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Autor Thema: Napata  (Gelesen 4859 mal)

Melkor.

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Napata
« am: 6. Okt 2018, 18:35 »
„Die Stadt brennt!“ brüllte einer der Seeleute und wies damit nur auf das Offensichtliche hin. Napata - die wichtigste Hafenstadt des Reiches von Kerma und Haupthafen der königlichen kermischen Flotte - stand in Flammen. Die meisten Feuer brannten auf den Höfen außerhalb der Mauern, doch auch innerhalb der Befestigungen stieg einiges an Rauch auf. Músab stützte sich schwer auf die Krücke, mit der er sich aufrecht hielt, und sein Herz verfinsterte sich. So weit ist es also schon gekommen, dachte er niedergeschlagen. Kashta greift also tatsächlich erneut nach der Krone. Er dachte für einen Augenblick an das Einzige, was diesen Krieg eventuell hätte verhindern können: Das uralte Königssymbol Anlamanis, der Zahn des Schwarzdrachen. Hätte es sich in Músabs Besitz befunden, wäre sein Herrschaftsanspruch unanfechtbar gewesen. Doch keine Nachricht war von den beiden jungen Mädchen zum Qore gekommen, die er auf die Suche nach dem Königssymbol geschickt hatte. Insgeheim fragte Músab sich, ob er Narissa und Aerien in den sicheren Tod geschickt hatte...

Er schüttelte diese düsteren Gedanken ab. Es galt nun, einen Krieg zu gewinnen und sein Volk vor weiterem Leid zu bewahren. Und wenn ihm das gelingen sollte, würde es seine vollständige Aufmerksamkeit erfordern.
„Volle Fahrt auf den Hafen beibehalten,“ befahl er und arbeitete sich zum Steuer der Kadarzimril vor. Das mächtige Kriegsschiff nahm Geschwindigkeit auf und näherte sich der breiten Einfahrt des Hafens, die nahe der Mündung des Flusses Sobat in den Golf von Kerma im Schutze eines starken Seewalls lag. Die rote Flagge Kermas und das Schiff selbst waren bei den Seeleuten am Hafen gut bekannt, weshalb sich das Seetor öffnete, als Músabs Schiff herangekommen war. So schnell wie möglich legte die Burgherrin an einem der freien Kais an und die Besatzung eilte von Bord.
„Wo ist der Statthalter?“ herrschte Músab einen der napatischen Hafenarbeiter an. „Wo ist Aramatelqo?“
„Er ist tot, Euer Gnaden,“ stieß der Mann verzweifelt hervor. „Ermordet von Verrätern! Sahadiq, der Kommandant der Stadtgarde... hat ihm hinterrücks die Kehle durchgeschnitten! Dabei war Herr Aramatelqo, der Statthalter, stets wie ein Vater für Sahadiq gewesen...“

„Verdammt,“ knurrte Músab, ehe er die aus Assuit mitgebrachte Garde der Ayasel sowie König Abdul auf dem Kai antreten ließ. „Sichert die Straßen und seht zu, dass die Feuer in der Stadt gelöscht werden! Und bringt die Lage auf den Mauern und in den Straßen in Erfahrung! Mein Bruder und ich gehen zur Residenz des Stadtherren, um die Verteidigung der Stadt zu übernehmen. Los jetzt!“
Die Krieger setzten sich in Bewegung. Musáb warf einen raschen Blick zu Aglâran hinüber, der am Kai Posten bezogen hatte. Der schweigsame Gardist würde dafür sorgen, dass kein einziger Feind in die Nähe der Kadarzimril gelangen würde.
Während Abdul und die Krieger Assuits in Richtung der Brandherde loszogen, schlugen Alára und Músab den Weg zum Sitz Aramatelqos ein, gefolgt von Taloraqen. Ein Donnern erklang in der Ferne und sie blickten zum rauchverhüllten Himmel hinauf, während sie weiter voran eilten. Brennende Geschosse schlugen in den Straßen der Stadt ein, die von Belagerungsmaschinen außerhalb der Mauern stammen mussten.
„Eilt euch!“ rief Músab, der seine Krücke inzwischen weggeworfen und stattdessen sein Schwert gezogen hatte. Er humpelte, doch er konnte sich bewegen. Der Qore biss die Zähne zusammen. Es würde gehen... irgendwie. Es musste.
An der Residenz des Statthalters angekommen fanden sie das große Gebäude zum Großteil verlassen vor. Nur ein kleines Häufchen von Soldaten war gerade dabei, einige Stadtbewohner innerhalb der dicken Mauern der Residenz in Sicherheit zu geleiten. Sie waren so sehr mit ihrer Aufgabe beschäftigt, dass sie die Ankunft Músabs und seiner Begleiter nicht zu bemerken schienen. Doch dann entdeckte der Anführer der kleinen Gruppe die Neuankömmlinge und eilte ihnen die Stufen der Residenz hinab entgegen, während der Rest der Soldaten weiter ins Innere eilte.
„Was tun kampferprobt aussehende Veteranen wie ihr hier?“ fragte er ohne Umschweife. Er schien weder Músab noch dessen Bruder zu erkennen, was vermutlich an den Helmen lag, die sie trugen, denn diese verdeckten den unteren Teil des Gesichtes. „Solltet ihr nicht dabei helfen, das Tor zu verteidigen? Wir befürchten, dass wir es dank der Sabotage des elenden Verräters Sahadiq nicht mehr lange halten werden können!“

