóneth ist in den Verliesen dort eingesperrt. Vielleicht kannst du ihn dazu bringen, etwas Licht in die Angelegenheit zu schaffen..."
"Und ich gehe mit ihr," sagte ein kräftig gebauter Dúnadan, der eine große Zweihandaxt auf dem Rücken trug.
"Sei vorsichtig, Gílbard," sagte Belen. "Denk dran, es wird einen Richtspruch geben."
Gílbard nickte und bedeutete Kerry, mit ihm zu kommen. Sie zögerte einen Augenblick, doch als sie Oronêl zu Mathan und Halarîn gehen sah wusste sie, dass die beiden nun keine Zeit für sie haben würden, und vertröstete sich darauf, nachdem sie herausgefunden hatte, was Ardóneth zugestoßen war, noch mehr als genug Zeit haben würde, bei Halarîn Trost zu finden, und eilte dem Waldläufer hinterher, der sie schnellen Schrittes ins Innere der Stadt führte...


Gílbard und Kerry zum Versteck des Sternenbundes
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Re: Fornost: Die Mauern und das umliegende Gebiet
« Antwort #30 am: 27. Okt 2016, 17:30 »
Fis kämpfte an der Seite des Dunedain, Ork um Ork fiel durch ihre Hand, ihre Klingen wirbelten durch die Luft wie blitzende Schatten. Fis stieß sein Schwert in die Brust eines Orks und schlug einem anderen aus der Drehung den Kopf von den Schultern, dunkles Blut spritzte auf den Felsen neben ihm. Langsam versiegte der Nachschub der Orks, der Hauptansturm konzentrierte sich jetzt voll und ganz auf das Tor, zwei Trolle lagen davor, von langen Bolzen durchbohrt doch dahinter sammelten sich die Orks, in ihrer Mitte trugen sie einen langen Baumstamm der mit dicken Metallplatten verstärkt war. Valandur zog mit einem Ruck sein blutiges Schwert aus einer Orkleiche als Fis sich umdrehte und einem letzten zappelnden Ork die Kehle durchschnitt: "Das wars', die kommen so schnell nicht wieder.", sagte Fis und blickte den Dunedain an, doch der hatte sich schon umgedreht und war zwischen den Trümmern verschwunden.
Ein lautes Krachen war zu hören als der Rammbock gegen das Tor gestemmt wurde, doch das Tor hielt stand. Fis betrachtete die Szenerie genau, wenn sie in die Stadt gelangen würden, könnten die Verteidiger sie nicht mehr aufhalten, sie waren geschwächt und müde von der Schlacht, doch vor dem Tor warteten immer noch hunderte Orks und Menschen darauf in den Kampf geschickt zu werden, diese waren noch frisch und ausgeruht, außerdem deutlich in der Überzahl. Ein weiteres Mal stießen sie den Rammbock gegen das Tor und wieder hielt es stand, dann noch einmal, diesmal hörte Fis deutlich das Splittern von Holz. Wenn sie das Tor einreißen würden wäre nichts in der Stadt vor ihnen sicher, schon bald wären nurnoch rauchende Ruinen und geschändete Leichen übrig. Beim vierten Schlag gaben die Türflügel nach und die Orks stürmten wild schreiend ins Innere von Fornost. Wütend rammte Fis sein Schwert in den Boden: Er war nicht hergekommen und hatte sein Leben aufs Spiel gesetzt um jetzt zuzusehen wie die Orks die Stadt überrannten und plünderten, doch er war zu weit weg um den Verteidigern rechtzeitig zu helfen, selbst wenn er Elbenbeine gehabt hätte. Frustriert setzte er sich auf einen der Felsen und beobachtete gedankenverloren die Schlacht. So viele Jahre bin ich in