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Autor Thema: Minûlîths Anwesen  (Gelesen 1575 mal)

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Minûlîths Anwesen
« am: 16. Okt 2016, 22:30 »
Valion, Valirë und Minûlîth von den Straßen Umbars


Die Zwillinge staunten nicht schlecht als sie Minûlîth durch das weitläufige Anwesen folgten. Überall sahen sie Diener, die hin und her eilten und denen ihre Herrin nebenbei Befehle zurief. Obwohl es draußen inzwischen dunkel geworden war war das Innere des Anwesens von den unterschiedlichsten Lampen erhellt und war äußerst prunkvoll eingerichtet. Es war offensichtlich, dass Minûlîth eine Dame von hohem Ansehen und Wohlstand war. Selbst der große Fürstenpalast von Dol Amroth konnte nach Valions Meinung nur gerade eben so mit dem Anwesen von Haus Minluzîr mithalten. Die Herrin des Hauses führte sie in einen der kleineren Speisesäle und befahl den Dienern, das Abendessen vorzubereiten.
"Gewiss habt ihr Hunger," sagte sie geradezu fröhlich. "Stärkt euch und lasst es euch schmecken. Wir unterhalten uns hinterher."
Das ließen sich Valion und Valirë, die noch keine einzige richtige Mahlzeit seit ihrer Ankunft in Umbar gehabt hatten nicht zweimal sagen. Es wurde reichlich aufgetragen und es gab alles, was das Herz begehrte: Braten, Fisch, Früchte, helles Brot und edlen Wein, und viel mehr, zu viel um es alles aufzuzählen. Beinahe eine ganze Stunde lang aßen sie, während Minûlîth nur wenige Bissen zu sich nahm. Offenbar aß sie nur aus Höflichkeit und hatte ihr richtiges Abendessen bereits gehabt.

"Also," ergriff die Hausherrin das Wort nachdem die Diener den Tisch abgedeckt hatten und ihm nahen Kamin ein wärmendes Feuer entfacht worden war. "Sicherlich fragt ihr beiden euch, wo ihr hier nur hineingeraten seid. Ich will es euch gerne erklären. Werft am besten zunächst einen Blick auf die Abbildung hinter mir." Sie deutete auf einen großen Wandteppich, der hinter ihr hing und auf dem ein hochgewachsener Mann zu sehen war, der am Steuer eines großen Schiffes mit schwarzen Segeln stand.
"Dies ist mein Vorfahr, Minluzîr der Entdecker, der ein großer Seefahrer war. Er entstammte einen alten númenorischen Haus, dem Haus Balákar, doch sein älterer Bruder Belzagar erbte Titel und Wohnsitz seiner Vorfahren. Minluzîr machte sich daher einen Namen als Kapitän der Aglarbalak und als einer der größten Entdecker und Seefahrer des Dritten Zeitalters. Als seine Verwandten nach Aglarêth zogen blieb Minluzîr in Umbar und gründete sein eigenes Haus. Auf seinen Reisen fand er unzählige Schätze und begründete den Reichtum, in dem ich heute das Privileg habe, zu leben. Doch meine Schwester und ich sind die letzten unserer Linie, denn mein Vater starb ohne männlichen Erben, weshalb das Anwesen nun mir gehört."
Valirë hatte ihre Beine auf den Tisch hochgelegt. "Praktisch, so viel Geld zu haben," meinte sie breit lächelnd und erntete einen missbilligenden Blick von Minûlîth.
"Meine Familie gehörte schon vor der Ankunft der Korsaren zum Hochadel Umbars und hat nie großen Hass für Gondor empfunden," fuhr Minûlîth fort. "Wir haben daher auch immer die eher gemäßigte Politik von Haus Erundur unterstützt, der nach dem Ende der Linie Castamírs den Fürstenstuhl bestieg und an seine Nachkommen vererbte. Doch als Fürst Nostoher vor sieben Jahren ohne Sohn verstarb riss sein Schwiegersohn, Hasael, den Titel an sich, und er ließ sofort alle Zeichen auf Krieg mit Gondor setzen. In meinen Augen ist er kein wahrer Fürst Umbars sondern unrechtmäßig an diese Macht gekommen. Arannis, Nostohers Tochter und sein einziges Kind, ist eine gute Freundin von mir, und wurde gegen ihren Willen mit Hasael verheiratet. Nach allem, was man hört, behandelt er sie nicht gut - sie darf nicht einmal den Palast verlassen..."

"Das ist ja alles sehr interessant," warf Valirë ein.
"Doch was hat das mit uns zu tun?" ergänzte Valion, der genau wusste was seine Schwester sagen wollte, es jedoch ein bisschen höflicher formulierte.
"Ihr plant offensichtlich Hasaels Sturz, gemeinsam mit Edrahil von Belfalas," sagte Minûlîth ohne eine Miene zu verziehen. Als sie sah, wie den Zwillingen die Gesichtszüge entglitten, schlich sich ein kleines Lächeln in ihre Mundwinkel. "Oh, bitte, nun tut nicht so überrascht. Dachtet ihr, euer kleiner Raubzug in der Taverne am Palast wäre unbemerkt geblieben? Einer meiner Diener hat euch gesehen, wie ihr den Rauschmeißer außer Gefecht gesetzt habt und ist euch nach drinnen gefolgt. Habt ihr den Schlüssel zur Bibliothek noch?"
Völlig überrumpelt zog Valion den Schlüssel hervor und zeigte ihn Minûlîth, die zufrieden nickte. "Behalte ihn. Gewiss habt ihr ihn im Auftrag Edrahils beschaffen sollen? Ah, er ist ein gerissener Mann, dieser Edrahil, doch selbst er kann sich nicht immer allen Augen entziehen. Als er vor einiger Zeit im Kerker Hasaels saß gelang es mir, einige wichtige Dinge über ihn herauszufinden."
"Was wisst Ihr?" stieß Valirë aufgeregt hervor.
"Oh, genug um zu wissen, dass ich ihn gewähren lassen sollte," sagte Minûlîth. "Wie ich bereits sagte liegt Hasaels Sturz sehr in meinem Interesse. Wenn Edrahil dafür sorgen kann, werde ich dem nicht im Weg stehen."

Die Hausherrin machte eine kurze Pause, dann fuhr sie fort: "Nun sagt, wie lange steht ihr schon in seinen Diensten? Weshalb kamt ihr nach Umbar?"
Valion überlegte einen Augenblick. Vielleicht wusste diese Frau etwas über Lothíriel und würde ihnen bei der Befreiung der Prinzessin behilfich sein, wenn er ihr Vertrauen gewinnen könnte? Also sagte er die Wahrheit. "Wir kamen heute frühmorgens auf dem Seeweg nach Umbar, im Auftrag Prinz Imrahils von Dol Amroth. Seine Tochter Lothíriel wurde vor zwei Wochen hierher entführt. Habt Ihr vielleicht etwas darüber gehört?"
Doch Minûlîth schüttelte betroffen den Kopf. "Nein, so gerne ich euch helfen würde, doch leider ist mir darüber noch nichts zu Ohren gekommen. Doch würde es mich freuen, wenn ihr mir von eurer Seefahrt erzählen könntet, die euch von Dol Amroth so weit nach Süden getragen hat. Ich selbst bin oft zu Schiff unterwegs gewesen und kenne die Gewässer nahe Umbars gut, denn das Schiff meines Vorfahren, die Aglarbalak, ist noch immer erhalten und befindet sich in meinem Besitz. Im Moment jedoch habe ich sie an... einen guten Freund verliehen."

Und so erzählte Valion von ihrem Aufbruch aus Dol Amroth und der Durchquerung der Flaute in der Bucht von Belfalas. Als er davon sprach, wie sie die Insel Tol Thelyn gesichtet hatten, schien es ihm als würde Minûlîths Interesse um ein Vielfaches zunehmen.
"Wir sahen uns auf der Insel um, doch wir fanden nur Zerstörung vor. Gerade als wir umkehren wollten trafen wir jedoch einen Mann namens Thorongil vom Turm, der - "
"Thorongil! Ihr seid ihm begegnet?" rief Minûlîth überrascht aus.
"Ja - kennt Ihr ihn?" fragte Valirë neugierig.
Minûlîth blieb für einen Augenblick still und man sah ihr an, dass ihre Gedanken rasten. "Er ist also nach all den Jahren auf die Insel zurückgekehrt. Dafür also wollte er die Aglarbalak so dringend ausleihen! Aber weshalb hat er mir das nicht erzählt?" sagte sie mehr zu sich selbst als in den Raum hinein. Als sie kurz darauf die verwunderten Blicke der Zwillinge bemerkte, räusperte sie sich und auf ihren Wangen zeigte sich eine untypische Röte.
"Ich kenne Thorongil, das ist wahr," sagte sie. "Wie ihr wisst ist er der Erbe Hadors vom Turm, doch nach einem Streit verließ er Tol Thelyn für immer. Er legte die Namen Thorongil und Beorn ab und nannte sich Tayyad, und als Tayyad stellte er sich mir bei unserem ersten Treffen vor. Doch je mehr wir uns kennen - und lieben - lernten, desto mehr offenbarte er mir seine wahre Identität. Und aus Liebe unterstützte ich seine Wanderungen und Fahrten mit dem Wohlstand meiner Familie, sodass er nicht auf die Spione und Unterstützung seines Vaters angewiesen war, mit dem er nichts mehr zu tun haben wollte. Doch im Frühling diesen Jahres hörten wir ein Gerücht, dass Suladan die Insel angegriffen haben soll. Und nun ist Thorongil also wirklich dorthin zurückgekehrt..."
"Er sagte, er will von seinem Volk retten, was noch davon übrig ist," sagte Valion.
"Jetzt da sein Vater tot ist ist er der rechtmäßige Turmherr," murmelte Minûlîth. "Er übernimmt also nun diese Verantwortung. Würde ich mir nicht so große Sorgen um ihn machen, wäre ich gerade sehr stolz auf ihn."
"Es ging ihm gut als wir die Insel verließen," warf Valirë ein. "Und er machte auf mich den Eindruck als wäre er jemand, der auf sich aufpassen kann."
Minûlîth nickte, scheinbar für den Augenblick beschwichtigt. "Danke, dass ihr diese wichtigen Informationen mit mir geteilt habt. Ich hätte euch dank unseres gemeinsamen Interesses am Sturz Hasaels sowieso geholfen, doch nun bin ich um so mehr davon überzeugt, dass ihr beiden das Herz am rechten Fleck tragt. Also werde ich euch auch dabei helfen, aus dem Gedächtnis der Stadtwache zu verschwinden. Ihr werdet für zwei Tage untertauchen und in dieser Zeit werde ich meine Diener zum Kommandanten der Stadtwache entsenden und ihn davon überzeugen, euch freie Hand in Umbar zu lassen. Edrahil wird sich sicherlich Sorgen um euch machen - oder auch nicht, wer weiß - doch ich denke, er wird es überstehen wenn er zwei Tage nichts von euch hört."
"Aber - " setzte Valion an.
"Keine Widerrede!" schnitt ihm Minûlîth das Wort ab. "Ihr werdet mir vertrauen müssen, wenn ihr jemals wieder auf die Straßen Umbars treten wollt ohne euch alle fünf Schritte nach Verfolgern umsehen zu müssen."
"Also gut, wir bleiben hier," sagte Valirë und nahm die Füße vom Tisch.
"Und als Erstes werdet ihr euch den Schmutz der Straße abwaschen gehen," befahl die Hausherrin in strengem Ton. "Waschzuber mit heißen Wasser stehen nebenan schon bereit und ich werde euch frische Kleidung bringen lassen."
Sie stand auf und klatschte zweimal. Eine Dienerin eilte herein und löschte das Feuer im Kamin. Dann verließ Minûlîth den Raum und ließ die Zwillinge stehen.