„Das Tor wurde sabotiert?“ fragte Alára eilig nach. Dann fluchte er.
„Wir werden sofort dorthin gehen,“ entschied Músab. „Bringt weiterhin die Zivilisten in Sicherheit. Ich übernehme das Kommando über die Verteidigung.“
„Wer... Augenblick. Ich dachte, das Gerücht über die Ankunft des königlichen Flaggschiffes am Hafen sei nicht mehr als das - ein Gerücht, aber wenn es stimmen sollte... Qore Mùsab? Seid Ihr es wirklich?“
„Ich bin es,“ bestätigte Músab. „Doch die Zeit drängt, Gardist. Zeig uns den Weg zum Tor und sei bereit, dein Schwert zur Verteidigung Napatas zu ziehen.“
„Wie Ihr befehlt, Euer Gnaden!“ bestätigte der Soldat. Dann eilte er voraus, die raucherfüllten Straßen der Stadt entlang.

Auf dem Weg zum Haupttor stießen sie überall auf verzweifelte Menschen. Panik breitete sich unter den Stadtbewohnern aus und auch einige der Stadtwächter waren bereits von der Verzweiflung ergriffen worden und hatte den Kampf aufgegeben. Der Soldat, den sie am Sitz des Stadtherren getroffen hatte und dessen Name Famareeq lautete, erzählte Músab unterwegs hastig, was geschehen war. In dem Moment, in dem die Belagerung Napatas begonnen hatte, hatte Sahadiq, der Kommandant der Stadtwache, seinen Ziehvater Aramatelqo ermordet sowie das eiserne Fallgatter, das das Stadttor verschloss, sabotiert, sodass es nicht mehr geschlossen werden konnte. Nun hielt nur noch ein Tor aus verstärktem Holz die Angreifer in Kashtas Diensten außerhalb der Stadt, doch genau wie der Rest der Mauern hatte dieses bereits schweren Schaden durch die Katapulte erlitten.
Genau in dem Moment, in dem Músab, Alára und Taloraqen auf dem Platz vor dem Tor eintrafen, krachten die geschundenen Torflügel mit Gewalt auseinander. Ein gut gezielter Schuss der Belagerungsmaschinen hatte ihren Widerstand schließlich gebrochen. Haradrim-Krieger unter dem Banner Kashtas stürmten herein, einen wilden Kriegsschrei ausstoßend. Die wenigen verbliebenen Verteidiger bildeten eine halbherzige Verteidigungslinie. Mit Wucht prallten die Kämpfer Kashtas dagegen und ein blutiges Gefecht begann. Auch Músab und seine Begleiter stürzten sich in die Schlacht, wobei Músab von seiner Verletzung im Kampf noch ein wenig eingeschränkt war. Er begnügte sich zunächst, Alára den Rücken zu decken, der sich wie ein Berserker durch die Haradrim Kashtas kämpfte. Doch dann verloren sich die beiden aus den Augen, als Alára zu rasch in eine sich in den Feindesreihen öffnende Lücke vorrückte. Músab fand sich in die Defensive gedrängt wieder. Dennoch gelang es ihm, zwei seiner Feinde zu entwaffnen und sich etwas Freiraum zu verschaffen. Dabei erhaschte er einen Blick auf Famareeq, der ihn hierher geführt hatte. Der tapfere Kermer hielt die dünne Verteidigungslinie der Stadtwachen mit raschen Befehlen davon ab, einzubrechen und schien als einer der einzigen einen klaren Kopf zu bewahren. Músab machte sich eine geistige Notiz, Famareeq später für seine Leistungen zu befördern... falls sie beide diese Schlacht überlebten.
Von diesem Gedanken abgelenkt sah er einen Hieb gegen seinen Kopf nicht kommen und verlor seinen Helm, als sich die Spitze eines Speeres darin verfing. Músab nutzte die Verdutztheit des Haradrim-Kriegers, der ihn angegriffen hatte und öffnete mit einem raschen Hieb dessen Kehle.

Einer der Stadtwächter in der Nähe erkannte ihn. „Der Qore kämpft an unserer Seite! Er ist wirklich hier!“ rief er und die Nachricht breitete sich rasant unter den Verteidigern aus. Einige schöpften neuen Mut und die Verteidigungslinie hielt stand, doch Músab wusste, dass sie gegen die zahlenmäßige Übermacht Kashtas nicht ewig durchhalten würden. Von einem grimmigen Mut erfasst schluckte er seinen Schmerz hinunter und ging erneut zum Angriff über.

