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Autor Thema: Das Haus von Cinad  (Gelesen 1393 mal)

Curanthor

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Das Haus von Cinad
« am: 18. Apr 2017, 19:35 »
Mathan aus Elronds Haus

Draußen senkte sich die Sonne dem Horizont entgegen und Cinad entzündete einige der Lampen, die in dem Wohnzimmer hingen. Bisher hatten sie nicht viel miteinander gesprochen, denn sein Onkel umging das Thema, das Mathan ganz am Anfang angesprach. Der dunkelhaarige Elb setzt sich wieder ihm gegenüber auf einen bequem aussehenden Sessel und verschränkte die Arme. Cinad blickte ihm in die Augen, doch er den strengen Blick stand, den er damals nicht gemocht hatte und auch jetzt nicht zu den Dingen zählen würde, die er jeden Tag sehen wollte.
"Also...", begann Cinad schließlich und legte die Arme auf die Lehnen seines Sessel, "Wie ich sehe, kann ich dich nicht dazubringen von dem Pfad abzuweichen."
Mathan regte sich nicht, stimmt nicht zu und verneinte auch nicht, denn Cinad wusste, was er erwartete. Eine ganze Weile lang starrte sie einander in die Augen, ehe sein Onkel zuerst den Blick abwandte, was recht ungewöhnlich war.
"Was ist los?", fragte Mathan und legte den Kopf schief, "Sonst bist du so abweisend und doch lädst mich in dein Haus ein und kannst mir nicht lange in die Augen sehen."
Ein Funken Zorn regte sich in Cinad, was ihm bedeutete, dass sein Onkel sich doch nich geändert hatte. Das Blitzen in den Augen verschwand jedoch schnell, wie Mathan feststellen konnte und sein Onkel schien seine Fassung wieder zu haben, während er sprach: "Zu ihren und deinem Schutz sollte ich gar nichts von deinen Fragen beantworten. Da du aber ihr Amulett trägst werde ich es tun, doch erwarte keine Geschichtsstunde. Frag."
Mathan nickte und ignorierte den barschen Ton, denn er antwortete im gleichen Tonfall: "Ringelendis ist deine Schwester, zumindest wurde das immer gesagt. Stimmt das?"
Auf Cinads Stirn erschien eine steile Falte und der Elb legte die Hände auf den Schoß. Nach einem langen Zögern schüttelte er kaum merklich den Kopf. "Wir sind nicht blutsverwandt", erklärte sein Onkel widerstrebend, "Sie kam nach Gondolin, bevor dein Vater dutzende Jahre danach zu unseren Volk stieß."
"Also bist du auch aus Gondolin. Erzähle mir mehr über sie, wie ist sie in deine Familie gekommen?", hakte Mathan neugierig nach.
"Ich bin aus dem Haus des Turms aus Schnee", erklärte Cinad mit einer Spur Wehmut in der Stimme, "Mein Fürst Penlod fand sie bei einem Ausflug in den vereisten Bergen. Sie hatte fast alle Erinnerungen verloren und sprach nur in einer merkwürdigen Sprache, die keiner Verstand. Aus Mitleid nahm mein Herr sie in das Haus auf und lehrte sie das Sindarin. Das Erste, was sie sagte war nur ein Wort: Ringelendis."
"Daher also der Name", murmelte Mathan nachdenklich und runzelte die Stirn, "Aber wo kam sie her?"
"Das hat sie mir nie gesagt. Wir hatten nicht viel miteinander zu tun, dennoch war ich wie ein großer Bruder für sie, auch wenn ich immer das Gefühl hatte, dass sie älter war als ich und sich bei mir verstellte. Sie lernte schnell, selbst für Elben, so drängte sich uns der Verdacht auf, dass Ringelendis wohl ihr Gedächtniss verlor, bevor wir sie fanden." Der Redeschwall seines Onkel ließ Mathan kurz schmunzeln, denn trotz der vorherhigen Ankündigung hielt Cinad einen Geschichtsvortrag, den er auch nicht unterbrach als Mathan schmunzelte und sogleich wieder ernst zuhörte. "Eigentlich war nichts besonderes an ihr, sie lernte schnell, wurde im Kampf unterwiesen wo sie bald zu den Besten gehörte und verließ Gondolin äußerst selten. Nur einige Male verschwand sie für einige Wochen, ohne dass jemand wusste wohin. Einzig unser Fürst schien bescheid zu wissen, was er aber für sich behielt."
Eine kurze Pause trat ein, in der Cinad unwirsch den Kopf schüttelte. Als er keine Anstalten machte weiterzusprechen fragte Mathan: "Warum gab sie sich den Namen Irloê?"