Zwei weitere Bedienstete griffen Valion und Valirë an den Armen und bugsierten sie in separate Badezimmer. Valion konnte durch die dünne Wand den Protest seiner Schwester hören, doch er selbst genoss das heiße Bad. Eine Stunde verbrachte er in dem wohltuenden Becken bis er schließlich die für ihn bereitgelegte Kleidung - eine Hose und ein einfacher Wappenrock in Silber und Rot - anzog und in den Raum zurückkehrte, in dem sie zuvor gegessen hatten. Dort fand er Valirë vor, die ihm einen leidenden Blick zuwarf. Er musste lachen, denn seine Schwester sah sogar noch mehr herausgeputzt als bei ihrer eigenen Verlobung aus: Die Haare waren zu einer komplizierten Hochsteckfrisur aufgetürmt und das rote Kleid das sie trug war geradezu einer Königin würdig. Valirës Augen verengten sich zu Schlitzen als sie das Grinsen im Gesicht ihres Bruders sah, doch sie sagte nichts. Erst jetzt bemerkte er die zweite Frau, die auf einem großen Sessel in der Nähe des nun wieder brennenden Kaminfeuers saß. Erst dachte er, es wäre Minûlîth, doch dann fiel ihm auf, dass sie einige Jahre jünger war, ungefähr in seinem eigenen Alter.
"Dies also sind die Zwillinge vom Ethir", grüßte sie lächelnd. "Ich bin Minûlîths Schwester, Lóminîth. Schön, euch kennenzulernen!"
Valion fühlte sich seltsam. Er hatte schon viele Frauen geliebt oder geglaubt sie zu lieben, doch diesmal fühlte es sich anders an. Er bemerkte mit einem Mal, dass er Lóminîth offen anstarrte. Valirë gab ihm einen heftigen Schubs und er blickte entschuldigend zu Boden. Doch bevor jemand etwas sagen konnte ging die Tür auf und ein Junge von ungefähr acht Jahren kam hereingerannt. Er baute sich vor Lóminîth auf und blickte sie kritisch an.
"Du bist zu spät, Tante!" sagte der Junge.
"Túor, es sind Gäste hier," erwiderte Lóminîth.
"Die, die meinen Vater getroffen haben?" strahlte Túor. "Was hat er gemacht? Ist er wirklich auf die Insel seiner Vorfahren zurückgekehrt? Sah er mutig aus? Bestimmt!"
Valion blinzelte. "Moment mal - du bist doch nicht etwa der Sohn von Tho -"
Lóminîth unterbrach ihn als sie Túor streng anblickte und sagte: "Hast du etwa wieder gelauscht, Tuór? Wir hatten doch darüber geredet. Deine Mutter hat viele Geheimnisse, und sie teilt sie erst mit dir, wenn du bereit bist!"
Túro grinste und war offenbar äußerst zufrieden mit sich selbst. "Wenn du mich bestrafen willst, wirst du mich erstmal erwischen müssen!" Damit rannte er davon. Lóminîth winkte einem Diener zu, der sogleich die Verfolgung aufnahm. Dann wandte sie sich wieder an die Zwillinge.
"Er hätte nicht lauschen dürfen. Thorongil weiß nichts von seinem Sohn. Warum sie ihm nicht davon erzählt hat weiß ich nicht - in die Angelegenheiten meiner Schwester mische ich mich nicht gerne ein."

"Also, das war interessant," sagte Valirë. Sie machte einen Schritt vorwärts und stolperte über den Saum ihres Kleides. Als Valion Lóminîths helles Lachen hörte war es ihm als hörte er die silbernen Glocken von Dol Amroth schlagen, ein Klang, der ihn in Erstaunen versetzte. Das ist... neu, dachte er. Darüber muss ich nachdenken. Er fürchtete, dass er und seine Schwester in eine kompliziertere Situation geraten waren als sie ahnten...
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Zwei Boten
« Antwort #1 am: 17. Okt 2016, 12:17 »
Minûlîth stellte den Zwillingen jeweils ein weitläufiges Gästezimmer zur Verfügung. Zwar war Valion daran gewöhnt, an allerlei unbequemen Orten zu schlafen, dennoch freute er sich über den Komfort eines richtigen Bettes. Er zog die Stiefel aus und legte sich auf den Rücken, die Hände unter dem Kopf verschränkt. Nachdenklich starrte er an die hohe Zimmerdecke und ließ den Tag vor seinem inneren Auge noch einmal vorbeiziehen. So viel war geschehen: Am frühen Morgen waren sie mit Feuer und Aufruhr in Umbar eingetroffen, hatten den Vormittag in der kleinen Taverne verbracht und Mittag, Nachmittag und Abend bereits in Edrahils Diensten gestanden. Valion fühlte sich, als wäre er bereits mehrere Wochen in der Korsarenstadt und nicht erst einen Tag.

Innerlich spürte er, dass er all dem Luxus und den freundlichen Gesichtern Minûlîths und ihrer Schwester nicht sorgenfrei trauen sollte, doch er war müde. Er stand noch einmal auf und überprüfte, ob Fenster und Türen des Raumes von innen verschlossen waren. Dann beschloss er, es drauf ankommen zu lassen und legte sich erneut in das weiche Bett. Kaum hatte er die Augen geschlossen war er auch schon in einen tiefen Schlaf gefallen.

Es war der kleine Túor, der ihn weckte. Der Junge stand neben dem Bett und hatte das kürzere von Valions Schwertern in der Hand. Als er damit gegen eine Vase stieß und diese mit lautem Getöse zu Boden fiel schreckte Valion auf.
"Zeigst du mir, wie man damit umgeht?" fragte Túor hoffnungsvoll.
"Gib das her, bevor du dir weh tust," rief Valion und nahm dem Jungen die Klinge aus der Hand.
"Bitte, bitte!" bettelte Túor.
"Das kann ich nicht tun ohne die Erlaubnis deiner Mutter," entgegnete Valion.
"Nein, sprich nicht mit meiner Mutter darüber! Sie würde es verbieten." rief Túor aufgeregt.
"Also... ich fürchte, dann kann ich dir den Wunsch leider nicht erfüllen, Túor," sagte Valion entschuldigend. "Ich möchte mir keinen Ärger mit deiner Mutter einhandeln."
"Spielverderber," meinte Tuór und machte ein beleidigtes Gesicht. "Deine Schwester ist viel netter als du!"
"Was?" rief Valion alarmiert. "Was hat sie getan?" Doch Túor war bereits aus dem Zimmer gestürmt, wahrscheinlich auf der Suche nach einem neuen Abenteuer.

Er legte seinen Waffengürtel um und machte sich auf die Suche nach Valirë, die er schließlich mithilfe der Bediensteten in einem kleinen Garten fand. Der Garten lag zwischen den beiden großen Flügeln des Anwesens und wirkte wohlgepflegt, wie der Rest des Hauses. Valirë trug nun ein hellgrünes Kleid und saß gemeinsam mit Minûlîth und ihrer Schwester Lóminîth an einem Tisch, auf dem ein reichhaltiges Frühstück aufgetischt war. Für Valion wurde auf einen Wink der Hausherrin ein weiterer Stuhl an den Tisch gestellt und er setzte sich zu den Frauen und begann zu essen.
"Was hast du mit dem kleinen Túor angestellt?" fragte er in Richtung Valirës zwischen zwei Bissen.
Valirë lächelte und in ihren Augen blitze die Spitzbübigkeit auf, die so typisch für sie war. "Ich habe ihn mit Gilrist spielen lassen, schließlich wird er bestimmt eines Tages ein großer Krieger werden."
Erneut brachte ihr das einen missbilligenden Blick von Minûlîth ein. "Mein Sohn wird früh genug die Schrecken des Krieges kennenlernen," sagte sie. "Solange ich ihn davon fernhalten kann werde ich das auch tun."
"Er ist aber nicht nur dein Sohn, sondern auch der Sohn seines Vaters," warf Lóminîth ein. "Du weißt, dass in seinen Adern das Blut von Kriegern und Attentätern fließt."

"Weshalb habt Ihr Túor vor Thorongil geheim gehalten?" fragte Valion nach einem Moment der Stille.
"Wir haben niemals geheiratet," beantwortete Minûlîth die Frage mit etwas leiserer Stimme als gewöhnlich. "Thorongil hat mich nie danach gefragt, und als ich zu viele Jahre mit Warten verbracht hatte erkannte ich, dass er auch mir gegenüber seine Unabhängigkeit wahren wollte. Er hat in seinem Leben zu früh zu viel Verantwortung übertragen bekommen und immer das Gefühl gehabt, die hohen Erwartungen, die sein Vater an ihn hatte, nicht erfüllen zu können. Als Túor geboren wurde wollte ich ihm nicht auch noch die Verantwortung übertragen, ein Vater zu sein. Er nimmt an, dass Túor der Sohn meiner Schwester ist."
"Was werdet Ihr tun, wenn Thorongil die Wahrheit erfährt?" warf Valirë ein. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass früher oder später alles ans Licht kommt."
"Ich hoffte, es ihm bei seinem letzten Besuch zu sagen," antwortete Minûlîth. "Doch er war in Eile und sehr besorgt aufgrund der Nachrichten von der Insel. Vielleicht... vielleicht wird sich eine gute Gelegenheit ergeben, wenn er mit meinem Schiff zurückkehrt."

Das Gespräch wurde unterbrochen als ein Diener an den Tisch trat.
"Was gibt es?" fragte Minûlîth, nun wieder im normalen Tonfall.
"Ein Bote ist eingetroffen. Er behauptet, Nachricht von einem gewissen Edrahil zu bringen," sagte der Diener.
Ein Lächeln legte sich auf Minûlîths Gesicht. "Aha. Er ist schneller, als ich angenommen hatte. Also gut, bring' ihn her. Hören wir uns an, was der Meisterspion mir zu sagen hat."
Der Diener verschwand für einige Minuten und kam in Begleitung eines Mannes zurück, der der Hausherrin eine versiegelte Schriftrolle überreichte, eine Verbeugung machte und dann mit dem Diener wieder verschwand.
Minûlîth öffnete die Rolle und überflog den Inhalt, nickte und reichte sie dann an Valion weiter.
"Meine Grüße an Minûlîth von Haus Minluzîr," las leise vor. "Mir ist zu Ohren gekommen, dass Ihr zwei meiner Freunde beherrbergt. Bitte leitet diese Nachricht an die Zwillinge Valion und Valirë vom Ethir weiter. Ich vertraue auf Eure Diskretion. Bayyin."
Darunter war ein Absatz, und ein zweiter Text begann: "Edrahil ist verschwunden und ich befürchte, er ist in Schwierigkeiten geraten. Bitte kommt so bald es euch möglich ist zurück. In Eile, Bayyin."
Valion blickte zu seiner Schwester hinüber. "Sieht aus, als bräuchte Edrahil unsere Hilfe," sagte er und machte Anstalten, aufzustehen.
"Ihr könnt nicht gehen," warf Lóminîth ein. "Ihr werdet noch immer von den Wachen gesucht."
Minulîth nickte. "Mein Bote ist gerade auf dem Weg zum Kommandanten, doch es wird noch mindestens bis heute Abend dauern, bis dessen Befehle zu allen Stadtwächtern durchgedrungen sind. Ich rate euch, noch bis morgen früh zu warten."
Valirë machte eine gleichgültige Geste. "Schätze, Edrahil wird sich aus der Lage in die er sich manövriert hat schon irgendwie wieder herauswinden."
"Das wissen wir nicht sicher," entgegnete Valion. "Was, wenn ihm etwas zustößt? Dann wäre es auch für Bayyin bald nicht mehr sicher."
Seine Schwester blickte nachdenklich zu Boden. "Nehmen wir also das Risiko in Kauf, von den Wachen gesehen zu werden?"
"Ich denke, uns bleibt keine Wahl," sagte Valion und stand auf. Als er sich zum Gehen wandte stieß er beinahe mit dem Diener zusammen, der vor kurzem Bayyins Boten hereingeführt hatte.
"Ein zweiter Bote bittet um Einlass," sagte der Bedienstete.