Noch eine blutige Stunde lang dauerte der Kampf am Stadttor. Beide Seiten mussten schwere Verluste hinnehmen. Músab selbst war es gelungen, weitere Verletzungen zu vermeiden, doch er spürte, wie ihn seine Kräfte verließen. Die Wunden, die er auf Assuit erlitten hatten, forderten trotz des Heilmittels inzwischen ihren Preis. Er stützte sich schwer atmend auf sein Schwert, als er sich für einen Augenblick hinter die Verteidigungslinie zurückgezogen hatte, um wieder zu Atem zu kommen. Die königliche Garde, die an Bord der Burgherrin gewesen war, half zum Großteil bei der Verteidigung der Mauern, doch jene, die mit dem Löschen der Brände beschäftigt worden waren, waren inzwischen an die Seite ihres Königs zurückgekehrt und sorgten dafür, dass die Linie am Tor standhielt.
Músab war nachdenklich geworden. Es ging ihm nicht mehr aus dem Kopf, ob er diesen Krieg irgendwie hätte verhindern können. Kashta hatte sich mit Sûladan, dem Herrscher des Sultanats Harad verbündet, was wohl erst dadurch möglich geworden war, dass sich Músab Qúsays Rebellion angeschlossen hatte. Was wäre geschehen, wenn Kerma Sûladan - und damit Sauron - treu geblieben wäre?
Laute Schreie rissen ihn aus den Gedanken. Sie kamen von den Verteidigern auf dem Tor, die auf etwas zeigten, das sich jenseits der hohen Mauern Napatas befand.
König Abdul tauchte urplötzlich vor Músab auf. „Das solltest du dir ansehen, Músab,“ sagte der Herr von Assuit und deutete auf die Treppen in der Nähe, die zu den Mauern hinauf führten. „Eile dich!“
Der Angriff am Tor schien für den Moment zu erlahmen, weshalb Músab, gefolgt von Taloraqen und Abdul, rasch die Mauer erklomm. Seine Verletzung machte ihm dabei zu schaffen, doch schließlich hatte er es geschafft. Erstaunt riss er die Augen auf bei dem Anblick, der sich ihm vor der Stadt bot. Zwei kermische Kriegsolifanten waren gerade dabei, die zahlreichen Katapulte der feindlichen Streitmacht gründlich zu zertrampeln. Die Haradrim Kashtas waren zum Großteil in Unordnung geraden und nun rückten die verbliebenen Verteidiger des Tores, angeführt von Alára, unbarmherzig gegen ihre Feinde vor. Mit der Hilfe der Mûmakil gelang es ihnen im Laufe der nächsten halben Stunde, das gesamte feindliche Heer in alle Winde zu verstreuen.

Auf den Stufen vor der Residenz des Stadtherren traf Músab eine Stunde später wieder mit seinem Bruder zusammen. Aláras Waffen und Rüstung waren über und über mit Blut bespritzt, doch er trug ein grimmiges Lächeln im Gesicht. Hinter sich her schleifte er eine übel zugerichtete Gestalt, die er Músab nun vor die Füße schleuderte.
„Wir haben ihn erwischt, als er sich gerade aus dem Staub machen wollte,“ sagte Alára zufrieden, als Músab den Verräter Sahadiq erkannte. Dieser schien kaum bei Bewusstsein zu sein, so sehr hatte Aláras Behandlung ihn mitgenommen.
„Sehr gute Arbeit. Die Stadt ist gerettet und die Schlacht ist gewonnen. Und was diesen Verräter angeht... schafft ihn auf die Kadarzimril und sperrt ihn dort ein. Wir befassen uns später mit ihm. Ich will, dass alle kampffähigen Krieger sich an den Docks einfinden. Wir schiffen uns so schnell es geht zur Hauptstadt ein und fahren den Sobat im Eiltempo hinauf. Wir mögen diese Schlacht gewonnen haben, doch der Krieg ist noch lange nicht vorbei. Kashta wird sich von diesem Rückschlag nicht aufhalten lassen. Sein Ziel ist und bleibt der Thron Kermas... den wir mit allem was wir haben verteidigen müssen.“

Músab machte eine Pause und wandte sich an die Stadtbewohner, die sich inzwischen ringsum versammelt hatten. „Ich weiß, dass ihr schwere Verluste erlitten habt. Doch ich danke euch für eure Treue und Tapferkeit, und ich verspreche euch, dass ich beides nicht vergessen werde. Euer Statthalter, mein guter Freund Aramatelqo, ist durch die Klinge des Verräters gestorben, über den ich schon bald mein gerechtes Urteil sprechen werde. Doch nun braucht diese Stadt einen neuen Befehlshaber. Ich stelle euch unter die Obhut des Stadtwächters Famareeq, der sich in meinen Augen als fähig bewiesen hat. Er soll der neue Kommandant der Garnison sein und die Geschicke Napatas leiten, bis dieser Krieg zu Ende gegangen ist.“
Famareeq senkte demütig das Haupt, und Músab legte ihm die rechte Hand auf die Schulter. „Ich weiß, dass du mich nicht enttäuschen wirst,“ sagte der Qore.
„Nein, Euer Gnaden. Das werde ich nicht,“ antwortete der neue Stadtherr Napatas mit Ehrfurcht in der Stimme.
Músab nickte ihm aufmunternd zu, dann wandte er sich ab. Er war in Eile, denn nun galt es, einen Krieg zu gewinnen...
« Letzte Änderung: 19. Okt 2018, 09:20 von Fine »
Er hat noch gezuckt weil ich ihm meine Axt in seine Nervenstränge getrieben habe.