"Vermutlich um schmerzhafte Erinnerungen zu vermeiden... die Schlacht um Gondolin war eine Tragödie. Der Kampf an den Mündungen des Sirion ebenfalls, viele würden sogar sagen, dass dieser sogar noch grausamer war. Du weißt warum", antwortete Cinad halb düster, halb nachdenklich und schlug ein Bein über das Andere, "Sie hat so gut wie nie über persönliche Dinge gesprochen, das einzige Mal als sie weich wurde, war bei unserer Ankunft am Sirion."
"Amarin", murmelte Mathan und schlug stumm mit der Faust auf sein Knie. Sein Vater schuldete ihm doch noch einige Erklärungen, nun da Elrond und Cinad beide die gleiche Geschichte erzählten.
"Ich kannte ihn damals nicht, niemand tat das. Er erschien einfach einen Tag, nachdem wir dort angekommen waren. Seine Rüstung hing in Fetzen, sein Schwert war schartig und verbogen, trotzdem erkannte Ringelendis ihn. Scheinbar kannten sie sich von früher, bevor sie die Erinnerungen verloren hatte. Nach der Ankunft deines Vaters brach der Kontakt ab und wir gingen getrennte Wege."
Das würde auch die Verbitterung erklären, dachte Mathan sich und schob den Gedanken rasch in den hintersten Winkel seines Kopfes. Cinad erhob sich und verschwand in den hinteren Teil des Hauses, wo scheinbar sein Studienzimmer lag, denn nach einem kurzen Moment kehrte sein Onkel mit einer Schriftrolle in der Hand zurück. Wortlos reichte er ihm das Pergament, woraufhin Mathan ihn fragend anblickte.
"Eine mögliche Spur", erklärte Cinad unwirsch, "Elrond bat mich, dies zu verwahren. Er hatte wohl keine Verwendung mehr dafür und ich kann es ebenfalls nicht gebrauchen."
Dankend nahm er die Schriftrolle entgegen und wollte sie entfalten, doch Cinad hielt ihn mit einer Handbewegung davon ab. Dabei erklärte er, dass Elrond dabei sein sollte, da es immerhin seine Schriftrolle sei.
"Natürlich", murmelte Mathan etwas enttäuscht und blickte seinem Onkel in die Augen, "Danke für deine Hilfe." Cinad brummte nur etwas unverständliches und winkte ab, scheinbar war er froh die Schriftrolle loszuwerden. "Ich werde mich dann zurückziehen, ", sagte Mathan und verabschiedete sich von Cinad. Auf der Türschwelle hielt er ihn jedoch kurz am Ärmel zurück und fragte: "Mathan, du spürst den Ruf, nicht wahr?" Eine greifbare Spannung lag in der Luft, ehe Cinad seinen Ärmel losließ, "Viel Glück. Und wenn du meinen nichtsnutzigen Sohn über dem Weg läufst, sage ihm, er muss noch mein Arbeitszimmer aufräumen."
"Werde ich und danke für die Antworten", verabschiedete sich Mathan hastig. Cinad nickte und schloss die Tür hinter ihm. Mittlerweile war es tief in der Nacht und Imladris wurde von dutzenden Lampen erhellt. Mathan atmete tief durch, während er ein paar Schritte machte, weg vom Haus Cinads. Sein Onkel war noch immer merkwürdig, aber das durfte einem nicht wundern, wenn man eine Trollkeule gegen den Kopf bekam. Trotzdem konnten sie sich nicht gerade als beste Freunde bezeichnen, jetzt da klar war, dass er eigentlich nicht direkt zur Familie gehörte. Kurz dachte er an Kerry, die er ja auch adoptiert hatte und beschloss es niemanden zu erzählen, denn Cinad hatte es nicht umsonst so lange für sich behalten. Nachdenklich setzte sich Mathan auf die schmale Bank vor dem Hause seines Onkels und betrachtete die Schriftrolle in seinen Händen. Halarîn wüsste mit Sicherheit, was der bessere Schritt war. Der Gedanke an seine Frau war schmerzhaft und mischte sich mit dem Drang fortzugehen. Mathan lenkte sich damit ab, dass Amarin ihm nicht alles gesagt hatte, was er wusste. Eine Spur von Ärger mischte sich unter seine Gefühle, doch wirklich darüber aufregen konnte er sich nicht. Seine Eltern hatten Grund genug, um ihre Vergangenheit zu verwischen oder Dinge für sich zu behalten. Schließlich kam ihm Elronds Satz in den Sinn: Manche Geheimnisse müssen sein, aus Schutz oder weil man noch nicht bereit für manche Dinge ist.
Zwar hätte Mathan lieber die womöglich unbequeme Wahrheit, doch sah er durchaus den Sinn hinter den Worten. Grübelnd holte er das Amulett seiner Mutter hervor und spielte damit im Gedanken versunken herum. Dabei ging er all die Dinge im Kopf nochmal durch, die er am heutigen Tag erfahren hatte. Zwar war er bei Cinad immer etwas skeptisch, doch war es logisch und deckte sich mit dem, was Elrond ebenfalls erzählt hatte. Mathan seufzte und umklammerte das kühle Metall etwas fester.
« Letzte Änderung: 19. Apr 2017, 03:11 von Curanthor »