der Wildnis herumgeirrt, oft genug habe ich mein Leben riskiert um mir selbst und anderen zu helfen und jetzt muss ich mit ansehen wie alles was ich bis hierhin erreicht habe mit einem Schlag zu Nichte gemacht wird. Was passiert mit Tom und Rick wenn wir gefangen werden, sie sind mir durch eine Armee von Orks gefolgt und das in stinkenden Orkrüstungen, sie waren furchtlos als die vor Wargen auf einen Baum kletterten und jetzt sollten Sie hier umkommen, ein Hornruf weckte ihn aus seinen verzweifelten Gedanken und er blickte sich nach der Ursache des Tons um. Da sah er, wie sich gerade der letzte große Teil des gegnerischen Heeres in Bewegung setzte, aber nicht auf das Tor, sondern weg von der Festung.
Fis stand auf, Rufe erklangen vor dem Tor und die Verteidiger stürzten sich mit letzter Kraft auf die verbliebenen Gegner. Vor Schreck gelähmt und ohne Nachschub wurden die Orks von den wütenden Verteidigern zurückgedrängt, jetzt konnte sie keiner mehr stoppen. Der Ausfall war kurz und blutig, die Orks und Söldner des feindlichen Heeres wurden vor den Gräben gestellt und niedergemacht. bis auf einen menschlichen Gefangenen den er nicht erkennen konnte. Fis konnte es nicht fassen, zum ersten Mal an diesem Tag war er selbst sprachlos, sie hatten gesiegt. Hastig lief er zu seinen Begleitern: "Rick, Tom, wir haben es geschafft, wir haben gewonnen.", berichtete Fis, "Die Orks haben sich zurückgezogen, wir sind in Sicherheit." Tom blickte ihn an: "Nur dank dir, mein Freund." Fis spürte wie ihn etwas umschlang und feste drückte, es war Rick, er lachte und weinte zugleich während er Fis fest umschlungen hielt. Plötzlich schrie Rick leise auf und Tom stotterte: "D...D...Da, O..Ork", sein Arm deutete hinter Fis, der fuhr herum und riss sein Schwert hoch, bereit zum Schlag, doch er sah nichts, da war kein Ork. Da hörte er wie Tom und Rick hinter ihm leise kicherten, Fis drehte sich um und Tom sagte: "Jetzt sind wir quitt!" Fis musste lächeln, dann blickte er in Richtung Stadt, was gäbe ich jetzt für ein gutes Bier und etwas warmes zum Essen, dachte er hoffnungsvoll. Sie schlossen sich den anderen an, als sie sich auf den Weg Richtung Tor machten, ihre Verwundeten wurden gut versorgt und wie es aussah hatten alle die er getroffen hatte überlebt. Das junge Mädchen zu dem er die Hobbits geschickt hatte blickte düster vor sich hin, in ihrem Blick lagen Trauer, Wut und Verzweiflung, sie nahm den Weg kaum wahr und währe fast in einen der Gräben gestürzt, die um das Tor angelegt worden waren. Der Elb mit dem er geredet hatte ging ein Stück hinter ihnen, Fis wartete bis sie auf einer Höhe waren: "Ich wollte die danken, ohne eure Hilfe wären wir drei wahrscheinlich gestorben." Der Elb blickte ihn an, sein Blick war ernst: "Es gab heute schon genügend Tote." Fis nickte stumm und blickte auf die Leichenberge vor dem Tor, sie hatten einen hohen Preis bezahlt.
Als sie das Tor durchschritten musste Fis trotz all der Toten und Verwundeten lächeln, sie hatten es wirklich geschafft. Er blickte zu Tom und Rick, sie wirkten glücklich und erleichtert, doch er sah ihnen an wie erschöpft sie waren, sie brauchten einen Platz zum Schlafen.

