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Autor Thema: Das Reich von Kushan  (Gelesen 568 mal)

Curanthor

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Das Reich von Kushan
« am: 26. Mai 2017, 19:09 »
Aglarân und Iva von der Ebene von Dalvarinan

An dem fünfzehnten Tag ihrer Reise erreichten sie schließlich die Stelle, an dem ein großer Fluss in den Strom mündete, dem sie die ganze Zeit gefolgt waren. Iva verlangsamte ihre Schritte, als sie eine kleine Kuppe erreichten. Hier maß der Fluss über fünfzig Schritt im Durchmesser. Viel zu breit um ihn zu überqueren, dachte Aglarân sich sofort und wandte den Blick zur anderen Seite, wo der die dichten Wälder erblickte, von denen Iva einmal gesprochen hatte.
"Kushan, ein recht ungastfreundliches Land. Hier werden wir wohl nur schräg angesehen werden", sprach Iva nachdenklich und nickte in die Richtung, weit über die Wälder hinaus, "Irgendwo dort liegt die Ostküste von Mittelerde." Ihr Blick wandte sich nach Norden, wo die Wälder Kushans an die Ausläufer des Roten Gebirge grenzten. "Weiter nach Nord-Osten befindet sich Minhzu."
Aglarân blickte über den dichten Wald von Kushan, außer einzelnen breiten Schneisen war fast das gesamte Land mit Bäumen bewachsen. Sein Gefühl sagte ihm, dass irgendwas an diesen Wäldern nicht stimmte, doch er konnte nicht sagen, was es war.
"Wo liegt deine Heimat?", fragte er nach langem Zögern.
"Dort", antwortete sie sogleich und deutete gerade zur Küste, "Es grenzte an Kushan im Westen und Minhzu im Norden und hatte die Küste am Osten. Eigentlich war es so klein, dass die beiden großen Nachbarreiche uns nie wahrnahmen. Einzig unsere Seefahrt erregte Aufmerksamkeit, da wir große Teile des Ostmeeres befuhren."
Aglarân nickte interessiert und legte den Kopf schief, denn von diesem Land der Seefahrer hatte er tatsächlich noch nie gehört. Sein Blick wandte sich nach Süden, wo sich der breite Fluss weiter durch das Land schlängelte. Ganz in der Ferne konnte er sogar einen dünnen, hellbraunen Streifen erkennen.
"Dort beginnt der heiße Süden", erklärte Iva plötzlich, die seinem Blick gefolgt war, "Ist das dein Ziel?"
Aglarân dachte eine Weile nach, denn die Frage stellte er sich schon die ganze Zeit. Wenn er Sauron schaden wollte, dann am meisten im Süden, da er von dort die größte Unterstützung erhielt. Schließlich nickte er stumm und Iva straffte die Schultern. Auf einem fragenden Blick hin seufzte sie.
"Ich mag den Süden nicht. Ich werde bis dahin mitgehen, bis ich mich nicht mehr auskenne, ab da gehe ich meinen eigenen Weg", erklärte sie nach einer langen Stille und strich sich die Haare zurück.
Aglarân hatte sowas schon vermutet und nickte nur stumm. Er wollte nicht unnötige Unterhaltungen führen und deutete auf den Fluss. "Der führt bis an das Meer?"
"Ja", bestätigte Iva verwundert und fuhr fort: "Ich dachte, das hatte ich schon erwähnt. Der Fluss mündet in einen Golf und somit ins Meer, doch zuvor müssen wir einen Zulauf des Flusses bei Kushan überqueren."
"Der mit der Brücke?", hakte Aglarân nach und erhielt ein zustimmendes Nicken.
"Ich schätze wir brauchen bei gutem Tempo zwei, vielleicht drei Tage", erklärte seine Begleiterin und rückte ihre wenigen Habseligkeiten gerade.
"Reisen wir die Nacht durch, dann sind wir schneller", schlug Aglarân nach kurzem Überlegen vor.
"Das wollte ich auch gerade vorschlagen", pflichtete Iva ihm überraschend rasch bei.