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Re: Napata
« Antwort #1 am: 15. Okt 2018, 07:36 »
Während die Schiffe Napatas mit Waffen, Rüstungen und Vorräten beladen wurden, hatte man endlich die letzten kleinen Glimmbrände löschen können. Die starken Mauern Napatas hatten der Belagerung standgehalten, jedoch zu einem hohen Preis: Sämtliche Höfe außerhalb der Stadt waren restlos niedergebrannt worden und die Wohnhäuser hinter den Mauern lagen teilweise in Trümmern. Einer der Türme der Stadtmauer war dem Beschuss der Belagerungswaffen Kashtas zum Opfer gefallen und das Tor war geborsten. Die Niederlage war knapp verhindert worden, doch die Schlacht hätte ohne Unterstützung der Besatzung der Kadarzimril jedoch deutlich mehr Opfer gefordert. Auch hatte der Verrat des Kommandanten einen Einfluss auf die Moral der Verteidiger, noch am selben Tag jedoch sollte über das Schicksal von Sahadiq, dem Verräter, geurteilt werden.
Hunderte Bewohner der Stadt hatten sich auf dem großen Platz eingefunden auf dem der Qore selbst, als oberster Richter, sein Urteil fällen sollte. Músab hatte auf einem Podest einen guten Überblick über sein Volk. Alára, sein Bruder, sowie seine Tochter Alyana und Abdul, der König Assuits, saßen hinter ihm. Der Gardist Aglâran stand in eingem Abstand und beobachtete durch das Visier seines schwarzen Helmes das Geschehen, ohne jedoch einzugreifen. Viele der Anwesenden waren von den Ereignissen der letzten Stunden gezeichnet. Um das gesamte Podest waren Wachposten aufgestellt worden, die Reihe an Reihe standen und die Verhandlung vor Störern schützen würden.
"Ruhe! " schrie Alára, als sich Músab, trotz edelster Kleidung und der Krone anstatt eines Helmes auf dem Haupt, auf einer Krücke stützend einige Schritte vor bewegte.
"Mein Volk, wir sind heute hier, um Gerechtigkeit walten zu lassen." begann der König, und seine Stimme klang hart und streng. "Viele von euch haben Väter, Söhne, Brüder oder Ehegatten in dieser Schlacht verloren. Viele treue Soldaten und Männer Kermas... Nur mit Müh und Not konnte das Leben aller Bewohner der Stadt gerettet werden, Nur mit Müh und Not hatte das Opfer dieser Männer letzten Endes einen Sinn." Músabs Blicke glitten über die eigentlichen Opfer dieser Schlacht, Witwen und Halbwaisen, welche nun um ihre Existenz bangen mussten. Er wusste, dass diese Familien nun auf die Hilfe des Königs angewiesen waren.
"Heute werden wir über das Schicksal eines Mannes urteilen, dessen Verrat tiefe Wunden hinterlassen hat." sprach nun Alára. Grob wurde der Gefangene vor Músab geschleppt, der sich inzwischen auf seinen Stuhl gesetzt hatte, und mit einem harten Schlag in die Kniekehlen zum Knien gebracht.
"Indem dieser Mann, den vom König eingesetzten Stadthalter hinterrücks ermordet hat, hat er sich gleichzeitig für einen Angriff auf die Krone schuldig gemacht," fuhr Alára fort. "Er hat den Mann umgebracht, der wie ein Vater für ihn war, ihn als kleinen Jungen, als einzigen Sohn, von der Straße aufgenommen hat. Der ihm ein gutes Leben geboten hat!" Músab spürte, wie der Zorn in ihm aufstieg, während sein Bruder weiter redete. "Zudem hat er sich mit seinen Mitverschwörern der Sabotage schuldig gemacht, in dem er das starke Eisengitter des Haupttores beschädigte, um so den Belagerern einen großen Vorteil zu schaffen. Doch seine Taten hatten nur einen einzigen Grund. Denn wie jeder von euch wusste, war Statthalter Aramatelqo selbst kinderlos. Keiner hätte Sahadiq je das Erbe streitig gemacht, welches ihm ursprünglich nicht einmal zustand... Er hat nur seiner eigenen Sache gedient... Ein Speichellecker Kashtas durch und durch." Stimmen aus der Bevölkerung wurden laut, hängen sollte man ihn, den Kopf abschlagen oder in der Arena gegen wilde Bestien kämpfen lassen.