Kurz darauf führte er den zweiten Boten herein. Dieser hatte keine schriftliche Nachricht, sondern sagte: "Ich richte wie befohlen aus: Edrahil lässt euch beide grüßen, hofft, dass ihr eure Pause genießt und gibt Entwarnung. Es geht ihm gut."
"Wie ich es mir dachte," kommentierte Valirë.
"Sag ihm, wir werden ihn morgen am Vormittag bei seinem Versteck treffen," trug Valion dem Boten auf. "Dann stehen wir rechtzeitig zu seinem kleinen Treffen zu seiner Verfügung."
Der Mann nickte und machte sich auf den Rückweg zu Edrahil.

"Ich schließe daraus, dass ihr beiden nun wie geplant noch eine Nacht hier bleiben werden," stellte Minûlîth fest.
"Wenn wir Eure Gastfreundschaft erneut in Anspruch nehmen dürfen," sagte Valion. "Wir danken Euch für die Hilfe, Herrin Minûlîth."
"Oh, dankt ihr noch nicht, noch wisst ihr nicht, mit welchen Verpflichtungen der Aufenthalt in diesem Haus verbunden ist," warf Lóminîth ein.
"Verpflichtungen?" meinte Valirë. "Was soll das heißen?"
"Ihr werdet es sehen," sagte Lóminîth. "Ihr werdet es sehen..."
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Eine neue Verbündete?
« Antwort #2 am: 17. Okt 2016, 15:11 »
Valion und Valirë tauschten einen unbehaglichen Blick aus. Mit einem Mal kam ihnen die Gastfreundschaft Minûlîths nicht mehr so willkommen vor wie am vorherigen Tag und während des Frühstücks. Doch bevor sie etwas dazu sagen konnten kam ihnen Minûlîth entgegen.
"Meine Schwester drückt sich gerne etwas dramatisch aus," sagte sie und lachte einen kurzen Augenblick auf. "Selbstverständlich ist euer Aufenthalt hier mit keinerlei Verpflichtungen verbunden - abgesehen von gutem Betragen (hierbei warf sie Valirë einen strengen Blick zu). "Es kann jedoch durchaus geschehen, dass ich euch um den einen oder anderen Gefallen bitten werde, nachdem ich euch geholfen habe, der Stadtwache zu entkommen."
"Natürlich," sagte Valion und nickte. "Wir werden nicht vergessen, was Ihr für uns getan habt und es nach unseren Möglichkeiten zu vergelten versuchen."
Minûlîth nickte ebenfalls und eine zufriedene Miene legte sich auf ihr Gesicht. "Ich freue mich, dass ihr dieser Meinung seid."

Lómithîths Gesichtsausdruck hingegen blieb für Valion ein Rätsel. Es kam ihm nicht so vor, als ob ihre Worte nur als Scherz gemeint waren. Er wunderte sich, wie er sich am Tag zuvor so von ihr angezogen gefühlt haben konnte. Die Ausstrahlung, die Lóminîth an Abend gehabt hatte war zumindest für den Augenblick verflogen und etwas Anderem gewichen. Valion wusste nicht, wie er es einordnen sollte, doch er bildete sich ein, eine unterschwellige Drohung von Lóminîth zu vernehmen. Wie unterschiedlich die Warhnehmungen doch sein können, dachte er und nahm sich vor, bei der nächten Gelegenheit mit Valirë darüber zu sprechen sobald sie ungestört wären.

"Woher stammen eure Namen?" fragte Valirë die Schwestern. "Sie klingen nach einem alten Dialekt des Westrons, wie er in einigen Teilen Gondors gesprochen wird."
"Es sind alte númenorische Namen, wie sie die meisten unserer Vorfahren trugen," beantwortete Minûlîth die Frage, offenbar erfreut, das Thema zu wechseln. "Wenn euch Sindarinformen wie bei euren eigenen Namen lieber sind, könnt ihr meine Schwester und mich natürlich auch Melíril und Lómíril nennen. Die Bedeutung bleibt dieselbe."
Valirë nickte. "Ich denke, ich werde bei den númenorischen Namen bleiben. Hat der kleine Túor auch einen anderen Namen?"
"Nein," sagte Minûlîth. "Er erhielt einen Namen aus dem Ersten Zeitalter, wie es in der Familie seines Vaters üblich ist."

Erneut wechselte die Hausherrin das Thema. "Also, ich wüsste gerne, weshalb ihr von Wahab den Schlüssel zur Bibliothek beschafft habt. Gab euch Edrahil diesen Auftrag? Was könnte er dort wollen?"
"Wir wissen es nicht," antwortete Valion. "Es scheint eine Angelegenheit von großer Wichtigkeit zu sein."
"Er traut euch wohl nicht ganz über den Weg, wenn er euch nicht einmal den Grund für einen solchen Auftrag verrät," folgerte Minûlîth.
Valirë winkte ab. "Edrahil war schon immer ein Geheimniskrämer, der stets nur mit so wenig Details wie möglich herausrückt."
"Ich verstehe," murmelte Minûlîth. "Ihr kennt ihn also schon länger?"
Die Zwillinge tauschten erneut einen Blick aus. "Ja," sagte Valion schließlich.
Minûlîth schien zu bemerken dass es den beiden unangenehm war, darüber zu sprechen und blieb einen Augenblick still.

"Hasaels Sturz ist für mich von großer Wichtigkeit," ergriff sie schließlich wieder das Wort. "Seine Herrschaft hat der Stadt in den letzten Jahren sehr geschadet. Es ist so viel Gesindel nach Umbar gekommen und durch den Krieg leidet der Handel, was auch mein Vermögen beeinflusst. Ich konnte nur knapp verhindern, dass die Aglarbalak gegen meinen Willen Teil der Flotte wurde, die zwei Mal Dol Amroth angriff. Mich interessiert es nicht, ob Umbar im Bündnis mit Mordor oder Gondor steht. Dem Haus Erundurs gelang es, die Stadt größtenteils aus diesem Konflikt herauszuhalten, doch Hasael steht offen an Suladans Seite und wird den Krieg, der nun in ganz Harad bevorsteht, auch hierher bringen."
Minûlîth machte eine kurze Pause und sah ihre Schwester einen Moment lang an. Dann fuhr sie fort: "Es geht mir auch um Túors Sicherheit. Sollte es in Umbar zu einer Schlacht kommen fürchte ich um sein Leben."
"Wenn Thorongil auf der Insel eine Zuflucht für sein Volk aufbaut könntet Ihr Euren Sohn vielleicht zu seinem Vater bringen," warf Valirë ein.
Die Hausherrin zog eine Augenbraue hoch. "An diese Möglichkeit habe ich noch gar nicht gedacht," sagte sie. "Das wäre vielleicht eine Lösung... dennoch bleibe ich dabei, dass Hasael gestürzt werden muss. Zu diesem Zweck werde ich Edrahils Pläne nach Kräften unterstützen. Richtet ihm das aus, wenn ihr morgen zu ihm zurückkehrt."

Sie verbrachten den Rest des Tages im Luxus von Minûlîths Anwesend. Valion gewann den Respekt und das Vertrauen Túors zurück indem er ihm alle Fragen über Gondor und Dol Amroth beantwortete. Von den Geschichten über die Helden und großen Krieger der langen Geschichte der Dúnedain konnte der Junge gar nicht genug bekommen. Als es dämmerte wurde er jedoch müde und schlief ein, den Kopf auf Valirës Schoß gebettet. Diener kamen herbei und trugen den schlafenden Jungen davon. Nach einem ausgedehnten Abendessen, bei dem Minûlîth und Lóminîth abwesend blieben gingen auch die Zwillinge bald schlafen, denn sie wollten am nächsten Tag, wenn Edrahils Treffen mit den Anführer von Umbars Untergrund stattfand, im Vollbesitz ihrer Kräfte sein.

Der Morgen kam, und nachdem sie in Eile gefrühstückt hatten verabschiedeten sich Valion und Valirë von ihrer Gastgeberin.
"Passt auf euch auf, ihr beiden! Und richtet Edrahil das aus, was ich euch über Hasael gesagt habe," sagte Minûlîth als sie das Eingangsportal ihres Anwesens aufschloss.
"Das werden wir," antwortete Valirë, die nun wieder ihre normale Kleidung trug. Lóminîth hatte allerdings darauf bestanden, ihr ein feines Kleid mitzugeben.
Sie winkten Minûlîth zum Abschied zu als sie wieder die Straße betraten und sich auf den Rückweg zu Edrahil machten. Wahabs Schlüssel trug Valion diesmal vorsichtshalber fest in seiner Faust verschlossen, damit er nicht befürchten musste, noch eine dritte Verfolgungsjagd bestreiten zu müssen.


Valion und Valirë zu Edrahils Versteck
« Letzte Änderung: 17. Okt 2016, 17:10 von Fine »

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Am späten Abend
« Antwort #3 am: 29. Nov 2016, 12:56 »
Edrahil, Minûlîth, Lothíriel, Bayyin, Ta-er as-Safar, Azeem, Arannís, Teijo, Lóminîth und die Zwillinge von den Straßen von Umbar


Am Eingang des Anwesens verabschiedete sich Teijo und seine Männer von ihnen. Den gefesselten Azeem übergaben sie Minûlîths Dienern, die auch Ta-er as-Safar ins Innere brachten.
"Ich werde zusehen, dass etwas Ordnung in dieses wunderbare Chaos kommt, so sehr es mir auch gefällt mitanzusehen wie alles zu Asche zerfällt, was Hasael aufgebaut hat," kommentierte der Ostling mit einem hinterhältigen Grinsen. Außerdem..." er warf einen Blick in Richtung Minûlîth, "habe ich das starke Gefühl, dass Leute von meinem Schlage hier nicht allzu gerne gesehen werden. Aber nur keine Angst! Ihr werdet früh genug wieder von mir hören, meine Freunde." Damit wandte er sich ab und ging, gefolgt von seinen Leuten, die Straße in Richtung Hafen davon.

Im Inneren des großen Hauses angekommen machte sich Valion zuerst auf die Suche nach Ta-er, um nach der Assassinin zu sehen. Auf Minûlîths Anweisung kümmerten sich mehrere Bedienstete, die weder Fragen stellten noch Befehle hinterfragten, um die Verletzten. Auch Valirë wurde versorgt und erhielt einen dicken Verband um die Wunde an ihrem Arm. Den Arm in einer Schlinge zu tragen lehnte sie jedoch ab. "Dieser Kratzer wird schon bald verschwunden sein," sagte sie. "Macht euch um mich nur keine Sorgen." Gemeinsam begaben sich die Zwillinge in den großen Saal, in dem sie bei ihrem ersten Besuch bei Minûlîth ein großes Abendessen erhalten hatten. Auch diesmal war der Tisch reich gedeckt, obwohl es bereits spät in der Nacht war. Doch alle waren hungrig nach den Ereignissen des Abends. Daher wurden während des Essens zunächst nur wenige Worte gewechselt während alle ihren Hunger stillten.