Er runzelte skeptisch die Stirn, sagte jedoch nichts. Seine Vermutung war, dass ihre Truppe Söldner in Kushan sich ordentlich ausgetobt hatte, sodass sie nicht dorthin zurückkehren wollte. Ihm war es egal, selbst wenn die Geschichte über dieses Etwas in den Wäldern nur erfunden war, wollte er nicht lange in einem Land verbleiben, das er nicht kannte. Nachdenklich ging er voraus und das erste Mal erblickten sie einen weiteren Reisenden. Der Mann, der ihnen entgegen kam trug ein hölzernes Gestell auf dem Rücken und schwitzte. Die gedrungene Gestalt des Reisenden war ausgezehrt und der Kerl bemerkte sie erst, als er beinahe in sie hinein lief. Bei Aglarâns Anblick wurde er eine Spur blasser und eilte ohne ein Wort zu sagen davon. Iva schmunzelte kaum merklich und deutete auf den Boden. Aglarân erblickte unter den Grasbüscheln und Erde eine gepflasterte Straße, die fast vollkommen überwuchert war. 
"Angeblich sollen das alte Elbenpfade sein", murmelte Iva nachdenklich und schritt voraus. Er ersparte sich einen Kommentar und folgte ihr. Ihr Gang war zügig, doch das war er mittlerweile gewohnt. Während sie dem Flusslauf folgten redeten sie nicht viel, wie den bisherigen Teil ihrer Reise. Auf dem Strom sah er hin und wieder kleine Boote, meist Fischerboote, doch auch zwei Fähren konnte er erblicken.

Die restlichen zwei Tage verliefen ohne Zwischenfälle, selbst die Nacht, die sich durchwanderten war ruhig. Auch begegneten ihnen kaum Reisende, was sie aber nicht störte, denn sie genossen die Ruhe. Am Morgen des dritten Tages erreichten sie schließlich die Grenze von Kushan. Das große Holzschild war schon von weitem zu erkennen, denn es ragte zehn Schritt in die Höhe. Darauf waren dutzende Blätter aus einem merkwürdigen Stoff angeheftet, ganz oben waren fremdartige Zeichen mit merkwürdigen Strichen und Balken angebracht.
"Kushan, das Land der Wälder", las Iva vor und nickte zu den merkwürdigen Schriftzeichen.
"Und was ist das hier?", fragte Aglarân und nickte zu den ganzen angeheftete Schriftstücken. Auch einige Zeichnungen konnte er erkennen. Anstatt zu antworten ging Iva näher an die große Holztafel heran, er folgte ihr neugierig.
An der Tafel hingen dutzende Schriftstücke in der fremden Schrift, auch einige Bilder waren darunter.
"Aushänge, Verkündigungen, Kopfgelder und Reisewarnungen", erklärte Iva und deutete nacheinander auf die Schriftstücke, die in Gruppen hingen.
"Kushan ist bekannt für seine strengen Sitten. Diese Reisewarnung ist schon ziemlich alt. Es ist ein Warnung von dem "Phantom von Kushan"." Sie nickte zu einer Zeichen aus Tinte, die einen Krieger mit einem langen Speer zeigte, einer gezogenen, schlanken Klinge und einer schweren Rüstung, die Aglarân nicht kannte. Besonders das Visier in Form einer Dämonenfratze war herausgearbeitet. Zweifellos war dies die Arbeit eines Künstlers.
"Aber das dürfte uns mehr interessieren", sagte Iva und tippte auf eine Zeichnung, die dutzende grobschlächtige Kerle darstellte. Sie alle hatten kahl geschorene Schädel und trugen brachiale Waffen. Sie waren nur teilweise bekleidet und als äußerst abstoßend dargestellt.
"Die Wilden", vermutete er sofort und Iva nickte zähneknirschend. "Was steht da noch?"
"Dass der Herrscher von Kushan jegliche Söldnerarbeit verbietet, dass die Brücke wieder geöffnet ist und alle "Diener der Dunkelheit" vogelfrei sind."
Aglarân wusste sofort, dass damit die Gefolgschaft von Sauron gemeint war. Ein Funken Respekt regte sich in ihm, dass sich die Menschen hier so offen dem Auge entgegen stellten. Zwar war Mordor weit weg, doch der Arm des dunklen Herrschers konnte sehr lang sein. Er vermutete, dass die Wilden eben jenen Arm darstellten, doch irgendwas fehlte noch in dem Bild.
"Hier steht noch Etwas", sagte Iva langsam und runzelte die Stirn, "Ein Raubtier soll in den Wäldern leben. Es hat dutzende Menschen angegriffen und mit schweren Verletzungen liegen gelassen."