"Genug!" rief Músab und ergriff nun wieder selbst das Wort, sich direkt an den Verräter wendend. "Aufgrund der Schwere eurer Taten verurteile ich dich zum Tode - das Urteil wird sofort vollstreckt werden."
Der Verräter lächelte und spuckte anschließend dem Qore für die Füße. "Ihr seid schwach!" sprach er zu Músab, "Genau so wie mein 'Vater'!" rief er laut, für jeden der Anwesenden hörbar. "Kashta, der wahre König Kermas, wird wieder..." er verstummte, als Aláras Handfläche auf seine Backe landete.
"Sei still!" knurrte Alára.
Der König zögerte einen Moment, bis er sich schließlich aufrichtete. "Ich verurteile dich so, wie man früher Hochverräter bestraft hat," sagte er nachdrücklich. "Sämtliche Zeichen deiner Existenz werden bollkommen ausgelöscht werden."
Die Bewohner der Stadt waren sichtlich schockiert über die Härte der Bestrafung, denn seit mehr als zweihundert Jahren war diese Art der Bestrafung nicht mehr vollzogen worden. Eine Bestrafung, deren Härte sich mit keiner anderen Strafe messen konnte. Nur wenige Momente später hatte man die Frau des Verräters vorgebracht. Sahadiq selbst wurde grob zum Zusehen gezwungen.
"Bevor du stirbst, wirst du den Tod deiner Frau bezeugen," sprach Alára der ruckartig das Haar von Sahadiq nach oben zog. Die nur in einem weißem Laken gekleidete, junge Frau wurde nun schließlich von zwei Soldaten an einem großen Mast gebunden unter dem mehrere Holzbündel aufgereiht waren, während ihr von einem weiteren Soldat das Laken abgenommen wurde, und ihr nackter Oberkörper öffentlich zur Schau gestellt wurde. Nachdem die Soldaten ihre Pflicht getan hatten, warfen die Henker kleine, mit Öl gefüllte Flaschen auf den Scheiterhaufen, bevor sie mehrere Fackeln drauf legten. Aus dem lauten verzweifelten Geheule der jungen Frau wurde ein qualvolles Gekreische, welches selbst dem standhaftesten aller Männer zusammen zucken ließ. Alyana war entsetzt über die Brutalität der Strafe und konnte nur mühsam die Tränen zurückhalten.
Wenige Momente später verstummte das Kreischen. Obwohl man einigen der Zuschauer das Entsetzen, welches wie eingemeißelt wirkte, ansah, sah man jedoch auch einen Teil von Zufriedenheit - Gerechtigkeit für den Sohn oder Vater, den man durch den Verrat des Kommandanten verloren hatte. Als nun schließlich auch der Verräter selbst ohne viele Worte zum Block geführt und dort schließlich öffentlich enthauptet wurde, wuchs dieser Teil etwas mehr.
"Der Verräter hat seine gerecht Strafe erhalten!" hallte es aus der Menge. Andere jedoch drehten angewidert ihre Köpfe weg. Zweifelsohne hatte Músab mit dieser Bestrafung gezeigt, was aus Hochverrätern werden würde.
Der Qore löste die Versammlung mit wenigen abschließenden Wörtern auf. Viele der Bewohner befürworteten die Härte und boten ihre Dienste in den folgenden Schlachten an. Andere trug man auf, die Stadt wieder auf Vordermann zu bringen. Auch hatte der neue Stadthalter ein königliches Dekret erhalten, indem erklärt wurde, dass jede Witwe und jeder Halbwaise auf die Unterstützung der Krone hoffen konnte.
Wenige Stunden später liefen acht Schiffe aus den großen Hafen von Napata aus. Jedes hatte mehr als drei dutzende Soldaten oder Milizen an Bord, die fest entschlossen waren, dem König gegen Kashtas Rebellion zu helfen. Ihr Ziel war die königliche Hauptstadt.... Kerma.