"Wie ist es dir ergangen, Lothíriel?" fragte Valion die Prinzessin, die neben ihm saß. Sie wirkte erstaunlich gefasst, wie ihm auffiel.
"Es... ist keine Erfahrung, die ich wiederholen möchte," antwortete sie. "Hasael hat mich zwar einigermaßen gut behandelt, aber in Sûladans Gefangenschaft wäre es mir wohl übel ergangen. Ihr seid gerade noch rechtzeitig gekommen!"
"Also, das ist hauptsächlich Edrahils Verdienst," antwortete Valion. Er blickte zum Ende des Tisches hinüber, wo der Herr der Spione bei Minûlîth saß und eine angeregte Unterhaltung mit der Hausherrin führte.
"Und der deiner Schwester," fügte Lothíriel hinzu. "Ich habe gesehen, wie sie kämpft. Sehr blutig... aber auch sehr tapfer."
Als er zu Valirë hinüberblickte, die zwischen Lóminîth und dem kleinen Túor saß und den Jungen mit Späßen unterhielt fiel Valion etwas ein. "Wusstest du, dass sie deine Verwandte werden wird?"
Lothíriels Gesichtsausdruck wechselte von anfänglichem Unverständnis über grüblerisch zum aufblitzenden Verständnis und dann Ungläubigkeit. "...Erchirion? Wirklich?"
Zur Antwort nickte Valion grinsend. "Dafür kannst du dich bei deinem Vater bedanken."
Lothíriel blieb skeptisch. "Na, das passt ja. Ihr habt ja schon als wir klein waren so gut zusammengepasst, deine Schwester, mein Bruder, und du. Aber die beiden als Ehepaar? Ich weiß nicht."
"Erst einmal müssen wir dich sicher nach Dol Amroth zurückbringen," erklärte Valion. "Doch das wird kein Problem, jetzt, da Umbars Herrscher gestürzt wurde."
"Habt ihr ein Schiff parat?" fragte die Prinzessin.
"Kapitän Veantur wartet mit der Súlrohír vor der nördlichen Küste."
"Veantur! Er hat mich damals auf meiner ersten Fahrt nach Tolfalas gebracht. Der alte Seefahrer ist also immer noch im Geschäft?"
"Und ob," sagte Valion und erzählte Lothíriel ausführlich von der Reise, die die Zwillinge von Dol Amroth über die Insel Tol Thelyn bis nach Umbar und hierher geführt hatte. Die Prinzessin hörte aufmerksam zu und fragte oft wegen einiger Details nach, und es schien, als könnte sie den Schrecken ihrer Entführung und Gefangenschaft in diesen Minuten gut ablegen.

"Wie geht es jetzt weiter?" fragte Edrahil laut und unterbrach damit die am Tisch laufenden Gespräche. "Umbar steht vor dem Umbruch. Der Fürst ist gestürzt und auf der Flucht. Was wird nun aus der Stadt werden?"
"So wie es aussieht sind Hasaels Söhne mit ihm geflohnen," erklärte Minûlîth. "Einer seiner Erben würde aber sowieso nicht als neuer Fürst akzeptiert werden."
"Ich bin die letzte aus Erundurs Linie," sagte Arannís, Hasaels Frau, leise. "Mein Anspruch endet mit Hasaels Sturz."
"Nun, dann werde ich die Adeligen der Stadt zusammenrufen und die Bildung eines Rates vorschlagen, der die Stadt anstelle eines Fürsten regieren wird," sagte Minûlîth. "Mit gewählten Vertretern, die festgelegte Amtszeiten haben." Sie nickte entschlossen. "Ich werde mich gleich morgen darum kümmern, alles in die Wege zu leiten."
"Gut," befand Edrahil. "Dann schätze ich, dass für mich und meine Verbündeten nun erstmal nichts bleibt als auszuruhen und uns zu erholen. Wir werden neue Pläne machen, doch ein großes Ziel wird sein, Euch, werte Lothíriel, wieder nach Hause zu Eurem Vater zu bringen. Abgesehen davon sind noch viele Fragen offen, zum Beispiel wohin Hasael verschwunden ist. Außerdem hätte ich gerne Klarheit darüber, was die Assassinen angeht, die den Palast angegriffen haben. Ich denke, der Gefangene wird uns dazu einiges sagen können."
"Dann solltet Ihr ihn verhören," schlug Minûlîth vor. "Er ist im Kellerverließ. Túor kann euch den Weg zeigen."
"Das mache ich!" rief der Junge entzückt und sprang auf. "Kommt mit!"

Edrahil, Valion, Valirë und Bayyin folgten Túor die Treppen ins Kellergeschoss hinab bis in einen kleinen, fensterlosen Raum, in dem der Assassine gefesselt und geknebelt auf einem Stuhl angebunden war.
"Da wären wir. Ich muss nun wieder zurück!" rief Túor und eilte davon. Valion betrat das Zimmer und lehnte sich mit der Schulter an eine der Wände. Valirë, die den Verband an ihrem Arm betastete, blieb neben Edrahil stehen.
"Also gut," murmelte Edrahil und zog seinen Dolch hervor. "Wollen wir doch mal sehen..." Mit einer geübten Bewegung schnitt er das Tuch entzwei, das den Mund Azeems bedeckt hatte. "Es wäre gut für dich, wenn du anfängst du reden," sagte der Herr der Spione und setzte seinem Opfer die Klinge an die Kehle. "Was haben die Assassinen mit Ta-er as-Safar zu schaffen, und warum wollen sie ihren Tod?"
Bei der Nennung des Namens blitzte Zorn in Azeems Augen auf und er rief: "Der Name dieser Verräterin ist es nicht würdig, genannt zu werden. Sie verdient den Tod, genau wie der Rest von ihren armseligen Freunden!"
"Wovon redest du da, Assassine?" verlangte Edrahil zu wissen.
"Er und der Rest des Ordens der Assassinen sind es, die den Tod verdienen," sagte eine neue Stimme. In der Tür stand Ta-er, gehüllt in die einfache Kleidung einer der Bediensteten Minûlîths. "Sie töten um der Macht und des Geldes Willen, oder um ihren persönlichen Blutdurst auszuleben. Das ist nicht der Weg des wahren verborgenen Dolches, den die Gründer des Ordens einst aufstellten."
"Lügnerin! Verrräterin! Ich werde dir alle Knochen brechen wenn ich dich in die Finger bekomme!" schrie Azeem außer sich vor Wut.
"Bring ihn zum Schweigen," befahl Edrahil. Mit einem schnellen, gut gezielten Fausthieb gegen die Schläfe setzte Valion den Gefangenen außer Gefecht.
Ta-er blickte sie nachdenklich an. "Ich schätze, ich schulde euch eine Erklärung," sagte sie.
"Dafür wäre ich sehr dankbar," kommentierte Edrahil.
"Also gut. Ich gehöre zu einer kleinen Gruppe, die sich, als Saleme zur Anführerin der Assassinen aufstieg, vom Orden abwandte. Meine Freunde und ich sind der Meinung, dass Assassinen nicht als käufliche Mörder oder zum Vergrößern ihrer eigenen Macht arbeiten sollten, sondern ihre Fähigkeiten dafür einsetzen sollten, Harad zu einem besseren Ort zu machen, in dem einflussreiche Personen oder Herrscher, die dem Land schaden, aus dem Weg geräumt werden."
"Nun, das klingt doch vernünftig," warf Valirë ein.
"Aber wer entscheidet, ob jemand dem Land schadet?" wollte Valion wissen.
"Es gibt ein Ritual," sagte Ta-er. "Ich werde euch nicht mit den Einzelheiten langweilen, doch wir glauben fest daran, dass es uns die Wahrheit zeigt. Doch die Assassinen jagen und hassen uns, weil wir sie verraten haben. Deswegen griffen sie den Palast an. Sie wussten von eurem Plan und nutzten ihn, um an mich heranzukommen, weil sie glaubten, dass ich an dem Fest teilnehmen würde."
"Was hattest du dort vor?" fragte Valion.
"Ich kam nach Umbar um Hasael zu töten," offenbarte Ta-er. "Doch nun ist er geflohen, und ich muss ihm folgen. Ich danke euch, dass ihr mich hierher gebracht und versorgt habt. Aber nun muss ich gehen, bevor sich Hasaels Spur verliert."
Sie wandte sich zum Gehen, doch ehe sie verschwand drehte sie sich noch einmal um. "Es ist gefährlich, mit dem Silbernen Bogen befreundet zu sein. Am besten vergesst ihr, dass ihr mich je getroffen habt."
Mit diesen Worten eilte sie davon.

"Also, das war sehr geheimnisvoll," sagte Valirë belustigt.
"Der Silberne Bogen," murmelte Bayyin. "Ich habe in einem alten Buch davon gelesen. Vielleicht sollte ich weitere Nachforschungen anstellen..."
"Nur zu," meinte Valion. "Das kann nie schaden." Er fragte sich, welche auf welche Geheimnisse sie wohl als nächstes stoßen würden...

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Re: Minûlîths Anwesen
« Antwort #4 am: 4. Dez 2016, 00:00 »
Edrahil blickte auf die Tür, durch die Ta-er eben verschwunden war, und strich sich dabei nachdenklich über das Kinn. Von einer Organisation die sich Silberner Bogen nannte hatte er noch nie gehört, allerdings schien sie in Harad nicht unbedeutend zu sein. Und wenn sie versucht hatten Hasaël zu töten, konnte das bedeuten, dass sie auf der selben Seite standen.
Er gab sich einen Ruck, und wandte sich wieder dem an den Stuhl gefesselten, von Valions Schlag noch immer bewusstlosen Azeem zu. Er versetzte dem Mann einige rasche Schläge gegen die Wange, bis dieser ein wenig desorientiert wirkend die Augen öffnete.
"Also gut." Edrahil trat wieder zwei Schritte vom Stuhl zurück, und verschränkte die Arme. "Im Grunde interessiert mich der Zwist unter euch Assassinen eher wenig... Allerdings hatte ich den Eindruck, dass ihr mit mir um einiges nachlässiger wart."
"Ihr habt nicht unseren ganzen Orden verraten", stieß Azeem hervor, und fuhr fort: "Und es steht mir nicht zu, die Entscheidungen unserer Anführerin zu hinterfragen."
"Nein, natürlich nicht..." Edrahil begann mit hinter dem Rücken gefalteten Händen auf und ab zu gehen. "Nun, wie gesagt. Dieser Streit interessiert mich eigentlich nicht - eigentlich. Zumindest nicht, bis ihr meinen heutigen Plan nur deswegen völlig ins Wanken gebracht habt." Er warf Azeem einen wütenden Blick zu.
"Wir hatten ihn", sagte er, und spürte, wie der über Stunden beherrschte Zorn langsam in ihm hochkroch. Er würde sich beherrschen müssen. "Wir hatten Hasaël in der Hand, wenn du und deine Freunde euch nicht wegen irgendeiner alten, obskuren Rivalität eingemischt hättet."
Edrahil tauschte einen raschen Blick mit Valion, der noch immer locker an die Wand gelehnt stand und weitaus lockerer wirkte als Edrahil selbst. Valion zuckte mit den Schultern als wollte er sagen: Ärgert euch nicht, wir werden Hasaël schon noch in die Finger bekommen. Edrahil beneidete ihn um seine jugendliche Zuversicht, denn ihnen war eine vermutlich einmalige Gelegenheit genommen worden. Hasaël würde mit Sicherheit am Hof des Sultans Zuflucht suchen, und dort war er außerhalb Edrahils Reichweite.
Edrahil beugte sich zu Azeem vor und sagte: "Ich werde mich klar ausdrücken. Kriech zu deiner Herrin Saleme zurück, und sag ihr folgendes: Wenn sie mich nach Hasaëls Tod unbedingt als ihren Feind betrachten will, dann bitte sehr. Aber eigentlich hatte ich erwartet, zumindest bis dahin Ruhe vor ihr und ihren Kettenhunden zu haben. Von daher betrachte ich unsere Zusammenarbeit ebenfalls als beendet, und werde in Zukunft nicht davor zurückscheuen, die Pläne der Assassinen zu durchkreuzen. Und vielleicht muss ich mir dann in Harad neue Freunde suchen... Ihr könntet es noch bereuen, mich auf den Silbernen Bogen gebracht zu haben."
Edrahil richtete sich wieder zu voller Größe auf. "Wir sind hier fertig. Verbindet ihm die Augen, und sorgt dafür dass er bewusstlos ist, wenn ihr ihn auf die Straße bringt. Irgendeine angemessen schmutzige Ecke, denke ich", sagte er an die Zwillinge gewandt, und verließ den Raum.