"Dann gehen wir ab hier mit besondere Vorsicht weiter", erklärte er und zog seine Klinge. Er würde sich ganz bestimmt nicht von einem wilden Tier töten lassen, jetzt da er endlich seine Freiheit erlangt hatte.

Nach einer kurzen Rast ließen sie die Anschlagtafel hinter sich und folgten einem breiten, ausgetretenen Pfad, der sich schon bald durch einen Wald zu schlängeln begann. Dabei entfernten sie sich von dem Fluss, was Aglarân etwas merkwürdig vorkam, da er so an das Plätschern des Wassers gewöhnt war. Doch auch die Geräusche des Waldes waren ihm nicht unangenehm. Hier unter den Bäumen herrschte ein recht mildes Klima, sodass er den Helm aufbehalten konnte. Meist war die Sonne genau auf den Stahl geschienen und ihn unangenehm stark erhitzt. Es war zwar nicht gefährlich, doch da sie hier draußen nicht angegriffen werden konnte, hatte er ihn meist auf dem Arm getragen. Nun setzte er den Kopfschutz wieder auf, nachdem er von dem wilden Tier und diesen Wilden erfahren hatte. Aus den Augenwinkel sah er, dass Iva immer angespannter wurde. Sie verkrampfte sich regelrecht, als ein Reisender ihnen entgegen kam. Der Mann starrte Aglarân unentwegt an, doch machte keine Anstalten sie anzugreifen. Sie maßen sich mit Blicken, sodass ihm auffiel, dass die Bewohner des Ostens andere Gesichtszüge hatten, wie engere Augenpartie und plattere Nasen. Kurz sah er Iva an, die nur ganz leicht diese Züge aufwies, auch wenn sie noch weiter aus dem Osten kam. Er beschloss sie später darauf mal anzusprechen.
Als sie um eine Biegung kamen, verlangsamten sie ihre Schritte, denn vor ihnen erhob sich eine Art Festung aus Holz, die den Weg versperrte.
"Ein Kontrollpunkt", fluchte Iva und sagte hastig: "Nicht umdrehen, ihre Bogenschützen würden uns sofort durchlöchern. Für eine Umkehr ist es schon zu spät."
Das Tor der kleinen Festung, die vielleicht fünfzehn Schritt maß öffnete sich und zwei Krieger traten hervor. Sie trugen eine Art Mantel mit sehr weitem Schnitt. Schlanke klingen waren um ihre Hüften gegurtet. Aglarân bemerkte eine Bewegung auf dem Dach der Festung und zählte sogleich fünf Männer mit langen Bögen, die ihre Sehnen gespannt hatten. Der Linke, der beiden Männer sagte Etwas auf einer merkwürdig klingenden Sprache. Zu Aglarâns Überraschung antwortete Iva in der gleichen Sprache und machte dabei eine knappe Verneigung, die der Mann rechts erwiderte.
Es folgte ein langer und erhitzter Wortaustausch zwischen Iva und den beiden Männern, die offenbar diskutierten. Schließlich gab einer der Wachen einen Wink und einige Kerle mit langen Stäben und aufgesetzten Klingen traten aus der Festung hervor.
"Sie werden uns zur Brücke eskortieren", erklärte Iva leise und murmelte: "Hoffentlich... ich beherrsche ihre Sprache nicht gut."
« Letzte Änderung: 1. Jan 2019, 16:56 von Fine »

Curanthor

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Re: Das Reich von Kushan
« Antwort #1 am: 16. Jun 2017, 05:59 »
Aglarân fluchte leise und versucht sich nichts anmerken zu lassen. Eigentlich hatte er keine Lust sich durch das ganze Land zu kämpfen. Als sie den hölzernen Torbogen passierten, konnter er erkennen, dass die Bogenschützen sich entspannten. Scheinbar drohte ihnen keine Gefahr. Zumindest schätzte er so die Situation ab, denn trotz der leicht erhitzten Diskussion zu Beginn waren die drei Männer sehr ruhig. Sie plauderten scheinbar in einer ihm unbekannten Sprache, während er und Iva immer wieder zurückblickten. Der Kontrollpunkt war komplett aus Holz und vielleicht so groß wie eine kleine Scheune. Aglarân schätzte, dass dort vielleicht zwanzig Männer stationiert waren. Ehe er sich weiter über das ungewohnte Bauwerk wundern konnte, verschwand es hinter einem großen Busch. Er blickte nach vorn, wo sich der gewundene Weg durch den Wald in einer großen Kurve wieder dem Fluss entgegenbog.