Fis, Tom und Rick in die Stadt

Verlinkung ergänzt
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Eandril

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Re: Fornost: Die Mauern und das umliegende Gebiet
« Antwort #31 am: 31. Okt 2016, 13:30 »
Über das Tor, an dem vor so kurzer Zeit noch eine erbitterte Schlacht getobt hatte, hatte sich eine merkwürdige Stille gelegt. Sicher, Verwundete schrien und stöhnten, und Menschen eilten hin und her und riefen sich Anweisungen zu, doch im Vergleich zum Getöse der Schlacht kam Oronêl alles seltsam gedämpft vor. Er und Kerry hatten Mírwen außerhalb des Tores in den Händen der Heiler zurückgelassen, und obwohl Oronêl sie ungern allein lassen wollte, musste er weiter. Auf der anderen Seite des Tores fand er schließlich, was er suchte: Mathan und Halarîn saßen mit einem jungen menschlichen Krieger auf den zerstörten Überresten eines Katapults, und schienen ihren Gedanken nach der Schlacht nachzuhängen. Für einen Augenblick vergaß er seine Begleiter, und ging seinen ehemaligen Gefährten mit schnellen Schritten entgegen.
Er war auf drei Schritte herangekommen, als Halarîn den Kopf hob. Auf ihrem Gesicht malte sich Überraschung, als sie seinen Namen sagte: "Oronêl?" Auch Mathan blickte  auf, und fragte verwundert: "Was tust du hier?" Er sprang auf die Füße, und packte den Unterarm, den Oronêl grüßend ausgestreckt hatte.
"Ich war auf der Suche nach euch", erwiderte Oronêl, und musste trotz seiner schmerzenden Rippen lächeln. Das Wissen, dass Faronwes und Cúruons Opfer nicht völlig umsonst gewesen waren erleichterte sein Herz, und machte ihren Tod leichter zu ertragen. Nicht nur war Fornost für den Moment gerettet, seine Gemeinschaft hatte nun auch ihren ursprünglichen Zweck erfüllt. Er ließ Mathans Arm los, und erwiderte dafür die kurze Umarmung, in die Halarîn ihn zog.
"Weshalb auch immer du hier bist, wir sind froh dich zu sehen", sagte sie mit ihrem merkwürdigen Akzent, während Mathan Oronêl aufmerksam beobachtete. Beide wirkten etwas mitgenommen von der Schlacht, aber weitaus weniger erschöpft und erschüttert als der junge Mann der zwischen ihnen saß.
"Geht es um Eregion?", fragte Mathan geradeheraus, und Oronêl nickte. "Ja." Er zog die Karte, die Mathan ihm in Dunland überlassen hatte, hervor, und gab sie dem Schmied zurück. "Ich habe meine Aufgabe noch nicht erfüllt, denn ich konnte die Karte nicht lesen und es war keine Zeit. Ich brauche deine Hilfe."
Mathan betrachtete die Karte für einen Augenblick nachdenklich, bevor er antwortete: "Ich habe dir meine Hilfe versprochen, und du wirst sie bekommen. Aber jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt, um über eine solche Unternehmung zu sprechen." Er ließ einen vielsagenden Blick über den Torplatz schweifen, auf dem sich viele der Verteidiger drängten und Verwundete und Leichen in die Stadt trugen.
"Du hast recht", stimmte Oronêl zu, und musste an Mírwen, Cúruon und Faronwe denken. "Und auch wenn die Aufgabe wichtig ist, wird sie doch bis morgen warten können."
Mathan nickte stumm und blickte kurz zu Halarîn. "Als wir uns trennten, hatten wir schon irgendwie das Gefühl, dass wir uns wiedersehen werden. Nicht nur wegen der Karte", der Elb schaffte ein schiefes Lächeln und nahm die Karte entgegen und zögerte, "sie ist von meinem Vater, sie bedeutet mir sehr viel.", sagte er nach einer kurzen Pause ernst.
Der menschliche Krieger stöhnte leise und öffnete die Augen, sogleich bedrängte der das Paar gemeinsam nach seiner Schwester zu sehen.