Wieder im oberen Teil des Anwesens angekommen, traf Edrahil auf Minûlîth, die anscheinend gerade Túor zu Bett geschickt hatte. "Und, hatte er etwas interessantes zu sagen?"
Edrahil zuckte mit den Schultern. "Nur irgendetwas über eine Rivalität zwischen zwei Gruppen von Assassinen. Warum es ihnen allerdings Ta-ers Tod wichtiger war als der von Hasaël bleibt mir schleierhaft." Minûlîth bot ihm ihren Arm an, den er nach kurzem Zögern ergriff, und gemeinsam traten sie durch eine nahe Tür hinaus in den weitläufigen Innenhof des Anwesens.
"Ich kann euch leider auch nicht mehr über die Assassinen verraten", sagte Minûlîth bedauernd. "Ich fürchte, über alles was über Umbar hinausgeht weiß ich nicht besser Bescheid als ihr."
"Das hatte ich auch nicht erwartet", erwiderte Edrahil, während sie langsam durch den Innenhof gingen. "Habt ihr euch das eigentlich von Anfang an erhofft? Ihr könnt euch doch sicher denken, dass vermutlich derjenige, der als erster handelt die Kontrolle über die Stadt erlangen wird."
"Ich..." Minûlîth blieb stehen, sah zu den Sternen empor, und seufzte. "Ich will ehrlich mit euch sein, Edrahil."
"Das würde ich begrüßen... schließlich bin ich auch ehrlich zu euch", sagte Edrahil, und fügte mit einem leichten Lächeln hinzu: "Größtenteils."
Minûlîth ließ ein leises, helles Lachen hören. "Wenigstens seid ihr ehrlich darüber, dass ihr nicht ganz ehrlich seid." Sie setzte sich auf eine steinerne Bank, die von duftenden Kräutern in Töpfen aus weißem Marmor umgeben waren, und Edrahil ließ sie neben ihr nieder. Es erinnerte ihn an die Gärten des Palasts von Dol Amroth, und er dachte, wie merkwürdig es doch war, dass jene die er immer als seine Feinde empfunden hatte, Freude an den selben Dingen fanden wie die Menschen von Gondor.
"Ich habe davon geträumt, Umbar zu einem besseren Ort zu machen", begann Minûlîth. "Deshalb habe ich mich ja überhaupt erst mit euch eingelassen. Eines Tages habe ich eingesehen, dass das nur über Hasaël Sturz gehen kann, und ihr seid mir als die geeignetsten Verbündeten erschienen. Und nun wo er aus Umbar vertrieben - ist es da verwerflich, dass ich die Gelegenheit nutzen will um meine Träume umzusetzen?"
Edrahil schüttelte langsam den Kopf. "Keineswegs. Ich kann euch verstehen und hätte vermutlich ebenso gehandelt, und ich habe auch nicht aus diesem Grund gefragt. Aber ich habe euch dabei geholfen, dass sich euch nun diese Gelegenheit bietet, und ich wüsste gerne, ob ich das bereuen werde."
Minûlîths dunkle Augen fixierten ihn aufmerksam, während einige Meter entfernt Valion und Valirë den bewusstlosen Azeem zur Haupttür des Hauses schleiften. "Ihr fürchtet, dass ich Hasaëls Treue zu Mordor fortführen werde. Sorgt euch nicht."
Sie wandte den Blick von Edrahil ab, und blickte stattdessen wieder zu den Sternen hinauf. Im Hintergrund fiel die Haupttür hinter den Zwillingen ins Schloss.
"Es ist wunderschön, nicht wahr?", fragte Minûlîth leise. "Die Flecken von Licht auf undurchdringlicher Dunkelheit." Edrahil erwiderte nichts, sondern wartete schweigend ab, was sie zu sagen hatte.
"Viele meiner Vorfahren verehrten Sauron und seinen dunklen Herrn", fuhr Minûlîth nach eine Moment des Schweigens fort. "Man nennt sie in Gondor nicht ohne Grund Schwarze Númenorer. Doch ich folge ihren Gebräuchen nicht, denn ich weiß dass Sauron kein gnädiger Herr und Vater für uns ist, sondern eine Gefahr für alle Menschen - auch die, die ihm folgen."
"Hat Túors Vater euch die Augen geöffnet?", fragte Edrahil, und bei der Erwähnung Thorongils überzogen sich Minûlîths helle Wangen mit einer zarten Röte, doch sie schüttelte den Kopf.
"Nein, es war bereits zuvor so. So kam es ja überhaupt erst dazu, dass wir uns ineinander verliebten." Sie räusperte sich leise, und blickte zu Boden. Edrahil musste lächeln. Gegen seinen Willen ertappte er sich dabei, dass er Minûlîth jedes einzelne ihrer Worte glaubte. Entweder war sie eine unglaublich talentierte Lügnerin, oder sie erzählte ihm die Wahrheit - inzwischen tendierte Edrahil eher zum letzteren.
"Mein Vater war bereits kein besonders Saurontreuer Mann. Er kämpfte gegen Gondor, weil es eine Art Tradition für Umbar ist, und weil er sich davon Reichtum und Macht erhoffte. Und was mich angeht... es gab keinen einzelnen Moment, in dem ich plötzlich begriffen habe, dass Mordor böse ist. Ich wusste es einfach schon immer... irgendwie." Sie hob ratlos die die schmalen Schultern, und Edrahil schwieg für einen Augenblick nachdenklich.
"Nun, ich danke euch für eure Ehrlichkeit", sagte er dann. "Und ich denke... dass Umbar bei euch in guten Händen wäre. Sowohl was die Interessen der Bewohner als auch die Interessen Gondors angeht."

Minûlîth lächelte, und wirkte als hätte sie eine Hürde überwunden. "Ich bin tatsächlich etwas erleichtert", gab sie zu. "Wenn ich einen so misstrauischen Mann wie euch überzeugen kann - vielleicht bin ich dann tatsächlich geeignet, dieser Stadt zu helfen."
Für einen Moment herrschte erneut Schweigen, während im gegenüberliegenden Teil des Hauses das Licht in einem der Zimmer erlosch. Anscheinend hatte Lóminîth sich inzwischen ebenfalls zu Bett begeben. Langsam verstummte auch der letzte Lärm der Aufstände, der bereits den ganzen Abend leise aus der Stadt in das Anwesen drang.
"Nun, da ich euch meine Gründe offengelegt habe, seid eigentlich ihr an der Reihe. Was hat euch überhaupt dazu gebracht, persönlich nach Umbar zu kommen?"
Edrahil lächelte leicht gequält. Eigentlich sprach er nur ungern über sich selbst, egal mit wem. Und auch wenn er Minûlîth inzwischen vertraute, eigentlich gehörte sie nicht zu den Personen mit denen er über seine Motivationen reden wollte. Dennoch, sie hatte ihm seine Fragen wahrheitsgemäß beantwortet, und verdiente eine Gegenleistung.
"Ich hätte auch einen meiner Untergebenen schicken können", begann er. "Aber es erschien mir wichtiger als alles, was ich in Dol Amroth hätte tun können."
Minûlîth zog eine Augenbraue in die Höhe und legte den Kopf schief. "Das war alles?"
"Nun...  nein." Edrahil spürte einen Muskel in seinem Kiefer zucken, und seufzte. "Es gab... persönliche Gründe, die ich ehrlich gesagt lieber nicht weiter ausführen würde."
Minûlîth nickte verständnisvoll, und obwohl sie nicht weiter nachfragte, hörte Edrahil sich sagen: "Ich... bin auf der Suche nach jemandem."
"Vielleicht könnte ich euch dabei helfen", meinte Minûlîth. "Nach wem sucht ihr denn?"
"Das ist... sehr freundlich von euch", erwiderte Edrahil zögerlich. "Aber..." Er stand auf. "Ich muss darüber nachdenken." Er verneigte sich knapp vor der etwas verdutzten Minûlîth und eilte davon, während er sich selbst in Gedanken verfluchte.

An der Haupttür traf er auf Valion und Valirë, die gerade von ihrem Auftrag zurückkehrten. "Wir haben ihn in einer schön schmutzigen Ecke hinter einem Fischlager einige Zeit von hier entfernt abgelegt", sagte Valion, und Valirë fügte mit einem spitzbübischen Grinsen hinzu: "Vielleicht könnten dabei ein paar Fischabfälle auf ihn gefallen sein... ganz versehentlich natürlich."
Edrahil nickte knapp, doch er war nicht mehr in der Stimmung für Scherze. "Sehr gut. Wir treffen uns morgen um die nächsten Schritte zu besprechen. Bis dahin ruht euch aus, ihr habt es euch verdient."

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Eandril

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Re: Minûlîths Anwesen
« Antwort #5 am: 17. Dez 2016, 21:37 »
Die folgenden Tage waren für Edrahil mit Arbeit angefüllt. Er traf sich einmal mit Teijo, Izem und As'ar in deren Organisationen schnell alles zur Normalität zurückgekehrt war - vielleicht die Tatsache, dass sie alle ihren Einfluss über die Stadt ein wenig ausgedehnt hatten. Solange sie Edrahils Pläne nicht durchkreuzten, hatte er nichts dagegen.
Lóthiriel erholte sich in der Gesellschaft von Valion, Valirë und Lóminîth schnell von den Schrecken ihres Kerkeraufenthalts, und war schon bald wieder ganz die Prinzessin, die Edrahil aus Dol Amroth kannte. Am Morgen des fünften Tages nach ihrer Befreiung traf Edrahil sie im Garten des Anwesens an. Die Zwillinge waren gerade mit ihren täglichen Kampfübungen beschäftigt, und Lóminîth hatte ausnahmsweise ihre Schwester in den Palast zur Sitzung des neugegründeten Stadtrates begleitet. Edrahil nahm an diesen Sitzungen selbstverständlich nicht teil, sondern erarbeitete zuvor mit Minûlîth Strategien und Lösungen für die Probleme des Rates.
Er setzte sich der Prinzessin gegenüber auf eine steinerne Bank, und fragte: "Wie geht es euch, Herrin?"
Lóthiriel lächelte, und erwiderte: "Gut. Das Anwesen ist wunderschön, und alle sind sehr freundlich zu mir. Ich habe schon beinahe vergessen, wie es im Kerker gewesen ist." Sie verzog das Gesicht und strich sich eine vorwitzige Haarsträhne aus dem Gesicht. "Nun habe ich mich doch wieder daran erinnert. Aber das geht vorbei."
Edrahil nickte. "Ich freue mich, dass ihr so gut zurecht kommt. Und ich denke es ist bald an der Zeit, euch zurück nach Dol Amroth zu schicken."
"Nach Dol Amroth?" Lóthiriel wirkte verwundert. "So sehr ich mich freuen würde, bei meiner Familie zu sein... nicht nach Aín Sefra zu Qúsay?"
"Nur, wenn dies euer unbedingter Wunsch sein sollte", erwiderte Edrahil. "Aber solange Suladân nicht geschlagen ist, sind weder der Weg nach Aín Sefra noch die Stadt selbst sicher für euch. In der Nähe von Umbar ankert das Schiff, dass Valion und Valirë hierher brachte, und es wird euch gemeinsam mit ihnen wieder zurück nach Gondor bringen."
"Und was ist mit euch?", fragte Lóthiriel, und bewies Edrahil damit einmal mehr die rasche Auffassungsgabe, die sie von ihrem Vater geerbt hatte.
"Ich werde in Harad bleiben." Die Entscheidung war ihm nicht leicht gefallen, doch er war zu dem Schluss gekommen hier im Süden weiterhin mehr für Gondors Sicherheit tun zu können als in Gondor selbst. Und außerdem... in Gondor hätte er sicherlich keine Gelegenheit, seinem Sohn wieder auf die Spur zu kommen. "Ich werde Minûlîth noch einige Zeit dabei helfen, Umbar zu festigen und auf Qúsays Seite zu ziehen, und mich dann vielleicht in Qúsays Dienste stellen."
"Vater wird euch sicherlich vermissen", meinte Lóthiriel, und Edrahil musste lächeln. "Vermutlich. Bestellt ihm meine Grüße wenn ihr ihn seht und erklärt ihm, warum ich euch nicht begleitet habe."
"Das werde ich tun. Wann meint ihr, werden wir abreisen?"
"In drei Tagen", antwortete Edrahil. "Wenn die Kapitäne mit denen ich gesprochen habe recht behalten und der Wind dann günstig steht, und wir Kapitän Veantur bis dahin gefunden haben." Im Augenblick wehte seit Tagen ein kräftiger Wind aus dem Norden, der eine Schiffsreise in diese Richtung beinahe unmöglich machte. Und außerdem war es Edrahils und Minûlîths Leuten bislang nicht gelungen, das Schiff aufzuspüren dass die Prinzessin wieder nach Norden bringen sollte.