Ive nickte ihm auffällig zu und er verstand, dass sie tatsächlich zu der Brücke gingen. Vereinzelt ertönten aus dem Wald Geräusche, die die drei Männer zusammenzucken ließ. Das leichet Plaudern war recht bald verschwunden und Anspannung legte sich über die kleine Gruppe. Einer der Kerle hob seine Lanze und schaute sich sorgfältig um, doch die eng stehende Bäume und das dichte Unterholz ließ nichts erkennen.
Sofort kam ihm die Warnung über die geheimnisvolle Bestie in dem Sinn. Seine Hand wanderte zu seinem Schwert. Einer der Männer nickte ihm kaum merklich zu. Etwas knackte rechts von ihnen. Die Wachen reagierten erstaunlich schnell und schwenkten die Speere um. Aglarân zog sein Schwert und nahm seinen Buckler vom Gürtel. Iva verschanzte sich mit der Katze in ihrem Beutel in seinem Rücken.
Es knackte lauter und plötzlich brach etwas Großes und Schnelles aus dem Unterholz. Aglarân dachte nicht lange nach und schlug mit dem Schwert zu. Er spürte, dass er traf, doch die Klinge glitt von dem Körper ab. Sogleich spürte er einen harten Schlag gegen seine Rüstung und wurde von den Füßen gerissen. Pfeile sirrten, während er auf dem Boden landete. Iva half ihm jedoch rasch auf. Die drei Wachen waren verschwunden und an Agarlâns Schwert haftete schwarzes Blut mit dunkelrotem Schimmer. Stirnrunzelt blickte er sich um, doch von Feind und den drei Kerlen fehlte jede Spur.
"Lass uns schnell verschwinden!", schlug Iva leise vor und huschte geduckt voraus.
Da ihm das nicht in der Rüstung möglich war, folgte er ihr rasch. Plötzlich hörte man aus der Ferne ein hohes Horn. "Das waren unsere Begleiter, sie rufen ihre Leute."
Aglarân gab es auf unauffällig zu sein und rannte den nun gepflasterten Weg entlang zur Brücke. "Dann ist das Ungetüm wohl ein größere Problem als wir", entgegnete er schwer atmen und erblickte die Brücke von Kushan.
Vor ihnen erhoben sich zwei riesige Türme aus Stein, die den Zugang zu der Brücke flankierten. Die Torburg war so riesig, dass vier Trolle problemlos nebeneinenader durchlaufen könnten. Rasch kam das Bauwerk näher und man sah aufgeregte Gestalten umherwimmeln. Das große Gatter, dass den Weg zur Brücke versperrte senkte sich langsam. Er fluchte und blickte zurück. Im Schatten des Waldes erblickte er einen dunklen Umriss, dunkelrote Augen glommen im Zwielicht. Ein schweres, regelmäßiges Stampfen setzte ein. Und was war fast so schnell wie ein Pferd.
"Schneller!", rief Iva, während die Katze in dem Beutel vor Furcht fauchte.
Atemlos erreichten sie den Brückenkopf, während vor ihnen Männer mit Bögen, Lanzen, Reiterhindernissen und einer Balliste wartete. Er hatte davon gehört, dass Saruman diese Kriegsmaschinen baute, doch sie hier zu sehen befremdete ihn ein wenig. Ihm blieb keine Zeit weiter darüber nachzudenken. Jegleiche Rufe ignorierend rannten sie unter das Gatter hindurch und sahen sich sofort jede Menge Soldaten gegenüber. Ein dutzend Klingen bedrohten ihn, ein halbes Dutzend zielten auf Iva.
Hinter ihnen ertönte ein urtümliches Brüllen, das am Ende schrill hochzog. Dann stampfte es erneut, doch langsamer. Scheinbar entfernte sich das Wesen wieder, zumindest hoffte Aglarân es.
"Was wollt ihr?", blaffte ein Kerl mit roter Schärpe.
"Dadurch", antwortete Aglarân prompt und drückte die Klinge des Mannes mit seinem Seitschwert mühelos herunter. Man erkannte sofort, dass die Soldaten nicht gut ausgebildt waren, doch das machte sie unberechenbarer.