Nach dem Wiedersehen mit Mathan und Halarîn hatte Oronêl sich gemeinsam mit Gelmir und Finelleth an die unangenehme Aufgabe gemacht, Faronwes und Cúruons Leichen auf dem Schlachtfeld zu suchen und in die Stadt zu bringen. Faronwe lag noch an der gleichen Stelle an der er gefallen war, und wirkte beinahe friedlich schlafend. Anscheinend war der Rest der Schlacht an ihm vorbeigezogen, und so war sein Körper nicht verstümmelt worden. Bei Cúruon hatten sie weniger Glück, denn der Wächter von Imladris war mitten im Heer der Orks gefallen. Sie fanden zwar die Leichen der beiden Trolle, die er getötet hatte, doch von Cúruon selbst war nur sein Großschwert, dass noch immer im Hals des einen Trolls steckte, geblieben.
Gelmir war in der Stadt neben der Leiche seines Gefährten sitzen geblieben, hatte Faronwes Hand in seine genommen und bewegte stumm die Lippen. Oronêl und Finelleth zogen sich taktvoll zurück, und als sie etwas abseits des Torplatzes außer Hörweite waren, fragte Oronêl: "Komm, hier ist es zu voll zum Reden - und ich brauche für den Moment einen Ort ohne Verwundete und Tote."
"Worüber willst du reden?", fragte Finelleth, doch bevor er antworten konnte, schien sie  begriffen zu haben. "Oh. Oh nein, ich will jetzt nicht über meinen Vater sprechen."
"Und ich werde dich nicht dazu zwingen", beschwichtigte Oronêl. Inzwischen stand die Sonne tief im Westen, und färbte den Himmel rot. "Aber ich brauche nach dieser Schlacht wirklich einen ruhigen Ort, an dem ich nachdenken kann. Und vielleicht möchtest du dann selbst über ihn reden."


Oronêl und Finelleth zum Versteck des Sternenbundes...
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Curanthor

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Nachwirkungen
« Antwort #32 am: 18. Nov 2016, 05:28 »
Mathan blickte kurz zu Acharnor und dann zu Oronêl, Halarîn half dem jungen Krieger in der Zeit bereits auf. "Ich denke wir können später darüber sprechen, wir werden jetzt woanders gebraucht und du glaube ich auch. Außerdem könnten wir etwas Ruhe vom Tod und Sterben gebrauchen", sagte er und nickte ihm zu.
Sie verabschiedeten freundlich und verharrten kurz an dem Platz, der immer voller wurde. Dann nahm jeweils einer der Elben einen Arm von Acharnor über die Schulter und machten sich sehr langsam auf den Weg in die Stadt.