Músab mit Aglâran und dem königlichen Gefolge den Fluss hinauf zur Hauptstadt
« Letzte Änderung: 19. Okt 2018, 09:19 von Fine »
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Curanthor

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Der gebrochene Mann
« Antwort #2 am: 17. Jun 2019, 01:40 »
Aglarân aus der Mehu-Wüste

Die Reise dauerte fast eine Woche, während er die großen Straßen mied. Er konnte nicht wissen, ob schon Mordors Schergen nach ihm suchten, oder man ihn überhaupt als Verräter abgestempelt hatte. Nach dem Kampf mit Bâlakan war er sich aber ziemlich sicher, dass es so war. Seine Vorräte waren fast aufgebraucht, als die Stadt am Horizont sichtbar wurde.

Er hatte Glück, die Wachen am Eingang der Stadt wussten, dass sich im Gefolge König Músabs ein Schwarzen Númenorer befand, so wurde ihm der Zutritt gewährt - wenn auch höchst widerwillig. Aglarân hatte schon aus der Entfernung gesehen, dass die Stadt in dem Krieg üblen Schaden genommen hatte. Er war nur ganz kurz in Músabs Begleitung hier gewesen und hatte die Schiffe bewacht, an den Kämpfen in der Schlacht war er unbeteiligt gewesen. Langsam schlenderte er durch die Stadt, die nur langsam wieder aufgebaut wurde. Scheinbar fehlte viel Material, vor allem Holz. Einige Gebäude waren notdürftig abgestützt, andere wurden komplett niedergerissen. Der Großbrand hatte selbst intakte Gebäude durch den Rauch und die Asche unbewohnbar gemacht. Ihm entgingen nicht die misstraurischen Blicke, die ihm zugeworfen wurden, aber sie waren nicht feindlich. Es zeigte scheinbar Wirkung, dass er seinen Helm gegen einen Turban getauscht und einen Mantel trug. Da ihm so oder so kaum jemand länger als drei Herzschläge ins Gesicht blicken konnte, machte es ihm nicht ganz so viel aus, wie er zuvor befürchtet hatte. Zielstrebig schlug er den Weg zum Hafen ein. Auf der großen Hauptstraße, die von Leben gefüllt war, wimmelte es so vor Menschen aus allen Herren Ländern. Nicht umsonst war Napata der wichtigste Handelsstadt Kermas. Jemand stieß hart gegen seine Rüstung. Aglarân blickte hinab und bemerkte ein junges Mädchen, das vielleicht zehn Jahre alt sein mochte. Durch den Zusammenprall, war sie auf dem Hintern gelandet. An ihrer Stirn prangte eine frische Prellung.
"Wo ist dieses Gör schon wieder?", bellte ein herrische Stimme von der Seite.
Das Mädchen zuckte sofort zusammen und kroch im Staub der Straße rückwärts, weg von dem Haus, aus dem die Stimme gekommen war. Aglarân betrachtete sie dabei fasziniert, wie ein Insekt, das man gerade zum ersten mal sah. Noch nie hatte er in Kerma ein Kind gesehen, die in so schlechter Verfassung war wie sie. Ihre Kleidung - was wohl mal ein weinrotes Kledichen war - hing in Fetzen an ihrem mageren Körper und verhüllte weniger als ihr lieb zu sein schien, doch die Furcht in ihren braunen Augen war so groß, dass sie fast panisch versuchte zu entkommen. Aglarân blickte sich um, doch die umstehenden Menschen blickten angestrengt zur Seite, oder beeilten sich ihren Geschäften nachzugehen. Er wunderte sich, dass die Stadtgarde nichts unternahm. Sein Eindruck von Músab war, dass er solche Zustände niemals zulassen würde. Scheinbar war das nur in der Gegenwart des Königs möglich. Wenn er fort war, fielen die Menschen wieder in ihre üblichen Gebräuche zurück. Er vermutete, dass auch die Kriegszeit und damit die Belastung auf der Bevölkerung Schuld an der Lage war.
"Da bist du ja!", kläffte der Vater des Mädchens und hob sie ruckartig am Arm hoch, "Ich habe dir doch verboten das Haus zu verlassen. Die Strafe dafür kennst du ja."
Aglarân musterte den Mann, der scheinbar irgendeine Autorität besaß, denn die Menschen, die stehengeblieben waren, beeilten sich weiterzugehen. Es war ein athletischer Kerl, dessen durchtrainierter Körper teilweise in kermischer Rüstung steckte, bis auf den nackten Oberkörper. Das dunkelbraun gebrannte Gesicht war jedoch eingefallen, die Wangen rot und die Nase krumm, wahrscheinlich mehrfach gebrochen. Ein schmutziger Kinnbart, der von einer breiten Narbe diagonal durchtrennt wurde, rundete die jämmerliche Erscheinung ab. Der erboste Vater bemerkte seinen Blick und baute sich vor ihm auf.
"Was gibt es da zu glotzen? Wie ich meine Tochter behandel, ist meine Sache!", schnauzte er ihn an. Aglarân musste nicht einatmen um zu wissen, dass vor ihm ein Trunkenbold stand. Er nickte dem Säufer knapp zu und wandte sich zum Gehen. Sich in Angelegenheiten einmischen war nicht seine Art.
"Tzsk, dahergelaufener Straßenköter", ertönte es leise hinter ihm, "Tut so als ob ihn alles etwas angeht. Gehen wir jetzt, das Abendessen fällt für dich natürlich aus, dafür gibts den Gürtel."
Sein Stiefel stoppt augenblicklich. Vielleicht war es doch nicht so schlimm, sich ein wenig einzumischen. Seine Handschuhe knirschten leise, als er seine Hände zu Fäusten ballte.