"Ich entscheide wer die Brücke passiert und wer nicht. Jetzt sagt was ihr hier macht und warum das ... Ding hinter euch her war. Was ist mit den Leuten von dem Vorposten?", antwortete der Anführer und hob sogleich seine Waffe wieder, "Habt ihr das mit Absicht gemacht, um die Männer vom Vorposten loszuwerden?"
"Immer langsam", schaltete sich Iva überraschend ein und zog ihr Mundtuch herunter, "Du musst dich nicht immer so aufspielen."
Der Kerl schien sie sofort zu erkennen, denn ihm fiel fast die Kinnlade herunter.
"Dass ich dich hier treffe... und mit dem Kerl da...", dabei warf der Mann ihm einen abwertenden Blick zu, "Aber wie ich dich kenne, hast du dafür einen guten Grund."
Mit einem Wink bedeutete der Bekannte von Iva seinen Soldaten zu verschwinden. Als sie alleine waren klopfte der Kerl ihnen auf die Schultern, wenn auch etwas sehr zurückhaltend. "War sehr knapp da eben, beinahe hätte ich meine Bogenschützen schießen lassen, aber irgendwas war merkwürdig."
"Und was?", fragte Iva und blickte zu Aglarân und verdrehte scheinbar genervt die Augen.
Er selbst hörte nur zu und blickte über das steinerne Geländer auf das Plätschernde Wasser. Eine Weile dachte er nach und wandte sich schließlich an die beiden Sprechenden. "Kann man auch mit einem Boot den Strom hinabfahren?", platzte er in das Gespräch und deutete nach Süden.
"Alles zu seiner Zeit, ich muss erst mit meiner alten Weggefährtin sprechen. Am besten in südlichen dem Turm auf der anderen Seite der Brücke, die haben das bessere Essen, nicht unseren Fraß." Der Mann mit einem dünnen Schnäuzer warf Aglarân einen abschätzenden Blick zu, "Ich denke, du bist auch eingeladen, scheinbar kann Iva dich gut leiden und das sollte für's Erste reichen."
Aglarân nickte stumm und folgte den beiden über die Brücke, während er grübelnd nach Süden blickte, den Strom hinab. Vor ihm sprachen die beiden Weggefährten über ihre Gruppe von Söldner und wie sie damals das Land unsicher gemacht haben. Dass der Kerl seinen Tod vorgetäuscht hatte, ehrlich geworden war und nun in Kushan Arbeit suchte, aber dann zum Militär ging. Aglarân seufzte und blickte zwischen den beiden hin und her. Ihm selbst war diese Art von Unterhaltung nie gelungen. Iva schien das nicht zu stören, auch wenn sie zuvor die Augen verdreht hatte, schien sie die Begegnung mit dem Kerl zu genießen. Grummelnd schüttelte er den Kopf und folgte den beiden schlecht gelaunt in den Turm, der offensichtlich eine Art Taverne war.

Curanthor

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Re: Das Reich von Kushan
« Antwort #2 am: 26. Jun 2017, 16:32 »
In der Taverne des südlichen Turms war es laut und Rauch hing in dicken Schwaden an der Decke. Viele der Gäste hatten ihre Pfeifen angesteckt und bließen grau-bläuliche Ringe in die Luft. Als Aglarân mit Iva und dem Kerl eintraten, verstummten einige Gespräche, doch die Anwesenheits des ehemaligen Söldners schien die meisten Leute zu beruhigen. Anscheinend ist doch etwas an seiner Geschichte wahr, dachte sich Aglarân und nahm gemeinsam mit seinen zwei Begleitern an einem der runden Tische Platz. Eine verschwitzte, aber doch freundlich drein blickende Bediedung trat zu ihnen und begrüßte sie auf verschiedenen Sprachen, darunter auch die Allgemeinsprache des Westens. Sie kümmerte sich nicht um das ungewöhnliche Aussehens Aglarâns, auch wenn einige der Gäste unsicher zu ihm blickten. Der Kerl mit dem Schnäuzer bestellte auf einer unbekannten Sprache.