Halarîns Gesicht erhellte sich, als sie Kerry kurz sah, die bald darauf auch wieder verschwand. Acharnor lief gestützt zwischen ihnen, er wirkte abwesend, warf aber noch einen letzten Blick auf seinen Vater, ehe sie um eine Ecke bogen.
"Tye ve her."(Du magst sie.), stellte Mathan überraschend auf Quenya fest.
"Man?" (Wen?), antwortete sie sofort und blickte ihren Mann überrascht an. Er sprach nie Quenya und merkwürdigerweise hatte er eine sehr klare und ordentliche Sprechweise.
"Kerry.", sagte er und schmunzelte, "Se na- an verime verya selde. Mal se na- verime... (Sie ist ein sehr tapferes Mädchen. Aber sie ist sehr...)"
"Caurëa? Costaë? Fëalassë? (furchtsam, Zänkerin/zänkisch, freudvolle Seele)", ergänzte Halarîn lachend und nickte dann, "Ja, ich mag sie wirklich sehr. Du aber auch."
Mathan blickte ertappt zur Seite und brummte etwas unverständliches, das Halarîn nur mehr grinsen lies. Acharnor dagegen machte ein verwirrtes Gesicht und hielt den Mund, bat aber dann nach einer Weile um eine Pause. Sie waren nur ein paar Schritte in die Straße gekommen. Er setzte sich und die beiden Elben gingen etwas zur Seite, sodass er sie nicht hörte: "Kerry braucht jemanden.", sagte Halarîn geradeheraus und Mathan blickte sie unverständlich an, "Ich meine nicht einfach jemanden zum reden, ich habe bei ihr so ein Gefühl... sie wird uns auf unserem Pfad weiterhelfen. Vielleicht sogar auch auf deinem. Ich weiß nicht wie ich das erklären soll. Vielleicht ist das wie bei Adrienne das-"
"Adrienne wird uns begleiten, aber mein Gefühl bei Kerry... ich bin mir nicht sicher, aber sie scheint nicht zu wissen was genau sie sucht.", unterbrach Mathan sie und er hob entschuldigend die Hand. "Solange sie sich selbst belügt, das tut sie nämlich, dass sieht jeder aufmerksame Beobachter in ihren Augen, solange kann ihr nicht klar werden was sie genau erreichen will. Fornost ist nur ein gigantisches Spinnennetz, indem unzählige Schicksalsfäden zusammenlaufen. Wie diese sich kreuzen ist sehr wichtig."
Mathan rief sich die vielen Gesichter in das Gedächtniss, denen er in den letzten Tagen begegnet war, darunter waren viele, von denen her so eine leise Ahnung hatte, dass sie später wohl noch eine Bedeutung haben werden.
"Dann werden wir ihr helfen das zu finden. Vielleicht auch zu sich selbst zu finden. Sie hat niemanden und ich bin mir sicher, dass Adrienne sich über jemanden freuen wird, mit dem sie über all die unwichtigen Dinge sprechen kann, wie eine Freundin.", wandte Halarîn ein und strich sich die Haare hinter die Ohren, den Helm hatte sie schon lange abgelegt.
Er wusste, dass sie eigentlich recht hatte, aber dadurch würden sie noch mehr Personen in der Gruppe sein und drei Menschen dabei zu haben wäre deutlich schwerer zu schaffen. Zusätzlich können sie nicht jeden Waisen oder allein gelassene Jugendlichen auflesen, zu denen sie Kontakt haben. Trotzdem sträubte sich sein Herz einfach logisch alles abzulehnen. Zumal er selbst bei Kerry ein etwas anderes Gefühl hatte als bei Adrienne. Letztere bedarf Schutz und eine gute Ausbildung, Kerry hingegen eine warme, leitende Hand, die sie durch die Schatten führt. Vielleicht könnte sie später selbst anderen Menschen dann helfen, wie eine Fackel, die man weitergibt und weitere entfacht. Zusätzlich schien Gandalf die junge Dame auch im Auge zu haben, was deutlich für sie sprach.
"Wir können später mir ihr gerne ausführlich sprechen, zuerst sollten wir nach Adrienne sehen. Tye maure ana eless- her linta (Du musst sie schnell heilen)." den letzten Satz begleitete ein vielsagender Blick, "Ich denke, dass diese Verletzungen absichtlich so verursacht worden sind."
"Das sind sie auch.", pflichtete Acharnor ihm überraschend bei und humpelte mit schmerzverzerrten Gesicht zu ihnen, "Deswegen sollten wir uns jetzt beeilen."
Die beiden Elben blickten sich kurz an und beschlossen später weiterzusprechen. Gemeinsam machten die Drei sich auf den Weg zur Rüstkammer.


Mathan, Halarîn und Acharnor zum Versteck des Sternenbundes
« Letzte Änderung: 6. Feb 2017, 20:02 von Curanthor »

Eandril

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Re: Fornost: Die Mauern und das umliegende Gebiet
« Antwort #33 am: 21. Nov 2016, 19:13 »
Oronêl aus dem Versteck des Sternenbundes...