Bevor er weitersprechen konnte, betrat Minûlîth den Garten, und ließ sich sehr undamenhaft neben Edrahil auf die Bank fallen.
"Es gibt Tage, an denen ich am liebsten sämtliche Ratsmitglieder mit meinen eigenen Händen erwürgen würde", stieß sie hervor, bevor sie an Lóthiriel gewandt hinzu fügte: "Bitte verzeiht meine unangemessene Begrüßung, Herrin."
"Es gibt nichts zu verzeihen", wehrte die Prinzessin mit einer wahrhaft königlichen Geste ab, doch Edrahil verengte besorgt die Augen. Der nach Hasaels Sturz gebildete Stadtrat hatte sich zwar als überaus stabilisierendes Element für die Lage in der Stadt erwiesen, in anderen Belangen jedoch als mindestens ebenso hinderlich. Dem Rat gehörten vornehmlich Mitglieder des umbarischen Adels und der reichen Kaufleute an, doch eine Minderheit wurde von Vertretern des einfachen Volkes gebildet - und Teijo. Der Ostling hatte den Ratssitz offiziell durch eine Wahl des Volkes und als einfacher Kaufmann erhalten, eigentlich jedoch für seine geleisteten Dienste bei Hasaels Sturz. Dem Rat war es gelungen, einen Großteil von Hasaels Stadtwachen in seine Dienste zu nehmen und die Ordnung in Umbar wieder herzustellen. Bald lief auch der Handel wieder beinahe so wie vor Hasaels Sturz, und das Leben in der Stadt schien bemerkenswert schnell zur Normalität zurückgekehrt zu sein.
Was die Außenpolitik und Umbars Verhältnis zum Rest der Welt anging, stellte der Rat für Edrahils und Minûlîths Pläne jedoch ein großes Hindernis dar. Als Vorsitzende des Rates hatte Minûlîth, die offiziell gemeinsam mit zwei anderen Adligen als Stadtherrin bezeichnet wurde, zwar großen Einfluss auf seine Entscheidungen, doch in diesen Belangen hatte sie sich bislang nicht durchsetzen können.
"Ging es wieder um die Verhandlungen?", fragte Edrahil, und Minûlîth seufzte. "Ja, um die Verhandlungen. Und jedes Mal frage ich mich, wie Menschen so unglaublich stolz und weltentrückt sein können."

Vor zwei Tagen hatte Minûlîth dem Rat vorgeschlagen, Verhandlungen mit Qúsay und Gondor aufzunehmen. Schließlich war Hasaël ein Verbündeter Suladâns, und der Sultan würde mit größter Wahrscheinlichkeit kein Bündnis mit den Menschen eingehen, die den Fürsten gestürzt hatten. Auf der anderen Seite wäre das Malikat und Gondor einem Bündnis mit Umbar vermutlich keineswegs abgeneigt.
Doch seit Minûlîth dem Rat ihren Vorschlag übergeben hatte, waren dessen Mitglieder tief gespalten. Einige wenige waren ihrer Meinung und plädierten ihrerseits, Boten zu entsenden, doch viele andere waren, aus den unterschiedlichsten Gründen, dagegen. Nur sehr wenige Ratsmitglieder hatten dafür gestimmt, sich trotz allem weiterhin an Suladân und Mordor zu halten, doch viele wollten sich nicht mit Gondor, dem alten Feind, oder Qúsay, einem Emporkömmling zweifelhafter Abkunft einlassen. Und noch mehr waren der Ansicht, dass die möglichen Bündnispartner Boten zu ihnen entsenden sollten, denn ihrer Meinung nach hatte die stolze Stadt Umbar es nicht nötig, nach Verbündeten zu suchen.
So war der Rat in dieser Frage tief zerstritten und praktisch handlungsunfähig, ganz gleich was Minûlîth und Edrahil planten.
"Hm", machte Edrahil, und fuhr sich nachdenklich über das Kinn. "Wir werden einen Weg finden müssen, sie zu überzeugen."
"Das versuchen wir bereits seit zwei Tagen, und sind keine Schritt weitergekommen."
Edrahil lächelte, und erwiderte sanft: "Ihr dürft nicht aufgeben, denn ihr seid schon weit gekommen."
Für einen Moment schwiegen sie, dann kam Edrahil eine Idee. "Ich denke, wir haben es bislang vielleicht falsch angefangen. Wir haben versucht, den ganzen Rat zu überzeugen."
"Ihr meint also, wir sollten zunächst einzelne Ratsmitglieder auf unsere Seite ziehen?" Minûlîth hatte offenbar schnell begriffen, worauf Edrahil hinaus wollte, und ihre Miene hellte sich auf. "Das könnte tatsächlich helfen, denn so haben sie keine Gelegenheit sich gegenseitig festzureden."
"Genau", bestätigte Edrahil, und als er Lóthiriel, die noch immer auf der gegenüberliegenden Bank saß und ihrem Austausch interessiert gelauscht hatte, ansah, kam ihm ein weiterer Einfall. "Wir könnte diejenigen, die einem Bündnis mit Gondor nicht abgeneigt wären aber noch unsicher sind, mit einem Verlöbnis ködern."
Minûlîth zögerte nur einen kurzen Moment, bevor sie erwiderte: "Ah. Lóminîth und Valion?"
Edrahil hob die Schultern und meinte: "Ja. Wenn sie einverstanden sind, wäre das die perfekte Möglichkeit ein Bündnis zu festigen. Die Schwester der Stadtherrin von Umbar und ein hoher Adliger aus Gondor." Minûlîth nickte, und wirkte zufrieden. "Ich denke nicht, dass Lóminîth dagegen sein wird. Und vielleicht würde eine Ehe mit Valion ihr auch helfen, die Erziehung unseres Vaters schneller abzuschütteln. Sie war schon immer... empfänglicher als ich für diese Lehren."
"Und um Valion kümmere ich mich", sagte Edrahil. "Er wird keine Schwierigkeiten machen." Er hörte ein unterdrücktes Kichern, und sah zu seiner Überraschung, wie Lóthiriel sich auf der gegenüberliegenden Bank das Lachen verkniff. Auf Edrahils Blick hin unterdrückte sie das Lachen vollständig, richtete sich auf und sagte: "Verzeiht, aber der Gedanke, Valion zu verheiraten ist so... merkwürdig. Ihr wisst doch wie er ist."
"Ja, ich weiß", gab Edrahil zu. "Aber ich hoffe dass er in der Lage ist zu erkennen, wie wichtig dieses Verlöbnis sein könnte."
"Jedenfalls könnten wir die unsicheren unter den Ratsmitgliedern damit ködern", meinte Minûlîth. "Und diejenigen, die zu stolz sind, oder sich lieber mit Suladân verbünden würden... Ihnen machen wir Angst."
Diesmal war es Edrahil, der schnell begriff worauf Minûlîth anspielte. "Wir geben ihnen zu verstehen, dass Suladân den Rat vermutlich nicht in seiner Position lassen wird, sondern Hasaël wieder einsetzen will."
"Und Hasaël wird uns vermutlich nicht vergeben - keinem der Ratsmitglieder. Er ist nicht unbedingt großmütig und gut im Vergeben", schloss Minûlîth. Auf ihrem Gesicht zeigte sich allerdings kein Lächeln sondern Sorge, denn genau wie Edrahil wusste sie, dass diese Gefahr nur allzu real war und es womöglich genau so kommen würde, wenn Umbar nicht schnell Verbündete fand.
"Es ist ein riskantes Spiel, denn wir könnten so auch mögliche Verräter dazu bringen gegen uns zu handeln um ihre eigene Haut zu retten", meinte Edrahil. "Aber ich denke, wir sollten es trotzdem tun."


"Ihr habt was mit uns vor?", fragte Valion ungläubig, und Edrahil musste in sich hineinlächeln. Er, Minûlîth, Lóminîth und Valion hatten sich in dem Raum im Ostflügel des Anwesens versammelt, der Edrahil und Minûlîth als Planungsraum diente. Edrahil lehnte mit vor der Brust verschränkten Armen hinter Minûlîth, die auf einem bequemen Stuhl hinter einem schlanken Tisch saß, an einem Wandstück zwischen zwei Fenstern, und die beiden baldigen Verlobten saßen nebeneinander auf zwei Stühlen vor dem Tisch.
"Ein Verlöbnis zwischen euch wäre die beste Möglichkeit, dem Rat ein Bündnis mit Gondor schmackhaft zu machen", erklärte Edrahil. "Als ein wichtiger Adliger aus Gondor und die Schwester einer Stadtherrin von Umbar seit ihr äußerst gut geeignet um ein eventuelle Bündnis zu festigen."
"Aber... warum ich?", wagte Valion zu fragen. "Weil du der einzige Adlige in meiner Reichweite bist", erwiderte Edrahil offen. "Außerdem denke ich, du könntest es schlimmer treffen", fügte er mit einem Blick auf Lóminîth hinzu, die den Blick mit einem Lächeln erwiderte. "Ich wäre einverstanden", sagte sie, und legte Valion die Hand auf den Arm. "Außerdem sind wir es ja in gewisser Weise bereits gewohnt, verlobt zu sein."
"Natürlich, aber...", setzte Valion an, brach unter dem Blick aller anderen Anwesenden aber ab und hob die Hände. "Also gut, warum nicht. Irgendwann wäre es ja sowieso so weit gewesen", sagte er mit einem schwachen Lächeln, und Edrahil nickte zufrieden.
"Es freut mich, dass ihr einverstanden seit. Wir werden natürlich mit einem öffentlichen und offiziellen Verlöbnis abwarten müssen - einerseits müssen wir auf das mögliche Bündnis mit Gondor warten, und außerdem sollten wir noch etwas Gras über euren Auftritt beim Fest der Seewinde wachsen lassen."
Mit einem strengen Blick zu Valion fügte er hinzu: "Aber erwartet nicht, dass ich euer Einverständnis vergesse, denn ich sehe es als bindend an. Valion, du und deine Schwester werdet in drei Tagen Umbar verlassen, Lóthiriel nach Dol Amroth bringen und dem Fürsten alles berichten, was geschehen ist. Und damit meine ich wirklich alles."