Iva unterhielt sich mit ihm eine ganze Weile mit ihrem alten Weggefährten, während Aglarân gelangweilt umherblickte. Die Schänke war aus einem dunklen Holz gefertigt, selbst die Einrichtung und lies alles ein wenig düster erscheinen. Der kratzende Rauch in der Luft tat sein übriges um die Spelunke schäbig wirken zu lassen. Durch Aglarâns Rüstung traute sich aber niemand ein Wort an ihn zu richten. Als es um Ivas Heimat bei dem Gespräch der beiden Söldner ging, horchte er auf.
"Weißt du, was mit den anderen aus unserer Gruppe geschehen ist?", fragte der Mann mit dem Schnäuzer mit plötzlichen ernst. Die heitere Stimmung war rasch verflogen.
Iva zupfte ihr Halstuch gerade und schien nicht darüber reden zu wollen, rang sich aber dann doch durch und antwortete: "Bis auf vielleicht zehn Mitglieder sind alle umgekommen."
"Es war eine dämliche Idee sich mit den Elben anzulegen", gab der Mann zu, "Wie verblendet wir damals waren..."
"Kimyan, du hast nur versucht zu überleben", wandte Iva sanft ein. Sie schien sehr nachdenklich und versank in Schweigen. Irgendwo in der Taverne grölte eine Gruppe Männer und rief nach mehr Bier. Obwohl die Lärmkulisse ihn anstrengte, fiel ihm eine Besprechung ein. Damals war er noch in Mordor regelmäßig bei den Treffen der Heerführer dabei gewesen. Varakhôr hatte nie auf seine Wachen verzichtet, was ihm das erste Mal hilfreich erschien.
Aglarân musste sich Gewissheit verschaffen und klingte sich in das Gespräch ein: "Waren es Söldner gewesen, die damals kürzlich  der Expedition beigetreten waren und dann rebellierten?" Seine Frage stellte er leise und eindringlich, doch Iva blickte sofort auf. Ihre Augen sprühten vor Zorn und bedeutete ihm mit warnenden Blicken nicht weiterzusprechen. Kimyan dagegen fixierte ihn, seine mandelförmigen Augen verengten sich. Misstrauisch fragte der Kerl, woher er das wüsste, seine braunen Augen schienen Blitze zu schießen.
Aglarân blieb ganz gelassen, obwohl im klar war, dass er sich gerade sehr verdächtig benahm. "Sagen wir, ich bin eine Zeit lang einen falschen Weg gegangen", begann er mit gewohnt kühler Stimme, "Dort gab es Pläne über sogenannte Szaga, eine Truppe von fremdländischen Unruhestiftern, denen eine Menge Wertgegenstände geboten wurde. Diese sollte dann Unfrieden in einem Land bringen und es gegen die herrschende Klasse aufhetzen. Allerdings waren diese Leute zu unzuverlässig und die Pläne wurden fallen gelassen."
Als er mit seiner Erklärung endete waren die Gesichter seiner Zuhörer schwer zu deuten, denn Iva schien nachdenklich, Kimyan dagegen noch immer zornig, doch wie sich sogleich herausstellte nicht gegen ihn.
"Also haben deine ehemaligen Herren ihren Plan doch noch durchgezogen", stellte der ehemalige Söldner nüchtern fest und nahm danken einen Krug Bier entgegen, "Ich schätze, du hattest keine Möglichkeit dadran etwas zu ändern."
Aglarân schüttelte den Kopf und beobachtete die braunhaarige Bedienung, die ihnen jeweils einen dampfenden Teller mit Suppe auf den Tisch stellte. Zu seiner Überraschung war das Besteck aus hochwertigen Metall und die Schalen aus schlichter, doch gut gefertigter Keramik. In dem Teller befand sich eine reichhaltige Mahlzeit aus allerlei Grünzeug, viel Fleischstückchen und Gewürzen.
"Das Hausgericht, das Beste was wir zu bieten haben", sagte die braunhaarige Frau mit schweren Akzent und stellte Aglarân einen Krug Bier hin. Sie lächelte noch einmal und veschwand in der Küche.