Oronêl und Gelmir standen auf der östlichen Mauer Fornosts und beobachteten, wie die Sonne im Osten allmählich den Himmel emporkletterte. Nachdem er einige Stunden die nächtlichen Straßen der Stadt erkundet hatte, hatte Oronêl in einem verlassenen Haus, dem das Dach fehlte, ein wenig Ruhe unter freiem Himmel gefunden, und bei Sonnenaufgang hatte er sich auf die Suche nach seinen Gefährten gemacht. Gelmir war der erste gewesen, den er gefunden hatte. Der Noldo hatte bereits auf der Mauerkrone gestanden, stumm nach Osten geblickt, und zunächst nicht auf Oronêls Anwesenheit reagiert.
"Mögest du wieder die Schreie der Möwen über den Wassern von Belegaer hören, mein Freund...", sagte Gelmir schließlich leise, und wandte sich dann Oronêl zu. "Wusstest du, dass Faronwe verheiratet war?"
Oronêl schüttelte langsam den Kopf, auch wenn ihm sein Unwissen unangenehm war. Er hätte es seinem Gefährten geschuldet, ihn besser zu kennen. "Nein, das wusste ich nicht."
Gelmir seufzte, und stützte sich auf den rauen Stein einer verwitterten Zinne. "Cueneth heißt sie. Sie wird es vermissen, mit Faronwe am Hafen von Mithlond zu sitzen, und den Schreien der Möwen zu lauschen."
Oronêl schwieg. Er dachte daran, wie er und Calenwen am Ufer des Celebrant gesessen hatten, als sie jung gewesen waren. Schließlich sagte er: "Es tut mir Leid. Ich hätte euch nicht in diese Schlacht führen dürfen."
Gelmir wandte ihm erneut den Kopf zu, und blickte Oronêl fest aus grauen Augen an. "Wir sind freiwillig mit dir gegangen, und wir wussten, was passieren könnte", sagte er. "Ich trauere um Faronwe wie um einen Bruder, doch sein Tod war nicht deine Schuld, denn dieser Krieg war nicht deine Schuld. Faronwe und ich haben gemeinsam in vielen Schlachten gekämpft, und kein Krieger entgeht dem Tod ewig solange er weiterkämpft."
Er ergriff Oronêls Hand, und legte einen kühlen, metallenen Gegenstand hinein. Oronêl erkannte einen der Ringe, die Arwen den Mitgliedern ihrer Gemeinschaft als Erkennungszeichen gegeben hatte.

"Faronwes Ring?", fragte Oronêl langsam, und Gelmir nickte. "Er braucht ihn nicht mehr, und wir werden uns auch so an ihn erinnern", meinte er. "Aber es gibt ein Mitglied unserer Gemeinschaft, das keinen Ring bekommen hat. Ich denke, es würde Faronwe freuen wenn Irwyne seinen Ring trägt und an ihn denkt."
Oronêl schloss die Hand um den Ring, öffnete sie wieder und erwiderte: "Bist du dir sicher?"
Zum ersten Mal seit der Schlacht zeigte Gelmir den Anflug eines Lächelns als er sagte: "Ich bin mir sicher. Dieses Menschenmädchen... hat die Gabe, Herzen zu berühren. Wir alle sehen doch, was sie für dich ist, und ich bin mir wirklich sicher, dass sie dieses Zeichen verdient hat." Oronêl schloss die Hand wieder, und musste selbst lächeln. "Cúruon hat mir vor seinem letzten Kampf ebenfalls seinen Ring gegeben - und ebenfalls für Irwyne."
"Dann finde jemand anderes", erwiderte Gelmir. "Es wird immer jemanden geben, der diesen Ring tragen kann, denn Freunde findet man an den seltsamsten Orten." Oronêl ließ den Ring in seine Tasche gleiten, und fragte: "Wirst du nach Lindon zurückkehren?"
"Für den Moment ja", antwortete Gelmir. "Ich muss Faronwe nach Hause bringen. Und danach? Ich weiß es noch nicht. Aber vielleicht führt dich dein Weg eines Tages ebenfalls nach Lindon, und du kannst es mir verraten."
"Vielleicht", meinte Oronêl. "Ich würde mich freuen, dich dort zu sehen."