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Lóminîths Gerissenheit
« Antwort #6 am: 8. Jan 2017, 22:30 »
Valion lag in der warmen Sonne und hatte die Augen geschlossen. Nach dem aufregenden letzten Tagen genoss er die Stille, die ihn umgab. Er lag der Länge nach ausgestreckt auf einer weichen Matte im kurz geschnittenen Gras des gut gepflegten Gartens, der sich hinter Minûlîths Anwesen ausdehnte und zum Meer hin leicht abschüssig war. Die Sommersonne legte ein warmes, wohliges Gefühl auf Valions Gesicht und es gelang ihm, an überhaupt nichts zu denken. Mehrere Minuten des (seiner Meinung nach) hochverdienten Ruhens waren ihm vergönnt, bis er jäh von einer aufgeregten Stimme aus dem Halbschlaf gerissen wurde, in dem er dahingedriftet war:
"Valion, Valion, erzähl mir von der Insel!"
Blinzelnd in der grellen Sonne machte Valion die Quelle der Störung aus und fand den kleinen Túor breitbeinig vor sich stehen, ein stumpfes Übungsschwert in der Hand, dessen Spitze sich unangenehm nahe an Valions Gesicht befand. Seitdem Túor ein Gespräch zwischen seiner Mutter und den Zwillingen belauscht und dabei erfahren hatte, dass die beiden auf ihrem Weg von Dol Amroth nach Umbar die Insel Tol Thelyn besucht hatten konnte der Junge gar nicht genug davon bekommen, dass sie ihm beschrieben, wie es dort ausgesehen hatte und was sie dort gesehen hatten.
"Ich habe dir doch bereits alles erzählt, was ich weiß," seufzte Valion, doch er wusste, dass sein Widerstand zwecklos war. Túor besaß eine Starrsinnigkeit, wie sie nur ein zehnjähriger Junge vorweisen konnte, der sich etwas fest in den Kopf gesetzt hatte.
"Wenn ich eines Tages dorthin komme muss ich alles wissen, was es zu wissen gibt," sagte Túor als würde das alles erklären. Er war der festen Überzeugung, die Insel eines Tages wieder zu einem Sitz der Erben des Turms zu machen und ein großes Reich an den Küsten Harads zu errichten.
"Du solltest mit deinem Vater darüber sprechen", warf Valion ein.
"Mein Vater?" wiederholte Túor ungläubig. "Du hast doch gesagt, dass er nach den Überlebenden sucht. Immerhin, er hat das beste Schiff der Welt, also hat er sie bestimmt bald gefunden. Aber wieso sollte er nach Umbar kommen? Er wird natürlich zur Insel zurückkehren und den Turm wieder aufbauen. Nein, meinen Vater werde ich noch lange Zeit nicht fragen können."
"Ich kann dir aber nichts erzählen, was du nicht schon weißt," versuchte Valion erneut, dem Unvermeidlichen zu entgehen.
"Und wenn du ganz fest nachdenkst, ob du etwas vergessen oder übersehen hast? Bist du sicher, dass dir nicht noch ein Detail einfällt, dass du mir noch nicht erzählt hast?"
"Geduld, Meister Túor," sagte eine neue Stimme. Es war Lóminîth, gehüllt in ein kurzes, hellrotes Sommerkleid. "Warum fragst du nicht Valirë, ob sie mit dir ein paar Übungen mit der Klinge macht, die du in der Hand hältst? Ich habe sie bei den Stallungen gesehen, vielleicht ist sie noch dort! Bis du zurück bist hat Valion bestimmt genug Zeit zum Nachdenken gehabt."
Túor strahlte und nickte seiner Tante zu, dann raste er in Richtung der Stallungen über den Rasen davon.

"Danke, Verlobte," sagte Valion und er meinte es nur teilweise im Scherz. In wenigen Tagen seitdem das Gerücht einer Verlobung der Herrin Lóminîth von Haus Minluzîr mit einem Adeligen aus Gondor, der sogar zu den Lehnsfürsten des Truchsessen gehörte umging, hatte sich die Nachricht in Umbar und seinen Vorstädten wie ein Lauffeuer verbreitet. Minûlîth hatte dazu gesagt, dass es besser wäre, wenn die Leute über solche Dinge sprachen als darüber, wie es in der Stadt gerade stand und welche Entscheidungen die neu gebildete Regierung traf oder nicht traf, zu der Lóminîths ältere Schwester ja gehörte. Außerdem hatten sie und Edrahil ihm mit viel Geduld die Vorteile dieser Verbindung erklärt - sogar dann noch, als er längst resigniert und zugestimmt hatte. Dennoch war Valion ganz froh, schon am folgenden Tag nach Dol Amroth zurückzukehren. Es war Edrahil tatsächlich gelungen, das Dorf an der Küste nördlich von Umbar ausfinden zu machen, das Kapitän Veantur Valion beschrieben hatte, eher er die Zwillinge am Leuchtturm von Kap Umbar abgesetzt hatte, und einen berittenen Boten dorthin zu entsenden. Die Súlrohír musste bereits auf dem Weg sein und würde nach aller Vorraussicht gegen Mittag am folgenden Tag im Hafen Umbars einlaufen, um die Zwillinge und Lothíriel zurück in die Heimat zu tragen. Valion stellte sich gerne den Moment vor, in dem er Imrahil seine unversehrte Tochter vorführen und den Ruhm ernten würde. Natürlich würde er auch Edrahils Leistungen nicht außer Acht lassen, aber dennoch würde niemand verleugnen können, dass Valion und Valirë ihren vom Truchsessen Gondors erteilten Befehl buchstabengetreu erfüllt hatten. Lothíriel war gerettet worden und würde unbeschadet nach Dol Amroth heimkehren, und den Zwillingen würde es endlich gestattet werden, den Ethir wieder zu einem Lehen Gondors zu machen und ihren Rang als Erben Cirgons und als Lehnsfürsten des Reiches anzutreten. Valion sah sich bereits in der Festhalle Belegarths stehen, das Banner des Ethirs feierlich ausrollend und den Augenblick seines größten Triumphes in vollen Zügen auskostend. Je mehr er davon träumte, desto weniger konnte er diesen Moment erwarten.

"Gern geschehen," erwiderte Lóminîth mit dem für sie so typischen mehrdeutigen Lächeln. "Túors Fragen ist leicht beizukommen. Erzähl ihm einfach dasselbe wie beim letzten Mal, aber verwende eine etwas andere Beschreibung und andere Worte. Zum Beispiel: Sagtest zuletzt, dass der große Turm von den Flammen verkohlt war, beschreibst du ihn dieses Mal einfach als vom Feuer geschwärzt oder verrußt."
"Äußerst gerissen, meine Liebe," sagte Valion anerkennend. Lóminîth schien wirklich ein Händchen für Worte und Sprache zu haben.
"Werde ich mich in deiner Burg wohlfühlen?" wechselte sie ohne Vorwarnung das Thema, wie sie es oft zu tun pflegte. Und wie eigentlich immer brachte sie Valion damit vollkommen aus dem Konzept.
"Woher... wie sollte ich wissen, ob du dich in Belegarth wohlfühlen wirst?" brachte er durcheinander hervor. "Es ist dort nicht viel weniger warm als hier," sprach er das erste aus, was ihm in den Kopf kam.
"Ich meinte nicht das Wetter," sagte Lóminîth. "Es war dir doch klar, dass unser Verlöbnis zu einer Hochzeit führen wird, oder?" fragte sie mit einer Spur Misstrauen in der Stimme. Valion nickte langsam. "Und als Ehepaar wohnt man für gewöhnlich im selben Wohnsitz," fuhr sie fort, als würde sie mit einem Kind sprechen. "Natürlich würden wir viel Zeit in Umbar verbringen und im Anwesen meiner Schwester leben, aber als Lehensfürstin Gondors müsste ich selbstverständlich auch dort Präsenz zeigen. Die Planung kannst du mir überlassen. Ich brauche aber mindestens drei Zimmer und möchte meine Bediensteten selbst auswählen oder aus Umbar mitbringen. Die Zimmer müssen nebeneinander liegen und gut zugänglich sein, damit alle genug Platz haben und mir jederzeit zur Verfügung stehen können. Ich weiß ja nicht, was mich dort erwartet - in Gondor." Das letzte Wort sprach sie aus, als handele es sich dabei um ein Land von rückständigen Hinterwäldlern.    
"Ähm... sicher, das lässt sich machen," sagte Valion, der dem Redeschwall nur mühsam hatte folgen können. "Moment mal, sagtest du Lehensfürstin?"
"Als Frau des Fürsten des Ethir wäre dies natürlich mein Titel," erklärte Lóminîth. "Und nicht etwa der deiner Schwester. So weit ich weiß gelten in Gondor patrilineare Erbrechte."
Valion blickte zu Boden. "Natürlich," bestätigte er. Noch immer wusste er noch nicht recht, wie er mit dieser neuen Beziehung umgehen sollte. Als er Lóminîth um ersten Mal getroffen hatte war er von ihrem Äußeren beeindruckt und angezogen gewesen, doch ihre Persönlichkeit stellte sich als deutlich komplizierter heraus, als er erwartet hatte. Er rief sich Edrahils Worte ins Gedächtnis, der ihn daran erinnerte, dass er all dies für Gondor und für das Fortbestehen des Reiches tat.

Ehe die beiden das Gespräch fortsetzten konnten kehrte Túor bereits zurück und ließ sich neben Valion ins Gras fallen. Lóminîth, die sich zu Valion auf die Matratze gesetzt hatte, schien die Situation sofort zu erfassen. "Hast du Valirë nicht gefunden?" fragte sie den Jungen. Dieser schüttelte den Kopf. "Du hast gesagt, sie wäre bei den Stallungen, aber dort war sie nicht. Der Stallbursche hat mir erzählt, dass sie einen Ausritt macht. Ich habe ihm aber kein Wort geglaubt, weil er mir schon früher Lügen erzählt hat. Also habe ich in der Waffenkammer, im Verließ und in der Küche nachgesehen, aber auch dort war deine Schwester nicht. Sogar in ihrem Schlafzimmer konnte ich sie nicht finden. Also kam ich wieder hierher. Ist dir schon etwas Neues über die Insel eingefallen?"
"Der... Turm war von den Flammen schwarz wie Ruß geworden?" sagte Valion, der es zumindest auf einen Versuch ankommen lassen wollte. Und tatsächlich nickte Túor zufrieden und schien sich eine geistige Notiz zu machen.
"Wenn ich dorthin komme werde ich ihn wieder weiß machen!" verkündete er und ging mit einem breiten Grinsen davon.