Iva sagte nach einer langen Pause schließlich, dass sie den plötzlichen Umbruch in ihren Heimatland schon immer merkwürdig fand. Kimyan pflichtete ihr bei, während sie begannen die Suppe zu verspeisen. Aglarân zögerte, nahm jedoch seinen Helm ab und stellte ihn neben den Teller auf den Tisch. Dabei achtete er, dass der Rosshaarschmuck nicht in das Essen geriet. Einige Blicke richteten sich auf ihn, doch seine düstere Erscheinung und die vielen Narben im Gesicht ließ die allgemeine Neugierde verfliegen. Trotzdem etwas unwohl widmete er sich seiner Mahlzeit, die erstaunlich gut schmeckte. Vielleicht ein wenig zu würzig für seinen Geschmack, doch war es eine riesige Portion und sehr nahrhaft. Mit großen Appettit aß er weiter, ließ jedoch nie seine Aufmerksamkeit fallen.

Umgeben von Fremden war es nicht ganz einfach, doch Aglarân konnte sich ein wenig entspannen. Die Lautstärke war unverändert und als sie das Mahl beendeten, blieben sie noch eine Weile sitzen. Er hörte zu, wie Iva und Kimyan über belanglosere Dinge sprachen als ihre verlorene Heimat. Ganz verstand Aglarân auch nicht, warum sie über so unzusammenhängende Dinge sprachen wie das Wetter und dass ein paar Wilde in Kushan ziemliche Unruhe verbreiteten. Auf eine Frage Ivas hin, ob er was darüber wüsste, schüttelte er nur den Kopf, ansonsten hielt er sich aus der Unterhaltung heraus.

Die Zeit verging und es war Abend geworden, die Taverne war ein wenig leerer, doch blieben. Schließlich fragte Iva, ob sie mit Aglarân einen Moment alleine sprechen konnte. Kimyan war bereits leicht angetrunken und wedelte verstehend mit der Hand, sodass er zustimmend nickte. Seine schwarze Rüstung hatte leichte Dellen auf dem Holz hinterlassen, wie Aglarân feststellte, als er sich erhob. Gemeinsam mit Iva ging er durch die Tür der Taverne in dem Turm und trat hinaus in die Nacht. Die Luft war kühl und feucht, Fackeln erleuchteten die Brücke von Kushan. Bevor Iva den Mund aufmachen konnte, kam Aglarân ihr zuvor und eröffnete das Gespräch: "Du möchtest gerne hierbleiben und später in deine alte Heimat aufbrechen."
Iva, die sich vorher das Halstuch herabgezogen hatte, lächelte zurückhaltend und senkte den Blick. "Eigentlich wollte ich dich noch eine Weile begleiten aber...", sie verstummte und blickte zurück auf die Tür der Taverne, "Ich muss mit Kimyan herausfinden was damals in unserer Heimat geschah. Damals waren wir nur auf den Schiffen und wir hörten nur aus den Erzählungen was in den Städten geschehen war."
Aglarân nickte verstehend und rang sich sogar dazu durch, ihr eine Hand auf die Schulter zu legen. Sichtlich überrascht von der Geste starrte Iva ihn an. Es dauerte einen Moment, bis sie ihre Sprache wiederfand.
"Eigentlich halte ich das, was ich sage auch ein aber - "
"Es ist in Ordnung", unterbrach Aglarân sie und drückte noch einmal ihre Schulter, "Es geht um deine Heimat, ich werde schon zurecht kommen."
Er zog seinen Arm zurück und öffnete die Türe zur Taverne. Ihm stand nicht der Sinn danach die Verabschiedung lange hinauszuzögern. Iva folgten ihm ein Stück versetzt, als sie zum Tisch gingen. Kimyan kam ihnen entgegen.
"Ich werde eine Boot für Euch besorgen", sagte er leicht lallend und nickte zu Iva, "Weil sie es ist und zur Feier, dass meine alte Weggefährting noch am Leben ist."
Aglarân bedankte sich und schnappte sich seinen Helm vom Tisch, sogleich erklärte Iva, dass sie die Rechnung übernahm. Er wusste sofort, dass eigentlich Kimyan bezahlen würde, sagte aber nichts. Er hatte so oder kein Geld dabei, geschweige denn die passende Währung. Iva stützte Kimyan, während Aglarân die Tür öffnete und hinaus trat. Der leicht angetrunkene Mann zog einen Zettel aus seiner Tasche und drückte das Papier Iva in die Hand. "Der Mann den Fluss hinab schuldet mir noch einen Gefallen, du kennst dich ja bisschen aus. Ich werd' mich in der Wachstube hinlegen."