Oronêl ins Versteck des Sternenbundes...
« Letzte Änderung: 12. Jan 2017, 12:14 von Fine »

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Re: Fornost: Die Mauern und das umliegende Gebiet
« Antwort #34 am: 12. Jan 2017, 23:39 »
Fís aus dem Versteck des Sternenbundes

Fis blickte nachdenklich in die Ferne, er stand auf der obersten Plattform des Gerüstes welches sie um den zerstörten Turm aufgebaut hatten. Erstaunt und verwirrt hatte er die Versammlung verlassen und war lange durch die Straßen der Stadt gelaufen ohne seine Umgebung wirklich wahrzunehmen, die Geschehnisse während der Verhandlung waren ihm einfach nicht aus dem Kopf gegangen. Von einem Zauberer besessen? War sowas möglich? Fis hatte seine Zweifel gehabt, doch nach dem was er in der Halle erlebt hatte gab es keine Zweifel mehr. Trotz allem tat er sich schwer Ardoneth ohne Vorbehalt zu vertrauen.
Wieder suchte sein Blick die Berge, die in weiter Ferne zum Himmel ragten, immer wieder schweiften seine Gedanken ab.
In seinen Erinnerungen stand er wieder vor dem alten Stollen in den Nebelbergen und blickte in den nachtschwarzen Tunnel.

Er hatte sie im Stich gelassen... Sie waren so kurz davor gewesen und er hatte sie einfach im Stich gelassen. Immer und immer wieder hallten ihm ihre letzten Worte durch den Kopf:
"Du hast keine Schuld! Lauf! LAUF!"
Und er war gelaufen, gelaufen bis er die Schreie nicht mehr hören konnte, die ihn durch den Tunnel verfolgt hatten. Ihre Schmerzensschreie hatten von den Wänden widergehallt und er hatte sich im Laufen die Ohren zugehalten um sie nicht mit anhören zu müssen. Irgendwann hatte er seine Orientierung und das Zeitgefühl verloren und war einfach dem Gang gefolgt in dem er sich befand. Irgendwann erreichte er einen alten Stollen, der in einer leichten Kurve bergauf führte und Fis folgte ihm bis der Tunnel langsam heller wurde. Kurz darauf sah er das Ende des Tunnels hinter der Kurve aufleuchten. Das letzte winzige Fünkchen Hoffnung flammte wieder auf und er lief, immer schneller werdend, auf das Ende des Tunnels zu.


"Fis?"
Erschrocken fuhr er aus seinen Gedanken, blickte sich um und griff nach seinem Schwert.
"Tom? Es tut mir leid, ich war... in Gedanken."
Der Junge Hobbit war erschrocken einen Schritt zurückgewichen, doch jetzt trat er näher und reichte ihm einen kleinen Beutel.
"Wir haben uns sorgen gemacht als du nicht mehr aufgetaucht bist, also bin ich dich suchen gegangen.", erzählte er und setzte sich an den Rand der Plattform und blickte in Richtung der alten Palastanlage. Fis folgte seinem Blick, in dem alten Gemäuer herrschte reges Treiben und alles war hell erleuchtet.
"Was meinst du, was sie feiern?", fragte Tom nachdenklich.
"Ich glaube es geht um Kerry, ich habe einige Wortfetzen aufgeschnappt, allerdings war das meiste auf Sindarin, von dem ich nur sehr wenig verstehe.", antwortete Fis und betrachtete die vielen Lampen, welche die Palastanlage in warmes Licht tauchten.
"Wärst du gerne dort?", fragte Fis an Tom gewandt der sehnsüchtig zu den Feiernden blickte.
"Ich weiß es nicht. Die letzten Tage waren für mich und Rick sehr anstrengend, wir haben Dinge gesehen, die wir nie sehen wollten, aber wir haben auch dich getroffen und die vielen anderen die uns herzlich aufgenommen haben. Ich glaube ich brauche etwas Ruhe und Zeit zum nachdenken." Eine lange Pause entstand in der Fis Tom musterte, er wirkte älter, erwachsener aber auch erschöpfter, die letzten Tage hatten ihm übel mitgespielt.

Noch lange saßen Fis und Tom schweigend auf der Plattform und betrachteten die Sterne, die langsam einer nach dem anderen aufleuchteten.
Fis griff unter sein Wams und umschloss die Kette, die er darunter trug, fest mit seiner Hand:
"Laurea, wenn du lebst werde ich dich finden!", schwor sich Fis leise, ohne dass Tom es hörte.


« Letzte Änderung: 13. Jan 2017, 17:19 von Fine »
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RPG Charakter: Fis, in Fornost