"Was war das?", fragte Aglarân über seine Schulter.
"Ha? Höre ich da jemanden kläffen? Geh weiter und steck dein Narbengesicht nicht in Dinge, die dich nichts angehen. Ich bin Kommandant in der Stadtgarde, was ich sage gilt. Jetzt scher dich davon!"
Aglarân unterdrückte den Impuls nach seinem Schwert zu greifen und diese Made niederzumetzeln.
"Ich fürchte, dass ich das nicht mehr tun kann", antwortete er stattdessen und drehte sich wieder zu dem betrunkenen Kommandanten, "Zumindest nicht, bis das hier geklärt ist."
"Ach, du fürchtest dich? Trägst die dicke Rüstung wohl nur zur Schau eh?" Der Kommandant lachte leise und winkte zur Seite. Ein Diener eilte herbei und brachte einen Säbel. "Ich habe die Schlacht um Assuit und später die um Napata überlebt und dutzende Männer getötet. Ein weiterer Toter schadet nicht. Ich verhafte Euch wegen Stiftung öffentlichen Aufruhrs, leistet Ihr Widerstand, werde ich die Drohung wahr machen."
Einige Leute waren stehen geblieben und tuschelten leise durcheinander, was rasch zu einer Menschentraube anschwoll.
"Männer die Drohungen aussprechen müssen, sind keine Krieger. Ihr hattet nur Glück die Schlachten zu überleben", entgegnete Aglarân kühl und breitete die Arme aus, "Kommt nur, ihr dürft den ersten Schlag ausführen."
Er wusste, das der Kommandant durchaus kampfbereit war und achtete darauf, dass sich nicht die übrige Stadtgarde einmischte. Zumindest war die Menschenmenge zu groß, ein wenig Zeit hatte er. Aglarâns Blick ging zu dem Mädchen, dass von dem Diener des Kommandaten festgehalten wurde. Ihre runden Augen wandterte zwischen ihm und ihrem Vater hin und her. Noch immer las er darin Furcht. Er fixierte den wütenden Vater, dessen Augen einen hasserfüllten Ausdruck annahmen. Mit einem Brüllen stürtze er nach vorn und schwang seinen Säbel von der Seite, um Aglarâns Kopf abzuschlagen. Doch er hatte den Schlag kommen sehen - der zudem auch noch zu weit ausgeholt war. Er machte einen Schritt nach vorn und blockte den Arm des Kermers. Ein Faustschlag gegen das Kinn ließ den Mann zurücktaumeln. Der Kommandant grunzte und spuckte Blut.
"Nicht schlecht für einen Straßenköter, wenn wir fertig sind muss ich woanders meine Wut auslassen-..."
Aglarân ließ ihn nicht weitersprechen und zog seine eigene Klinge, die unter dem Mantel bisher verborgen war. Dabei blitzte die schwarze Rüstung deutlich sichtbar hervor. Die ebenfalls schwarze Klinge ließ die Gaffer aufgeregt tuscheln. Er ignorierte es und setzte einen Stich auf den Bauch an, änderte die Stoßrichtung und verwundete den Kommandanten am rechten Arm, den er zur Parade gehoben hatte. Es war nur ein flacher Schnitt, doch der wütende Ausdruck seines Gegners wich ernsthaften Kampfgeist.
"Mich interessieren Beleidungen nicht", sagte Aglarân kühl, "Doch kann ich ein solches Verhalten von einem Vater nicht dulden. Ich hatte gehofft, dass Ihr mit einer Schmähung mir einen Grund für ein Eingreifen bietet. Und dafür bin ich euch dankbar." Er ging sogar so weit und beschrieb ein dankbare Geste mit der Klinge, "Wenn ich dafür etwas Ungerechtigkeit aus der Welt schaffen kann, mische ich mich gern ein."
Das stimmte auch nicht so ganz. Er wollte diesem Säufer einfach eine Lektion erteilen und ihm vielleicht ein paar Knochen brechen. Möglicherweise zeigte das ihm, was wirkliche Verzweiflung bedeutet. Und dass das kein Grund war, ein unschuldiges Kind zu misshandeln. Aglarân musterte seinen Gegner, der mehr auf der Hut zu sein schien aufmerksam. Abschätzend und wachsam umkreisten sie einander. Er kam zu dem Schluss, dass der Kommandant es nicht wert war, dass er seinen Schild benutzte.
"Ihr habt keine Ahnung wie das ist", sagte sein Gegner schließlich mit kaum beherrschter Wut nach einer langen Stille, "Wenn Ihr nach Hause kommt und Eure Frau geschändet von Feinden vorfindet, die Gedärme aufgeschlitzt und den Hals geöffnet, erstickt am eigenen Blut."
Der letzte Satz war gefolgt von einer Abfolge an Schlägen, die willkührlich gewählt waren. Aglarân parierte sechs davon, ließ den siebten an seiner Klinge aufprallen und zum Heft herunterfahren. Mit aller Kraft rammte er dem Kommandanten das Knie ins Gemächt. Stöhnend ging er auf ein Knie, die Kraft hinter seinem Säbel schwand.
"Ich hatte nie eine Familie, aber in so einer Situation würde ich nicht das Quälen, dass mich für immer an meine Frau erinnert wird. Ihr habt es nicht verdient ein Vater zu sein."
Mit einem wütenden Aufschrei warf sich der Mann gegen Aglarân. Die Wucht dabei ließ sie beide zu Boden fallen. Doch die Elite von Aglarêth war auch im absoluten Nahkampf am Boden trainiert. Aglarân nahm einen Arm seines Gegner und drehte ihn ihm auf dem Rücken, mit der andere Hand verpasste er ihm zwei Schläge ins Gesicht. Der Kommandant sträubte sich und versuchte sich aus dem Klammergriff zu ziehen, indem er mit den Beinen wegrobbte. Aglarân reagierte rasch und winkelte seine eigenen Beine an und presste mit seinen Fersen die Kniekehlen seines Feindes zu Boden.