Kimyan nickte zum Abschied und ging über die Brücke davon, Iva winkte ihm noch. Sogleich machten sie sich auf den Weg, verließen die Brücke am Südufer und folgten dem Flusslauf nach Westen. Auf dem Weg sprachen sie nicht, sondern lauschten dem Rauschen des Wassers.
"Vielleicht sehen wir uns nochmal", sagte Iva nach einer langen Stille, während sie an einem kleinen Strand entlangliefen.
"Besimmt", bestätigte Aglarân und stellte fest, dass er sich an ihre Anwesenheit gewöhnt hatte, "Nun wird es wieder etwas stiller."
Iva machte einen zustimmenden Ton und wirkte etwas betrübt, sagte jedoch nichts weiter. Aglarâns Blick fiel auf die Katze in dem Beutel. Das Tier hatte er fast vergessen, denn die letzten Wochen war er mit den Gedanken immer woanders gewesen. Iva hatte sich hauptsächlich darum gekümmert. Als er sagte, dass sie die Katze behalten könnte, dachte sie eine Weile nach, nickte aber dann langsam. "Sie ist eigentlich zu dir gekommen nicht wahr?", auf sein Nicken hin lächelte sie, "Vielleicht will sie bei dir bleiben?"
Aglarân verneinte und erklärte, dass der Süden wohl zu heiß für sie sein würde und er nicht ständig auf das Tier aufpassen konnte.
"Du sorgst sich um sie...", Ivas Lächeln wurde eine Spur herzlicher, "Gut, ich werde gut auf sie Acht geben."
Er brummte zustimmend und deutete auf ein Fischerhaus mit einem langen Steg, an dem drei Boote lagen. Eine Gestalt mit einer Fackel lungerte auf einem de Boote herum. "Ich denke, das ist der Kerl, den wir suchen."
Iva beschleunigte ihre Schritte und er überließ ihr das Sprechen. Aglarân hielt sich außerhalb der Reichweite der Fackel auf und trat erst dazu, als seine Begleiterin ihn zu sich winkte. Der Fischer, ein Mann mit sehniger Statur erschrack bei seinem Anblick, doch deutete eingeschüchtert auf ein Boot. Es war nicht sonderlich groß, sollte ihn aber zu seinem Ziel tragen.

Aglarân holte nach grobe Informationen aus den zitterenden Mann heraus, wie man das Bott bediente. Als das erledigt war, verschwand der Fischer rasch und ließ die beiden am Steg alleine.
"Ich denke, dass es nun Zeit ist um Lebewohl zu sagen... ", begann Iva und lächelte, "Ich hoffe, dass du dein Ziel finden und erreichen wirst, was auch immer es ist."
Algarân nickte und schlug in die Hand ein, die sie ihm darbot. "Danke, das Gleiche auch für dich. Viel Glück auf deinen Weg, den du mir nie erläutert hast."
Iva lachte leise und selbst ihm schlich sich ein Schmunzeln auf die Lippen, das sofort aber wieder verschwand. "Nun, die Eiswächter - so hießen die eisigen Gestalten - haben mir ein paar Dinge klar werden lassen. Genauer kann ich es nicht erklären", sagte die Söldnerin nachdenklich und schien kurz nachzudenken.
"Es ist in Ordnung. Hauptsache ist, dass du deinen Weg kennst und ihn mutig begehst", ermunterte Aglarân sie und brachte die protestierende Stimme in seinem Kopf zum Schweigen. Er wollte nicht ständig Andere von sich stoßen und Iva hatte eine bessere Behandlung verdient.

Schließlich betrat er das schwankende Boot und versuchte sich zurecht zu finden. Nach ein paar Momenten und einigen Tests hatte er den Dreh raus und Iva half ihm abzulegen. Sie winkte ihm, als er mit dem Boot hinaus in die Nacht glitt. Nach und nach verschwamm ihre Gestalt, die vom Fackelschein beleuchtet wurde. Er zögerte, zog sich jedoch einen Panzerhandschuh aus und stieß einen gellenden Pfiff aus. Nach einem kurzen Moment der Stille ertönte das gleiche Geräusch von dem Steg. Nun, da er alleine war lächelte er und fühlte sich das erste Mal in seinem Leben wirklich frei. Sein Blick ging über seine Schulter nach Süden, während er weiter ruderte. Was ihn dort erwartete, stand in den Sternen geschrieben, doch er war bereit dafür.

Aglarân nach Eryan
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