"Sehr gut," sagte Valion zu Lóminîth und blickte ihr dankbar ins Gesicht, auf dem ein echtes Lächeln lag. Doch bevor sie ihm antworten konnte hallte schnell näher kommendes Hufgetrappel durch den Garten. Verfolgt von einem protestierenden Gärtner preschte Valirë auf einem prächtigen hellbraunen Ross über den Rasen, brachte das Tier kurz vor Valion zum Stehen und sprang mühelos aus dem Sattel, die Elbenklinge bereits in der Hand. Er konnte an ihrer Haltung und an ihrem Gesichtsausdruck sehen, dass seine Schwester dringende Nachrichten hatte, und so fragte Valion nur: "Was hast du gesehen?"
"Es ist Hasael," stieß sie mit Zorn und einem Anflug von Furcht in der Stimme hervor.
Valirë machte eine dramatische Pause, ehe sie fortfuhr, und beendete den Satz dann:
"...er kehrt an der Spitze einer Armee zurück!"
« Letzte Änderung: 8. Jan 2017, 22:42 von Fine »

Eandril

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Re: Minûlîths Anwesen
« Antwort #7 am: 8. Jan 2017, 23:12 »
"Das sind ausnehmend schlechte Neuigkeiten", sagte Edrahil ernst. Er hatte gerade das Schreiben beendet, dass er Lóthiriel für ihren Vater mitgeben wollte, als die Zwillinge ohne Vorwarnung den Raum gestürmt hatten, den Minûlîth ihm zum Arbeiten zur Verfügung gestellt hatte. Zunächst hatte er wütend auffahren wollen, doch er hatte an den Gesichtern der Geschwister erkannt, dass sie durchaus gute Gründe für ihr Handeln gehabt hatten. Er warf die Feder neben den Brief auf den Tisch und erhob sich aus dem Stuhl.
"Ich nehme an, Minûlîth weiß bereits Bescheid?" Edrahil wartete keine Antwort ab, sondern sprach weiter: "Vergesst es, natürlich weiß sie Bescheid." Es war jetzt wichtig, nicht in Panik zu geraten, sondern bedacht und schnell zu handeln. Er begann hinter dem Schreibtisch auf und ab zu gehen, und warf einen Blick aus dem Fenster dahinter. In der Stadt waren noch keine Anzeichen von einer anrückenden Armee zu erkennen, weder waren Glocken zu hören die Alarm schlugen, noch zu den Mauern eilende Stadtwachen zu sehen. Wenn jedoch Valirë Bescheid wusste und genug Zeit gehabt hatte, die Nachricht hierher zu bringen, müsste sich das Wissen darum eigentlich allmählich in der ganzen Stadt verbreiten.
"Etwas hier ist merkwürdig..." sagte Edrahil langsam. "Außer der Tatsache, dass eine feindliche Armee vor den Toren steht?", fragte Valirë mit spöttischem Unterton, doch Edrahil ging nicht darauf ein. "Um die Stadt gegen eine entschlossene Streitmacht zu verteidigen fehlt dem Rat die Zeit", überlegte er laut. "Und trotzdem sollte wenigstens Alarm geschlagen werden." Bevor er weitersprechen konnte hörte er, wie die Haupttür des Anwesens aufgestoßen wurde, und Minûlîths Stimme schallte durch das Haus: "Túor!"
Edrahil und Valion wechselten einen besorgten Blick, und liefen los.

Nur wenige Meter den Flur entlang stießen sie auf Minûlîth, die kein bisschen ihrem sonst so beherrschten und eleganten selbst ähnelte. Ihre kunstvolle Frisur war in Auflösung begriffen, auf ihrer Stirn glitzerten Schweißtropfen und auf der linken Wange hatte sie einen blutigen Schnitt. Edrahil erfasste mit einem Blick die Lage. "Hasael hat nicht vor die Stadt zu belagern, oder?", fragte er. "Ihr wisst Bescheid? Gut", stieß Minûlîth hervor, und schüttelte dann den Kopf. "Nein, es wird keine Belagerung geben. Wir müssen die Stadt verlassen."
"Verräter?", fragte Edrahil nach. "Ja. Einige vom Rat denken offenbar, sie retten ihre Haut wenn sie Hasael die Stadt überlassen und ihm uns andere ausliefern."
"Und die Stadtwache?" "Steht zum großen Teil auf Hasaels Seite. Am Tor wird noch gekämpft, doch sie werden es bald für Hasaels Truppen öffnen."
"Also haben wir keine Chance zu kämpfen", stellte Valion fest, der dem raschen Austausch bislang schweigend gefolgt war, und Minûlîth schüttelte erneut den Kopf. "Nein. Uns bleibt nur zu retten, was wir retten können, denn Hasael wird keine Gnade walten lassen." Eine einzelne Träne löste sich aus ihrem Auge, und doch sie wischte sie energisch fort. Edrahil legte ihr eine Hand auf die Schulter, denn er kannte das Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren und den Moment, in dem sich alle Träume in Luft aufzulösen schienen. "Sie mögen uns für heute geschlagen haben, doch wir werden ihnen nicht kampflos das Feld überlassen - jedenfalls nicht für immer." Er blickte ihr fest in die Augen und erkannte, dass sie verstand.

"Mutter?", hörte er Túor unsicher sagen. Der Junge kam den Flur entlang, sein Übungsschwert noch immer in der Hand und offensichtlich verängstigt über den Zustand seiner Mutter. "Ist etwas passiert?"
Minûlîth kniete vor ihrem Sohn nieder und nahm seine Hände. "Wir werden für eine Weile fortgehen müssen, mein Schatz."
"Auf die Insel, zu meinem Vater?" Túors Augen leuchteten, und Edrahil sah Minûlîth schlucken. "Wer weiß schon, wohin der Wind uns treibt?", erwiderte sie. "Nun komm, wir müssen unsere Sachen packen und Lóminîth Bescheid sagen."
Über die Schulter fügte sie an Edrahil gewandt hinzu: "Wir treffen uns sobald wie möglich an der Haupttür." Dann ließ sie Edrahil und die Zwillinge in unbehaglichem Schweigen zurück, das Edrahil schließlich durchbrach: "Ihr habt sie gehört. Packt alles zusammen was ihr nicht entbehren könnt, holt Bayyin und kommt dann zum Eingang. Wie es scheint reisen wir doch etwas früher ab als gedacht."


Die ganze Gruppe hinaus auf die Straßen der Stadt
« Letzte Änderung: 9. Jan 2017, 13:38 von Fine »

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Eandril

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Re: Minûlîths Anwesen
« Antwort #8 am: 10. Jan 2017, 19:19 »
Edrahil und Minûlîth von den Straßen der Stadt

Als Edrahil das Anwesen erreichte, stand das Gebäude bereits zum großen Teil in hellen Flammen. Aus den oberen Fenstern schlug Feuer, Teile des Daches brannten, und die große Haupttür stand weit offen.
"Oh, bei allen...", knurrte Edrahil, und stieg so schnell es ging die flachen Marmorstufen empor. Er hatte keinen Zweifel daran, dass Hasael den Befehl, das Anwesen von Haus Minluzîr niederzubrennen, eigens gegeben hatte um Minûlîth zu treffen. In der Empfangshalle war es heiß und der Rauch ließ Edrahil husten. Kleine Flammenzungen leckten am Teppich und an allem anderen Brennbaren.
Edrahil kniff die Augen zusammen und sah durch den Rauch eine einzelne schmale Gestalt vor einer Wand aus Flammen stehen. Er tastete sich vorsichtig voran, bis er neben Minûlîth stand und durch die rückwärtigen Fenster hinaus auf den brennenden Garten schaute. "Wir sollten gehen", sagte er, gerade laut genug um das Feuer zu übertönen. Aus einem weiter entfernten Flügel des Anwesens war ein lautes Krachen zu hören, als vermutlich einer der Deckenbalken unter den Flammen nachgab und einstürzte.
"Warum?" Minûlîth wandte sich ihm zu, und Edrahil sah, dass ihr Tränen über die Wangen flossen. "Hasael hat uns geschlagen und vernichtet. Dieser Kampf ist vorüber."
"Er ist nicht vorüber", widersprach Edrahil, und spürte einen Schweißtropfen an seiner Schläfe herunterrinnen. "Nicht, solange wir noch Kraft haben."
"Aber welche Kraft habe ich noch? Seht mich an, Edrahil." Minûlîth wirkte verzweifelt und völlig im Gegensatz zu vorher tatsächlich am Ende ihrer Kräfte.
"Das tue ich", erwiderte Edrahil langsam, und unterdrückte ein erschrecktes Zucken als erneut ein weiter entfernter Teil des Hauses einstürzte. "Denk an deinen Sohn. Deine Schwester. Thorongil. Alle, die du liebst. Willst du sie alle im Stich lassen, nur wegen einer Niederlage?" Minûlîth schloss die Augen, und als sie sie wieder aufschlug spiegelten sich in ihnen die Flammen, doch es lag ein Hauch von Stahl in ihrem Blick.
"Ihr... Du hast Recht. Ich werde sie nicht alleine lassen - und Hasael wird für alles büßen, was er getan hat."

"Warum sagt ihr ihm das nicht selbst?", rief eine männliche Stimme von der Tür her, und Edrahil und Minûlîth fuhren in ihre Richtung herum. Vor der Tür, zwischen ihnen und der Straße hatten fünf Männer in dunklen Rüstungen Aufstellung genommen, mit einer roten Schlange auf den Armen. Edrahil legte die Hand auf seinen Dolch und Minûlîth tat es ihm gleich, während sie den Neuankömmlingen langsam entgegengingen. "Ich bezweifle, dass er sich darüber freuen würde", erwiderte Edrahil, doch der Anführer der Männer lachte nur. "Ganz im Gegenteil, nichts würde ihm mehr Freude bereiten. Er besteht darauf euch beide zu sehen."
"Ihr habt das Feuer gelegt um uns herzulocken", stellte Edrahil fest. Der Anführer ließ grinsend seine weißen Zähne sehen und breitete die Arme aus. "Und weil ein großes Feuer ein wunderschöner Anblick ist. Verzeiht, ich habe mich noch nicht vorgestellt: Mein Name ist Tarek, neuer Anführer der Leibwache des mächtigen Fürsten Hasael. Ich sollte euch danken, immerhin habt ihr mir diese Beförderung durch Aquans Beseitigung erst ermöglicht." Das Grinsen verschwand von seinem Gesicht, als er hinzufügte: "Lasst eure Waffen fallen und kommt widerstandslos mit - ansonsten wird es deutlich schmerzhafter werden als ohnehin schon." In Edrahils Kopf rasten fieberhafte Gedanken umeinander, doch er sah keinen Ausweg aus dieser Situation. Nur eines stand fest: Er würde sich nicht erneut von Hasael in einen Kerker werfen und womöglich foltern lassen. Edrahil fasste seinen Dolch fester, um hier zu kämpfen und zu sterben.

Bevor sich jemand rühren konnte, glaubte Edrahil hinter seinen Feinden einen Schatten vom gegenüberliegenden Dach fallen zu sehen, und im nächsten Augenblick stöhnte einer der Soldaten dumpf auf, stolperte einen Schritt nach vorne und fiel flach zu auf den brennenden Teppich. Aus seinem Nacken ragte ein einzelner Dolch.
Tarek stieß einen Fluch in einer Edrahil unbekannten Sprache aus, und fuhr mit gezogenem Schwert herum. Durch die Lücke in der Formation der Leibwachen sah Edrahil einen hochgewachsenen, schwarzhaarigen Mann in der Tür stehen, ein Schwert nach gondorischer Art in der Hand. Einen Herzschlag lang verharrten alle regunglos, doch dann griffen Hasaels Leibwächter den Neuankömmling gemeinsam an - ein Fehler, wie Edrahil rasch erkannte. Obwohl er alleine gegen vier Gegner stand, hatte der Mann sofort die Oberhand, denn er bewegte sich mit der Anmut einer großen Raubkatze und war um ein vielfaches schneller als seine Gegner. Ein Mann fiel, dann ein zweiter, und Sekunden später stand nur noch Tarek, der von einem kraftvollen Schwerthieb quer über die Brust gegen eine der Steinsäulen neben der Tür geschleudert wurde und dort reglos liegen blieb.
Als der siegreiche Neuankömmling das Schwert in die Scheide stieß und sich ihnen zu wandte, sagte Minûlîth leise: "Thorongil." Der Angesprochene neigte leicht den Kopf, und erwiderte heiser: "Melíril."
"Was...", setzte Minûlîth an, doch Edrahil unterbrach sie kurzerhand. "Für Begrüßungen, Fragen und alles andere ist später noch Zeit, für den Augenblick sollten wir hier verschwinden."
"Ich stimme zu, wer auch immer ihr seid", erwiderte Thorongil. "Ist noch jemand ihm Haus?"
"Nein, niemand." Minûlîth schüttelte den Kopf, und Thorongil streckte ihr die Hand entgegen. "Dann kommt, die Aglarbalak liegt im Hafen vor Anker."

Edrahil, Minûlîth und Thorongil auf die Aglarbalak
« Letzte Änderung: 13. Jan 2017, 23:34 von Eandril »

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