"Gebt Ihr auf, oder soll ich diesen Arm komplett auskugeln?" Ein trockenes "Klack" erübrigte die Frage, die von einem gellenden Schrei begleitet wurde, "Ups. Jetzt bleibt die Frage ob ich ihn brechen soll, oder nicht. Wenn Ihr weiter rumzappelt, erledigt sich auch diese Frage und Ihr könnte für eine lange Zeit keine Waffe schwingen. Ohne Alkohol, hätte das hier ein durchaus spannender Kampf sein können, aber in diesem erbärmlichen Zustand beschämt Ihr Euch nur selbst."
Der Kommandant ächzte und schnaufte, bis sein Widerstand plötzlich erschlaffte. Gleichzeitig ertönten laute Rufe aus der Menge und ein großer Trupp Stadtwachen strömte in den Kreis, der sich um die Kämpfenden gebildet hatte. Speere richteten sich auf sie.
"Auseinander! Sofort!", bellte ein Mann mit einem edlen Mantel und hochwertiger kermischer Rüstung. Offenbar war er ebenfalls ein Kommandant der Stadtgarde.
Aglarân kam der Aufforderung langsam nach und richtete sich auf. Sein Gegner tat es ihm gleich. Auf sie beide war die gleiche Anzahl an Speeren gerichtet, was ihn verwunderte.
"Karim", sprach der Anführer mit Enttäuschung in der Stimme und wandte sich an Aglarâns Gegner, "Ich hatte gehofft, dass die Gerüchte über deine Verfassung..." Der Blick ging kurz zu dem verschreckten Mädchen, "Nur Gerüchte sind. Nun prügelst du dich auch noch in aller Öffentlichkeit mit einem Reisenden, der aus dem Gefolge des Qore stammt. Trotzdem wir alte Freunde sind und ich nur temporär deinen Posten halte, kann ich das nicht übersehen. Heute Abend musst du dich vor dem Oberkommandanten der Stadtgarde verantworten."
"Ich bin in deinen Händen, Rasin", murmelte Karim nur leise und senkte reuevoll das Haupt.
Schließlich wandte der sich der Kommandant der Stadtwachen - Rasin - an Aglarân.
"Ich habe Euch nach der Schlacht um diese Stadt von dem Schiff des Qore gehen sehen. Gibt es eine Erklärung, warum ihr nun alleine unterwegs seid? Und wie kam es zu diesem Schlagabtausch hier?"
"Ihr habt von dem Ausgang von der Schlacht bei El Kurra gehört? So wie es jetzt ist, kann ich nicht hier bleiben."
Rasin nickte und ein Schatten huschte über sein Gesicht. Er schien genau zu wissen, worauf Aglarân hinaus wollte.
"Ich verstehe"", sagte der Kommandant leiser und nickte zu Karim, "Wer hat den ersten Schlag geführt?"
Aglarân gab die Auseinandersetzung so wieder, wie alles abgelaufen war. Rasin, dessen Gesicht von einem prächtigen, schwarzen Vollbart beherrscht wurde, blickte immer wieder zwischen ihnen hin und her. Als Aglarân endete, gab er seinen Männern einen Wink, die die Speere zurückzogen und damit begannen die Schaulustigen zu vetreiben.
Rasin überlegte eine Weile, räusperte sich aber dann und verkündete: "Ich werde diesen Vorfall als simplen Streit verzeichnen. Napata ist immerhin ein Ort, an dem viele Menschen zusammenkommen und da geschieht es hin und wieder, dass man sich in die Quere kommt. Da niemand ernsthaft verletzt ist, dürfte das in Ordnung sein."
"Aber Rasin", schaltete sich Karim ein, "Mein Arm."
Der Kommandant blickte Aglarân erwartungsvoll an und er verstand. Mit einer raschen Bewegung stand er hinter dem knieenden Karim und renkte mit einer geübten Griff die Schulter wieder ein. Der Mann keuchte laut auf und fluchte, nickte aber dann langsam.
"Ich gestehe, dass ich viele Fehler gemacht habe", sagte er mit schmerzverzerrtem Gesicht, "Mein Qore, mit dem ich in dieser Stadt gekämpft habe, würde sich für solch einen Untertanen schämen. Ich werde mit Oberkommandanten Zafer sprechen und aus der Stadtgarde austreten. Meine Tochter wird zu ihrer Tante ziehen. Dann werde ich auf eine Reise gehen um mich neu zu finden."
"Und ich bin mir sicher, dass wirst du, mein Freund. Finde dich selbst neu, vielleicht kann dir deine Tochter dann verzeihen, was du ihr angetan hast", pflichtete Rasin ihm bei und klopfte ihm kameradschaftlich auf die Schulter.
Aglarân räusperte sich: "Wenn das alles ist, würde ich gerne weiterreisen."
Rasin wollte etwas sagen, doch Karim erhob sich und reichte dem Númenorer die Hand.
"Bitte entschuldigt mein ehrloses Verhalten. Ich war in so ein tiefes Loch aus Trauer, Wut und Verzweiflung gefallen, dass ich fast das zerstört habe, was mir als einziges geblieben ist. Es ist wie Ihr sagtet. Ich danke Euch, dass ihr mich dort herausgeprügelt habt."
Aglarân nickte amüsiert. Noch nie hatte sich jemand bei ihm für eine Tracht Prügel bedankt - die Kermer sind ein seltsames Völkchen. Er schlug ein und blickte dabei zu dem Mädchen, dass ihn unsicher anblickte.
"Dankt mir, indem Ihr der Vater werdet, den sie verdient."
Mit den Worten wandte er sich ab und ging zum Hafen.
« Letzte Änderung: 17. Jun 2019, 01:54 von Curanthor »